Kommt die Transdebatte bei den Grünen an?

Das Magazin Schwulissimo berichtete über Streitigkeiten bei den Grünen:

Der Streit um die Forderung nach einer öffentlichen Debatte über das geplante neue Selbstbestimmungsgesetz bei der Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90 / Die Grünen Mitte Oktober in Bonn eskaliert immer mehr. Die Mindestanzahl der Antragsteller innerhalb der Partei ist längst erreicht, sodass die Antragstellerin Eva-Marie Müller aus Nordrhein-Westfalen diese Forderung nun offiziell einreichen konnte. Im Zuge dessen erleben Müller und die Befürworter einer Debatte um das Selbstbestimmungsgesetz massive Angriffe – inklusive Vergleiche aus dem dritten Reich.

Erst einmal der Antrag, der unter dem obigen Link abrufbar ist:

Wir sind heute der Meinung:

  • Ja, es gibt Handlungsbedarf. Das bestehende TSG entspricht nicht mehr den gesellschaftlichen Werten und bedarf einer Anpassung, die transsexuellen Menschen Erleichterung einräumt und mehr Akzeptanz in der Gesellschaft verschafft
  • Die geplante Veränderung, Recht auf Selbstdeklaration des Geschlechtes in der im Eckpunktepapier beschriebenen Form, ist so fundamental, dass sie Auswirkungen auf andere, nicht transsexuelle Erwachsene und insbesondere auf Kinder und Jugendliche hat, und deshalb nicht ohne eine breite gesellschaftliche Zustimmung umgesetzt werden sollte.
  • Wir möchten daran erinnern, dass große Reformen (wie zum Beispiel die Abschaffung des Verbots von Homosexualität, die ‚Ehe für Alle‘, das Abtreibungsrecht, das Sterberecht usw.) in Deutschland in den meisten Fällen mit breiten überparteilichen Mehrheiten durchgesetzt worden sind. Diese Akzeptanz braucht auch das geplante Selbstbestimmungsgesetz. Weshalb wir für eine neue Regelung der Rechte von transsexuellen Menschen eine breite Mehrheit, bestenfalls unter Einbeziehung von Abgeordneten aller Parteien, anstreben.
  • Dies erfordert, dass Fragen gestellt und beantwortet werden, Argumente ausgetauscht werden können, Bedenken und Ängste aller Menschen ernst genommen und respektiert werden. Eine breite gesellschaftliche Debatte sollte deshalb zuvor ermöglicht werden. Es ist nicht hinnehmbar, dass Menschen, die Einwände gegen das geplante Selbstbestimmungsgesetzt vorbringen, öffentlich diffamiert, bedroht und mundtot gemacht werden. Weder parteiintern noch in der öffentlichen Debatte.
  • Gute Argumente müssen gehört werden, damit für wirklich alle Seiten das Beste entstehen kann. Folgen und Spätfolgen müssen bedacht werden, damit in der breiten Bevölkerung nicht nur die Akzeptanz für transsexuelle Menschen wächst sondern bestenfalls auch die Unterstützung derer.

Deshalb beantragen wir:

  •  eine innerparteiliche Debatte zu diesem Gesetz, die auch in aller Breite und Offenheit möglich gemacht werden muss.
  • Diffamierungen sind zu unterlassen.
  • Eine breit angelegte Rechtsfolgenabschätzung für die geplanten Regelungen , sowie belastbare quantitative Studien und aktuelle wissenschaftliche Leitlinien müssen das Bild abrunden und gehören zur Meinungsbildung dazu. Deshalb müssen diese im Gesetz Niederschlag finden.
  • Alternativen bzw. Änderungen zu dem geplanten Gesetz (die dieselbe Intention verfolgen, aber andere gesetzliche Bestimmungen vorschlagen) müssen ergebnisoffen diskutiert werden können.

Interessant auch: Bei Anträgen der Grünen wird immer der Frauenanteil angegeben. Hier ist er relativ niedrig: Frauenanteil: 36%

Wäre interessant, ob es eher eine Männeransicht ist oder Frauen sich da lieber nicht zu bekennen, weil sie wissen, dass das zu Angriffen führen wird.

Die Punkte des Antrags sind erst einmal sachlich, sie präsentieren ein Anliegen und wollen eine öffentliche Diskussion. Aber natürlich wäre, wenn man eine breite Mehrheit will, über alle Parteien, auch die Gefahr, dass man mehr Zugeständnisse machen muss, vorhanden und ohnehin dürfte es für die Radikaleren ein No-Go sein, dass man überhaupt darüber verhandelt oder auf Kritiker zugegeht, da ja jeder, der dagegen ist erst einmal der Feind, ein Terf ist.

Kurzer Rückblick: Müller, selbst Erzieherin, hatte den Antrag im August online gestellt, damit erstmals öffentlich und sachbezogen über das geplante neue Selbstbestimmungsgesetz debattiert werden kann. Bisher 69 Parteimitglieder aus ganz Deutschland haben sich diesem Antrag inzwischen angeschlossen. In der Begründung erklärt Müller, dass es bis heute viele offene Fragen zum geplanten Selbstbestimmungsgesetz gibt, die bisher nicht “zufriedenstellend“ beantwortet worden seien: „Wir befürchten, dass die Veröffentlichung des konkreten Gesetzentwurfs erst kurz vor der Verabschiedung geplant ist, so dass es dann für eine breite Debatte zu spät ist“, so die Grünen-Politikerin weiter.

Es ist eine gute Frage, was politisch und gleichzeitig Parteipolitisch richtig wäre. Es könnte glaube ich gut eine Debatte sein, bei der die Grünen merken, dass ihre Partei da Redebedarf hat und sie gleichzeitig merken, dass sie dort nicht reden können.
Die Grünen waren ja schon immer ein Sammelbecken verschiedenster Strömungen, von Fundis bis Realos, aber eben auch „Altfeministen“ und „Neufeministen“ die hier zusammen stoßen könnten. Es wäre interessant zu beobachten wie stark die intersektionale Seite der Grünen eigentlich ist .

Müller stellt sich dabei keineswegs gegen eine Änderung des bisherigen Transsexuellengesetzes, bittet nur um eine Debatte ob einiger strittiger Punkte bei der Ausarbeitung des neuen Gesetzes und erklärte weiter: „Die geplante Veränderung, Recht auf Selbstdeklaration des Geschlechtes in der im Eckpunktepapier beschriebenen Form, ist so fundamental, dass sie Auswirkungen auf andere, nicht transsexuelle Erwachsene und insbesondere auf Kinder und Jugendliche hat, und deshalb nicht ohne eine breite gesellschaftliche Zustimmung umgesetzt werden sollte (…) Es ist nicht hinnehmbar, dass Menschen, die Einwände gegen das geplante Selbstbestimmungsgesetz vorbringen, öffentlich diffamiert, bedroht und mundtot gemacht werden. Weder parteiintern noch in der öffentlichen Debatte. Gute Argumente müssen gehört werden, damit für wirklich alle Seiten das Beste entstehen kann. Folgen und Spätfolgen müssen bedacht werden, damit in der breiten Bevölkerung nicht nur die Akzeptanz für transsexuelle Menschen wächst, sondern bestenfalls auch die Unterstützung derer.

Ein radikaler Transaktivist hört hier nur „Wir wollen das Gesetz verzögern und verwässern und Zugeständnisse an TERFs machen“. In deren Vorstellung hat die Gesellschaft das Gesetz, um so radikaler um so besser, zu akzeptieren und eine Debatte dazu ist unnötig. Legitime Einwände sind ausgeschlossen.

Mehrfach betonte die Grünen-Politikerin dabei, sie erhoffe sich eine ergebnisoffene Debatte ohne Diffamierungen. Diese Hoffnung hat sich offensichtlich nicht erfüllt, bereits kurz nach Antragstellung warf ihr die erste Kollegin vor, dass sie in ihrem Antrag nicht gegendert habe. Die trans-Frau Renée-Maike Pfuderer aus dem Raum Stuttgart schreibt dann zu den Forderungen um eine sachliche Debatte: „Demokratinnen machen mit Nazis keine Gesetze! Das sollte bei uns als Mitglieder von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Konsens sein, ebenso die Ablehnung jeglicher Form der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, die hier ganz offensichtlich unterschwellig mitschwingt.“ Pfuderer fordert Müller anschließend direkt auf, ihren “diffamierenden“ Antrag zurückzuziehen und erklärt weiter, es sei ausreichend diskutiert worden und man dürfe nicht den “Konsens mit den Verfassungsfeinden vom rechten Rand führen“, wie sie die trans-Politikerin beispielsweise bei der Frauenschutzorganisation Terres des Femmes in Teilen ausgemacht haben will. Es ginge dieser und anderer Gruppen ganz oder teilweise mit ihrer “braunen Gesinnung und Menschenfeindlichkeit“ nur darum.

Pfuderer hat sich beispielsweise auch schon mit Boris Palmer angelegt.

Sie postete auch Beiträge wie diesen:

Da wurde eine Gewaltandrohung drin gesehen.
Auch sonst hält sie sich nicht zurück, etwa:

Man sieht, sie ist einer Diskussion nicht wirklich zugeneigt.

Kritik über diese Auslassungen der trans-Person kommt dabei auch von innerhalb der Partei, so beispielsweise von Rainer Lagemann von den Grünen in NRW: „Was sollen diese Abqualifizierungen. Ist nicht die TERF-Beschimpfung auch eine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, die wir doch bitte in unserer Partei unterlassen sollten. Vor allem das Nazi-Framing scheint mir auch strafrechtlich von Bedeutung zu sein. Ich dachte sowas gäbe es in unserer Partei gar nicht.“

Könnte wirklich eine interessante Debatte werden, zumal die Aufforderung solche Beschimpfungen zu unterlassen wahrscheinlich zwecklos sind.

Und Joachim Behnke, Grünen-Delegierter aus der Bodensee-Region, schreibt, dass ein Antrag auf eine Debatte eigentlich trivial sei, weil über grundlegende Themen grundsätzlich eine solche offene Debatte stattfinden sollte: „Einige der Kommentare hier haben aber sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, dass genau dies nicht gewünscht ist, begründet mit einem sehr abstrusen Verständnis von Meinungsfreiheit, nämlich mit einer Beschränkung der Meinungsfreiheit auf die ´richtigen´ Ansichten (…) Es verrät auch ein merkwürdiges Verständnis von Debattenkultur, Antragsteller aufzufordern, ihren Antrag auf eine Debatte zurückzuziehen, weil sich allein schon dadurch bestimmte Gruppen diffamiert fühlen könnten. Wer glaubt, die ´reine´ Lehre ließe sich nur aufrechterhalten, indem sie vor jeder ´Verunreinigung´ durch den Austausch von Argumenten geschützt wird, der oder die begibt sich in gefährliche Fahrwasser des Illiberalismus.“

Ein Appell an eine Debattenkultur, der durchaus etwas für sich hat. Aber da könnte man wahrscheinlich bei den Grünen eher noch eine Debatte über Atomstrom führen als über das Transthema.

Mit immer drastischeren Worten poltert Pfuderer zurück und erklärt so unter anderem: „Wir sollten gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und dieses von Hass und Hetze getragene Lügen dieser TERF nicht dulden. Wenn hier was zu unterlassen sein sollte, dann Verständnis für faschistoide Lebensformen. Aber was erwartet Mensch von einem Menschen der dem Rassisten Palmer nahesteht (..) Ihre Meinung ist bekannt und disqualifiziert Sie per se für eine solche Diskussion (…) Mit solchen Menschen rede ich nur noch, wenn ich als Zeugin von einem Schiedsgericht gehört werde, sonst sicher nicht mehr. Und jetzt missbrauchen Sie dieses Tool nicht weiter für die vorsätzlichen Lügen von Frau Schwarzer, von Storch und wer sich da noch alles in dieser Grube heimisch fühlt.“ Den rund 70 Unterstützern des Debattenantrages unterstellt Pfuderer, sie würden sich sozusagen der „faschistoid geprägten gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ anschließen beziehungsweise „das Wort reden.“

Es ist ja ein altes Erfolgsrezept der intersektionalen Theorien einfach alle anderen hart anzugreifen, niederzuschreien, als Rassisten, Terfs oder was gerade auch immer passt zu beschimpfen und so aggressiv aufzutreten, dass Leute ihnen ausweichen wollen und lieber den Mund halten bzw man sich überlegen kann, ob man nicht lieber auf ihrer Seite ist, damit man andere anbrüllen kann, statt angebrüllt zu werden.

Aber es hat natürlich auch den Nachteil, dass man Leute vergrault oder Widerstand hervorruft. Gelingt es nicht die anderen zum Schweigen zu bringen und merken die Leute, dass eine Mehrheit die radikalen Thesen ablehnt, dann können sie schnell ihre Macht verlieren. Und anonyme Abstimmungen können da besonders gefährlich sein (oder sind die bei den Grünen nicht anonym)

Antragstellerin Müller steht offensichtlich fassungslos vor den Anfeindungen und erklärt dazu: „69 Menschen unterstützen einen Antrag, weil sie der Meinung sind, dass noch Gesprächsbedarf besteht. Um nichts anderes geht es hier! Bisher dachte ich, dies wäre der Sinn Anträge zu stellen. Man kann darüber beraten und mit ja oder nein abstimmen. Ein gutes demokratisches Verfahren! Unter den Augen der Öffentlichkeit und der Bundesgeschäftsstelle und Bundesvorstand wird es nun zugelassen, dass diese Gruppe von einem einzelnen Mitglied in übelster Art und Weise beleidigt und angegangen wird. Man mag es einfach nicht glauben!“

Das wäre ein Appell an die Vernunft und gesittete Regeln. Was wird dagegen wohl vorgebracht werden?

Die trans-Frau Pfuderer antwortet darauf: „Die Frage was hier los ist, ist berechtigt und stellt sich seit dieses Machwerk aus Lügen, Hass und Hetze von Ihnen eingestellt wurde. 69 Menschen, TERF oder am rechten Rand der Grünen unterstützen einen Antrag, der nicht notwendig, da das Gesetz in aller Breite diskutiert und partei-intern beschlossen wurde. Was an Argumenten für eine neue Debatte vorgebracht wird ist nicht als eine Sammlung von Lügen wie sie am eben genannten rechten Rand unserer Gesellschaft vorgebracht werden. Im weiteren FUCK OFF! Sie und ihr und ihre Spießgessellinen können lügen und trollen wie Sie wollen über 125.000 Grüne sind mehr als 69 xenophobe Rassisten mit Rechtsdrall und TERF und anderweitig belastete Menschen machen aus unserer Partei keinen braunen Zirkel.

Wer gegen uns ist ist ein Nazi. Erst der „rechte Flügel der Grünen“ (was ja eigentlich noch nicht rechts sein muss), dann „der braune Zirkel“. Auf Diskussion mit anderen Meinungen sind die intersektionalen Theorien nicht ausgelegt. Allenfalls auf Pseudodiskussionen, wie man noch intersektionaler sein kann.

Mehrere andere Grünen-Mitglieder zeigen sich fassungslos über die verbalen Angriffe innerhalb der Partei, die lediglich um eine Debatte über das Selbstbestimmungsgesetz bitten und diese im Rahmen einer Bundeskonferenz einfordern. Das Verhalten offenbare ein “unterirdisches Niveau“ und zeige auf “zutiefst menschenverachtende Weise“, wie Auseinandersetzungen geführt würden.

Wird dann eben interessant wie viele das sind. Es wäre ja eine Überraschung, wenn der Widerstand gegen das Gesetz letztendlich von den Grünen kommen würde.

Antragstellerin Müller hat indes den Antrag eingereicht. Grünen Politiker Behnke erklärte mit Blick auf trans-Frau Pfuderer: „Ich fände es auch durchaus angemessen, wenn die Parteiführung sich hier klar äußern würde zu ihrem Verständnis, wie Debatten und Diskussionen in dieser Partei geführt werden sollten. Meinungsverschiedenheiten sind etwas Normales und die Diskussion derselben unter Wahrung des gegenseitigen Respekts sollte selbstverständlich sein. Ich hoffe, das sieht die Parteiführung genauso.“ Mehrere andere Mitglieder fordern inzwischen ein Einschreiten der Partei, eine Antwort der Bundespartei steht indes noch aus. Der Streit um die trans-Politikerin Pfuderer eskalierte dabei immer weiter bis in die heutigen Morgenstunden hinein

Eine Transperson quasi den Mund verbieten? Eine sehr heikle Sache. Macht einen quasi auch zu einem Nazi.

Wer was zu den Weiterungen mitbekommt: Gerne hier mitteilen

 

Sophie Passman hat anscheinend keine Ahnung von intersektionalen Theorien und den dortigen Feindbildern

Matze hat gestern unter Verweis auf Arne auf eine Reaktion von Sophie Passmann zu dem Shitstorm nach ihrem Interview, welches auch hier Thema war, hingewiesen.

Ich fand diese Passage ganz interessant:

Viele wollten mich auf meinen Fehler hinweisen. Ich habe dabei auch kein Anrecht auf einen höflichen oder sachlichen Ton. Wenn aber nach Tag 1 wegen einer von mir problematischen Aussage schlicht und ergreifend eine Hetzjagd unter Feministinnen auf mich gestartet wird, bei der eine ganze Menge an Missgunst und Hass zu meiner Person endlich mal loskommen konnte, dann finde ich das einfach albern und überflüssig. Ich habe darauf keine Lust. Ich habe auch selbst keine Lust, so zu werden.

Immer wieder erstaunlich, wenn Leute gar nicht merken, dass zumindest Teile ihrer Bewegung vollkommen radikalisiert sind und jede Abweichung von der wahren Lehre als Ketzerei ansehen. Und deswegen eben fast zwangsläufig auf die Ketzerin zeigen müssen und „Steinigt sie, sie hat Jehova gesagt“ rufen müssen unter gleichzeitigen Abstreiten, dass sie irgendwie auch nur etwas mit ihr zu tun haben oder ihre entschuldigende Umstände zugestehen. Wer einen Ketzer in Schutz nimmt ist eben selbst ein Ketzer. Ehrliche Entrüstung und Verächtlichungmachung ist hingegen gutes Virtue Signalling.

Denn das, und das konnte ich ja jetzt selbst schockiert feststellen, ist das, was leider sooft passiert: Frauenhassende Männer reiben sich die Hände. Misogyne Arschlöcher, die in unseren Bubbles seit teilweise Jahrzehnten abhängen, sind freudestrahlend auf den Zug aufgesprungen, um endlich mal wieder so richtig eine Frau abhassen zu können.

Finde ich eine interessante Überleitung:  „Hetzjagd unter Feministinnen auf mich gestartet“ –> „Frauenhassende Männer reiben sich die Hände und können auf den Zug aufspringen.“

Will sie sagen „Fallt doch nicht über andere Frauen her, sonst gebt ihr Männern die Gelegenheit so richtig über eine Frau abzuhassen“.

Eher ein bizarres Argument wenn der Großteil der über sie herfallenden Feministen sind, und zwar männliche und weibliche. Und das beides mal nicht um eine Frau abhassen zu können, sondern eine Verräterin an ihren Theorien.

Konservative Wichser haben mich öffentlich gelobt, nicht, weil sie mich oder mein Interview mochten, sondern weil sie wissen, dass das noch mehr für das sorgt, das sie ja so gerne sehen: Frauen, die andere Frauen öffentlich runtermachen.

Diese konservativen Wichser können ja auch kein anderes Motiv haben. Und konservative Wichser werden ja auch meist von radikalen Feministinnen gelesen und nicht etwa geblockt.
Schon ein sehr einfaches Weltbild die Frau Passmann: Alle wollen entweder über sie oder Frauen im allgemeinen herfallen und sie runtermachen. Selbst Frauen!

Und nein, die ursprüngliche Kritik war für mich kein “runtermachen”. Das, was danach passiert ist, war es. Tweets, die anfangen mit “ich konnte Sophie Passmann eh noch nie leiden…” und glauben, danach noch etwas für den Feminismus nachhaltiges beitragen zu können, machen mich betroffen und langweilen mich.

Lady Bitch Ray war es:

Aber erneut: Interessant, dass sie die Dynamik dahinter echt nicht versteht. Sie sollte mehr „Alles Evolution“ lesen.

Ich habe einen Fehler gemacht, den habe ich hier versucht zu erklären. Ich werde darüber nach lange nachdenken, für mich ist das nicht abgehakt.

Ihr zurückrudern sah übrigens so aus (aus dem gleichen Artikel):

Die Passage, die ursprünglich kritisiert wurde, wurde dafür kritisiert, dass ich in ihr die Daseinsberechtigung Schwarzer Medienschaffender, die sich gegen Rassismus aussprechen, geschmälert oder sogar negiert hätte. Ich habe das, muss ich gestehen, am Anfang nicht verstanden, weil ich die Passage natürlich so nicht gemeint habe. Ich brauchte einige private Gespräche mit Schwarzen Kolleginnen, um zu verstehen, wie das gelesen wurde. Mir tut es sehr leid, dass diese Passage missverständlich war, das war nämlich mein Fehler.

Aber leider: Der Verstoß war zu groß und unverzeihlich. Hätte sie merken müssen. Erneut: Interessant, dass sie die Theorien in der für sie anscheinend zentralen Gruppe nicht versteht.

Darüber hinaus würde ich mir wünschen, dass der Großteil, der bereit ist, sich darauf einzulassen, sich gemeinsam mit mir wieder daran erinnert, dass der Fein ganz woanders steht. Und wenn ihr ehrlich denkt, ich bin der Feind, dann, ja dann, kann ich euch auch nicht helfen. Danke, Schwestern.

Oh Gott, Frau Passmann hat sich anscheinend wirklich überhaupt nicht mit intersektionalen Theorien beschäftigt. Gar nicht anscheinend.

Wie kann man verpasst haben, dass die intersektionalen Theorien nicht mehr „Männer gegen Frauen“ sind, sondern „Privilegierte vs unterdrückte“ und Frau Passmann ist Weiß und hat sich gegen Schwarze ausgesprochen. Wenn sie sich gegen eine Randgruppe der Unterdrückten ausgesprochen hätte und das aus Versehen dann würde ich es noch verstehen. Aber „Schwarz vs Weiß“ ist die Königsklasse des Privilegienkonflikts und wer das nicht mitbekommen hat und alle Äußerungen in der Hinsicht als Feministin auf die Goldwaage legt, der hat seine feministischen Hausaufgaben nicht gemacht.

 

Sophie Passmann und der Feminismus weißer Frauen

Sophie Passmann hat ein Interview gegeben und die intersektionale Szene reagiert sehr kritisch. Insbesondere die folgenden Passagen scheinen auf Kritik zu stoßen:

Das Schlimmste am Internet sei, dass wir die Repräsentation einer Sache mehr schätzen als die Sache selbst, sagt Jia Tolentino.
Das ist eigentlich schon zu offensichtlich richtig. Es ist eine Binsenwahrheit wie: Sprache schafft Wirklichkeit. Natürlich. Im Internet geht es darum, dass man dabei gesehen wird, wie man als Person eine Sache repräsentiert. Was nur dazu führt, dass die bestehenden Strukturen weiter zementiert statt dekonstruiert werden. Plakatives Beispiel: Wenn Redaktionen im Namen des Antirassismus eine Schwarze Frau zum vermeintlichen Sprachrohr von rassistischen Erfahrungen in Deutschland machen, führt das dazu, dass wieder nur ein Standard reproduziert wird: Wer spricht am lautesten, am funkiesten in ein Interview-Mikrofon hinein? Ohne dabei irgendetwas gegen Rassismus getan zu haben. Ich habe mich deswegen vor zwei Jahren aus dem Politik-Scheiss komplett rausgezogen. Es bringt einfach nichts, ausser dass ich ordentlich Bücher verkaufe. Und das ist selbst mir zu unehrlich.

Hier im Blog würden wir da wohl nicht so viel kritisches sehen, eher zustimmen. Es ist eine Folge der Standpunkttheorien, nach denen eben nur eine betroffene Person etwas über Diskriminierung sagen kann. Und es passt auch gut zu dem Artikel neulich, in dem es darum ging, dass an Problemlösungen gar kein Interesse besteht, sondern man alles auf den großen Umsturz setzt.

In den intersektionalen Theorien ist es aber natürlich Ketzerei. Eine Schwarze reden lassen bringt nicht? Wer soll denn sonst den Rassismus darstellen?  Will sie etwa schwarzen Frauen keinen Raum geben? Und was meinst sie mit „Vermeintlichen Sprachrohr“? Natürlich ist eine schwarze Frau, die intersektionale Theorien vertritt und nach diesen handelt, das einzige legitime Sprachrohr dieser Gruppem!!!1
Und es werden keine Probleme gelöst? Irgendwer muss die Weißen ja über ihre Fehler belehren und das Thema in die Öffentlichkeit bringen.

Aber warum bringt das nichts? Einen abstrakten Missstand in einem Interview aufzuführen, der nur durch Gefühle und Erfahrungen belegt ist?

„Der nur durch Gefühle und Erfahrungen belegt ist“ ist natürlich auch Ketzerei. Man könnte fast meinen sie zweifelt da entsprechende Aussagen an!

Die einzelne Aussage mag nicht viel bewegen, aber vielleicht die daraus entstehende Debatte. Durch #MeToo beispielsweise hat sich einiges verändert…
… aber #MeToo ist doch auf einer ganz anderen Landkarte. Die Repräsentanz, auf die Jia Tolentino abzielt, meint, dass eine Einzelperson als Angehörige einer identitätspolitischen Gruppe etwas darstellt, für das sie ungefragt die ganze Identitätsgruppe in Mithaft nimmt, weil sie sagt: So sind wir. Das sind unsere Erfahrungen. Da ist meiner Meinung nach der Erkenntniswert gleich null. Der Erfolg von diesen Interview-Reihen und Büchern hat damit zu tun, dass Journalist:innen an irgendeinem Punkt entschieden haben, dass Erfahrungen gleichwertig sind mit Fakten. Der Hashtag #MeToo aber war eine aktivistische Aktion, die etwas angeprangert hat. Menschen, denen etwas passiert ist, sprachen darüber, was ihnen passiert ist. Die repräsentierten niemanden.

Der Anspruch auf Repräsentanz der Opfergruppen durch intersektionale Aktivisten aus dieser Opfergruppe ist natürlich eine heilige Kuh, an die keiner ran darf. Und Fakten wollen, das ist eh eine Unverschämtheit! Gefühle sind Fakten und mehr braucht es nicht!

Noch ein Satz etwas später:

Und wenn man erkennt, dass man bestimmte Dinge nur tut, weil sie im patriarchalen System von einem erwartet werden, soll man nicht versuchen, dieses Verhalten zu ändern?
Tut mir leid, aber jetzt sind wir knietief in Heidegger. Willkommen im Drittsemester Philosophie in Freiburg! Kein Mensch kann doch wissen, warum er gewisse Dinge möchte! Das können Männer doch auch nicht. Und wenn ich mir jetzt – wie zu Beginn meiner Karriere – weiterhin verbiete, eitel zu sein, und du das dann einen Systemdurchbruch nennst, ist das schlicht ein Kategoriefehler. Du setzt System und Systemumfeld gleich. Ich kann das System nicht durchbrechen, aber mein Umfeld, das kann ich verändern. Es ist doch albern, zu verleugnen, wer man ist. Dass man im Jetzt lebt, sowohl mit gewissen ästhetischen als auch popkulturellen Prägungen sowie einer Gender-Prägung. Ich bin der Mensch, der ich bin, mit den Erfahrungen, die ich gemacht habe, mit dem Alter und dem Elternhaus, das ich habe. Wenn ich vorlebe, dass ich bin, wie ich bin, und auf genau dieser Grundlage versuche, ein bisschen besser zu sein als die, die zeitlich vor mir waren, dann ist das die einzige Form von Empowerment, die wirklich funktionieren kann. Und genau das kann man sich bei mir abschauen und nachmachen.

Da leugnet sie ja quasi die Wirksamkeit des Patriarchats, scheint Männer zu entschuldigen und sieht so etwas wie …pfui… Eigenverantwortung des Einzelnen und ein Einstehen dafür, dass man ist, wer man ist, ohne die Verantwortung dafür an die Gesellschaft abzugeben.

Ich zitiere mal etwas von Twitter:

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RadFems vs intersektionale Feministen

Einige hier werden mitbekommen haben, dass an der Humbold Uni in Berlin ein Vortrag darüber gehalten werden sollte, dass es in der Biologie nur zwei Geschlechter gibt. Dieser wurde dann nach Protesten von intersektionalen Feministen abgesagt, was wieder zu Protesten führte, dazu auf heftigen Diskussionen auf Twitter.

Hier ein Bericht:

Viel Aufregung hatte es am Wochenende um die kurzfristige Absage eines Vortrags zum Thema Sex und Gender an der Berliner HU gegeben. Nun hat die Uni einen neuen Termin für die Veranstaltung angesetzt – allerdings in anderer Form.

Die Humboldt-Universität will einen abgesagten umstrittenen Vortrag nachholen. Der Sprecher der Universität, Boris Nitzsche, sagte dem rbb am Montag, der Vortrag solle nun am 14. Juli stattfinden. Ursprünglich war er als Teil der „Langen Nacht der Wissenschaften“ geplant.

Die Biologin und Doktorandin an der HU, Marie Vollbrecht, hatte den Vortrag mit dem Titel „Geschlecht ist nicht (Ge)schlecht, Sex, Gender und warum es in der Biologie zwei Geschlechter gibt“ halten wollen. Der „Arbeitskreis kritischer Jurist*innen an der Humboldt-Uni Berlin“ hatte im Vorfeld zu Protesten aufgerufen. In einer Mitteilung hieß es, die Biologin Marie-Luise Vollbrecht wolle in dem Vortrag queer- und genderfeindliche Thesen verbreiten.

Auch ein Gegenprotest war angemeldet worden. Daraufhin sagte die Uni den Vortrag am Samstag kurzfristig unter dem Hinweis auf Sicherheitsbedenken ab. Vollbrecht erklärte gegenüber dem rbb, es sei wissenschaftliches Grundwissen, dass es nur zwei biologische Geschlechter gebe. Biologische Tatsachen seien unabhängig von Genderfragen zu sehen.

Die Sprecherin der „kritischen Jurist*innen“ sagte dem rbb, die Biologin Vollbrecht wolle in diesem Vortrag eine These vermitteln, die in der Wissenschaft überholt sei und zudem Anfeindungen gegen transsexuelle Menschen einen seriösen Anstrich gebe. „Allerdings forscht sie gar nicht zu dem Thema und stellt eine Meinung als gegeben dar, die dem breiten wissenschaftlichen Konsens gerade widerspricht. Wir als kritische Jurist*innen haben dementsprechend Samstag auch für die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte eingestanden“, so die Sprecherin.

Vollbrecht selber sagte der rbb24 Abendschau am Sonntag, ihr gehe es in dem Vortrag nicht um Politik, sondern nur um Biologie. Die Biologin war kürzlich als Co-Autorin eines umstrittenen Kommentars in der „Welt“ [Bezahlinhalt] aufgefallen. Darin wurde dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk unter anderem wegen eines Erklärvideos der „Sendung mit der Maus“ zum Thema Transgender [wdrmaus.de] die Indoktrination von Kindern und eine ideologische Betrachtungsweise vorgeworfen. Ein Beitrag, der vom Springer-Vorstandsvorsitzenden Matthias Döpfner als „intolerant, herablassend und ressentimentgeladen, wissenschaftlich bestenfalls grob einseitig“ bezeichnet wurde.

Die Humboldt-Universität erklärte, der Vortrag werde im Rahmen einer Diskussionsrunde nachgeholt. Dabei solle danach gefragt werden, wie man mit solchen aufgeladenen Situationen und polarisierenden Fragestellungen umgehen könne. Einerseits müsse die freie Rede der Wissenschaftler gesichert werden, andererseits sei aber auch legitimer Protest wichtig.

Der Präsident des Deutschen Hochschulverbands, Bernhard Kempen, hatte die Absage zuvor scharf kritisiert. Die Universität habe der Wissenschaftsfreiheit einen Bärendienst erwiesen, sagte Kempen am Montag der Deutschen Presse-Agentur. „Sie hätte stattdessen Rückgrat beweisen sollen und alles daran setzen müssen, dass der Vortrag stattfinden kann“, so Kempen. Universitäten seien Stätten geistiger Auseinandersetzung, so Kempen. „Hier muss jede Wissenschaftlerin und jeder Wissenschaftler ihre und seine Forschungsergebnisse, Thesen und Ansichten ohne Angst zur Diskussion stellen können.

Soweit es die Biologie betrifft würde ich wenig überraschend Frau Vollbrecht zustimmen. Interessanterweise ist sie allerdings ansonsten eine RadFem, eine radikale Feministin. 

Zwischen diesen und den intersektionalen Feministen wird gerade ein erbitterter Kampf geführt. Die unterschiedlichen Ansichten lassen sich nach meiner Ansicht wie folgt zusammen fassen:

Radfems:

  • Es gibt Männer und Frauen, Frauen sind Opfer der Männer und Männer sind insbesondere im sexuelle Bereich eine Gefahr für Frauen. Es ist im wesentlichen ein klassischer sexfeindlicher Feminismus.
  • Weiblichkeit ist etwas gutes und beschützenswertes, eine positive Identität, die dort gerne gelebt wird, insbesondere in der „befreiten“ kämpferischen  feministischen Version
  • Das Patriarchat ist der Gegner, alle die irgendwie gegen ihre Ideen stehen sind deshalb Verräterinnen an das Patriarchat oder irgendwie das Patriarchat
  • Aus dem Gedanken heraus sind Transsexuelle, gerade solche, die in „weibliche Schutzräume eindringen wollen“ ein Angriff auf die weibliche Identität und ein Versuch des Patriarchats Frauen die Schutzräume zu nehmen und sie damit sexualisierter Gewalt auszusetzen
  • Lustigerweise werden in diesen Kreisen daher die Befürworter intersektionaler Theorien in Bezug auf Transsexuelle auch gerne als Männerrechtler bezeichnet, weil eben die Transsexuellen in dem Kontext als Männer wahrgenommen werden, die Frauen die Schutzräume nehmen wollen und damit Männerrechtle vertreten

intersekionale Feministin:

  • Es gibt nur Identitäten, keine festen Geschlechter. Eine Begrenzung auf zwei Geschlechter würde den anderen Identitäten ihren Wert und ihre Berechtigungen absprechen
  • Ein M->F Transsexueller ist kein Mann, sondern eine Frau. Demnach kann sie auch keine andere Gefahr darstellen als eine sonstige Frau. 
  • Wer Transfrauen nicht akzeptiert ist ein TERF und damit Satan

Also ein erheblicher Grabenkampf innerhalb des Feminismus. Und keine der beiden Seiten ist letztendlich eine Seite, der man den Sieg wünscht. 

„Warum liberale weiße Frauen viel Geld bezahlen, um beim Abendessen zu lernen, dass sie rassistisch sind“

Ein interessanter Artikel zu einem kostspieligen Event:

A growing number of women are paying to confront their privilege – and racism – at dinners that cost $2,500

Freshly made pasta is drying on the wooden bannisters lining the hall of a beautiful home in Denver, Colorado. Fox-hunting photos decorate the walls in a room full of books. A fire is burning. And downstairs, a group of liberal white women have gathered around a long wooden table to admit how racist they are.

“Recently, I have been driving around, seeing a black person, and having an assumption that they are up to no good,” says Alison Gubser. “Immediately after I am like, that’s no good! This is a human, just doing their thing. Why do I think that?”

This is Race to Dinner. A white woman volunteers to host a dinner in her home for seven other white women – often strangers, perhaps acquaintances. (Each dinner costs $2,500, which can be covered by a generous host or divided among guests.)

Das wären also Kosten von 2500 : 8= 312,50 € pro Person, wenn man es aufteilt.

A frank discussion is led by co-founders Regina Jackson, who is black, and Saira Rao, who identifies as Indian American.

Das ist ja eine interessante Unterscheidung. Die eine ist schwarz, die andere „identifiziert sich als Indisch-amerikanisch“.  Saira Rao ist eine typische intersektionale Feministin, die auf Twitter so radikal auftritt, dass man meint, sie ist ein Satireaccount. Aber sie ist echt.

They started Race to Dinner to challenge liberal white women to accept their racism, however subconscious. “If you did this in a conference room, they’d leave,” Rao says. “But wealthy white women have been taught never to leave the dinner table.”

Rao and Jackson believe white, liberal women are the most receptive audience because they are open to changing their behavior. They don’t bother with the 53% of white women who voted for Trump. White men, they feel, are similarly a lost cause. “White men are never going to change anything. If they were, they would have done it by now,” Jackson says.

Dinner guests listen to Regina Jackson.

White women, on the other hand, are uniquely placed to challenge racism because of their proximity to power and wealth, Jackson says. “If they don’t hold these positions themselves, the white men in power are often their family, friends and partners.”

Sie haben es wahrscheinlich auch gestartet, weil es nach einer guten Möglichkeit klingt Geld zu verdienen. Wenn man sagen wir 500 € für Essen etc abzieht, dann bleiben immer noch 1.000 € für jede.

Aber in der ideologischen Begründung klingt es eben besser. Lustigerweise wird es so sein, dass viele der Frauen zum Bezahlen das Geld des Mannes verwenden.

It seems unlikely anyone would voluntarily go to a dinner party in which they’d be asked, one by one, “What was a racist thing you did recently?” by two women of color, before appetizers are served. But Jackson and Rao have hardly been able to take a break since they started these dinners in the spring of 2019. So far, 15 dinners have been held in big cities across the US.

Da wird die Frage angesprochen, was das für die die Frauen bringt. Der Artikel „Luxury Beliefs are Status Symbols“, den ich auch gern noch mal im Ganzen besprechen möchte, wenn ich dazu komme, stellt es ganz gut dar:

The chief purpose of luxury beliefs is to indicate evidence of the believer’s social class and education.

Members of the luxury belief class promote these ideas because it advances their social standing and because they know that the adoption of these policies or beliefs will cost them less than others.

Advocating for defunding the police or promoting the belief we are not responsible for our actions are good ways of advertising membership of the elite.

Why are affluent people more susceptible to luxury beliefs? They can afford it. And they care the most about status.

Jeder kann zu irgendeinem Talk gehen oder ein Buch über die Schlechtigkeit Weißer lesen. Aber damit seine Freundinnen zu einem 2.500 € Essen einzuladen, damit sie ihre Schuld als Weiße darstellen, kann man deutlich machen, dass man ein Mitglied der Oberschicht ist und deren Luxusmeinungen anhängt. Dazu noch ein paar Stunden darüber reden, was man alles an kleineren Rassismen gemacht hat, dann wieder wie nach einem Beichtgebet die Vergebung der Sünden erfahren, dass muss man sich eben leisten können.

 

The women who sign up for these dinners are not who most would see as racist. They are well-read and well-meaning. They are mostly Democrats. Some have adopted black children, many have partners who are people of color, some have been doing work towards inclusivity and diversity for decades. But they acknowledge they also have unchecked biases. They are there because they “know [they] are part of the problem, and want to be part of the solution,” as host Jess Campbell-Swanson says before dinner starts.

Denn einer Bewegung beizutreten, die die Gruppe angreift, der man selbst angehört, in dem Wissen, dass dieser Angriff für einen selbst ungefährlich ist, dass ist ein „Costly Signal“. Man muss es sich leisten können.

Campbell-Swanson comes across as an overly keen college student applying for a prestigious internship. She can go on for days about her work as a political consultant, but when it comes to talking about racism, she chokes.

“I want to hire people of color. Not because I want to be … a white savior. I have explored my need for validation … I’m working through that … Yeah. Um … I’m struggling,” she stutters, before finally giving up.

Also letzendlich die Entschuldigung, dass sie es nicht einfach so will, sondern nur um Virtue Signalling zu betreiben, bei einem 2500 Dollar essen, bei dem sie Virtue Signalling Punkte sammelt, indem sie darstellt, dass sie es noch nicht ganz raus hat, wirklich Leuten zu helfen, sondern virtue Signalling Punkte zu sammeln.

Across from Campbell-Swanson, Morgan Richards admits she recently did nothing when someone patronizingly commended her for adopting her two black children, as though she had saved them. “What I went through to be a mother, I didn’t care if they were black,” she says, opening a window for Rao to challenge her: “So, you admit it is stooping low to adopt a black child?” And Richards accepts that the undertone of her statement is racist.

Klingt nach einem netten Catch21. Hätte lieber sie weiße Kinder als schwarze Kinder adoptiert wäre sie natürlich ein Rassist gewesen. Dass sie schwarze Kinder adoptiert hat, sie aber auch rassistisch, denn so kann sie in dem Gefühl baden, dass sie schwarze Kinder gerettet hat.

As more confessions like this are revealed, Rao and Jackson seem to press those they think can take it, while empathizing with those who can’t. “Well done for recognizing that,” Jackson says, to soothe one woman. “We are all part of the problem. We have to get comfortable with that to become part of the solution.”

Carbonara is heaped on to plates, and a sense of self-righteousness seems to wash over the eight white women. They’ve shown up, admitted their wrongdoing and are willing to change. Don’t they deserve a little pat on the back?

Natürlich nicht. Nicht an einem solchen Essen teilzunehmen, kein Untaten einzugestehen und keinen Willen zum Wechseln zu haben ist rassistisch. Aber all dies zu tun ist natürlich auch rassistisch, weil man meint, dass man etwas gutes getan hat, aber immer noch ein Rassist ist.

A copy of the book White Fragility. The participants are required to read it before attending the dinner.
A copy of the book White Fragility. The participants are required to read it before attending the dinner. Photograph: Rebecca Stumpf/The Guardian

Das Bringt einen wenigstens gleich in die richtige Stimmung und man muss die Basics nicht mehr erklären.

Erika Righter raises her tattooed forearm to her face, in despair of all of the racism she’s witnessed as a social worker, then laments how a white friend always ends phone calls with “Love you long time”.

“And what is your racism, Erika?” Rao interrupts, refusing to let her off the hook. The mood becomes tense. Another woman adds: “I don’t know you, Erika. But you strike me as being really in your head.Everything I’m hearing is from the neck up.”

Righter, a single mother, retreats before defending herself: “I haven’t read all the books. I’m new to this.”

Oh, sie kennt die „Luxus Überzeugungen“ nicht. Sie beschuldigt andere, nicht sich selbst. Ein Fauxpax. Es geht darum eigene Schuld zu erkennen, weil man es sich leisten kann und es letztendlich für einen keine Konsequenzen hat. Am besten eine kleine Schuld, zu groß wäre auch nicht gut. Um so kleiner sie ist, um so eher kann man Punkte dafür bekommen, dass man senibel genug ist sie wahrzunehmen. „Ich bin ein Sünder, mea culpa, mea Culpa mea maxima Culpa *klatsch*“ ist ja ein durchaus ein altes Konzept. Aber auch die Mönche hatten ja nicht tatsächlich ein sündiges Leben geführt.

“The American flag makes me sick,” read a recent tweet of hers. Another: “White folks – before telling me that your Indian husband or wife or friend or colleague doesn’t agree with anything I say about racism or thinks I’m crazy, please Google ‘token,’ ‘internalized oppression’ and ‘gaslighting’.”

She wasn’t always this confrontational, she says. Her “awakening” began recently.

After Rao’s mother died unexpectedly a few years ago, she moved to Denver from New York to be around her best friends – a group of mostly white women from college. She wasn’t new to being the only person of color, but she was surprised to notice how they would distance themselves whenever she’d talk frankly about race.

Then, fuelled by anger at Trump’s election after she’d campaigned tirelessly for Hillary Clinton, Rao ran for Congress in 2018 against a Democratic incumbent on ananti-racist manifesto,and criticized the “pink-pussy-hat-wearing” women of the Democratic party. It was during this campaign Rao met Jackson, who works in real estate. Jackson recalls her initial impressions of Rao as “honest, and willing to call a thing a thing”.

Sie hat sich benommen wie die Axt im Walde, allen Rassismus vorgehalten und sich dann gewundert, wenn ein Echo zurückkommt. Hier mal ein Tweet von ihr:

 

 

 

It’s that brashness that led to Race for Dinner. Rao is done with affability. “I’d spent years trying to get through to white women with coffees and teas – massaging them, dealing with their tears, and I got nowhere. I thought, if nothing is going to work, let’s try to shake them awake.”

The genesis of Race to Dinner wasn’t straightforward. Months after a dinner discussion about race with a white friend of Jackson’s went south, Rao bumped into that friend, who had started reading Reni Eddo-Lodge’s Why I’m No Longer Talking to White People About Race.

“She told me that the dinner had changed everything for her, and asked if we could do another,” says Rao. The friend invited other guests, Rao reluctantly agreed, then hated that second dinner, too. But then white women began flooding her inbox asking her to do it again.

In the beginning, Rao’s dinner-party tone was much more argumentative. But it left her looking less like a human and more like some kind of real-life trolling bot. Women at the dinners were always crying. Some of those dinners got out of hand – attendees have tried to place their hands on Jackson and Rao, and racial slurs have been thrown around.

Es hat sich also erst nach und nach herausgestellt, wie sie die Dinger kommerziell am besten vermarktet. Sie hat erst nicht verstanden, dass man für seine Luxury Beliefs nicht wirklich zum Weinen gebracht werden will, nicht wirklich Schuldig sein will oder sich schlecht fühlen will. Man will nur signalisieren, dass man sich diese Ideologie leisten kann und sich besser fühlen, weil man sich von Schuld befreit hat.

“My blood pressure went up. I’d work myself up into a frenzy at every dinner. I realized [that] if I walk away feeling I am going to have a stroke, we should try a different tactic,” Rao says.

Susan Brown attended one of those earlier dinners. She says she felt like Rao and Jackson were angry at her the whole time, without ever learning why. She found Rao needlessly provocative and mean-spirited, unaware of her own class privilege, and divisive. She felt the dinner set her up to fail.

Another previous attendee, who did not want to be named, says she found Rao to be dogmatic, and presented a distorted depiction of history, leaving out facts that do not fit her narrative. At one point, she referred to Rao as “the Trump of the alt-left”.

Zu radikal ist eben das Problem. Sie glaubt ihre radikalen Theorien wirklich und hat noch nicht verstanden, dass es darum gar nicht geht. Sie verkauft Klassenzugehörigkeit und denkt, dass die Leute sich ändern wollen.

But even for those who complained, something has changed. Brown read White Fragility – a book released last year that posits every person partakes to some degree in racism and needs to confront that – and realized many of the things she was commending herself for needed to be re-evaluated. The book is now assigned reading for women before they can attend a dinner.

The woman who compared Rao to Trump went to a city council meeting to speak up about the death of a young black man in her area. She attributes that specifically to Jackson’s call for solidarity.

Erika Righter and host, Jessica Campbell-Swanson debrief at the end of the night. Photograph: Rebecca Stumpf/The Guardian

In recent months, Jackson and Rao changed the model. They didn’t want to just have women rely on them to shout at them for being racist and then go home.

“We began to expect more of them,” says Rao. That meant asking the women to speak up. To own their racism. It meant getting them to do the required reading, as well as follow-up discussions, where they decide how to do better anti-racist work.

Also eben mehr ein Wohlfühlelement statt Angriffe und Vorwürde.

In the conversation that followed the dinner, Campbell-Swanson, who couldn’t get her racist thoughts out, committed to writing a journal, jotting down daily decisions or thoughts that could be considered racist, and think about how to approach them differently.

Lisa Bond, who was hired because Rao and Jackson thought there would be instances when participants would feel more comfortable expressing their feelings to another white woman, says this will help her see how unmonitored thoughts can lead to systemic racism. “If our ability to spot these things increases, our ability to challenge it will increase,” says Bond.

„wie unkontrollierte Gedanken zu systemischem Rassismus führen können“. Big Brother is watching you.

Bond says about 65% of participants engage meaningfully in post-dinner conversations with her. But weren’t these women already doing the work? Don’t they want to speak to those women who have no intention of challenging themselves?

“There are so many people worse than us,” says Bond. “I have gotten to the point where I no longer try to pay attention to what someone else is doing. I don’t talk about the 53% [who voted for Trump] because I’m not one of them.”

Ah, die anderen sind Schlechter, ein Teil der Absolution ist schon da.

What is in her power, she says, is forcing herself to talk to her sister, who did vote for Trump, even when it gets difficult. She emphasizes this work has to continue, no matter who is president.

“If Trump were impeached tomorrow and we got a new president, a lot of white liberal people will go back to living their lives just as before, and that’s what we have to prevent,” she says. “All that’s happened is we can see racism now, while before we could cover it up.That’s why we need these dinners. So when we get a new person in and racism is not as obvious, we won’t just crawl back to being comfortable.”

Wir brauchen diese Dinner, damit wir bei einer neuen Person – nicht bei uns, wir sind ja gut – erkennen, was rassistisch ist, damit er uns nicht ansteckt bzw nicht einfach denkt, dass er vom gleichen Stand ist. Wir als Antirassisten sind durch unsere Einsichten weiter aufgestiegen.
Luxus Überzeugungen zum Statusgewinn eben.

„Woher nehmen sich die angeblich Unterdrückten und Marginalisierten eigentlich das Recht, allen anderen Vorschriften zu machen? Normalerweise steht dieses Recht nur den Privilegierten zu.“

Adrian schreibt auf Twitter:

Also die Frage nochmal:

Woher nehmen sich die angeblich Unterdrückten und Marginalisierten eigentlich das Recht, allen anderen Vorschriften zu machen? Normalerweise steht dieses Recht nur den Privilegierten zu.

Die intersektionale Antwort wäre vermutlich:

Wir haben das Recht Änderungen zu fordern, weil wir für Gerechtigkeit sind und eine bessere Welt. Nur mit unseren Änderungen wird die Welt für alle besser, das Patriarchat etc schadet eben auch Männern etc.  Erst wenn die ungerechten Privilegien beseitigt worden sind wird die Welt gut. Das unsere Vorschläge gerecht sind und die Welt besser machen ist im übrigen nicht verhandelbar und wer es bestreitet ist ein Rassist/Sexist/sonstwasist

Ich nehme aber an, dass Adrian vielleicht eher darauf hinaus will, dass es mit einer Position der Unterdrückung gerade nicht zu vereinbaren ist, dass die intersektionalen Theorien so stark auftreten und in der Gesellschaft so viel Einfluss haben.

Das ist aus meiner Sicht gerade deswegen interessant, weil die Möglichkeit zu diskriminieren zB in den „Prejudice and Power“ Theorien an Macht festgemacht wird. Die Linke an sich sah sich schon immer gerne als Underdog, der für die Schwachen und Rechtlosen kämpft. Das ist immer dann problematisch, wenn man durch eine gewonnene Wahl in die Regierung kommt und dann plötzlich derjenige ist, der die Macht hat.

Das hat Beispielsweise bei der Schröder-Regierung zur Abspaltung der Linken geführt und auch bei den Grünen Grabenkämpfe zwischen Fundis und Realos ausgelöst. Neulich hat „Friday for Future“ der Regierung bestehend aus der SPD, den Grünen und der FDP mitgeteilt, dass nicht etwa Grüne Politiker auf der Demo mitlaufen sollten, sondern vielmehr diejenigen seien, gegen die sich die Proteste richten, weil sie eben jetzt an der Regierung sind und entscheiden können.

Der Wechsel in die Macht bringt daher einiges an Problemen mit sich, weil man plötzlich nicht mehr wilde Forderungen aufstellen kann, sondern tatsächlich Farbe bekennen muss was umsetzbar ist oder nicht.

Man könnte beispielsweise in den USA argumentieren, dass mit einem linken Präsidenten wie Biden und großen Unternehmen wie Google, Apple, Netflix und Disney auf ihrer Seite die intersektionalen Theorien Macht haben und könnte damit dann auch rechtfertigen, dass dann auch Leute diskriminiert werden können, die eine Hautfarbe haben, die innerhalb dieser Theorien als Zeichen für „Schlecht“ angesehen wird (also weiße).

Dagegen würde man wohl anführen, dass das keine Macht ist und relevant nur ist, ob eine bestimmte Gruppe Macht hat, die nach intersektionalen Theorien zu bestimmen ist, also etwa Schwarze und Transpersonen. Die wären aber nach wie vor nicht in der notwendigen Anzahl in Machtpositionen, da wären eben weiße alte Männer.

Der Einwand, dass weiße Personen, die intersektionalen Theorien anhängen, dann aber dennoch einen Machtfaktor darstellen können (zusammen mit den Anhängern, die nicht privilegiert sind nach diesen Theorien) und es nicht auf die Gruppe der Unterdrückten ankommt, würde dort vermutlich nicht akzeptiert werden. Weiße sollen Rassismus gegen Weiße ermöglichen? Das passt nicht in den Kampf der Hautfarben, der dort aufgebaut wird.

 

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