Männer und die Lust am Lärm (und am Krieg!)

In der Emma regt man sich über zu laute Männerwerkzeuge auf:

Dieser Vergleich lässt sich problemlos fortsetzen. Kreissäge: IIIIIIIÄÄÄÄÄÄÄÄHHHH! Staubsauger: Röööööööööööö. Bohrhammer: RATATATATATATA!Waschmaschine: Mmmmmmmwwwwwmmmm. Und da sprechen wir noch nicht vom Laubsauger und der Hilti. Oder vom Lieblingsspiel…, pardon: Lieblingswerkzeug vieler Männer: dem Aufsitzrasenmäher. Die zu mähende Rasenfläche mag noch so winzig sein – der Mann im Sattel des Mähers befährt sie mit maximaler Ausdauer und verursacht dabei immensen Lärm.

Ich behaupte: Das ist kein Zufall. Denn schauen wir uns an, wer die leisen Geräte benutzt und wer die lauten, springt er uns geradewegs ins Auge: der Gender Tool Gap.

Kurz gesagt: Jene Werkzeuge, die gemeinhin in Männerhand liegen, sind laut, meistens sehr laut, oft sehr sehr laut. Jene, die vorwiegend Frauen verwenden, sind leise – und die Hersteller arbeiten daran, dass sie immerzu noch leiser werden.

Das Dezibel-Ranking spricht eine klare Sprache. Wo die Frauengeräte geräuschpegelmäßig aufhören, nämlich beim Staubsauger mit 89 Dezibel (die leisesten haben 58 Dezibel, das entspricht Vogelgezwitscher), fangen die Männergeräte überhaupt erst an. Rasenmäher: 94 Dezibel, Bohrmaschine: 95 Dezibel, Laubbläser (wer hat dieses schwachsinnige Gerät überhaupt erfunden?): 105 Dezibel. Es folgen Kreissäge, Hochdruckreiniger, Schlagbohrer, Kettensäge, Druckluftmeißel. Hier sind wir schon in einem Schallbereich, der bei längerer Einwirkung für einen veritablen Hörschaden sorgen kann.

Warum nur sind „Frauengeräte“ (warum ist in der heutigen Zeit ein Staubsauger oder eine Waschmaschine noch ein Frauengerät sein soll wäre aus meiner Sicht eine berechtige Frage) leiser als „Männergeräte?
Mir würde zunächst einfallen, dass eine Waschmaschine und ein Geschirspüler nebenher laufen und man da üblicherweise an weniger Lärm interessiert ist, während eine (Schlag-)Bohrmaschine üblicherweise kurzzeitig eingesetzt ist und wesentlich leichter sein muss als eine Waschmaschine, weil man sie in der Hand hält. Natürlich ist sie auch schon allein deswegen lauter, weil ein nicht geringer Teil des Lärms schlicht durch den Arbeitsvorgang an sich, den Schlagbohrer, der gegen hartes Material ankämpft entsteht, und nicht durch die reine Bohrmaschine.

Einen Druckluftmeißel für Frauen, er würde natürlich flüstern statt lautstark zu meißeln. Wie gut und leise wäre die Welt, wenn man nur endlich nicht mehr gewaltsam die Frauen von der Verbesserung und dem Einsatz von Luftdruckmeißeln abhalten würde.

Ich behaupte: Männer wollen gar nicht leise sägen, bohren oder mähen. Denn sie wollen mit dem, was sie da tun, Aufsehen erregen. Es macht ihnen Spaß, LAUT! ZU!! SEIN!!! Das ist verständlich, denn schließlich errichtet der Mann mit seinen Werkzeugen bedeutende Bauwerke wie Gartenlauben, Hundehütten oder Sichtschutzzäune. Und das mit einem Geräuschpegel, der Assoziationen an ein Kriegsszenario weckt.

Eine durchaus gewagte These. Sicherlich gibt es Menschen, die wollen, dass der Nachbar hört, dass man mäht. Aber die meisten Männer hätten wahrscheinlich nichts gegen leises Werkzeug, wenn es denn die gleiche Leistung bringt und gut einsetzbar ist. Denn Lärmreduzierung bedeutet Schwinungsreduzierung, bedeutet aufwändigere Abschirmung und mehr Gewicht. Der Grund, warum eine Waschmaschine leiser laufen kann trotz hoher Umdrehungen ist ja Gewicht im unteren Bereich und eine Lagerung, die verhindert, dass Schwingungen übertragen werden.

Die Frau reproduziert heimlich, still und flüsterleise

So mancher Heimwerker wähnt sich offensichtlich tatsächlich im Krieg. Der Feind: Stahlharte Wände, durch die sich der Bohrer millimeterweise vorkämpfen muss;

Merkt sie das eigentlich nicht selbst? Könnten die „Stahlharten Wände, durch die sich der Bohrer vorkämpfen muss“ vielleicht zum Geräuschpegel beitragen?

Grünspan auf dem Bankirai-Terrassenboden, der vernichtet werden muss; Herbstlaub, das vom Nachbar-Ahorn aus eine Invasion in den eigenen Garten startet: Euch blas ich weg, ihr kleinen Scheißer!!! Selbstredend braucht der Mann in diesen existenziellen Kämpfen eine entsprechende Bewaffnung. Und die ist eben zwangsläufig SEHR LAUT!!! Oder hat schonmal jemand ein leises Maschinengewehr gesehen bzw. gehört? Na also.

Ganz anders die Frau und ihr Werkzeug. Der Frau preist der Handel „flüsterleise Spülmaschinen“ an. Denn: Die Frau reproduziert heimlich, still und leise, der Mann produziert öffentlichkeitswirksam, demonstrativ und – laut. Und das macht ihm große Freude.

Männer-Waschmaschinen gibt es ja bekanntlich auch in „extra laut“ für den Kampf gegen die Schmutzwäsche!

Man muss sich denke ich schon ziemlich in ein Feindbild hineingedacht haben, um so zu denken. Aber gut, es ist die Emma.

Sebastian Krumbiegel – Die Demokratie Ist Weiblich

Die Demokratie ist weiblich

Die Demokratie ist weiblich
Ich weiß nicht, aber ich glaube
Dass die Liebe und die Hoffnung
Ihre Schwestern sind
Weiblich
Ich glaube, dass Barmherzigkeit und Humanität
Genau das ist, worum es geht
Die Demokratie ist so verletzlich
Ich weiß nicht, aber ich glaube
Dass die Klugheit auf der Matte steht
Genauso wie die Solidarität
Und die Schönheit, die Freiheit
Die Verliebtheit in diese wunderbare Welt
Ich will ein Leben lang für diese Dinge gradestehn
Mit all den Leuten, die auf unsrer Seite sind
Ich will ein Leben lang auf dieser Barrikade stehn
Für die Demokratie – sie ist weiblich
Ich weiß, ich wiederhol mich und frag mich
Wie komm ich drauf klar, dass der Friede männlich ist
Genau wie der Krieg oder der Sieg, das will ich wissen
Ich frag mein Gewissen, sächlich
Tatsächlich ist das Geschlecht doch nicht wichtig
Ich will ein Leben lang für diese Dinge gradestehn
Mit all den Leuten, die auf unsrer Seite sind
Ich will ein Leben lang auf dieser Barrikade stehn
Mit all den Männern, all den Fraun
Mit all den Wesen, die sich gegenseitig vertraun
Mit all den Freaks und den Normalos
Is egal, los, lass mal machen
Ich will ein Leben lang für diese Dinge gradestehn
Mit all den Leuten, die auf unsrer Seite sind
Ich will ein Leben lang auf dieser Barrikade stehn
Ich will ein Leben lang verstehn, dass es sich lohnt
An dieser Front steil zu gehn
Für die Demokratie, die Demokratie
Die Demokratie ist weiblich
Zum Inhalt:
Irgendwie scheint er auf das grammatikalische Geschlecht abzustellen, aber irgendwie dann doch wieder einen Bezug zu Frauen herzustellen, was bei Herleitungen aus dem grammatikalischen Geschlecht Blödsinn ist, denn da finden sich in jedem Bereich Wörter, die positiv oder negativ sind. Die Blödheit ist weiblich, die Intelligenz ist weiblich, der Verstand ist wieder männlich, ebenso wie der Wähler, die Verfassungsfeinde und die Diktatur sind auch wieder weiblich.
Die Feststellung, dass das Geschlecht dann wieder egal ist löst die Verbindung dann wieder auf. Es wird wieder Gemeinsamkeit betont. Ein wirklich fester Inhalt scheint zu fehlen.

 

Wer fördert traditionelle Geschlechterrollen eher, Männer oder Frauen?

Neulich ging es darum, dass Mädchen nicht mit Dinosaurier spielen dürfen, weil das Patriarchat besteht.
Ich glaube die meisten Väter würden ihren Mädchen gerne alles mögliche über Dinosaurier und Co darlegen und mit ihnen ins Museum gehen. Wenn Fräulein Schmidt sich für Dinosaurier, Starwars, Lichtschwerter etc interessieren würde, dann hätte ich glaube ich eine Menge Spass.

Klar machen das auch genug Frauen. Aber wilderes Spielen und auch Dinosaurier und Co sind in vielen Familien, die ich kenne, weit aus eher eine Vätersache.

Bei uns wäre es auch weit eher Südländerin, die meint, dass die Kleidung von Fräulein Schmidt Rosa sein sollte und etwas eher „unweiblich“ und nichts für ein Mädchen wäre. Aber sie kommt ja auch aus einem konservativen Land und ich bin vergleichsweise liberal. Das kann es natürlich umgekehrt genau so geben.

Vielleicht ist das natürlich auch bei bei Jungs wieder unterschiedlich und da sind Männer eher hinterher?

Natürlich werden die Unterschiede zwischen einzelnen Personen größer sein als zwischen den Geschlechtern. Dennoch kann man ja mal diskutieren, ob ihr einen Unterschied im Schnitt wahrnehmt.

Wann wurde das allgemeine Wahlrecht für Männer in Deutschland eingeführt?

Immer wieder mal in Diskussionen interessant: Ab wann durften eigentlich Männer wählen?

Wir hatten schon einige Kommentardiskussionen dazu, etwa hier:

Das allgemeine gleiche Wahlrecht für Männer gab es nur für den Reichstag ab 1871. In Preußen z.B. gab es das Drei-Klassen-Wahlrecht, also Stimmgewicht nach Einkommen. Das allgemeine gleiche Wahlrecht für Männer und Frauen für alle Wahlen in allen deutschen Ländern gab es ab 1918.

Ich wollte schon immer mal einen eigenen Beitrag dazu aufmachen, damit man da mal sammeln (und später darauf verlinken) kann.

Warum ist nichts vor Babys sicher und alles droht herunter geschmissen zu werden?

Fräulein Schmidt ist wesentlich mobiler geworden. Sie zieht sich an allem hoch, steht noch mit einer Hand unterstützend und versucht mit der anderen alles zu greifen, was wir nicht rechtzeitig in Sicherheit gebracht haben. Ein vor ihr abgestelltes Glas ist blitzschnell vom Tisch gewischt. Ein Bild auf dem niedrigen Wohzimmertisch oder eine Tasse in erreichbarer Nähe landet ebenfalls schnell auf dem Boden. Einiges wird gegriffen und begutachtet, aber der „Falltest“ scheint dabei ein wichtiges Kriterium dieser Begutachtung zu sein.

Das ist natürlich auch nicht ungefährlich für die Kleine, man will ja nicht, dass sie sich an Scherben verletzt oder sie, weil sie versucht etwas höheres zu greifen, sich etwas direkt auf den Kopf fallen lässt oder bei dem Versuch etwas hohes zu erreichen ihre Standfestigkeit überschätzt und fällt.

Die interessante Frage natürlich: Warum ist gerade dieses Verhalten, welches ja so ziemlich alle Babys in diesem Alter zeigen, evolutionär vorteilhaft gewesen?

Sicherlich: In der Steinzeit und davor wird wesentlich weniger Glas herumgestanden haben, aber in einer Höhle rumzukrabbeln und allerlei Dinge um- und herunterzuwerfen dürfe auch damals problematisch gewesen sein.

Ein Vorteil wäre sicherlich: Es fördert den Wunsch aufzustehen und seine Geh- und Stehfähigkeiten zu enwickeln. Auch Greiffähigkeiten dürften gefördert werden.  Und Neugier fördert sicherlich auch verstehen etc. Wobei diese Neugier ja nur bedingt produktiv und eher gefährlich ist. Denn dem „Falltest“ geht meist der „Geschmackstest“ voraus, es wird also alles erst einmal in den Mund genommen.

Was ich mir auch vorstellen könnte: Es macht eine gute Betreuung des Kindes erforderlich, wenn sie sich so verhalten. Dann wäre das Verhalten vorteilhaft, weil es die Eltern zu einer Betreuung animiert und man die Kinder nicht alleine lassen kann. Quasi die Gefährlichkeit für das Baby selbst als Druckmittel es besser zu beschützen.

Das wäre der gleiche Grund, warum einige Vogelbabys lautstark essen fordern: Sie machen damit zwar Fressfeinde auf sich aufmerksam aber die Eltern, die ja auch ihre Gene in die nächste Generation bringen müssen, sind um so motivierter sie so mit Essen zu versorgen, dass sie ruhig sind.

Dann wäre auch die Gefährlichkeit eher ein Bonus – sehr zu unserem Leidwesen.