Strafbarkeit für „fahrlässige Vergewaltigung“ in Schweden

Ein interessanter Bericht über die neuen Strafgesetze in Sexualstrafrecht und ihre Anwendung in Schweden:

In Schweden hat das Oberste Gericht erstmals ein Urteil auf Grundlage des umstrittenen Einwilligungsgesetzes zur Zustimmung beim Sex gesprochen. Ein Jahr nach dem Inkrafttreten des Gesetzes wurde ein 27-jähriger Mann von den Stockholmer Richtern unter anderem wegen sogenannter unachtsamer Vergewaltigung zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt. Das Gericht kam zu dem Schluss, dass eine Person, die gegen ihren Willen zu sexuellen Handlungen gebracht werde, nicht ausdrücklich Nein sagen oder anderweitig ihre Weigerung ausdrücken müsse.

Das neue Gesetz war am 1. Juli 2018 in Kraft getreten. Es legt fest, dass beide Partner ausdrücklich und klar erkennbar mit dem Geschlechtsverkehr einverstanden sein müssen. Alles andere wird als Vergewaltigung gewertet, auch wenn sich der Partner nicht körperlich wehrt oder Nein sagt. Passivität soll damit nicht als stilles Einverständnis interpretiert werden können. „Oaktsam våldtäkt“ bedeutet wörtlich übersetzt „unachtsame Vergewaltigung“ und ist im Deutschen am ehesten mit dem Begriff „fahrlässig“ zu vergleichen.

Eine „fahrlässige Vergewaltigung“ kennt das deutsche Recht noch nicht. Es ist natürlich immer gefährlich solche Zeitungsartikel über ein ausländisches Recht zu übernehmen, wenn man bedenkt, wie falsch mitunter von Journalisten schon über deutsches Recht berichtet wird. Aber „„Oaktsam våldtäkt“ klingt sehr nach „unachtsamer Vergewaltigung“ was schon eine Fahrlässigkeitsstrafbarkeit nahe legt.

Die Vorinstanz hatte den Mann zunächst wegen Vergewaltigung zu drei Jahren und drei Monaten verurteilt. Nach Angaben schwedischer Medien wurden wegen des neuen Strafbestandes der unachtsamen Vergewaltigung bislang sechs Personen von niedrigeren Instanzen verurteilt. Der Beschluss des Obersten Gerichts dürfte nun wegweisend für die Rechtsprechung anderer schwedischer Gerichte sein.

Das Strafmaß für unachtsame Vergewaltigung legte das Gericht auf acht Monate fest. Der Mann wurde darüber hinaus wie bereits von der Vorinstanz wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen und sexueller Belästigung verurteilt.

Das wäre ja noch ein sehr geringer Bereich der Anwendbarkeit. Wäre interessant woran das liegt. Wurden Fälle abgewiesen oder werden sie selten angezeigt, weil die Männer vorsichtig sind oder die Frauen es auch nicht für strafwürdig halten?

In dem konkreten Fall übernachtete der Mann bei einer Frau, mit der er zuvor seit längerem über soziale Netzwerke Kontakt gehabt hatte. Die Frau hatte zugestimmt, dass er bei ihr über Nacht blieb, soll aber auch klargemacht haben, dass sie keinen Sex mit ihm wolle. Dennoch führte er in der Nacht laut Gericht seine Finger in ihren Unterleib ein, die Frau nahm dies passiv hin und stimmte nicht ausdrücklich zu.

Der Umstand, dass sie gesagt hat, dass sie nicht schlafen will muss nicht freundlich sein. Ich würde auch üblicherweise darauf davon ausgehen, dass eine Frau nur mit einem in einem Bett schläft, wenn sie, von ganz besonderen Ausnahmen und Situationen abgesehen, zumindest ein gewisses Interesse hat.

Ich hatte dazu mal Erlebnisse wie folgt geschildert:

Ich muss etwas gestehen: Auch ich war früher, noch lange bevor ich über Pickup überhaupt etwas gehört hatte, ein „Nein-heißt-Nein“-Vertreter. Wenn eine Frau leichten Widerstand zeigte habe ich mich zurückgezogen, mit ihr darüber geredet, darauf gewartet, dass sie in ihrem Tempo vorgeht. Wer hat das geändert? Frauen selbst!

Typische Konversationen in dieser Zeit waren: „Warum hatten wir eigentlich nie was?“ Du hättest ja was machen können?“ Aber du hast nein gesagt?“ „Du darfst halt nicht so schnell aufgeben“.

Im Partynachgespräch meinte ich zu einer Freundin, dass der eine ja recht aggressiv vorgegangen wäre, ich hatte schon überlegt, ob ich einschreiten soll. Die Antwort war zuverlässig ein „Immerhin hat er was versucht, auch wenn es vielleicht etwas viel war. Besser als jemand, der sich nichts traut“.

Ich hatte eine Freundin, bei der eine gewisse erotische Spannung in der Luft lag, die mich besuchte und (mit eigener Decke) in meinem Bett schlief. Vor dem Hinlegen sagte sie „Wenn du was versuchst, dann schneide ich dir den Schwanz ab“. Natürlich mit einem Grinsen. Also versuchte ich nichts. Wieder folgte eines dieser Gespräche. Und wieder ein „Du hättest ja was versuchen können“. Das tat ich das nächste Mal, trotz eines ähnlichen Spruches. Natürlich hatten wir Sex.

Auch beim Sex selbst war es nichts anderes. Frauen sagten, dass sie beim ersten Date nie mit einem Mann schlafen würden. Brachten alle möglichen Neins. Und dann, wenn man immer neue Versuche an dem Abend machte – als hätten sie jetzt genug deutlich gemacht, dass sie ja anständige Mädchen waren – hatte man wunderbaren Sex.

Frauen, die die ganze Zeit erzählten, dass man nicht einfach so Sex haben sollte, es wäre nicht richtig. Und ich habe ihnen die meiste Zeit über zugestimmt und auch gesagt, dass ich es nicht gut finde, aber DAS würde sich richtig gut anfühlen.

Ihr dann wenn sie schläft einen Finger reinzustecken geht aus meiner Sicht aber, wenn sie nicht ganz erhebliche Andeutungen gemacht hat, dass sie genau dies will, erheblich zu weit. Es spricht aus meiner Sicht nichts dagegen dann zunächst einmal einen leichten Körperkontakt herzustellen und zu gucken, wie sie darauf reagiert, etwa ihre Hand zu berühren etc. Einfach mit einem Finger in sie einzudringen, ohne dass Sie wach ist und sich geäußert hat, wo runter ich auch als nonverbale Äußerungen verstehe, geht sicherlich entschieden zu weit. Wenn hingegen das Hineinstecken des Fingers im Rahmen eines rummachens passiert wäre, wenn er also davon ausgegangen ist, dass er einen gewissen Konsens hat, dann wäre es etwas anderes, auch wenn sie vorher gesagt hätte, dass sie nicht mit ihm schlafen will.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann sexuelle Handlungen durchgeführt habe, ohne dass die Frau freiwillig daran teilgenommen habe. Am Urteil ändere auch die Tatsache nichts, dass sich die beiden darüber einig gewesen seien, im selben Bett zu liegen und dass sie nur noch Unterwäsche angehabt hätten. Der Mann habe zwar nicht vorsätzlich, dafür aber grob fahrlässig gehandelt.

Der Mann bestritt, eine Straftat begangen zu haben. Er gab an, gedacht zu haben, die Frau habe Sex haben wollen. Er verwies zudem darauf, dass er die sexuellen Handlungen abgebrochen habe, als er gemerkt habe, dass die Frau nicht weitermachen wolle.

Es fehlt aus meiner Sicht noch einiges an Sachverhalt um die Lage beurteilen zu können. Ich habe mal geschaut, was ich finden konnte (jeweils mit Google aus der Sprache übersetzt, sofern diese nicht deutsch war, ich hoffe es sind die gleichen Fälle aber es scheint mir mit dem Hinweis auf das oberste Gericht jeweils zu passen)

Aftenbladet:

Trotzdem fing der Mann nachts an, sich mit der Frau zu befassen, und fing dann einen Geschlechtsverkehr mit ihr an. Die Frau hat beschrieben, wie sie vollkommen steif wurde, als der Mann anfing, sie zu berühren, aber ihre Untätigkeit war auch nichts, was den Mann dazu brachte, sich zu vergewissern, dass sie es wirklich wollte.

Svd:

Der in Västerbotten wohnhafte Mann hatte lange Zeit Kontakt mit der Frau, bevor sie sich trafen und dann miteinander schliefen. In der Nacht fing er an, sie zu berühren, und dann hat die Vergewaltigung stattgefunden. Die Frau hat ihr erzählt, wie sie vollkommen steif geworden ist, als die 27-Jährige sie bewegte, aber der Mann glaubt, er habe ihre Untätigkeit nicht so interpretiert, als ob er aufhören sollte. Früher am Abend hätte die Frau klar machen sollen, dass sie keinen Sex mit ihm haben wollte.

Laut HD wurde nachgewiesen, dass der Täter die sexuellen Handlungen durchgeführt hat, ohne dass die Frau freiwillig mitgemacht hat. Das Gericht hält es nicht für klar, dass der Mann vorsätzlich gehandelt hat.

Die Details bleiben unklar. In einem Bericht ist von Geschlechtsverkehr die Rede, in einem anderen von einem eingeführten Finger, bei einem klingt es als ob sie geschlafen habe, beim anderen als hätte er sie erst berührt und wäre dann zum Sex übergegangen.
Interessante Details wären aus meiner Sicht: Wie wurde die Nachtkleidung ausgezogen? (Sie wird ja nicht nackt im Bett gelegen haben? Wie haben sie ansonsten kommuniziert? Ist der Sachverhalt unstreitig oder hat man schlicht ihr mehr geglaubt? (Sonst wäre er ja gut beraten gewesen zumindest ein Lächeln und ein leichtes Nicken zu behaupten oder einen Augenkontakt mit einem Lächeln oder ein Anheben des Beckens oder irgendwas, was man als Zustimmung ansehen könnte).

Wenn sie vollkommen versteift war, dann hätte er sich sicherlich anders verhalten sollen, anders reagieren sollen, etwas machen sollen, was eine zustimmende Reaktion von ihr erfordert, etwa sie die Kleidung ausziehen lassen oder schauen, ob sie ihn küsst oder anderweitig reagiert. Oder eben einfach sie ansprechen sollen, ob es okay für sie ist. Wenn sie in keiner Weise reagiert und man sich immer noch nicht sicher ist, ob sie nicht vielleicht doch will: Einfach mal kurz aus dem Bett aufstehen, ihr Raum geben, sagen, dass man mal kurz auf Toilette muss, dann schauen, was sie gemacht hat, als man dort war, denn das sollte ihr Gelegenheit geben sich aus dem Schock zu lösen. Wenn man das Gefühl hat, dass sie vollkommen untätig ist und auch sonst nichts sagt, dann erscheint mir auch bei Gesetzen die nur bei Vorsatz eine Strafbarkeit sehen, Vorsicht der deutlich bessere Weg.

Die Vorgerichte hatten, wenn ich die Artikel richtig verstehe, sogar Vorsatz gesehen, das obere Gericht nur die Fahrlässigkeitstat.

In Schweden wird seit der Einführung des Gesetzes diskutiert, was als verbale oder nonverbale Zustimmung gilt. Die schwedische Regierung hatte das neue Gesetz nach der #MeToo-Debatte 2017 vorangetrieben. In dem für seine Gleichberechtigung bekannten skandinavischen Land hatte die Debatte besonders hohe Wellen geschlagen.

Dennoch kann man darüber diskutieren, ob das nun ein Ereignis war, bei dem er acht Monate ins Gefängnis muss (wobei ich vermute, dass es zur Bewährung ausgesetzt worden ist, das wäre im deutschen Recht zu erwarten).

Fragen beim ersten Date: „Wie oft hast du dich schon übergriffig verhalten und wie genau arbeitest du an dir um das nie wieder zu tun“

Ihr lernt eine Frau kennen und sie fragt euch:

„wie oft und in welchem ausmaß hast du dich in deinem leben schon übergriffig verhalten und wie genau arbeitest du an dir um das nie wieder zu tun“

Was wäre die Beste/eure Reaktion und was sagt die Frage aus?

 

Der Untersuchungsbericht zu den Anschuldigungen von Christine Blasey Ford gegen Kavanaugh: „Es gibt keine Beweise für die Anschuldigungen“

Ein Bericht zu den Anschuldigungen von Frau Ford gegen Kavanaugh

On Saturday Senate Judiciary Committee Chairman Chuck Grassley released the committee’s report on her allegations and what did it find?

There is “no evidence to support the allegations.”

Kavanaugh, Anschuldigungen sexueller Belästigung als politische Waffe und was reicht aus um jemanden für ein Amt zu entwerten?

Der Kandidat der Republikaner in den USA für deren Verfassungsgericht wird derzeit hart angegriffen:

Mehrere Frauen werfen Kavanaugh sexuelle Belästigung vor. Am Donnerstag hatte die Psychologieprofessorin Christine Blasey in einer Senatsanhörung ihre Anschuldigung wiederholt, Kavanaugh habe im Jahr 1982 versucht, sie zu vergewaltigen. Der 53-Jährige bestreitet das.

Anfang dieser Woche wurden dann die Vorwürfe einer zweiten Frau bekannt: Deborah Ramirez beschuldigt Kavanaugh, sich bei einer Party an der Universität Yale im Lehrjahr 1983/84 vor ihr entblößt und ihr seinen Penis ins Gesicht geschoben zu haben. Das schilderte Ramirez dem Magazin „New Yorker“. Am Mittwoch berichtete dann Julie Swetnick, dass Kavanaugh bei Gruppenvergewaltigung wehrloser Frauen zumindest anwesend gewesen sein soll. Er sei zudem immer wieder durch sexuelle Belästigungen aufgefallen, heißt es in einer Erklärung Swetnicks, die ihr Anwalt verbreitete.

Alle Anschuldigungen haben es an sich, dass sie sehr lange zurück liegen und teilweise sehr vage sind. Gerade die Anschuldigungen der letzten Frau, die von Männern berichtet, die sich in einer Schlange bei einer Party anstellen, um eine Frau zu vergewaltigen und auch anführt, dass dies bei diesen Partys geradezu üblich war, klingt sehr abenteuerlich.

Eine kurze Darstellung der Vorwürfe fand ich auch hier:

Christine Blasey Ford, a professor at Palo Alto University, wrote a letter in July to Rep. Anna Eshoo and Sen. Dianne Feinstein that said Kavanaugh assaulted her at a party in Bethesda, Maryland, when the two were in high school.

On September 16, The Washington Post published an article that identified Ford as the accuser and detailed her allegation that a „stumbling drunk“ 17-year-old Kavanaugh pinned her down, put his hand over her mouth, and groped her while his friend watched.

„I thought he might inadvertently kill me,“ Ford told The Post of Kavanaugh. „He was trying to attack me and remove my clothing.“

The Post said it corroborated Ford’s account with an interview with her husband, a lie-detector test from her lawyer, and notes from therapy sessions that included mentions of a „rape attempt“ by students from an „elitist boys‘ school“ who would become „highly respected and high-ranking members of society in Washington.“

Ford has alleged that Kavanaugh’s friend Mark Judge was in the room, and she said she was able to get away after Judge jumped on them. Judge, now a conservative writer, has said he doesn’t remember „any of that stuff going on with girls.“

Deborah Ramirez alleges an incident of sexual misconduct in college

On Sunday, a week after The Post published Ford’s account, The New Yorker published an article detailing an allegation from Deborah Ramirez, a former Yale University classmate of Kavanaugh’s, that Kavanaugh exposed himself to her at a dorm-room party during the 1983-84 school year, when he was a freshman.

Ramirez said she was reluctant to come forward because she was drinking at the time of the incident and there are gaps in her memory, though she said she could recall key details.

„I remember a penis being in front of my face,“ she told The New Yorker. „I knew that’s not what I wanted, even in that state of mind.“

Ramirez also recalled another student nearby yelling, „Brett Kavanaugh just put his penis in Debbie’s face.“

The New Yorker said that it contacted several classmates but that many didn’t respond, declined to comment, or said they didn’t remember or attend the party.

One classmate said he was 100% sure he heard at the time that Kavanaugh had exposed himself to Ramirez, and the magazine said he independently recalled many details Ramirez had outlined, including that a male student egged Kavanaugh on.

The classmate told The New Yorker he remembered the incident as a „big deal“ that had „been on my mind all these years when his name came up.“ He also recalled Kavanaugh as being „relatively shy“ but someone who could become „aggressive and even belligerent“ when drunk.

As of Thursday morning, over 1,200 Yale alumnae had signed a letter in support of Ramirez.

Julie Swetnick says Kavanaugh was present at 1980s parties where she and other women were ‚gang raped‘

Julie Swetnick signed a sworn declaration alleging that she witnessed Kavanaugh and Judge display „abusive and physically aggressive behavior toward girls“ during a series of house parties in the 1980s, where the boys would „spike“ punch with drugs or alcohol to cause girls to lose their inhibitions or ability to say no.

Swetnick alleges that this was done so that girls could be „gang raped“ by a „train“ of boys and that she was one of the victims.

„I have a firm recollection of seeing boys lined up outside rooms at many of these parties waiting for their ‚turn‘ with a girl inside the room,“ Swetnick said in her declaration.

Swetnick is being represented by Michael Avenatti, the attorney best known for representing the porn actress Stormy Daniels in her lawsuits against Trump and who is said to be considering a 2020 presidential run.

Swetnick gave her first on-camera interview to Showtime’s „The Circus,“set to air on Sunday. In a preview that aired Thursday, Swetnick said she believes her allegations against Kavanaugh should disqualify him for a seat on the Supreme Court.

„He’s going to have that seat for rest of his life,“ she said. „If he’s going to have that seat legitimately, all these things should be investigated, because from what I experienced first-hand I don’t think he belongs on the Supreme Court.“

An anonymous letter to a senator laid out another accusation — but lawmakers are skeptical

Senate Republicans have also questioned Kavanaugh about the contents of an anonymous letter sent to Sen. Cory Gardner of Colorado that alleges Kavanaugh physically assaulted a woman in 1998, NBC News reported on Wednesday.

The author of the letter, a copy of which was published by NBC News, said her daughter and several friends had been drinking at a bar in Washington, DC, when Kavanaugh assaulted the woman in full view of the others.

„When they left the bar (under the influence of alcohol) they were all shocked when Brett Kavanaugh shoved her friend against the wall very aggressively and sexually,“ the letter says.

The author goes on to say that her daughter and the woman had both have decided to remain anonymous.

Taylor Foy, a spokesman for Sen. Chuck Grassley, the Senate Judiciary Committee chairman, said there was „no reason to assign the letter credibility.“

When asked about the letter on Tuesday, Kavanaugh told lawmakers: „We’re dealing with an anonymous letter about an anonymous person and an anonymous friend. It’s ridiculous.“

In den USA wird auf Seiten der Demokraten so getan als würde mit der Wahl von Kavanaugh quasi die Welt untergehen. Es wird insbesondere befürchtet, dass ein konservativer Richter die Macht im Verfassungsgericht verschiebt und damit konservative Entscheidungen zum Thema Abtreibung, Homoehe etc ergehen.  Es wird gehofft die Ernennung eines Richters auf den zu besetzenden Platz hinausschieben zu können, bis sich die Verhältnisse geändert haben, bereits im November steht eine Wahl des Repräsentantenhaus an, was bei passenden Ausgang evtl schon eine Verschiebung bewirken könnte, mit der man den Richter verhindern könnte.

Kavanaugh führt in einer Anhörung an, dass es eben nicht mehr um eine normale Anhörung geht, sondern darum, ihn zu zerstören. Und zumindest die wilderen Anschuldigungen klingen so unglaubwürdig, dass einem das Bild durchaus gerechtfertigt erscheint. Partys, auf denen es immer wieder zu Gruppenvergewaltigungen kommt und die aber anscheinend über Jahre ungestört verlaufen? Wie soll so etwas klappen? Verschiedene Anschuldigerinnen können auf Nachfrage keine genauen Zeiten angeben, verstricken sich in Widersprüche und von ihnen benannte Zeugen können den von ihnen angegebenen Sachverhalt nicht bestätigen.

Wenn man die Anschuldigungen so hört, dann erinnert es mich an einem Artikel von Stokowski:

Gerade erst hieß es in einem „taz“-Interview, jemanden fälschlicherweise einer Sexualstraftat zu beschuldigen, sei „das perfekte Verbrechen, um einen Mann aus dem Weg zu räumen, ohne selbst ein Risiko einzugehen“. Wenn man eine Weile drüber nachdenkt: ein großes Versprechen.

Wenn es so wäre: Was hindert uns? Gibt es nicht genug ätzende Leute, die man auf diese Art loswerden könnte? Ist es nicht geradezu fahrlässig, Despoten, Rechtspopulisten und Ausbeuter an der Macht zu lassen, wenn man sie so einfach unschädlich machen könnte? Wäre es nicht unsere heilige weibliche Pflicht, dafür zu sorgen, dass sie nicht noch mehr Schaden anrichten, bevor wir dann in Ruhe die Trümmer der letzten Jahre aufräumen? Aufräumen können wir doch auch gut.

ber was ist mit denen, die weniger Macht haben? Es könnte ja sein, dass die uns schutzlos ausgeliefert sind. Wer das glaubt, muss aber irgendwie auch erklären können, warum auf diese Art nicht reihenweise unliebsame Männer aus dem Weg geschafft werden

Wenn es so einfach wäre, jemanden wegen Belästigung, Missbrauch oder Vergewaltigung verurteilen zu lassen oder zumindest im großen Stil unbeliebt und machtlos zu machen, dann müssten Frauen mit einem Mindestmaß an krimineller Energie das doch tun. Dann hätten linksextreme Feministinnen längst die AfD zerstört. Ich schwöre: längst.

Zack, eine Gang gegründet, zack, Flaschendrehen: Eine muss mit HöckeFrühsport machen und sich nur noch merken, ob der jetzt Bernd oder Björn heißt. Die nächste muss ihren Hintern in der Nähe von Gaulands Hand platzieren und so weiter.

Es wäre kein so großes Opfer, wenn man die dadurch loswerden könnte. Hätte, wäre, könnte, wenn: Es geht nicht.

Das MeToo-Klima scheint nun genau dieses Klima zu sein, in dem Frauen diese Möglichkeit nutzen, um politische Ziele umzusetzen. Ob sie damit Erfolg haben ist dabei relativ egal. Um ein Mittel einzusetzen muss ein Erfolg nicht sicher sein. Und natürlich hätte eine Beschuldigung bereits den Erfolg gehabt, dass sein Ruf ruiniert ist.

Interessant fand ich auch seine Stellungnahme. Er betonte sehr oft, dass er gerne Bier trinkt und das seine Familie mit angegriffen worden ist. Er war relativ emotional. Er betonte, dass sie sein Leben ruinieren. Es ist anzunehmen, dass er gecoacht worden ist und genau überlegt worden ist, was er sagen wird. Ich denke, dass sie den Eindruck eines normalen Menschen erreichen wollen, er trinkt gerne Bier, er geht normal auf Partys, er hat eine Familie, die ihn liebt, alle werden mit reingezogen. Seine 10-jährige Tochter sagt noch, das man für die arme Frau beten soll. Der Eindruck soll sein: Er ist ein Mann wie du und ich, wie dein Mann, die dein Vater. Er trinkt gerne Bier auf einer Party. Soll das reichen ihn zu verurteilen? Hast du das alles auch schon gemacht oder dein Mann oder dein Vater? Würdest du solche Anschuldigungen gegen dich haben wollen?

Mal sehen, ob das aufgeht. Vielleicht ist Kanagaugh tatsächlich ein abgebrühter Massenvergewaltiger und Belästiger. Dann wäre er sicherlich ein schlechter Mensch. Aber die Art und Weise der Anschuldigungen entwertet Anschuldigungen dieser Art an sich. Sie sind zu offensichtlich Mittel eines politischen Theaters. Es ist ja nicht so, dass Kanagaugh nicht bereits vorher Richter in hoher Position war und dort Unheil anrichten konnte. Aber erst jetzt melden sich plötzlich alle Frauen. Und dann mit teilweise abenteuerlichen Geschichten. Genau wie bei ihm der Ruf zerstört sind verstören diese Prozesse auch den Ruf von Anschuldigungen solcher Art im politischen Kontext.

Zum Abschluss dazu noch etwas Clinton:

 

Interview* mit einem Hollywoodproduzenten zu #MeToo (*fiktiv)

Freundlicherweise hat sich einer der ganz großen Hollywoodproduzenten* zu einem schonungslosen Interview bereit erklärt, natürlich unter der Bedingungen, dass er anonym bleibt. Er ist einer derjenigen, die schon unter Verdacht standen und möchte einmal erzählen, wie es in Hollywood so läuft

Schmidt: Guten Tag Herr Meyer**, erst einmal vielen Dank, dass sie sich zu dem Interview bereit erklärt haben. Sie sind selbst erheblich mit Vorwürfen überzogen worden, aber für uns nicht in dem Geschäft tätige ist natürlich schwer zu überblicken, was da genau dahinter steckt. Wir freuen uns, dass sie uns heute einen Einblick geben wollen.

Meyer: Auch Ihnen vielen Dank Herr Schmidt, dass sie mich hier in Deutschland so nett empfangen haben. Es ist in der Tat ein vergleichsweise schwere Zeit losgebrochen in Hollywood, die frühere Arbeitsweisen und eingespielte Prozeduren auf den Kopf stellt.

Schmidt: Sie meinen, dass man jetzt immer auf falsche Anschuldigungen vorbereitet  sein muss und sich absichern muss?

Meyer: Nein, man muss auf wahre Anschuldigungen vorbereitet sen (lacht). Sie schreiben in ihrem Blog doch selbst, dass Männer weit mehr als Frauen auf Sex aus sind. Ich habe mich da mal etwas vorbereitet als ihre Anfrage kam  und mir da was übersetzen lassen.

Schmidt: Die Anschuldigungen erfolgen also zu recht?

Meyer: So einfach ist es dann doch auch wieder nicht. Es ist weitaus eher eine Grauzone.

Schmidt: Grauzone? Können sie das etwas näher ausführen

Meyer: Wichtig ist erst einmal, dass man die Grundkonstellation versteht. Stellen sie sich mal vor, sie wären eine junge Schauspielerin, deren Traum es ist ganz groß rauszukommen. Es ist dabei egal, woher sie kommen, Hollywood ist wie ein Magnet und zieht Leute mit Ambitionen aus aller Welt an. Und das sind die Frauen, die groß hinaus wollen. Sie wollen nicht in einem Fernsehfilm in einem ihrer staatlichen Sender kleine Drecksfilme machen, bei denen sie keiner kennt. Sie wollen Stars werden. Hollywoodstars.

Schmidt: ich kann mir vorstellen, dass der Andrang groß ist – aber das erlaubt ja dennoch keine Belästigungen?

Meyer: Nicht so ungeduldig Herr Schmidt, es geht ja noch weiter. Also: Da haben sie weltweit alle den selben Lebenslauf. Die Liebe zur Schauspielerei schon im Kindergarten entdeckt, als man bei der Weihnachtsaufführung den Baum gespielt hat. Dann Schultheater und der innigste Wunsch, Schauspielerin zu werden. Die können ihnen alle ein paar Stunden Videos von sich als Kinder vorspielen, wo sie schon immer Schauspielerin werden wollten. Und alle hatten ihnen auch immer gesagt, wie toll sie das machen. Die Eltern bezahlen dann noch den Schauspielunterricht, und das ist gar nicht so ohne, da kommt einiges zusammen, aber es ist ja ihr großer Traum. Sie stellen alles darauf ab: Sie wählen als Fach Literatur in der Schule, sie besuchen Theateraufführungen. Sie sehen Interviews mit Schauspielerinnen. Sie machen Sport und ernähren sich passend, sie lassen sich die Brüste und die Nase machen, sie arbeiten hart an sich, denn sie wollen ja eine von diesen tollen Schauspielerinnen sein, die die Hauptrolle in dem Film spielt und neben dem George Clooney oder Brad Pitt ihrer Zeit stehen. .

Schmidt: Sie meinen, dass die unglaublich viel in ihre Vorbereitung investieren und hohe Ziele haben. Aber diese ganze Arbeit kommt ihnen ja auch zugute: Sie wollen ja für einen Film auch eine gute Schauspielerin

Meyer: Herr Schmidt, sie hören mir nicht zu: Ich sagte ja, dass täglich tausend Frauen nach Hollywood kommen, die alle die gleiche Biografie haben. Hier kommt die Creme de la Creme an, Frauen, die alles auf die Schauspielerei ausgerichtet haben, deren Eltern Unsummen in sie investiert haben und von denen sehr viele gut sind. Und sie können bei keiner von denen wissen, wie sie in einer großen Hollywoodproduktion ankommt, ob das Publikum sie mag oder ob sie später mit dem Ruhm zurechtkommt. Das ist ja das ganz besonders wichtige, wenn sie jemanden langfristig aufbauen wollen.

Schmidt: Also sie meinen da ist eine hohe Unsicherheit drin und man kann schlecht planen. Aber das ist ja in allen Berufen so. Das wird doch durch eine Belästigung nicht besser.

Meyer: Das wesentliche ist: Da kommen all diese Frauen, die allermeisten bildschön, voller Träume, voller Hoffnungen und auch mit viel Druck in Hollywood an. Die wurden schon im Jahrbuch zu der Person gewählt, die irgendwann mal berühmt wird. In ihrem kleinen Ort waren sie die Hübscheste vor Ort. Und oh Wunder: Alle haben ihnen immer gesagt, dass sie unglaublich talentiert sind, ihre Vorstellungen waren immer voll und der Nebenjob als Barkeeperin lief auch super, alle meinten sie müsse es in Hollywood versuchen. Natürlich haben ihr einige auch abgeraten. Vielleicht hat ihnen ein Verwandter gesagt, dass sie auch bei ihm in Büro anfangen könne, Sie könne ja  nebenher noch Theater spielen als Hobby. Aber nach L.A. zu ziehen in der Hoffnung da Schauspielerin zu werden, das würde doch eh kaum einer schaffen. Aber sie haben sich getraut. Sie haben ja bisher alles geschafft. Die Wahl zur Miss Hinterwald oder die Position als Anführerin der Cheerleader in ihrer kleinen Stadt (Go Hinterwald!) und selbst den Quarterback ihrer Schule haben sie erobert. Also suchen sie sich ein kleines Zimmer in LA, suchen sich eine Stelle als Barkeeperin oder Studieren hier und stürzen sich ins Abenteuer.

Schmidt: Und in dem Abenteuer lauert dann eben der große böse Wolf im Dickicht?

Meyer: Nur das er eben nicht nur große Zähne hat (lacht). Nein, Spass beiseite, es ist ja ein ernstes Thema: Was ich ihnen mit dieser Vorgeschichte deutlich machen will ist, dass die Frage, wer genau das Raubtier ist, gar nicht so einfach zu klären ist.

Schmidt: Das Rotkäppchen verschlingt den Wolf?

Meyer: Natürlich wird in der Presse da das Bild der unglaublich naiven jungen Schauspielerin gezeichnet, die keine Ahnung von nichts hat und plötzlich springt da ein Produzent aus dem Gebüsch und hält ihr einen Penis ins Gesicht.
Aber was ich mit der Vorgeschichte deutlich machen wollte: Das sind Frauen mit einem Ziel, die haben ihr ganzes Leben darauf ausgerichtet, deren Eltern haben viel investiert, sie haben viel investiert, all die neidischen Ziegen zuhause, die dicke Jane und die Amber, für die sich nie ein Junge interessiert hat, ihre größte Konkurrentin Abigail, der sie die Position als Cheerleaderanführerin und den Quarterback weggeschnappt hat, die warten alle darauf, dass sie die Stelle bei ihrem Onkel annimmt, weil sie es in Hollywood nicht geschafft hat. Sie können sich schon ausmalen, wie sie hinter ihrem Rücken über sie lästern, dass sie dachte sie sei was besseres, aber sie sei eben auch nur eine Hinterwäldlerin.

Und dann das Hollywoodleben: Machen sie sich mal bewußt, was es bedeutet, wenn man eine Rolle in einem Hollywoodfilm bekommt. Einmal hat man damit alle zum Verstummen gebracht und selbst wenn man danach aufhört kann keiner was sagen. Aber dann ist eine Rolle in einem großen Film natürlich auch der endlich erhoffte Durchbruch, da werden alle sehen, wie hübsch man ist, wie gut man schauspielert und man wird endlich aus dem Drecksloch in einem Vorort von Los Angeles ausziehen können, in dem man sich eh nicht wohl fühlt, in der unsicheren Gegend, mit den komischen Nachbarn, dass man sich von dem schlechten Lohn als Kellnerin auch nicht leisten kann.

Und man wird nicht einfach nur so in eine etwas bessere Wohnung ziehen: Wenn der Film ein Erfolg wird, dann zieht man in eine Villa und hat eine persönliche Assistentin, die einem die ganze Drecksarbeit abnimmt. Man hat eine Yacht, man wird zu allen großen Veranstaltungen eingeladen und statt sich mit den anderen in eine endlose Schlange von Bewerbern um einen miesen Indy-Film einzureihen bekommt man Drehbücher zugeschickt und kann sich eines aussuchen. Sie verdienen dann plötzlich mit einem Werbespot mehr als sie früher im Jahr hatten.

Um mal ein Beispiel zu bringen: Jennifer Lawrence hat sich am Anfang mit kleinen Rollen in allerlei Serien durchgeschlagen und Rollen in kleinen Independentfilmen gehabt. Sie hat ein paar Preise gewonnen, aber man versinkt dennoch wahnsinnig schnell wieder in der Versenkung, wenn man Dann kam die Rolle in X-Men, eine relativ kleine Rolle als Mystique, der ihr aber erst ermöglichte die Rolle in einer Triologie einer bekannten Buchreihe als Hauptrolle zu bekommen. Danach war sie eine gesetzte Nummer in Hollywood, sie hat in den 5 Jahren 90 Millionen Euro Vermögen aufgebaut, bekommt 20 Millionen pro Film und eine Beteiligung an den Einnahmen für den Rest ihres Lebens und hat 2018 46 Millionen Euro verdient.

Schmidt: Ja, das deckt sich mit den mir bekannten Zahlen. Sie ist ja aber auch eine begabte Schauspielerin. Auch die Produzenten haben davon profitiert, dass sie die Rolle übernommen hat und den Film zum Erfolg gemacht hat. Wäre es da besser gewesen, wenn man jemanden gehabt hätte, der weniger gut ist, aber mit dem Produzenten schläft?

Meyer: (lacht). Wer sagt, dass sie nicht mit dem Produzenten geschlafen hat? Der soll ja nicht ganz ohne gewesen sein.  Aber sie verstehen immer noch nicht, ich will noch mal anders ansetzen: Hier in Deutschland ist die Prostitution legal, ich war hier schon häufiger zu Gast und habe mit genug jungen High-Class-Call-Girls geschlafen um zu sagen, dass da unglaublich hübsche und schlaue Frauen dabei sind, die für das richtige Geld nahezu jeden perversen Wunsch erfüllen. Sie finden problemlos ein Mädchen, dass so unglaublich hübsch ist, dass sie Modell sein könnte, dass sie die ganze Nacht mit drei Geschäftsfreunden auf jede Weise benutzen können, und es kostet sie zusätzlich zur Verschwiegenheit für Prominente ein paar Tausend Euro. Bei uns in den USA ist das nicht anders, es kostet wegen der theoretischen Illegalität, die aber der Polizei im wesentlichen egal ist, etwas mehr. Gehen sie mal zu einem dieser Mädels und fragen sie sie, was sie für 46 Millionen Euro im Jahr machen würde. Wenn sie der sagen würden, dass sie Abends zu einem Produzenten gehen müssen, und er sie dann im Bademantel empfängt, sie fragt, ob sie massiert werden wollen, denen vielleicht seinen Penis zeigt und schon ganz zufrieden sind, wenn sie ihm einen blasen würden, dann wären die sofort dabei.

Schmidt: Aber diese Frauen wollen ja gerade Schauspielerin werden und nicht Prostituierte. Das ist insofern kein fairer Vergleich.

Meyer: Sehen sie und da kommt der Ruf ins Spiel. Ich habe ganz bewusst einen „doppelten Ruf“ aufgebaut, dass ist in einem solchen Bereich ganz wichtig. Auf der einen Seite gibt es unzählige Gerüchte über mich, nach denen ich bekannt sein soll, gerne ein „Mehr“ von den Schauspielerinnen zu wollen, auf der anderen Seite fördere ich allerlei wohltätige Zwecke, gerade Frauenanliegen zur Gleichberechtigung. man muss ein öffentliches Gesicht haben, bei denen sich Leute noch mit einem sehen lassen können und ein privates, bei dem bekannt ist, dass ich …sagen wir mal bestechlich bin. Die müssen sich etwas widersprechen, damit es nicht nur das eine ist.

Schmidt: Aber dennoch kommen da ja junge Schauspielerinnen hin, die sie mit einer Rolle ködern und die hoffen, dass da keine Bewerbungscouch im Spiel ist. Das ist doch auch nicht fair.

Meyer: Da halten sie die Frauen für naiver als sie sind. In dem Hollywoodsystem kommen sie nicht einfach so in einen Film, weil sie irgendwo eine Anzeige gelesen haben. Sie brauchen einen Agenten, der sie vertritt und sie dort anmeldet. Sonst werden die Juxbewerbungen schon zu hoch und man verschwendet Zeit. Der Agent bekommt 10% der Einnahmen des Schauspielers, sie können also davon ausgehen, dass die auch gut motiviert sind, ihre Schauspieler unterzubringen. Und weil der beste Weg dahin ist, dass man allen und jeden kennt, kennen die alle die Szene gut. Wenn eine Schauspielerin eine Rolle in einem großen Hollywoodfilm bekommt, dann sind das 10% der Gage, bei Jennifer Lawrence erster großen Rolle waren das zB 500.000 Euro, also 50.000 Euro für die Agentin, zuzüglich 10% der laufenden Einnahmen, wenn sie eine Erfolgsbeteiligung hatte. Und nicht zu vergessen: Auch der Agent profitiert von dem Durchbruch, wenn dann die Gagen höher werden. Wenn sie da in die nähere Auswahl kommt und sie eine Einladung zu dem Produzenten bekommt, dann ruft sie als erstes ihre Agentin an, damit die ihr sagt, wie sie sich da verhalten soll und was das bedeutet. Und die sagt ihr dann, was sie über mich oder andere Produzenten gehört hat. Und dann überlegen die beiden, ob ihnen das den Erfolg Wert ist. Und für viele ist die Rechnung dann recht einfach. Es schadet nie mit einem großen Hollywoodproduzenten gut zu stehen.

Andere sehen es weniger entspannt und wollen aber auch die Rolle nicht aufgeben. Da ist es dann gut, wenn man den Ruf hat, dass man zwar ein Perverser ist, der was versucht, aber eben nicht zu bedrängend. Dann sagt denen die Agentin so was wie: Spiel das schüchterne kleine naive Ding vom Land, sei erschreckt, wenn er dir seinen Penis zeigt, bring ihn schnell mit der Hand zum abspritzen und sicher dir die Rolle oder zumindest eine Nebenrolle in einem anderen Projekt, die er dir dann gibt, damit du es nicht an die große Glocke hängst. Ich hatte schon Agentinnen, die perfekte Zuhälterinnen gewesen wären, die haben vorher angerufen und mitgeteilt, wo die Grenzen der von ihr vertretenen Schauspielerinnen sind oder nicht sind. Die wollen ja auch alle eine Schauspielerin, die 20 Millionen pro Film bekommt. Das sind 2 Millionen für sie. Wenn es nach denen gehen würde, dann dürfte man machen, was man will, solange die Schauspielerinnen dann berühmt werden. Die haben allenfalls Sorge um ihren eigenen Ruf, es muss immer so aussehen als seien sie für ihre Schützlinge voll dar und würden hinter ihnen stehen. Keine Schauspielerin möchte ja in den Verdacht kommen, bei der Agentin zu sein, bei der alle Klienten quasi Callgirls sind. Und sie dürfen natürlich auch keine zu offensichtlichen Zuhälter sein, da machen sie sich ja strafbar (lacht).

Schmidt: Aber dann macht es die Lage ja noch schlimmer: Sie bekommen dann quasi von beiden Seiten Druck etwas zu tun, was sie nicht wollen

Meyer: Oh, viele brauchen nicht viel Druck. Es ist ja eine Lage, die sich selbst stabilisiert: Die Agentin kann ihnen auch sagen, dass es daran liegt, dass die anderen Frauen alle Schlampen sind und so leider die Welt ist, wenn man vorankommen will. Aber die Motivation ist so schon meist hoch. Die Frauen merken ja, dass sie in einer wahnsinnigen Konkurrenzlage sind: Früher mögen sie das schönste und talentierteste Mädchen in dem ganzen Dort gewesen sein, aber jetzt sind sie in Hollywood und überall sind Frauen, die genau so schön sind, die noch mehr Sport machen, die noch etwas längere Beine haben, und die Schauspielunterricht noch früher begonnen haben und bei einem besseren Lehrer. Oder die Konkurrenz war schon wenigstens mal in einer Serie. Oder kennt einen Kameramann, der ein gutes Wort für sie einlegen kann.

Es sind ja nicht nur die Produzentin, die da Interesse haben. In Hollywood kennt in einem Gespräch mit einer jungen attraktiven hoffnungsvollen Schauspielerin jeder einen Hollywoodproduzenten, einen Castingagentin, jemanden mit sehr viel Einfluss oder eben einen berühmten Schauspieler. Und genug schlafen schon mit denen, um einen Einstieg zu finden. Ganz zu schweigen von berühmten Schauspielern. In der Nähe eines Hollywoodstars gesehen zu werden oder dessen Freundin gewesen zu sein, auch nur dessen kurze Affaire, kann schon so viel bedeuten. Kennen Sie Stacy Keibler?

Schmidt: Ja, ich habe von ihr gehört. War kurz mit George Clooney zusammen.

Meyer: Genau, allein deswegen konnte sie in der Zeit ihre Gagen verdoppeln und wurde zu unzähligen Veranstaltungen eingeladen, in der Hoffnung, dass sie George mitbringt.Nun ist es sicherlich interessanter mit George Clooney Sex zu haben als mit mir (*klopft sich auf seinen etwas dickeren Bauch*) aber das ist nicht der Punkt: Bekanntheit über den Partner oder Kontakte über Sex ist ein sehr altes Konzept. Ich will da sogar noch einmal einen draufsetzen, wir sind ja hier ganz anonym: Kennen sie meine Frau? Hier ist ein Foto *er reicht das Foto einer sehr hübschen Frau herübr*

Schmidt: Bezaubernd, wirklich. War sie einmal Modell?

Meyer: Ja, und ich bin nicht selbstverliebt genug um zu sagen, dass sie mich wegen meines schönen Körpers und meinen guten Charakters geheiratet hat. Ich wollte eine Frau, dass braucht man auch in Hollywood und ich wollte auch Kinder. Ich habe sie gesehen und schlicht dafür gesorgt, dass ihr klar wird, wie sehr sie von mir profitieren kann, und das in jeder Hinsicht. Ich habe ihrer Modefirma eine Finanzspritze gegeben, ich habe dafür gesorgt, dass alle meine Stars ihre Sachen tragen und schon hatte sie einen großen Erfolg. Das ist ganz einfach, wenn man den passenden Einfluss hat. Aber ihr war auch klar, dass ich ihr den Erfolg jederzeit wieder weg nehmen kann und was ich von ihr will. Sie hat dann schlicht einen drauf gesetzt und statt Sex gab es dann Heirat und Kinder. Wer hat da jetzt wen benutzt? Und jetzt müssen sie sich noch folgendes bewußt machen: Es ist ganz bekannt, dass ich gerne was mit Schauspielerinnen habe, dass ich da einen sehr zweifelhaften Ruf habe, dass sie damit rechnen muss, dass ich das so weitermache und sie betrüge. Und das das auch mehr oder weniger jeder weiß, auch wenn es keiner ausspricht. Und dennoch hat sie mich nicht nur heiraten wollen, dieses Modell, mit der jeder Mann glücklich gewesen wäre und die keine Probleme gehabt hätte einen anderen, aber mit weniger Einfluss zu finden, hat auch noch gemeinsame Kinder mit mir. Und dennoch glauben die Leute, dass die Frauen alle unschuldige kleine Mädchen sind, die denken, dass der Produzent natürlich nur mit ihnen über den Film reden will, ohne dass diese je selbst überlegt haben, was sie für eine unglaubliche Chance durchzustarten alles tun würden.

Schmidt: Aber letztendlich ist es eine Bestechung, weil diese „Sonderleistungen“ ja nichts mit dem Film zu tun haben. Und sexuelle Bestechungen sind sogar noch deutlich problematischer als solche mit Geld, weil sie ja bei den Schauspielerinnen einen ganz anderen Persönlichkeitsbereich betreffen, die innerste Privatsphäre.

Meyer: Es ist ja auch nicht so, dass ich was mit jeder Schauspielerin hatte, die einen Film mit mir gedreht hat. Sie bewerten es aus der Sicht der Schauspielerin. Aber warum sollte ich etwas, was ich beeinflussen kann, billiger verkaufen als es andere kaufen wollen? Es wollen ja genug Frauen gerne den Deal machen und ich könnte ihnen hochgelobte Filme zeigen, bei denen das der Fall war und ganz fürchterliche Filme, bei denen es nicht der Fall war.

Das bringt mich zu etwas anderem, was ich dazu noch anführen wollte: Die Schauspielerinnen haben natürlich die Macht, mich auflaufen zu lassen. Wenn keine gute Schauspielerin mehr mit mir zusammenarbeiten wollte, dann würde ich keine vernünftigen Filme mehr produzieren können. Aber das Gegenteil ist der Fall: Weil ich einen Zusatzlohn will, muss ich auch besonders gut sein. Ich habe den Ruf, dass ich jeder Schauspielerin einen Oscar verschaffen kann. Und der kommt nicht von ungefähr. Ich arbeite sehr hart daran, dass es Schauspielerinnen, bei denen es sich lohnt – so oder so – sehr gut bei mir geht. Sie wissen: Wenn ich mich voll für sie einsetze,  dann haben sie eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit groß rauszukommen. Sie wissen, dass das teilweise einen Preis hat. Aber alles hat seinen Preis. Und aus der Sicht ist jemanden den Schwanz zu lutschen ein verdammt niedriger Preis, wenn man moralisch etwas flexibel ist. Andere Wege über tausende von kleinen Vorstellungsgesprächen , mit ebenso vielen Absagen, sind weitaus frustrierender. Und natürlich lohnt es sich auch eher mit jemanden zu schlafen, der einem dann einen Oscar besorgt, als mit jemanden, der gerade einen Indiefilm dreht, der mit hoher Wahrscheinlichkeit floppt.

Ein anderes gutes Beispiel dafür, dass man gut sein muss, damit das klappt ist Terry Richardson. Der bestbezahlte Fotograf der Welt, aber bekannt dafür, dass er ganz offen belästigt oder auch mal selbst bei den Aufnahmen nackt ist. Er hat das ganz offen gemacht, immer wieder gab es Beschwerden, aber die Models wussten auc: Terry Richardson Fotos in dem Portfolio haben sehr viel gebracht und wurden gerne gedruckt. Natürlich: In Zeiten von #MeToo wird er Probleme bekommen, weil die Großen sich dann eher von ihm distanzieren  müssen.

Schmidt: Ja, ich habe davon gelesen . Also es lohnt sich für die Frauen, weil sie so gut sind?

Meyer: Noch einmal: Jeden Tag kommen 100 neue Mädels nach Hollywood, die alle vom großen Durchbruch träumen und unglaublich schön sind. Und jeden Tag ist man einen Tag älter als sie. Frauen haben üblicherweise ein recht kurzes Karrierefenster. Wer es bis 27, eher 24 nicht geschafft hat, der kann es eigentlich vergessen. Und das ist den Schauspielerinnen natürlich bewusst. Genug würden dann liebend gern mal zu einem solchen Gespräch über eine Hauptrolle in einem großen Studiofilm eingeladen werden, im Haus des Produzenten. Werden sie aber nicht. Das ist ja die andere Seite: Wie viele Frauen sich auch an einen ran machen, die meinen ihre Vagina ist aus Gold und wäre natürlich so wertvoll, dass man ihnen eine Rolle in einem 100 Millionen Euro Blockbuster gibt.

Und deswegen darf man auch nicht vergessen, dass wir da in einer sehr eigenen Welt leben: Wenn man Hollywoodstar ist oder über die Besetzung von Hollywoodfilmen entscheidet, dann ist es ganz normal, dass man „sexuell belästigt“ wird und das man pausenlos Angebote erhält. Klar, die gutaussehenden Hollywoodschauspieler eh, aber eben alle die irgendwie mit der Industrie zu tun haben, sind schon mal von Frauen sexuelle Gefälligkeiten angeboten worden, weil diese hoffte so eine Chance zu haben.

Und das verändert die Perspektive einfach nachhaltig. Wo andere Leute niemals erwarten würden, dass Frauen mit ihnen schlafen würden haben wir die Erfahrung gemacht, dass ein sehr hoher Anteil an Frauen daran sehr interessiert ist. Natürlich nicht alle. Aber genug, und noch etwas mehr, wenn man für sie handelt, wenn man also nicht darauf wartet, dass sie selbst es vorschlagen, sondern wenn man sie etwas an der Hand nimmt und es in Gang bring.

Schmidt: Aber da tritt dann ja gerade schnell die Situation ein, dass man eine Frau überfordert, die sich nicht traut einem deutlich zu machen, dass sie das nicht will. Einfach weil man so mächtig ist und sie in eine Art Schockzustand ist.

Meyer: Ja, natürlich, mit unter wird man etwas zu bedrängend und hat die Frau falsch eingeschätzt. Deswegen habe ich ja meine Bademantelroutine entwickelt. Ich trete im Bademantel auf, das schafft schon mal häufig Klarheit, dann frage ich, ob sie mit ins Bad wollen oder eine Massage wollen. Da merkt man dann schon an der Reaktion, ob es was läuft und wenn es nicht läuft, dann kann man immer noch sagen, dass es nur ein Spruch war und zieht sich kurz um und unterhält sich mit ihr.

Es ist aber auch allgemein gar nicht mal so ein schlechtes Zeichen wie kompliziert die jeweilige Frau ist. Eine zimperliche Frau, die kaum den Mund aufbekommt und sich nichts traut, geht meist auch am Set unter und wer mit ein paar Sprüchen nicht zurechtkommt, der überlebt auch die Paparazzi nicht und die Presse, die später über einen herfällt. Eine gewisse Härte ist insofern gar nicht mal verkehrt. Mir imponieren auch Frauen, die auf eine bestimme, aber höfliche Art Nein sagen können und dennoch weiter machen können. Und bei denen, die mitmachen weiß man: Sie wollen wirklich Erfolg haben und sind keine Dramaqueens.

Schmidt: Jetzt ist es sogar ein guter Auswahlprozess. Das klingt als würden Sie sich es schön reden. Genug Frauen werden damit schlicht nicht klar kommen und entweder immer einer Chance hinterhertrauern oder über Selbstekel oder anderes klagen, weil sie es gemacht haben. 

Meyer: (lacht) Gut, da haben Sie mich erwischt. Etwas schönreden ist immer dabei. Wobei ich es eben fair finde, weil ich einen Ruf habe. Und weil die Frauen dafür wirklich etwas bekommen. Wenn ich jemand fördere, dann nicht wegen dem Sex, sondern weil sie gut ist. Der Sex ist ein Bonus, der auch gleich die Hierarchie klar macht. Sie mögen sich dann später allen anderen gegenüber wie abgehobene Göttinnen verhalten, aber bei mir nicht. Und natürlich ist es auch etwas für das Ego, wenn man mit sehr vielen Schauspielerinnen was hatte. Einfach weil jeder mit ihnen schlafen will, aber es nicht kann. Das ist für die weniger hübschen, aber mächtigen Männern in Hollywood ein ewiges Problem: Man hat diese ganzen hübschen Frauen um sich herum, die alles tun würden für eine Rolle, aber man hält sich zurück, weil man nett ist und wenn sie merken, dass man harmlos ist, dann ist man ihr bester Freund, aber mehr auch nicht. Sie haben einen sicher und können daher mit einem anderen Produzenten schlafen, der gerade einen großen Film im Angebot hat, während sie mit einem Essen gehen, um zu fragen, ob was in den eigenen Projekten frei ist. Natürlich nur einige, aber es ist immer wieder frustrierend. Und es zieht einen runter. Warum sollte man nicht derjenige sein, mit dem sie etwas hat?  Es gibt da dieses Experiment mit den Affen, die unterschiedlich belohnt werden, kennen sie das?

Schmidt: Ja, ich denke ich weiß, welches sie meinen, aber vielleicht stellen sie es noch einmal dar für die Leser.

Meyer: In dem Experiment wird Affen beigebracht, dass sie Gurken erhalten, wenn sie einen Hebel ziehen. Damit sind sie ganz zufrieden und ziehen ohne Beanstandung den Hebel. Dann zieht man einen Vorhang hoch und sie sehen einen anderen Affen, der einen Hebel zieht, und er bekommt von dem gleichen Pfleger nicht nur eine Gurke, sondern ein Bündel sehr leckere Trauben dazu. Die NurGurkenaffen sind entsetzt: Sie werden betrogen. Sie arbeiten für einen Hungerlohn. Sie weigern sich den Hebel zu ziehen, weil ihnen die Gurke nun wie eine Herabsetzung vorkommen.

Nun: Ich bekomme sehr viele Gurken (lacht). Aber ich mag auch Trauben gerne.
Leute fragen sich ja, warum man nicht einfach ein paar Prostituierte bezahlt mit den „Gurken“. Aber dann hat man ja immer noch keine Trauben und das passt einfach nicht.

Schmidt: Herr Meyer, vielen Dank für das Interview 

*fiktiv

** Name ausgedacht

Wie der Feminismus den Graben zwischen den Geschlechtern verbreitert

Der Blog „Klettergerüst und Moonwalk“ nimmt ebenfalls zu dem Tweet Stellung, nach dem ein Mann, der sich plötzlich hinter einer Joggerin befindet, eben abbiegen soll, damit diese keine Angst hat.

Aus dem Text:

Ich frage mal in die Runde, was wollt ihr überhaupt? Dass die Gräben noch breiter und tiefer werden, wenn ich Menschen so einen Schwachsinn ins Hirn pflanze? Wie erkläre ich das einem befreundeten Paar, die sich beim Joggen kennengelernt haben? Ist sie dämlich, weil sie keine Angst vor ihm hatte? Wieso hat er sie nicht vergewaltigt, wenn sie es nicht gestört hat, dass er auch dort joggt? Wieso wusste ich nicht, WAS EIN MANN ZU TUN HAT? Natürlich gibt es Verbrechen und Täter und Opfer, aber ist jeder mit einem roten T-Shirt ein potenzieller Mörder, weil Mörder manchmal rote T-Shirts tragen? Der Zusammenhang ist genauso hirnlos, wie joggen und ein Sexualverbrechen. Wollen wir ein Klima der Angst? Wenn die Frau scheinbar in den Köpfen vieler das ängstliche, verstörte Geschlecht ist, dann würde es sogar Sinn ergeben, wenn sie sich ein wenig sicherer fühlt, dass sie nicht alleine läuft. Aber jeder männliche Jogger stellt eine Gefahr da. Sagt der Jens und das finden auch seine Anhänger.

Das man damit die Gräben tiefer macht, dass käme jemanden wie Jens wahrscheinlich gar nicht in den Sinn. Wie soll man Gräben vertiefen, wenn man in einer Rape Culture lebt? Dann muss ein Mann doch etwas dagegen tun, eben in dem er dafür sorgt, dass die Frau keine Angst hat, denn er ist ja als Bestandteil der Gruppe Mann privilegiert und irgendwie auch für das Handeln anderer Männer verantwortlich. Männer müssen eben ihr Verhalten ändern, nicht Frauen aufpassen, dass sie einzelnen schlechten Männern nicht zum Opfer fallen.

Er wird aus seiner Sicht eher die Gräben zuschütten, indem er eben deutlich macht, dass er nicht aggressiv ist.

Sinn macht das nur, wenn man ein sehr schlechtes Männerbild hat. Oder eben Spass daran, etwas unterwürfig zu sein. 

Dass es für Leute, die ein positiveres Bild beider Geschlechter haben, wie der Schreiber des verlinkten Blogartikels, gar nicht notwendig ist, weil man eben nicht in einer Rape Culture lebt, das wird wieder die andere Seite nicht verstehen.

Es ist einfach nur noch peinlich, wohin uns diese ganze Geschlechterdiskussion führt. Nämlich komplett am Ziel vorbei. Da werden Szenarien beliebig aufgebaut und gefüttert, die es gibt, aber die nicht der Normalität entsprechen. Wir stellen schon wieder Regeln auf, schaffen potenzielle Gefahren und schüren Unwohlsein. Umgedreht könnte man jetzt auch sagen, dass ich Frauen lieber aus dem Weg gehe, wenn sie mich sowieso für eine Gefahr halten. Jeder Mensch kann fast überall vergewaltigt werden. Soll ich mit diesem Gedanken auf die Straße gehen? Soll ich wieder alles auf die schwache Frau herunterbrechen, die Schutz, Rücksichtnahme und gesonderte Behandlung nötig hat? Kann sich eine Frau automatisch nicht wehren, hat sie automatisch Angst und sieht sie sich natürlich nur als Opfer? Ich bin keine Frau, aber diese Darstellung fände ich etwas beleidigend, wenn ich gerne etwas Normalität in der Gesellschaft hätte. Wer nicht dumm ist, der weiß, dass Sexualverbrechen zur Menschheit gehören, wie atmen und schlafen. Das muss man nicht wegdiskutieren. Es verhält sich nicht anders, wie mit Mord, Raub und jede Form der physischen und psychischen Gewalt. Es ist ein Thema. Es kann passieren und es wird passieren. Aber soll ich es an jeder Ecke erwarten? Soll ich grundlos immer vom Schlimmsten ausgehen? Laut Jens und den anderen, ganz klar ja.

Das dürfte eine Stellungnahme sein, die Feministinnen skandalös finden – denn in ihrer Welt kann man eine Welt ohne Verbrechen und erst recht ohne Sexualdelikte ja errichten, indem die Männer einfach ihre toxische Männlichkeit aufgegeben.

Sie werden sagen, dass sie Frauen nicht zu Opfer machen, sondern sie Opfer sind. Dass sie das nur sind, weil der Feminismus mit vollkommen überhöhten Opferzahlen arbeitet werden sie nicht einsehen.

Und in der Tat malt der Feminismus eigentlich ein sehr klassisches Bild der Lage – es schwingt etwas von der schwachen Frau mit, die der Held retten muss, zwar vor sich selbst, aber eben stellvertretend vor anderen Männern, vor dem Bösen im Mann, welches dort steckt und heldenhaft niedergekämpft wird.

Es ist schön einen Text zu lesen, der aus einer normalen Perspektive dagegen hält.

„#MeToo -Fälle Wie naiv darf man sein?“

Jan Fleischhauer stellt im Rahmen der #MeToo Debatte und neuer ins Spiel gebrachter Fälle von sexueller Belästigung einige der dort behandelten Fälle dar:

Folgt man ihrer Darstellung, lud der Redakteur die junge Frau dazu ein, neben ihm auf der Rückbank des Mercedes Platz zu nehmen, während die Kollegen den Bus nahmen. Es gab gemeinsame Abende und Kneipenbesuche, bei denen das Gespräch schnell vom Fernsehgeschäft auf sexuelle Vorlieben kam.

Einmal schrieb er ihr abends eine SMS: „Dritte Etage, Zimmer 312.“ Man müsse dringend über den nächsten Dreh reden. Sie hatte schon geschlafen, berichtet die Frau in der „SZ“. Sie habe sich mit Stift und Zettel auf den Weg gemacht, um dann enttäuscht feststellen zu müssen, dass ihr Mentor nicht ebenfalls Stift und Zettel bei sich trug, als er die Tür öffnete.

Ich bin ins Grübeln gekommen, als ich das las. Was glaubt eine Praktikantin, wenn ein 30 Jahre älterer Mann sie zu nachtschlafender Zeit per SMS dazu einlädt, sie in seinem Hotelzimmer aufzusuchen? Nimmt sie im Ernst an, dass man sich über die Kameraeinstellungen am nächsten Drehtag austauschen wird? Sicher, es gibt Nerds, die nur die Arbeit im Kopf haben, auch noch gegen Mitternacht. Aber die meisten Menschen denken zu dieser Zeit an ganz andere Dinge, wie einem die Lebenserfahrung sagt.

In der Tat muss man ziemlich naiv sein, wenn man in dem Moment nicht auf den Gedanken kommt, dass er mehr will als nur über den Film zu reden. Gerade wenn man schon vorher miteinander persönlicher geworden ist und über Sex geredet hat.

Später schreibt Fleischhauer:

Ich habe keine Zweifel, dass es der jungen Frau unangenehm war, als ihr der Moderator zu nahe rückte. Aber sollte man nicht erwarten können, dass eine 25-Jährige in der Lage ist, nächtliche SMS zu ignorieren? Wie man erfährt, ging sie sogar auf sein Angebot ein, bei ihm zu schlafen, als er sie fragte, ob sie bei ihm übernachten wolle. Sie schreibt: „Ich erwartete Frau und Kinder zu treffen, ich fand einen Pool, zwei Liegen, eine Flasche Wein und Oliven.“ Ja, um Gottes Willen, was denn sonst bei einem Mann, der zuvor die Vorzüge der „offenen Ehe“ gepriesen hatte? Erst wenn man eine Grenze setzt, existiert diese auch.

Also er ruft sie zu sich nachts auf Zimmer, will aber nicht über den Fall reden, spricht irgendwann mit ihr über seine offene Ehe und lädt sie ein bei ihr zu schlafen und sie denkt immer noch, dass da nichts sexuelles bei ist?

 

Ein anderer Fall:

Zu den Vorfällen, die dem WDR-Korrespondenten zur Last gelegt werden, gehört die sogenannte „Doppelzimmeraffäre“. Vor Jahren hatte er einer Praktikantin weisgemacht, sie müsse mit ihm aus Kostengründen ein Zimmer teilen: Der WDR erlaube wegen des Sparzwangs nur Doppelzimmer. Auch hier stellt sich die Frage, wieviel Weltfremdheit eigentlich erlaubt ist. Mir ist es jedenfalls ein Rätsel, warum jemand unbedingt Journalist werden will, dem man offenbar die haarsträubendsten Geschichten auftischen kann, ohne dass er Zweifel bekommt.

Man ist geneigt dieses Internet-Meme zu verwenden:

Speech 100

Speech 100

Das der WDR eine weibliche Praktikantin in einem Doppelzimmer schlafen lässt mit einem männlichen Kollegen, wenn diese das nicht ausdrücklich wollen, dass ist schon wirklich schwer zu glauben. Es wäre auch recht leicht gewesen da mal nachzufragen, ob das wirklich so ist und ob man nicht doch – ausnahmsweise – zwei Einzelzimmer zahlen würde.

Fleischhauers Wertung passt:

Die Komik der #MeToo-Debatte liegt, wenn man so will, in ihrem regressiven Element. An die Stelle der emanzipierten Frau, die selbstbewusst erklärt, was sie will und was nicht, ist wieder die naive Unschuld getreten, die ahnungslos durchs Leben tappt, bis ein Prinz kommt und sich ihrer erbarmt. Vielen Erzählungen ist gemeinsam, dass sie die Frau als Rotkäppchen zeichnen, das dem bösen Wolf zum Opfer fällt. Deshalb funktionieren sie ja auch so gut. Diese Muster sind so alt, sie sind ganz einfach abrufbar.

Es ist in der Tat eine Infantilisierung, die zu dem Gedanken der weiblichen Unterverantwortlichkeit gut passt: Der Gedanke, dass jede Ausführungen dazu, dass sie sich besser hätte schützen sollen Victim Blaming ist und es Sache der Gesellschaft ist, dass sie die Täter so erziehen muss, dass sie nicht mehr Täter sind.

Die Erziehung zu einer gewissen Unmündigkeit, dazu, dass man naiv sein darf, weil die Gesellschaft schuld ist, wenn etwas passiert und es nicht die eigene Aufgabe ist, etwas dagegen zu machen und sich zu sichern.

Sonia Mikich hat im SPIEGEL-ONLINE-Interview einen bemerkenswerten Satz gesagt. Gefragt, wie sie selber mit sexueller Belästigung umgegangen sei, antwortete sie: „Ich habe immer gesagt ‚Hau ab, Du Blödmann‘.“ Das habe immer geklappt, im WDR, außerhalb des WDR, im Privatleben.

Und es klappt wahrscheinlich auch heute noch gut.