Mittel zur Bekämpfung des Gender Pay Gaps, insbesondere Gehaltstransparenz

Ein Artikel im Handelsblatt zeigt auf, wie andere Länder den Gender Pay Gap bekämpfen wollen:

Der Druck auf deutsche Arbeitgeber von Seiten der Bundesregierung ist denkbar gering: Bis 2030 soll die Gehaltslücke der Geschlechter gerade mal von 21 auf 10 Prozent sinken, aber nicht zu unterschätzen ist der wachsende Druck für mehr Transparenz von außerhalb, aufgrund internationaler Gesetzes-Initiativen:

In Schweden und Norwegen sind die Daten der Steuererklärung also auch das Gehalt, online für alle einsehbar. Bei beiden Ländern reicht diese Tradition bis Anfang 1900 zurück. Alle Steuern und Vermögenswerte sollten erfasst und öffentlich zugänglich sein. Nun auch digital. Wer in Norwegen oder Schweden wissen will, was der Kollege verdient, kann einfach auf den Seiten der Behörden nachschauen – ohne Formulare ausfüllen oder Anträge stellen zu müssen.

Außerdem müssen Unternehmen in Norwegen mit mehr als 50 Mitarbeitern jährlich einen Gleichstellungsbericht ablegen. Gibt es hier Probleme, verpflichten sich die Unternehmen zu Maßnahmen. Derzeit liegt der Gender Pay Gap in Norwegen bei 14 Prozent, in Schweden bei 12 Prozent.

In Großbritannien etwa, wo der Gender Pay Gap ähnlich hoch wie in Deutschland ist, müssen Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern seit 2017 einmal im Jahr ihre Gehaltsdaten veröffentlichen. Am 1. April ist es wieder soweit. Auf einer Homepage der Regierung zeigt dann eine Graphik, wie sich Gehaltsunterschiede zwischen Mann und Frau auf den verschiedenen Hierarchiestufen landesweit entwickeln. Von manch einem im Königreich wird dieses Chart mit mehr Spannung erwartet als Neuigkeiten von den Royals. Auch welches Unternehmen überhaupt Frauen auf Spitzenpositionen beschäftigt, wird veröffentlicht. Und noch einen Fortschritt in Sachen Transparenz ist zu erkennen: In Großbritannien ist es bereits Standard, dass Arbeitgeber bei der Stellenausschreibung das zukünftige Gehalt angeben.

Am radikalsten zwingt Frankreich Chefs zur Offenheit. Bis nächstes Jahr will das Land die Lohnlücke komplett beseitigen. Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten müssen seit 2018 eine Software installieren, die direkt mit ihren Lohn- und Gehaltsabrechnungssystemen verknüpft ist und ungerechtfertigte Lohnunterschiede aufzeigt. Außerdem müssen Unternehmen jährlich sämtliche Kennzahlen veröffentlichen, die die unternehmensinternen Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen betreffen.

Dazu gehören etwa Entgeltunterschiede, Gehaltserhöhungen, Beförderungsmöglichkeiten, Rückkehr aus der Elternzeit und der Anteil von Frauen an den zehn bestbezahlten Positionen im Unternehmen. Daraus ergibt sich ein Index mit einem maximalen Wert von 100 Punkten, bei dem Lohngleichheit erreicht ist. Ergibt die Auswertung aber, dass ein Unternehmen unter 75 Punkte hat, drohen Bußgelder von bis zu einem Prozent des gesamten Gehaltvolumens über den Zeitraum, indem ungerecht gezahlt wurde. Der Gender Pay Gap liegt hier zwischen 12 und 15 Prozent.

Schließlich verfolgt Island einen deutlich einfacheren, wenn auch durchschlagenden Ansatz: Seit 2018 gilt in dem nordeuropäischen Land ein Gesetz, das Unternehmen vorschreibt, Männern und Frauen das gleiche Gehalt zu zahlen – wie ja auch in den anderen westlichen Ländern üblich. Mit einem gravierenden Unterschied: Bis 2022 will die isländische Regierung den Gender Pay Gap auf 0 bringen. Für wurde zum einen die Elternzeit neu geregelt. Mütter und Väter müssen die gleiche Zeit zu Hause bleiben. Unternehmen mit mehr als 25 Mitarbeitern müssen einen Nachweis erbringen, dass sie fair bezahlen. Andernfalls drohen Strafen.

Und so wächst der Zwang zur Gehälter-Transparenz für deutsche Konzerne, ob Allianz-Versicherung, Supermarkt-Kette Aldi oder Softwareproduzent SAP, über ihre Zweigstellen in Großbritannien, Frankreich oder Norwegen. Beraterin von Platen sagt zufrieden: „Wir merken das an vermehrten Anfragen.“

Da sind viele Faktoren interessant:

Was beispielsweise überprüft die Software und zeigt sie auch Gehaltsungerechtigkeiten gegenüber Männern an?

Wie berechnen andere Länder den Gender Pay Gap, beziehen sie zB Position des öffentlichen Dienstes und Freiberufler etc ein?

ist es tatsächlich die Transparenz, die zu dem niedrigeren GPG führt oder tragen andere Maßnahmen viel wesentlicher dazu bei, etwa umfangreiche Dritt-Kinderbetreuung?

Wie ist die Einstellung der Frauen in anderen Ländern zur Vollerwerbstätigkeit und wie ist die Teilzeitquote?

Wie werden Faktoren wie etwa mit dem Gehalt abgegoltene Überstunden oder aber andere weiche Faktoren bewertet?

Werden Frauen vielleicht einfach bevorzugt und nicht gerechter behandelt, weil man die Quoten bzw die Gehaltsanforderungen erfüllen muss?

Der Ansatz, dass es per se nur an Diskriminierung liegen kann behindert insofern eine tatsächliche Aufklärung eher.

Weniger häusliche Gewalt trotz Corona-Krise

Ein Bericht zur häuslichen Gewalt in der Corona-Krise:

Entgegen den Erwartungen von Experten deuten erste Zahlen auf einen deutlichen Rückgang der häuslichen Gewalt in der Corona-Krise hin. Während im März vergangenen Jahres noch 3003 Polizeieinsätze wegen häuslicher Gewalt registriert wurden, waren es im Vergleichszeitraum dieses Jahres lediglich 2112 Einsätze. Das entspricht einem Rückgang um 30 Prozent.

Eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums betonte allerdings, dass die Zahlen vorläufig seien. Oft werde ein Verfahren wegen häuslicher Gewalt zunächst als Körperverletzung geführt und erst später auch als häusliche Gewalt ausgewiesen. „Wir müssen davon ausgehen, dass die häusliche Gewalt zunehmen wird“, hatte etwa Claudia Fritsche von der Koordinierungsstelle der Landesarbeitsgemeinschaft Autonomer Frauenhäuser NRW gesagt.

Erinnert mich etwas an den befürchteten Anstieg der Zwangsprostitution bei der WM2006, der von Feministinnen beschworen wurde, dann aber nicht eintrat.

Das gleiche Bild zeichnete auch ein Bekannter, der Richter am Familiengericht ist und mit dem ich mich neulich unterhalten hatte. Alle Richter hatten mit einer Vielzahl von Gewaltschutzverfahren gerechnet, aber bisher sei es absolut ruhig.

Sicherlich kann ein Aufeinanderhocken mehr Spannungen auslösen. Aber es fallen ja gleichzeitig auch viele Gründe, die zu Gewalt führen können, weg:

Etwa das einer der beiden eine Affaire hat und spät nach Hause kommt, was dann zu einer Eskalation führt oder auswärtiges Feiern mit viel Alkohol. Vermutlich ist auch beiden klar, dass man sich weitaus weniger ausweichen kann und die Kinder auch betreut werden müssen und man lässt einfach Streitigkeiten weniger eskalieren.

Aber auch ganz profane Gründe können zu einer Deeskalation führen: Wenn der Mann  und man selbst in Kurzarbeit ist, dann bekommt man bei einem Auszug keinen oder geringeren Unterhalt. Das macht eine Trennung schwieriger als wenn man danach mit einer guten Unterhaltszahlung rechnen kann. Und auch zu den Eltern ziehen kann schwieriger sein, wenn diese jedes Corona Risiko gering halten wollen

An Corona gestorbene Ärzte in Italien: 60 Männer, drei Frauen

Arne hatte auch berichtet, hier noch etwas aktualisierte Zahlen:

Immer mehr Ärzte, die in Italien alles in ihrer Macht stehende tun, um Corona-Patienten vor dem Tod zu bewahren, bezahlen ihren Einsatz mit dem Leben. Auf ihrer Webseite zählt die italienische Ärztekammer (FNOMCeO) jeden einzelnen Mediziner und jede einzelne Medizinerin auf, die an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben sind. Stand heute stehen 63 Namen auf der Liste, 60 Männer und 3 Frauen.

Das ist angesichts des Umstandes, dass Medizin ein sehr weibliches Studium ist, eine durchaus erstaunliche Zahl.

Gestorben sind Ärzte im Alter zwischen 49 und 90 Jahren, sie stammen aus ganz Italien von Como bis Caltanissetta. Die meisten Fälle gibt es in Bergamo und Umgebung. Aus der am schwersten betroffenen Region Italiens sendeten Klinikärzte vor einer Woche schockierende Bilder aus einer Notaufnahme. In Bergamo verlor auch der 90-jährige Flavio Roncoli sein Leben. Wie viele der verstorbenen Mediziner kehrte der pensionierte Arzt in seinen Beruf zurück, um Kollegen und Patienten in der Krise zur Seite zu stehen. Ebenfalls in Bergamo arbeitete eine der drei Ärztinnen, die nach einer Corona-Infektion verstarben. Vincenza Amato war als Ärztliche Direktorin zuständig für Hygiene und Gesundheitsprävention. Im kommenden Jahr wollte die 65-Jährige in Pension gehen.

Das gerade Ältere sterben könnte natürlich zu der Geschlechterquote beitragen. Einfach weil heute 60jährige eben zu einer Zeit studiert haben als vermutlich das Geschlechterverhältnis in der Medizin noch männlicher war.

Es wäre natürlich aber auch interessant, ob sich mehr pensionierte Männer zurückmelden, um die gefährliche Arbeit zu machen. Dazu fehlt es hier leider an Zahlen.

Auch eine Erklärung könnte die Fachrichtung der jeweiligen Ärzte sein. Frauen sind beispielsweise überproportional in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe tätig. Wie die Verteilung bei Lungenfachärzten ist habe ich leider nicht gefunden.

Die Mehrzahl der in den letzten Wochen verstorbenen Mediziner waren Hausärzte. Dass besonders sie häufig angesteckt wurden, hat einen Grund: Sie waren schon vor der offiziellen Ausbreitung der Epidemie in Kontakt mit zahllosen Patienten, die vermutlich bereits an Covid-19 erkrankt waren und in ihre Praxen kamen. An Schutzkleidung hatte zu dem Zeitpunkt noch niemand gedacht.

Auch Hausarzt dürfte eine eher von Männern ausgeübte Tätigkeit sein, schon weil sie üblicherweise Selbständigkeit erfordert und damit schwerer mit Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen ist.

Einer dieser Ärzte war Marcello Natali. Der 57-Jährige schlug schon kurz nach dem Ausbruch der Epidemie in Italien Alarm, dass das Land auf eine medizinische Katastrophe zusteuere. Wie recht er hatte, musste der Allgemeinmediziner jeden Tag in seiner Praxis in Codogno hautnah miterleben. Codogno liegt etwa 60 Kilometer südöstlich von Mailand und war eine der ersten Städte, die in Italien zur „Roten Zone“ erklärt und abgeriegelt wurden. Im örtlichen Krankenhaus soll sich der sogenannte „Patient eins“, der inzwischen genesen ist, mit dem Coronavirus angesteckt haben.
Als die Fallzahlen stiegen und viele seiner Kollegen in Quarantäne gehen mussten oder krank wurden, öffnete Natali seine Praxis auch für deren Patienten, um sie in einer so schwierigen Situation nicht alleine zu lassen. Das berichtete eine Kollegin der Zeitung „Il Resto del Carlino“. „Er hat sich nie geschont, obwohl wir keinen angemessenen Schutz hatten.“ In einem der letzten Interviews, die er vor seinem Tod gab, erzählte Natali dem Sender „Euronews“, dass er bei der Behandlung von Corona-Patienten keine Handschuhe tragen konnte. Es gab einfach nicht genug für alle.

Eigentlich ein guter Text, wenn man mal etwas der „toxischen Männlichkeit“ entgegen halten möchte. Denn das Aufopfernde, das Durchhalten trotz großer Gefahren, das stoische Hinnehmen der Risiken, dass kann eben auch alles Männlichkeit sein und beides, dieses Verhalten und das Verhalten, welches gern als toxische Männlichkeit dargestellt wird, bei dem man eben keine Schwäche und keine auf sich bezogenen Emotionen zeigt, kann sehr dicht beieinander liegen. „Er hat sich nie geschont“ und „er hat keine Handschuhe tragen können, weil keine mehr da waren“ kann man durchaus unter „toxische Männlichkeit“ fassen – er würde wahrscheinlich noch leben, wenn er nicht seine eigene Gesundheit hinten an gestellt hätte. Aber das wird dem, was er dort getan hat, wohl kaum gerecht.

Christian Drosten als Sexsymbol

In der Süddeutschen schreibt ein Mann ein Porträt über die Virologin Brinkmann, in der ihre positive Ausstrahlung gelobt wird, dann schreibt eine Frau über den Virologen Drosten:

Christian Drosten

Christian Drosten

Die Zeiten ändern sich und damit die Sex-Symbole! Seit Wochen hängen wir dem Virologen Christian Drosten an den sinnlichen Lippen und fragen uns, warum der eigene Gatte nichts Anständiges gelernt hat und waschlappenartig über Börsenverluste jammert.

An Drosten würden rein optisch sicherlich die meisten jetzt nichts besonderes finden, aber führender Virologe und Autoritätsfigur in einer Krise verleiht im „sinnliche Lippen“ und es wird klischeehaft kombiniert mit einer ökonomischen Abwertung des eigenen Gatten. Der ist anscheinend kein echter Mann, sondern ein Waschlappen, und hat „nichts anständiges gelernt (im Vergleich zum Virologen).

Das ist interessant, weil sie eine Lobrede auf einen bestimmten Mann gleich mit einer Abwertung eines anderen, wenn auch eines abstrakten Mannes, verbindet.

Das Gegenstück wäre wohl, dass ein männlicher Journalist über eine sehr schöne Forscherin schreiben würde, dass man auf ihre perfekten Rundungen schaut während man sich fragt, warum die eigene Gattin nicht auch mal zum Sport gehen kann und sich beständig Süßigkeiten in den Mund stopft. Die Resonanz wäre wohl wohl auf einen solchen Text wenig erfreulich.

Den Drosten kann man schon aus dem Labor rauslassen: Seine Jacketts von der Stange sind nicht ganz so breitschultrig verschnitten, wie man das von einem Wissenschaftler erwarten würde; trotzdem verbreitet er beflissen den Eindruck, dass er nur mal eben schnell den weißen Kittel gegen die Notjacke ausgetauscht hat, die im Labor für den Fall im Schrank hängt, dass die Regierung ruft. Er flitzt da sogar mit dem Fahrrad hin, hat er mal erzählt! Ob er bei diesem Abenteuer einen Helm trägt? Ist der Fahrradhelm gar die neue Superheldenmaske? Und die Haare! Geradezu lausbübisch wirkt dieser Kurz-vor-rausgewachsen-Schnitt, den sonst nur Italiener tragen.

Der Held im Einsatz! Und das ganz modern, mit Fahrrad unterwegs. Dazu diese lausbübischen Haare! Ein südländisches Flair!

Wirklich gerne wüsste man, ob er sich im normalen Leben verwegen die Strähnen aus der Stirn streicht und damit Doktorandinnenherzen zum Schmelzen bringt.

Auch wieder klassischer Aufbau als begehrter Mann: Er ist verwegen und andere Frauen schmelzen dahin.

Aber ins Gesicht fassen ist ja leider grade verboten. Bleibt also die Frage, warum einer, der im Moment viel damit beschäftigt ist, mit Podcast-Timbre seine Meinungen vom Vortag zu revidieren (und zu erklären, warum man revidieren muss), der Posterboy der Stunde ist. Ganz einfach: Er zeigt uns, dass unsere Aufmerksamkeitsspanne entgegen allen kulturpessimistischen Theorien doch ein bisschen länger ist als die eines Goldfischs. Fühlt sich geradezu sexy an. (Julia Werner)

Gehend wir mal die klassischen Attraktivitätsmerkmale durch:

  • Pre-selected by women („Von anderen Frauen für gut befunden): Er lässt Doktorandinnenherzen höher schlagen und Frauen hängen an seinen sinnlichen Lippen und finden ihren Mann plötzlich unsexy
  • Leader of men. (Anführer anderer Menschen): Er führt den Kampf gegen das Coroanvirus
  • Protector of loved ones (Beschützer von ihm Nahestehenden): Er schützt ganz Deutschland vor dem Coronavirus und eben auch die Frauen, die an seinen Lippen hängen
  • Willing to emote (In der Lage gesunde Gefühlsbindungen einzugehen): Er nimmt sich Zeit für uns!

Ich habe schon von einigen Frauen Tweets in diese Richtung gelesen, also ein Schwärmen für Drosten als Mann. Natürlich ist das auch in der Übertreibung eine klassische Art weibliche Bewunderung etc spielerisch darzustellen in dem ein Mann als ganz besonders toll dargestellt wird.

Aber es ist dennoch interessant, wie es passiert und welche Seiten dabei hervorgehoben werden um dieses Bild zu malen. Eben die, die man evolutionär erwartet.

 

Corona-Krise und die Auswirkungen auf den Umgang

Corona scheint auch beim Umgang einige Probleme auszulösen.

Anscheinend haben verschiedene Elternteile im Residenzmodell die Auffassung, dass die Vermeidung sozialer Kontakte bedeutet, dass auch Umgangsrechte nicht mehr zu gewähren sind und das insoweit ein Ausschluss des anderen Elternteils das Risiko verringert.

Aus meiner Sicht keine wirklich haltbare Position, sofern man nicht eine konkrete Gefährdung durch den anderen Elternteil nachweisen kann.

Demzufolge lass ich auch schon in einer Facebookgruppe zu dem Thema die Frage:

Wie kommt ihr eigentlich zu Recht, wenn ihr euer Kind in der Coronakrise nicht sehen könnt?

Natürlich kommt auch einigen die Idee, dass Corona zu einer Ausweitung des Umgangs führen müsste:

Viele haben Regeln, nach denen Kindergartenferien und Schulferien zu teilen sind. Jetzt sind Kindergarten und Schulen geschlossen. Also, so vertreten es einige, müsste auch hier doch eine gewisse Teilung zumindest der bisher beschlossenen Schließungszeiten erfolgen.

Das halte ich juristisch für wenig überzeugend. Denn es würde ja bei längeren Zeiten letztendlich zu einem Wechselmodell führen, welches aber in dem Fall durch die Ferienregelung nicht vereinbart werden sollte.

Auch Angst vor Ausgangssperren wurde schon geäußert, denn schließlich muss derjenige, der den Umgang ausüben will, üblicherweise auch das Kind abholen. Wird ihm das aber durch eine Ausgangssperre untersagt, dann besteht ein extremes Problem

Wie kommen wir feministisch korrekt durch die Corona-Krise (Teil2): „Es sind die Frauen, die das Land rocken“

Ein Artikel im Tagesspiegel hat ausgemacht, dass eigentlich nur die Frauen Deutschland noch am laufen halten und leitet daraus her, dass sie dann auch besser bezahlt werden müssen:

Die Coronavirus-Krise fordert den Menschen mehr Fürsorge ab. Für Kranke, für Schwache, für Kinder. Doch die Arbeit ist meist unterbezahlt, oft unbezahlt, scheinbar unsichtbar. Und: Fast immer ist es Frauenarbeit.

Schon lange vor dem Ausbruch des Coronavirus haben Frauen in Deutschland laut OECD die Hauptlast bei der Kindererziehung und der Pflege von Angehörigen getragen, fast 80 Prozent dieser Aufgaben werden von Frauen erledigt. Nun kommt hinzu: Frauen arbeiten oft in genau den Berufen, die jetzt als „systemrelevant“ bezeichnet werden.Eindrücklich zeigt das eine Grafik der Bundesagentur für Arbeit vom Sommer 2019. Demnach sind fast drei Viertel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Einzelhandel, also etwa die Kassierer im Supermarkt, weiblich. Ganz ähnlich sieht es in den Krankenhäusern aus, wo die Belegschaft zu 76 Prozent aus Frauen besteht. In Kindergärten und Vorschulen ist das Ungleichgewicht noch deutlicher: Nur sieben Prozent der hier Arbeitenden sind Männer, aber 93 Prozent sind Frauen.

Die Liste der „Systemrelevanten Berufe“ ist tatsächlich etwas länger:

Systemrelevante Berufe gem. § 2 Abs. 2 der o.g. Verordnung sind nachfolgend abschließend aufgezählt:
1. Angehörige des Polizeivollzugsdienstes und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer des Landes, die bei den Polizeipräsidien tätig sind und Vollzugsaufgaben wahrnehmen,
2. Angehörige von Feuerwehren,
3. Richterinnen und Richter sowie Staatsanwältinnen und Staatsanwälte der Justiz,
4. Bedienstete des Justiz- und Maßregelvollzuges,
5. Bedienstete von Rettungsdiensten,
6. Helferinnen und Helfer des Technischen Hilfswerkes,
7. Helferinnen und Helfer des Katastrophenschutzes,
8. die in der gesundheitlichen Versorgung von Menschen tätigen Angehörigen medizinischer und pflegerischer Berufe, insbesondere
a) Altenpflegerinnen und Altenpfleger nach § 1 des Altenpflegegesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 25. August 2003
(BGBl. I S. 1691), zuletzt geändert durch Gesetz vom 15. August 2019 (BGBl. I S. 1307) in Verbindung mit § 64 des Pflegeberufegesetzes vom 17. Juli
2017 (BGBl. I S. 2581), zuletzt geändert durch Gesetz vom 13. Januar 2020 (BGBl. I S. 66), oder nach § 58 Abs. 2 des Pflegeberufegesetzes,
b) Altenpflegehelferinnen und Altenpflegehelfer nach § 1 des Hessischen Altenpflegegesetzes vom 5. Juli 2007 (GVBl. I S. 381),
zuletzt geändert durch Gesetz vom 21. Juni 2018 (GVBl. S. 296),
c) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Einrichtungen, die Kindern und Jugendliche im Rahmen der stationären Hilfen zur Erziehung oder der Eingliederungshilfe nach § 35a des Achten Buches Sozialgesetzbuch betreuen,
d) Anästhesietechnische Assistentinnen und Anästhesietechnische Assistenten im Sinne der §§ 1 und 2 der DKGEmpfehlung zur Ausbildung und Prüfung von Operationstechnischen und Anästhesietechnischen Assistentinnen/Assistenten vom 17. September 2013,
e) Ärztinnen und Ärzte,
f) Apothekerinnen und Apotheker,
g) Desinfektorinnen und Desinfektoren,
h) Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen und Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger,
i) Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und Gesundheits- und Krankenpfleger,
j) Hebammen,
k) Krankenpflegehelferinnen und Krankenpflegehelfer,
l) Medizinische Fachangestellte,
m) Medizinisch-technische Laboratoriumsassistentinnen und Medizinisch-technische
Laboratoriumsassistenten,
n) Medizinisch-technische Radiologieassistentinnen und Medizinisch-technische Radiologieassistenten,
o) Medizinisch-technische Assistentinnen für Funktionsdiagnostik oder Medizinisch-technischer
Assistenten für Funktionsdiagnostik,
p) Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter,
q) Operationstechnische Assistentinnen und Operationstechnische Assistenten,
r) Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner,
s) Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner,
t) Pharmazeutisch-technische Assistentinnen oder pharmazeutisch-technische Assistenten,
u) Rettungsassistentinnen und Rettungsassistenten,
v) Zahnärztinnen und Zahnärzte
w) Zahnmedizinische Fachangestellte.

Ich habe mal die fett markiert, bei denen ich mehr Männer vermute.

Bedeutet: Vor allem Frauen kümmern sich aktuell in den Kitas um die Kinder von Ärzten, Krankenschwestern und Polizisten. Ohne sie würde Deutschland aktuell wohl zusammenbrechen.

Die Grafik konnte man schlecht kopieren, sie entsprach aber im wesentlichen dieser hier:

Ich will die Arbeit vieler der dort arbeitenden gar nicht kleinreden, aber die Aussage, dass jetzt in der Krise die Kindergärtnerinnen besonders viel Arbeit haben und Deutschland am Laufen halten ist angesichts des Umstandes, dass die meisten Kitas schlicht bis auf Notgruppen zu haben, dann doch etwas merkwürdig.

Und natürlich würde Deutschland auch ohne die hier nicht erwähnten LKW-Fahrer, Techniker, Frachtlogistiker, etc zusammenbrechen, die neue Waren bringen und dafür sorgen, dass weiterhin alles läuft.

Ganz abgesehen davon, dass eine Tätigkeit in der Sozialversicherung insofern auch kein systemrelevanter Job ist. Und alle im Einzelhändel beschäftigen Frauen zu Heldinnen auszurufen, wenn viele davon dank geschlossener Geschäfte (Einzelhandel ist ja nicht nur Lebensmittel) auch nichts anderes machen, erscheint auch merkwürdig.

Es ist eigentlich ganz interessant, warum da nicht auch technische Berufe aufgenommen sind oder eben LKW-Fahrer oder andere Leute, die auch wichtig sind, damit der Laden weiter läuft, aber die eben eher in männerdominierten Berufen arbeiten:

Kleine Verschwörungstheorie: Technische Berufe muss man nicht aufnehmen, weil Männer eben seltener Kinder betreuen. Sie brauchen keine Zusatzbetreuung, die kann aber bei relevanten Berufen, die eher weiblich besetzt sind oder einen hohen Anteil haben, sehr relevant sein.

Diese Berufsgruppen, und damit den Frauen, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Fernsehansprache am Mittwoch den Rücken gestärkt: „Danke, dass Sie da sind für ihre Mitbürger und buchstäblich den Laden am Laufen halten“, sagte sie in ihrer ersten außerplanmäßigen TV-Ansprache überhaupt.

Merkel sagte:

ich möchte mich bei dieser Gelegenheit zu allererst an alle wenden die als Ärzte oder Ärztin im Pflegedienst oder in einer sonstigen Funktion in unseren Krankenhäusern und überhaupt im Gesundheitswesen arbeiten sie stehen für uns in diesem Kampf in der vordersten Linie sie sehen als erster die kranken und wie schwer manche Verläufe der Infektion sind und jeden tag gehen sie aufs neue an ihrer arbeit und sind für die Menschen da was sie leisten ist gewaltig und ich danke ihnen von ganzem herzen dafür also es geht darum das Virus auf seinem weg durch Deutschland zu verlangsamen (…)

lassen Sie mich auch hier dank aussprechen an Menschen den zu selten gedankt wird wer in diesen Tagen an einer Supermarktkasse sitzt oder Regale befüllt der macht einen der schwersten Jobs die es zur Zeit gibt. Danke dass sie da sind für ihre Mitbürger und buchstäblich den Laden am laufen halten
Es ist  das Richtige und fast selbstverständliche bei einer Krise, die insbesondere medizinisches Personal belastet und noch stark belasten wird. Auch anzuerkennen, dass es gegenwärtig an einer Supermarktkasse nicht einfach ist, kann man sicherlich machen.
Daraus ein Geschlechterding zu machen scheint mir aber vollkommen an dem Inhalt ihrer Rede vorbeizugehen. Merkel scheint mir weit eher dafür werben zu wollen nicht zu hamstern und Mitarbeiter dort freundlich zu behandeln und diesen etwas Mut zu machen.

An vorderster Front in dieser Krise mit einmaligen Einschränkungen in der Geschichte der Bundesrepublik sieht sie neben den Kassiererinnen ganz klar die Beschäftigten in Pflege- und Krankenberufen: „Sie stehen für uns in diesem Kampf in der vordersten Linie.“

Es ist eine seltene Anerkennung. Deutlich wird das zum Beispiel bei den Pflegefachkräften. Die empfinden ihren Job als besonders undankbar. Gefolgt von Paketbotinnen, Erzieherinnen und Müllmännern. Das zeigt eine Umfrage des Vergleichsportals Gehalt.de aus dem Jahr 2018 unter knapp 9.000 Personen.

Finden Paketboten und Erzieher ihre Arbeit weniger undankbar? Wäre interessant.

Die Befragten berichten von vielen Überstunden, hoher körperlicher Belastung und Risiken für die eigene Gesundheit. Etwa 17.000 offene Stellen gibt es in der Pflege. Das verschlechtert die Arbeitsbedingungen zusätzlich, etwa durch viele Überstunden und Dauerstress.

Und die Arbeit ist außerdem schlecht bezahlt. Der Mindestlohn für ungelernte Pflegekräfte liegt aktuell bei 11,35 Euro pro Stunde. Bei einer 40 Stunden-Woche entspricht das einem Bruttogehalt von nicht mal 2.200 Euro. Selbst über drei Jahre ausgebildete Kräfte erhalten nur wenig mehr und kommen auf knapp 2.700 Euro brutto.

Auch weil Frauen in Berufen wie diesen arbeiten, kommt es zu einem eklatanten Gehaltsgefälle: Erst diese Woche berichtete das Statistische Bundesamt, dass vergangenes Jahr der durchschnittliche Bruttostundenlohn der Frauen mit 17,72 Euro um 20 Prozent niedriger lag als der von Männern mit 22,61 Euro.

Zudem übernehmen Frauen nach wie vor deutlich mehr unbezahlte Care-Arbeit als Männer – etwa Kinderbetreuung oder Aufgaben im Haushalt. „Frauen weichen deshalb im Job oft auf Teilzeit aus, was langfristig mit deutlichen Einbußen bei den Stundenlöhnen verbunden ist“, sagte jüngst die Forscherin Karin Schulze Buschoff bei der Vorstellung einer entsprechenden Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Durch die Belastungen in Folge der Coronavirus-Epidemie wird sich die Situation für die Frauen verschärfen: Fast ganz Deutschland arbeitet seit Montag im Homeoffice, der Druck auf die Verteilung von Erwerbsarbeit, Kinderbetreuung und Haushalt steigt.

Tatsächlich verdienen Männer in Teilzeit sogar weniger als Frauen.

Ich finde die Verbindung zwischen den beiden Teilen sehr merkwürdig:

Er scheint erst einmal das falsche Bild aufzubauen, dass in der Krise die ganze Arbeit bei den Frauen hängen bleibt. Was ja schlicht nicht der Fall ist. Und das ihre Arbeit, die er irgendwie zur Arbeit aller Frauen macht, weil in bestimmten Berufen Frauen überproportional vertreten sind, ganz besonders wichtig ist.
Damit begründet er dann, dass man Frauenberufe besser bezahlen sollte und dann rundet er das noch mit einer Verschärfung der Situation der Frauen in der Krise ab, was wohl eine besondere Handlungsaufforderung sein soll und Dringlichkeit signalisieren soll.

Das Männer und Frauen meist eng verbunden sind und eine finanzielle Krise einer Frau meist die Krise einer Familie oder Partnerschaft ist oder eben dort aufgefangen werden muss kommt in dem Artikel nicht vor. Das Frauen nicht nur in Teilzeit gedrängt werden, sondern das genau die Vorstellung davon ist, wie sie gerne arbeiten wollen, möglichst bis zur Rente (vgl: „85 Prozent der etwa 2000 befragten teilzeitbeschäftigten Frauen fanden es demnach „super“ in Teilzeit zu arbeiten, 75 Prozent erklärten, derzeit „auf keinen Fall“ Vollzeit arbeiten zu wollen, 60 Prozent gaben an, möglichst bis zur Rente in Teilzeit arbeiten zu wollen.“) taucht in dem Artikel auch nicht auf.

Kurz zusammengefasst wäre der Inhalt des Artikels wohl „Seht mal wie wichtig Frauen sind, sie halten die Gesellschaft am laufen und ihr behandelt sie wie Dreck und zahlt ihnen zu wenig, zwingt sie in Kurzarbeit und die Kinder müssen sie auch noch betreuen, weil ihr sie unterdrückt. Und in der Krise wird es noch schlimmer.“

Aber das ist durch die Fakten eben so auch nicht gedeckt.

Der Wettlauf von Männern und Frauen nach Regine Hildebrandt

Auf Twitter las ich folgendes Zitat:

„Zu einem 400-Meter-Lauf treten ein Mann und eine Frau an! Der Mann mit zwanzig Metern Vorsprung und im sportlichen Outfit. Die Frau mit Rucksack, aus dem zwei Kinder gucken, vor ihr mehrere Hürden. Da ist die Frage, wer schneller ist, müßig.“ Regine Hildebrandt #Weltfrauentag

Das Bild an sich wird häufiger verwendet.
Vielleicht wäre es ganz interessant ein paar Gegenmodelle parat zu haben:

Ich versuche mal eins:

„Zu einem 400-Meter-Lauf treten ein Mann und eine Frau an! Der Mann hat 400 Meter Lauf als Spezialdisziplin, die Frau macht eigentlich lieber rhythmische Sportgymnastik, aber nur Halbtags. Sie möchte lieber auch noch für andere Bereiche ihres Lebens außer Sport Zeit haben. Der Mann wurde aus einer Konkurrenz von 100 Männern ausgewählt, die Frau aus einer Konkurrenz von 30. Da ist die Frage, wer schneller ist, müßig.

Die meisten Männer teilen ihre Siegesprämie allerdings ohnehin mit einer Frau.