Manclaiming

Mal wieder wird ein neuer Begriff gefunden um männliches Verhalten abzuwerten:

Neuerdings häufig zu beobachten sind Männer, die sich fremder Leute Erfolg aneignen. Nach dem Vorbild der beiden vorangegangenen Begriffe wird hiermit ein neuer vorgeschlagen: Mansclaiming. Das Kofferwort setzt sich aus man und claimingzusammen. Der Versuch einer Definition: Mansclaimingbezeichnet in diesem Zusammenhang das Verhalten von Männern, die behaupten, stolz auf die Leistung von Frauen zu sein, um öffentlich zu machen, dass genau diese Leistung nur durch ihre Unterstützung oder Existenz möglich war. In der Psychologie kennt man den „neurotischen Stolz“ auf etwas, das man nicht selbst geschaffen hat. Dieser Begriff unterschlägt aber das besondere Machtgefälle zwischen Männern und Frauen in dieser Gesellschaft.

Vor ein paar Tagen haben zwei Freundinnen eine Beratung gegründet. Als sie die Website ihrer Agentur auf Facebook posten, findet sich unter den Glückwünschen auch die Wortmeldung eines Mannes, der die beiden zwar persönlich kennt, aber nicht an ihrem Projekt beteiligt war: #soproud. Soll das nett gemeint sein? So stolz? Auch noch als Hashtag? Damit deutet er doch an, genug mit den beiden Frauen oder deren Strategieberatung zu tun zu haben, um sich Stolz erlauben zu können. Das Clevere an seinem Move ist: Er bringt sich damit ins Gespräch und lenkt das Strahlen auf sich selbst. Für die, an deren Ruhm er schmarotzt, ist das maximal ärgerlich: Wenn einer „so stolz“ ist und das öffentlich zur Schau stellt, fühlt man sich wie jemand, dem gerade der Kopf getätschelt wird – irgendwie bevormundet.

Gut, dass noch nie eine Frau gesagt hat, dass sie Stolz auf das Werk ihres Mannes war. Auch wenn sie gar nichts damit zu tun hatte.

Aber ganz schrecklich. Schon wegen des Machtgefälles.

Bitte liebe Männer: Sagt niemals, dass ihr Stolz auf die Leistung einer Frau seid.

Das ist widerlicher Sexismus und damit verboten

 

Margarete Stokowsky zu Zizek, Jordan Peterson und der Panik, dass Männern die Kontrolle über Frauen und Sex entgleitet.

Margarete Stokowsky meint, dass Männer Angst vor der weiblichen Sexualität haben:

Man kann ja viel über Feministinnen sagen, aber dass man von ihnen derzeit wenig hört, wäre gelogen. Ein viel beachtetes Buch der Philosophin Kate Manne ist kürzlich auf Deutsch erschienen, es heißt „Down Girl“ und untersucht die Logik der Misogynie.

Eine der Hauptthesen Mannes ist, dass man Frauenhass besser versteht, wenn man ihn nicht als Eigenschaft einzelner Personen betrachtet, sondern als systematisches gesellschaftliches Phänomen: „Eine solche Feindseligkeit muss nicht zwangsläufig eine unmittelbare Grundlage in der (…) Psyche eines einzelnen Akteurs haben. Institutionen und andere gesellschaftliche Umgebungsfaktoren können ebenfalls selektiv abschreckend, ‚eisig‘ oder feindselig gegenüber Frauen sein.“ Eine relativ simple Einsicht, die in der Diskussion zum Equal Pay Day viel hätte helfen können.

Klar, wenn man auf die Gruppe schaut und dann einfach nur auf Unterschiede zwischen den Gruppen, dann war es in der Tat schon immer einfacher einer anderen Gruppe die alleinige Schuld an allem zuzuschieben und „Strukturen“ am Werk zu sehen.  Das ist im Feminismus nichts neues. Ich zitiere mal eine Besprechung des Werkes auf Amazon:

Cornell Assistant philosophy professor and feminist author Kate Manne has produced a jargon-laden polemic arguing that misogyny has been institutionalized in Western society as an enforcer of social norms that oppress women in a systematic way. The result, according to Manne, is that women are kept down, systematically discriminated against, objectified and oppressed by men for the purpose of extracting „feminine coded goods and services“ such as sex and care giving from women without appropriate consent or compensation. When women seek their own autonomy, power and status in society misogynist tactics are used to suppress, slap down and literally or metaphorically strangle them. Manne leaves women in this state of righteous victimhood concluding that she is pessimistic that the patriarchial establishment of Western cultures can be changed. She identifies the victims (women and girls) and the oppressor (male misogyny) but identifies neither any cause nor any solution. The book is simply a list of ways in which Manne’s „patriarchy“ victimizes females and rewards males.

Manne never asks how this may have come about or even clearly defines what the „Patriarchy“ is, simply accepting the blurry concept thrown around in feminist writing generally. The word „Patriarchy“ serves the same function here as the word „Establishment“ in the 1960s and 1970s and the phrase „Military Industrial complex“ did in the 1950s and 1960s. Although never described, it is made to seem as though it has a set of social rules and dogmas very much analogous to a kind of „Protocols of the Privileged Elders of the Male Sex“. For Manne male oppression is a useful straw man, but she offers no vision of how to change the social order to eliminate female oppression and create an equal society where women are empowered rather than suppressed.

This brings us to the central weakness of Manne’s argument. She does not address where the cultures she complains of came from. How her culture of misogyny evolved, does not even seem to be of interest to her. Manne dismisses the existence of meaningful biological sex differences, by saying that there is no control group of women and men brought up in an equal society to do experiments on. She therefore throws out in one sentence all of the scientific findings of anthropology, evolutionary biology, evolutionary psychology and behavioral genetics regarding biological sex differences.

This is a key flaw because Manne does not recognize the fact that culture co-evolves with biology. The fact that all cultures have some differential treatment of males and females does not mean much to Manne. And these cultural differential treatment of men and women are of course all different interpretations of biological differences. Men and women have always cooperated and traded with each other for the things they cannot provide for themselves, including sex, resources, shelter and security. And many traditionally focused women are still very comfortable trading „feminine coded goods“ for financial security. But worse still, Manne argues that she does not even want to know about biological sex differences because, even if true, they could be weaponized to the disadvantage of women. She concludes by writing that biological sex differences should be disregarded and men and women should be treated identically because even if that is unjustified it would help right the wrongs the „patriarchy“ has inflicted on women since time immemorial. Until Manne comes to grips with biology, she will never find the roots of either her „patriarchy“ or of the better social norms needed to replace it.

The effect of all this is to demonize males and make women into helpless victims. We can do better than that. And women deserve more credit. They are not just disempowered victims. Western cultures have evolved enormously toward a balance of male/female equality of opportunity. There is a long way yet to go and one thing we can do to start is by passing the Equal Rights Amendment to the US Constitution.

Klingt nach dem üblichen Feminismus. Aber es ist kein Wunder, wenn es dann Stowkowski gefallen hat.

Ein anderes frisch übersetztes Buch ist „I’m every woman“ der Comiczeichnerin Liv Strömquist (lesen Sie hier die Kritik von SPIEGEL ONLINE). Sie erzählt von berühmten männlichen Genies, allerdings aus der Sicht der Frauen, die an ihrer Seite beziehungsweise in ihrem Schatten lebten und nicht selten darunter litten.

Weil Leistungen von Männern eben immer nur durch die Unterdrückung der Frau gelingen können!!!11

Aber auch insofern wieder ein typischer Stowkowski-Artikel. Sie reiht eigentlich immer irgendetwas mit einem vagen Bezug zusammen und verbindet es mit Floskeln wie „der Feminismus ist ganz schön aktiv“

Apropos Genies und Leid. Die Fülle neuer feministischer Publikationen ist nicht für jeden erträglich. Auftritt Slavoj Zizek! Stop in the name of love, so könnte man seinen Text in der „NZZ“ übertiteln, wenn er nicht schon den wenig subtilen Titel hätte: „Soll denn nun auch alles Erotische entzaubert werden? In was für langweiligen Zeiten leben wir eigentlich?“

Der Philosoph ist entsetzt von der Vielzahl neuer feministischer Werke, die sich mit dem weiblichen Körper beschäftigen. Hier ein Buch mit Vulva-Bildern, dort Workshops über weibliche Genitalien: Hölle. Manchmal sind es eben doch einzelne, sehr konkrete Akteure, die es nicht gut verkraften, wenn Frauen tun, worauf sie Lust haben.

Zizek stellt fest, dass Feministinnen nur eins im Sinn haben: „Die männliche Fetischisierung der Vagina als das ultimativ mysteriöse Objekt der (männlichen) Begierde muss überwunden werden. Anstelle dessen soll die Vulva für Frauen zurückerobert werden, in all jener Komplexität, die frei ist von sexistischen Mythen.“

Der Text von Zizek ist leider hinter einer Paywall, insofern kann ich nichts dazu sagen. Aber er hätte recht, wenn es nur darum geht, dass der Feminismus das erotische entzaubern will.

Die Frauen wollen sich also die Vulva zurückerobern und das ist natürlich frech ohne Ende. Zizek zählt als Beispiel ein Buch der bereits oben genannten Liv Strömquist auf. Auf Deutsch heißt es „Der Ursprung der Welt“, eine Graphic Novel zur Kulturgeschichte der Vulva und der Menstruation. Es geht darin um alle möglichen Tabus im Zusammenhang mit Genitalien, um Klassiker der Tamponwerbung (immer mit blauem „Blut“ und nie mit rotem), um Schönheitsoperationen (bei Männern: untenrum alles größer, bei Frauen: alles kleiner), und auch wenn man ganze Regalmeter von Literatur über Sexualität gelesen hat, lernt man darin noch etwas Neues. Würde ich sagen. Zizek sagt: Schwierig, da noch einen hochzukriegen.

Das Feministinnen auf eine wohl auch den meisten Frauen wenig zusagenden Art und Weise von Menstruation und dem Herumzeigen des Blutes besessen sind, hatte ich auch schon in einigen Artikeln:

Und das da gerne eine Unterdrückungsgeschichte reingedeutet wird, dass Leute kein  Menstruationsblut gezeigt bekommen möchten, war da auch Thema. Wie Stömquist das in dem Buch aufarbeitet kann ich aber nicht sagen.

Er sagt es natürlich feiner, es ist immer noch Feuilleton, aber manchmal ist Feuilleton auch nur Stammtisch mit Fachbegriffen, eine geadelte Version dessen, was der kleine Mann von der Straße nur grummeln kann, bis er erleichtert in der Zeitung liest, dass es von seinem Sexismus auch eine intellektuelle Version gibt.

Entmystifizierung der Exkremente?

„Ist dies wirklich ein Fortschritt?“, fragt Zizek angesichts des Versuchs, etwas mehr Wissen über weibliche Geschlechtsorgane unters Volk zu bringen: „Wenn ja, dann sollten wir diesen Gedanken konsequent zu Ende führen und auch Exkremente entmystifizieren und entfetischisieren.“

Man kann durchaus dafür sein, dass Leute über ihre Geschlechtsorgane und die anderer Bescheid wissen, aber dennoch keine Spermaergüsse, Menstruationsblut oder andere Ausscheidungen des Körpers sehen wollen.

Interessant. Wo es doch allen Studien zufolge immer noch Männer sind, die die Kulturtechnik des unverlangt eingesandten Dick Pics in den letzten Jahren so konsequent durchgesetzt haben, dass kaum eine heterosexuelle Frau noch unbepimmelt soziale Medien benutzen kann.

Ich habe bisher noch nie einer Frau ein unverlangtes Dick Pic übersandt und ich vermute, dass das den meisten Männern so geht. Aber wenn man Männer als Gruppe sieht, dann haben eben DIE MÄNNER eine Kulturtechnik des Dick Pics Versenden entwickelt.

Auch ein merkwürdiges Argument: Ihr versendet doch auch Dick Pics und wir wollen das nicht, da können wir doch auch Menstruationsblutbilder zeigen.

Nun wäre es eigentlich nicht besonders erwähnenswert, wenn ein knapp 70 Jahre alter Philosophieprofessor von feministischer Popkultur überfordert ist. Hier das Genie, da die Genitalien, dazwischen blankes Unverständnis. Diese ungeheure Kränkung, dass nicht nur die Sonne nicht um die Erde, sondern auch die Frau nicht mehr um den Mann kreist.

Mit Charme eines Waldschrats

Natürlich ist es auch ein bisschen lustig, wenn ausgerechnet Zizek Feministinnen vorwirft, die Sexyness des weiblichen Körpers zu zerstören, während sein eigener Kultstatus bei Linken und Philosophiestudenten unter anderem darauf beruht, dass er den Charme eines wetternden Waldschrats versprüht – ein Auftreten, das eine Frau sich nie erlauben dürfte, wenn sie auch nur einen Fuß in den Kultur- oder akademischen Betrieb setzen wollte.

Lustig ist es aber vor allem auch, dass Zizek allerlei Psychoanalyse und kritische Theorie auffährt, um am Ende auch nur zu sagen, was alle #MeToo-Kritiker sagen, die Angst haben, dass ihre Flirttechniken nicht mehr als Lifehacks durchgehen: „Das Ergebnis ist nicht eine neue Freiheit, sondern die graue Realität, in der Sex vollkommen unterdrückt wird.“

Auch klassischer Feminismus: Ihr wollt ja nur in Ruhe belästigen können! Was euch eigentlich nicht daran gefällt jedes Ansprechen einer Frau als Belästigung einzustufen und „enthusiastic Consent“ einzuführen, ist, dass damit eure Belästigungen von Frauen, die ihr als Patriarchen ganz selbstverständlich findet, bewahren wollt.

Vollkommen ausgeblendet wird, dass auch bereits genug Frauen eine entsprechende Kritik am Feminismus der heutigen Zeit formuliert haben, etwa Schauspielerinnen um Catherine Deneuve

Dann kommt etwas Jordan Peterson-Bashing, was auch ein typisches „zum nächsten Thema springen“ ist, wie es häufig in ihren Artikeln vorkommt. Einfach mal was andeuten oder raushauen ohne da mal in die Tiefe zu gehen.

Ein anderer Intellektueller, der fürchtet, dass es mit dem Sex bergab gehen könnte, ist Jordan Peterson, ein Psychologe, der von Rechtsextremen gefeiert wird und kürzlich in der „Zeit“ erklären durfte, dass Männlichkeit für Ordnung steht und Weiblichkeit für Chaos. Petersons claim to fame ist es, dass er sich 2016 von den Plänen der kanadischen Regierung unterdrückt fühlte, ein Gesetz einzuführen, das Transgender vor Diskriminierung durch falsche Bezeichnungen schützen soll. Peterson befand sich davon in seiner Redefreiheit eingeschränkt.

Peterson erklärt in jedem Interview, dass ihn Rechtsextreme gerade nicht feiern, sondern er auch von dieser Seite erheblich angegriffen wird. Und auch die Aussage an sich stimmt so nicht:

Er hat nicht gesagt, dass Männer Ordnung und Frauen Chaos sind. Er weist zu Recht darauf hin, dass in der religiösen Mythologie Ordnung / Gesellschaft meist als symbolisch männlich und Chaos / Natur als symbolisch weiblich dargestellt wird. Das gilt auch für die moderne Populärkultur; die Gesellschaft wird als Patriarchat bezeichnet, und die Natur als Mutter Natur. „Vater Natur“ macht einfach keinen Sinn, auch wenn wir nicht verstehen, warum.

Er nennt zwei mögliche Gründe, warum dies der Fall ist. Erstens, in den meisten Arten sind es die Weibchen, die Nachkommen gebären, was ein Akt der Schöpfung ist. Veränderung, Schöpfung und Zerstörung, die Elemente des Chaos sind, werden daher mit Frauen in Verbindung gebracht. Zweitens üben menschliche Frauen die sexuelle Selektion aus, und in darwinistischer Hinsicht ist die Natur das, was auswählt. Deshalb sind Frauen für Männer buchstäblich die Natur.

Sowohl Männer als auch Frauen sind eine Kombination aus Männlichkeit und Weiblichkeit, Ordnung und Chaos. Niemand ist reine Ordnung oder reines Chaos, obwohl man mehr von einem sein kann als das andere.

Insofern ist die Gleichsetzung von Frauen mit „Chaos“ keineswegs ein wichtiger Bestandteil seiner Ansichten, es ist nur etwas, was er als eine Gleichsetzung vorfindet.

Diese Gleichsetzung findet sich aber ja durchaus auch im Feminismus: Der Mann, der einschränkende Systeme und Strukturen schafft, der Feminismus, der diese Strukturen durchbrechen will, Freiheit für alle aus der schlechten Ordnung der Männer, nicht mehr zwei klare Geschlechter, sondern hunderte, ein Spektrum, keine Zuordnung mehr, die Auflösung der klaren Strukturen, der Ordnung eben. Statt dessen Abstellen auf Gefühle, richtig ist nicht, was die Logik sagt, was überprüfbar und in ein System einzuordnen ist, sondern was man sein will, was man für richtig hält, was derjenige zB als Unterdrückung ansieht.

Fürs „Zeit“-Feuilleton ist das nicht abstoßend genug, ihm nicht in einem langen Interview zu hofieren. „Heute ist er ein Star der Maskulinisten, die die Männlichkeit gegen die Anfeindungen des Feminismus verteidigen – und der rechtsextremen Alt-Right-Bewegung. Zum Gespräch in Zürich erscheint Jordan Peterson im eng geschnittenen Dreiteiler. Er habe, erklärt er, stark abgenommen, seit er sich ausschließlich von Fleisch ernähre.“

Auch hier wieder eine sehr billige Darstellung. Er hat natürlich ein sehr breites Publikum, gerade weil er eben Selbsthilfe im Programm hat, Gedanken, wie man sein Leben in den Griff bekommt und die Verantwortung für dieses übernimmt. Die Alt-Right-Bewegung hat damit auch ihre Probleme, weil sie eben auch eine Identitätspolitik sind, die er ebenso angreift, wie linke Idenititätspolitiken. Auch diese sollten nach seiner Meinung „ihr Zimmer aufräumen“.

Und er isst auch nicht einfach so nur Fleisch, sondern er fing damit an, weil es seiner Tochter half, die eine bestimmte Krankheit hatte und nach vielen Versuchen mit verschiedenen Diäten damit Beschwerdefrei wurde. Da auch er davon betroffen war versuchte er dann die gleiche Diät. Aber das ist natürlich eine Geschichte, mit der man weit weniger verteufeln kann.

Misogynie verbindet Rechte mit Linken

Diese lebendige Karikatur einer Männerrechtlers erklärt im Interview, dass Linke und Feministinnen nicht froh genug sind über den Segen des Patriarchats: „Es gibt nicht genug Dankbarkeit. Sie verhungern nicht, ich auch nicht. Wir haben keine Pest, wir haben keinen Krieg, es gibt keine verdammten Straßenkrawalle. Die Leute nehmen das alles als gegeben hin. Sie beklagen sich über das repressive Patriarchat.“

Das ganze Zitat wäre:

„Betrachten wir die symbolische Repräsentation – sagen wir Ordnung-Männlichkeit. Sie teilt sich in zwei gleich mächtige archetypische Unterkategorien, eine ist positiv, die andere negativ. Die positive ist der weise König, die negative der Tyrann. Der Tyrann allein, glauben die Radikalen, sei unsere Kultur. Aber das ist nicht nur so – man kann es fälschlicherweise so sehen, weil jede Kultur auch ein Monster ist. Die menschliche Geschichte ist vom ersten Tag an von Blut und Katastrophen gezeichnet. Jede soziale Struktur bringt auch Schreckliches hervor. Aber man sollte das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Die Radikalen kritisieren das Patriarchat nur für seine blutige und brutale Seite. Aber was ist die Alternative? Es ist mir egal, dass das Patriarchat als repressiv charakterisiert wird. Es macht mir Sorgen, dass es ausschließlich als repressiv charakterisiert wird. Das ist nicht akzeptabel. Es gibt nicht genug Dankbarkeit. Sie verhungern nicht, ich auch nicht. Wir haben keine Pest, wir haben keinen Krieg, es gibt keine verdammten Straßenkrawalle. Die Leute nehmen das alles als gegeben hin. Sie beklagen sich über das repressive Patriarchat. Sie haben keine Ahnung, wovon sie da reden.“

Das ist aus meiner Sicht etwas ganz anderes als das, was im Stokowski vorwirft. Er führt an, dass die guten Seiten im Patriachat nicht erkannt werden, dass die Welt also besser ist als behauptet wird bzw das mit dieser Struktur auch etwas gutes erreicht wird und man schauen muss ob andere Strukturen dies ebenfalls erreichen können.

Kein Krieg, keine Krawalle, kein Widerspruch des „Zeit“-Interviewers. Stattdessen viel Platz für Beobachtungen wie diese: „Aber gerade die radikale Linke hat einen Knoten in der Unterhose wegen der sexuellen Übergriffe. Die #MeToo-Bewegung ist überall. In 20 amerikanischen Staaten haben wir Gesetze, die die ausdrückliche Zustimmung zu Sex regeln.“ Ja, grausame Zeiten, in denen man Leute nicht ungefragt vögeln darf.

Der längere Absatz auch hier:

Außergewöhnlich interessant dabei ist, dass Sexualmoral auf dem ersten Blick etwas für Konservative, für Traditionalisten wie mich zu sein scheint. Aber gerade die radikale Linke hat einen Knoten in der Unterhose wegen der sexuellen Übergriffe. Die #MeToo-Bewegung ist überall. In 20 amerikanischen Staaten haben wir Gesetze, die die ausdrückliche Zustimmung zu Sex regeln, und es gibt sexuelle Verhaltensregeln an den Universitäten, nach denen Sie jeden kleinen Schritt in einer intimen Beziehung vorher mündlich verhandeln müssen. Das gute alte sexuelle Tabu, das wir glaubten, los zu sein, manifestiert sich bei der radikalen Linken noch stärker, und das heißt doch was.

Es geht im also darum, dass gerade die Linke hier eine bestimmte Sexualmoral entwickelt, die eben Sexualität erheblich reguliert und einschränkt und von den meisten Menschen wohl so auch nicht nachvollzogen werden kann. Sex als etwas schmutziges und gefährliches.

So verschieden Zizek und Peterson auf den ersten Blick wirken – hier der Star der Linken, da der Star der Rechten -, so nah sind sie sich in der Panik, dass Männern die Kontrolle über Frauen und Sex entgleitet. Und wenn heute gefragt wird, wie die Linke und die Rechte jemals wieder in einen Dialog treten können, so ist das vielleicht die lang ersehnte Lösung: vereint in Misogynie. Eine gemeinsame Veranstaltung von Zizek und Peterson soll im April in Toronto stattfinden. „Happiness: Capitalism v. Marxism“ ist der Titel, die günstigsten Tickets kosten aktuell um die 500 Euro.

Es ist eben mal wieder ein sehr vereinfachter Blick auf die Dinge. Tatsächlich werden auch die meisten Frauen kein Menstruationsblut sehen wollen und ich denke das letzte was Frauen wollen, ist das sie pausenlos enthusiastische Zustimmung zu sexuellen Handlungen signalisieren wollen oder das jeder Schritt beim Sex mündlich ausgehandelt werden soll.

Stowkowski zeichnet das alte Bild: Die Frauen repräsentiert durch den Feminismus gegen die (alten, weißen) Männer repräsentiert durch das Patriarchat.
Tatsächlich steht der Feminismus in vielen Fällen schlicht gegen Männer und Frauen.

Ich spiele meinem Partner meine Gefühle nur vor – was soll ich tun?

Bento hat einen Artikel zu vorgespielten Gefühlen:

Die Ausgangslage:

Ich hatte viele Beziehungen, aber nur eine, bei der ich meinen Partner sehr geliebt habe. Die Beziehungen, die danach kamen, fühlten sich an, als würde ich lügen, was die Gefühle betrifft.

Womit wir beim Thema wären: Ich kann damit nicht aufhören. Ich mache es mittlerweile, ohne zu überlegen. Ich gaukele meinen Partnern etwas vor, sage ihnen, dass ich sie liebe. Ich habe zur Zeit einen Freund, von dem ich mich nicht trennen kann, weil er mich so sehr liebt. Ich würde ihm wahnsinnig weh tun. Aber ich liebe ihn nicht, ich habe es nie getan. Es fühlt sich an wie ein Zwang, ihm etwas vorspielen zu müssen. Was soll ich tun?

Der Rat der Psychologin:

es hört sich an, als würdest du in einer Scheinwelt leben. In der hast du dich zwar gut eingerichtet und spielst deine Rolle perfekt, aber leider merkst du immer mehr, dass es sich nicht wirklich gut anfühlt. Du siehst keinen Ausweg. Notorisches Lügen beginnt meist harmlos und ohne böse Absicht. Vielleicht hast du dir nach der Trennung von deiner großen Liebe einfach jemanden gewünscht, der dir Nähe und Geborgenheit gibt? Womöglich in der Hoffnung auch selbst wieder lieben zu können?

Nun stellt sich natürlich die Frage, wieso du nie wieder Gefühle entwickeln konntest. War bisher keiner passend? Oder hast du die Trennung von deinem damaligen Partner nicht richtig verarbeitet? Und wieso hast du dich trotz fehlender Gefühle wieder auf Beziehungen eingelassen? Was gibt dir die Beziehung zu deinem Freund?

Wie du merkst, stellen sich mir viele Fragen und ich weiß natürlich nicht, inwieweit du selbst dir diese Fragen beantworten kannst.

Ich denke, du solltest dir zunächst darüber bewusst werden, was deine Motive für dein bisheriges Verhalten sind. Dann kannst du den Teil in dir, der Zweifel an deinem Verhalten hat, mehr zu Wort kommen lassen. Ganz offensichtlich fühlst du dich nicht mehr wohl in der Situation. Das verwundert nicht. Schließlich lebst du eine große Lüge, was zu einer ständigen inneren Anspannung führt.

Jetzt scheint es an der Zeit zu sein, dich selbst zu konfrontieren und dir die Konsequenzen deines Verhaltens klar zu machen. Du sagst, du kannst dich nicht trennen, weil du deinem Freund weh tun würdest. Aber mal ehrlich: Wäre es dir lieber, Tag für Tag von deinem Partner belogen zu werden und in einer Beziehung zu stecken, in der nur du liebst? Ja, es ist schwer, jemandem weh zu tun, aber die Alternative ist noch viel grausamer, weil du ihm die Chance nimmst, wirklich geliebt zu werden. Und auch du kannst natürlich in einer solchen Beziehung nicht glücklich sein.

Das scheint mir auch der offensichtliche Rat zu sein:

  • es ist unfair gegenüber dem anderen
  • es ist etwas, für das es Gründe in dir gibt, die du aufklären solltest
  • Versuche das herauszufinden, für dich selbst aufzuarbeiten und dann die Konsequenzen zu ziehen

Ein alter Spruch ist ja, dass immer der die Macht in einer Beziehung hat, dem sie weniger bedeutet. 

Das kann eine sehr dankbare Position sein, in der man sehr viel für sich herausholen kann, von dem anderen Vergöttert wird und vielleicht gerade als Frau mit einem Mann, der einem das Leben finanziert, auch ein sehr bequemes Leben führt. Natürlich wird es das auch andersrum geben: Ein Mann der eine Frau hinhält, es nie wirklich ernst werden lässt, so zusagen ihre „besten Jahre“ vergeudet, weil sie zB eine einfache Quelle für Sex ist und den Haushalt etc führt.

Gerade wenn der andere dann tief fällt, weil er vielleicht beim nächsten Partner doch nicht mehr so gut abschneidet, dieser zB für ihn anziehender ist, aber nicht den Lebensstandard bietet oder ihm eben nicht jeden Wunsch von den Augen abliest, kann es dann schwer fallen das aufzugeben. Und auch der Ehepartner kann sich durchaus bewußt sein, dass er mehr liebt und der andere weniger. Aber trotzdem meinen einen guten Schnitt zu machen.

Insofern kann eine gewisse Zweckehe auch für beide erst einmal als eine gute Lösung erscheinen. Natürlich ist sie schlechter als eine beiderseitige glückliche gleichwertige Beziehung. Aber bekommt man die auch? Viele werden aus Bequemlichkeit auf der einen und Angst nicht vergleichsbares zu finden auf der anderen Seite dann vielleicht schlicht in der disfunktionalen oder jedenfalls gestörten Beziehung bleiben.

Vielleicht auch, weil man kritisch gegenüber sich selbst sein muss, um sich die Disfunktionalität und seine eigenen Ängste einzugestehen. Wer das nicht aushält und eh ausbrechen wird, der sollte in der Tat fair bleiben.

Eine andere Möglichkeit ist natürlich den anderen zu jemanden zu machen, den man lieben kann. Bzw als „schwächerer Teil“ in einer Beziehung sich selbst zu verbessern. Ob eine solche Aufwertung aber bei der Basis die Sache wert ist wäre auch wieder eine Frage, die man sich stellen sollte.

 

 

Lucas Schoppe zu der Wirkung von Identitätspolitik

Lucas schreibt einen wie immer lesenswerten Artikel über Christchurch, bei dem ich diesen Absatz herausgreifen möchte:

Ein zentraler Konflikt in der Ethik seit der Aufklärungszeit zeigt sich in der Frage, ob die Konsequenzen einer Handlung moralisch bewertet werden sollen oder eher die Intentionen dabei. Wir müssen uns hier gar nicht weiter darum kümmern, wie dieser Konflikt geklärt werden könnte, wichtig ist: Beide Positionen richten sich gegen eine ständische, voraufklärerische Moral.

Menschen werden so nämlich nach dem bewertet, was sie tun, was sie damit beabsichtigen oder was sie damit erreichen – nicht nach dem, was sie sind. Identitätspolitik, und das wird in ihrer Rechtsaußen-Variante besonders deutlich, fällt hinter diese aufklärerische Unterscheidung wieder zurück und bewertet Menschen zuerst und zuletzt danach, was sie sind, und das heißt hier immer: zu welcher Gruppe sie gehören.

Damit aber gibt es keine Möglichkeit, Konflikte zu klären oder Situationen dadurch zu moderieren, dass Menschen ihr Handeln anpassen. Konflikte lassen sich so nur lösen, indem die störenden Individuen und Gruppen verschwinden.

(…)
Diese Identitätspolitik muss also in einer modernen Massengesellschaft beständig auf Feinde treffen – auf Positionen, die ihre eigene Position relativieren – auf Unterschiede und Durchmischungen – auf gegenseitige Spiegelungen und Rückspiegelungen. Daher macht es aus dieser Sicht auch gar keinen prinzipiellen Unterschied, ob diese Gesellschaft nun eine strikt-rigide oder eine offene Einwanderungspolitik betreibt. Der Feind ist nicht eine bestimmte Politik, sondern die moderne Demokratie selbst.

(…)

Der New York Times Kolumnist David Brooks hat gerade aus einer Arbeit zitiert, nach der in den USA mittlerweile 42% der jeweiligen politischen Lager die Angehörigen des gegnerischen Lagers für „ganz und gar böse“ („downright evil“) halten und sogar jeweils 20% ihnen die Menschlichkeit absprechen. Das ist eine Gemengelage, die günstig ist für Terror und Massenmorde.

Wer die Logik des Terrors brechen möchte, der darf nicht in jedem politischen Gegner einen Feind und Unterstützer des Bösen sehen, sondern muss die Menschen auf allen Seiten stärken, die sich für zivile Strukturen einsetzen. Angesichts der eingangs zitierten Bereitschaft, ganz beliebige Menschen für die Morde verantwortlich zu machen, ist aber leider deutlich: Diejenigen, die an solchen zivilen Strukturen nicht interessiert sind, sind vielleicht nicht in der Mehrheit – sie sind aber deutlich lauter und offensiver.

Und damit ist die zerstörerische Wirkung von Identitätstheorien, von Links oder von Rechts, auch gut herausgearbeitet:

Sie muss jeweils verallgemeinern und darf das Individuum nicht betrachten. Denn um so mehr man den Einzelnen in den Blick nimmt um so mehr versagt die Identitätspolititk, weil wir letztendlich Menschen sind und damit sowohl heterogen als auch mit vielen Gemeinsamkeiten weit über die Gruppenzugehörigkeit hinaus sind.

Wer einer Gruppe schuld zuweisen will, der darf eben nicht hinterfragen, was der Einzelne aus der Gruppe falsch gemacht hat – #yesallmen ist insofern eine konsequente Haltung daraus.

Und selbst wenn einige Identitätstheorien eine „Ausstiegsklausel“ bieten, nach der man von der Gruppenschuld frei kommen kann wird diese üblicherweise quasi nicht umsetzbar sein – derjenige bleibt immer Bestandteil der Gruppe und damit von deren Schuld befleckt. Keine Feministin kann einem Mann beispielsweise sagen, wann er sich nichts mehr vorzuwerfen hat. Es wird immer vage bleiben, ein Mann kann seine Privilegierung noch nicht einmal als Obdachloser ablegen.

Die spaltende Kraft dahinter ist enorm – denn die Zuweisung einer „bösen Identität“ und einer „Opferidentität“ führt sowohl dazu, das die Opfer sich mehr als Opfer sehen (und keine anderen Gründe, deren Abstellung etwa die Lage verbessern würde akzeptieren) und die anderen mehr als Täter und das die „Bösen“ sich zu unrecht angegriffen fühlen und damit fast zwangsläufig ebenfalls ihre Gruppenidentität verstärken (ein Feind von außen war dafür schon immer hilfreich). Was wiederum dazu führt, dass es leichter ist Opfer zu sein („die geben das nicht zu, die machen nichts gegen ihre Privilegien, die greifen uns noch an“) und so weiter, was in einer Negativspirale die Gruppendifferenzen immer mehr verstärkt.

#EqualPayDay 2019

Katholische Kirche will auch Frauenquoten bei sich (für Verwaltungstätigkeiten, nicht für das religiöse)

Die katholische Kirche will auch mehr Frauen in Verwaltungsführungspositionen:

Die katholische Kirche in Deutschland will mehr Frauen in Führungspositionen bringen und hat sich dafür auf eine Frauenquote verständigt: Die Bischöfe wollen den Anteil von Frauen in Leitungspositionen der Bistümer in den kommenden vier Jahren auf mindestens ein Drittel steigern. Das kündigte der Vorsitzende der Unterkommission Frauen der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Franz-Josef Bode, am Mittag in Lingen an.

In den Bistumsverwaltungen ist der Anteil der Frauen auf den Chefetagen bereits in den vergangenen fünf Jahren gestiegen, wie aus einer in Lingen vorgestellten Studie hervorgeht. Nach wie vor sind sie dort aber unterrepräsentiert.

Nach der Untersuchung stieg der Frauenanteil auf der oberen Leitungsebene der Diözesen seit 2013 von 13 auf rund 19 Prozent und auf der mittleren Ebene von 19 auf 23 Prozent. Dieser Zuwachs „ist nicht nichts, aber längst nicht zufriedenstellend“, sagte Bode. Die Zielvorgabe von einem Drittel werde 2023 überprüft, so der Osnabrücker Bischof.

Laut Bode hat die Erhebung Faktoren benannt, die Frauen daran hindern, Chefposten in den Bistümern anzunehmen. So schienen die infrage kommenden Stellen für Frauen wenig attraktiv zu sein. Es fehle oft an Vorbildern, wie Frauen diese Leitungsstellen gestalten können. Traditionelle Frauen- oder Familienbilder und Aufgabenzuschreibungen setzten Frauen unter Rechtfertigungsdruck und wirkten auch in die Personalauswahl hinein. Überwiegend werde Leitung in Vollzeit und mit einem hohen Anspruch an Präsenz ausgeübt. Zudem trage „der massive Nachwuchsmangel“ in allen Kirchenberufen und der fehlende Frauenanteil in den mittleren Leitungspositionen dazu bei, dass es kaum Kandidatinnen für führende Stellen in der Kirche gibt.

Laut der Studie haben sechs Bistumsverwaltungen gar keine Frau auf oberer Leitungsebene, elf beschäftigen je eine Frau, fünf je zwei und weitere fünf Bistümer drei bis fünf Frauen in einer solchen Funktion. Damit werde selten die „kritische Masse“ von 30 Prozent auf dieser Ebene erreicht. 2013 gab es in neun deutschen Diözesanverwaltungen keine Frau auf oberer Leitungsebene.

Ich bin ja dringend für einen weiblichen Papst. Aber da will man wohl nicht ran.

Es wäre interessant, ob es für Kirchen interessant ist, Frauen nach oben zu bekommen. Einerseits sind unter den Gläubigen und unter den aktiven Kirchengängern ein höherer Anteil an Frauen. Andererseits scheinen Frauen mit der Führung durch Männer im religiösen Bereich wenig Probleme zu haben. Den meisten religiösen Frauen wäre es vermutlich eher egal, wenn schon die gesamte Pristerschaft stark männlich ist.
Ich weiß aber auch nicht, welche Macht so Diosözenleiter hat und ob er Priestern groß was sagen darf. Dann könnte es schon wieder zu Konflikten kommen.

In einem sehr frühen Artikel hatte ich ja schon mal das Paradoxon katholischer Frauen angesprochen:

Was ich nie recht verstanden habe ist, wie eine moderne Frau Mitglied der katholischen Kirche sein kann. Sie unterstützt mit ihrer Mitgliedschaft ja eine Organisation, die vollkommen andere Positionen vertritt als sie selbst. Das ist zwar auch für männliche Mitglieder wahr, aber die können zumindest sagen, dass sie von diesen Ansichten ja nur indirekt betroffen sind.

Klar, man kann sagen, dass man eben Mitglied ist um etwas in der katholischen Kirche zu ändern, aber das dürfte auf die wenigsten Katholikinnen zutreffen. Zumal ja weit weniger fundamentalistische Kirchen, beispielsweise die evangelische Kirche bereit stehen.

Klar, die Kirche ist immer auch ein Stück Gewohnheit, aber mir persönlich wurde ein massenhafter Austritt aus der katholischen Kirche sehr gefallen, weil sie veraltete Ansichten vertritt und das eine schöne Botschaft senden würde.

Statt sich mit Pornos auseinander zu setzen, würde ich eine Aktion der Emma sehr begrüßen, in der sie ein Motto bringt wie „Man kann nicht gleichzeitig eine Katholikin sein und eine emanzipierte Frau“. In dem Artikel wäre dann, vergleichbar den Emma-Tipps zum Computer ausspionieren, dargelegt, wie man am aus der katholischen Kirche austritt und ggfs in eine andere Kirche eintritt, wenn man den nicht ohne Religion leben kann – vielleicht kombiniert mit einer Liste, welche der Kirchen am frauenfreundlichsten ist. Mit entsprechenden Buttons könnten die feministischen Blogs die Aktion unterstützen und einiges an Presse gäbe es auch her – Schwarzer gegen die katholische Kirche, da schreiben sich die Artikel fast von selbst und zu den Talkshows lädt man einen Bischof, eine Feministin, eine „einfache Gläubige“, die in der Kirche bleiben will, eine die ausgetreten ist und der es seitdem besser geht und eine die bleibt, um den Kampf innerhalb der Kirche weiterzuführen. Vielleicht noch eine evangelische Bischöfin (heißen die da so?).

Allerdings würde das bedeuten, dass man Frauen vorhalten würde, dass sie in der katholischen Kirche wären. Und damit wären innere Diskussionen zu befürchten. Zudem hat die Aktion den Nachteil, dass sie als Schuldzuweisung an die katholischen Frauen verstanden werden könnte. Und das passt nicht zu einer feministischen Aktion.

Die evangelische Kirche ist wesentlich liberaler als die katholische Kirche. Der weiblichen Mitgliederschar der katholischen Kirche scheint das keinen Abbruch zu tun

 

 

 

 

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