Wie kommen wir feministisch korrekt durch die Corona-Krise (Teil2): „Es sind die Frauen, die das Land rocken“

Ein Artikel im Tagesspiegel hat ausgemacht, dass eigentlich nur die Frauen Deutschland noch am laufen halten und leitet daraus her, dass sie dann auch besser bezahlt werden müssen:

Die Coronavirus-Krise fordert den Menschen mehr Fürsorge ab. Für Kranke, für Schwache, für Kinder. Doch die Arbeit ist meist unterbezahlt, oft unbezahlt, scheinbar unsichtbar. Und: Fast immer ist es Frauenarbeit.

Schon lange vor dem Ausbruch des Coronavirus haben Frauen in Deutschland laut OECD die Hauptlast bei der Kindererziehung und der Pflege von Angehörigen getragen, fast 80 Prozent dieser Aufgaben werden von Frauen erledigt. Nun kommt hinzu: Frauen arbeiten oft in genau den Berufen, die jetzt als „systemrelevant“ bezeichnet werden.Eindrücklich zeigt das eine Grafik der Bundesagentur für Arbeit vom Sommer 2019. Demnach sind fast drei Viertel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Einzelhandel, also etwa die Kassierer im Supermarkt, weiblich. Ganz ähnlich sieht es in den Krankenhäusern aus, wo die Belegschaft zu 76 Prozent aus Frauen besteht. In Kindergärten und Vorschulen ist das Ungleichgewicht noch deutlicher: Nur sieben Prozent der hier Arbeitenden sind Männer, aber 93 Prozent sind Frauen.

Die Liste der „Systemrelevanten Berufe“ ist tatsächlich etwas länger:

Systemrelevante Berufe gem. § 2 Abs. 2 der o.g. Verordnung sind nachfolgend abschließend aufgezählt:
1. Angehörige des Polizeivollzugsdienstes und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer des Landes, die bei den Polizeipräsidien tätig sind und Vollzugsaufgaben wahrnehmen,
2. Angehörige von Feuerwehren,
3. Richterinnen und Richter sowie Staatsanwältinnen und Staatsanwälte der Justiz,
4. Bedienstete des Justiz- und Maßregelvollzuges,
5. Bedienstete von Rettungsdiensten,
6. Helferinnen und Helfer des Technischen Hilfswerkes,
7. Helferinnen und Helfer des Katastrophenschutzes,
8. die in der gesundheitlichen Versorgung von Menschen tätigen Angehörigen medizinischer und pflegerischer Berufe, insbesondere
a) Altenpflegerinnen und Altenpfleger nach § 1 des Altenpflegegesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 25. August 2003
(BGBl. I S. 1691), zuletzt geändert durch Gesetz vom 15. August 2019 (BGBl. I S. 1307) in Verbindung mit § 64 des Pflegeberufegesetzes vom 17. Juli
2017 (BGBl. I S. 2581), zuletzt geändert durch Gesetz vom 13. Januar 2020 (BGBl. I S. 66), oder nach § 58 Abs. 2 des Pflegeberufegesetzes,
b) Altenpflegehelferinnen und Altenpflegehelfer nach § 1 des Hessischen Altenpflegegesetzes vom 5. Juli 2007 (GVBl. I S. 381),
zuletzt geändert durch Gesetz vom 21. Juni 2018 (GVBl. S. 296),
c) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Einrichtungen, die Kindern und Jugendliche im Rahmen der stationären Hilfen zur Erziehung oder der Eingliederungshilfe nach § 35a des Achten Buches Sozialgesetzbuch betreuen,
d) Anästhesietechnische Assistentinnen und Anästhesietechnische Assistenten im Sinne der §§ 1 und 2 der DKGEmpfehlung zur Ausbildung und Prüfung von Operationstechnischen und Anästhesietechnischen Assistentinnen/Assistenten vom 17. September 2013,
e) Ärztinnen und Ärzte,
f) Apothekerinnen und Apotheker,
g) Desinfektorinnen und Desinfektoren,
h) Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen und Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger,
i) Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und Gesundheits- und Krankenpfleger,
j) Hebammen,
k) Krankenpflegehelferinnen und Krankenpflegehelfer,
l) Medizinische Fachangestellte,
m) Medizinisch-technische Laboratoriumsassistentinnen und Medizinisch-technische
Laboratoriumsassistenten,
n) Medizinisch-technische Radiologieassistentinnen und Medizinisch-technische Radiologieassistenten,
o) Medizinisch-technische Assistentinnen für Funktionsdiagnostik oder Medizinisch-technischer
Assistenten für Funktionsdiagnostik,
p) Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter,
q) Operationstechnische Assistentinnen und Operationstechnische Assistenten,
r) Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner,
s) Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner,
t) Pharmazeutisch-technische Assistentinnen oder pharmazeutisch-technische Assistenten,
u) Rettungsassistentinnen und Rettungsassistenten,
v) Zahnärztinnen und Zahnärzte
w) Zahnmedizinische Fachangestellte.

Ich habe mal die fett markiert, bei denen ich mehr Männer vermute.

Bedeutet: Vor allem Frauen kümmern sich aktuell in den Kitas um die Kinder von Ärzten, Krankenschwestern und Polizisten. Ohne sie würde Deutschland aktuell wohl zusammenbrechen.

Die Grafik konnte man schlecht kopieren, sie entsprach aber im wesentlichen dieser hier:

Ich will die Arbeit vieler der dort arbeitenden gar nicht kleinreden, aber die Aussage, dass jetzt in der Krise die Kindergärtnerinnen besonders viel Arbeit haben und Deutschland am Laufen halten ist angesichts des Umstandes, dass die meisten Kitas schlicht bis auf Notgruppen zu haben, dann doch etwas merkwürdig.

Und natürlich würde Deutschland auch ohne die hier nicht erwähnten LKW-Fahrer, Techniker, Frachtlogistiker, etc zusammenbrechen, die neue Waren bringen und dafür sorgen, dass weiterhin alles läuft.

Ganz abgesehen davon, dass eine Tätigkeit in der Sozialversicherung insofern auch kein systemrelevanter Job ist. Und alle im Einzelhändel beschäftigen Frauen zu Heldinnen auszurufen, wenn viele davon dank geschlossener Geschäfte (Einzelhandel ist ja nicht nur Lebensmittel) auch nichts anderes machen, erscheint auch merkwürdig.

Es ist eigentlich ganz interessant, warum da nicht auch technische Berufe aufgenommen sind oder eben LKW-Fahrer oder andere Leute, die auch wichtig sind, damit der Laden weiter läuft, aber die eben eher in männerdominierten Berufen arbeiten:

Kleine Verschwörungstheorie: Technische Berufe muss man nicht aufnehmen, weil Männer eben seltener Kinder betreuen. Sie brauchen keine Zusatzbetreuung, die kann aber bei relevanten Berufen, die eher weiblich besetzt sind oder einen hohen Anteil haben, sehr relevant sein.

Diese Berufsgruppen, und damit den Frauen, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Fernsehansprache am Mittwoch den Rücken gestärkt: „Danke, dass Sie da sind für ihre Mitbürger und buchstäblich den Laden am Laufen halten“, sagte sie in ihrer ersten außerplanmäßigen TV-Ansprache überhaupt.

Merkel sagte:

ich möchte mich bei dieser Gelegenheit zu allererst an alle wenden die als Ärzte oder Ärztin im Pflegedienst oder in einer sonstigen Funktion in unseren Krankenhäusern und überhaupt im Gesundheitswesen arbeiten sie stehen für uns in diesem Kampf in der vordersten Linie sie sehen als erster die kranken und wie schwer manche Verläufe der Infektion sind und jeden tag gehen sie aufs neue an ihrer arbeit und sind für die Menschen da was sie leisten ist gewaltig und ich danke ihnen von ganzem herzen dafür also es geht darum das Virus auf seinem weg durch Deutschland zu verlangsamen (…)

lassen Sie mich auch hier dank aussprechen an Menschen den zu selten gedankt wird wer in diesen Tagen an einer Supermarktkasse sitzt oder Regale befüllt der macht einen der schwersten Jobs die es zur Zeit gibt. Danke dass sie da sind für ihre Mitbürger und buchstäblich den Laden am laufen halten
Es ist  das Richtige und fast selbstverständliche bei einer Krise, die insbesondere medizinisches Personal belastet und noch stark belasten wird. Auch anzuerkennen, dass es gegenwärtig an einer Supermarktkasse nicht einfach ist, kann man sicherlich machen.
Daraus ein Geschlechterding zu machen scheint mir aber vollkommen an dem Inhalt ihrer Rede vorbeizugehen. Merkel scheint mir weit eher dafür werben zu wollen nicht zu hamstern und Mitarbeiter dort freundlich zu behandeln und diesen etwas Mut zu machen.

An vorderster Front in dieser Krise mit einmaligen Einschränkungen in der Geschichte der Bundesrepublik sieht sie neben den Kassiererinnen ganz klar die Beschäftigten in Pflege- und Krankenberufen: „Sie stehen für uns in diesem Kampf in der vordersten Linie.“

Es ist eine seltene Anerkennung. Deutlich wird das zum Beispiel bei den Pflegefachkräften. Die empfinden ihren Job als besonders undankbar. Gefolgt von Paketbotinnen, Erzieherinnen und Müllmännern. Das zeigt eine Umfrage des Vergleichsportals Gehalt.de aus dem Jahr 2018 unter knapp 9.000 Personen.

Finden Paketboten und Erzieher ihre Arbeit weniger undankbar? Wäre interessant.

Die Befragten berichten von vielen Überstunden, hoher körperlicher Belastung und Risiken für die eigene Gesundheit. Etwa 17.000 offene Stellen gibt es in der Pflege. Das verschlechtert die Arbeitsbedingungen zusätzlich, etwa durch viele Überstunden und Dauerstress.

Und die Arbeit ist außerdem schlecht bezahlt. Der Mindestlohn für ungelernte Pflegekräfte liegt aktuell bei 11,35 Euro pro Stunde. Bei einer 40 Stunden-Woche entspricht das einem Bruttogehalt von nicht mal 2.200 Euro. Selbst über drei Jahre ausgebildete Kräfte erhalten nur wenig mehr und kommen auf knapp 2.700 Euro brutto.

Auch weil Frauen in Berufen wie diesen arbeiten, kommt es zu einem eklatanten Gehaltsgefälle: Erst diese Woche berichtete das Statistische Bundesamt, dass vergangenes Jahr der durchschnittliche Bruttostundenlohn der Frauen mit 17,72 Euro um 20 Prozent niedriger lag als der von Männern mit 22,61 Euro.

Zudem übernehmen Frauen nach wie vor deutlich mehr unbezahlte Care-Arbeit als Männer – etwa Kinderbetreuung oder Aufgaben im Haushalt. „Frauen weichen deshalb im Job oft auf Teilzeit aus, was langfristig mit deutlichen Einbußen bei den Stundenlöhnen verbunden ist“, sagte jüngst die Forscherin Karin Schulze Buschoff bei der Vorstellung einer entsprechenden Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Durch die Belastungen in Folge der Coronavirus-Epidemie wird sich die Situation für die Frauen verschärfen: Fast ganz Deutschland arbeitet seit Montag im Homeoffice, der Druck auf die Verteilung von Erwerbsarbeit, Kinderbetreuung und Haushalt steigt.

Tatsächlich verdienen Männer in Teilzeit sogar weniger als Frauen.

Ich finde die Verbindung zwischen den beiden Teilen sehr merkwürdig:

Er scheint erst einmal das falsche Bild aufzubauen, dass in der Krise die ganze Arbeit bei den Frauen hängen bleibt. Was ja schlicht nicht der Fall ist. Und das ihre Arbeit, die er irgendwie zur Arbeit aller Frauen macht, weil in bestimmten Berufen Frauen überproportional vertreten sind, ganz besonders wichtig ist.
Damit begründet er dann, dass man Frauenberufe besser bezahlen sollte und dann rundet er das noch mit einer Verschärfung der Situation der Frauen in der Krise ab, was wohl eine besondere Handlungsaufforderung sein soll und Dringlichkeit signalisieren soll.

Das Männer und Frauen meist eng verbunden sind und eine finanzielle Krise einer Frau meist die Krise einer Familie oder Partnerschaft ist oder eben dort aufgefangen werden muss kommt in dem Artikel nicht vor. Das Frauen nicht nur in Teilzeit gedrängt werden, sondern das genau die Vorstellung davon ist, wie sie gerne arbeiten wollen, möglichst bis zur Rente (vgl: „85 Prozent der etwa 2000 befragten teilzeitbeschäftigten Frauen fanden es demnach „super“ in Teilzeit zu arbeiten, 75 Prozent erklärten, derzeit „auf keinen Fall“ Vollzeit arbeiten zu wollen, 60 Prozent gaben an, möglichst bis zur Rente in Teilzeit arbeiten zu wollen.“) taucht in dem Artikel auch nicht auf.

Kurz zusammengefasst wäre der Inhalt des Artikels wohl „Seht mal wie wichtig Frauen sind, sie halten die Gesellschaft am laufen und ihr behandelt sie wie Dreck und zahlt ihnen zu wenig, zwingt sie in Kurzarbeit und die Kinder müssen sie auch noch betreuen, weil ihr sie unterdrückt. Und in der Krise wird es noch schlimmer.“

Aber das ist durch die Fakten eben so auch nicht gedeckt.

„Warum Männer Feministen werden sollten“

Nils Pickert dazu, warum Männer Feministen werden sollten (Ich fand einige Argumente so dumm, dass ich einer Besprechung nicht widerstehen konnte, auch wenn ich schon ein paar Artikel dieser Art besprochen habe)

Sollten Männer dann überhaupt Anstrengungen unternehmen, um feministisch zu handeln? Offenbar gibt es ja kaum bis keine Pluspunkte zu sammeln. Frauen bleiben kritisch, Männer beschimpfen einen hier und da als Geschlechtsverräter, lila Pudel oder Beischlafbettler, und direkte Vorteile sind auch nicht in Sicht: Feminismus ist keine Sekte, die einem Zugang zu den elitären Kreisen Hollywoods verschaffen kann, und auch kein Geheimclub, bei dem jemand einen Riegel auf Augenhöhe beiseiteschiebt und Sie das Losungswort sagen müssen. Feminismus ist eine politische Idee und eine Ermächtigungsstrategie. Er kämpft für Gleichberechtigung statt für Gleichmacherei. Er stellt die Machtfrage, fordert Diskriminierungsfreiheit und streitet für diejenigen, die strukturell Benachteiligung erfahren.

Keine Sekte? Kann man auch gut das Gegenteil vertreten. Und natürlich kämpft der Feminismus nicht für Gleichberechtigung, sondern weit eher eine teilweise Gleichstellung, nämlich eben dort wo es Frauen Vorteile bringt. Und Gleichstellung ist eben auch eine Form der Gleichmacherei und ist häufig das Gegenteil von Gleichberechtigung.

Aber deswegen Feminist werden?

Wäre eine gute Wahl. Nicht nur mit Blick auf Ihre Mütter, Töchter, Schwestern, Partnerinnen und all die anderen Frauen in Ihrem Leben, sondern auch für Sie ganz persönlich. Zum einen, weil Sie dann nicht zu all den Ärschen gehören, die glauben, dass es in Ordnung ist, wenn ein Mann seine Frau schlägt. Laut einer aktuellen Studie der Vereinten Nationen findet das erschreckenderweise ein Drittel der Weltbevölkerung okay.

Was für ein geiles Argument. Nur Feministen sind dagegen, dass ein Mann eine Frau schlägt! Wer kein Feminist ist, der ist mindestens ein Befürworter davon, Frauen zu schlagen. Aber sonst sind wir keine Sekte, die das alleinige Seelenheil durch Beitritt verspricht!

Zum anderen, weil die Durchsetzung zentraler feministischer Forderungen dazu führen würde, dass man Ihnen nicht länger sagen würde, dass Sie gefälligst arbeiten gehen müssen, statt mehr als zwei Monate Elternzeit zu nehmen. Ihnen würde nicht länger die Männlichkeit abgesprochen, wenn Sie vor Schmerz winseln würden, wenn Sie nicht mehr leistungsfähig wären, psychische Probleme hätten oder Gewalt erfahren müssten. Sie würden nicht ständig dazu aufgefordert, über Ihre Grenzen zu gehen, sich zusammenzureißen und gefälligst nicht so rumzuheulen.

Das ist so etwa wie „wenn sie sich die Arme abhacken, dann tut ihnen die Schnittwunde am Finger nicht mehr weh“. Denn hier ist ja die vorgeschlagene Kur wesentlich schlimmer als das übel und dazu gibt es weitaus bessere Wege damit umzugehen.
Man muss etwa nicht die Welt einseitig in Gruppen einteilen, von denen die einen die Diskriminierer und die anderen die von diesen Diskriminierten sind und dann in einer Abwärtsspirale dieses Muster immer weiter übertreiben, bis alle Handlungen schlecht sind und man allgemeines negatives Verhalten vollständig auf eine die schlechte Gruppe transferieren muss („toxische Männlichkeit“). Man kann auch abseits dieser Theorien und abseits des Femimismus Männern zugestehen Schmerzen zu haben oder an ihre Grenzen zu kommen. Man kann auch dennoch noch einen Wert darin sehen, sich in bestimmten Situationen zusammenzureißen und eben durchzuhalten, als Mann oder als Frau, ohne es einseitig bei Männern zu verteufeln. Und man muss auch nicht rumheulen als großartige Eigenschaft darstellen, die alle Probleme löst.
Man kann sogar zugestehen, dass Männer im Schnitt anders und auch härter sind ohne das darin die Ursache alles Leides und keinerlei Vorteile gesehen werden können. Aber das würde ja differenziertes Denken erfordern, welches der Kult, die Sekte, nicht zulässt.

Mannsein könnte durch all die vielen tollen Eigenschaften definiert werden, über die Jungen und Männer schon heute verfügen, die aber leider immer noch viel zu oft schlechtgeredet und mit Scham beladen werden. Und würde nicht länger definiert durch absurde Abgrenzungen in Richtung Weiblichkeit: Sei kein Mädchen, sei nicht schwul! Andere Männer der Unmännlichkeit zu verdächtigen ist im Feminismus nicht möglich. Damit lässt sich die eigene Männlichkeit nicht länger aufwerten.

Mannsein ist bereits durch viele tolle Eigenschaften definiert und man muss diese nicht gegenüberstellen und in schlecht und gut einteilen, man kann auch einfach zugestehen, dass Menschen und damit auch Männer verschieden sind, verschiedenes wollen und damit in verschiedenen Bereichen gut abschneiden, ohne das man eine richtige Männlichkeit, die weich ist, vorzugeben.

Und klar können Männer im Feminismus der Unmännlichkeit verdächtigt werden. Es ist zB unter Femimistinnen ein beliebtes Mittel der Verhöhnung einem Mann, der Nachteile für Männer sieht etwas vorzuhalten wie „Oh, wirst du armer kleiner Mann unterdrückt von den bösen Frauen, die dich total fertig machen???“ oder ähnliches.

Beleidigungen beruhen eben gerne auf evolutionären Konzepten von Männlichkeit und Weiblichkeit weil das wirkt. Und Feministen nutzen das ebenso gerne.

Aber ginge das alles nicht auch mit einem anderen Konzept, das nicht ganz so frauenbewegt daherkommt? Natürlich steht es Männern frei, eine eigene emanzipatorische Bewegung auf den Weg zu bringen, Ziele zu formulieren und Forderungen zu erheben. Die Anliegen von Männern sind genauso wichtig und wertvoll wie die von Frauen, sie verdienen Beachtung. Nur gleicht die männliche Emanzipation einem ziemlich leeren Werkzeugkasten. Es ist einfach nicht genug drin, mit dem Sie sofort loslegen und an Ihren Problemen herumschrauben beziehungsweise Ihre Hoffnungen zum Fliegen bringen können.

Korrekter wäre es wohl zu sagen, dass die Anliegen von Männern, die in der Erfüllung der Verbesserungsvorschläge des Feminismus liegen, Beachtung finden und in soweit eng umgrenzt sind: Männer dürfen es als Anliegen haben ihre toxische Männlichkeit zu bekämpfen. Sie dürfen sich von dieser emanzipieren.
Aber gar den Gedanken entwickeln, dass Frauen nicht so unterdrückt sind wie der Feminismus meint oder das Männer in vielen Bereichen schlecht wegkommen, weil Frauen dort Vorteile haben, dass sind keine Konzepte, an denen rumgeschraubt werden soll

Die Instrumente des Feminismus liegen hingegen alle einsatzbereit da. Feministinnen wissen, dass Geschlecht auch sozial konstruiert wird. Sie wissen, dass ein und dieselbe Person mehrfach diskriminiert werden kann. Feminist zu sein bedeutet eben nicht, dass man seine eigenen Interessen als Mann aus dem Blick verliert und sich der Frau für die nächsten Jahrhunderte unterwirft. Sondern dass Mann sich in einer Gesellschaft, die die Rechte von Frauen und Minderheiten mit Füßen tritt, nicht nur aus Solidarität an die Seite der Betroffenen stellt, sondern auch jederzeit selbst der Nächste sein kann. Der Nächste, der diskriminiert wird – weil er eine Behinderung hat, weil sein Gehalt für kaum mehr als das Nötigste reicht oder er Menschen des gleichen Geschlechts begehrt. Weil er „aussieht wie ein Corona-Patient“, den Sabbat ehrt oder seine Freizeit gerne in Shishabars verbringt.

Man kann also nicht als Mann diskriminiert werden. Sondern eben nur auf den anderen Ebenen. Und man hat gefälligst nur diese wunderbaren „Instrumente“ zu nutzen, die genau das ergeben, auch wenn es eine Unmenge von Studien gibt, die nahelegen, dass die von feministischen Theorien angenommene soziale Konstruktion (das „auch“ ist ja eher ein Feigenblatt) schlicht so nicht bestehen.

 

Feminismus bietet ziemlich interessante Lösungsansätze für das Kernproblem unserer Gesellschaft, die, selbst wenn sie die menschliche Würde für unantastbar erklärt, ihr doch jeden Tag Gewalt antut. Ob nun an den Außengrenzen Europas, in einer Sishabar in Hanau oder im heimischen Wohnzimmer. Feminismus vermag darüber hinaus messerscharf zwischen Privileg und Freiheit zu unterscheiden, obwohl sich doch beides für uns nahezu identisch anfühlt. Aber es ist eben keine Freiheit, wenn Mann bei einem Bewerbungsgespräch nicht nach seiner Familienplanung gefragt oder beim Erklimmen der Karriereleiter nie mit der Frage konfrontiert wird, wie man denn seine Kinder zu betreuen gedenkt. Es ist nur ein Privileg. Ein Privileg, das Männern zugleich die Freiheit nimmt, als kompetenter Vater wahrgenommen zu werden, als gleichberechtigter Erziehungspartner, als Arbeitnehmer, der sich nicht ausschließlich für die Karriere zur Verfügung zu halten hat.

Auch hier kann man für mehr Rechte als Vater kämpfen, aber macht man es mit dem Feminismus, dann kämpft man nicht wirklich für Väterrechte, sondern hat schon genug sich selbst dafür zu geißeln, dass man ein Mann ist. Es ist schlicht unglaublich uneffektik.

Mit so einem Privileg mag Mann weit kommen, aber eben nicht bei sich an. Und der Preis dafür ist hoch. Mehr als dreimal so hoch war 2017 die Suizidrate von Männern gegenüber der von Frauen. Unter anderem auch deshalb, weil Männer sich weniger häufig Unterstützung und Beratung suchen, weil sie gewohnt sind, über die Grenzen der eigenen Belastbarkeit hinaus zu arbeiten und weil sie ihre Selbstmordversuche häufig so ausführen, dass jede Hilfe zu spät kommt. Weil genau diese Dinge als mannhaftes Verhalten gelten. Und nicht etwa Vorsorgeuntersuchungen, Vater-Kind-Kuren und vorsichtige Risikoabschätzung.

Also lassen Sie sich das mit dem Feminismus noch einmal durch den Kopf gehen. Davon bekommt Mann ihn nämlich freier.

Warum dann nicht einfach Vorsorgeuntersuchungen, Vater-Kind-Kuren und vorsichtige Risikoabschätzungen direkt fordern statt den Umweg über angebliche Privilegien zu gehen?

 

„Wenn du gerne Vater sein möchtest und ein Kind mit einer Frau hast, die partout nicht mit dir klarkommt, lass sie ziehen, zeug ein anderes“

Antje Schruppe und Enno Park halten anscheinend nichts von einem gemeinsamen Sorgerecht ab Geburt für unverheiratete Väter und drücken das auf eine gegenüber Vätern sehr gefühlskalte Art aus:

Antje Schrupp:

Automatisches Sorgerecht für unverheiratete Spermageber ist genau betrachtet eigentlich die Wiedereinführung der Zwangsehe: Wer schwanger wird, „muss heiraten“.

Die Zeit, in der Frauen in Freiheit und ohne sich in eine Dauerbeziehung zu einem Mann zu begeben, Kinder bekommen können, war also nur recht kurz. Ein paar Jahrzehnte.,

Ich verstehe nicht, die Logik dahinter. Dass man nicht heiraten muss, um Kinder zu haben, war doch mal eine Errungenschaft. Und jetzt wird das quasi durch die Hintertür wieder eingeführt: Wer gemeinsame Kinder hat, muss gefälligst miteinander klarkommen.
Ich finde dieses ganze Gesetzesvorhaben so dermaßen krass, dass ich mich wirklich wundere, warum sich hier nicht mehr feministischer Protest regt. Sind wir alle schon verväterrechtlert im Kopf?
Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass die Erkenntnis, im Fall einer Schwangerschaft „nicht heiraten zu müssen“ die große feministische Befreiung für mich war. Ich kannte noch GLeichaltrige, die „heiraten mussten“:
Ihre Gleichsetzung von „Sorgerecht für Unverheiratete ist wie Heiraten müssen“ ist natürlich ziemlicher Blödsinn.
Sorgerecht hat etwa nichts mit dem Umgangsrechts zu tun, das hätte der Vater sowieso. Und das gemeinsame Sorgerecht betrifft ohnehin nicht Entscheidungen des täglichen Lebens, sondern nur Fragen von erheblicher Bedeutung:
§ 1687 Ausübung der gemeinsamen Sorge bei Getrenntleben
(1) Leben Eltern, denen die elterliche Sorge gemeinsam zusteht, nicht nur vorübergehend getrennt, so ist bei Entscheidungen in Angelegenheiten, deren Regelung für das Kind von erheblicher Bedeutung ist, ihr gegenseitiges Einvernehmen erforderlich.
Der Elternteil, bei dem sich das Kind mit Einwilligung des anderen Elternteils oder auf Grund einer gerichtlichen Entscheidung gewöhnlich aufhält, hat die Befugnis zur alleinigen Entscheidung in Angelegenheiten des täglichen Lebens. Entscheidungen in Angelegenheiten des täglichen Lebens sind in der Regel solche, die häufig vorkommen und die keine schwer abzuändernden Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes haben.
Solange sich das Kind mit Einwilligung dieses Elternteils oder auf Grund einer gerichtlichen Entscheidung bei dem anderen Elternteil aufhält, hat dieser die Befugnis zur alleinigen Entscheidung in Angelegenheiten der tatsächlichen Betreuung. § 1629 Abs. 1 Satz 4 und § 1684 Abs. 2 Satz 1 gelten entsprechend.
(2) Das Familiengericht kann die Befugnisse nach Absatz 1 Satz 2 und 4 einschränken oder ausschließen, wenn dies zum Wohl des Kindes erforderlich ist.
Bei einem jungen gesunden Kind ist die erste Entscheidung von erheblicher Bedeutung üblicherweise die Frage, in welchen Kindergarten es kommt, danach noch die Frage auf welche Schule es kommt, vielleicht wird dazwischen noch ein Pass beantragt.
Wenn die Mutter umziehen will, dann wäre das auch von erheblicher Bedeutung, zumindest wenn es nicht im gleichen Ort ist.
Die Absprache beim gemeinsamen Sorgerecht kann also minimal sein, weit aus mehr Absprache erfordern Umgangsrecht etc.
Schrupp wäre vielleicht auch entsetzt, wenn sie wüßte, dass man das gemeinsame Sorgerecht auch bereits jetzt gegen den Willen der Mutter einklagen kann und das man das auch noch machen kann, wenn man es nicht hat und erfährt, dass die Mutter etwas machen will, was man nicht gut findet.
Die von ihr angenommene „Zeit, in der Frauen in Freiheit und ohne sich in eine Dauerbeziehung zu einem Mann zu begeben, Kinder bekommen können“ war also nach ihren Kriterien nie vorhanden. Wobei eine Frau sie natürlich immer noch leicht haben kann: Sie muss sich nur von jemanden schwängern lassen, den sie danach nicht mehr sieht und dann auf die Frage nach dem Vater antworten, dass es eben eine Karnevalsbekanntschaft oder ein Fremder bei einem One-Night-Stand war. Würde aber natürlich dann auch keinen Unterhalt bedeuten (den Schrupp aber meine ich eh nicht gut findet und auf den Staat verlagern würde).
Den Text finde ich neben seiner Verkennung von Fakten auch schon deswegen ziemlich bescheuert. Alleine schon die Bezeichnung „Spermageber“.
Enno Park, der wegen eines Cochleaimplantats selbsternannte Cyborg, dachte allerdings „Hold my Beer, das kann ich noch verächtlicher und gefühlsloser“
1/ Erwartbar, wie sehr sich die Leute über @antjeschrupp
’s These aufregen. Ich denke derweil an einen konkreten Fall in meinem Bekanntenkreis. Kurzer Thread:
2/ Gemeinsames Sorgerecht heißt, du kannst nichts alleine entscheiden, sobald es um das Kind geht. Heißt weiter: Du kannst auch nicht über den Wohnsitz des Kindes ohne das andere Elternteil entscheiden. Heißt weiter:
3/ Papi kann Kind und Mutter *verbieten* umzuziehen. So geschehen in meinem Bekanntenkreis, als eine Mutter eine Immobilie in einer Nachbarstadt erbte und diese jetzt nicht beziehen kann, weil der Vater ein Veto einlegt, weil er die Entfernung nicht convenient findet.
4/ Es geht also am Ende doch wieder um die Ausübung von Macht, insbesondere wieder eine patriarchale Machtstellung des Mannes, über Whereabouts von Frau und Kind bestimmen zu können. Antje hat leider recht, wenn sie automatisches Sorgerecht als Form von „Zwangsehe“ bezeichnet.
5/ P.S.: Und nein, „Spermageber“ ist hier keine Herabwürdigung aller Väter, denn sie meint ja gerade nicht soziale Väter sondern die Frage, ob Leuten, die ihr Sperma dagelassen haben, daraus eine solche Machtposition automatisch und gegen den Willen der Mutter zukommt.
6/ Wer das bejaht, denkt halt immer noch in patriarchalen Mustern. Denn letztlich geht es doch wieder nur darum, dass die Kontrolle über den weiblichen Körper und die biologische Reproduktion schön beim Mann
7/ Und ganz praktisch an meine Co-Männer: Wenn du gerne Vater sein möchtest und ein Kind mit einer Frau hast, die partout nicht mit dir klarkommt, lass sie ziehen, zeug ein anderes oder gehe eine Beziehung mit einer Alleinerziehenden ein, aber einer DIE DICH IN IHREM LEBEN WILL.
8/ Alles andere ist nicht das Denken in Liebe und Beziehungen sondern das Denken in Kontrolle, Eigentum, Anspruchsdenken und Blutsabstammung. Kann man machen, ist aber scheiße.
Ein unglaublicher Text. Merkt er gar nicht, dass er da gleichzeitig der einen Seite vorwirft Macht auszuüben, in Eigentum zu denken, ein Anspruchsdenken zu haben und Kontrolle auszuüben (den Vätern) und dies dann ganz selbstverständlich der anderen Seite zuzugestehen.

Und das so weitgehend, dass er sagt „Wenn sie dich nicht mehr mag, dann gehört das Kind ihr, und wenn sie mit ihm wegziehen will, dann hast du die Klappe zu halten, zeug doch ein anderes Kind“

Zeug doch ein anderes
Zeug doch ein anderes 
Zeug doch ein anderes 
Ich kann es immer noch nicht wirklich glauben.
Mir ist wirklich nicht ganz klar wie ein auch nur annähernd zur Empathie fähiger Mensch so etwas schreiben kann. Selbst wenn er keine Kinder hat sollte ihm doch das grobe menschliche Konzept eines Elternteils, welches sein Kind liebt, verständlich sein.
Aber auch abgesehen davon ist „Man kann gar nichts mehr machen, noch nicht einmal mit dem Kind in eine andere Stadt ziehen“ falsch:
Natürlich kann man das auch mit dem gemeinsamen Sorgerecht, die Frau sowieso, sie muss nur ihr Kind zurücklassen und dann eben ein anderes machen (was ist schon dabei?) und auch mit dem Kind, wenn sie den Anspruch bei Gericht geltend macht und die Hauptbezugsperson des Kindes ist und das auch noch mit will.
Ein Gericht fragen ist natürlich eine absolute Unzumutbarkeit. Wie kann man das nur verlangen, wenn man einen Elternteil räumlich von seinem Kind trennen will und dieses von ihm?
Dieses miese Patriarchat, da lässt es nicht einfach Frauen die absolute Macht über das Kind, sondern überlegt (umgesetzt ist es ja noch nicht) ob unverheiratete Väter zumindest in Fragen von erheblicher Bedeutung von Anfang an mitreden dürfen. Wie patriarchalisch kann ein System sein? Frauen werden da wirklich zwangsverheiratet und quasi aller Rechte beraubt, es ist unglaublich.
Noch ein paar Tweetreaktionen, die ich passend fand:

Weiterlesen

Neusprech-Beispiele

Meines Wissens nach eine tatsächlich existierende ernstgemeinte Stiftung und von dieser eine ernst gemeinte Broschüre

Wie radikale Feministinnen Frauenrechte sehen

„Weil da ein stilles Einvernehmen unter vielen im Raum steht, dass dya cis Männern das Self-Entitlement, der extra Raum und die stille Unterordnung weiblich zugeschriebener Personen irgendwie zusteht.“

Ein Auszug aus einem Twitter-Thread, den ich ganz interessant finde:

CN sexistische Kackscheiße . . . Gerade auf dem Heimweg, S-Bahn. Noch ein Sitzplatz frei. Neben einem, den ich als dya cis Dude lese. Sitzt mega breitbeinig da. Setz mich daneben. Drängel dezent mit dem Knie, damit er merkt, dass ich da bin und er jetzt nicht mehr 1 3/4 Plätze

für sich alleine haben kann. Er reagiert null. Setze mich selbst dreister breitbeinig hin, mal sehen, ob er jetzt mal langsam die Beine zusammen macht. Statt dessen schnauzt er „Wie breit willst du denn noch sitzen?“ (selbst immernoch extrabreit manspreading) Ich: „So breit wie

du.“ Er: „Benimm dich mal wie eine Frau!“ Ich schau ihm still in die Augen und weiche nicht zurück. Er schreit rum, die ganze Zeit noch mit Telefonat am Ohr, nennt mich fette Schlampe, kickt mich mit Gewalt mit dem Bein zur Seite, um mich zu zwingen „wie eine Frau“ zu sitzen.
Er ist unzweifelhaft ein sehr unsympathischer Geselle, sie wirkt aber auch nicht wirklich sympathisch. „Beninn dich mal wie eine Frau“ klingt etwas konstruiert, aber wer weiß, vielleicht hat er so etwas gesagt.
Ich benutze auch körperlichen Druck und mache mich wieder genauso breit wie er. Er droht, mich zu bespucken sollte ich mich nicht „benehmen“. Ich informiere ihn über meine 6 Jahre Kampfsporterfahrung und hoffe innerlich sehr, dass er sich das mit dem Bespucken überlegt. Rufe mir
aber Techniken ins Gedächtnis, mit denen ich ihn von mir weg zwingen könnte. Halte den Blickkontakt. Erinnere mich ans Atmen. Er spuckt dann nicht. Zwei von mir als ältere Frauen gelesene mischen sich ein. Sie meinen, ‚wir‘ sollten „jetzt beide aufhören“. ‚Wir‘ würden ‚beide‘
„alle hier stören“. Ich atme. Zwinge mich zur Ruhe. Bleibe breit sitzen. Er kotzt sich durchgängig am Telefon bei „Schatz“ über mich aus mit allen sexistischen, lookistischen und fettfeindlichen Ausdrücken, die ihm einfallen. Ich höre noch, wie er droht, mich zu fotografieren,
Das bringt eine Identitätspolitik eben so mit sich: Sie ist vollkommen unfähig außerhalb ihres Schemas zu denken: Er ist ein dya cis Dude (also ein nichtintersexueller nicht transsexueller Mann) und deswegen ein Arschloch und sie kämpft hier gegen das Patriarchat und überhaupt auch alle schlechten nicht intersexuellen oder nichttranssexuellen.
Die Frauen sehen einfach nur zwei Leute, die sich anscheinend gegenseitig hochstacheln und wollen ihre Ruhe haben. Für sie sind sie aber auch nur Bestandteil ihres Feindbildes: Da kämpft sie eigentlich für sie gegen die Männer und die stellen sich noch nicht mal auf ihre Seite.
dann hab ich meinen mp3 player gefunden, mache die Kopfhörer rein und Musik an. Kriege nur noch am Rande mit, dass er kein Foto macht, aber weiter seinen Hass rauskotzt. Tut er noch beim Aussteigen. Ich habe nicht klein beigegeben. Das finde ich gut. Ich weiß aber,
dass ich jetzt für längere Zeit keine Kapazitäten mehr aufbringen kann, mich mit solchen Macker und ihrer Scheiße anzulegen. Und zwar nicht wegen dem Hass, der dem Typen aus dem Gesicht gefallen ist und nicht wegen der Drohungen. Sondern weil ich heute wieder erinnert wurde,
dass überall um mich herum alles voller Leute ist, die absolut keinen Grund sehen, sich einzumischen und sich gegen sexistischen, fettfeindlichen Hass zu positionieren, wenn er vor ihrer Nase passiert. Weil da ein stilles Einvernehmen unter vielen im Raum steht, dass
dya cis Männern das Self-Entitlement, der extra Raum und die stille Unterordnung weiblich zugeschriebener Personen irgendwie zusteht. Zumindest ein bisschen. Nicht so, dass mensch es laut so sagen würde, aber doch in soweit, dass es „übertrieben“, „zickig“ und irgendwie
Erstaunlich, wie umfangreich sie das mit Bedeutung auflädt, die sich im wesentlichen nur aus ihrer eigenen Ideologie, ihrem Frame ergibt.
Statt anzunehmen, dass die einfach keine Lust haben sich hier für etwas Beinfreiheit einer ihnen unbekannten und auch recht aggressiven Frau ein Bespucken oder Gewalt einzufangen geht sie davon aus, dass sie glauben, dass der Mann sich so benehmen darf und das weil er ein Mann und sie eine Frau ist. Was für eine absurde Annahme.
unberechtigt sei, darauf mit mehr als augenrollendem Tolerieren, mit explizitem Widerstand zu reagieren. Wer es so „übertreibt“ mit dem sich Wehren, sei ja dann irgendwie auch ein bisschen selbst schuld daran, beleidigt und bedroht und vielleicht noch bespuckt zu werden.
Kannst ja auch „aufhören“. „Hören Sie beide auf, das stört alle.“ Stören Sie nicht die gewohnte Ordnung. Akzeptieren Sie die normale patriarchale Scheiße so wie wir.“ Dieses implizite Einverständnis mit gewaltvoller Ungerechtigkeit um mich herum, damit konfrontiert zu werden,
Akzeptanz ist da ein hohes Wort. Und dann auch noch die „patriarchale Scheiße“, nicht einfach nur das schlechte Verhalten.
Naheliegenderweise wollten sie einfach nicht in seine Schußlinie (oder besser Spucklinie) oder in ein Gerangel in einer Bahn um Beinplatz geraten. Was auch verständlich ist, wenn sie den ganzen Stellvertreterkrieg, den sie hier sieht, gar nicht als solchen wahrnehmen und er ihnen egal ist.
das macht mir Angst. Wenn ich manchmal lieber aufstehe und weggehe, weil der Dude neben mir mit manspreaden nicht aufhört, dann mache ich das, weil ich vor den Leuten drumherum, ihrer Relativierung und Verteidigung der Verhältnisse, die rauskommt, wenn’s knallt, Angst habe.
Und sie haben eben Angst, dass du da was zum knallen bringst für nichts. Einfach weil du meinst, dass da ein Patriarchat ist, welches du bekämpfen musst und nicht nur ein Idiot.