Transexualität, die Blut-Hirn-Schranke, Hormonrezeptoren und Aromatase

In einer Twitterdiskussion auch zum Thema Transsexualität führte ich an, dass Transsexualität aus meiner Sicht im wesentlichen eine Abweichung des Gehirngeschlechts und evtl des Bodyplans von dem Geschlecht des übrigen Körpers ist. Gerade aus dieser Abweichung ergibt sich die „Tragik“ der Transsexualität, die viele mit „im falschen Körper stecken“ beschreiben.

Dagegen wurde angeführt, dass es ja keinen Grund gebe, dass man von einem Gehirngeschlecht sprechen müßte, genauso könne man anführen, dass der kleine Finger ein anderes Geschlecht habe. Warum sollte gerade das Gehirn ein anderes Geschlecht haben und nicht andere Körperteile?

Die Frage ist berechtigt, so dass ich es hier – durchaus auch um es für mich selbst einmal darzulegen und mit der Bitte um Input, ob es so richtig ist – auch noch einmal auszuführen versuche.

1. Wie ich es bisher verstanden habe

Der wesentliche Unterschied zwischen dem Gehirn und dem übrigen Körper ist aus meiner Sicht die Blut-Hirn-Schranke.

Dazu aus der Wikipedia:

Als Blut-Hirn-Schranke, auch Blut-Gehirn-Schranke, oder Blut-Hirn-Barriere wird die selektive physiologische Barriere zwischen den Flüssigkeitsräumen des Blutkreislaufs und dem Zentralnervensystem bezeichnet.

Diese besondere Abgrenzung des Bluts (intravasal) vom extravasalen Raum in Gehirn und Rückenmark ist bei allen Landwirbeltieren (Tetrapoda) ausgebildet und ermöglicht es, für das Nervengewebe eigene Milieubedingungen aufrechtzuerhalten (Homöostase). Im Wesentlichen wird diese Barriere von Endothelzellen gebildet, die hier in den kapillaren Blutgefäßen über Tight Junctions eng miteinander verknüpft sind.

Die Blut-Hirn-Schranke schützt das Gehirn vor im Blut zirkulierenden Krankheitserregern, Toxinen und Botenstoffen. Sie stellt einen hochselektiven Filter dar, über den die vom Gehirn benötigten Nährstoffe zugeführt und die entstandenen Stoffwechselprodukte abgeführt werden. Die Ver- und Entsorgung wird durch eine Reihe spezieller Transportprozesse gewährleistet.

Andererseits erschwert diese Schutzfunktion des Gehirns die medikamentöse Behandlung einer Vielzahl neurologischer Erkrankungen, da auch sehr viele Wirkstoffe die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren können. Die Überwindung der Blut-Hirn-Schranke ist ein aktuelles Forschungsgebiet, um auch diese Krankheiten behandeln zu können. Nur sehr wenige – ausgesprochen seltene – Erkrankungen stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der Blut-Hirn-Schranke, während sie selbst von einer deutlich höheren Anzahl weitverbreiteter Erkrankungen betroffen sein kann. Eine so hervorgerufene Störung oder Schädigung der Blut-Hirn-Schranke ist eine sehr ernst zu nehmende Komplikation.

Letztendlich ist die Blut Hirn Schranke damit eine Art „Firewall“, die übergriffe auf das Gehirn verhindern soll. Einige Stoffe kommen durch, andere nicht.

Bei den Geschlechtshormonen sieht es so aus, dass Östrogene die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren können, Testosteron aber schon. 

Im Gehirn lagert sich das Testosteron an Rezeptoren an, wird dann aromatasiert und damit in Östrogene ungewandelt. Hier liegen spezielle Rezeptoren, die das Östrogen erkennen und dann aufgrund dieses „weiblichen“ Hormons (weiblich aber eben nur in seiner Wirkung _vor_ der Blut-Hirn-Schranke) maskulinisiert.

Da auch Frauen, wenn auch im deutlich geringen Maße Testosteron produzieren (über die Eierstöcke und die Nebennierenrinden) haben sie noch einen besonderen Schutzmechanismus, im Gehirn aus Testosteron aromatisiertes Testosteron wird gebunden und damit unschädlich gemacht. 

Damit liegt eine Situation vor, bei der sich der übrige Körper aufgrund der Wirkung des (sagen wir beim Mann) Testosterons in die männliche Richtung entwickelt, das Gehirn aber zB nicht, weil

  • Das Testosteron an den Rezeptoren im Gehirn nicht richtig erkannt wird
  • im Gehirn ein Fehler bei der Aromatase eintritt und deswegen das Testosteron nicht oder im geringen Maße in Östrogene umgewandelt
  • Das Östrogen nicht richtig erkannt wird 

Daraus würde sich dann Transsexualität (MtF) ergeben. 

Bei einem Transmann könnte:

  • der Rezeptor für Östrogene zu empfindlich sein, so dass geringe Mengen Östrogen stärker wirken
  • die Bindung des Östrogens nicht richtig funktionieren 

Zur Aromatase:

Die Aromatase (auch CYP19A1) ist das Enzym, das in Wirbeltieren die Umsetzung von Testosteron zu Östradiol bzw. von Androstendion zu Östron katalysiert. Diese Aromatisierung von Androgenen ist der entscheidende letzte Schritt bei der Biosynthese der Östrogene.

Aromatase, auch Östrogen-Synthase genannt, ist eine Monooxygenase (EC 1.14.14.1), die Häm als Kofaktor nutzt und zur Cytochrom P450-Familie 19 zählt. Das daher als CYP19A1 bezeichnete Protein ist in der Membran des Endoplasmatischen Retikulums (ER) von Zellen verschiedener Gewebe lokalisiert. Es findet sich in den Gonaden, der Plazenta, der Brustdrüse, dem Fettgewebe und auch im Gehirn sowie in Haut, Knochen und Blutgefäßen. Mutationen im CYP19A1-Gen können zu erblichem Aromatasemangel oder -überschuss führen.[2]

2. Studien, die ich dazu gefunden habe

a) Fernandez et al, 2014: The Genetics of Transsexualism

Transsexualism is a gender identity disorder with a multifactorial etiology.
Neurodevelopmental processes and genetic factors seem to be implicated.
The aim of this study was to investigate the association between the genotype and female-to-male (FtM) and male-to-female (MtF) transsexualism by performing a karyotype and molecular analysis of three variable regions of the genes ERβ (estrogen receptor β), AR (androgen receptor) and CYP19A1 (aromatase).

Methods: We carried out a cytogenetic and molecular analysis in 273 FtMs, 442 MtFs, 371 control females and 473 control males. The control groups were healthy, ageand geographical origin-matched. The karyotype was investigated by G-banding and by high-density (HD) array in the transsexual group. The molecular analysis involved three tandem variable regions of genes ERβ (CA repeats in intron 5), AR (CAG repeats in exon 1) and CYP19A1 (TTTA repeats in intron 4). The allele and genotype frequencies, after division into short (S) and long (L) alleles, were obtained.

Results: No karyotype aberration has been linked to transsexualism (FtM or MtF), and prevalence of aneuploidy (3%) appears to be slightly higher than in the general population (0.53%). Concerning the molecular study, FtMs differed significantly from control females with respect to the median repeat length polymorphism ERβ (P = 0.002) but not to the length of the other two studied polymorphisms. The repeat numbers in ERβ were significantly higher in FtMs than in the female control group, and the likelihood of developing transsexualism was higher (odds ratio: 2.001 [1.15–3.46]) in the subjects with the genotype homozygous for long alleles.
No significant difference in allelic or genotypic distribution of any gene examined was found between MtFs and control males. Moreover, molecular findings presented no evidence of an association between the sex hormone-related genes (ERβ, AR, and CYP19A1) and MtF transsexualism.

 

Aus der Besprechung der Ergebnisse:

FtMs differed from the female control group with respect to the median length of the ERβ polymorphism but not with respect to the length of the other two studied genes. Considering the data for categorical variables of S and L alleles, and the genotypes SS, SL, and LL, we found significant P values for ERβ gene and genotype frequencies but not for AR and CYP19A1 genes. A greater number of CA repeats corresponds to greater probabilities of FtM transsexualism.
In the case of the AR and CYP19A1 genes, we did not find any relationship between the genes and FtM transsexualism. However, in the case of exon 5 of the ERβ gene, and contrary to that described by Ujike et al. (2009), we found a direct relationship between the length of the variable region and FtM transsexualism, so the greater the number of repeats, the greater
the susceptibility to transsexualism.
Although there are numerous studies showing the inverse relationship between the length of the AR gene and the activity of the hormone-receptor complex (Chamberlain et al., 1994; Kazemi-Esfarjani et al., 1995; Tut et al., 1997), there are no data indicating that this same inverse relationship exists in the case of ERβ. Some works bear on this possibility; Kudwa et al., (2006) found that male mice lacking functional Erβ, when treated with the appropriate hormonal priming, display significantly more female-like sexual receptivity than littermates. Yet, lack of functional ERβ receptors does not impair normal expression of adult masculine
sexual behavior.

They found no evidence showing that masculinization is deficient in ERβKO males (rats genetically modified without the Erβ gene); however, they propose that the defeminization process is incomplete in ERβKO males. Our data, like previous studies (Westberg et al.,  2001; Kudwa et al., 2005), support the finding that a functioning ERβ receptor is directly proportional to the size of the analyzed polymorphism, so a greater number of repeats implies greater transcription activation, therefore, an increase in ERβ receptor function, and finally, an increase in defeminization in females. Thus, one could propose that the greater efficiency of the estrogen-receptor complex by a high number of repeats would lead to a reduction in feminization, favoring a defeminization process (Even et al., 1994). Defeminization of the corticospinal tract has been described in FtMs (Rametti et al., 2011)

Das würde bezüglich der FtM-Transsexuellen durchaus passen: Der ERβ Rezeptor ist der Östrogenrezeptor.

b) Fernandez, 2018: Molecular basis of Gender Dysphoria: androgen and estrogen receptor interaction

Highlights
• Estrogen receptors in humans are implicated in gender development.
• In somatically males, interaction between the ERβ and AR is necessary for a typical development of gender.
• In somatically males, specific genotype interactions of α and β ER and AR decrease the odds ratio of gender dysphoria.
• In somatically males, specific genotype interactions between the ERβ and the AR increase the odds ratio of gender dysphoria.
• In somatically females, specific genotypes of α and β ERs are implicated in an independent manner in gender dysphoria.

Abstract
Background
Polymorphisms in sex steroid receptors have been associated with transsexualism. However, published replication studies have yielded inconsistent findings, possibly because of a limited sample size and/or the heterogeneity of the transsexual population with respect to the onset of dysphoria and sexual orientation. We assessed the role of androgen receptor (AR), estrogen receptors alpha (ERα) and beta (ERβ), and aromatase (CYP19A1) in two large and homogeneous transsexual male-to-female (MtF) and female-to-male (FtM) populations.
Methods
The association of each polymorphism with transsexualism was studied with a twofold subject-control analysis: in a homogeneous population of 549 early onset androphilic MtF transsexuals versus 728 male controls, and 425 gynephilic FtMs versus 599 female controls. Associations and interactions were investigated using binary logistic regression.
Results
Our data show that specific allele and genotype combinations of ERβ, ERα and AR are implicated in the genetic basis of transsexualism, and that MtF gender development requires AR, which must be accompanied by ERβ. An inverse allele interaction between ERβ and AR is characteristic of the MtF population: when either of these polymorphisms is short, the other is long. ERβ and ERα are also associated with transsexualism in the FtM population although there was no interaction between the polymorphisms. Our data show that ERβ plays a key role in the typical brain differentiation of humans.

Und aus der Einführung:

The biological actions of sex steroids are mediated by binding to specific nuclear receptors that are members of an extended family of transcription factors. The ligand–receptor complex translocates to the nucleus and promotes sex-specific gene expression (Matthews and Gustafsson, 2003). The direct induction of gene expression via activation of the estrogen receptors (ERs) α and β and the androgen receptor (AR) is the presumptive route for brain masculinization (Sato et al., 2004; Kudwa et al., 2006).

In lower mammals ERα is primarily involved in masculinization, while ERβ has a major function in defeminization of sexual behavior (Kudwa et al., 2006). In rodents, estradiol induces two independent developmental processes: masculinization of neural circuits that will support male-typical reproductive behaviors in adults and defeminization, the loss of the ability to display typical adult female behavior, which is also an active developmental process (McCarthy, 2008). However, it is believed that in non-human primates (Wallen, 2005), as well as in humans (Swaab, 2004), estrogenic metabolites from androgens are not critical to masculinization and defeminization (Wallen, 2005).

All these observations have led to the study of the involvement of DNA polymorphisms of ERβ, ERα, AR, and the aromatase (CYP19A1) in transsexuality (Henningsson et al., 2005; Hare et al., 2009; Ujike et al., 2009; Fernández et al., 2014a,b, 2016; Cortés-Cortés et al., 2017). However, the reported results have been inconsistent or negative (Meyer-Bahlburg, 2011). The lack of agreement between different publications might be due to the small samples studied and/or the heterogeneity of the transsexual population in relation to the onset of the gender dysphoria (i.e. before or after puberty) and sexual orientation.

In order to address all these questions, this work studied the implication of the polymorphisms (CA)n-ERβ (rs113770630), XbaI-ERα (rs9340799), (CAG)n-AR (rs193922933) and (TTTA)n-CYP19A1 (rs60271534) in a large and homogenous sample of 549 early onset androphilic MtFs vs 728 male controls and 425 early onset gynephilic FtMs vs 599 female controls. The analyses were conducted independently for a somatically1 female population (FtM vs female controls) and a somatically male population (MtF vs male controls).

Moreover, because it is unknown whether androgen and estrogen genotypes interact with each other in the genesis of gender, we also analyzed the cross interactions between the AR polymorphism and the other above-mentioned polymorphisms (ERβ, ERα and CYP19A1).

Und aus den Ergebnissen:

Our study resulted in three main findings. First, there is an interaction between the ERβ and AR polymorphisms in the development of atypical gender identity in the MtF population involving an inverse relationship between these polymorphisms. Second, the development of gender in the FtM population is associated with ERβ and/or ERα, but no interaction between these polymorphisms was found. Third, both ERs (α and β) are involved in typical male and female gender development.

The androphilic MtF population presents an inverse relationship between ERβ and AR such that the short AR polymorphism is associated with the L/L ERβ genotype, while, on the contrary, the long AR polymorphism is associated with the S/S ERβ genotype.

Neither of these two polymorphisms on its own is associated with MtF. AR is necessary, but insufficient on its own without ERβ for gender development in MtF. The OR for the interaction between ERβ and AR is heightened by a further association with the XbaI-ERα polymorphism. The highest risk for transsexuality is observed in somatically male individuals carrying a short allele (S) for the ERβ polymorphism together with a G allele for XbaI-ERα and a short allele (S) for AR (SGS genotype) compared to the reference category SAS, short allele (S) for the ERβ together with an A allele for XbaI-ERα and a short allele (S) for AR. However, the differences were not significant when Bonferroni corrections were used

Furthermore, there is a lower risk for transsexuality in somatically male individuals when the short allele (S) for AR is associated with the short allele (S) for ERβ and the A allele for ERα (SAS genotype) compared to the reference category SAL, short allele (S) for the ERβ together with an A allele for XbaI-ERα and a long allele (L) for AR.

Previous studies evaluated polymorphism interactions using a binary logistic regression model (Henningsson et al., 2005; Hare et al., 2009; Ujike et al., 2009). However, cross-interaction analysis between polymorphisms is additionally used here. Our results confirmed those obtained by Henningsson et al. (Henningsson et al., 2005), who suggested an interaction between ERβ and AR, but, what is more, we are able to specify the genotypes involved. We found that fewer CAG repeats in the AR polymorphism increases the risk of transsexuality in comparison to the presence of a higher number of CAG repeats, in interaction with the L/L genotype for ERβ (Table 4). Like Hare et al. (2009), we also found an association between the AR polymorphism and MtF. However, we found, the association was restrictive since a low number of CAG repeats in the AR increases the risk of transsexuality in interaction with the L/L genotype for ERβ (Table 4), and, vice versa, more CAG repeats in the AR increases the risk of transsexuality in interaction with the S/S genotype for the ERβ (Table 5). The Ujike et al. study (Ujike et al., 2009) is not really comparable to ours or other studies mentioned above because it used the average instead of the median to establish long and short alleles. Considering the work of Henningsson et al. (2005) and Hare et al. (2009) together with our results, and taking into account the different origins of the analyzed populations, we could say that the implication of the AR in gender dysphoria in MtF is a consistent finding.

ER α and β also play a key role in the gynephilic FtM population. Specific variants of ERβ and ERα polymorphisms are associated with FtM. Interestingly, there is no interaction between these polymorphisms. ERα, particularly the XbaI-ERα polymorphism, has a significant effect: an A/A genotype implied a greater susceptibility to transsexuality, while genotype A/G showed a protective effect. With respect to the ERβ polymorphism, we found a direct association between the number of CA repeats and transsexuality, confirming our previous report (Fernández et al., 2014a).

One important observation that is directly derived from our analysis is that androphilic MtFs and gynephilic FtMs share a common feature: the involvement of the same polymorphisms in the estrogen receptors. Moreover, these polymorphisms have been related to sexually dimorphic behavior like Alzheimer’s disease, depression, obsessive compulsive disorder, schizophrenia, FtM dysphoria and others (Brandi et al., 1999; Ji et al., 2000; Corbo et al., 2006; Boada et al., 2012; Pan et al., 2014).

Estrogen is an important regulator of brain growth and differentiation and the ERs have a key function in sexual differentiation of brain and behavior (McCarthy, 2008). Additionally, ER α and β are found in both the developing (González et al., 2007) and adult human brain (Osterlund et al., 2000). ER expression shows sex differences (Ishunina et al., 2002).

With respect to the typical masculinization of the brain in XY subjects, it was proposed that direct androgen action on the brain is crucial for the development of a male gender identity and heterosexuality and that the aromatization theory, developed from rodent experiments, would be of secondary importance in our species (Swaab, 2004). In contrast, our results show that both ERs and AR receptors are involved in the development of transsexuality in the androphilic MtF population. As well as by androgens acting on AR, ERs can be activated by estradiol resulting from the aromatization of testosterone (Lephart, 1996). The aromatase enzyme is already present in human fetuses (Naftolin et al., 1971). Moreover, dihydrotestosterone, a reduced testosterone metabolite, can be further metabolized to 5α-androstene-3β,17β-diol, a molecule that preferentially binds to ERβ (Kuiper et al., 1997). Our results show the involvement of ERα and β in the typical development of gender in men and women.

Es liegt also ein Zusammenspiel von den Testosteronrezeptoren und den Östrogenrezeptoren vor, 

„First, there is an interaction between the ERβ and AR polymorphisms in the development of atypical gender identity in the MtF population involving an inverse relationship between these polymorphisms“

Wenn man davon ausgeht, dass „Mann zu Frau“ zuerst sehr schwache Testosteronrezpetoren haben (viele Wiederholungen) und dann auch sehr schwache Östrogenrezeptoren (Wenig Wiederholungen) dann würde da durchaus passen. Dann wird erst sehr wenig Testosteron erkannt und umgewandelt und von diesem wenigen umgewandelten noch weniger als Östrogen erkannt. 

Second, the development of gender in the FtM population is associated with ERβ and/or ERα, but no interaction between these polymorphisms was found.

Bei Frau zu Mann Transseuellen scheinen also bestimmte Faktoren bei den Östrogenrezeptoren vorzuliegen. Möglicherweise reicht es aus, wenn einer von beiden besonders scharf eingestellt ist?

Third, both ERs (α and β) are involved in typical male and female gender development.

Der Unterschied zwischen beiden ist mir insoweit noch nicht ganz klar. 

Wenn ich das so richtig verstehe, dann ist mein Model oben allenfalls eine Annährung und die tatsächlichen Abläufe sind noch wesentlich komplizierter

Kognitive Geschlechterunterschiede mit biologischer Grundlage

Hier mal ein paar Studien:

1. JAK Finegan, GA Niccols – Developmental Psychology, 1992 

Relations between prenatal testosterone (T) levels and cognitive abilities at age 4 were examined for 28 girls and 30 boys. Prenatal T levels were measured in 2nd trimester amniotic fluid samples obtained by amniocentesis and were examined in relation to scores on tests of cognitive abilities. For girls, prenatal T levels showed a curvilinear (inverted U-shaped) relation to language comprehension and classification abilities. Linear relations also were observed in that prenatal T levels were inversely related to girls‘ scores on tasks assessing counting and number facts. Similarly, girls with high average block building scores had lower prenatal T and cognitive abilities were not observed. The observation of relations in girls and not boys is discussed, and the findings are examined in relation to theories of hormone-behavior relations. (APA PsycInfo Database Record (c) 2016 APA, all rights reserved)

Quelle:Relations between prenatal testosterone levels and cognitive abilities at 4 years.

Aus der Studie:

U-Förmige Kurven würden darauf hinweisen, dass es einen bestimmten „Idealen Wert“ gibt nach dem eine Eigenschaft vorher geringer ist und nachher geringer. Da Jungs und Mädchen ganz verschiedene Testosterone Werte haben kann der Wert natürlich auch verschieden liegen. 

2. CM Falter, M Arroyo, GJ Davis – Biological psychology, 2006

Previous studies in animals have revealed effects of both prenatal and current testosterone on brain organization and behavior. However, it is unclear how these effects translate to the human brain. Here, we refine previous procedures to clarify the relative contribution of prenatal versus current testosterone indices to cognitive function. Sixty-nine subjects performed four computerized tasks measuring mental rotation, targeting, figure-disembedding and perceptual discrimination. Using stepwise regression analyses, performance was related to free testosterone assayed in saliva samples and to second-to-fourth finger length ratios (2D:4D), a putative index of prenatal testosterone exposure. The exclusive predictor for mental rotation was found to be sex, while 2D:4D was found to be the sole predictor of targeting, exhibiting a curvilinear relation, and figure-disembedding performance, showing a linear relation. These findings suggest a substantial role for prenatal testosterone but not current testosterone in determining cognitive performance.

Quelle: Testosterone: Activation or organization of spatial cognition?

3. Gouchie /Kimura Psychoneuroendocrinology, 1991

The cognitive performance of normal men and women was studied, grouped according to whether the subjects had relatively high or low salivary testosterone (T) concentrations. Men with lower T performed better than other groups on measures of spatial/mathematical ability, tasks at which men normally excel. Women with high T scored higher than low-T women on these same measures. T concentrations did not relate significantly to scores on tests that usually favor women or that do not typically show a sex difference. These results support suggestions of a nonlinear relationship between T concentrations and spatial ability, and demonstrate some task specificity in this respect.

Quelle: The relationship between testosterone levels and cognitive ability patterns

4. Grimshaw et al, 1995

Biological and social-experiential factors appear to play a role in the male advantage in spatial abilities. In the present study, relations among prenatal testosterone levels, spatial play experiences, and mental rotation task performance were explored in 7-year-old boys and girls. A positive correlation was observed between prenatal testosterone levels and rate of rotation in girls. The findings were less clear for boys, but suggested the opposite pattern of results. Relations between spatial play preferences and mental rotation task performance were not observed in children of either sex. These findings are consistent with the hypothesis that testosterone acts on the fetal brain to influence the development of spatial ability.

Quelle: Mental Rotation at 7 Years – Relations with Prenatal Testosterone Levels and Spatial Play Experiences

6. Auyeung et al, 2011

Abstract

This study investigated whether fetal testosterone (FT) measured from second trimester amniotic fluid was related to specific aspects of visuospatial ability, in children aged 7–10 years (35 boys, 29 girls). A series of tasks were used: the children’s Embedded Figures Test (EFT) (a test of attention to detail), a ball targeting task (measuring hand-eye coordination), and a computerized mental rotation task (measuring rotational ability). FT was a significant predictor for EFT scores in both boys and girls, with boys also showing a clear advantage for this task. No significant sex differences were observed in targeting. Boys scored higher than girls on mental rotation. However, no significant relationships were observed between FT and targeting on mental rotation.Girls’ performance on the mental rotation and targeting tasks was significantly related to age, indicating that these tasks may have been too difficult for the younger children. These results indicate that FT has a significant role in some aspects of cognitive development but that further work is needed to understand its effect on the different aspects of visuospatial ability.

Quelle: Effects of Fetal Testosterone on Visuospatial Ability

7. Auyeung, 2006

This study examines foetal testosterone (fT) levels (measured in amniotic fluid) as a candidate biological factor, influencing sex differences in systemizing. Systemizing is a cognitive process, defined as the drive to analyze or construct systems. A recent model of psychological sex differences suggests that this is a major dimension in which the sexes differ, with males being more drawn to systemize than females. Participants included 204 children (93 female), age 6–9 years, taking part in a long-term study on the effects of fT. The systemizing quotient – children’s version was administered to these mothers to answer on behalf of their child. Males (mean = 27.79 ± 7.64) scored significantly higher than females (mean = 22.59 ± 7.53), confirming that boys systemize to a greater extent than girls. Stepwise regression analysis revealed that fT was the only significant predictor of systemizing preference when the sexes were examined together. Sex was not included in the final regression model, suggesting that fT levels play a greater role than the child’s sex in terms of differences in systemizing preference. This study suggests that the levels of fT are a biological factor influencing cognitive sex differences and lends support to the empathizing–systemizing theory of sex differences.

Quelle: Foetal testosterone and the child systemizing quotient

 

 

Transsexualität, Transgender und Biologie

Ein paar Studien:

1. Genetic Link Between Gender Dysphoria and Sex Hormone Signaling, 2018

Context
There is a likely genetic component to gender dysphoria, but association study data have been equivocal.

Objective
We explored the specific hypothesis that gender dysphoria in transgender women is associated with variants in sex hormone–signaling genes responsible for undermasculinization and/or feminization.

Design
Subject-control analysis included 380 transgender women and 344 control male subjects. Associations and interactions were investigated between functional variants in 12 sex hormone–signaling genes and gender dysphoria in transgender women.

Setting
Patients were recruited from the Monash Gender Clinic, Monash Health, Melbourne, Australia, and the University of California, Los Angeles.

Patients
Caucasian (non-Latino) transgender women were recruited who received a diagnosis of transsexualism [Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM)-IV) or gender dysphoria (DSM-V)] pre- or postoperatively. Most were receiving hormone treatment at the time of recruitment.

Main Outcome Measured
Genomic DNA was genotyped for repeat length polymorphisms or single nucleotide polymorphisms.


Results
A significant association was identified between gender dysphoria and ERα, SRD5A2, and STS alleles, as well as ERα and SULT2A1 genotypes. Several allele combinations were also overrepresented in transgender women, most involving AR (namely, AR-ERβ, AR-PGR, AR-COMT, CYP17-SRD5A2). Overrepresented alleles and genotypes are proposed to undermasculinize/feminize on the basis of their reported effects in other disease contexts.

Conclusion
Gender dysphoria may have an oligogenic component, with several genes involved in sex hormone–signaling contributing.

 

2. The Use of Whole Exome Sequencing in a Cohort of Transgender Individuals to Identify Rare Genetic Variants, 2019

Abstract
Approximately 0.5–1.4% of natal males and 0.2–0.3% of natal females meet DSM-5 criteria for gender dysphoria, with many of these individuals self-describing as transgender men or women. Despite recent improvements both in social acceptance of transgender individuals as well as access to gender affirming therapy, progress in both areas has been hampered by poor understanding of the etiology of gender dysphoria. Prior studies have suggested a genetic contribution to gender dysphoria, but previously proposed candidate genes have not yet been verified in follow-up investigation. In this study, we expand on the topic of gender identity genomics by identifying rare variants in genes associated with sexually dimorphic brain development and exploring how they could contribute to gender dysphoria. To accomplish this, we performed whole exome sequencing on the genomic DNA of 13 transgender males and 17 transgender females. Whole exome sequencing revealed 120,582 genetic variants. After filtering, 441 variants in 421 genes remained for further consideration, including 21 nonsense, 28 frameshift, 13 splice-region, and 225 missense variants. Of these, 21 variants in 19 genes were found to have associations with previously described estrogen receptor activated pathways of sexually dimorphic brain development. These variants were confirmed by Sanger Sequencing. Our findings suggest a new avenue for investigation of genes involved in estrogen signaling pathways related to sexually dimorphic brain development and their relationship to gender dysphoria.

3. Digit ratio (2D:4D) and transgender identity: new original data and a meta-analysis

Previously reported associations between second-to-fourth digit length ratio (2D:4D), a proxy for prenatal androgen load, and transgender identity have been inconsistent. The objectives of the present study were to provide additional original data and an updated meta-analysis concerning this association. In a study of 464 participants, we compared the 2D:4D of transgender individuals with age- and sex-matched controls. Patients were recruited at a specialized psychiatrist’s medical office, whereas controls were hired via flyers, advertisements, and as convenience sample. A random-effects meta-analysis of the literature (17 samples, n = 3674) also quantifies the overall magnitude of the difference in 2D:4D between transgender individuals and controls. In our study providing new original data, we found a significantly higher (i.e. feminized) left-hand 2D:4D in the male-to-female transgender (MtF) identity [mean age: 32.3 (18; 61)] than in the male control group [mean age: 34.5 (18; 65)] with a Cohen’s d = 0.271. Concordantly, the meta-analytic results suggest a significant difference in 2D:4D among MtF individuals compared to male controls [g = 0.153; 95% CI (0.063; 0.243)], which was even more pronounced when individuals had been diagnosed by a clinician instead of self-identified as transgender [g = 0.193; 95% CI (0.086; 0.300)]. In both studies, no significant results were revealed for female-to-male transgender individuals [mean age: 26.1 (18; 53)] versus female controls [mean age: 27.2 (18; 55)]. This original investigation and the updated meta-analysis clarify the association between transgender identity and 2D:4D indicating the influence of prenatal androgen on the development of gender identity in subjects born as males.

4. Polymorphic Cytosine-Adenine-Guanine Repeat Length of Androgen
Receptor Gene and Gender Incongruence in Trans Women:
A Systematic Review and Meta-Analysis of Case-Control Studies, 2020

ABSTRACT
Introduction: It has been hypothesized that gender incongruence in transgender women could result from an antenatal impaired androgen activity on the developing brain. As the length of polymorphic cytosineadenine-guanine (CAG) repeat sequences in the androgen receptor (AR) gene is inversely correlated with AR transcriptional activity, some studies explored a possible association between long CAG repeats and gender incongruence in trangender women. Yet results remain inconclusive.

Aim: To systematically evaluate whether a difference exists in the length of AR CAG repeat sequences between trans women and men without gender incongruence.

Methods: A thorough search of Medline, Scopus, Cochrane Library, Web of Science, and CINAHL databases was carried out to identify suitable case-control studies. Methodological quality of the included articles was assessed using the Newcastle-Ottawa Scale. In the absence of between-studies heterogeneity, as assessed by the Cochrane’s Q and I 2 tests, standardized mean differences (SMDs) in the length of AR CAG repeats were combined using a fixed effect model. Funnel plot and trim-and-fill analysis were used to assess publication bias.

Main Outcome Measure: The association of gender incongruence in transgender women with longer length of AR CAG repeat sequences was evaluated by calculating pooled standardized mean difference with 95% confidence interval (CI).

Results: 5 studies included in the quantitative analysis collectively provided information on 795 trans women and 1,355 control men. At the overall estimate, the MtF group exhibited a significantly longer length of AR CAG repeat sequences (pooled standardized mean difference: 0.13, 95% CI: 0.04 to 0.22; P ¼ 0.005; I 2 ¼ 0%, Pfor heterogeneity ¼ 0.51). Sensitivity analysis demonstrated the high stability of the result. Funnel plot revealed a possible publication bias, and the trim-and-fill test detected 2 putative missing studies. Nevertheless, the significant association persisted even when pooled estimate was adjusted for publication bias.

Clinical Implications: These findings could suggest a contribution of a genetically mediated impairment in androgen signaling in development of gender incongruence for transgender women.
Strength & Limitations: This is the first meta-analysis exploring the relationship between AR CAG repeat polymorphism and gender incongruence. However, interactions with other functional genetic variants were not explored, and caution should be exercised when generalizing these results because of the possible variability in the distribution of CAG repeats among different populations and ethnic groups.
Conclusion: Trans woman population exhibits significantly longer polymorphic CAG repeat sequences in the AR gene. Further studies are warranted to elucidate whether, how and to what extent multiple functional variants in sex hormone signaling genes could be associated with gender incongruence/dysphoria

Zum Stand der Verhaltensgenetik

Ein interessanter Artikel zum Stand der Verhaltensgenetik:

Behavior genetics studies how genetic differences among people contribute to differences in their psychology and behavior. Here, I describe how the conclusions and methods of behavior genetics have evolved in the postgenomic era in which the human genome can be directly measured. First, I revisit the first law of behavioral genetics stating that everything is heritable, and I describe results from large-scale meta-analyses of twin data and new methods for estimating heritability using measured DNA. Second, I describe new methods in statistical genetics, including genome-wide association studies and polygenic score analyses. Third, I describe the next generation of work on gene environment interaction, with a particular focus on how genetic influences vary across sociopolitical contexts and exogenous environments. Genomic technology has ushered in a golden age of new tools to address enduring questions about how genes and environments combine to create unique human lives.

Quelle:  “Reports of My Death Were Greatly Exaggerated”: Behavior Genetics in the Postgenomic Era

In dem Artikel gibt es eine interessante Grafik, die den in Studien festgestellten Grad der Vererblichkeit mit den Annahmen in der Bevölkerung zur Vererblichkeit vergleicht:

Da sieht man zum Beispiel, dass die Veerbbarkeit politischer Ansichten unterschätzt wird, die der sexuellen Orientierung hingegen überschätzt wird. Letzteres dürfte aber auch damit zusammenhängen, dass sexuelle Orientierung oft weniger eine genetische Sache ist, sondern eine hormonelle (was zusammen hängen kann, aber nicht muss) und die Leute das nicht so passend differenzieren.

Interessant ist auch, dass die Kosten für Genanyalsen stark zurück gegangen sind:

The Human Genome Project, which took over a decade to complete, sequenced a complete human genome at a cost of approximately $3 billion. Now, a few decades later, the cost of whole-genome sequencing has plummeted, now being less than $1,000 per person. And the cost of whole-genome sequencing, which measures every DNA letter in a person’s genome, still far exceeds the cost of genotyping a person on a genome-wide single nucleotide polymorphism (SNP) array. Unlike whole-genome sequencing, a SNP array measures only a fraction of the genome, focusing on several million genetic variants that commonly vary between humans. SNP genotyping from noninvasive samples of human saliva is now available for less than $60 per person

Von 3 Milliarden pro vollständige Gensequenzierung auf ca 1000 Euro.

Gleichzeitig bringen große Datenbanken mit „Genmaterial“ auch neue Formen der Analyse:

Weiterlesen

„Ist das Konzept Monogamie veraltet?“

Ein Artikel in der Jetzt beschäftigt sich mit Monogamie und polyamorie.

Erst werden ein paar idyllische Beschreibungen von nichtmonogam lebenden Paaren geschildert. Und dann folgt die Zusammenfassung und Problemstellung:

Dafür habe ich mit vielen Paaren wie Livia und Thomas gesprochen. Menschen, die Treue anders definieren. Lehrerinnen und Ingenieure und Tänzer und Studenten. Manche davon sind 20, manche fast 50 Jahre alt. Manche sind erst kurz zusammen, andere schon 15 Jahre. Manche brechen in kurzen Abenteuern aus ihrem vertrauten Liebesleben aus. Sie nennen ihre Beziehung „offen“. Andere leben dauerhaft Dreiecks-Konstellationen. Sie bezeichnen sich als „polyamor“, viel-liebend. Manche vermeiden alle Etiketten.

Eines aber haben sie alle gemein: Sie sind glücklich miteinander. Zumindest meistens. Genau wie in „normalen“ Partnerschaften führen sie mehr oder weniger feste, stabile Beziehungen. Aber eben ohne Dritte grundsätzlich auszuschließen. Obwohl sie sich lieben? Oder gerade weil sie sich lieben? „Wenn du wirklich aneinander glaubst, ist diese schonungslose Offenheit die höchste Form der Liebe“, sagt einer von ihnen. Hat er Recht?

Ich finde das ja bemerkenswert naiv oder ideologisch dargestellt. Denn natürlich gibt es genauso polyamore Beziehungen, die kaputt gehen, die an Eifersucht zerbrechen, bei denen einer der stärkere ist und der andere mitmacht, vielleicht in der Hoffnung, dass es eine Phase ist, die sich legt, bis er keinen Bock mehr hat.

Und „schonungslose Offenheit“ ist ja eine nette Sache, aber es ist mitunter auch nur Macht.

Die Monogamie ist, was die nackten Zahlen angeht, ein Desaster. Fast jede zweite Ehe in Deutschland wird geschieden, Tendenz steigend. Unsere Beziehungen halten durchschnittlich vier Jahre. Rund die Hälfte der erwachsenen Deutschen ist schon einmal fremdgegangen. Affären sind der häufigste Grund für Scheidungen. Kein Wunder: Ihre sexuellen Wünsche sehen über die Hälfte in ihrer Partnerschaft nicht erfüllt. Monogamer Alltag ist: Lügen, betrügen, verletzen, verlassen.
Ich bezweifele, dass die meisten Menschen in Polyamoren Beziehungen glücklicher wären. Weil es eben beständige Konkurrenz bedeutet. Nicht im Idealfall, da muss  ja keiner eifersüchtig sein. Aber abseits des Normalfalls bedeutet es, dass der neue Partner hübscher, interessanter, besser sein kann und man sich noch nicht einmal wirklich beschweren kann, dass der Andere sich mit ihm trifft.
Es kann bedeuten, dass einer polyamor ist und der andere keine anderen Sexpartner bekommt oder haben will.
Ich kann mir vorstellen, dass es einige gibt, für die es ideal ist. Menschen sind verschieden. Aber selbst wenn es für bestimmte Leute die beste Lebensart ist oder selbst wenn alle polyamor lebenden Leute glücklich sind bedeutet das nicht, dass es für andere auch funktioniert.
Dann geht es in die unterstützende Literatur, die Monogamie für überholt halten soll:

Das behaupten neben Johansson auch viele Anthropologen. „The Myth of Monogamy“ heißt das Buch von David P. Barash, Professor für Psychologie in Washington, und seiner Frau Judith Eve Lipton, einer Psychiaterin. Darin weisen sie nach: Monogamie ist, quer durchs Tierreich und damit auch für uns Menschenaffen, nicht die Normalität.

Sie haben natürlich recht, dass Monogamie nicht die Normalität ist, aber natürlich gibt es monogame Tiere. Es sei hier zB auf die Gibbons als Affen verwiesen, die monogam leben.
Monogamie findet sich dort, wo man zwei Elternteile braucht um das Kind aufzuziehen. Geht das auch alleine hat bei Säugetieren der Vater den Vorteil, dass er sich nach dem Sex absetzen kann und die Kosten und die Arbeit der Kindererziehung auf die Mutter abwälzen kann.

Wenn aber beide Arbeit investieren, dann ist nichts wichtiger als die Vatersicherheit. Solange die nicht hoch ist lohnt es sich für den Mann nicht zu investieren. Daraus entsteht eine (serielle) Monogamie (ggfs mit Seitensprungoption).

Abgesichert wird diese über eine Liebeschemie. Tiere ohne Paarbindung können eine solche nicht entwickeln, es bringt ihnen ja nichts. Wir Menschen haben aber eine.

Christopher Ryan und Cacilda Jethá – er Evolutionspsychologe, sie Ärztin – schreiben in ihrem Bestseller „Sex – die wahre Geschichte“: Als sich unsere Sexualität über Jahrhunderttausende ausformte, in den Jäger und Sammler-Kulturen der Steinzeit, lebten wir keineswegs monogam. Weil uns die Evolution anders konstruierte. Woher sie das wissen wollen? Die Indizien sind zahllos.

Da ist wieder „Sex at Dawn“ (der Originaltitel). Ich hatte dazu schon einmal in ein paar Artikeln geschrieben. So etwas wie die Vaterwahrscheinlichkeit blendet er dort vollkommen aus. Ebenso die Liebeschemie. Man merkt, dass Evolutionsbiologie nicht gerade sein Hauptgebiet ist („He received a B.A. in English and American literature in 1984, and an M.A. and Ph.D. in psychology from Saybrook University, an accredited hybrid low-residency/online learning program based in San Francisco, twenty years later“)

Zum Beispiel das spermienfeindliche vaginale Milieu, oder besser: das spermienselektive. Es filtert den einen Eindringling heraus, der es wert ist, die Eizelle zu befruchten. Weswegen die Evolution den Männern wiederum Spermien mitgegeben hat, die wie eine Fußballmannschaft darauf spezialisiert sind, die Hindernisse zu überwinden und gegnerische Spermien auszuschalten. Das wichtige, wenn auch hässliche Stichwort dabei ist: „Spermakonkurrenz“. Die wichtigste Selektion des Erbgutes soll von der Natur nicht wie heute vor dem Sex, sondern nach dem Sex, im Körper der Frau eingeplant worden sein.

Die Theorien der Spermienkonkurrenz, die unter anderm in dem Buch „Sperm Wars“ vertreten werden, haben sich meines Wissens nach als falsch herausgestellt.
Ich verweise mal auf diese Studie:

No evidence for killer sperm or other selective interactions between human spermatozoa in ejaculates of different males in vitro

This study examines one of the possible mechanisms of sperm competition, i.e. the kamikaze sperm hypothesis. This hypothesis states that sperm from different males interact to incapacitate each other in a variety of ways. We used ejaculates from human donors to compare mixes of semen in vitro from the same or different males. We measured the following parameters: (i) the degree of sperm aggregation, velocity and proportion of morphologically normal sperm after 1 and 3 h incubation in undiluted semen samples, (ii) the proportion of viable sperm plus the same parameters as in (i) in ‘swim–up’ sperm suspensions after 1 and 3 h incubation, (iii) the degree of self and non–self sperm aggregation using fluorescent dyes to distinguish the sperm of different males, and (iv) the extent of sperm capacitation and acrosome–reacted sperm in mixtures of sperm from the same and different males. We observed very few significant changes in sperm aggregation or performance in mixtures of sperm from different males compared with mixtures from the same male and none that were consistent with previously reported findings. The incapacitation of rival sperm therefore seems an unlikely mechanism of sperm competition in humans.

Einen guten Überblick zur Kritik an dem Buch findet man auch hier
(Klarstellend: Ich fand Sperm Wars beim Lesen auch super überzeugend, bis mich ein Kommentator hier im Blog eines besseren belehrt hat, ich finde aber die Diskussion gerade nicht, insofern noch einmal vielen Dank für die Belehrung)

So ergibt einiges – die männlichen Hoden, die weiblichen Lustschreie, unser auf der Welt einmaliger sexueller Appetit – mehr Sinn in einer promiskuitiven, „freien“ Sexualität.

Dazu hatte ich schon was:

Und einmaliger sexueller Appetit? Das ist ja sehr relativ. Im Vergleich zu Gorillas durchaus. Im Vergleich zu Bonobos eher nicht.

 

Vermutlich verliebten wir uns auch in der Höhle ineinander, zeugten Kinder, hielten zusammen. Aber eben nicht exklusiv. Und nur auf Zeit. Für die typische Horde von bis zu 150 Individuen war es vermutlich besser, wenn sich nicht einzelne Familien bildeten, sondern die gesamte Gruppe durch sexuelle und biologische Beziehungen, durch Kinder und Viel-Liebe verbunden war.

Nur das es eben dann keinen Grund mehr gibt sich zu verlieben. Es wäre in einer Lage, wo jeder es mit jedem treibt sogar eher schädlich. Für die Männer wäre es eine Verschwendung von Möglichkeiten und Ressourcen. Und für die Frauen würde jeder Grund wegfallen sich mit einem „Statusniedrigen“ abzugeben, wenn der Statushöhere nur Sex investieren muss und das normal wäre.

Deshalb existiert das Konzept der direkten Vaterschaft nicht bei Naturvölkern, die heute noch als Jäger und Sammler leben. Sie glauben an die „akkumulative Schwangerschaft“. Wenn eine Frau schwanger werden will, sammelt sie genug Sperma, und zwar von mehreren Männern, um deren gute Eigenschaften auf ihr Kind zu vereinen. Und alle Männer kümmern sich um alle Kinder. So leben die meisten der menschlichen Gesellschaften und Naturvölker auf diesem Planeten nicht-monogam. Nur wir großen, modernen, westlichen Horden tun seit Jahrtausenden so, als wäre es die einzig wahre Art zu leben
Ein einziger Stamm hat das Konzept des „Spermaansammelns“. Und es gibt Gründe dafür, dass er noch als Jäger und Sammler lebt. Es gibt aber keinen Beleg dafür, dass das jemals ein vorherrschendes Modell war. Es kann sich in einem kleinen abgelegenen Stamm halten, der einen hohen Verwandschaftsgrad hat, aber ist sonst nicht wirklich konkurrenzfähig.
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Manche sehen das als Folge des „schlimmsten Fehlers der Menschheit“. So bezeichnet Jared M. Diamond, Evolutionsbiologe und Pulitzer-Preisträger, die Sesshaftwerdung. Sie gilt als Geburtsstunde der Monogamie. Wenn man nach einem Leben voller Mühsal den Hof vererbt, will man Kuckuckskinder ausschließen. Die „Nuklearfamilie“ – also Vater, Mutter, Kind(er) – entsteht als kleinste soziale Einheit, die große Gesellschaften und ihren Fortschritt erst ermöglicht.

Jared Diamond führt aus, dass es damals eine überaus harte Zeit war, die mit Krankheiten etc einherging. Aber er führt ebenso aus, wie sie zur Zivilisation geführt hat, zur Möglichkeit Spezialisten auszubilden, die andere Tätigkeiten hatten als Essen zu besorgen und damit Wohlstand schafften.

Deshalb leben wir seitdem in einem ständigen Konflikt zwischen unserer Natur und unserer Kultur. Um ihn zu lösen, wollen wir Selbstoptimierer heute immer noch reflektierter sein, noch besser kommunizieren, noch mehr Sex-Spielzeug kaufen. Bloß um nicht das zu tun, was unsere Natur uns einflüstert.

Es ist etwas anderes deutlich zu machen, dass die Monogamie deswegen in so starke Regeln eingebunden ist, weil es biologisch interessant ist andere Möglichkeiten für Sex zu nutzen.

Aber natürlich bietet auch die Monogamie sehr viele biologische Vorteile, sie erlaubt überhaupt erst die gemeinsame Kinderbetreuung, die gerade bei den Menschen sehr wichtig ist, wegen der langen Unselbständigkeit des Kindes und der Einschränkungen der Schwangerschaft und der Geburt.

Natürlich sind wir nicht der Biologie nach absolut monogam, aber schon gar nicht sind wir das gegenteilige Extrem

„Letztendlich kaufen die Menschen vier Dinge und nur vier Dinge“

Über diesen Tweet las ich eine interessante Aussage:

 People buy 4 things and 4 things only. Ever. Those 4 things are

  • time,
  • money,
  • sex, and
  • approval/peace of mind.

If you try selling something other than those 4 things you will fail.

Deepl sagt:

Die Menschen kaufen 4 Dinge und nur 4 Dinge. Immer. Diese 4 Dinge sind

  • Zeit,
  • Geld,
  • Sex und
  • Anerkennung / Seelenfrieden.

Wenn Sie versuchen, etwas anderes als diese 4 Dinge zu verkaufen, werden Sie scheitern.

Ich habe das Gefühl, dass man das noch evolutionär klarer formulieren könnte.

Vielleicht:

  • Zeit: Finde ich durchaus passend
  • Geld: Vielleicht eher Ressourcen und Geld ist die beste Form davon?
  • Sex: Würde ich nicht ändern
  • Anerkennung/Seelenfrieden: Status in intrasexueller Konkurrenz und intersexueller Selektion evtl?

Natürlich: Letztendlich sind alle Handlungen beim Menschen auf „Sex bzw Möglichst lange  Weitergabe der Gene“ zurückzuführen. Was wären da die wichtigsten Elemente, die dabei helfen?

 

 

„Meins, meins, meins“ – Ein Verständnis von Eigentum: Angeboren oder gelernt

Fräulein Schmidt hat ein Konzept von Eigentum entwickelt: „Mein“, verkündet sie, und hält diverse Sachen fest, einen Ball oder einen Kugelschreiber, an den sie herangekommen ist oder was auch immer.

Wenn sie am Spielplatz in der Sandkiste mit Eimer, Schaufel und ein paar Förmchen spielt, dann ist sie sehr kritisch, wenn ein anderes Kind sich etwas „ausleihen“ will. „Meins“ hört man zuerst, und man muss ihr erst einmal versprechen, dass das Kind es ja wieder gibt und sich nur kurz leiht, so wie sie auch, wenn sie selbst mal kein Spielzeug dabei hat.

Ihre Eigentumsvorstellung erstreckt sich mitunter auch recht weit: Wenn wir am Spielplatz zuerst auf der Schaukel waren und dann zu einem anderen Spielgerät gehen, dann schaut sie auf, wenn ein anderes Kind sich der Schaukel nährt und möchte dann auch dorthin zurück. Es ist schließlich ihre Schaukel!

Ich denke andere Eltern werden gleiche Erfahrungen gemacht haben ohne das sie ihre Kinder nun zu einem besonderen Egoismus erzogen haben oder sie Angst haben müssen zuwenig zu haben oder das man ihnen wirklich etwas wegnimmt.

Es ist auch durchaus nicht so, dass sie nicht teilt. Sie ist nur vorsichtig damit, gerade bei Sachen, denen sie eine hohe Bedeutung zuspricht.

Evolutionär wäre eine Vorstellung von Eigentum auch sehr verständlich: Ressourcen zu besitzen ist nützlich. Sie nicht zu einfach abzugeben kann sehr vorteilhaft sein. Sie mit den richtigen zu teilen ebenso. Aber nicht einfach mit jedem und nicht so, dass man den Eindruck erweckt, dass man derjenige ist, dem man leicht etwas leicht wegnehmen kann.

 

Die Realität und die evolutionäre Bedeutung der menschlichen psychologischen Geschlechtsunterschiede

Eine interessante Studie stellt Geschlechterunterschiede in der Persönlichkeit darf und untersucht ihre evolutionäre Bedeutung:

The aims of this article are:

(i) to provide a quantitative overview of sex differences in human psychological attributes; and
(ii) to consider evidence for their possible evolutionary origins.

Sex differences were identified from a systematic literature search of meta-analyses and large-sample studies. These were organized in terms of evolutionary significance as follows:

(i) characteristics arising from inter-male competition (within-sex aggression; impulsiveness and sensation-seeking;
fearfulness; visuospatial and object-location memory; object-centred orientations);

(ii) those concerning social relations
that are likely to have arisen from women’s adaptations for small-group interactions and men’s for larger co-operative groups (person-centred orientation and social skills; language; depression and anxiety);

(iii) those arising from female choice (sexuality; mate choice; sexual conflict).

There were sex differences in all categories, whose magnitudes ranged
from (i) small (object location memory; negative emotions), to (ii) medium (mental rotation; anxiety disorders; impulsivity; sex drive; interest in casual sex), to (iii) large (social interests and abilities; sociosexuality); and (iv) very large (escalated aggression; systemizing; sexual violence).

Evolutionary explanations were evaluated according to whether:

(i) similar differences occur in other mammals;

(ii) there is cross-cultural consistency;

(iii) the origin was early in life or at puberty;
(iv) there was evidence for hormonal influences; and

(v), where possible, whether there was evidence for evolutionarily derived design features.

The evidence was positive for most features in most categories, suggesting evolutionary origins for a broad range of sex differences. Attributes for which there was no sex difference are also noted. Within-sex variations are discussed as limitations to the emphasis on sex differences.

Quelle: The reality and evolutionary significance of human psychological sex differences

Also für das Thema dieses Blogs eine hoch interessante Studie.

Zuerst zu den Geschlechterunterschieden:

Ich greife mal ein paar Unterschiede heraus:

Bei Aggression finden sich sehr große Unterschiede.

Bei Risiko etc ist es auch interessant:

Harm avoidance –0.33 1
Sensation-seeking 0.39 2
Risk-taking 0.49 2

Also Frauen versuchen eher Schäden zu vermeiden und Männer waren eher bereit Risiken einzugehen, Männer suchten auch eher den „Thrill“

Bei Fearfullness finden sich auch sehr große Unterschiede:
Fear questionnaires –0.41 2
Fear in real-world situations –1.16 4
Pain threshold 0.51 2
Pain tolerance 1.17 4

Der „Angstfragebogen“ zeigt, dass Frauen mehr Ängste haben. Sie haben auch mehr Angst in Situationen in der realen Welt, und zwar deutlich mehr. Männer haben eine höhere Schmerzgrenze  und eine größere Toleranz bei Schmerzen.

Räumliche Fähigkeiten

Mental rotation 0.66 3
Visuospatial ability 0.48 2
Spatial visualization 0.23 1
Line angle judgment 0.49 2
Object location memory –0.31 1

Männer schneiden beim räumlichen Denken besser ab, Frauen können sich eher merken, wo sie etwas hingelegt haben.

Die Werte finde ich auch interessant:

Wissenschaft und Objektzentrierte Ausrichtungen

Mechanical reasoning 0.98 3
Science 0.28 1
Systemizing quotient scale 1.21 4
Occupational interests 1.39 4
Engineering interests 1.11 4
Interest in things 0.97 3

Sie waren hier schon wiederholt Gegenstand von Diskussionen, es sind sehr große Unterschiede gerade in Bezug auf den Dinge-Leute-Unterschied.

Soziale Beziehungen:

People-things dimension –0.93 3
Social interests –0.68 3
Emotional intelligence –0.47 2
Face recognition –0.36 2
Decoding non-verbal cues –0.27 1
Peer attachment –0.51 2
Implicit affiliation motivation –0.45 2
Smiling –0.41 2
Seek emotional social support –0.41 2
Disclosure (to same sex) –0.37 2

Hier zeigen sich nicht ganz so Unterschiede, aber gerade in Verbindung mit den obigen großen Unterschieden summiert sich das zu erheblich anderen Interessen.

Es geht weiter in den Sozialen Beziehungen:

Empathy –0.91 3
Empathy quotient –0.87 3
Reading the mind in the eyes –0.18 1
Helping behaviour –0.34 1
Cooperation (overall) –0.05 0
Moral norms vs consequences –0.57 2
Moral self-esteem –0.38 2
Attitudes to cheating 0.35 1
Moral orientation (care) –0.28 1
Moral sensitivity –0.24 1
Justice-based moral reasoning –0.21 1
Leadership (task) 0.41 2
Leadership (social) –0.18 1
Democratic leadership style –0.22 1

Also Frauen schneiden im Bereich Empathy wesentlich besser ab, Männer bei einer auf einen Auftrag bezogenen Anführerstellung und Frauen dafür bei einer sozialen Anführerstellung. Frauen neigen eher dazu die anderen mitentscheiden zu lassen, Männer eher dazu zu entscheiden.

Die sprachlichen Fähigkeiten sind auch interessant:

Overall verbal abilities –0.27 1 NA
Language ability –0.37 2 –
Speech production –0.33 1 –0.46, –0.20
Talkativeness 0.14 1 0.08, 0.19
Affiliative speech –0.12 1 –0.18, –0.06
Tentative speech –0.23 1 –0.32, –0.13
Interrupting 0.15 1 0.07, 0.23
Vocabulary –0.10 0 –0.11, –0.09
Verbal reasoning –0.15 1 –0.16, –0.14
Reading –0.36 2 –0.48, –0.24
Writing –0.57 2 –0.72, –0.42
Spelling–0.50 2 –0.51, –0.49

Frauen schreiben besser, lesen besser, sind besser in Rechtschreibung und in Fremdsprachen. Allerdings kleinere bis mittlere Unterschiede.

Im Bereich der Sexualität zeigen sich auch deutliche Unterschiede:
Sociosexuality 0.74 3
Pornography use 0.63 2
Sex drive/arousal 0.62 2
Masturbation 0.53 2
Casual sex 0.49 2
Preferred number of partners 0.46 2
Perceptions of sexual interest 0.30 1 (Mean of three values for flirtatiousness, seductiveness and promiscuousness)
Mate poaching 0.41 (Mean of values for short- and long-term mate poachin)

„Mate Poaching“ wäre das Ausspannen von Partnern.

Es ist wenig verwunderlich, dass die Werte hier für Männer deutlich höher ausschlagen, wobei ich sie eher für höher gehalten hätte. Andererseits rückt das die höheren Bereiche an anderer Stelle auch in ein deutlicheres Licht. Wenn „Pornos“ eine 0,63 sind, dann wird deutlich wie groß der Unterschied etwa beim Interesse für Dinge ist

Partnerwahl:

Age difference –2.00 4
Financial prospects –0.76 3
Good looks 0.55 2
Ambition/industriousness –0.50 2
Social status/dominance –0.34 1

Bei „Age difference“ wäre es interessant, wie das ausgewertet wurde. Es würde zu meiner Vorstellung passen, wenn die Frage auf einen älteren Partner gerichtet war. Ein jüngerer Partner wäre aber natürlich genauso ein Altersunterschied und viele Männer wären da sicherlich nicht abgeneigt.

Frauen wollen auch eher einen Mann, der gute finanzielle Aussichten hat, Männer eine gutaussehende Frau. Frauen wollen einen Mann mit Ambitionen und einem hohen sozialen Status.

Sexuelle Konflikt:

Rape 2.32 4
Sexual aggression 0.62
Perceptions of sexual harassment –0.30 1
Convictions in rape/child abuse cases –0.32 1
Verbal partner aggression –0.25 1 NA
Physical partner aggression (any) –0.02 0

 

Bei Vergewaltigung also weitaus eher Männer,  bei allgemeiner Aggressivität des Partner fast Gleichheit. Männer sind eher sexuell aggressiv, Frauen sind eher verbal gegenüber dem Partner aggressiv.

 

Es geht dort weiter:

Physical partner aggression (severe) 0.42d 2 0.32, 0.52
Partner homicide 1.06 4 NA
Sexual jealousy overall –0.20 1 –0.36, –0.04
Sexual vs emotional jealousy 0.87 3 0.83, 0.91

Also nach den dort ausgewerteten Studien mehr schwere Partnergewalt von Männern, mehr Tötungen von Partnern, Frauen sind im sexuellen Bereich eifersüchtiger.

Bezüglich der evolutionären Erklärungen sind die Ausführungen sehr interessant. Ich muss sie mir noch einmal für eine andere ausführlichere Besprechung vormerken.

Diese Tabelle gibt aber schon einen guten Überblick:

Adaptive Erklärungen

1 = direct inter-male competition;
2 = greater parental investment of females;
3 = greater importance of social relations for women than men, probably as adaptations for small close-knit groups versus larger cooperative groups, respectively; 4 = female choice;
5 = sexual conflict;
6 = hunting by men;
7 = plant gathering by women;
8 = extensions of inter-male competition in specifically human environments (Baron-Cohen, 2003), such as tool-use, hunting and tracking, trading, and achieving status; 9 = menopause and prolonged parental care.
Parentheses indicate that for reasons discussed in the text this explanation is regarded as unlikely.

Evidence: other mammals i.e. comparable sex difference in other mammals (
1 = mammals;
2 = non-human primates;
3 = chimpanzees);

cross-cultural i.e. cross-cultural consistency (
1 = evidence from at least one non-western sample;
2 = evidence from over 30 diverse nations;
3 = evidence from surviving hunter–gatherers;

develop-origin

– evidence of an early (= 1)

or pubertal (= 2)

hormones

– evidence for organizational (= 1) or
activational hormonal effects (= 2);

mechanism

– evidence for adaptive flexibility in mechanism underlying one or more of these features (= 1 if present). O indicates no evidence on a specific topic;

NA is not applicable, M indicates mixed evidence; C indicates contrary evidence.

Wie man sieht lassen sich viele Bereiche durchaus ganz gut zuordnen.

vgl auch:

 

Selbstlosigkeit bei Kleinkindern

Der Spiegel berichtet zu einer Studie zur Selbstlosigkeit und Hilfsbereitschaft bei Kleinkindern (1,5 Jahre alt)

Ich hatte hier schon einige Artikel zu den evolutionären Ursprüngen von Kooperation und da auch von Altruistischen und Kooperativen Verhalten. Der wichtigste Grundsatz ist dort wohl die „Do ut des“ Strategie, also die Strategie, dass man selbst gibt, damit einem auch der andere einem etwas gibt bzw die „Tit for tat“ Strategie: Solange du dich kooperativ verhältst verhalte ich mich auch kooperativ.

Ich verweise etwa auf diesen Artikel:

Jetzt könnte man anführen, dass Kinder nicht viel zu geben haben und lieber nehmen sollten, da sie es ja besonders brauchen. Aber gerade da Kinder besonders abhängig von einer Kooperation sind kann es sich gerade für sie lohnen, dass sie Zeichen für „Selbstlosigkeit“ oder „Altruismus“ oder zumindest gegen reinen Eigennutz senden. Denn der Erwachsene kann es ihnen natürlich erst recht wegnehmen, wenn er will und findet vielleicht eher ein Kind, welches es freiwillig anbietet besonders förderungswürdig.

Allerdings scheinen Kinder auch früh ein Konzept von „Eigentum“ zu entwicklen. Fräulein Schmidt beispielsweise weis schon welches Spielzeug ihr gehört und zuletzt bei einem Spielkontakt war sie gar nicht einverstanden damit, dass ein anderes Kind die Spielzeuge nutzen wollte oder auch nur Aufmerksamkeit von Südländerin bekommt. Es ist eben ihr Spielzeug und ihre Mama.

Es kann sinnvoll sein teilen zu können aber auch sinnvoll sein, dass eigene zu bewahren.

 

„Wenn der andere es nicht haben will, dann scheint es nicht wichtig zu sein“ könnte auch ein interessanter Grundsatz sein.

Einmal noch der Abstract der Studie:

Altruistic behavior entails giving valuable benefits to others while incurring a personal cost. A distinctively human form of altruistic behavior involves handing nutritious food to needy strangers, even when one desires the food. Engaging in altruistic food transfer, instead of keeping the food, is costly, because it reduces the caloric intake of the benefactor vis-à-vis the beneficiary. Human adults engage in this form of altruistic behavior during times of war and famine, when giving food to others threatens one’s own survival. Our closest living primate relatives, chimpanzees (Pan troglodytes) and bonobos (Pan paniscus), exhibit notable constraints on the proclivity to engage in such food transfer (particularly chimpanzees), although they share many social-cognitive commonalities with humans. Here we show that in a nonverbal test, 19-month-old human infants repeatedly and spontaneously transferred high-value, nutritious natural food to a stranger (Experiment 1) and more critically, did so after an experimental manipulation that imposed a feeding delay (Experiment 2), which increased their own motivation to eat the food. Social experience variables moderated the expression of this infant altruistic behavior, suggesting malleability.

Quelle: Altruistic food sharing behavior by human infants after a hunger manipulation

Dass der Konflikt „Nährstoffe für sich vereinnahmen“ und „Signalisieren, dass man teilt, Eigentum respektiert und nicht eigennützig ist“ bei Mangel an Nährstoffen, also Hunger eher zu dessen Gunsten aufgelöst wird, erscheint logisch, wenn man bedenkt, dass man früher eher Nahrungsmangel hatte. Beides kann das Überleben erheblich beeinflussen, Nahrungsmangel ist allerdings dann die größere Gefahr.

Faulheit, Behäbigkeit und Bequemlichkeit als menschliche Eigenschaften

Bevor es mit den Neujahrsvorsätzen beginn t, lohnt es sich noch einmal einen Artikel zu den gern als schlechte Seiten bezeichneten Eigenschaften des Menschen zu machen. Hier soll es insbesondere um Faulheit, Bequemlichkeit und Behäbigkeit gehen.

 

Evolutionärer sind sie gut verständlich. Wenn man etwas nicht tun muss, dann spart das erst einmal Energie. genauso wenn man sich in den Zuständen einrichtet und wenn man den für einen selbst bequemen Weg geht.

Diese Eigenschaften bestehen natürlich nicht absolut. In gegenübersteht der Wunsch einen hohen Status zu erlangen, erfolgreich zu sein oder auch anderweitig eine hohe Position zu erreichen.

und natürlich stehen diese Eigenschaften auch gerne mit unserer Intelligenz in Konflikt, und zwar in der Hinsicht, dass wir sie überwinden müssen um einen besonderen Erfolg zu erzielen, also um etwa ein langfristiges Ziel zu erreichen. Hier geht es dann darum den sogenannten inneren schweinehund zu überwinden und sich aufzuraffen für ein abstraktes Ziel, dass man so vielleicht nicht so direkt vor Augen hat wie bei kurzfristigen Zielen.

Umso ungreifbare das Ziel, umso weiter entfernt es ist, umso weniger es bezüglich der Umsetzbarkeit für einen ohne weiteres erreichbar ist und auch umso eher ist nicht einem selbst direkten Vorteil bringt, sondern allenfalls indirekten , umso schwerer ist auch der Kampf gegen den inneren schweinehund. In einer Jäger und Sammler Gesellschaft war eben das Erreichen langfristiger abstrakter Ziele wesentlich weniger bedeutsam, so dass es unsere Denkweise nicht so gut entspricht und es daher Kraft fordert, solche Ziele umzusetzen.

sie eignen sich daher auch meiner Meinung nach ganz gut zum Verständnis der Biologie und ihre wirkungsweise in Abgrenzung zu Intelligenz im allgemeinen. wir sind gerne faul, wir geben gerne anderen getrieben nach, wir lassen uns auch gerne ablenken. Es erfordert häufig ein Gewissen Einsatz, sich dagegen durchzusetzen und nicht bequem zu sein.

Faulheit, Bequemlichkeit und andere Ausprägung dieser negativen Eigenschaften haben uns in unserer evolutionären Vergangenheit viele gute Dienste getan, eben weil Sie unnötige Energieverschwendung verhindert haben. Sie haben uns natürlich auch als Menschheit viel schlechtes getan, weil wir mit dem arbeitseinsatz von Ameisen oder anderen Tieren sicherlich noch weiter gekommen wären.

Evolution kann eben nicht in die Zukunft schauen und ein sesshaftes Leben führen wie erst seit relativ kurzer Zeit.