Adele nimmt ab, Feministinnen und Fat Studies Anhänger sind entsetzt

Adele hat abgenommen

 

Feministinnen und Anhänger der Fat Studies nehmen es schwer. Hier beispielsweise ein Auszug aus einem Text:

I woke up this morning to a stream of messages from my girlfriends on Whatsapp. Usually this means a celebrity has died or someone we haven’t seen for the better part of a decade has got engaged. But in this case the messages all started with a picture of a very pretty, slim girl in a short black dress. An unrecognisable Adele – along with dozens of comments.

„She looks amazing“; „She’s so beautiful now“; „I didn’t recognise her“; „Her body is insane“; „Her cheekbones could cut glass“; „Good for her“; „Well done“.

She would probably be receiving slightly less praise if she had found an overnight cure for Covid 19.

As a society, we are supposed to have progressed beyond noticing what a woman weighs. The A+ feminist reaction to her reported seven stone weight loss would be to have no reaction at all. But while I would dearly love to pretend that I saw the photos and moved on with my day, I didn’t. I saw the photos and my heart sank. I felt personally affronted, as if Adele had done something deliberately to hurt me.

Meine Vermutung war das sie dachte:

Verdammt, die sieht gut aus.

Und dann

Wenn sie abnehmen kann und besser aussieht, dann…

Das ist das Problem bei Geisteshaltungen, die man nur sehr mühsam aufrechterhalten kann und für die man immer wieder die Realität ausblenden muss.
Wann immer dann so etwas passiert dringt die Realität doch wieder ein und das tut weh.

Es mag der Wunsch sein, dass Schönheit im Inneren liegt, dass einige Leute gar nicht abnehmen können, dass es Gesundheit bei jeder Körperfülle gibt und das es nur diese dämliche Gesellschaftliche Norm ist, die man überwinden muss.
Und dann schert jemand, den man bisher immer als gutes Beispiel nehmen konnte, einfach aus und wirft alles, was man auf ihn gesetzt hat über Board, läuft ins feindliche Lager über und fühlt sich da anscheinend auch noch wohl und sieht dort gut aus. Nicht gut.

vgl auch:

Schönheitsideale, Haare und intrasexuelle Konkurrenz unter Frauen

Eine Autorin organisiert einen queer-feministischen Event und entdeckt dort Leute, die sich nicht an die gängigen Schönheitsideale halten:

Nachdem ich hallo gesagt und mich hingesetzt hatte, schaute ich mich um: Ich sah Baseballcaps, rasierte Köpfe, Irokesen und Undercuts, Tattoos und Piercings. Einige hatten Skateboards unter dem Arm. Während der Vorstellungsrunde war ich beruhigt, dass sich nur wenige untereinander kannten. Die meisten waren neu, wie ich. Wir kamen schnell ins Reden. Was wir uns von einem solchen Festival erhofften , was wir wichtig fanden, warum wir hier waren. Ich wusste nicht ganz genau, warum ich hier war, aber ich wusste, dass ich mich wohl fühlte. Die Art der Kommunikation gefiel mir, man hörte einander zu und ließ den anderen aussprechen, gegenteilige Meinungen wurden gehört und diskutiert. Es ging um Machtverhältnisse und gewaltfreie Räume, um Vernetzung, Solidarität und Empowerment. Am Ende des Abends war mir klar, dass ich mitmachen wollte.

Für mich tat sich damit eine neue, eine revolutionäre Welt auf. Eine Welt, die mehrheitlich von Frauen bevölkert war. Frauen, die mein Konzept von Weiblichkeit komplett auf den Kopf stellten. Frauen, die sich dem gängigem Schönheitsideal widersetzten, auf unterschiedlichste Weise. Frauen, die extrem androgyn aussahen. Frauen, die weich und rund waren und die ihre vermeintlich unperfekten Körper, ihre Bäuche und Oberschenkel nicht versteckten. Frauen, die Haare hatten – überall.

Das ist eben das Schöne an sexueller Selektion: Sie regelt recht abstrakt, was schön ist. Genauso wie trocken Brot und ein Schluck Wasser einem Hungernden als leckere Mahlzeit erscheinen können, weil sie in seinem Umkreis das leckerste sind, was es gibt. Insofern ist es natürlich möglich eine Welt mit abweichenden Schönheitsidealen zu erstellen. Die Kriterien der Schönheit können dort die gleichen bleiben, etwa wenig Haare an weiblichen Beinen, nur muss sich niemand so stark darum kümmern, weil die Konkurrenz es auch nicht macht. Es ist sozusagen ein Waffenstillstandspakt, der eben auch umgesetzt werden muss: „Tussis“, die sich an die gängigen Schönheitsnormen halten, sich schminken und rasieren, würden eben auch deswegen in einem solchen Kreis wahrscheinlich auf Dauer schlecht ankommen, zumindest bei dem heterosexuellen Teil der Frauen, die um Männer konkurrieren.

Am Anfang starrte ich jeden behaarten Unterschenkel ungläubig an. Ein Frauenbein in kurzen Hosen, das einem Männerbein in nichts nachstand, hatte ich vorher nie gesehen. In der Welt, in der ich aufgewachsen war, rasierten sich alle jungen Frauen Achseln und Beine. Meine Ballettlehrerin hatte uns, sobald wir ein bestimmtes Alter erreicht hatten, beigebracht, dass sie Stoppeln unter den Armen nicht akzeptierte. Tänzerinnen hatten schön zu sein, und das hieß: perfekt enthaarte Achseln. Ich weiß noch, wie ich mit Anfang zwanzig meine frisch rasierten Beine panisch nach einzelnen Haaren absuchte – und das Tag für Tag.

Natürlich kann das wiederum stressig sein, einem höheren Standard genügen zu müssen, dass ist nicht die Frage.

Die Frauen in meinem neuen Freundeskreis waren anders. Sie lösten Grenzen auf, Grenzen, an deren Klarheit ich mich schon lange gestoßen hatte. Und je mehr Zeit ich mit ihnen verbrachte, desto selbstverständlicher wurde für mich diese andere Form von Weiblichkeit. Irgendwann setzte ein Effekt ein, den ich fast nicht in Worte fassen kann: Ich verstand die Norm plötzlich nicht mehr, die mich mein ganzes Leben lang begleitet hatte. Ich verstand nicht mehr, warum ein Frauenbein nicht behaart sein durfte. Ich verstand nicht mehr, warum ein durchtrainierter Körper schöner sein sollte als ein fülliger Körper. Ich fragte mich, warum irgendein Körper schöner sein sollte als ein anderer, und wer oder was dieses „Schönersein“ bestimmte. Ich sah Verschiedenartigkeit. Ich sah Frauen, die sich in ihrer Körperlichkeit genauso zeigten, wie sie waren, und fand darin eine eigene Schönheit, die mutig war und gelassen.

Das eine Frau dies als Befreiung wahrnimmt kann ich mir durchaus vorstellen. Genauso befinden sich viele dicke Leute gerne in der Gesellschaft von anderen dicken Leuten, weil sie sich da weniger verurteilt fühlen etc. Es wäre interessant, ob sie ihr Schönheitsempfinden tatsächlich so ändern konnte oder einfach nur die dortige Atmosphäre mochte, verbunden mit dem Wunsch, einen geringeren Druck ausgesetzt zu sein, was Schönheit anging.

Ich fing an, mich auszuprobieren. Ich schnitt mir die Haare ab und hörte auf, meine Achseln zu rasieren. In meinem neuen Freundeskreis fühlte ich mich damit wohl in meiner Haut. Dort konnte ich eine Art jungenhafte Weiblichkeit verkörpern, die ich mochte, mit der ich mich ansonsten aber oft alleine fühlte. Sobald ich diesen Freundeskreis verließ, spürte ich den Druck nur allzu deutlich. Meine kurzen Haare stießen vor allem bei Männern auf Ablehnung – wobei Ablehnung vielleicht das falsche Wort ist. Sie reagierten größtenteils überhaupt nicht mehr auf mich. Weil ich doch lesbisch sei, hörte ich manchmal. An meinen Achselhaaren nahmen vor allem meine Freundinnen Anstoß. Die meisten von ihnen fanden die Tatsache, dass sie nicht glattrasiert waren, eklig, und verpassten keine Gelegenheit, mich darauf hinzuweisen.

Das verdeutlicht gut, dass es eben um intrasexuelle Konkurrenz geht. Die Männer ordnen sie schlicht in eine uninteressante Kategorie ein, eine, die Männern nicht gefallen will und sich eher für Lesben interessant macht.

Und die Frauen verstehen nicht, warum sie sich so tief in der intrasexuellen Konkurrenz aufstellt und befürchten vielleicht auch, dass sie selbst dadurch abrutschen. Wer Freundinnen hat, die nicht einmal solch einfache Regeln der intrasexuellen Konkurrenz beherrschen, der kann selbst nicht sehr fit auf dem Gebiet sein.

Diese Reaktionen provozierten mich. So sehr, dass ich in den darauf folgenden Jahren immer wieder versuchte, konventionelle Merkmale von Weiblichkeit abzulegen. Ich schor mir den Kopf. Mehrere Jahre lang trug ich ausschließlich Turnschuhe und entsorgte meine High Heels nach und nach. Irgendwann versuchte ich, mir die Beine nicht mehr zu rasieren. Ich wollte das können. Ich wollte mich der Norm, die ich glaubte, durchschaut zu haben, widersetzen. Aber ich konnte es nicht. Irgendwas tief in mir drin weigerte sich. Wenn ich nach draußen ging, schämte ich mich für die dunklen Haare auf meinen Unterschenkeln.

Weil es eben Normen mit Hintergründen sind, gerade bei Haaren. Sie hat erkannt, dass es einen gewissen Prozess dahinter gibt, aber eben nicht den Prozess selbst erkannt: Sie befand sich in zwei Gruppen, die sich auf einen anderen Standard in der intrasexuellen Konkurrenz geeinigt hatten, auch weil sie teilweise andere Schönheitsmerkmale bedient haben (Die Schönheitsideale von Lesben scheinen mir weit eher als die der Schwulen Merkmale des Geschlechts, auf das sie eigentlich nicht stehen, also bei Lesben Männlichkeit zu enhalten).

In der anderen Gruppe traf sie hingegen auf die übliche Konkurrenz unter Frauen, in der es diese anderen Vorstellungen und das Stillhalteabkommen nicht gab.

Ich begriff, dass ich es mir zu leicht gemacht hatte. Dass ich mein eigenes Konzept von Weiblichkeit finden musste. Dass ich nicht einfach ein bereits vorhandenes übernehmen konnte. Dass gelernte Normen tief sitzen und sich nicht einfach so über Bord werfen lassen, nur weil man es sich einmal vorgenommen hat.

Sie sitzen sogar tiefer als sie denkt, nämlich bereits in den Genen. Und da kann man sie weitaus schwerer über Bord werfen.

[…]

Anders zu sein, erfordert Mut – egal in welcher Welt. Heute trage ich Shorts, die die Dellen an meinen Oberschenkeln nicht verdecken, und habe Haare unter den Armen. Ich habe einen Deal mit mir selbst gemacht: Ums Beinerasieren komme ich nicht herum, dann erspare ich mir wenigstens die Achselrasur. Ich fühle mich wohl damit. Ich versuche, meine eigene Weiblichkeit zu finden und fremden Vorstellungen zu misstrauen. Das ist ein anstrengender Prozess, der vielleicht niemals abgeschlossen sein wird. Ich weiß jetzt, dass mir Normen nicht egal sind. Dass die Reaktionen meiner Umwelt einen sehr starken Einfluss darauf haben, wie wohl ich mich mit mir selbst fühle. Aber ich habe am eigenen Körper gespürt, wie brüchig, wie durchlässig und wandelbar diese Normen sind. Ob ich sie erfülle oder nicht, ist eine Entscheidung, die ich treffen kann und sollte. Manchmal jeden Tag aufs Neue.

Und das steht ihr natürlich frei. Diese Wahl hat jeder, keiner muss sich an den innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz entwickelten Regeln halten. Wenn sie das nicht will, dann ist das ihr gutes Recht. Allerdings ist sie damit weitaus weniger Revolutzer als vielmehr schlicht jemand, der sich aus der intrasexuellen Konkurrenz ausgliedert ohne damit viel zu ändern oder zu verbessern.

vlg auch:

Margarete Stokowski hasst gepolsterte BHs

Margarete Stokowski wettert gegen gepushte BHs:

In der Werbung gelten Brüste als das beste Verkaufsargument – aber die Brust der einzelnen Frau muss immer noch durch unbequeme BHs optimiert werden. Würden Männer so kontrolliert werden, müssten sie Penisbändiger tragen.

Die Einleitung finde ich schon nicht schlecht: Frauen werden erst einmal zum Objekt gemacht, sie wählen nicht etwa bestimmte BHs aus, sondern sie werden „kontrolliert“. Männer hingegen haben natürlich keinerlei einschränkende Kleiderordnungen. Wer hätte sich je über Männer in kurzen Hosen aufgeregt oder welcher Dresscode sieht etwa auch bei heißen Wetter so etwas wie lange Stoffhose und Krawatte für Männer, aber durchaus ein luftiges Kleid für als Option für Frauen vor?

Tatsächlich ist es auch bereits interessant, dass sie die BHs als Kontrolle sieht und ihnen „Penisbändiger“ gegenüber stellt, wenn es für viele Frauen immer noch darum geht, dass sie eben ihren Busen besser aussehen lassen, größer, fester, gleichmässiger, nicht hängend etc.

Der klassische gefütterte BH verspricht, dass man in ihm gut aussieht:

Push-up BH mit Polster

Push-up BH mit Polster

Und die Bedeckung der Brustwarzen macht ihn eben in vielen Fällen auch weniger sexuell und vermindert die Vergleichbarkeit innerhalb der intrasexuellen Konkurrenzu, weil diese bei der Bewertung der Schönheit einer Brust ein ganz wesentliches Element sind.

Würde man entsprechendes für den Penis vorsehen, dann käme wohl eher so etwas wieder in Mode:

arrmour-codpiece

arrmour-codpiece

Oder der Penisköcher würde eine Ausbreitung erleben. Das geschieht nicht, weil Männer dahingehend „kontrolliert“ werden, dass man im Gegensatz zu Brüsten eben seinen Penis nicht betonen darf. Während Männer sich schöne Brüste oder Vaginas durchaus anschauen wollen ist das Zusenden von Dickpics an Frauen eben eher eine Form der Belästigung.
Abgesehen von der Schwulenszene, wo man wahrscheinlich durchaus für einen schönen Schwanz zu haben ist und damit keine Probleme hätte, weswegen entsprechende Betonungen wahrscheinlich auch eher für diese Szene entwickelt werden:

Meine Vermutung wäre jedenfalls, dass das Produkt eher auf den schwulen Markt ausgerichtet ist, aber da mag ich mich auch täuschen.

Ich schwöre, wenn man eine repräsentative Studie unter den Frauen dieses Landes durchführen würde und fragen würde, wann und wo sie sich wirklich zuhause fühlen, dann würde mindestens die Hälfte von ihnen antworten: Da, wo ich ohne ätzenden BH rumlaufen kann.

Das kann ich mir durchaus vorstellen. Aber ich vermute, dass die meisten Frauen auch etwas dagegen hätten, wenn Frauen allgemein ohne BHs rumlaufen würden. Weil es eben dann häufig sexuelle Signale sendet, Defizite eher offen legt, man sich weniger vorteilhaft darstellen kann oder schlicht weil die intrasexuelle Konkurrenz damit angeheizt werden würde. Und natürlich auch, weil es auch bequemer in bestimmten Situationen sein kann, seine Brüste fest verpackt zu haben, einfach bei der Bewegung und größeren Brüsten. Aber dazu können sich natürlich gerne Frauen in den Kommentaren äußern.

Es gibt immer noch dieses Klischee, dass Feministinnen gerne BHs verbrennen, und es ist schwer aus der Welt zu kriegen, auch wenn es sich auf sehr dürftige historische Belege stützt. Früher habe ich immer gesagt: Hey, nein, stimmt gar nicht, wir machen das nicht, gute BHs sind so wichtig, gerade wenn man große Brüste hat; man kann sonst nicht mal ungenervt eine Treppe hinunterlaufen, ernsthaft. Das stimmt auch, soweit. Aber nun war ich letzte Woche unterwegs, um einen Bikini zu kaufen, und muss sagen, ich wäre inzwischen bereit für eine öffentliche Bikinioberteil-Verbrennung.

Die Probleme mit gepolsterten BHs hatten in der Tat schon andere Feministinnen und ich habe auch schon ein paar Artikel dazu.

Die konkrete Brust kann nie gut genug sein

Wenn man in die ganz normalen Klamottenläden geht, in die die meisten Leute gehen, dann findet man in der Bademodeabteilung für Frauen hauptsächlich Bikinioberteile, in denen auf jeder Seite bereits mindestens schon eine halbe Brust drin ist. Dieser knappe Liter Dämmmaterial ist manchmal durch eine kleine Lücke rausnehmbar, aber nicht immer, oft ist er fest vernäht. Auch bei großen Größen. Unter dem Polster findet sich nicht selten ein Metallbügel, der sich bei einer ungünstigen Bewegung (Kopfsprung, Arschbombe, Leben) in die Achsel bohren kann.

Es ist, als würde dieses Bikinioberteil sagen: Brüste, schön und gut, aber sie müssen in jede denkbare Himmelsrichtung geformt und vergrößert werden, außer auf der Seite, wo sie am Körper befestigt sind, denn ja, natürlich schätzt diese Gesellschaft die weibliche Brust als Allzweckdekoration zu Werbezwecken, aber die konkrete Brust jeder einzelnen Frau kann niemals gut genug sein.

Und das ist natürlich wieder einmal eine Diskriminierung der Frau und einfach ein Skandal!!!!11

Es klingt fast so als würde „die Gesellschaft“ den Frauen die BHs vorschreiben und verhindern, dass sie andere BHs kaufen. Tatsächlich sind es natürlich die einzelnen Frauen, die gerne die Vorteile einer optisch vergrößerten Brust nutzen wollen, weil sie dann als attraktiver wahrgenommen werden.

Dazu zB dieses Video:

Um die Antwort gleich vorwegzunehmen:

Ja, größere Brüste geben mehr Trinkgeld. Und zwar von Männern UND Frauen. Männer gaben 30% mehr, Frauen sogar 40% mehr.

Und auch „Mitnahme als Anhalterin, weil das Auto liegengeblieben ist“ gibt entsprechende Daten:

Statistically speaking, only men’s behaviors were affected by the hitchhiker’s breast size (p < .03). The frequency of stopping in the cup C condition was marginally greater than that of cup B (p = 0.09) and significantly greater than that of cup A (p < .01). The difference between cups A and B was not significant.

Das Rätsel, warum die meisten Läden hauptsächlich gepolsterte BHs anbieten, scheint damit recht leicht zu lösen zu sein: Frauen kaufen sie eher, weil es ihnen Vorteile bringt.

Um so besser, wenn sie dann auch noch gleichzeitig verhindern, dass sich Nippel durch den Stoff drücken, was ein zu sexuelles Signal sein kann, was viele Frauen nicht senden wollen.

Das gilt für Bikinioberteile und BHs gleichermaßen, und es gilt nicht nur für Modelle für erwachsene Frauen, sondern oft auch schon für die, die für 11- oder 13-Jährige gedacht sind. Es ist komplett unklar, wie Mädchen kein gestörtes Körperbild entwickeln sollen, wenn ihnen beim Shoppen suggeriert wird, dass man ihre Brüste idealerweise um ein paar Zentimeter strecken sollte, egal wie klein oder groß sie sind.

Auch hier ist es allerdings nicht „die Gesellschaft“, sondern eher der Umstand, dass solche Bikinis sich gut verkaufen. Sie bieten auch verschiedene Vorteile: Sie sind im Endeffekt weniger sexuell, weil man bei einem ungepolsterten Bikini mehr sieht. Sie ermöglichen Mädchen ihre tatsächlichen Brüste eher aus der Bewertung zu nehmen als BHs, die keine Polster haben. Und sie erlauben ihnen gleichzeitig eben größere Brüste zu haben.

Natürlich kann man das verurteilen und das Durchsichtigkeitsproblem bzw Formerkennbarkeitsproblem auch anders lösen. Aber um zu erkennen, dass größere, formschöne Brüste eine besondere Anziehungskraft auf Männer haben braucht man kein BH-Geschäft. Jede Schule dürfte zumindest ein in der Hinsicht bevorteiltes Mädchen haben, welches das den anderen Mädels recht schnell deutlich macht.

Um es gleich zu sagen: Es ist okay, dass es das gibt. Für Mädchen und Frauen, die ihre Brüste fest einpacken und vergrößern wollen, sind diese Modelle ein Segen, aber sie sind oft nicht eine Auswahlmöglichkeit, sondern der Standard. Wer kein Push-up-Gerät sucht, bei dem man sich erstmal die Brüste auswringen muss, wenn man aus dem Wasser kommt, hat ein Problem.

Dann gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Entweder es ist nichts davon am Markt, weil sich so etwas nicht verkaufen lässt
  • oder Frau Stokowski hat eine unglaubliche Marktlücke gefunden, die bisher keiner der BH und Bikinihersteller wahrgenommen hat, und könnte damit reich werden.

Meine Vermutung ist, dass die meisten Frauen eben die Polster und das Pushen wollen, aber es auch genug ohne gibt.

Dazu auch noch diese Tweets:

Eine feministische Revolution im Kapitalismus, weil ein bestimmtes, nach ihrer Vorstellung am Markt gesuchte Produkt bisher nicht auf dem Markt ist. Wie kann es nur abseits von Diskriminierung zum Gender Pay Gap kommen?

Die historische Epoche der Aufklärung kann nicht als abgeschlossen betrachtet werden, solange es immer noch der Normalfall ist, dass Frauen angeboten wird, sich zwei Brustprothesen aus einer Art Bauschaum umzuschnallen, bevor sie schwimmen gehen. Was soll das?

Man muss glaube ich tief verwurzelt im Opferdenken sein, wenn man nicht auf die Idee kommt, dass Frauen diese Produkte eher kaufen als andere, weil sie sie besser finden. In ihrer Vorstellung gibt es aber so etwas wie eine bewußte Kaufentscheidung der Frauen nicht. Es gibt nur die patriarchale Gesellschaft, in der anscheinend Frauen keinen Einfluss in der Modebranche haben und auch unmöglich selbst BHs und Bikinis herstellen können, so dass ihnen nichts anders übrig bleibt als „sich Brustprothesen aus Bauschaum umzuschnallen“.

 

Die Darstellung normaler Gegebenheiten als schädlich und sexistisch

Ein wichtiger Kampf in vielen Teilen des Feminismus ist der Kampf gegen die Darstellung bestimmter medialer Inhalte, die nach deren Auffassung schlecht sind. Also beispielsweise die Darstellung schlanker sportlicher Frauen als besonders sexy oder die Darstellung einer Frau, die kocht oder Haushaltstätigkeiten durchführt als sexistisch der falsch.

Damit traut man den Medien eine erstaunliche Macht zu, die denke ich überschätzt wird.

Das liegt hauptsächlich daran, dass vieles, was dort verdammt ist, eben bestimmte Vorlieben bedient, die auf Geschlechterunterschieden aufbauen.

Es bringt wenig, die Darstellung einer kochenden Mutter für sexistisch zu halten, wenn Frauen überall auf der Welt weitaus eher für das Kochen zuständig sind, weil sie eher die Kinderbetreuung übernehmen und übernehmen wollen und die Männer eher die Erwerbsarbeit übernehmen und übernehmen wollen.

Es bringt wenig, dass man ein Plakat, in dem eine schlanke und sportliche Frau fragt, ob man schon „Beach Body ready“ ist, verbietet, wenn einem in der Realität natürlich bewusst ist, dass die schlanke Mitschülerin, Freundin, Kollegin, Bekannte, die Aufmerksamkeit sowohl der Männer als auch Frauen weitaus stärker auf sich ziehen wird, weil sie gut aussieht.

Es liegt zum anderen daran, dass die heutigen Medien nur noch sehr eingeschränkt zu kontrollieren sind.

Unter „beliebteste Bilder“ vom Strand bei Instagram sind beispielsweise diese drei:

Wie man sieht zwei mal schlanke Frauen, einmal ein schöner Strand.

Das geht auch in vielen anderen Bereichen: Man kann fast eine beliebige Sehenswürdigkeit oder Stadt eintippen und man wird mit hoher Wahrscheinlichkeit in den ersten drei Bildern eine gutaussehende Frau haben:

Hier beispielsweise „Bologna“

View this post on Instagram

Sabato 🖍 #casa #bologna

A post shared by Cecilia Coltelli (@ceciliacoltelli) on

Oder Paris:

View this post on Instagram

🇫🇷 Parisian Avenues! 🏛🚙🗼 ___________________________________________ 📸 PARISIAN.ESCAPES is very Proud to Present: @gl0be_trotter ___________________________________________ 📍 Paris, France ___________________________________________ 🔹 Thank you so much for Following @PARISIAN.ESCAPES 🔹 and tag your best photos Paris #PARISIANESCAPES ____________________________________________ 🔹Please show your support to our featured Artists and visit their collection for more beautiful Shots! ____________________________________________ Thank you for Following us ❤️🇫🇷. ____________________________________________ #parisianescapes #igers_opengallery #parisjetaime #hello_france #super_france #francephoto #paris #paris17 #parisinlove #photographerslife #paris🗼 #loveparis❤️ #parisview #paris #loves_france #ig_france #ig_paris #parismylove #parisismagic #cityoflights #ig_daily #dailyparis #dailyposts #❤️ #parismaville #paris17 #parisianstyle #🇫🇷 #frenchlife #parisiandoors #parisianbuilding – [ ]

A post shared by Paris | Travel Community (@parisian.escapes) on

Der Unterschied wird jedem schnell auffallen, der sich in sozialen Medien unterwegs ist: Posts schöner Frauen oder mit schönen Frauen generieren eben schnell Likes und Follower.

Dagegen ist ein Werbeplakat relativ unbedeutend und gibt eben nur die Realität wieder.

Aber man muss eben auch gar nicht in die sozialen Medien gehen, der normale Alltag macht Geschlechterunterschiede üblicherweise sehr deutlich. Denn ein Großteil der Leute fühlt sich ja in ihren Geschlechterrollen wohl, sie sind gerne Frauen oder Männer. Die Frauen interessieren sich gerne für Mode etc, die Männer mehr für Fußball und Mode. Beide Geschlechter wissen recht genau, welche Männer und Frauen als sexy gelten und selbst wenn man ihnen sagt, dass diese Ansichten nicht politisch korrekt sind, dann beherzigen sie das vielleicht auf der Oberfläche, aber sie finden den sportlichen Typen dennoch interessanter.

Haare als „fundamentaler“ Bestandteil von Schönheit

Emily Ratajkowski hatte einen neuen Werbedeal mit einem Shampoo-Hersteller abgeschlossen und ein Bild von sich mit Betonung auf dem Haar und dem Spruch:

“Hair is a fundamental part of beauty, femininity, and identity. So excited to announce that I am the new face of @kerastase_official!”

Dies war das Bild, der Spruch wurde inzwischen geändert:

Die Reaktionen waren wohl für sie unerwartet harsch:

“Hair is not a ‘fundamental’ part of beauty. There are people with cancer and other illnesses who are unfortunately undergoing treatment that causes them to lose their hair. Saying that hair is a ‘fundamental’ part of beauty is extremely shallow and it gives off the false idea that hair is a necessity,” commented one Instagrammer.

“Where’s the apology????” asked another.

Ratajkowksi quickly went into damage-control mode, updating her Instagram caption to something more palatable to the masses.

Ich finde das Argument, dass Frauen, die eine Chemo machen, und ihr Haar verlieren, dennoch schön sein MÜSSEN und deswegen Haar kein fundamentaler Bestandteil von Schönheit sein kann, denkbar schlecht.

Es ist aus meiner Sicht ein merkwürdiges Verständnis von Schönheit, denn ein Grundsatz, nachdem Leute, die eine Krankheit haben bzw unter den Folgen einer Behandlung leiden, gleichzeitig schön sein müssen, hat nichts mit dem Konzept von Schönheit zu tun.

Das Haare gerade bei Frauen wesentlich Attraktivitätsmerkmale sind liegt eher daran, dass sie einen relativ weiten Blick zurück in die Vergangenheit erlauben:

Beim Haupthaar, dass beim Menschen eine beachtliche Länge im Vergleich zu anderen Tieren erreichen kann, ist zunächst erst einmal anzumerken, dass es sich durchaus als „Costly Signal“ anbietet. Am Haar kann man über den Wuchs, den Glanz, die Pflege vieles über den Ernährungsstand und den Gesundheitszustand des Trägers innerhalb der letzten Monate oder Jahre erkennen. Schönes, gesundes, glänzendes langes Haar wird daher in den meisten Kulturen gerade bei Frauen als Attraktivitätsmerkmal geschätzt.

Natürlich kann man dennoch auch ohne Haare schön sein (siehe auch), aber das ist eher die Ausnahme von der Regel, sucht man nach schönen Frauen, dann werden der allergrößte Teil der Frauen lange Haare haben. Hier die ersten drei Bilder, die mir bei einer Suche nach „beautiful women“ von Google angezeigt werden:

Gal Gadot

Hier sieht man gut, dass die Haare in den Fotos durchaus betont sind und einen wichtigen Part bilden.

Und auch die meisten Krebs-Patientinnen werden es genauso sehen, weswegen für viele der Verlust des Haares auch nicht unbedeutend ist und sie sich schöner fühlen und sie sich nicht selten Perücken zulegen, damit sie sich besser fühlen.

Insofern ist der Angriff auf Emila Ratajkowski unnötig hart, auch weil es von ihr eigentlich eher ein harmloser Spruch ist: Sie ist nicht wegen ihres Haars so bekannt geworden, sie ist bekannt geworden, weil sie einen schlanken, sportlichen Körper mit großen Brüsten hat, und diese in einem Musikvideo zeigte:

Man könnte hier gut sogar anführen, dass sie sich mit dem Hinweis darauf, dass Haare etwas schönes sind, die einem wesentlichen Bestandteil von Schönheit ausmachen, eher zurückhält. Denn schöne Haare sind in der heutigen Zeit ja noch relativ einfach für eine Frau zu erreichen, im Gegensatz zu den sonstigen Merkmalen von Schönheit, die Emily Ratajkowski  für sich anführen könnte.

Aber natürlich darf man in dem Bereich nichts als „festen Bestandteil von Schönheit“ bezeichnen, denn Schönheit darf nichts objektives sein. Es wäre interessant, ob Emily Ratajkowski einen Instinkt, dass abzusprechen, noch eher in einigen Frauen hervorruft, weil sie eben über Nacktheit und große Brüste eine recht offene Sexualität anspricht, die sie vielleicht noch eher als Konkurrenz erscheinen lässt und einen Abwehrreflex anspricht.

 

 

«Ich hasse Männer als Gruppe»

Die Musikerin Zara Larsson wird interviewt und ich finde ein paar Stellen aus dem Interview so typisch, dass sie für eine Besprechung interessant sind:

Du nennst dich selbst auch «Männer-Hasserin».
Ich hasse Männer als Gruppe, nicht als Individuen. Die ganze Geschlechter-Aufteilung, der Patriarchismus – die Männer werden einfach besser behandelt, und sie sind schuld, dass sich daran nichts ändert. Viele wollen mich extra falsch verstehen, bilden sich ihre Meinung über mich, ohne mit mir geredet zu haben. Würden sie mir richtig zuhören, würden sie mich auch verstehen.

Na so ein Glück, sie hasst Männer nur als Gruppe. Da ist es in der Tat ganz unverständlich, wenn die Individuen das ganz falsch verstehen.

„Der schwarze Nachbar ist ganz okay, ich hasse nur Schwarze als Gruppe“ – das wäre ungefähr das gleiche Niveau

Ist es schwierig, Feminismus und sexy Musikvideos zusammenzubringen?
Das einzig Schwierige daran ist das Frauenbild. Frauen müssen immer gut aussehen, schlank, grosser Hintern und so weiter. Ich gebe mich sexy, wenn ich sexy sein will, nicht, weil jemand das will. Das zu unterscheiden, ist manchmal schwer.

Warum sollte man auch nicht sexy sein wollen? Aber es ist eine interessante Argumentation, mit der man gleichzeitig allen anderen Vorwerfen kann, dass sie den Rollen folgen, es für sich aber dennoch ausnehmen kann und es zu freien Willen machen kann.

Wie gehst du mit negativen Kommentaren um?
Die gibt es immer. Bei mir hiess es schon, ich hätte etwa einen flachen Hintern. Ich denke mir dann: Was soll ich dagegen tun? Mir Implantate reinmachen? Dann würde es wieder negativ ankommen. Deshalb versuche ich gar nicht erst, allen gerecht zu werden. Die Kommentare werden gelöscht und die Nutzer blockiert, so mache ich das.

Auch klassischer Feminismus. Einfaches ignorieren reicht nicht.

Attraktivität der Frauen und ihre Reproduktionsrate

Makeapp – Frauen ohne Makeup bzw Schminke

Gerade ein großes Thema, welches auch hier schon in den Kommentaren behandelt worden ist: Makeapp, eine App, die aus den Bildern geschminkter Frauen das Makeup „wegrechnet“.

Hier ein paar Bilder:

Zum Vergleich auch noch einmal die Bilder aus der „Nomakeupbewegung„:

 

Alicia Keys

Alicia Keys

Alicia Keys ohne Makeup

Alicia Keys ohne Makeup

Interessant wäre dabei aus meiner Sicht, was Schminke überhaupt macht. Einer der wichtigsten Aspekte scheint mir das Betonen der Augen zu sein, die durch auffälliger werden und mehr betont werden. Der zweite wichtige Aspekt dürften häufig die Lippen sein und der dritte eine gleichmäßigere Haut mit weiteren Konturen.

Dazu finde ich Übersichten von Schminkseiten wie diesen ganz interessant:

Der Grundsatz ist, dass man alles, was man dunkler macht kleiner wirken lässt, während alles, was heller gemacht wird, besonders hervortritt.

In der Bilderserie auf dem zweiten Contourbild sieht man gut, dass ihre Nasenflügel dadurch schmaler wirken und überhaupt das Gesicht insgesamt schmaler wirkt.

Das Betonen der Augen düfte diese sowohl größer wirken lassen als auch den Rest des Gesichtes dann noch schmaler machen.

Mich würde mal ein Ansatz interessieren, der genau darlegt, was mit den jeweiligen Techniken jeweils erreicht wird und warum dies auf uns attraktiver wirkt.

Ich hatte schon einmal in einem Artikel ausgeführt, warum sexuelle Selektion gerade im Bereich Schönheit Raum für Manipulationen und Verbesserungen lässt:

Ein solches Merkmal erfordert aber, dass die Weibchen Vorlieben für Männer mit schönem Pfauenschwanz eingespeichert haben und diese vererben, da ansonsten der notwendige Prozess zur Entstehung des Pfauenschwanzes nicht entstehen kann. Der Prozess wird nicht nur die natürliche Selektion gesteuert, sondern allein durch das Auswahlverhalten der Weibchen (bzw. bei einem Merkmal, das Weibchen betrifft, durch das Auswahlverhalten von Männchen).

Dabei kann das Merkmal, dass durch sexuelle Selektion entsteht, sogar nachteilig für andere Fähigkeiten sein, also einer „natürlichen Selektion“ gerade entgegenstehen. Ein Pfauenmännchen ohne langen auffälligen Schwanz würde bessere Chancen in nahezu jedem Bereich haben, abgesehen von den Chancen beim anderen Geschlecht. Da aber Gene über die Fortpflanzung weitergegeben werden, bringen diese Vorteile wenig, wenn die Gene der Tiere ohne auffälligen Schwanz nicht weitergegeben werden. Oft stellt der Nachteil hier gerade den Wert des Merkmals für die Partnerwahl dar, da es eine bessere Aussage über die Angepasstheit ermöglicht (vgl. Handicap-Prinzip und Costly Signaling).

Ein weiterer stabilisierender Faktor entstammt der „Sexy Son Theorie“ (die bei umgekehrter Wahl eine „Sexy Daughter Theorie“, die Namensgebung beruht darauf, dass Weibchen im Tierreich ganz überwiegend wählen und daher Zeichen sexueller Selektion weitaus häufiger bei Männchen zu finden sind). Die Theorie erläutert, warum es so schwer ist, sich von einer einmal in Gang gekommenen sexuellen Selektion wieder zu lösen: Eine Pfauenhenne, die den Trend bricht und lieber ein Männchen aussucht, das keinen hochwertigen Pfauenschwanz hat, dafür aber ein leichteres Leben, mischt dessen Gene mit den eigenen und hat daher eine hohe Chance, Söhne zu bekommen, die keinen schönen Pfauenschwanz haben. Diese werden dann aber von den anderen Hennen als unattraktiv bewertet werden. Mit der Wahl eines unattraktiven Partners produziert man damit weniger Nachkommen (sofern der Trend sich nicht allgemein umkehrt), so dass eine Überhöhung des Merkmals und eine Beibehaltung auch für die Weibchen sinnvoll ist. Die Geschlechter produzieren eben einander, die Gene des einen können sich jederzeit in einem Phänotyp des anderen wiederfinden, was genetische Optimierung für beide Geschlechter notwendig macht. Demnach kann sexuelle Selektion ein Merkmal wie den Pfauenschwanz fördern, obwohl dieser so gesehen für das Überleben nachteilhaft ist. Da sich die Pfauenmännchen untereinander in einem Wettrüsten um die Kunst der Weibchen befinden muss jede Generation bei Beachtung nur der sexuellen Selektion ein prächtigers Rad entwickeln um mit den positiven Mutationen innerhalb der Spezies mitzuhalten (Red Queen Race). Irgendwann würden dann aber das Pfauenrad so schwer und Kosten aufwendig werden, dass die Männchen diese Last nicht mehr tragen können und sie entweder zu schwach sind, um sich hinreichend zu ernähren oder nicht mehr vor Feinden fliehen können. Die natürliche Selektion begrenzt hier also irgendwann die sexuelle Selektion.

Die natürliche Selektion hat aber nicht zwangsläufig feste Grenzen. In Gegenden oder Zeiten mit hohem Nahrungsangebot und geringen Beutegreifern können Gene für größere Pfauenschwänze erfolgreich sein als ine Gegenden oder zu Zeiten, in denen ein niedriges Nahrungsangebot oder viele Beutegreifer bestehen. Dies macht Nischenbildung (Gene für schlechte oder sehr schlechte Zeiten bzw. Gene für gute oder sehr gute Zeiten möglich). Dadurch kommt es gerade bei Merkmalen, die auf sexueller Selektion beruhen zu schwankungen. Das bedeutet aber nicht, dass ein bestimmtes Merkmal nicht aus biologischen Gründen von der Mehrzahl als attraktiv angesehen wird.

Auf den Menschen übertragen bedeutet dies, dass beispielsweise große Augen aufgrund einer Übertragung der Schutzbedürftigkeit aus dem Kindchenschema heraus gewisse Vorteile boten und dies im Wege der sexuellen Selektion zu einem Attrkativitätsmerkmal wurde, dass Gene für große Augen förderte. Gleichzeitig steht dem aber die natürliche Selektion entgegen, die Augen auf klares Sehen hin optimiert, sie vielleicht zur Vermeidung einer zu leichten Verwundbarkeit eigentlich kleiner produzieren würde. Das durch sexuelle Selektion bestimmte Maß an Augengröße kann damit von dem durch natürliche Selektion bestimmten Maß an Augengröße abweichen. Die erzielte Größe wird dann irgendwo in der Mitte liegen. Deswegen haben kulturell geschaffene Mittel, die die Augengröße optisch dem Ideal, welches bei alleiniger sexueller Selektion bestehen würde, angleichen, einen Ansatzpunkt.

Vieles dürfte schlicht auch mit dem Stichwort „jünger“ zu erschlagen sein, etwa weniger Falten, eine glattere Haut etc.

Interessant wäre auch, warum Männer sich nicht auch im gleichen Maße schminken. Vielleicht sind ihre optischen Vorzüge schwerer zu erreichen, vielleicht liegt es daran, dass soziale Komponenten wie Status und Ressourcen wichtiger sind und daher eher gefälscht werden, vielleicht werden Täuschungen bei Männern auch eher erkannt oder führen zu einem stärkeren Abzug (Eggs are expensive, Sperm is cheap) oder waren schlicht zu schlecht mit den Tätigkeiten von Männern vereinbar. Sicherlich werden sich zu bestimmten Zeiten Adelige auch geschminkt haben, aber auch dort dürfte es zugleich ein Costly Signal gewesen, sein, dass sie sich das leisten können, weil sie nicht arbeiten müssen, genau wie feine Kleidung etc und sie hatten eh einen klaren Status durch Geburt, der damit betont wurde.

 

#ohnemich – Frauen sollten ihren Körper nicht stärker zur Schau stellen als der durchschnittliche Mann

In der Zeit erschien ein kontroverser Artikel, in dem die Autorin vertritt, dass Belästigungen ihre Ursache darin haben, dass es Männern zu leicht gemacht wird, Frauen als knackige Körper und leichte Beute zu sehen.

Die #MeToo-Debatte hat ein enorm verbreitetes Verhalten zutage gefördert: die Selbstverständlichkeit, mit der Männer Frauen als knackige Körper und leichte Beute betrachten und ernsthaft glauben, ein kurzer Griff oder markiger Spruch sei kein Grund zur Aufregung. In gewisser Weise ist das aber nur die Oberfläche eines tiefergehenden Problems

Darunter liegt die sozial verfestigte Asymmetrie, dass es bei Frauen mehr aufs Aussehen ankommt als bei Männern.

Das geht etwas in „Dann mach doch die Bluse zu“, und kann dem Feminismus daher nicht gefallen.

Dabei ist es ja erst einmal ein einfaches Bild:

Wer als etwas anderes wahrgenommen werden will als als sexueller Reiz, der muss eben auch andere Signale senden und das sexuelle reduzieren. Gerade wer dagegen protestiert, dass Frauen als zu sexuell dargestellt werden, etwa in Werbungen etc, dem müsste der Gedanken durchaus einleuchten, dass es dann nicht hilft, wenn Frauen selbst sich so darstellen, wie man es in der Werbung nicht sehen möchte.

Die vorgeschlagene Lösung ist entsprechend simpel_

Wenn aber – mit Marx – radikal sein heißt, ein Problem bei der Wurzel zu packen, dann müssen Frauen schon auf dieser tieferen Ebene dazu ansetzen, aus dem asymmetrischen Regime des Gutaussehenmüssens auszubrechen. Sie müssen aufhören, sich zu schminken, zu schmücken und zu stylen, sich selbst permanent als Körper zu präsentieren. Sie müssen einfordern, dass berufliche Dresscodes symmetrisiert werden und auch für Frauen eine stilvolle, aber nicht körperbetonte Businesskleidung zur Verfügung steht. Der #MeToo-Diskurs muss zu einem #OhneMich-Diskurs weiterentwickelt werden, der die Botschaft verkündet und verbreitet: „Ich mache dieses Spiel nicht mehr mit. Ich tue nicht mehr für mein Aussehen als der durchschnittliche Mann, und ich stelle meinen Körper nicht stärker zur Schau als der durchschnittliche Mann.“

Da bestehen natürlich mehrere Probleme:

  • Jeder Mensch möchte sich gerne attraktiv darstellen, weil Attraktivität enorm wichtig in der Bewertung und im zwischenmenschlichen Verhalten ist. Es ist nicht so, dass Männer das nicht machen, sie stellen sich eben innerhalb der Attraktivitätsmerkmale, die Frauen eher interessieren, als attraktiv dar. Und da ist eine zu starke Betonung des sexuellen und damit des Körpers zeigen eben häufig uninteressanter als andere Sachen, wie Status und dezentere Hinweise auf einen guten Körper.
  • Es sind Maßnahmen innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz, die eben nicht nur auf Männer abzielen, sondern häufig auf die anderen Frauen. Männer stellen eher nur indirekt eine Rolle
  • Und natürlich gilt gerade im Feminismus: Niemals darf man verlangen, dass die Frau (oder breiter: der Nichtprivilegierte) etwas macht, das wäre Victim Blaming, denn alle Schuld muss auf den Mann (oder: den Privilegierten) projiziert werden, die Frau darf unverantwortlich bleiben

 

Hier müsste der Bruch beginnen, und nicht erst bei der Abwehr von Übergriffen. Solange wir uns bereit erklären, unsere Hintern in hautenge Hosen zu zwängen, unsere Beine in Strumpfhosen vorzuführen und auf hohen Absätzen daherzuklappern, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn wir als „knackiger Hintern“ oder „scharfe Schnitte“ wahrgenommen werden. Dass enge Hosen und hohe Schuhe Männern kein Recht zum Grapschen und zu schlüpfrigen Sprüchen geben, bleibt dadurch unbenommen. Männer müssen sich kontrollieren und ihre Hände und Zunge im Zaum halten – selbst wenn die Wahrnehmung von Körperattributen sich aufdrängt, ist der Überschritt zum Handeln in keinem Fall erlaubt. Aber zwischen dem Recht auf körperliche und kommunikative Unversehrtheit und einem Auftreten im Geiste des Egalitarismus liegen Welten. Solange wir nur auf Erstere pochen, sind wir Teil des Systems. 

Nur das System gänzlich anders aussieht als sie denkt. Es wird immer ein System intrasexueller Konkurrenz geben, und wenn es Bekleidungsvorschriften gibt, dann gibt es immer Bemühungen diese bestmöglich zu umgehen.

Deshalb, Frauen, Schwestern, Geschlechtsgenossinnen: Lasst das Schminken sein! Legt die Kosmetikdosen in den Schrank und kauft sie nie mehr nach. Wenn ein Männergesicht ohne Tünche schön genug ist für die Welt, warum nicht auch ein Frauengesicht? Hört auf, jeden Tag schicke, formlich und farblich aufeinander abgestimmte Klamotten zu tragen! Zieht das an, was im Schrank gerade oben liegt. Spart die Energie, die das Schminken, Augenbrauenzupfen, Nägellackieren, Beinerasieren, Schmuckanlegen, Shoppen, Durchblättern von Modemagazinen kostet, und steckt sie in das Voranbringen eurer Karriere durch Lernen, Leistung, Sachverstand, oder wahlweise in Spaß und Erholung. Geht nicht mehr als einmal im Vierteljahr zum Friseur.

Hässlich sein dürfen ist ja durchaus ein sehr feministischer Gedanke. Nur darf er eben nicht mit Victim Blaming/fehlender Projektion/Verantwortung für eigenes Handlen kombiniert werden. Ein solcher „Stillhaltepakt“ in dem Wettlauf innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz würde schlicht nicht klappen.

Werft die High Heels auf den Müll! (Oder reserviert sie für seltene private Gelegenheiten.) Der Mann trägt sein Leben lang Schuhe, die so geformt sind, dass sie der Anatomie des Menschen als Laufwesen angepasst sind. Dass Frauen dazu gebracht werden, Schuhe zu tragen, die des anatomischen Baus des Menschen spotten, ist ein haarsträubender Missstand, gegen den sich schon lange eine Bewegung aus Ergonomen, Ärzten und bewegungsbewussten Frauen hätte formieren müssen.

Aber sie machen längere Beine und betonen beim Gang das Becken. Und sie sind natürlich gleichzeitig auch ein gewisses Statussymbol, ein Signal dafür, dass man eine höhere Position hat (zumindest in Kombination mit Buisnesskleidung) und sie machen größer.

Frauen könnten sich auf neue Signale einigen, neue Berufskleidung erfinden, die weniger figurbetont sind und weniger auf Attraktivität abstellen. Aber eine solche Verabredung ist nachteilhaft, weil man eben die passenden Signale nicht mehr sendet.

Das Echo: