Kein Blank Slate bzw Tabula rasa

In feministischen Kreisen wird häufig tatsächlich noch ein Blank Slate vertreten.

Insofern lohnt es sich die Argumente noch mal zusammenzutragen.

In der Neuzeit hat Sigmund Freud den Begriff des unbeschriebenen Blattes in seiner Abhandlung „Notiz über den Wunderblock“ (1925) in Bezug auf das System Wahrnehmung-Bewusstsein in Abgrenzung zum Unbewussten verwendet.[10]

Einige moderne Wissenschaftsdisziplinen haben die Vorstellung von der Tabula rasa in Frage gestellt. Kognitionswissenschaftler haben verschiedene angeborene Mechanismen identifiziert, die Voraussetzung für Lernen sind (z. B. einen Sinn für Objekte und Zahlen, eine Theory of Mind). Laut der Evolutionspsychologie gibt es eine Reihe von kulturellen, gesellschaftlichen, sprachlichen, verhaltensbezogenen und psychologischen Merkmalen, die sich in allen menschlichen Populationen finden. Zweitens können viele menschliche Charakteristika (z. B. AppetitRacheAttraktivität) nur als evolutionäre Anpassungen im Kontext der Jäger und Sammler verstanden werden. Die Neurowissenschaft hat gezeigt, dass das pränatale Gehirn komplexe Verschaltungen durchläuft, die genetisch gesteuert werden. Auch verträgt sich die Tabula rasa nicht mit der Erkenntnis der Verhaltensgenetik, dass alle menschlichen Verhaltensmerkmale teilweise erblich sind.[11]

Die englische Wikipedia ist da schon etwas ausführlicher:

Psychology and neurobiology

Main article: Nature versus nurture

Psychologists and neurobiologists have shown evidence that initially, the entire cerebral cortex is programmed and organized to process sensory input, control motor actions, regulate emotion, and respond reflexively (under predetermined conditions).[9] These programmed mechanisms in the brain subsequently act to learn and refine the ability of the organism.[10][11] For example, psychologist Steven Pinker showed that—in contrast to written language—the brain is „programmed“ to pick up spoken language spontaneously.[12]

There have been claims by a minority in psychology and neurobiology, however, that the brain is tabula rasa only for certain behaviours. For instance, with respect to one’s ability to acquire both general and special types of knowledge or skills, Michael Howe argued against the existence of innate talent.[13] There also have been neurological investigations into specific learning and memory functions, such as Karl Lashley’s study on mass action and serial interaction mechanisms.

Important evidence against the tabula rasa model of the mind comes from behavioural genetics, especially twin and adoption studies (see below). These indicate strong genetic influences on personal characteristics such as IQ, alcoholism, gender identity, and other traits.[12] Critically, multivariate studies show that the distinct faculties of the mind, such as memory and reason, fractionate along genetic boundaries. Cultural universals such as emotion and the relative resilience of psychological adaptation to accidental biological changes (for instance the David Reimer case of gender reassignment following an accident) also support basic biological mechanisms in the mind.[14]

Social pre-wiring

Twin studies have resulted in important evidence against the tabula rasa model of the mind, specifically, of social behaviour.

The social pre-wiring hypothesis refers to the ontogeny of social interaction. Also informally referred to as, „wired to be social.“ The theory questions whether there is a propensity to socially oriented action already present before birth. Research in the theory concludes that newborns are born into the world with a unique genetic wiring to be social.[15]

Circumstantial evidence supporting the social pre-wiring hypothesis can be revealed when examining newborns‘ behaviour. Newborns, not even hours after birth, have been found to display a preparedness for social interaction. This preparedness is expressed in ways such as their imitation of facial gestures. This observed behaviour cannot be attributed to any current form of socialization or social construction. Rather, newborns most likely inherit to some extent social behaviour and identity through genetics.[15]

Principal evidence of this theory is uncovered by examining twin pregnancies. The main argument is, if there are social behaviours that are inherited and developed before birth, then one should expect twin fetuses to engage in some form of social interaction before they are born. Thus, ten fetuses were analyzed over a period of time using ultrasound techniques. Using kinematic analysis, the results of the experiment were that the twin fetuses would interact with each other for longer periods and more often as the pregnancies went on. Researchers were able to conclude that the performance of movements between the co-twins were not accidental but specifically aimed.[15]

The social pre-wiring hypothesis was proved correct, „The central advance of this study is the demonstration that ’social actions‘ are already performed in the second trimester of gestation. Starting from the 14th week of gestation twin fetuses plan and execute movements specifically aimed at the co-twin. These findings force us to predate the emergence of social behaviour: when the context enables it, as in the case of twin fetuses, other-directed actions are not only possible but predominant over self-directed actions.“[15]

Gerade im Geschlechterbereich finde ich auch die hier schon häufig angeführten Sonderfälle, von CAH-Mädchen bis Transsexualität wichtig.

Welche Argumente für oder gegen einen „Blank Slate“ findet ihr überzeugend?

Über Triage, Gewalt und Kinder im Neofeminismus (Gastartikel)

Ein Gastartikel von Beweis

Ganz vorne war die Frauenministerin – sie hat schon vor Tagen darauf hingewiesen, dass Gewalt gegenüber Frauen zunehmen würde, wenn die Familie zuhause eingesperrt sei.

Die Ärzte diskutieren zur Zeit die Triage, also die Entscheidung treffen zu müssen, welchen Patienten geholfen wird, wenn nicht genügend Behandlungsplätze zur Verfügung stehen. Und welche sterben müssen. Diese Situation erinnert an Sanitäter auf einem Kriegsschlachtfeld, die zwischen den Verwundeten die mit den größten Überlebenschancen auswählen müssen. Das waren aber alles immer nur Männer.

Jetzt ist das nicht so. Das Motto „Frauen und Kinder zuerst!“, (wobei Frauen vorne steht, also erst die Frauen, dann die Kinder) ist immer noch fest in den Köpfen verwurzelt, so wie es auch der Neofeminismus einfordert.

Ein Bekannter arbeitet bei einem Energieversorger. Er berichtete, wie die Frauen quer durch alle Abteilungen darauf bestanden haben, als besonders gefährdet eingeschätzt und daher entsprechend bevorzugt zu werden. Da aber die meisten Covid-Kranken und -Toten nachweislich männlich sind, wurde ihr Ansinnen abgelehnt. Einen Versuch war es ja wohl mal wert.

Wie werden also Ärzte entscheiden, wenn sie nur einen Beatmungsplatz zur Verfügung haben, aber einen beatmungspflichtigen 50-jährigen Mann und eine beatmungspflichtige 65-jährige Frau?

Auf einem untergehenden Schiff ist die Priorität klar – wird sie auch in vergleichbaren Situationen in Krankenhäusern so gelebt werden? Wird eine greise Frau als wichtiger und wertiger angesehen als ein greiser Mann? Sind Frauen wirklich das Wertvollste in unserer Gesellschaft?

Frauenministerin Giffey macht sich ganz besondere Sorgen um diese Bevölkerungsgruppe. In Berlin sollen sogar Hotelzimmer für Frauen bereitgestellt werden, die sich mit ihrem Partner gestritten haben. Und wieder kommen die Frauen zuerst, dann irgendwann die Kinder.

Dass die so weit hintenan gestellt werden erschreckt. Wir erinnern uns: In Normalzeiten tötet jeden vierten Tag eine Mutter in Deutschland ihr unter 14-jähriges Kind. Die Kinder können nicht einfach bei Giffey anrufen und sich ein Hotelbett bereiten lassen. Die sind im Moment auf Gedeih und Verderb ihren Eltern ausgesetzt.

Heute Morgen meldet sich der Vorsitzende vom Kinderschutzbund zu Wort  und weist auf das Problem hin: Auf die Gefahren durch psychische, körperliche und sexuelle Gewalt für die Kleinen, die nicht mal mehr eine Oma oder einen Opa haben, denen sie sich anvertrauen könnten, oder die das blaue Auge sehen und hinterfragen würden. Und er redet explizit von „Tätern und Täterinnen“, eine Kombination, die sehr selten ist und nicht mal in offiziellen Kriminalitätsberichten gebraucht wird. Da wird sich die Frauenministerin aber ärgern.

Warum also sorgen sich so wenige um die Kinder? Weil die ja so gut wie nie an Covid sterben. Aber andere gesunde Menschen im jungen und mittleren Alter sterben doch auch nicht an Covid. Jetzt drohen die Nebenwirkungen der Pandemie gewaltig zu werden. Davon sind alle betroffen. Und dabei zählen Frauen augenscheinlich mehr als die Kinder – das gab es wohl noch nie in der Menschheitsgeschichte.

Und das mitten im Patriarchat.

Joe Biden, Belästigungsvorwürfe und #metoo

Joe Biden, vermutlich der Kandidat der Demokraten in der nächsten Präsidentschaftswahl, hat einige Anschuldigungen der #MeToo-Art gegen sich. Dennoch scheint dies bisher kaum eine Rolle zu spielen:

This week, Tara Reade, a former Biden aide, detailed her 1993 experience of sexual assault on “The Katie Halper Show” after trying for years to get someone to listen. Reade has, predictably, been smeared as a Russian agent, because that’s how mainstream Democrats respond to anything they don’t want to hear. But she’s just one of seven women who have accused Biden of horrible behavior, charges that have been public for years.

Democratic elites have known for years about Biden’s shabby, boorish treatment of Anita Hill, the dignified law professor who accused Clarence Thomas of sexual harassment in 1991. Hill brought workplace sexual harassment into the public eye years before #MeToo. Biden was chair of the Senate Judiciary Committee at the time. He has since said that he “wished he could have done something” to ensure that her claims got a fair hearing, a pretty inept apology considering he was in charge of the proceedings.

From mainstream feminists, we’re hearing little about Biden’s #MeToo problems. In fact, some have flatly declined to be involved. As the Intercept  reported this week, the feminist legal group Time’s Up had refused to take Reade’s case. In a twist, Anita Dunn, a top Biden adviser, is managing director of Time’s Up’s PR firm, SKDKnickerbocker. In another twist, Dunn also advised big Democratic donor (now convicted rapist) Harvey Weinstein on how to handle his own rape allegations. Another partner in SKDKnickerbocker, Hilary Rosen, has also been advising Biden’s presidential campaign.

The allegations aren’t getting much play in the mainstream media either. Sure, it’s a busy news cycle. And everything about Biden is boring, even his sexual assault allegations. But the day Reade’s charges went public, CNN ran an “analysis” by Chris Cillizza about Biden and gender. Its theme? “The Top 10 Women Joe Biden Might Pick as VP.”

By contrast, we’ve heard for years from these same quarters about the supposed mean, sexist tweets of the Bernie Bros, and about Bernie Sanders’s alleged tone-deafness on gender issues. But Sanders is the only candidate now running for president with no sexual assault or harassment charges against him. That’s obviously a low bar, and it’s unfortunate we have to mention it. But, perhaps relatedly, Sanders is also the only one in the race who has always been pro-choice, has always been committed to full abortion access regardless of income, and has been fighting for universal childcare for decades, as well as for advancements that benefit working-class women even more than men, like the $15 minimum wage and Medicare for All. Yet if you relied on the mainstream media for information, you’d assume that Biden was the feminist candidate in the primary, while Sanders was “problematic” for women.

Es tauchen interessante Entschuldigungen auf, etwa:

Trump wird in der Tat Biden kaum in dem Bereich direkt angreifen können, weil das dünnes Eis für ihn ist.

Aber es reicht ja, wenn genug Demokraten ihn nicht wählen oder er mit erheblichen internen Problemen zu kämpfen hat, die Biden schlecht darstehen lassen.

Es könnte noch interessant werden. Vielleicht wird Biden noch irgendwie abgesägt und dann stellt sich die Frage, wer dann der Kandidat sein soll.

Am 1.Mai wird „Alles Evolution“ 10 Jahre alt – Bitte um Gastbeiträge

In etwas weniger als einem Monat wird „Alles Evolution“ 10 Jahre alt und ich finde, das ist schon eine besondere Feier wert.

Mich würde es freuen, wenn sich Leute finden würden, die Lust haben Gastartikel zu diesem Anlass zu schreiben:

Gerne als Rückblick auf eure Zeit mit Alles Evolution: Wie seid ihr auf die Seite gekommen, was hat euch evtl gehalten, welche neuen Ideen habt ihr hier kennengelernt?

Gerne auch, und natürlich auch gerne anonym, von „Hasslesern“, die mitlesen um sich darüber aufzuregen: Was sind die immer wiederkehrenden Fehler, was wird nicht hinreichend beachtet, welche Studien wolltet ihr hier schon immer mal allen vorhalten?

Oder einfach nur Lesern mit ganz anderen Hintergründen und Einstellungen, etwa Anhänger von Bordieu, Foucault oder Lancan oder Butler, die deren Theorien hier mal gerne ausbreiten wollen.

Oder aber auch einfach ein Gastartikel zu den hier einschlägigen Themen, zu dem ihr euch bisher noch nicht aufraffen konntet, aber jetzt, in Quarantäne, und zu diesem besonderen Anlass nutzt ihr die Gelegenheit noch einmal. Genauso natürlich die, die häufiger Gastartikel schreiben und denen dieser Anlass einen besonderen Gastartikel wert ist.

Oder auch Leute, die früher viel mitdiskutiert haben, haben aber vielleicht nur noch gelegentlich mitlesen.

Vielleicht jemand, der ein paar interessante Diskussionen, die hier geführt worden sind, noch einmal aufarbeiten möchte oder jemand, der einen inzwischen von uns gegangenen Kommentator Ehren wollte, etwa die besten Roslin-Kommentare?

Schreibt in den Kommentaren von wem ihr gerne einen Gastbeitrag zu welchem Thema hättet, vielleicht fühlt sich derjenige inspiriert.

Wer einen Schreiben will kann das auch gerne in den Kommentaren kund tun.

Fertige Artikel dann bitte an die hier genannte Email

Bitte bei der Einsendung hinzufügen, ob es ein „Normaler“ Gastartikel sein soll, der direkt veröffentlicht werden soll, etwa zu aktueller Lage oder ein „Jubiläumsartikel“

 

Rotkäppchen und der böse Wolf

Fräulein Schmidt liebt es Bücher vorgelesen zu bekommen. Wir haben daher schon einen großen Teil Kinderbücher angesammelt, darunter auch eins, welches die Geschichte vom Rotkäppchen und dem bösen Wolf in sehr entschärfter Version: Die Großmutter wird vom Wolf nur in den Schrank gesperrt und der Jäger ist ein Holzfäller, der vor dem Gefressenwerden hereinkommt und den Wolf in die Flucht schlägt. In einem Bild, nämlich dem, wo der Wolf sich gerade auf das Rotkäppchen stürzen will, hat der Wolf sogar „Fühlfell“ – angenehm flauschig und weich.

Das konkrete Buch haben wir von der Oma mütterlicherseits geschenkt bekommen, auf südländisch, aber der Inhalt ist ja bekannt und ich lese es ihr trotzdem gerne vor.

Aber während man dann das gleiche Buch zum hundersten und gefühlt tausendsten Mal vorliest schweifen die Gedanken natürlich etwas ab.

Und da Fräulein Schmidt meine diesbezüglichen Ausführungen wahrscheinlich wenig positiv aufnehmen würde, sondern eher verlangen würde, dass ich das Buch weiter lese und danach ein weiteres, muss ich sie hier mal abladen.

Hier als Besprechungsgrundlage eine klassische Version des Märchens:

Es war einmal ein kleines süßes Mädchen, das hatte jedermann lieb, der sie nur ansah, am allerliebsten aber ihre Großmutter, die wusste gar nicht, was sie alles dem Kinde geben sollte. Einmal schenkte sie ihm ein Käppchen von rotem Samt, und weil ihm das so wohl stand, und es nichts anders mehr tragen wollte, hieß es nur das Rotkäppchen. Eines Tages sprach seine Mutter zu ihm: „Komm, Rotkäppchen, da hast du ein Stück Kuchen und eine Flasche Wein, bring das der Großmutter hinaus; sie ist krank und schwach und wird sich daran laben. Mach dich auf, bevor es heiß wird, und wenn du hinauskommst, so geh hübsch sittsam und lauf nicht vom Wege ab, sonst fällst du und zerbrichst das Glas, und die Großmutter hat nichts. Und wenn du in ihre Stube kommst, so vergiss nicht guten Morgen zu sagen und guck nicht erst in allen Ecken herum!“

„Ich will schon alles richtig machen,“ sagte Rotkäppchen zur Mutter, und gab ihr die Hand darauf. Die Großmutter aber wohnte draußen im Wald, eine halbe Stunde vom Dorf. Wie nun Rotkäppchen in den Wald kam, begegnete ihm der Wolf. Rotkäppchen aber wusste nicht, was das für ein böses Tier war, und fürchtete sich nicht vor ihm. „Guten Tag, Rotkäppchen!“ sprach er. „Schönen Dank, Wolf!“ – „Wo hinaus so früh, Rotkäppchen?“ – „Zur Großmutter.“ – „Was trägst du unter der Schürze?“ – „Kuchen und Wein. Gestern haben wir gebacken, da soll sich die kranke und schwache Großmutter etwas zugut tun und sich damit stärken.“ – „Rotkäppchen, wo wohnt deine Großmutter?“ – „Noch eine gute Viertelstunde weiter im Wald, unter den drei großen Eichbäumen, da steht ihr Haus, unten sind die Nusshecken, das wirst du ja wissen,“ sagte Rotkäppchen. Der Wolf dachte bei sich: Das junge, zarte Ding, das ist ein fetter Bissen, der wird noch besser schmecken als die Alte. Du musst es listig anfangen, damit du beide schnappst. Da ging er ein Weilchen neben Rotkäppchen her, dann sprach er: „Rotkäppchen, sieh einmal die schönen Blumen, die ringsumher stehen. Warum guckst du dich nicht um? Ich glaube, du hörst gar nicht, wie die Vöglein so lieblich singen? Du gehst ja für dich hin, als wenn du zur Schule gingst, und ist so lustig haussen in dem Wald.“

Natürlich kann man einen sprechenden Wolf kritisieren, aber darum geht es mir nicht.
Sondern eher darum, dass der Plan des Wolfs ja überhaupt keinen Sinn macht:

Warum muss er es listig anstellen, damit er beide bekommt? Er könnte ja jetzt das Rotkäppchen als Vorspeise versperren und dann zur Großmutter, sich dort als Rotkäppchen ausgeben und sie dann gleich hinterher. Da er anscheinend eh ein Gierschlund ist und alles ohne zu kauen herunterschluckt mit Haut und Haaren und Kleidung hätte er auch nur etwas voraus laufen müssen, selbst dann wenn er das Mädchen als Nachspeise möchte.

Der Plan scheint daher unnötig kompliziert.

Rotkäppchen schlug die Augen auf, und als es sah, wie die Sonnenstrahlen durch die Bäume hin und her tanzten und alles voll schöner Blumen stand, dachte es: Wenn ich der Großmutter einen frischen Strauß mitbringe, der wird ihr auch Freude machen; es ist so früh am Tag, dass ich doch zu rechter Zeit ankomme, lief vom Wege ab in den Wald hinein und suchte Blumen. Und wenn es eine gebrochen hatte, meinte es, weiter hinaus stände eine schönere, und lief danach und geriet immer tiefer in den Wald hinein. Der Wolf aber ging geradewegs nach dem Haus der Großmutter und klopfte an die Türe. „Wer ist draußen?“ – „Rotkäppchen, das bringt Kuchen und Wein, mach auf!“ – „Drück nur auf die Klinke!“ rief die Großmutter, „ich bin zu schwach und kann nicht aufstehen.“ Der Wolf drückte auf die Klinke, die Türe sprang auf und er ging, ohne ein Wort zu sprechen, gerade zum Bett der Großmutter und verschluckte sie. Dann tat er ihre Kleider an, setzte ihre Haube auf, legte sich in ihr Bett und zog die Vorhänge vor.

Auch hier: Warum die Verkleidung? Wenn er hinter der Tür gewartet hätte oder auch nur die Bettdecke übergezogen hätte, dann hätte es den gleichen Effekt gehabt.

Haben wir es mit einem etwas sadistischen Wolf zu tun? Oder einem sehr verspielten?

Rotkäppchen aber, war nach den Blumen herumgelaufen, und als es so viel zusammen hatte, dass es keine mehr tragen konnte, fiel ihm die Großmutter wieder ein, und es machte sich auf den Weg zu ihr. Es wunderte sich, dass die Tür aufstand, und wie es in die Stube trat, so kam es ihm so seltsam darin vor, dass es dachte: Ei, du mein Gott, wie ängstlich wird mir’s heute zumut, und bin sonst so gerne bei der Großmutter! Es rief: „Guten Morgen,“ bekam aber keine Antwort. Darauf ging es zum Bett und zog die Vorhänge zurück. Da lag die Großmutter und hatte die Haube tief ins Gesicht gesetzt und sah so wunderlich aus. „Ei, Großmutter, was hast du für große Ohren!“ – „Dass ich dich besser hören kann!“ – „Ei, Großmutter, was hast du für große Augen!“ – „Dass ich dich besser sehen kann!“ – „Ei, Großmutter, was hast du für große Hände!“ – „Dass ich dich besser packen kann!“ – „Aber, Großmutter, was hast du für ein entsetzlich großes Maul!“ – „Dass ich dich besser fressen kann!“ Kaum hatte der Wolf das gesagt, so tat er einen Satz aus dem Bette und verschlang das arme Rotkäppchen.

Rotkäppchen ist – ungeachtet der Lichtverhältnisse – nicht die hellste. Oder die Großmutter hatte sehr große fellige Ohren. Und nach „damit ich dich besser packen kann“ noch weiterzufragen… die wollte doch gefressen werden!

Wie der Wolf seinen Appetit gestillt hatte, legte er sich wieder ins Bett, schlief ein und fing an, überlaut zu schnarchen. Der Jäger ging eben an dem Haus vorbei und dachte: Wie die alte Frau schnarcht! Du musst doch sehen, ob ihr etwas fehlt. Da trat er in die Stube, und wie er vor das Bette kam, so sah er, dass der Wolf darin lag. „Finde ich dich hier, du alter Sünder,“ sagte er, „ich habe dich lange gesucht.“ Nun wollte er seine Büchse anlegen, da fiel ihm ein, der Wolf könnte die Großmutter gefressen haben und sie wäre noch zu retten, schoss nicht, sondern nahm eine Schere und fing an, dem schlafenden Wolf den Bauch aufzuschneiden. Wie er ein paar Schnitte getan hatte, da sah er das rote Käppchen leuchten, und noch ein paar Schnitte, da sprang das Mädchen heraus und rief: „Ach, wie war ich erschrocken, wie war’s so dunkel in dem Wolf seinem Leib!“

Und dann kam die alte Großmutter auch noch lebendig heraus und konnte kaum atmen. Rotkäppchen aber holte geschwind große Steine, damit füllten sie dem Wolf den Leib, und wie er aufwachte, wollte er fortspringen, aber die Steine waren so schwer, dass er gleich niedersank und sich totfiel.

Dem schlafenden Wolf den Bauch aufschneiden können, ohne das er aufwacht oder stirbt, aber anscheinend nicht die ruhige Hand für einen Kopfschuß bei einem offenkundig sehr tief schlafenden Wolf.

Und auch das verfüllen mit Steinen erscheint eine recht unnötige Aktion, gerade wenn der Bauch schon aufgeschnitten ist und alle „Geiseln“ befreit sind. Der Jäger scheint auch seinen Beruf verfehlt zu haben, einem schlafenden den Bauch aufzuschneiden und ihm den Bauch voll Steine zu füllen, die ihn dann erst beim Aufstehen durch das Gewicht umbringen ist schon recht beachtlich.

Da waren alle drei vergnügt. Der Jäger zog dem Wolf den Pelz ab und ging damit heim, die Großmutter aß den Kuchen und trank den Wein, den Rotkäppchen gebracht hatte, und erholte sich wieder; Rotkäppchen aber dachte: Du willst dein Lebtag nicht wieder allein vom Wege ab in den Wald laufen, wenn dir’s die Mutter verboten hat.

Immerhin eine gute Lehre, die da gezogen wird.

„Erzählt weiter davon, dass der Mann ein Raubtier ist, während wir die 99 Prozent sind, die nicht in diese Kategorisierung passen“

Der Blog Neulandrebellen stellt noch einmal dar, wie unangebracht der Vorwurf ist, dass der Partner das größte Risiko für eine Frau ist und verweist zu recht darauf, dass es sich schlicht um eine unsachliche Stimmungsmache handelt:

Der Partner bzw. der Ex-Partner: Das sei wie gesagt der gefährlichste Mensch im Leben einer Frau. Auch 2019 habe sich das wieder bewiesen. 15 Frauen sind in Hessen durch ihren Partner oder Ex getötet worden – 2018 waren es nur 7 Morde. Weitere 27 Mordversuche gab es – 2018: 28. Besonders Trennungsgeschichten seien der Auslöser. Dorothea Blunck kenne hingegen »keinen Fall, bei dem die Frau ihren Mann umgebracht hat, weil er sich trennen wollte«. Andersherum geschieht das allerdings schon. Was man durchaus glauben kann, wenn man Beziehungsdynamiken so betrachtet.

Ohne jetzt kleinkariert sein zu wollen, lohnt sich doch ein Blick auf die Zahlen: 11.949 Ehen wurden 2018 in Hessen geschieden. Die oben genannten Gewaltakte gegen Frauen in häuslicher Gemeinschaft 2018 (Tötungen und Versuche zusammen) – Trennungsgwalt laut Blunck – machen einen Anteil von nicht mal 0,3 Prozent aus. Eingerechnet sind noch gar nicht die außerehelichen Trennungen.

Es ist eben ein klassisches Element einer Identitätstheorie, dass sie nicht davon wegkommen solche schlechten Fälle auf die Gruppe, die man nicht mag oder die eben der Buhmann ist, im Ganzen zu übertragen, gerne mit sinnlosen Zahlenspielen wie „jeden dritten Tag“ und sich nicht bewußt zu machen, wie selten die Zahlen dennoch sind.

Der lesenswerte Artikel geht dann auch noch auf Gewalt gegen Männer ein und endet wie folgt:

Kommt also nur her, ihr Experten für häusliche Gewalt und erzählt mir mehr. Mehr von dem, was ich weiß. Bei dem ich aber als Opfer nicht vorkomme, sondern nur als Tätergeschlecht. Als gefährlichste Stelle im Leben meiner heutigen Partnerin. Erzählt weiter davon, dass der Mann ein Raubtier ist, während wir die 99 Prozent sind, die nicht in diese Kategorisierung passen. Und erzählt mehr davon, dass ihr angeblich nur sachlich analysiert, während ihr nichts weiter als Ideologie verbreitet. Erzählt mehr, damit ich was habe, um bitter aufzulachen.

Es ist in der Tat reine Ideologie. Das man die verhältnismäßig wenigen Fälle letztendlich auf ca 42.000.000 Frauen umlegen muss und die Täter ebenso auf 40.000.000 Männer wird vollkommen außer acht gelassen.

Solange ein Mord passiert müssen sich eben die Männer bessern. Sie sind das Tätergeschlecht. Und damit eine Gefahr für ihre Partnerin. Anders darf es gar nicht sein.

vgl auch: