Sind die Geschlechterunterschiede für körperliche Attraktivität und gute Einkommensaussichten kleiner in Ländern mit mehr Geschlechtergerechtigkeit?

Eine interessante Studie:

On average, women show stronger preferences for mates with good earning capacity than men do, while men show stronger preferences for physically attractive mates than women do. Studies reporting that sex differences in mate preferences are smaller in countries with greater gender equality have been interpreted as evidence that these sex differences in mate preferences are caused by the different roles society imposes on men and women. Here we attempted to replicate previously reported links between sex differences inmate preferences and country-level measures of gender inequality in a sample of 3073 participants from 36 countries.
Although women preferred mates with good earning capacity more than men did and men preferred physically attractive mates more than women did, we found little evidence that these sex differences were smaller in countries with greater gender equality. Although one analysis suggested that the sex difference in preferences for good earning capacity was smaller in countries with greater gender equality, this effect was not significant when controlling for Galton’s problem or when correcting for multiple comparisons. Collectively, these results provide little support for the social roles account of sex differences in mate preferences
Die Einleitung gibt einen gewissen Überblick:
Sex differences in human mate preferences have been widely reported in the literature on human mating strategies. That women tend to show stronger preferences for long-term mates with good earning capacity than men do, while men tend to show stronger preferences for physically attractive mates than women do, is a particularly robust finding (see Buss & Schmitt, 2018 for a recent review). Since these sex differences have been reported for many different cultures (Buss et al., 1990; Buss & Schmitt, 2018), some researchers have suggested they most likely reflect evolved preferences for the types of mates that will maximize an individual’s reproductive fitness (Buss et al., 1990; Buss & Schmitt, 2018; Lippa, 2007)
Social role theory presents an alternative to this evolved preferences explanation for sex differences in preferences for good earning capacity and physical attractiveness (Eagly & Wood, 1999). Under social role theory, these sex differences are hypothesized to reflect the effects of the different social roles imposed on men and women (Eagly & Wood, 1999). Support for this account comes from reanalyses of early work on sex differences in mate preferences (Buss et al., 1990) that suggested sex differences in preferences for good earning capacity and domestic skills (housekeeping and cooking), but not physical attractiveness, were smaller in countries that scored higher on United Nations’ measures of gender equality (Eagly & Wood, 1999). Although, these results were partially replicated by Zentner and Mitura (2012) and Kasser and Sharma (1999). Gangestad et al. (2006) suggested Eagly and Wood’s (1999) findings for gender inequality were an artifact of ‘Galton’s problem’ (i.e., autocorrelation across geographically close regions).
Und zur Studie:
Following previous research on differences in behavior among countries (e.g., Lee et al., 2018), only responses from countries for which we had more than 9 participants were analyzed. This left us with a sample of 2986 participants from 36 countries for the ranking task, and 2524 participants from 30 countries for the rating data. Trait-rankings were reverse scored so that higher scores for a given trait indicated stronger preferences. Preferences were analyzed using mixed-effect models. Analyses were run using R version
Die Teilnehmerzahl pro Land erscheint mir sehr klein. Da können individuelle Abweichungen natürlich gut durchschlagen. Aber dennoch scheint sich ja eine gewisse Gleichheit rausgestellt zu haben:
Figure 1 summarizes men’s and women’s preferences for good earning capacity, physical attractiveness, and domestic skills in potential mates as
assessed by responses on the trait-rating and trait-ranking tasks. Womenshowed stronger preferences for good earning capacity than men did for both ratings (estimate = -0.55, t = -11.16, p < .001) and rankings (estimate = -1.63, t = -5.96, p = .024). Men showed stronger preferences for physical attractiveness than women did for both ratings (estimate = 0.42, t = 9.25, p= .003) and rankings (estimate = 1.38, t = 7.90, p = .001). There were no significant effects of participant sex on the desirability of domestic skills in a potential mate for either ratings (estimate = 0.02, t = 0.52, p = .63) or rankings (estimate = 0.22, t =1.40, p = .26).
und die Grafik zu den Ergebnissen:
Einkommen Attraktivität Mann Frau

Einkommen Attraktivität Mann Frau

Und eine Aufgliederung nach dem Rank der der jeweiligen Eigenschaft zugewiesen wird in Bezug auf die Wichtigkeit in der Bewertung als Partner:

Bei Männern sieht man gut, dass Aussehen einen sehr hohen Stellenwert hat, Einkommen einen geringere, bei Frauen ist die Verteilung „breiter“

Dann wurde ein Vergleich mit Gleichberechtigungsindizes vorgenommen:

We repeated each of the models described above, this time including either Gender Inequality Index (GII) or Gender Development Index (GDI) as
additional predictors, along with their two-way interactions with participant sex and participant age. Of the twelve models testing for possible effects of gender inequality, none showed a significant interaction between gender equality and participant sex (all absolute estimates < 0.65, all absolute ts < 2.10, all p > .051).

Das passt gut zu den oben zitierten anderen Studien.

Ich denke die Studie wäre noch interessanter gewesen, wenn sie es nicht lediglich abgefragt hätten, sondern bestimmte Bilder von Männern mit bestimmten Angaben zu ihnen (Hilfskoch/einfacher Arbeiter oder Manager/leitender Angestellter) versehen hätten und dann Attraktivitätsbewertungen durchgeführt hätten oder andere Tests, die nicht nur auf die eigene Bewertung abstellen. Aber dennoch eine interessante Studie.

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Interview* mit einem Hollywoodproduzenten zu #MeToo (*fiktiv)

Freundlicherweise hat sich einer der ganz großen Hollywoodproduzenten* zu einem schonungslosen Interview bereit erklärt, natürlich unter der Bedingungen, dass er anonym bleibt. Er ist einer derjenigen, die schon unter Verdacht standen und möchte einmal erzählen, wie es in Hollywood so läuft

Schmidt: Guten Tag Herr Meyer**, erst einmal vielen Dank, dass sie sich zu dem Interview bereit erklärt haben. Sie sind selbst erheblich mit Vorwürfen überzogen worden, aber für uns nicht in dem Geschäft tätige ist natürlich schwer zu überblicken, was da genau dahinter steckt. Wir freuen uns, dass sie uns heute einen Einblick geben wollen.

Meyer: Auch Ihnen vielen Dank Herr Schmidt, dass sie mich hier in Deutschland so nett empfangen haben. Es ist in der Tat ein vergleichsweise schwere Zeit losgebrochen in Hollywood, die frühere Arbeitsweisen und eingespielte Prozeduren auf den Kopf stellt.

Schmidt: Sie meinen, dass man jetzt immer auf falsche Anschuldigungen vorbereitet  sein muss und sich absichern muss?

Meyer: Nein, man muss auf wahre Anschuldigungen vorbereitet sen (lacht). Sie schreiben in ihrem Blog doch selbst, dass Männer weit mehr als Frauen auf Sex aus sind. Ich habe mich da mal etwas vorbereitet als ihre Anfrage kam  und mir da was übersetzen lassen.

Schmidt: Die Anschuldigungen erfolgen also zu recht?

Meyer: So einfach ist es dann doch auch wieder nicht. Es ist weitaus eher eine Grauzone.

Schmidt: Grauzone? Können sie das etwas näher ausführen

Meyer: Wichtig ist erst einmal, dass man die Grundkonstellation versteht. Stellen sie sich mal vor, sie wären eine junge Schauspielerin, deren Traum es ist ganz groß rauszukommen. Es ist dabei egal, woher sie kommen, Hollywood ist wie ein Magnet und zieht Leute mit Ambitionen aus aller Welt an. Und das sind die Frauen, die groß hinaus wollen. Sie wollen nicht in einem Fernsehfilm in einem ihrer staatlichen Sender kleine Drecksfilme machen, bei denen sie keiner kennt. Sie wollen Stars werden. Hollywoodstars.

Schmidt: ich kann mir vorstellen, dass der Andrang groß ist – aber das erlaubt ja dennoch keine Belästigungen?

Meyer: Nicht so ungeduldig Herr Schmidt, es geht ja noch weiter. Also: Da haben sie weltweit alle den selben Lebenslauf. Die Liebe zur Schauspielerei schon im Kindergarten entdeckt, als man bei der Weihnachtsaufführung den Baum gespielt hat. Dann Schultheater und der innigste Wunsch, Schauspielerin zu werden. Die können ihnen alle ein paar Stunden Videos von sich als Kinder vorspielen, wo sie schon immer Schauspielerin werden wollten. Und alle hatten ihnen auch immer gesagt, wie toll sie das machen. Die Eltern bezahlen dann noch den Schauspielunterricht, und das ist gar nicht so ohne, da kommt einiges zusammen, aber es ist ja ihr großer Traum. Sie stellen alles darauf ab: Sie wählen als Fach Literatur in der Schule, sie besuchen Theateraufführungen. Sie sehen Interviews mit Schauspielerinnen. Sie machen Sport und ernähren sich passend, sie lassen sich die Brüste und die Nase machen, sie arbeiten hart an sich, denn sie wollen ja eine von diesen tollen Schauspielerinnen sein, die die Hauptrolle in dem Film spielt und neben dem George Clooney oder Brad Pitt ihrer Zeit stehen. .

Schmidt: Sie meinen, dass die unglaublich viel in ihre Vorbereitung investieren und hohe Ziele haben. Aber diese ganze Arbeit kommt ihnen ja auch zugute: Sie wollen ja für einen Film auch eine gute Schauspielerin

Meyer: Herr Schmidt, sie hören mir nicht zu: Ich sagte ja, dass täglich tausend Frauen nach Hollywood kommen, die alle die gleiche Biografie haben. Hier kommt die Creme de la Creme an, Frauen, die alles auf die Schauspielerei ausgerichtet haben, deren Eltern Unsummen in sie investiert haben und von denen sehr viele gut sind. Und sie können bei keiner von denen wissen, wie sie in einer großen Hollywoodproduktion ankommt, ob das Publikum sie mag oder ob sie später mit dem Ruhm zurechtkommt. Das ist ja das ganz besonders wichtige, wenn sie jemanden langfristig aufbauen wollen.

Schmidt: Also sie meinen da ist eine hohe Unsicherheit drin und man kann schlecht planen. Aber das ist ja in allen Berufen so. Das wird doch durch eine Belästigung nicht besser.

Meyer: Das wesentliche ist: Da kommen all diese Frauen, die allermeisten bildschön, voller Träume, voller Hoffnungen und auch mit viel Druck in Hollywood an. Die wurden schon im Jahrbuch zu der Person gewählt, die irgendwann mal berühmt wird. In ihrem kleinen Ort waren sie die Hübscheste vor Ort. Und oh Wunder: Alle haben ihnen immer gesagt, dass sie unglaublich talentiert sind, ihre Vorstellungen waren immer voll und der Nebenjob als Barkeeperin lief auch super, alle meinten sie müsse es in Hollywood versuchen. Natürlich haben ihr einige auch abgeraten. Vielleicht hat ihnen ein Verwandter gesagt, dass sie auch bei ihm in Büro anfangen könne, Sie könne ja  nebenher noch Theater spielen als Hobby. Aber nach L.A. zu ziehen in der Hoffnung da Schauspielerin zu werden, das würde doch eh kaum einer schaffen. Aber sie haben sich getraut. Sie haben ja bisher alles geschafft. Die Wahl zur Miss Hinterwald oder die Position als Anführerin der Cheerleader in ihrer kleinen Stadt (Go Hinterwald!) und selbst den Quarterback ihrer Schule haben sie erobert. Also suchen sie sich ein kleines Zimmer in LA, suchen sich eine Stelle als Barkeeperin oder Studieren hier und stürzen sich ins Abenteuer.

Schmidt: Und in dem Abenteuer lauert dann eben der große böse Wolf im Dickicht?

Meyer: Nur das er eben nicht nur große Zähne hat (lacht). Nein, Spass beiseite, es ist ja ein ernstes Thema: Was ich ihnen mit dieser Vorgeschichte deutlich machen will ist, dass die Frage, wer genau das Raubtier ist, gar nicht so einfach zu klären ist.

Schmidt: Das Rotkäppchen verschlingt den Wolf?

Meyer: Natürlich wird in der Presse da das Bild der unglaublich naiven jungen Schauspielerin gezeichnet, die keine Ahnung von nichts hat und plötzlich springt da ein Produzent aus dem Gebüsch und hält ihr einen Penis ins Gesicht.
Aber was ich mit der Vorgeschichte deutlich machen wollte: Das sind Frauen mit einem Ziel, die haben ihr ganzes Leben darauf ausgerichtet, deren Eltern haben viel investiert, sie haben viel investiert, all die neidischen Ziegen zuhause, die dicke Jane und die Amber, für die sich nie ein Junge interessiert hat, ihre größte Konkurrentin Abigail, der sie die Position als Cheerleaderanführerin und den Quarterback weggeschnappt hat, die warten alle darauf, dass sie die Stelle bei ihrem Onkel annimmt, weil sie es in Hollywood nicht geschafft hat. Sie können sich schon ausmalen, wie sie hinter ihrem Rücken über sie lästern, dass sie dachte sie sei was besseres, aber sie sei eben auch nur eine Hinterwäldlerin.

Und dann das Hollywoodleben: Machen sie sich mal bewußt, was es bedeutet, wenn man eine Rolle in einem Hollywoodfilm bekommt. Einmal hat man damit alle zum Verstummen gebracht und selbst wenn man danach aufhört kann keiner was sagen. Aber dann ist eine Rolle in einem großen Film natürlich auch der endlich erhoffte Durchbruch, da werden alle sehen, wie hübsch man ist, wie gut man schauspielert und man wird endlich aus dem Drecksloch in einem Vorort von Los Angeles ausziehen können, in dem man sich eh nicht wohl fühlt, in der unsicheren Gegend, mit den komischen Nachbarn, dass man sich von dem schlechten Lohn als Kellnerin auch nicht leisten kann.

Und man wird nicht einfach nur so in eine etwas bessere Wohnung ziehen: Wenn der Film ein Erfolg wird, dann zieht man in eine Villa und hat eine persönliche Assistentin, die einem die ganze Drecksarbeit abnimmt. Man hat eine Yacht, man wird zu allen großen Veranstaltungen eingeladen und statt sich mit den anderen in eine endlose Schlange von Bewerbern um einen miesen Indy-Film einzureihen bekommt man Drehbücher zugeschickt und kann sich eines aussuchen. Sie verdienen dann plötzlich mit einem Werbespot mehr als sie früher im Jahr hatten.

Um mal ein Beispiel zu bringen: Jennifer Lawrence hat sich am Anfang mit kleinen Rollen in allerlei Serien durchgeschlagen und Rollen in kleinen Independentfilmen gehabt. Sie hat ein paar Preise gewonnen, aber man versinkt dennoch wahnsinnig schnell wieder in der Versenkung, wenn man Dann kam die Rolle in X-Men, eine relativ kleine Rolle als Mystique, der ihr aber erst ermöglichte die Rolle in einer Triologie einer bekannten Buchreihe als Hauptrolle zu bekommen. Danach war sie eine gesetzte Nummer in Hollywood, sie hat in den 5 Jahren 90 Millionen Euro Vermögen aufgebaut, bekommt 20 Millionen pro Film und eine Beteiligung an den Einnahmen für den Rest ihres Lebens und hat 2018 46 Millionen Euro verdient.

Schmidt: Ja, das deckt sich mit den mir bekannten Zahlen. Sie ist ja aber auch eine begabte Schauspielerin. Auch die Produzenten haben davon profitiert, dass sie die Rolle übernommen hat und den Film zum Erfolg gemacht hat. Wäre es da besser gewesen, wenn man jemanden gehabt hätte, der weniger gut ist, aber mit dem Produzenten schläft?

Meyer: (lacht). Wer sagt, dass sie nicht mit dem Produzenten geschlafen hat? Der soll ja nicht ganz ohne gewesen sein.  Aber sie verstehen immer noch nicht, ich will noch mal anders ansetzen: Hier in Deutschland ist die Prostitution legal, ich war hier schon häufiger zu Gast und habe mit genug jungen High-Class-Call-Girls geschlafen um zu sagen, dass da unglaublich hübsche und schlaue Frauen dabei sind, die für das richtige Geld nahezu jeden perversen Wunsch erfüllen. Sie finden problemlos ein Mädchen, dass so unglaublich hübsch ist, dass sie Modell sein könnte, dass sie die ganze Nacht mit drei Geschäftsfreunden auf jede Weise benutzen können, und es kostet sie zusätzlich zur Verschwiegenheit für Prominente ein paar Tausend Euro. Bei uns in den USA ist das nicht anders, es kostet wegen der theoretischen Illegalität, die aber der Polizei im wesentlichen egal ist, etwas mehr. Gehen sie mal zu einem dieser Mädels und fragen sie sie, was sie für 46 Millionen Euro im Jahr machen würde. Wenn sie der sagen würden, dass sie Abends zu einem Produzenten gehen müssen, und er sie dann im Bademantel empfängt, sie fragt, ob sie massiert werden wollen, denen vielleicht seinen Penis zeigt und schon ganz zufrieden sind, wenn sie ihm einen blasen würden, dann wären die sofort dabei.

Schmidt: Aber diese Frauen wollen ja gerade Schauspielerin werden und nicht Prostituierte. Das ist insofern kein fairer Vergleich.

Meyer: Sehen sie und da kommt der Ruf ins Spiel. Ich habe ganz bewusst einen „doppelten Ruf“ aufgebaut, dass ist in einem solchen Bereich ganz wichtig. Auf der einen Seite gibt es unzählige Gerüchte über mich, nach denen ich bekannt sein soll, gerne ein „Mehr“ von den Schauspielerinnen zu wollen, auf der anderen Seite fördere ich allerlei wohltätige Zwecke, gerade Frauenanliegen zur Gleichberechtigung. man muss ein öffentliches Gesicht haben, bei denen sich Leute noch mit einem sehen lassen können und ein privates, bei dem bekannt ist, dass ich …sagen wir mal bestechlich bin. Die müssen sich etwas widersprechen, damit es nicht nur das eine ist.

Schmidt: Aber dennoch kommen da ja junge Schauspielerinnen hin, die sie mit einer Rolle ködern und die hoffen, dass da keine Bewerbungscouch im Spiel ist. Das ist doch auch nicht fair.

Meyer: Da halten sie die Frauen für naiver als sie sind. In dem Hollywoodsystem kommen sie nicht einfach so in einen Film, weil sie irgendwo eine Anzeige gelesen haben. Sie brauchen einen Agenten, der sie vertritt und sie dort anmeldet. Sonst werden die Juxbewerbungen schon zu hoch und man verschwendet Zeit. Der Agent bekommt 10% der Einnahmen des Schauspielers, sie können also davon ausgehen, dass die auch gut motiviert sind, ihre Schauspieler unterzubringen. Und weil der beste Weg dahin ist, dass man allen und jeden kennt, kennen die alle die Szene gut. Wenn eine Schauspielerin eine Rolle in einem großen Hollywoodfilm bekommt, dann sind das 10% der Gage, bei Jennifer Lawrence erster großen Rolle waren das zB 500.000 Euro, also 50.000 Euro für die Agentin, zuzüglich 10% der laufenden Einnahmen, wenn sie eine Erfolgsbeteiligung hatte. Und nicht zu vergessen: Auch der Agent profitiert von dem Durchbruch, wenn dann die Gagen höher werden. Wenn sie da in die nähere Auswahl kommt und sie eine Einladung zu dem Produzenten bekommt, dann ruft sie als erstes ihre Agentin an, damit die ihr sagt, wie sie sich da verhalten soll und was das bedeutet. Und die sagt ihr dann, was sie über mich oder andere Produzenten gehört hat. Und dann überlegen die beiden, ob ihnen das den Erfolg Wert ist. Und für viele ist die Rechnung dann recht einfach. Es schadet nie mit einem großen Hollywoodproduzenten gut zu stehen.

Andere sehen es weniger entspannt und wollen aber auch die Rolle nicht aufgeben. Da ist es dann gut, wenn man den Ruf hat, dass man zwar ein Perverser ist, der was versucht, aber eben nicht zu bedrängend. Dann sagt denen die Agentin so was wie: Spiel das schüchterne kleine naive Ding vom Land, sei erschreckt, wenn er dir seinen Penis zeigt, bring ihn schnell mit der Hand zum abspritzen und sicher dir die Rolle oder zumindest eine Nebenrolle in einem anderen Projekt, die er dir dann gibt, damit du es nicht an die große Glocke hängst. Ich hatte schon Agentinnen, die perfekte Zuhälterinnen gewesen wären, die haben vorher angerufen und mitgeteilt, wo die Grenzen der von ihr vertretenen Schauspielerinnen sind oder nicht sind. Die wollen ja auch alle eine Schauspielerin, die 20 Millionen pro Film bekommt. Das sind 2 Millionen für sie. Wenn es nach denen gehen würde, dann dürfte man machen, was man will, solange die Schauspielerinnen dann berühmt werden. Die haben allenfalls Sorge um ihren eigenen Ruf, es muss immer so aussehen als seien sie für ihre Schützlinge voll dar und würden hinter ihnen stehen. Keine Schauspielerin möchte ja in den Verdacht kommen, bei der Agentin zu sein, bei der alle Klienten quasi Callgirls sind. Und sie dürfen natürlich auch keine zu offensichtlichen Zuhälter sein, da machen sie sich ja strafbar (lacht).

Schmidt: Aber dann macht es die Lage ja noch schlimmer: Sie bekommen dann quasi von beiden Seiten Druck etwas zu tun, was sie nicht wollen

Meyer: Oh, viele brauchen nicht viel Druck. Es ist ja eine Lage, die sich selbst stabilisiert: Die Agentin kann ihnen auch sagen, dass es daran liegt, dass die anderen Frauen alle Schlampen sind und so leider die Welt ist, wenn man vorankommen will. Aber die Motivation ist so schon meist hoch. Die Frauen merken ja, dass sie in einer wahnsinnigen Konkurrenzlage sind: Früher mögen sie das schönste und talentierteste Mädchen in dem ganzen Dort gewesen sein, aber jetzt sind sie in Hollywood und überall sind Frauen, die genau so schön sind, die noch mehr Sport machen, die noch etwas längere Beine haben, und die Schauspielunterricht noch früher begonnen haben und bei einem besseren Lehrer. Oder die Konkurrenz war schon wenigstens mal in einer Serie. Oder kennt einen Kameramann, der ein gutes Wort für sie einlegen kann.

Es sind ja nicht nur die Produzentin, die da Interesse haben. In Hollywood kennt in einem Gespräch mit einer jungen attraktiven hoffnungsvollen Schauspielerin jeder einen Hollywoodproduzenten, einen Castingagentin, jemanden mit sehr viel Einfluss oder eben einen berühmten Schauspieler. Und genug schlafen schon mit denen, um einen Einstieg zu finden. Ganz zu schweigen von berühmten Schauspielern. In der Nähe eines Hollywoodstars gesehen zu werden oder dessen Freundin gewesen zu sein, auch nur dessen kurze Affaire, kann schon so viel bedeuten. Kennen Sie Stacy Keibler?

Schmidt: Ja, ich habe von ihr gehört. War kurz mit George Clooney zusammen.

Meyer: Genau, allein deswegen konnte sie in der Zeit ihre Gagen verdoppeln und wurde zu unzähligen Veranstaltungen eingeladen, in der Hoffnung, dass sie George mitbringt.Nun ist es sicherlich interessanter mit George Clooney Sex zu haben als mit mir (*klopft sich auf seinen etwas dickeren Bauch*) aber das ist nicht der Punkt: Bekanntheit über den Partner oder Kontakte über Sex ist ein sehr altes Konzept. Ich will da sogar noch einmal einen draufsetzen, wir sind ja hier ganz anonym: Kennen sie meine Frau? Hier ist ein Foto *er reicht das Foto einer sehr hübschen Frau herübr*

Schmidt: Bezaubernd, wirklich. War sie einmal Modell?

Meyer: Ja, und ich bin nicht selbstverliebt genug um zu sagen, dass sie mich wegen meines schönen Körpers und meinen guten Charakters geheiratet hat. Ich wollte eine Frau, dass braucht man auch in Hollywood und ich wollte auch Kinder. Ich habe sie gesehen und schlicht dafür gesorgt, dass ihr klar wird, wie sehr sie von mir profitieren kann, und das in jeder Hinsicht. Ich habe ihrer Modefirma eine Finanzspritze gegeben, ich habe dafür gesorgt, dass alle meine Stars ihre Sachen tragen und schon hatte sie einen großen Erfolg. Das ist ganz einfach, wenn man den passenden Einfluss hat. Aber ihr war auch klar, dass ich ihr den Erfolg jederzeit wieder weg nehmen kann und was ich von ihr will. Sie hat dann schlicht einen drauf gesetzt und statt Sex gab es dann Heirat und Kinder. Wer hat da jetzt wen benutzt? Und jetzt müssen sie sich noch folgendes bewußt machen: Es ist ganz bekannt, dass ich gerne was mit Schauspielerinnen habe, dass ich da einen sehr zweifelhaften Ruf habe, dass sie damit rechnen muss, dass ich das so weitermache und sie betrüge. Und das das auch mehr oder weniger jeder weiß, auch wenn es keiner ausspricht. Und dennoch hat sie mich nicht nur heiraten wollen, dieses Modell, mit der jeder Mann glücklich gewesen wäre und die keine Probleme gehabt hätte einen anderen, aber mit weniger Einfluss zu finden, hat auch noch gemeinsame Kinder mit mir. Und dennoch glauben die Leute, dass die Frauen alle unschuldige kleine Mädchen sind, die denken, dass der Produzent natürlich nur mit ihnen über den Film reden will, ohne dass diese je selbst überlegt haben, was sie für eine unglaubliche Chance durchzustarten alles tun würden.

Schmidt: Aber letztendlich ist es eine Bestechung, weil diese „Sonderleistungen“ ja nichts mit dem Film zu tun haben. Und sexuelle Bestechungen sind sogar noch deutlich problematischer als solche mit Geld, weil sie ja bei den Schauspielerinnen einen ganz anderen Persönlichkeitsbereich betreffen, die innerste Privatsphäre.

Meyer: Es ist ja auch nicht so, dass ich was mit jeder Schauspielerin hatte, die einen Film mit mir gedreht hat. Sie bewerten es aus der Sicht der Schauspielerin. Aber warum sollte ich etwas, was ich beeinflussen kann, billiger verkaufen als es andere kaufen wollen? Es wollen ja genug Frauen gerne den Deal machen und ich könnte ihnen hochgelobte Filme zeigen, bei denen das der Fall war und ganz fürchterliche Filme, bei denen es nicht der Fall war.

Das bringt mich zu etwas anderem, was ich dazu noch anführen wollte: Die Schauspielerinnen haben natürlich die Macht, mich auflaufen zu lassen. Wenn keine gute Schauspielerin mehr mit mir zusammenarbeiten wollte, dann würde ich keine vernünftigen Filme mehr produzieren können. Aber das Gegenteil ist der Fall: Weil ich einen Zusatzlohn will, muss ich auch besonders gut sein. Ich habe den Ruf, dass ich jeder Schauspielerin einen Oscar verschaffen kann. Und der kommt nicht von ungefähr. Ich arbeite sehr hart daran, dass es Schauspielerinnen, bei denen es sich lohnt – so oder so – sehr gut bei mir geht. Sie wissen: Wenn ich mich voll für sie einsetze,  dann haben sie eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit groß rauszukommen. Sie wissen, dass das teilweise einen Preis hat. Aber alles hat seinen Preis. Und aus der Sicht ist jemanden den Schwanz zu lutschen ein verdammt niedriger Preis, wenn man moralisch etwas flexibel ist. Andere Wege über tausende von kleinen Vorstellungsgesprächen , mit ebenso vielen Absagen, sind weitaus frustrierender. Und natürlich lohnt es sich auch eher mit jemanden zu schlafen, der einem dann einen Oscar besorgt, als mit jemanden, der gerade einen Indiefilm dreht, der mit hoher Wahrscheinlichkeit floppt.

Ein anderes gutes Beispiel dafür, dass man gut sein muss, damit das klappt ist Terry Richardson. Der bestbezahlte Fotograf der Welt, aber bekannt dafür, dass er ganz offen belästigt oder auch mal selbst bei den Aufnahmen nackt ist. Er hat das ganz offen gemacht, immer wieder gab es Beschwerden, aber die Models wussten auc: Terry Richardson Fotos in dem Portfolio haben sehr viel gebracht und wurden gerne gedruckt. Natürlich: In Zeiten von #MeToo wird er Probleme bekommen, weil die Großen sich dann eher von ihm distanzieren  müssen.

Schmidt: Ja, ich habe davon gelesen . Also es lohnt sich für die Frauen, weil sie so gut sind?

Meyer: Noch einmal: Jeden Tag kommen 100 neue Mädels nach Hollywood, die alle vom großen Durchbruch träumen und unglaublich schön sind. Und jeden Tag ist man einen Tag älter als sie. Frauen haben üblicherweise ein recht kurzes Karrierefenster. Wer es bis 27, eher 24 nicht geschafft hat, der kann es eigentlich vergessen. Und das ist den Schauspielerinnen natürlich bewusst. Genug würden dann liebend gern mal zu einem solchen Gespräch über eine Hauptrolle in einem großen Studiofilm eingeladen werden, im Haus des Produzenten. Werden sie aber nicht. Das ist ja die andere Seite: Wie viele Frauen sich auch an einen ran machen, die meinen ihre Vagina ist aus Gold und wäre natürlich so wertvoll, dass man ihnen eine Rolle in einem 100 Millionen Euro Blockbuster gibt.

Und deswegen darf man auch nicht vergessen, dass wir da in einer sehr eigenen Welt leben: Wenn man Hollywoodstar ist oder über die Besetzung von Hollywoodfilmen entscheidet, dann ist es ganz normal, dass man „sexuell belästigt“ wird und das man pausenlos Angebote erhält. Klar, die gutaussehenden Hollywoodschauspieler eh, aber eben alle die irgendwie mit der Industrie zu tun haben, sind schon mal von Frauen sexuelle Gefälligkeiten angeboten worden, weil diese hoffte so eine Chance zu haben.

Und das verändert die Perspektive einfach nachhaltig. Wo andere Leute niemals erwarten würden, dass Frauen mit ihnen schlafen würden haben wir die Erfahrung gemacht, dass ein sehr hoher Anteil an Frauen daran sehr interessiert ist. Natürlich nicht alle. Aber genug, und noch etwas mehr, wenn man für sie handelt, wenn man also nicht darauf wartet, dass sie selbst es vorschlagen, sondern wenn man sie etwas an der Hand nimmt und es in Gang bring.

Schmidt: Aber da tritt dann ja gerade schnell die Situation ein, dass man eine Frau überfordert, die sich nicht traut einem deutlich zu machen, dass sie das nicht will. Einfach weil man so mächtig ist und sie in eine Art Schockzustand ist.

Meyer: Ja, natürlich, mit unter wird man etwas zu bedrängend und hat die Frau falsch eingeschätzt. Deswegen habe ich ja meine Bademantelroutine entwickelt. Ich trete im Bademantel auf, das schafft schon mal häufig Klarheit, dann frage ich, ob sie mit ins Bad wollen oder eine Massage wollen. Da merkt man dann schon an der Reaktion, ob es was läuft und wenn es nicht läuft, dann kann man immer noch sagen, dass es nur ein Spruch war und zieht sich kurz um und unterhält sich mit ihr.

Es ist aber auch allgemein gar nicht mal so ein schlechtes Zeichen wie kompliziert die jeweilige Frau ist. Eine zimperliche Frau, die kaum den Mund aufbekommt und sich nichts traut, geht meist auch am Set unter und wer mit ein paar Sprüchen nicht zurechtkommt, der überlebt auch die Paparazzi nicht und die Presse, die später über einen herfällt. Eine gewisse Härte ist insofern gar nicht mal verkehrt. Mir imponieren auch Frauen, die auf eine bestimme, aber höfliche Art Nein sagen können und dennoch weiter machen können. Und bei denen, die mitmachen weiß man: Sie wollen wirklich Erfolg haben und sind keine Dramaqueens.

Schmidt: Jetzt ist es sogar ein guter Auswahlprozess. Das klingt als würden Sie sich es schön reden. Genug Frauen werden damit schlicht nicht klar kommen und entweder immer einer Chance hinterhertrauern oder über Selbstekel oder anderes klagen, weil sie es gemacht haben. 

Meyer: (lacht) Gut, da haben Sie mich erwischt. Etwas schönreden ist immer dabei. Wobei ich es eben fair finde, weil ich einen Ruf habe. Und weil die Frauen dafür wirklich etwas bekommen. Wenn ich jemand fördere, dann nicht wegen dem Sex, sondern weil sie gut ist. Der Sex ist ein Bonus, der auch gleich die Hierarchie klar macht. Sie mögen sich dann später allen anderen gegenüber wie abgehobene Göttinnen verhalten, aber bei mir nicht. Und natürlich ist es auch etwas für das Ego, wenn man mit sehr vielen Schauspielerinnen was hatte. Einfach weil jeder mit ihnen schlafen will, aber es nicht kann. Das ist für die weniger hübschen, aber mächtigen Männern in Hollywood ein ewiges Problem: Man hat diese ganzen hübschen Frauen um sich herum, die alles tun würden für eine Rolle, aber man hält sich zurück, weil man nett ist und wenn sie merken, dass man harmlos ist, dann ist man ihr bester Freund, aber mehr auch nicht. Sie haben einen sicher und können daher mit einem anderen Produzenten schlafen, der gerade einen großen Film im Angebot hat, während sie mit einem Essen gehen, um zu fragen, ob was in den eigenen Projekten frei ist. Natürlich nur einige, aber es ist immer wieder frustrierend. Und es zieht einen runter. Warum sollte man nicht derjenige sein, mit dem sie etwas hat?  Es gibt da dieses Experiment mit den Affen, die unterschiedlich belohnt werden, kennen sie das?

Schmidt: Ja, ich denke ich weiß, welches sie meinen, aber vielleicht stellen sie es noch einmal dar für die Leser.

Meyer: In dem Experiment wird Affen beigebracht, dass sie Gurken erhalten, wenn sie einen Hebel ziehen. Damit sind sie ganz zufrieden und ziehen ohne Beanstandung den Hebel. Dann zieht man einen Vorhang hoch und sie sehen einen anderen Affen, der einen Hebel zieht, und er bekommt von dem gleichen Pfleger nicht nur eine Gurke, sondern ein Bündel sehr leckere Trauben dazu. Die NurGurkenaffen sind entsetzt: Sie werden betrogen. Sie arbeiten für einen Hungerlohn. Sie weigern sich den Hebel zu ziehen, weil ihnen die Gurke nun wie eine Herabsetzung vorkommen.

Nun: Ich bekomme sehr viele Gurken (lacht). Aber ich mag auch Trauben gerne.
Leute fragen sich ja, warum man nicht einfach ein paar Prostituierte bezahlt mit den „Gurken“. Aber dann hat man ja immer noch keine Trauben und das passt einfach nicht.

Schmidt: Herr Meyer, vielen Dank für das Interview 

*fiktiv

** Name ausgedacht

Warum Männer gerne Kulte mit ihnen als Heiligen gründen

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