Die Trolle und die Wichtel – Wie wir es uns unnötig schwer machen, Debatten zu gewinnen (Gastbeitrag)

Gastbeitrag von Bean

Wir Männerrechtler (und ja, auch ich sehe mich als einer) stehen tagtäglich im Kreuzfeuer der öffentlichen Meinung. Wir gelten als Ewiggestrige, als Angehörige der Frauen-an-den-Herd- Fraktion und als Nazis, oder mindestens als AfD-Anhänger, egal wie unsere politischen Ansichten tatsächlich sein sollten. Man verhöhnt uns abwechselnd als verachtenswerte Schlaffsäcke, die keine Frau abbekommen und als Machos, die sich in ihrer Männlichkeit bedroht fühlen, wenn man sich ihnen nicht willenlos an den Hals wirft. Wir werden beschimpft, niedergemacht, mit sozialer Ächtung bedroht, und dass wir tatsächlich relevante Anliegen vertreten – von den Rechten der Kinder auf beide Eltern bis zur Stärkung der Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Männergesundheit – wird schon alleine deswegen nicht ernst genommen, weil wir als Angehörige des Patriarchats ja sowieso bereits überall bevorzugt werden.

Es ist verrückt: Alle diese Argumente gegen Maskulismus sind Humbug, offensichtlicher Humbug, leicht zu entkräften, wenn man nur eine Minute lang einmal genauer hinschaut und sieht, woher wir kommen und was wir tun. Kaum jemand, der sich fünf Minuten mit Arne Hoffmann beschäftigt hat, oder mit Lucas Schoppe, oder mit der Arbeit eines Alexander Ulfig, kann noch glaubwürdig bestreiten, dass unsere Anliegen Lichtjahre entfernt von dem Zerrbild sind, das über uns verbreitet wird. Wie anders müssen da unsere Gegenspieler auf Seiten der Feministen und der Gender-Ideologen wirken, mit ihren Forderungen nach der Schließung eines nicht vorhandenen Gender-Pay-Gaps oder dem Ruf nach gesetzlich geregelter Elternzeit in Vorständen und Aufsichtsräten.

Warum gelingt es uns nicht, unsere Themen einzubringen? Warum tun wir uns so schwer damit, die öffentliche Debatte auf unsere Seite zu ziehen, trotz der wirklich für jeden leicht zu durchschauenden Schwächen der Gegenseite? Die Antwort auf diese Frage ist ebenso kurz wie schmerzhaft: Wir schießen uns in dieser Schlacht allzu oft in die eigenen Füße, indem wir uns auf das unterirdische Gesprächsniveau unserer Kontrahenten herablassen und teilweise alles tun, um dieses noch zu unterbieten.

Für jeden Maskulisten, der sachlich und überzeugend argumentiert, finden sich fünf, die ihre Position mit dem Selbstverständnis eines Al Bundy verteidigt. Jeder Fakt, der von einem von uns vorgebracht wird verschwindet in einem Meer von Ad-hominem-Beleidigungen, die aus unseren Reihen gegen unsere Kritiker ausgekotzt werden. All unsere Versuche, etwas Konstruktives zu den Debatten beizutragen, werden abgewiegelt, und man zeigt mit dem Finger auf diejenigen unter uns, deren Diskussionskultur sich regelmäßig in der Toilettenschüssel abspielt.

Das ist nicht einmal wirklich unsere Schuld. Das Internet hat in den vergangenen Jahren zu einer Verrohung im Umgangston beigetragen, die ihresgleichen sucht. In jedem Forum, in jedem Chat finden sich Trolle, die ihr Haupt erheben und ihre verbalen Fäkalien unters Volk streuen. Auch bei uns, den Maskulisten.

Und in den Medien sieht man die Trolle und schließt, wir Maskulisten seien allesamt Trolle.

Und wie reagieren wir?

Leider allzu oft genau so, wie es von uns erwartet wird. Wir werfen mit Beleidigungen um uns, die vielleicht noch bei schlecht erzogenen Achtjährigen finden würde. Wir bezeichnen Menschen, die eine andere Meinung als wir vertreten, als Idioten, Trottel, oder lallende Besoffene. Wir suchen bei unseren Debattengegnern nach kleinen Fehlern, die sie begangen haben könnten, nehmen diese Fehler mit der Pinzette bis aufs Kleinste auseinander und bezichtigen sie daraufhin der vollkommenen Inkompetenz.

Wir sollen Trolle sein? Die anderen sind bloße Wichtel!

Und leider, leider, reden so nicht die Trolle in unseren Reihen. So reden auch diejenigen unter uns, die manchmal die besten Argumente haben, die stärksten Fakten, die größte Kompetenz beim Herausarbeiten der Sachlage. Ausgerechnet die Leute in unseren Reihen, die ich am liebsten in jeder Diskussion zitieren würde, machen sich durch ihr eigenes Diskussionsverhalten unzitierbar.

Das liegt auch daran, dass unsererseits teilweise schamlos mit den selben schmutzigen
Methoden gearbeitet wird, die wir bei unseren Diskussionsgegnern zu Recht anprangern. Wir missverstehen Aussagen so lange, bis sie von einem irgendwie vertretbaren Standpunkt zu einem geifernden Extrem geworden sind und greifen dann mit aller nur möglichen Vehemenz dieses Extrem an, als wäre das schon immer der Mainstream-Standpunkt unserer Gegner gewesen. Wir suchen im Keller unserer politischen Gegner nach Zitatleichen, die sie vor Jahrzehnten einmal in einem völlig anderen Zusammenhang in die Welt gesetzt hatten und werfen ihnen vor, ihr heutiges Verhalten wäre in diesem Kontext zu verstehen.

Indem wir unsere Gegner so unfair angreifen, wie sie es bei uns tun, machen wir uns selbst angreifbar. Besser, als die anderen es könnten.

Wann fangen wir an, quer durch unsere Reihen die Ruhe und Selbstbeherrschung auszustrahlen, die wir bräuchten, um in den Augen der Öffentlichkeit endlich ernst genommen zu werden?

„Hilfe, ich date einen Männerrechtler“

Auf der Seite von „Captain Akward“ geht eine Anfrage ein, die auch für uns interessant ist:

Dear Captain Awkward,

I have a problem. I am a feminist. Why is that a problem? Because my boyfriend, as generous and thoughtful and funny and sweet as he is, doesn’t get it. At all. We’ve been dating for over a year and I love him, which is what makes this so hard. About three months into our relationship, I noticed that when I’d bring up some women-centric issue (i.e, the Steubenville rape case), his argument was “Well, she shouldn’t have been drinking so much.” Which, of course, is awful and, yes, I may have gone to bed angry that night.

I chalked it up to him just “being a guy” and being influenced by the world’s habit of blaming the victim, etc. But then, as our relationship progressed, these things just kept. popping. up. To the point where he told me that he believes in Men’s Rights and he thinks feminists are crazy and damaging. I’ve told him my feelings on this and how hurtful and scary I think these opinions are. He’s told me that he may be influenced this way because of a (really bad) past relationship, a relationship which I knew all about when we started dating.

If I knew he had these opinions and this hate back when we first started dating, I would have walked away in a heartbeat. But I’ve been sucked in. I love him. But every time this comes up, like if there’s a news story that’s big (Gamergate and the Ugly Shirt Comet Guy were big topics) where he feels “feminists” are getting out of line, I feel sick inside.

I’m embarrassed when we go to parties and my level headed friends (both men and women) don’t share his opinions, I feel my stomach tighten when I’m browsing online and see a story about feminist issues – not because the story makes me upset, but because I’m worried about what HE will think about it. I’ve honestly told him ALL of this and he doesn’t want me to change my opinions for him. He says that my opinions and views don’t change the way he feels about me. But do they change the way I feel about him? I think so. 

I know all of this sounds like a laundry list of reasons to break up. But he has so many fantastic qualities and there’s a reason I’ve stuck around this long. Do you have any suggestions for how to… I don’t know… fix this?

Es gibt aus meiner Sicht verschiedene Wege, die sie einschlagen kann:

  1. Sie macht Schluss, schlicht weil sie zu verschieden sind
  2. Sie beschäftigt sich damit, warum er etwas vertritt, schaut sich die Argumente an, setzt ihre dagegen und diskutiert mit ihm darüber. Entweder er überzeugt sie oder sie überzeugt ihn. Was sie dazu lernen müsste wäre, dass ihre Gefühle kein Argument sind
  3. Sie schließen einen Waffenstillstand: Zu bestimmten Themen diskutieren sie nicht miteinander und sie diskutieren auch nicht mit anderen, wenn der Partner dabei ist.

Was wären eure Tipps?

Feministische Theoriewoche II: „Das Patriarchat schadet auch den Männern vs. Männer sind nicht unterdrückt“

Dieser Beitrag ist Teil der feministischen Theoriewoche Teil 2: Widersprüche im Feminsmus.

Das heutige Thema ist

„Das Patriarchat schadet auch den Männern vs. Männer sind nicht unterdrückt“ 

Das Patriarchat oder die hegemoniale Männlichkeit ist eine Geheimorganisation mittels der Frauen in einer freien Demokratie mit geheimen Wahlrecht trotz Mehrheit unterdrückt werden. Sie wird irgendwie dadurch aufrechterhalten, dass sie für einige Männer günstiger ist (die hegemonialen Männer) aber jedenfalls auch allen Männern Privilegien zuweist. Wenn auf Nachteile für Männer hingewiesen wird, dann soll das aber wiederum keine Diskriminierung sein, sondern es erfolgt schlicht ein Hinweis darauf, dass das Patriarchat ja auch Männern schadet und diese daher schleunigst Feminsten bzw. Allies werden sollten, um das Patriarchat zu stürzen, dass allen Männern Privilegien gibt.

Es darf jedenfalls in diesem System nichts geben, was schlicht ein Nachteil für Männer ist und was Frauen zugute kommt und deswegen kann bewusst als gesellschaftliche Struktur von ihnen gefördert wird, wo sie also ihre Macht ausüben. Denn Frauen sind obwohl sie eine Mehrheit in einer Demokratie haben vollkommen ohne jegliche Macht und Politiker oder Betriebe könnten gar nicht auf die Idee kommen um die Gunst dieser machtlosen Kreaturen zu buhlen. Denn das ist in einem Patriarchat unmöglich, da haben bestimmte Männer alle Macht und Männer müssen ihre Privilegien hinterfragen, aber trotzdem Feminist werden.

Lässt sich der Widerspruch auflösen?

Falsche Dichotomien

Etwas, was in der Geschlechterdebatte sehr häufig vorkommt, sind aus meiner Sicht „falsche Dichotomien“.

Zu der Definition aus der Wikipedia:

Dichotomie bezeichnet eine Struktur aus zwei Teilen, die einander gegenüberstehen und einander ergänzen (zum Beispiel ein komplementäres Begriffspaar), oder eine Aufteilung in zwei solche Teile (zum Beispiel die Aufteilung eines ganzen Bereichs in zwei Teilbereiche).

In einem Interview hat auch Erzählmirnix gerade ein Beispiel gebracht:

Der Comic ist im Prinzip ein gutes Beispiel für das radikale Schwarz-Weiß-Denken in extremen Positionen. Er würde ebenso gut in die andere Richtung funktionieren oder mit einem beliebigen anderen Thema. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr den genauen Kontext, vermute aber, dass ich zuvor einen Pro-Flüchtlings-Comic gemacht habe und daraufhin wiedermal als naiver Idiot bezeichnet wurde. Das Aufmachen von falschen Dichotomien ist etwas, das ich relativ oft aufgreife. Ab einer gewissen Radikalitätsstufe ist eben jeder, der nicht ebenso radikal auf der eigenen Seite steht, automatisch in der Wahrnehmung radikal auf der Gegenseite. Die Argumentation der AfD ist ja auch ungefähr sinngemäß: „Alle anderen finden es voll okay, wenn Flüchtlinge Frauen vergewaltigen und vertuschen und verharmlosen das. Nur wir sehen das Problem!“ – obwohl keiner sowas okay findet. Das ist so eindeutig, dass man es schlichtweg nicht für nötig befindet, nochmal extra zu betonen, dass es nicht okay ist, wenn ein Flüchtling eine Frau vergewaltigt. Weil es generell nicht okay ist, wenn jemand vergewaltigt wird, egal wer und egal von wem.

Der Feminismus arbeitet wie in der Liste schon angedeutet sehr erfolgreich mit Dichotomien: Sie stellen sich als einzige Quelle für Gleichberechtigung und Auflösung der Geschlechterrollen dar.

Wer gegen Feminismus ist, der will, dass Frauen nicht arbeiten gehen und kein Wahlrecht mehr haben, Wer gegen Feminismus ist, der will zurück in die 50er Jahre. Wer gegen Feminismus ist, der will keine selbstbewußten Frauen etc.

Andere falsche Dichotomien sind aus meiner Sicht:

  • Feminismus ist Geschlechtergerechtigkeit – alles anderen ist Patriarchat und damit ungerecht
  • Etwas ist entweder Biologie oder Gesellschaft, nicht beides zu gewissen Teilen
  • Ein Geschlecht ist entweder unterdrückt oder Unterdrücker
  • Alle Kategorien des Intersektionalismus sind als falsche Dichotomie aufgebaut (Eine Rasse unterdrückt entweder oder wird unterdrückt etc)
  • Jede Feministische Meinung muss böse sein – wir sind die Guten
  • Feminismus=gut Maskulisten=böse
  • Leute, die aktiv Männern helfen – Leute, die nur sinnlos das Internet vollschreiben

Die Liste kann denke ich ergänzt werden. Selbst Männer-Frauen sind angesichts dessen, dass Unterschiede nur im Schnitt bestehen häufig eine falsche Dichotomie.

Ich glaube es wäre gut, wenn man von einer zu starken Denkweise in Schwarz und Weiß wegkommt und gerade falsche Dichotomien auflöst.

 

Maskulismus, Männerrechte und Familienrecht

1. Maskulismus

2. Maskulismus und Feminismus

3. Arten von Maskulismus

4. Theorien im Maskulismus

5. Kritik am Maskulismus

6. Wie geht es weiter

7. Verhältnis zum Antifeminismus

8. Vermischtes

9. radikaler Maskulismus

10. Antifeminismus

11. Die Bloggenden und die Arbeitenden

12. Maskulistische Theoriewoche

13. Konservative Geschlechterrollen

14. Bücher

15. Vereine und Blogs

16. Väter

17. Familienrecht

a) Ehe an sich

b) Unterhalt

c) Sorgerecht und Umgang

d) Falschbeschuldigung /Sexualstrafrecht

e) Gewalt in der Beziehung

f) Homosexualität

g) Versorgungsausgleich

18. Internationales

19. Jungen und Schule

„Feministen werfen etwas in die Welt und der gemeine Männerrechtler springt wie ein Hündchen“

Unter den Artikel zu den 36 Fragen von Feministinnen an Männer hatte Teardown kommentiert:

Typisch männlich mal wieder.

Feministische frauen stellen Fragen und reihenweise hopsen Männer und beantworten diese. Denn eine gestellte Aufgabe will ja gelöst werden nicht wahr? Typisch männliches Denken.

Interessanter ist doch, warum sollte man antworten? Wie ist es, das gleiche Geschlecht wie Donald Trump zu haben? Sorry. Aber lasst euch nicht verarschen.

Wer fragt der führt.

Und einen Kommentar darunter:

Ich mein ich verstehe das ja. Du kriegst ne Aufgabe also willst du sie auch lösen. Egal was es kostet. Das ist aber nicht gesund, denn ist die Aufgabenstellung toxisch, also man will keine Lösung von dir haben, dann sollte man sich nicht verbeissen und einfach mal fragen oder sagen: Nö lös ich nicht.

Wenn ich meine Freundin frage, warum sie eigentlich kein Fußball mag, was soll sie antworten? Warum soll ich sie so unter Druck setzen.

Feministinnen wissen genau wie sehr Männer Aufgaben lieben. Sie nutzen das für sich, achtet mal drauf.

Männliche Freunde von Wizorek filtern ihre Hassmails. Sie sollten sich fragen, warum sie das tun….

Auch Wolle stößt in ein ähnliches Horn

Ich frage mich, warum alle auf feministisches Kommando springen. Ich verstehe es nicht.

Die Vorwürfe aus diesen Fragen sind allesamt Quatsch und es gibt 1.000 Antworten, die den Quatsch aufzeigen.Warum sehen sich aber viele genötigt, darauf einzugehen? Um beim Stöckchen zu bleiben: Feministen werfen etwas in die Welt des Internets und der gemeine Männerrechtler springt wie ein Hündchen.

Feminismus gewinnt

Die Beantwortung dieser Fragen und die Diskussion über sie bindet Kräfte. Während Feministen zwischenzeitlich in der EU, der UN, bei Unicef, den Frauenorganisationen etc. in Ruhe ihrer ideologischen Arbeit nachgehen können, diskutiert der gemeine Männerrechtler und der linke Flügel mit seinen „selbsternannten, vermeintlichen usw.Gemäßigten über den feministischen Quatsch unbedeutender Feministen.

Aber was soll’s: Die Gemäßigten spielen sowieso gerne. Sie spielen gerne Shitstorm. Was andere Leute als „Hate Speech“ einordnen, bezeichne ich einfach als therapiebedürftig. Sie haben das Bedürfnis, sich an jeder Stelle menschlich überlegen zu fühlen. Dabei helfen ihnen natürlich die erfolgreichen Versuche den Männerrechtler zu beschäftigen. So haben sie wiederum einen Anlass der Welt zu zeigen, was für tolle Menschen sie sind. Vor allem: Sie sind der tolle Mensch als Mann.

Der vollbesetzte Zug der Geschlechterunterscheidung

Geht man auf diese Dinge ein, unterwirft man sich der verkrampften Unterscheidung des Menschens in Mann und Frau. Wir haben mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede.

Schoppe schreibt dazu in einem Artikel vermittelnd:

So hat es durchaus etwas Subversives, wenn viele so tun, als hätten sie den scheinhaften Charakter der Fragen gar nicht bemerkt, wenn sie die Fragen vorsätzlich ernst nehmen und auch entsprechend beantworten. Auch Frauen machen dabei übrigens mit – und zeigen so, dass sie sich durch die Fragen an Männer nicht vertreten fühle

Die Antworten zeigen zudem, dass viele Männer und nicht-feministische Frauen ein Interesse am Dialog mit Feministinnen haben – auch dann, wenn nur jemand deren Fragen als Angebot zum Dialog verstehen kann, der sich absichtlich ein wenig naiv stellt. Ob es überhaupt einen Sinn hat, einen solchen Dialog zu suchen – aber auch, ob es einen Sinn hat, sich verbissen vom Feminismus abzugrenzen und antifeministische Positionen zu beziehen: Solche Überlegungen lassen sich  an diesem Beispiel sehr gut anstellen.

(…)

Der heutige Feminismus ist kein Versuch, etwas neu zu beschreiben, sondern eine ewige Reproduktion des immer schon Vertrauten.

Es hat eben deshalb auch keinen Sinn, sich beständig an feministischen Positionen aufzureiben oder nach Möglichkeiten zu suchen, sie intellektuell auszuhebeln. Ein Antifeminismus wird immer in Gefahr sein, sich ebenso obsessiv mit Feministinnen auseinanderzusetzen, wie sich die Frauen im Video mit Männern beschäftigen. Antifeministen beißen sich an Positionen fest, die ohnehin nicht auf Veränderung angelegt sind.

Vertreter verbissener Anti-Positionen können ihren Gegnern zudem sehr ähnlich werden – dafür liefert die autonome Antifa in diesen Wochen ja selbstlos eindrucksvolle Beispiele.

Feministische Positionen sind dann ein Problem, wenn sie spezifische Perspektiven oder Notlagen von Jungen oder Männern aus der Diskussion drängen. Damit aber sind sie ein politisches Problem, kein intellektuelles. Wenn hingegen Feministinnen ernsthaft an Beiträgen von Männern – oder nicht-feministischen Frauen – interessiert sind, gibt es für mich keinen vernünftigen Grund, ihre Positionen rundheraus abzulehnen, auch wenn ich sie nicht teile.

Ideal wäre ein Geschlechter-Gespräch, das sich nicht an feministischen Setzungen abarbeitet, sondern das sie im Interesse von Wichtigerem umgeht und vielleicht auch integriert. Ein Cordon Sanitaire aber müsste ganz im Unterschied dazu um die Männerrechtsbewegung gelegt werden, hat der Feminist Thomas Gesterkampgefordert, in einer Metapher, die männerrechtliche Ideen mit schweren Infektionskrankheiten vergleicht.

Solche Positionen verstopfen Diskussionen vorsätzlich. Um mit einer anderen medizinischen Metapher zu antworten: Bei solchen Positionen ist es sinnlos, immer wieder die Auseinandersetzung zu suchen – sinnvoller wäre es, Bypässe um sie zu legen. Das aber bedeutet in meinen Augen, Gespräche zu suchen mit Menschen, die nicht feministisch sind, ohne deshalb gleich feminismuskritisch zu sein – und auf Zuschreibungen wie die oben zitierten gelassen, ironisch oder eben gar nicht zu reagieren.

Ich verstehe das so, dass Schoppe es grundsätzlich gut findet, wenn die Geschlechter über diese Themen diskutieren würden und das ein gegenseitiges Ausgrenzen nichts bringt. Das mit dem Versuch, den anderen wie eine Krankheit zu behandeln, nichts erreicht werden kann und das man aber, wenn der Andere diese Taktik fährt, eben nicht mehr mit ihm reden kann, aber sehr wohl mit anderen Menschen anhand deren Äußerungen diskutieren kann.

Ich hatte seinerzeit auf Teardown wie folgt geanwortet:

Wenn einem die Beantwortung Spass macht und man damit zeigen kann, dass die Fragen eher Ausdruck des negativen Männerbildes der Feministinnen ist, dann sollte man sich das aber auch nicht nehmen lassen, weil man nicht dem Klischee entsprechen will, dass man Aufgaben löst.

Ich finde die Einstellung “Ja, fragt ruhig, wir haben eine Antwort. Und sie wird euch schlecht dastehen lassen. Wir sind nicht die, die einer Diskussion ausweichen” wesentlich angenehmer.

Dann bin ich eben ein Mann, der Aufgaben löst. Damit kann ich gut leben. Es ist durchaus ein positives Bild, welches man sich auch nicht schlecht reden lassen sollte

Was ich damit meine ist, dass ich es gar nicht als ein durch ein Stöckchen springen ansehe. Zum einen ist mir nämlich durchaus bewußt, dass Feministinnen gar keine Antwort wollen, sondern in den Videos ihre Antwort bereits mitliefern und zwar die einzige, die sie akzeptieren: „Männer, warum seid ihr so schlecht, ihr solltet euch schämen.“

Und ich würde sogar noch weiter gehen und sagen, dass das Video im wesentlichen nicht an Männer, sondern an andere Feministen gerichtet ist, denen man deutlich machen kann, dass man auf der klassischen feministischen Linie liegt.

Demnach wird da gar kein Stock hochgehalten.

Die Fragen dennoch als etwas zu sehen, was man beantworten kann, wenn man das möchte, ist etwas ganz anderes als über einen solchen zu springen: Es ist die Verdeutlichung, dass sie damit Unrecht haben und das Anbieten von Gesprächen an Andere, Dritte über den Feminismus.

Die gewünschte Reaktion ist nicht, dass eine Feministin denkt „Mhmm, da haben sie aber gute Antworten, da muss ich jetzt wirklich mal drüber nachdenken, ob meine Meinung richtig ist“ sondern das Leute merken, dass sie nicht allein mit der Ansicht sind, dass da ein ein ganz niederträchtiges Männerbild aufgebaut wird. Es geht darum, den Leuten darzustellen, dass man da mit ganz vernünftigen Argumenten gegenhalten kann und das solche Kritik nicht etwa ein Tabubruch sein muss, sondern vollkommen rational.

Ähnlich wie bei der Diskussion um die „Aktiven und die Bloggenden“ geht es nicht darum, dass man entweder 36 Fragen beantwortet oder zur UN eingeladen wird, um dort etwas zu sagen. Es geht darum, eine Community zu errichten, in der Leute Anlaufstationen haben. In denen sie wissen, dass Thunderf00t und Co aber eben auch die Blogszene in relativ kurzer Zeit Reaktionen produzieren werden, sie sie mit ihren eigenen abgleichen und über die man diskutieren kann. Es geht darum, dass sich das Wissen, dass Anita Sarkessian eine Menge Müll produziert weiter verbreitet und Leute das für eine vertretbare Position halten. Erst danach, also wenn eine Position salonfähig ist, kommen die Einladungen zur UN (und dahin ist es noch ein langer Weg).

Es ist also andersherum: Das Antworten auf solche Fragen verhindert nicht bessere Arbeit, es bildet die Plattform dafür.

Ich für meinen Teil bin sehr froh darüber, dass genau so verfahren wird. Es ist meine Art sich einem Thema zu nähren: Man schaut sich an, was die Gegenseite sagt und stellt seine Argumente dagegen. So vermeidet man auch die von Schoppe angesprochene reine Antiposition, die ebenso inhaltsleer ist, wie die Position, die man kritisiert. Nichts deckt Fehler in der eigenen Argumentation besser auf als eine Diskussion, als das Eingehen auf die Argumente der Gegenseite.

Ich finde auch Schoppes Einstellung richtig, dass man nicht in Hass und schlichte Konfrontation abgleitet, bei der sich Gruppen unabhängig von Inhalten gegenüber stehen. Warum soll man beispielsweise einen Equity Feminismus ablehnen, nur weil er das Wort „Feminismus“ enthält?

Zudem möchte ich noch einmal für den Gedanken plädieren, dass man sich auch nicht dadurch, dass man meint, dass der andere möchte, das man etwas tut, vorschreiben lassen sollte, dass man es dann nicht tun darf. Das ist ebenso eine Form der Abhängigkeit: Wenn es jemanden Spaß macht, auf solche Positionen einzugehen, ein logisches Konstrukt dagegen zu stellen, Fehler aufzudecken, seine Sicht darzustellen, dann soll er das genau deswegen machen. Sicherlich kann es nichts schaden, seine Motive zu hinterfragen. Wer sich vom Feminismus gezwungen fühlt, der mag es lassen. Wer aber antworten möchte, der hat meine vollste Unterstützung. Er schuldet niemanden, statt dessen an einer Rede für die UN zu arbeiten.

Wer lieber Reden für die UN entwerfen möchte, der mag auch das machen. Ich drücke ihm/ihr – wenn eine vernünftige Position vertreten wird – die Daumen, dass er/sie die Rede halten kann.

 

Warum es eine schlechte Idee ist das Opfer zum Richter zu machen

Eine interessanter Artikel von Milo auf Breitbartbehandelt, warum der Ansatz, dass die „Nicht privilegierte Minderheit“ für die Regelung der Beschwerden zuständig sein soll, seine Schwächen hat:

Twitter has hired a new head of “diversity” and already some uber-progressive types are whinging because he is white and male. Preposterous! they cry. But they are wrong. Actually, only rich, straight white men should have anything to do with running diversity initiatives.

There’s a reason we don’t ask the victims of crimes to pick punishments: they lack perspective and clarity. They are likely to wildly overstate perceived infractions or slights and wildly over-punish alleged offenders.

Instead, we ask a judge to decide, because he is an educated, impartial observer. Similarly,mutatis mutandis, introducing that essential critical distance into the business of assessing so-called oppression and structural injustice is the only way to navigate the complex privilege league tables the progressive Left has created.

Who’s to say, for example, whether women’s rights trump those of Muslims? We can’t just ask the Muslim: of course he’ll say he wants sharia law and for women to cover up in public. Who’s to say whether a company should prioritise hiring more women over more blacks? Or more gays over more crossdressing paraplegic Syrian refugees?

Such decisions cannot be left in the hands of groups who are advocating for their own interests. They should be left to people without a dog in the fight. In other words, white males, the only people besides East Asians who can handle the theoretical physics and heavy-duty maths required to properly weigh the horrific life experiences of pampered western feminists and Black Lives Matter protestors.

Natürlich ist sein Schluß dann auch wieder eher ein solcher, der Reaktionen erzielen soll.

Aber in der Tat ist der Gedanke, dass gerade radikalisierte Feministinnen keine Deutungshoheit in der Geschlechterdebatte haben sollten, weil ihnen die Objektivität fehlt, etwas, was leider in vielen Gremien gerade nicht beachtet wird. Es ist eher im Gegenteil gegenwärtig so, dass man radikalen Feministinnen hier sehr viel Platz einräumt in der Meinung, dass diese eben „vom Fach“ sind.

Eine Überprüfung auf Vernünftigkeit der Ansichten und Objektivität scheitert dann schnell am drohenden Shitstorm.

Natürlich ist eine neutrale dritte Partei im Geschlechterkampf leider nicht vorhanden. Also müsste man entweder über Gremien vorgehen oder zumindest die Radikalität herausbekommen.

„Die meisten Frauen haben null Probleme mit Männern und die meisten Männer haben null Probleme mit Frauen“

Tom bespricht unter anderem ein paar Tweets von Robin, die ich auch interessant finde:

Das finde ich sehr verständlich. Die Männer um die 35, die Frauen ein paar Jahre jünger, das ist ja eine durchaus häufige Zeit, gerade für Studierte, zum Kinderbekommen. Und wenn die Beziehungen gut laufen, dann blickt man eben positiv in die Zukunft. Man redet über das Kinderkriegen etc. Das sind schöne Themen, bei denen es auch nicht stört, wenn die Bedienung dazu kommt. Es sind Gespräche, die man auch führen kann, wenn nicht so gute Freunde dabei sind, und man wäre in einer solchen Runde, die positiv in die Zukunft blickt, auch ein ziemlicher Grinch, wenn man dann anführt, dass das alles in Unterhaltsforderungen endet.

Gespräche darüber, ob die Freundin einem ein Kind unterschieben will oder bereits untergeschoben hat, über Unterhalt und wie das auch das eigene Leben zurückschlägt, die führt man mit einem guten Freund, so dass er sie hört, man unterbricht das Gespräch, wenn die Kellnerin kommt, weil es etwas privates ist.

Selbst dann werden es die viele Männer vorziehen, dass man da vage bleibt, eine Unterhaltsberechnung am Tisch werden die wenigsten machen. Sie werden eben feststellen, dass dort vieles ungerecht ist, was ja auch zutrifft, sie werden vielleicht darüber klagen, dass sie ihr Kind kaum sehen. Vielleicht werden sie auch anführen, dass es fair gelaufen ist, und die Frau sich anständig verhält. Auch das kommt ja vor.

Ich kenne einige dieser Geschichten aus dem Freundeskreis, wo die Mutter mit dem Kind weit weg gezogen ist, wo die Frau das Trennungsjahr ausgereizt hat, auch den Fall, dass die Frau „plötzlich“ und „aus Versehen“ schwanger geworden ist, hatte ich im Freundeskreis und es wurde entsprechend diskutiert. Ich vermute mal, dass viele Männer auch schon mal ein Erlebnis hatten, wo ihre Periode überfällig war und man überlegte, was man jetzt macht, wenn sie tatsächlich schwanger ist (in meinen Fällen war sie es nicht) und man eine gewisse Hilflosigkeit fühlt.

Das sind aus meiner Sicht natürlich nicht die Themen, die das Männer-Frauen-Verhältnis beherrschen, dass ist eher die Frage „Will er/sie mich?“ und „warum macht er/sie das so oder so“, also allgemeine Alltagsfragen. Und im allgemeinen Leben sind Kinder bekommen, Haus abzahlen und die Sorgen des täglichen Lebens sicherlich auch für viele im Vordergrund stehend.

Das dürfte mit feminstischen Themen nicht anders sein. Auch dort wird die Diskussion „wenn du mit ihm zusammenziehst, dann erhöhst du dein Vergewaltigungsrisiko, denn die meisten Vergewaltigungen passieren in Beziehungen“ weit weniger eine Rolle spielen als „wie richtet ihr die Wohnung ein“ und „wann macht er dir einen Heiratsantrag?“. Auch der Gender Pay Gap wird selten zwischen Frauen in der Bar diskutiert werden und die Privilegierung gerade des weißen, heterosexuellen Mannes und andere Gesichtspunkte der Intersektionalität werden dort ebenso nicht erörtert werden.

Das MGTOW eher eine Randbewegung ist glaube ich auch. Einige Männer haben sicherlich aufgegeben. Andere haben jetzt gerade die Schnauze voll von Beziehungen. Mir ist aber auch noch keiner begegnet, der sich ausdrücklich auf MGTOW berufen hat.

Tatsächlich glaube ich auch, dass die meisten Leute kein Problem mit dem anderen Geschlecht haben. Man frotzelt gern etwas („Typisch Männer – Typisch Frauen“) und verzweifelt sicherlich auch teilweise an dem anderen Geschlecht, aber da für Heteros an sich ja kaum etwas an dem anderen Geschlecht vorbeiführt, hat man es häufig auch gerne um sich. Auch weil eben spätestens Freunde Partner haben, wird sich das kaum vermeiden lassen.

Das ist auch der Grund, warum ich Gruppentheorien, die als Konflikttheorie bzw Nullsummenspiel aufgebaut sind, also wohl alle wesentlichen feministischen Theorien, für nicht geeignet halte. Sie verkennen, dass die meisten Paare kooperative Spiele spielen wollen, auf einen Kooperationsgewinn aus sind.

Viele Frauen haben Probleme mit bestimmten Männern und viele Männer haben Probleme mit bestimmten Frauen, aber das hindert sie häufig nicht, auf der Suche nach dem nächsten Partner zu sein.

Das alles bedeutet aber nicht, dass es nichts zu verbessern gibt. Tom schreibt dazu:

Ich bin es sehr leid, dass Debatten nur noch von den Extrempositionen geführt werden. Meist sind es irgendwelche verbitterten, die einen Sündenbock für ihr Leid brauchen. Und da taugen Männer wie Frauen, Flüchtlinge wie Nazis.
Ich will Ideen. Unsere Gesellschaft hier ist schon eine verdammt gute, aber man kann die durchaus verbessern. Aber da müssen wir endliche einen Mittelweg finden zwischen einem Einheitsbrei und dem Extremflügelkampf.

Also die Suche danach, was man konstruktiv verbesseren kann. Denn selbst wenn die meisten Menschen mit Menschen des anderen Geschlechts kein Problem haben, kann eben das System Ungerechtigkeiten aufweisen, die auf bestimmte Weise ausgenutzt werden können oder zu bestimmten Verhalten verleiten. ZB im Familienrecht. Und es kann sich auch gleichzeitig lohnen Tendenzen, die eine Verschlechterung bedeuten würden, entgegen zu treten, etwas wenn die „Unschuldsvermutung“ Unwort des Jahres sein soll.

In vielen Fällen muss  man über Probleme reden, die den Worst Case betreffen, weil sich dort Ungerechtigkeiten eben am deutlichsten zeigen bzw zu einem Machtungleichgewicht führen, was eine konstruktivere Lösung verhindert. Das sind eben Fälle wie Unterhalt, Sorgerecht, Umgang etc.

Es ist schön für alle, wenn sich möglichst wenig Leute darüber in Kneipen unterhalten müssen. Aber das macht Diskussionen darüber nicht unnötig.