„Die erste Hälfte deines Lebens versauen dir deine Eltern und die zweite die Kinder“

In dem Beitrag „Ich schäme mich für mein Geschlecht“ geht es um eine Besprechung einer Studie zur Lage der Frauen.

Da ist einiges interessantes drin:

Barbara Schöneberger moderiert. Ihr Claim an diesem Morgen lautet: Die erste Hälfte deines Lebens versauen dir deine Eltern und die zweite die Kinder. Damit ist sie die Galionsfigur dieser latent unglücklichen Frauenwelt, die einem hier präsentiert wird. Sie teilt sich ein in zwei Kategorien: Frauen mit Kindern und Frauen, deren Kinder schon aus dem Haus sind.

Man erkennt, dass es keine (rein) feministische Veranstaltung ist, denn dann hätte es natürlich heißen müssen: Beide Hälften deines Lebens versaut dir, dass Männer Frauen unterdrücken“. So immerhin eine Einteilung in Eltern und Kinder.

Etwas dazwischen, etwa Frauen, die Kinder haben, die aber nicht bei ihnen im Haus wohnen, wie es zum Beispiel bei der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der FDP, Katja Suding, der Fall ist, gibt es nicht. Die würden hier unter „Rabenmütter“ laufen. Wer das definiert? Ach, ja, auch Frauen, wie Barbara Schönberger erzählt, denn wenn sie arbeite, kämen mitunter Frauen auf sie zu, die sie fragten: Und wer passt jetzt auf deine Kinder auf? Dein Mann? Das macht der mit?!

Sehr viele lachen über eine Tatsache, die wirklich überhaupt nicht lustig ist: Die „Frau“ ist der „Frau“ größter Feind. Woran das liegen könnte? Vielleicht ja daran, dass sie alle unglücklich sind, denn knapp die Hälfte aller befragten berufstätigen Frauen gibt laut der Rheingold-Studie an, unglücklich zu sein, da zwischen Job und Familie nichts mehr von ihren Bedürfnissen übrig bleibe.

Das ist in der Tat ein Klassiker, der sich in intrasexueller Konkurrenz anbietet:

  • Die Frauen, die eher Kindererziehung betreiben werfen den Frauen, die sich eher auf den Beruf fokussieren, vor, dass sie die Kinder vernachlässigen
  • Die Frauen, die sich eher auf den Beruf fokussieren werfen den Frauen, die eher Kinder betreuen, vor, dass sie nichts aus ihrem Leben machen

Und damit wird die Konkurrenz angestachelt.

Offenbar ist der Job hier nicht als persönliches Bedürfnis definiert, was mir für die „Frauen“ ein bisschen leidtut. Was den Frauen fehlt, ist Freizeit. So sei in der bundesweiten quantitativen Umfrage und den zusätzlich geführten 40 qualitativen Interviews herausgekommen, dass sich nur vier Prozent der Frauen durch Nichtstun entspannen könnten, wobei sich 69 Prozent zu Hause generell nicht entspannen könnten, da „zu Hause“ immer auch Arbeit bedeute. Barbara Schöneberger illustriert das wie folgt: Wenn unter der Couch noch Lego liege, könne sie am gegenüberliegenden Tisch nicht puzzeln.

„Sich Arbeit selbst machen“ ist auch ein Stichwort, welches in der Debatte oft zu kurz kommt. Eben weil Frauen in diesem Bereich wohl auch eher konkurrieren oder andere Vorstellungen haben als Männer.

Man könnte ihr nun sagen: Gut, bist du selbst schuld. Denn wer Kind und Karriere hat und zusätzlich noch Freizeit haben möchte – egal ob Mann oder Frau –, wird vermutlich keinen perfekten Haushalt haben. Praktische Lösung eins: Übergebe Hausarbeit an eine Putzfrau. Laut den Interviews würden viele Frauen das aber nicht wollen, weil die Putzfrau dann ja sähe, dass man den Haushalt nicht im Griff habe. Ah ja.

Das finde ich einen interessanten Ansatz, der auch durchaus bewusst macht, dass Frauen selbst einiges ändern können und es nicht nur an außerhalb ihres Verantwortungsbereich liegenden Verhalten anderer, die sie diskriminieren, liegt. Wäre interessant, ob es der tatsächliche Grund ist oder auch schlicht das „Zuhause sein wollen“ dabei eine große Rolle spielt, das man damit dann nicht verteidigen könnte.

Dazu kann man natürlich nicht viel mehr sagen, als: „Gute ‚Frau‘, Sie sind in einem Unsinnsrad gefangen, aus dem es leider wirklich keinen Ausweg gibt. Die fehlende Freizeit scheint Ihnen im Übrigen nicht genug zu fehlen. Ihnen reicht es, sich einfach nur zu beklagen.“ Die Antwort, die im Übrigen meine Antwort wäre: „Meine schmutzigen Teller beweisen mir jeden Tag, wie gut es in meinen Job läuft“, fällt nicht.

Ach, es wäre ein erfrischender Ansatz. Statt dessen immer nur politischer Aktionismus mit dem man der „Diskriminierung im Beruf“ Herr werden möchte.

Ihren Mann empfindet das unglückselige Wesen „Frau“ dabei auch noch als einen weiteren Störfaktor: Jede dritte Frau fühlt sich alleinerziehend trotz Partner.

Wie wohl der Satz eines Mannes: „Ich fühle mich alleinverdienend trotz Partner“ anhören würden?

Das verstehe ich ebenfalls nicht. So wie ich mir logischerweise kein Auto gemeinsam mit jemanden kaufen würde, wenn nur der andere es benutzen darf, würde ich selbstverständlich niemals einen Haushalt mit jemanden führen, wenn nur ich ihn pflegen muss, oder ein Kind mit jemanden bekommen, wenn er es nicht zu gleichen Teilen umsorgt und erzieht wie ich.

Wer wissentlich mit jemandem ein Kind bekommt, der sich darum nicht oder nur wenig kümmern will, ist, sofern ihm das nicht gefällt – entschuldigen Sie bitte meine Härte –, selbst schuld. Kein Staat und keine Politik kann einer Frau bei der Gleichberechtigung helfen, die sie selbst nicht für sich einfordert. Sie mögen keinen Chauvinismus? Dann heiraten Sie als Erstes doch schon mal bitte keinen Chauvinisten!

Da werden viele Frauen wahrscheinlich antworten, dass sie sich das zu einfach vorstellt. Denn die Klage vieler Frauen, dass man den Mann gerade mal so mit viel Nörgelei dazu bekommt, den Müll runter zubringen, hört man ja durchaus häufiger. Allerdings mag das eben auch daran liegen, dass Frauen viele Arbeiten als Notwendig ansehen, die die Männer in dem Moment noch nicht als notwendig ansehen, eben zB die Legosteine unter dem Sofa und auch nichts dagegen hätten, wenn man eine Putzfrau engagiert.

Dazu im Text dann auch gleich:

Im Weiteren wird deutlich, dass der Mann eventuell gar nicht unbedingt das alleinige Problem ist. Denn die „Frau“ will den Haushalt offenbar irgendwie auch alleine machen und sich dann aber auch – klar – darüber beschweren. Barbara Schöneberger und Studie beschreiben ein Frauenbild, dass das Gefühl hat, die Kinder und der Ehemann „pinkeln ihr in den eigenen Vorgarten“, wenn sie etwas unordentlich machen. Denn die „Frau“ wolle in puncto Familienorganisation alle Fäden selbst in der Hand halten.

Der Haushalt ist eben ihr Revier und viele Frauen neigen auch dazu, es dann auf ihre Weise gemacht haben zu wollen, nicht auf seine.

Die Hautärztin Patricia Ogilvie erklärt, dass ihr Mann Schwierigkeiten bekommen habe, als sie in der „Bunten“ mal gesagt habe, dass sie ihren Haushalt unisex führten. Ihr Mann sei von Kollegen aufgezogen worden: „Trinken wir dann noch ein Bier, nachdem du gebügelt hast?“ „2017“ sagt der Kalender meines Handys, was mich nicht beruhigt, sondern seltsam verstört.

Das ist sicherlich auch ein Generationenproblem, aber auch eine Frage, wie man sich die Beziehung einrichtet: Wenn beide Vollzeit arbeiten, mit gleicher Stundenzahl, dann wird man auch mehr teilen, wenn einer der beiden Halbtags arbeitet, damit eben mehr Zeit für die Familie bleibt, dann wird der mehr machen.

Natürlich gibt es dazu auch eine Replik:

Meine Kollegin Julia Friese hat vor ein paar Tagen einen Artikel mit der Überschrift „Ich schäme mich für mein Geschlecht“ geschrieben. Der Text war wie eine Zeitreise. Wahrscheinlich hätte ich vor 15 Jahren genauso einen Schwachsinn geschrieben. Trotzdem (oder genau deshalb) habe ich viel gelacht.

Meine Kollegin schämt sich, eine Frau zu sein. Der Grund dafür liegt allerdings nicht bei ihr selbst, weil sie, wenn ich es richtig verstehe, so etwas wie eine perfekte Frau ist. Sie ist voll glücklich und im Reinen mit sich, ihrem Lebensabschnittsgefährten, ihrer ein-bis-drei-Zimmer-Wohnung, den beiden Kaffeetassen, die morgens ungefähr anfallen und mit den Texten, die sie gelegentlich für uns schreibt. Meine Kollegin ist eine glückliche Frau. Schön für sie.

Und das ist sicherlich auch nicht falsch: Als Paar ohne Kinder lässt sich vieles sehr viel einfacher einrichten als später mit Kindern.

Die entlassene kellnernde Feministin

Ich fand die Darstellung eines Falles einer Feministin ganz interessant, die entlassen worden ist.

In dem deutschen Stern heißt es dazu:

Männerfeindliche Thesen? Da wurde diese alleinerziehende Kellnerin gefeuert

Ein Mann bezeichnete seine Kellnerin in einer Bewertung als Männerfeindin – darauf verlor die alleinerziehende Mutter nach acht Jahren ihren Job. Der Besitzer setzte sie einfach für die Tür

Und dann später im Text:

Moira Walsh bestreitet im „Providence Journal“, dass sie bereits zuvor verwarnt worden sei. Und sieht hinter ihrer Entlassung einen Anschlag auf die Verfassung, weil sie wegen ihrer Ansichten und nicht wegen eines schlechten Dienstes gefeuert wurde. Tatsächlich ist es nicht einfach zu verstehen, was tatsächlich vorgefallen war. Der Kunde fühlt sich wohl von den Ansichten gestört, die Walsh im Radio und in den sozialen Netzwerken von sich gegeben hat. Es war gar nicht die Rede davon, dass sie ihn beim Essen mit Polit-Parolen traktiert hätte.

Moira Walsh ist nicht nur Kellnerin, sie ist Abgeordnete der Demokraten für Rhode Island im Parlament des Bundesstaates. Um Geld zu verdienen, arbeitete sie im Classic Cafe in Providence. Ihr Chef meinte nun, dass die 26-Jährige ihre politischen Ansichten während der Arbeit nicht für sich behalten konnte. Und feuerte sie.

Besitzer Raymond Burns sagte, eine Bewertung des Cafés auf dem Internetportal Yelp habe das Fass zum Überlaufen gebracht. Dort beschwerte sich ein Kunde über die männerfeindlichen Ansichten der Servicefrau.

Walsh hatte den Job acht Jahre. Für ihre politische Tätigkeit erhält sie eine Entschädigung von 15.000 Dollar, sie benötigt die Arbeit im Café, um über die Runden zu kommen. Im lokalen Radio erklärte sie: „Er hat zu mir gesagt: ‚Du weißt, wir sind stolz auf deine politische Arbeit, aber deine Ansichten schädigen das Geschäft und wir müssen deine Beschäftigung jetzt beenden.'“

Die inzwischen gelöschte Beschwerde störte sich unter anderem an einem Weihnachtsgruß von Walsh. Sie hatte geschrieben: „Meine Wünsche gehen zu den Frauen und den Trans. Der Rest der Männer ist mir egal.“ Die streitbare Frau wurde bekannt, weil sie offen über ihren Kampf als alleinerziehende Mutter mit einer schlecht bezahlten Arbeit berichtete. Dabei scheut sie die Konfrontation nicht: „Führen meine Bemerkungen dazu, dass sich Männer schlecht fühlen? Ja, klar!“

Der Besitzer schrieb in einem Statement: „Walsh fing oft politische Diskussionen mit unseren Kunden an, dann setzte sie sich zu ihnen an den Tisch. In ihrer Arbeitszeit. Wir haben sie öfter darauf hingewiesen, dass sie weiter arbeiten und diese Gespräche in ihrer Freizeit machen solle.“ 

Für das Café hat sich der Rausschmiss sicher nicht gelohnt. Die Beschwerde-Bewertung wurde inzwischen gelöscht, dafür häufen sich nun negative Einträge. Ein langjähriger Kunde, Alex L., schreibt sich seine Enttäuschung vom Leib: „Hier fühlten sich meine Frau und ich wie zu Hause. Das hat aufgehört, als man Moira Walsh gefeuert hat. Moira ist eine wunderbare Kellnerin. Der Besitzer hat absolut falsch reagiert.“ Walsh schrieb auf Facebook: „Wenn man für seine Rechte eintritt, ist es nie einfach. … Aber ich werde nicht still sein. Ich mache einen Eine-Frau-Aufstand!“ 

Auf einer englischen Seite heißt es:

Meet Moira Jayne Walsh. She worked as a waitress at a Rhode Island restaurant until her loose lips got her in trouble. Walsh is what you’d call a man hater and she was constantly spouting those views to her customers. For a bit of context, here’s what she wrote on Facebook at Christmas time:

“Peace on earth, good will to WOMEN. I am DONE giving you men my good will. You don’t do anything good with it. All my holiday cheer is for women femmes and trans. Signed, Frustrated women fighting patriarchal oppression one Facebook rant at a time.”

Yeah, that’s the kind of thing her patrons had to put up with day after day, but the cafe owner had enough and sent her packing. Here’s how he explained her antics:

Walsh would often get into vocal political discussions with customers during her shifts, often sitting down with the diners in their booths. We sometimes had to ask her to return to her duties and advised her to continue her discussions when she was off the clock. These disciplinary instances were never about politics or free speech, but simply reminder of her job and responsibility to all customers.
But here’s the worst part: Walsh is a state representative in Rhode Island and waitressing was just a side job. The cafe owner said she was using that job to gain supporters:

This is not a male vs. female issue, nor is it a case of attempting to silence someone’s free speech. This is an example of someone taking advantage of a captive audience to promote their own political views.

For newly elected public servant to whip the media and her supporters into a frenzy with unfounded accusations, demanding a boycott and portraying our family in such a negative light is profoundly upsetting and potentially damaging to my family’s livelihood.
Walsh spread a rumor that the reason she was fired was over a one-star Yelp review of the family restaurant. She also accused the owner of sexual harassment. When she was interviewed on a local radio show, Walsh was asked if she was going to press charges but just gave this rambling answer:

“I wasn’t, y’know, I didn’t – I didn’t say anything about this because I was over it a week ago. At first I was really upset, but I’ve spent an entire week where nobody manhandled me, or called me the c-word, or refused to tip me based on, y’know, the lack of smile that came with the pancakes? Like, I have been enjoying the dignity that comes with not being in the restaurant industry for a week, and it’s been a delight.”

Natürlich ist es aus der Ferne schwer zu sagen, was sich abgespielt hat. Aber nach dem, was relativ unstreitig zu sein scheint, scheint sie eine radikale Feministin zu sein, die Männer hasst. Sie scheint es auch für richtig zu halten, dass sie dies allen mitteilt. Und natürlich kann ein Restaurantbesitzer entscheiden, dass das nicht zu seinem Restaurant passt und ihr kündigen. Wenn sie dann anscheinend auch Job und privates nicht trennen kann und Gäste mit ihren Ansichten belästigt, dann finde ich das sogar sehr verständlich.

Erschreckender finde ich aber, dass der Stern den Fall so einseitig wiedergibt. Anscheinend ist der Autor der Auffassung, dass ein wenig Männerfeindlichkeit nicht weiter schlimm ist.

Anscheinend hat man das sogar zu einem gewissen Teil noch gemerkt. Die URL heißt immer noch „feministische-thesen–da-wurde-diese-kellnerin-gefeuert-7313156.html“, was vermuten läßt, dass dies erst die Überschrift des Artikels war. Anscheinend hat der Autor beim Schreiben gemerkt, dass das ja doch nicht ganz ohne ist, und es lieber in „Männerfeindlich“ geändert.

Ob er schlicht zu faul war, seine Bewertung der Vorgänge ebenfalls anzupassen oder es einfach tatsächlich die Männerfeindlichkeit nicht als Grund ansieht wäre interessant

Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass er den gleichen Text geschrieben hätte, wenn sie  „Meine Wünsche gehen zu den Weißen und den zumindest hellhäutigen. Der Rest der Menschen ist mir egal. Führen meine Bemerkungen dazu, dass sich Schwarze schlecht fühlen? Ja, klar!“ gesagt hätte oder eben „“Meine Wünsche gehen zu den Männern und den Jungs. Der Rest der Menschen ist mir egal. Führen meine Bemerkungen dazu, dass sich Frauen schlecht fühlen? Ja, klar!“ gesagt hätte. Dann hätte man sich allenfalls gewundert, wie es ein solcher Sexist/Rassist überhaupt in die Politik geschafft hat und warum sie ihn überhaupt so lange in ihrem Restaurant geduldet haben.

Hier hat man aber anscheinend kein Verständnis dafür, dass ein Restaurantbesitzer eine radikale Person los werden möchte, man freut sich sogar noch, dass gegen ihn zum Boykott aufgerufen wird und er einen wirtschaftlichen Schaden erleidet. Bizarr.

 

Frauenstreik

Nach dem „Frauenmarsch“ soll es wohl einen „Frauenstreik“ geben.

Frauenstreik

Frauenstreik

Auf „Edition F“ findet sich dazu:

Seitdem ich die Geschichte vom Frauenstreik in Island kannte, bei dem 1975 nahezu alle Frauen des Landes einen Tag in den Streik getreten sind, träume ich davon, einen ähnlichen Protest in Deutschland zu sehen. Unter Feministinnen wird immer wieder darüber gesprochen: Wie organisiert man das, so dass alle Frauen informiert werden, aber vorher nichts durchsickert?

Gerade zeigt sich, dass um den Generalstreik der Frauen auf die Beine zu stellen, vor allem das Momentum da sein muss, um Teilnehmerinnen zu mobilisieren. In den USA ist genau das gerade vorhanden. Millionen Menschen hat der Women’s March am 21. Januar 2017 in dutzenden Städten in den USA auf die Straßen gebracht, um friedlich für ihre Rechte und gegen den neuen Präsidenten Donald Trump zu demonstrieren. Überall in der Welt gab es solidarische Märsche.

Die Frauen, die den Women’s March organisiert haben, wollen es nicht bei dieser einmaligen Aktion belassen. Auf der Website gab es seit dem Samstag im Januar außerdem die Aktion „10 Actions for the first 100 days“, bei denen die Gruppierung Anregungen gibt, wie sich der Protest aufrechterhalten lässt.

Gestern gab das Team des Women’s March über seine Social-Media-Kanäle die nächste große Aktion bekannt: „General Strike: A Day Without A Woman“. Das Datum und weitere Informationen sind bislang nicht bekannt, daher hilft es, um eine Vorstellung zu bekommen, den Streik in Island 1975 und den Frauenstreik in der Schweiz 1991 zu kennen, bei dem etwa eine halbe Million Frauen für einen Tag im Juni ihre Arbeit niederlegten. Ihr Motto: „Wenn Frau will, steht alles still“. Die Schweizerinnen protestierten damals für faire Löhne, initiiert wurde die Aktion von Gewerkschafterinnen.

Da der Gender Pay Gap nicht auf Diskrimierung beruht und gut zu erklären ist dürften die Bedingungen des isländischen Streiks nicht bestehen. Gegen was wollen die Frauen denn hier wirklich protestieren?

Das schlimme wird eher sein, dass man die übrigen Floskeln zu gleichen Lohn und sexueller Gewalt hören wird, die auf falschen Zahlen beruhen und auch nicht einfach so zu ändern sind.

Ein Streik von einem Tag ist vollkommen sinnlos. Es ist eben eine Demonstration. Natürlich steht einiges still, wenn über 50% der Bevölkerung aussetzen. Das wäre ja bei Männern nicht anders.

Würde man es ernsthaft als Streik betreiben wäre es aber interessant:

  • Der Streik wäre als solcher kein zulässiger Streik im Sinne des Arbeitsrechts. Denn er verfolgt kein Ziel, welches man mit einem Tarifvertrag umsetzen kann, sondern politische Ziele. Man könnte daher die Teilnehmerinnen einfach wegen Nichterscheinen zur Arbeit abmahnen und kündigen.
  • Normale Arbeitnehmerinnen würden dann keinen Lohn bekommen. Sie wären abhängig von einer „Streikkasse“ (die so für Frauen nicht existiert) oder – wahrscheinlicher – von eigenen ersparten oder ihren Männern
  • Da sie aber nach feministischen Verständnis gegen Männer streiken müssten diese, auf diese Weise in die Position des Arbeitgebers gedrängt, eigentlich mit dem Mittel dieser reagieren: Keine Lohnzahlungen mehr, Aussperrung, Streikbrecher einsetzen etc. Es wäre interessant, ob Frauen für die Zeit des Streikes jede Finanzierung durch Männer ablehnen würden (kein Zugriff auf das gemeinsame Konto, wenn er dort seinen Lohn einzahlt, ihren Teil der Miete oder des Abtrages des Hauses (=die Hälfte)  weiterzahlen, ihre Kinder auch zumindest zur Hälfte in der Zeit betreuen (sie streiken ja teilweise gegen sich selbst, da Frauen auch weibliche Dienstleistungen in Anspruch nehmen) etc

Die Frage wäre auch, wer da eigentlich was machen kann. Der Staat hat keinen Einfluss darauf, wie viel private Personen an ihre Arbeitgeber zahlen, solange es jedenfalls der Mindestlohn ist. Sie können nicht einfach per Gesetz in diese Privatautonomie eingreifen und Löhne korrigieren. Sie können nur Gesetze ändern. Es darf bezweifelt werden, dass die meisten Frauen da sinnvolle Vorschläge hätten, was man da noch verbessern soll.

Wie würde euer Tag ablaufen, wenn Frauen streiken würden?

Hillary: „Ich bin überzeugt: Ja, die Zukunft ist weiblich“

„Liebe beleidigte Männerrechtler: Hört auf mit eurem Mimimimimi“

In einem Gastbeitrag stellt Herr Stemme dar, was er als Feminist von dem Maskul(in)ismus hält:

Wie selbstverständlich stehen die häufig aus der Mittelschicht kommenden, meist männlich sozialisierten Menschen für die Rechte der Männer* ein.

Warum sollte das auch nicht selbstverständlich sein, wenn die Männer* in bestimmten Bereichen Nachteile haben?

Die gängigen Meinungen: Wenn eine Frau* einen Manager-Job hat, wird ein Mann* arbeitslos. Wenn eine Frau* mehr verdient als ihr männlicher* Kollege, dann hat sie sich hochgeschlafen. Wenn heterosexuelle Männer* wechselnde Partner*innen haben, sind sie Helden. Frauen* sind Schlampen*. Wenn Frauen* alleinerziehend sind, dann sind sie selbst schuld. Männer nicht. Sie werden heimtückisch verlassen. Seitdem es Gender Mainstreaming, Frauenquoten und Gleichstellungsbeauftragte gibt, wird mann nämlich unterdrückt, wo frau nur kann.

Habt ihr das schon mal so auf einen männerrechtlichen Blog gelesen? ich jedenfalls nicht. Es sind aber klassische Klischees, die der Feminismus als Schreckgespenst und Strohmann in den Raum stellt.

Dass diese Argumente an den Haaren herbeigezogen sind und die tatsächlichen Probleme umkehren, erkennt man schnell.

Weswegen es sogar schlechte Strohmänner sind.

Eine simple Logik. Probleme erschaffen, die nicht existieren.

Und das von einem Feministen. Nirgendwo werden wohl mehr Probleme geschaffen, die nicht existieren. Der Satz „Frauen können schwanger werden, Männer nicht“ beispielsweise ist wohl nur bei modernen Feministen etwas, was Schnappatmung hervorruft, jeder sonst würde ihn für eine Selbstverständlichkeit halten.

Feministische Argumente umkehren.

Wenn da mal welche wären. Meist sind da schlicht Dogmen und Behauptungen. Wirkliche Argumente bringt der Feminismus kaum.

Aus den Unterdrückern werden die Unterdrückten.

Oder man kommt schlicht dazu, dass „Unterdrücker und Unterdrückte“ bereits der falsche Ansatz ist, weil diese Sichtweise zum einen viel zu binär ist, denn Männer und Frauen haben Vor- und Nachteile in ganz unterschiedlichen Bereichen und auch teilweise eben nur aus der Sicht bestimmter Leute: Eine Frau, die Teilzeit arbeitet in einem relativ nah zur Wohnung gelegenen Job, der wenig Überstunden erfordert, sicher ist, vielleicht im öffentlichen Dienst, dafür aber vielleicht mit einem geringeren Gehalt in der Privatwirtschaft, und die deswegen auch mehr Zeit mit den Kindern verbringen kann, während der Mann Vollzeit arbeitet muss sich beispielsweise nicht unbedingt unterdrückt fühlen, sondern kann auch der Meinung sein, dass sie ihre Lebensplanung perfekt umgesetzt hat.

Und ein geschiedener Vater, der trotz hoher Beteiligung an der Kinderbetreuung dennoch allein den vollen Unterhalt zahlen muss und der für den Selbstbehalt von 1080 € Vollzeit arbeitet, der ist vielleicht der Auffassung, dass die Gesetze dort nicht fair ausgestaltet sind und beispielsweise eine Wechselmodell oder ein leichterer Zugang zum Sorgerecht oder andere Gestaltungen wesentlich gerechter wären.

Reden von sozialer Ungerechtigkeit, die einem widerfährt, wenn anderen Menschen die gleichen Rechte zukommen.

Wo wird denn das gemacht?

Nach diesem Prinzip funktioniert Maskulinismus.

Schade, dass er gar keine Quellen liefert. Denn die meisten Männerrechtler, die ich kenne, sind natürlich für Gleichberechtigung. Allerdings ist Gleichberechtigung auch Ansichtssache: Eine Frauenquote beispielsweise muss eben nicht Gleichberechtigung sein. Denn es gibt es viele Gründe dafür, dass es sehr wenig Frauen gibt, die in Spitzenpositionen kommen, einer beispielsweise, dass die allermeisten Frauen das gar nicht wollen. Und natürlich kann es als ungerecht empfunden werden, wenn zwei Posten vergeben werden und für den einen muss die weibliche Kandidatin mühsam überredet werden und für den anderen kämpfen 5 Männer um den gleichen Platz.

Denn: Die Opferrolle ist schnell eingenommen.

Und das von jemanden, der sich einer Ideologie zugehörig fühlt, die so versessen auf die Opferrolle ist, dass sie sie per Dogma für spezielle Gruppen festlegt, binär in Unterdrücker und Unterdrückte einteilt und jedem, der nicht in diese Gruppe fällt per se verbieten will, sich auch nur in bestimmten Punkten als Benachteiligter zu sehen. Deren ganze Ideologie darauf ausgerichtet ist, die Opfergruppen so weitgehend wie nur irgend möglich zu reinen Opfern zu machen, in dem jedes Anzeichen dafür, dass sie selbst Verantwortung für bestimmte Unterschiede tragen als „internalisierte Frauenfeindlichkeit“ oder „Folgen der Kolonalisierung“ etc abgetan werden.

Und leider finden die Männerrechtler*innen zur Zeit der Wutbürger*innen und der sogenannten Flüchtlingskrise im öffentlichen Diskurs Gehör.

Das wäre ja schön.

Wie einfach es sein muss, in dieser bequemen sozialen Machtstellung zu argumentieren.

Auch das ist angesichts seiner ultraflachen abwertenden Darstellung fast schon lustig: Man nimmt einfache Zuweisungen wie „Die wollen nur Unterdrücken“ oder „die sind alle Nazis und wie Wutbürger“, denkt keine Sekunde darüber nach, ob vielleicht ein differenzierterer Blick notwendig ist, hat sich nie mal umgeschaut, ob diese Angaben überhaupt stimmen, plappert einfach das aus, was man in seiner Filterblase so hört. Bewegt sich da mutig in dem linken Mainstream, der mit staatlicher und medialer Unterstützung diese Seite immer wieder so darstellt und beklagt sich dann, dass diese aus einer „bequemen sozialen Machtstellung“ heraus argumentieren. Wie heißt es im Feminismus so schön „Privilegierte Stellungen sind für den, der sie hat unsichtbar“. Wobei eben auch die Geschichte, dass der Feminismus der Underdog ist, der gegen den großen Unterdrücker mit Macht ankämpft, zum Wohle aller mutig vorgeht, eine der Lieblingsgeschichten im Feminismus ist.

Zur Farce wird die Position der Männerrechtler*innen erst recht vor dem Hintergrund, dass im Weißen Haus ein Raum voller Männer die Abtreibungsrechte beschneidet. Oder in Saudi Arabien über Frauenrechte entschieden wird, aber keine einzige Frau* anwesend ist. Oder wenn in Russland das Gesetz gegen häusliche Gewalt gelockert wird.

Der gute Herr Klemme scheint ein schlechter theoretischer Feminist zu sein, denn die vorherrschende feministische Theorie gibt ja vor, dass man Saudi Arabien deswegen gar nicht kritisieren darf. Kulturrelativismus und die Privilegierung weißer, christlicher, kolonisierender Länder macht das zu einer Anmaßung.

Wäre die Energie, die Maskulinisten aufwenden, um scheinbare Missstände zu bemängeln, in der Gleichstellungsdebatte nicht viel besser aufgehoben? In einem positiven und zielführenden Diskurs, in dem es nicht um Schwarz und Weiß geht. Sondern um Gleichberechtigung.

Immer wieder erstaunlich: Da predigt er, dass Frauen die Unterdrückten sind und Männer die Unterdrücker und will dann einen „positiven und zielführenden Diskurs, in dem es nicht um Schwarz und Weiß geht“. Die gesamte Theorie des modernen Feminismus baut auf Schwarz und Weiß, auf guten Gruppen und bösen Gruppen auf. Und dem Feminismus geht es auch nicht um Gleichberechtigung. Der intersektionale Feminismus möchte Verhaltensverbote, Gruppenschuld, Bekenntnisse zu Sünden, Verachtung und Hass für Menschen nach Hautfarbe, Geschlecht und sexueller Orientierung (in dem Fall dann weiß, männlich und hetero). Er möchte eine strikte Hierarchie nach Gruppenzugehörigkeit in der Gesellschaft, bei der die eine Gruppe stets akzeptieren muss, was die andere vorgibt, weil sie angeblich die andere unterdrückt.

Denn, liebe Maskulinisten, damit auch ihr es versteht: Der Feminismus will die hegemonialen Verhältnisse keinesfalls umkehren. Vielmehr geht es um gleiche Rechte, gleiches Gehalt, Selbstbestimmung auf allen Ebenen.

Der Inquisition ging es auch nur darum, dass der Teufel keine Macht mehr hat, dem Kommunismus nach Mao und Co nur darum, dass alle gleich sind und überhaupt gab es noch nie eine Ideologie, die mit guten Zielen gestartet ist und dann radikal geworden ist und letztendlich Ungerechtigkeit gebracht hat. Nie hat eine Revolution ihre Kinder gefressen.

Frauen haben bereits das gleiche Gehalt für gleiche Arbeit, sie können sich auf allen Ebenen selbst bestimmen und wenn mir der Herr Stemme ein Recht nennen könnte, welches Frauen nicht haben, Männer aber schon, dann wäre ich sehr überrascht. Noch überraschter wäre ich, wenn Feministinnen dieses Recht thematisieren würden.

Die Wirkweise patriarchaler Strukturen ist nach wie vor ein Thema

Im radikalen Feminismus. Auch dort bleibt das Konzept aber vollkommen nebelhaft und es werden keine Kriterien für Machtstrukturen genannt, nach denen nicht auch Frauen Macht haben.

besonders in Zeiten eines weltweiten Rechtsrucks. Vor dem Hintergrund der weltweiten politischen Entwicklungen und dem sozialen Ist-Stand ist der Feminismus noch lange nicht da, wo er hinwill

Nur leider will außer radikalen Feministinnen niemand dort hin, wo diese hinwollen. Eine Welt unter der Herrschaft intersektionaler Genderfeministinnen wäre nicht das Paradies, sondern ein beständiger Kampf, beständige Anschuldigungen, Privilegien zu besitzen.

Deshalb, liebe beleidigte Männerrechtler: Hört auf mit eurem Mimimimimi

Tatsächlich wäre zumindest ich gerne zu einer sachlichen Diskussion ganz ohne Mimimi bereit. Ob es Herr Stemme auch ist?

„Frauen dürfen nicht über Atome singen“

Sängerin Björk   weist auf einen von ihr angenommenen Sexismus in der Musikindustrie hin:

„Frauen in der Musik dürfen über ihre Partner singen. Wenn sie das Thema wechseln, um über Atome, Galaxien, Aktivismus … oder andere Dinge außer ihren Liebsten zu singen, werden sie kritisiert“, heißt es dort. Männer hingegen, dürften in ihren Liedern über alle möglichen Themen sprechen.

Hat sie dazu geforscht? Wir dürfen gespannt sein, aus welcher umfassenden Faktenlage sie diese Erkenntnisse stützt:

Genau das sei bei ihren letzten Alben passiert, schreibt die isländische Sängerin weiter. „Auf dem aktivistischen ‚Volta‘ sang ich über schwangeren Selbstmordbomber und die Unabhängigkeit der Färöer Inseln und Grönlands. Auf dem pädagogischen ‚Biophilia‘ sang ich über Galaxien und Atome, aber erst als ich ‚Vulnicura‘ rausbrachte, in dem ich über mein gebrochenes Herz sang, wurde ich von den Medien voll akzeptiert.über so

Warum nur akzeptieren die Leute Lieder über schwangere Selbsmordbomber und die Unabhängigkeit so international wichtiger und in der Presse schon immer groß vertretenen Färöer Inseln und Grönland nicht genauso wie  Lieder über die Liebe? Es ist nicht vorstellbar, dass Leute im täglichen Leben eher so etwas fast nicht bekanntes wie ein gebrochenes Herz nachvollziehen könne als den Kampf um Freiheit dieser beiden Inseln. In der Tat kann nur Sexismus der Grund sein, denn kein einziger Mann hat jemals einen Flop erlebt, wenn er über diese beidenThemen geschrieben hat.

Es ist für mich ein Musterbeispiel für die „Sexismus-Ausrede“, also den Umstand, dass Frauen immer wieder Situationen auf Sexismus zurückführen, bei denen andere Erklärungen weitaus eher auf der Hand liegen, aber eben die Sexismus-Ausrede erlaubt, alle Verantwortung für Nichterfolg von ich zu weisen.