Gender Data Gap

Ein neues Schlagwort macht gerade die Runde:

Der Gender Data Gap

Kurzgefasst ist es der Umstand, dass Produkte auf Männer zugeschnitten sein sollen und deswegen die Bedürfnisse der Frauen nicht hinreichend berücksichtigt sein sollen.

Ein Beispiel sollen Autositze sein, die eher auf Männer zugeschnitten sind, aber auch die Medizin, die Größe von Smartphones etc.

Lightyear hatte das mal hier in eine Diskussion eingestellt:

1. Warum sind Männer das Maß aller Dinge? Imagine a world where your phone is too big for your hand, where your doctor prescribes a drug that is wrong for your body, where in a car accident you are 47% more likely to be seriously injured, where every week the countless hours of work you do are not recognised or valued. If any of this sounds familiar, chances are that you’re a woman.
Crashtests, Medizinforschung, Architektur: Caroline Criado-Perez zeigt, dass weibliche Bedürfnisse in vielen Bereichen ignoriert werden. Die Folgen sind mal ärgerlich, mal lebensbedrohlich.
– https://www.spiegel.de/kultur/frauenfeindliche-alltagsnormen-warum-sind-maenner-das-mass-aller-dinge-a-00000000-0002-0001-0000-000169240337
– https://www.carolinecriadoperez.com/books
– https://orf.at/stories/3153287/

2. Gender Data Gap: Fast alle Algorithmen setzen Männer als Norm und denken Frauen nicht mit:
https://time.com/collection/worlds-coolest-places-2019/5764698/gender-data-gap/

 

Mein Kommentar dazu war:

„Warum sind Männer das Maß aller Dinge?“

Sind sie nicht.
Und wenn sie es wären warum schlagen der Feministen eigentlich kein Kapital daraus? Da werden immer wieder gewaltige Marktlücken behauptet, aber sie werden nie genutzt. Wenn sie da recht haben, dann können sie da Milliarden machen.

Könnt ihr dann ja alles der Anti Patriarchats Kriegskasse stiften, aber warum nimmt dann niemand das ja quasi auf dem Boden liegende Geld mit, welches die Patriarchaten liegen lassen?

Und das ist in der Tat eine Frage, die sich dann aus meiner Sicht stellt. Wenn Frauen diverse Produkte nicht passen, Männer das in diesem Gruppendenken nicht merken und nicht merken können, Frauen das aber auffällt, warum werden dann Frauen nicht unternehmerisch tätig und bringen massenhaft Produkte für Frauen heraus? Bei einem Smartphone ja so gesehen noch nicht mal schwierig: Das Betriebssystem stellt Google, alle Komponenten kann man zukaufen, in eine kleinere Hülle stecken, Bingo.

Aber dennoch ja mal interessant das ganze zu diskutieren:

ich greife mal ein paar Kommentare aus der Diskussion damals heraus:

crumar

Lightyear, der Contergan-Skandal ist entstanden, weil niemand schwangere Frauen als Versuchskaninchen einsetzen wollte.
Da es aussichtslos (und illegal) war, Frauen daraufhin zu befragen, ob sie schwanger sind, fand die Medizinforschung daraufhin nur mit männlichen Versuchskaninchen statt.
Sicher, man kann aus dem Dasein als Versuchskaninchen einen weiblichen NACHTEIL konstruieren.
Darf ich dir Östrogene gegen dein Herzinfarktrisiko applizieren?
Immerhin die Hälfte der männlichen Versuchskaninchen haben das überlebt.
Zu welcher Hälfte hättest du gerne gehört?

Was sie sonst schreibt, ist ahnungsloser Blödsinn.
Es gilt: „In den Tabellen werden nicht nur die Durchschnittswerte, sondern vor allem das fünfte und das fünfundneunzigste Perzentil als statistische Extremwerte für die technische Gestaltung angegeben.
Bei der Körpergröße bedeuten die Hinweise:
5. Perzentil: nur 5 % sind kleiner
50. Perzentil: 50 % sind kleiner bzw. größer (Medianwert)
95. Perzentil: nur 5 % sind größer“
https://de.wikipedia.org/wiki/Anthropometrie

Und hier die Daten aus 2006:
Größe Frauen Männer
170–174 cm 17,6 % 19,2 %
175–179 cm 6,9 % 26,1 %
180–184 cm 1,8 % 23,9 %
185–189 cm 0,2 % 12,8 %
https://de.wikipedia.org/wiki/Körpergröße_eines_Menschen

82% aller Männer sind größer als 1,7 m, aber nur 26,5% aller Frauen.
Gut, wollen wir mal die Mehrheitsverhältnisse klar stellen?
49% der Bevölkerung zu 82% und 51% der Bevölkerung zu 26,5% versus 49% der Bevölkerung zu 18% und 51% der Bevölkerung zu 73,5%.
40,2%+13,5% versus 8,8%+37,5% = 53,7% der Bevölkerung sind größer als 1,7 m und 46.3% kleiner.
Ist MEHRHEIT etwa das neue „frauenfeindlich“?

Du willst die biologische Realität nicht wahrhaben, das es wirklich schwer ist, für diese Spannbreite etwas zu konstruieren, was beiden Geschlechtern gerecht wird.
Hier der Rest der Tabelle:
Größe Männer Frauen
<150 cm 0,6 % 0,1 %
150–154 cm 4 % 0,1 %
155–159 cm 12,7 % 0,3 %
160–164 cm 27,0 % 2,3 %
165–169 cm 29,1 % 9,0 %

Mehr als die Hälfte aller Frauen ist zwischen 1,6 und 1,69 m groß, knapp die Hälfte aller Männer zwischen 1,75 und 1,84 m, zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Wert liegen 24 cm und eine Kaskade von verschiedenen Schwerpunktlagen, Länge der Extremitäten usw. usf.

Wollen wir uns nicht stattdessen wundern, dass beide Geschlechter in einen VW Golf oder whatsoever passen und beide Geschlechter gleichermaßen – laut normiertem Dummy – einen Crash-Test überleben?

Wenn ich Patriarchat gewesen wäre, dann hätten Frauen unter 1,7 m selbstverständlich keine identische Überlebenschance, denn – du wirst mir recht geben, lightyear – die dürftige Körpergröße ist ein Hinweis auf ein internalisiertes Patriarchat. Wären diese Frauen mit den adäquaten Vorstellungen zur Gleichberechtigung versehen, wären sie auch größer. D.h. im Sinne der Gleichberechtigung dürfen wir nicht aufhören, in die Evolution einzugreifen! 🙂

Jochen Schmidt:

Ich hatte mal einen Kollegen, der kam aus einer Ärzte-Familie (Vater war Arzt, Schwester war Ärztin). Und mit dem habe ich über diesen Vorwurf gesprochen: Frau ist krank und bekommt vom Arzt / von der Ärztin eine Männer-Behandlung oder eine Männer-Medizin. Er hat mir folgendes gesagt:

– Männerbehandlung oder -Medizin gibt es in dem Sinne nicht, aber es gibt sehr wohl eine Frauen-unsensible Behandlung, also eine Behandlung / Medizin, welche die Besonderheiten der weiblichen Physiologie und Psychologie nicht in Rechnung stellt. Hier kommt es natürlich auf den genauen Befund an: Bei einer Hirnhautentzündung gibt es definitiv keine Frauen-sensible oder -unsensible Behandlung / Medizin, sondern bloß eine effektive oder aber ineffektive.

– Seinem Eindruck nach gibt es ein gewisses Desinteresse oder eine gewisse Gleichgültigkeit vieler Ärzte gegenüber Symptomen bei Frauen, die sich nicht klar diagnostizieren lassen. Sie wollen sich nicht die Zeit nehmen für solchen Beschwerden wie vielleicht-ja, vielleicht-nein – manchmal schon, aber eigentlich überhaupt nicht.

– Zudem sein Eindruck: häufig haben Ärzte gegenüber Frauen eine gewisse Scham nach bestimmten intimen Details zu Fragen. Z. B. hätten viele Frauen im Laufe des Monats undefinierbare Unterleibsschmerzen – einfach so, die können dann auch ausstrahlen. Wenn nun eine solche Frau zum Arzt geht und über bestimmte Symptome klagt, so müsste der Arzt eben auch fragen: Wann hatten Sie Ihren letzten Eisprung? Macht er aber nicht – es sei denn er ist Frauenarzt. Mein Kollege sagt, es gebe bei vielen Ärzten – Ausnahme Frauenärzte – eine Scheu, so einer Patientin als Frau zu nahe zu treten – sowas tut man einfach nicht, auch nicht in der Praxis. Die Intimität einer Frau muss respektiert werden.

So die Antwort meines Kollegen aus der Ärzte-Familie. Das ist jetzt sicher erst mal nur eine subjektive Einschätzung. Aber man könnte dieser Spur ja weiter nachgehen …

Lustig finde ich, dass da teilweise Gender Medizin genannt wird, bei der dann plötzlich biologische Unterschiede akzeptiert werden, es so dargestellt wird, als wären Männer und Frauen quasi verschiedene Wesen, bei denen die Forschung an den Männern den Frauen gar nichts bringen würde, aber dann gleichzeitig ein reiner Sozialkonstruktivismus vertreten wird.

Ich kann mir auch vorstellen, dass Produkte, die typischerweise von Frauen genutzt werden, auch eher auf Frauen zugeschnitten sind. Auch dort wird man genug Beispiele finden, wenn man sucht.

In typisch feministischer Manier scheinen mir hier auch eine Menge von Sachverhalten vermengt zu werden, bei denen man an der Berechtigung erhebliche Zweifel haben kann. Etwa die Klimaanlage. Oder eben die Smartphonegröße (dazu hatte ich auch mal einen Artikel). Bei einigen werden Unterschiede vielleicht rein technisch sein. Wie weit kann man überhaupt einen Sitz für eine sehr kleine Person sicherer machen wenn in diese auch eine große Person passen soll? Bei anderen spielen vielleicht neben dem Design vielleicht ganz andere Faktoren mit hinein, die zu abweichenden Problemen führen: Verletzen sich Frauen bei einem Verkehtsunfall vielleicht nicht wegen der Sitze häufiger schwer, sondern weil sie weniger stabil gebaut sind, eher Beifahrer sind, ungünstiger sitzen oder was auch immer?

Das Buch, welches den Gender Data Gap wohl als erstes aufgegriffen hat, war „Invisible Women

Interessant finde ich ein in dem Artikel aufgegriffenes Beispiel, welches vermutlich aus dem Buch stammt, welches mir bekannt vorgekommen ist:

Auch der behördliche Umgang mit Schnee kann diskriminieren. Die schwedische Stadt Karlskoga hat früher im Winter zuerst die Straßen geräumt, dann die Gehwege. Die vermutlich männlichen Entscheider des Schneeräumplans fuhren ja selbst mit dem Auto ins Büro. Doch wegen der glatten Bürgersteige verletzten sich häufig Fußgänger, und unter Fußgängern gibt es überproportional viele Frauen, weil sie beispielsweise noch die Kinder in die Kita bringen. Die Verletzungen der Frauen verursachten Kosten im Gesundheitssystem. Stadtpolitikern und Behördenmitarbeitern war das nicht bewusst – ein beispielhaftes sogenanntes „Gender Data Gap“. Es fehlten Informationen über geschlechtsspezifisches Verhalten im Verkehr. Seit 2011 kehrt die schwedische Stadt nun zuerst die Gehwege.

Da gab es ja wegen dieses Räumungsansatzes auch einen Bericht, dass diese Methode zu einem ganz erheblichen Chaos und mehr Verletzungen geführt hat.

Ob das ein einmaliger Vorfall war und es sonst gut klappt ist mir aber nicht bekannt. Andere Beispiele, die in der Presse herausgegriffen worden sind:

„Männerhände sind größer und deswegen haben Frauen mehr Schwierigkeiten beim Pianospielen“

Wäre interessant die Körper- bzw Handgröße berühmter Pianisten zu vergleichen. Aber auch da wäre ja dann in der Tat ein leicht zu erobernder Markt. Ich vermute die Behauptung eines bekannten Pianisten, dass Frauen es mit ihren kleinen Händen einfach nicht bringen können, wäre aber nicht auf feministisches Kopfnicken gestoßen.

Das nächste Beispiel war, dass Sheryl Sandberg bei Google Parkplätze für schwangere Frauen eingeführt hat und vorher noch niemand darauf gekommen ist, weil die Vorstände alle männlich waren. Wobei mir das eine ziemlich amerikanische Sache zu sein scheint, in Deutschland habe ich jedenfalls noch keine Parkplätze für Schwangere gesehen, was vielleicht auch schlicht an dem besseren Mutterschutzvorschriften liegt.

Das ganze scheint mir genutzt zu werden um Frauenquoten zu fordern, denn die Idee ist, dass nur Frauen eben dafür sorgen können, dass solche Daten auch erfasst werden und die Bedürfnisse von Frauen berücksichtigt werden.

Interessanterweise wird dem Buch „The invisible Women“ welches den Gender Data Gap zum zentralen Thema hat auch dafür kritisiert zu einseitig auf Frauen zu schauen:

The book spend an ENORMOUS amount of time talking about the trials and tribulations faced by women with children quite as if, the concept of female was entirely interchangeable with mother. I got the impression that women who do not have children are quite as invisible to this author as she claims women on the whole are to most men. When the author started advocating 12 month maternity leave for mother only I gave up on it. What about those individuals with minor or moderate physical disabilities who would also benefit from parking closer to the building, and more paid time away from the job to tend to their very REAL healthcare needs, these women and men are clearly invisible to this author, I work in a hospital and from what I have observed the out of all the departments in the hospital, including outpatient surgery, the OB has the healthiest patients and one of the lowest mortality rates, so why does a two day stay in the OB garner a minimum of 6 weeks paid leave when end stage renal disease gives you four days a year tops before you have to be back to work? It sound great to say that women should have 12 months off to spend with their new children, but don’t these children have fathers wouldn’t the fathers like to spend some time with them as well? The author merrily ignores the co-workers of the new parents who are routinely „asked“ to cancel vacations sacrifice time with their families and freinds and put their personal lives on hold to contribute to this state of maternal bliss, the childless, the elderly who are past childbearing and might want to start cutting back the hours a day they work or who are already partially retired are invisible non-entities in this model that elevates motherhood to goddess like status in the workplace. This book has it’s own bias similar to that which I have observed to often in the medical profession, when it says „woman“ it means uterus, breasts, and children, and not the people who make up the female half of the population, some of whom will not have uteri, some of whom will not have breasts, and many of whom will not have young children.

Andere Kritik greift Beispiele heraus:

The first page tries to say air conditioner is sexist because officers are set to a „male“ temperature. Well newsflash women, men are hotter than you so we need less clothes. If you’re cold put more on. We can’t rip off our skin to get colder.

Und natürlich auch eine interessante und typisch intersektionale Besprechung:

TLDR: Average book suffers from exclusion of trans people.
I read this book after the author was interviewed on the podcast 99% Invisible. While overall, this book was very interesting and clearly written, it suffers from lack of inclusion of LGBT (particularly trans) identities. I did not understand while reading how someone could write a whole book on the way that gender influences life and not even mention trans people. When I researched a bit further, I discovered that the author ascribes to views of trans exclusionary radical feminism. This fact makes me doubt many of the facts presented in this book and the conclusions that the author draws from it. (Review copy and pasted from goodreads)

Und auch diese Besprechung finde ich noch ganz interessant:

I really liked that book and totally buy its premise: there is a lack of data on women and that there needs to be more sex (and race) disaggregated data and research from transport, to medicine, to tax system . etc. The world experienced by a single working pregnant woman is difficult at best. One needs to think from that vantage point. However, I am somewhat disappointed by the author’s style and cherry picking when it comes to citing research.

A case in a point is the paper on how the change in UK subsidies from male paycheck to direct payment to women impacted expenditure on children’s and women’s clothing.
Lundberg, Shelly J., et al. “Do Husbands and Wives Pool Their Resources? Evidence from the United Kingdom Child Benefit.” The Journal of Human Resources, vol. 32, no. 3, 1997, pp. 463–480”. The authors of that paper limited the analysis to families with children and concluded that households don’t pool their resources a case that Criado-Perez makes.

However, a 2014 paper in the same journal “Hotchkiss, Julie L. “Do Husbands and Wives Pool Their Resources?: Further Evidence.” The Journal of Human Resources, vol. 40, no. 2, 2005, pp. 519–531” casts doubt on these claims. The author finds that during the same study period, there was an increase in spending on women’s clothing by households without children and therefore not impacted by the transfer. The author then offers alternatives explanation including female labor participation. These explanations are consistent with pooling.

In summary, this is academic cherry picking, Criado-Perez picks the citations that are aligned with her hypothesis. There is no doubt that there is a lack of data on women and that there needs to be more sex (and race) disaggregated data and research from transport, to medicine, to tax system … etc. However, the author needs to report alternative explanations rather than cherry pick the ones that fit her hypothesis.

 

Feministen, die alten Verräter, leben anscheinend auch die traditionellen Geschlechterrollen, wenn Nachwuchs kommt

Daniel Gerhardt ist entsetzt darüber, dass seine Mitfeministen bzw. „Unterstützer der feministischen Sache“ ihr eigenes privates Leben nicht politisch sehen und nicht hinreichend Opfer bringen:

Er beschreibt die dortigen Männer wie folgt:

Was gibt es über diese Twitter-Feministen zu wissen? Zunächst einmal, dass sie meine Jungs sind. Männer zwischen 30 und 40, fast alle weiß und heterosexuell. Sie haben überwiegend systemirrelevante Studiengänge abgeschlossen oder abgebrochen und arbeiten heute in der Medienbranche oder ihr nahestehenden Berufen. Sie wählen die Grünen oder gar die Linke und würden sich selbst als aufgeklärt und sensibilisiert für die Vorteile der eigenen Herkunft beschreiben. Feministen sind sie auch, wie gesagt, aber sie fänden es anmaßend, sich diesen Titel selbst zuzuschreiben. Lieber sagen sie: „Unterstützer der feministischen Sache.“

Was sie aber leider machten:

ie meisten Männer in meinem stramm auf Progressivität gebürsteten Bekanntenkreis nahmen nach der Geburt ihrer Kinder maximal das Mindestmaß an Elternzeit und kehrten anschließend unversehrt und ohne Abstriche in ihren Beruf zurück. Ein nennenswerter Unterschied zwischen ihren prä- und postnatalen Lebensumständen war für mich nicht zu erkennen. Auch in den sozialen Medien stritten sie weiterhin für das Gute und Gleichberechtigte. Ab und zu markierte ich einen ihrer Tweets zu #MeToo, Identitätspolitik oder der jüngsten Kolumne von Jan Fleischhauer mit zustimmenden Herzchen.

Wäre eigentlich ein interessantes Forschungsgebiet:

Wie leben Feministen und Feministinnen mit Kindern? Wie viele brechen mit den Rollen und welche Gemeinsamkeiten liegen dann vor?

Daniel Gerhardt kritisiert dann, dass man eher nach dem Motto „Do as i say, not as i do“ lebt und man einfach keine Opfer bringt:

Fast alle Männer, die ich kenne, begreifen sich als politische Menschen, aber nur die wenigstens davon begreifen auch ihr Dasein als Vater politisch. Ein Kind zu bekommen, sich darum zu kümmern und gemeinsam mit einer Partnerin Entscheidungen für dieses Kind zu treffen: All das scheint für die meisten mir bekannten Väter auf mysteriöse Weise abgekoppelt von sonstigen Ansichten und Überzeugungen zu geschehen. Wie sonst ist es zu erklären, dass man Gender-Pay-Gap und die überproportionale Altersarmut von Müttern für ungerecht hält, aber gleichzeitig in familiären Verhältnissen lebt, die den beruflichen Wiedereinstieg der Mutter bestenfalls auf Sparflamme ermöglichen?

Er stellt gleich erst einmal dar, dass seine Betrachtungen anscheinend nicht auf überprüfbare Fakten gestützt sind, sondern auf seiner Beobachtung beruhen:

Um Statistiken zu Teil- und Elternzeit soll es an dieser Stelle gar nicht gehen. Die sehen zwar ohnehin verheerend aus, sind aber auch wenig aussagekräftig, wenn es darum geht, welcher Einsatz tatsächlich erbracht wird. Ein Vater kann sieben Monate Elternzeit nehmen und trotzdem ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass sich seine Partnerin um alles kümmert, was einen größeren organisatorischen Aufwand erfordert. Genauso kann er in Teilzeit gehen, ohne die gewonnenen Stunden in die sogenannte Care-Arbeit zu investieren. Irgendjemand muss sich schließlich um all die Väterpodcasts da draußen kümmern.

Auch in typisch feministischer Art und Weise blendet er Frauen als Handelnde oder die Geschehnisse steuernde Subjekte vollständig aus und macht sie zu den Objekten der männlichen Partner. Er macht, sie trägt die Folgen. Ob er vielleicht auch die Folgen trägt, weil sie macht, dass wäre ja eine geradezu unfeministische Betrachtung.

Die Männer, die müssen einfach bereit sein für ihre Überzeugungen auch wirklich Opfer zu erbringen:

eins muss klar sein: Eine faire Aufteilung von Arbeits-, Betreuungs- und Freizeit ist nur mit Entbehrungen möglich. Durch einen Verzicht auf Teile der eigenen Karriere und Freiheit, den aufgrund der vorherrschenden Strukturen eben vornehmlich Väter leisten müssten. Nicht nur für einige Monate, sondern mindestens so lange, bis die Politik für Bedingungen gesorgt hat, die beiden Eltern eines Kindes die Vereinbarkeit von Familien- und Berufsleben ohne Abstriche ermöglichen. Kühne Prognose: Wer jetzt zwischen 30 und 40 ist und voll im jobtechnischen Saft steht, wird das nicht mehr erleben.

Gleichberechtigung muss wehtun. Sie wird nur durch die Aufgabe von väterlichen Privilegien und die Bereitschaft, daraus resultierende Konsequenzen anzunehmen, möglich sein. Anders gesagt: Mancher Überflieger muss den einen oder anderen Karriereknick ertragen können – und sich außerdem darauf einstellen, beim nächsten Vorstellungsgespräch einem Personalmanager gegenüberzusitzen, der „Betreuungszeiten“ als Synonym für „Lücke im Lebenslauf“ versteht. Im Zweifel können diese vermeintlichen Lücken einen Familienurlaub kosten, das Auto, das gerade jetzt so wichtig ist, um auch mal rauszukommen, oder eine bessere und auch kindgerechtere Wohnsituation.

Die väterlichen Privilegien sind weiter zu arbeiten und keinen Karriereknick zu erleiden. Das die wenigsten Menschen überhaupt Karriere machen ist dabei egal.

Halbtags zu arbeiten und dennoch über einen Partner, der Vollzeit arbeitet, einen hohen Lebensstandard zu haben, ist auch kein Privileg, sondern schlicht Ausbeutung.

Dementsprechend zurecht verächtlich blickt der Autor auf die „Twitter-Feministen“ herunter:

Kein Wunder also, dass sich viele der oben erwähnten Twitter-Feministen schwer damit tun, Haltung und Handeln in Einklang zu bringen. Die symbolische Unterstützung für gerechte Familienbilder und Arbeitsmärkte, mit der sie großzügig um sich werfen, erfordert keinerlei Anstrengung oder gar Einbußen. Sie tut höchstens Vätern weh, die sich regelmäßig die Hornhaut vom Absende-Daumen runterhobeln. In einem durchaus jungstypischen Lattenmessen überbieten sich diese Väter und viele ihrer Zeitgenossen darin, eigene Privilegien zu benennen. Kaum ein Twitter-Streit kommt ohne diesen Zwischenschritt aus. Kaum ein User aber wagt auch den nächsten Schritt und leitet aus seinem Bewusstsein für strukturelle Vorteile ein entsprechendes Verhalten ab.

Pfui, widerlich.

Aber ja interessant, dass auch der Umbruch nicht gelingt. Es ist ja gerade bei eher lebensfremden Theorien so, dass ihre Vertreter für sich gute Gründe finden, dass sie sie selbst nicht umsetzen müssen.

Hier bietet sich an, dass sie wegen der ganzen Unterdrückung der Frau eben weniger verdient, dass sie in diesem Fall, nach Abwägung aller Privilegien und ein wenig Selbstkasteiung des Mannes einvernehmlich entschieden haben, dass sie auf eine bestimmte Weise leben („sich von den Geschlechterrollen zwingen zu lassen, dass Gegenteil zu machen ist auch keine Befreiung von den Geschlechterrollen“)

Alternativ kann man sich zb auch diese Erklärung einer strickenden Feministin anpassen:

Was bedeutet das alles letztlich für uns? Menschen wie wir, die sich politisch äussern und weiterbilden, ziehen sich aus den üblichen Handarbeitskreisen zurück. Wir haben das Bedürfnis, uns abzugrenzen und zu rechtfertigen dafür, dass wir stricken oder spinnen. Für uns als Feministinnen ist Handarbeit auch immer politisch. Es kostet uns vielfach immer noch Überwindung, aber wir setzen uns bewusst in der Öffentlichkeit oder gar auf politischen Veranstaltungen hin und stricken oder spinnen. Wir wollen zeigen, dass das keine Widersprüche sind und dass “trutschige Hausfrauenarbeit” Handwerk ist. Andersrum lassen auch wir uns an manchen Tagen von den vorherrschenden Geschlechterbildern einschränken und bringen nicht die Kraft auf, mit Stereotypen zu brechen. Das sind die Tage, an denen wir in der Bahn lieber das Sachbuch als das Strickzeug auspacken, damit wir nicht wieder erklären müssen: “Ich stricke, aber…”

Jedenfalls sind irgendwie die Männer und das Patriarchat schuld.

Die Möglichkeit, überhaupt Entscheidungen treffen zu können, ist das wahrscheinlich größte Privileg, mit dem die Väter aus meinem Bekanntenkreis mehrheitlich ausgestattet sind. Viele der Fragen, um die der vorliegende Text kreist, stellen sich für die meisten Familien erst gar nicht – weil ihnen die Beantwortung ohnehin durch ökonomische Realitäten abgenommen würde. Gerade deshalb sollten sich Väter, die es können, aus jener symbolischen Unterstützung heraustrauen, die sie ihrem Twitter-Feed gönnen und ihren Partnerinnen zumuten. Wer dem eigenen progressiven Anspruch gerecht werden will, muss seine persönlichen Entscheidungen auch als politische begreifen. Alles andere sind nur Likes und Lebenslügen.

Mit dem letzten Satz hat er letztendlich Recht. Wer beständig Privilegien und toxische Männlichkeit bekämpft, der sollte nicht vor sich selbst halt machen.

Aber man selbst ist eben doch immer etwas anderes.

Mein zweiter Vatertag

Heute ist mein zweiter Vatertag. Beim letzten Mal war Fräulein Schmidt noch so klein, dass man auch nicht viel machen konnte. Inzwischen ist sie älter und aktiver.

so wie es aussieht werde ich auch einiges mit ihr unternehmen können. Südländerinmuss an dem freien Tag einiges für ihre Arbeit erledigen, zu dem sie sonst in der Woche nicht zugute kommt. Also werde ich auf Fräulein Schmidt aufpassen.

Wahrscheinlich gehen wir etwas in die Stadt, hier ist gerade ein bei Kindern relativ geliebter Brunnen wieder aufgemacht worden, darin herum zu planschen wird ihr sicherlich Spaß machen und er ist nah genug an der Wohnung, dass man sie danach zur Not wieder in schnell in trockene Kleidung bekommt.

 

die spielplätze haben auch wieder auf, vielleicht können wir auch dahin gehen. In der nähe ist zudem eine Baustelle, bei der sie gerne die Bagger anguckt.

So hat südländerin etwas Ruhe für die Arbeit und ich einen tatsächlichen Vatertag.

Die Geschichte des Vatertages finde ich ganz interessant:

Um 1900 herum begannen überwiegend alleinstehende Männer aus dem Berliner Raum, zu Christi Himmelfahrt Gruppenausflüge zu unternehmen. Da es in Berlin viele schlecht untergebrachte Männer gab, trafen diese sich am meist schon wärmeren Feiertag, um gemeinsam Alkohol zu trinken und etwas zu unternehmen. Dies bildete den Grundstein des Vatertags in Deutschland. Christi Himmelfahrt wurde in der DDR 1967 abgeschafft, doch die Tradition blieb. Noch heute sind die Touren zum Vatertag besonders in Nord- und Ostdeutschland verbreitet.

Eigentlich ja eine schöne Idee: Männer, die alleine sind und noch nicht mit ihrer Familie feiern konnten, weil sie eben noch keine hatten, haben einfach beschlossen, dass sie dann den Tag gemeinsam verbringen oder was schönes machen.

natürlich wird es aber auch morgen wieder Artikel in den Zeitungen geben, die Männern vorhalten, dass sie am Vatertag eben nicht Väter sind, sondern saufen.

Vermutlich wird man es irgendwie damit verbinden, dass Frauen in der Corona Zeit ja die Hauptlast tragen.

Ich rate mal ein paar Artikel Inhalte:

  • Corona macht aus einem Vatertag endlich einmal einen richtigen Vatertag weil diesmal keine Männerhorden saufend durch die Gegend ziehen dürfen
  • Corona zeigt,  dass es eine weltweite  Pandemie braucht um dieses toxische Männerverhalten einzuschränken
  • Währends Frauen schon tagaustagein in der Corona Zeit um die Kinder kümmern können es Männer nicht lassen dennoch saufende durch die Gegend zu ziehen, obwohl sie wenigstens an diesem Tag Frauen die Last abnehmen könnten
  • Der Vorschlag, dass Männer diesen Vatertag an die Frauen abtreten sollten, weil sie ja die Hauptlast tragen

Welche Verbindung von Vatertag, Männer sind schlecht und Frauen die Opfer und Corona erwartet ihr bzw habt ihr bereits als Artikel gefunden?

 

 

 

 

„Simping“

Mitunter hat das Englische einfach die besseren Worte. „Simping“ oder Bezogen auf eine Person „Simp“ wäre etwas, was auch im deutschen interessant sein könnte:

„Simp“ kommt von „Simpleton“ also „Einfaltspinsel“ und wäre im weiteren Sinne jemand, der sich von einer Frau ausnehmen lässt

Aus dem Urban Dictionary:

When you infatuate over women, allowing them to take over your mind and cause you to do things for them that you wouldn’t normally do.
Friend: „I’m gonna have to leave this game, I want to see what Anne is doing right now.“
The Bois: „You’re simping bro“
oder:
Simping
A male overly catering to the exaggerated emotions of a woman.

A man saying things to a woman he does not believe but only saying them because he thinks that she wants to hear them.

A man tearing down another man just to gain points with females, mainly male bashing females.

Simping
Sweetheart it hurts my heart to see you hurting, you are my rock and if you crumble then I will crumble, our love is the foundation of our everlasting relationship, I’m crying inside…please hold me.

It’s the type of person who, instead of trying to attract the opposite sex through being attractive and interesting, is more sycophantic and fawning. They use faux niceness and concern in the hope that it will one day result in pity sex or a relationship out of guilt. Essentially, they give to get, even if it means losing some dignity or their original values in the process. If you’re simping, you’re embodying the values of the simp, and brown nosing to get attention and relationships. According to a TikTok posted by NoChillTy, these are some obvious markers of a simp:

  • Always doing the most for a female that doesn’t like them.‘
  • Where my hug at?’
  • Always trying to impress females.
  • Puts females before themselves.
  • Will defend a female just for a drop of *cat emoji*.
  • Hates slander of any female.
  • Has no game when coming to females so they only try to impress them by doing everything for them.
  • Lets females walk over them.
  • Constantly getting curved

Ein Paradebeispiel wäre eine Frau, die Männer dazu bringt ihr Geld zu schenken und sie anzuhimmeln und ab und zu dafür Bilder postet, die sagen wir mal figurbetont sind, wie zB diese Streamerin die zwar tausende von Dollar einnimmt, jetzt aber einfordert, dass ihre Fans im Gegenzug nur „gutes Simping“ betreiben.

In dieser extremen Form hat es etwas fetischhaftes, Spass an der Unterwerfung und Verehrung einer Frau, der Gedanke, dass man aufgrund seiner Zahlungen von ihr wahrgenommen wird und doch irgendwie wichtig ist.

Es bedient alle Klischees des männlichen Versagers, den ein Frau mit Andeutungen, sexuellen Reizen etc gefügig für ihre Zwecke macht.

Es passt auch nicht zum Klischee des Patriarchats und des unterdrückenden Mannes und man könnte einen Anteil „Toxischer Weiblichkeit“ darin sehen.

Der Drang von Kleinkindern alles selbst zu machen

Fräulein Schmidt wird immer selbständiger und wie alle Kinder in ihrem Alter fordert sie auch immer mehr ihr Recht ein, Sachen selbst zu machen.

Leider für uns auch solche, die sie noch gar nicht kann.

Morgens ihre Tageskleidung anzuziehen kann ein echter Kampf sein, weil sie sich unbedingt selbst die Hose anziehen will – was sie eben noch nicht kann.

Sie schnell Mal zu füttern kann ein Ding der Unmöglichkeit werden – weil sie es selbst machen will, aber alles vom Löffel fällt.

Natürlich möchte sie auch selbst Treppen heruntergehen, die zu groß für sie sind.

Es lassen sich genug weitere Beispiele finden.

Und natürlich ist das gut. Sie soll ja lernen und sie soll entdecken, wie etwas geht.

Und das ist sicherlich auch einer der biologischen Gründe dafür.

Ein anderer ist Grund für eine Selektion darauf ist aus meiner Sicht auch, dass es ein wichtiges Signal für die Eltern war, dass man stark ist, dass man lernen will, dass man voller Energie ist. Einfach um zu zeigen, dass sich die Ressourceninvestition in einen lohnt.

Heute mit genug Nahrungsmitteln ist das aber nicht mehr so wichtig. Aber das ist den Genen ja egal.

Es bleibt also nur „ja, meine Kleine, du darfst selbst“. Und versuchen zu unterstützen wo es geht