„Was sich in den vergangenen Jahren im Feminismus getan hat“

Julia Kobrik wird dazu interviewed was sich im Feminismus getan hat:

jetzt: Wie weit sind wir im Jahr 2019 beim Thema Feminismus?

Julia Korbik: Sehr weit! Feminismus ist im Mainstream angekommen, zum Beispiel wird bei Anne Will darüber diskutiert und wir sehen nicht mehr nur Alice Schwarzer da sitzen. Beyoncé findet Feminismus toll, Taylor Swift jetzt irgendwie auch. Trotzdem treffe ich immer noch viel zu viele Menschen, denen ich erklären muss, dass Feministinnen keine Männer hassen. Als Feminist*in ist es ein großer Fehler zu denken, die Allgemeinheit sei so aufgeklärt wie man selbst. Der Feminismus bewegt sich auch viel in seiner eigenen Blase.

Der Feminismus hat sich in der Tat gewandelt. der größte Umbruch dürfte der intersektionale Feminismus sein. Wobei da gerne im Guten alle Feminismen in einen Hut geworfen werden bzw irgendeine Äußerung in Richtung Feminismus für den Feminismus als Bestätigung auch des jeweils eigenen Feminismus gewertet wird.

Julia Kobrik kann ich da gar nicht genau einordnen. Aber man könnte ihr auch wiederum erklären, warum in vielen Arten von Feminismus, gerade auch im intersektionalen Feminismus, jede Menge Männerhass und auch Hass an sich enthalten ist.

Warum muss man Menschen heute noch erklären, dass Feminismus auf keinen Fall Männerhass bedeutet?

Weil viele ein veraltetes Bild von Feminismus haben. In den Siebzigern wurden Männer von Feministinnen an den Pranger gestellt, weil das Thema im gesellschaftlichen Diskurs einfach nicht stattfand. In dieser männerdominierten Welt war es für Feministinnen also wichtig, eine autonome, radikale Bewegung auf die Beine zu stellen.

Das Bild ist bei vielen noch präsent, aber das heißt selbstverständlich nicht, dass Feministinnen alle Männer hassen. Am Ende geht es um die Gleichberechtigung der Geschlechter. Feministinnen betrachten gesellschaftliche Vorstellungen von Männlichkeit kritisch. Dabei geht es nicht darum, dass Männer an sich schlecht sind, sondern um eindimensionale Bilder vom Mann-Sein und damit einhergehende schädliche Verhaltensweisen.

Auch interssant: „warum bedeutet Feminismus AUF KEINEN FALL Männerhass“ vs „Das Bild ist immer noch präsent, aber das heißt selbstverständlich nicht, dass Feministinnen ALLE Männer hassen“.

Würde ja erst einmal bedeuten, dass entweder einige Feministinnen Männer hassen oder Feministinnen jedenfalls einige Männer.

Sie führt also aus, dass Männer früher an den Pranger gestellt worden sind. Wo ist das heute anders? #NotallMen #Killallmen, Männer sind privilegiert, ja alle Männer profitieren vom Patriarchat. Ja, alle Männer unterstützen die Rape Culture, ja, Männer müssen sich ändern und ihre toxische Männlichkeit aufgeben.
Gut, es sind Gruppen dazu gekommen, die man auch hasst: Weiße, alte, CIS, nichtbehinderte etc.

Und um Gleichberechtigung geht es eben meist nicht,  was allein schon daran deutlich wird, dass Männern noch nicht einmal erlaubt wird, Ungerechtigkeiten für Männer anzuführen, die sie als diskriminierend erleben. Sie haben nach der Auffassung viele Feministinnen keine eigene Stimme, sie sind allenfalls Allys, können also nur die Ideen der Feministinnen unterstützen. Ich wüsste auch nicht, was viel eindimensionaler ist als das Bild von Männern, welches Feministinnen haben. Privilegierte Männer, die keine Gefühle kennen und von den Guten Frauen aus ihrer für sie schädlichen Schale geholt werden müssen. Privilegiert, selbst wenn sie obdachlos sind. Irgendwie immer oben auf, selbst wenn sie die höhere Selbstmordrate haben. Und die Bestimmer der Welt, keineswegs Anfoderungen von Frauen ausgesetzt, die sie ebenfalls formen. Gemeine Unterdrücker irgendwie, auch wenn sie ihnen die Daumen drückt, dass sie erkennen, was sie da machen und sich endlich bessern.

(…)

In der neuen Version hast du zum Beispiel die Sprache gegendert. Was hat sich noch getan?

Das Cover ist so grell und poppig gestaltet, weil wir 2014 Angst hatten, dass sonst kein junger Mensch ein Buch über Feminismus lesen will. Jetzt ist Feminismus cool geworden. Oder eher „Empowerment“: Viele Unternehmen haben entdeckt, dass man mit diesem herrlich vieldeutigen Wort Frauen ansprechen und ihnen Produkte verkaufen kann. Ob BH, Deo oder Schminke: Alles ist auf einmal ein Symbol für Feminismus.

Dieses fiese Patriarchat ist auch nie klein zu bekommen. Jetzt greift es einfach den Feminismus auf und kommerzialisiert ihn.

 

Hilft das auf dem Weg zur Gleichberechtigung?

Klar, es ist super, dass das Thema mittlerweile so präsent ist. Andererseits: wenn Feminismus plötzlich alles sein kann, was ist er dann noch? Wir müssen aufpassen, dass der Begriff weiter mit Inhalten gefüllt ist und nicht zum Werbebegriff von Unternehmen verkommt. Ich dachte irgendwie immer, dass Feminismus das Allerletzte ist, was kommerzialisiert wird. Auf einmal finden wir behaarte Frauen schön und Modekonzerne drucken sie auf T-Shirts als ein Symbol für Emanzipation. An so was war vor fünf Jahren nicht zu denken.

Tatsächlich finden wir behaarte Frauen ganz überwiegend nicht schön. Weitaus eher ist es ein Mittel die intrasexuelle Konkurrenz unter Frauen vermeintlich zu verringern. Aber das ist eher etwas, was Frauen untereinander ausmachen. Und in der Tat ist vieles einfach ein Werbeaufdruck, ein Symbol für „ich bin eine starke Frau“ oder andere Botschaften, die sich gut machen. Aber natürlich hat der Feminismus auch ansonsten in der Tat viel Boden gut gemacht, weil seine Anhänger einen Teil gewisser Wissenschaften besetzt haben und sich durch ihre Radikalität dort immer mehr ausbreiten.

Du schreibst in „Stand-Up“ ausführlich, dass Humor der falsche Umgang mit Feminismus ist. Warum ist dir das so wichtig?

Mir geht es um die ironische Haltung, die man dabei einnimmt: Ich bin ja so ein aufgeklärter Typ, deshalb kann ich dumme Sprüche über Frauen machen. Das Problem mit Ironie ist, dass du sie nur schwer kritisieren kannst. Viele schwierige Themen, und da gehört Feminismus dazu, werden mit blöden Witzchen abgetan, um keine Diskussion anfangen zu müssen.

Humor und Feminismus passen in der Tat nicht zusammen. Weil eben alles zu einem Problem überhöht wird, selbst die kleinste Kleinigkeit als wichtiges Rad im Diskriminierungsgefüge verloren geht und jeder Humor in dem Bereich daher ein dem Feind nachgeben wäre. Da darf es keine Selbstirnonie geben, denn der Kampf gegen die Unterdrückung ist eben kein Witz. Humor gibt insofern Virtue Punkte Abzug.

Was muss passieren, dass Frauen und Männer in Deutschland gleichberechtigt sind?

Wir müssen auf jeden Fall Feminismus und Gleichberechtigung als etwas begreifen, das bei jedem Menschen selber anfängt. In Deutschland müssen wir zum Beispiel konkret dafür kämpfen, dass das Informationsverbot für Abtreibungen wegkommt oder die Regelung, dass Frauen nach einem Beratungsgespräch drei Tage warten müssen, bis sie abtreiben dürfen. Wir müssen den Gender-Pay-Gap bekämpfen. Wir müssen Geschlechterrollen aufbrechen. Wir müssen Gewalt gegen Frauen beenden. Um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Das ist mal eine gute Frage. Was müsste eigentlich passieren? Etwas wirklich konkretes kommt auch nicht wirklich.  Sie will:

  • Dass das Informationsverbot für Abtreibungen wegkommt

Eine relativ kleine Einschränkung, denn natürlich kann man sich bei der jeweiligen Ärztin selbst und ansonsten im gesamten Internet dazu informieren, nur darf sie eben nach außen keine Informationen geben, was in der Tat bescheuert ist, aber dennoch interessant, dass sie es als erstes nennt.

  • Drei Tage Wartezeit für die Abtreibung nach Gespräch

Kann meinetwegen auch weg. Aber das unter Gleichberechtigung zu verbuchen ist schon interessant, weil der Mann selbst ja nicht selbst das Baby abtreiben kann bzw eher juristisch abtreiben kann, die Frau aber schon, auch wenn sie drei Tage nach einem Beratungsgespräch warten muss. Der Mann erhält üblicherweise noch nicht einmal ein Beratungsgespräch. Und jede Unterhaltung darüber, was er gerne will, jede Beeinflussung der Frau, weil er sich dafür noch nicht reif hält, wird ebenfalls eher negativ gesehen.

  • den Gender Pay Gap bekämpfen

Ja, dann macht das doch endlich! Studiert andere Sachen, stürzt euch mehr in die Karriere, sucht euch Männer, die die Kinder betreuen und nicht Männer, die Karrierejobs haben. Raus aus den bequemen Jobs im öffentlichen Dienst, rein in die freie Wirtschaft.

Wovon der Gender Pay Gap nicht sinkt: So tun als seien Männer und ihre Macht an ihm schuld. So zu tun als würde dagegen protestieren etwas ändern, solange man sonst nichts ändert. So tun als müssten nur genug Leute Gender Studies studieren damit Frauen mehr Führungspositionen einnehmen bringt nichts.

Dafür müsste man auch die Menschen erreichen, die mit Feminismus bisher nichts zu tun haben wollten. Wie schaffen wir das?

Ich bin eigentlich immer offen für Diskussionen und Anregungen, sehe es aber manchmal nicht ein, mich mit allen zu unterhalten und alle Kritik anzunehmen, die mir als Feministin an den Kopf geworfen wird. Mit jemandem, der Gleichberechtigung grundsätzlich ablehnt, muss ich 2019 nicht mehr diskutieren. Ich habe aber oft gemerkt, dass ich, wenn ich offen an das Thema rangehe, Menschen am besten überzeugen kann. Natürlich ist das manchmal nervig, weil man als Feminist*in lieber über Inhalte sprechen will und nicht ständig über die Basics. Wenn man aber argumentativ und ruhig erklärt, was Feminismus eigentlich will, kann man auch Menschen abholen, die mit Feminismus nichts am Hut haben wollen.

Das klingt ja ganz offen. Sie scheint aber zumindest nicht auf Twitter zu sein. Schade eigentlich, sonst hätte sich das mal testen können. Ich lehne ja nicht Gleichberechtigung ab, allenfalls Gleichstellung.

Wohin radikaler intersektionaler Feminismus führt.

(saira rao ist eine radikale Feministin, die auch Satire sein könnte, so überzeichnet wie sie ist, sie meint es aber ernst)

„Sechs Thesen, wie der Feminismus von morgen sein muss.“

Ein Artikel stellt sechs Thesen auf, wie der Feminsmus von morgen sein muss, wobei jede These von einer anderen Feministin geschrieben worden ist:

1. Der Feminismus muss eine wütende Bitch sein

Begründet wird es damit, dass nur so Veränderung erreicht werden kann. Auszug aus der Begründung:

Die Kolumnistin Margarete Stokowski schrieb genau darüber in ihrem Buch Untenrum frei. Sie erklärte, was Wut eigentlich will: Veränderung. Veränderung heißt immer Kampf – und Kämpfe müssen wehtun. Wer Veränderung will, muss sich streiten, Positionen aushandeln, sich reiben. Der Kampf muss laut sein und dreckig, auch ausarten dürfen. Das ist das Wesen von Kämpfen. Keine Revolution ist dabei je ohne Wut ausgekommen. Auch der Feminismus wird es nicht.

Mir scheint, dass die Ware Begründung ist, dass man mit Wut und Emotionen darüber hinweg kommt, dass man eigentlich keine Fakten hat. Wütend und irrational auftreten und den Gegner scharf angehen hat den Vorteil, dass dieser automatisch in der defensive ist, was gerade bei einem Thema,bei dem man im Feminismus stets mit Feld und Festung arbeitet einstellt in den Beruf bringt etwas gegen Frauen zu haben. Wütend sein an sich ist keineswegs notwendig um Veränderung zu erreichen. Diese stellt sich weitaus eher ein,  wenn mantatsächlich etwas macht um eine Änderung herbeizuführen. Interessant aber, dass man eine wütende Bitch sein will. es wäre interessant, wie viele Frauen sich in dieser Beschreibung wiederfinden.

2. der Feminismus muss seinen Bruder im Arm halten

Auszug aus der Begründung:

Sexistische Strukturen lassen sich nicht allein von Frauen abschaffen. Dafür braucht es, surprise: Männer. (…) Ein Feminismus jedoch, der Gleichberechtigung auf allen Ebenen anstrebt, muss den Dialog mit Männern suchen: einen Dialog, der nicht nur in der Anklage von Übergriffen und Gewalt besteht. Sondern einen, der auch einen gemeinsamen Blick auf Geschlechterbeziehungen wirft und ebenso Raum für ein Zuhören schafft. Das bedeutet nicht, dass Frauen sich alles anhören müssen. Aber Männer sind nicht nur strukturelle Täter, sondern auch selbst mit belastenden Rollenerwartungen konfrontiert. Wer will und kann täglich Dominanz, Härte und Potenz unter Beweis stellen müssen?

Wir müssen die eigene Sozialisation als Kern der Geschlechterdifferenz begreifen. Nicht die Natur, sondern eine gesellschaftlich konstruierte Binarität führt zur Unterschiedlichkeit von Männern und Frauen – für diese Überzeugung muss man keine Butler-Jüngerin sein. Begreifen wir das Patriarchat nicht nur als die Vorherrschaft der alten, weißen Knacker, sondern auch als eine Dynamik, innerhalb derer Männern und Frauen einander komplementäre Eigenschaften zugesprochen werden, wird deutlich: Wir brauchen Männer als Komplizen.

warum lassen sich sexistischen Strukturen eigentlich nicht allein durch Frauen abschaffen? Was ist mit einer Kampagne des Feminismus, bei der Frauen dann tatsächlich andere Fächer studieren, wesentlich mehr Zeit auf Karriere verwenden, , eine feministische Partei gründen, die dann Frau nur noch wählen müssen etc.?

Und warum sollten Männer gerade mit dem Feminismus die Rollenerwartungen loswerden? Dieser ist selbst geprägt von alten Rollenerwartungen, etwa die der schwachen Frau, die unterdrückt wird. Der Feminismus müsste wohl weit er einmal anpacken statt zu reden. Unter müsste aufhören Verantwortung auf die Männer zu verlagern.

3. der Feminismus muss breitbeinig sein

eine Forderung nach Menspreading als Zukunft des Feminismus?

Aus der Begründung:

Feminismus muss breitbeinig sein. Feminismus muss sich Medizinbälle zwischen die Oberschenkel klemmen und sich Räume erobern. Dabei geht es nicht nur um Spreeabende und Periodeneinlagen. Es geht um männliche Attribute, die zu lange als solche hingenommen wurden. Vor allem von uns Frauen. Es geht nicht darum, sich wie Männer zu verhalten. Nein, Feminismus muss Verhaltensweisen und Alltagspraktiken hinterfragen, männliche Patentrechte aufdecken, um Rollenerwartungen zu lösen, Frauen und Männern neue Chancen zu geben und sich Beinfreiheit zu schaffen. Klug, nie feindselig. Großzügig, nie habgierig. Und vor allem: Wir Frauen müssen uns selbst den Weg ebnen, ob Tomaten werfend oder Tennisschläger schmetternd.

da wären wir bei der Raumeinnahme. Aber interessanterweise kommt in den von ihr genannten Beispiel nicht vor, dass man 60 Stunden Wochen im Büro hat und dafür die Familie reduzieren muss. Es kommt vor, dass man selbstbewusster auftreten soll und natürlich auch seine Aggression freien Lauf lassen soll. Viel Glück damit. Dann aber auch nicht jammern, wenn die Antwort entsprechend ist. Umgehen mit Kritik, das wäre etwas, was auch zur Breitbeinigkeit gehören würde.

4. der Feminismus darf kein Lifestyle sein.

Das ist allerdings schon auf eine gewisse Weise. Gerade weil er einem erlaubt, dass man seine eigene Kindheit in einem sehr einfachen System darstellt, dass einem eine einfache Abgrenzung von gut und böse liefert.

Aus der Begründung:

 Man kann Feminismus als Parfüm, als Haute-Couture-Shirt oder knallpinke Ratgeberliteratur kaufen – Hauptsache, es steht FEMINIST drauf.

Solch ein kommodifizierter Feminismus ist aber nur ein funkelndes Accessoire – und als solches „ungefähr so radikal wie ein mit Strass besetztes Handycover und so leicht runterspülbar wie ein probiotischer Trinkjoghurt“, wie die britische Philosophin Nina Power in Die eindimensionale Frauschreibt. (…)

Von kollektiven Zusammenschlüssen ist im Ego-Feminismus keine Spur mehr, für Solidarität mit Frauen, die nicht auch auf einer Karriereleiter stehen, kein Platz.

Der Feminismus von morgen aber ist nicht sexy, kein Vergnügen und kein Accessoire – er muss neben, hinter und vor sich schauen, statt nur nach „weiter“, nur nach „oben“. Sein Erfolg liegt eher im gemeinsamen Scheitern anstatt im einzelnen Vorankommen, eher im gemeinsamen Demonstrieren als im Einzelauftritt. Der Feminismus muss sein inneres Proletariat aktivieren. Sobald er glitzert, sollten wir misstrauisch werden.

Schon erheiternd, wenn ihr der Feminismus zu sehr glitzert. das ist eben der Nachteil einer Bewegung, die man mit Frauen aufbaut. Umso weiter eher ausgeweitet wird umso eher wird es eine Fraktion geben, die es gerne glitzernd hat. Die sich nicht Straßenkämpfe liefern möchte, sondern allenfalls Forderungen erheben möchte, die der andere umsetzen. Die vielleicht ihre eigene Krankheit darstellen möchte, aber dennoch niemals ein klassisches Männerfach studieren würde, weil es ihr nicht liegt und sie einfach besser in Sprachen ist. Die später doch Kinder bekommen möchte und die mit ihrer weiblichen Identität durchaus glücklich ist. die kein Proletariat sein möchte, sondern schlicht im Luxus leben möchte. Der die Karriereleiter erklimmen eben nicht wichtig ist, weil das anstrengt ist. Und für die sich ein großartiges unterstützen anderer Frauen dann auch nicht immer lohnt, weil es ihr dadurch auch nicht besser geht und es der fiktionalen Feminismus viel günstiger ist, wenn man stattdessen fordert, dass eine schwarze Frau oder eine transsexuelle befördert wird und nicht die weiße Frau.

5. Der Feminismus muss nerdig sein

wird auch schwierig. Wenn er wirklich nerdig wäre, dann wäre er viel sachlicher, vielmehr auf Fakten gestützt, weit weniger emotional. Das ist ja gerade das Element einer nerdigen Kultur, dass sie einem in der Regel mehr über den Verlauf des großen Bruderkrieges oder die Vorzüge der MK6 Servorüstung erzählen können als soziale Gegebenheiten auszuwerten. Nerd ist wie folgt definiert:

Nerd [nɜːd] (engl. modern für „Computerfreak“; ursprünglich für „Sonderling“)[1] ist eine Bezeichnung für an Spezialinteressen hängende Menschen mit sozialen Defiziten.[2]

Das Wort weist vom Kontext abhängig anerkennende oder abwertende Anklänge auf. In Computerkreisen gilt es als echtes Kompliment.[3]

Positiv betrachtet ist ein Nerd ein Individualist, der durch Besitz hinreichender Fachkenntnisse einen entsprechenden Grad an gesellschaftlicher Anerkennung innerhalb der jeweiligen Szene aufweist. Negativ gesehen ist Nerd eine stereotype Bezeichnung eines in sozialen Belangen unbeholfenen verschrobenen Einzelgängers, der ständig vor dem Computer sitzt und dadurch jenseits des Computers in soziale Isolation gerät.

Nerds verbinden vor allem drei Eigenschaften mit anderen Nerds: soziale Vernetzung per Mausklick, Ironie und Intelligenz.[3] Als besonders ausgeprägte Form des Computerfreaks gehört zum Nerd das Klischee eines Eigenbrötlers, der das Haus nur mit Bekenner-T-Shirt verlässt,[4] vorwiegend allein oder innerhalb abgeschotteter Gruppen agiert und keinen Wert auf die Meinung von Noobs legt. Das Wort findet über das Computerumfeld hinaus Anwendung als Bezeichnung für meist männliche Technikenthusiasten, die sich besonders für Science-Fiction oder andere Bereiche aus Wissenschaft und Technik interessieren.

Es ist ein in die deutsche Umgangssprache importiertes Wort, das ursprünglich aus dem US-amerikanischen Slang der Schulen, Colleges und Universitäten stammt. Dort wird es als Synonym für „Sonderling“ gebraucht, unter anderem im Sinne von „Fachidiot“[5], „Schwachkopf“[6] oder „Streber“[7] und nicht gerade geliebten „Eigenbrötler“[8] einer Klasse; als Gegenbegriff zum sogenannten Jock.[9] Während der Begriff ursprünglich negativ besetzt war, hat er sich unter Technikenthusiasten zu einer selbstironischen Eigenbezeichnung entwickelt,[9] vor allem wenn sie eine Affinität zur Hackerkultur zeigen.[10] Die Entwicklung geht bis hin zu einem positiveren Bedeutungswandel, der insbesondere durch Medien wie Fernsehserien die Umgangssprache beeinflusst;[9] von der reinen Außenseiterrolle hin zu einem Menschen, der die Gesellschaft voranbringt (etwa durch Vergleiche mit Archimedes[5] und Bill Gates[11]).

in gewisser Weise sind damit mindesten natürlich auch Nerds, wenn man davon ausgeht, dass sie feministische Theorien als Sonderinteressen haben, die sonst eigentlich kein interessieren und die im Wesentlichen fiktiv sind.

Aus der Begründung:

Mann ist zu Computerprogrammierer wie Frau zu Hausfrau“ – das verkündete letztes Jahr ein selbstlernender Algorithmus. Wissenschaftler hatten den Algorithmus untersucht und gefunden: Wenn Maschinen aus Texten lernen, übernehmen sie auch Vorurteile, die in diesen Texten stecken. Das mag erst mal abstrakt klingen – doch solche Verfahren kommen heute in vielen Anwendungen zum Einsatz. Der besagte Algorithmus etwa eignet sich zur Sprachanalyse und lässt sich etwa bei Sprachassistenten wie Siri oder Alexa einsetzen.

Dass es ausgerechnet der Programmierer ist, den der Algorithmus so stark mit Männern verbindet, ist ja auch kein Wunder. Obwohl mittlerweile mehr Frauen als Männer studieren, bleiben die Einschreibezahlen in Technik und Naturwissenschaften weiter niedrig. Egal, ob unter Wissenschaftlern, Ingenieuren, Entdeckern oder Programmierern: Frauen findet man dort kaum. Und selbst auf Wikipedia schreiben fast ausschließlich weiße Männer aus den USA und Europa.

(…)

Deswegen muss der Feminismus von morgen nerdig sein: Damit Frauen sich endlich zutrauen, zu forschen und Technik mitzuentwickeln. Damit die Welt von morgen nicht ausschließlich von weißen Männern gestaltet wird. Damit Technik nach den Bedürfnissen aller Menschen gebaut wird. Damit Daten und Algorithmen genutzt werden, um aufzuzeigen, wo es noch Ungerechtigkeiten gibt, anstatt sie blind zu verstärken. Und damit kleine Mädchen davon träumen, die Wissenschaftlerinnen, Ingenieurinnen, Programmiererinnen und Entdeckerinnen von morgen zu werden.

die Autorin hat Informatik und Mathematik studiert und ist dann anscheinend in Journalistin geworden..

Sie sagt an anderer Stelle:

Elena Erdmann: „Tatsächlich war es so, dass ich immer Journalistin werden wollte – das war schon vor Informatik und Mathe mein Ziel. Ich habe auch erst etwas in die Richtung studiert, bin dann aber doch bei der Informatik gelandet. Nach meinem Studium habe ich mich dann damit beschäftigt, was ich eigentlich genau machen will – und die Idee etwas im Bereich des Journalismus zu machen, war immer noch da und hat mir immer noch gefallen. Ich habe erst gedacht: ‚Wie soll das denn zusammenpassen?‘ Doch dann habe ich nach und nach herausgefunden, dass das doch ziemlich gut zueinander passt.“

Und damit legt sie ein selbst ganz gut das Problem dar. Sie ist nicht unterdrückt worden, sie konnte das Fach studieren, sie wollte nun einem gänzlich anderen Bereich arbeiten und ist nunmehr nicht diejenige, die die dortige Entwicklung vorantreibt. Sie ist Journalistin, die Texte schreibt.

Das ist ähnlich, wie bei den Grünen und den Langzeitflügen. jeder will, dass der andere bei den Flügen auffährt, aber selbst möchte er gerne an interessanten und schönen Orten Urlaub machen. So wollen viele Feministinnen eben auch, dass Frauen den oben geäußerten Wunsch umsetzen und diese dann in dem erreichen stärker vertreten sind. Aber in ihrem eigenen Leben wollen sie lieber in Bereichen arbeiten, die mehr mit Leuten zu tun haben und die sprachlich ausgerichtet sind. Tipps dann, wenn sie selbst gute Fähigkeiten in den anderen Bereichen haben. Als richtiger Informatiker zu arbeiten, ist dann doch wieder zu nerdig.

6.. Der Feminismus muss antirassistisch sein

Soweit im modernen intersektionalen en Feminismus keine Überraschung. Allerdings muss man gleich vorweg schieben, dass die 6 Thesen allesamt von weißen Frauen geschrieben worden sind. Eine der Frauen kommt zwar aus Moldawien der Abstammung nach (allerdings nicht die, die jetzt über Rassismus schreibt), aber auch wenn sie damit ein Migrationshintergrund hat wird man kaum anführen, dass sie nicht weiß ist.

mal sehen was sie fordern. Sie schildert zunächst, wie eine Einstellung gegen Ausländer, insbesondere Flüchtlinge, auch damit begründet wird, dass diese vermehrt Sexualstraftaten begehen sollen. Dazu sagt sie dann:

Das Eintreten für die Freiheit der Frau, und zwar in den Grenzen ihrer vorgesehenen Rolle, gebärdet sich hier als Verteidigung und ist dabei nichts anderes als ein Angriff: So wird Feminismus zur Waffe gegen als fremd Verstandene.

Diese Instrumentalisierung ist kein neues Phänomen, aber sie geschieht immer häufiger. Der Feminismus aber, der sich als intersektional versteht, und der aufbegehrt gegen verkrustete Herrschaftsstrukturen, wird aktuell bedroht aus genau der Ecke, die sich einzelne Aspekte aus dem Programm herausnimmt und sie unter falscher Flagge vor sich herträgt. Der sogenannte Rechtsruck bedroht auch emanzipatorische Anliegen. Antifeminismus wird zurzeit, wie viele andere Diskriminierungsformen, immer salonfähiger. Feminismus und Antirassismus eint schlicht die Erkenntnis: Unterdrückung ist nicht okay. Wie sollte Feminismus also sonst sein, wenn nicht antirassistisch?

also nicht unbedingt begründet mit den dazu vorherrschenden Theorien, sondern lediglich damit, dass man gegen jede Form der Unterdrückung vorgehen muss, weil ein feministisches Anliegen sein muss, dass Unterdrückung nicht o. k. ist. Damit könnte man natürlich eine Vielzahl anderer Bürgerbewegungen problemlos in den Feminismus einbeziehen. Selbst den Maskulismus.

42% der Männer und 25% der Frauen in Großbritannien meinen, dass der Feminismus dazu führt, dass Männer dämonisiert werden

Die britische Gruppe „Hope not Fear“ hat in einer Umfrage auch etwas zum Feminismus abgefragt. Herausgekommen ist das Folgende:

 

Ablehnung Feminismus Männer Frauen

Das heißt, dass mehr Männer der Aussage zustimmen als sie ablehnen. Und zwar ganz deutlich.

Ich finde es ja immer schade, dass es bei Umfragen dieser Art immer nur einen Feminismus gibt, DEN Feminismus. Was derjenige sich dann darunter vorstellt, ob etwa schlichte Gleichberechtigung oder eher eine Gleichstellung oder gar intersektionale Theorien, das wird damit nicht abgefragt. Ich bin mir sicher, dass die Ablehnung des modernen intersektionalen Feminismus bei beiden Geschlechtern noch viel deutlicher werden würde, wenn man nach verschiedenen feministischen Richtungen differenzieren würde. Auch ein deutlicheres Bild wäre es aus meiner Sicht, wenn man nicht eine Ja/Nein Abfrage machen würde, sondern einen Grad der Zustimmung abfragen würde, etwa auf einer Skala von +5 bis -5.

Aus dem Text:

Fragility in one’s status is also linked to attitudes and sense of place in the world relating to questions of gender. Staggeringly, a third of people believe that feminism is to blame for making some men feel marginalised and demonised in society (33%), while slightly more disagree. We polled this question to better understand potential support for men’s rights and antifeminism activism, which has increasingly become a slip road to the far right, appealing to young men feeling emasculated in an age of changing social norms. UKIP’s Carl Benjamin, who made jokes about raping a female MP, recently made a similar statement: “This is what feminism has wrought – a generation of men who do not know what to do, who are being demonised for what they are.”

Auch faszinierend: Es kann nicht einfach daran liegen, dass der Feminismus tatsächlich aggressiver und ausgrenzender geworden ist, es ist alles nur ein Weg hin zu den Rechten und die Männer fühlen sich ihrer Männlichkeit beraubt. Das man mit seiner Männlichkeit an sich ganz zufrieden sein kann aber den Feminismus in der heutigen Form ablehnen kann, dass kommt da gedanklich gar nicht vor und kann wohl nicht sein.

Among men, 42% agreed with the statement and 28% disagreed. A quarter of women agreed, while 47% disagreed. Despite the fact that younger age groups hold more socially liberal views over all, 18-24-year-olds were more likely to hold this anti-feminist view (33%) than people of working age (29% among 25-49-year-olds

Hier würde mich eine Aufschlüsselung nach Geschlecht innerhalb der Altergruppen interessieren. Ich könnte mir vorstellen, dass jüngere einfach eher im Internet den gegenwärtigen radikaleren Feminismus kennengelernt haben und ihn daher auch mehr ablehnen.

But those most likely to hold anti-feminist views came from those most likely to hold hostile attitudes overall, who felt detached from the political system and that things were not working for them.

Forty-five percent (45%) of the AntiEstablishment Pessimist tribe agreed with this statement, with just 20% disagreeing; 41% of the Anxious Ambivalent tribe agreed with it. A huge 54% of the Hostile Brexiter tribe said the same, indicative of their resentment towards ‘the liberal elite’.

Dazu ist es natürlich ganz interessant sich die Gruppen an sich mal anzuschauen:

Interessant insoweit, dass die extremeren wie zu erwarten relativ klein sind. Gruppen wie  „Aktive Multikulturisten“, die gerne so dargestellt werden als würden sie den Großteil der Gesellschaften bilden, stellen auch nur 12,3%.
Interessant wäre es die Ablehnung des Feminismus in den anderen Gruppen auch noch zu sehen.
Etwas in diese Richtung geht noch eine weitere in der Auswertung enthalte Grafik:

Hier wird einmal abgefragt, ob man heute noch stolz auf seine nationale Zugehörigkeit sein kann ohne als Rassist bezeichnet zu werden, wobei die ganz linken überraschenderweise sagen, dass man das kann und mit steigender Entfernung dazu das immer anders gesehen wird.

Die zweite Tabelle zeigt auch große Unterschiede über die Lager: Abgefragt wurde die Zustimmung zu einer von zwei extremen Aussagen:

  • Die Besorgnis über die politische Korrektheit wurde von den rechten Medien geschürt, um die Situation derjenigen zu untergraben, die an Toleranz und Anti-Rassismus glauben
  • Politische Korrektheit wird von der liberalen Elite genutzt, um das, was wir sagen können, zu begrenzen.

In beides spielt ein gewisser Grad an Verschwörungstheorie hinein. Deswegen finde ich die Wahl zwischen solch extremen Positionen meist ungeschickt, weil sie keine Nuancen zulässt. Aber auch hier hat man einen recht deutlichen abgestuften Verlauf.

The positions of the tribes when asked if ‘feminism has gone too far’ are split in much the same way, with those who hold the most conservative values and feel resentful towards a ‘liberal elite’ reasserting themselves against the liberal tribes. Those who are frustrated about issues of race, immigration and multiculturalism are also angry about changing social norms, and fear being unseated by those fighting for equality.

The divisions we find in our core identities, in how we see ourselves and interpret the world around us, show significant division. Nonetheless, identity and attitudes are fluid and multi-layered. The overlay we see between issues of identity and political trust, security, and instability,
indicates some of the factors which drive divisive identity politics, but also suggest some of the ways in which progressives can shift the debate.

Es könnte auch Probleme aufzeigen, die Leute sehen und damit Diskussionen, die man führen muss. Eine so deutliche Ablehnung des Feminismus sollte diesem jedenfalls erheblich zu denken geben.