Raubtierhafte Romanzen in Harrison Ford Filmen

(der Channel Pop Culture Detective wird von Jonathan McIntosh betrieben, der früher mit Anita Sarkeesian Feminist Frequency gemacht hat)

Zu dem Beispiel mit Han Solo hatte ich auch mal was geschrieben:

Han Solo: Hey, Your Worship, I’m only trying to help.

Leias Bitchshield geht auf 100%. Han kontert mit einem kleinen Neg mit ihrem Status. Er zeigt, dass er nicht beeindruckt ist.

Princess Leia: Would you please stop calling me that?

Es stört sie. Sie klingt sehr genervt.

Han Solo: Sure, leia.

Er ist entspannt, lässt sich nicht stören. Indifferent. Ignoriert es einfach.

Princess Leia: You make it so difficult sometimes.

Es ist nicht ganz klar, was sie meint. Findet sie ihn anstrengend oder machter es ihr nicht einfach ihn zu wollen?

Han Solo: I do, I really do. You could be a little nicer, though. Come on, admit it. Sometimes you think I’m all right.

Im ersten Teil übergeht er ihre Kritik einfach. Eine Form des Agree and amplify. Er macht es sich zu eigen und fordert sie dann etwas heraus, indem er sie ebenfalls als nicht nett bezeichnet. Ihre negative Einstellung wird ignoriert. Es werden Eingeständnisse von ihr verlangt

Princess Leia: Occasionally, maybe… when you aren’t acting like a scoundrel.

Die macht sie auch gleich. Und versucht sie dann wieder einzuschränken, indem sie meint, dass er sich wie ein Schurke benimmt.

Han Solo: Scoundrel? Scoundrel? I like the sound of that.

Er nimmt es als Indikator of Interest (IOI) und reframed den Schurken, macht ihn also zu etwas positiven. Man beachte seine Körpersprache. Er nimmt ihre verletzte Hand, während er das Wort hin und herwiegt als höre er es zum ersten Mal. Massiert sie und legt sie auf seine Brust, während er das Wort immer lobender klingen lässt. Seine Stimme wird weich während er ihr in die Augen schaut. Er wandelt ihre Ablehnung in ein Zeichen der Zuneigung um, stellt daraufhin Körperkontakt her und rückt näher.

[Han starts to massage Leia’s hand]

Princess Leia: Stop that.

Leia ist noch nicht überzeugt es geht ihr zu weit. Er soll die Hand wegnehmen. Sie weicht etwas zurück, aber zieht  die Hand nicht weg. Ihr Widerstand bleibt vorhanden.

Han Solo: Stop what?

Han stellt sich dumm und grinst sie an, während er ihre Hand weitermassiert. Er scheint die Sache als Shit Test zu sehen. Die „Nein heißt Nein“-Fraktion mag an dieser Stelle laut aufschreien.

Princess Leia: [timidly] Stop that. My hands are dirty.

Leia schiebt einen Grund nach. Aber es ist ein Einlenken. Der Grund ist ausweichend, sie schränkt es ein auf ihre dreckigen Hände, nicht mehr darauf, dass er sie berührt.

Han Solo: My hands are dirty, too. What are you afraid of?

Han sieht auch diesen Grund als Shit test und übergeht es. Dann spricht er direkt die Gefühlsebene an und fordert sie zugleich heraus, indem er ihr Angst unterstellt – aber Angst vor Gefühlen, nicht vor ihm.

Princess Leia: Afraid?
Han Solo: You’re trembling.
Princess Leia: I’m not trembling.
[Han moves in closer]

Er übergeht auch diesen Einwand. Rückt immer weiter vor und schaut ihr die ganze Zeit tief in die Augen. Sie schaut zurück.

Han Solo: You like me because I’m a scoundrel. There aren’t enough scoundrels in your life.

Dominantes Auftreten. Er stellt es fest. Er lenkt das Geschehen. Kommt immer näher öffnet die Lippen bereits leicht

Princess Leia: I happen to like nice men.

Man beachte, wie sie bis zuletzt dabei bleibt, dass sie ihn nicht mag. Wie sie aber das Gesicht nicht wegdreht als er sich ihr nährt. Sexuelle Spannung liegt in der Luft. Auch ihr Tonfall ist nicht mehr aggressiv.

Han Solo: I’m a nice man.

Er ignoriert im wesentlichen ihren Einwand und sieht ihn nur als Verstärkung. Das wichtige ist aber der Augenkontakt und die Körpersprache von beiden.

Princess Leia: No, you’re not. You’re…
[they kiss]

Leias Protest geht in dem Kuss unter.

Die Filmszene zeigt meiner Meinung nach sehr schön die sexuelle Spannung und das Knistern, das entsteht, obwohl Leia dem Wortlaut nach eigentlich nahezu feindselig ist. Das wesentliche ist hier aber nicht, dass Leia Nein sagt, sondern, dass ihre Körpersprache ja sagt. Han Solo nährt sich ihr sehr langsam, was ihr die Gelegenheit zur Reaktion lässt. Es ist recht aggressiv, aber Han Solo ist ja auch ein Schurke. Was die Szene erfolgreich macht ist denke ich, dass männlich-dominante Auftreten von Han Solo und seine Unbeirrbarkeit, sein sicheres Wissen, dass sie ihn will, egal was er sagt und die von beiden sehr schön dargestellte Körpersprache, die im Gegensatz zu dem (zumindest von ihr) gesprochenen liegt.

Anleihen bei: „Getting Laid the Han Solo Way

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Antje Schrupp: Dass sich der Feminismus wie die Inquisition verhält schadet dem Feminismus

Antje Schrupp schreibt in der Zeit zu den Reaktionen auf den hier besprochenen Artikel:

Sicherlich kann man gegen Kuchlers Text vieles einwenden, vor allem gegen die problematische Verknüpfung ihrer Schminke-Kritik mit der #MeToo-Debatte. Aber muss man ihr, der promovierten Soziologin, jegliche Kompetenz absprechen, sich zu dem Thema zu äußern?

Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass

  1. Feministinnen selbst keine Ahnung vom Feminismus haben. Natürlich müssen (intersektionale) Feministinnen jeden Versuch, Victim Blaming zu betreiben oder Frauen für etwas verantwortlich zu machen, hart angreifen.
  2. Sie im Folgenden noch nicht einmal versucht, die Kompetenz der promovierten Soziologin darzulegen, sondern einfach ein Kompetenzargument bringt.

Es ist nachvollziehbar, dass feministische Aktivistinnen den Impuls haben, sich von Positionen zu distanzieren, die „Feminismus“ nur als Label nutzen oder sogar für ganz andere Zwecke instrumentalisieren. Sie machen damit nur dasselbe, was weltanschauliche Gruppierungen im Westen schon immer gemacht haben, nämlich bestimmte Positionen als häretisch zu definieren und ihre Anhängerinnen und Anhänger dann vor die Wahl zu stellen, entweder die offizielle Linie zu übernehmen oder als Verräterin ausgeschlossen zu werden. Diese Praxis entstammt der Inquisition, überlebte dann aber quietschfidel die Säkularisierung sowie sämtliche Revolutionen und wurde später über die Studentenbewegung leider auch an die Frauenbewegung weitergereicht.

Das hat sie immerhin erkannt. Aber nicht wie tief verwurzelt dieses Element im modernen Feminismus ist. Der Feminismus lebt vom Feindbild, vom Kampf der Gruppen gegeneinander und davon, dass er ein einfaches Bild errichtet, von Gut und Böse, von wir gegen die, ein rein gefühlsgeleitetes Schema, welches einer Glaubensgemeinschaft sehr stark ähnelt. Wenn man rationale Argumente ablehnt, dann bleibt eben nur noch das Bekenntnis zur Gruppe, die Identitätspolitik.

Der moderne Feminismus WILL sein wie die Inquisition: Faire Prozesse sind nicht gewünscht, die Anklage ersetzt das Urteil. Die Gruppenzugehörigkeit ist bereits Beweis. Opfer werden für die gute Sache in Kauf genommen.

Es ist höchste Zeit, damit zu brechen, auch weil dieses Vorgehen dem Feminismus mehr schadet als anderen sozialen Bewegungen. Erstens verlieren wir dadurch originelle Köpfe – ich erinnere nur an Katharina Rutschky, die in den 1990er Jahren wegen ihrer These vom „Missbrauch mit dem Missbrauch“ von anderen Feministinnen so angefeindet wurde, dass sie sich schließlich ironisch selbst als Antifeministin bezeichnete (und sich zugegebenermaßen dann mitunter auch so benahm). Allerdings: Vieles von dem, was sie in den 1990ern am Emma-Feminismus und der damaligen Gleichstellungspolitik kritisierte, ist inzwischen Allgemeingut, unter anderem ihre Ansicht – Achtung, Pointe – dass Schminke und feminine Kleidung kein Beleg für die Unfreiheit ihrer Trägerin seien.

Es ist eine interessante Frage, wie stark sich der moderne Feminismus verändern müsste, damit er Kritik zulassen könnte und über Meinungen diskutiert statt alles, was nicht in die eigene Theorie passt wüst kreischend anzugreifen oder jedenfalls auszugrenzen.

Wie soll das in einer Theorie funktionieren, in der Virtue Signalling eine derart starke Bedeutung hat, die Kleinigkeiten als Bestätigung des großen sieht und sich in einem „Race to the bottom“ befindet wer mehr Diskriminierungen finden und anprangen kann und sich bezüglich dieser als der größere Nichtdulder zeigt?

Natürlich gibt es klaren Antifeminismus auch unter Frauen. Aber er ist selten.

Das wäre die Frage. Es wäre interessant eine Umfrage unter Frauen durchzuführen, welcher der Thesen des modernen Feminismus sie zustimmen.

Die meisten würden vermutlich viele der dortigen Theorien ablehnen, wenn sie auch gleichzeitig der These zustimmen würden, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sein sollen. Aber da würden die allermeisten zustimmen.

Dieses Etikett sollte eher jenen männerrechtlerischen und rechtsnationalistischen Positionen vorbehalten sein, die mit klarer politischer Agenda den Feminismus aktiv bekämpfen.

Alles andere wäre auch durchaus fatal, denn damit wäre die Gruppenidentität Feminismus=Frauen erheblich in Mitleidenschaft gezogen

Allen anderen gegenüber ist der Vorwurf unangebracht. Nicht einmal Frauen, die sich neuen Sichtweisen rundheraus verweigern, sind unbedingt Antifeministinnen. Vielleicht sind sie nur ein bisschen stur. Da kann einem jemand wie die Schauspielerin Nina Proll, die zurzeit in jedes erreichbare Mikrofon erzählt, wie doof sie die #MeToo-Kampagne findet, tausendmal lieber sein als eine, die feministische Aktionen bloß deshalb unterstützt, weil das zurzeit alle so machen.

„Die wissen eben noch nicht, was gut für sie ist“. Im klassischen Feminismus würde man vielleicht noch das Stichwort des „internalisierten Sexismus“ in den Raum werfen können. Sie sind eben durch das böse Patriarchat zu sehr beeinflusst um zu erkennen, was der richtige feministische Weg ist.

Nicht der Antifeminismus ist die größte Gefahr für die Freiheit der Frauen, sondern der Konformismus. Wenn wir Frauen, um die Gefahr des Konformismus zu bannen, in unseren Reihen ein paar „Antifeministinnen“ ertragen müssen, dann ist das eben so.

Nur müsste der Feminismus dazu die radikalen Feministinnen, die bei jedem Widerspruch und jedem „Nichtächten“ von nach deren Ansicht bestehenden Diskriminierungen sofort denjenigen selbst dem Feindeslager zuweisen, rausschmeißen. Und das schafft er nicht. Denn das wäre ein harter Kampf, bei dem man gegen die eigenen Radikalen vorgehen müsste.

Schrupp versteht nicht, dass „Antifeministinnen“ zu dulden bedeutet, dass man mitunterdrückt. Es kann keine Toleranz geben, jede kleinste Abweichung ist eine Stärkung des Feindes. Ich habe das ja gerade selbst erfahren als ich mit FeminismusDE auch Blogs verlinkt habe, die einen Penis nicht auch als weiblich ansehen können. 

 

Männer als Handelnde – im Guten und im Schlechten

Adrian schreibt:

Männer sind die Täter, weil Männer alles sind: Politiker, Künstler, Wirtschaftsbosse, die Kreativen, die Intellektuellen, die Macher und die Arbeiter. Männer tragen die Gesellschaft, sie machen alles, im Guten, wie im Schlechten.

Nimmt man diese Vereinfachung, dann kann man auch sehr viele Probleme in der Geschlechterdebatte lösen:

Männer sind eher in Führungspositionen? Sie machen eben das notwendige eher.

Es wäre der alte Gegensatz von aktiv und passiv

Ist ein Werbeverbot für Abtreibungsärzte noch sinnvoll?

Heute ging ein Urteil gegen eine Ärztin durch die Presse, die auf ihrer Homepage damit geworben hatte, dass sie Abtreibungen durchführt.

Ich würde sagen, dass Patientinnen durchaus ein Interesse daran haben, dass jemand auf besondere Kenntnisse in diesem Bereich hinweist und das die sonstigen Vorschriften, die Werbung für Ärzte regulieren hier ausreichend sind.

Was sagt ihr?

Zu weißen Männern als Gruppe und ihrer „Schuld“

Zwei Texte, die sich dagegen wehren „weißen Männern“ die Schuld an allem zu geben:

Jochen Bittner in der Zeit

Mir wird immer etwas mulmig, wenn sich Beobachter des Zeitgeschehens darüber beklagen, dass irgendwo immer nur „weiße Männer“ oder „alte weiße Männer“ auftreten. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, überall mehr Frauen zu sehen, junge Frauen gar, und Menschen anderer Hautfarbe. Ich frage mich bloß immer: Muss man denn die einen herabwürdigen, um die anderen zu emanzipieren?

In der Beschwerde über „weiße Männer“ steckt ja mehr als die Abwehr von offener oder unterschwelliger Diskrimierung. Sie ist eine Unterstellung, die selbst auf eine Diskrimierung hinausläuft: Jemand, der weiß ist, männlich und ein gewisses Alter hat, bringt höchstwahrscheinlich ein bestimmtes, nämlich falsches Denken mit.

Ich persönlich kenne eine Menge älterer weißer Männer, das bleibt in Deutschland ja nicht aus. Und wenn man ein paar von denen auf ein Podium setzen würde, stritten sie sich, dass die Fetzen flögen. Was mich auf den total radikalen Gedanken bringt: Wir alle, ob weiß, braun, schwarz, männlich, weiblich, alt, jung, sind Bürger mit demselbem Anspruch auf Gehör, Achtung und Differenzierung. Und dieser selbe Achtungsanspruch verbietet es, irgendwen wegen nicht veränderbarer Eigenschaften anzugreifen oder in ein Lager einzusortieren. Natürlich gilt das auch gegenüber weißen Männern.

Claudia Klinger in ihrem Blog:

INHALTLICH habe ich nichts gegen diese Kritik (soweit sie bestimmte Autoren meint), teile sie sogar immer mal wieder. Voll daneben ist jedoch das verallgemeinernde Anprangern von „alten weißen Männern“, als gäbe es im breiten Spektrum dieser Personen zwangsläufig Gemeinsamkeiten abseits von Hautfarbe, Lebensalter und Geschlecht. Dass Seemann gleich zu Beginn kokett darauf verweist, dass er „seine eigene Identitätsgruppe“ kritisiere (weil er grade mal 40 geworden ist!), macht die Sache nicht besser. Warum?

Schlimm, dass man es heute wieder sagen muss: Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihres Alters oder Geschlechts zu diskriminieren, ist eine Gemeinheit! Ein Übel, das zumindest unter allen, die sich im weiten Sinne „links“ einordnen, überwunden schien. Taten und Meinungen sind in einer Demokratie selbstverständlich kritisierbar, aber Hautfarbe, Alter, Geschlecht? Im Ernst?

Nie hätte ich gedacht, dass diese Denke wieder akzeptabel werden könnte! Aber es passiert und greift immer weiter um sich. Personen, die ich eigentlich für intelligent halte, nutzen das „alte-weiße-Männer-Bashing“ und erkennen nicht einmal, warum sie auf dem falschen Dampfer sind. Beispiel: Auf ZEIT ONLINE hat sich ein „alter weißer Mann“ mit dem Artikel Identität ist kein Argument gegen diese gruppenspezifische Menschenfeindlichkeit gewehrt.

Eigentlich ist das auch etwas ganz klares: Wenn man die meisten Menschen danach fragt, was Rassismus ist, dann werden sie antworten, dass es Abwertungen aufgrund der Hautfarbe sind und bei Sexismus eben Abwertungen nach dem Geschlecht.

Das etwas so normales dennoch im intersektionalen Sexismus so schwer zu verstehen ist, ist traurig

Schwule finden weiblichere Männer nicht interessant

Einer Umfrage nach finden viele Männer zu feminisierte Männer nicht interessant:

More than 5,000 people participated in the survey, which was conducted in October 2017. Here’s what Attitude found…

71% of gay men said they are actively turned off by a prospective partner who demonstrates signs of femininity. Meanwhile, 29% said they saw more effeminate characteristics in men as a positive trait.

When asked if they thought effeminate gay men “give the gay community a bad image or reputation,” 41% responded yes.

The survey also revealed that 41% of bisexual, queer, and gay men have considered themselves “less of a man” because of their sexuality.

So what’s the takeaway from all this?

Well, it looks as though a large majority of these gay men harbor misogynist attitudes, which they seem to apply toward themselves and others.

Attitude’s Editor-in-Chief, Matt Cain, calls it a “masculinity crisis within the LGBTQ community.”

“I’ve spent much of my life being made to feel as if I’m less of a man for being gay,” Cain says. “And that any signs of femininity I may exhibit make me a less important or less valued member of society.”

Cain continues, “I know lots of other gay men who feel the same way. In this context, it can be bewildering to get our heads around what it means to be a man.”

Wenn man davon ausgeht, dass sie schlicht die gleichen biologisch vorgegebenen Attraktivitätsmerkmale eingespeichert haben, die auch Frauen haben, dann wäre das wenig erstaunlich.

Das nun gerade Schwule auch „toxische Männlichkeit“ unterstützen wäre ja schon interessant.