Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin der Grünen

Die Grünen haben wie zu erwarten war bei der Wahl zwischen einem Mann und einer Frau die Frau als Kanzlerkandidatin auserkoren (bzw Habeck und Baerbock haben das untereinander entschieden). Aus meiner Sicht war das kaum anders möglich, die Grünen hätten stark an Glaubwürdigkeit verloren, wenn sie einem Mann den Vortritt gelassen hätten.  

Habeck muss bewußt gewesen sein, dass ihm hier ein echter Machtkampf viel zu stark beschädigen würde, interessant ist insofern allenfalls, inwieweit er dafür einen Posten rausgehandelt hat.

Wenn ich es richtig verstehe, dann müsste Baerbock sowieso den Parteivorsitz aufgegeben, wenn sie Kanzlerin wird, weil Posten und Ämter zu trennen sind.

Interessant ist insoweit, dass Baerbock dem „Realoflügel“ zugehört, dieser hätte also dann wie auch bei der letzten Regierungsbeteiligung die „Macht“ hatte.

Zu ihrem Lebenslauf:

Sie ist 1980 geboren, wäre damit theoretisch die Jüngste Bundeskanzlerin mit dann 41 Jahren. (Merkel ist mit 50 Kanzlerin geworden, Kohl mit 52)

Regierungsverantwortung hatte sie bisher noch nicht (typisches Gegenargument: Die hatte Obama auch nicht).  Sie ist seit 2013 im Bundestag.

Ihre Positionen laut Wikipedia:

Energie-, Klima und Umweltpolitik

Baerbock forderte einen Kohleausstieg bis 2030, ein Tempolimit von 130 Kilometer pro Stunde, und „spätestens ab 2030“ nur noch die Neuzulassung neuer emissionsfreier Autos. Die „Agrarsubventionen sollen sich am Gemeinwohl orientieren, nicht mehr an der Fläche. Bäuerinnen und Bauern sollten mit Klimaschutz Geld verdienen können“, außerdem sollen Tierbestände und Fleischproduktion „sehr deutlich reduziert werden“.[37] Für sie sei „Klimapolitik kein Gegensatz zur Wirtschaft“, und es gehe darum, den „Industriestandort Deutschland ins 21. Jahrhundert zu führen – im Lichte des Pariser Klimaabkommens“. Sie ist für die Produktion von klimaneutralem, also ohne Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlendioxid (CO2) produziertem europäischem Stahl und hält Klimazölle für denkbar. Innerdeutsche Flüge sollen durch eine Verbesserung des Bahnnetzes „bis 2035 überflüssig werden“. Weiterhin gelte für die Grünen der „Grundsatz der Technologieoffenheit“.[38]

Europäische Flüchtlingspolitik

Anlässlich des gleichzeitig stattfindenden Weltflüchtlingstags und des EU-Gipfels forderte Baerbock am 20. Juni 2019, dass die Staats- und Regierungschefs „endlich ein großzügiges Kontingent für die legale Flucht nach Europa beschließen“ sowie eine gemeinschaftliche Verteilung von Geflüchteten und ein Sofortprogramm zum Aufbau einer europäischen Seenotrettungsmission beschließen sollten.[39]

Nach einem Großbrand im griechischen Flüchtlingslager Moria im Jahr 2020 forderte Baerbock, dass Deutschland 5000 schutzbedürftige Menschen aufnehmen solle, und die griechischen Lager evakuiert und die Menschen in Sicherheit gebracht werden sollen, und äußerte „Deutschland muss handeln – nicht erst seit heute, sondern schon seit Jahren“. Außerdem schlug sie vor, Erstaufnahmeeinrichtungen an den EU-Außengrenzen aufzubauen, an denen Flüchtlinge „schnell registriert, einer Sicherheitsprüfung und einem Datenabgleich unterzogen“ werden können, um sie schnellstmöglich in der EU verteilen und dann Asylverfahren einleiten zu können.[40][41][42]

Außenpolitik

Baerbock fordert „ein stärkeres gemeinsames europäisches Engagement in der Verteidigungspolitik“. „Europa kreist seit Jahren um sich selbst, die Trump-Administration hat der Welt den Rücken gekehrt. Die Lücke, die entstanden ist, füllen autoritäre Staaten“, sagte sie. Wenn der Westen also Staaten wie China, Russland oder der Türkei nicht das Feld überlassen wolle, müsse Europa seine „Friedensrolle“ in der Welt wieder ernster nehmen.[43] Weiterhin fordert Baerbock den Abzug aller US-Atomwaffen aus Europa.[44]

Im Januar 2021 kritisierte Baerbock die landeseigene Umweltstiftung von Mecklenburg-Vorpommern, die auch den Weiterbau der Ostseepipeline Nord Stream 2 gegen Eingriffe der USA abschirmen soll. In der FAZ äußerte sie:

„Dass mit russischen Geldern eine Stiftung unter dem Deckmantel des Klimaschutzes finanziert wird, die einzig und allein zur Fertigstellung der Pipeline dient, ist einfach ungeheuerlich. Nicht nur klimapolitisch, sondern vor allem geostrategisch.“[45]

Wirtschaftspolitik

Der „Industriestandort Deutschland“ solle gehalten werden, aber Wachstum müsse „im Sinne einer sozial-ökologischen Marktwirtschaft, innerhalb der planetaren Grenzen“ erfolgen, und Wohlstand solle in einem „umfassenderen“, auch das Ökologische mit einbeziehenden Sinne definiert werden. Klimaschutzziele sollen mit der Wirtschaftspolitik „verzahnt werden“, und u. a. Gründungsförderung, Digitalisierung, schnellerer Ausbau der Infrastruktur und Netze befördert werden.[46]

Eine Schuldenbremse hält Baerbock für gerechtfertigt. Gegenüber dem Deutschlandfunk sagte sie 2020: „Natürlich brauchen wir eine Verankerung auch grundgesetzlich dafür, dass wir nicht Schulden ins Endlose machen können.“ Sie warf konservativen Parteien und der SPD auf kommunaler Ebene vor, das „Geld zum Fenster herausgeschmissen [zu] haben“, etwa für Wohnungsbau. Allerdings müsse die derzeit existierende Schuldenbremse „erweitert“ werden, um Investitionen in „Daseinsvorsorge, Krankenhausfinanzierung, Schulfinanzierung, auch die ganzen Infrastrukturprojekte im Klimabereich“ zu ermöglichen.[47]

Sie hat laut Wikipedia 2 Töchter (* 2011, * 2015).

In einem Gastbeitrag im Tagesspiegel zusammen mit Gesine Agena plädierte sie für einen „feministischen Aufbruch“:

Wir beide haben Töchter. Wir sehen, wie sie krabbeln, laufen, sprechen lernen, wie sie die Welt entdecken und diese in Frage stellen: Warum scheint tagsüber die Sonne und nachts der Mond? Warum ist jenes so und anderes so – und muss das so sein? Und wir selbst fragen uns auch: Warum ist das so? Und muss das so?

Vor 100 Jahren wurde das Frauenwahlrecht eingeführt. Artikel 3 des Grundgesetzes verkündet feierlich: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Ja, Frauen haben die gleichen Rechte wie Männer. Das ist eine Selbstverständlichkeit. Eigentlich. Aber die  Realität sieht anders aus: In Deutschland sind Macht, Geld und Zeit unterschiedlich zwischen den Geschlechtern verteilt. Frauen sind in Kultur, Medien, Politik unterrepräsentiert. Patriarchale Prägungen wirken tief in das Denken und Handeln von Männern und Frauen hinein. Und sie werden täglich reproduziert.

Also eine ganz klassische feministische Perspektive. Die Frauen, gefangen in der Geschlechterrolle, während die Männer die Macht haben.

Und mehr: Um uns herum sehen wir einen Rollback, der doppelt zum Problem wird: In jenen Ländern, in denen Frauenrechte zurückgestutzt  werden – wie in Russland, in Polen, in den USA  – werden die Regierungen autoritärer. Frauenrechte sind ein Seismograph für den Zustand der liberalen Demokratie.

Wenn wir diese Entwicklung sehen, macht uns das wütend. Wenn wir lesen, wie Frauen von Netzwerken wie LOL in Frankreich auf Twitter diffamiert werden, wenn wir Tweets lesen, in denen Männer uns in der Anonymität des Netzes mit Vergewaltigung drohen, in denen wir verhöhnt werden, macht uns das wütend. Wir können nicht glauben, dass wir Frauen immer noch um all das kämpfen müssen, was für Männer selbstverständlich ist. Und gegen das, was Frauen seit Jahrhunderten wiederfährt: sexualisierte Gewalt.

Also auch hier eine eher binäre Einteilung  mit Frauen, die keine Rechte haben und Männern auf der anderen Seite, die privilegiert sind.

Wir wollen, dass unsere Töchter das nicht mehr hinnehmen müssen. Wir wollen, dass sie angstfrei leben können, in einer Welt ohne Sexismus und ohne Gewalt. Wir wollen, dass sie frei entscheiden, nicht in Klischees gepresst werden, dass sie jede Position erklimmen können, die sie wollen. Unsere Töchter sollen mit den gleichen Chancen aufwachsen wie die Söhne anderer. Deswegen muss das nächste Jahrzehnt ein feministisches werden. Deswegen formulieren wir einen feministischen Aufbruch 2030, einen Plan für die kommenden zehn Jahre.

Wer wäre nicht für gleiche Chancen? Wobei das dann eben auch für Männer gelten sollte.

Ja, zugegeben, davon ist nicht alles neu. Aber genau das ist das Problem. Das Wissen, wie es gehen kann, ist längst da. Aber wir müssen handeln. Jetzt. Damit wir in zehn Jahren sagen können:

2030: Die Hälfte der Macht gehört den Frauen

Die Hälfte der Macht bis 2030. Da muss sie dann ein ziemliches Tempo vorlegen.

Nach der letzten Bundestagswahl ist der Frauenanteil des Parlaments auf 30 Prozent gesunken. Dabei ist etwa die Hälfte der deutschen Bevölkerung weiblich! Spätestens jetzt ist es Zeit für ein Paritégesetz. Wir schlagen ein Modell vor, das von unserer Fraktion im Brandenburger Landtag eingebracht wurde: Es zielt auf eine gleichberechtigte Besetzung der Listen und der Wahlkreise, denn nur dann wird die Parität auch Realität. Dass das kompliziert ist, ist klar. Trotzdem: Der Bundestag sollte loslegen. Aber es geht nicht nur um die Parlamente. Es geht um die Macht in Wirtschaft, Medien, Kultur und Wissenschaft. 2030 soll der Frauenanteil endlich bei 50 Prozent liegen. Die Hälfte der Macht den Frauen!

Das wäre dann nicht Chancengleichheit, sondern Ergebnisgleichheit.

Schutz vor Gewalt für jede Frau

Jede vierte Frau wird einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt. Meistens finden die Angriffe im eigenen Zuhause statt. Und das ist kein neuer Befund, sondern jahrzehntealte bittere Realität. Damit finden wir uns nicht länger ab. ‚Nein heißt Nein‘ ist Gesetz und muss so auch durchgesetzt werden. Dafür brauchen wir vor allem mehr Prävention. Schon in Schulen und Universitäten muss über Gewalt und Geschlechterrollen aufgeklärt werden. Wir brauchen eine umfassend geschulte und für den Umgang mit Opfern sensibilisierte Polizei und Justiz. Außerdem fordern wir einen Rechtsanspruch für alle Frauen auf Schutz und Unterstützung und eine Beteiligung des Bundes an der Finanzierung der Frauenhäuser. Nie wieder soll hier Frau aus Kapazitätsgründen abgewiesen werden; ihr Schutz soll in einem Geldleistungsgesetz festgeschrieben werden.

Da hat sie öffentliches Recht studiert, aber anscheinend nicht erfasst, dass ein Rechtsanspruch für  nur ein Geschlecht so seine Tücken hat. Insofern könnte das einige Neuerungen auch für Männer geben.

Gewaltprävention betrifft aber auch das Internet: Um Frauen vor Hass und digitaler Gewalt in Form von Herabsetzung, Rufschädigung oder Erpressung zu schützen, fordern wir mehr Programme für digitale Bildung und Medienkompetenz. Wir benötigen mehr Beratungs- und Anlaufstellen für Opfer von Cybermobbing und Gewalt im Netz sowie gut geschultes Personal der Strafverfolgungsbehörden. Das Recht gilt auch im Netz.

Programme für digitale Bildung und Medienkompetenz? Was sollen die bringen? Und wer soll da unterrichtet werden?

Equal Pay und Equal Pension

Frauen verdienen immer noch etwa 20 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen und bekommen im Durchschnitt 60 Prozent weniger Rente als Männer.

Das alte Thema „Equal Pay“. Da scheint sie in der klassischen feministischen Version der Argumentation steckengeblieben zu sein ohne die Gegenargumente wahrzunehmen.

Das liegt vor allem daran, dass Frauen überwiegend in Jobs arbeiten, die schlechter bezahlt werden. Hier muss es dringend eine Wende geben. Wenn wir wollen, dass unsere Töchter nicht mit der gleichen Rentenlücke leben müssen wie die heutige Generation, müssen wir dringend etwas ändern: Soziale Berufe wie jene in der Pflege und Erziehung müssen anständig entlohnt werden. Bund, Länder und Kommunen können hier mit gutem Beispiel vorangehen und Beschäftigte in diesen Bereichen besser bezahlen.

Das wird interessant. Denn dann muss sie den Kommunen entweder Gelder zur Verfügung stellen, damit die das stemmen können, oder die Krankenkassenbeiträge müssen steigen, was bei der Bevölkerung wenig populär sein wird.

Außerdem muss das Ehegattensplitting für neu geschlossene Ehen abgeschafft und stattdessen eine Familienförderung in Form einer Kindergrundsicherung eingeführt werden.

Das Ehegattensplitting abzuschaffen wird interessant. Ich vermute, dass da auch viele Frauen dagegen sind, weil dann eben die Hausfrauenrolle oder die Halbtagstätigkeit schwerer zu finanzieren sein wird. Den meisten Frauen ist ja bewußt, dass das ein Privileg ist und nicht etwa eine Unterdrückung. Es hängt davon ab, ob das Familieneinkommen stimmt.

Die Kindergrundsicherung könnte zudem interessante Auswirkungen auf den Unterhalt haben, wenn es eine Art Erhöhung des Unterhalts ist.

Partnerschaftliche Aufteilung von Betreuung und Beruf

Eine gleichberechtigte Aufteilung von Erziehung und Beruf ist von vielen Paaren gewünscht, oft scheitert sie jedoch an schwierigen Rahmenbedingungen. Und dieses Scheitern geht zu Lasten der Frauen: Sie stecken in der Erwerbsarbeit zurück, sie leisten den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit.  Zwar nehmen auch immer mehr Männer Elternzeit. Oft bleibt es aber bei den zwei Monaten, die vorgeschrieben sind, um das volle Elterngeld ausschöpfen zu können. Wir wollen deshalb eine andere Arbeitszeitpolitik durchsetzen, mit der sich Eltern die Erziehung und den Beruf partnerschaftlicher aufteilen können und in der sie auch über das erste Lebensjahr hinaus Auszeiten aus dem Beruf für die Betreuung ihrer Kinder nehmen können. Und wir wollen die Kita-Betreuung quantitativ und qualitativ ausbauen, um die Familien zu unterstützen.

Kitas ausbauen finde ich super. Mal sehen wie sie die Arbeitszeiten ändern wollen. In vielen Bereichen ist eine Flexibilität schwierig, es muss eben ein Angestellter oder ein Verkäufer im Laden sein, um Kunden zu bedienen.

Reproduktive Gesundheitsversorgung für alle Frauen

Werdende Mütter müssen die Wahl haben, wie und wo sie ihr Kind entbinden wollen. Die Qualität der Versorgung vor, während und nach der Geburt muss gesichert sein. Es kann nicht sein, dass Hebammen wegen unzumutbarer Versicherungskosten, schlechter Bezahlung oder schlechter Arbeitsbedingungen ihren Beruf aufgeben müssen. Um den Hebammenberuf zu erhalten, braucht es eine Reform der Ausbildung hin zu einer Akademisierung des Berufs und bessere Arbeitsbedingungen für Hebammen. Vor allem müssen sie besser bezahlt werden.

Eine Akademisierung des Hebammenberufs wird interessant. Es dürfte dann für viele Frauen, die bisher Hebammen geworden sind, eher uninteressant werden. Und bessere Bezahlung bedeutet erst einmal, dass die Krankenkassen mehr Geld haben müssen.

Zur sexuellen Selbstbestimmung gehört auch die freie Information zu Schwangerschaftsabbrüchen und eine gute Versorgung in allen Regionen mit Kliniken und Praxen, die diese anbieten. Ungewollt schwangere Frauen brauchen Unterstützung und Hilfe in Wohnortnähe und im Internet, keine Bevormundung und Strafe. Der Paragraph 219a ist und bleibt ein Überbleibsel aus einer rückständigen Zeit und muss endlich aus dem Strafgesetzbuch gestrichen werden. Dafür werden wir auch weiterhin kämpfen.

Da habe ich keine Probleme mit.

Frauen weltweit sind gleichberechtigt

Kriege werden in der Regel von Männern beschlossen und angeführt, auch an diplomatischen Verhandlungen und Friedensgesprächen in der internationalen Politik nehmen überwiegend  Männer teil. Dabei sind Frauen und Kinder sind die Leidtragenden in den Krisen- und Kriegsgebieten und als Zivilisten besonders betroffen von Gewalt, Vergewaltigung und Mord. Es ist dringend geboten, hier in den nächsten zehn Jahren umzudenken und Frauen zur Hälfte an der internationalen Politik teilhaben zu lassen.

Die Männer sind hingegen als Zwangsverpflichtete und nicht als Zivilisten die Leidtragenden.

Freiheit, Gleichheit, Schwesterlichkeit

Um all das zu erreichen, brauchen wir vor allem auch: Solidarität unter Frauen. Und hier müssen wir uns auch an die eigenen Nase fassen: Immer noch vorhandene patriarchale Strukturen bestimmen nicht nur das Denken und Handeln von Männern, sondern auch von Frauen. Wir selbst können uns davon manchmal nicht freimachen und steigen ein auf die Abwertungsmechanismen. Aber gerade jetzt ist die Zeit der Frauen. Wir wollen patriarchale Muster überwinden. Deswegen laden wir alle Frauen ein, als Teil eines feministischen Aufbruchs mit einer neuen Schwesterlichkeit für Gleichberechtigung und Feminismus zu kämpfen.

Mal sehen wie die Frauen reagieren.

Diesen Abschnitt fand ich noch interessant:

Baerbock hat entscheidenden Anteil daran, dass die Partei so geschmeidig daherkommt, trotz Doppelbelastung als Politikerin und Mutter. „Ich habe zwei kleine Kinder und ich will nicht aufhören Mutter zu sein, bloß, weil ich Spitzenpolitikerin bin. Und es wird Momente geben, da bin ich nicht da, weil es da wichtiger ist, dass ich bei meinen Kindern bin.“

Ob ein solcher Satz von einem Mann ähnlich durchgegangen wäre? Und ob es letztendlich möglich sein wird?

Kinder und Kanzleramt – lässt sich das vereinbaren? Die Regierungschefin in Neuseeland, Jacinda Ardern, macht es vor. Baerbock macht nicht den Eindruck, als würde sie daran zweifeln. Sie sieht es als Aufgabe von Politik an, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern – auch in der Spitzenpolitik. Eine junge Mutter im Kanzleramt kann außerdem die Familienpolitik und die damit zusammenhängenden gesellschaftlichen Fragen vorantreiben – Role-Model sein.

Mal sehen, ob ihr das gelingt. Immerhin reagiert die Presse üblicherweise nicht sehr positiv, wenn zB wichtige politische Themen zu regeln sind und Politiker sich dann frei nehmen statt and der Lösung dieser zu arbeiten.

„Ich halte nichts davon, alles schön zu reden und zu sagen, das kriegt man alles easy hin, so einen Rund-um-die-Uhr-Job und kleine Kinder,“ erklärt Baerbock. „Und ich habe das Glück, dass mein Mann mir viel abnimmt.“ Ihre Tochter hat sie mal gefragt, ob eigentlich auch Frauen Elternzeit nehmen können.

Das immerhin könnte für Männerpolitik interessant sein.

Die weiblichen Geschlechtsorgane sind den männlichen Geschlechtsorganen deutlich überlegen (was Wickeln angeht)

Wenn man zuerst eine Tochter hat und danach einen Sohn bekommt, dann wir deutlich, dass die weiblichen Geschlechtsorgane den männlichen deutlich überlegen sind – einfach was die Einfachheit des Wickelns angeht.

Bisher war ich eher der Meinung, dass der Penis der Mercedes unter den Geschlechtsorganen ist, aber der Schlaucheffekt beim Wasserlassen auf der Wickelkommode belehrte mich schnell eines besseren.

Wo bei einem Mädchen alles sauber nach unten in die Wickelauflage sickert oder der Radius zumindest vergleichsweise klein ist, kann es bei einem Jungen in alle Richtung spritzen und eine erhebliche Reichweite haben, einen selbst erwischen, das Baby selbst erwischen, das Umfeld erwischen und man muss das Baby neu anziehen, sich umziehen und den Boden wischen.

Ich empfehle also nachhaltig Mädchen, wer einen einfacheren Start haben möchte.

Ist das männliche Geschlecht erfunden? (Gastartikel)

Dies ist ein Gastartikel von „Alter Freund“

Ich bin kein Freund von Gender, Gendern heißt Spalten, aber sie haben mich mit ihren Argumenten nachdenklich gemacht. Und bin dann zu dem Schluss gekommen, dass nicht das weibliche Geschlecht erfunden wurde, sondern das männliche. Die Begründung ist ganz einfach, alle menschlichen Föten sind zuerst weiblich, die zukünftigen männlichen Föten werden erst im späteren Verlauf transformiert.Genau hier setze ich an mit dem üblichen Argument der sozialen Konstruktion, und sage, dass diese Transformation selbst nur sozial konstruiert ist. Es finden da zwar schon gravierende Veränderungen am „männlichen“ Fötus statt, aber diese Veränderungen rechtfertigen nicht einfach so das Einführen eines neuen Geschlechts „männlich“. Es ist also eine Erfindung der Wissenschaft, nicht der Natur.Nun kann ich mir in etwa vorstellen was Evolutionsbiologen sagen werden, aber ganz egal was sie an Argumenten bringen warum das männliche Geschlecht eben doch real ist, das sind nur Ordnungs-Schemata und Kategorisierungen, die von Menschen erfunden wurden.


In der Elektrotechnik gibt es z.B. die Kenngrösse „j“, die als Wurzel von -1 definiert ist. Mathematisch ist das unmöglich, negative Zahlen können keine Wurzel haben, aber wenn man sich mal darauf einlässt, kann man bestimmte, sehr komplizierte Berechnungen mit der Hilfe von „j“ stark vereinfachen.
Genau das machen die Evolutionsbiologen auch. Sie sagen, dass bestimme Merkmale x,y,z zu der neuen Kategorie „männlich“ zusammengefasst werden. Das erleichtert die Übersicht sehr und man kann die Fortpflanzung viel einfacher erklären. Das Geschlecht „männlich“ existiert aber nicht wirklich, genausowenig wie die Wurzel aus -1.Für Gender bedeuted das, dass eigentlich sämtliche vorgeworfene Verbrechen der „Männer“ in Wahrheit Verbrechen der Frauen sind.


Nicht wir Männer haben die Frauen „unsichtbar“ gemacht, sie haben uns Frauen mit grosser Klitoris unsichtbar gemacht, indem sie uns zu „Männer“ deklarierten.
Nicht wir Männer haben die Frauen verskavt, sie haben uns ausgegerenzt und dann für ihre Zwecke missbraucht, haben uns ausgegrenzte Frauen mit grosser Klitoris zu ihren Nutztieren gemacht.
Nicht wir Männer sind an allem Übel in der Welt schuld, es sind die Frauen. Denn wer ist mehr schuld?
Diejenigen, die willkürlich eine Gruppe von Frauen wegen ihrer grossen Klitoris ausgrenzen, oder diejenigen Frauen, die so ausgegrenzt werden?

Gleichstellungsstiftung und die „Männerquote“

Die Taz berichtet über Ärger bei der Gleichstellungsstiftung:

Die zentralen Aufgaben der Stiftung sollen vor allem durch den Stiftungsrat bestimmt werden, der ausschließlich aus Mitgliedern des Bundestags und der Familienministerin bestehen soll. Zivilgesellschaftliche Organisationen sollen nur beratend im Beirat vertreten sein. Dergestalt aber, schreibt der Juristinnenbund, sei die Stiftung „nicht geeignet, eine von politischen Mehrheiten unabhängige und an fachlichen Kriterien orientierte Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern“ zu sichern.

Klar, die wollen den dauerhaft mit Feministen besetzen und nicht irgendwann CSU oder gar AfD Leute an der Spitze haben.

Auch Barbara Stiegler, Mitglied im Expertinnennetzwerk „Gender Mainstreaming Experts International“, befürchtet, dass die Arbeit der Stiftung „sehr stark von den politischen Kräfteverhältnissen im deutschen Bundestag geprägt sein wird.“ Der „starke Arm der Politik“ sei unübersehbar.

Eine Stiftung des Bundes darf natürlich nicht von der Politik bestimmt sein. Es sei denn es gibt eine Garantie, dass die Politik ewig auf die richtige Weise feministisch ist.

Zudem verstoßen die Vorgaben zur paritätischen Besetzung der Stiftungsgremien laut Juristinnenbund gegen Artikel 3 des Grundgesetzes – sie führten zu einer „ungerechtfertigten Männerquote“. Gezielte Förderung sei dann erlaubt, wenn es um den Ausgleich struktureller Nachteile gehe.

Klar, das darf natürlich nicht sein. Vielleicht wenn man kontrollieren könnte, dass es nur feministische Männer sind, die wissen, dass sie den Mund halten müssen. Aber man ist wahrscheinlich zB aus dem BMFSFJ etwas verwöhnt.

Dass sich im Themenbereich Gleichstellung vor allem Frauen qualifiziert hätten, mit denen die Gremien dann also auch besetzt würden, habe jedoch nichts mit der strukturellen Benachteiligung von Männern zu tun. Zudem müssten bei der Besetzung Menschen berücksichtigt werden, die sich nicht als Frau oder Mann verstünden.

Natürlich hat der Unterschied, der für Frauen positiv ist, nie etwas mit Benachteiligung zu tun. Daraus kann man natürlich nichts ableiten.

Auch was die geplante Finanzierung angeht, gibt es Kritik. Mindestens Teile der Mittel für die Bundesstiftung sollen offenbar über den Haushalt des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend abgewickelt werden. „Keinesfalls“ aber, so Barbara Stiegler, dürften die „relativ wenigen Mittel für Gleichstellung“ des BMFSFJ umgewidmet werden. Der Stiftung solle eine jährliche Mindestzuweisung über 7 Millionen Euro zugesichert werden, zudem solle ermöglicht werden, dass nicht ausgeschöpfte Mittel ins Stiftungsvermögen fließen können.

Die Stiftung und was sie eigentlich bewirken soll, bleibt mir noch etwas unverständlich. Es soll anscheinend irgendwas zusätzliches geben, aber bloß nicht anderen etwas wegnehmen, also: Feministinnen nichts wegnehmen.

Die frauenpolitische Sprecherin der Grünenfraktion im Bundestag, Ulle Schauws, forderte, die Stiftung müsse sowohl politisch wie institutionell unabhängig arbeiten können und brauche einen intersektionalen Ansatz. „Wissenschaft und Zivilgesellschaft müssen Teil des Gremiums sein“, sagte sie. Zudem gehe Gleichstellung auch Männer an – Quoten aber dürfe es nur bei struktureller Benachteiligung geben, und das sei bei Männern nicht der Fall

Natürlich braucht es einen verpflichtenden intersektionalen Ansatz und damit ist ja auch klar, dass Männer, zumindest weiße Männer, da nichts zu sagen haben.

 

Pinky Hygienehandschuh #pinkygloves

Ich schaue mir ganz gerne die Höhle der Löwen an, auch wenn die frühere Begeisterung etwas nachgelassen hat und ich das Original Shark Tank besser fand. Aber im Lockdown und mit einem Säugling kann man eh nicht viel machen.

Also begaben sich die Finanzexpertin Südländerin und der Hobby Startupbewerter Schmidt mit dem relativ ruhigen und friedlich an seinem Schnuller saugenden Schmidt Junior vor den Fernseher und harrten der Investitionsangebote die da kommen sollten.

Ein Angebot war ein pinker, etwas übergroßer Plastikhandschuh mit einer Art Klettverschluss, den zwei Entwickler vorstellten.

 

Sie wollten die bescheidene Summe von 30.000 Euro für 20% und führten an, dass man damit ohne sich schmutzig zu machen ein Tampon entfernen könnte und dann über das leichte Abziehen des Handschuhs diesen dann ganz hygienisch verschlossen habe. Es sei die Lösung für alle Situationen, wo kein Papierkorb in der Nähe ist und man könnte damit alles ganz diskret abwickeln.

Natürlich habe ich der bei diesem Produkt erfahreneren Südländerin den Vorrang in der Bewertung gegeben. Ihr klares Urteil: Das Produkt ist für sie vollkommen uninteressant. Die euphorische Anpreisung der Entwickler, dass es seinen Weg in jede Damenhandtasche finden würde, teilt sie nicht.

Ich führe an, dass es mir wie jeder Einweghandschuh aussieht, vielleicht ohne den Klettverschluss. Ich bezweifele, dass man es als Produkt schützen kann, ein Handschuh mit Verschluss, darauf wird man kein Patent bekommen. Aber immerhin, ich könne mir vorstellen, dass es vielleicht etwas für Frauen ist, die eher Campen gehen als Südländerin oder das man es sich für entsprechende Situationen kauft.

Das kann sich Südländerin auch noch vorstellen, aber sie wird keine Kundin.

Ich rechne mit Absagen der Löwen, aber die Fragen nach, dass es ja etwas merkwürdig sei, dass da gerade zwei Männer das entwickeln, ob da auch Frauen beteiligt wären? Die Entwickler bestätigen, dass zum einen ihre Frauen ihnen Feedback gegeben hätten, aber auch Mitarbeiterinnen daran beteiligt waren und Testpersonen ganz begeistert davon waren.

Sie geben an, dass bei herkömmlichen Gummihandschuhen das Abziehen zu schwer wäre und es daher schwieriger sei, dass Tampon sauber unter zu bringen ohne das es zu Spritzern kommt.

Mich überzeugt es nicht richtig. Aber Ralf Dümmel, einer der bei Investoren beliebtesten Löwen, ist interessiert. Er und noch ein anderer männlicher Löwe sind bereit den Deal zu machen.

„Dümmel hat den Vorteil, dass er das schnell in die Supermärkte bringen kann, die Produktionskosten für ein paar Handschuhe können nicht hoch sein, der bekommt die 30.000 € da schon wieder raus“ fachsimple ich. Südländerin bleibt eher skeptisch. Sie gesteht zu, dass es ein kleines Investment ist und das sich die Produkte ja lange halten und neben anderen Hygienebeuteln liegen können, mit dem Hype aus der Höhle der Löwen werden die Geschäfte es reinnehmen und Leute werden es auch kaufen. Ob es langfristig was ist, da sind wir beide eher skeptisch.

Andere scheint hingegen der Deal richtig aufgewühlt zu haben. Haben die gesagt, dass Frauen ihre Periodenprodukte diskret entsorgen sollen und angedeutet, dass es jeder Frau peinlich sein muss, wenn sie das nicht in speziellen Packungen macht? Haben sie angedeutet, dass man nicht mit seinem Blut in Berührung kommen soll und damit die heilige Menstruation, mit das weiblichste was es gibt, als schmutzig dargestellt? Haben Männer gemeint, sie wüssten etwas bezüglich der Periode besser als Frauen?

Es hagelt Tweets:

 

 
 
 
 
 
 
Überhaupt arbeiten sich sehr viele daran ab, dass da Männer etwas entwickelt haben und verbinden das gleich damit, Männern Schmutzigkeit vorzuwerfen, es als Angriff gegen Frauen an sich zu bewerten und die beiden Entwickler für die letzten zu halten.

 

Ich hatte in einem anderen Artikel zu Menstruationsblut und Feministen schon mal geschrieben:

Ein der merkwürdigeren Ideen im Feminismus ist, dass nichts, dass im Zusammenhang mit Frauen steht, irgendwie schlecht sein kann oder in irgendeiner Form eine Abwertung erfahren kann.

Die Menstruation ist dabei so weiblich, wie etwas nur sein kann, also sind alle Reaktionen darauf, die in irgendeiner Form als Unbehagen verstanden werden können, nach dieser Einstellung sexistisch.

Im Feminismus wird insofern dafür geworben, dass Menstruationsblut etwas ganz normales ist (was es ja auch ist) und demnach in keiner Weise abgewertet werden darf.

Natürlich gibt es andere Hygienebeutel zuhauf, was ja grundsätzlich nahelegt, dass ein gewisser Markt dafür vorhanden ist. Dieser hier hat nur eine Zusatzfunktion und ist Pink. Aber das ist anscheinend schon ein ungeheurer Angriff. 

Aus meiner Sicht wird es der Markt regeln. Wenn es Leute interessant finden, dann wird es das Produkt weiterhin geben. Wenn es die Leute nicht interessant finden, dann muss sich das Produkt ändern oder untergehen.  Vielleicht hat Pinky Gloves sogar Glück und nach dem alten Grundsatz, dass es keine schlechte Publicity gibt mögen viele Frauen die Dinger ablehnen, aber es reicht ja, wenn ein kleiner Teil, für die sie interessant sind, dadurch von ihnen erfahren haben und sie kaufen. 

Die Aufregung darüber scheint mir vollkommen überzogen. Aber ich bin ja auch ein Mann. 

Im Spiegel malen Feministinnen ein düsteres Bild:

 

Durch so ein Produkt fangen Frauen überhaupt an zu denken, sie bräuchten so etwas, damit sich Männer nicht vor ihren Tampons im Mülleimer ekeln. Und da geht es eben um mehr. Eine Mutter schrieb uns, dass ihre Tochter sie gefragt habe: Mama, muss ich das benutzen? Dieses Produkt sagt Frauen: Bitte hinterlasse nichts von dir und deiner Menstruation sichtbar im Badezimmermülleimer oder in deiner Hand auf dem Weg zum nächsten Mülleimer. Dein benutztes Tampon ist anstößig und will kein Mann sehen. Eigentlich ist das ein Produkt, das Männerseelen »beschützt«, aber Frauen kaufen sollen. Selbst in deinem eigenen Mülleimer bist du damit nicht mehr sicher vor gesellschaftlichen Erwartungen. Nicht nur das Produkt ist unnötig, es suggeriert auch so vieles, was einfach falsch sind.

Ich glaube ja, dass Frauen untereinander da viel strikter sind und eher auf die Einhaltung von Regeln und „Stilfehler“ achten. 

Und das eben auch bei auch selbst. Insofern scheint mir da einiges Projektion zu sein.

Selbermach Mittwoch 315 (14.04.2021)

Bitte Kommentare bündeln, wenn sie nur aus einzelnen Tweets und kurzem Kommentar bestehen und man sehr viele davon plant

Zwischen einem Kommentar, der nur einen Link oder einen Tweet ohne Besprechung des dort gesagten enthält, sollten mindestens 5 Kommentare anderer liegen, damit noch eine Diskussion erfolgen kann.

Many Shades of Gender (13): Was sollen diese ganzen Schreib- und Sprechverbote und -gebote, wie z.B. Sternchen, Unterstrich usw.?

Paula-Irene Villa Braslavsky, Genderprofessorin, hat ein FAQ zu Mythen über die Gender Studies erstellt. Ich wollte sie nach und nach hier besprechen:

Heute:

Was sollen diese ganzen Schreib- und Sprechverbote und -gebote, wie z.B. Sternchen, Unterstrich usw.? Das nervt, verhunzt die Sprache, bringt nichts und ändert auch gar nichts an bestehenden Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern.

Das ist zumindest etwas, was auch schon bei der letzten Frage eine Rolle gespielt hat.

Niemand in den Gender Studies würde behaupten, dass Sternchen oder Unterstriche alle Geschlechterungleichheiten beseitigen. Auch sagt niemand, dass dies das einzige oder gar wichtigste Problem sei. Allerdings weisen viele Studien schon lange und immer wieder neu durchaus darauf hin, dass Sprache unsere Wirklichkeit mit-bestimmt. Sprache, Worte, Begriffe, auch Grammatik rahmen unsere Wahrnehmung und machen die Welt in einer bestimmten Weise erfahrbar. In Bezug auf Geschlecht gibt es Studien die zeigen, dass die männlichen Allgemeinformen (Arzt, Lehrer, Professor, Schüler …) das, worum es jeweils geht, als tendenziell männlich prägen. Das ist nicht alles-entscheidend, schließlich gibt es ja trotzdem Lehrerinnen, Ärztinnen, Professorinnen und Schülerinnen. Aber die gewissermaßen idealtypische Person eines solchen Konzepts wird eher männlich gedacht, die männliche Form ist also die Norm. Daher gibt es seit vielen Jahrzehnten Versuche, andere Geschlechter auch sprachlich abzubilden – was der empirischen Wirklichkeit auch eher entspräche. Dazu gibt es in den Gender Studies viel Forschung, und auch unterschiedliche Ansätze sowie Praxen im eigenen Schreiben, Lehren und Forschen. 

Da nennt sie leider die Studien, auf die sie Bezug nimmt, nicht. Mal sehen was noch unten kommt. „Die männliche Person als Norm“ halte ich auch für kein sehr starkes Argument, wenn man bedenkt, dass Länder mit neutraleren Sprachen auch nicht emanzipierter sein müssen. 

so ist auch die angemessene Adressierung als Person, z.B. für Menschen, die sich nicht in der binären weiblich/männlich-Form verorten, selbstverständlich wichtig und ein simpler Akt der Anerkennung und der Höflichkeit.

Nur das es davon eben sehr wenige gibt was die Entwicklung eines entsprechenden Sprachgebrauchs stark erschwert. 

Im Übrigen ist ein bewusster Umgang mit den Vergeschlechtlichungen in der Sprache im Allgemeinen und in der Grammatikalisierung im Besonderen weder besonders kompliziert noch verhunzt es zwingend die Sprache bzw. das Sprechen. Es fordert aber die Phantasie heraus. Es gibt Schlimmeres. 😉

Es einfach zu Behaupten ist kein Argument. Es ist auch keine Entkräftung. Man könnte weit eher behaupten, dass alles, wozu man seine Phantasie benötigt komplizierter als etwas, bei dem man keine Phantasie braucht. „Es gibt Schlimmeres“ ist auch kein Argumen, es ist vielmehr indirekt eine Bestätigung, dass es zumindest eine gewisse Erschwernis ist. Es wird um so schwieriger, wenn immer wieder bisherige Vorschläge als nicht inklusiv genug angesehen werden und deswegen nachgebessert werden müssen. 

Sprech- und Sprachverbote zum Beispiel. Damit haben die Gender Studies nicht viel im Sinn. Wo sie einem, pardon einer, doch begegnen: ansprechen und klären.

„Mit Sprech- und Sprachverboten haben Gender Studies nichts im Sinn“ ist eine irgendwie kontextlose Aussage. Meint sie damit, dass keiner in den Gender Studies das Gendern vorschreiben will? Da unterschätzt sie wohl eher den Fanatismus vieler dort, die das sehr wohl gerne machen würden, wenn sie könnten. 

Ganz wichtig noch: Vorschläge zur Sichtbarmachung von Geschlechtervielfalt verstehen sich als inklusive Praxis und sind im Einklang mit dem Urteil des BVerG zum Schutz des allgemeinen Persönlichkeitsrechts, welches bestehende zweigeschlechtliche Sprachnormen als diskriminierend verurteilt: https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2017/bvg17-095.html 

Tatsächlich enthält der Text dort nichts zu zweigeschlechtlichen Sprachnormen, schon gar nicht für Privatpersonen. Auch hier eher ein Scheinargument. 

Zum Zusammenhang von Sprache und Geschlecht:

Der Abstract:

Zusammenfassung
Wer die auf Geistes- und Sozialwissenschaften basierende Literatur aus dem Kanon der Geschlechtertheorie betrachtet, erhält den Eindruck, dass die Psychologie innerhalb dieses Forschungsbereichs keine tragende Rolle spielt. Ein möglicher Grund für die fehlende Integration psychologischer Forschung scheint ihr Zugriff auf quantitative empirische Methoden zu sein, ein Ansatz, der für die naturwissenschaftlich orientierte psychologische Forschung zentral ist. In diesem Artikel wollen wir eine Lanze brechen für eine geschlechter theoretisch informierte quantitative Experimentalpsychologie. Anhand unseres Forschungsgebietes Psychologie der Sprache illustrieren wir, an welchen Punkten die neueren behavioralen und neurowissenschaftlichen Methoden einen Beitrag leisten können und wie sie Erkenntnisse aus der qualitativen Genderforschung komplementieren. Der erste Teil befasst sich mit aktuellen Studien, die unter anderem mit Reaktionszeitmessungen und evozierten Potenzialen zeigen, wie stark Genderstereotypien in der Semantik verankert sind. Der zweite Teil
thematisiert neuere Befunde aus der Neurobildgebung, die Geschlechtsunterschiede in der Lateralisierung von Sprachverarbeitung
infrage stellen. Abschließend skizzieren wir neuere Forschungsansätze und plädieren für eine transdiziplinäre Kombination von qualitativen und quantitativen Methoden.

Aus dem Text:

Lust auf einen kleinen Selbsttest? Hier die Geschichte: Vater und Sohn sind im Auto unterwegs und werden in einen schweren Autounfall verwickelt. Der Vater stirbt noch auf dem Weg ins Krankenhaus. Der Sohn wird, kaum im Krankenhaus angekommen, in den Notfall-Operationssaal gefahren, wo schon die Dienst habenden Chirurgen warten. Als sie sich jedoch über den Jungen beugen, sagt jemand vom Chirurgenteam mit erschrockener Stimme: »Ich kann nicht operieren – das ist mein Sohn.«

Legt man diesen Text Studierenden vor, wenden die häufig spontan ein: »Moment mal – der Vater ist doch tot. Wieso steht der jetzt plötzlich als Chirurg im OP? Ist der andere gar nicht sein leiblicher Vater?« Erst im zweiten Denkschritt ist die Lösung klar: Es gibt mindestens eine Chirurgin im Team, die Mutter des Jungen.

Das ist ja in der Tat ein Klassiker. Aber gerade bei Ärzten sieht man auch gut: Es hat Frauen in keiner Weise abgehalten Medizin zu studieren. Inzwischen studieren mehr Frauen Medizin als Männer. Sie werden zwar seltener Chirurgen, aber dafür lieber Kinderärzte. Dabei werden beide Bereiche gleich gegendert. 

Auch daraus einfach mal ein Zitat vom Anfang der zweiten Seite, auf die hier verlinkt ist:

Nun gibt es hiervon berühmte Ausnahmen: das Mädchen, das Fräulein, das Weib, die Schwuchtel, die Memme, der Vamp. Sie werden oft bemüht, um diesen Genus-Sexus-Zusammenhang zu widerlegen. Schaut man jedoch genauer hin, dann bestätigen sie diesen Zusammenhang sogar auf geradezu frappierende Weise: Sie markieren nicht das Geschlecht, sondern Geschlechterrollen, also die sozialen Erwartungen daran, wie sich die Geschlechter zu verhalten haben. Bei all diesen „Ausnahmen“ handelt es sich nämlich um gesellschaftlich missbilligte Verstöße gegen Geschlechtsrollen. Die betreffenden Personen werden aus ihrer „richtigen“ Genusklasse verbannt, weil sie sich „falsch“ verhalten, der soziale Verstoß wird durch einen grammatischen geahndet. Das betrifft zum einen homosexuelle Männer, die aus Sicht einer solchen Gesellschaft dasjenige Geschlecht begehren, das „normalerweise“ Frauen begehren. Deswegen stehen ihre Bezeichnungen häufig im Femininum (die Schwuchtel, die Tunte, die Tucke). Der feige Mann wird durch die Memme ausgestellt. Umgekehrt geriert sich der Vamp im Maskulinum durch die Macht über Männer „wie ein Mann“.

Im Neutrum werden hingegen verachtete, abstoßende Frauen (das Weib, das Luder) bezeichnet, zum anderen noch nicht „voll entwickelte“, also in der alten Geschlechterordnung solche, die noch unverheiratet sind: das Dirndl, das Wicht, das Fräulein, das Girl. Jungen erscheinen von Anfang an, auch in den Dialekten, im maskulinen Genus: der Kerl, der Bub, der Junge. Mehr noch: Verkleinerte Männernamen wie Peterle scheuen in vielen Dialekten das Neutrum, indem sie trotz ihrer Diminutivendung im Maskulinum verbleiben (der Peterle). Umgekehrt bekommen Mädchen und Frauen sehr viel häufiger und oft auch lebenslang diminuierte Namen, die immer im Neutrum stehen (’s Annele).

Das ist eben auch eher eine Herleitung als der Nachweis, dass deswegen „Das Mädchen“ für den Verwender weniger Wert ist als „der Junge“. Grammatik mag einen geschichtlichen Hintergrund haben, aber das Bedeutet nicht das die dahinterstehende Bedeutung erhalten bleibt. Ein grammatisches Geschlecht ist für uns häufig zufällig ohne das wir damit wirklich etwas geschlechtliches Verbinden. Im französischen ist die Sonne beispielsweise männlich, im deutschen weiblich. Sieht man deswegen die Sonne in einem anderen Geschlecht? 

Stefanowitsch ist hier vielleicht dem ein oder anderen bekannt. Er bespricht diese Studie:

Many countries face the problem of skill shortage in traditionally male occupations. Individuals’development of vocational interests and employment goals starts as early as in middle childhood and is strongly influenced by perceptions of job accessibility (status and difficulty) and self-efficacy beliefs. In this study, we tested a linguistic intervention to strengthen children’s self-efficacy toward stereotypically male occupations. Two classroom experiments with 591 primary school students from two different linguistic backgrounds (Dutch or German) showed that the presentation of occupational titles in pair forms (e.g., Ingenieurinnen und Ingenieure, female and male engineers), rather than in generic masculine forms (Ingenieure, plural for engineers), boosted children’s self-efficacy with regard to traditionally male occupations, with the effect fully being mediated by perceptions that the jobs are not as difficult as gender stereotypes suggest. The discussion focuses on linguistic interventions as a means to increase children’s self-efficacy toward traditionally male occupations.

Yes I Can! Effects of Gender Fair Job Descriptions on Children’s Perceptions of Job Status, Job Difficulty, and Vocational Self-Efficacy

Da findet sich diese Grafik:

Von 3,85 auf 3,71 und von 3,76 auf 3,69 ist jetzt kein sehr großer Unterschied, der in der Grafik auch gleich mal stark verfälscht dargestellt wird. Würde man eine saubere Y-achse haben würde auffallen, dass der Unterschied nicht sehr groß ist. 

Das scheint sich mir auch hier zu bestätigen:

Dieser Link bespricht genau die gleiche Studie. 

Gründe für Geschlechterunterschiede in STEM: Schlussfolgerungen (Teil 7)

Eine interessante Studie bespricht eine Vielzahl von Gründen, warum sich Geschlechterunterschiede im STEM-Bereich ergeben.

It is a well-known and widely lamented fact that men outnumber women in a number of fields in STEM (science, technology, engineering and maths). The most commonly discussed explanations for the gender gaps are discrimination and socialization, and the most common policy prescriptions target those ostensible causes. However, a great deal of evidence in the behavioural sciences suggests that discrimination and socialization are only part of the story. The purpose of this paper is to highlight other aspects of the story: aspects that are commonly overlooked or downplayed. More precisely, the paper has two main aims. The first is to examine the evidence that factors other than workplace discrimination contribute to the gender gaps in STEM. These include relatively large average sex differences in career and lifestyle preferences, and relatively small average differences in cognitive aptitudes – some favouring males, others favouring females – which are associated with progressively larger differences the further above the average one looks. The second aim is to examine the evidence suggesting that these sex differences are not purely a product of social factors but also have a substantial biological (i.e. inherited) component. A more complete picture of the causes of the unequal sex ratios in STEM may productively inform policy discussions.

Quelle: Men, women and STEM: Why the differences and what should be done?

Die Einteilung in der Studie ist wie folgt:

  1. Sex differences in preferences and priorities
  2. Sex differences in cognitive aptitudes
  3. Sex differences in variability
  4. Bias and discrimination in the workplace
  5. Policy implications
  6. Levelling the playing field vs. equalizing sex ratios
  7. Conclusion: Many factors at play

Ich dachte ich gehe diese Punkte mal einzeln durch, weil da viel interessantes dabei ist

Heute also:

Schlußfolgerungen

Los geht es:

In summary, any exhaustive discussion of the relative dearth of women in certain STEM fields must take into account the burgeoning science of human sex differences. If we assume that men and women are psychologically indistinguishable, then any disparities between the sexes in STEM will be seen as evidence of discrimination, leading to the perception that STEM is highly discriminatory. Similarly, if we assume that such psychological sex differences as we find are due largely or solely to non-biological causes, then any STEM gender disparities will be seen as evidence of arbitrary and sexist cultural conditioning. In both cases, though, the assumptions are almost certainly false. A large body of research points to the following conclusions:

  1. that men and women differ, on average, in their occupational preferences, aptitudes and levels of within-sex variability;
  2. that these differences are not due solely to sociocultural causes but have a substantial inherited component as well; and
  3. that the differences, coupled with the demands of bearing and rearing children, are the main source of the gender disparities we find today in STEM. Discrimination appears to play a smaller role, and in some cases may favour women, rather than disfavouring them.

Also die Schlussfolgerungen wie folgt:

  1. dass sich Männer und Frauen im Durchschnitt in ihren beruflichen Präferenzen, Neigungen und dem Grad der innergeschlechtlichen Variabilität unterscheiden;
  2. dass diese Unterschiede nicht nur auf soziokulturelle Ursachen zurückzuführen sind, sondern auch eine erhebliche vererbte Komponente haben; und
  3. dass diese Unterschiede in Verbindung mit den Anforderungen des Gebärens und Aufziehens von Kindern die Hauptursache für die geschlechtsspezifischen Unterschiede sind, die wir heute in den MINT-Fächern finden. Diskriminierung scheint eine geringere Rolle zu spielen und kann in einigen Fällen Frauen begünstigen, anstatt sie zu benachteiligen.

Das Erstaunliche ist, dass meist schon der erste Punkt in Diskussionen auf ganz erheblichen Widerspruch stößt, zumindest wenn man ihn nicht mit einem Unterdrückungsnarrativ verbindet. 

Eine Angabe wie das Männer sich eher für Technik interessieren wird dann schon ohne nähere Angaben zum Grund angegriffen, wohl weil das irgendwie unterstellt wird. Sagt man hingegen, dass Frauen leider aufgrund ihrer Erziehung wenig an Technik heran geführt werden bekommt man schon eher Zustimmung. Die kann allerdings bizarrerweise dann gleich wieder verschwinden, wenn man anführt, dass dann eben auch wegen dieser Erziehung weniger Technikversierte Frauen vorhanden sind und es kein Wunder ist, dass dann entsprechende Bereiche männlich besetzt sind. 

Aber natürlich ist der zweite Punkt der eigentliche Kern des Anstoßes. Da kann man häufig an Argumenten bringen, was man will, man hat einfach aus Prinzip unrecht. Nachfragen dazu, welche Studien denn das Gegenteil belegen und denjenigen überzeugt haben, führen meist eher zu abstrakten Verweisen auf zB feministische Literatur etc, aber eigentlich nie auf konkrete Studien. 

Der Punkt, dass Frauen sogar begünstigt werden löst dann eher Schnappatmung und Blockreflexe aus. 

These conclusions have important implications for the way ademics and policy makers handle gender gaps in STEM. Based on the foregoing discussion, we suggest that the approach that would be most conducive to maximizing individual happiness and autonomy would be to strive for equality of opportunity, but then to respect men and women’s decisions regarding their own lives and careers, even if this does not result in gender parity across all fields. Approaches that focus instead on equality of outcomes – including quotas and financial inducements – may exact a toll in terms of individual happiness. To the extent that these policies override people’s preferences, they effectively place the goal of equalizing the statistical properties of groups above the happiness and autonomy of the individuals within those groups. Some might derive different conclusions from the emerging understanding of human sex differences. Either way, though, it seems hard to deny that this understanding should be factored into the discussion.

Der Ansatz, dass Equality of outcame die individuelle Lebensfreude absenken kann, halte ich für ein nicht so gutes Argument in der Diskussion, weil es wenig meßbar und verifizierbar ist. 
Feministen werden anführen, dass Frauen alle sehr viel glücklicher wären, wenn sie nicht mehr unterdrückt sind und das alleine ihre Lebensqualität entscheidend verbessern wird. Und das es auch bei den Frauen, die vielleicht ihren Job etwas weniger mögen würden als einen anderen immer noch zu einem besseren Leben führt. 

Insgesamt eine sehr gute Studie aus meiner Sicht, weil sie einen guten Überblick in vielen Bereichen gibt, eine Vielzahl von Studien zur Verfügung stellt und damit auch für zukünftige Diskussionen ein gutes Nachschlagewerk ist. 

Fandet ihr die Besprechung auf diese Weise interessant? Bietet sich das für andere Studien an? Kennt ihr eine vergleichbare Studie, die auf diese Weise besprochen werden sollte?

Sexlosigkeit nimmt zu: Was sind die Gründe

Eine Grafik macht gegenwärtig die Runde, die beispielsweise auch in diesem Tweet enthalten war:

Zu berücksichtigen ist zunächst, dass es um Zahlen aus den USA geht. Zahlen aus Deutschland sind mir nicht bekannt.

Da sieht man einmal eine Grafik nur für Männer und dann die Grafik für Männer und Frauen. Es geht jeweils darum, wie viele Männer und Frauen zwischen 18 und 30 angegeben haben, dass sie keinen Sex im dem letzten Jahr hatten bzw in der Grafik nur für Männer darum, welche in dem Zeitraum zwischen 18 und 30 gar keinen Sex hatten.

Insofern ist die Angabe „Männliche Jungfräulichkeit steigt“ nicht ganz abgesichert, denn die Jungs könnten natürlich zum einen vorher Sex gehabt haben bzw wurden auch 19 und 20 jährige gefragt, die dann ja nur ein oder zwei Jahre keinen Sex gehabt haben müssten

Im Ganzen allerdings zeigt es gerade bei Männern einen deutlichen Anstieg der Sexlosigkeit. Das könnte man bei einem Anstieg über einen sehr langen Zeitraum damit begründen, dass früher eben früher geheiratet wurde und damit eine Sexlosigkeit seltener war. Aber das erklärt nicht den rasanten Anstieg ab 2008.

Ein Artikel greift das auf:

Wächst eine Generation von Sexmuffeln heran? Zumindest in den USA scheint das der Fall zu sein. Junge Amerikaner im Alter zwischen 20 und 30 Jahren haben einer aktuellen Erhebung zufolge weniger Sex als Gleichaltrige in früheren Jahrzehnten. Das belegen Zahlen des General Social Survey, die kürzlich in der „Washington Post“ veröffentlicht wurden.

2018 hat demnach die Zahl der Menschen, die keinen Sex haben, einen Höhepunkt erreicht. Das überraschende daran: Es sind vor allem junge Männer in ihren 20ern, die enthaltsam leben

Sexstudie: Große Unterschiede zwischen jungen Männern und Frauen

Die Langzeitstudie kommt zu dem Ergebnis, dass fast jeder Vierte (23 Prozent) der 18 bis 29-Jährigen im vergangenen Jahr überhaupt keinen Sex hatte. Vor zehn Jahren lag der Durchschnittswert noch bei 19 Prozent, 1989 waren es sogar nur 14 Prozent.

Noch größer werden die Unterschiede zwischen jungen Männern und Frauen: Besonders junge Männer, rund 28 Prozent der 18- bis 30-Jährigen, gaben an, das vergangene Jahr sexlos verbracht zu haben. Dasselbe berichteten aber nur 18 Prozent der gleichaltrigen Frauen. In der Gruppe der 30 bis 39-Jährigen beiden Geschlechts wiederum gaben nur sieben Prozent der Befragten an, ein Jahr lang keinen Sex habt zu haben.

Die Steigerung bei den Älteren, also 30-39, ist interessant, es ist eben ein Alter in dem man eher verheiratet ist.

Es ist kompliziert: Das sind die Gründe für die Enthaltsamkeit

Psychologin Jean Twenge deutet die Zahlen so: Junge Amerikaner würden sich immer später fest an einen Partner binden. Außerdem würden immer mehr junge Amerikaner zu Hause bei Ihren Eltern leben, was ihre Möglichkeiten, sexuell aktiv zu sein, erheblich einschränke, so die Psychologieprofessorin der San Diego State University zu den Ergebnissen. Auch Arbeitslosigkeit spiele eine Rolle. Wer keine Arbeit habe, lebe auch seltener in einer festen Beziehung.

Also die Faktoren in den USA:

  • Spätere Bindung
  • bei den Eltern leben
  • Arbeitslosigkeit

Wäre interessant ob das in Deutschland auch entsprechende Faktoren sind, die in diesem Zeitraum vorliegen

Sexualtherapeut Friedhelm Schwiderski aus Hamburg hat eine andere Sicht auf die Studie: „Sexlosigkeit muss man differenzieren. In dieser Erhebung wird beispielsweise nur der sexuelle Kontakt mit anderen Menschen erhoben.“ Selbstbefriedigung und Pornografie – besonders verbreitet und zugänglich durch das Internet – würden hier ausgeklammert, kritisiert der Sexualtherapeut. Und ist sich sicher, dass gerade junge Männer sehr viel im Internet unterwegs sind und sich dort intensiv mit Pornos, Cyber Sex und anderen Angeboten beschäftigen. „Das Angebot ist riesig. Sex verlagert sich in die virtuelle Welt“, meint Schwiderski.

Also Ausweichbefriedigung. Wer Pornos hat der hat eine Ausflucht und macht weniger um an tatsächlichen Sex zu kommen?

Junge Frauen haben Ansprüche – Männer flüchten sich ins Internet

Dazu komme, dass junge Frauen heute viel selbstbewusster und klarer signalisieren, was sie sich im Bett wünschen – und das auch einfordern. Das verunsichert junge, unerfahrenere Männer und sie flüchten in das sehr platte und einfache Sex-Angebot im Internet. „Wenn man sich Pornos im Internet anschaut, steckt keine emotionale Anforderung dahinter“, erklärt der Experte und ergänzt: „Frauen werden in den meisten Pornofilmen als sehr willige Wesen dargestellt, die den Mann in seiner Dominanz bestätigen und den Zuschauer nicht mit ihren eigenen Bedürfnissen konfrontieren.“

ich glaube nicht, dass es Männer abschreckt, was sich Frauen im Bett wünschen. So ausgefallen sind die Wünsche der Frauen da nicht. Das eine Flucht ins Internet Probleme mit sich bringen kann könnte eher daran liegen, dass jemand, der den ganzen Tag zB Computerspiele spielt eben kaum eine Frau treffen wird, was die Chance auf Sex stark reduziert. Insofern könnte die Flucht in die virtuelle Welt dazu führen, dass man einfach weniger Gelegenheiten hat.
Ein anderer Punkt könnte sein, dass die Gesellschaft auch anonymer geworden ist. Wer in eine große Stadt zieht, der hat vielleicht schlicht ein geringeres Umfeld und weniger Leute die er kennenlernt als jemand der in seinem ursprünglichen Bereich verbleibt.

Gerne angeführt wird auch, dass eben die Frauen über die höhere Anonymität des Internets eher die Auswahl haben und damit ein Großteil des Sexes eher bei bestimmten Männern landet und sich nicht mehr so stark verteilt.

Lassen sich diese Ergebnisse auf Deutschland übertragen?

Hierzulande gibt es keine vergleichbare Erhebung. Die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung mit dem Titel „Sexualverhalten in Deutschland“, die 2017 im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht wurde, scheint der US-Studie eher zu widersprechen. Dort ist gerade die Gruppe der 25- bis 29-jährigen sexuell am aktivsten.

Dort gaben Männer an, im Schnitt 60 Mal Vaginalverkehr pro Jahr zu haben – im Schnitt also 1,2 Mal pro Woche. Frauen hatten im Durchschnitt 47 Mal Vaginalverkehr – also 0,9 Mal pro Woche. Mit dem Alter sinkt die Häufigkeit: Männer im Alter von 50 bis 59 Jahren haben laut der Untersuchung 34 Mal pro Jahr Sex mit einer Partnerin, Frauen im selben Alter 22 Mal. Auch diese Studie lässt einige Faktoren unbeleuchtet, so Schwiderski. Andere Praktiken des Sexualverkehrs, Selbstbefriedigung und Pornokonsum werden auch hier ausgeklammert. Er wisse aus seinem Arbeitsalltag als Sexualtherapeut, dass es in vielen Partnerschaften ein Thema ist, wie der Mann sexuell auf die Frau eingeht, ob er viel im Internet unterwegs ist und sich die Frau davon bedroht fühlt.

Die Zahlen scheinen also so auf Deutschland gar nicht unbedingt zuzutreffen. Allerdings finden sich dort auch keine direkten Angaben dazu, wie viel Prozent in welchen Alter keinen Sex hatten oder wie lange sie zwischen 18 und 30 keinen Sex hatten

Sexlosigkeit ist kein Problem allein von Singles

Sexlosigkeit ist deshalb nicht nur bei Singles ein Problem. Auch in einer festen Partnerschaft ist es ein verbreitetes Phänomen, weiß der Therapeut aus seiner Praxis: „Mein Eindruck ist, dass es bei sexuellen Problemen in der Beziehung fast nie um Sex geht, sondern mehr um das Miteinander in der Partnerschaft.“ Alle erdenklichen Spannungen oder Schwierigkeiten könnten eine Auswirkung auf die Erotik haben.

Zu wenig Sex kann es natürlich auch innerhalb von Partnerschaften geben, wobei Null Sex im Jahr in den wenigsten vorkommen dürfte.

Es klingt damit etwas so als wäre es eher ein amerikanisches Problem als ein deutsches. Was ja auch interessant für eine Diskussion über die Unterschiede wäre. Ansätze wären die höhere Religiösität der USA, die strengeren Ansätze bei sexueller Belästigung, die ein Flirten stark erschweren etc