Die Konkurrenz zwischen sozialbegründeten Geschlechtertheorien und der Biologie

Ein klassisches Thema im Geschlechterbereich hat viele Namen bzw wird unter vielen Stichwörtern behandelt, von „Nurture vs. Nature“ bis dem „Primat der Biologie“, es geht darum, wie die beiden Felder sich zueinander verhalten. Dabei artet das Thema gern in gegenseitige Vorwürfe aus, das man den anderen nicht ernst nimmt bzw. das der andere unwissenschaftlich arbeitet.

Auf der einen Seit stehen dann häufig Theorien aus den Bereichen der Biologie, der Medizin, der Psycholgie und dem Verbindungsglied, der evolutionären Psychologie, auf der anderen Seite Theorien aus der Soziologie, der Anthropologie, und dem nicht medizinischen Bereich der Psychologie sowie der Philosophie.

Wie es Leser dieses Blogs wenig überraschen wird sehe ich mich eher im Lager derer, die den Verzug im Geschlechterbereich eher im sozialbegründeten Lager sehen.

1. Grundlegendes: Beide sollten die Theorien der anderen prüfen

Ein perfektes wissenschaftliches Arbeiten würde theoretisch erfordern, dass man die auf dem Gebiet vertretenen Ansätze, soweit sie den eigenen Bereich, an dem man forscht, betreffen, prüft und dann ermittelt, welches Modell mit den bestehenden Fakten am besten in Einklang zu bringen ist.

Das ist natürlich in dieser Form oft kaum möglich. Allein schon, weil man sich dann häufig eine umfassende Kompetenz in vielen Bereichen zulegen müsste, wenn eine Spezialisierung in einem bestimmten Bereich effektiver ist.

2. Was ist erforderlich, um die jeweils anderen Theorien gedanklich einzubeziehen?

Das bringt uns zu der Frage, wie tief man jeweils einsteigen muss, um zumindest grundlegend eine Überprüfung durchzuführen, ob Faktoren des jeweils anderen Bereichs hineinspielen.

Und bei dieser „Einstiegstiefe“ hat aus meiner Sicht die Biologie einen erheblichen Vorteil:

Zum einen stehen soziologische Fragen dem Grunde nach weit aus weniger in Konkurrenz zur Biologie als umgekehrt. Die Biologie geht ganz umfassend davon aus, dass´Biologie die Grundlagen liefert, aber das soziale, die Umgebung, die Erziehung, andere Faktoren, natürlich die Ausgestaltung und die konkreten Gesellschaften bewirken. Es ist insofern viel Raum „nach oben“ in denen man bestimmte soziale Faktoren unterbringen kann und freimütig zugestehen kann.

Die sozialen Theorien haben hingegen das Problem, dass sie, wenn sie grundlegende Fragen der Geschlechter betreffen und Theorien nicht nur zu Ausgestaltungen, sondern zu den Grundlagen anstellen, im wesentlichen immer beim „Standard Social Science Model“ landen müssen, wenn sie Biologie nicht einbeziehen.

Auf eine Kurzformel gebracht:

Biologie bestimmt häufig die Grundlagen, wenn sie einschlägig ist und insofern wirken sich Fehler gravierender aus

Das bedeutet, dass Theorien, die die Biologie ignorieren, sich häufig weiter von der Realität entfernen als Theorien, die auf biologischen Grundlagen aufbauen.

Ein Beispiel:

Wenn man als soziales Element schlicht den Kampf um Macht zwischen verschiedenen Gruppen, Mann und Frau annimmt, dann kann man damit bestimmte Strukturen erklären, die wir in der Gesellschaft antreffen, zB Rollenbilder in denen der Mann Versorger ist und die Frau auf die Kinder aufpasst, da dies Frauen dann von bestimmten Jobs ausschließt und der Mann eher Kontrolle über das Geld hat.

Erklärt man das ganze biologisch, dann würde man Erklärungen über sexuelle Selektion auf Status und Versorgereigenschaften anführen, zudem unsere Einordnung als Säugetiere und die damit verbundene stärkere Selektion auf Kinder bei Frauen anführen etc.

Diese Theorie tauscht die Grundlage aus, macht es aber weiterhin möglich, bestimmte soziale Ausgestaltungen als Machtkämpfe zwischen den Geschlechtern zu sehen, beispielsweise die Sexualität der Frauen stark zu reglementieren, aber bei Männern wesentlich großzügiger zu sein oder Frauen

Die soziale Begründung steht und fällt damit mit der Ausgangsthese, die biologische Theorie kann flexibler bestimmte Faktoren der Biologie und andere, insbesondere Ausgestaltungen, der Soziologie zuweisen.

3. Ein Vergleich: Statik und Architektur

Ein interessanter Vergleich scheint mir hier das Verhältnis von Statik und gestaltender Architektur zu sein. Wer eine Brücke bauen will oder erklären will, warum sie auf eine bestimmte Weise erbaut worden ist, der muss für eine zutreffende Theorie eben die Statik mit berücksichtigen, ein reiner „Willensansatz“, der also davon ausgeht, dass die Brücke nur Design ist und den Grenzen der Physik nicht unterworfen, muss zu merkwürdigen Ergebnissen führen. Er mag dann vielleicht ermitteln, dass die Pfeiler, die im Brückenbau vorherrschend sind, Verkörperungen des Patriarchats und Phallussymbole sind oder das das Abspannen mit Seilen aus anderen Designprinzipien kommt, aber hier würde ein „integrierter Ansatz“ (Physik und Gestaltung)  wohl von jedem klar denkenden Menschen als vorzugswürdig angesehen werden. Natürlich kann man dennoch reines Design studieren und Brücken nur unter diesem Gesichtspunkt besprechen, sich also über die Ausgestaltungen der Regeln der Physik unterhalten, wenn man dabei aber Theorien aufstellt, die der Statik wiedersprechen („Man sollte Brücken auf andere Weise bauen, die reiner Wille ist“), dann erlebt man schlicht ein Fiasko.

Gleichzeitig sind auch sicherlich bestimmte Ausgestaltungen von zb Brücken reines Design und haben reinen gestalterischen Willen, etwa Brückenverzierungen oder Statuen auf der Brücke oder sie reizen die Grenzen der Physik aus um bestimmte Gestaltungen umzusetzen oder es sind nicht die Gesetze der Physik, die uns daran als erstes in Auge fallen, sondern die schöne Form, aber meist erfordert gerade eine verrückte Form besondere Kenntnisse der Statik und der Materialien und besonders aufwändige Gestaltungen um umsetzbar zu sein.

Wer hier eine Lehre von „reinem Design“ vertreten würde, etwa mit einem Ansatz, dass es keine Gesetze der Statik geben kann, weil es zum einen Pfeilerbrücken und zum anderen Hängebrücken gibt, was deutlich macht, dass man Brücken gestalten kann, wie man will, der würde ausgelacht werden und hätte eben schlicht nicht bedacht, dass man die Gesetze der Physik auf verschiedene Weise umsetzen kann. Und auch hier sind die Erklärungen aus der Statik oft geeigneter, bestimmte Punkte zu erklären: Wenn zb die Tragfähigkeit bestimmter Materialien eine Kräfteabfuhr auf eine bestimmte Weise verlangt, dann erklärt dies bestimmte Elemente einer Brücke besser als „das macht er nur, weil Pfeiler gerade in sind“. Letzeres mag erklären, warum er diese Weise gewählt hat, um die Kräfte abzufangen und wenn er zB mehr Pfeiler genommen hat als auch unter Einplanung einer Reserve erforderlich war, dann wäre das Design, aber die grundlegenden Kräfte zu verstehen, die hier arbeiten, ist eben aus einem reinen Designansatz nicht möglich.

Sollte man hier von einem „Primat der Physik“ sprechen? Es wäre aus meiner Sicht durchaus angemessen: Man kann eine Brücke eben nur innerhalb der Grenzen der Physik gestalten. Bestimmte Designfragen sind davon losgelöst und man muss bestimmte Regeln nicht unbedingt verstehen, um eine Brücke zu bauen, damit bewegt man sich aber nicht außerhalb der Physik. Wer beispielsweise postulieren würde, dass Brückenverzierungen immer Design ist, der sollte versuchen, Verzierungen mit einem Gewicht von zwei Tonnen auf einer Brücke mit einer Tragkraft von einer Tonne unterzubringen.

 4. Zurück zur Biologie

Ähnlich wie bei der Statik sind viele Punkte in der Biologie auch schlicht besser beweisbar:

Nehmen wir die Theorie, dass Sexualität ein rein soziales Konstrukt ist, das also in einer anderen Gesellschaft Frauen eher an casual Sex interessiert wären und es männliche Prostituierte geben würde, während Männer nur auf Beziehungen aus wären. Hier kann man schlicht die Forschung zur Wirkung von Testosteron auf den Sexualtrieb entgegenhalten,die evolutionäre Kostenbetrachtung vorrechnen etc. Es ist quasi eine Brückenplanung, bei der man mittels Physik vorrechnen kann, dass sie nicht trägt.

Oder nehmen wir Homosexualität: Auch hier ist eine rein soziale Konstruktion angesichts dessen, dass zB Medikamente, die, wenn sie von einer Schwangeren genommen werden, die Wahrscheinlichkeit der Homosexualität erhöhen, im Endeffekt nicht mehr vertretbar.

Umgekehrt würde ein Experiment, welches soziale Faktoren anführt, die Homosexualität begünstigen, es weitaus schwerer haben: Ist es eine Ausgestaltung, etwa weil heterosexueller Sex nicht verfügbar war oder eher ungewünschte Konsequenzen wie Kinder hatte (wie zB im Gefängnis oder bei den antiken Griechen etc) oder ist es bei einer Erziehung vielleicht auch ein genetischer Faktor? (Werden Kinder, die viele Homosexuelle in der Familie haben eher homosexuell, weil sie dort Toleranz erleben, oder weil entsprechende Gene im familären Genpool vorhanden sind?)

5. Die Einstiegstiefe

Wenn man demnach davon ausgeht, dass die Biologie eher die Grundlagen bestimmt und hier oft bestimmte Faktoren bereitstellt, die weitere Theorien maßgeblich beeinflussen, dann stellt sich auch die Frage nach der jeweiligen Einstiegstiefe.

Da haben Biologen aus meiner Sicht den Vorteil, dass sie für ihren Bereich wesentlich weniger umfangreich einsteigen müssen, damit sie ihre Theorien aufstellen können.

Viele Theorien, aus der Soziologie, die Grundlagen betreffen sind eben einfach erstaunlich platt und verstecken das hinter komplizierten Ausdrücken.

Wenn man zB Judith Butler etwas eindampft, dann ist ihre wesentliche Theorie auch nur, dass die Gesellschaft bestimmte Regeln vorgibt, die dazu führen, dass Leute sich auf eine bestimmte Weise verhalten. Die Einzelheiten der Herleitung über die Urhorde und Spiegelbetrachtungen ist dabei im Endeffekt relativ egal und wird selbst von Befürwortern lieber ausgeblendet und verschwiegen.

Oder Habitus nach Bordieu: Letztendlich geht er auch nur davon aus, dass der Mensch sich in ein bestimmtes System einordnet und sich sein Verhalten nach der Gruppe, die für in in diesem System maßgeblich ist, bestimmt.

Und auch Systemtheorien nach Luhmann beschreiben eher Zusammenhänge zwischen Ausgestaltungen und lassen Platz für Faktoren, die diese Systeme aus biologischen Gründen hervorrufen.

Es reicht also entweder sehr grobe Aussagen anzugreifen oder es ist hinreichend Platz für biologische Faktoren, da die Ausgestaltung thematisiert wird. Dass sich beispielsweise Leute in das Schema einfügen, dass ihrer Gruppe entspricht, ist ja nicht falsch, wir sind eben Gruppen- und Hierarchietiere, denen Zugehörigkeit sehr wichtig ist. Der Widerspruch setzt eben dort ein, wo man annimmt, dass diese Gruppenregeln beliebig sind.

Einen Forschungsunterbau, der harte Fakten liefert, mit denen man sich auseinandersetzen muss, besteht in den meisten Fällen gerade im Geschlechterbereich nicht oder er ist keineswegs inkompatibel mit biologischen Theorien. Beispielsweise muss man die Aussage, dass Vorstände mehr männliche Mitglieder haben, nicht angreifen, man stützt sie nur auf andere Faktoren.

Biologische Faktoren sind wesentlich schwieriger herauszurechnen, da sie weitaus vielfältiger sind: Wir unterliegen einer Vielzahl von Interessen, die nicht einfach auf „Machtansammlung“ und noch weniger auf „Machtansammlung für unsere Gruppe Mann oder Frau“ herunterzubrechen sind. Sondern es kommen eine Vielzahl von Interessen zusammen, die sich teilweise widersprechen, etwa Sicherheit und Statusgewinn, die sich gegenseitig bedingen, wie Partnerwahl und Statusansammlung, die ausgestaltbar sind, aber eben nur innerhalb bestimmter Regeln (Eine Gesellschaft kann auf Monogamie oder Polygamie setzen, beides folgt biologischen Regeln und stellt nur einen anderen Kompromiss zwischen verschiedenen evolutionär entwickelten Präferenzen und den Möglichkeiten sie umzusetzen dar, beispielsweise gibt es eben keine Gesellschaften, in denen weibliche Herrscher sich 200 Männer als Ehepartner in einem Harem hielten und diese durch reine hierarchisch ausgebildete Macht gegen andere Frauen absicherten, hingegen gibt es dies umgekehrt).

Um sich mit den Grundlagen der sozialen Theorien auseinanderzusetzen kann es insofern reichen einen Wikipediaartikel zu lesen. Damit mag man deren Feinheiten nicht verstehen, dass ist aber häufig auch gar nicht nötig. Wenn man zB weiß, dass bestimmte Theorien Homosexualität rein sozial begründen, dann ist dies alles, was man wissen muss, wenn man die biologischen Wirkungen von DES auf Schwangere behandelt und diese Theorie ausschließen will. Wer hingegen einen Spielraum finden will, indem trotz DES Homosexualität rein sozial begründet wird, der muss sich, wenn er es ernsthaft betreiben will, dezidiert damit auseinandersetzen (wenn das erfolgt, dann wäre im Gegenzug eine dezidierte Auseinandersetzung mit dieser Theorie erforderlich, soweit sind wir aber noch nicht)

Der weitere Faktor ist, dass Biologie eher Einzelfragen hat, die gegen bestimmte Theorien sprechen können. Wenn Hormon X eine bestimmte Wirkung hat, die sich auf Verhalten Y auswirkt, dann muss man dies für einen sozialen Ansatz mitberücksichtigen. Wenn Verhalten Y sowohl von Hormon x als auch von sozialen Umständen berücksichtigt wird, dann kann man dennoch Hormon X erforschen ohne sich mit den sozialen Umständen vertieft zu beschäftigen

Sofern in einem Bereich starke Anzeichen dafür vorhanden sind, dass diese sozialen Umständen unterliegen, müsste natürlich auch die Biologie in die Tiefe gehen und sich mit den anderweitigen Theorien auseinander setzen, um zu ermitteln, welche Faktoren nun eigentlich tatsächlich eine Rolle spielen. Übliche Mittel wären Zwillingsforschung und Adoptionsstudien für genetische Grundlagen und gerade im Geschlechterbereich eben auch die diversen Besonderheiten, die verschiedene Hormonstände etc bewirken.

6.  Noch einmal in die andere Richtung

Damit will ich nicht sagen, dass die Sozialwissenschaften in dem Bereich nichts beizusteuern haben. Viele Bereiche betreffen eben die Ausgestaltung und auch bei der Ermittlung verschiedener Grundlagen oder der Aufnahme verschiedener Lebensweisen und der Betrachtung verschiedener Kulturen. Ich glaube allerdings, dass es bei der Auswertung der Daten und dem Aufbau der sich daraus ergebenden Theorien nicht ohne die Biologie gehen wird, zumindest wenn sie grundlegend seien sollen. Die Motivationen menschlichen Verhaltens im Geschlechterbereich sind schwer verständlich ohne diese Grundlagen. Alles was eine Neugestaltung oder Visionen für die Zukunft betrifft ist noch viel weniger ohne die biologischen Grundlagen planbar.

Ohne das man versteht, was die Geschlechter in den Rollen hält, ohne die Betrachtung der biologischen Unterschiede, aber auch der einprogrammierten Attraktivitätsmerkmale zum einem und dem Wunsch entsprechendes Signalling für einen hohen Partnerwert betreiben zu wollen auf der anderen Seite wird man eben in dem Bereich wenig nachhaltiges an Theorien aufstellen können und diese Betrachtungen ergeben sich nur bei Betrachtungen unter Berücksichtigung der Biologie und der Evolutionsbiologie.

Das hindert natürlich gleichzeitig nicht andere Regeln zu vereinbaren: Um zB Unterhaltsregelungen oder Zugewinnregelungen neu zu gestalten benötigt man keine biologischen Kenntnisse. Und sicherlich lassen sich auch andere soziale Abhängigkeiten gut erfassen, ohne dort vertieft einzusteigen.

7. Gegenteiliges

Natürlich kenne ich mich lediglich in den biologischen Theorien aus. Insofern mag mein Urteil hier falsch sein. Im Geschlechterbereich sind allerdings die mir bekannten Theorien mit einer sozialen Begründung von der grundlegenden Begründung relativ einfach. Wer bessere kennt, der kann sie gerne in den Kommentaren darstellen oder zumindest auf die entsprechende Wikipediaseite verweisen. Ich hoffe sogar, dass es in diesem Bereich gute Theorien abseits der Gendertheorien gibt, insbesondere wenn sie Ausgestaltungen betreffen.

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Warum es in biologischer Hinsicht nur zwei Geschlechter gibt

Die biologische Definition von „männlich und weiblich“ ist relativ einfach:

    • eine Klassifizierung von Gameten (Geschlechtszellen)
    • Weibliches Geschlecht, bei der zweigeschlechtlichen Fortpflanzung dasjenige, das die Eizellen bereitstellt
    • Männliches Geschlecht, bei der zweigeschlechtlichen Fortpflanzung dasjenige, das die Samenzellen bereitstellt

Das wäre eine Definition, die auf die Fortpflanzung abstellt und dort eine recht einfache Zuordnung vornimmt, die sich rein darauf bezieht, wer was bereit stellt. Diese Unterscheidung ist interessant, weil an ihr bereits einiges hängen kann: Üblicherweise sind Eizellen teurer als Samenzellen in der Produktion, was bereits wesentlich andere evolutionäre Strategien bewirkt. Dies gilt um so mehr, wenn wie bei Säugetieren die Eizelle im Körper „ausgebrütet“ und versorgt werden muss.

Der große Vorteil von Sex ist dabei, dass zwei verschiedene Genmaterialien gemischt werden, was verschiedene Vorteile bieten kann:

  • „schlechte Gene“ können aussortiert werden, gute übernommen und angesammelt werden. Bei ungeschlechtlicher Fortpflanzung gilt „alles oder nichts“. Die Zelle teilt sich, es entsteht ein Klon. Hat dieser eine Mutation, dann gibt er sie an seine Nachkommen weiter, aber diese Mutation muss direkt in einem seiner Vorfahren aufgetreten sein, sie kann nicht von einem anderen Stamm übernommen werden (oder nur im wesentlich geringeren Umfang). Ebenso wenig kann man ungünstige Mutationen „loswerden“, wohingegen diese bei zweigeschlechtlicher Fortpflanzung nur in einem Teil der Nachkommen landen können (und mit diesen aussterben können)
  • Unterschiede erhöhen die Anpassbarkeit an besondere Situationen. Ein Gen gegen „Kälteresistenz“ kann in einem besonders kalten Winter bestimmte Nachfahren überleben lassen, ein Gen für einen etwas kräftigeren Schnabel kann sie andere Kerne fressen lassen etc
  • Die „Red Queen Hypothese“:  Sie geht davon aus, dass Tiere mit einem langsameren Fortpflanzungzyklus in einem Wettrennen mit Parasiten und Viren stecken, welches sie zu verlieren drohen, da beispielsweise eine Generation bei einem Menschen 20 Jahre dauert, eine Generation bei bestimmten Viren aber nur ein paar Minuten. Demnach können sich Viren viel schneller auf eine Abwehrmaßnahme zB des Menschen einstellen und eine Mutation, die diese austrickst kann schneller eintreten. Wir laufen in dieser Hinsicht beständig mit den Viren und Parasiten um die Wette und wir müssen – genau wie die rote Königin aus Alice im Wunderland – laufen, um überhaupt auf der gleichen Stelle zu bleiben. Der Genpool führt dazu, dass es Millionen von verschiedenen Varianten von „Menschen“ gibt. Hat ein Virus durch Mutation einen Weg gefunden zB das Immunsystem zu umgehen kann das Immunsystem des nächsten Menschen ein klein wenig anders sein und daher diese Umgehung erschweren oder nicht so effektiv machen. Demnach erschwert ein Genpool die Anpassung an den Wirt, die bei ungeschlechtlicher Fortpflanzung wesentlich schneller eintreten kann.

Gleichzeitig hat dieses System aber Kosten:

Wenn sich ein Lebewesen durch Zellteilung fortpflanzt, dann können Nachkommen schneller produziert werden. Wenn sich ein Wesen durch Klonung pro Generation zweimal fortpflanzt, dann bestehen nach 4 Generationen schon 16 Wesen. Bei sexueller Fortpflanzung bestehen hingegen, weil man immer zwei Wesen braucht, um zwei neue zu schaffen, und sich jedes von diesen zweimal fortpflanzt, immer noch nur 2 Wesen.

Die Wikipedia erläutert noch einmal genauer die Kosten des Sex und die diesbezüglichen Besonderheiten

In most multicellular sexual species, the population consists of two sexes, only one of which is capable of bearing young (with the exception of simultaneous hermaphrodites). In an asexual species, each member of the population is capable of bearing young.  This implies that an asexual population has an intrinsic capacity to grow more rapidly with each generation. The cost was first described in mathematical terms by John Maynard Smith.[28] He imagined an asexual mutant arising in a sexual population, half of which comprises males that cannot themselves produce offspring. With female-only offspring, the asexual lineage doubles its representation in the population each generation, all else being equal. Technically this is not a problem of sex but a problem of some multicellular sexually reproducing organisms. There are numerous isogamous species which are sexual and do not have the problem of producing individuals which cannot directly replicate themselves.[29] The principal costs of sex is that males and females must search for each other in order to mate, and sexual selection often favours traits that reduce the survival of individuals.[28][how?]

Evidence that the cost is surmountable comes from George C. Williams, who noted the existence of species which are capable of both asexual and sexual reproduction. These species time their sexual reproduction with periods of environmental uncertainty, and reproduce asexually when conditions are more favourable. The important point is that these species are observed to reproduce sexually when they could choose not to, implying that there is a selective advantage to sexual reproduction.[30]

It is widely believed that a disadvantage of sexual reproduction is that a sexually reproducing organism will only be able to pass on 50% of its genes to each offspring. This is a consequence of the fact that gametes from sexually reproducing species are haploid.[31] This, however, conflates sex and reproduction which are two separate events. The „two-fold cost of sex“ may more accurately be described as the cost of anisogamy. Not all sexual organisms are anisogamous. There are numerous species which are sexual and do not have this problem because they do not produce males or females. Yeast, for example, are isogamous sexual organisms which have two mating types which fuse and recombine their haploid genomes. Both sexes reproduce during the haploid and diploid stages of their life cycle and have a 100% chance of passing their genes into their offspring.[29]

Die Grafik dazu:

Twofold costs of sex

Twofold costs of sex

Da ist auch noch einmal ausgeführt, dass die Kosten des Sex auch dadurch hochgetrieben werden, dass die Sexualpartner sich finden müssen und insbesondere auch den richtigen Partner finden müssen. Das ist jedoch auch gleichzeitig ein Vorteil, da man so „gute Mutationen“ für seine Nachkommen „hinzuerwerben“ kann. Es hat insofern den Vorteil der sexuellen Selektion, die eine „Höherentwicklung“ fördern kann.

Gleichzeitig wird daran deutlich, dass die Kosten einer Fortpflanzung noch deutlich höher sein würden, wenn ein weiteres Geschlecht dazu kommen würde. Echte Vorteile hingegen wären dadurch nicht zu erwarten, im Gegenteil, die „Werbungskosten“ wären erhöht und jedes Mitglied dieser Fortpflanzungsgruppe würde letztendlich noch weniger Gene bei jedem weiteren Nachkommen weitergeben (bereits jetzt ist man mit einem Kind lediglich zu 50% verwandt, bei einem Geschlecht mehr wäre man dann zu 33% verwandt.

Sollten wir daher jemals Aliens treffen, dann ist die Chance hoch, dass diese ebenfalls zwei Geschlechter kennen.

 

Biologische Gründe für breitbeiniges Sitzen von Männern („Manspreading“)

Über einen Artikel bei buzzfeed  (via) über Tom Hanks als „Manspreader“ bin ich auf einen interessanten Kommentar gestoßen:

Dear Allison Vigiano,
I consider it polite to make way for other passengers, and have always gone out of my way to make room/stand when an elderly, pregnant or disabled person board the train. But I am a man, so can count myself amongst the man spreaders of the world.

The last person I want to defend is Tom Hanks, but aside from the fact he’s in an empty carriage, here are some facts on manspreading for you:
• Testicles are uncomfortable to squish, but it’s also unhealthy for them to be kept at body temperature, thus the issue is discomfort and health.

• Ischium bones in men, the bones you sit on, are closer together, meaning men have a smaller point of contact.

• The inferior pubic rami, used to balance when you sit, is 20-30 degrees narrower in men, resulting in less stability; additionally, it makes sitting with one’s legs apposed unnatural.

• Men have cylindrical thighs, as opposed to conical thighs, further compounding the issue of sitting with one’s thighs apposed.

• Men have narrower acetabulum, meaning their thighs are closer together, resulting in less space between them, further compounding the above, the issue of external genitalia, and reducing the amount of balancing leverage available when sitting with one’s thighs apposed.

• Men have more lateral facing acetabulum, meaning their legs swing forward, backward, and out; women have more anterior facing acetabulum, meaning their legs not only have a greater ability to swing inward, but do so naturally when moving forward, like when sitting or walking (thus the swaying hips).

• Men have wider, heavier upper bodies, thus require more stability.

So, it appears to me that, for men, sitting with one’s legs apart is not only biologically natural, it’s biologically necessary to attain the same level of stability that women enjoy; plus, the inverse of these things makes sitting with one’s thighs apposed biologically natural for women.

I know all men are asshats out to ruin everything for women, but try, just a little, to consider biology might have some part to play.

Übersetzung der wesentlichen Fakten:

Hoden Druck auszusetzen ist unangenehm , zudem ist auch ungesund sie bei Körpertemperatur zu halten, insofern ist das Problem Unbehagen und Gesundheit.

• Die Sitzbein-Knochen, die Knochen auf denen man sitzt , liegen bei Männern näher zusammen , was bedeutet, dass Männer eine schmalere Auflagefläche haben

• Die unteren Schambeinäste, die für die Balance verwendet werden, wenn man sitzt, ist bei Männern etwa 20 bis 30 Grad schmaler , was zu weniger Stabilität führt; zusätzlich macht es das Sitzen mit den Beinen nebeneinander unnatürlicher.

• Männer haben zylindrische Oberschenkel , im Gegensatz zu konischen Oberschenkel,was das Problem verschärft, die Beine nebeneinander zu stellen.

• Männer haben eine schmalere Hüftpfanne , was bedeutet, dass ihre Schenkel näher zusammen sind, was zu weniger Raum zwischen ihnen führ , dies verschärft das Problem, dass bei außen liegenden Hoden weniger Platz vorhanden ist, wenn man die Beine nebeneinander stellt.

• Männer haben eine seitlichere Hüftpfanne , was bedeutet, dass ihre Beine eher vorwärts, rückwärts, und auswärts schwingen; Frauen haben eine mehr nach vorne ausgerichtete  Hüftpfanne , was bedeutet, dass die Beine nicht nur eine größere Fähigkeit haben, nach innen zu schwenken , sondern dies bei der Vorwärtsbewegung üblicherweise tun , wie beim Sitzen oder Gehen (daher die schwingenden Hüften ) .

• Männer haben größere , schwerere Oberkörper , diese erfordern somit mehr Stabilität.

Ich kann die dortigen Angaben nicht überprüfen, vielleicht findet man hier in dem Artikel was oder jemand kann etwas dazu sagen. Es scheint mir jedoch erst einmal eine gute Zusammenstellung, die auch zu unterschiedlichen Sitzarten beitragen könnte.

Pränatale Hormone und Verhalten

Eine Metastudie in der Zeitschrift „Neuroscience and Behavioral Review“ (Impact Factor: 10.284) aus dem Jahr 2004 fasst noch einmal den Stand bezüglich Pränataler Hormone und ihrer Auswirkungen auf Geschlechterunterschiede zusammen:

There is now good evidence that human sex-typed behavior is influenced by sex hormones that are present during prenatal development, confirming studies in other mammalian species. Most of the evidence comes from clinical populations, in which prenatal hormone exposure is atypical for a person’s sex, but there is increasing evidence from the normal population for the importance of prenatal hormones. In this paper, we briefly review the evidence, focusing attention on the methods used to study behavioral effects of prenatal hormones. We discuss the promises and pitfalls of various types of studies, including those using clinical populations (concentrating on those most commonly studied, congenital adrenal hyperplasia, androgen insensitivity syndrome, ablatio penis, and cloacal exstrophy), direct measures of hormones in the general population (assayed through umbilical cord blood, amniotic fluid, and maternal serum during pregnancy), and indirect measures of hormones in the general population (inferred from intrauterine position and biomarkers such as otoacoustic emissions, finger length ratios, and dermatoglyphic asymmetries). We conclude with suggestions for interpreting and conducting studies of the behavioral effects of prenatal hormones.

Quelle: Prenatal sex hormone effects on child and adult sex-typed behavior: methods and findings

In der Einleitung wird bereits noch einmal einiges zusammengefasst:

There is now good evidence from human and nonhumanspecies that events occurring during prenatal developmentcan have life-long effects on an organism. These effects are not limited to physical characteristics, but extend to a variety of behavioral traits. Thus, as described in several papers inthis special issue and elsewhere, physical and emotionalstressors experienced by pregnant rodent, monkey, andhuman females are associated with behavioral problems inoffspring throughout life [1–3]. The physical and behavioral effects of prenatal stress appear to be mediated by hormone induced changes to the developing hypothalamic–pituitary–adrenal axis [3,4].Long-term effects of prenatal events extend beyond exposure to stress hormones. There are also marked physical and behavioral consequences of prenatal exposure to another category of hormones, those produced by thegonads (‘sex hormones’). In all mammalian species studied,sexual differentiation of the reproductive system depends largely on the amount of androgens present during critical periods of prenatal life. In human beings, this critical period begins at about 7–8 weeks of gestation when the testes develop and begin to secrete testosterone [5]. The external genitalia are undifferentiated until then, and the amount of testosterone (or other androgens) determine whether they differentiate into male-typical or female-typical genitalia. With high levels of testosterone, the genitalia become the penis, scrotum, and urogenital sinus, where as low or absent testosterone results in the development of the clitoris, labiamajora, and separate vaginal and urethral canals. Intermediate levels of testosterone result in ambiguous genitalia,e.g. an enlarged clitoris with fused labia, a small penis. Sexhormones also affect the development of the internal reproductive structures. Parallel behavioral studies in nonhuman mammals clearly show that the same prenatal hormones responsible for sexual differentiation of the body are also involved insexual differentiation of behavior [for reviews, see 6–8]. Inrodents, females injected with high doses of androgens inthe newborn period show behavior more typical of malesthan of other females, and males that are castrated or givenanti-androgens show behavior more typical of females thanof other males. The behaviors involved include adult sexual behavior, juvenile rough play, adult aggression and maze performance. These effects are also found in rodents naturally exposed to atypical hormone levels from gestatingnext to opposite-sex littermates, as described below.Behavioral effects of early hormones are also found innonhuman primates: female monkeys exposed to androgensearly in development are masculinized with respect tosexual behavior, rough play, grooming [9], and somelearning abilities [10,11]. Studies in monkeys confirm andextend studies in rodents in two important ways. First, they illustrate the complexity of timing effects and show that there may be several distinct sensitive periods for androgen effects on behavior, even within the prenatal period, so thatsome behaviors are masculinized by exposure early (but notlate) in gestation, whereas other behaviors are masculinized by exposure late (but not early) in gestation [9]. For example, monkeys that received androgens early indevelopment and had masculinized genitals showed increased mounting of peers and mothers and less grooming behavior, where as those exposed later in development had normal-looking genitals but showed increased rough play and mounting of peers, but not mounting of mothers. Second, studies in monkeys show the importance of environmental context in modifying the behavioral effects of hormones. For example, the social environment of juvenile monkeys modifies the expression of behavior that is influenced by hormones [12]. The behaviors that are the least variable across social contexts are the most affected by prenatal hormones.

Hier wird also noch einmal einiges dargelegt, was ich hier schon häufiger dargestellt habe: Der Mechanismus zeigt sich bei den Säugetieren an sich, was stark dafür spricht, dass er auch bei Menschen besteht. Und weitere Untersuchungen zeigen, dass dies auch tatsächlich der Fall ist.

Hier eine Tabelle zu den Unterschieden zwischen Männern und Frauen:

Männer Frauen Unterschiede

Männer Frauen Unterschiede

 Hier zeigen sich also einige Unterschiede, Mädchen sind besser im einigen sprachlichen Bereichen, Erinnerung und Auffassungsgabe und interessieren sich sehr deutlich mehr für mädchentypische Aktivitäten, Jungs sind besser in bestimmten Bereichen des räumlichen Denkens, sind aggressiver, Suchen eher nach neuen Erlebnissen und Erfahrungen und interessieren sich eher für typische Jungenaktivitäten. Beide Geschlechter bevorzugen ihre eigenen Geschlechtsgenossen als Spielgefährten und werden von dem anderen Geschlechts stark sexuell angesprochen.

Insgesamt eine interessante Studie.

Geschlechterunterschiede bei Neugeborenen

Eine interessante Studie behandelt Geschlechterunterschiede bei Neugeborenen:

Sexual dimorphism in sociability has been documented in humans. The present study aimed to ascertain whether the sexual dimorphism is a result of biological or socio-cultural differences between the two sexes. 102 human neonates, who by definition have not yet been influenced by social and cultural factors, were tested to see if there was a difference in looking time at a face (social object) and a mobile (physical-mechanical object). Results showed that the male infants showed a stronger interest in the physical-mechanical mobile while the female infants showed a stronger interest in the face. The results of this research clearly demonstrate that sex differences are in part biological in origin.

Quelle: Sex differences in human neonatal social perception

Die Einleitung macht deutlich, dass es hier darum geht, dass Geschlechtsunterschiede in der Soziabilität bestehen:

Female superiority in sociability has been documented in humans. Thus, girls and women show greater eye contact than age-matched males (Hall, 1985); superior social understanding and sensitivity to emotional expressions (Baron-Cohen, Jolliffe, Mortimore & Robertson, 1997; Baron-Cohen, O’Riordan, Stone, Jones & Plaisted, 1999; Happe, 1995; Rosenthal, Hall, DiMatteo, Rogers & Archer, 1979); and better comprehension of social themes in stories (Willingham & Cole, 1997). It is unclear if this is the result of differences in styles of parenting towards the sexes or of biological factors (Hines & Green, 1991; Kimura, 1987).

Frauen sind also üblicherweise besser darin, Gefühlsausdrücke zu erkennen und auch sensibler in dieser Hinsicht und verstehen auch soziale Themen in Geschichten besser. Die Kinder waren bei dem Test 1 Tag alt.

Den Kindern wurde ein Mobile oder ein Gesicht gezeigt, die weiblichen Kinder schauten dabei häufiger auf das Gesicht oder hatten keine Vorlieben, die männlichen Kinder bevorzugten hingegen deutlich das Mobile:

Geschlechtsunterschiede Neugeborene

Geschlechtsunterschiede Neugeborene

Selbst ein hocheffektives Patriarchat wird nach einem Tag noch keine Geschlechterrollen etablieren können. Demnach sprechen die Ergebnisse dafür, dass sich hier angeborene Unterschiede auswirken.