„Wir brauchen einen Straftatbestand ,Macho-Gewalt‘“

Aus einem Artikel in der Welt:

Jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem „Partner“ getötet. Eine Professorin setzt sich dafür ein, dass die Bundesregierung das Problem härter bekämpft als bisher. Eine „rigidere Gesetzgebung“ sei überfällig. Die Politik ist skeptisch.

Zu der „jeden Dritten Tag“ Statistik könnte man sagen, dass das bei 42.000.000 Frauen immer noch keine hohe Zahl ist und ungefähr die gleiche Anzahl an Männern ebenfalls in diesem Zeitraum getötet wird. 

Aber die Zahl soll ja wohl auch nicht rational sein.

Zu den notwendigen Maßnahmen aus ihrer Sicht:

Im Oktober 2017 hat die Bundesregierung die Istanbul-Konvention ratifiziert, jenes Übereinkommen des Europarats, mit dem sich die Unterzeichner verpflichten, alles dafür zu tun, um Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen. Wolff sagt, die Bundesregierung komme dieser Verpflichtung in vielerlei Hinsicht nicht nach.

So, wie bereits 2019, werde die Istanbul-Konvention auch in der Haushaltsplanung 2020 weder erwähnt noch angemessen budgetiert. Damit verletze die Bundesregierung das national durch das Grundgesetz und international unter anderem durch die UN-Menschenrechtscharta verankerte Grundrecht auf Schutz des Lebens.

Die Istanbul Konvention stellt einseitig auf Gewalt gegen Frauen ab und entsprechend wird es umgesetzt. Andere Fälle werden dann eben schlicht ignoriert. Das ist ja dann auch teilweise nur Gewalt „Männer gegen Männer“. Und damit egal.

 

Schutzräume für bedrohte Frauen schaffen

Den dringendsten Handlungsbedarf sieht sie in der Bereitstellung einer flächendeckenden Anzahl von Schutzräumen für Betroffene, unabhängig davon, ob die Frauen über finanzielle Mittel verfügen oder nicht. „Aktuell werden die diesbezüglichen Vorgabequoten der Istanbul-Konvention nicht einmal zur Hälfte erfüllt. Die Verantwortlichen müssen endlich dafür Sorge tragen, dass die zur Umsetzung erforderlichen Etats freigegeben werden.“

Sie verweist in diesem Zusammenhang auf die im Mai im Bundestag eingereichte Kleine Anfrage der frauenpolitischen Sprecherin der Linken, Cornelia Möhring, zur Umsetzung der Istanbul-Konvention. Demnach beläuft sich die personelle Ausstattung im Familienministerium für die Bearbeitung, Umsetzung und Koordinierung in diesem Bereich auf insgesamt 0,9 Planstellen.

Auch das für 2020 vom Bundesfamilienministerium angekündigte Programm zur Unterstützung von Frauen und Kindern gegen Gewalt bedeute keine wirkliche Wende. 2019 sah der Haushalt des Ministeriums in einer Gesamthöhe von 10,45 Milliarden Euro für den Bereich „Gewalt gegen Frauen“ gerade mal 6,1 Millionen Euro vor.

Eine fast volle Planstelle dafür scheint mir gar nicht so wenig, zumal das Ministerium an sich ja damit auch zu tun hat. Das wäre dann wahrscheinlich die Stelle zur Koordination des ganzen. Und immerhin 6.1 Millionen.

„Von den aktuell propagierten 35 Millionen zum ,Bundesprogramm zur Unterstützung von Frauen und Kindern gegen Gewalt‘ sind satte 30 Millionen Euro allein für bauliche Maßnahmen an Bestandsgebäuden vorgesehen“, sagt Wolff. „Für konkrete Maßnahmen bleiben noch fünf Millionen Euro.“

Neben der Bereitstellung eines angemessenen Etats fordert die Aktivistin eine rigidere Gesetzgebung. „Weshalb wird der Missbrauch von Alkohol und bewusstseinserweiternden Drogen als strafmaßreduzierender Entschuldigungsfaktor anerkannt?“, fragt sie.

Weil Voraussetzung für eine Strafbarkeit nach §§ 20,21 StGB die Schuld ist. Wer sich bewußt schuldunfähig macht um dann die Tat zu begehen, der kann dennoch bestraft werden (actio libera in causa) 

Das muss man nicht teilen, ist aber nichts besonderes

„Und: Was spricht dagegen, Kriterien für einen Straftatbestand ‚Macho-Gewalt‘ zu definieren, der auch zu Taten der Hooligan-, Autoraser– und Motorradgang-Szene passt?“

Art. 3 GG. Wenn, dann müsste man die Strafbarkeit ohne Rückgriff auf ein Geschlecht abstrakt formulieren.

Immerhin scheinen sich die dort befragten Politiker dagegen auszusprechen.

 

Jordan Peterson zu „harmlosen Männern“ vs. „Die Zähmung des Biests“

Ein interessanter Artikel verweist auf ein Zitat von Jordan Peterson dazu, was Frauen an bestimmten Männern interessant finden:

Many modern men have been propagandized to believe that modern women want nice, sensitive, empathetic guys who make them feel safe.

And then they are perplexed and frustrated when they eventually find themselves dumped, divorced, or relegated to the friend-zone for perpetuity.

Gut, dass es auch sehr vereinfacht dargestellt. Frauen wollen ja durchaus auch gewisse Anteile an Nett, sensibel und empathisch. Nur eben in einem Mann, den sie heiß finden. Was wieder durch ganz andere Faktoren bestimmt wird.

According to Jordan Peterson—clinical psychologist, professor of psychology at the University of Toronto, and popular speaker—such results are not surprising. When he spoke to a gathering of people earlier this year, his thoughts on what women really want in a man supported a stereotype that still has popular cachet: that women are attracted to assholes.

Okay, so there’s a bit of hyperbole in the stereotype. I don’t really believe that “asshole” is the most accurate designation for the kind of man that a woman wants. But the hyperbole gets at a truth that Peterson more eloquently teases out in his thoughts, some of which I have transcribed below. (By the way, his thoughts came in the context of comments on the topic of cultural appropriation, which he said is “absolute nonsense”.)

„Frauen stehen auf Arschlöcher“ ist ja in der Tat ein alter Spruch, der so absolut nicht richtig ist. Sie stehen eben auf gewisse Aspekte, die einige „Arschlöcher“ gut bedienen, aber meist kommt ein mehr dazu.

Aber mal sehen, was Jordan Peterson sagt:

“It’s been really interesting for me to watch the response… of young Caucasian males to hip-hop. You know, there’s an aggressiveness about hip-hop that’s really attractive to young Caucasian males. And there’s something absurd about the spectacle of the young Caucasian males taking on the persona of inner-city black gang members. But I’m sympathetic to it because there’s an aggressiveness to that art form that’s a necessary corrective to the insistence that the highest moral virtue for a modern man is harmlessness—which is absurd.

Women don’t even like harmless men; they hate them. They like to claw them apart. What women want are dangerous men who are civilized; and they want to help civilize them. That’s Beauty and the Beast.

[…]

How many of you know what a Harlequin Romance is?… So those are archetypal stories. That’s the taming of the wild man, essentially, by the desirable and virginal woman. And if you think women don’t want that then you bloody better well come up with an explanation for Fifty Shades of Grey, which is the most rapid-selling novel in human history, and emerged at exactly the same time as all of this noise about the absence of gender roles is being produced en masse.”

Das ist ja durchaus eine sehr interessante Sache: Sie passt zu den evolutionären Erklärungen: Ein hochstehender, gefährlicher Mann, der aber auch in der Gesellschaft leben kann, der deren Regeln kennt und mit ihnen umgeht, zumindest die Regeln seiner Gesellschaft, und der dann auch noch gegenüber der Frau zivilisiert ist, von dieser zivilisiert wird, weil sie ihm etwas bedeutet, dass kann ein interessanter Fang sein.

Peterson further bolstered his case by revealing a blush-worthy statistic: what Google engineers discovered as “the five most desirable male entities” used in female pornography. They were:

1) Vampire
2) Werewolf
3) Billionaire
4) Surgeon
5) Pirate

As you’ll notice, weak guys that act like doormats to women didn’t crack the top five.

Vampire, Werewölfe und Piraten sind in der Tat gefährlich, sie haben aber eben wegen dieser Gefährlichkeit in ihrer idealisierten Form eine besondere Wertigkeit: Es ist der erfolgreiche Pirat, der in den Romanen der Love Interest ist, es ist der in seinem Clan eingebundene Vampire oder Werwolf, der dank dieser Eigenschaft über den Menschen steht (und wenn seine Tarnidentität auch noch ein Millionär, Adeliger oder sonst was ist: Um so besser).
Der Chirurge fällt da sicherlich etwas raus, er hat allenfalls einen hohen Status und eben als selbst unter den Ärzten noch herausgehobener Spezialist aus Sicht vieler sicherlich auch andere Eigenschaften wie Geld etc aber er ist nicht gerade gefährlich. Der Billionäre hat immerhin wirtschaftliche Macht, kombiniert mit ein wenig BDSM wie in „50 Shades“ bringt er dann auch eine gewisse Gefährlichkeit mit sich.

 

Hier noch mal das Video dazu:

Anschluss finden

Sie hat eine erste Arbeitsstelle in einer anderen Stadt gefunden und als sie mal wieder bei uns in der Nähe ist sprechen wir darüber, wie es läuft. Hat sie schon Leute gefunden, mit denen man was machen kann?

„Ja“ winkt sie ab, war gar nicht so schwierig. Man macht sich da immer so viel Sorgen aber die Leute sind einfach so positiv. Man traut sich zu wenig und muss viel offener sein, dass habe ich mir vorgenommen. Ich war neulich in einer Kneipe in meiner Nähe und habe mich nach kurzer Zeit einfach zu ein paar Leuten dazu gesetzt. Waren alle Super nett die Jungs, haben jetzt schon ein paar Mal was miteinander gemacht. Wenn man einfach mal die Leute anspricht, dann entsteht schnell ein Gespräch“. Sie strahlt und ist zufrieden mit sich selbst.

Manchmal erstaunt mich diese Naivität, die aus meiner Sicht dabei deutlich wird. Ja, denke ich alter Zyniker, wenn man eine schlanke 26 Jahre alte Blondine ist, die 3 mal die Woche Sport macht und ein hübsches  Gesicht hat, dann reagieren die Leute in der Tat sehr positiv, wenn man Kontakt mit ihnen  hat. Ach schau an, der Tisch mit den Jungs hat dich gerne in ihre Mitte aufgenommen. Das sollten die anderen auch einfach machen: Einfach auf die Leute zugehen und ein Gespräch entstehen lassen. Es liegt ja nur an der positiven Grundeinstellung!

Natürlich: Die muss man sicherlich trotzdem haben. Und wahrscheinlich ist es sogar dieses leicht naive unbekümmerte, was einfach ausblendet, dass es etwas anderes sein könnte als das man sich einfach mal getraut hat auf die Leute zuzugehen, was es tatsächlich einfacher macht. Weil es dann nicht kalkulierend oder als Anmache etc wirkt.

Und natürlich kann man auch einfach so Leute kennen lernen in einer Kneipe und daraus Kontakte entstehen. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass (schöne) Frauen da deutliche Vorteile haben.

 

„Die Diktatur der Richtigen“ und die Demokratie

Lucas Schoppe hat in einem Artikel mal wieder etwas interessantes geschrieben:

Der WDR-Wirtschaftsredakteur Ulrich Ueckerseifer erklärt im Interview, welche realen Folgen es hätte, Thunbergs implizite Forderung nach einem Ende wirtschaftlichen Wachstums zu erfüllen.

Salopp gesagt: ein bisschen wie China, aber ökologisch. Es müsste sehr starke Vorgaben geben, man würde sehr starke Grenzen setzen, man dürfte keine Umweltverschmutzung mehr produzieren. Dann wird es aber viele Güter nicht mehr geben. […] Das setzt eine hohe Verzichtbereitschaft der Bevölkerung voraus.

In den betonierten Fronten der politischen Diskussionen wurde Ueckerseifer natürlich sogleich vorgeworfen, hier würde ein WDR-Redakteur einer Diktatur das Wort reden. Diese Unterstellung ist falsch, kommt aber nicht aus dem Nichts.

Ich staune selbst darüber, wie alltäglich mittlerweile die Überlegung geworden ist, ob eine Diktatur nicht der Demokratie überlegen wäre: von Robert Habecks Ausführungen dazu bis hin zum Mitarbeiter öffentlich-rechtlicher Sender, der Demokratie für untauglich hält und unbedingt die Notverordnungspolitik wieder aufleben lassen möchte.

Eine Kollegin von einer anderen Schule erzählte mir gerade, dass ihre Schulleiterin sich offen im Kollegium für eine Öko-Diktatur einsetze: Wir hätten über die Jahre hinweg nun einmal zu viel versäumt, und auf demokratischem Wege sei nun nichts mehr zu machen. Panik ist offenbar kein guter Grundgemütszustand für eine Demokratie.

Wenn es nur eine richtige Version gibt, in der Unterdrückte gegen Unterdrücker kämpfen und Macht der Gruppen der einzige Faktor ist, den der Erklärungsansatz kennt, dann ist eine „Diktatur der Richtigen“ (vergleichbar der Französischen Revolution und der staatskommunistischen Idee) eine erstrebenswerte Staatsform.

Das ist etwas, was bei Identitätstheorien mit einem sehr starren Schema von Gut und Böse, aufgebaut auf sozialen Normen, fast zwangsläufig eintreten muss:

Gut und Böse ist klar definiert, wenn auch in den intersektionalen Theorien mit ein paar mehr Kategorien, aber das Prinzip bleibt das gleiche. Es werden Gruppen gebildet, die angeblich um Macht kämpfen, die eine will das Gute erreichen, indem sie die Macht gleichberechtigt verteilt, weswegen sie sie den „Mächtigen“ wegnehmen muss, die anderen klammern sich an die Macht und wollen ihre Privilegien nicht aufgeben. Wer so ein Weltbild hat: Was will derjenige noch mit Demokratie? Sie kann allenfalls Mittel zum Zweck sein um das Gute zu erreichen, aber wenn sich zu viele „an ihre Privilegien klammern“ dann darf man das nicht zulassen, akzeptieren oder als Entscheidung der Mehrheit hinnehmen. Man muss das Gute dennoch durchsetzen, auch zum Wohle der anderen, gerade zu ihrem Wohle, für die bessere Welt.

Bereits im Kommunismus war klar, dass die Revolution blutig werden wird, aber eben für die Herrschaft der Bürger, das Paradies der Arbeitenden.

Wer nur eine Wahrheit akzeptieren kann, der hat wenig Platz für Meinungspluralität. Deswegen ist dort auch immer die Grenze zum Totalitarismus so nah:

Totalitarismus bezeichnet in der Politikwissenschaft eine diktatorische Form von Herrschaft, die, im Unterschied zu einer autoritären Diktatur, in alle sozialen Verhältnisse hineinzuwirken strebt, oft verbunden mit dem Anspruch, einen „neuen Menschen“ gemäß einer bestimmten Ideologie zu formen. Während eine autoritäre Diktatur den Status quo aufrechtzuerhalten sucht, fordert eine totalitäre Diktatur von den Beherrschten eine äußerst aktive Beteiligung am Staatsleben sowie dessen Weiterentwicklung in eine Richtung, die durch die jeweilige Ideologie angewiesen wird.

Typisch sind somit die dauerhafte Mobilisierung in Massenorganisationen und die Ausgrenzung bis hin zur Tötung derer, die sich den totalen Herrschaftsansprüchen tatsächlich oder möglicherweise widersetzen. Als politisches Gegenmodell zum Totalitarismus gilt der demokratisch-freiheitliche, materielle Rechtsstaat mit der durch Grundrechte, Gewaltenteilung und Verfassung gewährleisteten Freiheit der Staatsbürger. Meistens werden sowohl Nationalsozialismus als auch Stalinismus als Prototypen totalitärer Regime eingeordnet.

Natürlich sind wir weit entfernt von einem Totalitarismus mit Tötungen etc. Aber die totalitären Ansätze sind nicht zu verkennen.

Auch hier gilt wahrscheinlich: Wenn sie recht haben, wenn anders die Welt nicht zu retten ist, dann haben sie recht und in gewisser Weise heiligt der Zweck dann die Mittel. Freiwillig werden die Leute, ich hatte es hier bereits ausgeführt, wahrscheinlich in der Tat nicht auf Luxus etc verzichten

Man wird sehen, was die Zukunft bringt.

Interessant ist da auch die Vermischung der intersektionalen Theorien mit dem Kampf gegen die  Klimaerwärmung:

Teilweise scheinen sie gut miteinander auszukommen: Der weiße Mann ist dann doch irgendwie schuld an dem Klimawandel und behindert die Rettung.

Andererseits ist es auch ein Kampf um das effektivere Virtue Signalling: Wird es interessanter an Klimawandeldemonstrationen teilzunehmen als an feministischen Aktionen und bekommen Klimawandelbekämpfer mehr Öffentlichkeit als feministische Kämpfer, dann ergeben sich auch Konkurrenzsituationen.

Colorismus vs Rassismus

Aus dem Missy-Magazin:

Kürzlich gab es einigen Wirbel auf Twitter, weil Schauspieler Will Smith in einem neuen Film die Rolle des Vaters von Tennisstar Serena Williams übernehmen soll. Unter dem Hashtag #Colorism wurde die geplante Besetzung kritisiert. Aber was bedeutet Colorism überhaupt? Wer bei Wikipedia­ nachschlägt,­ findet­ als ­Erklärung­ „discrimination based on skin color“, also die Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe. Aber ist das nicht einfach „Rassismus“? Nicht ganz

Colorism (oder auch Shadeism) basiert zwar auf rassistischen Strukturen und Denkmustern, jedoch bildet hier die „Farbe“, also die Schattierung der Haut, die Grundlage für die Bevorzugung oder Benachteiligung einer Person. Dabei werden Menschen mit hellerem Hautton favorisiert und Menschen mit dunklerer Haut diskriminiert. Dies betrifft nicht nur Entscheidungen wie jene, ob Will Smith für die Darstellung eines weitaus dunkleren Mannes besetzt wird – Studien zufolge hat Colorism auch konkrete Auswirkungen im Justizsystem, auf dem Arbeitsmarkt, bei der Wohnungssuche, im Gesundheitswesen, in Medien und Politik – also in allen Bereichen der Gesellschaft.

Auch in vielen Ländern Afrikas, Asiens und Südamerikas werden Menschen mit hellerer Haut gesellschaftlich bevorzugt. Und hier haben wir den zweiten wesentlichen Unterschied zu Rassismus: Colorism tritt nicht nur zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen auf, sondern auch innerhalb einer ethnischen Gruppe. Mit ein Grund, weshalb die Thematik sogar innerhalb Schwarzer Communitys stark tabuisiert und die Auseinandersetzung damit sehr emotional und teils schmerzhaft ist. Denn das Gefühl von Einigkeit und Zusammenhalt im gemeinsamen Kampf gegen Rassismus erhält Risse.

Personen mit hellerer Haut fällt es oftmals schwer anzuerkennen, dass sie in einem rassistischen System Privilegien genießen, die Menschen mit dunklerer Haut nicht haben. Rassismuserfahrungen können sich jedoch stark unterscheiden: Geschlecht, soziale Herkunft, sexuelle Orientierung, Religion, Körper, Be_hinderung, regionale Hintergründe oder eben auch der Hautton wirken hier mit hinein.

Rassismus beruht also auf der Zuordnung zu einer „Rasse“, die nach Hautfarben bestimmt wird und darauf aufbauender Schlechterstellung, Colorismus ist etwas vollkommen anderes und beruht darauf, dass man innerhalb der „Rasse“ noch mal nach der Hautfarbe differenziert.

Es ermöglicht eine „Opferhierarchie“ nach Abstufungen der Hautfarbe und dem Vorwurf unter „PoCs“, dass sie nicht erkennen, dass sie die weniger diskrimierten und man selbst das größere Opfer ist.

Letztendlich ist es eine Umbenennung des Rassismusvorwurfs, was immerhin den alten Grundsatz „Privilege and Power“ unberührt lässt: Schwarze haben zwar keine Privilegien, können also selbst nicht rassistisch sein, aber sie können immerhin mit Colorismus etwas weniger nichtprivilegiert sein und das reicht dann anscheinend

 

Lucas Schoppe zu weiteren Problemen feministischer Positionen

Lucas Schoppe von Man-tau hatte in einem Kommentar zu dem Artikel zu Problemen feministischer Positionen weitere Probleme aufgeführt:

Das ÖKONOMIEPROBLEM ist in meinen Augen DAS zentrale Problem des intersektionalen Feminismus, gerade weil er als irgendwie linke“ Theorie verstanden werden soll. Tatsächlich aber ist auffällig, dass alle möglichen Kategorien für die obsessiv anmutende Unterteilung von Menschen in Marginalisierte und Privilegierte herangezogen, dass aber ausgerechnet ökonomische Unterschiede dabei kaum beachtet werden. Sie werden lediglich herangezogen, um die Bedeutung anderer Kategorien zu unterstreichen – etwa beim Hinweis, dass Frauen weniger verdienen würden als Männer, oder das Schwarze proportional häufiger in Armut lebten.

Das blendet nicht nur eine Kategorie aus, die wie keine andere verantwortlich ist für soziale Unterschiede – es ist auch ein deutlicher Bruch mit linken Traditionen, in denen die Frage nach der ökonomischen Basis gesellschaftlicher Konflikte lange unverzichtbar war. Deshalb ist es übrigens auch falsch, intersektionalen Feminismus als irgendwie marxistische Theorie einzustufen (ich bin kein Marxist, finde aber trotzdem, das Marx nicht für jeden möglichen Quatsch verantwortlich gemacht werden sollte).

Der Grund für die Ausblendung ökonomischer Aspekte ist zugleich auch der Grund, warum intersektionale Theorien im akademischen Bereich so modisch und, z.T., unumgänglich geworden sind. Die Studis und Dozenten an den Unis können damit vollkommen selbstverständlich ignorieren, wie vielen harten Auschlussprozessen sie es zu verdanken haben, dass sie an der Uni sind und viele andere nicht.

Sie können, und sogar exzessiv, Marginalisierung und Privilegierung verhandeln, aber dabei völlig unter sich bleiben. Marginalisiert sind dann Schwarze, Frauen, Homosexuelle, Transsexuelle, Genderfluide etc., aber nicht die, die draußen bleiben: Denn die sind in der Mehrzahl weiß, hetero, cis und zur Hälfte sogar männlich. Lauter Privilegierte da draußen, während sich an den Unis Menschen sammeln, die sich als marginalisiert wahrnehmen können.

Der intersektionale Feminismus ist keine linke Theorie, sondern eine ideologische Orchestrierung massiver sozialer Privilegien, die mit Versatzstücken aus linker Theorie und sehr viel Geschwätz verdeckt werden.

Damit hängt denn auch das BIOLOGISMUSPROBLEM eng zusammen. Natürlich würden intersektionale Feministinnen selbst empört darauf hinweisen, dass SIE sich doch ganz gewiss nicht auf biologische Kategorien beziehen, sondern lediglich gesellschaftliche Konstruktionen nachvollziehen und bekämpfen, die ihrerseits biologistisch wären.

Das ist natürlich Quatsch. Hier ist eine „Linke“, die sich allen Ernstes auf die Kategorien Rasse, Geschlecht und sexuelle Orientierung fixiert. Gerade weil sie diese Kategorien mit politischen und moralischen Phantasien auflädt, also z.B. „alte weiße Männer“ als Chiffre für Privilegien und Machtmissbrauch verwendet, agiert sie regelrecht prototypisch biologistisch.

Auch das MARGINALISIERUNGSPROBLEM leitet sich vom Ökonomieproblem ab. Denn wenn es zum sozialen, institutionellen Vorteil wird, sich als „marginalisiert“ darstellen zu können – dann werden diesen Vorteil natürlich auch vor allem diejenigen Menschen nutzen können, die eine bessere Position als andere haben.

Jemand muss schon sehr privilegiert sein, um sich noch erfolgreich als marginalisiert verkaufen zu können. Er – oder eben sie – braucht den entsprechenden Habitus (ein Redneck aus dem mittleren Westen hätte da eher geringere Chancen), institutionelle Absicherungen, gute soziale Kontakte, Zugang zu den jeweils gängigen Versatzstücken von Theorien, Verbindungen zu den Medien etc.

Wer soziale Beziehungen allein über „Marginalisierung“ und „Privilegierung“ verhandelt und dabei eine erfolgreiche Selbstdarstellung als „marginalisiert“ prämiert – der wird dafür sorgen, dass eher früher als später vor allem Privilegierte diese Prämien einstreichen können.

Ein Nebenproblem davon ist das STANDPUNKTPROBLEM. Wenn wir keine gemeinsame Wirklichkeit haben, über die wir unsere unterschiedlichen Positionen verhandeln können – sondern wenn die Standpunkte von Marginalisierten und Privilegierten sich radikal unterscheiden – und wenn noch dazu die Marginalisierten als „Opfer“ sozialer Verhältnisse die Definitionsmacht über deren Beschreibung haben müssen: Wer unterscheidet dann überhaupt, wer Opfer ist und wer nicht? Es gibt doch schließlich gar keine objektiven Kriterien, um diese Entscheidung zu treffen.

Gemäß Definitionsmachtkonzept können selbstverständlich nur die Opfer selbst entscheiden, dass sie die Opfer sind – wäre ja auch noch schöner, wenn sie dafür erst einmal die Täter fragen müssten. Das bedeutet: „Opfer“ sozialer Verhältnisse ist schließlich der, der sich selbst am erfolgreichsten als Opfer präsentieren konnte.

Übergreifend ist schließlich das EMPIRIEPROBLEM. Intersektionale Feministinnen beanspruchen, etwas über die soziale Wirklichkeit auszusagen, können aber mit sozialer Wirklichkeit eigentlich gar nichts anfangen. Schließlich ist bei ihnen jede Frage schon beantwortet, bevor sie überhaupt gestellt wurde. Wer marginalisiert ist und wer privilegiert, ist kein Ergebnis einer offenen Diskussion, sondern steht per Definition immer schon fest: Sonst würden in der offenen Debatte ja die Vorteile der „Privilegierten“ zu tragen kommen.

Sonst würde auch zum Beispiel der Hinweis von Männern, dass auch sie als Männer zum opfer sozialer Verhältnisse werden können, nicht ohne weitere Prüfung als „Opferideologie“ abgetan werden können.

Das bedeutet, dass empirische Daten ALS empirische Daten überhaupt keine Rolle spielen. Sie bleiben ausgeblendet, wenn sie dem Immer-schon-Gewussten widersprechen – und wenn sie es bestätigen, werden sie auf wilde, unkontrollierte Weise als Bestätigung verwendet.

Ich war mal bei einem Vortrag von Connell dabei, in dem sie geradezu manisch und völlig beliebig ganz unterschiedliche Situationen aus lauter ganz unterschiedlichen Teilen der Welt assoziativ verknüpfte – so dass sie mir schon leid tat, weil ich dachte, die Anwesenden müssten sie für eine Verrückte oder zumindest für eine seltsame Verschwörungstheoretikerin halten. Aber sie verstanden offenbar sofort, wofür ich eine Weile brauchte – nämlich dass alle diese Situationen irgendwie Beispiele für eine toxische Männlichkeit wären, die ja – wie wir wissen – unterschiedslos weltweit wabert.

Das Empirieproblem ist direkt mit der Abschottung hochprivilegierter gesellschaftlicher Milieus verknüpft, die ich am Anfang beim „Ökonomieproblem“ erwähnt habe. Der größte Teil der gesellschaftlichen Wirklichkeit wird hier einfach ausgeblendet – und das muss man sich erst einmal leisten können.

Fasst denke ich vieles nochmal sehr gut zusammen. Was haltet ihr davon?

Körpergröße und Gehalt

Ein interessanter Artikel beleuchtet wie sich die Körpergröße von Männer und Frauen auf ihr Gehalt auswirkt:

Auf einen Nenner gebracht: Erfolg und Körpergröße scheinen stark zusammenzuhängen, wissenschaftlich: zu korrelieren.

Dieser Zusammenhang ist in zahlreichen wissenschaftlichen Studien zu finden, unter anderem aus den USA und Großbritannien. So bringen Männer, die größer sind als 1,82 Meter, später knapp sechs Prozent mehr Gehalt nach Hause als ihre durchschnittlich hoch geratenen Kollegen. Das stellten Forscher der Londoner Guildhall Universität nach einer Befragung unter 11.000 Berufstätigen fest.

Auch der Münchner Doktorand Fabian Spanhel kam in seiner Diplomarbeit zu diesem Schluss. Darin beschäftigte er sich mit dem Einfluss von Körpergröße auf die Lohnhöhe und die Berufswahl. Mit Verweis auf die Studie (PDF) von Nicola Persico, Andrew Postlewaite und Dan Silverman schreibt Spanhel:

Männer mit einem überdurchschnittlichen Nettolohn je Stunde sind in der Regel signifikant um 0,84 cm größer als Männer mit einem unterdurchschnittlichen Nettolohn je Stunde. Bei Frauen ist der Körpergrößenunterschied mit 0,83 cm fast genauso groß und ebenso signifikant.

In der Regel haben größere Personen einen höheren Schulabschluss und verfügen über eine höherwertige berufliche Qualifikation. Die größte Diskrepanz in der Körpergröße ist mit 4,16 cm zwischen promovierten Männern und Männern mit einer Anlernausbildung oder einem beruflichen Praktikum zu beobachten. Größere Menschen üben in der Regel eher leitende Tätigkeiten aus oder arbeiten in wissensintensiven Berufen. Wissenschaftlerinnen sind beispielsweise in der Regel um 2,44 cm größer als Frauen, die als Hilfsarbeitskräfte tätig sind.
Ist der Zusammenhang tatsächlich so einfach?

Olaf Hübler, Professor an der Leibniz Universität Hannover und Institutsleiter für empirische Wirtschaftsforschung, gab in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu bedenken, dass der Zusammenhang zwischen Körpergröße und Gehalt nicht linear sei. Entsprechend sei die Annahme „je größer, desto besser“ falsch.

Entscheidend sei in Hüblers Augen stattdessen die Tendenz zum Mittelwert. Optimal für einen Mann sei demnach eine Körpergröße von 1,91 Meter. Bei größeren Männern nehme der Gehaltsvorteil wieder ab.

Das ist ein interessantes Thema. Wäre interessant, ob Intelligenz und Körpergröße auch in einer gewissen Korrelation stehen. 0,84 cm erscheint allerdings auch nicht sehr groß, die 1,91 hingegen wären schon deutlich im oberen Bereich

Warum Körpergröße auf die Karriere wirkt
Die Forscher Timothy Judge und Daniel Cable sehen die Gründe in der unbewussten Wahrnehmung der Körpergröße: Große Menschen werden für selbstbewusst, kräftig und durchsetzungsstark gehalten – sprich sie bringen mehr Führungsqualität mit. Und wir sehen zu ihnen buchstäblich auf.

Dahinter stecken steinzeitliche Denkmuster, die sich entwickelt haben als der Mensch noch Jäger und Sammler war: „In Urzeiten hat man Größe mit Stärke gleichgesetzt“, sagte Reinhold Bergler, Vorurteilsforscher an der Universität Bonn, gegenüber dem Focus.

Körpergröße ist in gewisser Weise ein „Costly Signal“. Einmal muss man die Ernährung gehabt haben um sie aufzubauen, dann ist ein größerer Körper erst einmal schwerer zu unterhalten. Er bringt zudem – jedenfalls bis zu einer gewissen Größe – Vorteile wie größere Reichweite, üblicherweise auch eher ein höheres Kampfgewicht etc.

Wie wirkt sich die Körpergröße bei Frauen aus?
Wie sieht die Sache eigentlich bei den Frauen aus? Zählt auch dort die Größe? Eher nicht, glaubt man den Ergebnissen einer deutschen Langzeitstudie von Olaf Hübler aus dem Jahr 2009.

Er kommt zu dem Schluss, dass Männer mehr verdienen, wenn Sie größer sind als der Durchschnitt, während Frauen mehr verdienen, wenn diese kleiner sind als der Durchschnitt. Die optimale Größe einer Frau liegt für Hübler demnach bei 1,60 Meter.

Das finde ich erstaunlich, ich hätte eher gedacht, dass auch größere Frauen mehr verdienen. Aber es scheint bei beiden zu dem für das Geschlecht aussagekräftigeren Extremen zu gehen.

Allerdings scheint mal wieder etwas anderes bei Frauen interessanter zu sein:

Bei Frauen ist der entscheidende Faktor nicht die Körpergröße, sondern das Gewicht. (…)

Das Ergebnis: Schlanke Frauen verdienen deutlich mehr als dicke. Am höchsten war ihr Gehalt bei einem BMI von 21,5. Bei Werten darüber sinkt das Gehalt immer weiter.

Also letztendlich bei beiden auch Faktoren, die allgemein als attraktiv gelten bei dem jeweiligen Geschlecht