Verbergen eines höheren Partnerwerts zur Vermeidung sexueller Belästigung

Ein Artikel in „Vice“ ist sicherlich immer mit einer gewissen Vorsicht zu genießen, dieser hier ist aber vom Thema her sehr interessant:

All men are bad—even the non-human ones. We talked to an evolutionary biologist and author of a new paper, „Why aren’t signals of female quality more common?,“ that suggests female animals have adapted their appearance to avoid them.

Just like human women who walk innocuously down the street on two legs, female animals also endure unwanted catcalls (or worse) from their male counterparts. And while other animals haven’t developed pepper spray or the vocalization „fuck off,“ they have their own defenses against unwanted sexual attention.

Some female butterflies, for example, emit an anti–aphrodisiac when a male tries to mate with them after they have already mated with another; the unpleasant substance drives horny males straight away. The female African swallowtail butterfly employs a unique tactic to avoid harassment: it dresses in drag by morphing its usual markings to resemble that of the black and yellow male.

Now, a new paper from UK researchers at the University of Exeter, led by Professor David Hosken, suggests female animals across most species have subtly weaponized their appearance.

Male animals typically attract female mates through flagrant visual displays that signal they’re the best reproductive choice, but males can also be discerning about their partner’s appearance. In that case, Hosken muses, „Why do females not signal their sexual quality via ornamental secondary sexual traits like males do?“

It’s long been observed that females are typically less decorated than their male counterparts—the sexual dimorphism displayed amongst peacocks is an obvious example. Previous explanations for the penchant for drab plumage among female animals have focused on the increased need for females to camouflage from predators and conserve energy for reproduction.

But Hosken theorizes that, „given that selection can favor female signals that reduce male harassment“—such as emitting an anti–aphrodisiac or forming communities away from males entirely—“it is very likely that the costs of male harassment could also select against ornaments that positively signal female quality, even if these ornaments would increase fitness in the absence of sexual harassment.“

In other words, Hosken suggests that females look deceptively dull in part to ward off unwanted male attention because the threat of sexual harassment outweighs the potential benefits of being able to attract a better mate. To test his theory, Hosken told Broadly that he is currently doing work to determine if „attractive females are more harassed“ than „non-attractive“ females.

Der Artikel ist hier über Sci-Hub im Volltext abrufbar

Ein paar Überlegungen vorab zu „Fitnesssignalen“

  • Ein Signal für Fitness ist nur dann ein ehrliches Signal, wenn es mit Kosten verbunden ist und dadurch schwer zu fälschen ist.
  • diese Kosten müssen demnach geringer sein als die Vorteile, die dadurch entstehen, dass man jemanden einen hohen Wert mitteilt.
  • Ein hoher Partnerwert lohnt sich insbesondere dann, wenn der andere zwischen vorhandenen Partnern diskriminieren muss, also sich entscheiden muss, um welchen der in Frage kommenden Partner er wirbt bzw. welchen er auswählt.
  • Sperm is cheap, eggs are expensive: In einer Spezies, bei der der Mann außer seinem Sperma nichts beisteuert, also keine Versorgung, Verteidigung oder Ausbildung der Kinder und/oder der Partnerin übernimmt lohnt es sich nicht für ihn groß auszusuchen. Das ändert sich, wenn er besonders aufwändig um eine exklusive Partnerin werben muss oder eine gemeinsame Aufzucht des Nachwuchses dessen Chancen wesentlich verbessert.
  • Ein Signal kann noch teurer sein, wenn man zusätzlich zu seinen Kosten noch die Kosten eines „Austragens“ trägt: Ein Tier, dass schwanger schwerer flüchten kann und noch besonders auffällig ist, kann insgesamt zu hohe Kosten haben, ebenso ein Tier, welches zwar seinerseits bei Entdeckung fliehen könnte, dessen Nachwuchs, der noch nicht kräftig genug ist, um zu fliehen, aber evtl mitentdeckt wird und dann nicht fliehen kann.
  • Eine Strategie, eine Person mit hohem Partnerwert für sich zu sichern ist auch, deren eigene Wahl auszuschließen, etwa durch Gewalt oder dadurch, dass man andere davon abhält, überhaupt an diese heranzukommen.

Damit ist der häufigste Grund dafür, dass Weibchen keine besonderen Verzierungen haben, dass sich die Kosten dafür nicht lohnen. Da ein Pfau freudig jede Henne begattet, die ihn lässt, reicht es, sich einfach zu dem, mit dem besten Gefieder hinzubewegen. Ansonsten wird er sich weder gesondert für eine bestimmte Henne einsetzen noch für deren Nachwuchs. Eine Vermeidung der Kosten bringt mehr.

Natürlich kann es auch Situationen geben, wo man bestimmten hochwertigen Partnern Signale geben möchte, dass man selbst interessant ist, anderen weniger hochwertigen aber nicht. Das wäre dann der Fall, wenn entweder unsicherer Situationen bestehen oder die Werbung um einen selbst Kosten verursacht, die durch das sonstige Signalling nicht aufgewogen werden.

Bei Menschen ist die Lage etwas anders: Frauen wollen einen Partner, der nicht einfach nur Sperma liefert, sondern üblicherweise Versorgung, Schutz und Ausbildung. Wir verfolgen als Menschen eine „K-Strategie„:

Typische Eigenschaften von K-Strategen

  • Langsame Individualentwicklung und hohe Körpergröße
  • Lange Lebensspanne mit geringer Vermehrungsrate
  • Später Fortpflanzungsbeginn, lange Geburtenabstände, geringe Wurfgröße
  • Ausgeprägte elterliche Brutpflege
  • Großes (leistungsstärkeres) Gehirn

Wir sind die Spezies mit den wohl unselbständigen Nachwuchs, der eine umfassende Betreuung benötigt und sich sehr langsam entwickelt. Die Chancen des Nachwuchs steigen mit einer guten Versorgung während der Schwangerschaft, der Aufzucht und auch mit der Sicherung und Weitergabe einer Position in der Gruppe.

Die Auswahl des Partners ist dafür durchaus entscheidend, weswegen die sexuelle Selektion Brüste und andere Merkmale wie etwa einen flachen Bauch als Signale für einen hohen Partnerwert bei Frauen hat entstehen lassen.

Ein Verbergen kann dann Sinn machen, wenn man die Lage als besonders gefährlich für Strategien, bei denen die Partnerwahl der Frau umgangen wird (=Vergewaltigung, aggressive Belästigung), einschätzt oder man die Werbung von zu vielen Männern einen einschränkt.

Theoretisch würde das bedeuten: Um so sicherer eine Gesellschaft, um so freizügiger können Frauen sich zeigen. Um so unsicherer eine Gesellschaft bzw. das Umfeld einer Frau, um so weniger Freizügig wird sie sich zeigen.

Es wäre insofern nicht erstaunlich, wenn Anhängerinnen einer Rape Culture Theorie, die tatsächlich eine Bedrohung sehen, sich unattraktiver machen würden.

 

Auch gut damit vereinbaren ließe sich die zusätzliche Verwendung von „Warnfarben“, die Gefahr signalisieren und abschrecken sollen:

binx big red

binx big red

Allerdings neigt menschliches Verhalten dazu, komplizierter zu sein. Gerade in einer Spezies, bei der beiderseitige Attraktivität wichtig ist, macht Attraktivität in vielen Bereichen etwas aus und betrifft auch sonstige Bewertungen. Demnach gibt es auch eine Vielzahl von Strategien neben dem Verbergen von Attraktivität, die dies ergänzen:

  • Man kann Verlangen, dass die Sicherheit noch mehr erhöht wird, damit man trotz erhöhter Angst keine Einschränkungen vornehmen muss (siehe zB Verbot des Slutshaming, die Idee, dass Kleidung nie provozieren darf und jedes Ansinnen dieser Art geahndet wird, die Idee, dass Belästigungen die schlimmste aller denkbaren Taten sind und auch bei Kleinigkeiten oder Unsicherheit sehr schwer bestraft werden, um einen Abschreckungseffekt zu erreichen und die Sicherheit zu erhöhen bzw. wieder herzustellen)
  • Man kann verlangen, dass die Nachteile des eigenen Verbergens von Attraktivität gemindert werden, indem alle anderen auch die eigene Attraktivität verbergen müssen bzw indem Werbung mit besonders schönen und attraktiven Personen tabuisiert wird.

Ich finde den Gedanken des Artikels aus evolutionärer Sicht durchaus interessant. Inwieweit er beim Menschen dann tatsächlich ausschlaggebend war, wäre eine andere Frage.

Gruppenselektion bzw Multilevel Selektion: Besprechung zweier dazu diskutierter Beispiele

Gruppenselektion oder Multilevelselektion stützt sich immer wieder auf ein paar Beispiele, die aber tatsächlich nicht sehr überzeugend sind.

1. eine Gruppe löscht eine andere aus.

Das eine Beispiel – auch in einem von Elmar verlinkten Video gebracht – ist eine Gruppe A und eine Gruppe B, bei der beide eine bestimmte Selektionen unterlaufen, plötzlich gegeneinander antreten und dann die eine die andere besiegt. Hier wird angeführt, dass dies eine weitere Selektionsebene wäre, eben weil sich eine Gruppe gegen die andere durchgesetzt habe, vielleicht weil sie stärker oder schlicht weil sie mehr waren.

Die Selektionsebene sei hier die Gruppe, denn auch jemand mit „schlechten Genen“ könne in einer starken Gruppe erfolgreich jemand anderen als Teil einer Gruppe verdrängen, der eigentlich „bessere Gene“ hat.

Tatsächlich ist das aus meiner Sicht kein Fall der Gruppenselektion, sondern schlicht natürliche Selektion, die immer einen Anteil von Glück oder Pech hat und nicht beinhaltet, dass „gute Gene“ immer erfolgreich sind.

Würde man dies als eine eigene Form der Selektion anerkennen, dann müsste man auch „Ortsselektion“ anerkennen. Denn wenn eine Gruppe  neben einem Vulkan lebt, der dann ausbricht und die andere Gruppe im weiten Abstand davon, dann überlebt auch der mit „schlechteren Genen“, schlicht weil er sich nicht in der Nähe des Vulkans aufgehalten hat.

Vulkan und größere Stämme sind aus der Sicht der Selektion schlicht Umwelt.

Innerhalb der Gruppe, die überlebt, findet insoweit mit dem Element des Auslöschens des anderen auch keine einheitliche Selektion statt, die besondere Gene innerhalb dieser Gruppe anreichert. Sie reichert sie dann vielleicht in dem bestehenden neuen Terretorium am, dass hat aber nichts mit Selektion zu tun. Die Selektion innerhalb der Gruppe verläuft nach wie vor nach den Regeln über das Gen statt, bleibt also schlicht genzentriert.

2. Selektion durch die Gruppe

 

Wilson führt dazu sein Hühnerbeispiel an:

Wilson beschreibt an einem anderen Beispiel, wie man ein Gehege von 20 Hennen erhält, die in der Summe die meisten Eier legen (Wilson 2007,33f). Früher suchten Züchter die produktivsten Hennen aus einer größeren Gruppe heraus, selektierten wiederholt die Auswahl der ein oder zwei Dutzend besten Legehennen einige Generation lang bis nach einer Reihe von Generationen die besten bestimmt waren. Dies hatte jedoch den unter Züchtern bekannten unliebsamen Effekt, dass die verbleibenden besten Legehennen in der Gruppe keinerlei Konkurrenz duldeten und sich töteten. Die Zusammenhänge hat der Amerikaner William Muir [4] entdeckt: Wenn jeder sein Bestes gibt im Staat, dann ist das nicht zwingend das Beste für alle.

Dazu hatte ich auch schon einmal eine Diskussion mit Roslin geführt, der als Anhänger der Gruppenselektion eben dieses Beispiel brachte:

Im Übrigen gibt es etliche Laborversuche, die Gruppenselektion in ihrer Wirksamkeit belegen, etwa das Hühnerzuchtexperiment von David Muir.

In einer Versuchslinie wählte er immer nur die Henne mit der höchsten Legeleistung aus einem Käfig mit mehreren Hennen aus und machte sie zur Urmutter der nächsten Generation.

In einer parallelen Versuchslinie wählte er alle Hennnen aus dem Käfig mit der höchsten Legeleistung aus.

Nach 6 Generationen war die Käfigselektion erfogreich – Legeleistung um 160 % höher als in der Ausgangspopulation.

Im anderen Fall (Auswahl nur der besten Henne) war die Legeleistung gesunken.

Er hatte einen Käfig voller psychopathischer Chicks vor sich, die sich gegenseitig halb zu Tode pickten und ihr bestes taten, um die Konkurrenz am Eier legen zu hindern.

Er hatte also immer nur die egoistischste Henne ausgewählt, die ihre Mithennen am erfolgreichsten am Eier legen hatte hindern können und deren Persönlichkeitsmerkmale hochgezüchtet mit fatalem Ergebnis.

Meine Antwort dazu war:

Da herrschten ja vollkommen verschiedene Selektionsdrücke.

In der „Gruppengruppe“ wurden die Individuen gefördert, die andere Hühner förderten. Die Interessen des egoistischen Gens waren damit identisch mit dem Legeerfolg der Gruppe. Denn das ein Huhn weniger legt als eine hochmotiverte Gruppe sollte klar sein

In der „Egoistengruppe“ war es nicht nur das Interesse des Huhn möglichst viele Eier zu legen, sondern auch noch die anderen daran zu hindern, damit es weitergeht. Demnach bestand ein Selektionsdruck dahingehend seine Legeleistung zur Verbreitung der eigenen Gene zu erhöhen und die der anderen Abzusenken.

Demnach sagen egoistische Gene genau dieses Ergebnis voraus.

Und auch übertragen auf Wilsons Beispiel ist es kein Nachweis dafür, dass eine über das egoistische Gen hinausgehende Selektion in der Gruppe stattfindet, es ist vielmehr ein Beispiel dafür, dass das Abstellen auf nur ein Zuchtkriterium schnell unangenehme Nebenfolgen haben kann, wenn man die Begleitfaktoren nicht bedenkt.

Das ist auch etwas, was im Sozialdarwinismus gerne falsch verstanden wird. Dort soll ja auch eine Form der Gruppenselektion stattfinden, „die Arier“ etwa gegen „die Untermenschen“.

Ich schrieb dazu bereits:

Zuallererst ist der Sozialdarwinismus ein naturalistischer Fehlschluß. Weil in der Biologie eine Selektion erfolgt, ist sie nicht gut und hieraus ergibt sich insbesondere auch kein Grund, sie auf andere Lebensbereiche zu übertragen.

Des weiteren geht der Sozialdarwinismus unzutreffenderweise davon aus, dass es eine „Höherentwicklung“ gibt, dass also die Evolution ein Ziel hat, welches man erreichen muss.

Es wird zudem verkannt, dass es in der Evolution nicht auf eine Auslese der Besten ankommt, sondern um eine Anpassung an Gegebenheiten. Eine Evolution stellt zwar häufig einen Wettbewerb dar, dieser kann aber auch dazu führen, dass sich soziale Wesen entwickeln, die dann eben den anderen helfen.

Zudem wird nicht erkannt, dass Evolution als Ansatzpunkt nicht das Individuum oder das Volk hat, sondern Gene, die untereinander darum konkurrieren, wer sich die besseren Fortpflanzungsmaschinen baut. Nicht wer überlebt „gewinnt“ in der Evolution, sondern wessen Gene sich im Genpool anreichern.

Es stimmen zudem zumeist die Kriterien für eine echte „Bestenauslese“ nicht. Wer tatsächlich auf bestimmte Gene selektieren will, der muss die Startbedingungen mit einbeziehen und schauen, ob Erfolge aus eigener Kraft erreicht worden sind. Eine echte sozialdarwinistische Selektion würde kaum vor Familien, Völkern oder Ständen halt machen und ein Aussortieren über all diese Ebenen hinweg verlangen.

Zudem wird übersehen, dass der Genpool unter verschiedensten Gesichtspunkten Vorteile bringen kann. Eine Fixierung auf eine Eigenschaft kann dazu führen, dass andere Eigenschaften, die eigentlich gewünscht und benötigt werden, verschwinden. Wer auf Wettbewerb selektiert, der läßt eben auch gleichzeitig viele soziale Eigenschaften wie Altruismus etc verschwinden.

Wer etwa nur die besten Soldaten zur „Zucht“ benutzt, der erhält vielleicht das Äquivalent der herausgepickten Hühner: Psychopathen, die wenig Skrupel haben zu töten, aber Einzelgänger sind. Und wer  nur auf „blaue Augen, blonde Haare“ geht, der kann andere negative Eigenschaften mitschleifen, die er eigentlich gar nicht wollte.

 

 

Die Evolution der Kooperation

In der Diskussion zu den egoistischen Genen tauchte noch einmal die Frage auf, wie sich dann Kooperation entwickeln konnte.

Ich zitiere dazu aus einem passenden Wikipediaartikel:

Axelrod geht von einem iterativen Gefangenendilemma aus. In diesem einfachen Zwei-Personen-Spiel haben beide Spieler den Anreiz, sich unkooperativ zu verhalten, wenn sie rational und egoistisch handeln – wenn keine weiteren Aspekte wie Moral oder gegenseitiges Vertrauen hinzu kommen, und wenn sie sich nur einmal und dann niemals wieder in dieser Situation begegnen. Das Dilemma des Gefangenendilemmas besteht darin, dass zwar Defektion für jeden Spieler aus seiner Sicht richtig (rational) wäre, es sich jedoch um ein Nichtnullsummen-Spiel handelt, bei dem nicht nur einer gewinnen kann, sondern beide den Gesamt-Gewinn durch Kooperation maximieren können.

Axelrod untersuchte, was sich ergibt, wenn sich diese Situation über viele Male wiederholt; wenn sich die beiden Spieler immer wieder begegnen, ohne zu wissen, wann sie zum letzten Mal zusammentreffen werden (iteriertes Gefangenendilemma). Von vornherein gibt es keine beste Strategie, da die Strategie immer von der Strategie des Gegners abhängt. In zwei Programmierwettbewerben ließ er verschiedene, zum Teil sehr ausgeklügelte Strategien zusammentreffen. Die Programme stammen von vielen Personen aus unterschiedlichen Fachbereichen, darunter Mathematiker, Informatiker, Sozialwissenschaftler, Wirtschaftswissenschaftler und Psychologen. Es zeigte sich, dass sich in einem iterierten Gefangenendilemma kooperative Strategien durchsetzen.

Es stellte sich heraus, dass eine sehr einfache Strategie beide Male am erfolgreichsten war: Tit for Tat, gewann beide Wettbewerbe und bekam insgesamt, summiert über alle Spiele eines Turniers, die meisten Punkte. Tit for Tat setzte sich gegen komplexe, teilweise stochastische Verfahren, darunter Strategien, die trickreich versuchten, die anderen zu übertölpeln, durch. Tit for Tat besteht darin, beim ersten Zusammentreffen mit einem anderen Spieler zu kooperieren und in allen weiteren Runden dann stets dessen Verhalten aus der Runde davor nachzuahmen.

Axelrods Experiment liegen idealisierende Annahmen zu Grunde:

  • Alle Spieler sind mit den gleichen Ressourcen ausgestattet. Abgesehen von der Möglichkeit, in den einzelnen Spielrunden zu kooperieren oder zu verweigern, haben sie keine Möglichkeit, anderen Mitspielern Belohnungen zukommen zu lassen oder Repressalien auszuüben.
  • Abgesehen von der bisherigen Geschichte ihrer Interaktion in den vorangegangenen Spielrunden wissen die Spieler nichts voneinander.

Diese Annahmen mögen weltfremd erscheinen. Es gibt jedoch eine ganze Reihe von realen Situationen, in denen sich dieses Mehrrunden-Gefangenendilemma wiederfindet. Im Kern tritt es immer dann auf, wenn eine Gruppe von Personen die Wahl hat, eine gemeinsame Ressource zum maximalen Eigennutz auszubeuten – oder sich zwecks Maximierung des gemeinsamen, nachhaltigen Nutzens zurückzuhalten. Axelrods Arbeit wurde deshalb zur Grundlage einer großen Anzahl weiterer Forschungsarbeiten in den Sozial-, Politik- und Rechtswissenschaften.

Die Analyse der beiden Wettbewerbe ergab folgende Bedingungen für eine erfolgreiche Strategie:

  1. Die Strategie muss freundlich sein, das heißt: Niemals als Erste nicht kooperieren (defektieren)! Alle Strategien, die niemals als Erste defektierten (nicht kooperierten), befanden sich auf den vorderen Plätzen.
  2. Die Strategie muss schlagkräftig sein und nicht nachtragend, das heißt, eine Defektion des Gegners mit einer eigenen Defektion zurückzahlen können und dann wieder kooperieren. Dies ist wichtig, um nicht ausgenutzt zu werden. Die Strategie muss aus den Handlungen des Gegners lernen und sich dessen Züge merken können. Um nicht in einem unendlichen Echo der gegenseitigen Defektion zu enden, sollte der Rückschlag deutlich, aber deeskalierend sein.
  3. Die Strategie darf nicht neidisch sein! Wenn die Strategie niemals zuerst defektiert, kann sie immer nur genauso gut wie der Gegner werden und niemals besser. Indem sie gegnerische Defektionen beantwortet, hinkt sie sogar immer einen Schritt hinterher und hat am Schluss ein paar Punkte weniger. Beim Versuch, diesen Rückstand aufzuholen, wird der Weg der besten Strategie verlassen, man schneidet insgesamt schlechter ab!
    Das heißt konkret, dass Tit for Tat den Wettbewerb nicht gewinnt, weil es eine hohe Zahl von Einzelsiegen erringt, sondern weil Tit for Tat zwar im Gegenteil im direkten Duell recht einfach zu besiegen ist und somit eher wenige Duelle gewinnt, dafür diese Niederlagen aber mit hohen Punktzahlen einhergehen.
  4. Sei nicht zu raffiniert, das heißt, die Strategie muss für den Gegner durchschaubar sein, damit er sich auf sie einstellen kann und nicht glaubt, es sei eine zufällige Strategie (Random hat nicht besonders gut abgeschnitten).
  5. Jede Strategie funktioniert nur, wenn die Wahrscheinlichkeit eines zukünftigen Spiels und damit von zukünftigem Gewinn ausreichend hoch ist. Ist diese Wahrscheinlichkeit zu klein, ist es immer besser zu defektieren und den jetzigen Gewinn zu sichern. Wer Kooperation mit seinem Gegner möchte, muss also für eine ausreichend häufige und ausreichend sichere Wiederkehr des Spiels sorgen.

Von allen zum Wettbewerb eingesandten Strategien erfüllte Tit for Tat diese Bedingungen am besten. Ein Nachteil ergibt sich aus den nicht deeskalierend ausgeführten Rückschlägen von Tit for Tat, wodurch diese Strategie nicht fehlerrobust ist. Interpretiert ein Spieler das kooperative Verhalten seines Mitspielers fälschlich als Defektion, dann dauert die gegenseitige Defektion an, obwohl beide Parteien im Grunde auf Kooperation ausgerichtet sind. In der Politik können solche Missverständnisse beispielsweise zum Wettrüsten wider Willen, zu wechselseitigen Handelsembargos oder anderen krisenhaften Entwicklungen führen. Aber nicht nur Missverständnisse, sondern auch das übertriebene Ausspielen von Tit for Tat kann dazu führen, dass auf Defektion immer wieder Defektion folgt, was zu einer kaum Gewinn bringenden Kette führen würde.

Abhilfe kann dadurch geschehen, dass nach zufälliger, d. h. für den Gegner nicht abschätzbarer Anzahl Wiederholungen spontan einseitig Kooperation gespielt wird, um den Kreislauf der Konfrontation zu durchbrechen, was Tit for Tat allerdings nicht vorsieht.

Natürlich ist die Wirklichkeit etwas komplizierter als das von Axelrod konzipierte Spiel. Die tatsächliche Welt muss auch einmalige Spiele beachten, mit Fremden, und hat gleichzeitig nicht nur das Ziel, eine bestimmte Ressource anzuhäufen, sondern benötigt eine Vielzahl verschiedener Ressourcen, die auch nicht gleichmäßig verteilt sind und bei denen Monopole bestehen. Es gibt wesentlich mehr Handlungsptionen, von Gewalt bis hin dazu andere mittels Kooperationen auszuschließen. Und dann kommen noch Verwandte dazu, dann der Wunsch als attraktiver Partner zu erscheinen und viele viele andere Punkte, nicht zuletzt

Dennoch gibt es denke ich ein gutes Grundmodell wieder, welches einem erlaubt die evolutionäre Entstehung nachzuvollziehen.

Vieles in unserem Verhalten lässt sich in diesem Licht verstehen, insbesondere viele unserer Emtionen und unser Sozialverhalten. Wir haben ein starkes Bedürfnis als jemand angesehen zu werden, der fair ist, der die Gruppe nicht ausnutzt, der sich auch nicht ausnutzen lässt, der Potential für eine Zusammenarbeit mit wichtigen Leuten hat. Wir sind entsetzt, wenn jemand, den wir zu unserem Freundeskreis zählen nicht gibt oder gar sich eigene Vorteile zuschustert, womöglich noch zu Lasten der Gruppe. Viele dieser Emotionen entstehen dabei nicht rational, sondern eben unterbewußt, als Teil unserer unterbewußten Programmierung.

 

„Das egoistische Gen“ vs „Gruppenselektion“

Zu dem Thema „egoistisches Gen“ als Metapher dafür, dass bei der Selektion nicht auf die Gruppe abzustellen ist, sondern immer darauf, dass ein bestimmtes Gen selektiert werden muss, habe ich bereits einiges geschrieben, es wird aber immer wieder kritisch diskutiert. Daher noch einmal etwas dazu. Die bisherigen Artikel:

Ein passender Wikipediaartikel dazu wäre:

Ich halte das Konzept der genzentrischen Selektion für einen der absolut wichtigsten Grundsätze, die man verstehen muss, wenn man evolutionäre Biologie verstehen will:

  • In die nächste Generation weitergeben werden nur unsere Gene.
  • Veränderungen (=Mutationen) erfolgen nicht über eine Spezies, sondern immer nur über einzelne Gene.
  • Gene, die dem Träger Nachteile bringen, aber der Gruppe Vorteile. werden damit nicht selektiert
  • Wann immer etwas nur der Gruppe einen Vorteil bringt, werden gleichzeitig auch Mutationen darauf selektiert, dass man die Vorteile mitnimmt, aber die Nachteile nicht trägt.

Das zweite, was man verstehen muss, ist, dass Evolution keinen Plan haben kann. Sie kann nicht darauf schauen, was für die Spezies insgesamt gut ist und dann bestimmte Gene „fördern“, die der Gruppe bzw der Spezies helfen. Alle Erwägungen, die darauf abstellen, dass damit die Spezies an sich doch besser gestellt wäre, können sich nur evolutionär auswirken, wenn sie zumindest gleichzeitig einen Vorteil, der größer ist als die Kosten, für die Anreicherung der Gene des Einzelwesens haben. Zudem darf es auch keinen noch größeren Vorteil bringen, dass System dahingehend auszunutzen, dass man die eigenen Gene noch stärker weitergibt.

Meist ist damit eine „Gruppenselektion“ nur möglich, wenn sie über eine Verwandtenselektion läuft. Einzelwesen Gruppen mit einer relativ hohen Verwandtschaft können durch die Förderung und den Schutz von Gruppenmitgliedern Kopien ihrer Gene schützen, so dass diese sich anreichern können.

Mich würde hier einfach mal der Meinungsstand interessieren:

Ich würde mich freuen, wenn ihr in den Kommentaren dazu ein paar Angaben machen könntet:

  • Wie habt ihr abgestimmt
  • Habt ihr Bücher wie zB „Das egoistische Gen“ gelesen?
  • Wenn ihr zustimmt: Was überzeugt euch?“
  • Wenn ihr unsicher seid oder dagegen seid: Was erscheint euch nicht logisch/Welche Theorie findet ihr besser?

Mit extremen Ausnahmen die Häufungen leugnen

Ein beliebtes Argument im feministischen ist es, extreme Ausnahmen anzuführen und das als Beleg dafür zu sehen, dass ebenso festgestellte deutliche Häufungen nicht bestehen. Ein Beispiel, der Seite „Everyday Feminism“ entnommen, führt der Blog „Why evolution is true“ an:

1. Believing That XX and XY Actually Mean Something

Boom. Let’s start with one of my favorites, if only because it tends to ignite passions the fastest.

Now, to be fair, XX and XY chromosome pairs do mean something: a general idea of future conditions a person may or may not develop that are directly due to those chromosomal pairings.

They do not, however, concretely stand for any of the following: indicating a person’s intelligence, physical abilities, sexual orientation, development during puberty, appearance or make of genitals, or what level of bodily production of which sex hormones.

In short, XY does not indicate a biological man and XX does not indicate a biological woman.

Why not?

We simply have too many examples of when any of the above was untrue.

Transgenderism, intersexuality, and Androgen Insensitivity Syndrome (AIS), to name a few. (Fun fact: That last one can sometimes give female-identified people the stereotypical look of a model. Just sayin’.)

Think about it: If one instance of a mathematical proof is shown to be wrong, then the entire proof has to be tossed on account of it being deemed inaccurate. Because it’s—you know—useless to the bettering and/or benefit of humankind.

Call me starry-eyed, but I’m preeeeetty sure we like to treat our science like our math as often as we can.

Ein durchaus klassisches Argument: Es soll dargelegt werden, dass es Ausnahmen gibt und daraus soll Folgen, dass das ganze Konzept nicht stimmt und nicht stimmen kann.

Das ist in der Tat erst einmal ein logischer Ansatz: Die Behauptung „Alle Raben sind weiß“ kann man widerlegen, in dem man einen schwarzen Raben präsentiert.

Allerdings wird eben die Behauptung „Die allermeisten Raben sind schwarz“ nicht widerlegt, in dem man einen weißen Raben präsentiert. Auch dann würde man man, wenn auf tausende von Schwarzen Raben ein weißer Rabe kommt nicht die Aussage, dass Raben (grundsätzlich) schwarz sind, nicht für falsch halten, ungeachtet der wenigen weißen Raben, weil die Ausnahme schlicht zu selten ist. Dies gilt um so mehr, wenn man sich bewusst macht, dass Albinismus üblicherweise auf bestimmten Mutationen beruht, bei denen ein Enzym nicht produziert wird, welches zu der schwarzen Farbe führt.

Biologie ist voller Ausnahmen. Lebewesen einer Spezies sind eben nicht nach einheitlichen Bauplan in einer Fabrik produziert, sondern teilen sich nur einen gemeinsamen Genpool, der ihnen erlaubt, sich untereinander fortzupflanzen, der aber ansonsten eine Vielzahl von Unterschieden aufweist. Aussagen in der Biologie können daher selten absolut sein, aber dennoch gibt es bestimmte Abläufe im menschlichen Körper und viele Prozesse, die einheitlich ablaufen. Und ein sehr einheitlicher Mechanismus ist eben, dass  bei XY-Chromosomen ein Programm abläuft, welches den Menschen zu einem Mann macht und bei XX-Chromosomen einen Menschen zur Frau macht.

Dieses Programm hängt nicht schlicht an den Chromosomen, sondern hat verschiedene weitere Ausführungsschritte. Insbesondere führt das Y-Chromoson dazu, dass Hoden „gebaut“ werden und dies führt wiederum zu Testosteronausschüttungen, die wiederum bestimmte andere Programme aktivieren. Zwei X-Chromosome hingegen führen zu Eierstöcken, die dann wiederum Östrogene und andere Hormone auschütten, die ihrerseits andere Programme bzw Wachstumspläne aktivieren als das Testosteron.

In dem Blog dazu:

Yes, there are a few exceptions, like AIS, but the various forms of that syndrome occur between 1 in every 20,000 to 1 in only 130,000 births.  Is that “too many examples” to all0w us to say that biological sex is not connected with chromosomes? If you look at all cases of intersexuality that occur in people with XX or XY chromosomes (we’re not counting XOs or XXYs or other cases of abnormal chromosomal number), the frequency of exceptions is far less than 1%. That means that, in humans as in flies, there is almost a complete correlation between primary/secondary sex characteristics and chromosome constitution.  As for intelligence, no, I know of no correlation, but who’s claiming that the sexes differ in smarts? As for physical abilities, sexual orientation, appearance of genitalia, and hormone titer, the correlation between being XX or XY and those traits is very tight. Again, there are exceptions: some females are bigger, stronger, and have more muscles mass than some males, but there’s a biological reason why most Olympic events depending on physical traits are separated by sex. What we see is a bimodality of traits depending on sex-chromosome constitution, with a very low valley between those two XX and XY peaks. 

How does James St. James respond to these uncontestable correlations? By saying that we have to abandon the whole notion of biological sex because there is a small percentage of exceptions, as the correlation is not perfect. As he says (I’m assuming James St. James is a “he”):

Bei AIS werden zwar die Ansätze von Hoden gebildet, da ein Y-Chromoson vorhanden ist, das dann ausgeschüttete Testosteron wird aber nicht oder nur im geringeren Maße erkannt, weil die Rezeptoren, die dies sonst machen, hier nicht funktionieren. Da kein Testosteron erkannt wird läuft nicht das normale Programm ab, welches bei Y-Chromosonen vorgesehen ist (Das „männliche Programm“), sondern das „weibliche Programm“ mit der Ausnahme der Unterschiede, die nicht durch Testosteron bedingt sind. Es ist also innerhalb dieser Theorien gut erklärbar, warum die Unterschiede in diesem konkreten Fall bestehen und daher kann damit die Theorie nicht widerlegt werden, sie ist dann lediglich verkürzt dargestellt.

In dem Blog dazu:

I wouldn’t call him starry eyed, but arrantly ignorant of biology, and willfully so because he wants to believe that sex is a complete continuum, which fits his ideological agenda. I suppose that agenda comes from assuming that we have to shade the biological truth because those who don’t conform to the norms (intersexes, transgender people, and so on) will be marginalized or discriminated against.

And indeed, that can happen, and has happened. But the solution is not to lie about or distort biology, pretending that biological sex is a complete continuum with no modes. The solution is to accept the biological facts and realize that they say nothing about what’s moral or immoral, or about how we should treat people. A genuine bimodality of sexual traits does not mean that we should treat those who lie between the peaks as “inferior” or “wrong”.

And we don’t treat biology like math, ignoring a phenomenon if there are some exceptions.  Math is a system of logic; biology is the messy real world, where things can go awry and there are no absolute “laws” in the sense that physics has them. To use part of a famous quote by Richard Feynman, “reality must take precedence over public relations, for Nature cannot be fooled.”

Indeed. It’s a characteristic of the Regressive Left that they deny scientific truths when it’s convenient for them to do so—when they’re faced with Ideologically Inconvenient Truths. We all know the dangers of that route—Lysenko comes to mind. It’s far better to know what’s true, and deal with it, than make up stuff that fits your narrative. The latter is what theologians do, not rational people.

Die Annahme, dass man mit diesen extremen Ausnahmen bei einem Genpool und Mutationen etwas widerlegen könnte, zeigt ein Unverständnis für die Biologie. Und extreme Ausnahmen entwerten dort auch ansonsten Konzepte nicht.

Beispielsweise ist es weitaus häufiger in einigen Gegenden, dass Menschen mehr als 5 Finger haben:

Die isolierte Polydaktylie – die häufigste Variante ist die Hexadaktylie – hat beim Menschen in Europa, Asien und Nordamerika eine Häufigkeit von 1:3.000, in Afrika von 1:300. In etwa 40 Prozent der Fälle tritt die Veränderung beidseitig auf.[8] Polydaktylie wird generell mit einer Häufigkeit von 1:500 Lebendgeburten angegeben

Würde man hier die in den feministischen Theorien bestehenden Regeln anwenden, dann müsste man alle Angaben, dass Menschen 5 Finger haben, als unwahr ansehen und fordern, dass mehr mehralsfünffingrige Menschen abgebildet werden. Ähnliche Punkte könnte man für nahezu alles am Menschen bringen: Der Mensch hat bestimmte Sinne? Ha, keineswegs, viele Menschen haben sie eben gerade nicht. Also falsch. Der Mensch hat Beine? Einige Menschen werden ohne Beine geboren etc. All das macht keinen Sinn, auch wenn es sowohl Menschen ohne Beine als auch Menschen mit einem Bein und mit 2 Beinen gibt wird die Anzahl der Beine, die ein Mensch üblicherweise hat, dadurch nicht verändert.

 

 

Genatlas: 6500 Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Eine neue Studie macht noch einmal deutlich, dass es eine Vielzahl von Unterschieden zwischen Männern und Frauen gibt:

Background
The prevalence of several human morbid phenotypes is sometimes much higher than intuitively expected. This can directly arise from the presence of two sexes, male and female, in one species. Men and women have almost identical genomes but are distinctly dimorphic, with dissimilar disease susceptibilities. Sexually dimorphic traits mainly result from differential expression of genes present in both sexes. Such genes can be subject to different, and even opposing, selection constraints in the two sexes. This can impact human evolution by differential selection on mutations with dissimilar effects on the two sexes.

Results

We comprehensively mapped human sex-differential genetic architecture across 53 tissues. Analyzing available RNA-sequencing data from 544 adults revealed thousands of genes differentially expressed in the reproductive tracts and tissues common to both sexes. Sex-differential genes are related to various biological systems, and suggest new insights into the pathophysiology of diverse human diseases. We also identified a significant association between sex-specific gene transcription and reduced selection efficiency and accumulation of deleterious mutations, which might affect the prevalence of different traits and diseases. Interestingly, many of the sex-specific genes that also undergo reduced selection efficiency are essential for successful reproduction in men or women. This seeming paradox might partially explain the high incidence of human infertility.

Conclusions

This work provides a comprehensive overview of the sex-differential transcriptome and its importance to human evolution and human physiology in health and in disease.

Quelle: The landscape of sex-differential transcriptome and its consequent selection in human adults

In der Studie ist auch eine Grafik zur Übersicht:

Genunterschiede Mann Frau

Genunterschiede Mann Frau

Die Unterschiede zeigen sich also so ziemlich überall, auch im Gehirn.

Aus einer Besprechung der Studie:

So sind Gene, die in der Haut aktiv werden und die Körperbehaarung fördern, beim Mann viel stärker aktiv, dagegen sind Fettspeicheranlagen bei Frauen gefragter. Je weniger ein Gen in dem einen oder anderen aktiviert wird, desto geringer ist der Selektionsdruck. Das bedeutet, dass sich schädliche Mutationen in diesen Genen anhäufen, wie die Forscher in „BMC Biology“  berichten.

Eine Mutation, die nur für eine Hälfte der Population schädlich ist, kann sich in der Bevölkerung ausbreiten. So ist zu erklären, warum ausgerechnet Mutationen sich anhäufen, die für Unfruchtbarkeit sorgen. Rund 15 Prozent der Paare bekommen wegen Gendefekten keine Kinder. Mutationen in Genen, die die Bildung von Spermien beeinträchtigen, können quasi im Erbgut der Frauen an die nächste Generation übertragen werden. So kommt es, dass Mutationen, die eigentlich das Überleben der Art beeinträchtigen, erhalten bleiben.

Das Gene nur für ein Geschlecht für die Weitergabe der Gene günstig sein können und diese Vorteile diese Gene im Genpool halten, war hier schon häufiger Thema, insbesondere in Bezug auf Homosexualität.

Zu der unterschiedlichen Ausführung von Genen beispielsweise über Hormone wie Testosteron oder andere Mechanismen hatte ich hier bereits etwas geschrieben.

Tatsächlich sind biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu erwarten.  Tiere mit Größen und Kraftunterschieden zwischen den Geschlechtern wie beim Menschen und so unterschiedlichen Mindestkosten der Fortpflanzung unterliegen einer sehr unterschiedlichen Selektion, für sie sind unterschiedliche Strategien günstig, auf die selektiert wird.