Warum eine eigenständige, nicht in den Feminismus eingegliederte Männervertretung dringend erforderlich ist

Ein Artikel in der Zeitung taz geht sehr kritisch mit der Gründung einer neuen Männergruppe in der FDP um, deren Programm hier auch schon diskutiert worden ist.

Ansatzpunkt ist, dass der Feminismus bereits hinreichend Vertretung bietet. Jede Organisation, die neben einem Feminismus steht, wird dabei als unangemessen angesehen, weil der Feminismus einen Alleinvertretungsanspruch hat.

1. Warum eine Interessenvertretung für Männer im Feminismus nicht effektiv ist

Das birgt einige Probleme:

  • Feminismus ist ausdrücklich ausgestaltet als eine Vertretung von Frauen.  Dort geht man davon aus, dass Männer privilegiert sind und lediglich die Abbau dieser Privilegien eine gerechte Welt herbeiführen kann.
  • Des Weiteren geht man davon aus, dass lediglich derjenige, der von einer Diskriminierung betroffen ist, diese auch hinreichend erkennen kann und insoweit eine gewisse Deutungshoheit hat.
  • Da in dem gegenwärtigen modernen Feminismus lediglich Frauen von einem Sexismus oder einer Diskriminierung betroffen sein können können Männer von vornherein keine aktive Agenda in einem modernen Feminismus haben.

Viele Feministinnen gehen daher davon aus, dass Männer aufgrund dieser fehlenden unterdrückungs Erfahrung auch keine eigene Stimme im Feminismus haben sollten, sondern lediglich als sogenannte Allies oder Verbündete angeführt werden sollten, die allenfalls Unterstützung leisten können und müssen, gleichzeitig aber eigene Idee Ideen nicht einbringen können und auch stets darauf achten müssten, dass sie Frauen den entsprechenden Raum lassen und diesen eine Führungsposition zugestehen

Insbesondere im Zusammenspiel damit, dass  Männer von vornherein als nicht diskriminierbar angesehen werden können  erklärte dies zwar den Widerstand, macht aber eine Interessenvertretung von Männern unmöglich.

2. Notwendigkeit einer eigenen Bewegung bei Beibehaltung des Grundsatzes, dass nur Betroffene eine Diskriminierung erkennen können

Wirft man hingegen hingegen dieses Dogma. dass eine Diskriminierung von Männern nicht möglich ist, über Bord und dann ist eine Interessenvertretung von Männern gerade zu denknotwendig durch diese vorzunehmen. Denn dann können auch nur Männer die bei ihnen bestehende Diskriminierung voll erfassen. Ihn muss daher zwingend eine eigene Vertretung zugestanden werden.

3. Notwendigkeit einer eigenen Bewegung weil Subjektivität nicht die beste Sicht auf ein Problem ist

Gleichzeitig ist der Ansatz, dass lediglich der Betroffene seine Diskriminierung erkennen und bewerten kann und daher eine Deutungshoheit hat, keineswegs gut durchdacht. Gerade der Betroffenheit hat häufig eine sehr subjektive und von seinen eigenen Interessen und seiner eigenen Sichtweise aus gebremste Betrachtung der ihn betreffenden Gegebenheiten. Damit muss eine zutreffende Erfassung der Gegebenheiten nicht verbunden sein, vielmehr kann gerade das subjektive und insoweit unangebrachte gegenüber dem objektiven und gerechten überwiegen.

Aus guten Grund stellen viele Bewertungssysteme gerade darauf ab, dass bei zwei Interessen, die in einem Konflikt stehen, eine dritte Partei oder sogar Objektive Vertreter für beide Parteien in die Schlichtung miteinbezogen werden.

Beispielsweise ist es in Gerichtsverhandlungen üblich, dass beide Seiten sich eines Anwalts bedienen, der den subjektiven Vortrag seines Mandanten in einen objektiven Vortrag umwandelt und auch daraufhin überprüft, ob dieses Vorbringen in der Sache dienlich ist und diese voranbringt. Ein Inquisitionsprozess, also ein Prozess, bei dem der Ankläger zugleich der Richter ist, gilt als allgemein als rückständig, da diese Positionen aus guten Grund getrennt sein sollten:

Wir Menschen neigen dazu, dass wir uns die Positionen zu eigen machen, so dass derjenige, der eine Anklage geschrieben hat, sich eben auch als Ankläger sieht und deren Richtigkeit beweisen will. Der Richter hingegen soll diese gerade kritisch prüfen. Die eigene kritische Prüfung einer Anklage führt jedoch selten zu einer objektiven Überprüfung, diese kann vielmehr wesentlich Objektive durch einen Dritten durchgeführt werden.

Ein Prozess, bei dem der Betroffene Ankläger und Richter ist, also sogar drei Ämter verbunden werden, führt er noch zu einer wesentlich schlechteren Position. Nimmt man dann hinzu, dass der Betroffene sich selbst Vorteile verschaffen kann und keineswegs darauf beschränkt ist, dass er objektiv Diskriminierungen beseitigt, dann wird deutlich, dass auf diesem Weg eine hohe Missbrauchsgefahr besteht.

4. Notwendigkeit der eigenen Vertretung, weil man beide Seiten hören muss

Auch bei einer Betrachtung von der anderen Seite her ist das Verfahren nicht gerechter. Bei dem Geschlechterverhältnis handelt es sich nicht um eine einseitige gestaltbares Verhältnis. Vielmehr müssen die Interessen von Männern und Frauen in Einklang gebracht werden bzw zu einem gerechten Ausgleich gebracht werden. Wenn dann einer Seite lediglich zugestanden wird, dass sie die Vorstellung der anderen Seite akzeptieren muss und noch nicht einmal eigene Vorstellungen vorbringen kann oder auf Punkte hinweisen kann, die ihr selbst ungerecht erscheinen, dann ist von vornherein kein faires Verfahren wir geben.

Jeder, der insoweit an einer gerechten Interessenvertretung in dem Geschlechterverhältnis interessiert ist müsste sich dafür einsetzen, dass eine Männerrechtsbewegung als Verhandlungspartner für den Feminismus entsteht, indem auch Männer ihre Position einbringen können.

5. Menschenbild, wenn man einer Gruppe ihre eigene Vertretung abspricht

Wer hingegen darauf besteht, dass der Feminismus einen Alleinvertretungsanspruch hat, der kann nicht davon ausgehen, dass Männer eigene Interessen haben können und ein Anspruch darauf haben, diese auf eine gerechte und fairer Weise einzubringen.

Er muss gleichzeitig  ein sehr schlechtes Männerbild haben, da er anscheinend in einer Interessenvertretung lediglich eine Ungerechtigkeit sieht, über die lediglich Vorteile gesichert werden sollen. Dies erfordert ein sehr negatives Männerbild, bei dem diese nicht zu fairen Verhandlungen bereit sind und lediglich ihre Herrschaft über Frauen unterhalten wollen. Es spricht Männern jegliche berechtigte Agenda ab und weist ihnen die Rolle des Schurken zu, von dem Frauen sich befreien müssen. Ein faires Männerbild kann damit nicht verbunden sein, da man ansonsten jedenfalls davon ausgehen müsste, dass auch Männer Interessen berechtigterweise vertreten können und nicht nur Vorteile absichern wollen. Wer davon ausgeht, dass der andere nicht an einer Verhandlung zu dem gemeinsamen Verhältnis beteiligt werden darf, der hätte diesen entweder für abgrundtief schlecht oder für jemanden, der in keiner Weise eine Berechtigung zur Vertretung seiner Position hat, also der anderen Seite untergeordnet ist.

6. Männerbild im Feminismus

Der gegenwärtige Feminismus hat Ansätze von beidem:

Er geht davon aus, dass Männer die Frauen unterdrücken und eine Befreiung der Frau nur dann möglich ist, wenn man Männer keine Agenda zugesteht.

Daraus resultiert der alleinige Vertretungsanspruch der Frau.

Es werden strukturelle Hindernisse gesehen, die lediglich einseitig zulasten der Frauen eine Unterwerfung dieser herbeigeführt haben. Nur aus dieser „Kriegssituation“  lässt sich einen Alleinvertretungsanspruch herleiten, bei dem  die Männer dann als frühere Schurken und diejenigen, die bisher alle Vorteile genossen haben, kein Mitspracherecht haben, weil sie sich nicht gebessert haben.

Die Angabe, dass der Feminismus insoweit nichts gegen Männer hat, wird durch diese Position bereits hinreichend widerlegt.  Denn wenn der Feminismus Männer als  nicht schlecht ansehen würde, dann müsste er ihnen auch für die neue Gestaltung des Geschlechterverhältnisses eine eigene Position zugestehen.

7. Wenn der Feminismus nichts gegen Männer hätte, dann wäre eine Vertretung eigener Interessen unproblematisch.

Dann aber besteht auch kein Grund dafür, dass diese Vertretung lediglich unter dem Dach des Feminismus erfolgt. Natürlich wäre es möglich, dass eine Interessenvertretung sich Theorien des Feminismus anschließt oder dortigen Positionen zustimmt . Letztendlich muss es aber die Sache jeder Partei sein, wie sie ihre Vertretung ausrichtet und welche Inhalte sie dabei vertritt. Denn eine Vertretung, die Inhalte vorgegeben bekommt, ist keine echte Vertretung. Vielmehr nimmt eine solche Vertretung in dann den Charakter eines Diktats an.

8. Inhaltliche Vorgaben bedeuten die Aufkündigung eines fairen Dialogs

Vergleichbar wäre dies damit, dass man in einem Strafprozess fordern würde, dass der Rechtsanwalt, der den Angeklagten vertritt, im Büro des Staatsanwalts arbeiten würde und von den dortigen Schreibkräften seine Schriftsätze fertigen lassen müsste sowie auch ansonsten in dessen Organisation verpflichtend eingebunden ist.

Nach den Vorstellungen des gegenwärtigen Feminismus es wäre es sogar so, dass dessen Verteidigungsvorbringen von vorne herein einer Überprüfung durch die Staatsanwaltschaft unterliegen würde und nur dann genehmigt und berücksichtigt werden könnte, wenn es dieser gefällt.

Auch hier wird deutlich, dass es mit einem fairen Verfahren nicht zu tun hat. Natürlich würde man hier von der Gegenseite her anwenden, dass in diesem Fall ja die Staatsanwaltschaft auf die Interessen beider guckt, die objektivste Behörde der Welt ist und insoweit auch die Interessen des Beschuldigten waren muss. Dadurch könne also kein Nachteil entstehen. Dass dieses Bild einen Angeklagten wenig überzeugen würde, dürfte aber verständlich sein.

9. Ist eine Wahrnehmung der Interessen der Frauen nur möglich, wenn Männer keine eigene Vertretung haben, weil Männer sonst alles behindern?

Der Feminismus selbst wird hingegen das Bild präferieren, bei dem bisher ein Monopol bestand, welches den Markt zu Gunsten des Monopolisten gestaltet hat. Der Monopolist hat bisher einen Marktzugang anderer Marktteilnehmer mit unfairen Mitteln verhindert und alle Profite eingestrichen.

Der Feminismus führt nun mehr an, dass man kaum erwarten können, dass der Versuch einer Neugestaltung gelingt, wenn sich der große Monopolist mit dem kleinen Konkurrenten an einen Tisch setzt und so dann über die Änderung an der Monopolsituation geredet wird.

Denn insbesondere wenn man davon ausgeht, dass Änderungen an der Monopolsituation einstimmig getroffen werden müssen, dann kommt es indirekt zu einer Pattsituation, da der Monopolist alle verändernden Vorschläge ablehnen kann.

Er hat dann quasi ein Veto, sodass er dadurch sein Monopol beibehalten kann. Er behält die Vorteile des zuvor zu unrecht eroberten Marktes und die Benachteiligung hält insofern an.

Auch hier ist allerdings der Monopolist zweifellos der böse, was erneut deutlich macht, dass dies mit einem positiven Männerbild nicht zu vereinen ist.

10. Warum das Bild der alleinigen Macht der Männer falsch ist

Tatsächlich ist die Situation zwischen den Geschlechtern auch mit dieser Monopolsituation in nicht vergleichbar.

Frauen haben theoretisch sogar die Mehrheit der Wählerstimmen  bei freien und geheimen Wahlen in einer Demokratie. Sie können, wenn sie dies wollen, umfassen Änderungen vorbringen.

Tatsächlich scheint der Feminismus selbst die Monopolposition wahren zu wollen.

Denn genau dies stellt ein Alleinvertretungsanspruch im Geschlechterverhältnis letztendlich da.

Hiergegen wird der Feminismus anführen, dass Frauen ja in allen Positionen benachteiligt ist. Dies ist allerdings nur bei einem sehr selektiven Blick richtig.

Es gibt viele Positionen mehr, die zugunsten von Frauen ausgestaltet sind. Dies ist zum einen der Umstand, dass sie üblicherweise wesentlich mehr Zeit mit der Familie verbringen, ihnen auch nach Trennung üblicherweise er die Kinder verbleiben, sie üblicherweise, obwohl sie ihre Berufs Gestaltung weniger auf Geld ausrichten, zumindestens in einer Ehe der gleiche Lebensstandard wie Männern zukommt und erhebliche Transferleistungen an sie geleistet werden.

Hier ist es gerade eine Frage des Blickwinkels, ob man etwas als Benachteiligung ansieht oder aber als bestimmte Ausgestaltung seines Lebens. Die meisten Frauen sind, wie auch Umfragen deutlich machen, wie eine Frauen, und wollen ihre Lebensgestaltung gerade auf eine Weise ausrichten, die den Beruf und die Karriere, insbesondere wenn damit Überstunden verbunden sind, nicht in den Vordergrund stellt, sondern eher die Familie betont. Das einseitige Abstellen darauf, dass sie weniger verdienen wird dabei der der sächlichen Lage nicht gerecht.

Denn die Frauen verdienen insoweit weniger unter Berücksichtigung geringerer Überstunden, eines Berufs, den sie bewusst so ausgewählt haben, dass er Ihnen gefällt, der Vermeidung von Stress in hohen Positionen und des häufigeren Umganges mit Kindern, weniger. Bei gleichen Verhalten ist der Gender Pay Gap schon jetzt nahezu vollständig zu bereinigen.

Auch verkennt diese Beschreibung, dass die allermeisten Männer gerade nicht in Führungspositionen sind und dass Personen in Führungspositionen keineswegs Leute nach ihrem Geschlecht bevorzugen müssen, sondern eben auch Vertreter der Interessen des anderen Geschlechtes sein können.

11. Ein fairer Umgang mit Fakten ist die Grundlage jeder Diskussion

Zu einer fairen Verhandlungspositionen gehört, dass beide Seiten ihre Positionen vortragen können und Position einer Seite nicht von vornherein tabuisiert werden. Es gehört zu dem dazu, dass Argumente beider Seiten auf ihre Richtigkeit überprüft werden können und nicht von vornherein akzeptiert werden müssen. Es muss insbesondere auch möglich sein, Nachweise zu verlangen, die diese Position belegen und mit Gegenargumenten dagegen vorzugehen, ohne das dies von vorne herein abgewertet wird. Insbesondere muss eine gewisse Objektivität und Fairness in das Verfahren einbezogen, so dass Studien etc vorgebracht werden müssen, statt auf subjektives Empfinden abzustellen, welches lediglich dazu dienen kann, dass es als Anlass für tatsächliche Überprüfung vorgenommen wird.

Das Bestehen darauf, das subjektive Positionen des Betroffenen Fakten ersetzen kann nicht zu einer fairen Diskussion führen, bei der einen für beide Seiten gerechtes Ergebnis gefunden wird.

12. Frauen haben Macht, beispielsweise im Familienrecht

Der Feminismus führt an, dass Frauen keinerlei Gestaltungsmacht haben und insoweit auch eine Diskriminierung von Männern durch Frauen/die Gesellschaft denknotwendig ausgeschlossen ist.

Tatsächlich sind gegenwärtig aber in allen großen Parteien feministische Position stark vertreten, alle Parteien haben Frauen Gremien, die sich gerade den Interessen der Frauen verpflichtet fühlen und in denen Lobbyarbeit durch Frauenverbände betrieben wird. Der

Familienausschuss des Deutschen Bundestages, also das wesentliche Gremium, in dem familienrechtliche Änderung beschlossen werden, ist überwiegend weiblich besetzt.

Selbst die Männer, die dort noch vorhanden sind verstehen sich eher feministisch ein ausgewiesen Männer rechtlicher Vertreter oder jemand, der angibt, dass er dort ist um auch die Interessen der Männer zu wahren, ist mir insoweit nicht bekannt.

Demnach hat der Feminismus bzw Frauen hier durchaus eine Machtposition, sie sind in diesem für die Geschlechterpolitik sehr wichtigen Bereich überproportional vertreten, sie können hier die Politik gestalten und insoweit auch Macht ausüben.

Es könnte darauf zurückzuführen sein, dass Väter sehr eingeschränkte Möglichkeiten haben, beispielsweise Vaterschaften anzufechten, dass sie als unverheiratete Väter von vornherein kein Sorgerecht haben, sofern Ihnen dies nicht durch die Mutter zugestanden wird oder Sie dieses einklagen und sie im übrigen auch nach wie vor eine Residenzmodell hinnehmen müssen, bei dem sie ihre Kinder lediglich an jedem zweiten Wochenende sehen und überdies hohe Unterhaltsbeiträge zahlen müssen. Gleichzeitig besteht teilweise immer noch ein sehr striktes Unterhaltsrecht, bei dem die Erwerbsobliegenheiten der Frau beispielsweise im Trennungsjahr ohne dass dafür ein Grund vorhanden ist nicht bestehen. Auch beim Kindesunterhalt wird insoweit kein gerechter Ausgleich herbeigeführt, das Einkommen der Kindesmutter spielt abgesehen von sehr sehr hohen Gehalts unterschieden zugunsten der Mutter quasi keine Rolle, der Vater kann also als unterhaltsverpflichteter auf den Selbstbehalt verwiesen werden, auch wenn die Mutter gut verdienend oder über einen neuen Partner eine sehr hohen Lebensstandard hat. Ebenso ist für den Vater kaum eine Möglichkeit vorhanden bei jungen Kindern ein Umziehen der Mutter auch in große Entfernung zu verhindern. Dies erlaubt der Mutter dann, wenn ihr ein solcher Umzug möglich ist, den Vater, sofern diese nicht hinterher ziehen kann, effektiv vom Kontakt mit seinen Kindern auszuschließen oder jedenfalls stark einzuschränken.

Eine gerechte Verhandlungspositionen würde erfordern, dass hier Männer ihre eigenen Positionen als solche einbringen können, ohne dafür sogleich beschimpft zu werden, dass sie zurück in die 50er wollten oder lediglich um ihre Privilegien fürchten.

Solche Tabuisierung in einer berechtigten Interessenvertretung machen vielmehr deutlich, dass Frauen gerade nicht machtlos sind. Denn derjenige der vorgibt, über was nicht gesprochen werden darf, hat üblicherweise eine sehr hohe macht, da er ansonsten solche Verbote nicht durch bringen könnte und diese Positionen nicht der Lächerlichkeit preisgeben könnte.

13. Männer und Frauen als Gruppe und Macht

Tatsächlich sind Männer und Frauen überdies auch sehr heterogene Gruppen. Die Vorstellung, dass Männer per se Macht haben, ist falsch, da nur sehr wenige Männer auf wichtigen Positionen sitzen und dies häufig unter Aufgabe vieler anderen Bereiche ihres Lebens. Es bedeutet auch nicht, dass diese Männer damit Männerpositionen vertreten oder anderen Männer per se an die Macht helfen.

Viele Männer werden schlicht ihr Unternehmen groß und erfolgreich machen wollen und nicht Männer, sie wollen für sich und ihre Familie reich werden, nicht für Männer. Sie wollen vielleicht sogar allgemein ein Image von sich errichten, bei dem sie dann als Frauenförderer und Unterstützer von Gleichberechtigung gelten und fördern daher nach Möglichkeit Frauen.

Natürlich fördern sie auch Töchter oder andere weibliche Verwandte oder Freunde, die ihnen näher stehen als die Gruppe der Männer.

Es ist daher auch bei Frauen und Männern für verschiedenste Interessengruppen Platz, die alle unterschiedliche Interessen vertreten können, die zu ihrer Lebenslage und ihren Ansichten passen.

Das zeigt sich auch bereits am Feminismus: Die wenigsten Frauen werden den Ansichten des gegenwärtigen radikalen intersektionalen Feminismus und seiner Vorstellung, dass alles sexistisch, rassistisch, abelistisch und überhaupts *istisch ist, zustimmen. Der Feminismus ist bereits innerhalb seiner selbst gespalten, die radikalen sind nur eine sehr kleine, aber laute und andere ausschaltende Gruppe.

Wenn schon die meisten Frauen sich nicht von diesem vertreten fühlen, warum sollten es dann die Männer, die von diesem nur die Rolle als Schurke zugestanden bekommen?

14. Fazit

Die Forderung, dass Männerinteressen nur als Teil des Feminismus wahrgenommen werden dürfen macht das schlechte Männerbild des Feminismus deutlich, lässt keine faire Vertretung berechtigter Interessen zu und ist ein Versuch, selbst Macht zu erhalten.

„Liebe Feministinnen, wir haben eure Beteuerungen, dass ihr Männer nicht hasst satt“

Leser Matze zitierte in einem Kommentar eine gute Stelle aus einem Artikel beim Toy Soldier:

Here is a note: if your movement has existed in its current form for over 60 years, and since its inception people assumed you hated a group, and people still assume your movement hates that group, perhaps it is time to admit your movement hates that group.

Feminists frequently complain about people, particularly men, assuming feminism is about hating men. Wherever would people get this idea? It is not as if feminists write articles about how all men are potential rapists until proven otherwise. It is not as if feminists use hashtags mocking male feelings or threatening to kill men. It is not as if they target socially awkward males and accuse them of feeling entitled to sex with women. It is not as if feminists claim that all men belong to a global hegemony intent on oppressing women for some unspecified reason.
That never happens.

In der Tat sind die Beteuerungen ermüdend, weil der Feminismus ein sehr schlechte Bild von Männern hat – sie sind die Unterdrücker. Ich habe zu diesem Punkt schon sehr viele Diskussionen geführt und gehe inzwischen dazu über, dem Gegenüber folgende Frage zu stellen:

Wenn Feminismus nichts gegen Männer hat, kannst du mir dann einen feministischen Artikel nennen, indem es um Männer geht, in dem Männer positiv dargestellt werden oder der ihnen gegenüber zumindest neutral ist?

Aus meiner Sicht müsste das in einer Bewegung, in der es um Männer und Frauen Themen geht, die aber Männer nicht hasst ohne Probleme möglich sein.

Meist kommt dann nichts. Reaktionen sind entweder „Such doch selber“ oder Schweigen, mitunter auch die Verlinkung von Artikeln, in denen es darum geht, dass Männlichkeit böse ist, aber Männer sich davon befreien könnten und dann auch nicht mehr böse wären, wenn sie tagtäglich ihre Privilegien hinterfragen und Buße tun. Also Artikel, in denen es darum geht, dass gegenwärtig die meisten Männer böse sind, aber gut werden könnten. Das wird dann als Nichthass ausgegeben.

 

Warum es sexistisch ist, dass Männer weibliche Orgasmen mögen

Cosmopolitan bespricht eine Studie (zu etwas sehr ähnlichen vergleiche auch diesen Artikel zu einem Artikel in Everyday Feminism:

The study gathered 810 men to read a story where they had to imagine an „attractive woman“ either did or did not orgasm during sex with them. Each man was then asked to rate their sexual esteem and the extent to which they’d feel „masculine“ after experiencing the scenario. The results are what you’d expect: Men felt more masculine and felt high self esteem when they imagined a woman orgasmed during sex with them. „These results suggest that women’s orgasms do function — at least in part — as a masculinity achievement for men,“ researchers wrote.

Let’s be clear — there’s nothing wrong with feeling good about making your partner feel good (in this case, orgasming). It’s nice to bring pleasure to your partner! But the researchers point out a sexist flaw in the masculinity boost thing.

„Despite increasing focus on women’s orgasms, research indicated that the increased attention to women’s orgasms may also serve men’s sexuality, complicating conceptualizations of women’s orgasms as women-centric,“ researchers wrote.

In a separate statement from Chadwick and van Anders, they explained why it’s a bad thing for men to gain masculinity points for bringing female partners to orgasm. „One reason is that it might pressure some heterosexual men to feel like they have to ‚give‘ women orgasms, as if orgasm is something men pulled out of a hat and presented to women,“ they wrote. „This ties into cultural ideas of women as passive recipients of whatever men give them.“

Es ist schon faszinierend, dass man aus allem etwas negatives machen muss. Männer, die schon Sex mit einer gewissen Anzahl von Frauen hatten, dürfte recht schnell bekannt sein, dass einige Frauen sehr schwer zum Orgasmus zu bringen sind und andere sehr leicht und das es jeweils von der Situation abhängt. Ihre Fähigkeit sich auf den Sex einzulassen, sich zu entspannen und sich zB auch mit jemanden, den sie noch nicht so lange kennt, wohlzufühlen, trägt dazu bei, wie viel Arbeit der Mann hat und ob es überhaupt klappt. Aber natürlich spielen auch die Fähigkeiten des Mannes eines Rolle, weswegen beispielsweise viele Frauen die Idee, mit einem „Jungmann“ zu schlafen uninteressanter finden als viele Männer. „Gut im Bett sein“ ist eine Eigenschaft, die beide Geschlechter haben können, allerdings ist es eben zumindest einfacher einen Mann zum Orgasmus zu bringen als eine Frau (was es allerdings nicht weniger wertvoll macht, wenn eine Frau ihn zu einem großartigen Orgasmus bringen kann oder der Sex an sich großartig ist).

Im übrigen tritt dieser Effekt natürlich auch umgekehrt auf: Ein Mann, der aus irgendwelchen Gründen keinen hoch bekommt, wird einige Frauen auch verunsichern, es kann sie in eine Krise stürzen, bei der es darum geht, dass er sie nicht attraktiv findet. Und einen Mann nicht zum Orgasmus bringen zu können wird auch viele Frauen verunsichern, wenn es nicht einen Grund dafür gibt.

Allerdings ist weibliche Lust und ein einfacher und häufiger weiblicher Orgasmus in der Tat etwas, was den Sex sehr gut machen kann. Ich hatte dazu schon mal etwas geschrieben:

  • Die anstrengendste Variante Frau in Hinsicht Orgasmus ist die Frau, die nur auf eine ganz bestimmte recht komplizierte Art und Weise zum Orgasmus kommen kann und davon ausgeht, dass Männer, die das nicht hinbekommen können, keine Ahnung von Frauen haben und man sie herumkommandieren muss. Ich kann mir vorstellen, dass es für diese Frauen durchaus frustrierend ist, dass sie wissen, wie sie kommen und das natürlich auch erreichen wollen, aber wenn Sex erfordert, dass man detailierte Anweisungen im Befehlston umsetzen muss, dann macht er eben wenig Spaß. Nichts gegen helfende Anweisungen, jeder Mensch ist da anders und kennt sich selbst am besten, aber auch die sollten eben dem Anlass entsprechend sein (also nichts gegen ein „schneller, tiefer, nicht so tief“ aber eben kein „du musst in einer Violinschlüsselform lecken und das für X Minuten, aber nicht so, und dann in einem genauen X Takt stoßen, X takt habe ich gesagt, nun mach schon, nein genau der Takt, warum bekommen Männer das eigentlich nicht hin“). Wenn eine Frau sagt, dass Männer von Sex keine Ahnung haben, und alle schlecht ist, dann gehe ich inzwischen davon aus, dass es genau dieser Typ ist (und auch wenn es ein Shittest ist ist es eine gute Reaktion es umzudrehen „Ah, du bist eine von diesen komplizierten Frauen, die nur auf eine Weise kommen können und meinen alle Frauen sind so? Oh weh, wie anstrengend“)
  • Die am wenigsten anstrengende Variante ist aus meiner Sicht die hypersensitive, überaus leicht erregbare Frau. Bei ihr ist der Vorteil, dass sie eine dünnere Haut oder/und feinere Nerven oder was auch immer hat und sie durch normale Berührungen wesentlich schneller, leichter und stärker erregt wird als andere Frauen. Sie ist schlicht ein Genuss, weil sie aufgrund der leichten Erregbarkeit schnell zu Sex zu überreden ist und sie fast alles zum Orgasmus bringt. Stimmulieren der Brüste kann sie kurz davor bringen, bei vaginalen Sex kommt sie ohne Probleme mehrmals, Analsex ist ebenfalls sehr einfach etc. Es ist mit einer solchen Frau einfach, sich als Sexgott zu fühlen.

Aber zurück zum Artikel:

They also mention another sexist orgasm trope: women feeling pressured to fake orgasms in order to appease a male partner, or in their words, „to protect men’s feelings.“ For women who have sex with male partners, the pressure to orgasm is a relatable feeling. Hence all the faking that we know is going down in hetero bedrooms all over the country.

Interessant, dass sie meint, dass es nur in heterosexuellen Schlafzimmern passiert. Ich vermute auch bei lesbischen Beziehungen wird schon mal was vorgetäuscht werden.

Aber in der Tat täuschen Frauen häufig vor, damit sie den Partner nicht enttäuschen:

Women sometimes engage in such behaviors to emphasize love and care. Because men are attentive and interested in a female partner’s orgasm, women may pretend orgasm to keep their partner happy. Darling and Davidson (1986) asked participants open-ended questions regarding pretending orgasm; the primary response by 51% of women who pretended orgasm was “feel guilty, but it is important to satisfy my partner”

Ich schrieb unter dem gleichen Link dazu:

Der Umstand, dass der Partner kommt, ist eben häufig für beide wichtig. Der Mann möchte, dass die Frau kommt und es macht ihn glücklich, wenn das der Fall ist (was biologisch sowohl für Befruchtung und aufgrund der ausgeschütteten Hormone auch für die Partnerbindung (und damit auch wiederum für die Fortpflanzung, da das wiederum mehr Sex und geringere Fremdgehwahrscheinlichkeit bedeutet) interessant ist). Die Frau möchte auch, dass der Mann kommt, einmal weil es ebenfalls Partnerbindungsaspekte hat, aber mitunter eben auch, weil sie weiß, dass er versuchen wird seinen Orgasmus zu verzögern bis sie kommt, aber auch weiß, dass sie nicht kommen kann und es im Sinne der Partnerschaft besser ist, einen Orgasmus vorzuspielen, damit er dann kommen kann.

Beim Mann dürfte es ähnlich sein. Er weiß, dass die Frau ihn zum Orgasmus bringen will, aber er nicht kommen kann (Alkohol, schon zuviel Sex, zuviel Stress, was auch immer). Sie wird sich schlecht fühlen, wenn sie ihn nicht zum Orgasmus bringen kann, er hat aber einfach keine Lust mehr, es weiter zu versuchen. Der Mann hat allerdings das Problem des Ergusses, der mit dem Orgasmus verbunden wird und schwerer vorzutäuschen ist.

Sicher haben Frauen das Problem einen Orgasmus vorzutäuschen häufiger, aber Männer haben häufig das Problem, dass sie, damit die Frau nicht zu kurz kommt, nicht zu früh kommen dürfen, weswegen sie mitunter an allerlei unerotisches Denken, während sie gleichzeitig versuchen, sich nichts davon anmerken zu lassen oder dann, wenn sie sich dem Orgasmus nährt, auch zu kommen, und das eben tatsächlich.

Und beide Verhaltensweisen können sich gegenseitig bedingen. Er hält sich zurück und genießt des Sex nicht, weil er nicht zu früh kommen will, damit sie auch was davon hat. Sie spielt ihm Lust vor, damit er wenigstens Spass hat und sich gut fühlt.

Der Blick auf dass sexuelle ist hier in Studie und Besprechung also eher einfach ausgestaltet.

The researchers draw a fairly frightening conclusion from the research findings. When women’s orgasms begin to serve as a masculinity achievement for male partners, the orgasms cease to be about women’s liberation or sexual pleasure. They just become another opportunity for men to flex, or „shore up their sense of masculinity.“

„These men, therefore, were more likely to view women’s orgasms as a notch on the bedpost of their manliness,“ Chadwick and van Anders wrote in the statement. They end their note with an encouragement for men to think of orgasms less as achievements to be unlocked, and truly view them for what they are: tiny little pleasure explosions that should be enjoyed — frequently — by female partners.

Ein sehr negativer Ausblick. Natürlich kann alles schlecht sein. Aber wenn beide Lust auf Sex haben, dann ist „ich will meinem Partner so viel Lust bereiten wie möglich“ ein hervorragender Ansatz. Auch dann wenn er die Nebenfunktion hat, dass der andere einen für unglaublich gut im Bett halten soll oder man das gute Gefühl, den anderen befriedigt zu haben, auch für sich selbst braucht.

Männer wie Tiere, die man wegschaffen muß – feministische Terror -Gruppen bei Edition F

Edition F hat ein interessantes Interview mit  Mirna Funk geführt. Ein Auszug (leider nur noch aus dem Archiv):

Mirna Funk: „Die alten weißen Männer bäumen sich noch mal auf – wie Tiere kurz vorm Tod“

(…)

Warum gehen die Themen Weiblichkeit und Zukunft für dich Hand in Hand?

„Weil das Jetzt schon weiblich ist. Soziale Netzwerke sind weiblich. Das Internet ist weiblich. Digitalisierung ist weiblich. Deswegen bäumen sich ja auch die alten weißen Männer gerade noch mal auf. Wie ein Tier kurz vorm Tod. Sie spüren sehr wohl, dass die Zeit für sie gekommen ist.

Was ist entscheidend dafür, dass Netzwerke gut funktionieren und etwas bewegen können?

„Das man lernt in diesen Netzwerken zu kommunizieren. Narzissmus-frei zu kommunizieren. Im Moment dienen Netzwerke dem Ego. Es ist ein ständiges Monologisieren aneinander. Wir müssen also lernen, auch ohne direktes Gegenüber zuzuhören. Dem anderen zuhören. Und nicht nur uns selbst.“

Was müssen wir jetzt bewegen, damit die Zukunft sich für alle in eine positive Richtung wendet?

„Wir müssen eine feministische Terror-Gruppe gründen und die alten weißen Männer aus dem Weg schaffen.“

Also ein Vergleich von Männern mit Tieren kurz vor dem Tod und die Aufforderung die alten weißen Männer mittels einer Terror-Gruppe aus der Welt zu schaffen.

Einer der Ersten, die darauf reagiert hat, war die ehemalige Familienministerin Kristina Schröder, die in letzter Zeit häufiger sehr gute Artikel, zB auch zum Gender Gap gebracht hat:

Kurz darauf twitterte der Doktorant auch dazu, wodurch ich ebenfalls darauf aufmerksam wurde:

Der Text ist in der Tat aus meiner Sicht unter aller Sau und menschenverachtend. Zurecht entbrannte ein ziemlicher Protest,

 

an dem ich mich auch beteiligte:

Ich dachte ich frage die Autorin des Artikels auch noch mal selbst, ob sie da nicht kritischer hätte sein müssen:

Ich habe aber schnell eingesehen, dass da wenig zu erwarten sein würde:

Die Reaktion bei Edition F war eine stillschweigende Änderung des Artikels zur gegenwärtigen Version:

Mirna Funk: „Die alten weißen Männer bäumen sich noch mal auf“

(…)

Warum gehen die Themen Weiblichkeit und Zukunft für dich Hand in Hand?

„Weil das Jetzt schon weiblich ist. Soziale Netzwerke sind weiblich. Das Internet ist weiblich. Digitalisierung ist weiblich. Deswegen bäumen sich ja auch die alten weißen Männer gerade noch mal auf. Wie ein Tier kurz vorm Tod. Sie spüren sehr wohl, dass die Zeit für sie gekommen ist.“
Was ist entscheidend dafür, dass Netzwerke gut funktionieren und etwas bewegen können?

„Das man lernt in diesen Netzwerken zu kommunizieren. Narzissmus-frei zu kommunizieren. Im Moment dienen Netzwerke dem Ego. Es ist ein ständiges Monologisieren aneinander. Wir müssen also lernen, auch ohne direktes Gegenüber zuzuhören. Dem anderen zuhören. Und nicht nur uns selbst.“
Was müssen wir jetzt bewegen, damit die Zukunft sich für alle in eine positive Richtung wendet?

„Wir müssen eine feministische Terror-Gruppe gründen und die alten weißen Männer aus dem Weg schaffen (lacht).“

Anscheinend wurde es ihnen mit der Terror-Gruppe zu heiß, weswegen man das „Lacht“ hinzufügte. Der Vergleich der Männer mit dem sterbenden Tier ist immerhin geblieben.

Auf Twitter führte dies zu allerlei Spott.

Bei der anderen Seite zeigte sich aber trotz Änderung wenig Einsicht:

Das ist natürlich nur ein kleiner Einblick, es war einiges los auf Twitter. Mir scheint, dass einigen bewusst geworden ist, dass der Feminismus eine ziemliche Männerfeindlichkeit haben kann. Edition F scheint zudem ein weiteres Sammelbecken radikaler Feministinnen zu sein. Mal sehen, ob es mit weiteren Aktionen dieser Art auffällt

Die entlassene kellnernde Feministin

Ich fand die Darstellung eines Falles einer Feministin ganz interessant, die entlassen worden ist.

In dem deutschen Stern heißt es dazu:

Männerfeindliche Thesen? Da wurde diese alleinerziehende Kellnerin gefeuert

Ein Mann bezeichnete seine Kellnerin in einer Bewertung als Männerfeindin – darauf verlor die alleinerziehende Mutter nach acht Jahren ihren Job. Der Besitzer setzte sie einfach für die Tür

Und dann später im Text:

Moira Walsh bestreitet im „Providence Journal“, dass sie bereits zuvor verwarnt worden sei. Und sieht hinter ihrer Entlassung einen Anschlag auf die Verfassung, weil sie wegen ihrer Ansichten und nicht wegen eines schlechten Dienstes gefeuert wurde. Tatsächlich ist es nicht einfach zu verstehen, was tatsächlich vorgefallen war. Der Kunde fühlt sich wohl von den Ansichten gestört, die Walsh im Radio und in den sozialen Netzwerken von sich gegeben hat. Es war gar nicht die Rede davon, dass sie ihn beim Essen mit Polit-Parolen traktiert hätte.

Moira Walsh ist nicht nur Kellnerin, sie ist Abgeordnete der Demokraten für Rhode Island im Parlament des Bundesstaates. Um Geld zu verdienen, arbeitete sie im Classic Cafe in Providence. Ihr Chef meinte nun, dass die 26-Jährige ihre politischen Ansichten während der Arbeit nicht für sich behalten konnte. Und feuerte sie.

Besitzer Raymond Burns sagte, eine Bewertung des Cafés auf dem Internetportal Yelp habe das Fass zum Überlaufen gebracht. Dort beschwerte sich ein Kunde über die männerfeindlichen Ansichten der Servicefrau.

Walsh hatte den Job acht Jahre. Für ihre politische Tätigkeit erhält sie eine Entschädigung von 15.000 Dollar, sie benötigt die Arbeit im Café, um über die Runden zu kommen. Im lokalen Radio erklärte sie: „Er hat zu mir gesagt: ‚Du weißt, wir sind stolz auf deine politische Arbeit, aber deine Ansichten schädigen das Geschäft und wir müssen deine Beschäftigung jetzt beenden.'“

Die inzwischen gelöschte Beschwerde störte sich unter anderem an einem Weihnachtsgruß von Walsh. Sie hatte geschrieben: „Meine Wünsche gehen zu den Frauen und den Trans. Der Rest der Männer ist mir egal.“ Die streitbare Frau wurde bekannt, weil sie offen über ihren Kampf als alleinerziehende Mutter mit einer schlecht bezahlten Arbeit berichtete. Dabei scheut sie die Konfrontation nicht: „Führen meine Bemerkungen dazu, dass sich Männer schlecht fühlen? Ja, klar!“

Der Besitzer schrieb in einem Statement: „Walsh fing oft politische Diskussionen mit unseren Kunden an, dann setzte sie sich zu ihnen an den Tisch. In ihrer Arbeitszeit. Wir haben sie öfter darauf hingewiesen, dass sie weiter arbeiten und diese Gespräche in ihrer Freizeit machen solle.“ 

Für das Café hat sich der Rausschmiss sicher nicht gelohnt. Die Beschwerde-Bewertung wurde inzwischen gelöscht, dafür häufen sich nun negative Einträge. Ein langjähriger Kunde, Alex L., schreibt sich seine Enttäuschung vom Leib: „Hier fühlten sich meine Frau und ich wie zu Hause. Das hat aufgehört, als man Moira Walsh gefeuert hat. Moira ist eine wunderbare Kellnerin. Der Besitzer hat absolut falsch reagiert.“ Walsh schrieb auf Facebook: „Wenn man für seine Rechte eintritt, ist es nie einfach. … Aber ich werde nicht still sein. Ich mache einen Eine-Frau-Aufstand!“ 

Auf einer englischen Seite heißt es:

Meet Moira Jayne Walsh. She worked as a waitress at a Rhode Island restaurant until her loose lips got her in trouble. Walsh is what you’d call a man hater and she was constantly spouting those views to her customers. For a bit of context, here’s what she wrote on Facebook at Christmas time:

“Peace on earth, good will to WOMEN. I am DONE giving you men my good will. You don’t do anything good with it. All my holiday cheer is for women femmes and trans. Signed, Frustrated women fighting patriarchal oppression one Facebook rant at a time.”

Yeah, that’s the kind of thing her patrons had to put up with day after day, but the cafe owner had enough and sent her packing. Here’s how he explained her antics:

Walsh would often get into vocal political discussions with customers during her shifts, often sitting down with the diners in their booths. We sometimes had to ask her to return to her duties and advised her to continue her discussions when she was off the clock. These disciplinary instances were never about politics or free speech, but simply reminder of her job and responsibility to all customers.
But here’s the worst part: Walsh is a state representative in Rhode Island and waitressing was just a side job. The cafe owner said she was using that job to gain supporters:

This is not a male vs. female issue, nor is it a case of attempting to silence someone’s free speech. This is an example of someone taking advantage of a captive audience to promote their own political views.

For newly elected public servant to whip the media and her supporters into a frenzy with unfounded accusations, demanding a boycott and portraying our family in such a negative light is profoundly upsetting and potentially damaging to my family’s livelihood.
Walsh spread a rumor that the reason she was fired was over a one-star Yelp review of the family restaurant. She also accused the owner of sexual harassment. When she was interviewed on a local radio show, Walsh was asked if she was going to press charges but just gave this rambling answer:

“I wasn’t, y’know, I didn’t – I didn’t say anything about this because I was over it a week ago. At first I was really upset, but I’ve spent an entire week where nobody manhandled me, or called me the c-word, or refused to tip me based on, y’know, the lack of smile that came with the pancakes? Like, I have been enjoying the dignity that comes with not being in the restaurant industry for a week, and it’s been a delight.”

Natürlich ist es aus der Ferne schwer zu sagen, was sich abgespielt hat. Aber nach dem, was relativ unstreitig zu sein scheint, scheint sie eine radikale Feministin zu sein, die Männer hasst. Sie scheint es auch für richtig zu halten, dass sie dies allen mitteilt. Und natürlich kann ein Restaurantbesitzer entscheiden, dass das nicht zu seinem Restaurant passt und ihr kündigen. Wenn sie dann anscheinend auch Job und privates nicht trennen kann und Gäste mit ihren Ansichten belästigt, dann finde ich das sogar sehr verständlich.

Erschreckender finde ich aber, dass der Stern den Fall so einseitig wiedergibt. Anscheinend ist der Autor der Auffassung, dass ein wenig Männerfeindlichkeit nicht weiter schlimm ist.

Anscheinend hat man das sogar zu einem gewissen Teil noch gemerkt. Die URL heißt immer noch „feministische-thesen–da-wurde-diese-kellnerin-gefeuert-7313156.html“, was vermuten läßt, dass dies erst die Überschrift des Artikels war. Anscheinend hat der Autor beim Schreiben gemerkt, dass das ja doch nicht ganz ohne ist, und es lieber in „Männerfeindlich“ geändert.

Ob er schlicht zu faul war, seine Bewertung der Vorgänge ebenfalls anzupassen oder es einfach tatsächlich die Männerfeindlichkeit nicht als Grund ansieht wäre interessant

Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass er den gleichen Text geschrieben hätte, wenn sie  „Meine Wünsche gehen zu den Weißen und den zumindest hellhäutigen. Der Rest der Menschen ist mir egal. Führen meine Bemerkungen dazu, dass sich Schwarze schlecht fühlen? Ja, klar!“ gesagt hätte oder eben „“Meine Wünsche gehen zu den Männern und den Jungs. Der Rest der Menschen ist mir egal. Führen meine Bemerkungen dazu, dass sich Frauen schlecht fühlen? Ja, klar!“ gesagt hätte. Dann hätte man sich allenfalls gewundert, wie es ein solcher Sexist/Rassist überhaupt in die Politik geschafft hat und warum sie ihn überhaupt so lange in ihrem Restaurant geduldet haben.

Hier hat man aber anscheinend kein Verständnis dafür, dass ein Restaurantbesitzer eine radikale Person los werden möchte, man freut sich sogar noch, dass gegen ihn zum Boykott aufgerufen wird und er einen wirtschaftlichen Schaden erleidet. Bizarr.

 

„Ein Schwanz aber ist eine potenzielle Waffe. Opfer sexueller Gewalt müssen ein Recht auf schwanzfreie Räume haben“

Der Artikel bei den Störenfridas über M->F Transsexuelle wurde in den Kommentaren schon häufiger angesprochen, er ist aber auch zu schön, um ihn nicht noch einmal kurz zu besprechen:

Dazu muss man wissen, dass die Störenfridas keine intersektionalen Feministinnen sind, sondern eher einen klassischen, an Beauvoir, Schwarzer und Dworkin orientieren Feminismus praktizieren: Dort führt man einen Kampf der Frauen gegen die Männer, wobei die Männer aufgrund ihrer Sozialisation böse sind und Sex eine Waffe zur Unterdrückung der Frau sein kann und eben über sexuelle Gewalt als solche eingesetzt wird. Die Unterschiede zwischen dieser Art von Feminismus hatte ich bereits hier einmal erklärt.

In diesem Feminismus gibt es erst einmal die „Unterdrückungskategorie“ „CIS-Personen sind privilegiert und unterdrücken daher Transpersonen“ nicht. Man geht schlicht davon aus, dass der Wechsel eine rein soziale Praxis ist, die stoppen würde, wenn Geschlechterrollen aufgelöst würden. 

Eine M-F Transsexuelle ist, da sie als Mann sozialisiert worden ist, bei durchaus konsequenter Anwendung dieser Theorien erst einmal eine Gefahr, gerade dann, wenn sie noch einen Penis hat. Denn dann hat sie ja über ihre Sozialisation nach dieser männerfeindlichen Theorie quasi „das vergewaltigen gelernt“ und die potentielle Tatwaffe ist auch noch vorhanden, wenn sie nicht operiert worden ist.

Dann kommt es zu Texten wie diese:

Kurz voranschicken möchte ich: ich habe mit umoperierten Transfrauen auf dem Klo überhaupt kein Problem. Ja, diese haben trotzdem eine männliche Sozialisation usw., aber darum geht es jetzt nicht. Womit ich ein Problem habe, sind Menschen mit Schwanz auf dem Frauenklo. Ist mir egal, unter welchen Frauenklamotten dieser Schwanz vor sich hergetragen wird und wieviel Schminke die Person, die ihn trägt, im Gesicht hat. Eine Toilette ist ein intimer, geschützter Rückzugsort. Hier kann man sich erleichtern, kotzen, sich umziehen, telefonieren oder heulen. Der Privatsphäre in einer Toilette kommt eine große Bedeutung zu. Sex auf Toiletten ist beliebt und akzeptiert. Auf gemeinsamen Toiletten kommt man sich unter Fremden sehr nahe, oft zu nahe. Das ist unangenehm, bislang für Frauen aber nicht gefährlich. Ein Schwanz aber ist eine potenzielle Waffe. Er kann benutzt werden, um Frauen gegen ihren Willen zu pentrieren, vielleicht in einer Situation, in der sie hilflos, ungeschützt oder schlichtweg unachtsam sind. Opfer sexueller Gewalt müssen ein Recht auf schwanzfreie Räume haben.

Wiedermal ein gutes Beispiel für den Männerhass im Feminismus (intersektionale Feministinnen würden es hingegen als „Transfeindlichkeit“ und nicht als Männerfeindlichkeit ansehen würde ich vermuten: Es ist okay, dass man meint, dass alle Männer eine Gefahr sind. Aber das man M->F Transsexuelle entgegen ihrer Selbstansicht nicht als Frauen bezeichnet, dann ist das eben transfeindlich)

  • Wir hatten uns alle darauf geeinigt, dass es sex gibt, das angeborene, das biologische Geschlecht, und gender, das soziale Geschlecht – die Rolle, die einem Menschen zugeschrieben wird. Wir haben uns darauf geeinigt, dass gender eine Konstruktion ist. Ich verstehe jeden Menschen, der sich mit seiner zugeschriebenen Genderrolle nicht identifizieren kann. Aber dieser Mann in Frauenkleidern ist keine Frau, sondern ein Mann, der sich wie eine Frau FÜHLT. Ich akzeptiere das, aber das macht ihn nicht zur Frau. Sorry, aber es gibt sowas wie Biologie, und das sind FAKTEN, die wir nicht einfach wegwischen können.

Da werden auch noch mal die Unterschiede zum intersektionalen Feminismus deutlich. Dort wäre das „Sich Fühlen“ bereits vollkommen ausreichend. Und eine CIS-Person darf sich eh nicht anmaßen ihn als Gefahr zu sehen, allenfalls ist sie die Gefahr. Dass da noch ein Penis vorhanden ist. Hingegen bleibt im dem Feminismus der Störenfridas der Mann eben ein Mann, schlicht weil er einen Penis hat.

  • Auch der Schwanz, den dieser Mensch mit in dieses Frauenklo getragen hat, ist ein FAKT. Ich möchte nicht in der Haut eines Menschen stecken, der von sich sagt, er oder sie sei im falschen Körper geboren und empfinde diesen Körper als das nicht passende Geschlecht, wirklich nicht. Und diese Menschen haben einen Platz auf der Welt, und sie brauchen sichere Räume, und sie brauchen Rechte, so viel ist klar. ABER die politische Transbewegung zeigt Auswüchse, wenn sie als radikale Forderung stellt, auch Menschen mit Schwanz seien, so sie sich so definierten, Frauen.

Sie hat aus meiner Sicht Recht, wenn sie sagt, dass intersektionale transaktivistische Feministinnen so ziemlich das abgedrehteste ist, was man selbst innerhalb des intersektionalen Feminismus vorfindet. Denn dort ist wirklich jeder Hinweis, dass eine Frau weibliche Genitalien hat oder schwanger werden kann oder das ein Mann einen Penis hat und einen Bartwuchs hat, exkludierende Transfeindlichkeit.

  • Das geht so weit, dass Frauen sogar ihre Vergewaltigungen als Privileg angekreidet werden, denn immerhin zeige das ja, dass diese als Frauen wahrgenommen würden – ein Privileg, das Transfrauen nicht hätten. Sorry, aber Vergewaltigungen (und vielleicht auch Zwangsprostitution, häusliche Gewalt, Genitalverstümmelung, Zwangsheirat,…?) als PRIVILEG?

Es sagt viel über den Stand des Feminismus aus, dass man sich das durchaus vorstellen kann, dass es dort jemand sagen würde, dass dies eine Form des „CIS-Privilegs“ ist. Jessica Valenti hat sich ja auch schon beschwert, dass mit steigenden Alter das Catcalling abnimmt und ich erinnere mich auch daran, dass es ein „ich brauche Feminismus, weil ich mich wundere, warum ich nicht wie andere Frauen sexuell belästigt werde“ Schild gab. Aber eine Quelle wäre natürlich trotzdem interessant.

  • Die radikale Forderung danach, unoperierte Transfrauen als Frauen wahrzunehmen führt auch dazu, dass neuerdings lesbischen Frauen vorgeworfen wird sie diskriminierten Transfrauen, wenn sie auf Grund des Penisses nicht mit diesen schlafen wollen, denn Transfrauen seien Frauen, und ein „lady dick“ sei etwas völlig anderes als ein „männlicher Schwanz“. Das hat sehr viel von rape culture, und genauso empfinde ich es als rape culture, wenn meine Gefühle (sich unsicher, bedroht, ausgeliefert zu fühlen) plötzlich weniger wert sind als die Gefühle eines Menschen mit Schwanz, der sich als Frau fühlt (wie auch immer sich eine Frau zu fühlen hat). Da rede ich jetzt noch gar nicht davon, dass Transpersonen es geschafft haben dass Frauen in Frauenräumen nicht mehr über Menstruation, Schwangerschaft usw. reden können, weil das für Transpersonen triggernd ist. Da rede ich jetzt auch nicht davon, dass Transpersonen neuerdings in Beiträgen als „Frauen“ bezeichnet werden und biologische Frauen als „Menstruatorinnen“ und Mütter als „Elter mit Uterus“. (Kein Scherz.) – Und was ist jetzt eigentlich mit Personen die gender fluid sind? Dürfen die an Tagen an denen sie sich als Frau definieren jetzt auch aufs Frauenklo? Wie kontrolliert man das eigentlich, wer sich wie fühlt? Darf jetzt jedes Männerballett zu Fasching auch aufs Frauenklo?

Auch das sind die Irrungen des intersektionalen transaktivistischen Feminismus, der auf einen klassischen Männer-sind-der-Feind-und-alle-Vergewaltiger-keine Frau-ist-sicher-Feminismus trifft. Zwei irre Ansichten treffen aufeinander, beide sind falsch. Und beide sind erbitterte Gegner, die sich aber anscheinend auch nicht in die Position des anderen eindenken können, selbst wenn sie sie nicht teilen. Eine genaue Bestimmung der verschiedenen Ansichten, eine Aufschlüsselung der verschiedenen Theorien erfolgt bei Feministinnen selten.

  • Dass es Menschen gibt, die sich auf dem Männerklo unwohl fühlen kann ich sehr gut nachvollziehen.

Klar, da sind ja auch widerliche Männer und ihre Schwänze, die alles vergewaltigen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist.

  • ABER. Sich dort unwohl zu fühlen kann nicht die Eintrittskarte fürs Frauenklo sein. Sorry, aber auch andere Männer, die nicht dem gängigen Männlichkeitsbild entsprechen (zu klein, zu schmächtig, Penis entspricht nicht den pornographisierten Vorgaben) fühlen sich dort unwohl. Dürfen die jetzt auch alle aufs Frauenklo? Sorry, guys, but that´s patriarchy, you stupid. Wenn euch das nicht passt, müsst ihr halt was gegen das Patriarchat unternehmen. Wenn ihr euch dort unwohl fühlt, weil Männer eben scheiße zu anderen sind (auch zu Männern, die nicht den gängigen Klischees entsprechen), und wenn ihr glaubt, dass euch das als Schwanzträger dazu berechtigt in den safe space anderer Gruppen eindringen zu dürfen und dort dafür zu sorgen, dass diese sich unwohl fühlen, wo macht ihr dann bitte etwas anderes als die Typen, die euch auf dem Männerklo schief ansehen weil ihr euch geschminkt habt?

Auch klassisch: Wenn Männer widerliche Vergewaltiger sind, dann müssen Männern, denen das nicht gefällt, eben diese Zustände ändern, statt bei den Frauen in ihrem (sehr begrenzten) Schutzraum einem Risiko durch ihre Anwesenheit auszusetzen. Denn Männer sind und bleiben nun einmal Schweine. Und in dieser feministischen Spielart gibt es nur den Kampf Männer gegen Frauen, warum sollte man da den Feind ins eigene Lager lassen?

  • „Was soll diese Person sonst machen?“ Ja, also, sorry, aber ist das mein Problem? Ich möchte das hier nur nochmal betonen: Ja, Transpersonen werden diskriminiert. Nein, das ist sowas von nicht okay. Aber warum wird von Frauen eigentlich dauernd erwartet, dass sie sich für alle und alles zuständig fühlen, und zwar auf Kosten der Frauen? Warum müssen Frauen sich um alle und alles kümmern, aber nie um sich selbst? Warum müssen wir ständig für andere einstehen, aber nie dürfen wir es einfach mal für uns?

Hier wird deutlich, dass sie die intersektionalen Theorien Theorien nicht verstanden hat. Denn die Antwort in dem System ist ja klar: Weil Transpersonen durch CIS-Personen unterdrückt werden und man hier als CIS-Person uneingeschränkt die Selbstdefinition als Frau anerkennen muss. Macht man das nicht, dann ist man ein widerlicher Unterdrücker. Die Ansicht, dass von ihr als Frau eine Gefahr ausgeht ist in dieser Theorie absurd, denn andere Frauen sind ja dort und denen wirft man auch nicht vor, dass sie eine Gefahr sind.

  • Warum sollten die GEFÜHLE eines Schwanzträgers schon wieder wichtiger sein als meine (auch gefühlte) Sicherheit? Ich bin in meinem Leben mehrmals Opfer sexueller Gewalt geworden. Ich kenne keine Frau, der das nicht passiert ist. Wir haben ein RECHT auf Räume, in denen wir uns NICHT mit der Präsenz von Schwänzen auseinandersetzen müssen, gerade wenn es so sensible Bereiche sind wie Umkleiden, Toiletten usw. Um zu der Frage zurückzukommen was diese Person sonst machen soll: auch wir Frauen mussten uns safes spaces erkämpfen. Wir müssen es immer noch, jeden Tag. Auch Transpersonen brauchen safe spaces. Ich bin die erste, die für Toiletten votiert in die Menschen, die (noch) nicht aufs Frauenklo gehören, sich aber im Männerklo unwohl fühlen, gehen können. Ja, ihr braucht eigene Räume. Aber die safe spaces anderer Gruppen zu torpedieren und diese damit unsafe zu machen ist nicht der richtige Weg.

Ich vermute mal, dass damit keineswegs das Ziel vieler Aktivisten erreicht wäre: Denn sie wollen ja gerade die Anerkennung, dass Transsexuelle Angehörige des jeweiligen Geschlechts sind. Da werden sich also viele gerade nicht einigen können. Natürlich ist andererseits die Anzahl der Transsexuellen so gering, dass es quasi ungenutzte Toiletten wären, wenn man sie überall einrichten müsste und sie nur von Transsexuellen zu benutzen wären.

Um das zu verdeutlichen: Wir Frauen sind eine unterdrückte Klasse. Männer sind die Unterdrücker. Es gibt keinen „umgekehrten Sexismus“; so wie es keinen „umgekehrten Rassismus“ gibt. Wenn schwarze Menschen sich abfällig über Weiße äußern, ist das noch lange kein Rassismus, denn Rassismus braucht die umfassende, gesamtgesellschaftliche Unterdrückung und Diskriminierung. „Transphobie“ als Ausdruck einer sexistischen Diskriminierung kann also per se nichts sein, was Frauen ausüben – sie sind ja selbst von sexistischer Diskriminierung betroffen und sie können nicht zugleich Unterdrückte und Unterdrückende des gleichen Systems sein.

Ein Satz der deutlich macht, dass sie intersektionalen Feminismus nicht verstanden hat.  Dort  sieht man eben  verschiedene Kategorien, in denen jeweils eine Benachteiligung erfolgen kann. Die gängisten sind:

  • Geschlecht: Mann ist privilegiert, Frau benachteiligt
  • Rasse: weiß ist privilegiert, PoC benachteiligt
  • Orientierung: Hetero ist privilegiert, Nichthetero benachteiligt
  • Und eben: Gender-Sex-Übereinstimmung: CIS ist privilegiert, Trans benachteiligt.

Intersektionalität sagt nun gerade, dass sich aus Zusammenspiel besondere Benachteiligungen ergeben können und das auch Privilegierungen und Benachteiligungen in einer Person zusammen fallen können. Und als Frau wäre man eben dann nach diesen Theorien benachteiligt, als CIS aber privilegiert. Daraus leiten sie her, dass Transpersonen als benachteiligte geschützt werden müssen. In dieser Sichtweise hätte eine CIS-Frau eben tatsächlich gesellschaftlich zugewiesene Privilegien gegenüber einer Transperson. Weswegen es auch „CIS Privileg Listen“ gibt.

Es ist auch deswegen interessant, weil der Artikel versatzstückhaft Elemente verschiedener feministischer Theorien vermischt. Aber eben so, dass sie zur eigenen Ansicht passen. Man übernimmt, was nützlich ist.

Männer und Frauen haben in unserer Gesellschaft nicht den gleichen Status, so dass Frauen keine strukturelle Unterdrückung an Männern begehen können – auch nicht, wenn diese sich als Frauen umdefinieren. Unterdrückung braucht immer ein System, das sie ermöglicht, sie entsteht nicht plötzlich je nach situativem Kontext. Genau das aber wird in der Transdebatte behauptet. Aus Frauen, die gerade noch mit ihrer eigenen Unterdrückung kämpfen, werden auf einmal Unterdrückerinnen, dabei sind sie doch selbst Opfer sexueller Gewalt, sexistischer Diskriminierung und Ausbeutung. Transfrauen werden nicht durch Frauen diskriminiert  sondern durch das patriarchale System.

Das Patriarchat ist ja eh an allem schuld. Hier ist es aber aus Sicht intersektionaler die Kyriarchat und nicht das Patriarchat.

Anstatt diesem den Kampf anzusagen, dringen sie in die Räume von Frauen vor und behaupten, wenn diese sie nicht sofort akzeptieren, trotz „ladydick“, wenn Lesben nicht mit ihnen ins Bett gehen und alle ab sofort über alles schweigen, was mit weiblicher Biologie zu tun hat, werden sie unterdrückt. Sie reden dann von einem Cis-Privileg. Wo, außer in dieser Debatte, ist es ein Privileg, einen Uterus zu haben? Demonstrieren nicht aktuell weltweit Frauen dafür, nicht wieder mit dem Kleiderbügel abtreiben zu müssen? Wo ist es ein Privilieg, eine Vagina zu haben? „Pussy“ ist ein Schimpfwort, Vaginas werden vergewaltigt. Die Rechte und Freiheiten von Transpersonen sind wichtig. Aber was zur Hölle macht sie wichtiger als die Rechte und Freiheiten von Frauen? Kommt hier nicht ein ganz anderes, und zwar echtes Privileg zum tragen – nämlich das männliche, das die Diskurshoheit an sich reißt?Und dass der Anspruch auf dieses männliche Privileg nicht endet, wenn die Umwandlung zur Frau beginnt, weil er Teil einer männliche Sozialisation ist, die jeder mit Penis geborene Mensch erlebt, ganz gleich, ob er sich als Frau fühlt oder nicht?

Als Frau und damit Angehörige einer unterdrückten Klasse definiere ich diese Klasse, nicht meine Unterdrücker – denn wenn wir das zulassen, dann brauchen wir zum Kampf gar nicht anzutreten.

Ein schönes Beispiel dafür, dass

  • alles ein Nagel ist, wenn das einzige Werkzeug, was man hat ein Hammer ist. Und sie haben eben nur „männliche Unterdrückung“.
  • die feministischen Theorien heir vollkommen verschiedene Denkansätze haben

Aus deren Sicht ist es nur ein fieser Trick der Männer ihnen die Diskurshoheit wegzunehmen. Aus der Sicht des Intersektionalen Feminismus ist es hingegen ein Verbrechen, Transsexuelle der falschen Gruppe zuzuordnen.

Ich habe mich gestern gefühlt wie der herzloseste und gemeinste Mensch der Welt, und ich bin auch so behandelt worden. Das, weil ich geäußert habe, dass ich mich in einer Toilette mit einem Menschen, der einen Schwanz trägt und auf Frauen steht, nicht sicher fühle – egal, als was dieser Mensch sich definiert. Und dass ich denke, dass gerade Transpersonen doch wissen müssten, wie wichtig Räume sind, in denen man sich sicher fühlt. Und dass gerade sie doch nicht die safe spaces anderer in egoistischer Manier benutzen und unsicher machen sollten, während sie andere dafür beschämen, dass diese anmerken, dass sie sexuelle Gewalt erlebt haben, durch Menschen mit Schwanz, und dass sie keinen Bock mehr auf unaufgefordert ausgepackte Schwänze haben und nicht mit ihnen in einem Raum sein wollen. Ich begreife es nicht. Rechte für Transpersonen werden nicht auf Kosten von Frauenrechten erstritten, und hier läuft etwas grundlegend verkehrt, wenn  ich runterschlucken muss, dass ich nicht erwähnen darf was FAKT ist (der Schwanz), das mich etwas triggert, dass ich mich unsicher fühle, dass ich RECHTE habe – auf Sicherheit, auf Unversehrtheit, auf die Abwesenheit (vor allem in sensiblen Räumen) von Körperteilen die gegen Frauen als Waffe benutzt werden. Und man komme mir jetzt nicht mit diesem# Notallmen-Scheiss, oder mit #Notallpeoplewithdicks-Mist. Es ist hier nicht meine Sichtweise das Problem (die Frage, ob ich Transfrauen als Frauen sehen kann oder nicht), sondern die Realität. Der Schwanz. Und der kann nicht einfach wegdekonstruiert werden. Damit, ihn umzudefinieren und ihm einen anderen Namen zu geben („lady dick“) ist das Problem für mich nicht gelöst. Im Patriarchat bleibt der Schwanz eine Waffe und wenn ich ihn nicht mehr als solches benennen darf, dann treibt mich das in eine neue Form von Sprach- und Wehrlosigkeit.

Noch einmal, weil es so schön ehrlich ist:

  • Schwänze sind Waffen
  • Der Schwanz kann nicht wegkonstruiert werden.
  • Im Patriarchat bleibt der Schwanz eine Waffe

Aber der Feminismus hat ansonsten nichts gegen Männer. Sie sind halt nur alle mit Schwänzen bewaffnete Vergewaltiger.

Noch kurz eine Anmerkung zum Thema „Transsexuelle auf Toielleten“

  • Ich halte eine Umstellung für unnötig. Die meisten Transsexuellen werden eh „Passing“ betreiben wollen und gerade nicht als Transsexuelle auf eine Toilette wollen. Ich denke es ist eher der radikale Kern Intersektioneller, der das Thema aus politischen Gründen so stark besetzt
  • Unisextoiletten finde ich auch nicht wirklich praktisch, in einem Büro noch relativ einfach, aber mit Betrunkenen in Diskos wird es garantiert irgendwelchen Ärger geben. Zudem wäre die Frage, wie man die Toiletten so umbaut, dass Männer weiterhin Pissoirs benutzen können, ohne dass einem beständig Frauen auf den Schwanz schauen, weil sie die Toilettenräume betreten. Auch dazu scheint mir kaum Raum vorhanden zu sein in typischen Toilettenräumen. Und ohne Pissoirs wird man schlicht längere Schlangen an beiden Toiletten haben, was niemanden etwas bringt.
  • Das Argument „Jeder hat eh ein Unisexklo zuhause“ ist Mist, weil bei diesem Klo eine Person den Raum betritt, die Tür abschließt und keine weitere Person in dem Raum vorhanden ist. Das ist etwas anderes als ein Massenbetrieb.
  • Ich habe aber auch kein Problem damit, wenn ein Transsexueller auf Männerklo kommt. Schon jetzt kommen ja je nach Schlange vor dem Mädchenklo genug Frauen aufs Männerklo. Ich vermute aber, dass umgekehrt das Geschrei groß wäre.