Mütter bewerten Weinerlichkeit bei Jungs negativer, dafür Ärger bei Mädchen positiver. Väter eher Neutral

Eine interessante Studie hat sich der Frage angenommen, wie Väter und Mütter auf heulende Kinder, und zwar getrennt nach Söhnen und Töchtern, reagieren.

This study examined mothers’ and fathers’ (N = 102) beliefs about emotion and emotion expression in boys and girls aged 8 to 12 years using a mixed-methods design. Parents attended two focus group sessions 2 weeks apart. A thematic analysis of the group transcripts resulted in six themes: value in the experience and expression of emotion, vulnerability in the experience and expression of emotion, multiple influences on children’s learning about emotion, distinct expectations for emotion displays at home versus in public, gender roles influence emotion expectations, and generational shift in emotion-related expectations. Identified themes were consistent with previous research, yet new themes emerged relevant to gender and gender roles within society. Implications of gender-related roles and expectancies are discussed.

Quelle: A Thematic Analysis of Parents’ Gendered Beliefs About Emotion in Middle Childhood Boys and Girls

Aus einem Artikel zu der Studie:

Fathers want their sons to toughen up in moments of sadness, while mothers are much more likely to encourage them to express their emotions – at least that’s what gender stereotypes would lead us to think.

But a new study conducted by researchers at the University of Guelph suggests that moms, not dads, may be the ones implicitly perpetuating the gender stereotype that boys don’t cry.

Also scheint es nach der Studie so zu sein, dass eher Mütter das Klischee unterstützen statt den Vätern.

Das ist natürlich vor dem Hintergrund der Debatte über „Toxische Männlichkeit“ und „was macht ihr Männer eigentlich um gegen toxische Männlichkeit zu kämpfen“ durchaus interessant.

“We expected that both moms and dads would favour girls crying over boys crying. That’s based on the stereotype that boys shouldn’t cry,” said psychology professor Kristel Thomassin, who conducted the study published last month in the Canadian Journal of Behavioural Science. “We did find that – but only for moms.”

Natürlich ist es immer – wie auch im Text weiter ausgeführt – die Frage, ob man die Studie auf das tatsächliche Leben übertragen kann.

Almost 600 parents from Canada and the United States participated in the study. After completing a test to measure their latent attitudes toward emotional expression, study participants were shown images of children between the ages of 8 and 12 conveying either sadness or anger. The participants were then told to sort each image into either a “pleasant” or “unpleasant” category.

While fathers generally showed no gender bias when it came to displaying sadness or anger, the study found that mothers favoured girls crying over boys crying and had a similar bias when it came to anger.

“Moms actually think that girls expressing anger is more pleasant or more acceptable than boys expressing anger,” Prof. Thomassin said.

Also die Mädchen können bei Frauen eher wütend sein, die Jungs aber nicht weinerlich. Männer hingegen sind da weniger vorurteilshaftbelastet.

The findings could reflect the participants’ actual beliefs. Another hypothesis is that they simply reflect their awareness of, and responsiveness to, cultural stereotypes, Prof. Thomassin said.

“It’s more acceptable for women or girls in general to be more emotionally expressive than boys, no matter what the emotion is,” she said.

Auch da würde sich dann aber ein erheblicher Unterschied zeigen, der dann wiederum hauptsächlich bei den Müttern besteht.

 

It’s likely that many mothers in the study may have found images of boys crying to be “unpleasant” because they know that, no matter how unfair it may be, boys who do so are likely to be teased and bullied by their peers, Prof. Thomassin said.

Warum sollte das nur bei der Mutter der Fall sein? Der Vater müsste dieses Wissen ja sogar noch eher haben.

Erfahrungen einer Frau in einem technischen Beruf und mit Diskriminierung allgemein

Leserin Sophie schildert ihre Erfahrungen als Frau in einer eher männlich geprägten Branche wie folgt:

Ich geb mal als bekennende Verräterin (:D stolz drauf) in den Augen der Feministen meinen Senf dazu. Da ich selbst relativ junge, noch Kinderlose Ingenieurin bin (Werkstofftechnik, Schweißfachingenieur in einem klassischen Stahlbauunternehmen), kann ich da einen exemplarischen Einblick in die angebliche Diskriminierungshochburg geben:
Unter meinen Kollegen (eher der, „klassische“ Männertyp, gut ausgebildet, technisch, liebt Fußball und Männerabende) gibt es aus meimer Sicht keine offene Diskriminierung. Es ist also alles entspannt. Ich habe öfters mal den Eindruck, dass man mir Unwissenheit unterstellt und dann sich mit Erklärungen etwas wichtig tut (Feninisten würden es Mens-plaining nennen) . Das beziehe ich jedoch nicht auf mein Geschlecht, sondern eher auf meine Introversion (Schweigen wird ja oft als Schwäche interpretiert, oft von Extravertierten) und meinen Status als Neuling. Ich bin aber auch seit jeher mehrheitlich mit Männern und ausgewählten Frauen aus meinem technischen Bereich befreundet und daher gegen einige Witzchen abgehärtet (wobei andere darauf heftiger reagieren – ich kenne den Werkstattslang und mag des exquisiten Frauen-Geschmack, ausgedrückt durch die Erotikkalender in der Werkstatt – trotz Heterosexualität ;o) ). Wenn ich Sexismus erlebt habe, dann eher von wenigen Doktoren und Professoren an meiner Uni und das auch nur von denen, die generell machtgeil sind und nur bei Frauen die Sexismuskarte in ihrem Dominanzgerangel spielen, weil sie glauben, jede Frau springt drauf an). Nie und ausdrücklich nie erlebte ich Diskriminierung von Arbeitern in der Werkstatt. Die reagieren allesamt positiv auf mich als Ingenieurin, obwohl ich definitiv optisch eine Gewichtsklasse über dem „Ideal“. Nettigkeit aus Geilheit wird seitens der Feministen den Männern oft unterstellt. Kann ich ausdrücklich verneinen. Was tatsächlich stimmt: Frauen schieben Meinungsverschiedenheiten oft auf Geschlschterunterschiede, als auf eigen /beidseitig verursachte Kommunikationsprobleme. Gerade klischeehaft die Frauen aus der Buchhaltung und Sekretärinnen. Unser Chef ist genderneutral cholerisch – der brüllt alle an :D. In meiner Firma bin ich leider jetzt die einzige Frau im Technikbereich (die anderen eher in den Finanzen und Buchhaltung). Ich erlebe aber, bei meiner Vorgängerin war es auch so, dass bei uns die (5) Frauen in der Firma, mich eingeschlossen, vorwiegend Überstunden machen (40h pro Woche + nicht vergütete 10 ÜS sind bei mir die Arbeitszeit, keine Gleitzeit, Osten). Wobei die Männer eher darauf achten pünktlich zu gehen. Der Chef hat aber keine Führungsqualitäten. Wir Frauen kuschen eher aus falschem Autoritätsglauben und Pflichtbewusstsein, anstatt es richtig zu machen (ich nehm mich da nicht raus).
Das einzige, was ich erlebt habe, und auch von meinen Kolleginnen (2 gegangen, eine wie ich aus der Tätigkeit bewerbend) bestätig bekommen habe, dass man als junge, kinderlose Frau etwas länger sucht. Der AG hat halt die übliche Schwangerschaftangst. Nach der Uni hatte ich 4 Monate länger gesucht als mein Partner (gleicher Abschluss, gleiche Uni, gleiches Alter) und ich hatte mehr neben dem Studium gearbeitet plus mein SFI. Ich hatte eine höhere Absagenquote. Dasselbe erlebt meine Kollegin im Betrieb (Wirtschaftsingenieurin). Sie sucht auch gerade krampfhaft seit einem Jahr. Nun kann ich Bewerbungsfehler bei ihr nicht ausschließen, aber da ergbit sich eine kleine Differenz von Seiten der AG beim Bewerben. Gehaltstechnisch verdiene ich 4000 Euro mehr Brutto als mein Partner. Das kann aber Branchenabhängig sein und ich habe besser verhandelt :D. Also kein Gender Pay Gap von meiner Seite. Probleme auf Arbeit sind eher kommunikativer und persönlicher Natur. Frauen und Männer haben halt andere Sozialstrukturen und geschlechtertypische Eigenarten in der Kommunikation. Daher empfinde ich es als anstrengend inzwischen die einzige Frau im technischen Bereich zu sein, da ich naturgemäß aus dem üblichen Verbrüderungssaufen ausgeschlossen werde. Ich hätte gern mal eine 2. Ingenieurin/Technikerin mit der ich mal fachlich reden kann. Ich bin aber trotzdem gegen eine Quote (außer, wenn es auch eine Männerquote in Frauenberufen gibt). Ich würde mich diskriminiert fühlen durch eine Quote. Wenn ich mir ein Verhältnis wünschen könnte, dann Frau:Mann=10:90 bis 60:40 (zu viele Frauen sind mir persönlich zu anstrengend, die Sozialstruktur sollte nicht zu homogen sein. Also mein Verhältnis im technischen Bereich Frau:Mann=1:80, gesamt 6:83 ist einfach zu wenig. 20% kann man schon versuchen such als Wunschziel zu setzen und eben nicht jeder Frau im gebärfähigem Alter unterstellen, sie würde 3 Monate nach der Einstellung gleich Schwanger werden. Nicht jede Frau will ein Kind.
Ich denke Frauen müssen einfach Eier(stöcke) haben und sich in die Branchen trauen. Männer sind generell in der Mehrheit ziemlich angenehme Menschen (einzelne Personen mit Minderwertigkeitskomplexen ausgeschlossen). Tatsächlich werden Frauen, die offen sagen, dass sie keine Kinder wollen, von ihrem Umfeld (auch von Kollegen sehr stark dikriminiert).
Mein Fazit als „Betroffene“: hinter der Diskriminierungsdebatte steckt aus meiner Sicht mehr eine gefühlte Wahrheit und weniger Fakten. Die Frauen sollten weniger reden, sondern mehr den Männern Karrieretechnisch folgen.
Und zu der „wer bleibt zu Hause“-Debatte: einfach festlegen 3Monate +1Jahr Frau, dann 1 Jahr der Mann oder eine teure Nanny, dann Kindergarten. Aber keine Frau traut sich das Prinzip durchzusetzen: „Wir beide gleich lange Elternzeit, oder kein Kind.“. Da knickt dann die Frau ein. Ich verstehe nicht, warum Frau nicht temporär für einige Jahre bereit sind die Alleinversorgerin zu sein. Ich kenne einige Männer, die das cool finden würden (sagen sie).

Berichte aus den Gender Studies: Anna Schneider

Anna Schneider berichtet von ihrem einen Semester Gender Studies, dass sie absolviert hat um sich dort ein eigenes Bild zu machen, ob die Kritik berechtigt ist (Autorin ist auch auf Twitter) . (siehe auch bereits Arne)

Zwei der von mir besuchten Lehrveranstaltungen waren Vorlesungen, die eine zum Thema Theorien und Methoden, die andere zum Thema Einführung in die Gender Studies. Es schien, als ob die meisten Kolleginnen (die zwei bis drei Kollegen äußerten sich erst gegen Ende des Semesters regelmäßiger) schon mit ­einem gewissen vorgefertigten Weltbild in den Lehrsaal gekommen wären. Das bestätigte sich in der ersten Lehrveranstaltungseinheit der Theorievorlesung, als nicht bloß eine auf die Frage der Lehrveranstaltungsleiterin, was wir denn unter dem Begriff Geschlecht verstünden, wie aus der Pistole geschossen mit: Herrschaftsstruktur! antwortete. So weit, so eigenartig, entließ uns die Lehrveranstaltungsleitende vorerst mit den Worten: „Wir haben weder eine gemeinsame Lösung noch ein gemeinsames Ziel, nichts ist falsch. Es ist schön, dass sich so viele Menschen Gedanken machen“ in unser erstes Semester.

„Nichts ist falsch“ (solange es im groben in unsere Theorien passt) würde ich vermuten. Auf die Idee berechtigter Kritik kommt man dort ja meist nicht.

Aber ich möchte diesen Vorlesungen nicht unrecht tun. Im Laufe des Semesters präsentierten uns die Lehrveranstaltungsleiterinnen Theorien von Positivismus bis Postmoderne, auch die Prüfung am Ende des Semesters war entsprechend anspruchsvoll. Allerdings: Einmal wagte ich zu widersprechen. Es ging zunächst um die Theorie Marx’ und die feministische Kritik daran, er würde sich nur auf die Klassenfrage fokussieren und dabei die Reproduktionsarbeit übersehen; daran anschließend diskutierten wir über das heute dominierende System des Kapitalismus, der nach der Meinung einiger Diskussionsteilnehmerinnen dafür sorge, dass Nichterfolg im Leben ein persönliches Problem sei. Außerdem sei er schuld daran, „dass immer gearbeitet werde“.

Sofort befanden wir uns mitten in einer Debatte über das Frauenvolksbegehren, das, nicht nur meiner Meinung nach, ein ausgesprochen linksgerichtetes Unterfangen ist, beispielsweise mit seiner Forderung nach einer 30-Stunden-Woche für alle. Genau diese Meinung äußerte ich und traf offenbar einen Nerv: Nicht die Lehrveranstaltungsleiterin (die allerdings auch an anderer Stelle meinte, sie sei jedenfalls Arbeitssozialistin), aber einige meiner Kolleginnen sahen mich an, als wäre ich Herbert Kickl höchstpersönlich – wie, was daran links sei? Und überhaupt, wie könne Kapitalismus jemals gut für Frauen sein? Und überhaupt außerdem, wieso heißt es eigentlich Frauenvolks­begehren und nicht nur Volksbegehren? Nun, weil Letzteres implizieren würde, jeder lebte gerne in einer eher an den Sozialismus angelehnten Gesellschaftsordnung, aber diesen Kommentar behielt ich dann doch lieber für mich. Es war ja erst Woche zwei.

Interessant hier die Verknüpfung der Kaptialismuskritik mit den Gender Studies. Theoretisch wäre diese ja auch ohne Kapitalismuskritik möglich. Aber Kapitalismus ist dann auch wieder Patriarchat.
Das man gleichzeitig beim Gender Pay Gap eine Ungleichbehandlung sehr kapitalistisch nur am Lohn festmacht ist hingegen den meisten dann wieder gar nicht aufgefallen.

Die Behauptung, Feminismus müsse links sein, sonst sei er kein Feminismus, zog sich, mit wenigen Ausnahmen (tatsächlich habe ich nur eine Kollegin kennengelernt, die ihre politische Ausrichtung, die eben nicht links war, offen artikuliert hat – sie hat das Studium nach dem ersten Semester abgebrochen), tatsächlich durch das ganze Semester. Das überraschte mich nicht, auffällig war nur die Selbstverständlichkeit, mit der das Thema ab und zu gestreift wurde.
Das war hier ja auch schon mehrfach diskutiert worden, wobei das dann dazu führt, dass beispielsweise Alice Schwarzer, für viele der Inbegriff des deutschen Feminismus, dann wegen ihrer Einstellung zu Flüchtlingen keine Feministin mehr sein kann.

(…)

Obwohl ich mir vorgenommen hatte, dieses Studium aus Recherchezwecken als stille Teilnehmerin zu absolvieren, bestand ich bei meinem Teil des Referats auf dem Buch „Beißreflexe“. Weil: Wer Queer und Kritik daran sagt, muss auch Patsy L’Amour ­laLove sagen. (Für die, die nicht so sehr in die aktuelle feministische Literaturkritik eingelesen sind: L’Amour laLove, selbsternannte Polit-Tunte, und andere üben in diesem Sammelband harsche Kritik an der autoritären Blockwartmentalität, die die Queere Theorie ihrer Meinung nach angenommen hat.) Jedenfalls hatte ich schon meine Probleme, das Buch innerhalb meiner Referatsgruppe zu verteidigen („Aber das können wir doch nicht machen! Das ist ja furchtbar böse Kritik!“), was zum Kompromiss führte, zunächst äußerst positive Abhandlungen zum Thema und dann das von mir gewählte Buch „aber ausdrücklich als Kritik und nicht als unsere Meinung!“ auszuwählen.
Mir war zu diesem Zeitpunkt schon beinahe der Kragen geplatzt, weshalb ich auch kein Problem damit gehabt hätte, dazuzusagen, dass ich das gesamte Buch in seiner Kritik als äußerst schlüssig empfinde – aber trotzdem gut, dass ich es nicht tat. Es stellte sich nämlich im Lauf des Referats heraus, dass die Lehrveranstaltungsleitende das Buch als ganz furchtbares Nestbeschmutzen empfand (einer der Autoren, Vojin Saša Vukadinović, war – oh Schreck – selbst zuvor Student der Gender Studies gewesen). Gelesen hatte sie es ­allerdings nicht, wie sie mir verriet. Spannend.

Interessant, kennt jemand die Kritik aus dieser Richtung und möchte sie vielleicht in einem Gastartikel darstellen?

Aber interessant, dass man da sehr deutlich die Hemmungen sieht die eigenen Theorien mal zu hinterfragen oder Gegenargumente zur Kritik zu finden. Statt dessen eher ein Ausblenden und auf jeden Fall eine Distanzierung.

(…)

Studenten als Schneeflocken – volatil und schutzbedürftig. Triggerwarnungen vor Texten, die Traumata auslösen oder an solche erinnern könnten, sind ein Beispiel, das dieser Trend zeitigt; dazu kommt, wie oben ausgeführt, die Bewahrung vor anderen Meinungen. Das verhindert allerdings die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einem Fachgebiet. Eine Universität ist kein safe space und Unwohlsein keine Gefahr, aber das sieht man innerhalb der Gender Studies anders. Auch in Wien.

Nichts an sich heranlassen, keine Auseinandersetzung mit anderen Meinungen, deutlich machen, dass einen alles andere erschreckt, schockt und entsetzt um zu zeigen, dass man ganz auf der richtigen Seite ist.

 

Diese weitere Pflichtlehrveranstaltung nannte sich „Guided Reading“. Eine Übung, die je nach Lehrveranstaltungsleiter den thematischen Schwerpunkt wechselt, dieser war in meinem Semester, nachzulesen auf der universitätsinternen Lernplattform Moodle, wie folgt: „Die Lehrveranstaltung soll dazu beitragen, den Blick auf die grundlegende Verwobenheit von u. a. rassisierenden, vergeschlechtlichten, heteronormativen und klassistischen Normen, sowie jene der able-­bodiedness freizulegen und Wege zu neuen Denk- und Wahrnehmungsmöglichkeiten zu eröffnen.“
Ich bekam also quasi die Lehre der Opferhierachien zugeschanzt: intersektionale Feminismen. Klingt bösartig, ist es auch, aber um der Wahrheit die Ehre zu geben, sei kurz erläutert: Kimberlé Crenshaw, die Mutter der Intersektionalität, hat zu Recht darauf hingewiesen, dass Diskriminierungen oft nicht ein-, sondern mehrdimensional sind, wenn eine Person mehrere Merkmale, aufgrund derer sie Diskriminierungen erleidet, in sich trägt. Das ist alles richtig, doch: Es gibt keinen obersten Richter in diesem Nullsummenspiel der Opferolympiade, weil die Kategorien und Variationen der jeweiligen Unterdrückung subjektiv und damit endlos sind. Es mutet so an, als ob es eher darum geht, dass jeder leiden darf, weil er irgendwie Opfer von irgendwem oder ­irgendetwas ist. 

Weil es keinen offiziellen Richter gibt, kann eben jeder Richter sein. Er muss sich allerdings in den passenden Theorien den „Betroffenen“ beugen, aber nur, wenn diese die Grundtheorien ebenfalls anerkennen und nach diesen eine Deutungshoheit anerkennen, nicht etwa, wenn sie diese ablehnen.

 

Dass wir in der ersten Einheit das Angebot erhielten, unseren Namen oder unser Pronomen je nach Befindlichkeit ändern zu können, irritierte mich mäßig. Ich überlegte mir kurz, auch diesen Selbstversuch zu wagen, verwarf ihn aber wieder. Die Person, die diese Lehrveranstaltung leitete, bestand jedenfalls darauf, nicht mit „Liebe/Lieber“ angeschrieben zu werden, sondern geschlechtsneutral, etwa mit „Hallo“. Jeder, wie er möchte, dachte ich mir, doch dann wurde es wirklich unangenehm. Die folgenden drei Stunden waren, sagen wir: interessant. Weil die Person, die unsere Lehrveranstaltung leitete, sich selbst dabei unwohl fühlte, frontal mit uns zu sprechen (Hierarchiephobie), wie das im universitären Betrieb normalerweise üblich ist, bildeten wir einen Sesselkreis, um uns in dieser ersten Einheit zwei Stunden darüber zu unterhalten, wie wir uns fühlen, wie wir miteinander umgehen wollen, welche Worte wir verwenden wollen und welche eher nicht.

Das Schöne ist ja, dass solche Vorlesungen dann wieder alle Vorurteile bestätigen. Eine Hierarchiephobie und man bildet einen Stuhlkreis. Es geht um Gefühle statt Fakten.

Es ist wirklich ein Fach, welches klischeehafter nicht auf Frauen ausgerichtet sein könnte, wenn man alle bösen Vorurteile zusammen sucht.

 

Aus Gründen kann ich dieses Studium nicht fortführen. Ich habe hier berichtet, was mir im Laufe eines Semesters widerfahren ist, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und im Bewusstsein, dass das nur eines von vier Semestern des gesamten Studiums ist. Es hat sich einiges bestätigt, was nicht nur mir, sondern dem Wissenschaftsbetrieb per se Sorgen machen sollte; vor allem scheint mir, dass den Studenten, die teilweise unbedarft in diesen Lehrveranstaltungen sitzen, ein ziemlich einseitiges Bild der Welt präsentiert wird (ein kleines Beispiel: In einem Großteil der Texte, die ich für all diese Lehrveranstaltungen zu lesen hatte, war es entweder der Kapitalismus, oder sein kleiner böser Bruder, der Neoliberalismus, der all die vielfältigen Opfer produziert). Dazu kommt der schon beschriebene Fokus auf das Selbst, das Ich, das alleine die Erfahrungen gemacht hat, die es eben gemacht hat, und die demnach nicht hinterfragbar sind in ihrer vermeintlich absoluten Wahrheit.

Auch hier wieder ganz klassisches Bild.

Etwas hat mich in der letzten Einheit meiner Übung dann aber doch beruhigt. Während wir wieder einmal zur Diskussion in Gruppen eingeteilt wurden, um über mannigfaltige Unterdrückungen zu sprechen, drehte sich ein Kollege zu mir um und sagte zu mir, was ich die ganze Zeit dachte: „Anna, das ist so ein Opferstudium.“

In der Tat, Opfer sein ist das wichtigste in dem Bereich.

 

„Ich (Feministin) hasse alle Männer und alle Männer sind kacke, aber warum verstehen die Leute alle nicht, dass Feminismus die Gleichberechtigung von Mann und Frau will und keinen Hass enthält“

Gerade mal wieder so wunderbar exemplarisch, dass man wirklich nicht verstehen kann, warum die Leute nicht verstehen, warum Feminismus reine Liebe ist

 

Großeltern und Kinderbetreuung

Südländerins Mutter kommt nächste Woche zu Besuch und wir, die wir sonst keine Großeltern in der Nähe haben, freuen uns schon auf etwas Entlastung.

Mal wieder ins Kino gehen wäre schön oder Abends mal in eine Kneipe.

Wir beneiden schon etwas die Eltern, die ihre Eltern in der Nähe haben und die Kinder im Notfall dahin mal abgeben können oder diese zumindest mal kurzzeitig abholen können.
Bei meiner Schwester, die in der Nähe meiner Eltern wohnt, verbringen die Kinder schon mal sehr gerne eine Nacht bei den Großeltern. Sie haben da ihr eigens Reich und ihre Rituale, man kommt morgens zum Großvater ins Bett, die Großmutter holt ein geeignetes Buch und der Großvater liest es vor. Es gibt allerlei zu basteln, es gibt genug Spielzeug etc

Wir sind also ganz gespannt, wie es laufen wird, Fräulein Schmidt kennt sie ja auch noch nicht so gut, hat sich aber beim letzen Besuch in Südland, der für sie ja aber ein Viertel Leben her ist, gut mit ihr verstanden. Südländerin wird es auf jeden Fall genießen, ihre Mutter wird schon gutes Südlandessen gekocht haben, wenn sie von der Arbeit kommt, das Haus wird vom letzten Schmutz befreit sein und alles ist etwas weniger stressig.

Es wird etwas eng, aber gleichzeitig auch hoffentlich etwas freier.

Benachteiligung von Männern im öffentlichen Dienst

Eine interessante Anfrage stellt der FDP-Politiker Marcel Luthe: (via Arne)

Gibt es den Gender Pay Gap nun in der öffentlichen Verwaltung oder nicht? Es gibt ihn, meint der FDP-Politiker Marcel Luthe. Allerdings umgekehrt: Nach Luthes Überzeugung werden Männer benachteiligt, nicht Frauen. In einer neuen parlamentarischen Anfrage hat Luthe umfangreich Zahlen abgefragt aus denen hervorgeht: Es arbeiten mehr Frauen als Männer in der Verwaltung insgesamt, und auch in den höheren Besoldungsstufen sind Frauen bei weitem in der Überzahl. Die parlamentarische Anfrage hat 42 Seiten und besteht aus zahlreichen Tabellen. Demnach arbeiten Stand Juni 2019 insgesamt 121 958 Menschen in der Verwaltung des Landes, davon 71 803 Frauen und 50 155 Männer.

Davon waren in Vollzeit 45 824 Männer und 49 321 Frauen beschäftigt; in Teilzeit 22 482 Frauen und 4 331 Männer. Besonders viele Mitarbeitende haben die Innen- und die Bildungsverwaltung. Zum Inneren gehört die Polizei mit 22 865 Beschäftigten. Hier herrscht Männerüberschuss: 16 349 von ihnen sind männlich. Im Bereich Schule liegen dafür Frauen weit vorne. 43 208 Menschen arbeiten an Berlins Schulen, davon 31 617 Frauen. Als Lehrerinnen werden sie besser besoldet beziehungsweise sind in einer höheren Tarifstufe als die meisten Polizisten.

Unter den Beamten haben insgesamt 6 046 Männer eine Tarifstufe von A13 oder höher, auf diese gute Bezahlung kommen 9850 Frauen. Für E13 ergibt die Statistik: 4620 Männer und 7705 Frauen.

Frauen sind dabei eher krank als Männer. Die Zahl der Krankentage pro Beschäftigten ist seit 2010 gestiegen. Damals kam jeder Beschäftigte in der Hauptverwaltung auf durchschnittlich 36 Krankentage, Frauen wie Männer. Bezogen auf Hauptverwaltung und Bezirke insgesamt, sind Frauen einen Tag mehr ausgefallen als Männer. Bis 2013 ging hier die Schere weiter auf: Männer 35,9 Tage krank, Frauen 39 Tage. In den Folgejahren blieben Frauen etwas länger krank als Männer, 2017 lag der Wert gleichauf bei 37,4 Tagen. Umgerechnet in absolute Zahlen fielen berlinweit 2017 rund 1,8 Millionen Krankentage von Männern an und 2,6 Millionen von Frauen.

Ich begrüsse diese Anfrage, nicht weil sie etwas ändern wird, sondern weil sie etwas umdreht und damit den Finger in die Wunde legt

Der öffentliche Dienst hat Frauen schon immer angezogen, weil in ihm üblicherweise eine bessere Vereinbarkeit mit Familie besteht und auch ein geringerer Leistungsdruck.

Nimmt man die Zahlen aber einfach so und interpretiert sie nach feministischen Mustern, dann würde hier eine Schlechterstellung der Männer vorliegen und damit müssen diese diskriminiert sein! Irgendjemand, wahrscheinlich das Matriarchat, bremst Männer aus, vermutlich ein Netzwerk alter weißer Frauen oder was auch immer.

Anfragesteller Luthe ist empört. „Wie jeder planwirtschaftliche Ansatz funktioniert auch das sogenannte Gleichstellungsgesetz offenbar nicht, wenn sowohl im höheren Dienst als auch in den oberen Besoldungsgruppen des gehobenen Dienstes Männer deutlich unterrepräsentiert sind, ebenso wie bei den höherwertigen Tarifbeschäftigtenstellen“, sagt er. Im Landesgleichstellungsgesetz heißt es: „Frauen und Männer sind gleichzustellen. Zur Verwirklichung der Gleichstellung werden nach Maßgabe dieses Gesetzes Frauen gefördert und bestehende Benachteiligungen von Frauen abgebaut.“

Zurecht ist er empört. Wir brauchen sofort bevorzugte Einstellung von Männern für die genannten Stellen! Die Diskriminierung muss beseitigt werden. Wenn Frauen sie nicht sehen, dann nur, weil sie zu privilegiert sind.

Jeder Teil der Verwaltung braucht nach dem Gesetz einen Frauenförderplan, und Frauen sind so lange unterrepräsentiert, wenn in einer Vorgesetzten- oder Leitungsfunktion oder in einer Entgeltgruppe mehr Männer als Frauen beschäftigt sind. Das ist nur in den ganz hohen Besoldungsstufen, der B-Besoldung, noch der Fall. In den anderen Tarifgruppen und Besoldungsstufen oberhalb A12 sind es dem Zahlenwerk zufolge inzwischen eher Männer, die ein Gleichstellungsgesetz nötig hätten.

Zeit also für einen Männerförderungsplan! Für ein Männerförderungsgesetz! Das gerade der Staat an dieser Stelle so sexistisch ist, der doch an Art. 3 GG gebunden ist, ist nicht hinzunehmen!