Interview* mit einem Hollywoodproduzenten zu #MeToo (*fiktiv)

Freundlicherweise hat sich einer der ganz großen Hollywoodproduzenten* zu einem schonungslosen Interview bereit erklärt, natürlich unter der Bedingungen, dass er anonym bleibt. Er ist einer derjenigen, die schon unter Verdacht standen und möchte einmal erzählen, wie es in Hollywood so läuft

Schmidt: Guten Tag Herr Meyer**, erst einmal vielen Dank, dass sie sich zu dem Interview bereit erklärt haben. Sie sind selbst erheblich mit Vorwürfen überzogen worden, aber für uns nicht in dem Geschäft tätige ist natürlich schwer zu überblicken, was da genau dahinter steckt. Wir freuen uns, dass sie uns heute einen Einblick geben wollen.

Meyer: Auch Ihnen vielen Dank Herr Schmidt, dass sie mich hier in Deutschland so nett empfangen haben. Es ist in der Tat ein vergleichsweise schwere Zeit losgebrochen in Hollywood, die frühere Arbeitsweisen und eingespielte Prozeduren auf den Kopf stellt.

Schmidt: Sie meinen, dass man jetzt immer auf falsche Anschuldigungen vorbereitet  sein muss und sich absichern muss?

Meyer: Nein, man muss auf wahre Anschuldigungen vorbereitet sen (lacht). Sie schreiben in ihrem Blog doch selbst, dass Männer weit mehr als Frauen auf Sex aus sind. Ich habe mich da mal etwas vorbereitet als ihre Anfrage kam  und mir da was übersetzen lassen.

Schmidt: Die Anschuldigungen erfolgen also zu recht?

Meyer: So einfach ist es dann doch auch wieder nicht. Es ist weitaus eher eine Grauzone.

Schmidt: Grauzone? Können sie das etwas näher ausführen

Meyer: Wichtig ist erst einmal, dass man die Grundkonstellation versteht. Stellen sie sich mal vor, sie wären eine junge Schauspielerin, deren Traum es ist ganz groß rauszukommen. Es ist dabei egal, woher sie kommen, Hollywood ist wie ein Magnet und zieht Leute mit Ambitionen aus aller Welt an. Und das sind die Frauen, die groß hinaus wollen. Sie wollen nicht in einem Fernsehfilm in einem ihrer staatlichen Sender kleine Drecksfilme machen, bei denen sie keiner kennt. Sie wollen Stars werden. Hollywoodstars.

Schmidt: ich kann mir vorstellen, dass der Andrang groß ist – aber das erlaubt ja dennoch keine Belästigungen?

Meyer: Nicht so ungeduldig Herr Schmidt, es geht ja noch weiter. Also: Da haben sie weltweit alle den selben Lebenslauf. Die Liebe zur Schauspielerei schon im Kindergarten entdeckt, als man bei der Weihnachtsaufführung den Baum gespielt hat. Dann Schultheater und der innigste Wunsch, Schauspielerin zu werden. Die können ihnen alle ein paar Stunden Videos von sich als Kinder vorspielen, wo sie schon immer Schauspielerin werden wollten. Und alle hatten ihnen auch immer gesagt, wie toll sie das machen. Die Eltern bezahlen dann noch den Schauspielunterricht, und das ist gar nicht so ohne, da kommt einiges zusammen, aber es ist ja ihr großer Traum. Sie stellen alles darauf ab: Sie wählen als Fach Literatur in der Schule, sie besuchen Theateraufführungen. Sie sehen Interviews mit Schauspielerinnen. Sie machen Sport und ernähren sich passend, sie lassen sich die Brüste und die Nase machen, sie arbeiten hart an sich, denn sie wollen ja eine von diesen tollen Schauspielerinnen sein, die die Hauptrolle in dem Film spielt und neben dem George Clooney oder Brad Pitt ihrer Zeit stehen. .

Schmidt: Sie meinen, dass die unglaublich viel in ihre Vorbereitung investieren und hohe Ziele haben. Aber diese ganze Arbeit kommt ihnen ja auch zugute: Sie wollen ja für einen Film auch eine gute Schauspielerin

Meyer: Herr Schmidt, sie hören mir nicht zu: Ich sagte ja, dass täglich tausend Frauen nach Hollywood kommen, die alle die gleiche Biografie haben. Hier kommt die Creme de la Creme an, Frauen, die alles auf die Schauspielerei ausgerichtet haben, deren Eltern Unsummen in sie investiert haben und von denen sehr viele gut sind. Und sie können bei keiner von denen wissen, wie sie in einer großen Hollywoodproduktion ankommt, ob das Publikum sie mag oder ob sie später mit dem Ruhm zurechtkommt. Das ist ja das ganz besonders wichtige, wenn sie jemanden langfristig aufbauen wollen.

Schmidt: Also sie meinen da ist eine hohe Unsicherheit drin und man kann schlecht planen. Aber das ist ja in allen Berufen so. Das wird doch durch eine Belästigung nicht besser.

Meyer: Das wesentliche ist: Da kommen all diese Frauen, die allermeisten bildschön, voller Träume, voller Hoffnungen und auch mit viel Druck in Hollywood an. Die wurden schon im Jahrbuch zu der Person gewählt, die irgendwann mal berühmt wird. In ihrem kleinen Ort waren sie die Hübscheste vor Ort. Und oh Wunder: Alle haben ihnen immer gesagt, dass sie unglaublich talentiert sind, ihre Vorstellungen waren immer voll und der Nebenjob als Barkeeperin lief auch super, alle meinten sie müsse es in Hollywood versuchen. Natürlich haben ihr einige auch abgeraten. Vielleicht hat ihnen ein Verwandter gesagt, dass sie auch bei ihm in Büro anfangen könne, Sie könne ja  nebenher noch Theater spielen als Hobby. Aber nach L.A. zu ziehen in der Hoffnung da Schauspielerin zu werden, das würde doch eh kaum einer schaffen. Aber sie haben sich getraut. Sie haben ja bisher alles geschafft. Die Wahl zur Miss Hinterwald oder die Position als Anführerin der Cheerleader in ihrer kleinen Stadt (Go Hinterwald!) und selbst den Quarterback ihrer Schule haben sie erobert. Also suchen sie sich ein kleines Zimmer in LA, suchen sich eine Stelle als Barkeeperin oder Studieren hier und stürzen sich ins Abenteuer.

Schmidt: Und in dem Abenteuer lauert dann eben der große böse Wolf im Dickicht?

Meyer: Nur das er eben nicht nur große Zähne hat (lacht). Nein, Spass beiseite, es ist ja ein ernstes Thema: Was ich ihnen mit dieser Vorgeschichte deutlich machen will ist, dass die Frage, wer genau das Raubtier ist, gar nicht so einfach zu klären ist.

Schmidt: Das Rotkäppchen verschlingt den Wolf?

Meyer: Natürlich wird in der Presse da das Bild der unglaublich naiven jungen Schauspielerin gezeichnet, die keine Ahnung von nichts hat und plötzlich springt da ein Produzent aus dem Gebüsch und hält ihr einen Penis ins Gesicht.
Aber was ich mit der Vorgeschichte deutlich machen wollte: Das sind Frauen mit einem Ziel, die haben ihr ganzes Leben darauf ausgerichtet, deren Eltern haben viel investiert, sie haben viel investiert, all die neidischen Ziegen zuhause, die dicke Jane und die Amber, für die sich nie ein Junge interessiert hat, ihre größte Konkurrentin Abigail, der sie die Position als Cheerleaderanführerin und den Quarterback weggeschnappt hat, die warten alle darauf, dass sie die Stelle bei ihrem Onkel annimmt, weil sie es in Hollywood nicht geschafft hat. Sie können sich schon ausmalen, wie sie hinter ihrem Rücken über sie lästern, dass sie dachte sie sei was besseres, aber sie sei eben auch nur eine Hinterwäldlerin.

Und dann das Hollywoodleben: Machen sie sich mal bewußt, was es bedeutet, wenn man eine Rolle in einem Hollywoodfilm bekommt. Einmal hat man damit alle zum Verstummen gebracht und selbst wenn man danach aufhört kann keiner was sagen. Aber dann ist eine Rolle in einem großen Film natürlich auch der endlich erhoffte Durchbruch, da werden alle sehen, wie hübsch man ist, wie gut man schauspielert und man wird endlich aus dem Drecksloch in einem Vorort von Los Angeles ausziehen können, in dem man sich eh nicht wohl fühlt, in der unsicheren Gegend, mit den komischen Nachbarn, dass man sich von dem schlechten Lohn als Kellnerin auch nicht leisten kann.

Und man wird nicht einfach nur so in eine etwas bessere Wohnung ziehen: Wenn der Film ein Erfolg wird, dann zieht man in eine Villa und hat eine persönliche Assistentin, die einem die ganze Drecksarbeit abnimmt. Man hat eine Yacht, man wird zu allen großen Veranstaltungen eingeladen und statt sich mit den anderen in eine endlose Schlange von Bewerbern um einen miesen Indy-Film einzureihen bekommt man Drehbücher zugeschickt und kann sich eines aussuchen. Sie verdienen dann plötzlich mit einem Werbespot mehr als sie früher im Jahr hatten.

Um mal ein Beispiel zu bringen: Jennifer Lawrence hat sich am Anfang mit kleinen Rollen in allerlei Serien durchgeschlagen und Rollen in kleinen Independentfilmen gehabt. Sie hat ein paar Preise gewonnen, aber man versinkt dennoch wahnsinnig schnell wieder in der Versenkung, wenn man Dann kam die Rolle in X-Men, eine relativ kleine Rolle als Mystique, der ihr aber erst ermöglichte die Rolle in einer Triologie einer bekannten Buchreihe als Hauptrolle zu bekommen. Danach war sie eine gesetzte Nummer in Hollywood, sie hat in den 5 Jahren 90 Millionen Euro Vermögen aufgebaut, bekommt 20 Millionen pro Film und eine Beteiligung an den Einnahmen für den Rest ihres Lebens und hat 2018 46 Millionen Euro verdient.

Schmidt: Ja, das deckt sich mit den mir bekannten Zahlen. Sie ist ja aber auch eine begabte Schauspielerin. Auch die Produzenten haben davon profitiert, dass sie die Rolle übernommen hat und den Film zum Erfolg gemacht hat. Wäre es da besser gewesen, wenn man jemanden gehabt hätte, der weniger gut ist, aber mit dem Produzenten schläft?

Meyer: (lacht). Wer sagt, dass sie nicht mit dem Produzenten geschlafen hat? Der soll ja nicht ganz ohne gewesen sein.  Aber sie verstehen immer noch nicht, ich will noch mal anders ansetzen: Hier in Deutschland ist die Prostitution legal, ich war hier schon häufiger zu Gast und habe mit genug jungen High-Class-Call-Girls geschlafen um zu sagen, dass da unglaublich hübsche und schlaue Frauen dabei sind, die für das richtige Geld nahezu jeden perversen Wunsch erfüllen. Sie finden problemlos ein Mädchen, dass so unglaublich hübsch ist, dass sie Modell sein könnte, dass sie die ganze Nacht mit drei Geschäftsfreunden auf jede Weise benutzen können, und es kostet sie zusätzlich zur Verschwiegenheit für Prominente ein paar Tausend Euro. Bei uns in den USA ist das nicht anders, es kostet wegen der theoretischen Illegalität, die aber der Polizei im wesentlichen egal ist, etwas mehr. Gehen sie mal zu einem dieser Mädels und fragen sie sie, was sie für 46 Millionen Euro im Jahr machen würde. Wenn sie der sagen würden, dass sie Abends zu einem Produzenten gehen müssen, und er sie dann im Bademantel empfängt, sie fragt, ob sie massiert werden wollen, denen vielleicht seinen Penis zeigt und schon ganz zufrieden sind, wenn sie ihm einen blasen würden, dann wären die sofort dabei.

Schmidt: Aber diese Frauen wollen ja gerade Schauspielerin werden und nicht Prostituierte. Das ist insofern kein fairer Vergleich.

Meyer: Sehen sie und da kommt der Ruf ins Spiel. Ich habe ganz bewusst einen „doppelten Ruf“ aufgebaut, dass ist in einem solchen Bereich ganz wichtig. Auf der einen Seite gibt es unzählige Gerüchte über mich, nach denen ich bekannt sein soll, gerne ein „Mehr“ von den Schauspielerinnen zu wollen, auf der anderen Seite fördere ich allerlei wohltätige Zwecke, gerade Frauenanliegen zur Gleichberechtigung. man muss ein öffentliches Gesicht haben, bei denen sich Leute noch mit einem sehen lassen können und ein privates, bei dem bekannt ist, dass ich …sagen wir mal bestechlich bin. Die müssen sich etwas widersprechen, damit es nicht nur das eine ist.

Schmidt: Aber dennoch kommen da ja junge Schauspielerinnen hin, die sie mit einer Rolle ködern und die hoffen, dass da keine Bewerbungscouch im Spiel ist. Das ist doch auch nicht fair.

Meyer: Da halten sie die Frauen für naiver als sie sind. In dem Hollywoodsystem kommen sie nicht einfach so in einen Film, weil sie irgendwo eine Anzeige gelesen haben. Sie brauchen einen Agenten, der sie vertritt und sie dort anmeldet. Sonst werden die Juxbewerbungen schon zu hoch und man verschwendet Zeit. Der Agent bekommt 10% der Einnahmen des Schauspielers, sie können also davon ausgehen, dass die auch gut motiviert sind, ihre Schauspieler unterzubringen. Und weil der beste Weg dahin ist, dass man allen und jeden kennt, kennen die alle die Szene gut. Wenn eine Schauspielerin eine Rolle in einem großen Hollywoodfilm bekommt, dann sind das 10% der Gage, bei Jennifer Lawrence erster großen Rolle waren das zB 500.000 Euro, also 50.000 Euro für die Agentin, zuzüglich 10% der laufenden Einnahmen, wenn sie eine Erfolgsbeteiligung hatte. Und nicht zu vergessen: Auch der Agent profitiert von dem Durchbruch, wenn dann die Gagen höher werden. Wenn sie da in die nähere Auswahl kommt und sie eine Einladung zu dem Produzenten bekommt, dann ruft sie als erstes ihre Agentin an, damit die ihr sagt, wie sie sich da verhalten soll und was das bedeutet. Und die sagt ihr dann, was sie über mich oder andere Produzenten gehört hat. Und dann überlegen die beiden, ob ihnen das den Erfolg Wert ist. Und für viele ist die Rechnung dann recht einfach. Es schadet nie mit einem großen Hollywoodproduzenten gut zu stehen.

Andere sehen es weniger entspannt und wollen aber auch die Rolle nicht aufgeben. Da ist es dann gut, wenn man den Ruf hat, dass man zwar ein Perverser ist, der was versucht, aber eben nicht zu bedrängend. Dann sagt denen die Agentin so was wie: Spiel das schüchterne kleine naive Ding vom Land, sei erschreckt, wenn er dir seinen Penis zeigt, bring ihn schnell mit der Hand zum abspritzen und sicher dir die Rolle oder zumindest eine Nebenrolle in einem anderen Projekt, die er dir dann gibt, damit du es nicht an die große Glocke hängst. Ich hatte schon Agentinnen, die perfekte Zuhälterinnen gewesen wären, die haben vorher angerufen und mitgeteilt, wo die Grenzen der von ihr vertretenen Schauspielerinnen sind oder nicht sind. Die wollen ja auch alle eine Schauspielerin, die 20 Millionen pro Film bekommt. Das sind 2 Millionen für sie. Wenn es nach denen gehen würde, dann dürfte man machen, was man will, solange die Schauspielerinnen dann berühmt werden. Die haben allenfalls Sorge um ihren eigenen Ruf, es muss immer so aussehen als seien sie für ihre Schützlinge voll dar und würden hinter ihnen stehen. Keine Schauspielerin möchte ja in den Verdacht kommen, bei der Agentin zu sein, bei der alle Klienten quasi Callgirls sind. Und sie dürfen natürlich auch keine zu offensichtlichen Zuhälter sein, da machen sie sich ja strafbar (lacht).

Schmidt: Aber dann macht es die Lage ja noch schlimmer: Sie bekommen dann quasi von beiden Seiten Druck etwas zu tun, was sie nicht wollen

Meyer: Oh, viele brauchen nicht viel Druck. Es ist ja eine Lage, die sich selbst stabilisiert: Die Agentin kann ihnen auch sagen, dass es daran liegt, dass die anderen Frauen alle Schlampen sind und so leider die Welt ist, wenn man vorankommen will. Aber die Motivation ist so schon meist hoch. Die Frauen merken ja, dass sie in einer wahnsinnigen Konkurrenzlage sind: Früher mögen sie das schönste und talentierteste Mädchen in dem ganzen Dort gewesen sein, aber jetzt sind sie in Hollywood und überall sind Frauen, die genau so schön sind, die noch mehr Sport machen, die noch etwas längere Beine haben, und die Schauspielunterricht noch früher begonnen haben und bei einem besseren Lehrer. Oder die Konkurrenz war schon wenigstens mal in einer Serie. Oder kennt einen Kameramann, der ein gutes Wort für sie einlegen kann.

Es sind ja nicht nur die Produzentin, die da Interesse haben. In Hollywood kennt in einem Gespräch mit einer jungen attraktiven hoffnungsvollen Schauspielerin jeder einen Hollywoodproduzenten, einen Castingagentin, jemanden mit sehr viel Einfluss oder eben einen berühmten Schauspieler. Und genug schlafen schon mit denen, um einen Einstieg zu finden. Ganz zu schweigen von berühmten Schauspielern. In der Nähe eines Hollywoodstars gesehen zu werden oder dessen Freundin gewesen zu sein, auch nur dessen kurze Affaire, kann schon so viel bedeuten. Kennen Sie Stacy Keibler?

Schmidt: Ja, ich habe von ihr gehört. War kurz mit George Clooney zusammen.

Meyer: Genau, allein deswegen konnte sie in der Zeit ihre Gagen verdoppeln und wurde zu unzähligen Veranstaltungen eingeladen, in der Hoffnung, dass sie George mitbringt.Nun ist es sicherlich interessanter mit George Clooney Sex zu haben als mit mir (*klopft sich auf seinen etwas dickeren Bauch*) aber das ist nicht der Punkt: Bekanntheit über den Partner oder Kontakte über Sex ist ein sehr altes Konzept. Ich will da sogar noch einmal einen draufsetzen, wir sind ja hier ganz anonym: Kennen sie meine Frau? Hier ist ein Foto *er reicht das Foto einer sehr hübschen Frau herübr*

Schmidt: Bezaubernd, wirklich. War sie einmal Modell?

Meyer: Ja, und ich bin nicht selbstverliebt genug um zu sagen, dass sie mich wegen meines schönen Körpers und meinen guten Charakters geheiratet hat. Ich wollte eine Frau, dass braucht man auch in Hollywood und ich wollte auch Kinder. Ich habe sie gesehen und schlicht dafür gesorgt, dass ihr klar wird, wie sehr sie von mir profitieren kann, und das in jeder Hinsicht. Ich habe ihrer Modefirma eine Finanzspritze gegeben, ich habe dafür gesorgt, dass alle meine Stars ihre Sachen tragen und schon hatte sie einen großen Erfolg. Das ist ganz einfach, wenn man den passenden Einfluss hat. Aber ihr war auch klar, dass ich ihr den Erfolg jederzeit wieder weg nehmen kann und was ich von ihr will. Sie hat dann schlicht einen drauf gesetzt und statt Sex gab es dann Heirat und Kinder. Wer hat da jetzt wen benutzt? Und jetzt müssen sie sich noch folgendes bewußt machen: Es ist ganz bekannt, dass ich gerne was mit Schauspielerinnen habe, dass ich da einen sehr zweifelhaften Ruf habe, dass sie damit rechnen muss, dass ich das so weitermache und sie betrüge. Und das das auch mehr oder weniger jeder weiß, auch wenn es keiner ausspricht. Und dennoch hat sie mich nicht nur heiraten wollen, dieses Modell, mit der jeder Mann glücklich gewesen wäre und die keine Probleme gehabt hätte einen anderen, aber mit weniger Einfluss zu finden, hat auch noch gemeinsame Kinder mit mir. Und dennoch glauben die Leute, dass die Frauen alle unschuldige kleine Mädchen sind, die denken, dass der Produzent natürlich nur mit ihnen über den Film reden will, ohne dass diese je selbst überlegt haben, was sie für eine unglaubliche Chance durchzustarten alles tun würden.

Schmidt: Aber letztendlich ist es eine Bestechung, weil diese „Sonderleistungen“ ja nichts mit dem Film zu tun haben. Und sexuelle Bestechungen sind sogar noch deutlich problematischer als solche mit Geld, weil sie ja bei den Schauspielerinnen einen ganz anderen Persönlichkeitsbereich betreffen, die innerste Privatsphäre.

Meyer: Es ist ja auch nicht so, dass ich was mit jeder Schauspielerin hatte, die einen Film mit mir gedreht hat. Sie bewerten es aus der Sicht der Schauspielerin. Aber warum sollte ich etwas, was ich beeinflussen kann, billiger verkaufen als es andere kaufen wollen? Es wollen ja genug Frauen gerne den Deal machen und ich könnte ihnen hochgelobte Filme zeigen, bei denen das der Fall war und ganz fürchterliche Filme, bei denen es nicht der Fall war.

Das bringt mich zu etwas anderem, was ich dazu noch anführen wollte: Die Schauspielerinnen haben natürlich die Macht, mich auflaufen zu lassen. Wenn keine gute Schauspielerin mehr mit mir zusammenarbeiten wollte, dann würde ich keine vernünftigen Filme mehr produzieren können. Aber das Gegenteil ist der Fall: Weil ich einen Zusatzlohn will, muss ich auch besonders gut sein. Ich habe den Ruf, dass ich jeder Schauspielerin einen Oscar verschaffen kann. Und der kommt nicht von ungefähr. Ich arbeite sehr hart daran, dass es Schauspielerinnen, bei denen es sich lohnt – so oder so – sehr gut bei mir geht. Sie wissen: Wenn ich mich voll für sie einsetze,  dann haben sie eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit groß rauszukommen. Sie wissen, dass das teilweise einen Preis hat. Aber alles hat seinen Preis. Und aus der Sicht ist jemanden den Schwanz zu lutschen ein verdammt niedriger Preis, wenn man moralisch etwas flexibel ist. Andere Wege über tausende von kleinen Vorstellungsgesprächen , mit ebenso vielen Absagen, sind weitaus frustrierender. Und natürlich lohnt es sich auch eher mit jemanden zu schlafen, der einem dann einen Oscar besorgt, als mit jemanden, der gerade einen Indiefilm dreht, der mit hoher Wahrscheinlichkeit floppt.

Ein anderes gutes Beispiel dafür, dass man gut sein muss, damit das klappt ist Terry Richardson. Der bestbezahlte Fotograf der Welt, aber bekannt dafür, dass er ganz offen belästigt oder auch mal selbst bei den Aufnahmen nackt ist. Er hat das ganz offen gemacht, immer wieder gab es Beschwerden, aber die Models wussten auc: Terry Richardson Fotos in dem Portfolio haben sehr viel gebracht und wurden gerne gedruckt. Natürlich: In Zeiten von #MeToo wird er Probleme bekommen, weil die Großen sich dann eher von ihm distanzieren  müssen.

Schmidt: Ja, ich habe davon gelesen . Also es lohnt sich für die Frauen, weil sie so gut sind?

Meyer: Noch einmal: Jeden Tag kommen 100 neue Mädels nach Hollywood, die alle vom großen Durchbruch träumen und unglaublich schön sind. Und jeden Tag ist man einen Tag älter als sie. Frauen haben üblicherweise ein recht kurzes Karrierefenster. Wer es bis 27, eher 24 nicht geschafft hat, der kann es eigentlich vergessen. Und das ist den Schauspielerinnen natürlich bewusst. Genug würden dann liebend gern mal zu einem solchen Gespräch über eine Hauptrolle in einem großen Studiofilm eingeladen werden, im Haus des Produzenten. Werden sie aber nicht. Das ist ja die andere Seite: Wie viele Frauen sich auch an einen ran machen, die meinen ihre Vagina ist aus Gold und wäre natürlich so wertvoll, dass man ihnen eine Rolle in einem 100 Millionen Euro Blockbuster gibt.

Und deswegen darf man auch nicht vergessen, dass wir da in einer sehr eigenen Welt leben: Wenn man Hollywoodstar ist oder über die Besetzung von Hollywoodfilmen entscheidet, dann ist es ganz normal, dass man „sexuell belästigt“ wird und das man pausenlos Angebote erhält. Klar, die gutaussehenden Hollywoodschauspieler eh, aber eben alle die irgendwie mit der Industrie zu tun haben, sind schon mal von Frauen sexuelle Gefälligkeiten angeboten worden, weil diese hoffte so eine Chance zu haben.

Und das verändert die Perspektive einfach nachhaltig. Wo andere Leute niemals erwarten würden, dass Frauen mit ihnen schlafen würden haben wir die Erfahrung gemacht, dass ein sehr hoher Anteil an Frauen daran sehr interessiert ist. Natürlich nicht alle. Aber genug, und noch etwas mehr, wenn man für sie handelt, wenn man also nicht darauf wartet, dass sie selbst es vorschlagen, sondern wenn man sie etwas an der Hand nimmt und es in Gang bring.

Schmidt: Aber da tritt dann ja gerade schnell die Situation ein, dass man eine Frau überfordert, die sich nicht traut einem deutlich zu machen, dass sie das nicht will. Einfach weil man so mächtig ist und sie in eine Art Schockzustand ist.

Meyer: Ja, natürlich, mit unter wird man etwas zu bedrängend und hat die Frau falsch eingeschätzt. Deswegen habe ich ja meine Bademantelroutine entwickelt. Ich trete im Bademantel auf, das schafft schon mal häufig Klarheit, dann frage ich, ob sie mit ins Bad wollen oder eine Massage wollen. Da merkt man dann schon an der Reaktion, ob es was läuft und wenn es nicht läuft, dann kann man immer noch sagen, dass es nur ein Spruch war und zieht sich kurz um und unterhält sich mit ihr.

Es ist aber auch allgemein gar nicht mal so ein schlechtes Zeichen wie kompliziert die jeweilige Frau ist. Eine zimperliche Frau, die kaum den Mund aufbekommt und sich nichts traut, geht meist auch am Set unter und wer mit ein paar Sprüchen nicht zurechtkommt, der überlebt auch die Paparazzi nicht und die Presse, die später über einen herfällt. Eine gewisse Härte ist insofern gar nicht mal verkehrt. Mir imponieren auch Frauen, die auf eine bestimme, aber höfliche Art Nein sagen können und dennoch weiter machen können. Und bei denen, die mitmachen weiß man: Sie wollen wirklich Erfolg haben und sind keine Dramaqueens.

Schmidt: Jetzt ist es sogar ein guter Auswahlprozess. Das klingt als würden Sie sich es schön reden. Genug Frauen werden damit schlicht nicht klar kommen und entweder immer einer Chance hinterhertrauern oder über Selbstekel oder anderes klagen, weil sie es gemacht haben. 

Meyer: (lacht) Gut, da haben Sie mich erwischt. Etwas schönreden ist immer dabei. Wobei ich es eben fair finde, weil ich einen Ruf habe. Und weil die Frauen dafür wirklich etwas bekommen. Wenn ich jemand fördere, dann nicht wegen dem Sex, sondern weil sie gut ist. Der Sex ist ein Bonus, der auch gleich die Hierarchie klar macht. Sie mögen sich dann später allen anderen gegenüber wie abgehobene Göttinnen verhalten, aber bei mir nicht. Und natürlich ist es auch etwas für das Ego, wenn man mit sehr vielen Schauspielerinnen was hatte. Einfach weil jeder mit ihnen schlafen will, aber es nicht kann. Das ist für die weniger hübschen, aber mächtigen Männern in Hollywood ein ewiges Problem: Man hat diese ganzen hübschen Frauen um sich herum, die alles tun würden für eine Rolle, aber man hält sich zurück, weil man nett ist und wenn sie merken, dass man harmlos ist, dann ist man ihr bester Freund, aber mehr auch nicht. Sie haben einen sicher und können daher mit einem anderen Produzenten schlafen, der gerade einen großen Film im Angebot hat, während sie mit einem Essen gehen, um zu fragen, ob was in den eigenen Projekten frei ist. Natürlich nur einige, aber es ist immer wieder frustrierend. Und es zieht einen runter. Warum sollte man nicht derjenige sein, mit dem sie etwas hat?  Es gibt da dieses Experiment mit den Affen, die unterschiedlich belohnt werden, kennen sie das?

Schmidt: Ja, ich denke ich weiß, welches sie meinen, aber vielleicht stellen sie es noch einmal dar für die Leser.

Meyer: In dem Experiment wird Affen beigebracht, dass sie Gurken erhalten, wenn sie einen Hebel ziehen. Damit sind sie ganz zufrieden und ziehen ohne Beanstandung den Hebel. Dann zieht man einen Vorhang hoch und sie sehen einen anderen Affen, der einen Hebel zieht, und er bekommt von dem gleichen Pfleger nicht nur eine Gurke, sondern ein Bündel sehr leckere Trauben dazu. Die NurGurkenaffen sind entsetzt: Sie werden betrogen. Sie arbeiten für einen Hungerlohn. Sie weigern sich den Hebel zu ziehen, weil ihnen die Gurke nun wie eine Herabsetzung vorkommen.

Nun: Ich bekomme sehr viele Gurken (lacht). Aber ich mag auch Trauben gerne.
Leute fragen sich ja, warum man nicht einfach ein paar Prostituierte bezahlt mit den „Gurken“. Aber dann hat man ja immer noch keine Trauben und das passt einfach nicht.

Schmidt: Herr Meyer, vielen Dank für das Interview 

*fiktiv

** Name ausgedacht

Advertisements

Warum Männer gerne Kulte mit ihnen als Heiligen gründen

Frauen beziehen den ökonomischen Status bei der Bewertung sexueller Attraktivität deutlich stärker ein als Männer

„Männer wollen viel Geld verdienen und sind bereit dafür viele Stunden zu arbeiten, Frauen eher nicht“

In einem interessanten Artikel beschwert sich der Autor, dass Männer zu besessen von Arbeit und Geld sind:

The wage gap at the top is the sum of many cultural forces, including discrimination at work and an expectation that new moms stay home while high-earning dads get back to work. But it is also the result of a subtler cultural force—a values gap. Among equally smart men and women, men, on average, gravitate toward making as much money as possible and working long hours to do it. Women, on average, do not.

Das deckt sich mit den Ergebnissen dieser Studie zu mathematisch hochbegabten Menschen und deren Leben.
Es passt auch wunderbar dazu, dass Status- und Ressourcenaufbau für Männer wichtiger ist, weil beides in ihre Attraktivität einfließen kann und sexuelle Selektion demnach für sie den Erwerb dieser interessanter macht.

Even before men and women enter the workforce, researchers see this values gap and its role in the pay gap. A new study of several hundred NYU undergrads (elite students, not average 20-year-olds) found that young men and women with similar SAT scores express starkly diverging visions of their ideal job. Young female students, on average, say they prefer jobs with more stability and flexibility—“lower risk of job loss, lower hours, and part-time option availability”—while male students, on average, say they prefer more earnings growth, according to researchers Matthew Wiswall, at Arizona State University, and Basit Zafar, of the Federal Reserve Bank of New York. The qualifier “on average” is important here. Genders are not uniform blocs. Some women are more interested in being millionaires than some men; some men are more interested in working part-time than their female friends.

Die verlinkte Studie ist die falsche.
Es scheint mir aber diese hier zu sein:

We use a hypothetical choice methodology to estimate preferences for workplace attributes from a sample of high-ability undergraduates attending a highly selective university. We estimate that women on average have a higher willingness to pay (WTP) for jobs with greater work flexibility and job stability, and men have a higher WTP for jobs with higher earnings growth. These job preferences relate to college major choices and to actual job choices reported in a follow-up survey four years after graduation. The gender differences in preferences explain at least a quarter of the early-career gender wage gap

Quelle: Preference for the Workplace, Investment in Human Capital, and Gender

Das wäre ja schon ein sehr großer Anteil, der in bisherigen Berechnungen noch nicht einmal erfasst ist.

Weiter aus dem Artikel:

Students’ values shape their majors and their jobs. Those who want to make a lot of money (on average, more men) are more likely to major in economics or business; men are more than 50 percent more likely than women to major in economics at every Ivy League university. Those who prize flexibility and accept lower pay (on average, more women) are more likely to be in the humanities. When Wiswall and Zafar followed up several years later, they discovered that college values predict first jobs: “Students with strong preferences for flexible hours and distaste for hours” were more likely to be in jobs with flexible hours and fewer hours.

Young American men’s preference for risk and reward has been established in other research. In a 2005 study from Stanford University, men and women solving math equations for money in a university lab were given the option to complete the problems in a tournament, where they had a smaller chance of winning but a higher potential reward. Men were twice as likely as women to enter the tournament—73 percent compared to 35 percent—and many who entered the tournament won less money. The study’s conclusion: Women sometimes shy away from competition, but also, “men compete too much.”

Was dann auch dazu führen kann, dass Männer sowohl an der Spitze als auch am „Boden“ häufiger vertreten sind. Für die, die besser abschnitten, ist es eben relativ egal, ob andere Männer schlechter abschnitten. Die Gruppe Mann besteht eben aus Einzelmitgliedern, die jeweils Erfolg haben wollen und nicht auf die Gruppe abstellen.

When Harvard Business School surveyed 25,000 of its male and female graduates, it found that high-achieving women failed to meet their career goals. At graduation, most women said they expected “egalitarian” marriages, where both spouses’ careers were taken equally seriously, but several years later, more women had deferred their husbands’ careers. This study, and others, suggest that while married couples often make work-and-home decisions as a unit, the cultural expectation that men be the top providers proves to be an insurmountable force, even (or especially) among the best educated households.

Auch da nichts neues.

Auch das Folgende ist noch interessant:

Rich American men, by comparison, are the workaholics of the world. They put in significantly longer hours than both fully employed middle-class Americans and rich men in other countries. Between 1985 and 2010, the weekly leisure time of college-educated men fell by 2.5 hours, more than any other demographic. „Building wealth to them is a creative process, and the closest thing they have to fun,” the economist Robert Frank wrote.

Auch das ist etwas, was unterschätzt wird. Erfolg ist eben nicht einfach Privileg, sondern oft harte Arbeit. Im Gegenzug wird in dem Artikel angeführt, dass Frauen häufig die tatsächlich glücklicheren sind.

Auch diese Stelle fand ich noch interessant:

Meanwhile, in the U.S. economy, women are twice as likely to work part-time than men—26 percent to 13 percent. This ratio holds for even high-paying jobs. A 2016 report from the health site Medscape found that female doctors were twice as likely to work part-time as their male peers.

In Deutschland ist meines Wissens die Quote der halbtagsarbeitenden Frauen noch höher oder nicht? Wer zahlen hat: Gerne in den Kommentaren.

Zu den Ursachen des „Value Gap“

It’s hard to identify the root causes of the values gap. Are women averse to high-risk, high-reward professions because they expect, from an early age, that these career paths are barricaded by discrimination? Maybe. Are women less interested in working more hours because pay disparities mean that the marginal hour worked earns them less money? Maybe. Are subtle and hard-to-measure cultural expectations nudging young women toward jobs that would offer flexibility (to care for kids they don’t yet have) while pushing men toward high-paying jobs (to provide for that family they don’t yet have)? Maybe. Are part-time female workers in the U.S. happier at work because their husbands are the primary breadwinners, and they don’t feel a similar burden at the office? Maybe. In addition to these cultural factors, are there biological factors that, for better and worse, make men more likely to seek out risks? Maybe.

Den aus meiner Sicht wesentlich wahrscheinlicheren Grund, nämlich Evolution, spricht er leider nicht an.

But something else is clear: There is a workaholic mania among educated wealth-seeking American men, who seem uniquely devoted to working any number of hours to get rich. Remember the lesson of the Stanford study: Sometimes, the winners of a tournament are the ones who choose not to enter it.

Ist das jetzt eigentlich ein positiver Artikel, der Männer daran erinnert, dass sich das Leben sich nicht nur um Arbeit dreht oder ein negativer Artikel, der Männer für ihre Arbeit basht?