Kritische Männerforschung

Gestern kam kurz das Thema kritische Männerforschung auf. Dazu aus der Wikipedia zunächst zur Männerforschung:

Männerforschung ist eine interdisziplinäre Wissenschaft, die sich mit dem Thema Mann und Männlichkeiten befasst. Dazu gehören sozialwissenschaftliche, erziehungswissenschaftliche, psychologische und historische Untersuchungen. Die Forschung findet analog zur Frauenforschung vor allem im Rahmen der Geschlechterforschung statt. Als eigenständige Disziplin konnte sie sich jedoch im deutschsprachigen Raum bislang nicht etablieren.

Männerforschung an sich ist natürlich eine gute Idee, ebenso wie Frauenforschung. Alllerdings sollte aus meiner Sicht natürlich auch eine medizinisch-biologische Forschung dazu kommen.

Kritische Männerforschung

Forschung ist aufgrund des systematischen Ausschlusses von Frauen aus den Universitäten bis in die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts hinein zumeist Forschung von Männern (Androzentrismus) gewesen, da eben nur Männer an ihr teilnehmen durften. In Abgrenzung zur männerdominierten Wissenschaft gab sich die in den 1980er Jahren entstehende Forschung über Männer und Männlichkeiten den Namen Kritische Männerforschung.

Da sieht man bereits, dass die kritische Männerforschung nahe an der feministischen Theorie ist. Die Forschung mag eine ganze Zeit männerdominiert gewesen sein, aber rein aus diesem Umstand heraus muss sie nicht falsch gewesen sein. Und wenn sie dies war, dann ist das beste Mittel zur weiteren Forschung nicht eine Art Standpunkttheorie, sondern die Anwendung empirischer Wissenschaft.

Die Kritische Männerforschung geht weitgehend von einem emanzipatorischen, teilweise auch von einem feministischen Ansatz aus. Das heißt sie hinterfragt bestehende Rollenbilder und teilt zentrale Konzepte, welche in feministischen Ansätzen der Geschlechterforschung begründet sind und entwickelt diese für ihre Zwecke weiter.

Damit ist sie eben nur in eine Richtung kritisch, wobei aus meiner Sicht diese Kritik bereits den falschen Ansatzpunkt hat, wenn sie einfach nur auf das Geschlecht der bisherigen Forscher abstellt. Sie ist insoweit – jedenfalls wohl teilweise – unkritisch gegenüber der anderen Richtung, eben den feministischen Ansätzen.

Das hinterfragen von Rollenbildern kann dabei natürlich sinnvoll sein, dagegen möchte ich gar nichts sagen. Es sollte allerdings mit einer gewissen Neutralität erfolgen und nicht zu einer Verdammung von Männlichkeit führen.

 Innerhalb der Kritischen Männerforschung ist allerdings umstritten, in welchem Verhältnis sie zur feministischen Frauen- und Geschlechterforschung steht. In den Anfängen gab es prominente Stellungnahmen von profeministischen Männerforschern, welche eine Unter- oder Nachordnung von Männerforschung postulierten. Andere sahen und sehen Kritische Männerforschung als wichtige Ergänzung zur feministischen Frauenforschung, welche sich ggf. auch kritisch mit den Blinden Flecken auseinandersetzen müsse.

Das ist ja immerhin etwas. Die Unter- und Nachordnung kennt man ja schon aus anderen profeministischen Männerbewegungen. Im wesentlichen ein Unterstützen und nicht zuviel Raum einnehmen und immer schon die eigenen Privilegien reflektieren. Denn da eine Frau nie privilegiert sein kann muss letztendlich alles auf Befreiung der Frau aus dem Patriarchat ausgerichtet sein, die Befreiung des Mannes folgt dann quasi als Lösung des Nebenwiderspruchs, wenn man den Hauptwiderspruch gelöst hat.

Meiner Meinung nach muss eine Männerforschung jederzeit eigene Theorien entwickeln können und muss nicht bei der Kritik blinder Flecken stehenbleiben, sondern kann natürlich umfassend kritisieren (oder auch zustimmen, je nach dem).

Prinzipien der Kritischen Männerforschung nach Jeff Hearn

Jeff Hearn entwickelte 1987 im Magazin der englischen Männerbewegung „Achilles Heel“ fünf Prinzipien, die für eine zukünftige kritische Männerforschung Anwendung finden sollten:

  •  Männer sollten die Autonomie der Frauenforschung respektieren, was nicht heißen soll, umgekehrt eine Autonomie der Männerforschung einzufordern.
  • Männerforschung soll Frauen und Männern offen stehen.
  • Das vorrangige Ziel der Männerforschung ist die Entwicklung einer Kritik an männlicher Praxis, zumindest teilweise aus feministischer Sichtweise.
  • Männerforschung ist interdisziplinär anzulegen.
  • Männer, die Männerforschung betreiben, müssen ihre Praxis des Forschens, Lernens, Lehrens und Theoretisierens hinterfragen, um nicht die patriarchale Form eines desinteressierten Positivismus zu reproduzieren. Ziel sei eine Bewusstseinserweiterung der Männer.

1990 ergänzte Jeff Hearn zusammen mit David Morgan in „The critique of men“ diese Prinzipien noch um die Punkte, dass (heterosexuelle) Männer sich nicht um Forschungsgelder und Universitätsposten bewerben sollen, die für Geschlechterforschung ausgeschrieben wurden, und dass feministische Wissenschaft und Frauenforschung in der eigenen Forschung und in den Institutionen zu unterstützen sei.

Da wäre natürlich die Frage, was überhaupt mit Autonomie der Frauenforschung gemeint ist. Natürlich sollte auch die Frauenforschung Theorien aufstellen können und Forschung jeder Art betreiben können. Aber natürlich kann es dabei keine Immunität geben. Jede Forschung muss immer hinterfragbar sein, und das natürlich aus jeder Ecke. Das Hinterfragen von Theorien und Forschung anderer ist aus meiner Sicht das Kernstück jeder Wissenschaft.

Und natürlich muss diese Freiheit auch für eine Männerforschung gelten. Gründe dafür, dass diese sich nur an die Frauenforschung anhängen dürfen sind aus meiner Sicht nicht ersichtlich. Es setzt sich dann eben die bessere Theorie durch.

Als Hauptpunkt einer Männerforschung Kritik an männlichen Praktiken zu fordern scheint mir auch eine sehr einseitige Ausrichtung zu sein. Zumal aus meiner Sicht dabei ein wesentlicher Aspekt verloren geht, nämlich die gegenseitige Beeinflussung der Geschlechter. Aus meiner Sicht lassen sich Geschlechterpraktiken nicht als reine Praktiken einer Gruppe erklären, die Unbeeinflusst von den Handlungen des anderen Geschlechts und der Biologie sind. Hier scheint mir der Gedanke vorzuherrschen, dass männliche Praktiken einfach Machtmittel sind, die die Gruppe der Männer anwendet. Wenn es sich lediglich um Praktiken handelt, die dazu dienen Frauen einzuschränken und Männern die Macht zu sichern, dann ist verständlich, wenn man diese Praktiken kritisieren und dann gegebenenfalls abschaffen möchte. Das ist aber eine sehr einfache Betrachtung: Einem Geschlecht einfach alle Unterschiede als Unterdrückung anzulasten geht aus meiner Sicht an der Realität vorbei.

„Die patriarchale Form eines desinteressierten Positivismus zu reproduzieren“ bedeutet wohl, dass man schnell in den alten Mustern hängen bleibt und diese dann durch nicht hinreichend mutiges Infragestellen beibehält, also die Forschung oder seinen Unterricht so anlegt, dass letztendlich etwas patriarchales dabei rauskommt. Auch hier ist natürlich hinterfragen gut. Aber der Aufbau eines Feindbildes, welches überall patriarchale Praktiken sieht schlecht. 

Das die Zurückhaltung bei den Fördergeldern aus meiner Sicht unsinnig ist, folgt bereits daraus, dass ich die wohl dahinterstehende Erbschuld nicht teile.

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110 Gedanken zu “Kritische Männerforschung

  1. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum du dich mit Zeug aus einem Artikel der deutschsprachigen Wikipedia aufhälst. Ein Vergleich mit der englischen Version oder dem, was plato.stanford.edu so hergibt, zeigt sofort, daß die deutsche Version nur das enthält, was ein kleineren Gruppe feministisch orientierter Admins und user in den Kram paßt. Die deutsche Wikipedia versucht hier ganz simpel, Definitionshoheiten auszuüben – und zwar in punkto Männerforschung wie auch in Sachen Feminismus. Die richtige Strategie wäre, die dt. Wikipedia zu ignorieren und windschief zu ihren Definitionen ein eigenes Netz von tauglichen Begriffen zur Geschlechterforschung, insbesondere zur Männerforschung zu entwerfen. Solche Artikel wie der deine suggerieren nur, was nicht suggeriert werden darf: Nämlich, daß man ernst nehmnen kann, was man in der dt. Wikipedia findet.

    • @elmardiederichs

      „was ein kleineren Gruppe feministisch orientierter Admins und user in den Kram paßt.“

      Bei kritischer Männerforschung würde ich ja auch genau das darstellen wollen, was diese inhaltlich vertreten, um es dann kritisieren zu können. Wenn der Artikel also ideologisch überhöht ist, dann wirkt sich das wenig aus.

      Wo würdest du denn bei der kritischen Männerforschung Abweichungen zum Wikipediaartikel sehen?

      Welche Artikel geben aus deiner Sicht die dortigen Ansätze besser wieder?

      Was wäre deine Meinung zu diesem Ansatz?

      • Obwohl einige wesentliche Punkte meine Ansicht in dem Kommentaren schon genannt worden sind, kann ich deine Fragen kurz beantworten:

        Forschung muß unpolitisch sein. Unpolitisch ist sie höchstens dann, wenn sie ergebnisoffen ist. Ergebnisoffen kann sie nicht sein, wenn sie Begriffe und Strategien zur Erfassung und Beschreibung von Sachverhalten irgendwoher unkritisch entlehnt und sie nicht an den Forschungsgegenstand anpaßt: Der erste Schritt jeder Forschung zu einem neuen Thema besteht daher darin, Begrifflichkeiten zu entwickeln, die dem neuen Forschungsgegenstand angepaßt sind. Danach ist es ein Wechselspiel: Neue Ergebnisse führen zur Verfeinerung des begrifflichen Inventars zur Beschreibung der Phänomene im Zusammenhang mit dem neuen Forschungsgegenstand und dieses wieder zu neuen Ergebnissen etc..Im Prinzip gehen Natur- und Geisteswissenschaften so vor.

        Nehmen wir an, wir wären uns hierüber einig. Dann wissen wir, daß kritische Männerforschung erstens keine Forschung und zweitens ein potemkinsches Dorf ist.

        Es ist keine Forschung, weil die kritische Männerforschung offensichtlich feministische Konzepte für die Beschäftigung von Männern verwendet und Feminismus insofern politisch ist, als Feminismus eine soziale Konflikttheorie ist, die meint für die verschiedenen Aspekte von Gerechtigkeit, die man in einer Gesellschaft diskutieren muß, eine homogene Lösung gefunden zu haben: Das mit dem Frauen ist ungerecht. Entsprechend werden praktische Forderungen gestellt und die Gender Studies wollen Feminismus verifizieren, feministisch monierte Phänomene erklären und politische Forderungen begründen, nicht aber Feminismus mal ganz grundsätzlich und mit der Lupe auf die Finger sehen. Also: Kritische Männerforschung ist keine Forschung.

        Die Seite ist nur dafür da, an Männerproblemen Interessierte heim ins Reich … öhm … in dem Feminismus zu locken: Schau dir mal an, wer da als Männerforscher zitiert wird und was diese Leute sagen. Da stehen stramme Feministen nehmen Abweichlern und Antifeministen. Sie alle gehören angeblich zur kritischen Forschung. Wer auf feminismuskritische Autoren stößt, in die Wiki sieht und vielleicht auch nach „Männerforschung“ sucht, der stößt auf … na? … Feminismus. Da wird sich wohl jeder Interessierte Fragen, ob der nicht was falsch verstanden hat oder einfach doch ein Anliegen beim Feminismus unterbringen kann. Also: Der ganze Wiki-Artikel gehört ersatzlos gelöscht, er ist eine einzige Irreführung und Bauernfängerei.

        Und deshalb sollte man auch keine Artikel wie den deinen veröffentlichen, der suggeriert, daß es etwas an kritischer Männerforschung gibt, daß man ernst nehmen kann.

        • @elmar

          „Es ist keine Forschung, weil die kritische Männerforschung offensichtlich feministische Konzepte für die Beschäftigung von Männern verwendet und Feminismus insofern politisch ist“

          Auch als Teil der feministischen Soziologie und der Gender Studies ist dieser Bereich – so wenig einem das gefallen mag – Teil universitärer Forschung. Es gibt Professuren für Gender Studies und auch die kritische Männerforschung wird in diesem Bereich bearbeitet.

          http://www.leuphana.de/gender-diversity-portal/gender/forschungsbereiche/men-studies.html
          http://www.diezeitschrift.de/42000/positionen.htm

          Es werden dort soziologische Theorien vorgestellt, Fachzeitschriften publiziert und Doktortitel verliehen, wenn auch teilweise für sehr schlechte Werke.

          Mein Artikel macht denke ich hinreichend deutlich, dass dort eben keine Forschung betrieben wird, sondern es aus meiner Sicht eine rein ideologische Betrachtung ist, die die Fehler der feministischen Theorien fortschreibt.

          Auch wenn man diese Ansätze für falsch hält, sollte man doch nicht so tun, als hätten sie kein akademisches Standbein. Vielmehr sollte man sich aus meiner Sicht inhaltlich mit ihnen auseinandersetzen und darstellen, warum sie falsch sind bzw. wissenschaftlichen Standards nicht genügen.

          Wie würdest du denn einen solchen Artikel angehen oder planst du vielleicht selbst einen, der dieses Thema besser behandelt?

          Hier noch einen Hinweis auf meinen „Gender Studies und Ideologie„-Artikel, der könnte dir besser gefallen

        • „Auch als Teil der feministischen Soziologie und der Gender Studies ist dieser Bereich – so wenig einem das gefallen mag – Teil universitärer Forschung.“

          Ich würde lieber von einer universitären Beschäftigung sprechen, deren Existenz allein nicht garantiert, daß von ihr auch eine inhaltliche Stützung ausgeht. Daß Protagonisten feministischer Ideen sich im akademischen Betrieb festgesetzt haben, bestreite ich nicht.

          „Wie würdest du denn einen solchen Artikel angehen oder planst du vielleicht selbst einen, der dieses Thema besser behandelt?“

          Arne hat mich leider zu früh geoutet und ich verstehe immer noch viele Sachen rund um den Feminismus nicht. Und ich habe wenig Lust, Halbheiten zu dem Thema zu verbreiten, davon haben wir schon genug.

          Gegen die Existenz des Wiki-Artikels kannst du wenig machen, aber wenn du ihn kritisierst, dann würde versuchen, ein Konzept davon zu entwerfen, was Männer- bzw. Frauenforschung wirklich ist. Und wenn man dann noch einen post darüber macht, was Feminismus wirklich ist – entgegen der landläufigen Ansicht vieler Feministen kann man nämlich DEN Feminismus sehr wohl präzise definieren – dann wird in einem dritten post auch deutlich, wie propagandisch hier das „kritisch“ in „kritische Männerforschung“ gebraucht ist und last not least würde ich was zu den Autoren sagen, die angeblich an dieser Richtung beteiligt sind.

          Die Generalstragie daran ist klar: Viele denken, daß Männerforschung, Frauenforschung, Frauenbewegungen, Emanzipation und Feminismus irgendwie ein Sumpf sind. Auch viele feministische blogger sind genau dieser Ansicht, aber leider ist das grundfalsch. Das muß man als erstes verbessern.

          • @elmar

            „wenn du ihn kritisierst, dann würde versuchen, ein Konzept davon zu entwerfen, was Männer- bzw. Frauenforschung wirklich ist“

            Mir ging es eher einmal um einen ersten Entwurf zu dem Thema, wobei ich deren Selbstverständnis und Ansätze darstellen wollte, insbesondere die starke Verbindung zum Feminismus und dann in relativ ruhigen Ton die Unwissenschaftlichkeit und die Unvereinbarkeit solcher Unterordnungs- und Abhängigkeitsideen mit Wissenschaftlichkeit darlegen wollte.

            „Und wenn man dann noch einen post darüber macht, was Feminismus wirklich ist – entgegen der landläufigen Ansicht vieler Feministen kann man nämlich DEN Feminismus sehr wohl präzise definieren“

            Das sehe ich teilweise anders. Es gibt verschiedene Strömungen im Feminismus und man läuft aus meiner Sicht eher in eine Falle, wenn man sie zu sehr über einen Kamm schert. Eine gewisse Differenzierung ist aus meiner Sicht von Vorteil, weil sie Gegenargumente abschneidet. Ein Ansatz nach Beauvoir a la Schwarzer ist zB etwas anderes als ein Ansatz nach Butler und Co. Deswegen entstehen ja auch so viele interne Streitigkeiten in dem Bereich

            „dann wird in einem dritten post auch deutlich, wie propagandisch hier das “kritisch” in “kritische Männerforschung” gebraucht ist“

            Die Einseitigkeit der Kritik hatte ich ja ebenfalls angeführt.

            „und last not least würde ich was zu den Autoren sagen, die angeblich an dieser Richtung beteiligt sind.“

            Ja, das ist noch ein weiter Bereich. Ein paar Artikel zu Connell habe ich schon

            https://allesevolution.wordpress.com/2012/12/06/raewyn-connell-und-hegemoniale-mannlichkeit/
            https://allesevolution.wordpress.com/2010/12/20/hegemoniale-mannlichkeit/

            Aber den Bereich sollte man sicherlich noch ergänzen. Kimmel scheint mir da ganz interessant. Habe ich bisher nur in kurzen Erwähnungen:
            zB https://allesevolution.wordpress.com/2012/12/19/jungenkrise-mannliche-rollenbilder-und-amoklauf/

            Teile davon habe ich aber auch in „Feminism for Dudes“ besprochen

            Zu den Problemen „profeministischer Männer“ im Sinne der „kritischen Männerforschung“ finden sich auch hier Artikel
            https://allesevolution.wordpress.com/tag/mannliche-feministen/

        • Die Sache mit der Definition des Feminismus ist eine eigene Debatte wert. Ich weiß selbst, daß es über 20 verschiedene Richtungen gibt, die sich alle als feministisch bezeichnen – und wenn da 20 mal reichen. Dennoch teilen sie sich gewisse Strukturmerkmale und was meines Wissens nach fehlt, ist die Detektion und Analyse dieser Strukturmerkmale. Denn nur kann kann man sicher sein, auch die 152te Version von Feminismus abwehren zu können.

          „Welche Punkte denn insbesondere? Vielleicht kann man ja zum Verständnis beitragen.“

          Nun ja, ich kann es versuchen, ist aber ein ziemliches Faß.

          Here we go:

          Wenn Menschen etwas machen, daß ist jede Analyse, die nicht berücksichtigt, daß sie es falsch machen, von vornherein impotent. Einzelne Menschen machen typischerweise andere Fehler als Gruppen von Menschen. Nun ist es ja nicht so, daß Feministen einfach alle nur ne Macke haben. Da ist etwas, was sie in ihrem Alltag sehen und erleben und sie wollen es verstehen und machen dabei Fehler und fangen an, das ganze Wirrwar mit feministischen Vokabeln zu diskutieren. Ich nenne sowas die feministische Praxis und einiges davon findet sich in feministischen blogs wieder, die meisten nur von solchen Intuitionen leben und ansonsten komplett untheoretisch und unreflektiert sind. Ich habe selten so wenig Wissen über Feminismus gefunden wie in feministischen blogs.

          Das erste Rätsel lautet also: Welche sozialen Phänomene werden wie mißverstanden, damit hinterher z.B. so was wie #Aufschrei möglich ist? Wie funktioniert unsere soziale Realität eigentlich wirklich, wenn der Feminismus Quatsch ist?

          Das zweite Rätsel ist: Wieso ist Feminismus eigentlich attraktiv und stößt aufgrund seiner Platitüden nicht einfach ab?

          Denn Feminismus wurde nicht einfach von der kleine Mädchen verführenden Simon de Beauvoir hervorgewürgt. Das ganze Zeug kann nur in einem bestimmten geistigen Klima geboren werden und Poststrukturalismus wurde hier schon genannt. Und so wie man Feminismus von untern als leer, als die Wirklichkeit nicht beschreibend entlarven kann, kann man ihn von oben angreifen als auf Thesen philosophischer Provenienz beruhend, die bestenfalls fernliegend sind.

          Also lautet das 3. Rätsel: Welche Thesen sind das und warum sind sie philosophisch falsch?

          Als analytischer Philosoph (ja, ich bin nicht nur Mathematiker) sind diese ganzen Autoren Foucault, Lacan, Heidegger, Hegel und Konsorten für mich ein Graus und deren Ideen widerlegen zu wollen, wäre kein kleines Projekt. Vielleicht haben Feministen diese Leute auch nur falsch verstanden und selbst das nachzuweisen, kann Monate dauern.

          Zentrales Element jeden Feminismusses sind Intuitionen zur Gerechtigkeit. Wenn es nicht gerade um Verteilungsgerechtigkeit geht, dann findet man in der Philosophie dazu nicht allzuviel und es liegt auf der Hand, daß sich der Feminismus vor allem deshalb durchsetzen konnte, weil seine Ungerechtigkeiten mangels Wissen von den meisten Leute nicht erkannt wurden. Das sieht man schon bei den Quoten: Die Leute kapieren einfach nicht, daß nur das Design der Quoten darüber entscheidet, ob Verteilungsgerechtigkeit und Chancengleicheit miteinander kollidieren oder nicht. Und daher sind die Diskussionen endlos.

          Mangelndes Wissen über Gerechtigkeit ist auch der Grund dafür, warum die Maskulisten seit 15 Jahren auf Mißstände bei den Männer hinweisen und es niemanden stört: Die Männer haben es eben nicht anders verdient – auf die eine oder andere Weise.

          Das letzte Rätsel lautet also: Wie geht das mit der Gerechtigkeit wirklich.

          An diesen Thema allein könnten sich viele Doktoranden abarbeiten und nur allzuleicht kann man mit dem Thema Professor werden. Martin Rechenaur an der LMU versucht das gerade.

          Was ich hier nicht lesen will, ist billiger Biologismus. Ernstzunehmende Anworten bilden das Verständnis der Menschen ab, die mit Feminismus leben – und deren Fehler, Fehler, die auf der Stufe der Evolution komplett irrelevant sind.

          • @elmar

            „Ich nenne sowas die feministische Praxis und einiges davon findet sich in feministischen blogs wieder, die meisten nur von solchen Intuitionen leben und ansonsten komplett untheoretisch und unreflektiert sind.“

            Das ist richtig, einige leben eher diese „praktische Theorie“, sie haben aber von den Hintergründen dieser Theorien und deren Begründungsarmut wenig Ahnung und wollen darüber auch nicht diskutieren. Es ist eine zielorientierte Betrachtung, die darauf abstellt, wo man hin will und dazu ein theoretisches Gerüst nutzt.

            „Wieso ist Feminismus eigentlich attraktiv und stößt aufgrund seiner Platitüden nicht einfach ab?“

            Ich halte den daraus entstehenden Gruppenprozess und das zielorientierte sowie die moralische Komponente dabei für den ausschlaggebenden Faktor
            https://allesevolution.wordpress.com/2012/07/11/wie-die-privilegientheorie-dem-feministinnen-schadet/

            Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet sind viele Theorien nicht auf tatsächliches Verstehen, sondern auf akzeptieren der sozialen Ziele und des gruppenstärkenden Faktors gerichtet. Deutungshoheit etc sind letztendlich Immunisierungsstrategien

            „Welche Thesen sind das und warum sind sie philosophisch falsch?“

            Aus meiner Sicht eine interessante, aber letztendlich eine sehr eingeschränkte Frage. Was ist daran wissenschaftlich falsch? wäre besser und die Antwort ist (natürlich): Alle biologische Forschung wird ausgeblendet und das ganze nur als Gruppenmachtkampf gewertet.

            „Wie geht das mit der Gerechtigkeit wirklich?“

            Ein erster Schritt wäre es, hinzunehmen, dass es keine absolute Gerechtigkeit im Sinne einer Gleichstellung geben kann, weil die Menschen, und erst recht Mann und Frau im Schnitt, nicht gleich sind.

            „Was ich hier nicht lesen will, ist billiger Biologismus. Ernstzunehmende Anworten bilden das Verständnis der Menschen ab, die mit Feminismus leben – und deren Fehler, Fehler, die auf der Stufe der Evolution komplett irrelevant sind.“

            Da stellst du selbst ein Denkverbot auf, verbunden mit einer Abwertung anderer Thesen aus Ideologie.

        • Ja, ich hab eine Antwort in dieser Art befürchtet. Daher wollte ich auch erst weiterdiskutieren, wenn diese Rätsel von mir beackert worden sind.

          Verschieben wir die Diskussion daher besser auf ein anderes Mal.

          • @elmar

            Du scheinst eher derjenige zu sein, der ein Konzept ganz durchdenken will und jedes Rätsel gelöst haben will, was ja ein guter Ansatz ist. Ich würde wohl eher einen Artikel schreiben mit dem, was ich bereits habe, mir dann durchlesen, was die anderen so kommentieren, dazu selbst was kommentieren und daran meine Gedanken weiterentwickeln. Und dann zu dem Problem einen weiteren Artikel schreiben, der das Ergebnis dieser Überlegungen wiedergibt. Das ist die für mich besser funktionierende Methode, zumal sie den Vorteil neuen Inputs und neuer Ideen hat.

            Aber da ist natürlich jeder anders.

        • „Ich würde wohl eher einen Artikel schreiben mit dem, was ich bereits habe, mir dann durchlesen, was die anderen so kommentieren, dazu selbst was kommentieren und daran meine Gedanken weiterentwickeln.“

          Das klappt nur, wenn meine Rätsel auch deine sind. Sind sie aber nicht, du siehst da kein so großes Probleme. Du siehst nicht mal den Unterschied zwischen „philosophisch“ und „wissenschaftlich“. Ist ja auch nicht schlimm, nur ist es keine Frage des Standpunktes.

          „Das ist die für mich besser funktionierende Methode, zumal sie den Vorteil neuen Inputs und neuer Ideen hat.“

          Akzeptiere ich völlig. Klappt aber nur dann, wenn die Ideen nicht allzu weit weg liegen von mainstream, so daß viele irgendwie ein wenig davon mitbekommen haben. Sonst kann es passieren, daß du mit deiner Methode die Abwechselung von Kommentaren und neuen posts endlos iterierst und nie weiterkommst.

          Ich muß da alleine durch und hab kein Recht den Rest der Welt mit meinen Verständnisfragen zu nerven.

          • @elmar

            „Das klappt nur, wenn meine Rätsel auch deine sind.“

            Das ist ja nur eine Frage davon, welche Kommentatoren man hat und wie man die Artikel und die Diskussion gestaltet

            „Du siehst nicht mal den Unterschied zwischen “philosophisch” und “wissenschaftlich”“

            Ich sehe ihn, ich lehne eine Trennung nur ab.
            Ich habe hier etwas dazu geschrieben:

            https://allesevolution.wordpress.com/2011/11/19/machtmittel-im-diskurs-disziplinverstandnis/

            „Ich muß da alleine durch und hab kein Recht den Rest der Welt mit meinen Verständnisfragen zu nerven.“

            Vielleicht sind die Leute gar nicht genervt. Aber ich kann deinen Ansatz ja durchaus nachvollziehen und freue mich dann auf gut durchdachte Artikel

    • Die richtige Strategie wäre, die dt. Wikipedia zu ignorieren und windschief zu ihren Definitionen ein eigenes Netz von tauglichen Begriffen zur Geschlechterforschung, insbesondere zur Männerforschung zu entwerfen. Solche Artikel wie der deine suggerieren nur, was nicht suggeriert werden darf: Nämlich, daß man ernst nehmnen kann, was man in der dt. Wikipedia findet.

      @ Elmar

      Ich teile Deine Kritik an der deutschsprachigen Wikipedia. Ignorieren würde ich sie aber nicht, denn die manipulativen Agitationsmuster, die sich in der deutschsprachigen Wikipedia in fast allen Artikeln mit Geschlechterforschungsbezug zeigen dürfen als exemplarisch für den gesamten Geschlechterdiskurs gelten, so wie er durch fast alle deutschsprachigen Massenmedien befördert wird.

      Die deutsche Wikipedia ist ein Spiegelbild des gesamtgesellschaftlichen Geschlechterdiskurses im deutschsprachigen Raum, samt seiner Verzerrungen und Voreingenommenheiten. Die ideologischen Verzerrungen in der deutschsprachigen Wikipedia sind keineswegs ein isoliertes und daher zu vernachlässigendes Phänomen.

    • @ Elmar

      Wenn das, was Arne Hoffmann hier beschreibt

      http://genderama.blogspot.de/2013/03/am-15-marz-feministinnen-wollen-auch.html

      erfolgreich in die Tat umgesetzt wird, wird die englische Wikipedia nicht mehr lange als Korrektiv für die deutsche feministisch-propagandistisch versumpfte Wikipedia zur Verfügung stehen.

      Zitat, Arne Hoffmann:

      *Das feministische Umstricken der deutschen Wikipedia war womöglich nur der Testlauf: Jetzt ist das englischsprachige Original an der Reihe. * Näheres s. unter dem Link oben.

      Das wird in der Tat interessant, Zitat:

      *In Deutschland gab es von den nicht-feministischen Wikipedianern keinen nennenswerten Widerstand, weshalb das ideologische Umschreiben glückte; aus dem deutschen Wikimedia-Management wurde es begrüßt und Kritik daran verteufelt. Man darf gespannt sein, ob es für die Feministinnen in der englischen Wikipedia einen ähnlichen Durchmarsch gibt.*

      Widerstand von Männern gegen klagende Frauen?

      Wird es in der englischsprachigen Wikipedia genauso wenig geben wie in der deutschen, zumal auch die englische Wikipedia ein vor allem von eher linken Kreisen getragenes Projekt ist.

      In Deutschland werden die feministischen Artikel offenbar von arbeitslosen, sozialwissenschaftlich verbildeten Hartz-IV-Empfängern verfasst/umfrisiert, die noch keine Sinekure in der Genderaristokratie des Staatsfeminismus gefunden haben und deshalb in ihrer reichlich bemessenen Freizeit ein bißchen Propaganda machen in einem „neutralen“ Lexikon.

      Widerstand gegen diese „Volksaufklärung“ durch eine Ideologie mit totalitärem Anspruch?

      Nicht doch.

      Ein anständiger Admin ist Mann, hilft Frauen, besonders Damsels in Distress und will nicht als konservativ oder gar frauenfeindlich gelten.

      Und wer den Feminismus kritisiert, ist frauenfeindlich, was denn sonst.

      Diese Ideologie ist maßgeschneidert auf die Instinktdispositionen von Männern und Frauen hin, das macht sie so effektiv, lässt sie so wenig Widerstand erfahren.

    • DIe richtige Strategie wäre aus meiner Sicht die feministische Sichtweise in JEDEN Artikel hineinzutragen, je weiter von der SOziologie entfernt desto besser.

      So könnte ich mir durchaus eine Kritik des Riemannschen Integralbegriffes vorstellen, die auf die Vernachlässigung und damit Diskriminierung anderer Integralbegriffe hinweist, insbesondere die intuitiven, dem weiblichen Näherstehenden Integralbegriffe, wie das Interaktions- oder Fühlintegral (was natürlich völliger Unsinn ist, aber was solls).

  2. Das heißt sie hinterfragt bestehende Rollenbilder und teilt zentrale Konzepte, welche in feministischen Ansätzen der Geschlechterforschung begründet sind und entwickelt diese für ihre Zwecke weiter.

    Kritische Männerforschung? Forschung sollte immer kritisch sein, unkritische Forschung wäre keine Wissenschaft. Das „kritisch“ in der Eigenbezeichnung ist somit redundant, wenn es im eigentlichen Wortsinn verstanden werden soll.
    Das ist aber nicht der Fall, das „kritisch“ ist vielmehr als Ablehnung aller (tradierten) Männlichkeitsideale zu verstehen, die zu dekonstruieren sich die „kritischen Männlichkeitsforscher“ anschicken. Erst wenn jede positive Identifikation des Mannes mit seinem (tradierten) Männlichkeitsideal mittels Dekonstruktion – sprich Diffamierung – verunmöglicht wurde, kann das neue Männlichkeitsideal konstruiert werden, das Männlichkeitsideal, das feministischen Zwecken dient.

    Diese „Forschung“ will nichts beweisen, sondern etwas erreichen. Für den Radikalkonstruktivisten gibt es ohnehin nichts, was als „objektiv wahr“ gelten darf. Wahrheit ist für ihn etwas, das die Machtelite nach belieben produziert und festsetzt. Für den „kritischen Männerforscher“ und den Radikalkonstruktivisten ganz allgemein besteht somit kein prinzipieller Unterschied zwischen Forschung und Propaganda. Genau so operieren sie auch, unsere „kritischen Forscher“ aus dem Gendersumpf.

    Die „kritischen Männlichkeitsforscher“ haben es schon ziemlich weit gebracht.
    Stellt Euch einen Mann vor, der auf einer Bank sitzt und spielende Kinder beobachtet. Welche Assoziationen stellen sich ein?

    Kritische Männerforschung ist nicht Wissenschaft, sondern Agitation, Propaganda und Theoriebildung für die Sündenbockideologie Feminismus.

    • @Peter

      Also ich habe ja mal in einer Hausarbeit die Kritische Männer- und Geschlechterforschung von Lothar Böhnisch in Kontraks zur radikalkonstruktivistischen Geschlechterforschung in Kontrast gesetzt. Ich habe damals Folgendes geschrieben und zitiert:

      „Vielleicht könnte man sogar sagen, dass nach der (…) Zeit, in der die Geschlechterfrage von der Frauenforschung immer wieder neu angestoßen und weiterentwickelt worden ist, ein männlicher Beitrag an der Reihe ist, nicht so sehr der theoretischen Gleichstellung wegen, sondern vor allem, weil – angesichts der ambivalenten Entwicklungen im digitalen Kapitalismus, angesichts der Spaltungen von systemischen und lebensweltlichen Prozessen – die Männerfrage zwangsläufig den Schlüssel für die weitere Entwicklung des Geschlechterdiskur-ses darstellt. (Böhnisch 2003a: 12)

      Da im Lebenszusammenhang der Männer die gegenwärtigen Veränderungsprozesse der Geschlechterordnung ausgeprägter sichtbar werden als im Lebenszusammenhang der Frauen sind sie für die Geschlechterforschung in besonderem Masse Erkenntnis aufschliessend. Daher kann die Männer- und Geschlechterforschung einen bedeutsamen Beitrag zur Analyse der Geschlechterordnung leisten.

      Die radikalkonstruktivistische Verneinung der Geschlechterdifferenz als Grundlage einer Geschlechterforschung beeinflusste auch die Männerforschung sehr. Konnte sich der emanzipatorische Diskurs in der Frauenfrage an den Männern und ihrer gesellschaftlichen Hegemonie entzünden, ist dies für die Männer so jedoch nicht prak-tizierbar. Der Schlüssel für die Emanzipation der Männer liegt nicht in Abhängigkeiten im Geschlechterverhältnis, sondern im gesellschaftsstrukturellen Kontext, in welchem das Prinzip der Männlichkeit eingelassen ist. Für die praktische Thematisierung der Männerfrage ist die konstruktivistische und interaktionistische Betrach-tungsweise zweifellos zwar fruchtbar, für die Männer bleibt sie jedoch auf halbem Weg stehen: Mit den Konzeptionen des doing oder undoing gender ist die Männerfrage weder bezüglich ihrer personalen Tiefendynamik noch ihrer gesellschaftlichen Hintergrundstruktur erfassbar (vgl. Böhnisch 2003 a: 7 f.). Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, den Ansatz der Männer- und Geschlechterforschung von Böhnisch mit der in der neueren Geschlechterforschung dominanten radikalkonstruktivistischen Perspektive in Kontrast zu setzen und herauszuarbeiten, worin die Divergenzen und Konvergenzen zwischen den beiden Perspektiven liegen.“

      Soll heissen: Böhnisch versteht seine Arbeiten auch als Kritische Männer- und Geschlechterforschung, nur wird der radikalkonstruktivistische Ansatz bei ihm eben abgelehnt. Weil er schreibt ja:

      „Die Kritik an der radikalkonstruktivistischen Position bedeutet nicht, dass dieses Buch keine konstruktivistische Perspektive hat. Diese aber ist von jener dahinge-hend klar abgegrenzt, dass sie die vorsprachliche Eigenständigkeit ontogeneti-scher Strukturen und die Strukturkraft der Geschichte in soziogenetischen Pro-zessen unterstellt und in der Relation zu diesen die gesellschaftliche Wirkung so-zialer Interaktionen – also als menschliche Praxis – sieht und bestimmt. Sie folgt damit einem durchaus tradierten konstruktivistischen Verständnis in der Soziolo-gie, für das „die Sozialwelt nicht nur von uns gemeinsam, sozial, gesellschaftlich oder wie auch immer konstruiert (wird), sondern sie ist Konstruktion. Die Sozi-alwelt wird ‚als gegeben vorausgesetzt’ und sie ist dennoch ein Konstrukt. Indem soziale Akteure interagieren, wird eine Sozialwelt ebenso (ko)konstruiert, wie die Interaktion durch die Konstruktion der sozialen Welt bestimmt ist“ (Nicolaisen 1999, S. 102). (Böhnisch 2004: 17)“

      Und zudem wird auch viel Schrott abgelehnt, was im deutschen Wikipedia-Artikel unter Kritischer Männerforschung subsumiert wird.

      • @chomskyy

        „Kritische Männer- und Geschlechterforschung von Lothar Böhnisch“

        Wie würdest du denn Böhnisch hier begrifflich einordnen bzw. was ist für dich „kritisch Männer- und Geschlechterforschung“? In der Version des Wikipediaartikels wäre darunter ja solche zu verstehen, die kritisch gegenüber der patriarchischen Wissenschaft (aber unkritisch gegenüber feministischen Ansätzen) ist.

        • @Christian

          Ich halte nicht viel vom Lagerdenken: Mir scheint „logische Stringenz“ sowie „empirische Evidenz“ bei jeder Argumentation/These das non-plus-ultra zu sein. Soll heissen: ob eine These von links, von rechts, von oben oder unten kommt oder eben von einer Kritischen Männerforschung oder von AGENS oder Manndat oder von der Frau Lantzsch oder der hegemonialen universitären Geschlechterforschung, ist einerlei. Wichtig ist doch, ob logisch konsistent argumentiert wird und die Argumentation auch empirisch valide ist.

          Und so sehe ich auch den Ansatz von Böhnisch. Obwohl mir seine psychoanalytischen Ausführungen eben vielfach nicht richtig gefallen wollen, weil ich denke, dass diese empirisch nicht „verifiziert“ wurden, sondern eher das Gegenteil. Aber gut, hier müsste ich mich nun auch besser einlesen. Aber ich habe vor allem bei Oerter/Montada (Entwicklungspsychologie) gelesen, dass gewisse psychoanalytische Konzepte empirisch schlichtwegs nicht haltbar sind.

          Aber ich halte übrigens auch nicht wahnsinnig viel von Hollstein et al., scheint mir in gewissen Bereichen eher ein Wirrkopf zu sein (sorry Leszek)! 🙂 Obwohl sicherlich auch viel stimmige Thesen. Aber auch bei Hollstein gilt: Logik und Empirie sind zentral und nicht, ob Hollstein Maskulist, Antifeminist oder was weiss ich ist.

  3. Das ist ähnlich wie bei der „Kritischen Theorie der Gesellschaft“ von Adorno und Horkheimer; unterstellt wir stillschwweigend, dass Theorien über den gleichen Gegenstand, die die ideologische Ausrichtung der Autoren nicht teilen, unkritisch sind.

    • Na ja, es gibt da auch den Kritischen Rationalismus.
      Nur sind die Kritische Theorie und der Kritische Rationalismus beide bei aller Verschiedenheit tatsächlich kritisch, entwicklungsfähig und kritikfähig – die sogenannte Kritische Männerforschung ist dagegen im Wesentlichen ein vulgärfeministischer, misandrischer, pseudowissenschaftlicher Sumpf, der sich kritikresistent gegen alle relevanten neuen Erkenntnisse abschottet (daher werden Warren Farrell oder Christoph Kucklick dort erst gar nicht rezipiert).

      Wer sich mit Männerforschung befassen will, die diesen Namen tatsächlich verdient, dem empfehle ich die aktuelle Neuauflage des Klassikers von Walter Hollstein:

      Was vom Manne übrig blieb. Das missachtete Geschlecht

      http://www.amazon.de/Was-vom-Manne-%C3%BCbrig-blieb/dp/3939322571/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1363249884&sr=1-1

    • @El_Mocho

      Vielleicht noch kurz zum Selbstverständnis und der Programmatik der Kritischen Theorie. Adorno schreibt diesbezüglich ja Folgendes:

      „dass eine Wissenschaft von Gesellschaft „Einsicht in das, was ist“ abgibt, aber in einem solchen Sinn, dass diese Einsicht kritisch ist, indem sie das, was gesellschaftlich ‚der Fall ist’ (…), an dem misst, was es selbst zu sein beansprucht, um in diesem Widerspruch zugleich die Potenziale, die Möglichkeiten einer Veränderung der gesellschaftlichen Gesamtverfassung aufzuspüren. (Adorno 2003: 31)“

      In einer solchen Programmatik sehe ich eigentlich keine Ideologie, sondern quasi eine Ideologiekritik.

      • Typisches Adorno-Blablah. Als wenn sich von selbst verstünde, was die Gesellschaft zu sein beansprucht und wie man sie in dieser Richtung verändern könnte. Darüber besteht meines Erachtens keinerlei Konsens; Liberale haben andere Vorstellungen davon, wie die Gesellschaft seine sollte, als Marxisten oder Konservative. Und die eigene Richtung als die „kritische“ hervorzuheben, ist höchst anmaßend. Zumal ja grade Adorno immer betont, dass man die Gesellschaft eigentlich nicht verbessern kann, da Kapitalismus und Kulturindustrie die Menschen völlig in ihrem Bann halten.

    • @ratloser

      Ich halte es für sehr sinnvoll Kritik an solchen Ansätzen zu üben, weil sie ja durchaus eine gewisse Bedeutung haben. Meine Kritik ist letztendlich, dass Wissenschaft immer frei sein muss und eine ideologische Selbst-Unterordnung zu vermeiden ist.

      Inhaltlich würde ich kritisieren, dass die feministischen Theorien, denen man sich dort anschließen will, erhebliche Fehler haben.

      Die „kritische Männerforschung“ feministischen Einschlags hat meiner Meinung nach durchaus Relevanz, weil sie gerne als „Feminismus kümmert sich natürlich auch um Männer, wir wollen für alle eine bessere Welt“ dargestellt wird. Das dies nicht über die eigenständige Betrachtung von Männer und nicht unter hinreichender Einbeziehung der Wechselwirkungen zwischen den Geschlechtern erfolgt ist ist eben das, was man dann erwidern muss, um zu zeigen, dass der Kaiser insofern nackt ist.

      Ich denke das Hauptproblem ist der Hauptwiderspruch – Nebenwiderspruch Ansatz, der dem ganzen zugrunde liegt. Alle Männerhandlungen werden entweder als Stützung des Patriarchats/der hegemonialen Männlichkeit gesehen oder als auf einen Zwang beruhend, der aus dieser Stützung durch andere folgt.

    • Ich werde nie verstehen, warum man über jeden ungeformten feministischen Scheißhaufen meditieren muß.

      Weil diese Scheisshaufen mittlerweile in den Parlamenten hocken und ihre Scheisse kneten und zu Gesetzen formen.

      • @ Peter

        Den politischen Folgen dieser geistigen Verseuchung wird man aber nicht Herr, in dem man sich auf den Quatsch inhaltlich als Bezugsrahmen einlässt.

        Es würde schon reichen, wenn die 80% Frauen und Männer die den Scheiß im Innersten als Scheiß erkennen, das auch mal zum Ausdruck bringen würden. Dann fiele diese ganze Blase in sich zusammen.

        „Forscht“ man quasi als Konkurrenz zum feministischen Mainstream, diskreditiert man sich nur intellektuell…ändern wird es nichts.

        • @ Ratloser

          “Forscht” man quasi als Konkurrenz zum feministischen Mainstream, diskreditiert man sich nur intellektuell…ändern wird es nichts.

          Ich sehe den Konflikt nicht als Teil eines wissenschaftlichen Diskurses, in dem sich letztendlich die besseren Argumente durchsetzen werden, sondern als politischen Kampf. Der permanenten Agitationspropaganda, die in den Massenmedien auf uns herunterprasselt und so manches Gehirn vernebelt muss etwas entgegen gesetzt werden. Da es politisch relevant ist und diese strunzdumme Ideologie sich in den Parteien, und zwar in allen grossen Parteien etablieren konnte, darf man es nicht einfach ignorieren, auch wenn man das gerne täte. Deinen Widerwillen, Dich mit diesem Unsinn zu befassen versteh ich schon.

          Von der Ignoranz haben die Genderisten schon viel zu lange profitiert. Erst allmählich wird klar, dass diese Ideologie trotz ihrer Idiotie ernst genommen werden muss. Siehe dazu auch Hadmut Danischs Beitrag hier: Politische Kontrolle der Medien

    • @ ratloser

      Der Scheißhaufen hat Einfluss. Sein Gestank wabert durch Medien und Parlamente. Deshalb muss man ihn meditieren.

  4. Abgesehen von dem von Leszek erwähnten Hollstein-Buch:
    Kennt jemand so etwas wie eine ernsthaft kritische Männerforschung?

    Das Beispiel von Christian ist ja nur eines von vielen, an dem man ablesen kann, dass der Begriff „Männer“ auch als Manipulationsbegriff verwendet wird.
    Er entwickelt normative Vorgaben, um die Individuen zu bestimmten Verhaltensweisen und (emotionalen) Einstellungen zu drängen.
    Die konform zu den Wünschen der Manipulierenden, und damit nicht unbedingt zu denen der Männer, sind.

    Eine ernsthafte Männerforschung würde für mich erst mal die vielen faktischen, verschiedenen Bilder von Männlichkeit eruieren. Die natürlich stark milieu- und zeitabhängig sind. Und auf diesem Weg erst mal die Bandbreite der Männerbilder aufzeigen.
    Sie würde sich weiterhin an den biologischen Grundlagen der verschiedenen Männlichkeitsbilder abarbeiten und fragen, ob die Wiederkehr bestimmter Elemente in den verschiedenen Männerbildern nicht zumindest auch hier ihre Wurzeln haben.

    Eine derartige eher deskriptive Männerforschung würde nicht so schnell manipulativ werden.

    Kennt jemand so was? Wo etwas mehr zeit- und kulturübergreifend geforscht wurde?

    • @ Seitenblick

      Eine ernsthafte Männerforschung versucht man in den USA gerade aufzubauen (Male Studies im Gegensatz zu den feministisch versyphten Men’s Studies der Connell, Kimmel & Co., die etabliert sind wie der ganze feministische Mist).

      Bawer beschäftigt sich auch mit Raewyn Connell, eine der Urmütter der kritischen Männerforschung (die in Deutschland Männer wie Pohl und Theweleit verkörpern), Erfinderin der „hegemonialen Männlichkeit“ – die hat sie allerdings noch als Mann entdeckt bevor sie sich entschloss, sich der hegemonialen Weiblichkeit anzuschließen, die ihrem Forscherdrang bisher seltsamerweise entging, Zitat (aus dem Buch via Genderama, s.o.):

      *Robert Heasley, president of the American Men’s Studies Association, states unapologetically that „Men’s Studies came out of feminist analysis of gender.“ (Clemens puts it this way: „Men’s studies is a „camouflage version of Women’s Studies“ in which the „operative question“ is „Why are men so awful?“) It’s founding father and „presiding guru“ – to borrow a term of Miles Groth, a sometime key player in the discipline – was Australian sociologist Robert W. Connell, whose 1995 book „Masculinities“ is the main text in the field. Connell coined the term „hegemonic masculinity“, which refers to the supposed fact that society teaches men to dominate women and one another; the concept – which, Connell has acknowledged, derives from „feminist theories of patriarchy“ – is at the very heart of Men’s Studies.

      Give that Connell helped establish an academic discipline the entire point of which is that men are authoritarian bullies, it’s not irrelevant that he is now a she: in 2008, it was revealed that Connell had undergone a sex-change operation and was now a woman named Raewyn Connell. Connell’s colleagues accepted this change in politically correct fashion, but one must be permitted to ask: what does it mean that the male founder of a discipline called Men’s Studies turns out to have been, all along, a transsexual – a person, whose self-image was that of a woman trapped in a man’s body, and who viewed that body as alien and abhorrent? Groth, who is chair of the Psychology Department at Wagner College on Staten Island, points out that, astonishing though Connell’s transformation is, it „has never been adressed by the Men’s Studies group“.*

      Der einflussreichste feministische Männerforscher ist also eine Transfrau, die ein Leben lang unter ihrem Mannsein litt.

      Was für ein Männerbild kann man da entwickeln, das man dann „erforschen“ wird?

      Eben.

      So ist nicht verwunderlich, dass Men’s Studies sich vor allem damit beschäftigen, den bösen, weißen, heterosexuellen Mann zu denunzieren und zu bekämpfen, zu dekonstruieren, da vergleichbar den White Studies, die sich mit der weißen Rasse beschäftigen, sie als Verkörperung des Bösen denunzieren, bekämpfen und dekonstruieren.

      Zitat Bruce Bawer:

      *“Black studies celebrates blackness, Chicano studies celebrates Chicanos, women’s studies celebrates women and white studies attacks white people as evil.“ *

      So wird „Antirassismus“ häufig zum Codewort für antiweißen Rassismus.

      Und der größte Verbrecher unter der Sonne ist der weiße heterosexuelle Mann.

      Er ist privilegierter Unterdrücker: als Mann, als Heterosexueller, als Weißer.

      Er ist das Hassobjekt Nr.1.

      Wenn er endlich gestürzt wird, die Revolution gelingt, bricht das Paradies aus, endet der Kapitalismus, der Egoismus, die Unterdrückung der Frauen, der Farbigen, der Minderheiten, die Ausbeutung – ach, die Welt wird schön und neu, eine geschlechtslose, klassenlose Zukunftsgesellschaft, ein matriarchaler Lesbentraum, nur ohne Mutterschaft aber mit weiblicher Suprematie, denn am weiblichen Wesen soll die Welt genesen.

      Diesem Traum dient die „kritische Männerforschung“.

      Das, Zitat aus Christians Blogeintrag:

      *Männer, die Männerforschung betreiben, müssen ihre Praxis des Forschens, Lernens, Lehrens und Theoretisierens hinterfragen, um nicht die patriarchale Form eines desinteressierten Positivismus zu reproduzieren. Ziel sei eine Bewusstseinserweiterung der Männer.*

      ist da nur folgerichtig. Kritische Männerforschung hat klassenkämpferisch zu sein, geschlechterklassenkämpferisch, das Frauenproletariat bei seinem Versuch der Machtübernahme zu unterstützen, die machthabende weiße, heterosexuelle Männerbourgeoisie in Grund und Boden zu dekonstruieren.

      Damit steht schon in dieser Programmatik, dass wir es nicht mit einer um Objektivität bemühten Wissenschaft zu tun haben, sondern mit einem politischen Machtkampfmittel und Propagandainstrument.

  5. @ christian

    „Kritische Männerforschung“…schon der Begriff ist strunzbescheuert.

    Solange man(n) sich in allem was man macht und reflektiert an dieser politisierten Neurose als Referenzrahmen orientiert (sei es in Form einer Abgrenzung oder einer Affirmation) ist das doch alles pseudowissenschaftliche Kindergartenkacke, sorry.

    Die Aufnahme der Opfer-Täter-Polarisierung, die Akzeptanz des Genderblödsinns, das Mitbrabbeln feministischer Phraseb führt doch zu nichts außer pseudowissenschaftlichem Output, mit denen man seine Soft-Skill-Fächer abschließen kann.

    „Vor diesem Hintergrund heißt aus der Sicht kritischer Männerforschung Geschlechterdemokratie und Chancengleichheit allgemein nicht nur Ablösung der Männer […], sondern vor allem Ablösung von Männlichkeit …“

    Lasst sie doch in ihren Sandkasten strullern, wir müssen sie doch nicht noch versuchen in ihrem Glauben zu bestärken, sie würden gerade ne U-Bahn bauen.

    Lasst sie spielen…blubbern…konfabulieren…projizieren…sich wichtig nehmen…aber kümmert Euch doch um wichtigere Dinge als diese dümmliche Melange aus Neurose, Politik und Pseudowissenschaft namens Feminismus.

    • @ratloser

      „Lasst sie doch in ihren Sandkasten strullern, wir müssen sie doch nicht noch versuchen in ihrem Glauben zu bestärken, sie würden gerade ne U-Bahn bauen.“

      Wenn du nicht über das Thema reden willst, dann musst du es natürlich nicht. Ich halte es durchaus für wichtig und interessant.

      „aber kümmert Euch doch um wichtigere Dinge als diese dümmliche Melange aus Neurose, Politik und Pseudowissenschaft namens Feminismus.“

      Du verstehst schon, dass das ein Aspekt des (Gender-)Feminismus ist?

        • @Ratloser

          „Klar verstehe ich das….“

          Dann ist eine Auseinandersetzung mit der „kritischen Männerforschung“ doch eine Auseinandersetzung mit dem Feminismus, insofern verstehe ich nicht, worüber du dich aufregst.

          Steig doch einfach in eine sachliche Kritik ein, bring deine Argumente dagegen, stell die dortigen Fehler aus deiner Sicht dar, aber bitte ohne die Abwertung dabei.

    • @ ratloser

      *Lasst sie spielen…blubbern…konfabulieren…projizieren…sich wichtig nehmen…aber kümmert Euch doch um wichtigere Dinge als diese dümmliche Melange aus Neurose, Politik und Pseudowissenschaft namens Feminismus.*

      Aber mit dieser Neurose wird Politik gemacht, sie wird ernst genommen, sie gestaltet Realität u.a. die von männlichen Kindern = Jungen in Schule und Kindergarten.

      Sie hat einen totalitären Anspruch, sie ist gefährlich für Demokratie und Sozialstaat, weil sie zur Bekämpfung des weißen, heterosexuellen Mannes demokratische Prinzipien aushebelt, die Gleichberechtigung durch „wahre Gleichberechtigung“ = Gleichstellung = Männerbenachteiligung ersetzen will und damit erfolgreich ist.

      Ich muss mich doch mit den ideologischen Grundlagen des feministischen Gesellschaftsumbaus beschäftigen, auch wenn das geistiger Unrat ist.

      Wenn ich wissen will, wie es den Nazis gelingen konnte, an die Macht zu kommen, muss ich mich mit Nazidenke auseinandersetzen.

      Wenn ich wissen will, wie die Bolschewiki an die Macht kamen muss ich mich mit Marxismus – Leninismus beschäftigen.

      Beim Feminismus ist es ähnlich: Eine bösartige Ideologie, die unterstellt, die verdächtigt, behauptet, das Paradies auf Erden schaffen zu können, wenn man denn nur den Sündenbock = den weißen, heterosexuellen Mann schlachtet = dekonstruiert und findet damit bei sehr vielen Menschen Glauben und Unterstützung.

      • @Alexander

        Auf jeden Fall ersparst Du Dir mit Deinen ellenlangen Monologen eine Therapie und Deine Tippse wird auch froh sein, wenn sie Deine Endlosschleife nicht immer wieder anhören muss! 🙂

      • @ Roslin

        Das meinte ich ja, es gilt die soziokulturellen Dispositionen, meinetwegen auch die individualpathologischen Dispositionen für diesen Feminismusschwachsinn transparent zu machen.

        Aber es dient weder dem Verständnis noch der Wiederholungsprophylaxe in Bezug auf die Nazis, wenn man sich endlos pseudowissenschaftlich mit den Thesen eines Alfred Rosenberg beschäftigt oder eigene Versuchsreihen zur Vermessung von Zigeunerschädeln anstellt.

        Das ist die pathologische Symptomebene.

        Man muß aber einerseits die Pathogenese verstehen und andererseits machtpolitische Gegenstrategien entwickeln.

        Die Prämissen des Feminismus sind genauso blödsinnig, wie dessen Ziele (eigentlich) transparent. Mit AUFKLÄRUNG ist da nichts zu erreichen, wer aufgeklärt sein will, kann es schon lange sein. Es handelt sich um einen knallharten Machtkampf..

  6. @ christian

    Schau, wenn ich einen psychotischen Patienten habe, widerlege ich dem auch nicht sein Wahnsystem. Er und ich kommunizieren auf unterschiedlichen, rational nicht in Verbindung zu bringenden Ebenen.

    Es gibt keine rationale Kritik der feministischen Glaubensinhalte, weil es sich um ein irrationales System handelt, um eine politisierte Neurose, die sich die Welt so zusammenschwafelt und phantasiert, wie es ihr in den Kram passt.

    Der Versuch, Pünktchen für Pünktchen das Geschwafel rational zu widerlegen ist müßig. Die rationale Widerlegung eines irrationalen Systems ist fruchtlos, weil Glaube nicht widerlegbar ist.

    Da muss man schon auf die Metaebene.

          • @Adrian

            Ich halte nichts von dem Begriff Antifeminismus, wie ich ja bereits mehrfach ausgeführt habe, aber man kann auch Konstruktiv Fehler beispielsweise genderfeministischer Theorien aufzeigen.

            Man sollte sich dabei aber immer um Substanz bemühen.

            Einfach abzulehnen ist auf beiden Seiten beliebt und ja letztendlich auch einfacher. „mit denen diskutiere ich nicht“ ist ja auch gerade im Feminismus sehr verbreitet

    • @ratloser

      „Es gibt keine rationale Kritik der feministischen Glaubensinhalte, weil es sich um ein irrationales System handelt,“

      natürlich gibt es rationale Kritik an irrationalen Systemen, sie wird nur häufig von denen, die irrationalen Systemen anhängen nicht akzeptiert. Wenn du nicht diskutieren willst, dann musst du das natürlich auch nicht.

      Nur lass dann bitte uns in Ruhe machen.

      Vielleicht macht es uns einfach Spaß Fehler in einem irrationalen System aufzuzeigen.

    • Die große Mehrheit aller Personen mit unkritischen Einstellungen gegenüber dem vorherrschenden Feminismus, die ich kenne, haben diese Einstellungen nur aus einem Grund: Uninformiertheit!

      Nur eine kleine Minderheit innerhalb der Linken sind überzeugte Hardcore-Feministen/Feministinnen.

      Darüber hinaus ist es sehr wichtig, die sogenannte „Kritische Männerforschung“ aus dem akademischen Mainstream zu verdrängen, ihre ideologische Hegemonie in den Geistes- und Sozialwissenschaften zu brechen – auch diesbezüglich ist fundierte, sachbezogene Kritik notwendig.

  7. das war für Adrian gedacht…

    @ christian

    Ich nehme in den paar Monaten, in denen ich hier im Blog mitschaue, die Entwicklung wahr, dass immer seltener wissenschaftliche Themen angesprochen werden und immer öfter unwissenschaftliche, wie zum Beispiel die „kritische MännerForschung“.

    Man kann sich natürlich an den Neurosen Anderer abarbeiten, aber wenn es bei der Dauerreflexion und „Widerlegung“ der Symptome bleibt, solltest Du Dir klar machen, dass das früher oder später auf eine folie a deux hinausläuft, weil man zwangsläufig das System zu teilen beginnt.

    Ich halte einen rationalen Umgang mit dem Feminismus für sehr wichtig, da er verheerende Auswirkung auf unsere Gesellschaft zeitigt…für Männer wie für Frauen, am schlimmsten wahrscheinlich für die Kinder beiden Geschlechts. Aber da geht es um die Analyse der Situation, der Seilschaften und um die Entwicklung von gesellschaftspolitischen Gegenstrategien.

    Spaß am Aufzeigen von Fehlern eines irrationalen Systems zu haben, ist natürlich legitim. Handelt es sich aber um ein derart irrationales System wie den Feminismus, ist das Finden von Fehlern wenig anspruchsvoll und besitzt noch weniger Veränderungspotential.

    Aber das ist nur meine Sicht der Dinge…und wie Du weisst, vermute ich hinter der Fixierung auf die Phänomenologie des Systems ganz andere Motivschichten.

    Also, ich lass Euch hier mal in Ruhe weiter aufzeigen! 😉

    • @Ratloser

      „ich nehme in den paar Monaten, in denen ich hier im Blog mitschaue, die Entwicklung wahr, dass immer seltener wissenschaftliche Themen angesprochen werden und immer öfter unwissenschaftliche, wie zum Beispiel die “kritische MännerForschung”.“

      Würde ich nicht so sehen. Aber du kannst natürlich gerne wissenschaftliche Themen nennen, die dich interessieren. Vielleicht ist etwas dabei, zudem mir dann ein guter Artikel einfällt.

      „Aber da geht es um die Analyse der Situation, der Seilschaften und um die Entwicklung von gesellschaftspolitischen Gegenstrategien.“

      Nur zu, schreib was sachliches dazu. Es klingt interessant. Dann aber bitte nicht „Die müsste man alle verbieten!!!111“, sondern in sachlicher Form und unter Berücksichtigung der Wissenschaftsfreiheit und Meinungsfreiheit, die natürlich auch für den Feminismus gilt.
      Welche Seilschaften siehst du denn und auf welche Quellen stützt du dich da?
      Welche Gegenstrategien erscheinen dir aus welchen Gründen und unter Wahrung demokratischer Rechte aller erfolgsversprechend?

      • „Nur zu, schreib was sachliches dazu.“

        Bitte nicht, ich kann diesen rechten verschwörungstheoretischen Anti-Kulturmarxismus-Dreck nicht mehr hören!

        • „Den kannst du ja dann sicherlich wieder trefflich zerlegen, wenn er die entsprechenden Mängel hat.“

          Sicher. Nur, wenn ich an die ganze Zeit denke, die ich schon damit verbracht habe, das wirre Zeug dieser rechten geistigen Brandstifter zu analysieren, dann ist es schon bedauerlich, dass man sich mit sowas überhaupt beschäftigen muss. Ich würde meine Zeit lieber auf etwas Konstruktives für den linken Maskulismus oder den Integralen Antisexismus verwenden.

        • „rechts“ ist für einen Linken natürlich schon rein terminologisch jenseits des Horizonts….aber alles jenseits des Kuchentellerrands als „rechts“ zu bezeichnen, zeugt dann doch von fehlender Tiefenschärfe.
          😉

      • @ Adrian

        Wenn du möchtest, dann nenn doch mal die Kriterien, die aus deiner Sicht den linken Maskulismus zu etwas Konstruktivem machen würden. (Dass der linke Maskulismus nicht radikalliberal ist, sollte dabei klar sein.)

        Was wäre deiner Ansicht nach wichtig, damit sich der linke Maskulismus von solchen Formen des Maskulismus, denen du kritisch gegenüberstehst, positiv abhebt?

        • Ich kenne noch nicht allzuviel vom linken Maskulismus. Das was ich gelesen habe (z. B. Arne Hoffmann) klingt gar nicht so schlecht. Es gibt allerdings Tendenzen, den Maskulismus in antikapitalistische Kritik einzubetten, so nach dem Motto das Kapital ist schuld am Feminismus, weil er Frauen als billige Arbeitskräfte will, oder ähnliches.

    • Ich halte einen rationalen Umgang mit dem Feminismus für sehr wichtig, da er verheerende Auswirkung auf unsere Gesellschaft zeitigt…für Männer wie für Frauen, am schlimmsten wahrscheinlich für die Kinder beiden Geschlechts. Aber da geht es um die Analyse der Situation, der Seilschaften und um die Entwicklung von gesellschaftspolitischen Gegenstrategien.

      @ Ratloser

      Da bin ich ganz Deiner Meinung. Auch mich würde die Entwicklung einer effizienten Gegenstrategie mehr interessieren als zum hundertsten Mal festzustellen, dass Lantsch wieder mal Unbedarftes gepostet hat.

      • @ Peter

        Eine Gegenstrategie sehe ich darin, aus der ewig defensiv empathischen Position rauszukommen und stattdessen offen auszusprechen, wie es mit den Prämissen der feministischen Ideologie bestellt ist und welche höchst opportunistische Zielsetzung er hat.

        Ohne Konfrontation wird es da nicht abgehen.

        Wenn es einer sich nach Festanstellung sehnenden Nachwuchsjournalistin (die sich in einer Talkshow von ihrem Chefredakteur vertreten und verteidigen lässt…großes Mädchen!) und einer prekatären Internetaktivistin gelingt, eine – wenn auch recht kurzzeitige – gesellschaftliche Hysterie über angeblich omnipräsenten Sexismus loszutreten, ohne dass sie von der überwiegenden Mehrzahl öffentlich wahrnehmbarer Männer und Frauen aufs Töpfchen gesetzt werden, läuft was schief.

        Stattdessen wird dem geneigten Bürger vorgespielt, man müsse die Hysterie Ernst nehmen und den inkriminierten Verfolgungsstatus der Frauen als gegeben annehmen.

        Das ist jämmerlich.

        • Zustimmung. Dann wäre nur die Frage, wie man das aufzieht.
          Wie bringt man es bsw. breiter unter das Volk, dass sich bei einer Stichprobenuntersuchung der Aufschrei-Twitterei nur
          „1,5% der Tweets auf persönliche Erfahrungen mit Alltags-Sexismus“ bezogen.
          (http://www.online-software-development.de/de/blog)

          Die kurzatmigen Massenmedien reflektieren ja von sich aus nicht, ob die vor gestern durchs Dorf getriebene Sau nicht in Wirklichkeit ein verkleideter Goldhamster war.

          Es besteht ja in dem Sinne keine Debattenkultur mehr, in der ein sauberer Faktencheck durchgeführt wird und die Ergebnisse dann auch festgehalten werden – siehe die unglaublichen 23% angeblichen Lohnunterschied bei gleicher Tätigkeit.

          Ist also leider nicht so trivial umzusetzen.

        • @ ratloser

          Wenn Du herausstellen willst, wie es um die Prämissen der feministischen Ideologie bestellt ist, musst Du Dich doch mit ihnen auseinandersetzen, musst darlegen, dass es empiriefreie, bösartige Unterstellungen und Interpretationen sind, wahrscheinlich Projektionen.

          Einfach zu sagen:“Stimmt alles ncht!“, hilft doch nicht weiter.

          Dass es leichter ist, einen Pudding an die Wand zu nageln als einen intellektuell unredlichen, unehrenhaften Gegner, der auf Logik und Konsistenz keinen Wert legt, der keine Mühe hat mit Llügen und Halbwahrheiten zu operieren – er dient ja der guten Sache, der viel lieber Instinkte ausbeutet, deren Existenz er auch noch leugnet, macht die Sache nicht einfacher.

  8. Der ganze Quark hat kurz gesagt nur einen Inhalt:

    Es geht darum, wortreich zu variieren, dass Männer schlecht und Frauen gut sind.

    Das ist das Axiom, was dem ganzen zugrunde liegt. Das ist die Voraussetzung: Es muss (irgendwie) in jedem Einzelfall begründet werden, dass alles, was „irgendwie“ männlich ist, minderwertig ist. Und in diesem Sinne zu kritisieren.
    Hier ist „Kritik“ so verstanden, wie es im Alltag auch oft ist: Eine negative Bewertung, eine Abwertung.
    Nicht Kritik im Sinne von „Unterscheidung“.

    Aber mit Forschung hat das alles nichts zu tun. Forschung ist per se ergebnisoffen.
    Hier steht das Ergebnis, war herauskommen MUSS, schon vor Beginn der Argumentation fest.
    So etwas KANN keine Wissenschaft sein. Es gibt KEINE Wisschenschaftstheorie, die so etwas als Wissenschaft subsumieren könnte.

    Das ist reine Ideologie. Und natürlich letztlich eine Hassideologie.

    Es geht ja darum, zu sagen: Männer und Männlichekeit sind genuin schlecht. Am Besten, so etwas gäbe es gar nicht!

    Und da sind wir bei so obskuren Organisationen wie „Dissenz e.V.“, der Ziel laut Eigenaussage ist: „Nicht andere Jungen wolle man heranbilden, sondern GAR KEINE Jungen.“

    Der Sprung zu den Vernichtungsphantasien wie bei Solanas, Dworking usw. ist dann nicht mehr so groß ….

    Warum man aber als Mann so einen Quark betreiben sollte – dafür fallen mir nun wirklich nur psychopathologische Gründe ein. Eine profunde Störung des Verhältnisses zur eigenen Geschlechtlichkeit. (Und irgendeinen Mutterkomplex darf man wohl auch vermuten, ohne allzusehr in psychologische Deutelsucht zu verfallen).

    Das sind gestörte Leute. So wie „Lantschi“ auch schwerst gestört ist.

    Also: Als individuelle Hanseln, die irgendetwas verlautbaren, sind das einfach psychopathologische Fälle. Und als solche interessant, wenn man sich für solche Störungen interessiert und vielleicht auch fasziniert ist davon.

    Gefährlich wird es, wenn solch Gestörte Gesetze gießen … oder sonstwie an entscheidenden Stellen staatlichen Handelns (Staat, das ist der mit dem Gewaltmonopol) sich einnisten.

    Muss man noch anfügen, das solche Phänomene kulturell immer Anzeichen des Niedergangs einer Hochkultur sind?
    Eigentlich nicht. Aber, Meister Roslin, ich glaube es juckt dich, eine Enzyklika zu verfassen?
    Nur zu! Ich lese es immer wieder gerne. Auch wenn gewissen Redundanzen nicht zu übersehen sind.

    • @virtual-cd

      „Es geht darum, wortreich zu variieren, dass Männer schlecht und Frauen gut sind.“

      Die Ausgestaltung ist wohl aus Sicht des Genderfeminismus und der kritischen Männerforschung so:

      Männer und Frauen sind gut, weil gleich. Nur leider werden den einen Rechte vorenthalten und den anderen zu viele gegeben, weil sich die Gesetze in diese Richtung entwickelt hat.

      Wenn die Männer bereit wären, diese Rechte endlich angemessen zu teilen und ihre Priviligierungen zu hinterfragen, dann wären wir alle glücklich und gut.

      Leider ist das System so konzipiert, dass dies für alle nicht einfach ist. In der Übergangsphase muss daher darauf geachtet werden, dass die Männer abgeben und die Frauen erhalten.

      • Es ist wie immer bei sozialkonstruktivistischen Theorien: es werden ein paar (ausgedachte) Thesen in die Welt gesetzt, und dann bemüht mann sich, empirische Belege dafür zu suchen. Wenn man nur unkonkret genug formuliert, klappt das dann auch; ganz egal ob es um Gender-Feminismus, Kritische Männerforschung oder um Critical Whiteness geht.

        Zum letzteren schreibt die Historikerin Barbara Fields:

        „as an organizing concept, whiteness leads to no conclusions that it does not begin with as assumptions. Whiteness is a racial identity; therefore, white people have a racial identity. Whiteness equals white supremacy; therefore, European immigrants become white by adopting white supremacy. Whiteness entails
        material benefits; therefore, the material benefits white people receive are a reward for whiteness.“

        http://blogs.umass.edu/weinbaum/files/2008/05/barbara-fields-article.pdf

        Anstatt wie in den empirischen Wissenschaften üblich die Realität zu untersuchen, zu esperimentieren, Ergebnisse zu sammeln, zu vergleichen und dann Hypothesen zu bilden, wird einfach eine Hypothese aufgestellt (die normalerweise mit moralischen Vorwürfen gegen irgendjemand verbunden ist) und dann versucht, sie zu beweisen.

      • @ Christian

        *Leider ist das System so konzipiert, dass dies für alle nicht einfach ist. In der Übergangsphase muss daher darauf geachtet werden, dass die Männer abgeben und die Frauen erhalten.*

        Die „Übergangsphase“ nannte der sozioökonomische Marxismus-Leninismus „Dikatatur des Proletariats“, die man braucht, um die Zeit zu überbrücken, so lange noch „falsch“ sozialisierte, also in ihrer natürlichen Gutheit durch Fehlsozialisation korrumpierte Menschen mit „falschem“ Bewusstsein die Mehrheit in der revolutionierten Gesellschaft stellen.

        Wenn dann erst der Sozialismus die Menschen in ihrer wahren, ursprünglichen Gutheit sein lässt, sie nicht mehr durch den bösen Kapitalismus böse gemacht werden, sie durch „richtige“ sozialistische Sozialisation erst recht zum Leuchten bringt, kann man von der Diktatur zum Kommunismus übergehen.

        Nur leider wird das nie geschehen, denn der Mensch ist nicht von Natur aus gut, sondern nur von Natur aus egoistisch und Sozialisation vermag ihn nur zum kleineren Teil umzuformen, vermag nur ein wenig zu modulieren und zu moderieren.

        In der Übergangsphase muss man also leider Gottes ein wenig unterdrücken – wo gehobelt wird, da fallen Späne – muss man ein wenig ungleichberechtigen und als Opfer darf man das ja auch, als Opfer des Kapitalismus oder des Patriarchates.

        Opfersein ermöglicht guten Gewissens zu hassen, erlaubt jede Niedertracht gegenüber den Tätern, die kein Mitleid verdient haben, denn sie verkörpern als Klasse das Böse.

        Die weißen, heterosexuellen Männerbourgeois haben kein Mitleid verdient.

        Sie genießen ihre Privilegien, erfinden Frauen unterdrückende, Klassen unterdrückende, Minderheiten unterdrückende Systeme, die Technik, die Mutter Erde vergewaltigt, die Wissenschaften, die weibliche Intuition vergewaltigt, den Kolonialismus, der farbige Völker vergewaltigt, den Heterosex, der Frauen vergewaltigt usw. usw. usw.

        Aber dieser Seich ist relevant, weil doch irgendwie links, human, gut, fortschrittlich, eine strahlende neue Welt verheißend.

        Wenn man denn nur endlich das Böse und seine Träger (Juden oder Bourgeois oder weiße heterosexuelle Männer dekonstruiert, liquidiert, ausgerottet hat).

        Dabei ist das Böse selbst längst da, im eigenen Lager, im Lager der wackeren Bekämpfer des Bösen, denn der Mensch ist das Problem, nicht eine Klasse, Rasse oder ein Geschlecht.

        Das Böse sitzt in uns allen: Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa.

        Aber auch Päpste vergessen gerne, was sie da beten.

        • @ christian

          „Im Endeffekt ist Genderfeminismus in vielen Bereichen Kommunismus, bei der die Frauen das Proletariat sind und die Männer die Kapitalisten.“

          Die Feministinnen entsprechen der parasitären Nomenklatura. „Die“ Frauen sind den Feministinnen so schnurzgleichgültig wie es der kommunistischen Nomenklatura „die“ Proletarier waren.

          „Die“ Männer sind die Kulaken, die man ideologiekonsequent dekonstruiert, ungeachtet aller Folgeschäden.

          „Die“ Kapitalisten sind die männlichen Bürokraten der EU sowie die medialen und pseudoakademisierten Eliten-Männer, die sich so geschmeidig verhalten, dass die Feministinnen sie einerseits nach außen als Unterdrückerklasse denunzieren, andererseits aber klandestin mit ihnen Macht und Gelder teilen können.

        • @ Christian

          „Im Endeffekt ist Genderfeminismus in vielen Bereichen Kommunismus, bei der die Frauen das Proletariat sind und die Männer die Kapitalisten.“

          Genau wegen dieser Denkweise ist Genderfeminismus eben KEIN „Kommunismus“. Wenn die Kategorie „Klasse“ durch die Kategorie „Geschlecht“ ersetzt wird, ist ja jede echte theoretische Anbindung an sozialistische Theorien bereits zerstört.

          Das Feindbild des „weißen, heterosexuellen Mannes“ hat seinen theoretischen Ursprung in einer spezifischen, besonders einseitigen und rigiden US-amerikanischen Interpretation des französischen Poststrukturalismus.

          Was bei den PC-Fanatikern ins Extrem getrieben wurde, ist ja die für den Poststrukturalismus relativ typische Kritik an Normen, die vermeintlich oder tatsächlich eine Ausschlussfunktion ausüben oder in der Vergangenheit ausgeübt haben.

          Daher ja auch immer das Gerede der PC-Fanatiker, vom „Mann, der sich zur Norm gesetzt hat“, vom „Weißen, der sich zur Norm gesetzt hat“ etc.

          Political Correctness ist, wenn man sie theoretisch verortet, im Wesentlichen eine Form von Vulgär-Poststrukturalismus – natürlich nicht wirklich im Einklang mit dem, was die französischen poststrukturalistischen Denker tatsächlich im Sinn hatten, daher hat sich ja z.B. Julia Kristeva auch so darüber aufgeregt – aber doch irgendwie aus dem französischen Poststrukturalismus abgeleitet.

          Was die PC-Fanatiker so vehement ablehnen, sind ja alles solche „Normbegriffe“:

          männlich, weiß, heterosexuell, cissexuell, christlich, westlich

          Das alles hat sich in den Augen der PC-Fanatiker „zur Norm gesetzt“ – und muss deshalb „dekonstruiert“ werden – das sind so die ideologischen Grundlagen, auf denen das PC-Gebäude beruht.

          Mit Marxismus oder Neo-Marxismus hat das von seinen theoretischen Grundlagen her nichts zu tun. Ich kenne keinen einzigen marxistischen oder neo-marxistischen Theoretiker, der den „weißen, heterosexuellen Mann“ zum Feindbild erklärt hätte.
          Das wäre eine für marxistische oder neo-marxistische Theorietraditionen völlig untypische Sichtweise.
          Auch revolutionsstrategisch wäre das natürlich völlig idiotisch. „Weiße, heterosexuelle Männer“ von einer sozialen Revolution auszuschließen, hieße eine soziale Revolution von vornherein zum Scheitern zu verdammen.

          Auch die PC-Sprachumerziehungsmaßnahmen sind typisch vulgär-poststrukturalistisch. Der Poststrukturalismus ist ja schließlich wesentlich eine Sprachphilosophie.

          Und auch die Biologiefeindlichkeit der PC-Fanatiker wird ja in der Regel durch eine ins Extrem getriebene Interpretation des poststrukturalistischen diskursanalytischen Ansatzes begründet.

          Wo der Genderfeminismus seinen Ursprung hat, scheint mir ideengeschichtlich eigentlich ziemlich leicht zu erkennen und auch ziemlich unumstritten.

          Mit Kommunismus, Marxismus, Neo-Marxismus hat das nicht viel zu tun.

          Und wenn du oder Roslin das anders seht, dann bringt bitte Nachweise, aber solche, die ideengeschichtlich kohärent und nachprüfbar sind.

          • @leszek

            „Genau wegen dieser Denkweise ist Genderfeminismus eben KEIN „Kommunismus“. Wenn die Kategorie “Klasse” durch die Kategorie “Geschlecht” ersetzt wird, ist ja jede echte theoretische Anbindung an sozialistische Theorien bereits zerstört.“

            Es ist kein Kommunismus, aber es nutzt die Theorien. Warum soll es schwer sein diese dafür einzusetzen? Ich finde die Theorien sehr leicht übertragbar.

            Wir haben eine unterdrückende Gruppe und eine unterdrückte Gruppe. Die eine hat alles, einmal das Geld und die Produktionsmittel, das andere Mal das Geld, die Produktionsmittel und die Privilegien noch dazu. Es sollen aber in beiden Fällen alle gleich gemacht werden, wozu eine Umverteilung notwendig ist.

        • Mit Kommunismus, Marxismus, Neo-Marxismus hat das nicht viel zu tun.

          Und wenn du oder Roslin das anders seht, dann bringt bitte Nachweise, aber solche, die ideengeschichtlich kohärent und nachprüfbar sind.

          Bloss nicht, sonst kommt der Meister wieder mit Der Ursprung der Familie, des Privateigenthums und des Staats von Engels daher! 😦

        • „Wenn die Kategorie “Klasse” durch die Kategorie “Geschlecht” ersetzt wird, ist ja jede echte theoretische Anbindung an sozialistische Theorien bereits zerstört. “

          Wobei die Kategorie „Geschlecht“ ja immerhin mehr Substanz hat, als die Theorie „Klasse“ zumal als Abgrenzungskriterium. Eine Klasse ist ja relativ fluid, währen der Wechsel von einem Geschlecht zum anderen schon schwieriger ist.

          „Wo der Genderfeminismus seinen Ursprung hat, scheint mir ideengeschichtlich eigentlich ziemlich leicht zu erkennen“

          Wie wahr. Der Genderfeminismus etablierte sich zu dem Zeitpunkt, als die politische Linke erkennen musste, dass das Proletariat als revolutionäres Subjekt nicht taugt, weil Arbeiter lieber zu McDonalds gehen, als Marx zu lesen.

        • @Leszek

          Die Frage wäre dann noch, was Du eigentlich unter Norm verstehst? Meinst Du das präskriptiv oder in einem statistisch deskriptiven Sinne?

          Foucault, wenn wir ihn mal unter Poststrukturalismus ansiedeln möchten, hatte nicht eine präskriptive Norm im Sinne, sondern die statistisch deskriptive Norm, also neuer gesellschaftlicher Regulierungsmodus.

          M.E. differenzieren poststrukturalistische Feministinnen überhaupt nicht, welche Norm sie überhaupt meinen und somit kann zumindest hier Foucault und im Anschluss daran Jürgen Link mit seinem Normalismus-Konzept überhaupt nicht als Vorbilder für die Dekonstruktivisten gesehen werden. M.E. geht das alles vor allem auf Derrida zurück und Derrida ist nun zu 90% nicht ernst zu nehmen (meine subjektive Meinung)! 🙂

        • @ Peter

          „Bloss nicht, sonst kommt der Meister wieder mit Der Ursprung der Familie, des Privateigenthums und des Staats von Engels daher!“

          Das wäre ja schon als „radikalfeministische Zielvorstellung“ nicht haltbar. Engels hat sich die anzustrebende klassenlose Gesellschaft ja schließlich nicht nach dem Modell eines kulturell regressiven Matriarchts vorgestellt.

          Marx und Engels waren nicht kulturell regressiv, sondern eher Fortschrittsfanatiker.

          Zudem gilt Männerfeindlichkeit in der frauenrechtlichen Tradition des klassischen Marxismus, genau wie Frauenfeindlichkeit, als Gefahr für die Klassensolidarität – typisch für alle klassischen sozialistischen frauenrechtlichen Traditionen. (Da ist nicht viel Raum für misandrischen Gender/Radikalfeminismus.)

        • @ Chomskyy

          „Die Frage wäre dann noch, was Du eigentlich unter Norm verstehst?“

          Die Frage ist vielmehr: Was verstehen die PC-Fanatiker
          darunter?

          „M.E. differenzieren poststrukturalistische Feministinnen überhaupt nicht, welche Norm sie überhaupt meinen und somit kann zumindest hier Foucault und im Anschluss daran Jürgen Link mit seinem Normalismus-Konzept überhaupt nicht als Vorbilder für die Dekonstruktivisten gesehen werden.“

          Ich nenne den PC-Poststrukturalismus ja nicht umsonst „Vulgär-Poststrukturalismus“. Natürlich ist nicht Foucault dafür verantwortlich, wenn irgendwelche pseudo-intellektuellen Spinner sein Werk plündern und trivialisieren.

        • @ Christian

          „Es ist kein Kommunismus, aber es nutzt die Theorien.“

          Aber nur als Karrikatur und in einem äußerst vagen Sinn. Es besteht aber keine wirkliche theoretische Anschlussfähigkeit.
          Es wäre nicht schwer den Genderfeminismus allein auf Grundlage marxistischer Theorien zu widerlegen.

        • @Christian „Wir haben eine unterdrückende Gruppe und eine unterdrückte Gruppe. Die eine hat alles, einmal das Geld und die Produktionsmittel, das andere Mal das Geld, die Produktionsmittel und die Privilegien noch dazu. Es sollen aber in beiden Fällen alle gleich gemacht werden, wozu eine Umverteilung notwendig ist.“

          Was dabei fehlt, ist allerdings die (Lohn-)Arbeit – und man kann Feminismus wohl nur dann mit marxistischen Ansätzen parallel schalten, wenn man die Bedeutung der warenproduzierenden Arbeit in marxistischen Theorien herunterspielt (wie das beispielsweise Roswitha Scholz tut). Man kann zwar Männer mit der Seite des Kapitals verknüpfen (darauf basieren wohl solche Formulierungen wie etwa die von der „patriarchalen Dividende“), aber Frauen kaum plausibel mit dem Gegenbegriff der Lohnarbeit (denn die wird nun einmal weiterhin mehrheitlich von Männern geleistet).

          Ansonsten ließe sich Marx auch leicht für männerpolitische Ideen verwenden, beispielsweise über den Begriff der „Entfremdung“ – den Arbeitern tritt das Produkt der eigenen Arbeit als etwas Fremdes und Feindseliges entgegen. Ebenso könnte man behaupten, dass Männer durch ihre Arbeit Institutionen ermöglichen, die im Wesentlichen mit ihrer, der Männer eigenen Entrechtung beschäftigt sind (etwa Jugendämter, Ministerien wie das Familienministerium, überhaupt ein männerfeindliches Familienrecht, Parteien, die Frauenquoten installieren, etc. pp.) Das „Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will“-Pathos könnten sich Männer eigentlich leichter zu eigen machen als Frauen.

          Ich will das hier nicht propagieren, nur ein Beispiel dafür bringen, dass die Zuordnung marxistischer Kategorien zu Geschlechterkategorien wohl immer etwas Willkürliches hätte und ebenso gut anders herum erfolgen könnte. In meinen Augen haben Marxismus und Feminismus (zumindest in vielen ihrer Varianten) eher eine Attitüde als Analysekategorien miteinander gemein. Eine Sozialarchitekten-Attitüde (Machtpositionen besetzen und die Gesellschaft nach dem eigenen Bilde formen zu wollen), eine Meisterdenker-Attitüde (nicht nur gegenwärtige Gesellschaften, sondern auch gleich noch ihre ganze Geschichte anhand im Grunde einfacher Kategorien erklären zu können – gewissermaßen der Glaube, den Schlüssel zur Geschichte in der Hand zu halten) und besonders ein Denken in klaren Gut-Böse-Kategorien (das allerdings beide sicher von sich weisen würden).

        • @ Schoppe

          *aber Frauen kaum plausibel mit dem Gegenbegriff der Lohnarbeit (denn die wird nun einmal weiterhin mehrheitlich von Männern geleistet).*

          Deshalb ist die Ausbeutung der Frau durch das Patriarchat noch schlimmer: Ihre Reproduktionsarbeit in Gestalt von Sex, Kinderproduktion und Aufzucht wird ja (angeblich) unentgeltlich geleistet, also entschädigungslos enteignet von den Männern, sie enteignen entschädigungslos.

        • @ Schoppe

          Sie haben vor allem eine psychische Wertung gemeinsam: Ungleichheit ist per se böse, Gleichheit per se gut.

          Sie haben gemein das fanatische Streben nach Gleichheit, nicht der Rechte, sondern der Ergebnisse.

          Sie haben gemein das unterstellende, verdächtigende Denken: Dass es Ungleichheit gibt, ist bereits Beweis für den Unrechtscharakter, denn alle Menschen sind ja theoretisch gleich. gleich begabt, gleich fleißig, gleich klug.

          Ungleichheit kommt nur durch die Sünde in dieses uranfängliche Paradies: die Sünde des Kapitalismus oder des Patriarchates.

          Da Kapitalismus von Feminist.I.nnen als Ausdruck patriarchalen Denkens, hegemonialer Männlichkeit gesehen wird („Leistungsdenken, Wettbewerbsdenken, Leistung muss sich lohnen, Statusdenken – alles typisch männliche Eigenheiten, die auch den Kapitalismus befeuern plus männiche Dominanzlust plus männliche Ausbeutungslust) lässt sich das wunderbar kombinieren.

          Mit dem Feminismus wird der Patriarchismus überwunden, der neuen Mann konstruiert, die alte, traditionelle hegemoniale Männlichkeit dekonstruiert und damit gleichzeitig, quasi automatisch, weil Frauen ja gut und sozial und teilend und solidarisch sind, der böse Kapitalismus durch eine Schenke-und Teilewirtschaft überwunden.

          Am weiblichen Wesen wird die Welt genesen, Frauen sind die natürlichen Sozialist.I.nnen in dieser Welt.

          Natürlich ist das alles zusammengeklaubt und geflickt.

          Aber mehr ist doch nicht nötig und die Linke hat’s zum großen Teil geschluckt und sich zu eigen gemacht.

        • „Unbezahlte Familienarbeit
          23% weniger Lohn
          alle Mittel zur Geldproduktion, nämlich die guten Jobs und die höheren Jobs machen Männer“

          Das könnte man beliebig erweitern. Trotz klarer Überlegenheit bei den Abiturientenzahlen werden immer noch weniger Frauen als Männer durch unser ungerechtes Bildungssystem habilitiert und zu Professoren ernannt (naja, jetzt soll ja endlich das Kaskadenmodell verstärkt zur Anwendung kommen). Häufig können Frauen nur Teilzeit arbeiten und im Alter sitzen sie zumeist alleine da (das Alter ist weiblich !) und müssen einsam von kärglichen Renten ihr Dasein fristen. Die Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt zieht sich doch wie ein roter Faden durchs Leben der Frauen.

        • Ungleichheit im Ergebnis kann durch eine ungerechte Prozedur hervorgerufen werden, richtig.

          Sie kann aber auch durch einen ungleichen Input hervorgerufen werden.

          Wenn Männer bestimmten Berufen im Schnitt eher zugeneigt sind, im Schnitt die dafür nötigen Fähigkeiten und Begabungen eher mitbringen, im Schnitt eher Lust haben, sich den mit diesem Beruf verbundenen Stress zu geben, dann bringt eine faire Prozedur, die auf dem Verdienst- und Eignungsprinzip aufbaut, eben auch ungleiche Ergebnisse hervor.

          Dass da Diskriminierung im Spiel ist, muss erst mal nachgewiesen werden. Das wird von Seiten der Feministen aber nie getan. Die Diskriminierung wird einfach so lange behauptet, bis es jeder glaubt.

        • Um leszeks Kommentar noch etwas hinzuzufügen (was nicht viel ist): Die ganze sache funktioniert, weil die Bourgeoisie identifiziert wurde mit weißen christlichen Männern (aber allein schon in den USA stimmt das nicht mehr, denn die sozioökonomische Gruppe mit dem überproportional größten Kapitalbesitz sind Amerikaner die von ungarischen Juden abstammen also wären jüdische weiße Männer ungarischer Abstammung das korrekte Feindbild – Kostolaniy wäre der idaltypus).

          Diese Weisheit stammt aus:http://www.amazon.de/Millionaire-Next-Door-Surprising-16-Nov-2010/dp/B005O7043M/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1363336084&sr=1-1.

          Durch diese Identifikation konnte die herrschende Klasse der Kapitalbesitzer mit dem christlichen weißen Mann identifiziert werden und die marxistische Theorie übernommmen werden.

          Dass dies wie die meisten „Analogtheorien“ hinkt ist eigentlich offensichtlich. Aber Behinderung (=Hinken) ist natürlich kein Grund eine Theorie zu beerdigen.

        • „Eine Klasse ist ja relativ fluid, währen der Wechsel von einem Geschlecht zum anderen schon schwieriger ist.“(Adrian)

          Bei Marx ist dies ein wohldefinierter Begriff: Sie wird durch die Bezehung zu den Produktionsmitteln der Gesellschaft bestimmt.
          Privateigentümer an Produktionsmitteln (außer Arbeitskraft) sind Kapitalisten, Nichteigentümer an Produktionsmitteln (=nur Arbeitskraft) sind Proletarier.

          Aus.

        • Wie wahr. Der Genderfeminismus etablierte sich zu dem Zeitpunkt, als die politische Linke erkennen musste, dass das Proletariat als revolutionäres Subjekt nicht taugt, weil Arbeiter lieber zu McDonalds gehen, als Marx zu lesen.

          Konsumieren ist natürlich eine tolle Sache. Bei McD zu arbeiten eher weniger.

        • @ Christian „Unbezahlte Familienarbeit
          23% weniger Lohn
          alle Mittel zur Geldproduktion, nämlich die guten Jobs und die höheren Jobs haben Männer“
          Ja, die Darstellungen von Benachteiligungen für Frauen auf dem Arbeitsmarkt passen natürlich zu einer Diskriminierungsthese, ebenso die von der Besetzung von Machtpositionen durch Männer. Aber es ging ja um die Frage, ob Marxismus und Feminismus parallel konstruiert werden können. Da würde es ja eigentlich nicht reichen zu zeigen, dass Frauen irgendwie benachteiligt sind, es ginge dann z.B. um die Frage, inwieweit Frauen den Mehrwert produzieren, der von Männern dann als Kapital gehortet bzw. reinvestiert wird. Die Familienarbeit wäre da vielleicht eine Möglichkeit. Oder man müsste nachweisen, dass die eigentlich wichtige Arbeit von Frauen geleistet wird, die Früchte aber die Männer ernten – und das regelmäßig.

          Vor allem wäre aber eben die Frage, warum die kapitalbesitzenden Männer überhaupt noch in großer Mehrzahl in abhängigen Beschäftigungen herumhängen. Die meisten Männer sind von „Herrschaft“ ebenso weit entfernt wie die meisten Frauen, das ist ziemlich offensichtlich. Connells Begriffe z.B. (hegemoniale Männlichkeit, patriarchale Dividende etc.) sind in meinen Augen schlicht ein Versuch, die Idee eines am Modell des Klassenkampfes konstruierten Geschlechterkampfs gegen naheliegende und eigentlich schlagende Einwände zu immunisieren.

          @Roslin Ich habe nicht den Eindruck, dass von feministischer Seite rundweg eine Gleichheitsideologie betrieben wird, es werden ja häufig gerade auch die Ungleichheiten betont (wenn es um rechtliche Bevorzugungen von Müttern geht z.B., oder um die angebliche soziale Inkompetenz von Männern, etc.). Es ist ja auch viel praktischer, Gleichheits- UND Ungleichheitsmodelle fahren zu können, je nachdem, was gerade besser passt.

        • O.k. – zum Thema der Unvereinbarkeit von Gender-Feminismus und Marxismus:

          Ich schreibe mal auf, was mir spontan so einfällt. Da ich selbst kein Marxist bin, mag es sein, dass ich vieles übersehe, was einem überzeugten, theoretisch informierten Marxisten zu dem Thema noch alles einfallen würde. Jeder, der möchte, darf meine Ausführungen gerne ergänzen oder korrigieren.

          Das erste Problem ist, was man hier unter dem Begriff „Marxismus“ verstehen soll: die Philosophie und Soziologie von Karl Marx oder das Weltbild bestimmter einflussreicher marxistischer Richtungen oder bestimmte marxistische Theorieelemente, die von der Mehrheit marxistischer Strömungen geteilt werden? Ich beziehe das mal alles potentiell mit ein und kennzeichne es entsprechend.

          Der erste wesentliche Unterschied zwischen Marxismus und Genderfeminismus, hinsichtlich dessen fundamentale Unvereinbarkeit gegeben ist, ist die spezifische Sichtweise, nach der privilegierte und benachteiligte Gruppen bestimmt werden. Im klassischen Marxismus gibt es hierfür ein entscheidendes Kriterium: Das Verhältnis zu den Produktionsmitteln. Wer diese besitzt und kontrolliert, gehört zur herrschenden Kapitalistenklasse, wer dagegen keine Produktionsmittel besitzt und gezwungen ist seine Arbeitskraft zu verkaufen, gehört nicht dazu. (Auf genauere Ausarbeitungen und Differenzierungen von Marx Verständnis von Klassen gehe ich an dieser Stelle nicht weiter ein.) Die Kategorie „Geschlecht“ ist für die Zuordnung zur Gruppe der Privilegierten oder der Benachteiligten gänzlich irrelevant.
          Es ist im Rahmen dieses Modells also völlig unmöglich Männer AN SICH der herrschenden Klasse zuzuordnen. Männer, die keine Produktionsmittel besitzen und gezwungen sind ihre Arbeitskraft zu verkaufen sind Teil der Arbeiterklasse, Frauen, die am Besitz von Produktionsmitteln teilhaben sind Teil der Kapitalistenklasse.

          Es ist sicherlich möglich, durchschnittliche Unterschiede hinsichtlich der spezifischen Problemlagen von Männern und Frauen der Arbeiterklasse herauszuarbeiten, aber es ist NICHT möglich, eine Zuordnung zur Kapitalistenklasse oder zur Arbeiterklasse ausgehend von der Kategorie „Geschlecht“ vorzunehmen.
          Das genderfeministische Verständnis von struktureller Ungleichheit, nach dem Männer an sich privilegiert, Frauen an sich benachteiligt sind, steht dem marxistischen Verständnis somit diametral entgegen. Im Genderfeminismus besitzt der in prekären Beschäftigungsverhältnissen schuftende Unterschichtsmann eine „patriarchale Dividende“ gegenüber der weiblichen Unternehmerin. Es sollte klar sein, wie absurd dies aus marxistischer Perspektive klingt.

          Der Marxismus vertritt eine strukturell-soziologische Sichtweise auf den Kapitalismus. Die einzelnen Unternehmen stehen im Wettbewerb zueinander und müssen sich auf dem Markt behaupten. Das dahinter stehende Prinzip lautet: Wachse oder stirb. Jeder Unternehmer ist gezwungen Profite zu erwirtschaften, um sich gegenüber seinen Konkurrenten auf dem Markt behaupten zu können. Die Ausbeutung der Arbeiter resultiert nicht aus einer „bösen Gesinnung“ der Kapitalisten, sondern daraus, dass jeder Unternehmer darauf angewiesen ist, möglichst hohe Profite zu erwirtschaften, um im Rahmen des bestehenden Konkurrenzdrucks der Unternehmen untereinander, bestehen zu können.
          Der einzelne Kapitalist handelt, so wie er handelt, nicht weil er „böse“, „gierig“, „antisozial“ wäre, sondern weil die soziologische Struktur des kapitalistischen Systems ihm keine andere Wahl lässt als Profitmaximierung oder Abstieg – so die Perspektive der marxistischen Kapitalismusanalyse und -kritik.

          Solche Formen von Kapitalismuskritik, bei denen im Gegensatz dazu, die soziologische Struktur des kapitalistischen Systems nicht berücksichtigt wird, sondern stattdessen nur auf bestimmte Personen oder Gruppen geschimpft wird, werden im Marxismus und im „Neo-Marxismus“ abwertend als „verkürzte, regressive oder personalisierte Kapitalismuskritik“ bezeichnet. Manche Marxisten und „Neo-Marxisten“ verwenden hierfür auch den Begriff „strukturell antisemitisch“. Es gibt kaum etwas, womit man sich in marxistischen und „neo-marxistischen“ Kreisen unbeliebter macht, als eine solche rein „personalisierte Kapitalismuskritik“ zu vertreten, die ausschließlich auf bestimmte Personen oder Gruppen fixiert ist und dabei die strukturell-soziologische Funktionsweise des kapitalistischen Systems unberücksichtigt lässt.

          Dem Genderfeminismus geht es hingegen darum, mittels Quoten mehr Frauen in Vorstände und Aufsichtsräte zu bringen. Aus marxistischer Perspektive kann genau daraus aber keine grundlegende Veränderung entstehen, da Frauen in diesen Positionen natürlich genau dem gleichen Zwang zur Profitmaximierung unterworfen sind wie Männer in diesen Positionen.
          Das Geschlecht der Mitglieder der herrschenden Klasse ist aus marxistischer Perspektive völlig gleichgültig: die weibliche Unternehmerin ist genauso auf die Ausbeutung der Arbeiter angewiesen, um sich auf dem Markt behaupten zu können wie der männliche Unternehmer.
          Die Position im Produktionsprozess bestimmt das Verhalten – nicht das Geschlecht.
          Durch einen Austausch des Personals nach Geschlecht kann daher in marxistischer/“neo-marxistischer“ Perspektive keine Änderung der ökonomischen Verhältnisse entstehen.

          Weiter unten entwirft Roslin eine Verschwörungstheorie, nach der Sozialisten/Marxisten/Neo-Marxisten ein bewusstes Interesse daran hätten mehr Frauen in Aufsichtsräte und Vorstände zu bringen, weil sie sich davon weniger Wettbewerb und Profitstreben und mehr Kooperation und Umverteilung erhoffen würden – also quasi eine Art Annähehrung an den Sozialismus von oben.
          Man braucht schon einen nahezu vollständigen Mangel jeglicher Kenntnis marxistischer und „neo-marxistischer“ Literatur, um eine derart absurde, allen theoretischen Grundlagen marxistischen und „neo-marxistischen“ Denkens widersprechende Behauptung aufzustellen. Das Gegenteil von Roslins Annahme ist der Fall. Eine Sichtweise, nach der der Kapitalismus verbessert oder gar der Sozialismus eingeführt werden könne, indem man mehr Frauen in Aufsichtsräte und Vorstände bringt, würde in marxistischen/“neo-marxistischen“ Kreisen unverzüglich einen Vorwurf der „verkürzten, regressiven oder personalisierten Kapitalismuskritik“ oder des „strukturellen Antisemitismus“ nach sich ziehen. Personen, die so argumentieren würden, wie Roslin dies hier unterstellt, würden in marxistischen/“neomarxistischen“ Kreisen bestenfalls lächerlich gemacht, im Extremfall angefeindet. Was den strukturell-soziologischen Charakter ihrer Kapitalismuskritik angeht, nehmen es Marxisten und „Neo-Marxisten“ nämlich sehr genau.
          Dass der Kapitalismus ein „gesellschaftliches Verhältnis“ darstellt, dass nicht durch Personalaustausch geändert werden kann, wird in marxistischen und „neo-marxistischen“ Kreisen vielmehr gerade als DIE große Errungenschaft marxistischer Kapitalismusanalyse gesehen. Die Annahme, man käme durch Frauenquoten dem Sozialismus näher ist daher fundamental antimarxistisch und widerspricht massiv den theoretischen Grundlagen und dem Identitätsgefühl sämtlicher marxistischer/“neo-marxistischer“ Strömungen. Es dürfte daher wohl weltweit keinen einzigen marxistischen oder „neo-marxistischen“ Theoretiker geben, bei dem ein solcher Gedankengang nachweisbar wäre. Und das ist auch ganz simpel der Grund dafür, dass bei diesen ganzen absurden verschwörungstheoretischen Behauptungen über Marxisten/“Neo-Marxisten“ von konservativer Seite nie eine präzise Quellenangabe gegeben wird, in welchem marxistischen oder „neo-marxistischen“ Text denn eine solche Position vertreten wird. Solche Quellenangaben werden nicht gegeben, weil es solche Quellen nicht gibt. Konservative Kritiker (und da ist Roslin natürlich keinesfalls allein) lesen in der Regel gar keine marxistischen/“neo-marxistischen“ Schriften und wissen nicht, was in diesen tatsächlich drin steht – sie stellen nur wilde Behauptungen darüber auf. Es handelt sich hier um konservative Diskursstrategien, nicht um ernsthafte wissenschaftliche Analyse und Kritik.

          Im marxistischen Denken kommt der Solidarität zwischen (männlichen) Arbeitern und Arbeiterinnen eine herausragende Bedeutung zu: Geschlechtersolidarität (innerhalb der Arbeiterklasse) ist Klassensolidarität. Nur im gemeinsamen solidarischen Kampf der Männer und Frauen der Arbeiterklasse kann der Kapitalismus überwunden werden. Frauenfeindlichkeit und Männerfeindlichkeit gelten daher gleichermaßen als schädlich für die Klassensolidarität und als Behinderung des Klassenkampfes. Dieses Verständnis von Geschlechtersolidarität (innerhalb der Arbeiterklasse) als Klassensolidarität durchzieht auch alle frauenrechtlichen Traditionen der klassischen sozialistischen Arbeiterbewegung. Der Unterschied zum Genderfeminismus liegt auf der Hand: Der Genderfeminismus spaltet mit seiner Männerfeindlichkeit die Klassensolidarität, das Feindbild des „weißen, heterosexuellen Mannes“ behindert den von Arbeitern und Arbeiterinnen solidarisch geführten Klassenkampf, der Ausschluss der „weißen, heterosexuellen Männer“ von der sozialen Revolution würde eine erfolgreiche soziale Revolution in westlichen Gesellschaften unmöglich machen.

          Karl Marx war (genau wie sein anarchistischer Gegenspieler Michael Bakunin) ein Gegner eines abstrakten Gleichheitsbegriffs, welcher menschliche Individuen oder Gruppen einem Vielfalt und Individualität zerstörenden „Gleichheitsdiktat“ unterwerfen würde. Marx und Bakunin ging es um die Demokratisierung der ökonomischen Sphäre – eine darüber hinausgehende „Gleichmachung“ menschlicher Individuen und Gruppen, eine Reduzierung menschlicher Vielfalt lehnten sie dagegen radikal ab.
          Da dieser Aspekt des Denkens von Karl Marx in der Marx-Einführung von Terry Eagleton zutreffend dargestellt wird, werde ich im Folgenden einen Auszug daraus diktieren:

          „Ebensowenig ist eine Gesellschaftsordnung möglich, in der alle Menschen gleich sind. Die Klage, der „Sozialismus würde uns alle gleich machen“, entbehrt jeder Grundlage. Dergleichen hatte Marx keineswegs im Sinn. Er war ein eingeschworener Feind der Gleichförmigkeit. Tatsächlich hielt er Gleichheit für einen bürgerlichen Wert. Er sah darin die Übertragung dessen, was er den Tauschwert nannte – eine Ware wird in ihrem Wert dem der anderen angeglichen -, auf die politische Sphäre. Die Waren seien, sagte er einmal, „verwirklichte Gleichheit“. Ein andermal spricht er von einer Form des Kommunismus, die eine allgemeine soziale Gleichmacherei verlangt, und bezeichnet sie in den „Ökonmisch-philosophischen Manuskripten“ als „eine abstrakte Negation der ganzen Welt der Bildung und Zivilisation“. Außerdem verband Marx den Gleichheitsbegriff mit dem, was er als die abstrakte Gleichheit der bürgerlichen Demokratie verstand, wo unsere formale Gleichheit als Wähler und Staatsbürger dazu dient, die realen Ungleichheiten des Besitzes und der Klasse zu verschleiern. In der „Kritik des Gothaer Programms“ lehnte er auch das Prinzip der Lohngleichheit ab, da Menschen je andere, individuelle Bedürfnisse haben: Einige leisten schmutzigere oder gefährlichere Arbeit als andere, wieder andere haben mehr Kinder zu ernähren und so fort.
          Was nicht heißen soll, dass Marx die Idee der Gleichheit gänzlich von der Hand gewiesen hat. Ideen nur deshalb abzulehnen, weil sie von der Mittelklasse entwickelt worden waren, gehörte nicht zu Marx Gewohnheiten. Er blickte keineswegs verächtlich auf die Mittelklasse herab, sondern war ein überzeugter Anhänger ihrer großen revolutionären Werte: Freiheit, Selbstbestimmung und Selbstentfaltung. Selbst abstrakte Gleichheit hielt er für einen gehörigen Fortschritt gegenüber den Hierarchien des Feudalismus. Er glaubte eben nur, dass diese wünschenswerten Prinzipien nicht zum Tragen kommen können, solange es den Kapitalismus gibt. Trotzdem pries er die Mittelklasse als die revolutionärste Gesellschaftsschicht der Geschichte, ein Umstand, den seine Gegner aus der Mittelklasse merkwürdigerweise gerne übersehen. (…) Nach Marx Ansicht krankt der herrschende Gleichheitsbegriff daran, dass er zu abstrakt ist. Zu sehr vernachlässige er die Individualität von Dingen und Menschen – das, was Marx im wirtschaftlichen Kontext „Gebrauchswert“ nennt. Der Kapitalismus standardisiert die Menschen, nicht der Sozialismus. Das ist einer der Gründe, warum Marx eher zurückhaltend mit dem Begriff des Rechts umgeht. So schreibt er: „Das Recht kann seiner Natur nach nur in Anwendung von gleichem Maßstab bestehen, aber DIE UNGLEICHEN INDIVIDUEN (UND SIE WÄREN NICHT VERSCHIEDENE INDIVIDUEN, WENN SIE NICHT UNGLEICHE WÄREN) sind nur an gleichem Maßstab messbar, soweit man sie unter einen gleichen Gesichtspunkt bringt, sie nur von einer bestimmten Seite her fasst, z.B. im gegeben Fall sie nur als Arbeiter betrachtet und weiter nichts in ihnen sieht, von allem anderen absieht.“ (Zitat Marx Ende, Hervorhebungen von mir).
          (…) Gleichheit im Sozialismus heißt nicht, dass jeder genauso wie der andere ist – eine absurde Behauptung, wenn es je eine gab. (…) Genauso wenig heißt es, dass jedem genau das gleiche Maß an Besitz und Ressourcen gewährt wird. Echte Gleichheit heißt nicht, dass alle unterschiedslos behandelt werden, sondern dass man die unterschiedlichen Bedürfnisse jedes einzelnen in gleicher Weise berücksichtigt. So ist die Gesellschaft beschaffen, die Marx vorschwebt. Menschliche Bedürfnisse sind nicht kommensurabel. Sie lassen sich nicht mit dem gleichen Maßstab messen. Nach Marx Ansicht hat jeder das gleiche Recht, sich selbst zu verwirklichen und aktiv an der Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens teilzunehmen. (…) Dadurch würde bewirkt, dass jedem, so weit wie möglich, gestattet wäre, sich als das besondere Individuum, dass er ist zu entfalten. Letztlich existiert für Marx die Gleichheit um des Unterschieds willen.
          (Terry Eagleton – Warum Marx Recht hat, S. 125 – 128).

          Marx Kritik an einem abstrakten, Vielfalt und Individualität negierenden Gleichheitsbegriff ist im sogenannten Neo-Marxismus insbesondere von der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule aufgegriffen und weiterentwickelt worden.

          Max Horkheimer vertrat z.B. (ob nun zu Recht oder Unrecht) die Ansicht, dass Karl Marx das antagonistische Verhältnis der beiden Werte Freiheit und Gerechtigkeit (verstanden als Gleichheit) nicht ausreichend mitreflektiert habe. Für Horkheimer galt: Je mehr Gerechtigkeit (im Sinne von Gleichheit), desto weniger Freiheit und je mehr Freiheit, desto weniger Gerechtigkeit (verstanden als Gleichheit). Um zu einer freien sozialistischen Gesellschaft zu gelangen, ist es nach Horkheimer daher sehr wichtig, dieses dialektische Verhältnis der beiden Wertes Freiheit und Gleichheit und die sich daraus ergebenden Komplikationen mitzureflektieren, um zu einem angemessenen Gleichgewicht zwischen diesen Werten zu gelangen.

          Im gleichen Geiste sprach Erich Fromm sinngemäß einmal davon, dass er, obwohl keinesfalls Gegner der Frauenbewegung, es bedauere, dass die Frauenbewegung dazu beitrage die menschliche Vielfalt zu reduzieren.

          Und Theodor Adorno verfasste in seinem Hauptwerk “Minima Moralia“ bekanntlich eine der schärfsten Polemiken gegen einen abstrakten Gleichheitsbegriff, die es in der Philosophiegeschichte überhaupt gibt:

          “Das geläufige Argument der Toleranz, alle Menschen, alle Rassen seien gleich, ist ein Bumerang. Es setzt sich der bequemen Widerlegung durch die Sinne aus, und noch die zwingendsten anthropologischen Beweise dafür, daß die Juden keine Rasse seien, werden im Falle des Pogroms kaum etwas daran ändern, daß die Totalitären ganz gut wissen, wen sie umbringen wollen und wen nicht. Wollte man dem gegenüber die Gleichheit alles dessen, was Menschenantlitz trägt, als Ideal fordern, anstatt sie als Tatsache zu unterstellen, so würde das wenig helfen. Die abstrakte Utopie wäre allzu leicht mit den abgefeimtesten Tendenzen der Gesellschaft vereinbar. Daß alle Menschen einander glichen, ist es gerade, was dieser so paßte. Sie betrachtet die tatsächlichen oder eingebildeten Differenzen als Schandmale, die bezeugen, daß man es noch nicht weit genug gebracht hat; daß irgend etwas von der Maschinerie freigelassen, nicht ganz durch die Totalität bestimmt ist. Die Technik der Konzentrationslager läuft darauf hinaus, die Gefangenen wie ihre Wächter zu machen, die Ermordeten zu Mördern. Der Rassenunterschied wird zum absoluten erhoben, damit man ihn absolut abschaffen kann, wäre es selbst, indem nichts Verschiedenes mehr überlebt.
          Eine emanzipierte Gesellschaft jedoch wäre kein Einheitsstaat, sondern die Verwirklichung des Allgemeinen in der Versöhnung der Differenzen. Politik, der es darum im Ernst noch ginge, sollte deswegen die abstrakte Gleichheit der Menschen nicht einmal als Idee propagieren. Sie sollte statt dessen auf die schlechte Gleichheit heute, die Identität der Film- mit den Waffeninteressenten deuten, den besseren Zustand aber denken als den, in dem man ohne Angst verschieden sein kann.“

          Den gravierenden Unterschied zwischen den Reflektionen zur Gleichheit in den Philosophien von Karl Marx und den Denkern der Frankfurter Schule einerseits und dem abstrakten Gleichheitsbegriff der Genderisten, in dem gerade solche kritischen Reflektionen, wie die von Marx, Adorno und Horkheimer völlig fehlen, muss ich hoffentlich nicht weiter ausführen.

          Eine weitere Differenz zwischen Marxismus und Genderfeminismus sollte noch erwähnt werden. Wenden wir die Kategorien der marxistischen ökonomischen Analyse auf den Genderismus an, dann können wir schwerlich zu einem anderen Ergebnis kommen, als dass die herrschende Kapitalistenklasse an der Förderung des Genderfeminismus ein Interesse besitzt: Mehr Frauen auf dem Arbeitsmarkt führt zu einer Vergrößerung der „industriellen Reservearmee“, wie Marx es nannte und ermöglicht daher Lohnsenkungen, (was es den zeitgenössischen großen Unternehmen wiederum erleichtert auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu bleiben).

          http://de.wikipedia.org/wiki/Industrielle_Reservearmee

          (Es versteht sich hoffentlich von selbst, dass eine solche rein deskriptive Analyse kein Plädoyer gegen weibliche Erwerbsarbeit sein soll. Alles, was die Wahlmöglichkeiten für Frauen und Männer erweitert, ist grundsätzlich natürlich zu befürworten. Aber man sollte sich dennoch keinen Naivitäten darüber hingeben, dass die herrschenden Kreise in Politik und Wirtschaft bestimmte Dinge etwa aus ideologischen Gründen (oder gar aus Menschenfreundlichkeit) fördern würden anstatt auf der Grundlage ihrer eigenen Interessen.)

          So, jetzt habe ich keine Lust mehr weiter zu schreiben. Es gäbe zwar noch weitere Aspekte, die man als Unvereinbarkeiten zwischen Marxismus und Genderfeminismus ins Feld führen könnte, aber das soll jetzt erstmal reichen.

        • @ Leszek

          *(Eagleton via Leszek):
          Echte Gleichheit heißt nicht, dass alle unterschiedslos behandelt werden, sondern dass man die unterschiedlichen Bedürfnisse jedes einzelnen in gleicher Weise berücksichtigt. So ist die Gesellschaft beschaffen, die Marx vorschwebt. Menschliche Bedürfnisse sind nicht kommensurabel. Sie lassen sich nicht mit dem gleichen Maßstab messen. Nach Marx Ansicht hat jeder das gleiche Recht, sich selbst zu verwirklichen und aktiv an der Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens teilzunehmen. (…) Dadurch würde bewirkt, dass jedem, so weit wie möglich, gestattet wäre, sich als das besondere Individuum, dass er ist zu entfalten. Letztlich existiert für Marx die Gleichheit um des Unterschieds willen.*

          „Die unterschiedlichen Bedürfnisse jedes einzelnen IN GLEICHER WEISE berücksichtigen“.

          Wie bitte macht man das konkret?

          Besonders dann, wenn die einen meinen sie hätten noch nicht genug und die anderen meinen, die hätten schon viel zu viel?

          „Nach Marx Ansicht hat jeder das gleiche Recht, sich selbst zu verwirklichen und aktiv an der Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens teilzunehmen. (…) Dadurch würde bewirkt, dass jedem, so weit wie möglich, gestattet wäre, sich als das besondere Individuum, dass er ist zu entfalten. Letztlich existiert für Marx die Gleichheit um des Unterschieds willen.“

          Mir platzt ja jedesmal der Kragen, wenn ich so ein Gutmenschengeschwätz lesen muss, insbesondere angesichts dessen, was diese marxistischen Gutmenschen sich geleistet haben beim Versuch, ihren Marx Realität werden zu lassen.

          Wenn jeder das gleiche Recht hat sich selbst zu verwirklichen, wie verhindere ich dann, dass die Klugen und Starken sich auf Kosten der Schwachen und Dummen SELBST verwirklichen?

          Wer legt fest und bestimmt, was möglich ist, was inwieweit gestattet ist.

          Das wabert nur so im Unkonkreten, Wolkig – Gutmenschlichen.

          Und am Ende bestimmt die Tscheka, was möglich ist.

          Die Verbindung zwischen Marxismus und Feminismus zu sehen, ist keine konservative Verschwörungshalluzination.

          Genau diese Verbindung herzustellen, beansprucht Catherine McKinnon, Zitat:

          *Sexuality is to feminism what work is to marxism: that which is most
          one’s own, yet most taken away. Marxist theory argues that society is
          fundamentally constructed of the relations people form as they do and
          make things needed to survive humanly. Work is the social process of
          shaping and transforming the material and social worlds, creating
          people as social beings as they create value. It is that activity by which
          people become who they are. Class is its structure, production its consequence,
          capital its congealed form, and control its issue.

          Implicit in feminist theory is a parallel argument: the molding, direction,
          and expression of sexuality organizes society into two sexeswomen
          and men-which division underlies the totality of social relations.
          Sexuality is that social process which creates, organizes, expresses,
          and directs desire,‘ creating the social beings we know as women
          and men, as their relations create society. As work is to marxism, sexuality
          to feminism is socially constructed yet constructing, universal as activity
          yet historically specific, jointly comprised of matter and mind. As
          the organized expropriation of the work of some for the benefit of
          others defines a class-workers-the organized expropriation of the
          sexuality of some for the use of others defines the sex, woman. Heterosexuality
          is its structure, gender and family its congealed forms, sex roles
          its qualities generalized to social persona, reproduction a consequence,
          and control its issue.*

          Das ganze Papier, aus dem später noch ein Buch wurde, hier:

          http://www2.law.columbia.edu/faculty_franke/Certification%20Readings/catherine-mackinnon-feminism-marxism-method-and-the-state-an-agenda-for-theory1.pdf

          Das Buch:

          http://www.amazon.de/Feminism-Unmodified-Discourses-Life-Law/dp/0674298748/ref=sr_1_cc_1?s=aps&ie=UTF8&qid=1363468296&sr=1-1-catc

          Unterstelle mir also bitte keine Wahnvorstellungen und verschwörungstheoretisches Gebrabbel.

          Die Verbindung Marxismus-Feminismus, von McKinnon (eine Schülerin von ihr, Frau Behr, sitzt jetzt auf grünem Ticket reisend im BVG) bewusst hergestellt, fällt ja nicht nur mir auf, Zitat Kate Sutherland:

          *Catherine MacKinnon, perhaps the dominant voice of North American feminist legal theory over the last two decades, developed her feminist theory of law through an extended metaphor with Marxism. Marxist thought thus became thoroughly intertwined with MacKinnon’s particular brand of radical feminism in the minds of many feminist legal scholars and activists. As MacKinnon’s work has fallen out of favor in recent years, largely as a result of criticisms leveled against it from postmodern and critical race feminist perspectives, so too has the work of Marx. Setting MacKinnon’s Towards a Feminist Theory of the State side by side with Volume I of Capital, and offering a critique of the use she made of Marx’s work, reveals the continued relevance of Marxism to feminist legal scholarship and activism.*

          http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=1586857

        • @ Roslin

          Bzgl. dessen, was Eagleton schreibt, ist natürlich erstmal zu unterscheiden zwischen Wertvorstellungen einerseits und Konzepten zur praktischen Umsetzung andererseits.
          Hier ging es nicht darum Konzepte zur praktischen Umsetzung zu beschreiben und zu diskutieren, sondern wesentliche Unterschiede zwischen den theoretischen Grundlagen von Marxismus und Genderfeminismus herauszuarbeiten.
          (Eagleton geht in dem genannten Buch natürlich auch auf seine präferierten Vorstellungen zur praktischen Umsetzung ein.)

          Den Text von Catherine McKinnon kenne ich, Wendy McElroy hatte Zitate daraus übrigens in einem Aufsatz kritisch analysiert. Natürlich gibt es radikale Feministinnen, die sich auf den Marxismus (oder den „Neo-Marxismus“ oder den Anarchismus) beziehen, wann hätte ich das bestritten?

          Ich habe ja selbst hin und wieder mal erwähnt, dass linke Radikalfeministinnen nicht selten dazu neigen, sich irgendeine linke Tradition zu suchen, in deren Namen sie dann agieren.

          Aber eine tatsächliche, theoretisch kohärente Anschlussfähigkeit zwischen misandrischem Genderfeminismus/Radikalfeminismus und diesen linken Traditionen gibt es nicht. Der misandrische Genderfeminismus/Radikalfeminismus ist in der Regel LEICHT von den tatsächlichen theoretischen Grundlagen dieser linken Traditionen aus kritisierbar. Wenn radikale Feministinnen sich auf irgendeine bedeutsame theoretische linke Tradition beziehen, kommt eben meistens eine Karikatur derselben dabei heraus.

          Also ich meine, unsere geschätzte (die biologische Minderwertigkeit des Mannes predigende) ehemalige Mitkommentatorin Lucia hielt sich ja auch für eine „anarchistische Feministin“. Na ja, ich habe nie verstanden, was sie damit meinte. 🙂

          Oder denken wir mal an den misandrischen Spinner Klaus Theweleit mit seiner Theorie vom „Faschist als Prototyp traditioneller Männlichkeit“. Er mag im linksalternativen Milieu eine zeitlang damit durchgekommen sein, (heute kennt ihn kaum noch jemand), aber von ernsthaften marxistischen Forschern zum Thema Faschismus/Nationalsozialismus ist sein Buch „Männerphantasien“ natürlich verrissen worden.

          Der von mir geschätzte bekannte marxistische Faschismus/Nationalsozialismusforscher Reinhard Kühnl, der in seinem Hauptwerk „Faschismustheorien. Ein Leitfaden“ auch den „freudomarxistischen“ Analysen zum Nationalsozialismus von Wilhelm Reich und Erich Fromm gewisse Teilwahrheiten zubilligt, bemerkte zu dem Buch „Männerphantasien“ von Klaus Theweleit:

          “Die zahlreichen neueren Versuche, an die Tradition der “Linksfreudianer“ anzuknüpfen, die besonders im Gefolge der antiautoritären Studentenbewegung entstanden, haben über das von Reich und Fromm erreichte Niveau nicht hinausgeführt, in manchen Fällen sind sie sogar dahinter zurückgeblieben. Den höchsten Grad an Irrationalität und methodischer Verworrenheit erreicht dabei das Buch von Theweleit, das den Faschismus auf ein gestörtes Verhältnis der Männer zur Frau reduziert und das gesamte reichhaltige Material in dieses Erklärungsschema presst. Damit wird nicht einmal mehr das geleistet, was die Psychoanalyse leisten könnte. Elisabeth Endres hat die Mängel dieses Buches in einer präzisen Kritik offengelegt: „Die Männlichkeit ist an allem schuld. Weil die Männer die Frauen entweder zu Idolen erheben oder sie als das Strömende und Flutende schlechthin empfinden, fühlen sie sich unterlegen, gefährdet oder herausgefordert. Deshalb machen sie Terror, die Männer, nicht etwa eine soziologisch oder politisch abgrenzbare Gruppe von Menschen“ Es sei genau diese „Droge des intellektuellen Irrationalismus“, die einschläfert und lediglich „den sehr kühl denkenden Machthabern (hilft), die sich zur gegebenen Zeit den Irrationalismus zunutze machen. Wie schon gehabt.“
          In der Tat lehrt Theweleit, dass es nicht aufs Bewusstsein, sondern aufs richtige Gefühl ankomme. Muss man sich wundern, dass dieses Buch, das ganz in der feministischen Welle mitschwingt, von der Presse zum Teil enthusiastisch begrüßt wurde (…)? (Reinhard Kühnl – Faschismustheorien. Ein Leitfaden, S. 133)

          Na ja, es gibt (in allen weltanschaulichen Richtungen) eben wirklich große Denker und dann gibt es eben auch noch solche Kleingeister wie Catherine McKinnon und Klaus Theweleit.

      • „Männer und Frauen sind gut, weil gleich. Nur leider werden den einen Rechte vorenthalten und den anderen zu viele gegeben, weil sich die Gesetze in diese Richtung entwickelt hat.
        Wenn die Männer bereit wären, diese Rechte endlich angemessen zu teilen und ihre Priviligierungen zu hinterfragen, dann wären wir alle glücklich und gut.“

        Das ist doch einer der Punkte, wo man wirklich mal konkret werden könnte. Welche/wieviele Gesetze gibt es im bundesdeutschen Recht, die Männer bzw. Frauen benachteiligen ? Auf Anhieb würden mir eigentlich nur Gesetze einfallen, die Männer benachteiligen, Wehrpflicht (nur ausgesetzt), fehlendes Wahlrecht für Gleichstellungsbeauftragte, fehlendes Sorgerecht bei Unverheirateten, Exhibitionismusparagraph, Rentenanrechnung bei Kinderbetreuung, neuerdings auch Beschneidung von Kindern, etc. etc. Dabei glaube ich mich erinnern zu können irgendwann mal eine wesentlich längere derartige Liste gesehen zu haben. Ich bin deshalb über die obige Aussage ziemlich sprachlos, und möchte dazu um eine Klarstellung bitten.

        Da sich dieser Punkt eigentlich sehr präzise fassen lassen müsste, könnte man hier mit einer sehr konkreten Kritik an der kritischen Männerforschung ansetzen und Argumente für deren Berechtigung trotz überwiegender gesetzlicher Benachteiligungen von Männern fordern.

        • @ leszek

          eine Widerlegung des genderfeminismus mit Hilfe der marxistischen Theorie….???!!!!

          wow

          das ist intellektuelles freeclimbing oder eher eine Traumreise? hahnemann widerlegt groening?

          halte mich auf dem laufenden….

        • @ kareem

          jetzt mach mal halblang, wir haben für ein Heidengeld eine Reihe von fakestudiengängen erfunden, damit sich mehr Frauen akademischen können…bald gibt’s einen gender Studien Nobelpreis….warte mal…

        • @ Ratloser

          „eine Widerlegung des genderfeminismus mit Hilfe der marxistischen Theorie….???!!!! halte mich auf dem laufenden….“

          Ja, das ist nicht sonderlich schwer.
          Kommt aber erst morgen irgendwann im Laufe des Tages.

    • @ virtual-cd

      *Eigentlich nicht. Aber, Meister Roslin, ich glaube es juckt dich, eine Enzyklika zu verfassen?
      Nur zu! Ich lese es immer wieder gerne. Auch wenn gewissen Redundanzen nicht zu übersehen sind.*

      Sie sind ja auch unvermeidlich, da ich immer wieder neu darlegen muss, warum ich Feminismus für ein Dekadenzphänomen halte.

      Das ist für Langzeitmitleser und -diskutanten redundant, aber es stolpern ja immer wieder mal neue Leser in das Blog.

      Und die sollen doch verstehen, warum ich so verrückte Sachen schreibe, wo doch die Eisenbahnen halbwegs pünktlich fahren und Frau Merkel alternativlos das Richtige macht, die Frauen immer gleicher und noch gleicher berechtigt werden und überhaupt – Alles wird gut.

    • @virtual-cd:

      „Der ganze Quark hat kurz gesagt nur einen Inhalt:

      Es geht darum, wortreich zu variieren, dass Männer schlecht und Frauen gut sind.“

      Ja, so ist das. Man kann sich drehen und wenden wie man will, es kommt doch immer wieder dasselbe heraus. Frauenforschung wird zwangsläufig eine Pro-Frauenforschung sein und Männerforschung ebenso zwangsläufig eine Anti-Männerforschung. Erinnert mich an einen Radiobeitrag zum letztjährigen Weltmännertag, in dem der Tag zum Anlass genommen wurde Frauen zu befragen, was sie sich von Männern wünschen und worin sie sich von Männern noch immer besonders unterdrückt fühlen.

  9. Ich lästere manchmal zwar auch über Männer… – aber eher im Scherz als bösartig. Wer niemals lästert, der werfe den ersten Stein…
    Jedoch relativiere ich oft genug, dass eben NICHT ALLE Männer so oder so sind, wie auch NICHT ALLE Frauen so oder so sind.

    Männer sind Individuen, gleiches gilt für Frauen.

    Ich empfinde Männer oder das „Mann sein“ nicht weniger wertvoll als Frauen oder das „Frau sein“, obwohl ich bei Männern schon erhebliches Emanzipationspotenzial sehe.

    Bei den Frauen dürfen maskuline Frauen nämlich durchaus auch SEIN… – auch, wenn Mannsweiber leider immer wieder eine Abwertung erfahren.

    Warum haben Menschen eigentlich so sehr ein Problem damit andere so SEIN zu lassen wie sie sind?

    Warum erlegen Menschen anderen Menschen Zwänge auf und damit ja auch oft gleichzeitig sich selbst?

    Warum wird alles das, was von der – vermeintlichen – Norm abweicht stets und ständig abgewertet?

    Angst vor Ansteckung mit dem Anders-sein-Virus?
    Angst plötzlich selbst nicht mehr genug zu sein?
    Angst davor, dass andere merken könnten, dass man selbst im Grunde genommen so ist wie der-/diejenige, der/die von der – vermeintlichen – Norm abweicht, sich das aber nicht eingestehen kann/will?
    Angst davor die Sicherheit der „Normalität“, des Bekannten zu verlieren?

    Himmel, was ist das nur für eine Gesellschaft in der wir leben?

    Die Menschen machen sich das Leben gegenseitig schwer, teilweise offensichtlich auch zur Qual.

    Immer schön gegeneinander statt miteinander…

    Schrecklich…

    Immer mehr vermisse ich gegenseitigen Respekt (bei manchen muss man sich den ja auch erst verdienen) als auch gegenseitige Achtung, was womöglich daran liegt, dass diese Werte immer unwichtiger werden… – es kommt mir jedenfalls so vor.

    Wenn ich z. B. etwas auf Facebook sehe, dass nach meinem Gefühl männerfeindlich ist – und zwar auch so, dass der vermeintliche Witz – nach meinem Empfinden – nicht mehr witzig ist (zu verletzend, geschmacklos), dann teile ich es definitiv nicht. Gleiches gilt für – nach meinem Empfinden – geschmacklose und verletzende frauenfeindliche Dinge.

    Ich muss das nicht auch noch unterstützen. Ich sehe Männer, auch, wenn manche Männer mir mit ihrer Art und Weise gehörig meine Nerven belasten, immer noch als Individuen.

    Wie sieht es denn anders herum aus?

    LG
    Keydie Lyn

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