Toronto, Incels und die unfreiwillige Enthaltsamkeit

In Toronto hat ein Fahrer einen Wagen in eine Menge gelenkt und er soll wohl hauptsächlich von einem Hass auf Frauen getrieben worden sein. Der Spiegel schreibt:

Ein unbändiger Hass auf Frauen: Ersten Hinweisen der Polizei zufolge hat dieses Motiv den mutmaßlichen Attentäter von Toronto zu seiner Amokfahrt getrieben. Nun sind zehn Menschen tot, Angaben eines Polizisten zufolge sind es „überwiegend“ Frauen – und ein Schlaglicht fällt auf eine zutiefst frauenfeindliche, von Gewaltfantasien beherrschte Nische des Internets, die immer schwerer zu ignorieren ist.

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Genährt worden sein könnte der Frauenhass des 25-jährigen Alek M. wohl durch Misogynie – die Frauenfeindlichkeit – in einschlägigen Internetforen, beispielsweise auf Reddit. Auf der Onlineplattform tauschen sich Nutzer in vielen Unterforen, sogenannten Subreddits, über alle erdenklichen Themen in langen Kommentarspalten aus. Einige Mitglieder der Plattform kultivieren dort seit mehreren Jahren eine von Verachtung für Frauen geprägte Haltung.

Wenn er tatsächlich Frauen umbringen wollte, weil er sich abgelehnt fühlte und einen Frauenhass entwickelt hat, dann  ist er wirklich ein Idiot, der sich in eine fürchterliche Ideologie hineingesteigert hat. Er wäre auch ein gutes Beispiel dafür, was eine Gruppenbildung und die einseitige Verteufelung einer als Feind wahrgenommenen Gruppe, letztendlich also eine Identitätspolitik alles bewirken kann.

Man entmenschlicht die andere Gruppe und macht sie alleine für alles verantwortlich.

Im Spiegelartikel heißt es weiter:

„Incel“ ist die Abkürzung für den englischen Ausdruck „involuntary celibacy“, auf Deutsch bedeutet das „unfreiwillige Enthaltsamkeit“. Heute dient der Begriff einer Gruppe von Männern, die Frauen verachten, als Definition ihres Daseins und wird von ihnen als identitätsstiftender Kampfbegriff im Internet verwendet.

Unfreiwillige Enthaltsamkeit, also Männer, die bei Frauen nicht ankamen und von ihnen abgelehnt worden sind und wahrscheinlich in vielen Fällen den Grund nicht verstanden. Und bei denen das Ganze dann teilweise in Hass umgeschlagen ist.

In dem Bereich der „abgelehnten Männer“ im weiteren Sinne gibt es ein breites Feld an Bewegungen. Etwa könnte man zum Teil MGTOWs hier einordnen, da viele dort eben auch ihren Platz finden, die keinen Erfolg bei Frauen haben, wenn auch andere Teile der Bewegung schlicht das Risiko zu groß finden oder sich aus anderen Gründen dagegen entschieden haben, sich auf Frauen einzulassen. Andere wären die männlichen „Absoluten Beginner“, also Männer, die gerne etwas mit Frauen hätten, aber das „erste Mal“ trotz entsprechender Bemühungen nicht erreichen.

Auch Elliot Rodger, einen anderen Amokläufer, der insbesondere Frauen bestrafen wollte, wird man da irgendwie zuordnen können, vielleicht als „Incel“, was bei ihm Überschneidungen zur „Anti-Pickup-Szene“ hatte.

Im Spiegelartikel heißt es weiter:

Von den vielen Frauenhassern, denen man online begegnen kann, zählen die Incels mit zu den schlimmsten. Das beschreibt auch die Autorin und Wissenschaftlerin Angela Nagle in ihrem Buch über Online-Subkulturen „Kill all Normies“. Der Titel ihres Buchs ist an Incel-Sprech angelehnt, „Normies“ ist eine ihrer abfälligen Bezeichnung für andere Menschen.

„Schlampen (alle Frauen) können keine Incels sein.“

Wer verstehen will, woher die Incel-Bewegung kommt, muss einige Jahre zurückgehen und tief in die Nischen des Internets blicken, etwa auf Unterforen von Reddit oder der Seite 4chan. Während das notorische Subreddit r/Incels mittlerweile von der Plattform verbannt wurde, gibt es etliche Nachahmer-Unterforen.

So wird die Amokfahrt von Toronto etwa auf /r/Braincels diskutiert, in einem Beitrag heißt es: „Schlampen (alle Frauen) können keine Incels sein.“

Natürlich wird auch dies direkt wieder an vielen Stellen in die klassischen feministischen Theorien eingeordnet, etwa die „Toxische Männlichkeit“:

Das ist eben eine sehr eindimensionale Betrachtung, denn die meisten Männern fahren keine Frauen um. Und natürlich reagieren auch Frauen auf Ablehnung. Der Kampf dagegen stehlt ein wesentliches Element für viele Feministen da.

Ich habe nichts dagegen, wenn sie die Gruppe der „Incels“ oder deren radikaleren Flügel, wenn es da auch gemäßigte gibt, angreift. Ich kann mir gut vorstellen, dass es da einige Foren etc gibt, die vor Frauenhass triefen.

Mein Gefühl sagt mir, dass sie aber als Gruppe hier eher „Männer“ ansieht.

Ich hätte kein Problem damit extreme Flügel von Männern zu verurteilen. Wenn ich sie auch keineswegs mit jemanden vergleichen möchte, der Frauen überfährt, dann habe ich beispielsweise Kritik an dem Gelben Forum geäußert.

Dennoch kann man sich natürlich davon distanzieren und darstellen, dass man ja auch ganz andere Theorien vertritt, die damit nichts zu tun haben. Leider wird da schnell  alles in einen Topf geworfen

Meiner Meinung nach ist der Hass dort schlicht aus der Frustation der Ablehnung und des eigenen Versagens geboren. Das hat wenig mit Männlichkeit zu tun, auch Frauen kennen diesen Frust sehr gut. Bei Männern mag er eher zu einem Handeln über Gewalt führen, aber Männer handeln allgemein eher direkt als Frauen. Das hat den Vorteil, dass sie sich in anderen Bereichen vielleicht eher in einen Wettbewerb stürzen und tolle Produkte erfinden oder unternehmen aufbauen und leider auch eher solche Aktionen durchführen, um sich zu beweisen.

Was aber bringt es nun, wenn man einem solchen Menschen, der sich beständig abgelehnt fühlt, den Frauen nicht wahrnehmen, egal, wie er sich angestrengt hat, vorhält, dass er toxische Männlichkeit lebt und seinen Privilegien entsagen soll? Oder wenn er ansonsten mit Theorien konfrontiert, die angeben, dass Männer alle Unterdrücken, die Bösen sind, es ihnen überall besser geht und sie davon eben lassen sollen?

Man richtet einen gefallenen Menschen nicht auf indem man ihm sagt, dass seine Gruppe schlecht ist und er ebenso. Der Feminismus hat keine positive Botschaft für Männer wie ihn.

Und meine Vermutung ist: Die gleichen Männern haben auch einen Hass auf die Männer, die besser bei Frauen ankommen. Die Coolen, die Gutaussehenden, die Alphamänner, die ebenso auf sie herabsehen. Sie sind häufig bereits eher „Beta“ und es frustriert sie gerade, dass sie damit nicht bei Frauen ankommen, während es die Alphamänner schaffen. Sie sehen sich als Underdogs, die es gerade verdient hätten, statt der anderen. Und sie werfen den Frauen vor, auf toxische Männlichkeit zu stehen und nicht auf Leute wie sie. „Seid nicht so männlich und gebt eure Privilegien ab“ muss ihnen dann wie Hohn vorkommen, wenn sie das Gefühl haben, dass die meisten Frauen sie verachten und für minderwertig oder jedenfalls nicht gut genug halten.

Weitaus eher würde jemand wie Jordan Peterson vielleicht etwas erreichen können, indem er eine Botschaft der eigenen Verbesserung bringt: Fange an, dein Leben in Ordnung zu bringen, suche die Schuld nicht bei anderen, räume dein Zimmer auf.

 

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Was ist für Frauen an Männern attraktiv, aber gleichzeitig aus Sicht von modernen Feministen nicht eine „problematische“ Eigenschaft

Ein Tweet den ich interessant finde:

Wenn man die Theorien zugrundelegt, dass vieles, was Frauen attraktiv finden, auch Teil der intrasexuellen Konkurrenz ist und diese im modernen (intersektionalen) Feminismus gerne als „toxische Männlichkeit“ dargestellt werden, dann dürfte es nicht sehr viel geben, was gleichzeitig attraktiv und unproblematisch ist.

Eigenschaften wie:

  • Stark
  • selbstbewußt
  • gutes Einkommen
  • Status
  • groß
  • etc

werden im Feminismus durchaus schnell mit „Problematisch“ versehen werden, gerade in Bezug auf Eigenschaften, die als wichtig in einer Beziehung gelten. Eigentlich alles, was man unter „Männlichkeit“ laufen lassen könnte

Allenfalls gewisse Eigenschaften aus dem Bereich „Komfort“, wie etwa „guter Zuhörer“ wären vielleicht unproblematischer.

Es ist zu vermuten, dass die meisten Eigenschaften, die eine Frau bei der Beschreibung eines „sexy Mannes“ benutzen würde höchst problematisch wären – der Latin Lover gilt zwar als Sexsymbol, wäre aber ansonsten eher eine Verkörperung toxischer Männlichkeit.

Im umgekehrten Fall würden Eigenschaften, wie sie der perfekte feministische Ally hätte – geradezu devot, redet Frauen nicht rein, stellt sein Licht zugunsten von Frauen unter den Scheffel und akzeptiert, dass er schuldig und privilegiert ist – wohl für viele Frauen eher für einen vergleichsweise unattraktiven Mann stehen.

Komplexere Betrachtungen von Männlichkeit vs Feindbilder

Ein interessanter Artikel befasst sich mit Männlichkeit anlässlich eines Berichtes, bei dem eine Kindergärtnerin nur noch Mädchen mit Legos spielen ließ, weil sie meinte, dass Jungs sonst Vorteile hätten.

Dabei wird interessantes zu Männlichkeit dargestellt:

In fact, as a construct in Western societies, ‘masculinity’ is simply a way to understand and talk about specific traits that are typically ‘hegemonic’ (ie: dominant) in males but not in females. Classically, these traits include toughness, violence, aggression, endurance, bravery, and the suppression of emotions like fear and grief. As a natural extension of biological sex, this kind of hegemonic masculinity is mostly clearly observable in the different ways male and female children play and interact. Clearly, traits normally hegemonic in boys can be found in both sexes; not all girls play with dolls, and not all boys play with guns. But the distribution of these traits on average would lead us to expect that a lot more boys than girls will be interested in guns than dolls.

Härte, Gewalt, Aggressivität, Durchhaltevermögen, Tapferkeit, die Unterdrückung von Emotionen wie Angst und Trauer, das alles wäre als Formulierung für viele Feministinnen wahrscheinlich schon zu positiv oder sie müssten eben darauf verweisen, dass Männer so erzogen werden, was die positiven Seiten angeht und Frauen das quasi vorenthalten wird.

An archaic and inflexibly bio-determinist understanding of what it means to be a ‘man’ or a ‘woman’ is both unscientific and damaging to those individuals who do not fit the standard model of their defined biological sex. It also makes little sense from a mental health perspective to insist upon a rigid and narrowly defined understanding of either gender. For example, we know that men actively negotiate their masculinity in more complex ways than the behavioural traits outlined above suggest. Men have been found to promote masculine traits like athleticism at the expense of other masculine social behaviours like alcohol consumption. Research also suggests1 that ‘metrosexual’ men can be understood as those engaging in a sophisticated dynamic of traditionally masculine characteristics, such as earning power, paired with traditionally more feminine concerns over appearance.

Männlichkeit und Weiblichkeit treffen immer nur im Schnitt zu und setzen sich aus vielen Faktoren zusammen, die man auch verschieden darstellen kann. Das gleich als Ende der Geschlechter darzustellen heißt schlicht, dass man die Rollen zu eng sieht:

During my PhD, I studied soldiers specifically trained to kill people. However, I found that the masculinity displayed by these professional warriors to be more complex than expected. On the one hand, these men seem to possess the attributes of a hyper-masculine male: toughness, aggression, dominance, and suppression of fear. On the other, they accept the realities of being a soldier, which require the individual to be subservient, obedient, and almost totally dependent, which are traditionally not masculine traits. This is to say nothing of the well documented and complex displays of platonic love among soldiers in war, who one minute may be charging a gun nest to protect one another, and the next may be sharing intimate and detailed stories of loss, regret, and fear.

Das finde ich ein schönes Beispiel, weil er eben bestimmte Faktoren zusammen bringt, die nicht in die poststrukturalistische Theorie passen und sich mit den dortigen Ansichten zu Männlichkeit widersprechen.

Weiter heißt es:

Masculinity is complex, and understanding it requires sophisticated discussions that shed light on those components of masculinity that are harmful and those that are benign or beneficial. Theories of ‘toxic masculinity’ operate on the assumption that, as the dominant sex, men have been socialized to take what is theirs by force. Social cues and cultural norms supposedly give men permission to commit violence and sexual assault, and ‘toxic masculinity’ is used to explain a variety of phenomena, from domestic abuse to aggressive imperialism and the pillaging of weak nations. Increasingly, the term is also used to describe a more symbolic kind of violence and aggression used to suppress or silence anyone who is not the ‘dominant voice’ in society.

Es wird eben ein Bild gemalt, welches eine bestimmte Funktion erfüllt, eben ein Feindbild, jemand, den man verantwortlich machen kann. Es besteht kein Interesse daran, dass tatsächlich „Männlichkeit“ in all ihren Facetten erkannt wird, das Bild im Dienste der Propaganda ist weitaus wichtiger.

An additional cost to pathologizing masculinity itself – instead of attempting to mitigate the damage wrought by its ‘hyper-masculine’ excesses – is that we stigmatize anything understood to be remotely masculine. Competition, rough and tumble play, and traits such as stoicism all become objects of suspicion. Of course, some boys are hyper-masculine, or pathologically masculine. These individuals will bully, establish dominance by hurting the vulnerable, and display other antisocial behaviors that do not benefit modern societies committed to the rule of law. But when dealing with these behaviors, Sommers suggests, we have to remember that most boys display healthy masculinity. Enjoyment of physical sports and competition does not indicate that all other related behaviors are built for destruction and domination. On the contrary, these traits also can serve to build, protect, and defend. The soldiers I studied, for instance, displayed a desire to protect, to be part of a group that allowed to them to ‘test themselves,’ to uphold values, but also to fall in line, to do as they were told, and to follow the rules. The typical British Special Forces soldier, for example, is well disciplined, has a strict codes of ethics and conduct to which they strive to adhere. These men are not, for the most part, feral savages who do as they please.

In der Tat hat Männlichkeit viele sehr schöne Seiten, die teilweise eben in einer Verbindung mit negativeren Seiten stehen. Männer mögen weniger emotional sein in einigen Bereichen, dafür arbeiten sie eher an einer Lösung für das Problem etc.

 

Ein Vollzeitvater und seine Erfahrungen

Im Focus berichtet ein Vater von seinem Versuch Hausmann zu sein, während seine Frau das Geld verdient:

Er schildert beispielsweise das, was auch viele Frauen beklagen: Die Selbstverständlichkeit mit der bestimmte Leistungen entgegengenommen werden:

Am Anfang war alles ein Spiel: aufstehen, alle aufwecken, den Morgenbrei kochen, die Tochter für die Schule „parat machen“, mit dem Sohn ein wenig schwatzen, während ich den ersten Kaffee trank. Anschließend folgten all die täglichen Arbeiten eines Hausmannes wie Ordnung machen, Wäsche waschen, Staubsaugen, Schrubben, Kochen, Helfen bei den Hausaufgaben, Geschichten erzählen und Spielen mit den Kindern. Einfach „da sein“. Selbst wenn die Kinder die Läuse haben…

Aber bald wurde mir klar: Die Auswirkung meines Planens und Handelns ließen sich nicht beweisen. Du kannst noch so gut kochen, das Essen wird mit einer gewissen alltäglichen Selbstverständlichkeit hinuntergeschlungen. Du kannst noch so penibel aufräumen und putzen, eine Viertelstunde später ist wieder alles dreckig oder durcheinander. Du kannst dich noch so gut um jedes einzelne Familienmitglied kümmern, allmählich wirst du zum Faktotum, das niemand mehr wahrnimmt.

Und niemand sagt dir wirklich „Danke“ – von Herzen, meine ich. Was du erhältst, ist ein alltägliches Danke, ein hingeworfenes Unterpfand für deine pflichtschuldig geleisteten Dienste. Ich verstand auf einmal die alltägliche und stets präsente Müdigkeit meiner Mutter, die ihr ganzes Leben lang als Hausfrau gearbeitet hatte.

Das ist sicherlich etwas, was man häufiger hört. (Wobei es im Büro ja häufig nicht anders ist, auch da wird schlicht erwartet, dass man seinen Job macht, aber man geht in der Familie eben noch anders miteinander um).

Der nächste Absatz ist hoch interessant:

Ich wusste, ich war privilegiert: Meine Frau finanzierte alles, ohne sie hätte ich dies gar nicht unternehmen können. Ich war privilegiert, weil meine Frau sich auf dieses „Experiment“ – wie sie es bezeichnete – eingelassen hatte. Und sie war privilegiert, weil sie sich ganz auf ihre Arbeit konzentrieren konnte und umsorgt wurde, so gut ein Mann „umsorgen“ kann.

Was meinen Traum vom Hausmann-Dasein beflügelt hatte, war die Aussicht, mehr Freiheit zu haben. Für mich hieß das, an meinen Gedichten schreiben zu können. Und ich erhielt diese Freiheit zur Genüge.

Ein Mann sieht etwas als Privileg, was häufig gleichzeitig als Unterdrückung der Frau gesehen wird und viele würden ihm da wohl durchaus zustimmen, wenn er es als Mann sagt.

Er berichtet aber auch von kritischen Reaktionen:

Auf den Spielplätzen allerdings traf ich auf die Mütter: eine andere Art Mensch. Sie blickten mich argwöhnisch und kritisch an. Ich verhielt mich meinem Kind gegenüber anders als sie: Mein Sohn durfte mehr (dreckeln), wurde selten zurechtgewiesen (allerdings sofort, wenn es um den Besitz anderer Kinder ging), wurde mit Ironie und Witzen getröstet, wenn er sich wieder mal das Knie geschürft hatte. Einmal schimpfte mich eine Mutter regelrecht aus, weil ich meinen Sohn eine Minute länger als in der Schweiz üblich (oder so) sich im Dreck wälzen ließ, weil er eine fünfte Reiswaffel mit Schoggiguss nicht erhalten hatte. „Was für ein herzloser Mensch sind Sie denn?“

Ich könnte Tausende solche Geschichten der Verwunderung und Befremdung erzählen. Von den Kommentaren und dem bewundernden Mitleid der Arbeitskolleginnen und -kollegen meiner Frau. Oder von der Besorgnis (um meine seelische Gesundheit?) in den Blicken meiner besten Freunde.

Hier könnte man eine Form des „Womansplaining“ ausmachen: Sie meinen weil er ein Mann ist wisse er weniger über Erziehung als sie und belehren ihn.

Er merkt einen Wandel, auch in seiner Beziehung:

Ja, ich war ganz und gar Hausmann geworden. So weit, dass man mich als Zwitter hätte bezeichnen können. Ich war weder Mann noch Frau. Doch gab es noch Überreste männlichen Handelns: So konnte ich beim besten Willen nicht nachvollziehen, wie wichtig es meiner Frau war, dass die Kissen in einer Art dekorativer Habachtstellung auf der Couch „standen“, oder weshalb mein Sohn jeden Tag eine neue Hose anziehen sollte, die ja sowieso in den ersten zehn Minuten nach Ankunft auf dem Spielplatz eingedreckt würde…

Meine Frau hatte Mühe, mich zu begehren

Und im dritten Jahr wurde auch deutlich, wie diese neue Rolle sich auf die Beziehung ausgewirkt hatte. Meine Frau hatte Mühe, mich – das Faktotum – als Mann zu sehen, mich als Mann anzunehmen und, ja, zu begehren. Sie wünschte sich einen Mann, der „voll und ganz im Leben“ steht. Sie wünschte sich einen Mann, auf den sie „stolz“ zeigen könne.

Eigentlich ja ganz Feminismuskompatibel der erste Teil: Er bricht aus den Geschlechterrollen aus und ist damit quasi „nonbinary“, ein Enby. Aber anscheinend lässt er sich auch etwas dabei gehen und tritt anscheinend auch anders auf. Er erlebt etwas, was in der feministischen Theorie so gar nicht vorkommt: Anforderungen der Frauen an den Mann, sich wie ein Mann zu benehmen. Und Begehren für Männlichkeit. „Voll und Ganz im Leben steht“ ist dann eine interessante Klausel, von denen es viele gibt: der „echte Mann“, der Mann, der eine Familie ernähren kann etc.

Natürlich ist es schwer zu beurteilen, ob das dann tatsächlich der Grund für das Scheitern war. Wir kennen ja nur seine Seite. Aber es ist insofern eine interessante Perspektive

Crazy Stupid Love und männliches Auftreten

Neulich kam „Crazy Stupid Love“ im Fernsehen und ich schaute mal kurz rein:

Die Handlung des Filmes aus der Wikipedia:

Der etwas gesetzte und langweilige Familienvater Cal Weaver wird bei einem romantischen Essen in einem Restaurant von seiner Frau Emily mit der Nachricht überrascht, dass sie einen Geliebten habe und ihn verlassen werde. Er verbringt die folgenden Abende in einer Bar, wo er sich betrinkt und seinen Trennungsschmerz zu erkennen gibt. Der jüngere Aufreißer Jacob nimmt sich seiner an, gibt ihm Flirttipps, kleidet ihn komplett neu ein und besucht mit ihm ein Fitnessstudio. Cal trägt nun andere Kleidung und wird sichtlich schlanker, was ihn schließlich attraktiver erscheinen lässt.

Er entwickelt sich zunehmend zu einem Womanizer, was auch seiner Familie und seinen Bekannten nicht verborgen bleibt.

Es ist ein Film, der Anleihen bei Pickup macht und dabei im ganzen sogar positiv bleibt. Natürlich: Ryan Gosling sieht eh sehr gut aus, es wäre wohl nicht die Vorstellung, die die meisten Frauen von einem „Pickuper“ haben und sie sind eh schon hin und weg, dennoch hat Ryan in der Rolle ein sehr gutes Auftreten:

Interessant die Szene bei 0:25:

Jacob lässt sie mit Cal alleine und verabschiedet sich mit „if he gets handy let me know“

Cal versichert sofort, dass er das niemals machen würde, selbst wenn sein leben davon abhängen würde.

Und wirkt damit erstaunlich creepy, obwohl er ja feministisch korrekt angibt, dass er sie nicht anfassen wird.

Doch all die Affären, die Cal unter anderem auch mit Kate hat, die sich im weiteren Verlauf der Handlung als Lehrerin seines Sohnes herausstellt, lassen ihn seine Liebe zu Emily nicht vergessen.

Robbie, der älteste Sohn der Weavers, ist unsterblich in das vier Jahre ältere Kindermädchen Jessica verliebt. Obwohl sie diese Liebe nicht erwidert, belästigt er sie die ganze Zeit mit Briefen, Nachrichten und Liebesgeständnissen. Jessica wiederum ist heimlich in Robbies Vater Cal verliebt und macht Nacktfotos für ihn, die sie ihm jedoch nicht übergibt.

Cal sucht sich eine eigene Wohnung, seine nun getrennt von ihm lebende Frau Emily bandelt vorsichtig mit ihrem Arbeitskollegen David Lindhagen an, mit dem sie bereits einen One-Night-Stand hatte, der zur Trennung der Ehe führte. Unterdessen lernt Jacob die junge Hannah kennen, die – enttäuscht von der Langeweile ihres Freundes – diesen verlässt. Jacob verliebt sich in sie, und Hannah bringt ihn von seinem Schürzenjäger-Dasein ab.

Auch hier sind viele Szenen sehr interessant. Der Freund verdirbt es sich mit ihr, weil er in einer Szene auf einer Party eine große Ankündigung macht und sie erkennbar und zu recht denkt, er würde ihr einen Heiratsantrag machen. Er erklärt aber nur, dass er ihr eine Arbeitsstelle in der Rechtsanwaltskanzlei anbietet. Sie erklärt, dass sie dachte er macht einen Heiratsantrag, auch wenn sie selbst davon ausging, dass es zu früh wäre und er meint, dass er doch nun wirklich Zeit brauchen würde um zu sehen, ob sie die richtige ist. Es ist eine dieser klassischen Szenen, in der Hollywood eine Trennung herbeiführt, bei der sie nicht Schuld ist, sondern der alte Freund ein Idiot ist (auch wenn er durchaus recht haben mag, aber er bringt es eben vollkommen falsch rüber, was ausreicht. Sie ist daher so sauer, dass sie direkt nach dem Kerl sucht, der sie neulich in der Bar angemacht hat um mit ihm zu schlafen. Sie fällt in dem vollen Wissen, dass er ein Aufreißer ist, in der ersten Szene über ihn her und küsst ihn und sagt er solle sie eben aufreizen, wie die anderen Frauen. Er nimmt sie also mit zu sich und es kommt zu der folgenden Szene:

Ich finde sie sehr lehrreich, weil sie sehr ruhig ist. Obwohl sie erklärt hat, dass er gefälligst mit ihr schlafen soll ist sie erkennbar noch nervös und unsicher. In der klassischen Vorstellung, die sonst von einem Pickupers in Filmen gemacht wird würde er jetzt irgendwie zudringlich werden. Aber dies ist ein Film für Frauen, in dem diese Ryan attraktiv finden sollen, er spielt hier die klassische Rolle des Aufreizers, der sich von der richtigen Frau zähmen lassen wird und für sie von allen anderen Frauen ablässt, also darf er nicht verbrannt werden.

Das gelingt, indem er einige wichtige Punkte rüberbringt:

  • Outcome indifference: Er ist vollkommen entspannt, er hat keine Eile, er sitzt da ganz ruhig, mit überschlagenen Beinen, und strahlt Selbstsicherheit aus- macht ihr erst einen Drink, bedrängt sie nicht und lässt ihr Zeit. Es wirkt so als würde es ihm eben nicht wichtig sein, ob er mit ihr schläft, weil er eben genug Sex mit anderen Frauen hat.
  • Er ist Herr der Situation und führt sie durch den Abend: Typischerweise werden Routinen als etwas dargestellt, was die Frau täuscht, was sie irgendwie dazu bringt mit ihm zu schlafen, auf eine dreckige Art und Weise. Hier fragt sie immer wieder nach, was er sonst so macht, und er stellt es ihr in aller Ruhe dar, wobei einiges unausgesprochen bleibt. Natürlich lebt er in einem tollen Haus, alles sieht hochwertig aus, was zu ihm passt, er hat einen perfekten Körperbau, schon übertrieben gut, wie sie selbst betont und er ist der perfekte Gastgeber: Ein Drink, die richtige Musik. Das Thema auf Dirty Dancing lenken, sagen, dass man die Hebefigur kann und sie es ausprobieren kann, ihr etwas besonderes geben, was Vertrauen aufbaut und gleichzeitig recht natürlich überleitet zu Körperkontakt und bei dem er gleichzeitig seine Stärke darstellen kann. Das es alles „Tricks“ sind wird hier nicht als Manko dargestellt, sondern zeigt um so mehr, dass er Ahnung hat und die ruhige Art lässt es unbedrohlich wirken. Gerade weil sie danach fragt und verführt werden will ist der „Täuschende Charakter“ aufgehoben (wobei viele Frauen bei Ryan Gosling eh nicht daran denken würden, dass man sie täuschen müsste).

Natürlich folgt etwas Drama.

Als sie ihn mit nach Hause nimmt, um ihn ihren Eltern vorzustellen, erkennt Jacob, dass Hannah die Tochter Cals ist. Dieser ist von der neuen Beziehung seiner Tochter alles andere als begeistert, hat er Jacob doch als Aufreißer kennengelernt. Cal ist der Meinung, dass Jacob einerseits zu gefährlich, andererseits nicht gut genug für seine geliebte Tochter ist.

Er will gerne Gut mit Frauen sein, aber er will nicht, dass jemand, der das Gleiche bei Frauen will, bei seiner Tochter landet.

Ein klassischer Konflikt, der hier in dem Film angelegt ist. Der Beta wird etwas mehr Alpha, aber nicht Alpha genug, er kehrt als bessere Version seiner selbst zu seiner Frau zurück. Sein Lehrer stellt gleichzeitig die dunkle Seite dieses Alphaseins dar, was er eben nicht für seine Tochter möchte. Damit es aber insgesamt gut aussieht hat dieser dann bereits der dunklen Seite abgeschworen und meint es wirklich ernst – mit einem Mädel, welches von seinem Verhalten gerade in der obigen „Verführungsszene“ schon fast etwas nervig ist, weil sie es so kompliziert macht, so zurückhaltend ist, was man aber gerade braucht, um Jacob als guten Typen darzustellen, der sie nicht ausnutzt.

Bei diesem unglücklichen Zusammentreffen von Emily und Cal sowie Hannah und Jacob tauchen auch noch das Kindermädchen Jessica und deren Vater Bernie auf. Letzterer hat den Umschlag mit den Nacktfotos entdeckt, auf den Jessica den Namen Cal geschrieben hatte. Er geht irrtümlicherweise davon aus, dass Cal mit ihr ein sexuelles Verhältnis habe, und stellt ihn aufgebracht zur Rede. Zusätzlich erscheint David Lindhagen bei den Weavers im Garten, er möchte Emily ihren – in seinem Auto vergessenen – Pullover vorbeibringen. Es kommt zu einer handfesten Prügelei zwischen Bernie, Cal, Jacob und Lindhagen, bei der schließlich die Polizei schlichten muss.

Wenig später nehmen die Weavers, Jacob und Jessica an der Schulabschlussfeier Robbies teil. Dieser ist ausgewählt worden, die Festrede zu halten. Doch weicht er vom Manuskript ab und macht Jessica vom Rednerpult aus eine Liebeserklärung. Daraufhin tritt auch sein Vater Cal ans Mikrofon, er spricht darüber, dass Liebe mehr sei als ein romantisches Gefühl, Liebende müssten im täglichen Leben viele Bewährungsproben bestehen und an sich arbeiten. Seine Frau Emily, von der er noch offiziell getrennt ist, schaut ihn bewegt an.

Cal und Emily gehen anschließend lächelnd aufeinander zu; ob sie wieder zusammenfinden, bleibt allerdings offen. Doch kann Cal mittlerweile die Beziehung zwischen seiner Tochter Hannah und Jacob akzeptieren. Zum Schluss übergibt Jessica Robbie mit einer freundschaftlichen Geste noch den Umschlag mit ihren Nacktfotos und fügt augenzwinkernd hinzu, dass die Bilder ihn „durch die Highschool bringen sollen“.

Also ein Happy End für alle. Der Beta ist etwas mehr Alpha geworden, der Alpha etwas mehr Beziehungsmensch, selbst der Sohn bekommt noch etwas ab und die Tochter hat eh einen heißen Typen gefunden.

Es ist ein erstaunlich positiver Film über „Pickup“ im weiteren Sinne und über „Männlichkeit beim Flirten“. Auch eben, weil der Hauptdarsteller hübsch genug ist, um die Tricks nicht in den Vordergrund zu stellen. Der lehrnende Vater ist gleichzeitig der, der die Verhaltensänderungen und die daraus gewonnene Attraktivität rüberbringen muss und er ist auch der, bei dem man den Unterschied am Anfang sieht, er ist auch der Comic relief am Anfang und er ist auch der, der vom Skript abweicht und deswegen menschlicher bleibt, wahrscheinlich, weil es eben ein Film für Frauen ist und so romantischer bleibt.

 

 

 

„Begeistert euch für Weicheier“ (weil das feministisch richtig ist)

Stevie Schmiedel appelliert an die Frauen, Weicheier gut zu finden, weil sie selbst merkt, dass diese nicht gut ankommen:

Dieser Text ist ein Plädoyer zur Aufwertung des Begriffs „Weichei“. Ein Traum von einer Welt von T-Shirts, auf denen „Weichei und stolz drauf“ steht, eine Ode an Männer, die mit toxischen Männlichkeitskonzepten hadern, an ihnen scheitern, aufstehen und überzeugt „Vergiss es, ich lass das einfach so“ ausrufen.

Er ist aber genau so ein Appell an Frauen, sich diese Weicheier mal genauer anzuschauen. Oder besser: Nicht so sehr den Aggregatszustand der Eier, sondern ihre eigenen Erwartungen an „sie“. Woher genau kommt ihre libidinöse Prägung, ihre Abneigung gegen jede Konsistenz, die nicht der gängigen James Bond-Härte entspricht?

Eine Traumwelt, in der sich Männer sich so verhalten, dass sie nicht als attraktiv wahrgenommen werden und Frauen beständig versuchen müssen, dass zu ignorieren, weil es ideologisch richtig wäre, andere Männer attraktiv zu finden.

Die Alternative, nämlich sich einmal damit zu beschäftigen, warum Männlichkeit eben gerade nicht als attraktiv wahrgenommen wird und warum Männlichkeit damit keineswegs nur toxisch ist, stellt man lieber nicht an.

Immerhin wird erkannt, dass die Erwartungen der Frauen und deren Auswahlverhalten dazu beiträgt:

Neulich saß ich mit einer guten Freundin beim Wein, die rumjammerte, dass sie – als Feministin – eben keinen Mann haben kann. DIE wollten ja alle, dass sie – käme ein Kind – zuhause bleibe während er Karriere mache. DIE könnten alle nicht kochen und DIE würden auch noch erwarten, dass sie die Hemden bügele, wenn sie von der Arbeit käme. Sie verkehrt eher unter Wirtschaftsleuten. Was ja nicht heißt, dass man in seiner Freizeit, auf Parship oder in nächtlichen Clubwelten nicht andere Szenen frequentieren kann. Lila Pudel sind sicher auch in der Wirtschaft anzutreffen, unter Sozialwissenschaftlern, Künstlern oder Pädagogen trifft man sie trotzdem eher. Hat man aber bestimmte Vorstellungen, was DIE verdienen sollen, damit man sich gemeinsam den Tauchurlaub auf Bali leisten kann, legt das einen Filter fest.

Das eine Rollenumkehr selten gewünschst ist, dass die meisten Frauen allenfalls einen Mann wollen, der sie unterstützt, aber eben keinen Hausmann, wird, geht da auch etwas unter.

Aber nicht nur bei Unternehmer*innen und Wirtschaftsfrauen* finden wir hehre Ansprüche an die Kerle. Auch geerdete Vorstellungen, wie er beim gemeinsamen Zelturlaub das Wolfsrudel verjagt oder sie unter den Sternen auf seinen Armen trägt macht es Männern nicht gerade einfach, sich in einer Welt voll Ansprüchen zu orientieren. Wie neulich ein guter Freund zu mir sagte: „Es fällt mir so schwer, zu sagen, dass ich etwas nicht kann oder nicht weiter weiß. Ich habe das Gefühl, Mann zu sein heißt: Immer die Übersicht haben, immer voraus zu gehen, immer alles unter Kontrolle haben. Paddeligkeit ist so unsexy!“

Für eine Feministin wahrscheinlich nicht erklärlich und kaum zu ertragen: Da mögen die einfach alle toxische Männlichkeit. Fordern sie aktiv an. Lehnen andere Männer ab.

Meiner Freundin habe ich entgegen geschmettert, dass sie doch selbst schuld sei, wenn sie auf das ewig gleiche Männerbild setzt und sich nie und nimmer einen Partner auf einem Bruttogehalt von 2.200 Euro vorstellen könnte, der dafür aber ein begeisterter Sozialarbeiter ist. Die Antwort kam prompt: Und wie bitte, sollte der sie und die Kinder dann ernähren, wenn sie arbeitslos wird? Trotz manch emanzipierter Ansichten sitzen Geschlechterrollen doch tief

Oder gar einen, der Teilzeit arbeitet und noch weniger verdient. Auch schön, dass sie es schlicht auf die Geschlechterrollen zurückführt, wenn sich dort eine klare Anspruchshaltung zeigt, nachdem der Mann einen gewissen Lebensstandard abzusichern hat.

Auch das ist etwas, was im Feminismus kaum vorkommt: Dass es bequemer und sicherer für die Frau sein kann, den besseren Lebensstandard über den Mann abzusichern und das es eben meist gerade keine Unterdrückung ist, sondern eben eher eine Anspruchshaltung, die mit feministischer Theorie nicht zu vereinbaren ist, weil man in der nur Opfer sein kann, und nicht Profiteur.

vgl. auch:3030

„Der neue Mann ist selbstbewusst, sozial und gehorsam“

Aus einem Artikel in der Welt:

Psychologen und Wirtschaftswissenschaftler haben das nun bei finnischen Männern der Geburtsjahrgänge 1962 bis 1976 untersucht. Das Team um Matti Sarvimäki von der Aalto-Universität in Helsinki hat Persönlichkeitstests finnischer Wehrpflichtiger ausgewertet, wie er im Fachjournal „PNAS“ berichtet.

(…)

Das Ergebnis der Forscher: Auch bei anderen Persönlichkeitseigenschaften gibt es einen Aufwärtstrend ähnlich dem bei der Intelligenz. Junge Männer entwickeln der Studie zufolge also zunehmend Persönlichkeitsmerkmale, die vor allem in der Wirtschaft erwünscht sind – etwa Selbstbewusstsein, soziale Kompetenz und Führungsbereitschaft.

„Wir finden einen Flynn-Effekt für die Persönlichkeit – das heißt einen langfristigen Anstieg jener Persönlichkeitsmerkmale, die mit höheren Einkommen verbunden sind“, schreiben die Wissenschaftler in ihrem Fazit. Die Forscher nutzten aus, dass die finnischen Streitkräfte alle Wehrpflichtigen einem Persönlichkeitstest unterzogen, um geeignete Anwärter für eine Offizierslaufbahn zu ermitteln.

Im Ergebnis stiegen die Durchschnittswerte für „Selbstbewusstsein“, „soziale Kompetenz“ und „Führungsbereitschaft“ mit jedem Jahrgang besonders stark, aber auch die für „Leistungsbereitschaft“ und „Gehorsam“ kletterten mit den Jahren deutlich nach oben. Lediglich beim Merkmal „Männlichkeit“ war keine zunehmende Tendenz zu erkennen. Insgesamt kann man sagen, dass die Männer verträglicher werden, also sozial angepasster und leistungsbereiter im Leben stehen.

Eine Steigerung in Gehorsamkeit sagt natürlich noch nicht viel darüber aus, wie hoch der eigentliche Wert ist.  „Männlichkeit“ ist anscheinend gleich geblieben. Selbstbewußtsein, soziale Kompetenz und Führungsbereitschaft hätten auch zugelegt.

Das mag nicht nur der Wirtschaft gefallen, sondern auch allen anderen, die täglich mit ihnen zu tun haben, ihren Partnerinnen etwa oder den Kindern. Die Forscher berücksichtigten bei der Auswertung auch Merkmale zum familiären Hintergrund, die die gemessenen Fähigkeiten beeinflussen könnten – etwa das elterliche Einkommen, die Anzahl der Geschwister und ob die Teilnehmer aus eher ländlichen oder städtischen Gegenden kamen. All diese Hintergrundfaktoren erklärten aber nur zu etwa einem Drittel, warum Männer immer sozial kompetenter oder gehorsamer wurden

Wäre in der Tat interessant. Vielleicht schlicht, weil Aggressivität sozial stärker geächtet ist. Vielleicht war man auch nur beim Wehrdienstpsychologen relativ zurückhaltend.

Wäre interessant, wie Feministen die Studie deuten. Mehr Selbstbewußtsein, mehr Führungsanspruch, das wäre ja alles eher ein erstarkendes Patriarchat. Männlichkeit ist auch nicht fallend, da brauch man natürlich mehr Feminismus.