„Mit Männern zu schlafen macht mich nicht zu einer schlechteren Feministin“

Vielleicht als Antwort auf diesen Artikel von Nadine Lantzsch bei der Mädchenmannschaft oder auf ähnliche stellt eine Autorin der Störenfridas klar, dass es okay für eine Feministin ist mit einem Mann zu schlafen.

Die Störenfridas kommen eben aus einer ganz anderen Richtung, sie sind weniger intersektional, sondern eher dem „Alten Feminismus“ zugetan, bei dem der zwar Männer der Feind sind, aber eben auf eine andere Art.

Interessanterweise führt man hier anscheinend die Biologie der sexuellen Anziehung an:

Sexuelle Orientierung ist keine freie Entscheidung. “I was born this way” von Lady Gaga funktioniert in beide Richtungen. Wen wir begehren, ist keine Frage bewusster Wahl, sondern inhärent in uns angelegt.

Das würde für Lantzschi wohl schon Hochverrat sein, denn dort ist natürlich auch die Sexualität wählbar und die richtige Entscheidung ist, dass man als Frau mit Frauen schläft. Weil Unterdrückung in der Heterosexualität.

Sexualität wird durch viele Faktoren geprägt und wer anfängt, Menschen für das, was sie lieben oder wollen zu attackieren, der begibt sich auf ganz dünnes Eis. So wie lesbische Frauen nicht für ihre Vorlieben angegriffen werden wollen, so gilt das andersherum auch für heterosexuelle Frauen. Auf Männer zu stehen, setzt weder meine intellektuellen Fähigkeiten in der Analyse struktureller Unterdrückung herab, noch führt Sex mit Männern dazu, dass ich auf wundersame Weise durch ihr Sperma fremdgesteuert werde. Verstand und Kritik existieren unabhängig von unserem Begehren, sonst wären wir ja alle nur triebgelenkte Wesen, dem eigenen Verlangen hilflos ausgeliefert. Mit Männern zu schlafen oder Beziehungen mit ihnen zu führen, macht uns nicht zu Unterstützerinnen unser eigenen Unterdrückung. Im Gegenteil: Zu schlafen und zu lieben, wen man möchte, ist Teil unserer individuellen Freiheit und der Freiheit von uns Frauen als Klasse. Wir treten an, um genau dafür zu kämpfen: Freiheit. Liebe zehn Männer oder nur einen, liebe Frauen und Männer, liebe Frauen, aber lass dir nicht von irgendwelchen äußeren Normen hineinreden. Das gilt für die bürgerliche Moral ebenso wie für feministische Strukturen.

Das ist ja durchaus mal eine positive Einstellung, man kann ihr da durchaus zustimmen. Jeder hat die sexuelle Orientierung, die er eben hat, und sexuelle Orientierung an sich hat schlicht nichts mit Unterdrückung zu tun.

Aber ganz ohne Tücken ist es eben auch für sie nicht:

Being heterosexual and a feminist sucks

Ja, das stimmt. Es ist anstrengend, Feministin zu sein und heterosexuell. So ziemlich 100 Prozent der Männer, auf die frau trifft, stehen auf Pornos. Viele waren schon mal im Puff. Die meisten haben auf irgendeine Weise irgendein sexistisches Verhalten verinnerlicht und legen es auch an den Tag. Einen zu finden, mit dem man in die Auseinandersetzung zu seinem Verhalten gehen kann, ist schwer.

Bei der Mädchenmannschaft wurde das Problem so formuliert:

klar, wer möchte schon zugeben, dass er_sie im herzen dabei ist (literally), welche körper und identitäten als begehrenswert vorgestellt und hergestellt werden oder welche menschen objekte deines creepy fetischs sind?! wer möchte schon gerne zugeben, sich berechtigterweise über typen von mansplainer bis mörder und vergewaltiger und die normalität von patriarchalen gewalt/verhältnissen aufzuregen, aber kein problem damit zu haben typen in unserem leben raum zu geben und ihre existenz in unserem leben mit kackscheiße als feministisch zu verteidigen. aber die rechtfertigung „ich bin halt so“??? wow, stell dir vor, du bist so ignorant, dass deine kognitive dissonanz dir nix anhaben kann.+

und wo es bei dem intersektionalen Feminismus gleich hart zur Sache geht, mit mansplainern, Mördern und Vergewaltiger, sind es bei den Störenfridas Pornos und Prostituierte, die ein großes Problem darstellen. Und sexistische Verhaltensweisen, die man verinnerlicht hat.

Das wäre dann im Vergleich eine fast schon positive Einstellung. Wir erinnern uns an einen anderen Artikel bei den Störenfridas einer“ Gastautorin“, die damals das gefühl hatte, ihren Freund fast überführt zu haben:

Er lachte kurz. „Aber kleine Penisse kann man nur mit einer OP verändern. Frauen können trainieren. Mit Vaginalkegeln.“
„Mit was?“ Was zur Hölle sind Vaginalkegel? Irgendein lächerliches Sexspielzeug wie die Liebeskugeln in Fifty Shades of Grey? Meine Stacheln waren gestellt. Endlich also würde mir mein Freund zeigen, was für ein mieser Sexist er in Wirklichkeit war. Er hatte sich nur verstellt, all die Zeit.

Leider hatte sich das dann nicht bewahrheitet, schade.

Es wird aber auch noch romantischer:

Und trotzdem: Niemand kann etwas daran ändern, warum der Geruch des Einen eben Herzklopfen auslöst, während Händchenhalten mit einer Frau einfach nur eine freundschaftliche Geste ist. Die Absage an die Heterosexualität, die Verweigerung, ist keine Lösung, sie ist eine weitere Beschränkung von Frauen, die zu akzeptieren ich nicht bereit bin.

„Eine weitere Beschränkung von Frauen“ ist in den Gedanken einer Feministin wahrscheinlich die beste Verteidigung: Wenn ich mir selbst die Heterosexualität vorenthalten muss, weil Männer scheiße sind, dann ist das eine Benachteiligung der Frau, und das darf es nicht geben, also darf ich Heterosexuell sein“

Mal ganz davon abgesehen: Ich ziehe einen Sohn groß. Wäre ich nicht davon überzeugt, dass aus ihm mal ein “Guter” wird, wie sollte ich dann seine Mutter sein?

Oh weh, ein Sohn, dann wollen wir mal hoffen, dass er sie nicht enttäuscht und deutlicher „umerzogen“ werden muss. Gut, Prostituierte und Pornos sind glücklicherweise ja im jungen Alter noch kein so großes Thema und auch ansonsten würde man ja seine Pornovorlieben nicht seiner Mutter mitteilen. Würde mich aber interessieren, was sie macht, wenn sie feststellt, dass er mit 14 Jahren dann zB gerne Pornos schaut

In einem patriarchalen System wird eine Beziehung zu einem Mann immer aus Kompromissen bestehen. Doch die Alternative “politisches Lesbentum” ist nicht so einfach, wie das gerne hingestellt wird.

In der Tat – eben weil die Partnerschaftskriterien und damit auch die Vorliebe für Männer oder Frauen biologisch bereits fest verdrahtet worden ist und durch sexuelle Selektion entstanden sein dürfte. Was bereits viele, viele feministische Theorien arge Probleme machen würde.

Ich kenne die reflexhaften Antworten, die auf meine Argumente folgen. Dass ich mir das mit den Männern schönrede, weil ich gerne weiter mit meinen Unterdrückern schlafe. Dass ich an einer Art Stockholm-Syndrom leide. Aber wisst ihr was? Spart euch diesen Scheiß einfach. Er ist übergriffig und er ist vor allem völlig inhaltsleer. Er reduziert das, was zwischen zwei Menschen geschieht einzig und allein auf das System, innerhalb dessen sie agieren.

Ach schau an. Das wäre ja mal eine Einsicht. Der Feminismus reduziert eben alles auf ein System, üblicherweise ein Nullsummenspiel um Macht verschiedener Gruppen.

Und da wird ganz einfach eingeteilt, entweder die eigene Gruppe hat Macht oder sie hat keine Macht. Eine andere als diese binäre Aufteilung gibt es nicht. Allenfalls kann man weitere Kategorien und Gruppen bilden, wenn man ins Intersektionale geht.

Ja, es stimmt. Männer unterdrücken Frauen und auch die Männer, die Frauen nicht aktiv unterdrücken, profitieren vom System der Unterdrückung. Ja, alle Männer, ausnahmslos. Aber wir Menschen sind keine eindimensionalen Wesen. Unsere Identität lässt sich nicht nur entlang der patriarchalen Ordnung verorten, sondern viele andere Faktoren spielen dabei auch noch eine Rolle. Wir sind auch Individuen mit einem freien Willen und der Fähigkeit, sich zu entwickeln und zu wachsen. Der Schlüssel dazu ist Ehrlichkeit. Sei dir im Klaren darüber, dass in einer Beziehung zu einem Mann immer auch sexistische Muster eine Rolle spielen werden – und zwar auf beiden Seiten. Auch du wirst dich der Macht der Normen beugen und dich dabei ertappen, wie du dich in diese Rollen hineinpressen lässt oder er sie von dir fordert. Wie sollte ein Mann, der im Patriarchat sozialisiert wird, sich auch anders verhalten?

Will man nicht sofort eine Partnerschaft mit dieser Frau haben oder sie heiraten? Alle Männer profitieren von der Unterdrückung, es wird in der Beziehung immer Sexismus geben und dein Freund droht immer dich in Rollen zu pressen. Klingt doch ganz harmonisch.

Doch das bedeutet nicht, dass er sie nicht reflektieren kann. Sei ehrlich und erkenne, ob er dazu bereit ist, dann wirst du nicht auf Dauer Kompromisse schließen, mit denen du nicht glücklich bist. 

Er wird reflektieren müssen und eben ein besserer Mensch sein müssen, der ausnahmsweise nicht unterdrückt. Wie die ganzen anderen Männer. Und sonst macht man eben Schluss.

Ich vermute mal etwas ist dieser Text auch eine Rechtfertigung: Denn sie muss ja ein Dilemma auflösen, welches aus dem tiefen Männerhass der feministischen Richtungen für die heterosexuelle Feministin entsteht: Der Mann ist der Feind, jeder Mann unterdrückt und profitiert von der Unterdrückung, aber man will dennoch eine Partnerschaft. Also muss man anführen können, dass er anders ist und das man sonst natürlich nichts mit ihm anfangen würde. Für die lesbische Lantzsch stellt sich das Problem nicht, so dass sie höhere Maßstäbe anführen kann und natürlich auch bei den Freunden anderer Feministinnen immer wieder „Toxische Männlichkeit“ feststellt.

Trotzdem: Liebe und Begehren funktionieren auf einer nicht bewussten Ebene. Uns schlecht dafür zu fühlen, was wir begehren, löst Scham und Selbsthass aus und das ist so ziemlich das Letzte, was Frauen brauchen können.

Ein Werkzeug der Unterdrückung

Scham ist ein Mittel patriarchaler Unterdrückung. Frauen werden beschämt, wenn sie mit zu vielen Männern schlafen, wenn sie zu dick sind, wenn sie ihre Tage haben, wenn sie zu laut reden, wenn sie vergewaltigt werden. Mit der sexuellen Gewalt ist die Scham das mächtigste Instrument der sexistischen Unterdrückung. Sie wird bereits gegen uns eingesetzt, wenn wir noch gar keine Frauen sind. Sie wird von Generation zu Generation weitergegeben und sorgt dafür, dass Frauen in der Spur bleiben. Beschämt zu werden ist soziale Disziplinierung. Frauen schämen sich viel häufiger und viel intensiver als Männer. Sie schämen sich für ihre Sexualität, ihre Körper, ihre Menstruation, ihre Stimme. Scham ist ein so machtvolles Werkzeug, weil sie uns bereits in unserer Kindheit eingepflanzt wird und dann ihre zerstörerische Saat unser ganzes Leben lang ausbreiten kann. Sie hält uns davon ab, so zu leben, wie wir es möchten. Sie nimmt uns die Freiheit, sie errichtet ein unsichtbares, inneres Gefängnis. Einen anderen Menschen zu beschämen, kann zerstörerischer sein als ihn zu schlagen. Warum tun wir Frauen uns das gegenseitig an? Warum verwenden wir die Werkzeuge unserer Unterdrückung, indem wir uns gegenseitig für unser Begehren beschämen, nur um in einer Debatte die Oberhand zu behalten? Um uns als die besseren Feministinnen zu profilieren? Scham einzusetzen, heißt, verinnerlichte Unterdrückung gegen andere Frauen auszuleben, sich zur Handlangerin des Patriarchats zu machen, also genau das zu sein, was heterosexuellen Feministinnen vorgeworfen wird.

Ein wunderbarer Absatz. Scham ist das Patriarchat, deswegen darfst du, meine feministische Schwester, es nicht gegen mich verwenden. Dann lass mich doch lieber mit jemanden eine Beziehung haben, der vielleicht ein mieser Pornoschauer oder gar Nuttengänger ist und von der Unterdrückung aller Frauen profitiert.

Weise mich nicht darauf hin, dass ich einen solchen Mann nicht begehren darf, denn das wäre ganz schlimm. Lass mich einfach vergessen, dass Männer Schweine sind, weil ich sie ja begehre.

Toxische innerfeministische Debatten

Mir fällt immer wieder auf, wie unfähig Feministinnen sind, auf einer inhaltlichen Ebene zu diskutieren und Argumente auszutauschen.

Mir auch.

 

Stattdessen wird sehr schnell auf die persönliche Ebene gewechselt. Die Bemerkung “Solange du mit Männern schläfst, kann ich dich als Feministin nicht ernst nehmen” ist ein klassisches ad hominen Argument und damit ein Mittel der schwarzen Rhetorik. Mit einer ernsthaften Auseinandersetzung mit gegensätzlichen Positionen innerhalb des Feminismus hat es nichts zu tun und ist überdem ein Instrument sprachlicher Gewalt. “Ich mache dich mundtot” sagt man eigentlich damit. Wollen wir als Feministinenn so miteinander umgehen? Ist das die berühmte Sisterhood?

Wo hat sie sich denn hier ernsthaft mit der Position auseinandergesetzt? Sie vertritt gleichzeitig, dass alle Männer profitieren und das einzelne Männer vielleicht mit sich reden lassen und das hinterfragen. Sie hat, statt tiefer in die Sache einzusteigen, ihr vorgehalten, dass sie sie beschämt und das das eine unlautere Taktik wäre, die MÄNNLICH ist. „Du verwendest die gleichen fiesen Methoden wie diese unterdrückenden Biester, wenn du so weitermachst, dann bist du ein schlechter Mensch“ ist auch ad hominem.

Ich lasse mich nicht beschämen. Ich schlafe, mit wem ich will und wie ich es will. Das zu leben und zu äußern ist nicht nur ein individueller Akt, sondern auch eine politische Handlung. Frauen lieben, wen sie wollen. Das lassen wir uns weder von den Spießern noch von anderen Feministinnen vorschreiben. Lebt damit und behaltet eure schwarze Rhetorik und eure Versuche, uns zu beschämen, für euch.

Es mag eine politische Haltung sein. Aber aus der Sicht der anderen Seite ist es eben ein schlafen mit dem Feind.

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Das Interesse von Feministinnen an einer Unterdrückung der Frau

Ein Tweet, den ich nach einer Diskussion mit einer Feministin machte, mit einer Antwort von Resolute Karotte:

Ich glaube auch, dass das Kollektiv für viele dort sehr wichtig ist und die „Unterdrückung“ erst einmal nur ein Weg dahin ist, das kollektiv zu errichten.

Dennoch ist der Glaube an die Unterdrückung natürlich auch sehr stark, so stark, dass kein Widerspruch dagegen geduldet werden darf.

Was natürlich auch die interessante Frage aufbringt, ob die Opferhaltung, die damit verbunden ist, nicht sogar sich eher verstärkend auswirken müsste: Wenn schon Mikroaggressionen

Justin Trudeau wird der Belästigung beschuldigt, meint aber er habe da nichts Nachteiliges in Erinnerung

Der kanadische Premierminister hatte angekündigt, dass er eine Null-Toleranz-Haltung bei sexueller Belästigung hat. Wem etwas vorgeworfen wird, der muss gehen. Jetzt hat es ihn wohl selbst erwischt:

Canadian Prime Minister Justin Trudeau has denied allegations that he groped a reporter at a festival in 2000.

The event in Creston, British Columbia, was held to raise money for an avalanche safety charity with which Mr Trudeau was involved.

Days afterwards, an unsigned editorial appeared in a local paper accusing him of „groping“ a young female reporter.

The prime minister said he did not recall any „negative interactions“ at the event.

Speaking to reporters in Regina, Saskatchewan while on a three-city Canada Day tour, Mr Trudeau said he remembered the day in Creston well.

„I had a good day that day,“ he said. „I don’t remember any negative interactions that day at all.“

The editorial and its allegations resurfaced after a blogger posted an image of the article on Twitter in June.

Published in the Creston Valley Advance newspaper, the piece accused Mr Trudeau of „inappropriately handling“ the reporter, who felt „blatantly disrespected“ by the actions, which were not described.

According to the editorial, Mr Trudeau apologised for his behaviour and said: „If I had known you were reporting for a national paper, I never would have been so forward.“

Mr Trudeau was a 28-year-old teacher at the time of the event. He became involved with the charity Avalanche Foundation after his brother Michel died in an avalanche in 1998.

CBC News made contact with the woman who was the subject of the editorial, who reportedly said she did not want to be associated with the story, contacted about it in future or have her name used in connection with it.

CBC spoke to Valerie Bourne, the publisher of the paper at the time, and the paper’s then-editor, Brian Bell, both of whom believe the reporter.

Neither Ms Bourne nor Mr Bell authored the piece, with Ms Bourne telling the site she believes the woman wrote the editorial herself.

Da steckt einiges drin:

  • Der alte Satz, dass männliche Feministen früher oder später selbst eine Anschuldigung wegen sexueller Belästigung gegen sich haben werden
  • Die Frage, ob Trudeau nun nicht selbst konsequent sein müsste und schlicht auf den Vorhalt hin, dass es so wahr, sein Amt niederlegen müsste und damit die Frage eines Glaubwürdigkeitsverlusts.

Es wäre ja ganz interessant, wenn Trudeau über ernste Anschuldigungen zu der Einsicht gelangen würde, dass die feministischen Theorien doch ihre Tücken haben.

 

Feministinnen in den Medien: Juliane Leopold und die Tagesschau

Juliane Leopold geht zur Online-Präsenz der Tagesschau. Fefe berichtet

  • [l] Oh Gott. Die neue Chefin von tagesschau.de hat vorher bei Buzzfeed Deutschland „Redaktionsleitung“ gemacht. Clickbait sortieren? Srsly? Und das qualifiziert die für tagesschau.de?!?Ja, äh, schade. Money Quote:

    „Leopold bringt beste Voraussetzungen mit: große Nachrichtenkompetenz, umfassende Online-Kenntnisse, Freude an der Teamarbeit. Mit ihr wird ARD-aktuell das Profil von tagesschau.de weiter schärfen“, sagte der NDR Intendant Lutz Marmor.

    What the … I don’t even …Was heißt denn bitte „große Nachrichtenkompetenz“? Das hätte ich bei Leuten gesagt, die bei 20 Jahre bei der dpa gearbeitet haben. Aber Buzzfeed!?!?

    Und „umfassende Online-Kenntnisse“ klingt, als hätten sich die alten Männer bei der Tagesschau gedacht, sie bräuchten sie jemanden, der sich mit Youtube-„Influencing“ auskennt. So Social-Media-Selbstpromoter und Publikums-Clickbaiter. Und „Freude an der Teamarbeit“ kenne ich nur als Beleidigung, wenn man im Zeugnis was Positives schreiben muss, aber es inhaltlich nichts Gutes zu sagen gibt.

    Ich hoffe mal, dass das nur der erste Eindruck ist, der hier so entsetzlich und katastrophal ist.

    Update: Oh am Ende steht dann wohl die eigentliche Motivation für die Personalie:

    Leopold ist Mitgründerin des Blogs kleinerdrei.org, der für den Grimme Online Award 2014 nominiert wurde.

    Wer kleinerdrei nicht kennt: Das ist einer der Pfeiler des deutschen „Netz-Feminismus“, bei dem es inhaltlich meinem Eindruck nach im Wesentlichen um Kategorisierung von Menschen im öffentlichen Diskurs nach SJW-Kriterien in gut und böse geht. Hauptsächlich böse.

    Daher ist meine erste Assoziation, dass die sich möglicherweise ala „einer meiner besten Freunde ist ein Jude“ gegen Twittermobjustiz immunisieren wollen. Aber warum? Haben die jemals Shitstorms aus der Richtung abgekriegt? Weiß das jemand?

    Update: Zu Illustrationszwecken hier die aktuellen „Nachrichten“ bei Buzzfeed Deutschland:

    41 raffinierte Tattoo-Ideen, die sogar deinen Eltern gefallen werden
    17 italienische Babynamen, in die du dich sofort verlieben wirst
    14 Leute, die komplett und zu 100% recht haben
    20 bedrückende Geschichten, die zeigen, warum Frauen Angst haben, Männer zurückzuweisen
    17 Hunde, die sich wirklich furchtbar für ihr Betragen schämen sollten
    25 wirklich peinliche Dinge, die du beim Feiern in den 2000ern gemacht hast
    23 unfassbar ekelhafte Geständnisse, die dich richtig zum Würgen bringen

    „Große Nachrichtenkompetenz“, ja?

    Und aktuelle kleinerdrei-Inhalte sind: Interview Missy-Herausgeberin, „Kann ein Gentest dir helfen, deiner Identität auf die Spur zu kommen“, was über Depressionen, „Wie können nichtjüdische Menschen am besten ihre Solidarität mit jüdischen ausdrücken“, „Warum ich bei der WM nicht für Deutschland jubele“. Oh und was über geplatzte Kondome.

    Update: Das mit den Online-Kenntnissen muss man wohl auch in Zweifel ziehen, wenn man sieht, dass solche Tweets hier noch nicht diskret weggelöscht wurden. Das ist ja wohl die Kernkompetenz unter den verlogenen Twitter-Empörten, dass sie ihre Accounts auf Protected schalten, die halbe Welt bannen und ihre peinlichen Tweets löschen.

    Update: Oh und dann war da noch dieses peinliche Kapitel.

Eine Mitgründerin von „KleinerDrei“ geht zur Tagesschau. Dabei sollte diese eigentlich für eine gewisse Seriösität stehen und nicht für radikale Meinungen.
Aber das ist eben das Problem: Der gegenwärtige Feminismus wird nicht als radikaler Meinung wahrgenommen, sondern als modern und auf Gleichberechtigung ausgerichtet.

Auf ManinTheMiddel heißt es dazu:

Leopold ist nicht nur „Chefredaktion“, sondern liefert auch regelmäßig Beiträge. Der neueste, der mir aufgefallen ist, ist ein Podcast zusammen mit Anne Wizorek vom 24.05.2018. Von den 47 Minuten wird rund ein Viertel (ab ca. 30:15) dem Thema #metoo und der unzureichenden Strafverfolgung von Woody Allen und anderen „Tätern“ gewidmet. Podcasts sind natürlich im Vergleich zu durchformulierten Texten irgendwie „ins Unreine“ gesprochene Aussagen, aber zugleich auch ehrlicher und unverstellter. Umso erschreckender ist der unübersehbare Tunnelblick der beiden Sprecherinnen, der suchtartig nur noch nach Nachrichten sucht, die den weiblichen Opferstatus belegen könnten, und ihre Distanz zu rechtsstaatlichen Grundsätzen wie Unschuldsvermutung oder Verjährung.

Man könnte jetzt noch zahllose weitere Beispiele für feministischen Aktivismus von Leopold bringen, klar ist so oder so: Leopold ist seit vielen Jahren eine der führenden und aktivsten feministischen Aktivisten hierzulande, sie vertritt in der Geschlechterdebatte extrem einseitige, rein feministische Positionen. Sie gehört sozusagen zu den feministischen Elitetruppen und ist bestens integriert in das mafiöse feministische Netzwerk, das quer durch alle Parteien und Medien verläuft.

Jemanden wie Leopold auf eine solche mediale Machtposition im wichtigsten deutschen Nachrichtenmediums zu hieven ist ähnlich grenzwertig wie den Sprecher eines AfD-Landesverbands auf diese Position zu setzen: nach normalem Ermessen ist nicht davon auszugehen, daß so eine Person imstande ist oder es sein will, unparteiisch zu berichten, sondern im Gegenteil alles versuchen wird, ihre Machtposition für Propaganda zu mißbrauchen.

Radikale Feministen haben eben den großen Nachteil, dass sie gar nicht neutral sein können und jede Abweichung gleich als einen großen Sexismus ansehen. Gerade wegen dieser Radikalität können sie sich vielleicht auch ganz gut ausbreiten, denn niemand möchte sich als Sexist bezeichnen lassen, weicht also der Konfrontation aus und man kann dann weitere Glaubensgenossinnen nachholen.

 

Hamburger Staatsanwaltschaft will bei gleicher Eignung Männer bei der Einstellung bevorzugen

Die Staatsanwaltschaft Hamburg will, wie auch Arne schon berichtete, bei Stellenbesetzungen gerne mehr Männer einstellen, weil die Frauenquote zu hoch ist:

Die Staatsanwaltschaft Hamburg sucht fortlaufend Staatsanwältinnen und Staatsanwälte.Bewerbungsvoraussetzungen

Bewerbungsvoraussetzungen sind neben den in § 9 DRiG genannten Anforderungen überdurchschnittliche Rechtskenntnisse, belegt durch Staatsexamina mit der Mindestnote „vollbefriedigend“, sowie überdurchschnittliche Leistungen im Referendariat. Ausnahmsweise können auch Bewerberinnen und Bewerber berücksichtigt werden, die in einem juristischen Staatsexamen die Note „vollbefriedigend“ und in dem anderen ein gehobenes „befriedigend“ (mindestens 8 Punkte) erreichen, falls sie sich zusätzlich durch besondere fachliche oder persönliche Kompetenzen auszeichnen. Hierzu gehören unter anderem Berufserfahrung, sonstige juristische Tätigkeiten, Promotion, Ehrenamt, soziales Engagement oder Auslandserfahrung. Entsprechende Qualifikationen sind auch bei allen übrigen Bewerberinnen und Bewerbern erwünscht.

(…)

Bei der Staatsanwaltschaft Hamburg sind männliche Beschäftigte unterrepräsentiert. Männliche Bewerber werden daher bei gleicher Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung vorrangig berücksichtigt.Für eventuelle Fragen steht Ihnen Herr Oberstaatsanwalt Rinio (Tel.: 040-42843-1716) jederzeit zur Verfügung.

Das Hamburger Abendblatt hat etwas mehr Fakten dazu geliefert:

Hamburg Der Hamburger Staatsanwaltschaft fehlen Männer. Die Anklagebehörde ist längst weiblich dominiert: Von den 195 Staatsanwältinnen und Staatsanwälten sind 125 Frauen (64,1 Prozent) und nur 70 Männer (35,9 Prozent).

Bei der ersten, für Neueinstellungen bedeutsamen Besoldungsstufe R 1 (ohne Oberstaatsanwälte) ist das Missverhältnis der Geschlechter noch krasser: Von 155 Posten sind 111 weiblich (71,6 Prozent) und nur 44 männlich (28,4 Prozent) besetzt.

(…)

Also eine deutliche Überrepräsentation der Frauen, was auch daran liegt, dass es eine vergleichsweise angenehme Behörde ist: Man ist Beamtin, also abgesichert, im Staatsdienst kann man auch gut Aussetzen ohne das es Probleme gibt, die strafrechtliche Akten bleiben häufig relativ dünn und die Staatsanwältin muss eben auch nur eine sehr allgemeine Anklage schreiben und danach kein Urteil.

Man hat eine relativ hohe Unabhängigkeit und kann auch von zuhause arbeiten und häufig sind die Einstellungsvoraussetzungen, gerade auf dem Land, auch niedriger als für Richter.
Insofern ist der Wechsel in eine Behörde aus einem anderen juristischen Beruf, gerade Rechtsanwalt, nach der Geburt des ersten Kindes durchaus beliebt.

Die bevorzugte Einstellung von Männern unter diesen Voraussetzungen ist gesetzlich vorgegeben. Das Hamburger Gleichstellungsgesetz legt fest, dass ein Geschlecht dann unter­repräsentiert ist, wenn der Anteil unter 40 Prozent der Beschäftigten in einer Dienststelle fällt. „Das ist gelebte Gleichstellung. Die Instrumente gelten für Frauen und Männer. Wenn bei der Staatsanwaltschaft Männer unter­repräsentiert sind, greifen diese Regeln, um jungen Juristen zu signalisieren: Bewerbt euch, kommt zu uns!“, sagt Justizsenator Till Steffen (Grüne).

Im Hamburger Gleichstellungsgesetz heißt es dazu:

§ 5
Vorrang des unterrepräsentierten Geschlechts
(1) Bei der Begründung eines Dienst-, Arbeits-, oder Ausbildungsverhältnisses, der Übertragung höherwertiger Tätigkeiten, der Übertragung eines Beförderungsdienstpostens oder der Beförderung in einem Bereich, in dem ein Geschlecht unterrepräsentiert ist, sind Personen dieses Geschlechts bei gleicher Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung vorrangig zu berücksichtigen, bis die Unterrepräsentanz beseitigt ist.

(2) Wenn ein Bereich gemäß § 3 Absatz 3 zu wenige Beschäftigte umfasst und damit als Bezugsgröße für Beförderungs- und Auswahlentscheidungen nicht geeignet ist, ist er mit der darunterliegenden Besoldungs- und Entgeltgruppe beziehungsweise den darunterliegenden Besoldungs- und Entgeltgruppen zusammen zu fassen, solange die Summe der Beschäftigten fünf – einschließlich der zu besetzenden Position – nicht übersteigt. Abweichend von Satz 1 können zur Wahrung der Zielsetzung dieses Gesetzes ausnahmsweise auch vergleichbare Arbeitsplätze dienststellenübergreifend zu einem Bereich zusammengefasst werden.

Demnach hätte da eigentlich schon lange etwas gemacht werden müssen, denn die 70% Frauen werden schon länger bestehen.

Ich vermute mal, dass man diese Klausel gerade so gestaltet hat, damit sie Kritik abfängt, dass nur einseitig Frauen gefördert werden, aber dabei gar nicht umbedingt gedacht hat, dass es auch zulasten von Frauen gehen könnte.

Aber für eine Behörde kann es durchaus ganz interessant sein, die Frauenquote etwas zu reduzieren. Ein befreundeter Staatsanwalt sagte mir mal, dass es einige Probleme bietet, zum einen, weil eben viele Frauen nur in Teilzeit arbeiten, man aber dennoch für jede ein Büro brauchen würde und ihnen so langsam die Büros ausgehen würden und natürlich auch die Ausfälle durch Schwangerschaft problematisch sind.

Allerdings: Nach Angaben des Sprechers der Staatsanwaltschaft hat es noch keinen Fall gegeben, bei dem ein Mann exakt gleich qualifiziert wie eine Frau war. Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bewerbung als Staatsanwalt sind die Note „vollbefriedigend“ im Staatsexamen sowie „überdurchschnittliche Leistungen“ im anschließenden Referendariat. Auch ein Vorstellungsgespräch fließt in die Beurteilung ein. Frauen haben viel häufiger als Männer die Nase vorn. Seit 2015 sind 34 Staatsanwältinnen eingestellt worden, aber nur 13 Männer.

Ja, genau gleich ist schon sehr schwer umzusetzen. Wahrscheinlich wird man das dann auch eher über das Vorstellungsgespräch regeln, oder bei anderen Punkten, die etwas subjektivität zulassen, weil „genaue Gleichheit“ sehr angreifbar ist: Kann man nur einen kleinen Unterschied benennen, dann verschiebt sich schon alles und gerade bei Juristen muss man sich da absichern.

Die Ursachen sind vielfältig. Ein naheliegender Grund ist, dass Juristinnen bessere Examina ablegen. Seit 2011 bewerben sich zudem durchgehend mehr Frauen als Männer. Eventuell werden sehr qualifizierte Männer auch in größerem Maße von hoch dotierten Posten und Karrierechancen in internationalen Großkanzleien angelockt.

Das wird in der Tat der Fall sein: Dort lässt sich mit viel Arbeit viel Geld verdienen und es ist auch häufig ein Sprungbrett in Wirtschaftsunternehmen.

Der „Deutsche Juristinnenbund“ regt sich darüber in Gestalt der Vorsitzenden, Prof Wersig, eine überzeugte Feministin, die meines Wissens auch über Genderbezug zur Juristerei auf eine Professorenstelle gekommen ist, auf:

Verfassungswidrige Männerquote bei der Hamburger Staatsanwaltschaft
Pressemitteilung vom 28.06.2018

Die Staatsanwaltschaft Hamburg stellt juristischen Nachwuchs ein: Weil bei ihr männliche Staatsanwälte unterrepräsentiert sind, will sie Männer bei gleicher Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung vorrangig berücksichtigen*. „Dies entspricht nicht dem Grundgesetz“, erklärt die Präsidentin des Deutschen Juristinnenbunds e.V. (djb) Prof. Dr. Maria Wersig. „Art. 33 Abs. 2 GG und Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG verbieten im Grundsatz, das Geschlecht als Anknüpfungspunkt für die Einstellungsentscheidung zu nehmen. Soweit es im Falle eines Leistungspatts Ausnahmen für Frauen gibt, sind diese auf der Grundlage von Art. 3 Abs. 2 GG nur deshalb zu rechtfertigen, weil Frauen in Staat und Gesellschaft immer noch strukturell benachteiligt sind. Eine solche faktische Benachteiligung ergibt sich für Männer nicht schon daraus, dass sie in einer Behörde zahlenmäßig unterrepräsentiert sind.“

Eine Unterrepräsentanz, die nicht aus struktureller Benachteiligung resultiert, entspricht nicht den Anforderungen des Art. 3 Abs. 2 GG.

Also der Versuch klassische feministische Theorien in Art 3 Abs 2 GG unterzubringen. Tatsächlich hat das Bundesverfassungsgericht meines Wissens nach zu keinem Zeitpunkt darauf abgestellt, dass „strukturelle Benachteiligungen“ vorliegen müssen. Insofern dürfte sie mit dieser Meinung recht alleine stehen.

So haben männliche Examensabsolventen in anwaltlichen Großkanzleien und in der Privatwirtschaft bei vergleichbarer Qualifikation erheblich bessere Einstellungschancen. Zudem erwartet sie dort ein Mehrfaches an Einstiegsgehalt – bei erheblich größeren Steigerungsmöglichkeiten im Laufe der Jahre.

Da wäre natürlich die Quelle interessant. Wersig veschweigt auch, dass man dort erheblich mehr arbeitet, dass man einen wesentlich höheren Erfolgsdruck hat und das Teilzeit häufig bedeutet, dass man dennoch rund um die Uhr telefonisch und per Email erreichbar ist und das man dann eben immer noch sehr viel arbeitet (eine halbe Stelle bei 60 Stunden die Woche sind eben immer noch dreissig).

Frauen werden hingegen trotz ggf. besserer Examensergebnisse im nichtstaatlichen Sektor noch vielfach benachteiligt.

Sie bewerben sich dort eben auch wesentlich weniger. Und Studien legen auch in diesem Bereich einen „Gender Performance Gap“ nahe

Hinzu kommt, dass Frauen ungeachtet der bescheideneren Verdienstmöglichkeiten im öffentlichen Dienst an den generell besseren radMöglichkeiten der Vereinbarkeit von Beruf und Familie dort interessiert sind. „Angesichts der immer noch klassischen Rollenverteilung in den meisten Familien muss der Staat ein Interesse daran haben, dass die für die nachwachsende Generation vorrangig zuständigen Frauen nicht wiederum benachteiligt werden.

Das ist auch eine klasse Argumentation: Eine Verdammung der klassischen Rollenverteilung, die dann gleichzeitig als Argument benutzt wird, dass die Frauen Jobs brauchen, in denen sie diese Rollenverteilung leben können. Ein Politiker, der sagen würde, dass man Frauen Plätze in dem öffentlichen Dienst freihalten soll, weil sie ja nun einmal für die Kinder zuständig sind, würden Feministinnen wahrscheinlich mit einem gewaltigen Shitstorm überziehen.

Es ist erst gut 25 Jahre her, dass im öffentlichen Dienst mit Hilfe von Gleichstellungsgesetzen die jahrzehntelange Praxis informeller Männerquoten offiziell gestoppt wurde. Hamburg befindet sich mit seinem Gleichstellungsgesetz und seiner Praxis auf einem Irrweg“, resümiert djb-Präsidentin Prof. Dr. Maria Wersig.

Es darf eben keinen Ausgleich für Nachteile bei Männern geben. Noch nicht einmal einen eher symbolischen wie diesen.

Margarete Stokowski hasst gepolsterte BHs

Margarete Stokowski wettert gegen gepushte BHs:

In der Werbung gelten Brüste als das beste Verkaufsargument – aber die Brust der einzelnen Frau muss immer noch durch unbequeme BHs optimiert werden. Würden Männer so kontrolliert werden, müssten sie Penisbändiger tragen.

Die Einleitung finde ich schon nicht schlecht: Frauen werden erst einmal zum Objekt gemacht, sie wählen nicht etwa bestimmte BHs aus, sondern sie werden „kontrolliert“. Männer hingegen haben natürlich keinerlei einschränkende Kleiderordnungen. Wer hätte sich je über Männer in kurzen Hosen aufgeregt oder welcher Dresscode sieht etwa auch bei heißen Wetter so etwas wie lange Stoffhose und Krawatte für Männer, aber durchaus ein luftiges Kleid für als Option für Frauen vor?

Tatsächlich ist es auch bereits interessant, dass sie die BHs als Kontrolle sieht und ihnen „Penisbändiger“ gegenüber stellt, wenn es für viele Frauen immer noch darum geht, dass sie eben ihren Busen besser aussehen lassen, größer, fester, gleichmässiger, nicht hängend etc.

Der klassische gefütterte BH verspricht, dass man in ihm gut aussieht:

Push-up BH mit Polster

Push-up BH mit Polster

Und die Bedeckung der Brustwarzen macht ihn eben in vielen Fällen auch weniger sexuell und vermindert die Vergleichbarkeit innerhalb der intrasexuellen Konkurrenzu, weil diese bei der Bewertung der Schönheit einer Brust ein ganz wesentliches Element sind.

Würde man entsprechendes für den Penis vorsehen, dann käme wohl eher so etwas wieder in Mode:

arrmour-codpiece

arrmour-codpiece

Oder der Penisköcher würde eine Ausbreitung erleben. Das geschieht nicht, weil Männer dahingehend „kontrolliert“ werden, dass man im Gegensatz zu Brüsten eben seinen Penis nicht betonen darf. Während Männer sich schöne Brüste oder Vaginas durchaus anschauen wollen ist das Zusenden von Dickpics an Frauen eben eher eine Form der Belästigung.
Abgesehen von der Schwulenszene, wo man wahrscheinlich durchaus für einen schönen Schwanz zu haben ist und damit keine Probleme hätte, weswegen entsprechende Betonungen wahrscheinlich auch eher für diese Szene entwickelt werden:

Meine Vermutung wäre jedenfalls, dass das Produkt eher auf den schwulen Markt ausgerichtet ist, aber da mag ich mich auch täuschen.

Ich schwöre, wenn man eine repräsentative Studie unter den Frauen dieses Landes durchführen würde und fragen würde, wann und wo sie sich wirklich zuhause fühlen, dann würde mindestens die Hälfte von ihnen antworten: Da, wo ich ohne ätzenden BH rumlaufen kann.

Das kann ich mir durchaus vorstellen. Aber ich vermute, dass die meisten Frauen auch etwas dagegen hätten, wenn Frauen allgemein ohne BHs rumlaufen würden. Weil es eben dann häufig sexuelle Signale sendet, Defizite eher offen legt, man sich weniger vorteilhaft darstellen kann oder schlicht weil die intrasexuelle Konkurrenz damit angeheizt werden würde. Und natürlich auch, weil es auch bequemer in bestimmten Situationen sein kann, seine Brüste fest verpackt zu haben, einfach bei der Bewegung und größeren Brüsten. Aber dazu können sich natürlich gerne Frauen in den Kommentaren äußern.

Es gibt immer noch dieses Klischee, dass Feministinnen gerne BHs verbrennen, und es ist schwer aus der Welt zu kriegen, auch wenn es sich auf sehr dürftige historische Belege stützt. Früher habe ich immer gesagt: Hey, nein, stimmt gar nicht, wir machen das nicht, gute BHs sind so wichtig, gerade wenn man große Brüste hat; man kann sonst nicht mal ungenervt eine Treppe hinunterlaufen, ernsthaft. Das stimmt auch, soweit. Aber nun war ich letzte Woche unterwegs, um einen Bikini zu kaufen, und muss sagen, ich wäre inzwischen bereit für eine öffentliche Bikinioberteil-Verbrennung.

Die Probleme mit gepolsterten BHs hatten in der Tat schon andere Feministinnen und ich habe auch schon ein paar Artikel dazu.

Die konkrete Brust kann nie gut genug sein

Wenn man in die ganz normalen Klamottenläden geht, in die die meisten Leute gehen, dann findet man in der Bademodeabteilung für Frauen hauptsächlich Bikinioberteile, in denen auf jeder Seite bereits mindestens schon eine halbe Brust drin ist. Dieser knappe Liter Dämmmaterial ist manchmal durch eine kleine Lücke rausnehmbar, aber nicht immer, oft ist er fest vernäht. Auch bei großen Größen. Unter dem Polster findet sich nicht selten ein Metallbügel, der sich bei einer ungünstigen Bewegung (Kopfsprung, Arschbombe, Leben) in die Achsel bohren kann.

Es ist, als würde dieses Bikinioberteil sagen: Brüste, schön und gut, aber sie müssen in jede denkbare Himmelsrichtung geformt und vergrößert werden, außer auf der Seite, wo sie am Körper befestigt sind, denn ja, natürlich schätzt diese Gesellschaft die weibliche Brust als Allzweckdekoration zu Werbezwecken, aber die konkrete Brust jeder einzelnen Frau kann niemals gut genug sein.

Und das ist natürlich wieder einmal eine Diskriminierung der Frau und einfach ein Skandal!!!!11

Es klingt fast so als würde „die Gesellschaft“ den Frauen die BHs vorschreiben und verhindern, dass sie andere BHs kaufen. Tatsächlich sind es natürlich die einzelnen Frauen, die gerne die Vorteile einer optisch vergrößerten Brust nutzen wollen, weil sie dann als attraktiver wahrgenommen werden.

Dazu zB dieses Video:

Um die Antwort gleich vorwegzunehmen:

Ja, größere Brüste geben mehr Trinkgeld. Und zwar von Männern UND Frauen. Männer gaben 30% mehr, Frauen sogar 40% mehr.

Und auch „Mitnahme als Anhalterin, weil das Auto liegengeblieben ist“ gibt entsprechende Daten:

Statistically speaking, only men’s behaviors were affected by the hitchhiker’s breast size (p < .03). The frequency of stopping in the cup C condition was marginally greater than that of cup B (p = 0.09) and significantly greater than that of cup A (p < .01). The difference between cups A and B was not significant.

Das Rätsel, warum die meisten Läden hauptsächlich gepolsterte BHs anbieten, scheint damit recht leicht zu lösen zu sein: Frauen kaufen sie eher, weil es ihnen Vorteile bringt.

Um so besser, wenn sie dann auch noch gleichzeitig verhindern, dass sich Nippel durch den Stoff drücken, was ein zu sexuelles Signal sein kann, was viele Frauen nicht senden wollen.

Das gilt für Bikinioberteile und BHs gleichermaßen, und es gilt nicht nur für Modelle für erwachsene Frauen, sondern oft auch schon für die, die für 11- oder 13-Jährige gedacht sind. Es ist komplett unklar, wie Mädchen kein gestörtes Körperbild entwickeln sollen, wenn ihnen beim Shoppen suggeriert wird, dass man ihre Brüste idealerweise um ein paar Zentimeter strecken sollte, egal wie klein oder groß sie sind.

Auch hier ist es allerdings nicht „die Gesellschaft“, sondern eher der Umstand, dass solche Bikinis sich gut verkaufen. Sie bieten auch verschiedene Vorteile: Sie sind im Endeffekt weniger sexuell, weil man bei einem ungepolsterten Bikini mehr sieht. Sie ermöglichen Mädchen ihre tatsächlichen Brüste eher aus der Bewertung zu nehmen als BHs, die keine Polster haben. Und sie erlauben ihnen gleichzeitig eben größere Brüste zu haben.

Natürlich kann man das verurteilen und das Durchsichtigkeitsproblem bzw Formerkennbarkeitsproblem auch anders lösen. Aber um zu erkennen, dass größere, formschöne Brüste eine besondere Anziehungskraft auf Männer haben braucht man kein BH-Geschäft. Jede Schule dürfte zumindest ein in der Hinsicht bevorteiltes Mädchen haben, welches das den anderen Mädels recht schnell deutlich macht.

Um es gleich zu sagen: Es ist okay, dass es das gibt. Für Mädchen und Frauen, die ihre Brüste fest einpacken und vergrößern wollen, sind diese Modelle ein Segen, aber sie sind oft nicht eine Auswahlmöglichkeit, sondern der Standard. Wer kein Push-up-Gerät sucht, bei dem man sich erstmal die Brüste auswringen muss, wenn man aus dem Wasser kommt, hat ein Problem.

Dann gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Entweder es ist nichts davon am Markt, weil sich so etwas nicht verkaufen lässt
  • oder Frau Stokowski hat eine unglaubliche Marktlücke gefunden, die bisher keiner der BH und Bikinihersteller wahrgenommen hat, und könnte damit reich werden.

Meine Vermutung ist, dass die meisten Frauen eben die Polster und das Pushen wollen, aber es auch genug ohne gibt.

Dazu auch noch diese Tweets:

Eine feministische Revolution im Kapitalismus, weil ein bestimmtes, nach ihrer Vorstellung am Markt gesuchte Produkt bisher nicht auf dem Markt ist. Wie kann es nur abseits von Diskriminierung zum Gender Pay Gap kommen?

Die historische Epoche der Aufklärung kann nicht als abgeschlossen betrachtet werden, solange es immer noch der Normalfall ist, dass Frauen angeboten wird, sich zwei Brustprothesen aus einer Art Bauschaum umzuschnallen, bevor sie schwimmen gehen. Was soll das?

Man muss glaube ich tief verwurzelt im Opferdenken sein, wenn man nicht auf die Idee kommt, dass Frauen diese Produkte eher kaufen als andere, weil sie sie besser finden. In ihrer Vorstellung gibt es aber so etwas wie eine bewußte Kaufentscheidung der Frauen nicht. Es gibt nur die patriarchale Gesellschaft, in der anscheinend Frauen keinen Einfluss in der Modebranche haben und auch unmöglich selbst BHs und Bikinis herstellen können, so dass ihnen nichts anders übrig bleibt als „sich Brustprothesen aus Bauschaum umzuschnallen“.

 

Sybille Berg und die Krise der Männlichkeit sowie die Hölle auf Erden für Frauen

Sybille Berg schreibt einen Artikel, der wenig Fakten, aber dafür um so mehr Hass bietet. Der Spiegel findet anscheinend nichts dabei:

Die gefühlte Krise, in der sich die Welt zu befinden scheint, die Auflösung, das Zusammenbrechen der Systeme, die immer vor einer Weiterentwicklung stehen, ist auch eine Krise der Männlichkeit.

Die Männlichkeit funktioniert nach wie vorher hervorragend, ist der Motor des meistens Wachstums und Männlichkeit steht auch nach wie vor hoch im Kurs bei den meisten Frauen. Im Gegensatz zu der Auffassung vieler radikaler Feministinnen gibt es sehr viele positive Aspekte von Männlichkeit, die auch so nach wie vor gelebt werden.

Bleiben Sie bitte, gehen Sie nicht, lesen Sie weiter. Ich nehme Millionen großartiger Forscher, Wissenschaftler, Feuerwehrmänner, Brüder, Buddys, Väter aus. Es bleiben dennoch viele Männer mit Angst. Vor dem Verlust von Macht und Wichtigkeit, die von allen Seiten bedroht wird. Von der Natur, an deren Raubbau sie beteiligt waren, als CEOs und Politiker, als normale Grummelbürger. Bedroht von fußballspielenden Frauen, Homosexuellen, Ausländern und Robotern, der Angst vor dem Aussterben.

Immer wieder erstaunlich. Denken Feministinnen wirklich nach, ob ihre Texte logisch sind, ob sie sie belegen könnten oder ob sie in Einklang mit der Wirklichkeit stehen?

Wie meint Frau Berg das? Sie nimmt von den ca. 3,6 Millarden Männern auf dieser Erde ein paar Millionen aus? Von den 40 Millionen deutschen Männern ein paar Millionen? Oder ist es einfach einer hohe Zahl, die einfach nur bedeuten soll, dass sie natürlich gar nichts gegen Männer hat, nur sind die eben als Gruppe an allem Schuld.

Weil nur Männer Angst vor Machtverlust und Wichtigkeit haben, und Frauen nicht? Als ob Führungsfrauen nicht auch um Macht kämpfen würden, von Merkel bis Schwarzer um mal nur zwei Beispiele zu nennen. Aber sie meint wahrscheinlich, dass die Gruppe Mann um Macht kämpft, um Macht über Frauen. Tatsächlich werden die meisten Männer davon überrascht sein, dass sie Macht über Frauen haben sollten. Wie auch, sie werden weitaus häufiger abgelehnt und auch mit Angestellten kann man nicht beliebig umgehen, schon gar nicht mit weiblichen Angestellten.

Und wieder die Idee, dass es nur Männer sind, die die Umwelt belasten. Welch unglaublich naive Sicht.

Sagen wir kurz: vor der Entwicklung. Was gerade erfolgt, ist ein gnadenloser Backlash der Gewalt.

Das kotzt sie einfach mal so raus. Ist eben so. Braucht auch keinen Beleg. Tatsächlich wird die Welt eher friedlicher.

Als hätten Millionen Männer in der Fernseh-Gruppe Margaret Atwoods Verfilmung „The Handmaid’s Tale“ geschaut und sich auf die Schulter geschlagen. Es ist einfach, haben sie gedacht. Was seit Jahrtausenden gewirkt hat, um die Uschen in Schach zu halten, ist Gewalt. Das mögen sie nicht, wir sind die mit dem lauteren Organ. Und den Muskeln. Warum sollte falsch sein, was sich so bewährt hat.

Tatsächlich ist „The Handmaid’s Tale weitaus eher eine Frauenfantasie als eine männliche. Das Leben dort würde nämlich den meisten Männern gar nicht gefallen. In der Handlung geht es um eine Frau, die von einem totalitären christlichen Regime wegen ihrer Gebährfähigkeit einem gesellschaftlich hochgestellten Mann zugeordnet wird, der aber nur in Anwesenheit seiner Frau einen ganz ritualisierten Besamungsbeischlaf mit ihr haben darf, der so ausgerichtet wird, dass er gerade keinen Spass hat, was von der Ehefrau genau überwacht wird. Der Alphamann will sie dann nicht wegen ihres Körpers, sondern wegen ihres Geistes und sie hat auch noch eine Affaire mit dem Chauffeur, die die Ehefrau arrangiert, damit endlich Nachwuchs kommt. Also das alte „Alle Männer wollen sie irgendwie und sie steht zwischen hoher Status und Lust in einer Welt, die allgemein voller Probleme ist“, welches auch schon „Fifty Shades of Grey“ und „Twilight“ und viele andere auf Frauen ausgerichtete Romane als Inhalt hatte. Die Ehefrau hat dabei durchaus erhebliche Rechte im Haus und der Ehemann muss sich an ihre Regeln halten und kann nicht einfach wilden und guten Sex mit Offred, der Maid haben. Natürlich gibt es auch genug männliche Rebeln gegen das Regime, die oft genug getötet werden.

Wer meint, dass Männer sich so die Welt vorstellen, hat entweder das Buch nicht gelesen oder keine Ahnung von Männern.

Aber auch ansonsten gibt es in den allermeisten Beziehungen keine Gewalt, und wenn es Gewalt gibt, dann geht sie zu 50% von Frauen aus. 

Der Backlash ist gut organisiert. Er betrifft Frauen und Homosexuelle, was für die Anhänger der alten Ordnung an subversiv anarchischer Bedrohung dasselbe ist.

Gut, dass heterosexuelle Männer keinerlei Anfeindungen ausgesetzt sind. Außer pausenlos als Übeltäter für alles benannt zu werden.

 

Das Verweisen der nicht Normkonformen auf ihre Plätze läuft! Eine neue Partei propagiert vehement die traditionellen Werte, sprich: Frau zu Hause. Mann macht Geld.

Also anscheinend ein Anti-AfD Artikel. Wogegen grundsätzlich nichts spricht: Ich finde deren Geschlechterbild auch erheblich zu konservativ. Die Frage ist nur, warum sie es dann auf einmal nur den Männern anlastet.

Immerhin haben 10% der Frauen die AfD (Männer: 16%) gewählt und 36% der Frauen (Männer:30%) die Union, die auch teilweise ein konservatives Geschlechterbild hat.

Was sich spätestens bei der Scheidung als schlechte Idee erweist.

Da würde ich ihr beim gegenwärtigen Scheidungsrecht zustimmen. Erstaunlicherweise zieht sie dieses strikte und für Männer ungünstige Eherecht allerdings in ihre Analyse ansonsten nicht ein.

Diverse europäische Länder planen die Erschwerung von Abtreibungen.

Erst einmal scheinen welche das Abtreibungsrecht erleichtert zu haben.  Und natürlich gibt es auch durchaus konservative Frauen, die gegen Abtreibungen sind. Hintergrund ist häufig Religiösität und nicht „Männlichkeit“ und die Betonung der Familie, die keineswegs nur Interessen der Männer beinhaltet.

Verbieten Homosexualität. Ja nun.

Auch das ist nicht einfach nur Männlichkeit. Auch Frauen können gerade in konservativen Ländern starke Probleme mit Homosexualität haben.

Vermutlich aus Liebe zum Kind. Obwohl – würden Männer sich wirklich für Babys interessieren, blieben sie zu Hause und würden sie wickeln. Wären sie an Nachwuchs interessiert, würden männliche Politiker sicherstellen, dass Hebammen gut bezahlt würden, Krippen und Kindergärten flächendeckend angeboten und Alleinerziehende finanziell besser unterstützt werden.

Wir haben übrigens eine Bundeskanzlerin. Und die zuständigen Ministerium scheinen mir auch durchaus mit Frauen besetzt zu sein.

Aber natürlich kann man an Kindern interessiert sein und dennoch eine Arbeitsteilung betreiben, bei der einer der beiden mehr Erwerbsarbeit erledigt. Denn Geld fällt bei aller Liebe zum Kind nicht einfach vom Himmel. Und auch die Frauen, die das Kind betreuen, wollen üblicherweise gerne einen guten Lebensstil, abgesichert durch einen verdienenden Mann.

Es geht nicht um die Liebe des Mannes zum ungeborenen oder geborenen Kind, es geht um Macht. Um Bestimmung und die große Schmach, dass Frauen es wagen, das Geschenk des Lebens, das der Mann in sie legte, einfach zu verweigern.

Mal wieder ein sehr logischer Schluß: Wenn es Männer nicht um Macht gehen würde, dann würden sie eben nur auf die von ihr geschilderte Weise handeln können, also ist es belegt und bewiesen. Wer wollte da eine tiefergehende Begründung verlangen?

Weltweit nehmen Vergewaltigung, Brutalität und Morde an Frauen und Homosexuellen zu.

Tatsächlich ist wohl eher das Gegenteil der Fall. Die Welt wird immer friedlicher.

Jede Frau, die sich zum Beispiel aus dem (auch nicht zwingend sicheren) Innenraum wagt, weiß, dass Gewalt verbal beginnt. Ich habe für jede Verständnis, die Angst vor dumpfer Bepöbelung im Netz hat, die sich nic Jht in der Presse sezieren und erniedrigen lassen will. Sondern schweigt. So wie viele Frauen aus Angst um ihr Leben, aus Angst vor Gewalt zu allen Zeiten geschwiegen haben. Wenn eine Frau auf Gewalt aufmerksam macht, wenn sie fordert, beschreibt, anklagt, werden tausend Stimmen ihre Worte relativieren. Wenn sie zu laut ist, wird sie niedergebrüllt. Wenn sie zurückschreit, ist sie hysterisch. Wenn sie tot ist, herrscht endlich eine Ruhe. Oder sie lässt sich einfrieren. Um in hundert Jahren nochmal nachzusehen, wie der Stand so ist.

Ich vermute mal, dass Sybille Berg da hauptsächlich über sich schreibt: Da weißt sie ganz berechtigt darauf hin, dass alle Männer Schweine sind und eine Gefahr für alle Frauen, alles eine reine Abbildung der Wirklichkeit, und da widersprechen ihr doch tatsächlich Leute und sie darf sich nur in allen großen Medien darüber ausheulen, wie ihr dadurch der Mund verboten wird.

Das die meisten Frauen solche Gewalt gar nicht erleben und sich deswegen in ihrem täglichen Leben auch nicht bedroht sehen, dass wäre für sie wahrscheinlich unvorstellbar. Das gerade auch Frauen im Internet gerne mobben, ausgrenzen oder über andere Frauen lästern, wie es einige Statistiken zeigen, würde wohl auch nicht in ihr Bild passen.

Im Moment scheint die erfreuliche Entwicklung, Frauen und Homosexuelle als Lebewesen wahrzunehmen, zu stagnieren. Der Krieg gegen die Demokratie ist immer ein Krieg gegen Frauen und Minderheiten.

Und insbesondere gegen Männer. Denn Männer sind meist weitaus eher die Opfer aller gewalttätigen Auseinandersetzungen.

Aber nun kommt die gute Nachricht: Wir sind viele. Viele Männer und Frauen, die sich zur Wehr setzen. Die genug haben von Hass, Diskriminierung und den Zerstörungsversuchen aller humanistischen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte.

Höher hätte sie es wahrscheinlich nicht aufhängen können. Der Kampf der Frauen und der Minderheiten (und einiger Allys) gegen Hass, Diskriminierung und die „Zerstörungsversuche aller humanistischen Errungenschaften der letzen Jahrzehnte“. Warum eigentlich nicht gleich der letzten Jahrhunderte?

Bis Frauen über ebenso viel Kapital wie Männer verfügen, wird es dauern.

Ehe Homosexuelle die gleichen Rechte wie Heterosexuelle haben werden, ehe sie anerkannt genauso viel Mist bauen können wie heterosexuelle Männer, wird es noch eine Weile benötigen. In der Zwischenzeit hilft es nur zusammenzuhalten.

Die Allianz von Frauen mit Homosexuellen wird denke ich schwieriger als Sybille Berg sich das so vorstellt. Denn Homosexuelle dürften einen anderen Blick auf Frauen haben, durchaus auch die Vorteile sehen, die die diese haben und die Nachteile bei den Männern ebenso wahrnehmen.

Sich zu vernetzen, um sich Stärke und Gehör zu verschaffen. Um sich gegen den albernen Backlash-Versuch verängstigter Männer in der Politik zu wehren. Das kann Spaß machen. Und die Welt wirklich verändern.

Ein ganz klar benannter Plan. Zusammenhalten gegen diese widerlichen Hetero-Männer. Aber mit Spass.

Etwas leichtsinnig von ihr einen so grandiosen Plan zu verraten, jetzt kann sich das mächtige Patriarchat darauf einstellen.

Frauen und Schwule zusammen, dass sei Frau Berg noch zur Erweiterung ihres Planes mitgegeben, haben übrigens die Mehrheit der Wähler. Frauen alleine auch. Wenn sie die Politik ändern wollen, dann müssten eben mehr Frauen politisch aktiv werden, ebenso wie diese machtgeilen Männer, um Wählerstimmen werben und dann können sie die ganzen Männer aus dem Parlament bekommen.

Aber das ist als Plan ja nicht so raffiniert wie der obige.