Margarete Stokowski hasst gepolsterte BHs

Margarete Stokowski wettert gegen gepushte BHs:

In der Werbung gelten Brüste als das beste Verkaufsargument – aber die Brust der einzelnen Frau muss immer noch durch unbequeme BHs optimiert werden. Würden Männer so kontrolliert werden, müssten sie Penisbändiger tragen.

Die Einleitung finde ich schon nicht schlecht: Frauen werden erst einmal zum Objekt gemacht, sie wählen nicht etwa bestimmte BHs aus, sondern sie werden „kontrolliert“. Männer hingegen haben natürlich keinerlei einschränkende Kleiderordnungen. Wer hätte sich je über Männer in kurzen Hosen aufgeregt oder welcher Dresscode sieht etwa auch bei heißen Wetter so etwas wie lange Stoffhose und Krawatte für Männer, aber durchaus ein luftiges Kleid für als Option für Frauen vor?

Tatsächlich ist es auch bereits interessant, dass sie die BHs als Kontrolle sieht und ihnen „Penisbändiger“ gegenüber stellt, wenn es für viele Frauen immer noch darum geht, dass sie eben ihren Busen besser aussehen lassen, größer, fester, gleichmässiger, nicht hängend etc.

Der klassische gefütterte BH verspricht, dass man in ihm gut aussieht:

Push-up BH mit Polster

Push-up BH mit Polster

Und die Bedeckung der Brustwarzen macht ihn eben in vielen Fällen auch weniger sexuell und vermindert die Vergleichbarkeit innerhalb der intrasexuellen Konkurrenzu, weil diese bei der Bewertung der Schönheit einer Brust ein ganz wesentliches Element sind.

Würde man entsprechendes für den Penis vorsehen, dann käme wohl eher so etwas wieder in Mode:

arrmour-codpiece

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Oder der Penisköcher würde eine Ausbreitung erleben. Das geschieht nicht, weil Männer dahingehend „kontrolliert“ werden, dass man im Gegensatz zu Brüsten eben seinen Penis nicht betonen darf. Während Männer sich schöne Brüste oder Vaginas durchaus anschauen wollen ist das Zusenden von Dickpics an Frauen eben eher eine Form der Belästigung.
Abgesehen von der Schwulenszene, wo man wahrscheinlich durchaus für einen schönen Schwanz zu haben ist und damit keine Probleme hätte, weswegen entsprechende Betonungen wahrscheinlich auch eher für diese Szene entwickelt werden:

Meine Vermutung wäre jedenfalls, dass das Produkt eher auf den schwulen Markt ausgerichtet ist, aber da mag ich mich auch täuschen.

Ich schwöre, wenn man eine repräsentative Studie unter den Frauen dieses Landes durchführen würde und fragen würde, wann und wo sie sich wirklich zuhause fühlen, dann würde mindestens die Hälfte von ihnen antworten: Da, wo ich ohne ätzenden BH rumlaufen kann.

Das kann ich mir durchaus vorstellen. Aber ich vermute, dass die meisten Frauen auch etwas dagegen hätten, wenn Frauen allgemein ohne BHs rumlaufen würden. Weil es eben dann häufig sexuelle Signale sendet, Defizite eher offen legt, man sich weniger vorteilhaft darstellen kann oder schlicht weil die intrasexuelle Konkurrenz damit angeheizt werden würde. Und natürlich auch, weil es auch bequemer in bestimmten Situationen sein kann, seine Brüste fest verpackt zu haben, einfach bei der Bewegung und größeren Brüsten. Aber dazu können sich natürlich gerne Frauen in den Kommentaren äußern.

Es gibt immer noch dieses Klischee, dass Feministinnen gerne BHs verbrennen, und es ist schwer aus der Welt zu kriegen, auch wenn es sich auf sehr dürftige historische Belege stützt. Früher habe ich immer gesagt: Hey, nein, stimmt gar nicht, wir machen das nicht, gute BHs sind so wichtig, gerade wenn man große Brüste hat; man kann sonst nicht mal ungenervt eine Treppe hinunterlaufen, ernsthaft. Das stimmt auch, soweit. Aber nun war ich letzte Woche unterwegs, um einen Bikini zu kaufen, und muss sagen, ich wäre inzwischen bereit für eine öffentliche Bikinioberteil-Verbrennung.

Die Probleme mit gepolsterten BHs hatten in der Tat schon andere Feministinnen und ich habe auch schon ein paar Artikel dazu.

Die konkrete Brust kann nie gut genug sein

Wenn man in die ganz normalen Klamottenläden geht, in die die meisten Leute gehen, dann findet man in der Bademodeabteilung für Frauen hauptsächlich Bikinioberteile, in denen auf jeder Seite bereits mindestens schon eine halbe Brust drin ist. Dieser knappe Liter Dämmmaterial ist manchmal durch eine kleine Lücke rausnehmbar, aber nicht immer, oft ist er fest vernäht. Auch bei großen Größen. Unter dem Polster findet sich nicht selten ein Metallbügel, der sich bei einer ungünstigen Bewegung (Kopfsprung, Arschbombe, Leben) in die Achsel bohren kann.

Es ist, als würde dieses Bikinioberteil sagen: Brüste, schön und gut, aber sie müssen in jede denkbare Himmelsrichtung geformt und vergrößert werden, außer auf der Seite, wo sie am Körper befestigt sind, denn ja, natürlich schätzt diese Gesellschaft die weibliche Brust als Allzweckdekoration zu Werbezwecken, aber die konkrete Brust jeder einzelnen Frau kann niemals gut genug sein.

Und das ist natürlich wieder einmal eine Diskriminierung der Frau und einfach ein Skandal!!!!11

Es klingt fast so als würde „die Gesellschaft“ den Frauen die BHs vorschreiben und verhindern, dass sie andere BHs kaufen. Tatsächlich sind es natürlich die einzelnen Frauen, die gerne die Vorteile einer optisch vergrößerten Brust nutzen wollen, weil sie dann als attraktiver wahrgenommen werden.

Dazu zB dieses Video:

Um die Antwort gleich vorwegzunehmen:

Ja, größere Brüste geben mehr Trinkgeld. Und zwar von Männern UND Frauen. Männer gaben 30% mehr, Frauen sogar 40% mehr.

Und auch „Mitnahme als Anhalterin, weil das Auto liegengeblieben ist“ gibt entsprechende Daten:

Statistically speaking, only men’s behaviors were affected by the hitchhiker’s breast size (p < .03). The frequency of stopping in the cup C condition was marginally greater than that of cup B (p = 0.09) and significantly greater than that of cup A (p < .01). The difference between cups A and B was not significant.

Das Rätsel, warum die meisten Läden hauptsächlich gepolsterte BHs anbieten, scheint damit recht leicht zu lösen zu sein: Frauen kaufen sie eher, weil es ihnen Vorteile bringt.

Um so besser, wenn sie dann auch noch gleichzeitig verhindern, dass sich Nippel durch den Stoff drücken, was ein zu sexuelles Signal sein kann, was viele Frauen nicht senden wollen.

Das gilt für Bikinioberteile und BHs gleichermaßen, und es gilt nicht nur für Modelle für erwachsene Frauen, sondern oft auch schon für die, die für 11- oder 13-Jährige gedacht sind. Es ist komplett unklar, wie Mädchen kein gestörtes Körperbild entwickeln sollen, wenn ihnen beim Shoppen suggeriert wird, dass man ihre Brüste idealerweise um ein paar Zentimeter strecken sollte, egal wie klein oder groß sie sind.

Auch hier ist es allerdings nicht „die Gesellschaft“, sondern eher der Umstand, dass solche Bikinis sich gut verkaufen. Sie bieten auch verschiedene Vorteile: Sie sind im Endeffekt weniger sexuell, weil man bei einem ungepolsterten Bikini mehr sieht. Sie ermöglichen Mädchen ihre tatsächlichen Brüste eher aus der Bewertung zu nehmen als BHs, die keine Polster haben. Und sie erlauben ihnen gleichzeitig eben größere Brüste zu haben.

Natürlich kann man das verurteilen und das Durchsichtigkeitsproblem bzw Formerkennbarkeitsproblem auch anders lösen. Aber um zu erkennen, dass größere, formschöne Brüste eine besondere Anziehungskraft auf Männer haben braucht man kein BH-Geschäft. Jede Schule dürfte zumindest ein in der Hinsicht bevorteiltes Mädchen haben, welches das den anderen Mädels recht schnell deutlich macht.

Um es gleich zu sagen: Es ist okay, dass es das gibt. Für Mädchen und Frauen, die ihre Brüste fest einpacken und vergrößern wollen, sind diese Modelle ein Segen, aber sie sind oft nicht eine Auswahlmöglichkeit, sondern der Standard. Wer kein Push-up-Gerät sucht, bei dem man sich erstmal die Brüste auswringen muss, wenn man aus dem Wasser kommt, hat ein Problem.

Dann gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Entweder es ist nichts davon am Markt, weil sich so etwas nicht verkaufen lässt
  • oder Frau Stokowski hat eine unglaubliche Marktlücke gefunden, die bisher keiner der BH und Bikinihersteller wahrgenommen hat, und könnte damit reich werden.

Meine Vermutung ist, dass die meisten Frauen eben die Polster und das Pushen wollen, aber es auch genug ohne gibt.

Dazu auch noch diese Tweets:

Eine feministische Revolution im Kapitalismus, weil ein bestimmtes, nach ihrer Vorstellung am Markt gesuchte Produkt bisher nicht auf dem Markt ist. Wie kann es nur abseits von Diskriminierung zum Gender Pay Gap kommen?

Die historische Epoche der Aufklärung kann nicht als abgeschlossen betrachtet werden, solange es immer noch der Normalfall ist, dass Frauen angeboten wird, sich zwei Brustprothesen aus einer Art Bauschaum umzuschnallen, bevor sie schwimmen gehen. Was soll das?

Man muss glaube ich tief verwurzelt im Opferdenken sein, wenn man nicht auf die Idee kommt, dass Frauen diese Produkte eher kaufen als andere, weil sie sie besser finden. In ihrer Vorstellung gibt es aber so etwas wie eine bewußte Kaufentscheidung der Frauen nicht. Es gibt nur die patriarchale Gesellschaft, in der anscheinend Frauen keinen Einfluss in der Modebranche haben und auch unmöglich selbst BHs und Bikinis herstellen können, so dass ihnen nichts anders übrig bleibt als „sich Brustprothesen aus Bauschaum umzuschnallen“.

 

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Die Darstellung normaler Gegebenheiten als schädlich und sexistisch

Ein wichtiger Kampf in vielen Teilen des Feminismus ist der Kampf gegen die Darstellung bestimmter medialer Inhalte, die nach deren Auffassung schlecht sind. Also beispielsweise die Darstellung schlanker sportlicher Frauen als besonders sexy oder die Darstellung einer Frau, die kocht oder Haushaltstätigkeiten durchführt als sexistisch der falsch.

Damit traut man den Medien eine erstaunliche Macht zu, die denke ich überschätzt wird.

Das liegt hauptsächlich daran, dass vieles, was dort verdammt ist, eben bestimmte Vorlieben bedient, die auf Geschlechterunterschieden aufbauen.

Es bringt wenig, die Darstellung einer kochenden Mutter für sexistisch zu halten, wenn Frauen überall auf der Welt weitaus eher für das Kochen zuständig sind, weil sie eher die Kinderbetreuung übernehmen und übernehmen wollen und die Männer eher die Erwerbsarbeit übernehmen und übernehmen wollen.

Es bringt wenig, dass man ein Plakat, in dem eine schlanke und sportliche Frau fragt, ob man schon „Beach Body ready“ ist, verbietet, wenn einem in der Realität natürlich bewusst ist, dass die schlanke Mitschülerin, Freundin, Kollegin, Bekannte, die Aufmerksamkeit sowohl der Männer als auch Frauen weitaus stärker auf sich ziehen wird, weil sie gut aussieht.

Es liegt zum anderen daran, dass die heutigen Medien nur noch sehr eingeschränkt zu kontrollieren sind.

Unter „beliebteste Bilder“ vom Strand bei Instagram sind beispielsweise diese drei:

being beachy is better Photographer: @whois.joe Agency: @rmea_talent

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Sunsets in the Andamans > sunsets anywhere else. #dnd 📷: @siddhi_mehta

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Wie man sieht zwei mal schlanke Frauen, einmal ein schöner Strand.

Das geht auch in vielen anderen Bereichen: Man kann fast eine beliebige Sehenswürdigkeit oder Stadt eintippen und man wird mit hoher Wahrscheinlichkeit in den ersten drei Bildern eine gutaussehende Frau haben:

Hier beispielsweise „Bologna“

Sabato 🖍 #casa #bologna

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Oder Paris:

🇫🇷 Parisian Avenues! 🏛🚙🗼 ___________________________________________ 📸 PARISIAN.ESCAPES is very Proud to Present: @gl0be_trotter ___________________________________________ 📍 Paris, France ___________________________________________ 🔹 Thank you so much for Following @PARISIAN.ESCAPES 🔹 and tag your best photos Paris #PARISIANESCAPES ____________________________________________ 🔹Please show your support to our featured Artists and visit their collection for more beautiful Shots! ____________________________________________ Thank you for Following us ❤️🇫🇷. ____________________________________________ #parisianescapes #igers_opengallery #parisjetaime #hello_france #super_france #francephoto #paris #paris17 #parisinlove #photographerslife #paris🗼 #loveparis❤️ #parisview #paris #loves_france #ig_france #ig_paris #parismylove #parisismagic #cityoflights #ig_daily #dailyparis #dailyposts #❤️ #parismaville #paris17 #parisianstyle #🇫🇷 #frenchlife #parisiandoors #parisianbuilding – [ ]

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Der Unterschied wird jedem schnell auffallen, der sich in sozialen Medien unterwegs ist: Posts schöner Frauen oder mit schönen Frauen generieren eben schnell Likes und Follower.

Dagegen ist ein Werbeplakat relativ unbedeutend und gibt eben nur die Realität wieder.

Aber man muss eben auch gar nicht in die sozialen Medien gehen, der normale Alltag macht Geschlechterunterschiede üblicherweise sehr deutlich. Denn ein Großteil der Leute fühlt sich ja in ihren Geschlechterrollen wohl, sie sind gerne Frauen oder Männer. Die Frauen interessieren sich gerne für Mode etc, die Männer mehr für Fußball und Mode. Beide Geschlechter wissen recht genau, welche Männer und Frauen als sexy gelten und selbst wenn man ihnen sagt, dass diese Ansichten nicht politisch korrekt sind, dann beherzigen sie das vielleicht auf der Oberfläche, aber sie finden den sportlichen Typen dennoch interessanter.

Haare als „fundamentaler“ Bestandteil von Schönheit

Emily Ratajkowski hatte einen neuen Werbedeal mit einem Shampoo-Hersteller abgeschlossen und ein Bild von sich mit Betonung auf dem Haar und dem Spruch:

“Hair is a fundamental part of beauty, femininity, and identity. So excited to announce that I am the new face of @kerastase_official!”

Dies war das Bild, der Spruch wurde inzwischen geändert:

Die Reaktionen waren wohl für sie unerwartet harsch:

“Hair is not a ‘fundamental’ part of beauty. There are people with cancer and other illnesses who are unfortunately undergoing treatment that causes them to lose their hair. Saying that hair is a ‘fundamental’ part of beauty is extremely shallow and it gives off the false idea that hair is a necessity,” commented one Instagrammer.

“Where’s the apology????” asked another.

Ratajkowksi quickly went into damage-control mode, updating her Instagram caption to something more palatable to the masses.

Ich finde das Argument, dass Frauen, die eine Chemo machen, und ihr Haar verlieren, dennoch schön sein MÜSSEN und deswegen Haar kein fundamentaler Bestandteil von Schönheit sein kann, denkbar schlecht.

Es ist aus meiner Sicht ein merkwürdiges Verständnis von Schönheit, denn ein Grundsatz, nachdem Leute, die eine Krankheit haben bzw unter den Folgen einer Behandlung leiden, gleichzeitig schön sein müssen, hat nichts mit dem Konzept von Schönheit zu tun.

Das Haare gerade bei Frauen wesentlich Attraktivitätsmerkmale sind liegt eher daran, dass sie einen relativ weiten Blick zurück in die Vergangenheit erlauben:

Beim Haupthaar, dass beim Menschen eine beachtliche Länge im Vergleich zu anderen Tieren erreichen kann, ist zunächst erst einmal anzumerken, dass es sich durchaus als „Costly Signal“ anbietet. Am Haar kann man über den Wuchs, den Glanz, die Pflege vieles über den Ernährungsstand und den Gesundheitszustand des Trägers innerhalb der letzten Monate oder Jahre erkennen. Schönes, gesundes, glänzendes langes Haar wird daher in den meisten Kulturen gerade bei Frauen als Attraktivitätsmerkmal geschätzt.

Natürlich kann man dennoch auch ohne Haare schön sein (siehe auch), aber das ist eher die Ausnahme von der Regel, sucht man nach schönen Frauen, dann werden der allergrößte Teil der Frauen lange Haare haben. Hier die ersten drei Bilder, die mir bei einer Suche nach „beautiful women“ von Google angezeigt werden:

Gal Gadot

Hier sieht man gut, dass die Haare in den Fotos durchaus betont sind und einen wichtigen Part bilden.

Und auch die meisten Krebs-Patientinnen werden es genauso sehen, weswegen für viele der Verlust des Haares auch nicht unbedeutend ist und sie sich schöner fühlen und sie sich nicht selten Perücken zulegen, damit sie sich besser fühlen.

Insofern ist der Angriff auf Emila Ratajkowski unnötig hart, auch weil es von ihr eigentlich eher ein harmloser Spruch ist: Sie ist nicht wegen ihres Haars so bekannt geworden, sie ist bekannt geworden, weil sie einen schlanken, sportlichen Körper mit großen Brüsten hat, und diese in einem Musikvideo zeigte:

Man könnte hier gut sogar anführen, dass sie sich mit dem Hinweis darauf, dass Haare etwas schönes sind, die einem wesentlichen Bestandteil von Schönheit ausmachen, eher zurückhält. Denn schöne Haare sind in der heutigen Zeit ja noch relativ einfach für eine Frau zu erreichen, im Gegensatz zu den sonstigen Merkmalen von Schönheit, die Emily Ratajkowski  für sich anführen könnte.

Aber natürlich darf man in dem Bereich nichts als „festen Bestandteil von Schönheit“ bezeichnen, denn Schönheit darf nichts objektives sein. Es wäre interessant, ob Emily Ratajkowski einen Instinkt, dass abzusprechen, noch eher in einigen Frauen hervorruft, weil sie eben über Nacktheit und große Brüste eine recht offene Sexualität anspricht, die sie vielleicht noch eher als Konkurrenz erscheinen lässt und einen Abwehrreflex anspricht.

 

 

«Ich hasse Männer als Gruppe»

Die Musikerin Zara Larsson wird interviewt und ich finde ein paar Stellen aus dem Interview so typisch, dass sie für eine Besprechung interessant sind:

Du nennst dich selbst auch «Männer-Hasserin».
Ich hasse Männer als Gruppe, nicht als Individuen. Die ganze Geschlechter-Aufteilung, der Patriarchismus – die Männer werden einfach besser behandelt, und sie sind schuld, dass sich daran nichts ändert. Viele wollen mich extra falsch verstehen, bilden sich ihre Meinung über mich, ohne mit mir geredet zu haben. Würden sie mir richtig zuhören, würden sie mich auch verstehen.

Na so ein Glück, sie hasst Männer nur als Gruppe. Da ist es in der Tat ganz unverständlich, wenn die Individuen das ganz falsch verstehen.

„Der schwarze Nachbar ist ganz okay, ich hasse nur Schwarze als Gruppe“ – das wäre ungefähr das gleiche Niveau

Ist es schwierig, Feminismus und sexy Musikvideos zusammenzubringen?
Das einzig Schwierige daran ist das Frauenbild. Frauen müssen immer gut aussehen, schlank, grosser Hintern und so weiter. Ich gebe mich sexy, wenn ich sexy sein will, nicht, weil jemand das will. Das zu unterscheiden, ist manchmal schwer.

Warum sollte man auch nicht sexy sein wollen? Aber es ist eine interessante Argumentation, mit der man gleichzeitig allen anderen Vorwerfen kann, dass sie den Rollen folgen, es für sich aber dennoch ausnehmen kann und es zu freien Willen machen kann.

Wie gehst du mit negativen Kommentaren um?
Die gibt es immer. Bei mir hiess es schon, ich hätte etwa einen flachen Hintern. Ich denke mir dann: Was soll ich dagegen tun? Mir Implantate reinmachen? Dann würde es wieder negativ ankommen. Deshalb versuche ich gar nicht erst, allen gerecht zu werden. Die Kommentare werden gelöscht und die Nutzer blockiert, so mache ich das.

Auch klassischer Feminismus. Einfaches ignorieren reicht nicht.

Attraktivität der Frauen und ihre Reproduktionsrate

Makeapp – Frauen ohne Makeup bzw Schminke

Gerade ein großes Thema, welches auch hier schon in den Kommentaren behandelt worden ist: Makeapp, eine App, die aus den Bildern geschminkter Frauen das Makeup „wegrechnet“.

Hier ein paar Bilder:

Zum Vergleich auch noch einmal die Bilder aus der „Nomakeupbewegung„:

 

Alicia Keys

Alicia Keys

Alicia Keys ohne Makeup

Alicia Keys ohne Makeup

Interessant wäre dabei aus meiner Sicht, was Schminke überhaupt macht. Einer der wichtigsten Aspekte scheint mir das Betonen der Augen zu sein, die durch auffälliger werden und mehr betont werden. Der zweite wichtige Aspekt dürften häufig die Lippen sein und der dritte eine gleichmäßigere Haut mit weiteren Konturen.

Dazu finde ich Übersichten von Schminkseiten wie diesen ganz interessant:

Der Grundsatz ist, dass man alles, was man dunkler macht kleiner wirken lässt, während alles, was heller gemacht wird, besonders hervortritt.

In der Bilderserie auf dem zweiten Contourbild sieht man gut, dass ihre Nasenflügel dadurch schmaler wirken und überhaupt das Gesicht insgesamt schmaler wirkt.

Das Betonen der Augen düfte diese sowohl größer wirken lassen als auch den Rest des Gesichtes dann noch schmaler machen.

Mich würde mal ein Ansatz interessieren, der genau darlegt, was mit den jeweiligen Techniken jeweils erreicht wird und warum dies auf uns attraktiver wirkt.

Ich hatte schon einmal in einem Artikel ausgeführt, warum sexuelle Selektion gerade im Bereich Schönheit Raum für Manipulationen und Verbesserungen lässt:

Ein solches Merkmal erfordert aber, dass die Weibchen Vorlieben für Männer mit schönem Pfauenschwanz eingespeichert haben und diese vererben, da ansonsten der notwendige Prozess zur Entstehung des Pfauenschwanzes nicht entstehen kann. Der Prozess wird nicht nur die natürliche Selektion gesteuert, sondern allein durch das Auswahlverhalten der Weibchen (bzw. bei einem Merkmal, das Weibchen betrifft, durch das Auswahlverhalten von Männchen).

Dabei kann das Merkmal, dass durch sexuelle Selektion entsteht, sogar nachteilig für andere Fähigkeiten sein, also einer „natürlichen Selektion“ gerade entgegenstehen. Ein Pfauenmännchen ohne langen auffälligen Schwanz würde bessere Chancen in nahezu jedem Bereich haben, abgesehen von den Chancen beim anderen Geschlecht. Da aber Gene über die Fortpflanzung weitergegeben werden, bringen diese Vorteile wenig, wenn die Gene der Tiere ohne auffälligen Schwanz nicht weitergegeben werden. Oft stellt der Nachteil hier gerade den Wert des Merkmals für die Partnerwahl dar, da es eine bessere Aussage über die Angepasstheit ermöglicht (vgl. Handicap-Prinzip und Costly Signaling).

Ein weiterer stabilisierender Faktor entstammt der „Sexy Son Theorie“ (die bei umgekehrter Wahl eine „Sexy Daughter Theorie“, die Namensgebung beruht darauf, dass Weibchen im Tierreich ganz überwiegend wählen und daher Zeichen sexueller Selektion weitaus häufiger bei Männchen zu finden sind). Die Theorie erläutert, warum es so schwer ist, sich von einer einmal in Gang gekommenen sexuellen Selektion wieder zu lösen: Eine Pfauenhenne, die den Trend bricht und lieber ein Männchen aussucht, das keinen hochwertigen Pfauenschwanz hat, dafür aber ein leichteres Leben, mischt dessen Gene mit den eigenen und hat daher eine hohe Chance, Söhne zu bekommen, die keinen schönen Pfauenschwanz haben. Diese werden dann aber von den anderen Hennen als unattraktiv bewertet werden. Mit der Wahl eines unattraktiven Partners produziert man damit weniger Nachkommen (sofern der Trend sich nicht allgemein umkehrt), so dass eine Überhöhung des Merkmals und eine Beibehaltung auch für die Weibchen sinnvoll ist. Die Geschlechter produzieren eben einander, die Gene des einen können sich jederzeit in einem Phänotyp des anderen wiederfinden, was genetische Optimierung für beide Geschlechter notwendig macht. Demnach kann sexuelle Selektion ein Merkmal wie den Pfauenschwanz fördern, obwohl dieser so gesehen für das Überleben nachteilhaft ist. Da sich die Pfauenmännchen untereinander in einem Wettrüsten um die Kunst der Weibchen befinden muss jede Generation bei Beachtung nur der sexuellen Selektion ein prächtigers Rad entwickeln um mit den positiven Mutationen innerhalb der Spezies mitzuhalten (Red Queen Race). Irgendwann würden dann aber das Pfauenrad so schwer und Kosten aufwendig werden, dass die Männchen diese Last nicht mehr tragen können und sie entweder zu schwach sind, um sich hinreichend zu ernähren oder nicht mehr vor Feinden fliehen können. Die natürliche Selektion begrenzt hier also irgendwann die sexuelle Selektion.

Die natürliche Selektion hat aber nicht zwangsläufig feste Grenzen. In Gegenden oder Zeiten mit hohem Nahrungsangebot und geringen Beutegreifern können Gene für größere Pfauenschwänze erfolgreich sein als ine Gegenden oder zu Zeiten, in denen ein niedriges Nahrungsangebot oder viele Beutegreifer bestehen. Dies macht Nischenbildung (Gene für schlechte oder sehr schlechte Zeiten bzw. Gene für gute oder sehr gute Zeiten möglich). Dadurch kommt es gerade bei Merkmalen, die auf sexueller Selektion beruhen zu schwankungen. Das bedeutet aber nicht, dass ein bestimmtes Merkmal nicht aus biologischen Gründen von der Mehrzahl als attraktiv angesehen wird.

Auf den Menschen übertragen bedeutet dies, dass beispielsweise große Augen aufgrund einer Übertragung der Schutzbedürftigkeit aus dem Kindchenschema heraus gewisse Vorteile boten und dies im Wege der sexuellen Selektion zu einem Attrkativitätsmerkmal wurde, dass Gene für große Augen förderte. Gleichzeitig steht dem aber die natürliche Selektion entgegen, die Augen auf klares Sehen hin optimiert, sie vielleicht zur Vermeidung einer zu leichten Verwundbarkeit eigentlich kleiner produzieren würde. Das durch sexuelle Selektion bestimmte Maß an Augengröße kann damit von dem durch natürliche Selektion bestimmten Maß an Augengröße abweichen. Die erzielte Größe wird dann irgendwo in der Mitte liegen. Deswegen haben kulturell geschaffene Mittel, die die Augengröße optisch dem Ideal, welches bei alleiniger sexueller Selektion bestehen würde, angleichen, einen Ansatzpunkt.

Vieles dürfte schlicht auch mit dem Stichwort „jünger“ zu erschlagen sein, etwa weniger Falten, eine glattere Haut etc.

Interessant wäre auch, warum Männer sich nicht auch im gleichen Maße schminken. Vielleicht sind ihre optischen Vorzüge schwerer zu erreichen, vielleicht liegt es daran, dass soziale Komponenten wie Status und Ressourcen wichtiger sind und daher eher gefälscht werden, vielleicht werden Täuschungen bei Männern auch eher erkannt oder führen zu einem stärkeren Abzug (Eggs are expensive, Sperm is cheap) oder waren schlicht zu schlecht mit den Tätigkeiten von Männern vereinbar. Sicherlich werden sich zu bestimmten Zeiten Adelige auch geschminkt haben, aber auch dort dürfte es zugleich ein Costly Signal gewesen, sein, dass sie sich das leisten können, weil sie nicht arbeiten müssen, genau wie feine Kleidung etc und sie hatten eh einen klaren Status durch Geburt, der damit betont wurde.