Margarete Stokowski regt sich über Junggesellenabschiede und den Gedanken, dass Frauen in Beziehungen Macht haben könnten auf

Eine Feministin kann es natürlich nicht ertragen, wenn eine Frau irgendwo Macht haben soll und Männer nicht. Denn das passt nicht in ihr Weltbild, selbst mit einer Kanzlerin seit etlichen Jahren, denn Macht dürfen immer nur Männer haben. Sonst ist die Opferrolle dahin.

Dementsprechend stößt es Stokowski über auf, dass Männer auf Junggesellenabschieden so tun als würde da ein Mann in der Ehe nicht mehr der Unterdrücker sein:

Die klassische Form des Junggesellenabschieds besteht allerdings immer noch aus einer kleinen Gruppe Männer, die sich schlecht gekleidet schlecht benimmt

Wer nicht Teil dieses kleinen, für die Länge einer Nacht bestehenden Stammes ist, wendet sich meist instinktiv und zu Recht von dem Elend ab, aber man verpasst dann auch die Gelegenheit, alle Mythen zum Thema Ehe einmal vollständig durchperformt zu sehen: eine Veranstaltung, bei der so getan wird, als gehe für den Mann nun das wilde und schöne Leben zu Ende, bevor er sich – warum eigentlich? – in den Herrschaftsbereich einer Frau begibt, die ihn von nun an aus romantischen Gründen knechten wird.

Oder wie Jens Friebe in seinem Buch „52 Wochenenden“ mal schrieb: „Junggesellenabschied! Dieses grandiose Fest! Diese Zäsur im Leben eines Mannes, welche rituell die pagane Periode sorgloser Ausschweifung, die es nicht gegeben hat, von der Phase ernst und treu bewahrten Eheglücks trennt, die es nicht geben wird.“

Ich fand die Junggesellenabschiede auf denen ich bisher war eigentlich immer recht lustig. Man kommt ja häufig noch einmal mit alten Freunden und Bekannten zusammen, trinkt etwas, zieht durch eine Stadt, endet in einem Stripclub etc. Klar macht man ein paar Witze, dass jetzt die freie Zeit vorbei ist, „ein Ring sie zu knechten“ etc das gehört natürlich dazu, aber üblicherweise freut man sich ja für den meist schon lange vergebenen, gerade wenn er eine nette Freundin/bald Frau hat, wenn er in diese neue Phase kommt und es ist ein normales Aufziehen. Es passt natürlich aber auch zur evolutionären Theorie, wenn man die Rolle spielt, dass man ein ganz toller Hecht ist, der eigentlich jede Frau haben könnte und er nun „eingefangen“ wird und sich auf eine Bindung einlässt.

Nun ist es natürlich so, dass Frauen diesen Brauch auch betreiben und dabei nicht unbedingt sympathischer auftreten als Männer, was ihr gutes Recht ist. Meinen privaten Studien zufolge ist dabei der abergläubische Anteil zentraler als bei Männern. Es gibt zum Beispiel – als Alternative oder Zusatz zum Brautstraußwerfen – den Brauch, dass alle unverheirateten Frauen, die am Junggesellinnenabschied teilnehmen, im Hochzeitsschuh der Braut unterschreiben, und diejenige, deren Name nach der durchgetanzten Hochzeit noch am lesbarsten ist, wird die nächste sein, die heiratet.

ich kenne den Brauch nur beim Hochzeitsschuh und dort auch so, dass alle, die weggerubbelt sind, demnächst heiraten, aber Hochzeitsbräuche sind ja etwas sehr lokales.

So sagen die Weisen und die Beautyblogs. Ich kenne kein vergleichbares Ritual für Männer, was aber auch logisch ist, denn wenn man Hochzeit so versteht wie in dunklen Zeiten erdacht wurde, ist die Frau diejenige, die erstens ihrem Schicksal ergeben warten muss, bis irgendein Dödel sie fragt, und zweitens diejenige, die vom Heiraten als Frau so komplett erfüllt wird, dass ihr ganzes vorheriges Leben nur als vorfreudige Erwartungsphase dieser schönen Zeit gilt, die dann auf sie wartet.

Es sind ja in der Tat meist die Frauen die Warten, dass der Mann sie irgendwann fragt. Das ist ja keine Sache aus alter Zeit, dass ist schlicht die Realität in den meisten Beziehungen. Und es dürften auch weit eher Frauen sein, die bei einer Hochzeit ihre größte Fantasie erfüllen. Wer eine Hochzeit plant, der wird mehrfach hören, dass das wichtigste auf dem Fest die Braut ist, der Bräutigam ist weit weniger entscheidend. Es ist ein Tag, an dem sie in einem wunderschönen Kleid absolut im Mittelpunkt steht. Viele Männer könnten sich denke ich weit eher als die meisten Frauen damit anfreunden, dass man das alles etwas formloser macht, für das Kleid keine 1.000+ € ausgibt und das Geld dann für andere Sachen verplant, aber das ist etwas, was man bei den meisten Frauen nicht wirklich durchbekommt.

Warum ist es der Mann, der den Antrag macht? Weil er eben eher überzeugt werden muss, diese rechtliche Verpflichtung einzugehen.

Weil das Abendland so eine zivilisierte, ausdifferenzierte Gesellschaft ist, gibt es für Junggesellen- und Junggesellinnenabschiede spezielle Kleidungsstücke, wahlweise T-Shirts mit Aufdruck oder Peniskostüme. (Vulvakostüme für Junggesellinnen: bisher nicht gesichtet.) Auf den T-Shirts steht dann zum Beispiel: „Veni vidi vici, sie kam, sah und siegte“, dazu drei Bildchen: ein fröhlich feiernder alleinstehender Mann, dann ein Hochzeitspaar, dann eine Frau, die einen knienden Mann an einer Hundeleine hält.

Oder, im Star-Wars-Look: „Das wars. Ich heirate. Möge die Macht mit mir sein.“ Und: „Das wars: Heiraten du wirst, vorbei die schöne Zeit jetzt ist.“ Oder: „Das wars. Jetzt hat sie die Macht.“ Oder: „Heute: Ledig. Morgen: Erledigt.“ Oder: „JGA. Bräutigam. Meine letzten Stunden in Freiheit.“ Oder: „Junggesellenabschied. Game over“, dazu wieder ein kniender Mann vor einer Frau.

Klar, das evolutionäre Bild ist eben in der Hinsicht günstiger beim Mann für solche Bilder.

Und das eben für Männer und Frauen:

 

 

Man muss nicht unbedingt in Psychologie und Literaturwissenschaften promoviert haben, um die Message interpretieren zu können: Haha, die Ehe, dieses Quasimatriarchat, in dem Männer nichts zu sagen haben. Lustig. Also lustig, in einem Land, in dem nur sechs Prozent der Hochzeitspaare sich entscheiden, den Namen der Frau anzunehmen. In drei Vierteln der Fälle nimmt die Frau den Namen des Mannes an. Ein Zeichen ihrer geheimen Herrschaft?

Und da beginnt das Spiel mit selektiven Statistiken: Klar kann man annehmen, dass derjenige, der seinen Namen aufgibt weniger zu sagen hat. Das muss aber gar nicht so sein. Gerade auch in einer konservativen Rollenverteilung kann einiges an Macht für die Frau liegen. Die Namensübernahme sagt nichts darüber aus, wer in der Beziehung die Hosen anhat. Sie kann dennoch eher die sein, die sich in einem Streit durchsetzt, die eher Stress macht, wenn ihr etwas nicht gefällt und die eher Druckmittel hat wie aggressives Schweigen, Liebesentzug, Genervtheit, Motzen etc.

Sehr geheim allerdings, diese Frauenherrschaft. Nicht mal die Frauen merken etwas davon. Bis 1997 war Vergewaltigung in der Ehe erlaubt, und heute stirbt immer noch jeden zweiten bis dritten Tag eine Frau in Deutschland, weil ihr Partner oder Ex-Partner sie tötet. Bei Gewalt in Beziehungen sind Frauen mit Abstand die häufigsten Opfer: 98 Prozent bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung, 80 Prozent bei Mord, 75 Prozent bei Verletzungen mit Todesfolge.

Auch hier wieder hoch selektiv: jeden zweiten oder dritten Tag sind 182 bzw 121 Frauen, bei 40.000.000 Frauen eine verschwindend geringe Zahl. Und auch hohe Anteile an den Opfergruppen sind vollkommen egal, wenn die Opfergruppe an sich sehr klein ist. Die Zahlen sagen schlicht nichts aus. Schon gar nicht wer die Macht in einer Beziehung hat. Selbst wenn extreme Männer einen Streit eher körperlich eskalieren lassen können Frauen die Macht haben, wenn sie den Streit eher „seelisch eskalieren“ lassen.

Diese Zahlen vom Bundeskriminalamt enthalten zwar alle Formen von Beziehungen, das heißt, sie gelten nicht nur für Ehen. Die Idee, dass Frauen besonders mächtig würden, sobald sie sich an einen Mann binden, stützen sie aber definitiv nicht. „Die größte Gefahr für eine Frau, im Erwachsenenalter getötet zu werden, gehe meist von ihrem Ehemann oder sonstigen Intimpartnern aus“, stand neulich im SPIEGEL.

Sie werden mächtig, weil es mit der Heirat meist ernst wird: Haus, Kinder etc, unter Berücksichtigung von Zugewinn, Versorgungsausgleich, Unterhalt und seinem hohen Risiko seine Kinder nach einer Trennung  nicht bei sich zu haben.

Männer hingegen profitieren von der Ehe laut vielen Studien in vielerlei Hinsicht. Verheiratete Menschen leben im Schnitt insgesamt länger. Verheiratete Männer benehmen sich sozialverträglicher und leiden besonders unter Scheidungen: Das Ende einer Ehe wirkt sich auf Männer gesundheitlich schlechter aus als für Frauen.

Oder gesunde Männer werden eher geheiratet, kranke eher verlassen. Die Kausalität kann hier auch genau umgekehrt verlaufen.

Das heißt nicht, dass es für Männer keine negativen Folgen der Ehe gibt. Ein gesundheitliches Risiko für verheiratete Männer, das sich in Studien finden lässt, ist, dass sie tendenziell mehr zu Übergewicht neigen.

Ja, und die sonstigen Risiken, die er nicht hätte, wie etwa Unterhalt und Zugewinnausgleich und Versorgungsausgleich etc blendet sie einfach mal aus.

Das einzig ehrliche Junggesellenabschieds-Shirt wäre demnach: Bald bin ich fett, aber immer noch mächtig. Stößchen!

Eine wirklich einfache Art zu denken.

Bernd Stelter – Frau kommt auf die Bühne, weil sie Witz über Doppelnamen nicht erträgt

 

Many Shades of Gender – Ein FAQ zu den Gender Studies: Gleichstellung ist doch längst erreicht, womit beschäftigen sich die GS denn noch?(4)

Paula-Irene Villa Braslavsky, Genderprofessorin, hat ein FAQ zu Mythen über die Gender Studies erstellt. Ich wollte sie nach und nach hier besprechen:

Heute:

Gleichstellung ist doch längst erreicht, womit beschäftigen sich die GS denn noch?

Das ist gleich erst einmal ein Strohmann, denn die tatsächliche Gegenposition ist ja:

GleichBERECHTIGUNG ist doch bereits erreicht und aus Unterschieden im Ergebnis kann man nicht aus Diskriminierung schließen, vielmehr muss man sich anschauen, ob es nicht gute Gründe dafür gibt, dass ein Geschlecht anders abschneidet, warum beschäftigen sich die Gender Studies nicht mit den Gründen und untersuchen diese ohne direkt auf „Das Patriarchat“ als Grund zu springen, was für eine Wissenschaft keine richtige Vorgehensweise ist

 

Dass Gleichstellung noch nicht erreicht ist, zeigen nicht nur offizielle Statistiken, so wie die der WHO zum Thema Gewalt gegen Frauen (https://www.frauen-gegen-gewalt.de/de/gewalt-gegen-frauen-zahlen-und-fakten.html), sondern auch aktuelle Debatten zu Themen wie Abtreibung, Altersarmut, Pflegenotstand oder Quotenregelungen. Frauen tragen die Risiken von Schwangerschaft und Geburt, verdienen weniger, arbeiten in schlechter bezahlten Berufen oder andersherum: Berufe, in denen mehrheitlich Frauen arbeiten sind schlechter entlohnt, haben weniger Aufstiegschancen und Prestige. Das führt zu einem erhöhten Risiko von Altersarmut, flankiert von institutionellen und gesetzlichen Arrangements wie dem Ehegattensplitting.

Und da führt sie es im Endeffekt auch gleich ganz wunderbar aus. Tatsächlich leben wir in einer sehr friedlichen Gesellschaft, einer der friedlichsten jemals und Gewalt gegen Frauen kommt natürlich vor, genau wie Gewalt gegen Männer. Tatsächlich erleiden Männer nach wie vor wesentlich mehr Gewalt.
Frauen verdienen auch nicht weniger für die gleiche Arbeit, sondern Frauen verdienen weniger, weil sie andere Arbeiten haben, weniger Überstunden amchen, länger aussetzen, weniger auf eine Beförderung hinarbeiten, wesentlich kürzere Arbeitszeiten wollen etc.

Und wenn Gender Studies das alles tatsächlich wissenschaftlich untersuchen würden, also die jeweiligen Gründe dafür wirklich wissenschaftlich angehen würden, dann wäre es auch okay. Genau das passiert aber nicht. Weit eher wird jeder Versuch auf Gründe für Lohnunterschiede zu verweisen eher als patriarchaler Angriff oder als Versuch gesehen, die Unterdrückung der Frau zu rechtfertigen. Wenn gar jemand anführt, dass Frauen selbst es in der Hand haben, dass sie wesentlich mehr verdienen, wenn sie ihre Berufswahl und ihr Verhalten darauf ausrichten, dann ist man ganz unten durch.

Gleichstellung ist also nur in dem Maße erreicht, wie festgeschrieben ist, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Empirisch aber zeigt sich, das erforschen die Gender Studies mit Methoden der Soziologie und Ökonometrie, dass Frauen nach wie vor ein höheres Risiko haben, arm zu sein und sexualisierter Gewalt zu erfahren, um nur die beiden prägnantesten Marker sozialer Ungleichheit zu benennen.

Gleichzeitig haben Männer eine wesentlich höhere Wahrscheinlichkeit Obdachlos zu sein.

Verdeckte Einkommen und Renten bei den Frauen werden in dieser Betrachtung auch vergessen: Auf dem Papier mag ein Vater zB viel Geld haben, aber wenn er tatsächlich Unterhalt für 2 Kinder an seine von ihm getrennt lebende Frau zahlt, die gleichzeitig in einer neuen Ehe mit einem gut verdienenden Mann lebt, dann ist sein Lebensstandard schlecht und ihrer gut, auch wenn sie auf dem Papier kein Geld hat.

Genauso wird vergessen, dass die Hausfrau später von der Rente bzw Witwenrente ihres Mannes leben kann, die je nach dessem Einkommen ein gutes Leben bringen kann und das es für diesen Mann auch nicht besser ist, weil er den gleichen Lebensstandard wie seine Frau hat, auch wenn sie auf dem Papier eine schlechte Rente und er eine gute Rente hat. Und auch im Fall einer Scheidung hat sie über die Scheidung erhebliche Übertragungsansprüche im Versorgungsausgleich, die bei einer langen Ehe dafür sorgen können, dass beide die gleiche Rente bekommen (und seine größeren Ansprüche plötzlich deutlich kleiner sind).

Das Thema Gleichstellung ist außerdem weitaus komplexer und nicht nur auf die Kategorie Geschlecht begrenzt. Gleichstellung ist damit weder ein linearer Prozess noch bringt Gleichstellung in einem Bereich oder für eine Gruppe automatisch Gleichstellung für andere Gruppen. So würde ein größerer Anteil von Frauen in Führungspositionen zwar für eine ausgewogene Gender-Verteilung sorgen, aber nicht garantieren, dass alle Frauen ungeachtet ihrer unterschiedlichen Lebensrealitäten und sozialen wie kulturellen backgrounds gleichsam profitieren.

Das muss man sich mal wirklich auf der Zunge zergehen lassen:

Die eine feministische These ist, dass Männer die Macht haben, weil Führungspositionen überwiegend männlich besetzt sind. Ein klassischer Gipfeltrugschluss, bei dem man die ganzen Männer, die keine Macht haben, ausblendet. Der Feminismus stellt schlicht auf die Gruppe ab und der Obdachlose Mann hat eben Privilegien, weil Männer im Schnitt mehr verdienen, auch wenn er selbst gar nichts bekommt.

Das ist ein fester Grundsatz feministischer Theorie: In einer Kategorie hat die ganze Gruppe das Privileg.

Jetzt wären plötzlich gleich viele Führungspositionen mit Männern und Frauen besetzt. Aber da darf man dann natürlich nicht innerhalb der Gruppe bleiben, sondern plötzlich müssen Frauen ungeachtet ihrer unterschíedlichen Lebensrealitäten gleichsam profitieren, damit es für Frauen gerecht ist.

Geht es eigentlich noch viel heuchlerischer?

Dies wird besonders auch bei Themen wie Care- und Hausarbeit deutlich, da hier das Zusammenwirken mehrerer Kategorien die Unterschiede zwischen einzelnen Gesellschaftsgruppen – auch innerhalb von Geschlechtszugehörigkeiten – offensichtlich wird. In anderen Worten: wenn mehr Frauen in Vorständen der DAX-Unternehmen sind, müssen “andere” Menschen die Arbeit erledigen, die historisch Frauen zugewiesen wurde, unentgeltlich und unsichtbar zu verrichten:

Wenn Männer in Vorständen von DAX-Unternehmen sind, dann müssen andere Männer dennoch den Müll abholen, die Kanäle reinigen, den Straßenbau machen und im Haushalt die Bohrmaschine benutzen und die männliche „Care-Arbeit“ leisten, indem sie sich um Familie und Partner kümmern.

Sorgen, pflegen, reinigen. Diese “anderen” sind meistens auch Frauen, wie aktuelle Phänomene um die sog. “24 Stunden Pflegekraft aus Polen” eindrucksvoll beweisen. Gleichstellung betrifft also nicht nur akademisch gebildete weiße Frauen in Deutschland und schlägt sich in Quotengesetzen nieder, sondern ist ein vielschichtiges, widersprüchliches und globales Phänomen, mit dem sich die Gender Studies beschäftigen.

Es scheint Feministinnen wirklich schwer zu fallen, eine andere Perspektive als die der Frau einzunehmen, etwa einmal den Mann nicht als Bestandteil einer Gruppe, sondern als handelndes Subjekt zu sehen, welcher nicht von oben Frauen unterdrückt, sondern ebenfalls einen normalen Job hat, seine Frau und seine Kinder unterstützt und dem es auch nicht besser geht als weiblichen Angestellten. Dieser Abschnitt ist ein wirklich überzeugender Beweis für die Blickverengung im Feminismus und die Fähigkeit dort alles durch die ideologische Brille zu sehen, bei der Männer Macht haben und als Gruppe unterdrücken und Frauen niemals Macht haben können, selbst dann nicht, wenn sie sie in gleicher Verteilung hätten wie die Männer, weil man bei Frauen andere Maßstäbe anlegen muss.

 

Soziale Unterschiede vs Identitätspolitik

Lucas schreibt in einem Beitrag zur SPD

Wie konnte in wenigen Jahrzehnten so viel kaputtgehen? Ein möglicher Grund:

Was fehlt, ist ein Gegengewicht gegen die klassische kleinbürgerliche Haltung, sich nach oben zu orientieren und sich nach unten abzugrenzen, oder auch nach unten auszutreten. Linke Parteien interessieren sich schon lange nur noch pro forma für soziale Unterschiede, dafür umso intensiver für Identitätspolitik. Anstatt sich mit den Unterschieden zwischen oben und unten auseinanderzusetzen und mit der enormen Komplexität einer modernen Gesellschaft, hängen sie der seltsamen Idee nach, ausgerechnet die alten Klischee- und Ressentimentgeneratoren „Rasse“ und „Geschlecht“ wären die geeigneten Kategorien zur Analyse postmoderner Massengesellschaften.

Es ist aus meiner Sicht eine sehr interessante Frage, warum das Kriterium „Klasse“ heute quasi keine Rolle mehr in der intersektionalen Theorie spielt und durch Geschlecht, Rasse, sexuelle Identität, CIS vs Trans, Aussehen und Behinderung etc ersetzt worden ist.

Die „Klasse“ spielt in der Hinsicht quasi keine Rolle mehr,  ganz im Gegensatz zu ihrer früher alles beherrschenden Rolle in der Linken.

Meine Überlegung dazu ist ja:

Ist es vielleicht einfach einfacher und besser für das Virtue Signalling, wenn Klasse keine Rolle spielt? Alle anderen Merkmale führen letztendlich zu einer Benachteiligung aufgrund eines Umstandes, den man nicht ändern kann (mit Ausnahme von Fat vs Schlank, aber da führen sie ja auch eine rein soziale Konstruktion an). Klasse hingegen ist behebbar, ist etwas, was man weitaus eher ausgleichen kann, durch Schule und Erziehung. Es ist zudem viel zu breit gestreut: Weiße und Männer können „Unterschicht“ sein, was es weitaus schwieriger machen würde, ihnen Priviligierung vorzuwerfen. Ein weißer Mann mit Behinderung ist in den Theorien kein Problem. Die Behinderung ist greifbar, erkennbar, erfassbar und ein echter Nachteil. Ein armer weißer Man muss aber, damit das Feindbild bestehen bleibt, trotzdem Privilegien haben, er muss besser stehen als ein armer schwarzer Mann oder eine arme weiße Frau, sonst kann man kaum noch etwas vorwerfen und müsste viel zu viele privilegierte intersektional auch in anderen Kategorien als Nichtprivilegierte sehen.

Die Grünen waren ohnehin schon immer eine bürgerliche Partei, die nicht nur den Parlamenten ganz neue Impulse gegeben, sondern auch einiges zur Spaltung der Gesellschaft beigetragen hat. Was aber ist mit den Sozialdemokraten?

In der Tat haben die Grünen eigentlich eher das Potential intersektionalen Feminismus auszuleben. Sie sind eher eine Nischenpartei für die Reichen und die Ökos, sie werden als Extremer wahrgenommen, sie sind Lager aus den Fundis und den Realos gewohnt. Bei einer kleinen Partei hält das eher zusammen, weil sie sich zusammenraufen müssen. Interessant wird es, wenn die Grünen wachsen. Dann wird aus meiner Sicht auch das Spaltungspotential größer.

Während sich die Schärfe der sozialen Unterschiede in die Leben unserer Kinder einfrisst, verkaufen sozialdemokratische Politikerinnen es als wesentliches Gerechtigkeitsproblem unserer Gesellschaft, dass der Frauenanteil in den Parlamenten etwa so groß ist wie der Frauenanteil in den Parteien, und nicht größer – und sozialdemokratisch regierte Kommunen suchen intensiv nach Wegen, den Forderungen von Transsexuellenaktivisten in Sprachregelungen für die Verwaltungen gerecht zu werden, ohne Feministinnen dabei zu verprellen.

Bei der SPD ist das aus meiner Sicht problematischer. Zum einen hatte sie sich bereits einmal gespalten. Zum anderen will sie eben eine Volkspartei sein, damit kann sie weit weniger in die Extremen gehen. Insbesondere kann sie nicht mit den Grünen oder Linken mithalten, weil sie eben näher an der Mitte bleiben müsste. Geht sie zu weit in das Extreme, dann vergrault sie die „normalen Sozialdemokraten“, also die, die eher noch etwas mit Klasse und Arbeiterpartei anfangen können und die SPD als Vertreter des Arbeiters und des „kleinen Mannes“ sehen. Geht in die Mitte, dann ist sie den „Nicht gut genug-Aktivisten“ eben nicht radikal genug.

Das Problem ist, dass die „Jungen“ in der SPD eben dennoch genau auf dieser radikalen Linie sind, eben weil der intersektionale Feminismus die vorherrschende linke Strömung ist. Sie wollen Transrechte, Frauenrechte und weibliche Pornos auf Staatskosten, etwas was in dem Arbeiterbereich niemanden interessiert. Und die SPD bekommt sie nicht ausgebremst, weil sie eben den Rückhalt in der linken Szene haben.

Natürlich ist es völlig in Ordnung, dass solche Standpunkte vertreten werden – aber die Relationen stimmen nicht, auf absurde und grausame Weise nicht. So helfen diese Positionen dann weder Frauen noch Transsexuellen, sondern erfüllen lediglich die Funktion, andere, dringende Fragen aus dem Fokus zu drängen.

Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten. Oder genauer, Sozialdemokratinnen. Oder genauer, Sozialdemokratende. Hier wird die genderpolitisch korrekte Sprache dem Inhalt tatsächlich einmal besser gerecht als die herkömmliche Sprache, auch wenn sie dabei den Reim des alten Kommunistenspruchs bedauerlicherweise zerstört.

Mit radikalen ist eben in eine Volkspartei wenig zu holen. Einer Nischenpartei verzeiht man es eher, weil man sich dort einem Flügel eher zuordnet. Mal sehen wie lange die Grünen den Spagat noch hinbekommen – oder ob die SPD da wieder rauskommt.

Paradoxerweise wäre es für die SPD das beste radikal gegen intersektionalen Feminismus und seine Auswüchse vorzugehen. Aber das wird kaum zu machen sein.

 

„Als Penis zwischen den Fronten des Patriarchats und des Feminismus“

Timothy Endut ist ein männlicher Feminist und er sieht sich weniger als Mann als vielmehr als Mann*. Er empfindet die männliche Geschlechterrolle als etwas einengend, würde gerne mehr weinen, mehr Emotionen zeigen und mehr körperliche Nähe bei Männern und Frauen zulassen können etc. Er sieht für diesen Zustand eine Verantwortung von Männern und Frauen, bewegt sich also schon etwas außerhalb des klassischen Feminismus.

Dann fordert er sogar eine Einbeziehung von Männern in den Feminismus:

Wir alle sind geborene Sexist*innen, denn die Gesellschaft selbst ist sexistisch. Wir können nichts anderes tun, als alte reproduzierte Werte und Handlungsweisen zu hinterfragen und dann schliesslich abzuschaffen. Denn solange Geschlechterrollen existieren, werden wir nie gleichgestellt leben. Solange wir eine Rolle spielen, werden wir nie uns selbst sein können – nämlich Menschen.

Da könnte man natürlich wieder auf die Studien zu den biologischen Grundlagen der Geschlechterrollen verweisen und insbesondere auf dieses Schaubild:

Damore Populationen Normalverteilungen

Damore Populationen Normalverteilungen

Wenn die Geschlechterrollen Normalverteilungen sind, dann gibt es eben Leute, die sich in den Geschlechterrollen super wohl oder zumindest wohl fühlen und welche, die eher an dem äußeren Rand hin zum anderen Geschlecht befinden sind und sich deswegen nicht so wohl fühlen. Daraus folgt aber nicht, dass die, die sich wohl fühlen nun per se auch weinen wollen müssen und befreit werden müssen, sondern nur, dass man die Abweichungen in alle Richtungen zulassen sollte ohne damit zu entwerten, dass sich die meisten in den jeweiligen Rollen ganz wohl fühlen.

Aber nun zu seinem eigentlichen Anliegen:

Wir sind der böse Patriarch

Dies gesagt, ist es umso störender, dass ich als Mann* nicht als Teil der Bewegung gegen Gewalt an Frauen verstanden werden darf, sondern lediglich als Sympathisant. Der Mann sei Teil des Problems, jedoch auch Teil der Lösung. Es wird Zeit, dies auch so zu leben. Als Feminist* kann man sich zurzeit immer nur gebückt für den Feminismus stark machen. Denn sonst würde man sich ja als Mann für die Rechte der Frau stark machen. Es wird wohl nicht lange dauern, bis ich wegen dieses Texts des Mansplaining bezichtigt werde. In dieser steten Angst muss man als Feminist* leben. Man darf und soll sich zwar für den Feminismus einsetzen, aber bitte ja nicht mitdiskutieren.

Der radikale intersektionale Feminismus ist eben sehr einfach aufgebaut. Als PoC hätte Tim wohl noch gewisse Rechte im Bereich Rassismus, als Mann ist er aber der Böse und muss die Frauen machen lassen.

Denn der Mann wird noch immer von vielen Frauen grundsätzlich als Patriarch verteufelt. Im Zweifel gegen den Angeklagten. Doch wer ist denn der Patriarch? Es ist wichtig, dies genau zu definieren und nicht allgemein Menschen mit Penissen als schlechte Menschen abzustempeln. Nicht der Mann ist der Feind, sondern die patriarchalen Gesellschaftsstrukturen. Und von denen ist auch der Mann* betroffen.

Das wäre der offizielle Ausweg, der aber nicht berücksichtigt lässt, dass man Privilegierter ist und als solcher eben nicht marginalisierten etwas vorschreiben darf oder sich auch nur äußern darf. Natürlich ist man ein schlechter Mensch. Man hat ja in diesem sehr simplen Modell die Erbsünde in sich, eben die Privilegien des Mannes. Und die bestehen auf Kosten der Frauen. Also muss  man diese vollständig ablegen, was auch nicht möglich ist. Man kann sich also allenfalls beständig die Büßerpeitsche auf den Rücken hauen und mitmachen solange es den anderen genehm ist. Die Betroffenheit des Mannes tritt insofern ganz schnell hinter seiner Privilegierung zurück. Zudem ist man für diese als Repräsentant der Gruppe ja eh selbst verantwortlich und kann kaum erwarten, dass Frauen nur Kraft aufwenden, den sie für den eigenen Kampf brauchen, um einem privilegierten Mann zu helfen.

Die fehlende Inklusion von Männern* steht der Bewegung und dem Feminismus im Weg. Genau deswegen fällt es vielen Männern schwer, sich zum Thema zu äussern und sich dafür stark zu machen. Das wäre jedoch äusserst wichtig. Wir brauchen alle. Weshalb denken wir in Geschlechtern, wenn wir doch als Menschen Gleichstellung brauchen. Es braucht einen inklusiven Feminismus. Denn stellen wir uns als Gesamtheit der Gesellschaft gegen Sexismus, dann stirbt er ganz von selbst. Der*die Gegner*in des Patriarchats darf kein Geschlecht kennen.

Ein netter Appell. Aber im Feminismus gibt es keine Kekse für Männer. Es ist ihre gottverdammte Pflicht an der Befreiung der Frau zu arbeiten und sich ihrer Privilegien zu entledigen. Rumheulen, dass man ja neben der großen Vorteile auch ein paar Nachteile habe ist insofern eher verpönt.

Im radikalen Feminismus kann es keine Gleichstellung geben. Weil die ganze Theorie auf einem sehr schlichten Gut-Böse Modell aufbaut. Und kein Geschlecht kennen, dass kann in diesem Modell eben nur ein Privilegierter sagen. Weil er ja die Nachteile der anderen dann leichter ausblenden kann, von denen er profitiert.

gegenderte Sprache

Als Beleg dafür, dass gegenderte Sprache wichtig ist wurde mir bereits wiederholt diese Studie vorgehalten:

Zusammenfassung: Die vorliegende Untersuchung prüft, ob sogenannte “generisch” (d.h. in geschlechtsneutralem Sinne verwendete) maskuline Sprachformen dazu führen, dass Personen geschlechtsausgewogen mental repräsentiert werden. Unter dem Vorwand einer Untersuchung zur Kreativität wurden 150 studentischen Versuchspersonen schriftlich Sätze vorgegeben, die eine Personenbezeichnung im Plural in verschiedenen Sprachformen (generisches Maskulinum, Binnen-I, Schrägstrich-Schreibweise) als Satzsubjekt enthielten. Die Versuchspersonen sollten kurze Geschichten über die bezeichneten Personen schreiben und diese Personen dabei auch namentlich benennen. Die Ergebnisse zeigen, dass generisch maskuline Formen zu mehr Repräsentationen männlicher Personen führten als die sprachlichen Alternativen. Eine Gleichverteilung männlicher und weiblicher Repräsentationen trat ausschließlich bei der Verwendung der Schrägstrich-Schreibweise auf, wohingegen das generische Maskulinum zu einem höheren Anteil repräsentierter Männer, die Binnen-I-Form dagegen zu einem höheren Anteil repräsentierter Frauen führte.

Quelle: Sind Frauen mitgemeint? Eine empirische Untersuchung zum Verständnis des generischen Maskulinums und seiner Alternativen

in dem ersten Test werden die Personen zu ihren beliebtesten Romanhelden, Lieblingsmalern, -musikern und Sportlern befragt und die Frage einmal im „generischen Maskulinum“ in neutraler Sprache „ihre liebste heldenhafte Romanfigur“ oder mit Doppelnennung „Ihre liebste Romanheldin, ihr liebster Romanheld“.

Zu den Ergebnissen:

Wenn ich das richtig verstehe, dann war der Unterschied zwischen dem generischen Maskulinum und den beiden anderen Formen „signifikant (p<.05) was erst einmal auch nur einen minimalen Effekt ohne wirklichen Aussagegehalt zulässt.

Eine Unterschied zwischen Neutral und Beidnennungen gab es auch nicht.

Frauen nannten mehr Frauen als Männer, was auch wenig verwunderlich ist, weil Männer und Frauen eben auch andere Interessen haben und andere Bücher lesen etc.

Im zweiten Experiment forderten sie die Befragten auf Mitzuteilen, wen sie der CDU oder SPD als Kanzlerkandidaten empfehlen würden bezüglich der Wahl im Jahr 1994.

Das finde ich eine reichlich ungeeignete Frage, denn zu diesem Zeitpunkt kandidierte Rudolf Sharping für die SPD, der sich in einem harten Kampf gegen Oscar Lafontaine und Schröder durchgesetzt hatte, man zog als Troika in den Wahlkampf (die aber nicht wirklich an einem Strang zog). Vorher war Björn Engholm im Gespräch gewesen, der über die Barschel-Affäre zurücktrat.

Bei der CDU war Helmut Kohl seit 1982 Bundeskanzler und sollte es auch noch bis 1998 bleiben.

Frauen als ernsthafte Kandidaten für den Posten waren demnach von vorneherein nicht im Gespräch. Rita Süßmuth wurde zwar Bundestagspräsidentin, war aber meines Wissens nach nie als Kandidatin gehandelt worden, wie auch gegen den amtierenden Bundeskanzler? Hatte Merkel da schon nähere Ambitionen mitgeteilt? ich muss zugeben, dass mir die genaue Lage nicht mehr so präsent ist.

zu der genauen Fragestellung:

Zum Ergebnis:

Interessanterweise gab es also Kandidatinnen bei der SPD.  Heide Simonis? Herta Däubler-Gmelin? Christine Bergmann ? Ulla Schmidt? ich habe keine Ahnung.

Ein Aspekt, den ich allerdings ganz wesentlich finde, ist, dass sich dadurch die Qualität der Antworten verschlechtert hat. Denn Frauen waren zu diesem Zeitpunkt gar nicht im Rennen, hatten sich dafür auch nichts ins Gespräch gebracht und waren insoweit keine geeigneten Kandidaten mit dem passenden Rückhalt.
Es darf vermutet werden, dass die Doppelnennung schlicht dazu führte, dass die Leute weitere bekannte Politiker genannt haben, die aber letztendlich nicht ernsthaft für eine Kandidatur in Betracht kamen. Sie haben insofern keine bessere Antwort geliefert, sondern lediglich einen zusätzlichen Impuls für eine erweiterte Antwort erhalten. Ein wirklicher Einfluss der Sprache ist aus meiner Sicht damit nicht zu ermitteln.

 

Auch hier scheint mir die reale Situation weit eher die Lage zu gestalten. Bei der SPD war ein weiterer Kandidat dann wahrscheinlich eher aus der Troika und diese bestimmte die Wahrnehmung unabhängig von der Sprache. Neben Kohl gab es keinen Kandidaten, also konnte man beliebige höhere Politiker nennen.

Der Text führt aus, dass bei der SPD ggfs noch Heide Simonis angeführt worden ist, ansonsten aber Männer, bei der CDU war es noch Rita Süßmuth.

In dem dritten Test wurden dann berühmte Persönlichkeiten erfragt, ebenfalls wieder mit den drei Varianten:

Auch hier scheinen mir die Werte wieder sehr klein zu sein, wenn ich das richtig verstehe. Es wurden im Schnitt 11 Personen genannt, davon im generischen Maskulinum 2,37 Frauen, bei Beidnennung 2,67 Frauen und beim „BinnenI“ 4,72 Frauen, wenn ich das richtig verstehe?  Wobei einige das Binnen-I anscheinend als Aufforderung gesehen hatten, nur Frauen zu nennen, was bereits ja die Ergebnisse schwierig einzuordnen macht, weil ja auch nicht klar ist, ob anderen nur nach einiger Zeit die Frauen ausgegangen sind und sie deswegen Männer genommen haben oder ob sie ihren Irrtum erst in der Mitte bemerkt haben.

Männliche Befragte haben zudem weniger Frauen genannt als die Frauen, es war aber auch nicht die gleiche Anzahl von Männern und Frauen vorhanden, was die Gruppeneinteilung auch interessant macht. Mir ist insofern etwas unklar, wie der Test vorgenommen worden ist: Man kann ja nicht die verschiedenen Fragebögen den gleichen Gruppen vorlegen. Die Rede ist zB in Studie eins von 46 Männern und 50 Frauen denen verschiedene Fragebögen vorgelegt worden sind. Wie waren Männer und Frauen verteilt auf die verschiedenen Fragebögen? Wenn ein Fragebogen einer Art von mehr Frauen beantwortet worden ist (was auch bei gleichen Frauen und Männern schnell passieren kann), dann wäre der Test, da diese mehr Frauen nennen, von vorneherein wertlos. Findet sich da was zu?

In dem vierten Text sollte eine Person auf einem Bildschirm einer Gruppe zugeordnet werden. Es stand beispielsweise „Sportler“ auf dem Bildschirm und dann wurde ein Bild abgebildet, welches entweder eine zu dieser Kategorie passte oder nicht. Es ging darum ob mit passenden/unpassenden Sprachformen die Zuordnung leichter fällt und schneller erfolgt. Dazu musste eine Ja/Nein Taste gedrückt werden

Das ist als Test ganz interessant: Personen mit einer negativen Einstellung zu geschlechtergerechten Sprache war die Sprache egal. Sie reagierten jeweils gleich schnell.

Leute, die die Geschlechtergerechte Sprache gut fanden reagierten langsamer bei Frauen im generischen Maskulismus, beim Binnen-I reagierten sie langsamer auf Männer.

Könnte eine interessante Reaktion sein, weil es zeigt wie Ideologie wirkt.

Bei Beidnennung ergaben sich keine Unterschiede. Die geschlechtergerechte Sprache hatte also nur dann einen Effekt, aber einen sehr gemischten, wenn jemand eine positive Einstellung dazu hatte. Ob die Studenten mit der positiven Einstellung genau das als Ergebnis erzielen wollten wäre auch interessant.

Die Studie scheint mir insofern wenig geeignet einen großen Effekt der geschlechtergerechten Sprache zu zeigen.

 

 

 

Alle Seiten hören – Die Einseitigkeit der Interessenvertretung bei Geschlechterthemen

Lucas weißt in einem Artikel auf ein altes Problem hin:

Gehören wirklich wir alle zu diesem Land? Auch heterosexuelle Männer und (getrennt erziehende) Väter? Es sieht nicht danach aus.

Die formal zuständige Bundesministerin Dr. Giffey zeigt sich öffentlich ausschließlich mit Frauen- und Mütterverbänden. Ein persönliches Gespräch mit Männer- und Väterverbänden verweigert sie. Anstelle dessen beleidigt Frau Giffey getrennt erziehende Väter pauschal als Unterhaltspreller und droht ihnen mit Führerscheinentzug („Wer nicht zahlt – läuft“), ohne nach den Ursachen für die mangelnde Leistungsfähigkeit vieler Väter zu fragen (Niedriglohnsektor?).

In die vom BMFSFJ veröffentlichte Statistik über häusliche Gewalt werden auch außerhäusliche Gewalt, das Ausbleiben von Unterhaltszahlungen sowie Falschbeschuldigungen eingerechnet. Die tendenziöse Darstellung geht pauschal zu Lasten von Männern.

Die Vorsitzende des Familienausschusses des Bundestages verweigert der IG-JMV den Vortrag vor dem Ausschuss mit der Begründung, der Dt. Frauenrat „bilde bereits die Vielfalt im Diskurs ab…“

Es ist erstaunlich, wer mitunter alles irgendwo sprechen darf. Nicht selten sind radikale Feministen oder sehr radikale Frauengruppen dort als Repräsentant der Lage. Männervertreter – so scheint der Eindruck zu sein – braucht man nicht, es reicht, wenn die Frauenvertreter, die teilweise eben auch sehr spezielle Ansichten haben, die keineswegs für „Die Frauen“ stehen einbezogen werden. Eine spezielle Männersicht erscheint schon fast als etwas unerhörtes, etwas kurioses – wie sollen Männer diejenigen sein, die Wünsche anmelden, wenn sie eh schon die Macht haben?  Wenn man gerade die Lage für Frauen verbessern will?
Natürlich: Das Anhörungswesen des Bundestages ist teilweise auch schlicht eine Pflichtveranstaltung, bei der es nicht tatsächlich darum geht, dass man sich eine Meinung bilden kann.

Ein Teilnehmer an einer solchen Veranstaltung, der zu einem hochkomplexen Gesetzesentwurf mit vielen verschiedenen Punkte als ausgewiesener Experte und Praktiker, der er auch war, geladen war, schilderte es einmal so, dass man da 5 Minuten hat, etwas zu sagen, mit dem Ablauf dieser muss man das Podium verlassen und der nächste ist dran. In 5 Minuten eine Stellungnahme abzugeben, die bei einem komplexen Theme nicht nur an der Oberfläche kratzt, ist da kaum möglich. Immerhin habe er sich danach noch kurz mit dem Vorsitzenden des entsprechenden Ausschusses unterhalten können, der ihm aber auch mitteilte, dass man den dortigen Kompromiss hart ausgehandelt habe und man jetzt – auch wenn man um die Schwächen wisse – daran nichts mehr ändern könne.

Der Einfluss findet insofern weit vorher statt, über Interessengruppen, Lobbyisten, Leuten, die sich mit den Zuständigen Politikern weit vorher diesen Anhörungen treffen. Aber auch dort wäre es wichtig, dass es dort echte Männer-Lobbyisten geben würde. Was natürlich bereits dadurch erschwert wird, dass Feminismus und feministische Gruppen teilweise stark gefördert werden, Männergruppen aber nicht.