Die Verweigerung im Feminismus die Punkte wahrzunehmen, bei denen Männer schlechter dran sind als Frauen

Ein Artikel listet auf, welche Benachteiligungen von Männern im Feminismus gerne übersehen bzw geleugnet werden:

In a widely shared moment late last week, Sen. Kamala Harris asked Supreme Court nominee Brett Kavanaugh, “Can you think of any laws that give government the power to make decisions about the male body?”

The question was in the midst of Harris’ extensive grandstanding so Kavanaugh didn’t have an immediate answer. But there’s an obvious one: Selective Service.

Every American male 18-25 has to register with the Selective Service System, which maintains their information in the case of military conscription. If America is ever again in a war and needs to reinstate the draft, those male bodies will be the ones to go.

Had Kavanaugh thought of that answer, it would have exposed a hidden truth: Being female is amazing. Meanwhile, being a man does not seem like a good thing at all.

Even with the modern loss of niceties like men holding doors or offering seats for women, being a woman is still far easier and more pleasant than being a man.

It’s not just theoretical wars that men fight in if drafted. In Operation Enduring Freedom, the name for America’s ongoing engagement fighting global terrorism, 98 percent of the 2,346 military deaths as of April 2017 were men.

And it’s not just combat deaths. Men have a far higher rate of workplace death than women. The Bureau of Labor Statistics says men represent 92 percent of all workplace-related fatalities. The 10 industries with the most workplace-related deaths are almost entirely stocked with men: truck drivers, steel workers, refuse collectors, loggers, fishers. Men take the dangerous, hard, smelly jobs that most women wouldn’t consider.

Far less serious, but no less real, is the issue of discomfort. While moving homes this summer, we stayed with my in-laws in suburban Long Island. I’d drop my husband off at the Long Island Rail Road station, and he would join the throngs of men in suits in sweltering summer heat.

There were a few women, of course, luckily able to wear sleeveless dresses and bare legs more appropriate for the weather, but the vast majority of sad faces on that early morning platform were men’s. These men often leave before the sun rises and come back after it has set. The nearby beach, later those same weekdays, would overwhelmingly be populated by women.

In fact, men in America commute 23 percent longer each day than women. A 2016 tongue-in-cheek piece by American Enterprise Institute scholar Mark Perry highlights this fact and proposes instituting an “Equal Commute Day” to close the “gender commute time gap.”

Men are more likely to be homeless, too. The US Department of Housing and Urban Development’s latest report finds men making up 61 percent of the homeless population.

But somehow women are still hardest hit by this. Professor Erin Dej, a criminologist at Wilfrid Laurier University in Ontario, Canada, spent nearly 300 hours studying homeless men only to conclude they still practice “hegemonic masculinity.” At PJ Media, Toni Airaksinen notes how Dej “ridicules these men for everything from reinforcing gender stereotypes, to refusing to show emotion, to talking about how their ex-wives stole money from them.”

Again, these are men living on the street who are not sufficiently woke about the plight of women, presumably women who have homes.

In a piece for The New York Times last year about how Republican men are the only ones who think being a woman is easier than being a man, writer Claire Cain Miller notes that for women, “It’s catcalls on the street, disrespect at work and unbalanced responsibilities at home.”

For men, it’s far more dire. Men naturally die younger, more men are in prison than women, fewer men go to college, far more men commit suicide. No one ever asks men what they plan to do after the baby is born because the answer is always to continue working. On a sinking ship, men are the last ones off. Sexism is a real problem, but it doesn’t trump every other problem.

Being a woman isn’t easy, but that’s because being a human isn’t easy. When compared to men, though, women have it made. We may not run the world but that’s mostly because we don’t want to. Feminism tells women to strive to be just like men. Smart women should respond: “No, thanks.”

Viel altes dabei, aber immer wieder gut solche Aufstellungen zu lesen und parat zu haben.

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Hajo Schumacher: Die flächendeckende Abwertung der Männer geht mir gegen den Strich

Im Spiegel schreibt, wie Arne auch schon berichtete, Hajo Schumacher etwas über die gegenwärtige Abwertung von Männern:

Nennt mich „Pussi“, „Weichei“ oder „Spaßbremse“, aber mir geht die flächendeckende Abwertung des Mannes gehörig gegen den Strich. Gleichstellung heißt doch nicht, das Kanonenrohr einfach umzudrehen. Frauen beharren zu Recht darauf, abwertende Sprache zu identifizieren und gegebenenfalls zu korrigieren. Gilt aber auch umgekehrt.

Sollte man meinen und denken denke ich die allermeisten so. Aber im intersektionalen Feminismus gibt es ja keine Diskriminierung des Feindes und ihn anzugreifen ist quasi legitime Selbstverteidigung. Oder es wird als „Spiegel vorhalten“ deklariert: Da seht ihr mal wie es uns jeden Tag geht, es ist gut, dass ihr das auch mal erlebt.

Unsere Kinder lernen schon in der Kita, dass es rassistisch sei, wenn man Gruppen Merkmale zuordnet: Schweizer stinken nach Knoblauch, Amerikaner bauen tolle Armbanduhren, Türken sind dick und wählen Idioten. Wir achtsamen Menschen wissen, dass derlei Gruppenurteile fast zwangsläufig im Alltagsrassismus enden. Respekt ist ein universeller Wert, unabhängig von Herkunft, Rasse, Geschlecht, Alter.

Das man im Feminismus eine  ungerechtfertige Ausnahme von dem, was eigentlich eine selbstverständliche Regel des Zusammenlebens in einer zivilisierten Gesellschaft sein sollte macht, ohne dies wirklich zu begründen (abseits dubioser „alle Männer/Weiße/heterosexuelle/ haben Macht), ist in der Tat eine der Punkte, die man gar nicht oft genug herausstellen kann.

Nur bei einer Gruppe sehen wir über die Grundregeln guten Miteinanders hinweg: bei Männern, bevorzugt weißen Männer. Seit Trump ist das kollektive „die Männer“ gesellschaftsfähig als Chiffre für „das Böse“. Diskriminierungsregeln gelten nicht. So gleitet eine komplexe Geschlechterdebatte in die billige Polarisierung.

Nicht erst seit Trump. Aber Trump als ein „Antimodell“ dessen, was die intersektionalen Feministen gerne gehabt hätten, hat diesen Trend sicherlich begünstigt. Aber die intersektionalen Theorien an sich, mit ihrer starren Einteilung in Privilegierte und Marginalisierte nach Gruppen in den jeweiligen Kategorien wie Rasse, Geschlecht etc haben dazu noch weit mehr beigetragen und haben vielleicht eher als Trump sie auch Trump begünstigt. Denn ist sorgen dafür, dass linke Politik letztendlich auch häufig auf diese Merkmale abstellt und damit fast zwangsläufig die Mehrheit der Wähler zu ihrem Feind erklärt.

Zugleich fallen womöglich gerade bei den Einsamen und Frustrierten letzte Hemmungen, tatsächlich eine toxische Männlichkeit zu leben, schon aus Trotz gegen Abwerten und Verächtlichmachen.

Ja, das ist ein Effekt, der auch dazu kommt: Wer wegen seines Seins, also als Mann oder als Weißer oder als Heterosexueller angegriffen wird, der wird sein Sein verteidigen. Der wird sich ungerecht behandelt fühlen. Der wird, wenn er meint, dass andere zu seinen Lasten bevorzugt werden, eben auch schnell diese dafür verantwortlich machen. Und wenn eh schon normales Verhalten stark verurteilt wird, dann kommt es zum einen schnell zu einem Gegensteuern und zum anderen dazu, dass auch Kritik an stärkeren Verhalten als ungerechtfertigt empfunden wird.

Es ist verführerisch auf die Abwertung von weißen Männern hin anzuführen, was diese alles Gutes gemacht haben und was andere schlechtes gemacht haben, um hervorzugeben, dass die Kritik ungerecht ist.

Nach dem Wahlsieg Donald Trumps reiste der Unternehmer und Blogger Sam Altman durch die USA, um Stimmen von Trump-Wählern zu sammeln. Eine ständig wiederholte Forderung dieser Männer lautete: „Hört auf, euch über uns lustig zu machen, hört auf, uns Idioten zu nenne, hört uns zu.“ Verhöhnte Männer driften auch nach rechts, weil sie kein anderes gesellschaftliches Zuhause finden.

Das ist dann eben auch nur wieder toxische Männlichkeit aus der Sicht der Intersektionalen, aber aus anderer Sicht eben eine ganz normale Reaktion: Wenn alle einen abwerten, dann hält man sich an die, die das nicht machen.

 

Ähnliches berichtet die SPD-Politikerin Petra Köpping aus Sachsen, die etwas Unerhörtes tat – sie ließ Männer reden. Köpping traf Arbeiter, Ingenieure, Führungskräfte, Verwaltungsfachleute. Viele empfanden das Leben nach dem Mauerfall nicht als Glück, sondern als Erniedrigung, als Abstieg, als Entmännlichung. Dieses Empfinden kann man mit großstädtischem Hochmut belächeln oder aber als sozialemotionalen Sprengstoff betrachten.

In der Tat werden solche Leute, die ja erst einmal nicht schlechtes gemacht haben, aber dann plötzlich durch politische Umstürze die Grundlagen ihres Leben verlieren, wenig empfänglich für Theorien sein, nach denen es gut ist, dass sie endlich ihre Privilegien verlieren, weil sie ja auch nur weiße Männer sind. Sie werden sich nicht als Ausbeuter von Schwarzen sehen, schon weil es ja kaum welche gibt,  wo sie leben. Sie werden sich eher selbst als marginalisiert wahrnehmen, als Verlierer eines Prozesses, bei denen „die Mächtigen“ sie und ihre Probleme mißachten und sich lieber damit schmücken Fremde zu fördern, die sich dann – aus deren Sicht – auch noch schlecht benehmen.

Was würden Feministinnen sagen, wenn Frauen eine um fünf Jahre geringere Lebenserwartung hätten, aber eine mehr als dreimal so hohe Selbstmordrate wie Männer? Das Land würde beben und nach Auswegen suchen, und zwar zu Recht.

Das Feministinnen das so einfach unter den Tisch fallen lassen oder eben schlicht den „Nachteilen des Patriarchats“ zuordnen ist schon erstaunlich. Aber in ihrem binären System ist eben nur Platz für einen Unterdrückten in der Kategorie Geschlecht. Und der Mann ist schon der Unterdrücker.

Es geht nicht um Kleinreden oder Aufrechnen, sondern um Aufmerksamkeit, sobald „der Mann“ reflexhaft zum Täter erklärt wird. Der promovierte Islamwissenschaftler Alexander Will, Nachrichtenchef der Oldenburger Nordwestzeitung, schrieb nach der Bundestagswahl 2017: „Es gibt Tage, an denen möchte man […] sich den Unflat von der Haut schrubben. Wir Ostdeutsche sind zum Buhmann des Juste Milieu […] geworden. Auf uns – das ist Konsens – kann man einprügeln, ohne ernsthaft Widerspruch erwarten zu müssen.“

Wie leicht es ist Ostdeutsche als marginalisierte Minderheit, unterdrückt durch Wessis darzustellen hatte ich ja schon in einem Artikel geschildert. 

Was war passiert? Ein offenbar mathematikunkundiger Reporter hatte ermittelt, dass das gute Ergebnis der AfD bei der Bundestagswahl vor allem ostdeutschen Männern zuzuschreiben sei. „Ost-Mann = versoffener Neonazi“, das passte in die Reihe von Trottel, Grabscher, Gröhler, Psychopath. Der oft originelle Jan Böhmermann hatte stumpf eingestimmt und sprach von „spektakulär ignoranten Asozialen“. Eine Anmaßung, wenn man bedenkt, wie viele dieser Ost-Männer in der ersten Hälfte ihres Lebens versuchten, Familie und Staatsmacht, Integrität, Angst und Würde zu vereinbaren.

Auch hier wird eben lieber Virtue Signalling betrieben als sich darüber Gedanken zu machen, was das auslösen kann. Das Feindbild zeichnet sich zu einfach. Schon weil die Ostdeutschen eben weiß sind, es Männern angelastet wird und ihnen Rassismus vorgeworfen werden kann. Dass diese Vorwürfe das Problem eher verschärfen könnten ist egal, die Botschaft des eifrigen Bekämpfers der Nazis ist weitaus wichtiger. Und damit auch das Hochhalten des Feindbildes. Um so mehr Feind, um so wichtiger der Kampf und damit die eigene Arbeit.

„How Male Bashing is Killing Our Sons“ heißt ein Beitrag im Blog der amerikanischen Mutter Melissa Edgington, die sich fragt, ob es lustig sei, Männer mit einem guten Wein zu vergleichen – damit er genießbar werde, müsse man erst einmal ordentlich zutreten und ihn zerstampfen. Nein, nicht komisch. „Wir fügen unseren Söhnen und Männern Schmerzen zu“, erklärt die gläubige Melissa etwas melodramatisch, aber im Kern zutreffend.

Es geht für mich weniger um einzelne Witze als die Art, wie sie angebracht werden. Es ist kein freundliches Geplänkel, sondern zu oft ist schlicht Männerhass dahinter, wenn Feministinnen oder Feministen sich über Männer oder Weiße aufregen. Und es wird als um so unwitziger wahrgenommen, wenn dann gut erkennbarer Hass noch verteidigt wird – als richtig und wichtig, weil man eben dem Mann so einen Spiegel vorhält oder eben weil die Gruppe Mann die Macht hat.

Warum haben wir denn mühsam die Abwertungsorgien der vergangenen Jahrzehnte bekämpft, all die Polen-, Türken-, Ossi-, Blondinenwitze? Wenn wir aber Geschlechterscherze auf Kosten von Frauen oder Homosexuellen überholt finden – warum dann kollektives Gewieher über Plattheiten wie die der Unterhalterin Carolin Kebekus, die sich sich in Barth-hafter Künstlichkeit über fußballschauende Männer „mit behaarten Bierbäuchen“ mopst, die „sich gegenseitig an der Kimme riechen“. Brüller. Wie soll gesellschaftlicher Fortschritt funktionieren, wenn ausgerechnet Comedy-Frauen den konservativsten Part in der Geschlechterdebatte übernehmen?

Es ist eine Verletzung des Gerechtigkeitsgefühlt, wenn eine Gruppe einseitig für Abwertungen freigegeben wird und bei anderen bereits Kleinigkeiten für einen großen Aufruhr sorgen. Dazu kommt, dass politisch korrekter Humor selten witzig ist, die Abwertungen haben meist keine gute Pointe, sind keine Vorhaltung von Eigenarten, sondern leider eher oft der Versuch zu erziehen.

Gegenseitiger Respekt ist alternativlos, auch bei kleineren Angelegenheiten, dem Penis zum Beispiel. In einem ihrer hellsichtigeren Texte hat die Feministin und Spon-Kolumnistin Margarete Stokowski angenehm unironisch das Ende der Pimmelwitze gefordert. Interessanter Ansatz. Während die Menstruation als Universalerklärung für weibliches Verhalten zu Recht geächtet ist, verzeichnet das männliche Geschlechtsorgan derzeit eine mediale Dauererektion.

Ist aber dann inzwischen schon wieder out, da transfeindlich. Denn ein Penis ist eben nichts weibliches.

Die Atombomben-Fetischisten Donald Trump und Kim Jong Un dürften Väter aller Neo-Schwanzvergleiche sein. Die Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling schlug einem Internet-Troll auf Twitter eine Penisvergrößerung vor. Der beliebteste Kommentar unter einem Beitrag über die weltweit erste Penis-Transplantation drehte sich um Porsche-Fahrer. Nur mal so gefragt: Wäre irgendwer auf die Idee gekommen, Konflikte beim Brexit mit einem Körbchenvergleich von Angela Merkel und Theresa May zu illustrieren?

Der Penisvergleich steht ja letztendlich dafür, dass Männer sich eher messen, eher einen Kampf darüber austragen, wer der bessere ist, während Frauen das eher nicht machen. Das wird aber nur im negativen anerkannt, im positiven hat es natürlich auch Nebenfolgen wie den Umstand, dass Männer deswegen auch eher an Karriere und Aufstieg interessiert sind und mehr dafür machen, sich eher einer Konkurrenz stellen etc. Da hingegen wird es nicht anerkannt. Der Unterschied ist bekannt, weswegen es einen Schwanzvergleich, aber keinen Körbchenvergleich gibt.

Es ist völlig gleichgültig, wer anhand körperlicher Merkmale verspottet wird – stets werden alte Rollenbilder wiederholt. Die Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing, Feministin durch und durch, befand 2001, dass das sinnlose Abwerten des Männlichen so sehr Teil unserer Kultur geworden sei, dass es kaum noch auffiele. Stimmt. „Sechs globale Herausforderungen, eine Lösung: Frauen“, so lautete das Motto des Weltwirtschaftsforums 2011. Putzig auch die Glas Cliff Theory, derzufolge Frauen ranmüssen, weil die Jungs mal wieder alles verbockt haben. Wer genau rettet uns demnächst: Sahra Wagenkecht? Alice Weidel?

Die Lösung „Frau“ oder „Diversität“ erscheint in der Tat vielen als Allheilmittel. Nur weniger weiße Männer, dann muss es doch besser werden. Denn Männer selbst haben keinen Anteil an erzielten Erfolgen, sie verdanken sie nur ihren Privilegien, dem Umstand, dass sie eher an eine bestimmte Stelle gesetzt werden.

Dass das dann im Endeffekt nicht stimmt, dass Frauen weitaus häufiger die Positionen hoch oben gar nicht wollen, weil sie mit sehr viel Arbeit und Stress verbunden sind und die Frauen, die es wollen, dann häufig auch nicht anders agieren als Männer, kommt dabei nicht zur Sprache. Frau/sonstige anerkannte Minderheit an sich bringt Fortschritt. Oft wird, wie gerade in diversen Filmen, darüber vergessen, dass es gar nicht so einfach ist und man dennoch eine vernünftige Rolle schreiben muss.

Männer und Frauen sind in etwa so gegensätzlich wie ein gelbes und ein grünes T-Shirt. Es gibt nicht den einen großen Geschlechterunterschied, sondern viele Unterschiede zwischen Menschen, zwischen Einwanderern und Ureinwohnern, Städtern und Landbewohnern, Jüngeren mit Jahresverträgen und Alten mit Lebenszeitjobs. Werden Frauen immer und überall schlechter bezahlt? Nein, in den USA verdienen Frauen in Führungspositionen deutlich mehr als Männer. Frauen können keine Seilschaften? Von wegen. In Norwegen ist das Netzwerk der „Goldröcke“ gefürchtet, das sich infolge einer konsequenten Quotenpolitik gebildet und in Unternehmen breitgemacht hat, wie es angeblich nur Männer vermögen. Nein, keine Spitze zu Asia Argento.

Das Bild der in einem Bereich ausschließlich priviligierten Gruppe, der eine andere ausschließlich marginalisierte Gruppe gegenüber steht, ist eben schlicht falsch. Es ist eine äußerst simple Betrachtung, die bei so heterogenen Gruppen und so unterschiedlichen Aufteilungen von Vorlieben und Arbeitsbereichen und Unterschieden in den Fähigkeitsausprägungen sowohl im Schnitt der Gruppe als auch zwischen Individuen schlicht nicht mit der Wirklichkeit in Einklang zu bringen ist. .

Die Probleme der Zukunft lösen nicht Männer oder Frauen, sondern gute Frauen und gute Männer gemeinsam gegen die anderen.

Und leider haben sich die Feministen davon verabschiedet zu den Guten zu gehören.

Faule Frauen. Ein Interview mit dem Missy Magazine

Aus dem Text zum Video:

„Wir haben genug vom Diktat der Verwertbarkeit. Frauen müssen Karriere machen. Frauen müssen Kinder kriegen. Frauen müssen eine gute Figur machen. Darauf scheißen wir und hängen lieber ab!“ Von dieser Verweigerungshaltung kündet der Flyer für die Faule Frauen-Tour, die die Redakteurinnen des Missy Magazines im November veranstaltet haben. Wir haben den Freiburg-Stopp genutzt und uns mit Katrin Gottschalk, Stefanie Lohaus und Hengameh Yaghoobifarah über ihre Vorstellungen von der faulen Frau unterhalten. Denn das politische Potenzial, das in der Verweigerung von Arbeitsmoral, Karriere und Kinderkriegen liegen kann, ist eben auch ein feministisches, das Frauen für sich nutzen können. Wo zwischen politisch-kritischem Anspruch und dem Stigma der faulen Frau die eigentliche Faulheit bleibt? Lehnen Sie sich zurück und lassen Sie sich berieseln!

Ich vermute der Gender Pay Gap und nicht genug Frauen in Führungspositionen ist dennoch ungerecht.

„Männerhassender Feminismus ist kein Feminismus“

In Diskussionen mit weniger radikalen Feministinnen kommt immer wieder das Argument, dass die männerhassenden Feministinnen eben keine Feministinnen seien.

Also ein klassischer „no true Scotsmen

Natürlich ist es löblich, wenn deutlich gemacht wird, dass der eigene Feminismus nicht dafür steht. Aber diese Haltung bringt viele Probleme mit sich:

  • sie verleugnet die tiefgreifenden Probleme im Feminismus und die Verbreitung des Männerhasses dort
  • sie verkennt, dass der Männerhass eben gerade nicht ein Einzelfall ist, sondern üblicherweise das Produkt einer Betrachtung des Verhältnisses der Geschlechter als Nullsummenspiel, bei dem Männer die Macht haben und sie Frauen daher vorenthalten, und daher natürlich die Bösen und damit hassenswert sind.
  • sie verkennt auch die daraus folgende tiefe Verwurzelung in vielen Feministischen Theorien, gerade den vorherrschenden intersektionalen Feminismus, in dem alle potenziellen Diskriminierungsmerkmale wie Rasse, Geschlecht sexuelle Identität in Personen mit Macht und solche ohne Macht eingeteilt wird wobei die Personen mit Macht den anderen etwas wegnehmen und Privilegiert sind und damit geradezu zu Hass, mitunter verkleidet als „Wir hassen nicht euch, sondern nur, dass ihr als Gruppe einfach absolut böse seid, das auch nicht wirklich ablegen könnt und beständig diesen Fluch entgegensteuern und euch entschuldigen müsst, damit wir euch nicht hassen“

Letztendlich wird Leuten, die einen besseren Feminismus wollen nichts übrig bleiben als sich diese Probleme einzugestehen und ihnen massiv entgegen zu arbeiten statt sie zu leugnen

Mira Sigel: Warum ich Feministin bin

Mira Sigel, die auch bei den Störenfridas schreibt, schildert, warum sie Feministin geworden ist:

Manchmal fragen mich Männer, die ich von früher kenne, warum ich Feministin bin. „Ist doch klar, dass der Kapitalismus an der Unterdrückung der Frau schuld ist“, sagen dann die, mit denen ich früher in verrauchten Keller zusammen saß und über die Weltrevolution diskutierte, mir auf Demos die Stimme heiser brüllte, die Fingerspitzen blau von der Farbe auf unseren Flugblättern und das Herz voll Leidenschaft für die Rettung der Welt.

„Wenn der Widerspruch in den Produktionsverhältnissen überwunden ist, dann endet auch die Unterdrückung der Frau.“ Das sagen sie und lächeln, ganz so, als sei es fast schon traurig, mir nach all den Jahren noch immer oder schon wieder das Offensichtlichste erklären zu müssen, ein wenig nachsichtig, denn ich bin ja eine Frau und außerdem habe ich Kinder und bin eigentlich schon lange ein wenig bürgerlich und ich sehe sie an, diese nicht mehr ganz jungen Männer, von denen ich die meisten schon früher ziemlich dämlich und langweilig fand und die heute noch viel langweiliger sind und in mir steigt Wut auf.

Also die Unterdrückung der Frau als Nebenwiderspruch des Kapitalismus. Gibt es auch andersrum: Der Kaptialismus als Nebenwiderspruch des Feminismus (weil er männlich ist und man die Herrschaft der Männer besiegen muss, dann fällt der Kapitalismus weg). Ist aber natürlich beides falsch.

Ich finde es witzig, weil sie im Prinzip genauso geworden ist, wie die, die sie oben kritisiert, nur, dass ihre Ideologie eben eine andere ist. Und sie würde eben auch die Augen rollen und den anderen für blöd halten, wenn er ihre Wahrheiten, also die Unterdrückung der Frau nicht teilt.

 

Ich erinnere mich an jene Zeit, in den Kellern, auf den Demos. Ich erinnere mich daran, dass es immer die Männer waren, die sprachen, laut, mit dröhnender Stimme, die uns in endlosen Monologen darzulegen versuchten, wie sehr sie den Durchblick hatten, jeder von ihnen mindestens ein neuer Rudi Dutschke oder gleich Che Guevara.

Von uns Frauen, von uns ganz jungen Frauen, sprach nur selten eine. Wir waren nur Zierde, wir durften nur dabei sein, um zu bewundern und um Kuchen zu backen. Sprach eine von uns, so musste sie damit rechnen, von den Männern, den alten und den jungen, regelrecht auseinander genommen zu werden. Zu viel Gefühl, zu wenig revolutionäre Attitüde.

Wir Frauen, wir bringen es einfach nicht. Hormone, PMS und all das. All das schwang immer mit, wenn sie sich diese männerbündischen Blicke zuwarfen, mit spöttisch zuckenden Mundwinkeln. Die wenigsten unter uns ertrugen das, die meisten liefen rot an, begannen zu stottern und sagten nie wieder etwas. Das Diskutieren überließen wir lieber wieder den Männern.

Meine Vermutung wäre, dass ein Teil der Unterdrückung auch ihrem Frame geschuldet ist. Denn tatsächlich könnte es schlicht eine Gleichbehandlung gewesen sein, bei der jeder, der etwas sagte, was nicht der wahren Lehre entsprach auseinandergenommen worden ist. Nur das Männer üblicherweise mehr Spass an solchen harten Diskussionen haben.

Dann gab es die Wochenenden, die „Teach-Ins“, in denen wir „Das Kapital“ lasen und viel tranken und rauchten und wenn es dunkel und spät wurde, dann teilten die Männer die Frauen unter sich auf, denn Eifersucht und so, ey, das ist voll bürgerliches Besitzdenken, das müssen doch auch wir verstehen.

Am nächsten Morgen saßen sie dann zusammen, die Männer, und belobten einander für ihre Eroberungen, ihre Verachtung und ihr Sexismus gegenüber den Frauen, mit denen sie die Nacht verbrachten, kaum verhohlen, und wenn die Frauen dann dazu kamen, dann schwankten sie zwischen Scham und Trotz, doch die meisten gingen mit geknickter Würde und zerstörtem Ruf, denn noch bevor der Fairtrade gehandelte Kaffee in den Bechern kalt wurde, wusste jeder der anwesenden Männer, ob sie rasiert war und ob sie es auch anal gemacht hatte.

Den linken Ansatz, dass man auch bei Sexualpartnern kein Besitzdenken haben sollte und die Frauen daher Sex mit jedem, jedenfalls aber mit einem selbst haben sollten, erinnert mich immer etwas an Gurus oder Anführer einer Sekte, die auch gerne feststellen, dass Sex mit ihnen der wahre Weg zur Befreiung ist.

Meines Wissens nach hat es dann aber häufig nicht geklappt, weil die Frauen eben allenfalls lieber mit bestimmten Männern schlafen wollten, aber keineswegs mit allen.

Ihre Schilderungen werfen eigentlich eher ein schlechtes Licht auf die Frauen, denn es hat sie ja niemand gezwungen in dieser linken Gruppe zu bleiben und sich von den dortigen Männern aufteilen zu lassen. Sie hätten auch einfach gehen können und sich andere Männer suchen können.

Schon damals war ich wütend. Ich wusste es nur noch nicht. Als gute Antikapitalistin verriet ich meine Genossen nicht. Ich war ihnen zu Diensten, stellte ihnen meine Vagina zur Verfügung, damit sie an und in mir ruhen und rasten konnten nach dem erschöpfenden Kampf gegen Nazis, die imperialistische Weltverschwörung und all die Bösen da draußen, ich organisierte und backte, vor allem aber schwieg ich.

Sie war also nicht die hellste oder eben den passenden Geschichten auf dem Leim gegangen und man darf vermuten, dass die Männer das zwar gerne angenommen haben, sie aber nicht unbedingt der Favorit war. Jedenfalls klingt es so als habe man sie benutzt und sich nicht weiter mit ihr beschäftigt

(…)

Geschlechterrollen wurden in linken Kreisen höchstens pro forma in Frage gestellt, für einen echten Wandel traten nur die wenigsten ein und so blieb und bleibt auch unter linken (und damit auch grünen) Idealisten alles, wie es seit Jahrtausenden ist. Als der Mann begann, das Vieh zu züchten, als er Land für sich beanspruchte und begann, Kriege gegen andere Männer zu führen, da begann er auch, seine Frau zu unterwerfen, für seine Nachkommen zu benutzen, für sein Vergnügen.

Oh das dürfte weit vorher auch bereits geschehen sein. Denn auch zur Zeit der Jäger und Sammler gab es ja genug Kampf und Krieg und vermutlich auch Frauen als Beute und natürlich waren auch dort schon die Männer stärker und konnten Frauen unterwerfen, wenn ihnen danach war.

Aber viel häufiger wird es zu allen Zeiten auch viel Miteinander gegeben haben zwischen den Geschlechtern. Könige mögen ihre Harems gehabt haben, aber der einfachste Mann war wahrscheinlich eher ein Team mit seiner Frau, mit der er sich und seine Kinder über den Tag bringen musste.

Frauen wurden zum Unterpfand, die ersten Sklaven waren Frauen, aus Sklaven wurden Prostituierte. Ganz gleich welche Art von Reformierung, Liberalisierung, Aufklärung, Transformation und Erneuerung die Welt seither erlebt hat, der Frauenhass hat sie alle überlebt. Es gibt keine Utopie, in der sich die Misogynie nicht findet.

Frauen waren gewiss beliebte Sklaven. Und Sklavenhaltung dürfte sich auch in der Tat noch viel mehr gelohnt haben als man sesshaft geworden war, weil man dann eher den Essensüberschuß produzieren konnte, der Sklaveneinsatz lohnenswert macht. Aber Männer werden genauso Sklaven geworden sein, dann eben in Bergwerken oder bei anderen unangenehmen arbeiten oder sie wurden eben getötet.

Sie ist so selbstverständlich, so tief verwurzelt in unserer Gesellschaft, in unseren Beziehungen, in uns selbst, dass es bereits unendliche Kraft kostet, sie zu erkennen. Frauen werden vergewaltigt, als Kinder verheiratet, verstümmelt, erniedrigt, ermordet, geschlagen, geschwängert, zur Abtreibung gezwungen, zur Schwangerschaft gezwungen, geschlagen, betatscht, gestalkt, beschimpft, schlechter bezahlt, ausgegrenzt und diskriminiert – immer durch Männer.

Oh, auch reiche Frauen hatten Slaven, hielten Sklaven, ließen sie auf jede Art und Weise, auch als Prostituierte arbetien etc. Und einem männlichen Arbeitssklaven ging es auch nicht gerade rosig.

Aber das wichtigste wäre: Das hat nichts mit der Gegenwart zu tun.

Der Frauenhass hat so viele Gesichter, er begegnet uns in so mannigfaltiger Form, dass er allein durch seine Vielfalt und seine Omnipräsenz in der Selbstverständlichkeit unsichtbar zu bleiben vermag, dabei ist er überall, sogar in uns drin, zeigt sich in unserem Selbsthass auf unsere Körper und in unserem mangelnden Vertrauen in unsere Fähigkeiten.

Auch eine interessante Überleitung: Von der Sklavenhaltung ausgehend die Feststellung des allgemeinen Frauenhasses überall in der anscheinend heutigen Gesellschaft. Wo soll da der Zusammenhang sein?

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