Wie frauenfeindlich ist die Gesellschaft? Theorie vs. Forschung (Gastartikel)

Es folgt ein Gastartikel von Titiat Scriptor

Wir leben im Patriarchat – immer noch, trotz allem. In den Gesetzbüchern sind gleiche Rechte für die Geschlechter längst verankert, nicht aber in der praktischen Umsetzung.
Im Alltag kämpfen Frauen auch im Jahr 2020 überall noch gegen strukturelle und systematische Benachteiligung. Das ist die Grundannahme feministischer Sozialkritik und zugleich ihre Existenzberechtigung.
Das Patriarchat selbst ist unsichtbar, aber seine Zeichen sind scheinbar allgegenwärtig. Frauen verdienen für dieselbe Arbeit weniger als Männer. Die besten Positionen in Wirtschaft und Politik sind von Männern besetzt, Frauen bleiben unterrepräsentiert. Ganze Berufszweige verschanzen sich gegen den Wunsch der Frauen nach Teilhabe. Das Patriarchat – so könnte man dieses Argument zusammenfassen – ist eine Struktur, die das Handeln der Leute in ungleiche Resultate für Männer und Frauen umwandelt.

Natürlich ist denkbar, dass auch eine Gesellschaft frei von geschlechtsbezogener Benachteiligung ungleiche Ergebnisse hervorbringt – zum Beispiel dann, wenn Männer
und Frauen im Kern unterschiedlich sind und deshalb verschiedene Lebensentscheidungen treffen. Diese Möglichkeit wird im feministischen Diskurs aber als eine Art biologischer Essenzialismus mehr oder minder explizit verworfen.

Möchte man dieser Logik folgen, stößt man unweigerlich im tiefsten Inneren der Patriarchats-These auf die alles entscheidende Frage: Was bewirkt denn eigentlich, dass die Welt trotz vermeintlich gleicher Interessen Männer und Frauen in unterschiedliche Positionen manövriert? Was ist die Ursache, der Antrieb, der Auslöser für Ungleichheit zwischen den Geschlechtern?

Die Antwort, die man üblicherweise auf diese Frage findet, lautet in etwa so: Wir leben
in einer Gesellschaft von Männern für Männer. Die Einstellungen, Werte und Handlungsmuster, die uns von Kindesbeinen an mitgegeben werden, stellen männliche
Bedürfnisse und männliches Verhalten an die erste Stelle. Frauen werden entweder mit einem Achselzucken ignoriert oder aktiv benachteiligt. Es geht, anders gesagt, um frauenfeindliche Vorurteile in den Köpfen der Leute.

Ein aktuelles Beispiel: In ihrem Buch „Down Girl. Die Logik der Misogynie" (2019) beschreibt Kate Manne Frauenfeindlichkeit als integralen Bestandteil westlicher Gesellschaften im 21. Jahrhundert. Von Frauen, schreibt sie, werden Verhaltensweisen erwartet, die männliche Privilegien aufrechterhalten. Rebellinnen gegen das Patriarchat werden vom System bestraft. Männer hingegen profitieren von gesellschaftlicher „Himpathy“ was sinngemäß so viel heißen soll wie ungerechtfertigte
Sympathie für misogyne und asoziale Männlichkeit.

Soweit die Theorie. Wichtiger ist die Forschung. Denn: Ob wir in der oben beschriebenen Welt leben, ist am Ende keine philosophische, sondern eine empirische

Frage: Ist es also empirisch gerechtfertigt, zu sagen, dass bestehende Geschlechtervorurteile so sehr zu Lasten von Frauen gehen und Männer so sehr bevorzugen, dass man die Gesellschaft insgesamt als frauenfeindlich beschreiben
kann?

Was folgt, ist ein Auszug aus der aktuellen sozialpsychologischen und soziologischen Forschung. Alle zitierten Studien haben eines gemeinsam: Sie zeichnen ein Bild von der
Richtung geschlechtsspezifischer Vorurteile in unserer Gesellschaft, das im harten Kontrast zu den oben skizzierten Behauptungen steht. Sie zeigen, dass es zu einfach ist, Frauen als rundherum benachteiligt zu beschreiben.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Was folgt, ist natürlich kein Beleg dafür, dass Frauen nicht an vielen anderen Stellen benachteiligt sein können. Oder dass Frauen in unserer Gesellschaft unter dem Strich weniger benachteiligt sind als Männer. Darum geht es hier im Kern nicht. Es geht um die Frage, wie viele empirische Erkenntnisse, die der Patriarchats-These zuwiderlaufen, man hinnehmen möchte, bevor man die These von der insgesamt misogynen Gesellschaft verwirft oder zumindest infrage stellt.

Was also sagt die Forschung?

Die folgenden Studien können über http://www.doi.org mit den angegebenen Nummern
identifiziert werden.

1. Die Zukunft gehört autonom fahrenden Autos. Aber wie soll der Algorithmus menschliches Leben priorisieren, wenn ein Unfall nicht mehr vermeidbar ist und sich nur noch die Frage stellt, wer sterben muss? Rund 2 Millionen Befragte in einem weltweiten Online-Survey würden mehrheitlich eher männliche als weibliche Unbeteiligte opfern (DOI: 10.2478/nimmir-2019-0015).

2. Die Tendenz, weibliches Leben höher zu priorisieren als männliches ist auch in vielen anderen Kontexten belegbar. In verschiedenen Experimenten zum Umgang mit moralischen Dilemmas werfen die Testpersonen Männer häufiger vor fahrende Züge als Frauen, um Unschuldige zu retten. Sie fügen Männern häufiger und stärkere Stromstöße zu als Frauen. Sie retten Männer seltener von sinkenden Schiffen und helfen ihnen überhaupt seltener in Notlagen (DOI: 10.1177/1948550616647448).

3. Dass aggressives Auftreten das Ansehen von Männern fördert, das von Frauen aber beschädigt, wird immer wieder behauptet. Dazu im Kontrast stehen die Ergebnisse eines Experiments mit unterschiedlichen Aggressionsszenarien. Hier bewerteten die Probanden weibliche Aggression als moralisch akzeptabler als männliche Aggression
(DOI: 10.1023/A:1019665803317).

4. Und wie steht es um negative Stereotype im Berufsleben? Forscher ließen in einem groß angelegten Experiment mit mehr als 800 männlichen und weiblichen Entscheidern MINT-Lehrstühle an Universitäten an fiktive Bewerber vergeben. Bei gleicher Qualifikation wurden Frauen mit einer Präferenz von 2:1 vor Männern eingestellt (DOI: 10.1073/pnas.1418878112).

5. Auch in anderen Bereichen findet sich kein Widerstand gegen die Ausweitung weiblicher Teilhabe am Berufsleben, im Gegenteil. In Experimenten zeigen Probanden eine größere Bereitschaft, männerdominierte Berufe durch politische Maßnahmen für
Frauen zu öffnen als frauendominierte Berufe für Männer (DOI:10.1016/j.jesp.2019.03.013).

6. Eine Untersuchung zeigt, dass Leistungsbewertungen am Arbeitsplatz weniger akkurat sind, wenn die bewertete Person weiblich ist. Offenbar sind Vorgesetzte eher bereit, Bewertungen von Frauen nach oben zu korrigieren als Bewertungen von männlichen Angestellten. Ob man hier von einem Vorteil für Frauen sprechen kann, scheint zumindest fraglich. Das Ergebnis steht aber dennoch im Kontrast zur häufig geäußerten Behauptung, Frauen würden im Berufsleben negativer bewertet als Männer (DOI: 10.5465/ambpp.2016.18003abstract).

7. Selbst in der Bewertung vermeintlich objektiver Forschungsergebnisse lässt sich ein erhebliches gesellschaftliches Wohlwollen Frauen gegenüber aufspüren. Fiktive Studien zu biologischen Unterschieden zwischen den Geschlechtern werden von Psychologinnen und Psychologen unterschiedlich eingeschätzt, je nachdem welchem Geschlecht in den Studien positivere Eigenschaften zugeschrieben werden. Eine erfundene Studie, die Frauen größere künstlerische Fähigkeiten und mehr Ehrlichkeit attestiert, wird als relevanter, glaubwürdiger, hilfreicher und weniger schädlich eingeschätzt als dieselbe Studie mit umgekehrten Geschlechtervorzeichen (DOI: 10.1111/bjop.12463).

8. In dieselbe Richtung geht ein Experiment, in dem Probanden fiktive Ergebnisse von Leistungstests bewerten sollen. Erzielen Männer im Schnitt bessere Ergebnisse als Frauen, wird die Testmethode eher als sexistisch, unfair und inakzeptabel gesehen als im umgekehrten Fall (DOI: 10.2139/ssrn.3175680).

9. In einem anderen Experiment zeigen sich die Testpersonen eher bereit, ein wissenschaftliches Fachbuch zu zensieren, in dem Männer evolutionsbedingt als bessere Führungskräfte beschrieben werden als ein Buch mit der entgegengesetzten
Aussage (Quelle1).

10. Auch beim Thema antisoziales und kriminelles Verhalten wird Frauen mit mehr Wohlwollen und Verständnis begegnet als Männern. In Surveys erhalten zum Beispiel hypothetische Vergewaltigungsopfer mehr Empathie, wenn der Täter männlich ist. Empathie mit weiblichen Tätern ist dann besonders ausgeprägt, wenn ihr Opfer ein Mann ist. Ganz allgemein erhalten männliche Opfer die wenigste Empathie, besonders von anderen Männern (DOI: 10.1007/s11199-010-9919-7).

11. In einem weiteren Experiment beurteilen juristische Laien die strafrechtliche Relevanz von sexualisierter Gewalt und Zwang je nach Geschlecht der Täter unterschiedlich. Die Taten von Frauen gelten eher als entschuldbar und moralisch akzeptabel als die Taten von Männern (DOI: 10.1891/0886-6708.26.6.799).

12. Lässt man in Experimenten Testpersonen als Jury über das Strafmaß von fiktiven
männlichen und weiblichen Tätern bestimmen, zeigt sich, dass Männer für dieselben Taten schwerere Strafen erhalten als Frauen. Besonders ausgeprägt ist der Unterschied, wenn das Opfer weiblich ist (DOI: 10.1111/j.1559-1816.1994.tb01552.x).

13. Quantitative Auswertungen von tatsächlichen Strafprozessen deuten in dieselbe Richtung. Weibliche Sexualstraftäter erhalten vor Gericht für vergleichbare Taten weniger drastische Strafen als Männer (DOI: 10.1007/s10940-019-09416-x).

14. Auch bei anderen Verbrechen bestätigt sich diese Tendenz: Eine große Auswertung von rund 77.000 Strafprozessen in den USA ergibt, dass Männer für vergleichbare Taten seltener Bewährungsstrafen erhalten als Frauen. Werden Gefängnisstrafen verhängt, sind sie für Männer tendenziell länger als für Frauen (DOI: 10.1086/320276).

Soweit eine Auswahl aus der Literatur. Viele weitere Studien mit ähnlichen Ergebnissen könnten ergänzt werden. Und selbst wenn man auf einzelne Ergebnisse nicht zu viel Gewicht legt und annimmt, dass einzelne Erkenntnisse in Kontrollstudien so nicht reproduzierbar wären, zeichnet selbst dieser oberflächliche Literaturüberblick ein deutlich differenzierteres Bild unserer Gesellschaft als eingangs beschrieben.

Es stimmt: Geschlechterspezifische Vorurteile sind allgegenwärtig. Aber in den oben genannten, durchaus zentralen gesellschaftlichen Fragen lässt sich eine systematische, allgegenwärtige Benachteiligung von Frauen nicht entdecken. Es wäre grundfalsch, daraus zu schließen, dass wir in einer insgesamt männerfeindlichen Gesellschaft leben. Ebenso falsch erscheint aber die Behauptung, dass wir in einer insgesamt frauenfeindlichen Welt zu Hause sind. Einfache Wahrheiten gehen, wie so häufig, am
Kern des Problems vorbei.

Der Autor schreibt unter dem Namen @titiatscriptor auf Twitter über
sozialwissenschaftliche Themen

Politiker kritisiert Männerhass weiblicher linker Politiker: „Drei Wochen lang haben linke Frauen bei jedem Votum die Männer schlechtgemacht“

Der schweizer FDP Abgordnete Hans-Peter Portmann beschwert sich darüber, die insbesondere linke Politikerinnen über Männer reden (via Arne)

Landbote: Herr Portmann, Sie gelten als eher ruhiger Parlamentarier. Plötzlich platzte Ihnen im Nationalratssaal der Kragen. „Mir hängt dieses Männerbashing in diesem Saal langsam zum Hals heraus!“, sagten Sie am Rednerpult. Auf Twitter legten Sie nach: „Diesen linken Kindergarten habe ich langsam satt!“ Was ist in Sie gefahren?

Hans-Peter Portmann: Während der ausserordentlichen Debatte mussten wir uns pausenlos anhören, wie sehr die Frauen während der Corona-Krise benachteiligt werden und wie böse die Männer sind. Als dann Irène Kälin behauptete, die Männer hätten sich als Krisenmanager in den Vordergrund gerückt, während die Frauen die eigentliche Arbeit verrichteten, musste ich intervenieren. Nun war einfach genug!

Landbote: Was stimmt an Irène Kälins Aussage nicht?

Hans-Peter Portmann: Die Schweiz hatte während der Krise mit Simonetta Sommaruga eine Frau als Bundespräsidentin. Und Irène Kälin selber führte die Verwaltungsdelegation an, die alle räumlichen und zeitlichen Entscheidungen für das Parlament getroffen hat. Es gab also sehr wohl Frauen in Führungspositionen. Aber es geht um mehr. Drei Wochen lang haben linke Frauen bei jedem Votum die Männer schlechtgemacht. Das Bashing wurde mit absurden Forderungen verknüpft wie etwa, die Corona-Hilfskredite seien mittels „Gender Budgeting“ nach Geschlecht zu verteilen. Es nimmt groteske Züge an.

Landbote: Sind Sie einfach ein bisschen dünnhäutig?

Hans-Peter Portmann: Nein. Mehrere linke Parlamentarierinnen haben ihre Reden mit den Worten begonnen „Liebe Männer und noch mehr liebe Frauen“. Man stelle sich vor, ein Mann würde dies umgekehrt machen. Oder jemand würde sagen „Liebe Ausländer und noch mehr liebe Schweizerinnen und Schweizer“. Es wäre die Hölle los! Die Forderung nach „Gender Budgeting“ ist sogar verfassungswidrig, wie auf meine Anfrage hin selbst Bundesrat Alain Berset bestätigte: Das Geld muss nach dem Prinzip der Gleichbehandlung verteilt werden, nicht nach dem Geschlecht.

Landbote: Sie setzen sich als Schwuler für die Rechte von Homosexuellen ein. Haben Sie nicht Verständnis dafür, dass auch die Frauen für ihre Anliegen kämpfen?

Hans-Peter Portmann: Ich habe im Parlament immer Frauenrechte unterstützt. Würden aber Schwule dermassen abschätzig über Heterosexuelle reden wie jetzt diese Frauen über die Männer, so würde ich mich auch wehren. Da wird mir übel.

Landbote: Übel?

Hans-Peter Portmann: Ja. Ich sage das auch immer in der schwul-lesbischen Bewegung: Wir fordern ein, dass man uns nicht diskriminiert. Aber dann machen wir das auch nicht mit anderen Leuten oder anderen Meinungen. Bei diesen Frauen aber hat man das Gefühl, sie stünden im ständigen Kampf gegen die böse Männerwelt. Sie üben genau jene Herabsetzungen aus, gegen die sie sonst zu Recht auf die Strasse gehen. Ich wollte im Nationalratssaal diesen Frauen den Spiegel vorhalten. Mal sagen: „Jetzt reicht es langsam!“

Landbote: Wie waren die Reaktionen?

Hans-Peter Portmann: Auf bürgerlicher Seite sind bis weit in die Mitte auch alle Frauen auf meiner Seite. Auch ihnen geht dieses ewige Gejammer der linken Frauen über die Männer auf die Nerven.

Gut, wenn es jemand mal sagt. Und wahrscheinlich auch kein Zufall, dass ein Homosexueller da das Wort ergreift.
Immerhin beruhigend, dass „bis weit in die Mitte“ die Frauen auf seiner Seite waren.

Das Kondom nach dem Sex als Mann mitnehmen?

Ein Tweet dazu, wie man als Mann danach mit dem Kondom umgeht:

Kumpel nimmt nach seinen One-Night-Stands immer seine benutzen Kondome mit, weil er Angst hat, dass sich im Nachhinein eine der Damen damit schwängert. Überlege noch, ob ich es berechtigte Vorsicht oder Paranoia ist.

Ich muss zugeben ich habe das auch ein paar Mal gemacht. Gar nicht mal weil mir die Frau dazu Anlass gegeben hat, aber irgendwie fand ich es in diesem Moment sicherer als ihn in der Wohnung zu lassen. Ich denke es war etwas Paranoia. Wobei die Rechnung für ein Handeln ja immer die Schadenskalkulation ist, bestehend aus der Wahrscheinlichkeit, dass der Schaden eintritt (sehr gering, wenn man die gute alte „Never stick your dick in crazy“ Regel befolgt) und dem Schaden der entsteht, wenn die geringe Wahrscheinlichkeit dennoch eintritt (enorm!). Dagegen muss man dann noch die Mühe rechnen, den Schaden sicher abzuwenden oder zu verringern und das Kondom einfach kurz in ein Taschentuch zu stecken und mitzunehmen macht eben auch wenig Mühe.

Habt ihr das schon mal gemacht? Paranoid oder berechtigte Vorsicht?

Christian Jakob in der Taz zu dem Konflikt zwischen „klassischen linken Positionen“ und „Intersektionalismus“

Christian Jakob wirft in der Taz einen Blick auf die Debatte zum „Müllartikel“ von Hengameh und führt dabei interessantes zum Intersektionalismus aus.

Er beschreibt, dass einige von dem Text entsetzt waren und einige andere entsetzt waren, dass man den Text kritisiert und das dies eben ein Konflikt zwischen den Intersektionalen und den „klassischeren Linken“ ist. Und damit teilweise auch eine Generationenkonflikt.

Die taz-Online- und Social-Media-Redakteurin Juliane Fiegler war entsetzt: Sie könne „echt nicht glauben, das macht mich fast sprachlos, dass diese Zeilen einfach durchgegangen sind und niemand ganz laut NEIN, STOPP! gerufen hat“, schrieb sie. Auch sie sei für Meinungsvielfalt. Aber hier gehe es um Rassismus-Erfahrungen. „Und sorry: Zum Thema Rassismus finde ich persönlich nur EINE Meinung ok.“

In diesen Sätzen steckt, wo die Differenzen liegen: In der Frage, was es genau bedeutet, wer spricht. Vor allem jüngere KollegInnen halten dies heute für entscheidend. Das zeigte auch der Tweet einer Kollegin vom Samstag: Sie hätte sich „gewünscht, dass all die White Privilege People“ nichts zu der „Müll“-Kolumne gesagt hätten. „Den Diskurs sollten diejenigen führen, die wirklich etwas zu struktureller Diskriminierung zu sagen haben.“

Das ist ja in der Tat der klassische Konflikt: Die einen schauen auf den Inhalt, die anderen nur darauf, wer etwas sagt und wer meint etwas dagegen sagen zu dürfen. Aus der Position der Schreibenden in der Opferhierarchie bezüglich des konkreten Themas  (hier PoCs leiden unter Polizeigewalt) ergibt sich dann die Berechtigung und allenfalls darf jemand aus einer anderen Opferhierarchie angeben, dass dessen Kategorie nicht mitbeachtet ist („Was ist mit Transsexuellen Polizisten?? Werden die nicht schon genug wie Müll behandelt?“) oder jemand aus der gleichen Opferkategorie kann anführen, dass sie noch zu mild ist.

Einige KollegInnen sahen ein „Redeverbot“ für Weiße anrollen. Ein Irrtum. Denn natürlich wird niemandem verboten zu reden. Erwartet wird vielmehr, sich der Auffassung anzuschließen, nichts zum Diskurs beizutragen zu haben, wenn man keine eigenen Erfahrungen hat – und deshalb freiwillig zu schweigen, anders also als Küppersbusch. So soll die gesellschaftliche Auseinandersetzung stärker von Benachteiligten bestimmt werden können und sich die Dinge deshalb zum Besseren verändern mögen.

Eine gar nicht so schlechte Darstellung. Es wird nicht verboten zu reden, es wird nur erwartet, dass man selbst merkt, dass man nicht reden sollte (und ein Verstoß dagegen natürlich dann wieder kritisiert).

Und deswegen „darf“ eine PoC-Autorin wie Hengameh Yaghoobifarah in den Augen intersektional Denkender auch „alles“, wie es hieß. Wer ihr das abspricht – und etwa an der Kolumne herummäkelt –, ist kein guter „ally“, Verbündeter der Diskriminierten, sondern verteidigt seine Privilegien. Und wer ihr das abspricht und selber PoC ist, ist in dieser Lesart ein „token“, also von Weißen manipuliert. Entscheidend ist die Zugehörigkeit zu einem privilegierten oder zu einem unterdrückten Kollektiv. Aus Letzterem soll Definitionsmacht erwachsen – das Recht also, zu bestimmen, was diskriminierend ist. Rassistisch etwa ist demnach, was von einer – im Zweifelsfall einzigen – PoC so empfunden wird. Für intersektional Denkende ist dies zwingend.

Es soll daraus Definitionsmacht erwachsen, aber nur sofern man sich an die zulässigen Definitionen hält – alles andere ist in der Tat dann ein Überlaufen zum Feind, denn es gibt nur eine Wahrheit. Und die steht ganz klar fest. Wer sie nicht teilt, der hat damit nichts verstanden oder will es aus politischen Gründen nicht verstehen.

(…) Ältere LeserInnen und RedakteurInnen der taz tun sich damit teils schwer. Einige sehen ihre blinde Flecken, im Weltbild und im eigenen Handeln. Andere sind verunsichert, fürchten Rassismusvorwürfe und fragen sich, wo und wie sie als Weiße mitreden sollen, wenn von ihnen eigentlich nur erwartet wird, „sich über den eigenen Rassismus zu bilden“. Und wieder andere finden, dass die Fixierung auf „Privilegenreflexion“ und Identität viele wichtige Fragen unter den Tisch fallen lässt. Oder sie stoßen sich daran, dass für die Vorstellung gemischter politischer Organisierung und Solidarität in der intersektionalen Vorstellung von Antirassismus wenig Platz ist.

In der Tat fallen dabei viele Fragen unter den Tisch. Beispielsweise spielt Klasse, früher eines der wichtigsten Kriterien innerhalb der Linken, quasi keine Rolle mehr, weil es auch zu Kategorien übergreifend ist. Und in der Tat führt Intersektionalismus schnell zu einer Trennung, zu einer Verstärkung der Unterschiede, zur Betonung von Sachen wie Geschlecht oder Rasse, statt zu einer Überwindung der Unterschiede.

Umgekehrt werfen jüngere KollegInnen den Älteren vor, Anstoß an der „Müll“-Kampagne zu nehmen, weil sie „ihre“ taz beschädige, nicht aber an rassistischen oder sexistischen Karikaturen, die nur andere verletzen. Für sie ist solch zweierlei Maß Ausdruck weißen Privilegs. Und das wollen sie nicht durchgehen lassen.

Natürlich nicht! Das darf man auch nicht durchgehen lassen. Wäre ja interessant wie da die Konflikte ausgetragen werden. Ich kann mir gut vorstellen, dass es da einiges an Verwerfungen gibt.

Was mit der politischen Fixierung auf Privilegien zu gewinnen ist, ist nicht ausgemacht. Diese zielt vor allem auf die Subjekte. Veränderung soll zum einen über moralische Anrufung und die daraus folgende Bereitschaft kommen, unrechtmäßige Vorteile abzutreten. In einer „neoprotestantischen Selbstdisziplinierung“ sollen Weiße ihre Besserstellung aufgeben und „Machtverhältnisse aktiv verlernen“, sagt der Soziologieprofessor und Mitgründer der Gruppe „Kanak Attak“, Vassilis Tsianos, dazu. „Die Organisationsfrage wird nicht gestellt, die Eigentumsverhältnisse werden nicht angetastet.“

Das finde ich ja auch nach wie vor naiv, aber hier gut dargestellt:

Veränderung soll zum einen über moralische Anrufung und die daraus folgende Bereitschaft kommen, unrechtmäßige Vorteile abzutreten

Ein ziemlich bescheuerter Ansatz. Gerade dann wenn die moralische Anrufung sich auf eine Gruppenschuld bezieht und daraus eine persönliche Verantwortung macht.

In einer „neoprotestantischen Selbstdisziplinierung“ sollen Weiße ihre Besserstellung aufgeben und „Machtverhältnisse aktiv verlernen“

Da haben sie sich alle Macht geschnappt und verlernen sie dann wieder, einfach nur weil man es ihnen sagt.

Auch Kritik am Staat ist bestenfalls sekundär. Denn der andere Weg, über den intersektional Denkende Veränderungen herbeiführen wollen, ist von oben: Institutionell verankerte Diversity soll nominell Unterprivilegierten – bei denen es sich allerdings ausnahmslos um AkademikerInnen handelt – Zugänge zur Macht verschaffen. „Reformeliten ohne soziale Bewegungen“, sagt Tsiannos.

Das ist kein dummes Konzept, wenn man derjenige ist, der dafür bezahlt wird die Veränderung für die Gesellschaft zu erreichen. Man braucht sich nicht groß mit einer Graswurzelbewegung beschäftigen, sondern man muss nur an die Fördertopfe ran.

Eines der Felder dieser Auseinandersetzung sind die Medien. Neben der stärkeren Repräsentation von Minderheiten steht dabei dreierlei im Raum, was aus teils guten Gründen gefordert, bislang aber kaum offen verhandelt wird.

Erstens: Meinungen sollen unterschiedlich behandelt werden, je nachdem, wer sie äußert. Wer unterdrückt wird, hat erst mal recht. Dafür stehen Imperative, die etwa bei #MeTwo zu hören waren: Nicht relativieren, nicht infrage stellen, nicht anzweifeln. Am besten gar nichts sagen. Nur zuhören. Wie viele es sich auch bei der „Müll“-Kolumne wünschten. Zum „nicht kritisieren“ ist es da nicht weit. Für Journalismus, der ohne zu kritisieren nutzlos ist, ist das heikel, für den gesellschaftlichen Dialog auch.

Mit der Einschränkung, dass er unterdrückt wird bzw zu einer unterdrückten Kategorie gehört (es kann ihm dabei wunderbar gehen) und auch das richtige sagen muss

Zweitens: Expertise, die auf eigener Erfahrung gründet, hat Vorrang. Heute ist ausgemacht, dass eine Talkrunde über Rassismus ohne PoCs inakzeptabel ist. Das Schlagwort lautet: Erkenntnisbarrieren. Aber was heißt das für andere Felder?

Erfahrungen allerdings, die als akzeptiertes Mitglied einer unterdrückten Kategorie gewonnen worden sind.
In der Tat kann in der Sicht ein männlicher Forscher, der zB jahrelang mit vielen Veröffentlichungen zu den Ursachen des Gender Pay Gaps geforscht hat und diese eben nicht auf Sexismus zurückführt, nicht gegen eine Frau ankommen, die anführt, dass sie nur wegen Sexismus nicht mehr verdient.

Drittens: Diskriminierten soll Sicherheit vor Verletzungen garantiert werden. Für den Journalismus heißt dies, sprachliche Gewalt zu unterbinden. Das bekannteste Beispiel ist die Ächtung des verletzenden N-Worts. Die Implikationen gehen allerdings darüber hinaus: Wenn der Gewaltbegriff tendenziell der sozialen Aushandlung entzogen und der individuellen Definitionsmacht übertragen wird, ist er zwangsläufig entgrenzt. Auch ein Satz wie der eingangs geschilderte von Küppersbusch kann dann als rassistisch ausgelegt werden – und müsste folglich gestrichen werden. Extrem heikel.

Auch das ein interessanter Punkt. Ein Marginalisierter hat einen Anspruch darauf, dass er vor allen Anfeindungen geschützt wird und sicher ist. Ein Privilegierter hingegen sollte mal die Erfahrung machen wie es ist schlecht behandelt zu werden. Wird ihm nur gut tun. Der Satz hier dazu: „Wenn der Gewaltbegriff tendenziell der sozialen Aushandlung entzogen und der individuellen Definitionsmacht übertragen wird, ist er zwangsläufig entgrenzt“. Finde ich gut. Es wird eben Gewalt neu definiert in „berechtigtes sich wehren und nach oben treten“ und „Unberechtigte Angriffe und nach unten treten“. Berechtigtes nach oben treten kann es dann auch sein, wenn man in einer Zeitschrift mit hoher Auflage alles schreiben kann, was man will.

 

Jochen König: „Vätern, die nicht mindestens 7 Monate Elternzeit nehmen, das Sorgerecht aberkennen“

Der männliche Feminist Jochen König will Väter zwingen mal endlich nicht mehr faul zu sein und so etwas einfaches wie die Erwerbsarbeit zu machen, während die Frauen hart Kinder betreuen und plädiert dafür, dass man ihnen das Sorgerecht aberkennt, wenn sie nicht mindestens 7 Monate Elternzeit nehmen.

Zu seiner Situation führt er aus:

Meine kleine Tochter hat drei Eltern. Mit keiner der beiden anderen Elternteile war ich in einer Liebesbeziehung. Seit ihrer Geburt kümmern wir uns um sie zu dritt auf Basis unserer gemeinsamen Freundschaft. In der Krise verteilt sich die Last auf vielen Schultern. Trotzdem ist das alles auch für uns eine große Herausforderung. An vielen Tagen versuche ich verzweifelt, Homeoffice, Homeschooling und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen. Ich bin Bereichsleiter in einem sozialen Unternehmen und wenn wir uns zur Leitungsrunde in der Videokonferenz treffen, bin ich der Einzige, bei dem Kinder im Hintergrund durchs Bild laufen. Die Kinder der anderen Väter werden in der Zeit von den jeweiligen Müttern betreut. Mütter mit kleinen Kindern sind auf dieser Hierarchieebene gar nicht erst vertreten. Mehr noch als vorher muss ich – wie die Mehrzahl der Mütter – beruflich mit Männern konkurrieren, die wesentlich mehr Zeit und Energie in ihre Karrieren investieren können als ich.

Wenn ich es richtig verstehe, dann hat er sich von seiner – anscheinend eher auf Karriere fixierten Freundin getrennt oder sie von ihm und zieht jetzt sein Kind zusammen mit einem lesbischen Paar groß. 

Drei Elternteile und ein Kind – da muss der Alltag gut organisiert sein, zumal die beiden Mütter nicht zusammen wohnen. Sechs Tage verbringt das Kind bei seinem Vater, sechs Tage bei der einen Mutter und zwei Tage bei der zweiten Mutter. Große Entscheidungen treffen sie gemeinsam: In welche Kita soll das Kind gehen, welche Schule soll es mal werden? Aber sie würden nicht alles ausdiskutieren, sagt Jochen. Kinder könnten es gut kompensieren, wenn nicht jeder Haushalt nach den gleichen Regeln liefe.

Er betreibt also eine Art Wechselmodell, bei dem er der einzige mit Sorgerecht sein dürfte, auch wenn es anders gelebt wird. Ein Modell, welches anscheinend für ihn klappt aber welches ja so für die allerwenigsten funktionieren dürfte.

Es ist eine gute Frage, warum es ihm so auf die Nerven geht, dass andere ihr Leben anders aufteilen, dass er sie bestrafen möchte. Er verlagert immerhin von 14 Tagen 8 auf Fremde, die mit dem Kind erst einmal nichts zu tun haben und bringt sie für seinen Vorteil sogar noch um Rente und Gehalt in ihrer Karriere. In einer Ehe bekommt der Partner immerhin für diese Freistellung einiges von dem anderen ab. Hier scheinen die anderen beiden leer auszugehen und er die Vorteile dieses Deals einzustreichen.

Er schreibt:

Vielleicht ist es an der Zeit, die Strategie zu wechseln. Statt Väter mit immer neuen Angeboten zu locken, könnten einfach diejenigen gestärkt werden, die sich tatsächlich um ihre Kinder kümmern. Die Familienpolitik könnte aufhören, einem Ideal von innerfamiliärer Gleichberechtigung hinterherzuhecheln, zu dem Väter seit Jahrzehnten ihren Anteil beharrlich verweigern. Vielleicht sind Väter in heterosexuellen Kleinfamilien einfach nicht immer dafür gemacht, Verantwortung zu tragen und ihren Teil der Arbeit zu übernehmen.

Wer Vollzeit arbeitet und nicht mindestens sieben Monate in Elternzeit geht, könnte beispielsweise grundsätzlich das Sorgerecht verlieren. Wer sich auf diese Weise unsolidarisch gegenüber dem anderen Elternteil und den eigenen Kindern verhält, hat nichts mitzuentscheiden. Vielleicht würde das etwas mehr Väter motivieren, in der Familie aktiver zu sein. Damit Mütter dann allerdings im wahrscheinlicheren Fall nicht allein dastehen, müssten zusätzlich größere Elternnetzwerke gefördert und gestärkt werden.

Allein aufgrund seiner eigenen Historie hätte er ja eigentlich den Artikel auch vollkommen geschlechtsneutral halten können. Aber er scheint einen gewissen Hass auf Leute entwickelt zu haben, die keine Kinderbetreuung übernehmen, sondern lieber die Versorgung übernehmen.
Das Männer ihren „Anteil beharrlich verweigern“ ist auch lustig wenn die meisten davon mit den betreuenden Frauen gemeinsame Kasse machen und über Unterhalt, Zugewinn und Versorgungsausgleich davon profitieren.

Statt mit der Ehe ungleiche Aufgabenteilungen staatlich zu subventionieren, könnten Zusammenschlüsse von Menschen gefördert werden, die sich solidarisch und gemeinsam kümmern. Neben der Investition in Zukunftstechnologien jenseits der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen könnte ein Corona-Konjunkturpaket eine Innovationsprämie für zukunftsfähige Familienmodelle jenseits der Abhängigkeit von Vätern enthalten.

Ah, er will also die Förderung seines Lebensentwurfes. Wäre interessant, wie er sich das vorstellt. Anscheinend soll ja der Staat was an die Betreuenden zahlen. Und nicht die blöden normalen Familien mit ihrem  Ausbeutern, die „nur“ das Geld (und die Betreuung nach der Arbeit und am Wochenende) einbringen. Ganz schlimm so etwas. Die haben echt kein Sorgerecht verdient. Sondern nur innovative Konzepte wie das seine.

Aber mal weg von seinem Fall:
Was geht es ihn tatsächlich an, wie Leute ihre Betreuung einteilen wollen? Uns geht es ja auch nicht an, wenn er eine Ko-Elternschaft mit Freunden betreibt, solange es dem Kind dabei gut geht.
Natürlich gibt es auch genug Konstellationen, bei denen es durchaus schwierig ist die 7 Monate zu nehmen. Von der Hausfrau, die Hausfrau sein möchte und bei denen dann wenn er lange aussetzt dann schlicht das Geld nicht reinkommt. Über den Selbständigen, der es sich schlicht nicht erlauben kann, dass er 7 Monate nicht arbeitet und damit sein Unternehmen gefährdet. Bis zu anderen großen Gehaltsunterschieden, die ein solches Aussetzen uninteressant machen.

Und mit welchem Recht überhaupt das Sorgerecht aberkennen und was soll das bringen? Ist es dann auf immer weg oder kann man danach einfach wieder eine Sorgeerklärung abgeben bzw einen Antrag bei Gericht stellen, bei dem der Partner vollauf einverstanden ist?
Aus meiner Sicht wäre so etwas noch nicht einmal verfassungsmäßig.

Insofern ein wenig durchdachter Artikel, der mir eher damit zusammen zu hängen scheint, dass jemand irgendwie eifersüchtig ist.

Wirkt sich der Faktor wie stark eine Sprache gendert auf die Gleichberechtigung in den Ländern aus?

Mir wurde wiederholt diese Studie hier als Beleg dafür vorgehalten, dass die feministischen Theorien zum Gendern und ihren Auswirkungen richtig sind:

ABSTRACT

Women lag behind men in many domains. Feminist scholars have proposed that sex-based grammatical systems in languages reinforce traditional conceptions of gender roles, which in turn contribute to disadvantaging women. This article evaluates the empirical plausibility of this claim in the context of women’s labour market outcomes. Based on a sample of over 100 countries, the analysis shows that places where the majority language is gender-intensive have lower participation of women in the labour force. Individual-level estimates further underscore this finding and indicate a higher prevalence of gender-discriminatory attitudes among speakers of gender-intensive languages.

Quelle: Gender in Language and Gender in Employment

Dort wird zunächst eine Einteilung von Sprachen in drei Kategorien vorgenommen,

0 = fast gar nicht gegendert

1 = leicht gegendert

2= stark gegendert

Deutsch hat wie die skandinavischen Sprachen und die englische Sprache jeweils eine 1, also leicht gegendert, was schon mal keine Unterscheidung zwischen „der die das“ und „the“ macht. Allein das scheint mir schon eine wenig geeignete Skala zu sein.

Die arabischen Sprachen bekommen eine 2. 0 haben einige afrikanische und asiatische Länder.

Das wird dann wiederum mit dem Anteil von Frauen an der arbeitenden Bevölkerung verglichen. Aus meiner Sicht ein wenig geeigneter Vergleich, denn der Anteil sagt recht wenig aus. Er wird in armen Ländern evtl höher sein, einfach weil man dort arbeiten muss. Das muss aber kein Zeichen für Gleichberechtigung sein.

Es ist wenig verständlich, dass man es nicht zumindest mal mit sonst üblichen Faktoren wie dem Gender Pay Gap oder dem Gleichstellungsindex verglichen hat. Auch „Frauen in den Vorständen des jeweiligen Börsenindexes der wichtigsten Unternehmen“ (also in Deutschland der Dax) oder „Frauen im Parlament des Landes“ (wäre interessant, ob man es versucht hat dann aber nicht zu den passenden Ergebnissen gekommen ist)

Nach der obigen Betrachtung sind Japan und die Niederlande etwas gleich gleichberechtigt, Japan ist etwas besser. Japan schneidet aber bei Frauen in Vorständen traditionell schlecht ab, die Niederlande deutlich besser. Japan hat auch eine äußerst niedrige Frauenquote in der Politik (9,3% im Unterhaus) die Niederlande kommen auf 40,7%.

Beim Gender Equality Index kommt Japan immerhin auf den 19ten Platz, die Niederlande immerhin auf den 10ten Platz.

Niger mit der Sprache Hausa kommt auf 43% Beteiligung, also besser als die Niederlande und Japan, beim Gender Equality Index aber auf den letzten Platz von 189 Ländern. Immerhin hat es auch eine sexistische Sprache (2).

Mali kommt mit der neutralen Sprache Bambara (0) auf 46.1 Frauenanteil bei der Arbeit, aber auf den 182 Platz beim Gender Equality Index.

Malawi kommt mit der ebenfalls neutralen Sprache Chichewa (0) auf  49.0%,aber belegt den 171 Platz.

Interessanterweise sagt diese Studie aus, dass man arabischen Kindern für mehr Gleichberechtigung möglichst kein arabisch, sondern lieber deutsch beibringen sollte. Weil die arabische Sprache sexistischer macht bzw Gleichberechtigung verhindert.

Das würde ich als These gerne mal von feministischer Seite hören.

 

 

 

 

Warum der intersektionale Feminismus nur zerstören will, aber keine Pläne hat wie die „Neue Welt“ funktioniert

Diesen Dialog fand ich ganz interessant:

Yeyo:

Grievance studies and critical theory talk a lot about deconstruction but very little about construction. They want to tear down society but have no clue about what is going to replace it.

The Rino

heir understanding of racism is deeply flawed. This leads to an “abolish” mentality. If they had the correct understanding they would know that racism will still exist when after they tear society down. They would know that you can’t eliminate it, but can only contain it.

Yeyo:

It’s what Thomas Sowell referred to as the unconstrained vision of human nature. Human nature is flawless, all bad things appear only because of the corrupting influence from oppressive institutions. So the solution is to tear those institutions down.

Wir hatten hier schon einmal die These, dass alle die, die in einer Kategorie „Opfer“ innerhalb des intersektionalen Feminismus sind im Prinzip Abwandlungen des „edlen Wilden“ sind, die erst durch die böse Gesellschaft korrumpiert worden sind.

  • Die PoCs durch die Unterdrückung durch den weißen Mann, die Schwarzen durch Kolonialismus und den Sklavenhandel
  • die Dicken durch westliche Schönheitsideale
  • der Islam durch die Abwertung durch den Westen und den Kolonialismus
  • die Frauen durch Geschlechterrollen
  • Die Transexuellen durch binäre Geschlechterrollen
  • Und selbst die Männer könnten gut sein, sind aber  durch andere Männer korrumpiert

Dieser Einfluss muss nur beseitigt werden, dann bricht irgendwie das Paradies aus. Und irgendwie ist das plötzlich kein Rassismus, keine Vergewaltigung, keine unterschiedlichen Löhne, nichts schlechtes mehr. Aber es wird eben auch nicht konkret, ein wirkliches „Endspiel“ gibt es nicht, es bleibt vage. Das bisherige muss nur weg. Dann wird magisch alles besser.

Feminismus ist in der Hinsicht eben eine Religion.

Und in Religionen fragt man auch nicht, wo die Leute im Paradies das Essen herbekommen, ob sie noch Sex haben können oder wie zwischenmenschliche Beziehungen aussehen, wenn plötzlich alle alles haben. Es sind ja nur die Guten dort oben, also verstehen sich alle super und allen geht es gut.

So ist es auch im Feminismus: Plötzlich verstehen sich alle, alle sind gleich, alle schätzen sich, Konflikte sind bereits nicht mehr denkbar und danach fragen ist blöd. Wenn es Konflikte noch geben würde, dann müsste eben noch Patriarchat oder Weiße Unterdrückung vorhanden sein. Woher sollte es sonst komme?

 

Mgtow

Dies ist ein Gastbeitrag von Pfeffer und Salz

MGTOW
Vorweg: Dieser Artikel stellt meine Sicht der Dinge dar, so wie ich MGTOW erlebe. Die Ansichten anderer MGTOW sind hier nicht beschrieben, da dies ein Widerspruch in sich selbst wäre. Jeder MGTOW kann nur für sich selbst sprechen.

Wir MGTOW (men go their own way – Männer die ihren eigenen Weg gehen) sind in der Manosphäre eine besondere Gruppe. Wir sind nicht fassbar, wir haben nur wenige Berührungspunkte untereinander und außer im Internet, sind wir praktisch unsichtbar. Wir sind so etwas wie das Phantom, der Schatten der ein Eigenleben führt. Jeder Versuch uns zu identifizieren schlägt fehlt. Das hat einen einfachen Grund: Wir sind keine Gruppe, wir sind Individualisten die sich ein Label gegeben haben aber ansonsten nicht viel miteinander zu tun haben. Wir treffen uns nur im Internet und auch nur unter Pseudonymen. Die wichtigste Regel hierbei ist es, sich nicht in der realen Welt als MGTOW zu outen. Man spricht nicht über den Fight Club.

Wir werden zum Teil der Manosphäre, also der Menschen die sich für die Anliegen von Männern einsetzt, gezählt. Dies ist durchaus verständlich, sind doch viele MGTOW vorher einmal mit dem Thema in Berührung gekommen und mache von uns waren zuvor Männerrechtsaktivisten oder Pick-Up-Artists, die irgendwann den Weg zum MGTOW gefunden haben. Allerdings glauben wir nicht an eine Veränderung der Gesellschaft in unserem Sinne, sondern nur an die Möglichkeit sich selbst zu retten.

Doch was sind wir nun? Im Prinzip sind wir Einzelpersonen, die auf die, von der Gesellschaft aufgestellten Regeln, in Bezug auf Männer und Frauen pfeifen. Eine der wenigen Gemeinsamkeiten von uns MGTOW ist, dass wir der staatlichen und gesellschaftlichen Einmischung in Beziehungen entgegenstehen. Das bedeutet, wir verweigern uns der Ehe und solchen Beziehungen in denen Frauen einen Rechtsanspruch auf irgendetwas erwerben. In vielen Ländern ist es inzwischen so, dass eine Frau, die bei einem Mann in der gleichen Wohnung lebt, einen Rechtsanspruch auf einen Teil seiner Güter und unter Umständen sogar auf die gemeinsame Wohnung erhält. Dies kann dazu führen, dass der Mann bei einer Trennung seine eigene Wohnung verlassen muss, obwohl sie ihm selbst gehört und man nicht verheiratet ist. Dies ist natürlich schlecht und deswegen vermeiden viele MGTOW Beziehungen komplett, da wir den Nutzen solcher für uns negativen Praktiken nicht sehen.

Strömungen
Grob gesagt gibt es im Prinzip drei Hauptströmungen im MGTOW, die Vulgäre, die Philosophische und die Desinteressierte. Die vulgäre Strömung beschäftigt sich viel mit dem Feminismus und ist offen feindselig gegenüber liberalen Frauen und ihrer selbsternannten Vertretung dem Feminismus eingestellt. Diese Strömung ist auch in meinen Augen eher mit den Incels (involuntary celibate – unfreiwilliges Zölibat) verbandelt. Ich selbst sehe diese Strömung nicht als MGTOW an, da ihre „Mitglieder“ sich nicht von den Frauen trennen können. Viele sehen ihren Rückzug von Frauen als eine Art Bestrafung dieser an. Ganz nach dem Motto: „Ihr werdet ja sehen was ihr davon habt wenn wir weg sind“. In dieser Strömung sind auch viele Konservative zu finden, die im Prinzip eine Rückkehr zu den „traditionellen Werten“ fordern. Viele von diesen MGTOW würden auch eine traditionelle Frau heiraten da sie glauben, dass der Feminismus die Frauen verdorben hat und, dass traditionelle Frauen doch ganz anders sind. Wir nennen dies das AMIGA-Syndrom (Aber meine ist ganz anders) welches im englischen auch (NAWALT – Not all women are like that) genannt wird.

Die philosophische Strömung hingegen beschäftigt sich mit der Ursache der ungleichen Behandlung der Geschlechter und analysiert diese, um daraus praktische Schlüsse für das eigene Leben ziehen zu können. Diese Strömung hat im Allgemeinen keinen Hass gegenüber Frauen, da sie erkannt hat, dass Frauen nur das über die Evolution erworbene weibliche Programm abspielen. Für diese Strömung ist der Feminismus durchaus nützlich, da er es erst ermöglicht hat, die Natur der Frauen zu verstehen. Den „Mitgliedern“ dieser Strömung ist es klar, dass eine Frau immer ein Frau bleiben wird, egal ob sie traditionelle Werte vertritt oder liberal ist, egal ob sie aus den USA oder aus Thailand kommt. Am Ende ist sie immer noch eine Frau. Darum ist für die „Mitglieder“ dieser Strömung auch die traditionelle Frau keine Option.
Und dann gibt es noch die desinteressierte Strömung. Diese ist diejenige, die sich wirklich vom Thema Frauen löst und ihr Glück in anderen Dingen wie z.B. Hobbies findet. Die Desinteressierten gehen wirklich ihren eigenen Weg, denken nicht länger über Frauen und Beziehungen nach und leben einfach ein gutes Leben. In dieser Strömung findet man auch die meisten der MGTOW-Monks (siehe unten).
Oft ist es so, dass ein MGTOW die verschiedenen Strömungen durchläuft. Ich selbst befinde mich von der philosophischen Strömung auf dem Weg in die Desinteressierte. Das Thema Frauen ist für mich nur noch von untergeordnetem Interesse.
Sex und Enthaltsamkeit
Was Sex mit Frauen außerhalb von Beziehungen angeht, so gibt es die MGTOW welche das entspannt sehen und solche die Sex mit Frauen vollständig ablehnen. Die MGTOW-Monks sind die letzteren, sie lehnen Sex mit Frauen vollständig ab. Man sagt dazu auch „going monk“. Der Grund warum die Mönche dies tun, ist die Angst vor Falschbeschuldigungen von Seiten der Frau und nicht adäquate Nutzen dieser sexuellen Interaktion. Dieser Gefahr wollen sie sich durch eine Distanzierung von Frauen auch auf sexueller Ebene entziehen. Manche finden aber auch Frauen und Sex langweilig und überbewertet.
Andere, wie ich selbst auch, sehen One Night Stands als durchaus legitim an, solange der Aufwand nicht zu groß wird und die Gefahr beherrschbar bleibt. Wieder andere sehen nur die Prostitution als akzeptabel an. Auch hier gibt es keine Gemeinsamkeiten.

Politische Überzeugungen
Feministen und auch viele bürgerliche Medien sehen MGTOW als Sexisten, Rassisten und verkappte Nazis an. Tatsächlich gibt es unter dem Label genau das, Sexisten, Rassisten und verkappte Nazis. Aber es gibt auch viele linke MGTOW die weder Sexisten, Rassisten oder verkappte Nazis sind. Vom philosophischen Standpunkt aus macht eine politische Einordnung allerdings keinen Sinn, da es gerade das Wesen des Individualismus ist, sich nicht vor den Karren anderer spannen zu lassen. Tatsächlich sind in Deutschland (und vermutlich auch weltweit) alle Parteien den MGTOW feindlich eingestellt, da sie die Unterordnung aller Menschen fordern. Da sind natürlich Individualisten, die den unausgesprochenen Gesellschaftsvertrag, bei dem Männer die Frauen für ihre Existenz bezahlen, ablehnen, ungerne gesehen. Deswegen macht es auch keinen Sinn uns mit Parteien wie der der AfD in Zusammenhang zu bringen, da diese das Gegenteil von dem propagiert was wir wollen. Auch in den USA werden MGTOW oft mit Trump in Verbindung gebracht was aber auch ein Trugschluss ist. Ich als MGTOW will von keinem außer mir selbst vertreten werden und lehne jede Partei und jeden Politiker ab, da er sich ein Recht anmaßt über mich entscheiden zu wollen.

Männer und Frauen lehnen die Theorien um „toxische Männlichkeit“ in Mehrheit ab und finden sie beleidigend

Eine interessante Studie untersucht die Akzeptanz von Begriffen wie „Toxische Männlichkeit“ (via Arne)

Masculinity is frequently talked about in contemporary Western media as being in crisis, needing reform or even being ‘toxic’. However, no research to date has assessed the impact that this pervasive narrative might be having on people, particularly men themselves. This cross-sectional online pilot survey asked 203 men and 52 women (mean + SD age 46 + 13) their opinions about the terms toxic masculinity, traditional masculinity, and positive masculinity, and how they would feel if their gender was seen as the cause of their relationship or job problems. Most participants thought the term toxic masculinity insulting, probably harmful to boys, and unlikely to help men’s behaviour. Having feminist views, especially being anti-patriarchy, were correlated with more tolerance of the term toxic masculinity. Most participants said they would be unhappy if their masculinity or femininity were blamed for their work or relationship problems. Further analysis using multiple linear regression found that men’s self-esteem was significantly predicted by older age, more education, and a greater acceptance of traditional masculinity. Men’s mental positivity – which is known to be negatively correlated with suicidality – was significantly predicted by older age, a greater acceptance of traditional masculinity, and more education. Implications for the mental health of men and boys are discussed in relation to the narrative around masculinity in the media, social sciences, and in clinical psychology.

Quelle: Reactions to contemporary narratives about masculinity: A pilot study

Es wurde hier schon häufiger diskutiert, dass die Akzeptanz der Theorien sich auf bestimmte Kreise beschränkt und gerade in der „normalen Bevölkerung“ zwar eine gewisse Kenntnis besteht, soweit diese jünger sind, aber eigentlich keine Rolle in deren Leben spielt. Der typische Arbeiter hat keinen großen Bezug zu Privilegien etc.

Entsprechend scheint die Studie zu bestätigen, dass viele Personen diese Theorien ablehnen.

„Klar“ würde vielleicht jemand aus den Gender Studies sagen „die Männer wollen ja auch ihre Privilegien nicht ablegen und merken gar nicht wie toxisch sind. Und die Frauen und Männer haben keine Vorstellung davon, wie gut die Welt ohne toxische Männlichkeit wäre. Wir müssen es ihnen beibringen und dazu brauchen wir mehr Gender Professuren, mehr Medienaufmerksamkeit und mehr Geld“

Es ist in der Hinsicht ganz interessant auf anderen „neutralen“ Seiten, etwa auf Spass ausgerichtete Seiten wie 9gag die Kommentare zu lesen, wenn Social Justice Theorien Thema sind. Dort sieht man, dass die meisten Leser dort die Theorien eher übertrieben finden.

Andererseits sind viele Seiten und Medien voll von Themen und Artikeln aus der Sicht der Gender Studies.
Insofern begrüße ich, dass jemand sich des Themas annimmt und dort einmal untersucht, wie die Leute eigentlich zu den Begriffen stehen.

Noch aus der Studie:

Die Tabelle muss man so lesen, dass in die leere Stelle vor „Masculinity“ entweder „Traditional“, „Toxic“ oder Positive“ einzusetzen ist und dann kann in der Tabelle abgelesen werden, welche der Aussagen zugestimmt wird.

Da wird deutlich, dass die Idee von toxischer Männlichkeit von den wengisten (10,1%) als etwas gesehen wird, was sie sich besser verhalten lässt (eben indem sie sich davon abgrenzen), hingegen traditionelle Männlichkeit weitaus besser abschneidet.

88,4% meinen, dass die Idee von toxischer Männlichkeit sich negativ auf Jungen auswirkt. Und nur 10% finden die Theorie hilfreich. 87,9% der Männer und 84,6% der Frauen (bei sehr kleiner Teilnehmerzahl) finden die Theorie der toxischen Männlichkeit als beleidigend.

Es ist eine interessante Studie, die sich Politiker einmal genau anschauen sollten. In ihrem Umfeld mögen viele Personen sein, die die Theorie überzeugend finden, weil Frauen, die in die Politik gehen wollen häufig diese Ansätze verfolgen, der Anteil in der Bevölkerung, die, die die Politiker wählen, ist aber deutlich geringer.

 

Studie: Männliche Opfer von häuslicher Gewalt: Teilnehmer gesucht