„Das Online-Wörterbuch des Duden-Verlags wird künftig in geschlechtersensibler Sprache erscheinen“

Eine Meldung des Deutschlandsfunks:

Das Online-Wörterbuch des Duden-Verlags wird künftig in geschlechtersensibler Sprache erscheinen.

Das spricht ja erst einmal dafür, dass sie es in der normalen Ausgabe bei „Geschlechterunsensibler Sprache (=normales Deutsch) belassen. 

 

Alle rund 12.000 Personen- und Berufsbezeichnungen sollten in der Weise geändert werden, dass es künftig statt eines Wortartikels zwei gibt, einen für die männliche und einen für die weibliche Form, teilte der Verlag in Berlin mit. So gibt es beispielsweise für „Arzt“ und „Ärztin“ bereits je einen eigenen Beitrag.

Bisher haben wir da:

  • Arzt, der,Substantiv, maskulin männliche Person, die nach Medizinstudium und klinischer Ausbildung die staatliche Zulassung (Approbation) erhalten hat, Kranke zu behandeln (Berufsbezeichnung)
    Beispiele:

der behandelnde, leitende Arzt

er ist praktischer Arzt

den Arzt fragen, konsultieren, holen

zum Arzt gehen

Ein Arzt ist also immer eine männliche Person und wenn einem jemand Rät einen Arzt zu konsultieren, dann meint er auch ausdrücklich eine männliche Person, verstehe.

Bei der Ärztin heißt es:

  • Ärz­tindie, Substantiv, feminin, weibliche Person, die nach Medizinstudium und klinischer Ausbildung die staatliche Zulassung (Approbation) erhalten hat, Kranke zu behandeln

Die fiesen sexistischen Schweine des Dudens lassen hier die Beispiele weg, während sie bei den Männern den leitenden Arzt anführen. Werden sie in Zukunft „zur Ärztin gehen“ auch als allgemeine Verwendung gleichrangig neben „zum Arzt gehen“ verwenden oder wäre da für fremdsprachige der Hinweis angebracht, dass es ein generisches Maskulinum gibt?

Wie man sieht ist aber die Welt hier mal wieder eindeutig besser für die Frauen geworden. Ich hoffe sie erweitern kurzfristig für They/Them Personen und Arztx. 

Im Online-Duden ist ein künftig Mieter nicht mehr „jemand, der etwas gemietet hat“, sondern eine „männliche Person, die etwas gemietet hat“.

Der Duden wird also schlechter, weil er das generische Maskulinum verheimlicht, verstehe. 

Gut gemeint, ist nicht gut gemacht, man darf gespannt sein, wann die ersten Vorwürfe kommen, dass Frauen da sprachlich ausgeblendet werden 

Ein Schüler wird definiert als „Junge, Jugendlicher, der eine Schule besucht“.

Ein Schüler auf einer Abendschule kann auch ein Mann sein. Aber gut. Solche Feinheiten würden wohl überfordern. 

Damit verschwindet faktisch das sogenannte generische Maskulinum bei Personenbezeichnungen. Ein „generisches Maskulinum“ ist ein Wort, das eine geschlechtsneutrale Bedeutung hat und sich auf Männer und Frauen gleichermaßen bezieht.

Und damit eben ein Stück Wahrheit in der Verwendung. 

Die sukzessive Überarbeitung des Online-Duden solle noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Zur Begründung gab der Duden-Verlag laut der Zeitung „Die Welt“ an, die männlichen Formen seien nie geschlechtsneutral gewesen. „Wir präzisieren im Rahmen der kontinuierlichen redaktionellen Arbeit an unseren Inhalten lediglich die Bedeutungsangaben.“ Einzelne Sprachwissenschaftler kritisierten die neuen Worteinträge unter Hinweis auf die Eindeutigkeit des generischen Maskulinums als falsch.

„Einige sexistische Sprachwissenschaftler“ hätte es natürlich heißen müssen. Die Schweine wollen die Unterdrückung der Frau verhindern.

Bleibt dann die Frage, warum sie es in ihrer Druckausgabe ja anscheinend dann falsch darstellen wollen. Vermutlich, weil sie sonst doppelt so dick wäre und sich mit den Einträgen direkt untereinander auch schlicht blöd liest, ohne das die Leute einen Mehrwert darin sehen. 

Die Angst der Männer vor Falschbeschuldigung (Gastartikel)

Ein Gastartikel von Renton

Vorbemerkung: Dieser Text soll eigentlich kein Einzelwerk sein, sondern ergänzt werden durch einen Text „Die Angst der Frauen vor Vergewaltigung“. Wenn semikolon, die fleißige Forumsfeministin, einen dementsprechenden Text ergänzt hat, wie es in diesem Diskussionsstrang vereinbart wurde, würde ich mich freuen, wenn die beiden Artikel gegenseitig verlinkt werden.

Zur Sache:

Immer wieder kommt es vor, dass bei Diskussionen über Sexualstraftaten Männer einwerfen, dass ein Teil dieser Sexualstraftaten nur vorgetäuscht sei. Umgekehrt ist es ebenfalls so, dass bei Diskussionen über die Opfer solcher Falschbeschuldigungen, Frauen darauf bestehen, dass Vergewaltigungen viel öfter vorkämen als Falschbeschuldigungen. Was tatsächlich häufiger vorkommt ist angesichts unmöglich zu ermittelnder Dunkelziffern letztlich nicht bestimmbar, und darum soll es hier auch nicht gehen. Es soll hier – in Ergänzung durch einen zweiten Text von einer Frau – vielmehr ein Beitrag dazu geleistet werden, zu verstehen, warum Männer bzw. Frauen beim jeweiligen Thema so leicht getriggert und dazu verleitet werden, ein im Prinzip völlig anderes Thema mit in die Diskussion einzubringen, mit dem erkennbaren Ziel, das Ursprungsthema als unbedeutend erscheinen zu lassen, mit anderen Worten, zu verharmlosen.

Meine These ist, dass Männer bzw. Frauen bei dem Thema „Falschbeschuldigung“ bzw. „Sexualstraftat“ die Angst befällt, dem jeweiligen Verbrechen desto leichter zum Opfer fallen zu können, je ernster das jeweils andere Verbrechen genommen wird. Konkret: Männer fürchten, in einer Gesellschaft, die hypersensibel auf Sexualstraftaten reagiert, zum Opfer von Falschbeschuldigung und ihren Folgen zu werden; Frauen befürchten, dass eine Gesellschaft, die die Möglichkeit von Falschbeschuldigungen bei Sexualdelikten anerkennt, ihnen keinen maximalen Schutz vor Sexualstraftaten gewährt. Da die jeweiligen Ängste zum einen sehr groß, zum anderen aber geschlechtsspezifisch sind, herrscht auf beiden Seiten großes Unverständnis für die Ängste der jeweils anderen Seite.

Ich werde im folgenden über die Angst von uns Männern vor Falschbeschuldigung aus einer rein subjektiven Perspektive erzählen. (Wenn man so will, erzähle ich also eigentlich nur von der Angst eines einzigen Mannes, mir selbst. Aber ich glaube, dass sich sehr viele Männer in meinen Schilderungen wiederfinden.) Die Zielgruppe dieses Textes sind vorrangig Frauen, die nicht verstehen, wieso Männer große Angst, zumindest große Sorge, vor Falschbeschuldigung haben. Sie werden nach dem Lesen dieses Aufsatzes vielleicht größeres Verständnis zeigen. Aber auch Männer sind natürlich herzlich eingeladen, die folgenden Ausführungen durch ihre Gedanken zu ergänzen.

Wahrscheinlich hat sich jeder Mensch schon einmal gefragt, wie es wäre, unschuldig eines Verbrechens verdächtigt zu werden. Schon als Jugendlicher schien mir unter den vielen Verbrechen, derer man unschuldig bezichtigt werden kann, Vergewaltigung mit das Schlimmste zu sein. In Diskussionen über Moral war es das einzige Nicht-Tötungs-Delikt, für das auch mal von jemandem die Todesstrafe gefordert wurde. Die Schwere des Verbrechens war – und ist, liebe Feministinnen – allgemein anerkannt. Dennoch unterschied es sich in einer schwierig zu beschreibenden Weise von sogar noch schwereren Delikten wie Mord. Vielleicht, weil es mit Sex zu tun hat – in dem Alter für mich interessant und unbekannt zugleich – wirkte die Vorstellung, (unschuldig) einer Vergewaltigung bezichtigt zu werden, irgendwie besonders unheimlich. Aber da war noch mehr.

Es war zum einen die Aggressivität, mit der viele auf Vergewaltiger, und zwar natürlich auch vermeintliche, reagieren. Ich glaube, wenn heute das Gerücht umginge, dass ich vor Jahrzehnten meinen Nachbarn erschlagen und dafür eine Gefängnisstrafe verbüßt hätte, würden mich viele Mitmenschen meiden. Aber wenn das Gerücht lautete, dass ich meine Nachbarin vergewaltigt hätte, würde die darauffolgende soziale Ächtung rabiat durchgesetzt. Wenn ein verurteilter Mörder eine Kneipe betritt und sich an einen Tisch setzt, setzen sich die anderen weg. Wenn sich ein verurteilter Vergewaltiger an den Tisch setzt, wird er aufgefordert, sich wegzusetzen; erst verbal, dann, wenn er darauf besteht, zu bleiben, auch handgreiflich. Als bekannter Mörder mag ich Schmierereien an meiner Hauswand oder Hundekot in meinem Briefkasten finden. Als bekannter Vergewaltiger würde ich nachts dunkle Gassen meiden, aus Angst, von der Dorfjugend verprügelt zu werden.

Ein weiterer Aspekt unterscheidet für mich die Falschbeschuldigung mit Vergewaltigung von der mit Mord. Als ich noch ein Kind war hieß es in der Zeichentrickserie „Prinz Eisenherz“ einmal, vor Gericht „ist es besser, hundert Schuldige freizulassen, als einen Unschuldigen zu verurteilen“. Als Jugendlicher lernte ich das Prinzip „in dubio pro reo“ kennen, „im Zweifel für den Angeklagten“, und es erschien mir beruhigend. Doch dann hörte und las ich Berichte über die Wirklichkeit deutscher Strafverfahren. Ich hörte von Fällen, in denen Menschen aufgrund von nichts anderem als Glaubwürdigkeitsgutachten schuldig gesprochen wurden. Ich sah das Interview mit einem Richter, der erklärte, im Zweifelsfall müsse „der Richter dem Beschuldigten tief ins Herz gucken, um die Wahrheit zu erkennen. Richter können das.“ Ich mochte zuerst nicht glauben, dass mein Schicksal im Zweifel vom Geschick einer Lügnerin – auf nichts anderes läuft ein Glaubwürdigkeitsgutachten hinaus – oder der Selbstüberschätzung eines Richters abhängt, doch genau so könnte es kommen. Wo es bei einem Mord wenigstens eine Leiche, bei einem Bankraub verschwundenes Geld gibt, also zumindest einen Beleg, dass auch tatsächlich ein Verbrechen stattgefunden hat, reicht bei einer Vergewaltigung im Zweifelsfall eine glaubwürdige Zeugenaussage.

Beides zusammen – die enorme soziale Ächtung von Vergewaltigern und die prinzipielle Möglichkeit, dass eine Verurteilung wegen Vergewaltigung ohne echte Beweise für Täterschaft, ja sogar ohne Beweis, dass überhaupt ein Verbrechen verübt wurde, erfolgen kann – macht die Falschbeschuldigung mit Vergewaltigung für uns Männer so bedrohlich. Ich sage es offen: Ich habe Angst vor einem regelrechten Hexenprozess, der nicht im 17. Jahrhundert oder in einem rückständigen Dritteweltland, sondern heute, hier bei uns in Deutschland, mich treffen kann. (Beispiel: Horst Arnold.) Ich habe Angst vor den Repressalien durch diejenigen meiner Mitmenschen, die ein Gerichtsurteil entweder nicht abwarten oder nicht anerkennen wollen. (Beispiel: Jörg Kachelmann.) Denen die Beschuldigung reicht, um mich meine Arbeitsstelle verlieren zu lassen; denen die Beschuldigung reicht, um sogar handgreiflich zu werden. Hexenprozesse und ein wütender Mob gehen oft Hand in Hand.

Entscheidend bei dieser Bedrohung ist die Machtlosigkeit, mit der ich mich ihr ausgesetzt sehe. Galt bei einem Prozess schon immer der Spruch „Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand“, so gilt er umso mehr in einem Indizienprozess. Ich bin ein kräftiger Mann mit Kampfsporterfahrung, aber es schaudert mich der Gedanke, vor meine Tür zu treten und mich mehreren Männern gegenüber zu stehen, die mir übel wollen, weil sie der festen Überzeugung sind, ich sei ein Sexualstraftäter, und die „das Recht in ihre eigene Hand nehmen wollen“. Wer nun entgegenhält, das komme doch praktisch nicht vor – Statistiken darüber gibt es aber nicht – übersieht den entscheidenden Punkt. Es sind dies Gedanken, die jeder Mann hat, wenn er über die Möglichkeit einer Falschbeschuldigung nachdenkt. Es sind Ängste, die aus dem Gefühl der Machtlosigkeit entstehen, das eine reale Grundlage hat. Solche Ängste kann man nicht „wegdiskutieren“.

Wenn auf Twitter mal wieder der Hashtag #believewomen, zu deutsch: „Glaubt Frauen!“, trendet, retweeten das viele, überwiegend Frauen, weil sie Frauen vor Vergewaltigung schützen möchten. Doch an kommt bei vielen, überwiegend Männern, nur #jeopardizemen, zu deutsch: „Gefährdet Männer!“ Ich hoffe, ich konnte klarmachen, warum.

Katharina Schulze: „Ist doch toll Quotenfrau zu sein, es damit aus eigener Leistung zu schaffen und die Gesellschaft/das Unternehmen mitzugestalten“

Zur Erklärung führt sie aus:

Viele Reaktionen hier zeigen, wie dringend wir eine Quote brauchen. Quote und eigene Leistung passen natürlich zusammen. Die Mär, dass es nicht genügend qualifizierte Frauen für die verschiedenen Jobs gibt, ist einfach Quatsch – es gibt also jeweils Auswahl. #proquote

Außerdem schafft erst die Quote richtigen Wettbewerb (auch für Männer, das ist doch toll). Sobald wir echte Gleichstellung haben, können wir die Quote gerne wieder abschaffen. Bis dahin brauchen wir sie, Freiwilligkeit reicht nicht. Und ansonsten: check your privilege! #proquote

Und retweetet noch:

 

Schneiden Frauen in der Wissenschaft mit weiblichen Mentoren schlechter ab?

Eine Studie, die in „Nature Communications“ veröffentlich wurde führt zu erheblichen Aufruhr:

We study mentorship in scientific collaborations, where a junior scientist is supported by potentially multiple senior collaborators, without them necessarily having formal supervisory roles. We identify 3 million mentor–protégé pairs and survey a random sample, verifying that their relationship involved some form of mentorship. We find that mentorship quality predicts the scientific impact of the papers written by protégés post mentorship without their mentors. We also find that increasing the proportion of female mentors is associated not only with a reduction in post-mentorship impact of female protégés, but also a reduction in the gain of female mentors. While current diversity policies encourage same-gender mentorships to retain women in academia, our findings raise the possibility that opposite-gender mentorship may actually increase the impact of women who pursue a scientific career. These findings add a new perspective to the policy debate on how to best elevate the status of women in science.

Quelle: The association between early career informal mentorship in academic collaborations and junior author performance

Man hat also festgestellt, dass mehr weibliche Mentoren dazu führen, dass weibliche Unterstützte schlechter abschnitten und der Mentor ebenso. 

Aus der Studie:

Und aus dem Text:

Next, we turn to a different exploratory analysis where we investigate the post-mentorship impact of protégés while taking into consideration their gender as well as the gender of their mentors. To this end, let Fi denote the set of protégés that have exactly i female mentors. We take the protégés in F0 as our baseline, and match them to those in Fi for i ∈ {1, 2, 3, 4, 5}, while controlling for the protégé’s average big-shot experience, number of mentors, gender, discipline, affiliation rank, and the year in which they published their first mentored paper. Then, we vary the fraction of female mentors to understand how this affects the protégé. More specifically, for any given i > 0, we compute the change in the post-mentorship impact of the protégés in Fi relative to the post-mentorship impact of those in F0, which we refer to by writing Fi vs. F0. The outcomes of these comparisons are depicted for male protégés in Fig. 3a, and for female protégés in Fig. 3b. As shown in this figure, having more female mentors is associated with a decrease in the mentorship outcome, and this decrease can reach as high as 35%, depending on the number of mentors and the proportion of female mentors.

Schade, dass sie die Grafik und die Zahlen nur für die Anzahl weiblicher Mentoren haben und nicht auch für die Anzahl männlicher Mentoren. Dennoch ist der Unterschied relativ groß. 

Weiter aus dem Text:

So far in our analysis, we only considered the outcome of the protégés. However, mentors have also been shown to benefit from the mentorship experience1. With this in mind, we measure the gain of a mentor from a particular protégé as the average impact, 〈c5〉, of the papers they authored with that protégé during the mentorship period. We compare the average gain of a female mentor, F, against that of a male mentor, M, when mentoring either a female protégé, f, or a male protégé, m. More specifically, we compare mentor–protégé relationships of the type (f, F) to those of the type (m, F), where f and m are matched based on their discipline, affiliation rank, number of mentors, and the year in which they published their first mentored paper. Similarly, we compare relationships of the type (f, M) to those of the type (m, M), where f and m are matched as above. The results of these comparisons are presented in Fig. 3c. In particular, the figure depicts the gain from mentoring a female protégé relative to that of mentoring a male protégé; the results are presented for female mentors and male mentors, separately. These results suggest that, by mentoring female instead of male protégés, the female mentors compromise their gain from mentorship, and suffer on average a loss of 18% in citations on their mentored papers. As for male mentors, their gain does not appear to be significantly affected by taking female instead of male protégés.

Also schneiden weibliche Mentoren die Frauen unterstützen besonders schlecht ab, Männer hingegen werden weniger heruntergezogen.  

Und noch aus der Diskussion:

While it has been shown that having female mentors increases the likelihood of female protégés staying in academia10 and provides them with better career outcomes39, such studies often compare protégés that have a female mentor to those who do not have a mentor at all, rather than to those who have a male mentor. Our study fills this gap, and suggests that female protégés who remain in academia reap more benefits when mentored by males rather than equally-impactful females. The specific drivers underlying this empirical fact could be multifold, such as female mentors serving on more committees, thereby reducing the time they are able to invest in their protégés47, or women taking on less recognized topics that their protégés emulate48,49,50, but these potential drivers are out of the scope of current study. Our findings also suggest that mentors benefit more when working with male protégés rather than working with comparable female protégés, especially if the mentor is female. These conclusions are all deduced from careful comparisons between protégés who published their first mentored paper in the same discipline, in the same cohort, and at the very same institution. Having said that, it should be noted that there are societal aspects that are not captured by our observational data, and the specific mechanisms behind these findings are yet to be uncovered. One potential explanation could be that, historically, male scientists had enjoyed more privileges and access to resources than their female counterparts, and thus were able to provide more support to their protégés. Alternatively, these findings may be attributed to sorting mechanisms within programs based on the quality of protégés and the gender of mentors.

Our gender-related findings suggest that current diversity policies promoting female–female mentorships, as well-intended as they may be, could hinder the careers of women who remain in academia in unexpected ways. Female scientists, in fact, may benefit from opposite-gender mentorships in terms of their publication potential and impact throughout their post-mentorship careers. Policy makers should thus revisit first and second order consequences of diversity policies while focusing not only on retaining women in science, but also on maximizing their long-term scientific impact. More broadly, the goal of gender equity in science, regardless of the objective targeted, cannot, and should not be shouldered by senior female scientists alone, rather, it should be embraced by the scientific community as a whole.

Es brach angesichts dieses Umstandes, dass Männer evtl Frauen besser fördern und auch selbst dann noch besser abschneiden bzw das männliche Jungwissenschaftler besser für einen Mentor sind eine Protestwelle los, die schon zu diesem Zusatz bei der Studie führte:

19 November 2020 Editor’s Note: Readers are alerted that this paper is subject to criticisms that are being considered by the editors. Those criticisms were targeted to the authors’ interpretation of their data that gender plays a role in the success of mentoring relationships between junior and senior researchers, in a way that undermines the role of female mentors and mentees. We are investigating the concerns raised and an editorial response will follow the resolution of these issues.

Erwähnt werden soll noch, dass die Autorin der Studie eine Frau ist:

Aus dem „Shitstorm“ und den Erwiderungen  von Twitter:

Weiterlesen

„Die haben angefangen und deswegen darf ich Männer hassen“

Ich hatte schon einen Kommentar unter dem Artikel von Lucas Schoppe besprochen, jetzt zu einem Absatz aus seinem Artikel:

Es geht in dem Artikel um Pauline Harmage, die einen Buch dazu veröffentlicht hat, in dem es um ihren Hass gegen Männer geht.

Lucas schreibt:

Wie aber kann politischer Hass in einem demokratischen Kontext beworben werden?

„Männerhass ist eine befreiende Form der Feindseligkeit.“ So überschreibt ZEITCampus, das Unimagazin des Zeit-Verlags, Carla Baums Interview mit der französischen Feministin Pauline Harmange.

Nun ist es ja durchaus nachvollziehbar, dass offen vorgetragener Hass etwas Befreiendes hat: Er befreit von zivilen Erwartungen, von Selbstkontrolle, von moralischen Vorgaben. Eben darum hat er aber auch erhebliche Legitimationsprobleme.

Das ist in der Tat das Schöne an Identitätstheorien: Sie erlauben ein sehr einfaches Denken, da die Bösen, hier die Guten. Die darf man hassen, die sind an allem Schuld. Sündenböcke, auf die man alle Verantwortung abwälzen kann. Das kann in der Tat befreiend sein und war schon immer etwas, was Identitätspolitik interessant gemacht hat

Für Harmange aber reicht es, auf eine klassische Legitimation politischer Feindschaft zurückzugreifen, und die Interviewerin der universitären Zeit souffliert ihr dabei. Sie fragt, ob es denn eine gute Idee wäre, „Hass mit Hass“ zu bekämpfen – und Harmange nimmt die Vorlage an, beschreibt ihren Hass als „Gegenreaktion“, die gar nicht nötig wäre, „wenn Frauenhass nicht systematisch existierte“.

Die andern haben angefangen.

Natürlich könnte die Interviewerin der universitären Zeit bei dieser Gelegenheit einfach einmal fragen, wann denn in den letzten Jahrzehnten irgendein Mann einen Bestseller geschrieben hätte, der offen zum Hass auf Frauen aufruft – oder wann denn Frauenhass in bildungsbürgerlichen Zeitungen offen propagiert worden wäre. Stattdessen gibt sie weitere Vorlagen und fragt, ob das alles denn wirklich einen „generellen Hass auf Männer, auf alle Männer“ rechtfertigen würde. Als wäre es unwidersprochener Konsens, dass Hass auf Männer ganz okay wäre, während nur noch die Frage irgendwie strittig ist, ob es denn wirklich alle treffen müsse.

Es wäre wirklich erfrischend, wenn es konservative oder liberale Journalisten gäbe, die sich gegen so etwas stellen. Aber vermutlich würde Harmange auch mit so einem nicht reden.

„Die haben angefangen“ ist kombiniert mit einer Identiätstheorie, die Individuen nicht kennt und Erbschulden anhand der Gruppenzugehörigkeit zuweist ein Vorhalt, der recht einfach zu konstruieren ist.

Es ist wirklich erstaunlich, dass das nicht hinterfragt wird. Der Unterschied zwischen „einige Männer hassen Frauen“ und „alle Männer hassen Frauen“ und „Frauen hatten bestimmte Nachteile in der Vergangenheit“ sowie „Männer sind heute noch für diese Nachteile aus der Vergangenheit verantwortlich und hatten selbst gar keine Nachteile aufgrund ihres Geschlechts“ ist eigentlich recht einfach.

 

Frauen in Vorständen verdienen mehr als die Männer, weil geeignete Frauen schwer zu finden sind: Entwertet das das feministische Argument, dass die gleich qualifizierten Frauen nur übergangen werden?

Gerade erschien ein Artikel in dem Tagesspiegel, der über folgendes berichtete:

Managerinnen in der Vorstandsetage börsennotierter Firmen sind noch immer eine Seltenheit. Nicht nur deshalb werden sie besser bezahlt als ihre Kollegen.

Frauen sind in der Topetage der deutschen Wirtschaft eine Minderheit, aber sie verdienen anders als viele Frauen in anderen Berufen im Schnitt mehr als ihre männlichen Kollegen. Nach einer Auswertung des Beratungs- und Prüfungsunternehmens EY wurden weibliche Vorstandsmitglieder im vergangenen Jahr erstmals in allen Börsenindizes der Dax-Familie durchschnittlich besser bezahlt als Top-Manager.

Als einen wichtigen Grund nannte EY-Experte Jens Massmann das wachsende Bestreben der Unternehmen, Frauen für ihr oberstes Führungsgremium zu gewinnen. Da Kandidatinnen knapp seien, erhöhe sich ihr Marktwert und damit auch ihr Salär.

In der obersten Börsenliga der 30 Dax-Konzerne verdienten Vorstandsfrauen im vergangenen Jahr demnach im Schnitt etwa 2,93 Millionen Euro und damit im Mittel rund 30.000 Euro mehr als die männlichen Top-Manager. Frauen werden den Angaben zufolge dort seit vier Jahren durchschnittlich besser bezahlt.

Das macht aus meiner Sicht marktwirtschaftlich Sinn: Wenn Unternehmen versuchen sich zum einen einen frauenfreundlichen, modernen Anstrich zu geben und einer Frauenquote vorzubeugen bzw. sich jetzt die besten Kandidatinnen zu schnappen, bevor es eine Pflicht wird und man keine findet, dann aber tatsächlich relativ wenig Frauen auf dem Markt sind, die für den Job geeignet sind, wenn man auch keine Abstriche bei der Qualität haben möchte, dann beginnt ein Wettbewerb um eben diese Frauen und sie werden teurer als die Männer, die einfacher angeworben werden können, weil das Angebot größer ist.

Jetzt führt der Feminismus auch gerne an, dass die Quote nur notwendig ist, weil da lauter gleichfähige Frauen sitzen, die aber einfach übergangen werden, weil der Markt sexistisch ist.

Wenn das aber so wäre, dann müssten die weiblichen Manager ja billiger sein, einfach weil die ganzen übergangenen Frauen ja problemlos „aufgesammelt“ werden könnten. Allein der Umstand, dass sie gegenwärtig teurer sind macht aus meiner Sicht deutlich, dass an der These, dass gleichqualifizierte Frauen schlicht diskriminiert werden, nicht viel dran sind.

Es ist in gewisser Weise das alte Argument: „Wenn Frauen obwohl sie gleich gut sind weniger verdienen, warum gründen dann Leute nicht einfach eine Firma, bei der sie nur Frauen einstellen und können dann, einen arbeitslohnintensiven Tätigkeitsbereich vorausgesetzt, die Konkurrenz leicht überbieten?“

Die These der „wegen Diskriminierung übergangenen Frauen“ macht in beiden Fällen keinen Sinn.

Ich hatte das auch auf Twitter schon so kommentiert:

 

 

 

„Friedensverträge halten eher 15 Jahre, wenn Frauen an den Gesprächen beteiligt waren“

Die in der Überschrift genannte These geistert immer wieder durch die Presse und verschiedenste Diskussionen.

Heiko Maas hatte darauf hingewiesen:

Und die Grünen hatten es ebenso in ihr Programm aufgenommen:

Auch bei Friedensverhandlungen sollten Frauen eine wichtigere Rolle spielen, findet Fraktionsvize Agniezska Brugger, die den Antrag mit geschrieben hat. „Nur acht von hundert Stühlen an den Tischen bei Friedensverhandlungen sind von Frauen besetzt“, moniert sie. Dabei sei es „weder gerecht noch klug, wenn immer nur diejenigen, die die größten Waffen haben und das größte Leid verursacht haben, über die Nachkriegsordnung entscheiden.“ Außerdem gelte: „Wer nachhaltigen Frieden und Stabilität möchte, muss Frauen viel stärker an der Lösung von Konflikten beteiligen.“

Verteidigungsexpertin Brugger bezieht sich dabei auf eine Studie des International Peace Instituts aus New York, einer renommierten Denkfabrik. Der Studie zufolge ist es 35 Prozent wahrscheinlicher, dass Friedensverträge 15 Jahre halten, wenn Frauen an den Gesprächen beteiligt waren.

Die Studie ist aber natürlich keine Studie. Es ist lediglich eine Schrift, die das Peace Institut herausgegeben hat

Immerhin findet sich dort in der Tat der Hinweis auf eine andere Publikation, die diese Zahlen enthalten soll.

Aus der Schrift des Peace Instituts:

New statistical analysis by researcher Laurel Stone suggests that women’s participation has a positive impact on the durability of peace agreements. (Fußnote 63) By measuring the presence of women as negotiators, mediators, witnesses, and signatories to 182 signed peace agreements between 1989
and 2011, and the length of time that a peace agreement lasted, Stone concluded that women’s participation had a statistically significant, positive impact on the duration of peace when controlling for other variables (see Annex II) (Fußnote 64). When women are included in a peace process, the peace agreement that results is 20 percent more likely to last at least two years. Women’s participation has an even greater impact in the longer term: an agreement is 35 percent more likely to last for fifteen years if women participate in its creation
(figure 1).

Und die Grafik 1 gibt dies auch entsprechend wieder:

Friedensverhandlungen Frauen Beteiligung

Die Fußnoten zu diesem Abschnitt sind allerdings sehr interessant:

63 This section shares the unpublished work of Laurel Stone, research associate for policy studies at University of Notre Dame’s Kroc Institute for International Peace Studies. Details of Stone’s statistical analysis and methodology can be found in Annex II.

Also eine Arbeit, die bisher, obwohl sie von 2014 ist, nicht in einer peerreviewten Fachzeitschrift veröffentlicht werden konnte, wenn ich es richtig sehe.

Die zweite Fußnote macht deutlich, dass die Aussagekraft zum genauen Einfluss von Frauen relativ gering ist:

64 Given the lack of nuanced data available about the exact nature of women’s participation across this relatively large sample of peace processes, this analysis has limitations: it does not incorporate levels of influence, adjust for the number of women participating in a process, or distinguish between the relative merit of oneform of participation over another. See Annex II for more details

Demnach wurde einfach nur geschaut, inwiefern Frauen bei den Verträgen in irgendeiner Form beteiligt waren, und zwar als Verhandler, Mediator, Zeuge oder Unterschreibender.

Damit kann man eine These nach der eine stärkere Beteiligung der Frauen an den Vertragsverhandlungen den Frieden stützt sicherlich nicht als erwiesen ansehen.

Das Workingpaper findet man hier Sci-hub

Aus der Studie:

the 156 peace agreements analyzed in this study, 25.3% included women as participants. This is actually a surprisingly high percentage considering the commonly reported low levels of female representation. One reason for this percentage could be that reports, like those from UN Women, measure the number of female participants as compared to male participants; whereas, this study did not count the actual number of women present in any given peacemaking process, instead simply coding for female presence or absence.

Also nur ein Viertel der Friedensschlüsse hatten eine weibliche Beteiligung irgendeiner Art.

Interessant ist die Fallliste am Ende. Dort sieht man, dass ein Großteil der Konflikte afrikanische bewaffnete Konflikte waren, aber eben auch etwa das „Good Friday Agreement“ zwischen der UK und Nordirland. Ich kann mir vorstellen, dass bei dem „Good Friday Agreement“ eher Frauen anwesend waren als bei dem Waffenstillstand in Burundi 2002, in dem Konflikt zwischen Hutu und Tutsi. 

Demnach sagt die Studie auch, dass einer der besten Indikatioren für einen nachhaltigen Frieden war, dass er zwischen Demokratien geschlossen worden ist und nicht etwa zwischen einem Staat und Rebellengruppen.

Gleichzeitig ist zu vermuten, dass an jedem Friedensschluss zwischen zwei Demokratien auch eher Frauen beteiligt werden und diese weitaus seltener anzutreffen sind, wenn Friedensverhandlungen zwischen Rebellengruppen und anderen Organisationen geführt werden. Denn bei den Rebellengruppen werden die Anführer auch meist Männer sein und sie haben weit aus weniger Möglichkeiten ein Wideraufflackern der Kämpfe zu verhindern, weil das nur erfordert, dass sich bestimmte Teile der Rebellen nicht an den Frieden gebunden fühlen.

Insofern vermute ich eher eine Umkehrung der Kausalität: Friedensparteien, die eher vernünftig sind und bei denen eine tatsächlicher Frieden absehbarer ist, nehmen eher Frauen mit bzw beteiligen diese eher. Gruppen, die unvernünftiger sind und bei denen die tatsächlichen Kämpfer verhandeln, werden seltener Frauen dabei haben.

 

Anzeichen dafür, dass man mit dieser Person besser keine Beziehung führen sollte

Bei 9gag war ein kurzer Post zu der Frage, bei welchen Hinweisen zu einer Person Leute gedachte haben, dass es erklärt, dass sie Single sind.

Darunter waren einige interessante Beispiele, von der Frau, die erwartet, dass man auf jede Nachricht sofort antwortet, auch um 5 Uhr nachts, bis zu Leuten, die gestehen, dass sie fremdgegangen sind oder Leuten, die bereits nach kurzer Zeit erwarten, dass man etwa ein gemeinsames Konto einrichtet oder das man sich für sie ändert.

Ich finde den Beitrag nicht mehr aber es ist ja ein interessantes Thema:

Was wären eure Signale, die eher gegen die Beziehungstauglichkeit dieser Person sprechen?

Falschbeschuldigungen: Häufigkeit und Strafen

Über Arne bin ich auf diesen Artikel bei Focus gestoßen, der sich mit Falschbeschuldigungen bei Sexualdelikten beschäftigt:

Das Institut für Rechtsmedizin in Essen hat rund 100 Ermittlungsverfahren zu Sexualdelikten ausgewertet. Eines der überraschendsten Ergebnisse: In 12 Prozent der untersuchten Fälle hatten die „Opfer“ eine Sexualstraftat nur vorgetäuscht.

Eine Studie des Instituts für Rechtsmedizin in Essen hat in einem größeren Rahmen untersucht, wie deutsche Gerichte Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ahnden und welche Rolle Rechtsmediziner bei der Aufklärung dieser Delikte spielen.

Eines der brisantesten Ergebnisse: In elf der 93 untersuchten Fälle (12 Prozent) stellte sich heraus, dass die bei der Polizei angezeigten Sexualstraftaten nur vorgetäuscht waren.

Studienautor Kurt Trübner sagte zu FOCUS Online: „Das bestätigt unsere Erfahrungen, wonach sich in 10 bis 15 Prozent solcher Delikte die angeblichen Opfer ihre Verletzungen selbst zugefügt haben und unschuldige Personen der Tat bezichtigen

Auch hier muss man berücksichtigen, dass es um die Fälle ging, in denen man nachweisen konnte, dass die Sexualstraftaten vorgetäuscht waren. Das lässt eine Dunkelziffer zu, bei denen dies gerade nicht nachgewiesen werden kann, etwa auch weil es keine Verletzungen gibt, die man untersuchen kann.

Es wurden ja anscheinend Fälle ausgewertet, in denen es Gutachten gab. Aber in vielen Fällen werden schlicht der Beschuldigte und die Anzeigenerstatterin angehört bzw als Zeuge vernommen werden und dann entscheidet der Richter, wem er glaubt oder er lässt evtl ein Glaubwürdigkeitsgutachten durchführen.

Für die Essener Studie, die kürzlich auf einer Rechtsmediziner-Tagung im schweizerischen Luzern vorgestellt wurde, werteten die Verfasser sämtliche forensische Gutachten zu Sexualstraftaten aus, die das Essener Institut in den Jahren 2000 bis 2011 erstellt hatte. Unberücksichtigt blieben Fälle, bei denen die Opfer Kinder unter 14 Jahren waren.

Insgesamt lagen den Rechtsmedizinern 125 Ermittlungsverfahren zur Auswertung vor. In 93 Fällen (74 Prozent) gelang es den Studienautoren Kurt Trübner und Vivi Reuter, die entsprechenden Polizeiakten bzw. Gerichtsurteile einzusehen. Auf diese Weise konnten sie feststellen, welche juristischen Folgen sich für die Beschuldigten – zu 98 Prozent Männer – ergaben.

Die Auswertung zeigte: Bei den insgesamt 93 Ermittlungsverfahren zu Sexualstraftaten, in denen die Akten vollständig vorlagen, erhob die Staatsanwaltschaft in 60 Fällen Anklage (65 Prozent), wobei drei Fälle kurz danach eingestellt wurden. 33 Verfahren (35 Prozent) hatte die Staatsanwaltschaft bereits zuvor eingestellt, ohne dass es überhaupt zu einer Anklage kam.

Also von 93 Verfahren wird in 33 Fällen keine Anklage erhoben, was beispielsweise auch damit zu erklären wäre, dass der Täter nicht ermittelt werden kann. Es kann auch daran liegen, dass die Beweislage nicht ausreicht oder die Aussage bereits im Vorfeld zu widersprüchlich ist.

Wenn das Verfahren dann in drei Fällen nach direkt wieder eingestellt wird, dann kann das auch verschiedene Ursachen haben: Von einer Versöhnung bei Ehegatten und einem Hinweis darauf, dass man vom Zeugnisverweigerungsrecht gebrauch machen wird bis zu einer Stellungnahme nach Anklageerhebung, aus der sich ergibt, dass es so nicht gewesen sein kann.

Von den insgesamt 36 eingestellten Ermittlungsverfahren wurden elf Verfahren (31 Prozent) eingestellt, weil die angeblichen Opfer eine Sexualstraftat nur vorgetäuscht hatten. In sieben dieser Fälle hatten rechtsmedizinische Gutachten den entsprechenden Beweis erbracht.

Also bei den eingestellten Verfahren war ein ganz erheblicher Anteil eine Falschbeschuldigung.

Von den elf angeblichen Opfern, die eine Sex-Straftat nur vorgetäuscht hatten, wurden lediglich fünf (45 Prozent) strafrechtlich verfolgt, und nur in zwei Fällen (18 Prozent) kam es zu einer Verurteilung wegen Vortäuschens einer Straftat. In einem Fall sprach das Gericht eine Geldstrafe aus, in dem anderen Fall verhängte es eine Arbeitsauflage.

Feministen behaupten gerne eine Rape Culture, weil angeblich Vergewaltigungen nicht bestraft werden und damit der Staat die Vergewaltiger schützt. Die Anzahl der Verurteilungen und die Strafen zeigen, dass es andersrum eher ein deutlicheres Bild sit.

Zu den 57 angeklagten Sexualstraftaten, bei denen es zu Strafprozessen kam, lagen den Studienautoren insgesamt 53 Gerichtsurteile vor (in vier Fällen standen die Urteile zum Zeitpunkt der Datenerhebung noch aus). Auch hier sind die Ergebnisse aufschlussreich.

Von den 53 Angeklagten wurden zehn freigesprochen (rund 19 Prozent), elf kamen mit Bewährung davon (rund 21 Prozent), einer wurde zur Zahlung von Schmerzensgeld verurteilt.

Immerhin 31 Angeklagte (rund 59 Prozent) wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt. Die Haftdauer betrug in der Regel zwei bis fünf Jahre, die Maximalstrafe lag bei 13 Jahren und sechs Monaten. In drei Fällen wurden die Täter außerdem zu anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt.

Auch das passt nicht ganz zu dem feministischen Mythos, dass eine Anzeige nicht zu einer Verurteilung führt und nicht mit erheblichen Strafen versehen ist.

Das Durchschnittsalter der bei der Studie untersuchten Opfer betrug 27,7 Jahre, das der Beschuldigten 33,5 Jahre. Täter und Opfer kannten sich in 68 Prozent der Fälle, in 27 Prozent handelte es sich um einen ehemaligen Intimpartner, in vier Prozent um Arbeitskollegen. Elf Prozent hatten sich am Tattag neu kennengelernt.

Also auch nicht der alte Mann, sondern eher der junge Mann. Und in vielen Fällen ein Partner oder zumindest ein vorheriger Kontakt.

vgl. auch:

BMFSFJ: „Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer in Deutschand“

Das BMFSFJ hat ein  Dossier „Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer in Deutschand“ herausgebracht.

Der Kurztext lautet:

Partnerschaftliche Gleichstellungspolitik nimmt Frauen und Männer gleichermaßen in den Fokus und unterstützt dort, wo Benachteiligungen vorhanden sind. Das Dossier „Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer in Deutschland“ beschreibt wie Jungen und Männer als Adressaten und Nutznießer dieser Gleichstellungspolitik bereits heute erreicht und mobilisiert werden. Darüber hinaus gibt es einen Überblick zum aktuellen Forschungsstand und Entwicklungen in dem Themenfeld. Darin werden auch gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen veranschaulicht sowie neue Perspektiven und Horizonte eröffnet – für eine moderne Gesellschaft, in der Partnerschaftlichkeit aktiv gelebt wird.

Der Langtext ist hier herunterzuladen. Er ist insgesamt interessant, ich greife ein paar Aussagen ohne Anspruch auf Vollständigkeit heraus:

Aus der Einleitung auf S. 6:

Gleichstellungspolitischer Fortschritt braucht das Engagement von Jungen und Männern. Deshalb verfolgt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (im Folgenden auch Bundesgleichstellungsministerium oder BMFSFJ) eine partnerschaftliche Gleichstellungspolitik, die Jungen und Männer mit einer eigenen Umsetzungsstrategie direkt einbezieht. Sie ist Inhalt des vorliegenden Dossiers, das Jungen und Männer dabei in einer dreifachen Rolle anspricht:

Eine dreifache Rolle, man darf gespannt sein, ob man Männern da zugesteht Forderungen zu haben oder ob es ganz klassisch feministisch zugeht:

1. Als Akteure des Wandels („agents of change“): Denn auch Jungen und Männer haben Gleichstellungsanliegen, wollen jenseits von Geschlechterklischees frei und gut leben, ihre Potenziale und Interessen verwirklichen, Beziehungen auf Augenhöhe führen.

Das wäre ja grundsätzlich immerhin die Mitteilung, das Männer „Gleichstellungsanliegen“ haben. Hat man das bei Frauen jemals so formuliert? Es klingt relativ zurückhaltend.

2. Als Unterstützer und Partner von Gleichstellung und Frauenemanzipation:
Denn auch wenn Jungen und Männer selbst unter Männlichkeitsnormen leiden, bleiben sie strukturell privilegiert. Gleichstellungspolitik muss der
Geschichte Rechnung tragen. Sie muss und darf von Jungen und Männern auch einfordern, dass sie sich mit ihren gewachsenen Privilegien auseinandersetzen und Gleichstellungsanliegen von Frauen solidarisch mit unterstützen.

„Strukturell diskriminiert“, also klassischer dritte Welle Feminismus, und Männer leiden eben nur unter Männlichkeitsnormen, also quasi toxische Männlichkeit etc. Ich denke in diesem Sinne darf man auch Punkt 1 verstehen: Männer haben das Anliegen, dass Männlichkeit besser wird und nicht etwa, dass anderweitige Benachteiligungen für sie abgebaut werden. Sie dürfen klassische „Allys“ sein.

Natürlich ist nichts dagegen zu sagen, dass man generell für Gleichberechtigung eintritt, im Gegenteil, es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass man für die Gleichberechtigung (nicht Gleichstellung im Sinne von „equality of outcome“) eintritt. Aber dennoch verstehe ich das klassisch feministisch, sie sollen Frauen unterstützen

3. Als Partner in einer Allianz für Vielfalt und soziale Gerechtigkeit:
Denn Gleichstellung ist nicht erreicht, wenn nur die privilegiertesten Männer und Frauen gleich viel haben und dürfen. Partnerschaftliche Gleichstellungspolitik bezieht Jungen und Männer ein in den Entwicklungsprozess hin zu sozialer Gerechtigkeit und einer equality for all gender.

Also eine klassische intersektionale Betrachtung: Männer sollen auch Unterstützer für Leute sein, die in anderen Kategorien der klassischen intersektionalen Theorien „nicht privilegiert“ sind.

Auf Seite 9 findet sich:

Der Aspekt der Persistenz (Beharrung, Stillstand) bezieht sich auf den Umstand, dass sich die tatsächlichen Lebensverhältnisse sehr viel langsamer wandeln. Einige Beispiele:

  • Die Erwerbsquote von Männern liegt mit 82,4 Prozent nach wie vor höher als die der Frauen (74 Prozent), auch wenn sich die Unterschiede zwischen den Geschlechtern verringern. Teilzeitbeschäftigung kommt bei Frauen deutlich häufiger vor als bei Männern. Frauen sind überproportional im Dienstleistungsbereich, Männer häufiger in Industrie und Landwirtschaft beschäftigt.3
  • Männer verdienen im Mittel deutlich mehr als Frauen. Der Gender Pay Gap lag 2018 in Deutschland mit 21 Prozent Lohngefälle über dem EU-Schnitt von 16 Prozent.4
    In der Europäischen Union ist dieser Unterschied nur in
    Estland noch größer.
  • Erst rund 40 Prozent aller anspruchsberechtigten Väter gehen in Elternzeit. 80 Prozent von ihnen wählen die kürzestmögliche Bezugsdauer von zwei Monaten (während 92 Prozent der
    Frauen zehn bis zwölf Monate in Elternzeit gehen).5

Generell gilt: Männlichkeit wird – Stichwort: toxische Männlichkeit – zusehends problematisiert. Trotzdem wird „männliches“ Verhalten – zumindest mit Blick auf die Leistungs- und Erwerbsorientierung – weiterhin eingefordert.
Um Wahlfreiheit zu verwirklichen, dürfen sich Rahmenbedingungen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik nicht länger an traditionellen Modellen familiärer Aufgabenverteilung ausrichten. Es gilt anzuerkennen, dass die Förderung männlicher eine bisher unterschätzte und zu wenig genutzte Ressource für die Lösung einer Vielzahl drängender Herausforderungen in der Gesellschaft und auf dem Arbeitsmarkt ist. Was das Grundgesetz (Art. 3 Abs. 2) und der Vertrag von Lissabon (Art. 3 Bst. 3 Abs. 2)7 fordern, lässt sich auch ganz einfach fassen: als Auftrag, alle Ressourcen und Belastungen, alle bezahlten und unbezahlten Arbeiten fair, also hälftig, zwischen den Geschlechtern zu verteilen.

Also das klassische Bild:

Männer arbeiten häufiger, Frauen verdienen im Mittel weniger, Väter nehmen weniger Elternzeit – das darf nicht sein, das müssen wir ändern!
Ich finde den aus dem Grundgesetz (fälschlicherweise) abgeleiteten  Auftrag eine hälftige Teilung der bezahlten und „unbezahlten“ Arbeiten herzustellen erstaunlich:
Das Grundgesetz sagt immerhin in Art. 2 GG zunächst erst einmal, dass jeder machen kann, was er will („Allgemeine Handlungsfreiheit“) und das der Gesetzgeber einem da nicht reinreden darf, wenn er nicht einen guten Grund hat.

Wie Leute ihr Leben einrichten ist erst einmal deren Sache und der Staat hat sich dort nicht einzumischen. Der Ansatz hat etwas sehr autoritäres/totalitäres.

Der zweite Abschnitt: „Männer, Männlichkeit und Männerpolitik“, als schnelle Einführung gedacht, beginnt auf S. 11 wie folgt:

„Man wird nicht als Frau geboren, man wird zur Frau (gemacht).“ Dieser berühmte Satz von Simone de Beauvoir gilt gleichermaßen für Jungen und Männer. Auch sie lernen im Lauf ihres Aufwachsens, wie „richtig“ Mann-Sein geht. Weil aus Jungen Männer gemacht werden, reicht es nicht, Jungen „einfach Jungen sein lassen“ zu wollen. Denn es gibt kein „reines“ Junge-Sein, das von Kultur und Gesellschaft unberührt wäre. Junge- und Mann-Sein entwickeln und vollziehen sich immer innerhalb gesellschaftlicher Verhältnisse.

Beauvoir als reine Sozialkonstruktivistin ist heute in der Wissenschaft eigentlich nicht mehr vertretbar: Transsexuelle etwa zeigen, dass man sehr wohl mit einer anderen Gehirnausrichtung geboren werden kann und CAH-Frauen zeigen, dass Sozialisierung nur in Abhängigkeit von pränatalen und postnatalen Hormonen gesehen werden kann und diese weitaus eher einen wesentlichen Teil der Geschlechterunterschiede bewirken.

Im deutschen Sprachraum waren Lothar Böhnisch und Reinhard Winter Pioniere in der Erforschung männlicher Sozialisation. Sie haben vorgeschlagen, den Prozess des Männlich-Werdens als Aneignung von sieben Prinzipien zu fassen:

  • Externalisierung (Männlich ist … sich nicht
    mit der eigenen Innenwelt zu beschäftigen);
  • Gewalt (Männlich ist … sich selbst und andere
    beherrschen zu wollen);
  • Stummheit (Männlich ist … nicht über
    Befinden/Empfindungen zu sprechen);
  • Alleinsein (Männlich ist … ohne Unterstützung
    auszukommen);
  • Körperferne (Männlich ist … den eigenen
    Körper zu vernachlässigen, Körpersignale
    auszublenden und den Körper als Werkzeug
    zu „gebrauchen“);
  • Rationalität (Männlich ist … Gefühle
    abzuwehren und abzuwerten);
  • Kontrolle (Männlich ist … alle und alles
    im Griff haben wollen).

Das ist aus meiner Sicht zum einen eben nicht nur eine Frage der Sozialisation, sondern eben auch der Biologie, aber im Ganzen auch sehr negativ fomuliert. Ich versuche es – ohne wirklich Wissen ob die Negativität hier von Böhnisch und Winter kommen oder aus dem Dossier mal mit einer positiven Umdeutung:

  • Externalisierung : Männlich ist es praktische Lösungen zu finden und etwas zu schaffen statt sich nur damit zu beschäftigen, was bestimmte Situationen für Gefühle auslösen.
  • Gewalt: Das ersetze ich mal durch „Männer treten gerne in Wettbewerb miteinander und errichten – auch um Konflikte abzufangen-  gerne Hierarchien. Sie arbeiten aber ebenso gerne zusammen, um kooperative Gewinne zu erzielen.  Status und Ressourcen aufzubauen bedeutet nicht, dass man andere beherrschen möchte.
  • Stummheit (Männlich ist … nicht über Befinden/Empfindungen zu sprechen): Ich würde sagen: Männer sind lieber aktiv, wenn sie es sein können und sehen weniger Nutzen darin sich über Empfindungen auszutauschen, die wenig an der Situation ändern.
  • Alleinsein (Männlich ist … ohne Unterstützung
    auszukommen); „Männer sind hochgradig teamfähig, versuchen aber auch an Herausforderungen zu wachsen und Probleme selbst zu lösen und so ihre Fähigkeiten zu erweitern“.
  •  Körperferne (Männlich ist … den eigenen Körper zu vernachlässigen, Körpersignale auszublenden und den Körper als Werkzeug
    zu „gebrauchen“);
    Was für eine absolute Aussage und was für eine Zuweisung an Männlichkeit an sich. Natürlich achten Männer auch auf ihren Körper, aber natürlich ist er auch ein Werkzeug und man kann Körpersignale auch einschätzen und meinen, dass es nicht so dramatisch ist und man dennoch bestimmte Sachen weiter machen kann. Das mag mitunter falsch sein, ist aber eben auch häufig richtig.
  • Rationalität (Männlich ist … Gefühle abzuwehren und abzuwerten);
    Auch hier: Wie kann man Rationalität, ein sehr hohes Gut, nur abwertend beschreiben? Rationalität ist etwas wunderbares und eben auch positiv als Gegenstück zur Hysterie oder zur übertriebenen Ängstlichkeit, Weinerlichkeit etc darstellbar.
  • Kontrolle (Männlich ist … alle und alles im Griff haben wollen).
    Auch hier: Kontrolle klingt da sehr negativ: Natürlich ist es etwas Gutes, wenn man sein Leben, seine Arbeit etc im Griff hat. Der Wunsch, dass man Kontrolle über wichtige Aspekte hat ist nichts schlechtes, es bedeutet auch die Übernahme von Verantwortung, das Bekenntnis dazu, dass es eben nicht nur äußerliche Faktoren sind, sondern man auch selbst etwas machen muss. Aber natürlich gibt es auch wahnsinnig kontrollierende Frauen. Etwa solche, bei denen der Partner sich für alles abmelden und um Erlaubnis fragen muss oder eben Feministinnen, die das Leben aller daraufhin kontrollieren wollen, dass sie es „woke“ genug einrichten

Und auf S. 11:

Die fachliche Auseinandersetzung ist seither vorangeschritten. Gefragt wurde, wie männliche Sozialisation entwicklungsfreundlicher und ressourcenreicher beschrieben werden kann. Gefragt wurde auch, wie es kommt, dass die allermeisten Männer doch eigentlich prima Kerle sind, obwohl sie sich in solch enge Männlichkeitskorsette zwängen. 

Die allermeisten sind eigentlich „prima Kerle“? Schwingt in dieser Beschreibung nicht selbst etwas Rollendruck mit, denn ein Kerl hat ja auch etwas von „hart“ und „stark“ und was nicht alles so zu  überkommendes Rollenbild ist.

Aus Seite 12:

Als gesichert darf gelten:

  • Männliche Sozialisation gibt es. Junge- und Mann-Sein wird erlernt. Die eingeforderten Lernschritte hängen dabei immer auch mit Machtstrukturen und Herrschaftsinteressen zusammen.
  • Männlichkeitsanforderungen gibt es. Wir alle, Männer wie Frauen, teilen gesellschaftliches Orientierungswissen, was „männlich“ ist. Diese gesellschaftlichen Überzeugungen fühlen sich naturgegebener an als sie sind.
  • Männlichkeitsanforderungen schaffen Normen und Hierarchien. „Ausgeprägtes Wettbewerbsverhalten“ ist unter Jungen typisch. Es nährt die eigentlich seltsame und doch äußerst wirkmächtige Annahme von Männern, dass es eine Art Männlichkeitsrangfolge gibt, in der es möglichst weit oben zu stehen und verächtlich auf die unten herabzublicken gilt. (Oder wenn das chancenlos ist: Bei der es sich mit denen weit oben möglichst gut zu stellen gilt.)
  • Männer wollen Männlichkeitsanforderungen genügen – und müssen letztlich daran scheitern. Denn die Anforderungen sind zu hoch  und zu widersprüchlich, um sie erfüllen zu können. Mann-Sein ist deshalb immer auch ein Umgang mit dem Gefühl, nicht ganz zu genügen.
  • Männliche Sozialisation uniformiert und begrenzt damit Entwicklung und Vielfalt. Denn die meisten Männer wollen das Risiko nicht eingehen, „unmännlich“ zu erscheinen. Lieber
    legen sie den Autopiloten ein und funktionieren, wie von ihnen erwartet wird. Viele verlieren die Verbindung zu sich selbst. Deshalb fällt es beispielsweise vielen Männern schwer, Gefühle zu benennen oder Hilfe in Anspruch zu nehmen.
  • Männliche Sozialisation „rechtfertigt“ gesellschaftliche Ungleichheiten und Geschlechterhierarchien, denn sie vermittelt Männern die Illusion, den Mittelpunkt der Welt darzustellen, Anspruch auf Privilegien zu haben, bestimmen
    zu dürfen. Das verursacht viel Leid und Wut – und führt bis heute zu unhaltbaren Ungerechtigkeiten.

Diese Feststellungen gelten insbesondere für jene
Männer, die der statistischen Norm des heterosexuellen, weißen Cis-Mannes (vergleiche Beschreibung im folgenden Kasten) entsprechen.

Das viele Männer das weitaus lockerer sehen und nicht jeder Mann an zu harten Männlichkeitsanforderungen scheitert, sondern die meisten Männer gerne Männer sind kommt darin nicht vor. Und der Gedanke, dass jede Hierarchie, auch Leistungshierarchie, schlecht ist, den finde ich auch erstaunlich, ebenso das gar nicht gesehen wird, dass man nicht zwangsläufig auf die „unten“ herabblicken muss, sondern, dass diese häufig andere Fähigkeiten in anderen Hierarchien haben, die ihnen einen bestimmten Platz sichern und auch Kooperation möglich machen. Der Sportler mag schneller laufen können, deswegen muss er den „Bücherwurm“ oder den „Computerspezialisten“ nicht ablehnen oder verächtlich auf ihn herabschauen.

Und wo vermittelt männliche Sozialisation noch den Gedanken, der Mittelpunkt der Welt zu sein?
Weit eher findet in vielen Fällen eine Überhöhung der Frauen statt.

S. 14:

„Männer sind im Aufbruch und in Bewegung“, stellt das BMFSFJ bereits 2007 fest. „Sie reagieren damit aber nicht nur auf Forderungen der Frauenbewegung, sondern fordern eine eigenständige und gleich starke Gleichstellungspolitik für Männer, damit die Belange, Bedarfe und auch Benachteiligungen von Männern in der Gesellschaft in den Blick geraten.“14 Dieser Befund bestätigt sich 2015: 60 Prozent der Männer stimmen der Aussage zu, Gleichstellungspolitik befasse sich „noch nicht ausreichend mit den Bedürfnissen und Anliegen von Männern“15, wobei jüngere Männer dieser Aussage überproportional zustimmen. 65 Prozent aller Männer befürworten die Aussage, „Gleichstellungspolitik ist nur ein anderer Name für Frauenförderung“

Ich habe nicht das Gefühl, dass die Botschaft, die damit verbunden ist, bei dem Ministerium angekommen ist. Für sie ist es anscheinend der Ruf der Männer von ihrer Männlichkeit befreit zu werden. Ich bezweifele, dass das die meisten Männer meinten.

Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer sieht sich einer grundsätzlichen Herausforderung gegenüber: Mit Blick auf die Geschichte sind Männer das privilegierte Geschlecht, das sich einen unverhältnismäßig großen Anteil an Rechten, Macht und Ressourcen sicherte. Lassen wir aber die Geschichte in den Hintergrund rücken und konzentrieren wir uns auf eine Momentaufnahme heute, so sehen wir Männer als herausgefordertes Geschlecht, dessen frühere Vormachtstellung zunehmend (und zu Recht) hinterfragt wird. (…) Gleichstellungspolitik spricht Jungen und Männer in diesem Übergang differenziert an: Ja, Jungen und Männer sind bis heute immer noch privilegiert, weil sie von ungerechten Geschlechterverhältnissen profitieren – und beispielsweise mehr Lohn für die gleiche Arbeit erhalten. Sie sind gleichzeitig aber auch Betroffene, weil sie selbst unter Männlichkeitsnormen und ungerechten Geschlechterverhältnissen leiden – und beispielsweise infolge Lohnungleichheit „vernünftigerweise“ die Ernährerrolle übernehmen, selbst wenn sie diese gar nicht wollen.

Also ganz klassisch:

  • Männer sind privilegiert
  • Sie leiden unter Männlichkeitsnormen, die ihnen bestimmte Wege versperren, also muss Männlichkeit sich ändern

Und das Fazit auf S. 14 was nun daraus für Geschlechterpolitk folgt:

  • Jungen und Männer sind Akteure des Wandels („agents of change“) – weil auch Jungen und Männer Gleichstellungsanliegen haben, frei und gut leben, sich selbst verwirklichen, Beziehungen auf Augenhöhe führen, ihren Sehnsüchten folgen, lieben wollen. Deshalb bleibt Gleichstellungspolitik nicht beim Gerechtigkeitsappell stehen, sondern fragt Jungen und Männer nach ihren eigenen Horizonten in einer geschlechtergerechten Gesellschaft – und unterstützt sie auf ihrem Weg
  • Jungen und Männer sind Unterstützer von Gleichstellung und Frauenemanzipation – weil sie Verantwortung für ihre „patriarchale Dividende“ (keine Erbschuld!) tragen müssen.
    Deshalb erachtet es partnerschaftliche Gleichstellungspolitik als notwendig und zumutbar, dass Jungen und Männer Frauenemanzipation unterstützen, zurückstehen, Verzicht leisten, auch „einfach mal die Klappe halten“.

In einem Ministeriumsdossier wird erst eine „patriarchale Dividende“ dargestellt und man geht sogar auf Kritik ein, indem man dahinter schreibt, dass diese Erbschuld eben keine Erbschuld ist und damit muss es ja auch wirklich gut sein.

Dann wird Männern gesagt, dass sie doch einfach mal Verzicht leisten sollen und auch einfach mal die Klappe halten sollen.

Also eine Umfrage unter den Wählern ermittelt: Männeranliegen kommen zu kurz und alles ist eh nur noch Frauenförderung.

Und die Politik antwortet den Männern, dass sie gefälligst mal die Klappe halten sollen.

S. 16:

  • 79 Prozent aller Männer sagen, dass Gleichstellung wichtig sei für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Bei den unter 50-Jährigen ist die Zustimmung noch höher.
  • Nur 16 Prozent der Männer glauben, dass Gleichstellung in Deutschland realisiert sei., 84 Prozent sehen weitere Entwicklungsnotwendigkeiten.
  • Für 80 Prozent der Männer ist nicht mehr die Frage, ob es Gleichstellungspolitik braucht, sondern nur noch, wie diese gestaltet sein soll.
    Auch hier sind Männer progressiv: Eine Mehrheit fordert eine aktive und offensive Gleichstellungspolitik mit dem Ziel der sozialen, moralischen und ökonomischen Gerechtigkeit
    zwischen Frauen und Männern in der Gesellschaft.
  • Eine große Mehrheit der Männer in Deutschland sieht auch ganz persönlich einen Gewinn: weil Gleichstellung in einer Partnerschaft wirtschaftlich vernünftig sei (86 Prozent), der Partnerschaft guttue (82 Prozent), mehr Gerechtigkeit bringe (83 Prozent) und Vorteile für beide Geschlechter habe (81 Prozent). Nur eine kleine Minderheit von zehn Prozent der
    Männer in Deutschland findet, der Mann sollte Alleinernährer bleiben. 82 Prozent sagen demgegenüber, auch nach Familiengründung sollten Männer und Frauen beide erwerbstätig sein (elf Prozent mehr als noch 2007).

Die Zahlen sollen hier her kommen. ich hatte das dortige Dossier einmal zitiert, weil dort auch vorkommt, dass der harte Kern des Maskulismus aus 400.000 Männern und 40.000 Frauen besteht

Aber ich denke die obigen Zahlen werden hier falsch verstanden: Natürlich wollen die meisten Männer heute, dass die Frau auch Geld verdient und sie die Last nicht alleine tragen müssen. Das ist nur rational, bedeutet aber nicht Zustimmung dazu, dass man „Männlichkeit“ hinterfragen muss oder das sie sich in ihrer Männlichkeit eingesperrt fühlen. Sie können gerne Männer sein aber dennoch wollen, dass Frauen mehr arbeiten. In dem Dossier ist auch erwähnt, dass Kinder der große „Retraditionalisier“ ist. Und in der Tat dürfte es eben so sein, dass die meisten wollen, dass die Frau vor Kindern natürlich erwerbstätig ist, dann werden die meisten mit den Frauen übereinstimmen, dass diese wegen der Kinder kurzzeitig aussetzt und dann in Teilzeit arbeitet und statt ihre „Männlichkeit“ als Problem zu internalisieren werden sie eher Interesse an bezahlbarer und verfügbarer Kinderbetreuung haben, also wieder mal externe Problemösung angehen wollen.

Dann wird thematisiert inwieweit es Unterschiede in der Bildung gibt und tatsächlich wird dargestellt, dass Mädchen dort in jüngerer Zeit besser abschneiden. Es heißt dann:

Es stellt sich die unbequeme Frage, ob die statistische Momentaufnahme einen sich beschleunigenden Trend zu Ungunsten des Bildungserfolgs von Jungen verhüllt. Die Ergebnisse der aktuellen PISA-Studie 201837 könnten so gelesen werden. Sie bestätigen ein traditionelles Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern: Jungen können besser rechnen, Mädchen besser lesen. Der Abstand beim Rechnen ist aber kleiner und schrumpft schneller als beim Lesen.
Bei differenzierter Betrachtung unterstützen die Daten jedoch die Einschätzung aus Bildungsforschung und Praxis der Jungenarbeit, wonach Jungen keineswegs pauschal „Bildungsverlierer“ sind. Sehr wohl gibt es aber bestimmte Gruppen von Jungen, die gegenüber gleichaltrigen Mädchen geringere Bildungschancen und -erfolge vorweisen. Es handelt sich dabei um Jungen aus bildungsfernen und benachteiligten Schichten, in denen Jungen mit Migrationshintergrund und/ oder traditionellen Männlichkeitsvorstellungen überrepräsentiert sind.38
Manche Jungen, die über geringere Bildungsressourcen verfügen, erweisen sich als „bildungsresilient“ und kompensieren den Startnachteil zum Beispiel mit höherem Einsatz. Ein Teil von ihnen löst das Spannungsfeld auf, indem schulischer Fleiß und Erfolg als uncool und unmännlich umgedeutet werden. Das stabilisiert das Selbstwertgefühl, stärkt die Identität und teilweise auch das Ansehen in der Peergroup (Gruppe der Gleichaltrigen). Aus offensichtlichen Gründen handelt es sich dabei aber nur um eine kurzfristig „erfolgreiche“ Bewältigungsstrategie. Die von der Europäischen Kommission 2012 herausgegebene Untersuchung The Role of Men in Gender Equality verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass es Jungen schwerfällt, Unterstützung zu suchen, wenn sie mit schulischen Leistungsanforderungen Mühe haben, da sie damit in Konflikt mit einem in der männlichen Peergroup vorherrschenden Bild von Männlichkeit geraten. „Vor allem Jungen
aus sozioökonomisch marginalisierten Milieus [orientieren sich] an Männlichkeitsmustern, die durch eine Ablehnung intellektuellen Engagements charakterisiert sind, was in weiterer Folge schulischen Erfolg verhindert.“39 Diesen Zusammenhängen zwischen Bildungserfolg und Männlichkeitskonzepten wird im System Schule noch viel zu wenig Rechnung getragen. Uli Boldt – er ist selbst Lehrer – ist in der grundsätzlichen Feststellung zuzustimmen: „Allzu selten wird der Zusammenhang zwischen den Problemen, die Jungen machen und den Problemen, die Jungen haben, diskutiert.“40

Also wieder intersektional gerettet:
Es scheint als wären Jungen Bildungsverlierer, aber hier – nie aber bei „Frauendiskriminerung“ also Bereichen, in denen Frauen schlechter abschneiden, wie etwa dem Gender Pay Gap – schaut man differenzierter auf das Problem und erkennt, dass es kein Problem der Kategorie Mann ist, sondern ein Problem der Kategorie „Herkunft“ und das aber auch dort wieder Männlichkeit das Problem ist.

Intersektional noch sehr angreifbar („Sagen die etwa, dass PoCs selbst schuld sind an ihren Problemen in der Schule?“). Man müsste wohl noch darauf verweisen, dass diese Rollenbilder eigentlich Folge der Kolonialzeit sind und damit Weiße schuld sind oder etwas in der Art.

Aber der Satz: „„Allzu selten wird der Zusammenhang zwischen den Problemen, die Jungen machen und den Problemen, die Jungen haben, diskutiert.“ ist erst mal ja nicht schlecht. Man kann ihn in vielen Zusammenhängen nutzen

„Allzu selten wird der Zusammenhang zwischen den Lohnunterschieden, die Frauen machen und den Lohnunterschieden, die Frauen haben, diskutiert.“

Ich vermute aber das ist wieder falsch.

Es wird auch noch darauf eingegangen, dass Lehrerinnen eher weiblich sind.

Das Ergebnis: S. 23:

Zusammenfassend ist festzuhalten: „Weder Jungen noch Mädchen sind eine einheitliche Gruppe, eine generelle Bildungsbenachteiligung von Jungen ist nicht gegeben. Die größten Unterschiede finden sich nicht zwischen Jungen und Mädchen, sondern zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund und aus unterschiedlichen sozialen Schichten.

Dann geht es um Berufs- und Studienwahl (S. 26):

Auch bei der Berufswahl beobachten wir diese Gleichzeitigkeit von gemeinsamen und unterschiedlichen Neigungen und Interessen. Abbildung 7 zeigt die Geschlechterverteilung bei Lehrberufen und Studienfächern. Sie veranschaulicht eindrücklich, wie geschlechtstypisch geprägt die Studien- und Berufswahl noch immer ist. Fachlich wird dieser Umstand unter dem Schlagwort der „horizontalen Geschlechtersegregation“ problematisiert.

Weshalb ist das überhaupt ein Problem? Wenn die Natur Männer und Frauen nicht ungleich mit Begabungen und Interessen gesegnet hat – daran lassen die Erkenntnisse der Geschlechterforschung eigentlich keinen Zweifel – ist jede Ungleichverteilung der Geschlechter in einem
Berufs- oder Studiengebiet eine Verschwendung des Talents derjenigen, die sich nur deswegen gegen ein Engagement in diesem Gebiet entscheiden, weil sie dafür das vermeintlich „falsche“ Geschlecht haben.

Die Erkenntnisse der Geschlechterforschung lassen also keinen Zweifel daran, dass die Natur Männer und Frauen nicht ungleich mit Begabungen und Interessen gesegnet hat.

Also vermutlich die Erkenntnisse der Gender-Geschlechterforschung. Denn die übrige Wissenschaft sieht das vollkommen anders:

Siehe etwa:

Differences in men and women’s interest/priorities:
Lippa (1998): http://bit.ly/2vr0PHF
Rong Su (2009): http://bit.ly/2wtlbzU
Lippa (2010): http://bit.ly/2wyfW23
See also Geary (2017) blog: http://bit.ly/2vXqCcF

Life paths of mathematically gifted females and males:
Lubinski (2014): http://bit.ly/2vSjSxb

Sex differences in academic achievement unrelated to political, economic, or social equality:
Stoet (2015): http://bit.ly/1EAfqOt

Big Five trait agreeableness and (lower) income (including for men):
Spurk (2010): http://bit.ly/2vu1x6E
Judge (2012): http://bit.ly/2uxhwQh

The general importance of exposure to sex-linked steroids on fetal and then lifetime development:
Hines (2015) http://bit.ly/2uufOiv

Exposure to prenatal testosterone and interest in things or people (even when the exposure is among females):
Berenbaum (1992): http://bit.ly/2uKxpSQ
Beltz (2011): http://bit.ly/2hPXC1c
Baron-Cohen (2014): http://bit.ly/2vn4KXq
Hines (2016): http://bit.ly/2hPYKSu

Primarily biological basis of personality sex differences:
Lippa (2008): http://bit.ly/2vmtSMs
Ngun (2010): http://bit.ly/2vJ6QSh

Aber gut.

Die Ökonomie nennt dies eine suboptimale Allokation von Bildungsressourcen. Wenn 73 Prozent der 14–17-jährigen Jungen sagen, „ich bin für die konsequente Gleichstellung von Frauen und Männern – beruflich und privat“, darf dies auch als Hinweis gelesen werden, dass es den Wünschen der Jungen selbst zuwiderläuft,

Darf es nicht. Denn die meisten Menschen werden dabei von einer Chancengleichheit („Equality of opportunity“) statt von Ergebnisgleichheit („Equality of Outcome“) ausgehen und die Auffassung vertreten, dass jeder studieren können soll, was er will, aber nicht zwanghaft eine Geschlechtergleichheit im Ergebnis gefordert wird.

Dann auf S. 34:

Die Lohnungleichheit zugunsten der Männer ist einer der Faktoren, der zu erklären vermag, warum Paare andere Arbeitsmodelle wählen als sie wünschen.68 Dabei wirken unterschiedliche Faktoren ungünstig zusammen, etwa die Reduktion des Erwerbspensums vieler Frauen infolge der Übernahme unbezahlter Care-Aufgaben (insbesondere nach der Familiengründung), die monetäre Minderbewertung von Berufen und
Branchen mit hohem Frauenanteil und die Untervertretung von Frauen in Führungspositionen. Der unbereinigte Gender Pay Gap in Deutschland betrug 2018 21 Prozent. Er war – nach Estland – der zweitgrößte in der gesamten Europäischen Union und liegt deutlich über dem EU-Durchschnitt von 16 Prozent.69

Auch hier wird wenig differenziert. Richten Frauen vielleicht ihr Leben anders ein, etwa weil sie Kinder betreuen wollen und ihnen Vereinbarkeit damit wichtiger ist als Lohn? Werten sie allgemein Lohn geringer und wollen sie eine andere Work-Life Balance? Wollen sie einen Partner, der gleichviel oder mehr verdient? Und bestimmt vielleicht nicht der geringere Lohn die Arbeitsverteilung, sondern ist der geringere Lohn eher selbst das Produkt einer erwarteten Arbeitsverteilung?

Seite 40:

Erwerbslosigkeit trifft Männer in Deutschland insgesamt etwas öfter (3,9 Prozent) als Frauen (3,0 Prozent). Bei den gering qualifizierten Männern ist die Quote deutlich höher (zehn Prozent), wobei der relative Abstand zu den gering qualifizierten Frauen gleich bleibt (sieben Prozent). Beim mittleren Qualifikationsniveau betrug die Erwerbslosenquote 2018 bei Männern 3,2 Prozent (Frauen 2,4 Prozent), bei hochqualifizierten Männern 1,8 Prozent (Frauen 1,9 Prozent). Menschen mit Migrationsgeschichte sind etwa doppelt so stark von Arbeitslosigkeit betroffen wie Personen ohne Migrationshintergrund. Gleichzeitig werden Männer bei arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen stärker berücksichtigt als Frauen – stärker auch, als es ihre quantitativ höhere Betroffenheit durch Erwerbslosigkeit rechtfertigen würde.

Männer sind zwar häufiger arbeitslos, werden aber eh schon mehr gefördert als Frauen.

Was vielleicht auch daran liegen könnte, dass es nicht nur mehr arbeitslose gibt, sondern auch mehr gering qualifizierte gibt und man die eben besser fördern kann als bereits qualifizierte (Klassisch wäre der Gabelstaplerführerschein für den Nichtqualifizierten oder etwas in der Art.)

Seite 42:

Bei den Bindungs- und Lebenssituationen zeigen sich deutliche Geschlechterdifferenzen. Erstaunlich ist, dass 55,5 Prozent aller 25–45-jährigen Männer, aber nur 42,4 Prozent aller 25–45-jährigen Frauen ledig sind. In der Gesamtbevölkerung sind von den Männern 34,9 Prozent ledig, aber nur 25,6 Prozent der Frauen. Dieser Unterschied lässt sich teilweise dadurch erklären, dass Männer zum Zeitpunkt von Ehe und Familiengründung gut zwei Jahre älter sind als Frauen.

Zu untersuchen wäre, inwiefern der höhere Anteil an Ledigen bei Männern (34,9 Prozent gegenüber 25,6 Prozent bei Frauen) Folge einer bewussten
Entscheidung gegen eine Partnerschaft oder gegen die Institution Ehe ist beziehungsweise wie hoch unter ihnen der Anteil der „unfreiwilligen Singles“ ist, die im englischen Sprachraum als Incels (Abkürzung für involuntary celibates) bezeichnet werden. Geschlechterpolitisch ist diese Frage von Relevanz, weil es in dieser Gruppe Tendenzen gibt, den nicht (mehr) vorhandenen, unerfüllten und/oder unerfüllbaren Bindungswunsch als Folge der Emanzipation der Frauen zu problematisieren. Der Schritt zu antifeministischen Denkfiguren ist von hier aus nicht mehr weit. Auch die Vernetzung in einschlägigen Internetforen birgt nicht unerhebliches gesellschaftliches Problempotenzial. Hier besteht Forschungsbedarf.

Männer sind eher Single? Da müssen wir gleich mal eine Unterdrückung für Frauen draus machen, dass sind bestimmt diese gefährlichen „Incels“ und damit ist männliches Single sein nicht etwa etwas, bei dem man Männer mehr unterstützen muss, obwohl wir „Einsamkeit“ als ein Problem von Männern angesprochen haben, nein, es ist etwas, bei dem man Frauen besonders schützen muss, damit diese schrecklichen Singlemänner nicht ihre Frauenfeindlichkeit ausleben.

Ein wunderbares Männerdossier.

S. 44:

Die Zahl unverheirateter Eltern nimmt kontinuierlich zu während die Zahl Alleinerziehender97 und Geschiedener Schwankungen unterliegt, aber
nicht generell zunimmt.98 Während vor 20 Jahren doppelt so viele Frauen wie Männer ein Scheidungsverfahren beantragten, verschwindet dieser
Geschlechterunterschied zusehends: 2017 wurden 52 Prozent der Scheidungen von der Frau eingereicht, 42 Prozent vom Mann und sieben Prozent von beiden. 2018 waren rund 121.000 minderjährige Kinder von der Scheidung ihrer Eltern betroffen.

Immer häufiger wollen sich nach der Trennung beide Elternteile weiter um das Kind kümmern und es gemeinsam versorgen. Das heißt, auch die
Väter wollen weiter die Erziehungsverantwortung tragen. Zahlreiche Studien zeigen, dass eine aktive Beteiligung des Vaters an Pflege- und Erziehungstätigkeiten ebenso wie ein intensives Vater-Kind-Verhältnis positive Effekte auf die Entwicklung des Kindes hat. Die Politik hat die Aufgabe, Rahmenbedingungen zu schaffen und strukturelle Hemmnisse abzubauen, um Betreuungs- und Beziehungskontinuität auch nach Trennung und Scheidung zu fördern. Jene Väter, die sich nach Trennung und Scheidung in Betroffenen-Organisationen (zum Beispiel http://www.vaeteraufbruch.de) engagieren, sehen diesen Anspruch als nicht
erfüllt an und kritisieren eine ungleiche Behandlung von Vätern durch Rechtsetzung und -sprechung. Sie fordern die alternierende Obhut als Regelfall nach Trennung und Scheidung (bekannt unter dem Begriff Wechselmodell).

Hier fehlt dann eine zustimmende Wertung dazu, dass sie das zu recht fordern oder ob dies nicht dringend geboten wäre um das Männerbild zu reformieren.

S. 47

95 Prozent aller Väter mit einem Kind im Kita-Alter sehen Kitas „als Ermöglichungsinstanz, die Familien brauchen, damit Frauen und Männer
gleichermaßen das Einkommen verdienen können“. Faktisch ermöglicht die zunehmende Inanspruchnahme familienexterner Kinderbetreuung zusätzliches Engagement der Mütter im Erwerbsbereich – und nicht eine geringere Erwerbsorientierung der Väter.

Was gut zu den obigen Aussagen passt, dass Männer mehr Beteiligung der Frauen wollen und nicht ihre Männlichkeit als Problem sehen.

Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung schreibt dazu: „Die eigenen widersprüchlichen Erwartungen an Väter, einerseits weiterhin die Rolle des Familienernährers auszufüllen und andererseits gleichberechtigter und präsenter Erzieher der eigenen Kinder zu sein (…), führt bei jungen Männern zu inneren Konflikten und Unsicherheit, mitunter sogar zum Verzicht auf Kinder. Auch und gerade junge Väter leiden unter
dem Druck, diese ‚Quadratur des Kreises’ zu bewerkstelligen. Das Problem, Beruf und Familie zu vereinbaren, ist heute also keineswegs allein auf Mütter beschränkt, es weitet sich auf die Väter aus.“113 Dass sich sowohl Frauen/Mütter wie auch Männer/Väter widersprüchlichen Rollenerwartungen ausgesetzt sehen, ist zu unterstreichen.

Aber deswegen Weiblichkeit zu hinterfragen würde einer solchen Publikation nie einfallen.

S. 49:

Mit Blick auf die Hausarbeit ist dabei in Erinnerung zu halten, dass Frauen die männliche Beteiligung an der Hausarbeit ambivalenter wahrnehmen als das Engagement der Väter in der Kinderbetreuung. 52 Prozent der Frauen sagen explizit, dass für sie das Erledigen von Tätigkeiten im Haushalt keine sympathische Eigenschaft von Männern sei. Umgekehrt betonen 48 Prozent der Frauen, dass sie sich dies von ihrem Partner wünschten. Die Beteiligung des Mannes am Haushalt ist also auch für viele Frauen etwas Zwiespältiges.
Ein Teil von ihnen fordert sie im Dienst von Gleichstellung und persönlicher Entlastung ein. Ein Teil von ihnen wehrt sie – wohl auch zur Sicherung der Definitionsmacht in dieser Domäne – eher ab. Mit Blick auf die Zurückhaltung der Männer im Haushaltsbereich ist die Feststellung relevant, dass die nach wie vor sehr deutliche Ungleichstellung Beziehungsgeschehen ist – und zumindest nicht allein auf Unlust der
Männer zurückzuführen ist

„52% der Frauen sagen, dass für sie das Erledigen von Tätigkeiten im Haushalt keine sympathische Eigenschaft von Männern sei“

Dennoch fehlt in dem ganzen Dossier jede Ausführung dazu, wie Frauen die Geschlechterrollen anfordern, selbst leben wollen und Druck auf Männer ausüben.  Und auch die Verbindung dazu, dass Männer sich über einseitige Frauenforderung beschweren.

Immerhin hier geht es etwas in die Richtung:

Mit Blick auf das Engagement von Männern in der Familienarbeit spielt auch die Einstellung der Mutter eine zentrale Rolle: Sie kann das Anpacken ihres Partners fördern, indem sie

  • der Vater-Kind-Beziehung Raum gibt,
  • Betreuungszeit durch den Vater allein ermöglicht,
  • kritische Distanz zu ihren eigenen Ansprüchen
    und Maßstäben wahrt,
  • eigenständige Herangehensweisen durch den
    Vater akzeptiert,
  • Wertschätzung für väterliche Leistungen zum
    Ausdruck bringt, aber qualifizierende Urteile
    unterlässt und
  • die väterliche Kompetenzentwicklung mit
    ihrem eigenen Schritt halten lässt.

Oben bei den Männern: Die können einfach mal die Klappe halten und endlich Akzeptieren, dass man ihnen die Privilegien schon lange hätte wegnehmen sollen
Unten bei den Frauen: Sie kann das Anpacken ihres Partners fördern

Es folgt ein durchaus interessanter Abschnitt zur Gesundheit.

Auf Seite 48 zeigt sich eine interessante Grafik, die abbildet, dass die Lebenszufriedenheit der Geschlechter nicht viel voneinander abweicht. Interessanterweise sind Frauen von 40 -70 (die Grafik startet bei 40) zufriedener mit dem Leben, ab 70 sind die Männer etwas zufriedener. Ich vermute mal, dass die höhere Unzufriedenheit auch daher kommt, dass die Frauen eher einen Partner verloren haben als die Männer, weil der Mann in der Beziehung eher älter ist und damit früher stirbt.

Interessant auch eine Grafik dazu, dass sich Männer eher als Frauen freiwillig engagieren (S. 70) und auch die Aufschlüsselung nach Gebieten auf S. 75 ist interessant:

Männer eher im Bereich Sport und Bewegung (19, 6% zu 13,1) sowie Politik (5,0% zu 2,3%) oder berufliche Interessenvertretung (3,4% zu 1,6%) und Unfall- und Rettungsdienst und freiwillige Feuerwehr (4,8% zu 1,1%).

Frauen eher im Bereich Schule und Kindergarten (10,7% zu 7,4%) Religion (9,4% zu 5,8%) und sozialer Bereich (9,5% zu 7,4%).

Natürlich findet sich auch hier kritisches:

So löblich das Engagement von Männern im freiwilligen Bereich ist, so augenfällig ist aus gleichstellungspolitischer Perspektive der Umstand, dass sich auch bei der Betrachtung des freiwilligen Engagements Geschlechterhierarchien reproduzieren: Über alle Altersgruppen hinweg sind Männer in Leitungsfunktionen im freiwilligen Engagement deutlich stärker vertreten. Dabei sind die Geschlechterunterschiede bei den Jüngeren am niedrigsten und bei den Älteren am stärksten ausgeprägt.191 Spitz bringt der Fünfte Altenbericht diesen Zusammenhang auf den Punkt: „Je anerkannter, prestigeverbundener, einflussreicher und in diesem Sinne politischer ein Ehrenamt ist, desto häufiger finden sich dort Männer. Und  umgekehrt, je unauffälliger, verborgener, alltäglicher und in unmittelbare menschliche Alltagsbeziehungen eingebettet das Engagement ist,
desto eher wird es von Frauen (…) geleistet.“

Diese Schweine!

Zu Gewalt (S. 79):

Gewalt unter Männern kann als Ausdruck strukturell angelegten Ringens um die höhere Position in der Geschlechterhierarchie durchaus in diese
Sichtweise integriert werden. Gewalt von Frauen gegen Männer ist in diesem Zusammenhang jedoch weniger gut erklärbar – es sei denn, sie ist
ebenfalls Ausdruck von Machtverhältnissen. Die Istanbul-Konvention vermag diese Problematik nicht aufzulösen. Sie geht pragmatisch damit um, indem Männer einerseits implizit als Opfer struktureller Gewalt anerkannt werden (insofern Frauen und Mädchen „nur“ einer „größeren Gefahr von geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt sind als Männer“) und andererseits Männer als Opfer häuslicher Gewalt explizit genannt werden („in der Erkenntnis, dass häusliche Gewalt Frauen unverhältnismäßig stark betrifft und dass auch Männer Opfer häuslicher Gewalt sein können“).
Dieses historisch gewachsene Spannungsfeld erschwert den unverstellten Blick auf männliche Verletzlichkeit und Gewaltwiderfahrnisse

Daraus ergeben sich dann folgende Fragen:

Die erste Frage lautet: Wie können die Sichtbarkeit und Anerkennung männlicher Verletzlichkeit befördert werden? Das ist eine gleichstellungspolitische Zielsetzung, die im Rahmen unserer Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer bearbeitet werden kann.

Die zweite Frage lautet: Müsste Gewalt, die Männer sich selbst und anderen Männern antun, nicht viel mehr als strukturelles Geschehen verstanden werden, da es durch Männlichkeitsnormen und männliche Sozialisationserfahrungen befördert, wenn nicht sogar provoziert wird? Diese Frage erfordert eine breitere Reflexion.

Auch hier ist natürlich Männlichkeit schuld.

Und zu Sexismus gegen Männer:

Sexismus: Männer ignorieren Männer als Opfer

In einer neuen Studie210 des DELTA-Instituts im Auftrag des BMFSFJ wurde erforscht, was Menschen in Deutschland als Sexismus wahrnehmen und wo respektive wie er ihnen im Alltag begegnet.
Um wirksame Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer zu verfolgen, braucht es solide Grundlagen:

Zahlen müssen aktuell erhoben und komplexe Zusammenhänge erforscht werden. Das BMFSFJ ermöglicht solche Grundlagenarbeit. Aktuellstes Beispiel: Im Auftrag des BMFSFJ hat Prof. Carsten Wippermann im Rahmen einer Pilotstudie Einstellungen zu Sexismus bei Männern und Frauen untersucht.

Was verstehen sie unter Sexismus? Wie und wo begegnet er ihnen? Wie reagieren sie darauf? Wie verbreitet ist Sexismus-Erleben im Alltag? Wie müsste vorgebeugt werden?
Ausgewählte Ergebnisse:

  • Fast alle Menschen in Deutschland haben eine Vorstellung, was Sexismus ist. Der Begriff löst etwas aus. Inhaltlich gehen die Vorstellungen auseinander. Allen gemein ist die Überzeugung, dass Sexismus etwas ist, das es zu vermeiden gilt.
  • Frauen sehen Sexismus eher als ein strukturelles Problem. Für Männer (vor allem ab mittlerem Alter sowie in traditionellen und bürgerlichen Milieus) ist Sexismus eher eine moralische Verfehlung einzelner Personen und Personengruppen, die sich in derb-verletzenden Worten, Gesten und Bildern zeigt.
  • Entsprechend ist die Sensibilität für Sexismus bei Frauen und Männern im Alltag verschieden. Die Hälfte aller Männer nimmt im eigenen Umfeld überhaupt keinen Sexismus wahr, aber nur ein Drittel der Frauen
  • Männer wie Frauen assoziieren mit Sexismus reflexhaft die sexorientierte Übergriffigkeit von Männern gegenüber Frauen und benennen dies als häufigste Beziehungskonstellation von Sexismus. Fast nur Frauen weisen aber darauf hin, dass es auch Übergriffigkeit von Frauen gegenüber Männern gibt. Männer ignorieren oder tabuisieren, dass Männer Opfer sexueller Übergriffigkeit von Frauen sein können.
  • Dass Männern Sexismus durch andere Männer widerfahren kann, wird nur im Kontext von Homosexualität reflektiert (sei es als sexuelle Belästigung von Männern durch Männer; sei es als Stigmatisierung von homosexuellen Männern durch andere Männer).
  • Wenn nicht nur körperliche Übergriffe als Sexismus bezeichnet werden, sondern auch subtilere Formen der Herabwürdigung, öffnet sich der Blick für Situationen, in denen Männer Opfer von Sexismus werden. Vor allem der Sport ist für Männer ein Bereich, in dem sie sich durch Bemerkungen, Gesten, Handlungen und Ähnliches in ihrer Männlichkeit sexistisch herabgewürdigt und verletzt erleben (meistens von anderen Männern).

Die Studie klingt interessant.

Es passt natürlich nicht ganz zur hohen Zahl von Männern, die angeben, dass sie sich mehr Männerförderung wünschen und die Gleichberechtigung zu einseitig auf Frauen ausgerichtet sind.
Ich vermute mal, dass man mit passenden Fragestellungen durchaus einiges an Sexismus gegen Männern zu Tage fördern könnte.

Es werden dann Umsetzungsziele für die Gleichstellungspolitik in vier Bereichen genannt:

Vielfalt:

• Umsetzungsziel 1.1: In der Bevölkerung wächst die Akzeptanz für mehr Vielfalt von Männlichkeit(en).
• Umsetzungsziel 1.2: Jungen und Männer werden in ihrer Verletzlichkeit ernst(er) genommen.
• Umsetzungsziel 1.3: Jungen und Männer werden stärker gefördert, um erlebte Benachteiligungen und Ausgrenzung abzubauen.
• Umsetzungsziel 1.4: Die Institutionen der psychosozialen Grundversorgung erhöhen ihre Kompetenz, um Jungen und Männer bedürfnisgerecht zu erreichen, zu beraten und zu begleiten.

Freiheit:

• Umsetzungsziel 2.1: Jungen und Männer lassen sich durch Geschlechterstereotype nicht (länger) in ihrer Berufswahl behindern.
• Umsetzungsziel 2.2: (Gesetzliche) Rahmenbedingungen schaffen reale Wahlfreiheit auch für Jungen und Männer; Fehlanreize für das traditionelle Ernährer-Modell sind beseitigt.
• Umsetzungsziel 2.3: Die Genderkompetenz im Bildungsbereich ist erhöht.
• Umsetzungsziel 2.4: Das Wissen über den Unterstützungsbedarf von Männern, die sich als Emanzipationsverlierer sehen, ist erhöht

Nachhaltigkeit:

• Umsetzungsziel 3.1: Geschlechterreflektierte Jungen- und Männerarbeit entwickelt sich fachlich weiter. Angebote der Jungen- und Männerarbeit werden verstetigt.
• Umsetzungsziel 3.2: Gesundheitsfachpersonen und -organisationen messen der Förderung von Männergesundheit und männlicher Selbstsorge in Forschung, Ausbildung und Praxis eine höhere Bedeutung zu.
• Umsetzungsziel 3.3: Männliche Beiträge in der Angehörigenpflege werden sichtbarer und zahlreicher.
• Umsetzungsziel 3.4: Digitalisierung und der Wandel der Arbeitswelt unterstützen Männer im Einschlagen flexiblerer Lebens und Erwerbsverläufe.

Gerechtigkeit:

• Umsetzungsziel 4.1: Männer setzen sich aktiv(er) und frühzeitig(er) mit Vaterschaft und Vereinbarkeit auseinander.
• Umsetzungsziel 4.2: Männer übernehmen einen wachsenden Anteil der Verantwortung für unbezahlte Arbeiten in Haus und Familie.
• Umsetzungsziel 4.3: Die Erarbeitung von Vereinbarkeitspolicies für Männer und Väter in Unternehmen wird angeregt. Der Anteil in Teilzeit arbeitender Männer ist erhöht.
• Umsetzungsziel 4.4: Rahmenbedingungen sichern das Recht der Kinder auf alltagsnahen Bezug zu beiden Elternteilen auch bei/nach Trennung/Scheidung

Ich finde es erstaunlich wie viel davon im Prinzip Forderungen sind und wie viel Framing dabei ist: Unter Freiheit etwa werden „Fehlanreize“ für das Ernährermodell“ beseitigt. Und unter Freiheit wird auch verstanden, dass Männer endlich verstehen, dass die „Auflösung von Geschlechterrollen“ (und die Darstellung der „Bösen Männlichkeit“) ihnen doch auch nur Vorteile bringt.

Andere Besprechungen: