Selbermach Samstag 256 (21.09.2019)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, der ist dazu herzlich eingeladen

Welcher Anteil von Menschen auf dieser Welt ist wirklich bösartig?

Eine interessante Frage in einem Tweet.

Wie man sieht gehen die meisten Leute davon aus, dass die allerwenigsten Leute wirklich bösartig sind.

Die meisten Menschen werden zumindest in einer gewissen Weise gut sein wollen, zumindestens etwa weil sie zB meinen durch äußere Umstände gezwungen zu sein, weil sie zB ihre Familie ernähren wollen, weil die Welt sie unfair zurückgehalten hat oder weil sie anderweitig benachteiligt worden sind und das nur der Ausgleich ist.

Dazu auch noch mal die Erinnerung an den „Mythos des puren Bösen“:

The first and perhaps least interesting one to a psychologist is instrumentality. Evil acts are often merely a means to an end. People turn to violence as one means of getting what they want. What they want is typically not so different from what other people want. They want money, land, power, sex, and the like. They turn to violence in some cases because they cannot get what they want by more accepted, legitimate means. (…)

the second root cause of evil and violence is threatened egotism. When I began my research I had heard the standard theory that violence is perpetrated by people with low selfesteem. As I searched for the source and evidence, however, it emerged that this was one of those things that everybody knew but nobody had really ever shown. Moreover, the facts repeatedly contradicted it. A large literature review concluded, instead, that perpetrators of violence typically had very favorable views of themselves, sometimes absurdly so (Baumeister, 11 Smart, & Boden, 1996) (…)

The third root cause of evil is idealism. In some ways this is the most disturbing and tragic, because the perpetrators are motivated by the belief that they are doing something good. Idealists of both the left and the right have sometimes believed that their noble goals justify violent means. The worst body counts of the twentieth century were perpetrated by people who believed that they were doing what was necessary to create a utopian society, whether this reflected a left-wing vision (as in the communist slaughters in China and the Soviet Union) or a right-wing one (as in the horrors perpetrated by Nazi Germany). Earlier centuries witnessed slaughters perpetrated in the name of religion, as people killed to serve their gods. To be sure, sometimes the idealism was a cover for baser motives, including instrumental ones. Some people used religious wars or persecutions to enrich themselves. Yet it is not reasonable to dismiss the sincere idealism of many of the perpetrators. In a large expedition such as the Crusades, there were some along for adventure and others hoping to get rich. But many honestly believed that they were doing God’s work by fighting the infidels in order to reclaim sacred ground for what they thought was the true faith. (…)

The fourth and final root cause is sadism, defined as sincere enjoyment from inflicting harm. Earlier I said that it may be most precise to refer to three and a half roots rather than four. Sadism would be the half

 

Argumente für das Paritätsgesetz beim Deutschen Juristinnenverband

Der Deutsche Juristinnenband, eine sehr feministische Vereinigung, hat getagt um Argumente für das Paritätsgesetz zu suchen, damit dieses eben nicht vor dem Bundesverfassungsgericht scheitert.

Die Taz berichtet und danach war die Ausbeute eher gering:

Im neu gewählten Landtag in Sachsen liegt der Frauenanteil bei gerade einmal 28 Prozent. In Brandenburg, wo das Paritätsgesetz erst 2020 in Kraft tritt, fiel er um knapp 8 Prozentpunkte auf 32 Prozent. Sogar die UN-Frauenrechtskommission kritisiert in Bezug auf Deutschland, dass die mangelnde Teilhabe von Frauen an politischen Entscheidungen strukturelle Ursachen habe.

Doch die deutsche Staatsrechtslehre, so Wersig, „blockiere“ die Debatte. So werde etwa behauptet, dass nach der Berücksichtigung von Frauen auch anderen Gruppen vergleichbare Rechte gewährt werden müssten. Dies verkenne, dass Frauen keine partikulare Gruppe sind, sondern Teil aller Schichten und Gruppen der Bevölkerung. Zudem müsse in einer Demokratie gerade die Präsenz derjenigen gewährleistet werden, die historisch von staatlichen Institutionen ausgeschlossen waren.

Also die Argumente:

  • Geringer Frauenanteil, sogar noch einmal gefallen
  • Andere Organisationen sehen „strukturelle Ursachen“ (in dieser Form ein reines Autoritätsargument, da im Artikel nicht näher ausgeführt)
  • Frauen waren früher ausgeschlossen, daher müsse jetzt ihre Präsenz gewährleistet werden

und ein Gegenargument zu dem Argument, dass man das dann auch bei anderen Gruppen machen müsste oder könnte, die wenn man es bei Frauen macht:

  • Frauen sind keine feste Gruppe, sondern Teil aller Schichten und Gruppen

Die Argumente überzeugen aus meiner Sicht nicht. Wenn der Frauenanteil gefallen ist, dann ist das nur dann relevant, wenn Frauen an der Wahl gehindert worden sind, was nicht der Fall war. Es ist um so weniger relevant, weil Frauen sogar eine Partei wie die Grünen hätten wählen können, die zu einer größeren Repräsentanz von Frauen geführt hätte.

Die Strukturellen Ursachen dürften hier schlicht aus dem Ergebnis hergeleitet sein, aber ich kann nicht ausschließen, dass sie dort weiter ausgeführt worden sind.

Das Argument, das Frauen früher ausgeschlossen waren, zieht aus meiner Sicht nicht, das sie eben seit 100 Jahren wählen dürfen. Und das mit dem aktiven und passiven Wahlrecht. Wenn sie dann keine Partei aufbauen, die ihren besonderen Interessen gerecht wird, sondern teilweise in einem großen Umfang mit der CDU, der AFD und der FDP Parteien wählen, die weniger Frauen aufstellen als andere Parteien, dann zeigt, dass Frauen die Identität der Politiker anscheinend nicht so wichtig finden, wie es Feministinnen meinen (was das Grundgesetz im übrigen auch so sieht, dass ja gerade davon ausgeht, dass ein Politiker das Volk vertreten soll und nicht schlicht die Personen, deren Identität er teilt).

Das letzte Argument finde ich dann sogar besonders dämlich: Welche größere Gruppe ist denn nicht im übrigen Teil verschiedenster Gruppen? es ist um so bescheuerter, weil sie ja den Anspruch darauf, dass die Frauen vertreten sein müssen, eben gerade darauf stützt, dass nur Frauen Frauen hinreichend vertreten können und deren Interessen wahren sollen.

Aus ein paar Kommentaren zu dem Artikel:

Janus:

Bevor man hier gesetzgeberisch (und mal wieder verfassungswidrig) tätig wird sollten erstmal Anstrengungen unternommen werden festzustellen ob Frauen in dieser Hinsicht überhaupt benachteiligt werden. Denn darauf hindeuten tut ja nicht viel. Bei der Bundeszentral für politische Bildung kann jeder der es wissen will nachlesen das Männer in politischem Wissen, Interesse und Engagement Frauen um einiges voraus sind. Nicht erfasst wird leider wie ausgeprägt das Engagement dann jeweils ist. Jedoch ist die Tendenz ganz klar: Frauen werden entsprechend ihres politischen Engagements wohl schon relativ fair repräsentiert und zwar auch ohne Zwangsmaßnahmen. Wer etwas an der Ausgangslage ändern will muss „die Frauen“ in die Verantwortung nehmen und nicht den Gesetzgeber.

„Zudem müsse in einer Demokratie gerade die Präsenz derjenigen gewährleistet werden, die historisch von staatlichen Institutionen ausgeschlossen waren.“

Was für ein Unfug. Der Einzelne ist nicht mehr oder minder tauglich nur weil er vor 120 Jahren von derartigen Ämtern ausgeschlossen worden wäre.

„Sogar die UN-Frauenrechtskommission kritisiert in Bezug auf Deutschland, dass die mangelnde Teilhabe von Frauen an politischen Entscheidungen strukturelle Ursachen habe.“

Jaja,… immer wenn ich von „struktureller Benachteiligung“ höre komme ich mir oft vor als würde ich mit KIlern sprechen, die mir sagen das ihre Neuronalen Netze zu irgend einem großartigen Ergebnis gekommen sind, dass bestimmt auch richtig ist, nur leider könne niemand mehr nachvollziehen wie man zu diesem Ergebnis gekommen ist. Weil ähhh,… das ist ja alles so komplex!!!

Bloß nichts klar benennen, denn wenn man etwas klar benennt wird es ja überprüfbar und könnte einer kritischen Analyse unterzogen werden.

 

Budzylein:

Diese Argumentation überzeugt nicht. Will der Deutsche Juristinnenbund ernsthaft behaupten, dass „andere Gruppen“, für die er keine Wahllisten-Quote will, z. B. Behinderte, Homosexuelle oder Nichtweiße, nicht „Teil aller Schichten und Gruppen der Bevölkerung“ seien? Und waren etwa nicht auch die genannten „anderen Gruppen“ historisch von staatlichen Institutionen ausgeschlossen?

DrMcSchreck:

Man muss wohl nicht besonders konservativ sein, um das Prinzip der freien Wahl für wichtiger zu halten als Quoten. Und freie Wahl heißt eben, dass das Ergebnis in keiner Weise vorgeschrieben ist, weder darf man den Parteien vorschreiben, wen sie aufstellen (sie selbst dürfen sich natürlich Regeln geben), noch dem Wähler, wen er wählen dar

Der Pestarzt zu SJWs, politischer Korrektheit und den Reaktionen darauf

Der Pestarzt, früher als Kiezneurotiker unterwegs hat einen wunderbaren Rant geschrieben, der sich gegen SJWs und polistische Korrektheit richtet.

Einige Auszuge daraus:

Ich dachte vor ein paar Jahren mal, die Welt könne nicht bekloppter werden, doch das war ein Irrtum. Ein Trugschluss. Ich habe das nicht zu Ende gedacht und angenommen, die menschliche Blödheit sei auf einen bestimmten unverrückbaren Sockel limitiert und könnte nicht ins Unendliche gesteigert werden, aber das stimmt nicht. Sie werden von Jahr zu Jahr blöder. Lauter. Kreischender. Und verrückter.

Was da mit erhobenem Zeigefinger dasteht und krakeelt, ist nicht weniger als der neue Klerus. Viktorianisch. Prüde. Bitterernst. Sie haben die Presseorgane in ihrem Bataillon, die öffentlich-rechtlichen Anstalten, aus dem Gebührenaufkommen querfinanzierte YouTube-Kanäle, lassen ihre Kritiker blocken und haben sich, damit das einfacher geht, dafür sogar ein Gesetz zimmern lassen.

Das ist ja etwas, was viele als Eindruck haben: Man meint immer, dass jetzt der Peak erreicht wäre, dass die SJW-Bewegung  nicht mehr verrückter werden kann, dass sie doch jetzt schon nicht mehr von Satire zu unterscheiden sind und üblicherweise wird dann noch etwas draufgelegt. Weil sie eben als „Race to the Bottom“ ausgestaltet sind, weil es immer noch korrekter geht, immer noch eine Minderheit mehr ins Boot genommen werden kann (momentane heiße Anwärter: Die Pädophilen), weil man immer noch bescheuertere Forderungen aufstellen kann.

Meine Güte was seid ihr doof.

Jedem mit einem Funken rebellischem Geist macht es im Moment reinste ehrliche klammheimliche Freude, euch zu stressen, zu nerven, zu trollen, die Dinge, die man nicht tut, extra zu machen. Ja, bitte, nehmt euch die Zeit und räumt die Flaschen der kleinen Bonner Fruchtsaftklitsche rüber zu den Eiweißriegeln oder unter die Bananen, weil ihr nicht wollt, dass ich das trinke, doch ich werde das Zeug auf jeden Fall finden und damit hinter euch an der Kasse stehen und euch ins Gesicht strahlen, ihr Nixblicker, denn wenn ich etwas mehr als alles andere hasse, ist es, wenn mir jemand vorschreibt, was ich zu tun habe, ohne mich dafür mit einem Monatsgehalt zu bezahlen. Das weckt unmittelbar, vollkommen automatisch und ohne dass ich das irgendwie steuern könnte meinen Widerwillen. Es ist vollkommen unvermeidbar, dass ich genau das tue, von dem die Moralapostel, Kleriker und diese neue superkorrekte elitäre Medienblase nicht wollen, dass ich es tue. Einfach aus Spaß. Und nur aus Spaß. Nicht um zu zeigen, dass das hier immer noch ein freies Land ist, in dem Eiferer eben nicht die private Agenda des Einzelnen bestimmt dürfen, gut, das ist ein Nebeneffekt und auch vollkommen folgerichtig, aber ich mache das nur aus Spaß. Immer anders als die da von mir wollen. Weil ich es kann. Und darf. Und will. Weil ihr den Stinkefinger so sehr hasst und ich den so mag.

Das ist etwas, was in der Tat zu einer gegenseitigen Polarisierung beiträgt, bei der sich die Lager nicht etwas schwächen, wie es die Aktivisten im Kampf für die jeweils als gut empfundene Sache annehmen, sondern sich gegenseitig eher verstärken, weil die eine Seite der anderen einen Gegner und damit mehr Sinn gibt.

Eine Übertreibung in eine Richtung wird auch immer der Übertreibung in die andere Richtung Raum geben.

Was seid ihr doof. Unendlich doof. Ihr erreicht mit diesem ständigen penetrierenden dauerempörten unendlich abgehobenen Geblöke genau das Gegenteil: Euch eigentlich grundsätzlich mal zugeneigte Leute wenden sich ab, wählen eure Parteien nicht mehr, lachen beim Bier über euren verkopften Scheiß, feixende Trolle stressen euch in die Schnappatmung und die vollkommen Frustrierten wählen seit Neuestem sogar rechts, weil das offenbar das ist, mit dem man euch am allermeisten ärgern kann und ihr merkt das alles nicht, sondern twittert munter weiter eure Moralinsäure in die Welt als gingen die Zehnerjahre, in denen ihr die uneingeschränkte Lufthoheit über alle Ressourcen hattet, nicht bereits in ein paar Monaten schon zuende.

Neulich ging eine Meldung um, dass eigentlich Leute aus allen Parteien zu einem erschreckend großen Anteil der Meinung waren, dass man bestimmte Sachen nicht mehr sagen darf. Ein großer Teil davon dürfte auf das Konto der SJWs gehen, die einen dann sogleich zum Nazi abstempeln.

Natürlich entwickeln sich da Gegenbewegungen und nur, weil viele Angst haben, dass sie für das äußern bestimmter Meinungen beschämt werden, bedeutet das nicht, dass sie nicht intern anders darüber reden.
Und das ist eine häufige Folge von Sprachverboten: Weil ein öffentlicher Austausch und eine öffentliche Diskussion nicht mehr stattfindet haben es auch die Gegenpositionen leichter radikal zu werden. Einfach weil die Argumente und Gegenargumente beider Seiten nicht mehr in eine Diskussion gestellt werden sondern nur noch ohne echte Kritik daran, ohne ein wirkliches Durchdenken, in der jeweiligen Filterblase existieren.

Ihr seid so doof. Was ihr nicht merkt ist, dass die Dinge bröckeln. Auf die Gängelung durch eine selbstherrliche Obrigkeit hat die Mehrheit nicht den Hauch von Bock und reagiert darauf im Moment mit vielen Dingen, die ihr gar nicht seht. Geht doch mal wieder in eine verrauchte Kneipe, hinten am Bahnhof zum Späti auf ein Bier an eine dieser speckigen Tonnen oder auf so ein garantiert unveganes Dorfest außerhalb des S-Bahn-Rings, auf denen der Pöbel feiert, dessen Lebensstil ihr so leidenschaftlich verachtet, aber das könnt ihr gar nicht, weil ihr gar nicht wisst wo der Pöbel überhaupt zu finden ist. Lieber sitzt ihr feist und satt auf eurem begrünten Balkon über Berlin-Friedrichshain, Ingwer-Zitronengrastee auf dem Tisch und einen getrockneten Apfelschnitz in der Hand, während der Pöbel unten bei 32 Grad die Straße neu teert. Euren Bürgersteig pflastert. Eure Couscousbrösel für euer Taboulé in den Bioladen liefert. Und euren Wohlstandsmüll zur Deponie fährt. Um danach mit dem Regionalexpress wieder raus nach Brandenburg zu fahren. Sprecht doch mal mit einem von denen. Die hassen euch alle inzwischen. Und ihr merkt nichts da oben auf eurem Balkon, auf dem ihr alt werdenden Vetteln vor dem Macbook immer noch wie 2010 über dem nächsten Hashtag für die neueste Empörung brütet. Und von wo aus ihr nicht seht wie sich der Wind dreht, wie eure Onlinekampagnen nicht mehr verfangen, die Leute sich ermüdet bis angewidert abwenden nach der hunderttausendsten beliebigen Empörungswelle, die aus irgendeinem Grund immer noch jedes Mal tagelang durch eure angeschlossenen Funkhäuser genudelt wird.

Wer nur damit beschäftigt ist virtue Signalling Punkte zu verdienen, der verliert eben den Kontakt zu Leuten, die dieses Spiel gar nicht spielen, sondern realere Probleme haben.

Und das viele sich nicht mehr verstanden fühlen, sich nicht mehr vertreten fühlen, dass merken viele Organisationen ja durchaus, etwa die SPD, die den Kontakt zu den Arbeitern verloren hat und meint, diesen mit Doppelspitzen und Frauenquoten zurückzubekommen. Wenn sich Politik darauf konzentriert, wer oben im Vorstand sitzt und ob diese auch ja nicht weiß und männlich genug sind, dann treffen sie eben nicht die Sorgen der Menschen. Die wenden sich dann an Leute, die ihre Sorgen eher aufgreifen. Nur um sich dann anhören zu müssen, dass sie deswegen Nazis sind. Der „Deplorables-Effekt“ schlägt dann um so mehr zu.

Bitte den ganzen Text dort lesen, ich finde ihn gut geschrieben