Der Mensch als Rudeltier

Uebsilonniks schrieb in einem Kommentar:

Was ich hierbei immer wieder vermisse, ist die Anerkennung dessen, dass der Mensch (und bestimmte andere Arten) ein Rudeltier ist, ein soziales Wesen, das in der sozialen Gemeinschaft das Überleben auch der Schwachen sichert. Und auch der Sozialdarwinist, der zynisch achselzuckend feststellt, es wäre richtig, wenn einer ohne Gesundheitsversicherung im Krankenhausflur stirbt, lebt und überlebt nur, weil er in einem sozialen Gefüge lebt, in der er von vielen Leistungen profitiert, die er selbst nicht aufbringen kann.

Auf Nachfrage, was ihn daran am meisten interessiert:

Dass der Mensch aus Liebe oder Mitgefühl das Überleben anderer sichert und dadurch soziale Strukturen schafft, die verhindern, dass Schwäche einem Todesurteil gleichkommt, weil man „ausselektiert“ wird – und was sich zum Wohle aller auswirkt, extremes Beispiel: Stephen Hawking. Ich würde nicht in einer Welt leben wollen, in der alle ständig im mörderischen Wettkampf stehen.

Dazu auch noch aus der Wikipedia:

Rudel bezeichnet in der Verhaltensbiologie eine geschlossene und individualisierte Gruppe von Säugetieren. Ein Rudel ist eine geschlossene Gruppe, weil die Mitglieder eines Rudels nicht beliebig austauschbar sind. Ebenso ist es eine individualisierte Gruppe, weil die Mitglieder der Gruppe sich untereinander kennen. Innerhalb eines Rudels herrscht oft eine Rangordnung[1] und eine gewisse „Arbeitsteilung“.[2] Im Unterschied dazu ist eine Herde eine Ansammlung großer, in der Regel gleichartiger Säugetiere, von denen einige zwar verwandtschaftliche oder andere soziale Beziehungen untereinander haben können, dies gilt aber nicht für die Herde als Ganzes.

Zu den rudelbildenden Säugetieren gehören sowohl Pflanzenfresser wie verschiedene Arten der Hirsche, Mufflons, Gämsen und Steinböcke als auch Raubtiere wie Wölfe, Schleichkatzen, Löwen und Hyänen.[1]

Das Sammeln der Tiere, die ein Rudel bilden, nennt man rudeln.

Hier soll es sicherlich nicht darum gehen, ob der Mensch tatsächlich ein Rudeltier ist oder ob man ihn etwas anderes einordnet, etwa es eher eine „Gruppe“ ist, es geht hier um Zusammenarbeit und Kooperation.

In der Tat ist der Mensch ein soziales Tier. Wir sind auf Kooperation ausgelegt, das Zusammenleben mit anderen Menschen, Interaktion.

Aber das Problem bei Kooperation ist, dass sie gefährlich ist bzw Möglichkeiten bietet andere Leute auszunutzen:

Es kann effektiv sein, die Leistungen des anderen anzunehmen und ihm dann nichts zurück zu geben. Es kann interessanter sein, erst gar nicht zu kooperieren, sondern den anderen einfach umzubringen und ihm alles zu nehmen, was für einen interessant ist.

Wann das interessant ist bestimmt sich verkürzt gesagt danach, welche Vorteile eine Kooperation bietet und ob man für eine fehlende Kooperation in der Zukunft bestraft werden kann.

Daraus wiederum folgt auch, dass wir Leute, die nicht kooperieren, wenn sie es hätten machen, gerne bestrafen bzw sie gerne bestraft sehen wollen.

Und es bewirkt, dass man „Ingroups“ und Out-Groups“ (man könnte im Sinne dieses Artikels sagen: Rudel) bildet, damit man weiß, bei wem man eher Kooperation erwarten kann und bei wem nicht. Das hat viel Gutes gebracht, weil wir „unserer“ Rudel recht groß  machen können: Wo es früher vielleicht bestimmte kleinere Gruppen waren, sind es jetzt Länder, Länderzusammenschlüsse etc. Allerdings eben nicht absolut, wir haben „Schichten“ von In-Groups. Es hat auch viel Schlechtes gebracht, von Rassismus bis Kriegen

Näheres auch in: Die Evolution der Kooperation

Können wir `“Schwache“ ausschließen in einer Form von „Sozialdarwinismus“? Ja, wir müssen sie nur eine Outgroup zuordnen oder als Schmarotzer bezeichnen, die nichts zurückgeben.
Oder wir ordnen sie der In-Group zu und schützen sie als Teil der Gemeinschaft.

 

 

Die Geschichte der Evolutionstheorie: Robert Chambers

Im Jahre 1844, also 15 Jahre vor Darwins Buch „On the Origins of Species“ (1859) erschien ein Buch, welches für einen erheblichen Wirbel sorgte. Es handelt sich um „Vestiges of the Natural History of Creation“ (deutsch: Spuren der Naturgeschichte der Schöpfung)  und es wurde anonym veröffentlicht, Der Name des Autors, des 1871 verstorbenen schottischen Verlegers Robert Chambers, wurde erst in der 1884 posthum erschienenen 12. Auflage des Buches offengelegt.

Der grobe Inhalt war die Idee, dass ein Gott allenfalls, wenn überhaupt, die Grundlage geschaffen hat und sich dann die übrigen Tiere und auch der Mensch „natürlich“ entwickelt haben.

Aus der Wikipedia:

The work puts forward a cosmic theory of transmutation as the „natural history of creation“ which we now call evolution. It suggests that everything currently in existence has developed from earlier forms: solar system, Earth, rocks, plants and corals, fish, land plants, reptiles and birds, mammals, and ultimately man.

The book begins by tackling the origins of the solar system, using the nebular hypothesis to explain its formations entirely in terms of natural law. It explains the origins of life by spontaneous generation, citing some questionable experiments that claimed to spontaneously generate insects through electricity. It then appeals to geology to demonstrate a progression in the fossil record from simple to more complex organisms, finally culminating in man—with the Caucasian European unabashedly identified as the pinnacle of this process, just above the other races and the rest of the animal kingdom.[3]

Auch hier sieht man wieder, dass die Evolutionstheorie  nicht einfach bei Darwin entstanden ist und es keine Vorläufer gab, die den Weg bereitet haben. Es  passt mal wieder das Gleichnis, dass der jeweilige Wissenschaftler ein Zwerg ist, der auf den Schultern von Riesen sitzt. Was den Wert von Darwin nicht mindern soll, er war derjenige, der die Mechanismen dieser Entwicklung erst richtig herausgearbeitet und entwickelt hat und insoweit aus einer groben These eine echte Theorie gemacht hat.

Man sieht auch erneut die starke Verknüpfung der Biologie mit der Geologie in der damaligen Zeit, denn die Geologie brachte eine Vielzahl von Fakten in die Diskussion, für die man Erklärungen brauchte und an denen man schwer vorbeikommen konnte. Zum einen war da das Alter verschiedener Gesteinsschichten, aber auch die Fossilien mit erkennbar heute nicht mehr existierenden Tieren, die irgendwann einmal auf unserer Erde gelebt haben mussten.

Das Gedankengebäude war hier noch ein ganz anderes, man hing noch einer Fehlannehme an, die auch heute noch verbreitet ist, nämlich einer Entwicklung mit einem bestimmten Ziel, insbesondere einer stetigen Höherentwicklung. Deswegen musste alles in eine Reihenfolge gebracht werden und natürlich musste dann der europäische Mensch in dieser falschen Hierarchie ganz oben stehen.
Heute wissen wir, dass Evolution kein Ziel verfolgt und keinen Sinn hat und auch keine moralische Wertung oder eine Hierarchie enthält, es ist einfach ein Prozess zufälliger Mutationen, die dann selektiert werden nach deren Fähigkeit Gene in die nächste Generation zu bringen. Dabei kann nicht in die Zukunft geschaut werden, wie der Dodo zeigt oder ein Plan verfolgt werden.

 It even goes so far as to connect man’s mental reasoning power with the rest of the animals as an advanced evolutionary step that can be traced backwards through the rest of the lower animals. In this sense, the evolutionary ideas offered in Vestiges aim at being complete and all-encompassing.

Die Wikipedia enthält dazu ein Bild:

Diagram from the first edition shows a model of development where fish (F), reptiles (R), and birds (B) represent branches from a path leading to mammals (M).

Andere Arten sind hier also nur Abspaltungen eines  Weges des sozusagen eigentlich wichtigen Tieres bzw letztendlich des Menschen oder lassen sich zumindest so darstellen.

It contains several comments worthy of repetition in light of more recent debates, such as regarding Intelligent Design. For example:

Not one species of any creature which flourished before the tertiary (Ehrenberg’s infusoria excepted) now exists; and of the mammalia which arose during that series, many forms are altogether gone, while of others we have now only kindred species. Thus to find not only frequent additions to the previous existing forms, but frequent withdrawals of forms which had apparently become inappropriate – a constant shifting as well as advance – is a fact calculated very forcibly to arrest attention. A candid consideration of all these circumstances can scarcely fail to introduce into our minds a somewhat different idea of organic creation from what has hitherto been generally entertained. (p. 152)

In other words, the fact of extinction — which can be observed in the fossil layers —suggests that some designs were flawed. From this, the author concludes:

Some other idea must then come to with regard to the mode in which the Divine Author proceeded in the organic creation. (p.153)

But the suggestion is not a mechanism, as Darwin would propose fifteen years later. The author merely notes that a continually active God is unnecessary:

Er bringt hier also, wenn auch nicht so deutlich ausformuliert, den Ansatz, dass es gegen einen andauernden Schöpfungsprozess eines Gottes spricht, dass bestimmte Tiere ausgestorben sind, also anscheinend nicht hinreichend an ihre Umwelt angepasst waren.

Das Argument würde uns vielleicht heute nicht mehr so überzeugen, weil wir davon ausgehen würden, dass die Tiere ja nur an ihre damalige Umwelt angepasst sein mussten und die sich verändern kann. Aber für die damaligen Christen war es schon ein brisanteres Argument, denn ein allwissender Gott hätte ja das Tier schon so kreieren können, dass es auch auf die Änderungen vorbereitet war. Die Frage inwieweit Arten ausgestorben waren, war also eine Frage, die als Kritik an einem allwissenden Gott verstanden werden konnte bzw als Gotteslästerung bzw Bestreiten, dass es überhaupt einen Gott ist.
Ins gleiche Horn stieß die These, dass ein Gott in dem Prozess gar nicht nötig sein sollte, der natürlich mit der Schöpfungsgeschichte nicht in Einklang zu bringen ist und damit die Bibel angreift.

Dazu geht es auch gleich weiter:

…how can we suppose that the august Being who brought all these countless worlds into form by the simple establishment of a natural principle flowing from his mind, was to interfere personally and specially on every occasion when a new shell-fish or reptile was to be ushered into existence on one of these worlds? Surely this idea is too ridiculous to be for a moment entertained. (p.154)

Also das Argument, dass es ein Prinzip gibt, dass sich das Höhere aus dem niedrigen entwickelt und das von einem Gott so eingerichtet ist und es dann keinen Sinn macht, wenn dieser Gott dennoch immer wieder für jedes neue Reptil selbst eingreifen müsste.

Und das wird dann auch noch als zu lächerlich als das man überhaupt darüber nachdenken muss, bezeichnet. Das ist eben der Vorteil der Anonymität. Man kann einfach solche Thesen deutlich freier schreiben als wenn man dann gleich den kirchlichen Bannhammer spürt.

He furthermore suggests that this interpretation may be based upon corrupt theology:

Thus, the scriptural objection quickly vanishes, and the prevalent ideas about the organic creation appear only as a mistaken inference from the text, formed at a time when man’s ignorance prevented him from drawing therefrom a just conclusion. (p.156)

And praises God for his foresight in generating such wondrous variety from so elegant a method, while chastening those who would oversimplify His accomplishment:

To a reasonable mind the Divine attributes must appear, not diminished or reduced in some way, by supposing a creation by law, but infinitely exalted. It is the narrowest of all views of the Deity, and characteristic of a humble class of intellects, to suppose him acting constantly in particular ways for particular occasions. It, for one thing, greatly detracts from his foresight, the most undeniable of all the attributes of Omnipotence. It lowers him towards the level of our own humble intellects. Much more worthy of him it surely is, to suppose that all things have been commissioned by him from the first, though neither is he absent from a particle of the current of natural affairs in one sense, seeing that the whole system is continually supported by his providence. (pp.156–157)

Für die damalige Zeit sicherlich auch ein Ansatz, der einfacher zu kommunizieren war. Es gibt ja einen Gott, er hat nur schlauer agiert als ein Handwerker, sondern eher wie ein König, der die Gesetze der Entstehung schafft und dann nicht mehr einschreiten muss, weil das von ihm konzipierte System eben gut funktioniert.

In der Wikipedia zu den Auswirkungen auf die Publikationen von Darwin:

Following its publication, there was increasing support for ideas of the coexistence of God and Nature, with the deity setting Natural Laws rather than continually intervening with miracles. It is perhaps for this reason that Origin of Species was accepted so readily, upon its eventual publication.

On the other hand, the knowledge of the scandal and experience of the reaction of his scientist friends confirmed Darwin’s reluctance to publish his own ideas until he had well researched answers to all possible objections (though, in the end, Darwin had to publish earlier than he had wanted to anyway).

Darwin hatte 1834, also 10 Jahre vor dem Buch von Robert Chambers, bereits mit der Ausarbeitung seiner evolutionären Theorien begonnen, nachdem ihm Maltus noch einmal deutlich gemacht hatte, wie eine Selektion aussehen kann. 1844 wurde ihm durch das Buch von Chambers und die auch sehr heftige Kritik daran deutlich, dass er erheblichen Widerstand haben wird. Er fing dann lange Studien an Flußrankenkrebsen (Barnacles) an und als ihm diese zu uninteressant wurden begann er Tauben zu untersuchen, bei denen Einigkeit bestand, dass die dann verbreiteten Zuchttauben aus einer Wildart hervorgegangen waren und sich durch Zucht die verschiedensten Arten entwickelt hatten. In der Tat schien er die Publikation seines Buches herauszuzögern. Erst als er 1859 einen Brief von Russel Wallace erhielt, in dem er ihn ein Paper übersandte, welches sich ebenfalls mit Evolution beschäftigte, hielt er zunächst eine Präsentation seines und des Papers von Russel Wallace und brachte dann ein Jahr später, 1859 sein Buch, an dem er dann 25 Jahre geschrieben hatte, heraus.

In der Wikipedia findet sich eine Darstellung, wie das Buch von Chambers aufgenommen worden ist. Da sieht man, dass es ein Kampf Kirche vs Aufklärung war. die Idee aber viele schon dort überzeugt hat. In der Hinsicht hat Chambers mit seinem anonymen Buch für Charles Darwin den Boden vorbereitet, die Idee war wenn auch in einer anderen Form bereits bei einem gewissen Teil der gebildeteren Bevölkerung angekommen. Einige der Kämpfe waren bereits geführt, es musste nicht ganz vorne angefangen werden.

Die Geschichte der Evolutonstheorie: Jean-Baptiste de Lamarck und Lamarckismus (und Lyssenkoismus)

Einen interessanten Beitrag zur Evolutionstheorie, allerdings im Sinne einer nicht zutreffenden Vorstufe dieser Theorien brachte Jean-Baptiste de Lamarck:

Aus der Wikipedia dazu:

Um 1800 entwickelte Lamarck eine Theorie der Arttransformation, der Veränderlichkeit der Arten. Die Denkwege, die ihn dazu führten, sind nicht bekannt, als wichtige Faktoren werden folgende diskutiert:

  • Seine Erkenntnisse als Systematiker, dass sich die Klassen linear nach ihrer Komplexität reihen lassen;
  • sein Wechsel von einer vitalistischen zu einer mechanistischen Physiologie;
  • sich daraus ergebend die Möglichkeit der Urzeugung sowie eine epigenetische Sichtweise der Ontogenie;
  • sein Projekt der Physique terrestre, innerhalb der die Transformation die Erklärung für die Vielfalt der Lebewesen bildete.

Ein weiterer Ausgangspunkt war möglicherweise die in den 1790er Jahren in Paris geführte Diskussion, ob Arten aussterben können. Die Veränderlichkeit der Arten war für Lamarck eine Möglichkeit, die von ihm abgelehnte Vorstellung eines Aussterbens einerseits und die Fossilfunde andererseits in Übereinstimmung zu bringen.

Es ist interessant, dass Forscher in vielen Fällen auf Gedanken aufbauten bzw an Problemen arbeiteten, die gerade ausgiebig in der (gebildeteren) Gesellschaft diskutiert wurde. Bei Darwin waren das zB noch fragen der Geologie und die Frage, wie neues Land entstanden istund eben bei Lamarck die Frage, inwieweit Arten aussterben konnten. Es wäre interessant wenn wissenschaftliche nicht ideologische Fragen heute noch in dieser Weise diskutiert werden würden, aber wahrscheinlich ist die Wissenschaft zu kompliziert dafür geworden.

Lamarcks Theorie zufolge entstehen die einfachsten Organismen durch Urzeugung. Urzeugung findet auch in der Gegenwart noch statt.

Das wäre dann wahrscheinlich so eine Art göttliche Urzeugung, jedenfalls habe ich nichts weiteres dazu gefunden.

Diese Organismen entwickeln sich zu immer komplexeren Formen, wobei der Entwicklung ein Richtungssinn innewohnt: vom Einfachen zum Komplexen.

Das ist ja auch heute noch ein häufiger Irrtum: Man geht davon aus, dass eine Evolution immer zu einer Verbesserung führen muss. Etwa das die Weiterentwicklung des Menschens uns immer klüger machen muss. Bekommen allerdings eher die weniger intelligenten Leute Kinder, während die intelligenteren Leute vor lauter arbeiten nicht mehr dazu kommen, dann muss das keineswegs der Fall sein, um mal nur ein Beispiel zu nennen.

Pflanzen und Tiere haben sich demzufolge unabhängig voneinander entwickelt. Diese Theorie ist auch eine reine Transformationstheorie, sie beinhaltet im Gegensatz zu Darwins Theorie keine gemeinsame Abstammung aller Arten. Die einzelnen Tierklassen sind unabhängig voneinander entstanden. Die Klassen haben gleichartige Vorfahren, die durch die Urzeugung entstandenen Formen, aber keine gemeinsamen Vorfahren. Ihre jeweilige Höherentwicklung verläuft demnach parallel und unabhängig voneinander. Die Höherentwicklung erfolgt aufgrund eines im Organismus angelegten und determinierten Prozesses. Lamarcks Evolution ist also gerichtet, wenn auch nicht auf ein vorherbestimmtes Ziel.

Das ist alles noch recht unbestimmt und heute würde man es für eine schlechte Theorie halten, aber es ist eben der Vorgänger besserer Theorien, die immerhin schon eine gewisse Entwicklung innerhalb einer Spezies ermöglicht. Es erklärt immerhin wenn auch nicht die „Urzeugung“, dann jedenfalls die Differenzierung innerhalb dieser.

In seiner Philosophie zoologique (1809) stellt Lamarck auch philosophische Überlegungen zu einer möglichen Entstehung der Menschen (bimanes) aus einer „Rasse“ von Affen (quadrumanes) an:

Wenn in der That irgend eine Affenrace hauptsächlich die vollkommenste derselben, durch die Verhältnisse oder durch irgend eine andere Ursache gezwungen wurde, die Gewohnheit, auf den Bäumen zu klettern und die Zweige mit den Füssen sowohl als mit den Händen zu erfassen, um sich daran aufzuhängen, aufzugeben und wenn die Individuen dieser Race während einer langen Reihe von Generationen gezwungen waren, ihre Füsse nur zum Gehen zu gebrauchen und aufhörten, von den Füssen denselben Gebrauch wie von den Händen zu machen, so ist es nach den im vorigen Kapitel angeführten Bemerkungen nicht zweifelhaft, dass die Vierhänder schliesslich zu Zweihändern umgebildet wurden und dass die Daumen ihrer Füsse, da diese Füsse nur noch zum Gehen dienten, die Entgegenstellbarkeit zu den Fingern verloren. Wenn überdies die Individuen, von denen ich spreche, bewegt durch das Bedürfniss zu herrschen und zugleich weit und breit um sich zu sehen, sich anstrengten, aufrecht zu stehen und an dieser Gewohnheit von Generation zu Generation beständig festhielten, so ist es ferner nicht zweifelhaft, dass ihre Füsse unmerklich eine für die aufrechte Haltung geeignete Bildung erlangten, dass ihre Beine Waden bekamen und dass diese Thiere dann nur mühsam auf den Händen und Füssen zugleich gehen konnten.“[6][7]

Das ist immerhin schon einmal die Entwicklung des Menschen aus dem Affen, wenn auch nicht aus einem gemeinsamen Vorfahren und nicht mit der Klarheit der heutigen Evolutionstheorie. Hier sieht man aber auch schon, dass er nicht auf Gene abstellte (was auch Darwin noch nicht machte, die Gene als Theorie kamen sehr viel später) oder auf andere Vererbungen, sondern auf „Gewohnheiten“.

Die Vielfalt der Arten und die Abweichungen von der reinen Stufenfolge erklärte Lamarck mit einem zweiten Mechanismus, der als Nebenprinzip zur Höherentwicklung fungiert: veränderte Umweltbedingungen veranlassen die Tiere zu veränderten „Gewohnheiten“ (habitudes), die zu verändertem Gebrauch von Organen führen. Der veränderte Gebrauch führt zu Modifikationen des Organs, die auf die Nachkommen vererbt werden. Dieses Nebenprinzip wurde nicht von Lamarck entwickelt; die Vererbung erworbener Eigenschaften war im 18. und auch noch 19. Jahrhundert weithin anerkannt. Alleine dieser Teil von Lamarcks Evolutionstheorie, die Vererbung erworbener Eigenschaften, wurde in späterer Folge als Lamarckismus bezeichnet.

Insofern etwas tragisch für ihn, dass eine Idee, die er nur, da sie allgemein anerkannt war, übernommen hatte, das werden würde, für das seine Theorien bekannt wurde.

Erst 1876 wurde die Zoologische Philosophie von Lamarck in deutscher Sprache veröffentlicht, wohl als Folge der durch das Werk Charles Darwins stark gestiegenen Beachtung des Evolutionsgedankens (bereits 1875 begann eine Gesamtausgabe von Darwins Werken auf Deutsch zu erscheinen, also noch zu Darwins Lebzeiten).[8]

Die englische Wikipedia macht noch etwas deutlicher, dass er für seine Zeit durchaus modern war, wenn auch größtenteils ignoriert:

Lamarck is known largely for his views on evolution, which have been dismissed in favour of developments in Darwinism, but he was an impressive general biologist of his day, and his works still deserve respect. His theory of evolution only achieved fame after the publication of Charles Darwin’s On the Origin of Species (1859), which spurred critics of Darwin’s new theory to fall back on Lamarckian evolution as a more well-established alternative.[37]

Lamarck is usually remembered for his belief in the then commonly held theory of inheritance of acquired characteristics, and the use and disuse model by which organisms developed their characteristics. Lamarck incorporated this belief into his theory of evolution, along with other common beliefs of the time, such as spontaneous generation.[25] The inheritance of acquired characteristics (also called the theory of adaptation or soft inheritance) was rejected by August Weismann in the 1880s[Note 3] when he developed a theory of inheritance in which germ plasm (the sex cells, later redefined as DNA), remained separate and distinct from the soma (the rest of the body); thus, nothing which happens to the soma may be passed on with the germ plasm. This model allegedly underlies the modern understanding of inheritance.

Lamarck constructed one of the first theoretical frameworks of organic evolution. While this theory was generally rejected during his lifetime,[38] Stephen Jay Gould argues that Lamarck was the „primary evolutionary theorist“, in that his ideas, and the way in which he structured his theory, set the tone for much of the subsequent thinking in evolutionary biology, through to the present day.[39] Developments in epigenetics, the study of cellular and physiological traits that are heritable by daughter cells and not caused by changes in the DNA sequence, have caused debate about whether a „neolamarckist“ view of inheritance could be correct: Lamarck was not in a position to give a molecular explanation for his theory. Eva Jablonka and Marion Lamb, for example, call themselves neolamarckists.[10][32] Reviewing the evidence, David Haig observes that any such mechanisms must themselves have evolved through natural selection.[10]

Darwin allowed a role for use and disuse as an evolutionary mechanism subsidiary to natural selection, most often in respect of disuse.[Note 4] He praised Lamarck for „the eminent service of arousing attention to the probability of all change in the organic… world, being the result of law, not miraculous interposition“.[41] Lamarckism is also occasionally used to describe quasi-evolutionary concepts in societal contexts, though not by Lamarck himself. For example, the memetic theory of cultural evolution is sometimes described as a form of Lamarckian inheritance of nongenetic traits.

Und weil wir bei Lamarck sind auch gleich etwas zu dem späteren Lamarckismus:

Anpassung an äußere Veränderungen

Den Hintergrund für Lamarcks Theorie bildet eine Kombination von geologischem Uniformitätsprinzip und Gradualismus. Lamarck nahm an, dass alle natürlichen Kräfte, die in der Gegenwart wirken, auch in der Vergangenheit gewirkt haben. Singuläre Ereignisse, wie etwa in Cuviers Katastrophentheorie, spielen keine Rolle; die Natur ändert sich graduell und vollzieht keine abrupten Sprünge.

Ebendiese graduellen Änderungen der Umgebung sind gemäß Lamarck ein Antrieb der Evolution: Eine geänderte Umwelt führt dazu, dass sich auch die Gewohnheiten der darin lebenden Organismen ändern, was wiederum zur Folge hat, dass sich die Organismen selbst ändern.
Durch geänderte Gewohnheitenverursachte somatische Modifikationen würden nach seiner Theorie an die nächsten Generationen vererbt
. Dieser Punkt in Lamarcks Theorie ist heute als „Lamarckismus“ oder auch „weiche Vererbung“ bekannt und ist – im Gegensatz zu Lamarcks weiteren Ansichten – nicht in Vergessenheit geraten.

Heute wissen wird, dass Gewohnheiten nicht das Erbgut ändern. Die Geninformationen, die in der nächsten Generation ankommen, sind vielmehr streng getrennt von dem Leben der Eltern. Was auch schon daran deutlich wird, dass beispielsweise die Eizellen in der Mutter bereits bei ihrer Geburt angelegt werden und sich danach nicht mehr verändern. Und auch die Spermien der Männer unterlaufen keiner Veränderung im Erbgut. Ein kräftiger Schmied etwa erfährt durch seinen Beruf keine Veränderung dahingehend, dass „Körperkraft“ in den Genen seiner Spermien erhöht wird. Natürlich kann er den Beruf gewählt haben, weil er ohnehin Gene hatte, die einen leichteren Muskelaufbau begünstigen und die könnte er auch an seinen Sohn weitergeben, aber hat er sich die Muskeln ohne besondere genetische Grundlage durch hartes Hammerschwingen erarbeitet, dann schlägt sich dieser Vorteil nicht genetisch bei seinem Sohn nieder. Insofern ändern die Gewohnheiten des Vaters sein Erbgut nicht und landen damit auch nicht beim Sohn. Sie können insoweit auch nicht für die Veränderungen maßgeblich sein.

Lamarckismus

Heute wird er meist illustriert durch das Beispiel der Giraffe, die sich in trockener, unwirtlicher Umgebung nach hochgelegenen Blättern von Bäumen strecken musste, um sich zu ernähren. Hierdurch habe sich über viele Generationen hinweg der lange Hals entwickelt. Lamarck verwendete dieses Beispiel nur als eines unter vielen, es hatte für ihn nicht die zentrale Stellung, die es heute in vielen Darstellungen seiner Theorie hat.[9]

Die Evolution der Giraffe und ihres langen Halses ist überaus komplex. Wer einen guten Beitrag dazu sehen will, welche Modifikationen neben einer einfachen Verlängerung des Halses alles eintreten mussten, der schaue sich „Inside Nature’s Giants: Giraffe“ an, hier mal ein Link, ich hoffe er funktioniert lange:

Es muss sich nich einfach nur der Hals verlängern, es muss auch ein Herz entwickelt werden, welches das Blut den langen Weg zum Gehirn hochpumpen kann, es muss ein Mittel gefunden werden, damit  nicht das Blut, welches sonst gegen die Schwerkraft zum Kopf hochgepumpt wird, bei einer Absenkung des Kopfes zB zum Trinken den Kopf platzen lässt etc.

(Daneben stellt der rückläufiger Kehlkopfnerv (Nervus laryngeus recurrens) bei der Giraffe einen guten Beleg dafür da, was es keine Schöpfung, sondern eine Evolution gegeben hat, denn er macht bei der Giraffe einen „Umweg“ von ca. 5 Metern, der seiner früheren Lage bei Fischen geschuldet ist)

Lamarck ging von einer Vererbung erworbener Merkmale aus, was sich später als unzutreffend herausstellte. Die Unterscheidung zwischen der Erbinformation in den Zellen der Körpergewebe, die nicht an die Nachkommen weitergegeben werden kann, und der Erbinformation in den Eizellen und Spermien, die als einzige vererbt wird, konnte Lamarck noch nicht vornehmen.

Das stimmt und auch Darwin hat dieses Nichtwissen dazu verleitet in späteren Ausgaben seines Buches in Richtung Lamarckismus zu gehen, wie ich hier bereits einmal dargestellt habe: 

Später hat Darwin den Gedanken der Weitergabe von Eigenschaften aber wohl doch aufgenommen, in seinen Theorien zur Pangenesis:
Darwin entwickelte die Pangenesistheorie in seinen späten Werken als Konzession an Vertreter lamarckistischer Auffassungen wegen bestimmter Anpassungsphänomene bei Lebewesen, die er nicht mit seiner Selektionstheorie erklären zu können glaubte:

„Es wird fast allgemein zugegeben, dass die Zellen oder die Einheiten des Körpers sich durch Theilung oder Prolification fortpflanzen, wobei sie zunächst dieselbe Natur beibehalten und schliesslich in die verschiedenen Gewebe und Substanzen des Körpers verwandelt werden. Aber ausser dieser Vermehrungsweise nehme ich an, dass die Zellen vor ihrer Umwandlung in völlig passive oder ‚gebildete Substanz‘ kleine Körnchen oder Atome abgeben, welche durch den ganzen Körper frei circulieren und welche, wenn sie mit gehöriger Nahrung versorgt werden, durch Theilung sich verfielfältigen und später zu Zellen entwickelt werden können, gleich denen von denen sie herrühren. Diese Körnchen können der Deutlichkeit halber Zellenkeimchen genannt werden, oder da die Zellentheorie nicht vollständig begründet ist, einfach Keimchen … Endlich nehme ich an, daß die Keimchen in ihren schlummernden Zustande eine gegenseitige Verwandtschaft zueinander haben, welche zu ihrer Aggregation entweder zu Knospen oder zu den Sexualelementen führt. Um genauer zu sprechen, so sind es nicht die reproduktiven Elemente, auch nicht die Knospen, welche neue Organismen erzeugen, sondern die Zellen selbst durch den ganzen Körper. Diese Annahmen bilden die provisorische Hypothese, welche ich Pangenesis genannt habe.“ [1]

Das folgende Zitat zeigt eindeutig, dass Darwin weit lamarckistischer im Sinne einer Vererbung erworbener Eigenschaften gedacht hat, als wir dies heutzutage wahr haben wollen: „
Bei Variationen, welche durch die directe Einwirkung veränderter Lebensbedingungen verursacht werden … werden die Gewebe des Körpers nach der Theorie der Pangenesis direct durch die neuen Bedingungen afficiert und geben demzufolge modificirte Nachkommen aus, welche mit ihren neuerdings erlangten Eigenthümlichkeiten den Nachkommen überliefert werden. …“

Naturlich ist das seiner Zeit geschuldet. Dazu auch in dem Wikipediaartikel:

Die Gene waren seinerzeit noch nicht entdeckt. Heute wird überwiegend die Haltung vertreten, dass erworbene Merkmale nicht vererbt werden, da die Erbinformation nur über die Keimbahn an die nächste Generation weitergegeben wird, und dass Rekombination und Mutation für die Entstehung neuer Merkmale verantwortlich sind. Das Giraffenbeispiel erfreut sich gleichbleibender Beliebtheit, weil man es ebenso zur Widerlegung Lamarcks, wie auch als Beispiel für ein Ergebnis einer transformierenden Selektion verwenden kann.

In der Tat wissen wir es heute einfach besser. Aber zu damaliger Zeit warf es eben erhebliche Probleme auf. Insbesondere der Einwand der „Vermischung“ wurde damals als problematisch angesehen:

Wenn eine neue Eigenschaftsausprägung entsteht, sagen wir der etwas längere Hals einer Giraffe, dann paart sie sich dennoch zwangsläufig wieder mit anderen Giraffen, die diese Eigenschaftsausprägung noch nicht haben. Damit erfolgt immer wieder eine Reduzierung und Verwässerung der neuen Eigenschaft, die sich dann nie richtig durchsetzen kann.

Das Problem verhindert der Lamarckismus weil ja alle Giraffen versuchen an die höheren Blätter zu kommen.

Besser erklären es aber die Gene: An die Nachkommen wird nicht eine „Vermischte“ Anlage von beiden Eltern weitergegeben, sondern entweder die Gene der Mutter oder des Vaters. Wenn zB an ein Giraffenkind das Gen von der Mutter für den längeren Hals kommt und an das andere das Gen des Vaters für den „Normalen“ Hals, dann hat das Kind mit dem Gen für den langen Hals eben Vorteile und die Nachfahren, die es von ihm bekommen wiederum Vorteile. So kann sich das Gen anreichern.

Linearer Fortschritt
Da sich allein aus dem „lamarckistischen“ Teil von Lamarcks Theorie, in dem sich die Organismen an die ungerichteten äußeren Veränderungen in einer Art Zufallsbewegung anpassen, eine mit der Zeit steigende Komplexität der Organismen nicht erklären lässt, bedarf eine konsistente Theorie der Evolution weiterer Ergänzungen.

Lamarcks Lösung für dieses Problem besteht darin, eine zweite evolutionäre Kraft anzunehmen. Er postuliert die Existenz einer linearen taxonomischen Skala der Komplexität, auf der sich alle Organismen einordnen lassen und an deren Spitze der Mensch steht. Allen Organismen wohnt ein Vervollkommnungstrieb inne, durch den sie durch graduelle Veränderungen auf der Leiter der Komplexität immer weiter hinaufklettern. Dieser Vorgang könne selbst ohne Veränderungen der Umwelt geschehen, er sei also von der „weichen Vererbung“ abgekoppelt.[10] Lamarck führt die Mechanismen für diesen Prozess nicht genauer aus, als Erklärung gibt er nur vage „Bewegungen von Flüssigkeiten“ und „vitale Kräfte“ an.

Da überzeugt die Evolutionstheorie von Darwin aus meiner Sicht mehr.

Das Problem, warum es auch niedere Lebensformen gibt, wenn doch alle Organismen sich auf der Komplexitätsskala aufwärtsbewegen, erklärt Lamarck mit einer konstant stattfindenden Spontanzeugung von niederen Lebensformen. Auch hierfür gibt er keinen konkreten Mechanismus an.

Im Gegensatz zu Darwin hat Lamarck also keine Abstammungslehre postuliert, sondern zu jeder rezenten Art führt eine eigene Evolutionslinie. Die am höchsten evolvierten Organismen seien durch Urzeugung zuerst entstanden, die niederen Organismen später. Die Evolutionslinie zum Menschen sei daher nach Lamarck die längste und damit älteste.[11]

Das macht ja immerhin aus religiöser Sicht Sinn. Wobei: Die Tiere wurden ja zuerst geschaffen.

Die Faktoren im Zusammenspiel
Die in der Natur zu beobachtende Artenvielfalt kann, wie Lamarck anerkennen musste, kaum durch eine lineare Skala der Komplexität erklärt werden, welche daher nur eine Idealisierung sein kann. In der Wirklichkeit wird der lineare Fortschritt der Arten gewissermaßen „gestört“ durch die adaptive Anpassung der Arten an die sich ändernde Umwelt. Es besteht ein stetes Zusammenspiel zwischen vorwärts- und seitwärtsgerichter Evolution.[12]

Ein wichtiges Problem war zu Lamarcks Zeit, durch Funde von Fossilien angeregt, das mögliche Aussterben von Arten. Lamarck bestritt weitestgehend, dass Arten aussterben können. Eine für ausgestorben gehaltene Art könne entweder in noch unbekannten Teilen der Welt weiterexistieren, oder sie könne sich durch Adaptation so sehr gewandelt haben, dass sie nicht mehr erkannt wird. Einzig die Möglichkeit, dass einzelne Spezies durch den Menschen ausgerottet werden könnten, erwog Lamarck in „prophetischer“[13] Manier.

Mir erschließt sich bereits nicht, warum ein Aussterben überhaupt ausgeschlossen werden sollte. Vielleicht weil es dazu führen würde, dass es irgendwann gar keine Tiere mehr gibt? Aber man muss wahrscheinlich die damalige Debatte kennen um es zu verstehen.

Rezeption
Zu Lebzeiten erhielt Lamarck nur wenige Reaktionen auf seine Evolutionstheorie. Dies lag zum Teil daran, dass er, der im Stile vergangener Jahrhunderte mehr Naturphilosoph als Naturwissenschaftler war, mit seiner spekulativen Art wenig Anklang fand im nachrevolutionären Frankreich, in dem die Wissenschaft immer empirischer wurde.

Harte Kritik erfuhr Lamarck durch den einflussreichen Georges Cuvier, der dessen Theorie ausgerechnet in einem Nachruf (éloge) auseinandernahm. Cuvier kritisierte zum einen Lamarcks spekulative, nur schwach auf empirischen Fundamenten beruhende Theorie, ein Punkt, in dem ihm heutige Wissenschaftshistoriker weitgehend zustimmen. Zum anderen aber zeichnete er – Lamarcks kausalen Dreischritt von veränderter Umwelt über Gewohnheiten bis hin zur Vererbung ignorierend – ein Bild einer Theorie, in dem Wille oder Wünsche der Organismen die Evolution steuern, was dazu führte, dass Lamarck später oft dem Vitalismus zugeschrieben wurde.

Verzerrende Darstellungen wie die eben genannte, die heute als „Karikatur“[14] oder „Pseudolamarckismus“[15] eingestuft werden, prägten dauerhaft die öffentliche Wahrnehmung von Lamarck. Dabei war dieser ein radikaler Materialist und wurde hierfür sogar zu Lebzeiten von kreationistischen Vertretern wie William Kirby kritisiert.[16] In der Tat spielt in seiner Theorie, die etwa die Entstehung von Leben durch spontane Generation beinhaltet, ein Schöpfer keine Rolle.

Auch Charles Darwin hielt wenig von Lamarck. Er hatte dessen Bücher studiert, erwähnte diese aber nur selten in offiziellen Schriften und bezeichnete die Bücher privat als „veritable rubbish“.[17] Die Wertschätzung seines Freundes Charles Lyell für Lamarck konnte er nicht recht nachvollziehen.[18] Dennoch wird aus heutiger Sicht vermutet, dass Darwin – direkt[19] oder indirekt[20] – stärker durch Lamarck beeinflusst war, als es ihm traditionell zugeschrieben wird. Darwins Pangenesistheorie enthält überdies die Idee der „lamarckistischen“ Vererbung erworbener Eigenschaften. Das bei Darwin so zentrale Prinzip der natürlichen Selektion war Lamarck jedoch gänzlich fremd, weil Unterschiede zwischen Individuen einer Art keine Rolle in dessen Denken spielten.

Dazu hatte ich ja oben etwas geschrieben.

Aus heutiger Sicht wird von einigen Wissenschaftshistorikern die ahistorische Darstellung Lamarcks in Lehrbüchern kritisiert. Womöglich durch die spätere Debatte zwischen Neolamarckisten und Neodarwinisten beeinflusst, werde Lamarck fälschlicherweise als der Gegenspieler von Darwin dargestellt und seine Theorie auf das Beispiel der Giraffe reduziert.[21]

Lamarck kann erst einmal nichts dafür, dass seine Theorien auf diese Weise später aufgegriffen worden sind. Für seine Zeit sind es ja keine schlechten Überlegungen, sie werden insbesondere schlecht, weil wir heute mehr wissen. Aber viele Fehler seiner Theorien, etwa die Annahme, dass erworbene Fähigkeiten auch bei den Kindern vorliegen müssten, trifft man noch heute gerne an bzw es wird nicht scharf unterschieden zwischen der Anlage und dem Training der Eltern.

Neolamarckismus
Der Lamarckismus im heutigen Sinn, also das Konzept der Vererbung erworbener Eigenschaften, entstand erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als eine ernstzunehmende Alternative hierzu vorgeschlagen worden war. Die Ursache hierfür war August Weismann, der mit seiner Keimplasmatheorie den Darwinismus gewissermaßen aller lamarckistischen Elemente „bereinigte“. Die Weismann-Barriere verhindert jeden Einfluss von somatischen Veränderungen zurück aufs Erbgut. In Weismanns Theorie ist die natürliche Selektion die einzige wirkende Kraft, „weiche“ Vererbungsmechanismen gibt es in ihr nicht.

Die Weißmann-Barriere zur Erläuterung:

Das heutige Wissen der Genetiker über Chromosomen und DNA stand Weismann noch nicht zur Verfügung. Er verwendete die Begriffe Keimplasma und Körperplasma. Das Keimplasma sei für die Weitergabe der Erbinformationen zuständig, während das Körperplasma die Ausprägung des Organismus bestimme. Informationen gelangten aus dem Keimplasma in das Körperplasma und bestimmten so die Ausprägung erblicher Merkmale. Umgekehrt könnten jedoch keine Informationen aus dem Körperplasma in das Keimplasma gelangen. Durch äußere Einflüsse sei eine Änderung der individuellen Eigenschaften möglich, das Keimplasma bliebe davon aber unberührt.

Zwischen den als „Neodarwinisten“ bezeichneten Anhängern Weismanns und den „Neolamarckisten“ entstanden scharf geführte Debatten. Eines der Probleme der darwinistischen Seite war es hierbei, die Rückbildung von Organen zu erklären.[22] Die Lamarckisten hatten es dagegen schwer, experimentelle Belege für ihre Thesen anzuführen und ihre Theorie mit der zur Jahrhundertwende wiederentdeckten Genetik Gregor Mendels in Einklang zu bringen.

Gegen 1900 war der Neolamarckismus daher nicht die Randerscheinung, die er heute ist, sondern eine weithin akzeptierte Position.[23] Zu den Anhängern der Vererbung erworbener Eigenschaften zählten unter anderem Edward Drinker Cope, Herbert Spencer und Ernst Haeckel. Als Pierre de Coubertin die Olympischen Spiele 1894 wiedererweckte, war er vom Geist des Neolamarckismus geprägt. In seinem Projekt des rebroncer la France wollte er die männliche Bevölkerung Frankreichs nach der Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg durch Sport fit machen wie die Engländer, um so die deutschen Turner besiegen zu können. Er ging davon aus, dass man Fitness vererben könne und jede Generation leistungsfähiger würde als die vorherige – wenn sie nur genug trainieren würde.[24]

Etwas, was leider nicht klappt, jede Generation muss erneut trainieren und hat nichts davon, dass andere Generationen viel trainiert hätten. Aber interessant, dass auf dieser Basis die Olympischen Spiele wieder aufgelebt sind.

Die Auseinandersetzung wurde schließlich nicht nur auf wissenschaftlicher, sondern auch auf politischer Ebene geführt. Zunächst ließen sich evolutionstheoretische Standpunkte nicht eindeutig weltanschaulichen Positionen zuordnen. Dies änderte sich jedoch mit Beginn der 1930er Jahre, als sich auf Darwin und Mendel berufende eugenische Theorien besonders im nationalsozialistischen Deutschland an Bedeutung gewannen. Der Lamarckismus wurde fortan mit „linken“, sozialistischen Positionen verbunden.[25] Von Nationalsozialisten wurde er etwa als Produkt von „liberal-jüdisch-bolschewistischer Wissenschaft“ angesehen.[26]

Was allerdings nicht bedeutet, dass die Nationalsozialisten Darwin richtig verstanden haben, ihr Sozialdarwinismus mag zwar nicht von der Weitergabe von im Erwachsenenleben erworbenen Eigenschaften ausgehen, ist aber dennoch vollkommen falsch.

Paul Kammerer, der selbst antisemitischen Angriffen durch August Weismann,[27] Fritz Lenz und Ludwig Plate ausgesetzt war,[28] warf seinerseits den Anhängern Weismanns vor, in rassistischem Fanatismus zu fordern, dass nur eine Rasse siegreich aus einem Selektionsprozess hervorgehe. Dem gegenüber strebe er als Lamarckist eine Verbesserung des Wohls der gesamten Menschheit an.[29] Einer der Punkte, der den Lamarckismus für viele Menschen anziehend erscheinen ließ, war die Hoffnung, dass Verbesserungen in der Gegenwart sich direkt auf das Erbgut kommender Generationen auswirken können.

Das macht es in der Tat zu einer typisch linken Theorie: Potentielle gute Folgen für alle reicht für die Einführung, auch wenn es tatsächlich  nicht klappen kann und zu Katastrophe führen muss. 😉

Bis in die 1920er Jahre hinein war der Lamarckismus eine der wichtigsten Theorien neben dem Neodarwinismus von Weismanns Anhängerschaft. Allerdings blieben überzeugende experimentelle Nachweise aus, Skandale wie die Affäre um Paul Kammerer schwächten die lamarckistische Position und schließlich gelang es, die Genetik immer weiter mit dem Darwinismus zu kombinieren. Mit der Entwicklung der modernen evolutionären Synthese war der Lamarckismus endgültig wissenschaftlich obsolet.

Die Genetik hat natürlich sehr weitgehend zum Verständnis evolutionärer Vorgänge beigetragen, ich würde sogar sagen, dass man ohne Genetik Evolution nicht wirklich verstehen kann. Das Gen als wesentliche Einheit der Vererbung, als das, was eine gewisse Unsterblichkeit hat, uns selbst als Genvehikel und die Mutation und  Selektionvon Genen als wesentlicher Vorgang erklärt erst das Leben.

In der Sowjetunion hatte er allerdings noch eine Weile Bestand. Der sowjetische Agronom Trofim Denissowitsch Lyssenko verfocht während der Regierungszeit Josef Stalins in der UdSSR eine abgewandelte Form des Lamarckismus und versuchte, die Vererbung erworbener Eigenschaften zu beweisen. Auf seine Anweisung hin wurden erhebliche Flächen mit Weizen bepflanzt, die dafür klimatisch nicht geeignet waren. Die dadurch hervorgerufenen Missernten verschärften die schlechte Ernährungslage der russischen Bevölkerung in einer Zeit der Hungersnöte. Die von ihm praktizierte Kontrolle der Wissenschaft durch die Politik wird auch als Lyssenkoismus bezeichnet. Erst Mitte der 1950er Jahre (nach dem Tod seines Förderers Stalin) begann Lyssenkos Einfluss zu schwinden, 1962 wurde er entlassen.

Lysssenko hat sich in der Tat stark bei einem Neolamarckismus bedient. Dazu aus der Wikipedia:

Lyssenko war unter Josef Stalin der führende Biologe der UdSSR. Er vertrat wie Jean-Baptiste de Lamarck und die Neolamarckisten die Ansicht, dass erworbene Eigenschaften vererbt würden, und negierte die Existenz von Genen als unsozialistisch und deshalb falsch. Die Entstehung neuer Arten erfolge daher nicht durch Mutation und Selektion (Synthetische Evolutionstheorie), sondern durch Einflüsse der Umwelt. Seine Theorien prüfte er in groß angelegten Landwirtschaftsprojekten. So säte er Weizen unter ungünstigen klimatischen Bedingungen und fand daraufhin im nächsten Jahr Roggenpflanzen auf dem Feld. Tatsächlich hatten sich Roggenpflanzen von benachbarten Feldern ausgesät. Lyssenko interpretierte dagegen solche Ergebnisse als Beleg für seine Thesen. Mit der Einführung der künstlichen Jarowisation von Weizensaatgut wollte er die nach der Zwangskollektivierung verbreiteten Missernten in der Ukraine und Russland verhindern. Die von ihm prognostizierten Ertragssteigerungen erwiesen sich bald als unhaltbar.

Nach seiner Theorie hätte sich eben der Weizen, wenn man ihn nur häufig genug aussäht, an die kalten Temperaturen anpassen müssen. Wenn es aber so kalt ist, dass er gar keine neuen Samen bilden kann, dann kann sich auch keine Evolution einstellen, die ohnehin sehr langsam vor sich gehen würde. Insoweit musste das Experiment zum Scheitern verurteilt sein.

Wesentliche Thesen Lyssenkos, z. B. in seinem Hauptreferat auf der Tagung der Leninakademie der Landwirtschaftswissenschaften der UdSSR im August 1948 in Moskau vorgetragen, waren:

  1. Die Vererbung ist eine Eigenschaft des gesamten Organismus. Es existieren keine diskreten Erbanlagen oder Gene.
  2. Durch veränderte Umwelt- und Lebensbedingungen können erbliche Veränderungen induziert werden. Der Charakter der Veränderungen ist dem Charakter der induzierenden Bedingungen adäquat.
  3. In der Auseinandersetzung mit den Umweltbedingungen erworbene Eigenschaften werden vererbt.
  4. Bei Pflanzen können gezielte Veränderungen durch Pfropfung im Prozess der vegetativen Hybridisation induziert werden; es existiert kein prinzipieller Unterschied zur sexuellen Hybridisation.
  5. Durch Aufzucht von Winterformen ohne Kälteschock können bei Getreide erbliche Sommerformen erzielt werden.
  6. Kulturpflanzenarten wie Weizen und Roggen lassen sich durch geeignete Umweltbedingungen ineinander umwandeln.

Durch gute Beziehungen zum sowjetischen Geheimdienst NKWD gelang es ihm, Kritiker mundtot zu machen. Insbesondere nach seiner Ernennung zum Präsidenten der Sowjetischen Akademie für Landwirtschafts-wissenschaften der Sowjetunion im Jahre 1938 ließ er andere Biologen, vor allem Genetiker, politisch verfolgen und in Straflager bringen. So war Lyssenko mitverantwortlich für den Tod des bedeutenden Biologen und Gründers der Akademie, Nikolai Wawilow, im Jahre 1943.

Schrecklich. Aber passend zu einer Zeit in der Millionen von Menschen in Straflagern waren, teilweise ohne jeden Grund.

Lyssenko verstand es, sich durch gute Beziehungen innerhalb der Partei und zu Stalin persönlich erhebliche Ressourcen zu verschaffen. Auf seine Anweisung hin wurden erhebliche Flächen mit Weizen bepflanzt, die dafür klimatisch nicht geeignet waren. Die dadurch hervorgerufenen Missernten verschärften die ohnehin schlechte Ernährungslage der Sowjetbürger deutlich, es kam zu Hungersnöten. Ebenso in der Volksrepublik China, nachdem Mao Zedong für den Großen Sprung nach vorn den chinesischen Bauern die Anwendung der Methoden Lyssenkos befahl. In der Landwirtschaft der DDR kam es aufgrund der couragierten Tätigkeit Hans Stubbes bis auf einige Lippenbekenntnisse in Schulbüchern zu keiner praktischen Anwendung der Thesen Lyssenkos.

Das macht mal wieder deutlich, dass Ideologie und Wissenschaft nicht zusammen passen. Es ist nicht richtig, was am besten in die Ideologie passt, sondern was durch Fakten belegbar ist.

Die biologischen Wissenschaften der Sowjetunion wurden nachhaltig geschädigt, so dass der Begriff Lyssenkoismus fortan als Schlagwort für Scharlatanerie und die Unterordnung wissenschaftlicher Erkenntnis unter die Wunschvorstellungen der Politik gebraucht wurde.

Und das zu Recht. Wie gesagt: Das ist Lamarck nicht anzulasten, er war ein Kind seiner Zeit und hat dort vertretene Theorien übernommen. Er hat keine Leute umgebracht.
Lyssenko hingegen hätte es besser wissen können. Er hat sich dafür entschieden Leute mit anderen Meiungen in Straflager schicken zu lassen, statt sich deren Argumente anzuhören.

Die Geschichte der Evolutionstheorie: Alfred Russel Wallace

Alfred Russel Wallace ist für viele ein vollkommen unbekannter Mann, er wäre aber beinahe derjenige gewesen, der zuerst einen wissenschaftlichen Aufsatz zu dem, was wir heute die  Evolutionstheorie nennen publiziert hätte.

So ist er eher eine Fußnote in der Geschichte geworden, ein weitaus unbekannterer Name als Darwin, der weltweit den allermeisten Menschen, die zumindest über etwas Bildung verfügen, bekannt ist.

Wallace ist mit Darwin über viele verschiedene Punkte verbunden, beispielsweise waren es Darwins erste Berichte über seine Reise mit der HMS Beagle die ihm unter anderen dazu brachte, dass er auch Naturforscher werden wollte.

Aus der Wikipedia:

Wallace begann seine Karriere als Naturforscher und glaubte früh an eine Transmutation der Arten. Er wurde von Robert Chambers Werk Vestiges of the Natural History of Creation beeinflusst. 1845 schrieb Wallace an Henry Bates:

„Ich habe eine weitaus gefälligere Meinung zu ‚Vestiges’ als Du zu haben scheinst. Ich halte es nicht für eine eilfertige Verallgemeinerung, sondern für eine einfallsreiche Hypothese, die von einigen auffälligen Fakten und Analogien gestützt wird, die aber noch durch weitere Fakten und durch zusätzliches Licht, das mehr Forschung auf das Problem aufwerfen könnte, bestätigt werden muss. Es stellt ein Thema dar, dem sich jeder Naturstudierende widmen kann. Jede Tatsache, die er beobachtet, wird entweder dafür oder dagegen sprechen und deshalb dient es der Anregung zur Zusammenstellung von Fakten und als Objekt zugleich, worauf diese angewandt werden können, wenn erhoben.[21]“

An der Geschichte der Evolutionstheorie sieht man auch sehr schön, wie solche Theorien nicht einfach vom Himmel  fallen, sondern oft eine Vorgeschichte haben, die man so gar nicht kennt. Es hat sich eben nicht einfach Darwin an seinen Schreibtisch gesetzt und nach einem Geistesblitz die Theorien aufgeschrieben, sondern es gab Vorgängertheorien, die eine Grundlage bildeten, etwa das Werk von Robert Chambers, welches noch nicht wirklich eine Evolutionstheorie war, da es keine Mechanismen beschrieb, aber schon die Idee hatte, dass die Differenzierung im Tierreich ganz ohne einen Gott abgelaufen sein könnte. Auch andere Schriften, etwa die von Robert Maltus, der davon ausging, dass die Nahrungsproduktion nicht mit dem Bevölkerungswachstum mithalten konnte, hatten zwar nichts mit Evolution zu tun, aber brachten sowohl Wallace als auch Darwin auf die Idee, dass Ressourcenmangel ein Selektionsfaktor sein könnte.

Wallace plante einen Teil seiner Feldarbeit von vornherein so, dass die Hypothese, dass unter einem evolutionären Szenario eng verwandte Arten angrenzende Gebiete bewohnen würden, überprüft werden könnte.[22] Während seiner Arbeit im Amazonasbecken erkannte er, dass geographische Barrieren, wie z. B. der Amazonasfluss und seine größeren Zuflüsse, oft die Ausbreitungsgebiete eng miteinander verwandter Arten trennten. Er nahm diese Beobachtungen in seine Veröffentlichung On the Monkeys of the Amazon (Über die Affen am Amazon) auf.[2] Fast am Ende des Artikels stellt er die Frage: „Sind eng verwandte Arten jemals durch einen weiten ländlichen Abstand getrennt?“.

Auch hier erst einmal die kleineren Ideen, man wußte noch nicht wie Evolution läuft, aber es entstand die Idee, dass ländliche Abstände eine Rolle spielen können.

Im Februar 1855, als er in Sarawak auf der Insel Borneo arbeitete, schrieb Wallace On the Law Which has Regulated the Introduction of Species (Über das Gesetz, welches die Einführung der Arten regulierte), ein Schriftstück, das im Annals and Magazine of Natural History im September 1855 veröffentlicht wurde. Hier erfasste und zählte er allgemeine Beobachtungen auf, welche die geographische und geologische Verteilung der Arten betrafen (Biogeographie). Seine Schlussfolgerung, dass jede Art koinzident in Ort und Zeit mit eng verwandten Arten entstanden ist, wird heute als „Sarawak-Gesetz“ bezeichnet. So beantwortete Wallace die Frage, die er in seiner früheren Veröffentlichung über die Affen im Amazonasbecken gestellt hatte. Obwohl es keine möglichen Evolutionsmechanismen erwähnte, war das Schriftstück ein Vorbote zu dem bedeutsamen Artikel, den er drei Jahre später schrieb.

Die Entwicklung der Evolutionstheorie ging bei Wallace und Darwin damit einher, dass beide auf ihren Reisen Unterschiede zwischen Tieren untersuchten und feststellten, dass diese Unterschiede stark an die jeweiligen Lebensräume angepasst waren. Für Darwin waren es zB die Schnabelformen der Darwinfinken oder der Panzer von Schildkröten auf den verschiedenen Inseln, Wallace hatte sehr viele Insekten gesammelt und eben auch Affen genau beobachtet.

Diese Veröffentlichung erschütterte die Überzeugung von Charles Lyell, dass die Arten unveränderlich waren. Obwohl ihm sein Freund Charles Darwin 1842 geschrieben und seine Unterstützung der Transmutationsidee geäußert hatte, beharrte Lyell auf seiner Ablehnung dieser Idee. Anfang 1856 wurde Darwin durch Lyell sowie Edward Blyth auf das Schriftstück von Wallace hingewiesen. Lyell war mehr beeindruckt und begann mit einem Notizbuch über die Arten, das sich mit den Folgen daraus beschäftigte, insbesondere für die menschliche Abstammung. Darwin hatte bereits seine Theorie ihrem gemeinsamen Freund Joseph Hooker vorgestellt und erklärte jetzt Lyell zum ersten Mal sämtliche Details zur natürlichen Selektion. Obwohl Lyell nicht damit einverstanden sein konnte, bedrängte er Darwin zu veröffentlichen, um Priorität zu erlangen. Darwin äußerte zunächst Bedenken, begann aber dann am 14. Mai 1856, einen Abriss aus seiner andauernden Arbeit zusammenzustellen.[23]

Und das war der „Nachteil“ der Darwin beinahe zum Verhängnis geworden wäre: Sein Ansatz war gründlicher, tiefgehender und methodischer und er wollte es perfekt machen, wohl auch weil ihm bewußt war, dass die Theorie erheblichen Aufruhr machen würde. Der oben erwähnte Robert Chambers hatte genau aus diesen Gründen sein Buch anonym veröffentlicht und erst dreißig Jahre später als Autorenstellung zugegeben. Darwin war auch schon vor seinem Buch sehr bekannt, sein erster Buch über die Reise mit der HMS Beatle hatte ihn insbesondere unter Geologen sehr bekannt gemacht. Gleichzeitig war der Streit unter den Geologen wiederum eine gesellschaftlich geführte Debatte (vgl Neptunismus vs. Plutonismus) und sein Buch wurde in dieser Hinsicht vom Bildungsbürgertum sehr gut angenommen. Er war zudem verheiratet und hatte insofern mehr zu verlieren als Wallace.

Im Februar 1858 war Wallace durch seine biogeographischen Forschungen am Malaiischen Archipel bereits  von der Gültigkeit der Evolution überzeugt. Wie er in seiner späteren Autobiographie schrieb:

„Das Problem war nicht nur, wie und warum sich die Arten verändern, sondern wie und warum sie sich in neue und gut definierte Arten verändern, die sich voneinander so vielfältig unterscheiden, warum und wie sie sich so genau an die unterschiedlichen Lebensbedingungen anpassen und warum die Zwischenstufen aussterben (da die Geologie ja zeigt, dass sie ausgestorben sind) und nur klar definierte und stark ausgeprägte Arten hinterlassen, Gattungen und höhere Tiergruppen.[24]“

Seiner Autobiographie nach machte Wallace sich Gedanken über Thomas Malthus Idee zur positiven Einschränkung menschlichen Populationswachstums, als er mit Fieber im Bett lag und ihm die Idee der natürlichen Selektion einfiel.[2] Wallace schrieb in seiner Autobiographie, dass er zu der Zeit auf der Insel Ternate war, aber Historiker haben das in Frage gestellt und behaupten, es sei aufgrund seiner Sammlungseintragungen wahrscheinlicher, dass er sich auf der Insel Gilolo befand.[2] Wallace beschreibt dies wie folgt:

„Es kam mir damals der Gedanke, dass diese Ursachen oder deren Äquivalente auch im Falle der Tiere ständig am Werk sind und da Tiere sich sehr viel schneller als Menschen vermehren, muss die jährliche Vernichtung aufgrund dieser Ursachen enorm sein, um die Anzahl der Mitglieder jeder Art gering zu halten, da sie offensichtlich nicht von Jahr zu Jahr zunimmt, sonst wäre die Welt von denen übervölkert, die sich am schnellsten vermehren. Unbestimmt über die enorme und konstante Zerstörung nachdenkend, die daraus folgt, stellte sich mir die Frage, weshalb einige sterben und einige überleben.Und die Antwort war klar, die besser geeigneten überleben. Und wenn man die beträchtliche Variation berücksichtigt, die mir meine Erfahrung als Sammler als vorhanden gezeigt hatte, dann folgte daraus, dass sämtliche Veränderungen, die für die Anpassung der Arten an die sich verändernden Bedingungen erforderlich sind, davon hervorgebracht werden. Auf diese Weise könnte jeder Teil des Aufbaus der Tiere genau wie erforderlich verändert werden und im Prozess dieser Veränderungen würden die Nichtveränderten aussterben und so würden die definierten und klar isolierten Merkmale jeder neuen Art erklärt werden.[25]“

Das sind die wesentlichen Grundlagen der „natürlichen Selektion“, das Überleben der am besten Angepassten.

Vor seiner Abreise in den Osten, 1854, hatte Wallace Darwin einmal kurz getroffen.[26] Ab 1857 standen sie dann in regelmäßigem brieflichen Kontakt und tauschten sich über ihre Publikationen, Theorien und Erkenntnisse aus. Wallace bewahrte Darwins Briefe sorgfältig auf, auch wenn die ersten Briefe verlorengegangen sind.[27] Im ersten belegten Brief vom 1. Mai 1857 kommentierte Darwin, dass sowohl Wallaces Brief vom 10. Oktober als auch seine Veröffentlichung On the Law that has regulated the Introduction of New Species (Über das Gesetz, das die Einführung neuer Arten regulierte) zeigten, dass beide ähnlich dachten, und dass sie bis zu einem gewissen Grad ähnliche Schlussfolgerungen gezogen hatten.

Das ist insofern interessant, weil durch die gemeinsame Arbeit eben auch jemand bereit stand, dem man Ideen präsentieren konnte und der einem vernünftige Gedanken dazu mitteilen konnte. Ein nicht zu unterschätzender Faktor bei einer vollkommen neuen Theorie.

Er fügte hinzu, dass er seine eigene Veröffentlichung zur Publikation in etwa zwei Jahren vorbereitete.[28] Wallace traute der Meinung von Darwin und schickte ihm seine Abhandlung On the Tendency of Varieties to Depart Indefinitely From the Original Type (Über die Tendenz der Arten, sich auf unbestimmte Zeit vom ursprünglichen Typ zu entfernen) am 9. März 1858, mit der Bitte, diese durchzusehen und an Charles Lyell weiterzuleiten, wenn er der Meinung war, es würde sich lohnen.[29] Am 1. Juni 1858 erhielt Darwin das Manuskript von Wallace. Obwohl die Abhandlung den Begriff „natürliche Selektion“ nicht explizit verwendete, erläuterte sie die Mechanismen der evolutionären Divergenz der Arten aufgrund vom Druck, der die Umgebung auf sie ausübt. In diesem Sinne war sie der Theorie, an der Darwin 20 Jahre gearbeitet hatte, ohne sie zu veröffentlichen, sehr ähnlich. Darwin schickte das Manuskript an Lyell mit einem Brief, in dem er schrieb: „Er hätte eine bessere Zusammenfassung nicht machen können! Seine Begriffe stehen sogar bei mir als Kapitelüberschriften. Er schreibt nicht, dass ich publizieren sollte, aber ich werde natürlich sofort schreiben und es irgendeinem Fachblatt anbieten“.[30][31]

Es ehrt Darwin, dass er das Schreiben direkt an Lyell weiterleitete, denn es muss ihm bewußt gewesen sein, dass damit sein Buch, wenn auch besser ausgearbeitet und wesentlich umfangreicher, damit etwas an Glanz verliert und als auf den Ideen eines anderen aufbauend angesehen werden würde.

Darwin, der durch die Krankheit seines kleinen Sohnes bestürzt war, übergab das Problem an Lyell und Joseph Hooker. Diese beschlossen, die Abhandlung in einer gemeinsamen Präsentation zusammen mit anderen nicht publizierten Schriften, die Darwins Priorität hervorhoben, zu veröffentlichen. Wallaces Abhandlung wurde der Linnean Society of London am 1. Juli 1858 präsentiert, zusammen mit Auszügen aus einer Schrift, die Darwin 1847 privat Hooker präsentiert hatte und einem Brief an Asa Gray aus dem Jahr 1857.[32]

Wenn ich mich richtig erinnere, dann haben Lyell und Hooker dabei zuerst Darwins Werk präsentiert, so dass streng genommen seine Werke die ersten waren. Es ging aber letztendlich ziemlich unter, wahrscheinlich hat das damalige Publikum die Bedeutung der Ideen nicht erfasst.

Die Reaktion auf die Vorlesung war stumm, während der Vorsitzende der Linnean Society im Mai 1859 bemerkte, dass es in dem Jahr keine bemerkenswerten Entdeckungen gegeben hätte.[32]

Das kann man aus heutiger Sicht wohl als erheblichen Irrtum ansehen, aber man kann ja auch nicht alles mitbekommen und nicht auf allen Gebieten die Wichtigkeit neuer Ansätze erkennen.

Aber mit Darwins Publikation von On the Origin of Species (Die Entstehung der Arten) später im Jahr 1859 wurde ihre Bedeutung offensichtlich. Als Wallace nach Großbritannien zurückkehrte, traf er sich mit Darwin; die beiden pflegten danach freundlichen Umgang miteinander. Über die Jahre sind bei manchen Leuten Zweifel über die Gültigkeit dieser Version aufgekommen. Anfang der 1980er-Jahre erschienen zwei Bücher, eins von Arnold Brackman und eins von John Langdon, in denen sogar angedeutet wird, dass es nicht nur eine Konspiration gegen Wallace gegeben hat, um ihm das gebührende Ansehen zu rauben, sondern dass Darwin sogar eine Schlüsselidee von Wallace übernommen hat, um seine eigene Theorie zu vervollständigen. Diese Behauptungen wurden von anderen Gelehrten untersucht, die sie für nicht überzeugend befanden.

Wissenschaftlich gesehen war „On the Origins of Spezies“ sicherlich das wesentlich bessere Buch und die Ideen dort besser aufgearbeitet als bei Wallace. Das fand sogar Wallace selbst:

Nach der Veröffentlichung von Darwins On the Origin of Species wurde Wallace zu einem ihrer überzeugtesten Verteidiger. Ein Vorfall im Jahr 1863 machte Darwin besondere Freude: Wallace veröffentlichte eine kurze Schrift Remarks on the Rev. S. Haughton’s Paper on the Bee’s Cell, And on the Origin of Species, um die Argumente eines Geologieprofessors an der Universität von Dublin vollkommen zu vernichten, der Darwins Anmerkungen in The Origin bezüglich der Art, wie sich die sechseckigen Zellen in Honigwaben durch die natürliche Selektion entwickelt hätten, kritisiert hatte.[2] Eine weitere bemerkenswerte Verteidigung von The Origin war Creation by Law (Schöpfung durch Gesetz), eine Abhandlung, die Wallace 1867 für The Quarterly Journal of Science schrieb, um dem Buch The Reign of Law (Die Herrschaft der Gesetze), das der Herzog von Argyle als Anfechtung der natürlichen Selektion geschrieben hatte, zu widersprechen.[35] Nach einer Versammlung der British Association im Jahr 1870 schrieb Wallace an Darwin und klagte darüber, dass „keine Gegner übrig geblieben sind, die irgendwas über Naturgeschichte wissen, so dass es keine der früheren guten Diskussionen mehr gibt.“[2]

Dies wiederum ehrt Wallace. Er hätte sich natürlich durchaus aufregen können, weil sein Aufsatz nicht die gebührende Beachtung gefunden hat oder er hätte anführen können, dass Darwin ihn reingelegt hat und ihm seinen Ruhm vorbehalten hat. Aber er hat – so entnehme ich es anderen Diskussionen in Büchern zu dem Thema – wohl auch immer angeführt, dass die gründlicheren und besseren Überlegungen Darwin geschrieben hat und das diesem daher auch der Ruhm gebührt.

Unterschiede zwischen den Theorien von Darwin und Wallace

Wissenschaftshistoriker haben angemerkt, dass einige Unterschiede zwischen den Evolutionskonzepten Darwins und Wallaces bestanden, obwohl Darwin Wallaces Ideen als im Wesentlichen gleich mit den seinen betrachtete.[36] Darwin betonte den Konkurrenzkampf unter den Individuen einer gleichen Gattung, um zu überleben und sich zu vermehren, während Wallace den biogeographischen und umfeldbedingten Druck hervorhob, der die Spezies zwingt, sich den örtlichen Gegebenheiten anzupassen.[37][38]

Gerade die Konkurrenz innerhalb einer Art wird heute als ein sehr wesentliches Element der Evolutionstheorie angesehen, Tiere der gleichen Art nutzen eben auch die gleiche evolutionäre Nische und befinden sich damit zwangsläufig in einer Konkurrenz. Das ist ja auch gerade bei dem Beispiel Mensch sehr einfach nachzuvollziehen: Menschen haben immer auch gerade gegeneinander gekämpft, auch wenn sie gleichzeitig viel kooperiert haben. Ein Mittel dies darzustellen ist auch intrasexuelle und intersexuelle Konkurrenz.

Andere haben bemerkt, ein weiterer Unterschied bestehe darin, dass Wallace offensichtlich die natürliche Selektion als eine Art Rückkopplungsmechanismus auffasste, welches die Arten ihrer Umgebung angepasst erhielt.[39] Sie verweisen dabei auf einen meistens übersehenen Absatz seiner berühmten Veröffentlichung von 1858:

„Die Wirkung dieses Grundsatzes ist genau wie die des Fliehkraftreglers der Dampfmaschine, die Abweichungen korrigiert, bevor sie offensichtlich werden und auf die gleiche Art und Weise kann kein unausgeglichener Mangel im Tierreich ein auffälliges Ausmaß erreichen, weil es sofort Auswirkung zeigen würde, indem er die Existenz erschweren und das Aussterben eine fast sichere Folge machen würde.[29]“

Klingt etwas nach Gruppenselektion. Die ja bekanntlich nicht funktioniert.

Warnfärbung und sexuelle Selektion

1867 schrieb Darwin an Wallace, dass es ihm schwerfiel zu verstehen, warum einige Raupen auffällige Farben entwickelt hätten. Darwin war zur Überzeugung gelangt, dass die sexuelle Selektion, ein Phänomen, dem Wallace nicht die gleiche Bedeutung wie Darwin beimaß, viele auffällige Farben in der Tierwelt erklärte. Allerdings merkte Darwin, dass dies bei den Raupen nicht der Fall sein könnte. Wallace erwiderte, er und Henry Bates hätten beobachtet, dass viele der spektakulärsten Schmetterlinge einen eigenartigen Geruch und Geschmack haben und dass John Jenner Weir (1822–1894) ihm mitgeteilt hätte, Vögel würden eine bestimmte Art gewöhnlicher weißer Motten aufgrund ihres schlechten Geschmackes nicht fressen. „Da die weiße Motte in der Dämmerung so auffällig wie eine bunte Raupe ist“, wie Wallace an Darwin zurückschrieb, „sei es wahrscheinlich, dass die auffällige Farbe als Warnung gegenüber möglichen Raubtieren diene und sich deshalb durch natürliche Selektion hätte entwickeln können“.

Ich weiß gar nicht, was da der letzte Schluss ist. Wenn das einer weiß oder auf entsprechende Artikel hinweisen kann, dann gerne in den Kommentaren.

Es macht Sinn, dass natürliche Selektion eine Rolle spielt. Denn diese muss ja insbesondere bei den Tieren, die sonst die bunten Tiere fressen einsetzen. Es ist aber eine schwierige Selektion bestimmte Tiere, die leichter zu sehen sind, nicht zu fressen, denn hat sich die Regel zu stark etabliert, dann lohnt es ich für alle Tiere farbiger zu werden. Interessant ist es allenfalls wenn man lebendig und ohne größere Beschädigungen wieder ausgespuckt wird, dann kann ein Tier lernen, welche anderen Tiere nicht schmecken. Etwas anderes wäre es noch, wenn ein giftigeres Tier automatisch eine deutlichere Farbe hätte, also der Stoff, der dagegen spricht es zu essen, die Farbe hervorruft. Dann sind Farbe und Giftigkeit/Ungenießbarkeit gekoppelt, was allerdings dann auch gleich wieder eine Möglichkeit für sexuelle Selektionn gibt und  den Prozess verschärfen kann.

Darwin war von dieser Idee beeindruckt. In einem nachfolgenden Treffen der Entomological Society bat Wallace um jegliche vorhandene Nachweise zum Thema. 1869 veröffentlichte Weir Daten aus Versuchen und Beobachtungen an bunten Raupen, die Wallaces Vermutungen unterstützen. Warnfärbung zählte zu den Beiträgen von Wallace auf dem Gebiet der Evolution der Tierfärbung allgemein und zum Konzept der schützenden Färbung im Besonderen.[2] Dies war auch Teil einer lebenslangen Meinungsverschiedenheit zwischen Wallace und Darwin über die Bedeutung der sexuellen Selektion. In seinem Buch Tropical Nature and Other Essays (Tropische Natur und andere Abhandlungen) schrieb er 1878 ausführlich über die Färbung von Tieren und Pflanzen und schlug alternative Erklärungen zu verschiedenen Fällen vor, die Darwin der sexuellen Selektion zugeschrieben hatte.

Es gibt dennoch viele Fälle in denen sexuelle Selektion bzw sexuelle Konkurrenz vieles im Verhalten und Aussehen der Lebewesen erklärt. Es macht die Theorie aus meiner Sicht erst richtig rund, ist aber obwohl es ein so wichtiger Baustein ist in breiten Teilen der Bevölkerung vollkommen unbekannt. Was sehr schade ist.

Er schrieb eine ausführliche Abhandlung darüber in seinem Buch Darwinism von 1889.

Das Buch „Darwinism“ zu nennen ist selbst dann eine erstaunliche Anerkennung Darwins, wenn es inzwischen ein allgemeiner Begriff geworden war.

Wallace-Effekt
In Darwinism verteidigte Wallace die natürliche Selektion. Darin postulierte er die Hypothese, dass die natürliche Selektion die reproduktive Trennung zweier Arten antreiben könne, indem die Ausbildung von Barrieren gegen eine Hybridisierung verstärkt wird. So würde sie zur Entwicklung neuer Arten beitragen. Er wies auf das folgende Szenario hin: Nachdem zwei Populationen einer Art über einen bestimmten Punkt hinaus divergiert sind, passt sich jede davon den bestimmten Umwelteinflüssen an, wobei hybride Nachkommen weniger gut angepasst sind, als die jeweiligen Elternarten. Zu diesem Zeitpunkt wird die natürliche Selektion dazu neigen, die Hybride zu eliminieren. Darüber hinaus würde die natürliche Selektion unter solchen Bedingungen die Entwicklung von Hybridisierungshemmnissen fördern, da Individuen, die hybride Paarungen vermeiden, besser geeignete Nachkommen erzeugen und so zur reproduktiven Isolierung beider beginnenden Arten beitragen würden. Diese Hypothese wurde als Wallace-Effekt bekannt.[2] Schon 1868 hatte Wallace in Briefen an Darwin angedeutet, dass die natürliche Selektion eine Rolle in der Verhinderung der Hybridisierung spielen könnte, hatte diese Idee aber nicht im Detail ausgearbeitet.[2] Noch heute ist sie Gegenstand der Forschung zur evolutionären Biologie, wobei sowohl Computersimulationen als auch empirische Ergebnisse ihre Gültigkeit unterstützen.[40]

Wie man sieht hat er – neben einem Buch über seine Forschungsreisen mit Bildern vieler Tiere, das ein großer Erfolg war – auch einige weitere wichtige Theorien entwickelt, die zum Gesamtverständnis beitragen.

Anwendung der Theorie auf den Menschen

1864 veröffentlichte Wallace die Abhandlung The Origin of Human Races and the Antiquity of Man Deduced from the Theory of Natural Selection (Ursprung der menschlichen Rassen und Alter des Menschen, gefolgert aus der Theorie der natürlichen Selektion), in der er die Theorie auf den Menschen bezog. Darwin hatte sich bislang nicht öffentlich mit dem Thema befasst, obwohl dies Thomas Huxley in Evidence as to Man’s Place in Nature (Zeugnisse für die Stellung des Menschen in der Natur) getan hatte. Kurz darauf wurde Wallace Spiritualist und behauptete, die natürliche Selektion könne nicht zum mathematischen, künstlerischen oder musikalischen Genius, sowie zu metaphysischen Gedanken, Geist und Humor führen. Anschließend behauptete er, dass etwas im „unsichtbaren Universum des Geistes“ mindestens drei Mal während der Evolution eingegriffen hätte. Das erste Mal sei die Schöpfung von Leben aus anorganischer Materie. Das zweite Mal die Einführung von Bewusstsein bei höheren Tieren. Und das dritte Mal die Bildung höherer mentaler Fähigkeiten beim Menschen. Er glaubte auch, dass der Grund für das Sein des Universums die Entwicklung des menschlichen Geistes sei.[41]

Die Reaktion auf Wallaces Ideen zu diesem Thema unter den führenden Naturalisten dieser Zeit war unterschiedlich. Charles Lyell stimmte Wallaces Ideen eher zu als Darwins.[42][43] Viele hingegen, einschließlich Huxley, Hooker und selbst Darwin, waren Wallace gegenüber kritisch.[2] Insbesondere Darwin war bestürzt. Er argumentierte, dass spirituelle Anreize nicht nötig seien und dass die sexuelle Selektion scheinbar nicht anpassungsfähige Geistesphänomene leicht erklären könne.

Wie ein Wissenschaftshistoriker dargelegt hat, widersprachen Wallaces Ansichten zu diesem Thema zwei Hauptlehren der aufkommenden darwinistischen Philosophie der Zeit, die besagten, dass Evolution weder teleologisch noch anthropozentrisch sei.[44] Während manche Historiker zu dem Schluss gekommen sind, dass Wallaces Glaube, die natürliche Selektion könne die Entwicklung des Bewusstseins und des menschlichen Geistes nicht erklären, auf seinen Spiritualismus zurückzuführen sei, streiten andere Wallace-Experten dies ab. Manche behaupten, Wallace habe nie das Prinzip der natürlichen Selektion auf diese angewandt.[45][46]

Da wurde er also aus heutiger Sicht etwas unwissenschaftlich.

Bewertung der Rolle von Wallace in der Evolutionstheorie

In vielen Beschreibungen der Geschichte der Evolution wird Wallace nur beiläufig einfach als „Anreiz“ für die Veröffentlichung von Darwins eigener Theorie erwähnt.[2] Tatsächlich entwickelte Wallace jedoch eigenständige Ansichten, die sich von Darwins unterschieden und er wurde von vielen (vor allem von Darwin) als einer der führenden Denker über Evolution seiner Zeit gehalten, dessen Ideen nicht ignoriert werden konnten. Ein Wissenschaftshistoriker hat angemerkt, dass sowohl Darwin als auch Wallace Wissen per Briefwechsel und Veröffentlichungen austauschten, wodurch sie sich über einen längeren Zeitraum gegenseitig inspirierten.[47] Wallace ist der meistzitierte Autor in Darwins Descent of Man, oft in starkem Widerspruch zu seinen eigenen Thesen.[2] Wallace blieb für den Rest seines Lebens ein vehementer Verteidiger der natürlichen Selektion. Um 1880 war die Evolution in wissenschaftlichen Kreisen auf breiter Ebene akzeptiert, aber Wallace und August Weismann waren praktisch die einzigen unter bekannten Biologen, die glaubten, sie sei durch die natürliche Selektion getrieben.[48][49]

Ein schönes Schlußwort, welches noch einmal deutlich macht, dass sich Wallace nicht verstecken muss.

Funktioniert das Gehirn ganz anders? (Gastartikel)

Gastartikel von „Alter Freund“

Wer meinen Beitrag „Ist das männliche Geschlecht erfunden?“ gelesen hat, wird sich nun sicherlich freuen über eine Fortsetzung aus der beliebten Reihe „Wir stellen die Welt auf den Kopf“. Auch diesmal nicht ganz ernst gemeint, aber irgendwie doch, also auch eine Provokation an die etablierte Wissenschafts-Gemeinde.

Als wissenschaftlich interessierter Mensch habe ich einen groben Überblick über die Funktionalität des Gehirns bzw. das grundlegende Modell welches dabei verwendet wird. Ich bezeichne das als „monolithisches Modell“, alle Teile bilden zusammen ein Ganzes, das als Einheit funktioniert.
Und als jemand, der sich auch etwas mit Computern auskennt, zieht man gern Parallelen, und sieht auch die grundsätzlichen Unterschiede zwischen Gehirn und Computer.
Nun hat sich bei mir im Laufe der Zeit eine Vermutung eingeschlichen, die ich hier darlegen möchte. Dass vielleicht die grundsätzliche Funktionalität des Gehirns völlig missverstanden wird, und wir es tatsächlich mit einem modularen System zu tun haben.

Jede Hemisphäre des Gehirns, von denen es ja vier gibt, ist dabei ein eigenes Modul, eine eigene Persönlichkeit. Und im Zentrum, dem Corpus Callosum, der im monolitischen Modell als Daten-Highway der Hemissphären definiert ist, wohnt das Bewusstsein bzw. das fünfte Modul, die eigentliche echte Persönlichkeit eines Menschen, die von den anderen vier ständig beeinflusst wird (vielleicht sogar von denen erst generiert wird) und verschwindet wenn man schlafen geht.

Wie komme ich nun darauf?

Irgendwann vor langem las ich einem wissenschaftlichen Bericht über das Gehirn, in dem berichtet wurde dass im Corpus Callosum die Synapsendichte am höchsten wäre, und dass ausserdem die Aktivität auf dem Daten-Highway mit dem Schlaf-Zyklus gekoppelt ist. Morgens, wenn man aufwacht, fängt der Highway an zu glühen, und abends, wenn man einschläft, kommt der Verkehr zum erliegen.
Wir Computer-Leute haben einen Spruch: „Dort wo die meisten Kabel sind, ist der Server-Raum“. Und wenn ich lese dass im Corpus Callosum die Synapsendichte am höchsten ist, dann drängt sich mir natürlich sofort die Frage auf: „Ist das vielleicht der Server-Raum, und nicht nur ein Daten-Highway der Hemispähren?“

Irgenwann später bin dann auf den Bericht über den Mann ohne Gehirn gestossen. Ein Portugiese, ein zwar einfacher Mensch, der aber ganz normal sein Leben lebt, ging irgendwann zum Arzt, wo sich zum Erstaunen der Wissenschaftsgemeinde herausstellte, dass der keine Hemisspären im Gehirn hat, nur Hirnwasser und den mittleren Stumpf im Gehirn, dort wo der Corpus Callosum sitzt.
Wenn das System auch ohne Hemispähren recht gut funktioniert, dann sind die Hemispähren nur Peripherie, die gar nicht wirklich gebraucht wird, und der eigentliche Kern des Gehirns ist der Corpus Callosum, so meine Schlussfolgerung.
Im monolitischen Modell wird die Lebensfähigkeit des Mann ohne Gehirn damit erklärt, dass das Gehirn eine fast unglaubliche Plastizität haben soll. Im modularen Modell fehlen einfach nur die vier anderen Module, und das Kernmodul läuft im Notfall-Modus irgndwie alleine, mit stark reduzierter Leistung.

Ganz allgemein würde ich die vier Personen der beiden inneren und äusseren Hemispähren so beschreiben, dass die beiden Inneren das Fluchttier und das Kampftier sind, die in uns wohnen, und die beiden Äusseren kooperativ/konfrontativ sind.
Kommt es zu einer gefährlichen Situation, wird die Frage „Kampf oder Flucht?“ von den beiden inneren Hemisphären ausgefochten. Und im Alltag, im Umgang mit anderen Menschen, wird die Frage „konkurrieren oder kooperieren?“ von den äusseren Hemispähren ausgefochten.

Wenn das also so ist, dass eine Zentralpersönlichkeit im Gehirn ständig heimlich von vier Sub-Persönlichkeiten manipuliert wird, könnten wir das erkennen und auch vor uns selbst zugeben?
Ich denke nicht, denn in einer Kultur in der die Gehirne darauf trainiert werden, immer nur eine Seite zu zeigen, und das Zeigen von mehreren Seiten als psychische Krankheit wie Schizophrenie u.ä. angesehen wird, ist das unmöglich. Wir würden richtig übel in einer Sackgasse stecken und niemals erkennen können, wie wir wirklich funktionieren.

„Hinweise auf die Stärke des Oberkörpers sind für den größten Teil der Varianz in der körperlichen Attraktivität von Männern verantwortlich“

Arne schreibt:

Wissenschaftler haben sich damit beschäftigt, welchen Körperbau von Männern Frauen am attraktivsten finden. Die Antwort dürfte nur weltfremde Träumer überraschen. Mit einer Stellungnahme von Christian Schmidt wird in den kommenden Tagen gerechnet.

Da kann ich ja gar nicht anders als mir den Artikel mal anzuschauen:

Aus der Studie (die allerdings bereits aus dem Jahr 2017 ist):

Evolution equips sexually reproducing species with mate choice mechanisms that function to evaluate the reproductive consequences of mating with different individuals. Indeed, evolutionary psychologists have shown that women’s mate choice mechanisms track many cues of men’s genetic quality and ability to invest resources in the woman and her offspring. One variable that predicted both a man’s genetic quality and his ability to invest is the man’s formidability (i.e. fighting ability or resource holding power/potential). Modern women, therefore, should have mate choice mechanisms that respond to ancestral cues of a man’s fighting ability. One crucial component of a man’s ability to fight is his upper body strength. Here, we test how important physical strength is to men’s bodily attractiveness. Three sets of photographs of men’s bodies were shown to raters who estimated either their physical strength or their attractiveness. Estimates of physical strength determined over 70% of men’s bodily attractiveness. Additional analyses showed that tallness and leanness were also favoured, and, along with estimates of physical strength, accounted for 80% of men’s bodily attractiveness. Contrary to popular theories of men’s physical attractiveness, there was no evidence of a nonlinear effect; the strongest men were the most attractive in all samples.

Quelle: Cues of upper body strength account for most of the variance in men’s bodily attractiveness

In der Tat ist es wenig verwunderlich, dass körperliche Stärke, insbesondere im Oberkörper, als attraktiv wahrgenommen wird. Denn gerade der Oberkörper ist beim Einsatz von Waffen sehr wichtig, er wirkt sich damit auch direkt auf die körperliche intrasexuelle Konkurrenz unter Männern aus und intrasexuelle Konkurrenz unter Männern ist ein sehr interessantes Signal in der Partnerwahl. Zudem sind Muskeln auch ein sehr ehrliches Signal (Costly Signal), da man um sie aufzubauen eine gute Ernährung braucht und gleichzeitig die Muskeln auch immer wieder eingesetzt haben muss, damit sie aufgebaut werden.

Zu dem Versuchsaufbau:

The men whose bodies were photographed (henceforth subjects) were taken from two databases of young college students at US universities reported in Sell, Tooby & Cosmides [17] (herein Set 1) and Lukaszweski & Roney [33] (herein Set 2). In both sets of photographs, the subjects‘ faces were obscured. See figure 1 for sample photographs. Set 1 photos included both front and side views; Set 2 photos had only front views.

Ein Anschauungsfoto:

Hier ist zu berücksichtigen, dass ansonsten abseits des Körpers, keine Daten zur Verfügung gestellt wurden.

Was abgefragt wurde:

Previous researchers have shown that women (and men) have assessment mechanisms that are calibrated to estimate men’s formidability (i.e. fighting ability) based on visual and auditory cues that function across cultures and language groups [45–48]. We followed Sell and colleagues and had raters rate ‘physical strength‘ from ‘1 = very weak‘ to ‘7 = very strong‘. For attractiveness, raters rated the men from ‘1 = very unattractive‘ to ‘7 = very attractive‘.

Und die Daten:

Wie man sieht wurden stärkere Männer eher als attraktiver bewertet. Wobei hier nicht bekannt ist, wie muskelbepackt die stärksten Männer waren. Ich könnte mir vorstellen, dass ab einem gewissen Grad die Meinungen auch wieder auseinandergehen. Andere Faktoren wie Körpergröße oder Attraktivität des Gesichts und natürlich auch Auftreten, Charme und Status sind ebenfalls nicht eingeflossen.

(b) Research question no. 1: how much variance in male bodily attractiveness is explained by looking strong?
To answer this question, we computed the average ratings of attractiveness and strength for each photographed subject. We then regressed the average rating for strength against the average rating for attractiveness. Scatterplots are shown in figure 2, and illustrate that most of the variance in attractiveness is accounted for by ratings of strength (R2 varied from 0.61 for side photos of Set 1 to 0.73 for front photos of both Set 1 and Set 2).

Das sind ja durchaus schon starke Werte.

Auch interessant:

d) Research question no. 3: do some significant set of women prefer physically weaker looking men?
Research on facial attractiveness reveals that some women prefer more feminized and less dominant faces—which, based on the contested idea that men of high phenotypic quality are less likely to invest in a family, has been interpreted as a preference for higher investing male partners (e.g. Little et al. [49]). To the degree that facial masculinity and bodily strength indicate the same aspects of phenotypic quality, this view may predict that some women will prefer physically weaker men’s bodies. To test this, we examined the data from individual female raters to see if there was a subpopulation of raters who preferred physically weaker men.

For each female rater, we computed the correlation between her ratings of the men’s attractiveness and the men’s actual physical strength (as measured in the original studies, table 1). These correlations were examined to see if any women in our samples showed a significant preference for weaker men. They did not. None of the 160 women in our study who rated attractiveness produced a statistically significant preference for weaker men (all p > 0.05). One woman who rated men in Set 1 showed a marginally significant preference for weak men when viewing them from the front, r = −0.24, p = 0.06, but the same woman rated those same men from the side and had a non-significant preference for strong men, r = 0.10. In other words, we could find no evidence that there exists a sizeable population of women who prefer physically weaker men when evaluating male bodies.

Da wäre die Frage auch nicht ganz ideal gestellt: Eine Frau kann zB angeben, dass objektiv gesehen der Mann attraktiver für die meisten Frauen ist. Aber dennoch denken, dass er nichts für sie wäre, zumindest nicht für eine Beziehung, weil sie sich schlecht neben ihm fühlen würde, weil sie zu viel Konkurrenz hätte oder weil „solche Männer dann eben doch nur fremd gehen“ oder was man da nicht alles für Gründe finden kann.

Es wurden dann auch noch Faktoren wie Größe und Gewicht bewertet.

Aus den Ergebnissen:

The results show that most male bodily attractiveness stems from cues of formidability and physical strength, and that strength increases attractiveness in a linear fashion. The rated strength of a male body accounts for a full 70% of the variance in attractiveness. Additional variance (up to 80%) can be explained by adding the premium women put on height and subtracting the penalty put on additional body mass unrelated to physical strength.

This effect of height and weight on attractiveness may be due to mate choice mechanisms responding to cues of health [50], or to the benefits that height and lean bodies have in protracted aggression, hunting and other aspects of fighting ability. Note, however, that ratings of strength themselves are known to privilege taller men and penalize obesity [47]. In other words, when rating physical strength, raters are known to treat taller men as physically stronger (independently of their actual weight-lifting strength), and yet even controlling for these ratings taller men are treated as more attractive. This suggests that women are treating lean and tall men as more attractive for reasons other than just fighting ability.

Körpergröße hat einen erheblichen Einfluss auf Kampffertigkeiten, es gibt eine größere Reichweite dank längerer Arme etc. In einem Kampf spielen zudem neben Muskeln auch Fähigkeiten im Kampf selbst eine große Rolle.

Aber davon ab macht die Studie deutlich, dass Muskeln eine gute Sache sind. Viele Männer unterschätzen auch, dass man mit der richtigen Ernährung und der Bereitschaft auch schwerere Gewichte in die Hand zu nehmen und tatsächlich zu benutzen, durchaus bereits einiges an Muskeln aufbauen kann. Es ist gut für die Bewertung der Frauen, für das eigene Selbstbewußtsein etc. Wer nicht zufrieden ist mit seinem Erfolg bei Frauen sei ein regelmäßiger Besuch im Fitnessstudie dringend empfohlen, aber eben in dem Gewichtebereich.

vgl auch:

Evolutionstheorie und ihre Auswirkungen sowie evolutionäre Psychologie bzw Soziobiologie als Schulstoff

Wenn ich mich an meinen Biologieunterricht in der Schule erinnere, der allerdings eine ganze Weile her ist, dann wurde da sicherlich die Evolutionsbiologie behandelt, aber eher als Entstehen der Arten und mit wenig Auswirkungen auf den Menschen.

Die Evolutionsbiologie ist als Oberbegriff, der auch evolutionäre Psychologie bzw Soziobiologie beinhaltet wohl einer der Bereiche, mit dem man den Menschen und sein Verhalten am Besten verstehen kann. In Abwandlung des alten Spruchs macht nichts am menschlichen Verhalten wirklich Sinn außer im Lichte der Evolution.

Daneben lauern aber natürlich gekränkte religiöse Gefühle und auch die „biologische Kränkung“ dazu noch hochbrisanter Stoff zu den Geschlechtern, der vielen gar nicht passt.

Gleichzeitig gilt jemand der heute „die Evolution“ als nicht bewiesen oder nicht als Ursprung des Menschen ansehen würde als veraltet.

Es ist das alte Problem, dass man sich von Theorien nur das nimmt, was einem gefällt und den Rest dann lieber ausblendet.

Mich würde interessieren, was heute Schulstoff ist und was es nach eurer Meinung sein sollte.

Ich würde es natürlich klasse finden, wenn Schüler dort etwas über natürliche und sexuelle Selektion erfahren würden, über intersexuelle und intrasexuelle Konkurrenz, über die unterschiedlichen Kosten des Sex und „Genmathematik“, über Normalverteilungen und Häufungen, über evolutionäre Theorien zur Partnerwahl etc.

„Weibliche LGBTQ-Athleten sind deutlich zahlreicher als männliche (8:1)“

Eine interessante Untersuchung zu „LGBTQ-Athleten“ bei den Olympischen Spielen in Tokio:

This year at least 27 different countries will be represented by at least one publicly out athlete in 30 sports, including the first trans Olympians.

The United States has the most out athletes at these Olympics, with the more than 30 out athletes we know of about a fifth of all the attendees on the list. Team USA is currently followed in the number of publicly out LGBTQ athletes by Canada (17), Britain (16), Netherlands (16), Brazil (14), Australia (12) and New Zealand (10). We will update the numbers as we learn more about the current Olympic athletes.

These numbers include reserve athletes who have been practicing with the team and are traveling to Tokyo with the team.

Women on the list outnumber men by about a 8-1 margin, with women’s soccer having more than 40 out players. This continues a trend seen at past Olympics and is reflective of out athletes in elite non-Olympic sports where women also proliferate.

To be included on the Outsports list of out LGBTQ Olympians, an athlete has to have come out publicly in the media, or they have to be clearly out on their public-facing social media.

If someone has not made a public declaration to the media that they are LGBTQ, they can still be included on this list if they are openly living their life as an out person on social media, particularly if they have made clear they are in a same-sex relationship.

Auch die Liste ist interessant:

Tokyo Summer Games Out LGBTQ Athletes

3×3 Basketball

Stefanie Dolson (USA)

Basketball

Julie Allemand (Belgium)
Sue Bird (USA)
Marjorie Carpréaux (Belgium)#
Chelsea Gray (USA)
Brittney Griner (USA)
Sabrina Lozada-Cabbage (Puerto Rico)
Kim Mestdagh (Belgium)
Leilani Mitchell (Australia)
Shaina Pellington (Canada)
Dayshalee Salamán (Puerto Rico)
Breanna Stewart (USA)
Diana Taurasi (USA)
Ann Wauters (Belgium)

BMX Freestyle

Perris Benegas (USA)
Hannah Roberts (USA)
Chelsea Wolfe (USA, reserve)

Boxing

Rashida Ellis (USA)
Kellie Harrington (Ireland)#
Michaela Walsh (Ireland)#

Canoe Slalom

Evy Leibfarth (USA)
Florence Maheu (Canada)

Cycling

Georgia Simmerling (Canada)

Diving

Tom Daley (Britain)
Anton Down-Jenkins (New Zealand)

Equestrian

Cathrine Dufour (Denmark)
Edward Gal (Netherlands)
Carl Hester (Britain)
Domien Michiels (Belgium)
Hans Peter Minderhoud (Netherlands)
Nick Wagman (USA, reserve)

Fencing

Astrid Guyart (France)

Field Hockey

Sarah Jones (Britain)#
Grace O’Hanlon (New Zealand)
Susannah Townsend (Britain)
Anne Veenendaal (Netherlands)#
Leah Wilkinson (Britain)#

Golf

Mel Reid (Britain)
Alena Sharp (Canada)

Gymnastics

Caitlin Rooskrantz (South Africa)#

Handball

Babi Arenhart (Brazil)#
Nathalie Hagman (Sweden)
Alexandra Lacrabère (France)
Amandine Leynaud (France)

Judo

Alice Bellandi (Italy)#
Amandine Buchard (France)
Nina Cutro-Kelly (USA)#
Jasmin Grabowski (Germany)#
Natalie Powell (Britain)#
Tessie Savelkouls (Netherlands)
Sanne van Dijke (Netherlands)#

Rhythmic Gymnastics

Rut Castillo (Mexico)#

Rowing

Saskia Budgett (Britain, reserve)
Kendall Chase (USA)
Gia Doonan (USA)
Maarten Hurkmans (Netherlands)
Meghan O’Leary (USA)
Jessica Thoennes (USA)#
Ellen Tomek (USA)
Emma Twigg (New Zealand)
Julian Venonsky (USA)
Katarzyna Zillmann (Poland)#

Rugby

Elissa Alarie (Canada)#
Britt Benn (Canada)#
Kelly Brazier (New Zealand)
Gayle Broughton (New Zealand)#
Isadora Cerullo (Brazil)
Megan Jones (Britain)
Alev Kelter (USA)
Ghislaine Landry (Canada)#
Kaili Lukan (Canada)#
Celia Quansah (Britain)
Kristen Thomas (USA)
Ruby Tui (New Zealand)#
Sharni Williams (Australia)
Portia Woodman (New Zealand)

Sailing

Jolanta Ogar (Poland)
Cecilia Carranza Saroli (Argentina)

Shooting

Jolyn Beer (Germany)#
Andri Eleftheriou (Cyprus)
Aleksandra Jarmolińska (Poland)#

Skateboarding

Margielyn Didal (Philippines)
Annie Guglia (Canada)#
Poppy Starr Olsen (Australia)
Alexis Sablone (USA)
Alana Smith (USA)

Soccer

Yenny Acuña Berrios (Chile)#
Andressa Alves (Brazil, reserve)
Bárbara Barbosa (Brazil)
Kadeisha Buchanan (Canada)
Marta da Silva (Brazil)
Rachel Daly (Britain)
Tierna Davidson (USA)
Anouk Dekker (Netherlands, reserve)
Christiane Endler (Chile)#
Abby Erceg (New Zealand)
Magda Eriksson (Sweden)
Sisca Folkertsma (Netherlands)#
Formiga (Brazil)#
Adrianna Franch (USA)
Emily Gielnik (Australia)#
Lina Hurtig (Sweden)
Letícia Izidoro (Brazil)#
Sam Kerr (Australia)
Fran Kirby (Britain)
Stephanie Labbé (Canada)
Hedvig Lindahl (Sweden)
Chloe Logarzo (Australia)
Erin McLeod (Canada, reserve)
Teagan Micah (Australia)
Vivianne Miedema (Netherlands)
Kelly O’Hara (USA)
Fernanda Pinilla (Chile)
Quinn (Canada)
Megan Rapinoe (USA)
Aline Reis (Brazil)#
Jill Scott (Britain)
Caroline Seger (Sweden)
Kailen Sheridan (Canada)
Sherida Spitse (Netherlands)
Demi Stokes (Britain)
Carly Telford (Britain)
Daniëlle van de Donk (Netherlands)
Shanice van de Sanden (Netherlands)
Stefanie Van Der Gragt (Netherlands)#
Merel van Dongen (Netherlands)
Hannah Wilkinson (New Zealand)
Tameka Yallop (Australia)

Softball

Ally Carda (USA)
Amanda Chidester (USA)
Taylor Edwards (USA, reserve)
Larissa Franklin (Canada)
Joey Lye (Canada)#
Haylie McCleney (USA)
Kaia Parnaby (Australia)
Anissa Urtez (Mexico)

Surfing

Silvana Lima (Brazil)#
Sofia Mulanovich (Peru)#

Swimming

Rachele Bruni (Italy)
Ana Marcela Cunha (Brazil)
Amini Fonua (Tonga)
Mélanie Henique (France)
Ari-Pekka Liukkonen (Finland)
Erica Sullivan (USA)
Markus Thormeyer (Canada)

Taekwondo

Jack Woolley (Ireland)

Tennis

Demi Schuurs (Netherlands)
Sam Stosur (Australia)
Alison van Uytvanck (Belgium)

Track and field

Michelle-Lee Ahye (Trinidad, sprints)#
Ramsey Angela (Netherlands, relays)#
Geisa Arcanjo (Brazil, shot put)#
Tom Bosworth (Britain, race walk)
Erica Bougard (USA, heptathlon)
Dutee Chand (India, sprints)
Aoife Cooke (Ireland, marathon)
Izabela da Silva (Brazil, discus)#
Gabriela DeBues-Stafford (Canada, 1500-meter)#
Yulimar Rojas (Venezuela, triple jump)
Raven Saunders (USA, shot put)
Senni Salminen (Finland, triple jump)#

Trampoline

Dominic Clarke (Australia)#

Volleyball

Ana Carolina (Brazil)#
Paola Egonu (Italy)#
Carol Gattaz (Brazil)#
Douglas Souza (Brazil)

Water Polo

Rowie Webster (Australia)#

Weightlifting

Laurel Hubbard (New Zealand)

Wrestling

Kayla Miracle (USA)

Nach den biologischen Theorien ist es zu erwarten, dass gerade bei den Frauen viele lesbische Athleten vorhanden sind, denn die biologischen Theorien zur Entstehung der homosexuellen Orientierung bei Frauen gehen davon aus, dass dabei (pränatales) Testosteron eine große Rolle spielt, was dann eben auch zum einen auch noch postnatal erhöht sein kann, aber eben auch insgesamt zu einem „männlicheren Gehirn“ führen kann. Dieses ist gleichzeitig eher auf klassischen intrasexuellen Wettbewerb unter Männern mit der Ausbildung von Hierarchien, dem Erwerb von Status etc ausgerichtet und es wird zudem das räumliche Denken stärker ausgeprägt.Insofern verwundert gerade die hohe Anzahl von lesbischen Fußballerinnen nicht, ebenso wenig wie es verwunderlich wäre, wenn man bei einer Studie zu den Winterspielen feststellen würde, dass Eiskunstläufer eher homosexuell sind. Auch das in eher brutaleren Sportarten wie Boxen und Rugby mehr lesbische Athleten sind finde ich nicht verwunderlich

Interessant insoweit, dass auch Turmspringer anscheinend eher schwul sind. Ebenso in Dressurreiten. Beide Sportarten drehen sich um präzise kunstvolle Bewegungen.

Das „Gewichtheben“ bei einem M->f Transsexuellen leicht zu einer Nominierung führen kann ist auch klar.

Zu vermuten ist, dass Disziplinen mit wenig Lesben eher viele Homosexuelle haben und umgekehrt. Allerdings ist die Anzahl der Athleten insgesamt natürlich auch kleiner und schon deswegen dürfte auch der Effekt bei Mannschaftssportarten größer sein.

Gleichzeitig dürften auch viele nicht offen homosexuelle Athleten vorhanden sein, eben aus Ländern die weniger liberal sind.

Transexualität, die Blut-Hirn-Schranke, Hormonrezeptoren und Aromatase

In einer Twitterdiskussion auch zum Thema Transsexualität führte ich an, dass Transsexualität aus meiner Sicht im wesentlichen eine Abweichung des Gehirngeschlechts und evtl des Bodyplans von dem Geschlecht des übrigen Körpers ist. Gerade aus dieser Abweichung ergibt sich die „Tragik“ der Transsexualität, die viele mit „im falschen Körper stecken“ beschreiben.

Dagegen wurde angeführt, dass es ja keinen Grund gebe, dass man von einem Gehirngeschlecht sprechen müßte, genauso könne man anführen, dass der kleine Finger ein anderes Geschlecht habe. Warum sollte gerade das Gehirn ein anderes Geschlecht haben und nicht andere Körperteile?

Die Frage ist berechtigt, so dass ich es hier – durchaus auch um es für mich selbst einmal darzulegen und mit der Bitte um Input, ob es so richtig ist – auch noch einmal auszuführen versuche.

1. Wie ich es bisher verstanden habe

Der wesentliche Unterschied zwischen dem Gehirn und dem übrigen Körper ist aus meiner Sicht die Blut-Hirn-Schranke.

Dazu aus der Wikipedia:

Als Blut-Hirn-Schranke, auch Blut-Gehirn-Schranke, oder Blut-Hirn-Barriere wird die selektive physiologische Barriere zwischen den Flüssigkeitsräumen des Blutkreislaufs und dem Zentralnervensystem bezeichnet.

Diese besondere Abgrenzung des Bluts (intravasal) vom extravasalen Raum in Gehirn und Rückenmark ist bei allen Landwirbeltieren (Tetrapoda) ausgebildet und ermöglicht es, für das Nervengewebe eigene Milieubedingungen aufrechtzuerhalten (Homöostase). Im Wesentlichen wird diese Barriere von Endothelzellen gebildet, die hier in den kapillaren Blutgefäßen über Tight Junctions eng miteinander verknüpft sind.

Die Blut-Hirn-Schranke schützt das Gehirn vor im Blut zirkulierenden Krankheitserregern, Toxinen und Botenstoffen. Sie stellt einen hochselektiven Filter dar, über den die vom Gehirn benötigten Nährstoffe zugeführt und die entstandenen Stoffwechselprodukte abgeführt werden. Die Ver- und Entsorgung wird durch eine Reihe spezieller Transportprozesse gewährleistet.

Andererseits erschwert diese Schutzfunktion des Gehirns die medikamentöse Behandlung einer Vielzahl neurologischer Erkrankungen, da auch sehr viele Wirkstoffe die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren können. Die Überwindung der Blut-Hirn-Schranke ist ein aktuelles Forschungsgebiet, um auch diese Krankheiten behandeln zu können. Nur sehr wenige – ausgesprochen seltene – Erkrankungen stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der Blut-Hirn-Schranke, während sie selbst von einer deutlich höheren Anzahl weitverbreiteter Erkrankungen betroffen sein kann. Eine so hervorgerufene Störung oder Schädigung der Blut-Hirn-Schranke ist eine sehr ernst zu nehmende Komplikation.

Letztendlich ist die Blut Hirn Schranke damit eine Art „Firewall“, die übergriffe auf das Gehirn verhindern soll. Einige Stoffe kommen durch, andere nicht.

Bei den Geschlechtshormonen sieht es so aus, dass Östrogene die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren können, Testosteron aber schon. 

Im Gehirn lagert sich das Testosteron an Rezeptoren an, wird dann aromatasiert und damit in Östrogene ungewandelt. Hier liegen spezielle Rezeptoren, die das Östrogen erkennen und dann aufgrund dieses „weiblichen“ Hormons (weiblich aber eben nur in seiner Wirkung _vor_ der Blut-Hirn-Schranke) maskulinisiert.

Da auch Frauen, wenn auch im deutlich geringen Maße Testosteron produzieren (über die Eierstöcke und die Nebennierenrinden) haben sie noch einen besonderen Schutzmechanismus, im Gehirn aus Testosteron aromatisiertes Testosteron wird gebunden und damit unschädlich gemacht. 

Damit liegt eine Situation vor, bei der sich der übrige Körper aufgrund der Wirkung des (sagen wir beim Mann) Testosterons in die männliche Richtung entwickelt, das Gehirn aber zB nicht, weil

  • Das Testosteron an den Rezeptoren im Gehirn nicht richtig erkannt wird
  • im Gehirn ein Fehler bei der Aromatase eintritt und deswegen das Testosteron nicht oder im geringen Maße in Östrogene umgewandelt
  • Das Östrogen nicht richtig erkannt wird 

Daraus würde sich dann Transsexualität (MtF) ergeben. 

Bei einem Transmann könnte:

  • der Rezeptor für Östrogene zu empfindlich sein, so dass geringe Mengen Östrogen stärker wirken
  • die Bindung des Östrogens nicht richtig funktionieren 

Zur Aromatase:

Die Aromatase (auch CYP19A1) ist das Enzym, das in Wirbeltieren die Umsetzung von Testosteron zu Östradiol bzw. von Androstendion zu Östron katalysiert. Diese Aromatisierung von Androgenen ist der entscheidende letzte Schritt bei der Biosynthese der Östrogene.

Aromatase, auch Östrogen-Synthase genannt, ist eine Monooxygenase (EC 1.14.14.1), die Häm als Kofaktor nutzt und zur Cytochrom P450-Familie 19 zählt. Das daher als CYP19A1 bezeichnete Protein ist in der Membran des Endoplasmatischen Retikulums (ER) von Zellen verschiedener Gewebe lokalisiert. Es findet sich in den Gonaden, der Plazenta, der Brustdrüse, dem Fettgewebe und auch im Gehirn sowie in Haut, Knochen und Blutgefäßen. Mutationen im CYP19A1-Gen können zu erblichem Aromatasemangel oder -überschuss führen.[2]

2. Studien, die ich dazu gefunden habe

a) Fernandez et al, 2014: The Genetics of Transsexualism

Transsexualism is a gender identity disorder with a multifactorial etiology.
Neurodevelopmental processes and genetic factors seem to be implicated.
The aim of this study was to investigate the association between the genotype and female-to-male (FtM) and male-to-female (MtF) transsexualism by performing a karyotype and molecular analysis of three variable regions of the genes ERβ (estrogen receptor β), AR (androgen receptor) and CYP19A1 (aromatase).

Methods: We carried out a cytogenetic and molecular analysis in 273 FtMs, 442 MtFs, 371 control females and 473 control males. The control groups were healthy, ageand geographical origin-matched. The karyotype was investigated by G-banding and by high-density (HD) array in the transsexual group. The molecular analysis involved three tandem variable regions of genes ERβ (CA repeats in intron 5), AR (CAG repeats in exon 1) and CYP19A1 (TTTA repeats in intron 4). The allele and genotype frequencies, after division into short (S) and long (L) alleles, were obtained.

Results: No karyotype aberration has been linked to transsexualism (FtM or MtF), and prevalence of aneuploidy (3%) appears to be slightly higher than in the general population (0.53%). Concerning the molecular study, FtMs differed significantly from control females with respect to the median repeat length polymorphism ERβ (P = 0.002) but not to the length of the other two studied polymorphisms. The repeat numbers in ERβ were significantly higher in FtMs than in the female control group, and the likelihood of developing transsexualism was higher (odds ratio: 2.001 [1.15–3.46]) in the subjects with the genotype homozygous for long alleles.
No significant difference in allelic or genotypic distribution of any gene examined was found between MtFs and control males. Moreover, molecular findings presented no evidence of an association between the sex hormone-related genes (ERβ, AR, and CYP19A1) and MtF transsexualism.

 

Aus der Besprechung der Ergebnisse:

FtMs differed from the female control group with respect to the median length of the ERβ polymorphism but not with respect to the length of the other two studied genes. Considering the data for categorical variables of S and L alleles, and the genotypes SS, SL, and LL, we found significant P values for ERβ gene and genotype frequencies but not for AR and CYP19A1 genes. A greater number of CA repeats corresponds to greater probabilities of FtM transsexualism.
In the case of the AR and CYP19A1 genes, we did not find any relationship between the genes and FtM transsexualism. However, in the case of exon 5 of the ERβ gene, and contrary to that described by Ujike et al. (2009), we found a direct relationship between the length of the variable region and FtM transsexualism, so the greater the number of repeats, the greater
the susceptibility to transsexualism.
Although there are numerous studies showing the inverse relationship between the length of the AR gene and the activity of the hormone-receptor complex (Chamberlain et al., 1994; Kazemi-Esfarjani et al., 1995; Tut et al., 1997), there are no data indicating that this same inverse relationship exists in the case of ERβ. Some works bear on this possibility; Kudwa et al., (2006) found that male mice lacking functional Erβ, when treated with the appropriate hormonal priming, display significantly more female-like sexual receptivity than littermates. Yet, lack of functional ERβ receptors does not impair normal expression of adult masculine
sexual behavior.

They found no evidence showing that masculinization is deficient in ERβKO males (rats genetically modified without the Erβ gene); however, they propose that the defeminization process is incomplete in ERβKO males. Our data, like previous studies (Westberg et al.,  2001; Kudwa et al., 2005), support the finding that a functioning ERβ receptor is directly proportional to the size of the analyzed polymorphism, so a greater number of repeats implies greater transcription activation, therefore, an increase in ERβ receptor function, and finally, an increase in defeminization in females. Thus, one could propose that the greater efficiency of the estrogen-receptor complex by a high number of repeats would lead to a reduction in feminization, favoring a defeminization process (Even et al., 1994). Defeminization of the corticospinal tract has been described in FtMs (Rametti et al., 2011)

Das würde bezüglich der FtM-Transsexuellen durchaus passen: Der ERβ Rezeptor ist der Östrogenrezeptor.

b) Fernandez, 2018: Molecular basis of Gender Dysphoria: androgen and estrogen receptor interaction

Highlights
• Estrogen receptors in humans are implicated in gender development.
• In somatically males, interaction between the ERβ and AR is necessary for a typical development of gender.
• In somatically males, specific genotype interactions of α and β ER and AR decrease the odds ratio of gender dysphoria.
• In somatically males, specific genotype interactions between the ERβ and the AR increase the odds ratio of gender dysphoria.
• In somatically females, specific genotypes of α and β ERs are implicated in an independent manner in gender dysphoria.

Abstract
Background
Polymorphisms in sex steroid receptors have been associated with transsexualism. However, published replication studies have yielded inconsistent findings, possibly because of a limited sample size and/or the heterogeneity of the transsexual population with respect to the onset of dysphoria and sexual orientation. We assessed the role of androgen receptor (AR), estrogen receptors alpha (ERα) and beta (ERβ), and aromatase (CYP19A1) in two large and homogeneous transsexual male-to-female (MtF) and female-to-male (FtM) populations.
Methods
The association of each polymorphism with transsexualism was studied with a twofold subject-control analysis: in a homogeneous population of 549 early onset androphilic MtF transsexuals versus 728 male controls, and 425 gynephilic FtMs versus 599 female controls. Associations and interactions were investigated using binary logistic regression.
Results
Our data show that specific allele and genotype combinations of ERβ, ERα and AR are implicated in the genetic basis of transsexualism, and that MtF gender development requires AR, which must be accompanied by ERβ. An inverse allele interaction between ERβ and AR is characteristic of the MtF population: when either of these polymorphisms is short, the other is long. ERβ and ERα are also associated with transsexualism in the FtM population although there was no interaction between the polymorphisms. Our data show that ERβ plays a key role in the typical brain differentiation of humans.

Und aus der Einführung:

The biological actions of sex steroids are mediated by binding to specific nuclear receptors that are members of an extended family of transcription factors. The ligand–receptor complex translocates to the nucleus and promotes sex-specific gene expression (Matthews and Gustafsson, 2003). The direct induction of gene expression via activation of the estrogen receptors (ERs) α and β and the androgen receptor (AR) is the presumptive route for brain masculinization (Sato et al., 2004; Kudwa et al., 2006).

In lower mammals ERα is primarily involved in masculinization, while ERβ has a major function in defeminization of sexual behavior (Kudwa et al., 2006). In rodents, estradiol induces two independent developmental processes: masculinization of neural circuits that will support male-typical reproductive behaviors in adults and defeminization, the loss of the ability to display typical adult female behavior, which is also an active developmental process (McCarthy, 2008). However, it is believed that in non-human primates (Wallen, 2005), as well as in humans (Swaab, 2004), estrogenic metabolites from androgens are not critical to masculinization and defeminization (Wallen, 2005).

All these observations have led to the study of the involvement of DNA polymorphisms of ERβ, ERα, AR, and the aromatase (CYP19A1) in transsexuality (Henningsson et al., 2005; Hare et al., 2009; Ujike et al., 2009; Fernández et al., 2014a,b, 2016; Cortés-Cortés et al., 2017). However, the reported results have been inconsistent or negative (Meyer-Bahlburg, 2011). The lack of agreement between different publications might be due to the small samples studied and/or the heterogeneity of the transsexual population in relation to the onset of the gender dysphoria (i.e. before or after puberty) and sexual orientation.

In order to address all these questions, this work studied the implication of the polymorphisms (CA)n-ERβ (rs113770630), XbaI-ERα (rs9340799), (CAG)n-AR (rs193922933) and (TTTA)n-CYP19A1 (rs60271534) in a large and homogenous sample of 549 early onset androphilic MtFs vs 728 male controls and 425 early onset gynephilic FtMs vs 599 female controls. The analyses were conducted independently for a somatically1 female population (FtM vs female controls) and a somatically male population (MtF vs male controls).

Moreover, because it is unknown whether androgen and estrogen genotypes interact with each other in the genesis of gender, we also analyzed the cross interactions between the AR polymorphism and the other above-mentioned polymorphisms (ERβ, ERα and CYP19A1).

Und aus den Ergebnissen:

Our study resulted in three main findings. First, there is an interaction between the ERβ and AR polymorphisms in the development of atypical gender identity in the MtF population involving an inverse relationship between these polymorphisms. Second, the development of gender in the FtM population is associated with ERβ and/or ERα, but no interaction between these polymorphisms was found. Third, both ERs (α and β) are involved in typical male and female gender development.

The androphilic MtF population presents an inverse relationship between ERβ and AR such that the short AR polymorphism is associated with the L/L ERβ genotype, while, on the contrary, the long AR polymorphism is associated with the S/S ERβ genotype.

Neither of these two polymorphisms on its own is associated with MtF. AR is necessary, but insufficient on its own without ERβ for gender development in MtF. The OR for the interaction between ERβ and AR is heightened by a further association with the XbaI-ERα polymorphism. The highest risk for transsexuality is observed in somatically male individuals carrying a short allele (S) for the ERβ polymorphism together with a G allele for XbaI-ERα and a short allele (S) for AR (SGS genotype) compared to the reference category SAS, short allele (S) for the ERβ together with an A allele for XbaI-ERα and a short allele (S) for AR. However, the differences were not significant when Bonferroni corrections were used

Furthermore, there is a lower risk for transsexuality in somatically male individuals when the short allele (S) for AR is associated with the short allele (S) for ERβ and the A allele for ERα (SAS genotype) compared to the reference category SAL, short allele (S) for the ERβ together with an A allele for XbaI-ERα and a long allele (L) for AR.

Previous studies evaluated polymorphism interactions using a binary logistic regression model (Henningsson et al., 2005; Hare et al., 2009; Ujike et al., 2009). However, cross-interaction analysis between polymorphisms is additionally used here. Our results confirmed those obtained by Henningsson et al. (Henningsson et al., 2005), who suggested an interaction between ERβ and AR, but, what is more, we are able to specify the genotypes involved. We found that fewer CAG repeats in the AR polymorphism increases the risk of transsexuality in comparison to the presence of a higher number of CAG repeats, in interaction with the L/L genotype for ERβ (Table 4). Like Hare et al. (2009), we also found an association between the AR polymorphism and MtF. However, we found, the association was restrictive since a low number of CAG repeats in the AR increases the risk of transsexuality in interaction with the L/L genotype for ERβ (Table 4), and, vice versa, more CAG repeats in the AR increases the risk of transsexuality in interaction with the S/S genotype for the ERβ (Table 5). The Ujike et al. study (Ujike et al., 2009) is not really comparable to ours or other studies mentioned above because it used the average instead of the median to establish long and short alleles. Considering the work of Henningsson et al. (2005) and Hare et al. (2009) together with our results, and taking into account the different origins of the analyzed populations, we could say that the implication of the AR in gender dysphoria in MtF is a consistent finding.

ER α and β also play a key role in the gynephilic FtM population. Specific variants of ERβ and ERα polymorphisms are associated with FtM. Interestingly, there is no interaction between these polymorphisms. ERα, particularly the XbaI-ERα polymorphism, has a significant effect: an A/A genotype implied a greater susceptibility to transsexuality, while genotype A/G showed a protective effect. With respect to the ERβ polymorphism, we found a direct association between the number of CA repeats and transsexuality, confirming our previous report (Fernández et al., 2014a).

One important observation that is directly derived from our analysis is that androphilic MtFs and gynephilic FtMs share a common feature: the involvement of the same polymorphisms in the estrogen receptors. Moreover, these polymorphisms have been related to sexually dimorphic behavior like Alzheimer’s disease, depression, obsessive compulsive disorder, schizophrenia, FtM dysphoria and others (Brandi et al., 1999; Ji et al., 2000; Corbo et al., 2006; Boada et al., 2012; Pan et al., 2014).

Estrogen is an important regulator of brain growth and differentiation and the ERs have a key function in sexual differentiation of brain and behavior (McCarthy, 2008). Additionally, ER α and β are found in both the developing (González et al., 2007) and adult human brain (Osterlund et al., 2000). ER expression shows sex differences (Ishunina et al., 2002).

With respect to the typical masculinization of the brain in XY subjects, it was proposed that direct androgen action on the brain is crucial for the development of a male gender identity and heterosexuality and that the aromatization theory, developed from rodent experiments, would be of secondary importance in our species (Swaab, 2004). In contrast, our results show that both ERs and AR receptors are involved in the development of transsexuality in the androphilic MtF population. As well as by androgens acting on AR, ERs can be activated by estradiol resulting from the aromatization of testosterone (Lephart, 1996). The aromatase enzyme is already present in human fetuses (Naftolin et al., 1971). Moreover, dihydrotestosterone, a reduced testosterone metabolite, can be further metabolized to 5α-androstene-3β,17β-diol, a molecule that preferentially binds to ERβ (Kuiper et al., 1997). Our results show the involvement of ERα and β in the typical development of gender in men and women.

Es liegt also ein Zusammenspiel von den Testosteronrezeptoren und den Östrogenrezeptoren vor, 

„First, there is an interaction between the ERβ and AR polymorphisms in the development of atypical gender identity in the MtF population involving an inverse relationship between these polymorphisms“

Wenn man davon ausgeht, dass „Mann zu Frau“ zuerst sehr schwache Testosteronrezpetoren haben (viele Wiederholungen) und dann auch sehr schwache Östrogenrezeptoren (Wenig Wiederholungen) dann würde da durchaus passen. Dann wird erst sehr wenig Testosteron erkannt und umgewandelt und von diesem wenigen umgewandelten noch weniger als Östrogen erkannt. 

Second, the development of gender in the FtM population is associated with ERβ and/or ERα, but no interaction between these polymorphisms was found.

Bei Frau zu Mann Transseuellen scheinen also bestimmte Faktoren bei den Östrogenrezeptoren vorzuliegen. Möglicherweise reicht es aus, wenn einer von beiden besonders scharf eingestellt ist?

Third, both ERs (α and β) are involved in typical male and female gender development.

Der Unterschied zwischen beiden ist mir insoweit noch nicht ganz klar. 

Wenn ich das so richtig verstehe, dann ist mein Model oben allenfalls eine Annährung und die tatsächlichen Abläufe sind noch wesentlich komplizierter

Kognitive Geschlechterunterschiede mit biologischer Grundlage

Hier mal ein paar Studien:

1. JAK Finegan, GA Niccols – Developmental Psychology, 1992 

Relations between prenatal testosterone (T) levels and cognitive abilities at age 4 were examined for 28 girls and 30 boys. Prenatal T levels were measured in 2nd trimester amniotic fluid samples obtained by amniocentesis and were examined in relation to scores on tests of cognitive abilities. For girls, prenatal T levels showed a curvilinear (inverted U-shaped) relation to language comprehension and classification abilities. Linear relations also were observed in that prenatal T levels were inversely related to girls‘ scores on tasks assessing counting and number facts. Similarly, girls with high average block building scores had lower prenatal T and cognitive abilities were not observed. The observation of relations in girls and not boys is discussed, and the findings are examined in relation to theories of hormone-behavior relations. (APA PsycInfo Database Record (c) 2016 APA, all rights reserved)

Quelle:Relations between prenatal testosterone levels and cognitive abilities at 4 years.

Aus der Studie:

U-Förmige Kurven würden darauf hinweisen, dass es einen bestimmten „Idealen Wert“ gibt nach dem eine Eigenschaft vorher geringer ist und nachher geringer. Da Jungs und Mädchen ganz verschiedene Testosterone Werte haben kann der Wert natürlich auch verschieden liegen. 

2. CM Falter, M Arroyo, GJ Davis – Biological psychology, 2006

Previous studies in animals have revealed effects of both prenatal and current testosterone on brain organization and behavior. However, it is unclear how these effects translate to the human brain. Here, we refine previous procedures to clarify the relative contribution of prenatal versus current testosterone indices to cognitive function. Sixty-nine subjects performed four computerized tasks measuring mental rotation, targeting, figure-disembedding and perceptual discrimination. Using stepwise regression analyses, performance was related to free testosterone assayed in saliva samples and to second-to-fourth finger length ratios (2D:4D), a putative index of prenatal testosterone exposure. The exclusive predictor for mental rotation was found to be sex, while 2D:4D was found to be the sole predictor of targeting, exhibiting a curvilinear relation, and figure-disembedding performance, showing a linear relation. These findings suggest a substantial role for prenatal testosterone but not current testosterone in determining cognitive performance.

Quelle: Testosterone: Activation or organization of spatial cognition?

3. Gouchie /Kimura Psychoneuroendocrinology, 1991

The cognitive performance of normal men and women was studied, grouped according to whether the subjects had relatively high or low salivary testosterone (T) concentrations. Men with lower T performed better than other groups on measures of spatial/mathematical ability, tasks at which men normally excel. Women with high T scored higher than low-T women on these same measures. T concentrations did not relate significantly to scores on tests that usually favor women or that do not typically show a sex difference. These results support suggestions of a nonlinear relationship between T concentrations and spatial ability, and demonstrate some task specificity in this respect.

Quelle: The relationship between testosterone levels and cognitive ability patterns

4. Grimshaw et al, 1995

Biological and social-experiential factors appear to play a role in the male advantage in spatial abilities. In the present study, relations among prenatal testosterone levels, spatial play experiences, and mental rotation task performance were explored in 7-year-old boys and girls. A positive correlation was observed between prenatal testosterone levels and rate of rotation in girls. The findings were less clear for boys, but suggested the opposite pattern of results. Relations between spatial play preferences and mental rotation task performance were not observed in children of either sex. These findings are consistent with the hypothesis that testosterone acts on the fetal brain to influence the development of spatial ability.

Quelle: Mental Rotation at 7 Years – Relations with Prenatal Testosterone Levels and Spatial Play Experiences

6. Auyeung et al, 2011

Abstract

This study investigated whether fetal testosterone (FT) measured from second trimester amniotic fluid was related to specific aspects of visuospatial ability, in children aged 7–10 years (35 boys, 29 girls). A series of tasks were used: the children’s Embedded Figures Test (EFT) (a test of attention to detail), a ball targeting task (measuring hand-eye coordination), and a computerized mental rotation task (measuring rotational ability). FT was a significant predictor for EFT scores in both boys and girls, with boys also showing a clear advantage for this task. No significant sex differences were observed in targeting. Boys scored higher than girls on mental rotation. However, no significant relationships were observed between FT and targeting on mental rotation.Girls’ performance on the mental rotation and targeting tasks was significantly related to age, indicating that these tasks may have been too difficult for the younger children. These results indicate that FT has a significant role in some aspects of cognitive development but that further work is needed to understand its effect on the different aspects of visuospatial ability.

Quelle: Effects of Fetal Testosterone on Visuospatial Ability

7. Auyeung, 2006

This study examines foetal testosterone (fT) levels (measured in amniotic fluid) as a candidate biological factor, influencing sex differences in systemizing. Systemizing is a cognitive process, defined as the drive to analyze or construct systems. A recent model of psychological sex differences suggests that this is a major dimension in which the sexes differ, with males being more drawn to systemize than females. Participants included 204 children (93 female), age 6–9 years, taking part in a long-term study on the effects of fT. The systemizing quotient – children’s version was administered to these mothers to answer on behalf of their child. Males (mean = 27.79 ± 7.64) scored significantly higher than females (mean = 22.59 ± 7.53), confirming that boys systemize to a greater extent than girls. Stepwise regression analysis revealed that fT was the only significant predictor of systemizing preference when the sexes were examined together. Sex was not included in the final regression model, suggesting that fT levels play a greater role than the child’s sex in terms of differences in systemizing preference. This study suggests that the levels of fT are a biological factor influencing cognitive sex differences and lends support to the empathizing–systemizing theory of sex differences.

Quelle: Foetal testosterone and the child systemizing quotient