„Wenn ihr Frauen gegen den Feminismus seid, dann geht zurück in die Küche und wählen dürft ihr auch nicht mehr“

Wenn eine Frau sich gegen den heutigen Feminismus ausspricht, dann kann man fast sicher sein, dass ihr vorgehalten wird, dass sie dem Feminismus zu verdanken hat, dass sie überhaupt so frei sprechen kann bzw dass sie eine höhere Position hat. Es wird angeführt, dass sie wenn sie gegen den Feminismus ist, doch bitte konsequent sein soll und dann auch nicht mehr wählen sollte und überhaupt in die Küche gehen sollte, denn da wäre ja der Platz einer Frau, die den Feminismus ablehnt.

Es ist insofern ein recht simples Argument, dass versucht den Feminismus gegen Kritik zu immunisieren: Wer gegen den heutigen Feminismus ist, der müsse damit auch gegen alle anderen Errungenschaften sein, die dem Feminismus zugerechnet werden und diese dann aufgeben.

Insofern ist es zum Teil eine falsche Dichotomie:

Es wird so getan als könne man

a) Gleichberechtigung nur unter dem Feminismus haben  („wenn du den heutigen Feminismus ablehnst, dann bist du gegen Gleichberechtigung“)

b) entweder alles befürworten, was unter dem Label Feminismus läuft oder man müsse alles aufgeben, was jemals an positiven dem Label des Feminismus zugerechnet wird. („Wer den heutigen Feminismus ablehnt, der muss als Frau auch wieder in die Küche und darf nicht wählen“).

Beides ist nicht der Fall.

a) Hat der Feminismus ein Monopol auf Gleichberechtigung

Der Feminismus tut gerne so als habe er ein Monopol auf Gleichberechtigungsforderungen, aber natürlich kann man für Gleichberechtigung von Mann und Frau sein ohne auf feministische Theorie zurück zu greifen. Gerade weil die Basis des Feminismus üblicherweise ist, dass Frauen unterdrückt werden und sich aus dieser Unterdrückung befreien müssen und weil er zudem auf ein Modell aufbaut, wo alle Unterschiede Ergebnis einer sozialen Konstruktion sind, die üblicherweise darauf aufbaut, dass Männer Strukturen errichtet haben, die Frauen schaden, kann das sogar sehr leicht zu besseren Ergebnissen kommen, da eben ein Sozialkonstruktivismus mit wissenschaftlichen Ergebnissen nicht mehr in Einklang zu bringen ist.

Gleichberechtigung kann unter vielen Fahnen laufen und vieles, was darunter läuft würden Feministinnen eben auch nicht als Feminismus ansehen, etwa die Ansätze von Warren Farrell oder auch nur die Ansätze von Christina Hoff-Sommers.  Um zu einem fairen Verhältnis zwischen den Geschlechtern zu finden sollte man zudem auch die Geschlechterunterschiede im Schnitt mit einbeziehen und nicht vorschnell Unterdrückung sehen, wo keine ist.

b) Kann man bestimmte Elemente, die auch der Feminismus vertritt, gut finden und andere ablehnen?

Es erscheint wirklich recht absurd, eine solche Frage überhaupt zu stellen: Jedem ist eigentlich klar, dass das recht problemlos möglich ist, gerade wenn es sich um das Ergebnis gesellschaftlicher Prozesse handelt, die inzwischen allgemein akzeptiert werden.

Niemand würde sagen

„Ah, du bist also als Frau gegen Weltkriege, dann darfst du auch nicht mehr wählen, denn die Nachkriegszeit hat entscheidend dazu beigetragen, dass Frauen emanzipiert worden sind“

oder

„Ah, du bist gegen das Patriarchat, dann darfst du alle technischen Entwicklungen, die von Männern gemacht worden sind, nicht mehr nutzen“

Ebenso ist es natürlich sehr einfach für Gleichberechtigung zu sein, aber dagegen alle Menschen nach Hausfarbe, Geschlecht, sexueller Orientierung und vielen weiteren Kategorien in „ausschließlich in dieser Kategorie privilegiert und daher irgendwie schon böse, wenn er nicht Buße tut “ und „ausschließlich in dieser Kategorie benachteiligt und daher Opfer“ einzuteilen und von diesem Weltbild sein Leben bestimmen zu lassen.

Und man kann dafür sein, dass Frauen wählen können und gleichzeitig davon ausgehen, dass Männer und Frauen im Schnitt verschieden sind, weil sie das Ergebnis einer ganz verschiedenen natürlichen und sexuellen Selektion sind, die ihnen andere Vorlieben und andere Interessen und Fähigkeitsausprägungen im Schnitt gegeben hat, so dass es kein Wunder ist, wenn sich mehr Männer in bestimmten Bereichen einfinden, und mehr Frauen in anderen Bereichen.

Man könnte sogar meinen, dass der Platz der Frau in der Küche ist und dennoch die Auffassung vertreten, dass Frauen wählen können sollten.

Zwei Bilder stellen das auch noch einmal ganz gut dar:

 

 

vgl. auch:

Warum eine eigenständige, nicht in den Feminismus eingegliederte Männervertretung dringend erforderlich ist

Ein Artikel in der Zeitung taz geht sehr kritisch mit der Gründung einer neuen Männergruppe in der FDP um, deren Programm hier auch schon diskutiert worden ist.

Ansatzpunkt ist, dass der Feminismus bereits hinreichend Vertretung bietet. Jede Organisation, die neben einem Feminismus steht, wird dabei als unangemessen angesehen, weil der Feminismus einen Alleinvertretungsanspruch hat.

1. Warum eine Interessenvertretung für Männer im Feminismus nicht effektiv ist

Das birgt einige Probleme:

  • Feminismus ist ausdrücklich ausgestaltet als eine Vertretung von Frauen.  Dort geht man davon aus, dass Männer privilegiert sind und lediglich die Abbau dieser Privilegien eine gerechte Welt herbeiführen kann.
  • Des Weiteren geht man davon aus, dass lediglich derjenige, der von einer Diskriminierung betroffen ist, diese auch hinreichend erkennen kann und insoweit eine gewisse Deutungshoheit hat.
  • Da in dem gegenwärtigen modernen Feminismus lediglich Frauen von einem Sexismus oder einer Diskriminierung betroffen sein können können Männer von vornherein keine aktive Agenda in einem modernen Feminismus haben.

Viele Feministinnen gehen daher davon aus, dass Männer aufgrund dieser fehlenden unterdrückungs Erfahrung auch keine eigene Stimme im Feminismus haben sollten, sondern lediglich als sogenannte Allies oder Verbündete angeführt werden sollten, die allenfalls Unterstützung leisten können und müssen, gleichzeitig aber eigene Idee Ideen nicht einbringen können und auch stets darauf achten müssten, dass sie Frauen den entsprechenden Raum lassen und diesen eine Führungsposition zugestehen

Insbesondere im Zusammenspiel damit, dass  Männer von vornherein als nicht diskriminierbar angesehen werden können  erklärte dies zwar den Widerstand, macht aber eine Interessenvertretung von Männern unmöglich.

2. Notwendigkeit einer eigenen Bewegung bei Beibehaltung des Grundsatzes, dass nur Betroffene eine Diskriminierung erkennen können

Wirft man hingegen hingegen dieses Dogma. dass eine Diskriminierung von Männern nicht möglich ist, über Bord und dann ist eine Interessenvertretung von Männern gerade zu denknotwendig durch diese vorzunehmen. Denn dann können auch nur Männer die bei ihnen bestehende Diskriminierung voll erfassen. Ihn muss daher zwingend eine eigene Vertretung zugestanden werden.

3. Notwendigkeit einer eigenen Bewegung weil Subjektivität nicht die beste Sicht auf ein Problem ist

Gleichzeitig ist der Ansatz, dass lediglich der Betroffene seine Diskriminierung erkennen und bewerten kann und daher eine Deutungshoheit hat, keineswegs gut durchdacht. Gerade der Betroffenheit hat häufig eine sehr subjektive und von seinen eigenen Interessen und seiner eigenen Sichtweise aus gebremste Betrachtung der ihn betreffenden Gegebenheiten. Damit muss eine zutreffende Erfassung der Gegebenheiten nicht verbunden sein, vielmehr kann gerade das subjektive und insoweit unangebrachte gegenüber dem objektiven und gerechten überwiegen.

Aus guten Grund stellen viele Bewertungssysteme gerade darauf ab, dass bei zwei Interessen, die in einem Konflikt stehen, eine dritte Partei oder sogar Objektive Vertreter für beide Parteien in die Schlichtung miteinbezogen werden.

Beispielsweise ist es in Gerichtsverhandlungen üblich, dass beide Seiten sich eines Anwalts bedienen, der den subjektiven Vortrag seines Mandanten in einen objektiven Vortrag umwandelt und auch daraufhin überprüft, ob dieses Vorbringen in der Sache dienlich ist und diese voranbringt. Ein Inquisitionsprozess, also ein Prozess, bei dem der Ankläger zugleich der Richter ist, gilt als allgemein als rückständig, da diese Positionen aus guten Grund getrennt sein sollten:

Wir Menschen neigen dazu, dass wir uns die Positionen zu eigen machen, so dass derjenige, der eine Anklage geschrieben hat, sich eben auch als Ankläger sieht und deren Richtigkeit beweisen will. Der Richter hingegen soll diese gerade kritisch prüfen. Die eigene kritische Prüfung einer Anklage führt jedoch selten zu einer objektiven Überprüfung, diese kann vielmehr wesentlich Objektive durch einen Dritten durchgeführt werden.

Ein Prozess, bei dem der Betroffene Ankläger und Richter ist, also sogar drei Ämter verbunden werden, führt er noch zu einer wesentlich schlechteren Position. Nimmt man dann hinzu, dass der Betroffene sich selbst Vorteile verschaffen kann und keineswegs darauf beschränkt ist, dass er objektiv Diskriminierungen beseitigt, dann wird deutlich, dass auf diesem Weg eine hohe Missbrauchsgefahr besteht.

4. Notwendigkeit der eigenen Vertretung, weil man beide Seiten hören muss

Auch bei einer Betrachtung von der anderen Seite her ist das Verfahren nicht gerechter. Bei dem Geschlechterverhältnis handelt es sich nicht um eine einseitige gestaltbares Verhältnis. Vielmehr müssen die Interessen von Männern und Frauen in Einklang gebracht werden bzw zu einem gerechten Ausgleich gebracht werden. Wenn dann einer Seite lediglich zugestanden wird, dass sie die Vorstellung der anderen Seite akzeptieren muss und noch nicht einmal eigene Vorstellungen vorbringen kann oder auf Punkte hinweisen kann, die ihr selbst ungerecht erscheinen, dann ist von vornherein kein faires Verfahren wir geben.

Jeder, der insoweit an einer gerechten Interessenvertretung in dem Geschlechterverhältnis interessiert ist müsste sich dafür einsetzen, dass eine Männerrechtsbewegung als Verhandlungspartner für den Feminismus entsteht, indem auch Männer ihre Position einbringen können.

5. Menschenbild, wenn man einer Gruppe ihre eigene Vertretung abspricht

Wer hingegen darauf besteht, dass der Feminismus einen Alleinvertretungsanspruch hat, der kann nicht davon ausgehen, dass Männer eigene Interessen haben können und ein Anspruch darauf haben, diese auf eine gerechte und fairer Weise einzubringen.

Er muss gleichzeitig  ein sehr schlechtes Männerbild haben, da er anscheinend in einer Interessenvertretung lediglich eine Ungerechtigkeit sieht, über die lediglich Vorteile gesichert werden sollen. Dies erfordert ein sehr negatives Männerbild, bei dem diese nicht zu fairen Verhandlungen bereit sind und lediglich ihre Herrschaft über Frauen unterhalten wollen. Es spricht Männern jegliche berechtigte Agenda ab und weist ihnen die Rolle des Schurken zu, von dem Frauen sich befreien müssen. Ein faires Männerbild kann damit nicht verbunden sein, da man ansonsten jedenfalls davon ausgehen müsste, dass auch Männer Interessen berechtigterweise vertreten können und nicht nur Vorteile absichern wollen. Wer davon ausgeht, dass der andere nicht an einer Verhandlung zu dem gemeinsamen Verhältnis beteiligt werden darf, der hätte diesen entweder für abgrundtief schlecht oder für jemanden, der in keiner Weise eine Berechtigung zur Vertretung seiner Position hat, also der anderen Seite untergeordnet ist.

6. Männerbild im Feminismus

Der gegenwärtige Feminismus hat Ansätze von beidem:

Er geht davon aus, dass Männer die Frauen unterdrücken und eine Befreiung der Frau nur dann möglich ist, wenn man Männer keine Agenda zugesteht.

Daraus resultiert der alleinige Vertretungsanspruch der Frau.

Es werden strukturelle Hindernisse gesehen, die lediglich einseitig zulasten der Frauen eine Unterwerfung dieser herbeigeführt haben. Nur aus dieser „Kriegssituation“  lässt sich einen Alleinvertretungsanspruch herleiten, bei dem  die Männer dann als frühere Schurken und diejenigen, die bisher alle Vorteile genossen haben, kein Mitspracherecht haben, weil sie sich nicht gebessert haben.

Die Angabe, dass der Feminismus insoweit nichts gegen Männer hat, wird durch diese Position bereits hinreichend widerlegt.  Denn wenn der Feminismus Männer als  nicht schlecht ansehen würde, dann müsste er ihnen auch für die neue Gestaltung des Geschlechterverhältnisses eine eigene Position zugestehen.

7. Wenn der Feminismus nichts gegen Männer hätte, dann wäre eine Vertretung eigener Interessen unproblematisch.

Dann aber besteht auch kein Grund dafür, dass diese Vertretung lediglich unter dem Dach des Feminismus erfolgt. Natürlich wäre es möglich, dass eine Interessenvertretung sich Theorien des Feminismus anschließt oder dortigen Positionen zustimmt . Letztendlich muss es aber die Sache jeder Partei sein, wie sie ihre Vertretung ausrichtet und welche Inhalte sie dabei vertritt. Denn eine Vertretung, die Inhalte vorgegeben bekommt, ist keine echte Vertretung. Vielmehr nimmt eine solche Vertretung in dann den Charakter eines Diktats an.

8. Inhaltliche Vorgaben bedeuten die Aufkündigung eines fairen Dialogs

Vergleichbar wäre dies damit, dass man in einem Strafprozess fordern würde, dass der Rechtsanwalt, der den Angeklagten vertritt, im Büro des Staatsanwalts arbeiten würde und von den dortigen Schreibkräften seine Schriftsätze fertigen lassen müsste sowie auch ansonsten in dessen Organisation verpflichtend eingebunden ist.

Nach den Vorstellungen des gegenwärtigen Feminismus es wäre es sogar so, dass dessen Verteidigungsvorbringen von vorne herein einer Überprüfung durch die Staatsanwaltschaft unterliegen würde und nur dann genehmigt und berücksichtigt werden könnte, wenn es dieser gefällt.

Auch hier wird deutlich, dass es mit einem fairen Verfahren nicht zu tun hat. Natürlich würde man hier von der Gegenseite her anwenden, dass in diesem Fall ja die Staatsanwaltschaft auf die Interessen beider guckt, die objektivste Behörde der Welt ist und insoweit auch die Interessen des Beschuldigten waren muss. Dadurch könne also kein Nachteil entstehen. Dass dieses Bild einen Angeklagten wenig überzeugen würde, dürfte aber verständlich sein.

9. Ist eine Wahrnehmung der Interessen der Frauen nur möglich, wenn Männer keine eigene Vertretung haben, weil Männer sonst alles behindern?

Der Feminismus selbst wird hingegen das Bild präferieren, bei dem bisher ein Monopol bestand, welches den Markt zu Gunsten des Monopolisten gestaltet hat. Der Monopolist hat bisher einen Marktzugang anderer Marktteilnehmer mit unfairen Mitteln verhindert und alle Profite eingestrichen.

Der Feminismus führt nun mehr an, dass man kaum erwarten können, dass der Versuch einer Neugestaltung gelingt, wenn sich der große Monopolist mit dem kleinen Konkurrenten an einen Tisch setzt und so dann über die Änderung an der Monopolsituation geredet wird.

Denn insbesondere wenn man davon ausgeht, dass Änderungen an der Monopolsituation einstimmig getroffen werden müssen, dann kommt es indirekt zu einer Pattsituation, da der Monopolist alle verändernden Vorschläge ablehnen kann.

Er hat dann quasi ein Veto, sodass er dadurch sein Monopol beibehalten kann. Er behält die Vorteile des zuvor zu unrecht eroberten Marktes und die Benachteiligung hält insofern an.

Auch hier ist allerdings der Monopolist zweifellos der böse, was erneut deutlich macht, dass dies mit einem positiven Männerbild nicht zu vereinen ist.

10. Warum das Bild der alleinigen Macht der Männer falsch ist

Tatsächlich ist die Situation zwischen den Geschlechtern auch mit dieser Monopolsituation in nicht vergleichbar.

Frauen haben theoretisch sogar die Mehrheit der Wählerstimmen  bei freien und geheimen Wahlen in einer Demokratie. Sie können, wenn sie dies wollen, umfassen Änderungen vorbringen.

Tatsächlich scheint der Feminismus selbst die Monopolposition wahren zu wollen.

Denn genau dies stellt ein Alleinvertretungsanspruch im Geschlechterverhältnis letztendlich da.

Hiergegen wird der Feminismus anführen, dass Frauen ja in allen Positionen benachteiligt ist. Dies ist allerdings nur bei einem sehr selektiven Blick richtig.

Es gibt viele Positionen mehr, die zugunsten von Frauen ausgestaltet sind. Dies ist zum einen der Umstand, dass sie üblicherweise wesentlich mehr Zeit mit der Familie verbringen, ihnen auch nach Trennung üblicherweise er die Kinder verbleiben, sie üblicherweise, obwohl sie ihre Berufs Gestaltung weniger auf Geld ausrichten, zumindestens in einer Ehe der gleiche Lebensstandard wie Männern zukommt und erhebliche Transferleistungen an sie geleistet werden.

Hier ist es gerade eine Frage des Blickwinkels, ob man etwas als Benachteiligung ansieht oder aber als bestimmte Ausgestaltung seines Lebens. Die meisten Frauen sind, wie auch Umfragen deutlich machen, wie eine Frauen, und wollen ihre Lebensgestaltung gerade auf eine Weise ausrichten, die den Beruf und die Karriere, insbesondere wenn damit Überstunden verbunden sind, nicht in den Vordergrund stellt, sondern eher die Familie betont. Das einseitige Abstellen darauf, dass sie weniger verdienen wird dabei der der sächlichen Lage nicht gerecht.

Denn die Frauen verdienen insoweit weniger unter Berücksichtigung geringerer Überstunden, eines Berufs, den sie bewusst so ausgewählt haben, dass er Ihnen gefällt, der Vermeidung von Stress in hohen Positionen und des häufigeren Umganges mit Kindern, weniger. Bei gleichen Verhalten ist der Gender Pay Gap schon jetzt nahezu vollständig zu bereinigen.

Auch verkennt diese Beschreibung, dass die allermeisten Männer gerade nicht in Führungspositionen sind und dass Personen in Führungspositionen keineswegs Leute nach ihrem Geschlecht bevorzugen müssen, sondern eben auch Vertreter der Interessen des anderen Geschlechtes sein können.

11. Ein fairer Umgang mit Fakten ist die Grundlage jeder Diskussion

Zu einer fairen Verhandlungspositionen gehört, dass beide Seiten ihre Positionen vortragen können und Position einer Seite nicht von vornherein tabuisiert werden. Es gehört zu dem dazu, dass Argumente beider Seiten auf ihre Richtigkeit überprüft werden können und nicht von vornherein akzeptiert werden müssen. Es muss insbesondere auch möglich sein, Nachweise zu verlangen, die diese Position belegen und mit Gegenargumenten dagegen vorzugehen, ohne das dies von vorne herein abgewertet wird. Insbesondere muss eine gewisse Objektivität und Fairness in das Verfahren einbezogen, so dass Studien etc vorgebracht werden müssen, statt auf subjektives Empfinden abzustellen, welches lediglich dazu dienen kann, dass es als Anlass für tatsächliche Überprüfung vorgenommen wird.

Das Bestehen darauf, das subjektive Positionen des Betroffenen Fakten ersetzen kann nicht zu einer fairen Diskussion führen, bei der einen für beide Seiten gerechtes Ergebnis gefunden wird.

12. Frauen haben Macht, beispielsweise im Familienrecht

Der Feminismus führt an, dass Frauen keinerlei Gestaltungsmacht haben und insoweit auch eine Diskriminierung von Männern durch Frauen/die Gesellschaft denknotwendig ausgeschlossen ist.

Tatsächlich sind gegenwärtig aber in allen großen Parteien feministische Position stark vertreten, alle Parteien haben Frauen Gremien, die sich gerade den Interessen der Frauen verpflichtet fühlen und in denen Lobbyarbeit durch Frauenverbände betrieben wird. Der

Familienausschuss des Deutschen Bundestages, also das wesentliche Gremium, in dem familienrechtliche Änderung beschlossen werden, ist überwiegend weiblich besetzt.

Selbst die Männer, die dort noch vorhanden sind verstehen sich eher feministisch ein ausgewiesen Männer rechtlicher Vertreter oder jemand, der angibt, dass er dort ist um auch die Interessen der Männer zu wahren, ist mir insoweit nicht bekannt.

Demnach hat der Feminismus bzw Frauen hier durchaus eine Machtposition, sie sind in diesem für die Geschlechterpolitik sehr wichtigen Bereich überproportional vertreten, sie können hier die Politik gestalten und insoweit auch Macht ausüben.

Es könnte darauf zurückzuführen sein, dass Väter sehr eingeschränkte Möglichkeiten haben, beispielsweise Vaterschaften anzufechten, dass sie als unverheiratete Väter von vornherein kein Sorgerecht haben, sofern Ihnen dies nicht durch die Mutter zugestanden wird oder Sie dieses einklagen und sie im übrigen auch nach wie vor eine Residenzmodell hinnehmen müssen, bei dem sie ihre Kinder lediglich an jedem zweiten Wochenende sehen und überdies hohe Unterhaltsbeiträge zahlen müssen. Gleichzeitig besteht teilweise immer noch ein sehr striktes Unterhaltsrecht, bei dem die Erwerbsobliegenheiten der Frau beispielsweise im Trennungsjahr ohne dass dafür ein Grund vorhanden ist nicht bestehen. Auch beim Kindesunterhalt wird insoweit kein gerechter Ausgleich herbeigeführt, das Einkommen der Kindesmutter spielt abgesehen von sehr sehr hohen Gehalts unterschieden zugunsten der Mutter quasi keine Rolle, der Vater kann also als unterhaltsverpflichteter auf den Selbstbehalt verwiesen werden, auch wenn die Mutter gut verdienend oder über einen neuen Partner eine sehr hohen Lebensstandard hat. Ebenso ist für den Vater kaum eine Möglichkeit vorhanden bei jungen Kindern ein Umziehen der Mutter auch in große Entfernung zu verhindern. Dies erlaubt der Mutter dann, wenn ihr ein solcher Umzug möglich ist, den Vater, sofern diese nicht hinterher ziehen kann, effektiv vom Kontakt mit seinen Kindern auszuschließen oder jedenfalls stark einzuschränken.

Eine gerechte Verhandlungspositionen würde erfordern, dass hier Männer ihre eigenen Positionen als solche einbringen können, ohne dafür sogleich beschimpft zu werden, dass sie zurück in die 50er wollten oder lediglich um ihre Privilegien fürchten.

Solche Tabuisierung in einer berechtigten Interessenvertretung machen vielmehr deutlich, dass Frauen gerade nicht machtlos sind. Denn derjenige der vorgibt, über was nicht gesprochen werden darf, hat üblicherweise eine sehr hohe macht, da er ansonsten solche Verbote nicht durch bringen könnte und diese Positionen nicht der Lächerlichkeit preisgeben könnte.

13. Männer und Frauen als Gruppe und Macht

Tatsächlich sind Männer und Frauen überdies auch sehr heterogene Gruppen. Die Vorstellung, dass Männer per se Macht haben, ist falsch, da nur sehr wenige Männer auf wichtigen Positionen sitzen und dies häufig unter Aufgabe vieler anderen Bereiche ihres Lebens. Es bedeutet auch nicht, dass diese Männer damit Männerpositionen vertreten oder anderen Männer per se an die Macht helfen.

Viele Männer werden schlicht ihr Unternehmen groß und erfolgreich machen wollen und nicht Männer, sie wollen für sich und ihre Familie reich werden, nicht für Männer. Sie wollen vielleicht sogar allgemein ein Image von sich errichten, bei dem sie dann als Frauenförderer und Unterstützer von Gleichberechtigung gelten und fördern daher nach Möglichkeit Frauen.

Natürlich fördern sie auch Töchter oder andere weibliche Verwandte oder Freunde, die ihnen näher stehen als die Gruppe der Männer.

Es ist daher auch bei Frauen und Männern für verschiedenste Interessengruppen Platz, die alle unterschiedliche Interessen vertreten können, die zu ihrer Lebenslage und ihren Ansichten passen.

Das zeigt sich auch bereits am Feminismus: Die wenigsten Frauen werden den Ansichten des gegenwärtigen radikalen intersektionalen Feminismus und seiner Vorstellung, dass alles sexistisch, rassistisch, abelistisch und überhaupts *istisch ist, zustimmen. Der Feminismus ist bereits innerhalb seiner selbst gespalten, die radikalen sind nur eine sehr kleine, aber laute und andere ausschaltende Gruppe.

Wenn schon die meisten Frauen sich nicht von diesem vertreten fühlen, warum sollten es dann die Männer, die von diesem nur die Rolle als Schurke zugestanden bekommen?

14. Fazit

Die Forderung, dass Männerinteressen nur als Teil des Feminismus wahrgenommen werden dürfen macht das schlechte Männerbild des Feminismus deutlich, lässt keine faire Vertretung berechtigter Interessen zu und ist ein Versuch, selbst Macht zu erhalten.

Der ereignislose Besuch einer „nur für Frauen“-Vorstellung von Wonder Women

In New York gibt es ein Verbot jemanden wegen seines Geschlechtes bei öffentlichen Veranstaltungen zu diskriminieren, dennoch bot eine Kinokette „women only“-Vorstellungen des gerade laufenden Films „Wonder Woman“ an.

Ein Reporter erklärte daraufhin, dass er sich ein Ticket für diese Veranstaltung gekauft hatte und diese besuchen wollte.
Feministinnen regten sich darüber auf, dass ein Mann ihnen nicht dieses Ereignis lassen wollte, beispielsweise sei hier Valenti zitiert:

Natürlich eine ganz klassische Beleidigung nach dem evolutionären Partnerwert.

Der tatsächliche Besuch verlief dann wesentlich unproblematischer als man es bei dieser Aufregung erwarten konnte:

To avoid any possible conflicts in the lobby or media (The Daily Show had offered to tag along to “document” the adventure, as did provocateur Milo Yiannopoulos. I declined both.) I purchased tickets to an earlier showing of another film, then simply walked past security into the theater showing Wonder Woman directly across.

When I took my seat there were no hisses. No soda bombs. No photographs. No Daily Show ambushes or mobs of proud boys, whatever the hell they are. No managers asking me to leave.

I was greeted by a lovely waitress who asked to see my ticket and nothing more. So again, why the controversy over a summer superhero film that had very little cultural controversy leading up to it’s release?

(…)

By the reaction upon arrival, it became apparent how Twitter outrage is not real life (surprise) and as I had predicted, that no one in the theater would care. This was a movie theater, not a college campus and everyone there was there for the same reason. It’s the most anti-climatic case of a man buying a movie ticket in recent history. 

Er machte aber eine andere interessante Beobachtung:

Any apprehension dissipated, not when the movie started, but during the preview of the upcoming Justice League film, strangely enough. When Aquaman’s Jason Mamoa came on screen with water splashing all over his tanned, shirtless tattooed chest, an entire theater of women wooed and whistled. They totally objectified him. There were similar hollers at the screen when Chris Pine emerges nude from a bath early on in Wonder Woman and awkward tension between his character Steve Trevor and Gal Gadot’s title character.

Ich bin entsetzt!

Zum Schluss schreibt der Autor, dem der Film im übrigen gut gefallen hat:

In the end, what made Alamo’s publicity stunt all the more head scratching, is the character arc of Wonder Woman herself. While her all female family clan of Amazons believe mankind isn’t worth the effort because of their own superiority, Diana Prince believes in fighting for both her species, and mankind, equally, to better both of their worlds. 

Wonder Woman is only a movie. It doesn’t belong to women or men, the right or the left. It belongs to anyone who chooses to participate in it, regardless of what one group of people say, or one movie theater chain.

Lustigerweise hatten sich die Feministinnen ja auch mal aufgeregt, als Wonder Women zur UN- Sonderbotschafterin ernannt werden sollte: Sie sei zu unfeministisch dafür.

„Männer inszenieren sich plötzlich als Opfer gesellschaftlicher Diskriminierung“

Rege mich gerade etwas über dieses Video von Julian Dörr in der SZ auf. Warum muss man so verächtlich sein bei einem solchen Thema?

 

Störenfridas: „Endlich also würde mir mein Freund zeigen, was für ein mieser Sexist er in Wirklichkeit war. Er hatte sich nur verstellt“

Ein Artikel bei den Störenfridas ist so voller Großartigkeiten, dass ich ihn hier besprechen muss.

Bereits die Einleitung enthält einiges:

Heterosexuell und Feministin zu sein, ist ein ewiger Balanceakt, der mindestens einen eigenen Artikel wert ist.

Klar, weil man den Feind im eigenen Bett hat und auch noch mit ihm leben muss. Ich hoffe ja sie schreibt den Artikel noch. er kann nur großartig werden.

Aber heute geht es mir um etwas anderes. Es geht um das ohrenbetäubende Nichtwissen über unsere eigenen Körper, das wir mit verzweifelten Dogmen und Halbwissen aus der Pornoindustrie auffüllen. Ja, genau aus der. Dieses Nichtwissen und die Verachtung für unseren eigenen Körper haben wir so sehr internalisiert, dass weder die Gynäkologie noch wir selbst davon frei sind.

Die Störenfridas, das muss man vielleicht noch dazu sagen, sind weniger im intersektionalen Feminismus angesiedelt, sondern eher im „klassischen“ Schwarzer Feminismus. Pornos sind demnach das Böse und Männer noch weitaus eher der Feind. Es ist üblicherweise ein eher sexnegativer Feminismus, der auch und gerade an der Sexualität die Unterdrückung der Frau festmacht und dabei insbesondere alles als Werkzeug  Satans des Patriarchats angesehen, was irgendwie mit intrasexueller Konkurrenz zu tun hat oder was sonst auch überhaupt an Problemen auftreten kann.

Wer wird wohl hier wohl dafür verantwortlich sein, dass Frauen (nach ihrer Meinung) nicht über den eigenen Körper wissen und stattdessen auf Halbwissen aus Pornos abgestellt wird? Man darf gespannt sein….

Ich finde Pornos scheiße. Nicht aus Prüderie, nicht aus Verklemmtheit, sondern weil ich nur sehr selten übersehen kann, dass den Frauen nicht gefällt, was da gerade passiert und es gibt keinen schnelleren Weg, als meine Vagina trocken zu legen. Die Hipsterisierung von Sexspielzeug gehört für mich irgendwie dazu, weil ich bereits die lustige Werbung dafür zum Kotzen finde. Mein Freund ist Amerikaner. Die sind ja bekannt für ihre Prüderie und für ihre Pornovorlieben und auch wenn er natürlich ganz anders ist, ist er davon nicht frei.

Klar findet eine sexfeindliche Feministin Pornos scheiße, und in ihrer Welt wird dort immer deutlich, dass es Frauen nicht gefällt. Sie scheint sich dann aber auch wenig auf Seiten wie Pornhub und Co aufgehalten zu haben, da sind vollkommen begeisterte Frauen keine Seltenheit

Ich habe mehrere Kinder bekommen. Ich bin fast 40. Das verändert einen Körper und da kann ich so viel in das Fitness-Studio rennen, wie ich will. „Ihre Gebärmutter hat sich abgesenkt“, sagte meine Gynäkologin bei meinem letzten Besuch. Mir war das peinlich, aber ja, mir war auch schon aufgefallen, dass ich, wenn ich niese, Schwierigkeiten habe. Ihr Ratschlag: „Sie sollten über eine OP nachdenken. Ganz kleiner Eingriff.“ Ich will mich aber nicht operieren lassen. Also nahm ich es achselzuckend als Erscheinung meines Alters hin. Mein Uterus hat seine Arbeit getan, oder? Wen interessiert da noch, ob es mir mit ihm gut geht? Immerhin stehe ich kurz vor den Wechseljahren, kurz vor der Unsichtbarkeit als Frau.

Ihre Gebärmutter hat sich abgsenkt. Der Arzt schlägt eine Behandlung vor. Was macht sie daraus? Sie unterstellt gleich erst einmal, dass sich um das Wohl von Frauen eh keiner schert und das um so mehr, da sie ja demnächst eh „unsichtbar wird“. So viel Selbstmitleid und Übertragung der Schuld auf die Gemeinschaft ist schon erstaunlich: „Warum soll ich da noch eine ärztliche Behandlung machen, ihr interessiert euch ja eh nicht für mich, ich bin ja nur eine alte Frau“. Und das obwohl der Einzige, der mit ihr darüber geredet hat, der Arzt war, der ihr ja gerade zu einer Behandlung geraten hat. Selbstmitleid galore!

Sexualität ist ein seltsames Feld. Anders als die meisten Feministinnen bin ich mir nicht immer sicher, ob das Private auch immer politisch ist, aber es gibt durchaus rote Linien. Das Gespräch mit meinem Freund begann mit einem Witz über einen Buttplug. Daraufhin reagierte ich reflexhaft mit einem Vortrag über die Niederungen der Sexindustrie.

Ein Buttplug ist ein Stück Silikon oder welches Material auch immer, es spricht für ihren Radikalisierungsgrad, dass sie das anscheinend schon zu einem solchen Vortrag bewegt-

„Ja, du hast Recht“, sagte er. „Außerdem sollte man ohnehin aufpassen, welche Größe Sexspielzeug hat. Frauen leiern aus.“ Das war eine Provokation und ich sprang drauf an. Eine rote Linie war eindeutig überschritten. „Frauen leiern nicht aus“, belehrte ich ihn. „Eine solche Behauptung ist misogyn bis zum geht nicht mehr und du enttäuschst mich gerade sehr.“

Der arme Kerl. Will mal etwas provozieren und sie würgt ihn gleich ab und geht auf 180.

Und, weil ich das einfach gut kann, schob ich hinterher: „Stell dir mal vor, wir Frauen würden ständig von riesigen Penissen schwärmen (warum das in unserer patriarchalen Gesellschaft durchaus ein feministischer Akt ist, ist hier nachzulesen).

„Stellt euch vor, wenn wir das auch machen würden (was übrigens bei uns vollkommen okay wäre, weil ihr ja miese Schweine seid, die uns unterdrücken“.

Wie würdest du dich dann fühlen? Es ist respektlos, sein Gegenüber auf seine Genitalien zu reduzieren und so etwas ist typisch für eine männliche Konsumhaltung, die von der Pornoindustrie auch noch angefeuert wird. Körper sind nun mal unterschiedlich, Vaginas sind heilig und du solltest dankbar sein für jede, die du berühren durftest.“

Die heilige Vagina. Wahrscheinlich im Gegensatz zum dreckigen und verdorbenen Schwanz, der für die männliche und damit verwerfliche Konsumhaltung steht. Und die Ängste eines Mannes mit kleinen Penis vor Spott gibt es natürlich auch nicht.

Er lachte kurz. „Aber kleine Penisse kann man nur mit einer OP verändern. Frauen können trainieren. Mit Vaginalkegeln.“
„Mit was?“ Was zur Hölle sind Vaginalkegel? Irgendein lächerliches Sexspielzeug wie die Liebeskugeln in Fifty Shades of Grey? Meine Stacheln waren gestellt. Endlich also würde mir mein Freund zeigen, was für ein mieser Sexist er in Wirklichkeit war. Er hatte sich nur verstellt, all die Zeit.

Was für ein wunderbarer Satz:

  • Endlich also würde mir mein Freund zeigen, was für ein mieser Sexist er in Wirklichkeit war. Er hatte sich nur verstellt

Welch schöner Moment für eine radikale sexfeindliche Feministin. Sie hatte es ja eigentlich schon immer gewußt, ihr Freund ist auch nur ein Mann, also ein fieser dreckiger. Es muss ein wunderbarer Moment für sie gewesen sein. Wenn es so einfach ist, eine radikale Feministin glücklich zu machen, wer wollte dann nicht eine radikale Feministin zur Freundin?

Er erklärte es mir. Ich wurde furchtbar wütend. „Du findest also, Frauen sollten ihre Vaginas trainieren, nur damit es sich für dich besser anfühlt? Wie wäre es damit: wir verzichten einfach auf jede Art von penetrativem Sex, dann haben wir das Problem nicht.“ Nachzuvollziehen, dass dieses Gespräch nirgendwohin führte.

Auch hier hat sie Glück: Als sexfeindliche Feministin, die aber in einer Beziehung leben will, ist für sie penetrativer Sex wahrscheinlich eh immer eine halbe Vergewaltigung und höchst problematisch. Aber es ist eben auch ein Machtmittel. Mit dem angedrohten Entzug schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe.

Unerhört, wie kann er etwas vorschlagen, was die Vagina trainiert? Das kann ja dann nur ihm Spass machen, dem dreckigen Kerl, denn an etwas anderes können Männer eh nicht denken.

Stunden später konnte ich nicht einschlafen. Ich wollte eine Bestätigung dafür, dass diese Nummer mit dem Vaginaltraining ein zutiefst sexistischer Akt ist, ein neuer Weg, um dafür zu sorgen, dass wir uns in unseren Körpern unwohl fühlen, sie verbessern, aufwerten, fickbarer machen und ich war unfassbar verletzt, weil ich das Gefühl hatte, meinen Freund überhaupt nicht zu kennen. Wie hatte er all die Zeit vor mir verbergen können, was für ein misogynes Arschloch er war?

Das wäre für sie wahrscheinlich besser als jeder Sex gewesen: Sie hätte großes Drama machen können, die Welt wäre wieder klar in gut und Böse eingeteilt. Und selbst wenn sie ihm gnädig vergeben hätte, hätte er wunderbar lange Abbitte für diese unglaubliche Frechheit leisten müssen, dass er sie auf ihre Fickbarkeit reduziert. Hier hat er doch nun wirklich genug Persönlichkeit zum lieben!

Was ich dann las, brachte ein paar Risse in meine Welt. Die nichtinvasive, inzwischen als medizinische Behandlung anerkannte Vorgehensweise bei einem sich absenkenden Uterus sind Vaginalkonen, kleine Gewichte, die man sich einführt und dann damit die Muskulatur trainiert, die den Uterus stützt, auch Vaginalkegel genannt. Eine Operation, gerade in meinem Alter, ist nicht notwendig. Warum hat mir das meine Frauenärztin nicht gesagt? Warum weiß ich das nicht über meinen eigenen Körper? Warum muss mich mein Freund darüber aufklären und damit meiner berechtigten Kritik an seinen Vorstellungen einer engen Vagina jede Grundlage entziehen?

Also leider alles falsch: Er hatte Recht. Leider. Werden wir jetzt lesen, wie sie sich bei ihm entschuldigt und zugibt übertrieben zu haben?

Wissen ist Macht und die Vorenthaltung von Wissen ist Machtausübung. Frauen im Unklaren darüber zu lassen, wie ihr Körper eigentlich funktioniert, ist einer der Grundpfeiler des Patriarchats und wir wissen erschreckend wenig über Vaginas.

Auch großartig. Da klärt sie ein Mann auf. Und sie wirft erst einmal allen anderen Männern bzw dem Patriarchat vor, dass Frauen über ihren Körper im unklaren gelassen werden. Ihr Freund hat dieses Geheimwissen sicherlich auch aus einer hochgeheimen und passwortgeschützten Seite, die man nur mit Patriarchatsausweis (nur echt mit mindestens 21% mehr Lohn) betreten kann. Frauen wird dieses überaus geheime Wissen natürlich vorgehalten.

Das Patriarchat ist schon raffiniert.

Gibt es den G-Punkt? Warum kommen so viele Frauen beim heterosexuellen, penetrativen Sex nicht? Was soll das Theater um das Squirting? Gibt es vaginale und klitorale Orgasmen? Unsere Vaginas sind der letzte weiße Fleck auf der Landkarte und in der Tat überlassen wir es der Pornoindustrie uns mit ihren falschen Aussagen darüber aufzuklären, was wie funktioniert. Das ständige, vollinvasive Vorgehen der Gynäkologie ist Ausdruck männlicher Gewalt über Frauenkörper und wir müssen aus der Abwehr der Pornogesellschaft endlich einen positiven Umgang mit unseren Körpern und unserer Sexualität entwickeln, die als Alternative dazu dient. Das Wissen über unsere Körper ist Macht. Wir sollten uns diese Macht dringend aneignen. Es ist die eine Seite dieser Geschichte, dass unsere Körper ständig als irgendwas herzuhalten haben, Sexobjekt, Arbeitstier, Gebärmaschine. Die ständige Verbesserung, das nicht aufhörende Bodyshaming weiblicher Körper, das sich bei den „ausgeleierten“ Vaginas auch noch mit Slutshaming verbindet, ist abzulehnen und muss laut und deutlich kritisiert werden. Aber, wie Mira Sigel schon an anderer Stelle schrieb, die Kritik und die Verweigerung sind nur der erste Schritt. Wir sind trotzdem sexuelle Wesen und wir müssen uns unsere Körper und unsere Sexualität aneignen, zurückholen, Wissen sammeln und miteinander teilen. Ein abgesenkter Beckenboden macht uns Frauen im Alter inkontinent. Darüber reden wir nicht. Keine von uns. Wäre das ein Problem männlichen Alterns so wie Haarausfall, Prostatakrebs oder Erektionsstörungen, die Zeitungen, das Internet wären voll davon und wir alle wüssten darüber Bescheid.

Eine wunderbare Schuldzuweisung. Diese miese Gynäkologie, die natürlich nur Männer als Fachrichtung wählen dürfen (es gibt ja keine Frauen in dem Bereich). Warum hat eine solche Frau überhaupt einen männlichen Gynäkologen? Und was ist so schwer daran, sich über die Sexualität zu informieren auf anderen Seiten als Pornoseiten? Meine Vermutung: Wenn man alles sexuelle irgendwie abartig findet, weil es Unterdrückung der Frau ist, dann liest man eben auch nichts darüber.

Ich wurde auf Twitter auch darauf hingewiesen, dass der Beckenboden auch ansonsten wahrlich kein Geheimtipp ist:

Aber für sie anscheinend schon. Und daran sind die Männer und die Pornos schuld. Und irgendwie auch ihr Freund. Denn der wird auch ein Schwein sein. Sie muss es nur noch nachweisen können.