Die Diskursverweigerung der Feministinnen und das Schweigen der Männer

Die NZZ hatte einige feminismuskritische Artikel, darunter auch den folgenden:

Doch in der Euphorie gerät die grösste Gefahr für unsere Gesellschaft aus dem Blickfeld: die Entfremdung der Geschlechter, die manchmal sogar mit der Verletzung der Menschenwürde einhergeht und auf die nachwachsende Generation und ihre Identitätsbildung einen negativen Einfluss haben dürfte. Die drei aktuellsten Phänomene sind die belächelte oder negierte Diskussion über die Benachteiligung der Knaben im Bildungssystem; die Diskursverweigerung mancher Frauen, sobald bestimmte feministische Überzeugungen kritisiert werden; und das Schweigen der Männer, wenn es um Geschlechterfragen geht.

Das ist doch einmal eine interessante Zusammenstellung:

  • die belächelte oder negierte Diskussion über die Benachteiligung der Knaben im Bildungssystem;
  • die Diskursverweigerung mancher Frauen, sobald bestimmte feministische Überzeugungen kritisiert werden;
  • und das Schweigen der Männer, wenn es um Geschlechterfragen geht.

Alles Probleme, die hier auch schon diskutiert worden sind.

«Knaben müssen lernen, was es heisst, von den Mädchen überholt zu werden. Und überhaupt, solange Männer auf dem Arbeitsmarkt die Nase vorn haben, muss man nicht aktiv werden und ihnen mehr Aufmerksamkeit schenken. Schliesslich haben Mädchen in der Vergangenheit genug Benachteiligungen erlebt.» Diese aus weiblichem Munde stammende Aussage war kürzlich an einer Veranstaltung eine pointierte Antwort auf die These, die Knaben seien die neuen Sorgenkinder. Obwohl es eine empirische Tatsache ist, dass Knaben im Durchschnitt schlechtere Schulnoten haben, weniger hohe Bildungsabschlüsse erzielen und verhaltensauffälliger sind als Mädchen, will dies manche Frau nicht gelten lassen. Leider werden mit dieser Radikalität genau die Muster genutzt, die der Feminismus überwinden will, um jedem Menschen unabhängig von Herkunft, Kultur und Geschlechtsorientierung gleichermassen zu ermöglichen, sein Potenzial zu verwirklichen.

Man kennt diese Meldungen: „Gleichberechtigung hat sich verbessert, jetzt schneiden Mädchen endlich deutlich besser ab als Jungs“

Natürlich gibt es in der Realität viele rückwärtsgewandte Anti-Feministen. Doch auch für veränderungsbereite Männer ist der Alltag komplex.

In der Tat.

Bedrohlicher fühlt sich das zweite Phänomen an: die zunehmende Empörung, persönliche Wut und Diskursverweigerung von Frauen, wenn Kritik an gängigen Feminismusdiskussionen geäussert wird. Wer dies tut, gilt als rechtsreaktionär; wer sich traut, #MeToo zu durchleuchten, muss mit Empörung rechnen; wer das Gendersternchen kritisch unter die Lupe nimmt, bekommt die Etikette «rassistisch»; wer es sich erlaubt, die Verleugnung von Geschlechtsunterschieden zu relativieren, wird als unwissenschaftlich abgestempelt; und wer darauf verweist, dass es auch alte weisse Männer gibt, die ihre Gender-Einstellungen und ihr Verhalten umgekrempelt haben, wird bezichtigt, die Debatte nicht zu verstehen.

Ja, das irrationale der Diskussion und die Absolutheit mit denen dort teilweise sehr abstruse Thesen vertreten werden, ist schon erstaunlich. Man kann angefeindet werden, wenn man einen Penis als männlich ansieht. Und das Infragestellen, dass der Gender Pay Gap auf etwas anderes als einer Unterdrückung der Frau beruht, überhaupt irgendwelche Punkte, in denen Männer besser abschneiden, nicht das Produkt einer Diskriminierung sind, gilt als unfassbare Frauenfeindlichkeit.

Zwei Beispiele, die stellvertretend für diesen Shitstorm-Trend stehen, sind Jordan Peterson, Psychologe und als einer der einflussreichsten Intellektuellen bezeichnet, sowie Svenja Flasspöhler, Philosophin und Autorin des Bestseller-Büchleins «Die potente Frau». Beide äussern sich kritisch und kämpferisch zu feministischen Themen, und beide sind regelmässig Ziele aggressiven Moralisierens und persönlicher Anschuldigungen. Peterson wurde von Feministinnen als Messias der Schwachköpfe und als Intellektueller der Dummen bezeichnet. Flasspöhler wird vorgehalten, sie beleidige die Frauen, weil ihr Buch trivial, unterkomplex und mit gravierenden Defiziten ausgestattet sei, weshalb es gar nicht verdiene, diskutiert zu werden.

Selbstverständlich kann man mit den Ansichten von Peterson und Flasspöhler überhaupt nicht einverstanden sein und Ungenauigkeiten oder sogar Fehlschlüsse entdecken. Aber dies würde bedingen, sich mit dem Inhalt ihrer Texte und ihren Argumenten auseinanderzusetzen. Stattdessen macht man sich über die beiden lustig oder gibt sich betont wütend, als ob eine seit langem aufgestaute Wut sich unreflektiert Bahn gebrochen habe. Möglicherweise steckt hinter solcher Polemik auch eine Unwilligkeit, die eigene Intoleranz zu erkennen und Interesse an einem Diskurs zu entwickeln.

In der Tat werden dort Passagen stark verfälscht, Positionen unterstellt, die so gar nicht vertreten werden und Abwertungen aller Art vorgenommen, statt sich mit der eigentlichen Kritik und den Argumenten auseinander zu setzen

Vielleicht verbergen sich dahinter die Wurzeln des dritten Phänomens: Männer sind zum schweigenden Geschlecht geworden. Zwar haben manche den Frauenstreik unterstützt und die Euphorie auf sich selbst übergreifen lassen, andere aber nicht. Erstaunlich wenig Männer nehmen öffentlich zur aktuellen Entwicklung Stellung, obwohl sie im geschützten privaten Kreis ihren Frust kundtun und anmerken, dass sie zur Debatte schon noch ein paar Bemerkungen hätten. Manchmal wird dieses Schweigen als männlicher Selbstschutz definiert, doch gibt es auch eine andere Interpretation. Viele Männer fühlen sich in Kollektivhaftung genommen und von der Diskussion ausgeschlossen. Dies gilt nicht nur für alte weisse Männer, sondern auch für junge Gymnasiasten, die kürzlich im Interview mit Michèle Binswanger zu Protokoll gaben: «Wir werden damit bombardiert, dass man sich als Mann schuldig fühlen muss. Wir haben keinen Bock mehr, wenn wir so behandelt werden.»

Das wäre wieder eine Verlagerung der Debatte in den „Untergrund“ bzw aus der Öffentlichkeit heraus und tatsächlich trifft man viele dieser Positionen durchaus im vertrauteren Kreis, aber eben seltener in Zeitungen, Magazinen oder anderen Medien.

Natürlich gibt es in der Realität noch zu viele rückwärtsgewandte Anti-Feministen, die das Ende der weiblichen Emanzipationsbewegung herbeiwünschen und ihre Wut mit massiver Frontstellung in Online-Kommentaren kundtun. Zu Recht fordern deshalb viele Frauen, dass Männer endlich einmal wollen und sich bewegen sollen. Doch für veränderungsbereite Männer ist der Alltag komplex. Wollen sie sich mit Frauen solidarisieren, wird ihnen das Recht dazu abgesprochen, widersprechen sie dem feministischen Mainstream, wirft man ihnen vor, die eigene Machtposition nicht räumen zu wollen, und wenn sie ihre persönlichen Schwierigkeiten in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf erwähnen, werden sie mit Verweis auf die viel grössere Doppelbelastung der berufstätigen Mütter müde belächelt. Welche andere Rolle bleibt ihnen übrig, als zu schweigen, wenn sie in defizitären Kategorien wahrgenommen werden?

 

Rede, aber rede das was wir hören wollen. Du sollst sagen, was dich bedrückt, was du ungerecht findest, aber doch nicht das, sondern du sollst uns nachsprechen.

Unsere Multiplikatoren von morgen sind die nachfolgenden Generationen. Sie dürfen von uns erwarten, dass wir die historische Leistung des Feminismus zu einem erfolgreichen Ende bringen und die Gleichheit der Geschlechter auf allen gesellschaftlichen Ebenen verwirklichen. Eine wichtige Aufgabe ist es deshalb, unseren Moralhaushalt zu renovieren und die Sicht auf das Männliche zu verändern. Dies bedingt eine grundlegende Disziplinierung der Shitstorm-Kultur. Gegenwärtig lernen junge Menschen in erster Linie, dass, sobald von Feminismus, Frauen und Männern die Rede ist, Wut und Ressentiments dominieren, obwohl es eigentlich um Erkenntnis, Widerspruch, Toleranz und Zuhören gehen sollte. Mädchen und Knaben werden in eine Gesellschaft hineinsozialisiert, in der nicht nur Diskursverweigerung sowie mangelnde Selbstdistanz akzeptierte Merkmale sind, sondern sich zudem vor allem Frauen zu den zukünftigen Marschrichtungen der feministischen Grundfragen äussern, während das Gros der Männer schweigt. Dies wirft einen Schatten des Misstrauens auf die Geschlechterbeziehungen.

In der Tat ist es erstaunlich wie sich eine Kultur breit machen konnte, in der Leute nicht mehr bereit sind zu diskutieren, sondern nur noch feindliche Lager sehen, wo eine Streitkultur alles viel interessanter machen würde.

Weil es keine Debatte mehr gibt, an der Männer und Frauen gleichermassen beteiligt sind, haben es junge Menschen zunehmend schwer, sich mit möglichen Rollenmodellen auseinanderzusetzen und zu einer Ich-Identität zu finden. Dass gerade souveräne öffentliche Positionen von Männern rar sind, dürfte mit ein Grund sein, weshalb Orientierungslosigkeit immer häufiger junge Männer überrennt – und zwar nicht nur solche, die als Bildungsverlierer bezeichnet werden, sondern auch gut Gebildete.

Ich weiss, spätestens an dieser Stelle wird man mir vorwerfen, aus einer analytisch-normativen Perspektive zu argumentieren. Nein, ich habe nichts gegen Polemiken, schliesslich können sie Weckrufe sein und Proteste gegen Missstände mobilisieren – wie dies der Frauenstreik gezeigt hat. Ich habe auch nichts gegen die Wut, welche viele Frauen zu Recht empfinden. Wut will Veränderung, und Veränderung heisst Kämpfen, was weh tut. Doch wer Veränderung will, muss streiten können, Positionen aushandeln und sich einmischen. Feministische Diskussionen sollten deshalb rhetorisch abrüsten und sich ein paar neue Standards zulegen: der eigenen Empörung Argumente folgen lassen, welche auch andere Meinungen berücksichtigen; trotz grossen Spannungen Kontakt zum Gegenüber suchen; Ambivalenzen aushalten und den anderen achtsam zuhören. Dann würde vielleicht auch die männliche Courage aufleben, die der aufgeklärte Feminismus dringend brauchen würde. Davon ist die gegenwärtige Auseinandersetzung aber meilenweit entfernt.

Ein frommer Wunsch. Aber weit davon entfernt erfüllt zu werden

Selbermach Samstag 267(07.12.2019)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, der ist dazu herzlich eingeladen

„Traditionelle Männlichkeit ist nicht das Problem, sondern der Versuch sie zu demontieren“

Ein interesseanter Artikel im Daily Wire:

A few points. First, you’re starting on the wrong foot if you’re using a phrase like “toxic masculinity.” In practice, it seems that toxic masculinity can either refer to traditionally masculine traits that are now wrongly regarded as harmful, or actually harmful traits that are often associated with men.

Das ewige Problem des intersektionalen Feminismus, dass sie Sachen nicht hinreichend defnieren oder sich tatsächlich festlegen. Wer sich nicht festlegt, der kann auch immer ausweichen und damit nie falsch sein.

If it’s used in the first sense, it’s obviously degrading and damaging because it tells men that their natural masculine dispositions are somehow disordered. I’ll get back to that in a moment.

Der Feminismus würde wahrscheinlich schon bei „Natürlichen männlichen Dispositionen“ aufschreien, da es diese dort gar nicht geben kann

In the second sense, it unfairly blames masculinity for bullying or narcissistic behavior that has no gender. If you don’t understand why men might take issue with this approach, just imagine how almost any woman would react if I said that gossipy, materialistic bimbos have “toxic femininity.” That would be, at the very least, an unnecessarily inflammatory way of addressing the problem of materialistic bimbos. But worse than that, it would suggest that femininity, taken to a toxic extreme, results in dumb bimbos who spend their husbands’ money on shoes and purses. It seems to say: “It’s okay to be a woman, but don’t be too womanly.” Of course, nobody ever does talk about toxic femininity. And the reason we don’t talk about it is because we recognize how insulting and demeaning the concept is. We have simply decided that it’s okay to be insulting and demeaning toward men.

Schön dargelegt. In der Tat sind viele Punkte unter toxic masculinity Verhalten, welches man bei beiden Geschlechtern finden kann und auch die Anwendung auf Frauen in einer „Toxischen Weiblichkeit“ wäre problemlos möglich.

Second, there is nothing wrong with telling boys that men “behave a certain way.” There’s nothing wrong with telling them to be strong or encouraging them to exercise control over their emotions. Obviously these messages can be delivered the wrong way, but the fundamental point is good and important.

In der Tat ist daran nichts verkehrt. Auch wenn im Feminismus gern so getan wird können das sehr positive Eigenschaften sein.

The problem in our culture isn’t that boys are being thrown in a “box” or forced to conform to some strict notion of masculinity. In fact, our problem is exactly the opposite.

Too many boys are given no instructions on how to be men, no example to follow, no guidance on how to grow and mature in their masculinity. The folks over at A Call To Men seem to think we’re living in the 1940s. They haven’t noticed that the era of the Strong and Stoic Man ended a long time ago. We’re living now in the era of drag queens and feminism, of gender fluidity and fatherless homes. Most boys these days have no clue how to be men, no idea about what to do with their masculine energy, because nobody has ever told them or shown them.

Da würde man im Feminismus sicherlich gegenhalten, dass „Männlichkeit“ trotz aller Bemühungen leider immer noch die männliche Verhaltensform ist und das man deswegen noch mehr Feminismus praktizieren muss und noch mehr „Genderverwirrung“ stiften muss.

The fact of the matter is this: most boys are born with a propensity to “behave a certain way.” There’s a reason why nearly every civilization throughout history and across the world has come to remarkably similar conclusions about what men are supposed to do and what role they are supposed to fill. They didn’t all arbitrarily and coincidentally invent the same “social construct.” No, they noticed that men are naturally aggressive, and so they said that men should be warriors. They noticed that men are naturally stronger than woman, and so they said that men should be protectors. They noticed that men have a greater propensity and desire to leave their homes and go out into the wild, and so they said that men should be hunters and providers. They noticed that boys have lots of physical energy, and so they came up with sports for the boys to play. The point is that societies, until recently, have not invented masculinity but harnessed it. They said to boys: “This is how you naturally are, and that’s good. Now here is how you can best put those tendencies and abilities to use for yourselves, your families, and your communities.”

Das wäre ein Ansatz, bei dem Männer auf eine bestimmte Weise sind (zumindest im Schnitt) und man schaut, wie man das in positive Bahnen lenken kann, während der andere Ansatz anführt, dass Männlichkeit an sich das Problem ist, und man diese ändern muss.

Now we insist, despite all evidence to the contrary, that boys are not naturally inclined to act in any particular way. Or worse, we say that their natural inclinations are toxic. This results, in the best case scenario, with boys who are given no road map to follow into adulthood; no direction for becoming well adjusted and contributing men. In the worst case scenario, it results in parents, teachers, politicians, etc., who set out to directly and intentionally break a boy’s spirit and destroy his masculinity like it’s some kind of cancer. This is done with psychiatric drugs, hormone pills, brainwashing sessions with drag queens at the library, or any number of equally insidious ways.

Ich finde es immer wieder interessant, dass man gleichzeitig vertreten kann, dass Transsexuelle, etwa auch F->M Transsexuelle sind wie sie sind und nicht verändert werden können aber Männer nicht so sind wie sie sind und verändert werden müssen.

If boys are disproportionately struggling in the school system — and they are — is it because the school system is forcing them into a box of rigid masculinity? Obviously not. If boys in school are put in any box, it’s a box for girls. The school system requires students to sit still for long periods of time, remain calm, memorize information, etc. These are all things that girls naturally do well. The problem for boys is not that they are forced to be masculine, but that they are not allowed to be masculine.

Das war hier auch schon häufiger Gegenstand von Diskussionen. Der Ansatz wäre dann also bestimmte Sachen auch auf Männer abzustimmen, also so, dass sie mit Männlichkeit vereinbar sind bzw aus dieser heraus positiv entwickelt werden

Consider also how boys are apt to punch each other when they get angry, whereas girls are more inclined to cut each other down verbally. The verbal attacks often have a psychological impact that vastly outweighs and outlasts the momentary pain of a bloody lip, yet boys who cause bloody lips can get expelled while girls who give each other emotional complexes that last into adulthood are let off with a stern warning — if there is even any punishment at all. Once again, the system comes down like a ton of bricks on masculine expression while making all the room in the world for feminine expression. A similar dynamic can be found throughout our society. If there’s any rigid gender construct being forced on boys and men, it’s a feminine one. After all, we are the first civilization in human history that has attempted to literally turn boys into girls. And yet we’re told that traditional masculinity is the problem? Madness.

Interessanter Gedanke. Was sagt ihr dazu?

 

PISA und die Unterschiede zwischen Mädchen und Jungs

Die Süddeutsche berichtet über die neuste Pisastudie:

Im Bereich Mathematik ist der Vorsprung der Jungen geschrumpft, aber weiterhin vorhanden; in den Naturwissenschaften haben Jungen ihren Vorteil gegenüber den Mädchen sogar eingebüßt. Beide Geschlechter schneiden im Schnitt gleich gut ab. Allerdings ist bei den Jungen die Spannbreite deutlich größer – es gibt also mehr sehr gute Naturwissenschaftler unter ihnen, aber auch mehr sehr schlechte Naturwissenschaftler als bei den Mädchen.

Und die sehr guten Jungs werden eben auch eher entsprechende Fächer studieren, während die Mädchen zusätzlich noch im sprachlichen Bereich sehr gut sind und viele daher entsprechende Fächer studieren werden.

 

Vor allem finden sich die Jungen heute häufiger als noch bei der vorigen Pisa-Erhebung in der Gruppe der schwächsten Schüler: 20,8 Prozent von ihnen kommen nicht über den untersten Kompetenzbereich hinaus. 2015 waren es 15,9 Prozent. Eine richtige Erklärung dafür können Pisa-Forscherin Reiss und ihr Team noch nicht bieten: Es sei aber auffällig, dass das Interesse der Jungen gesunken ist, in der Pisa-Studie, aber auch davor in nationalen Bildungsvergleichen.

Da Jungs nicht diskriminiert werden können muss es das Patriarchat sein, welches ihnen schadet. Und deswegen muss man das Patriarchat bekämpfen und nicht etwa Maßnahmen ergreifen um Jungs zu fördern.

Wenn das Interesse der Jungs gesunken ist, dann wäre es sicherlich interessant mal zu schauen, woran das liegt-

Dass ein Verständnis für Mathematik und Naturwissenschaften nicht per se eine Frage des Geschlechts ist, zeigt der Vergleich mit den anderen getesteten Ländern. In 13 der 37 OECD-Staaten gibt es im Bereich Mathematik keinen Unterschied zwischen Jungen und Mädchen; in Finnland, Norwegen und Island schneiden die 15-jährigen Mädchen sogar besser ab als ihre männlichen Altersgenossen. In den Naturwissenschaften gibt es in den meisten Staaten keinen Geschlechterunterschied, in zwölf Ländern allerdings auch einen Vorteil zugunsten der Mädchen.

Dazu auch diese sehr interessante Studie

Beim Lesen, dem Hauptfokus dieser Pisa-Runde, haben dagegen in allen Ländern die Mädchen die Nase vorn. Salopp formuliert: Lesen ist weiterhin sehr viel eindeutiger eine Mädchenkompetenz, als Mathematik oder Naturwissenschaften je Jungendomänen gewesen wären. Im OECD-Schnitt erreichen Mädchen im Lesetest 30 Punkte mehr als männliche 15-Jährige. Der Geschlechterunterschied ist aber unterschiedlich stark ausgeprägt – in Deutschland mit 26 Punkten sogar vergleichsweise gering. Der Abstand hat sich hierzulande zwar im Vergleich zu 2015 minimal erhöht, ist aber weiterhin deutlich kleiner als 2009, als zwischen den Geschlechtern 40 Punkte klafften.

Dazu zunächst der Hinweis auf diese beiden Artikel:

 

Entwarnung gibt es aber nicht: Besonders unter den Risikoschülern, die als funktionale Analphabeten ins Leben zu gehen drohen und praktisch nicht lesen und schreiben können, sind die Jungen überrepräsentiert: 24 Prozent erreichen nur das untere Kompetenzniveau, bei den Mädchen sind es 16 Prozent.
Wäre da sicherlich interessant wie man sie zum lesen bringt. Die Konkurrenz hat mit Videospielen und anderer Ablenkung sicherlich zugenommen.
Möglicherweise spielen Geschlechterstereotype im Alltag und in der Erziehung eine Rolle: 43 Prozent der Jungen in Deutschland halten Lesen für Zeitverschwendung, aber nur 24 Prozent der Mädchen – in wenigen Ländern liegen die Interessen so weit auseinander. Die Leselust mag zwar nicht erklären, wo ein Land insgesamt im Pisa-Ranking landet – wohl aber, wie sich ein einzelner Schüler im Test schlägt.
Wäre interessant mal die Lektüren zu vergleichen, die dort jeweils gelesen werden und diese nach einem „Interessant für Jungs bzw Mädchen“ zu bewerten.

Margarete Stokowski findet Weihnachtsgeschenksvorschläge sexistisch

Margarete Stokowski findet mal wieder alles sexistisch. Ihr neustes Problem: Verschiedene Vorschläge für Weihnachtsgeschenke für Männer und Frauen. Wird auch diesmal wieder das Patriarchat dahinter stecken?

Man sagt ja immer, wenn man sich sehr viel vorgenommen hat, dann soll man immer schön eins nach dem anderen abarbeiten, aber für die Abschaffung von Patriarchat und Kapitalismus funktioniert das leider nicht. Beides muss zusammen weg. Onlineshopping von Weihnachtsgeschenken ist ein Phänomen, an dem man diesen Zusammenhang sehr gut erkennen kann.

Die meisten Shops, die eine Kategorie führen, die „Geschenke“ heißt, teilen die Produkte darin nach Geschlechtern auf: „für sie“ und „für ihn“. Die Tendenz: Männer sollen praktische Dinge aus Holz, Stahl, Leder bekommen. Die dominierenden Farben sind Schwarz, Silber, Braun. Frauen bekommen hauptsächlich Dinge ohne praktischen Nutzen jenseits von Dekorationszwecken (Schmuck, Parfüm, „Wohnaccessoires“ aus Glas und Federn) oder mit praktischem Nutzen für die von ihnen erwarteten Tätigkeiten (Haushaltsgegenstände, kosmetische Geräte). Die dominierenden Farben sind Pastelltöne und Glitzer.

Eine Auswahl. Ein bekanntes deutsches Versandhaus bietet unter „Geschenke für Damen“: Ringe und Ohrringe, Schminke, Hausschuhe „im Einhornlook“ (man hat dann jeweils ein Einhorn aus Plüsch am Fuß, sehr damenhaft). Für Herren: Whiskygläser, ein Bier plus Bierglas, eine Grillschürze „mit coolem Spruch“ (der Spruch: „Chef am Grill. Bier bringen, Abflug!“).

Der Skandal also:

  • Männer bekommen praktische Sachen in Schwarz, Silber, Braun
  • Frauen dekorative Sachen in Pastelltönen und Glitzer oder Haushaltsgegenstände und kosmetische Geräte

Also eine patriarchalische Beibehaltung der Geschlechterrollen! Pfui!

Woran könnte es nur liegen, dass die Onlinehändler sich so klischeehaft verhalten?

Eine Erklärung wäre natürlich, dass ihnen ihre Daten sagen, dass genau das von den jeweiligen Geschlechtern selbst gekauft wird oder gerne auf entsprechende Suchanfragen etwa „Geschenk für Frau“ gekauft wird. Onlinehändler haben ja recht genaue Profile derjenigen, die bei ihnen einkaufen, sei es über eigene Angaben oder über Datensammler wie Google und Co. Sie können Alter und Geschlecht des Kunden zuordnen und haben insofern einiges an Daten vorhanden, aus denen sie Kaufenpfehlungen aussprechen können.

Natürlich kann man, wenn es nur ums Geld geht, sagen: „Aber wenn die Leute das so wollen, dann ist es doch okay, wenn Produkte nach Geschlecht unterteilt werden.“ Naja. Nur ist es eben so, dass der Markt nicht nur Bedürfnisse befriedigt, sondern auch welche schafft, was mindestens jeder weiß, der mal einem Kind grüne Pupsknete kaufen musste. Und wenn bestimmte Produkte als „männlich“ oder „weiblich“ gelten, dann ist das ein Problem.

Da hat sie sich um den eigentlichen Beleg herum gedrückt. Der Markt schafft Bedürfnisse, also hat er auch hier Bedürfnisse nicht befriedigt, sondern geschaffen. Aus der Möglichkeit folgt quasi der Beweis.

Die andere Möglichkeit, nämlich das Mann und Frau eben im Schnitt sehr verschieden sind und man ihnen daher auch eher mit anderen Dingen eine Freude machen kann, ist zwar ebenso möglich, aber daraus folgt eben für sie nichts.

(Ich persönlich verstehe nicht, wie Leute ohne Schweizer Taschenmesser aka „Multitool“ aus dem Haus gehen können, egal ob Männer oder Frauen, aber ich will die Grenze Journalismus/Werbung nicht überreizen.)

Das versteht sie vielleicht nicht, weil sie selbst wie Feministinnen im Schnitt auch näher am männlichen Spektrum ist als viele andere Frauen, weswegen ihr auch die Unterscheidungen falsch erscheinen. Der Anteil der Frauen, die ein Schweizer Taschenmesser als Utensil zu schätzen wissen ist nach meiner Kenntnis deswegen auch deutlich kleiner als der Anteil der Männer.

Patriarchat und Kapitalismus sind in diesem Sinne ein match made in heaven. Denn im Patriarchat gibt es ein Interesse daran, die Geschlechter möglichst sorgfältig zu trennen. Ordnung muss sein: Frauen, die irgendwie hart wirken, gelten als unweiblich, Männer mit Gefühlen sind eventuell schwul. Menschen, die sich nicht exakt als weiblich oder männlich einordnen lassen, machen diejenigen, die sich ans Raster halten, wahnsinnig. Und im Kapitalismus gibt es ein Interesse daran, Sehnsüchte an Produkte zu koppeln, die vermeintlich die eigene Identität aufwerten oder auch nur stabilisieren.

„Im Patriarchat gibt es ein Interesse daran, die Geschlechter möglichst sorgfältig zu trennen“ sagt eine Vertreterin einer Ideologie, die innerhalb der Kategorie Geschlecht binär nach Privilegierte (Männer) und Unterdrückte (Frauen) einteilt und mit dem Schlagwort #yesallmen jeden Versuch eines Ausbruchs aus der Kategorie unmöglich macht. Von Frauenquoten und „Nur Frauen können Frauen vertreten“ mal ganz abgesehen

Natürlich besteht auch ein „biologisches Interesse“ an Geschlechterzuordnung: Wer nicht dem richtigen Geschlecht zugeordnet worden ist, der hatte erhebliche Schwierigkeiten bei der Fortpflanzung und konnte damit seine Gene schwerer weitergeben.

Und wie man an unseren stark abweichenden Körpern sieht gab es auch einen sehr stark unterschiedlichen Selektionsdruck: Männer sind im Schnitt großer, stärker, härter, eher auf Dinge ausgerichtet als auf Personen, eher lösungsorientiert als gefühlsorientiert etc. Es verwundert wenig, dass sie eher praktische Dinge bekommen bzw sich auch eher wünschen.

Und im Kapitalismus gibt es ein Interesse daran „Sehnsüchte an Produkte zu koppeln, die vermeintlich die eigene Identität aufwerten oder auch nur stabilisieren“. Auch das wieder von einer Feministin, die eine Identitätspolitik vertritt, in der beständig ein Produkt verkauft wird, dass die eigene Identität aufwerten oder auch nur stabilisieren soll. Etwa die Geschichte, dass man Anrecht auf Gleichstellung hat, weil man nur unterdrückt wird.

Natürlich kann die Verknüpfung eines Produktes mit einer Identität interessant sein, weil sie die Konsumentscheidung erleichert und das Produkt als „wie für einen gemacht“ erscheint. Aber Dazu muss das Produkt eben auf bestimmte Weise mit der Identität verbunden werden, es muss Punkte aufgreifen, die für viele mit dieser Identität interessant sind und es ist wesentlich mühsamer so etwas zu entwickeln als einfach das vorgefundene zu nehmen und das Produkt danach zu gestalten. Der Kapitalismus muss keine Geschlechteridentität erfinden, er kann sie einfach aufgreifen und bedienen.

Je ausdifferenzierter die Produktpalette ist, desto besser, deswegen gibt es Gendermarketing: Wenn es von Produkten eine „männliche“ und eine „weibliche“ Version gibt, kann der Hersteller hoffen, insgesamt mehr zu verkaufen, als wenn es nur eine Unisexversion gibt.

Sicherlich, aber eben nur wenn er den Mehrwert auch tatsächlich darstellen kann. Was einfach mit den Geschlechterrollen und deren biologischer Grundlagen ist, aber schwierig gegen sie.

Kein Make-up = keine Frau?

Was ist schlimm daran? Es ist – erst einmal allgemein – schlimm, wenn die Vorstellung von Geschlechtern sich mit bestimmten Eigenschaften verbindet, die VertreterInnen dieses Geschlechts aufweisen müssen, um als solche gesehen zu werden. Und zwar schlimm nicht nur im Sinne, dass es Leute nervt und man da als emanzipierte Person „drüber stehen muss“, sondern vor allem schlimm in dem Sinne, dass Leute ganz grundlegend darunter leiden. Besonders absurd wird es, wenn das Benutzen bestimmter Produkte als Beweis gilt, dass man zu einer bestimmten Kategorie gehört.

Merkwürdigerweise haben Kategorien wie Männer und Frauen Bedingungen unter denen man sie zuordnet. Und wenig verwunderlich richten sich diese Nach dem Schnitt und nicht danach, ob es auch Ausnahmen davon gibt. Warum das Überraschend sein soll verstehe ich nicht.

Ein Beispiel: Die Autorin Felicia Ewert beschreibt in ihrem Buch „Trans. Frau. Sein. Aspekte geschlechtlicher Marginalisierung“ den Prozess, den es brauchte, um dem Staat zu beweisen, dass sie eine Frau ist. Nun ist es so, dass sogenannte weibliche Attribute im Kapitalismus oft Dinge sind, die man kaufen kann beziehungsweise kaufen muss. Ewert schreibt, wie ihre Therapeutin, der Richter beim Amtsgericht und die beiden Gutachter, die prüfen sollten, ob sie es ernst meine mit ihrem Frausein, ihr alle unabhängig voneinander immer wieder eine Version der Frage stellten: „Können Sie mir versichern, dass Sie auch zu Hause und im Alltag so auftreten, wie Sie es jetzt hier vor mir tun?“

Sie berichtet dann von einem Gutachten, das detailliert aufzählt, wie sie geschminkt und frisiert ist – und von Untersuchungen, die zeigen, dass „nicht eindeutiges“ Auftreten in diesen Gutachten, die nach dem sogenannten Transsexuellengesetz erstellt werden müssen, negativ bewertet wird. Als wäre eine Frau weniger eindeutig Frau, wenn sie zuhause kein Make-up benutzt. (Ich kenne nur sehr wenige Frauen, die das tun.)

Lustig, dass sie das an Transsexuellen festmacht. Sie wäre ja gleichzeitig ein Terf (also eine Feministin, die Transsexuelle ausschließt) wenn sie nicht bei einer Transsexuellen akzeptieren würde, dass diese eine Frau ist. Und zwar weil sie als Frau denkt, fühlt, sich verhält, die fremden Rollenzuweisungen als nicht passend erlebt.

Transsexuelle klammern sich dermaßen an die Zuschreibungen der Geschlechter, dass sie eine viele tausend Euro teure Operation bezahlt bekommen wollen, weil sie ihren Körper ihrem Empfindungen angleichen wollen. Eben auch, weil sie obwohl dem Äußeren nach ein Mann lieber die dekorativen Gegenstände mit Glitzereffekt interessant finden und nicht die praktischen Sachen.

„Der Weihnachtsmarkt regelt das“, schrieb neulich ein lustiger User namens „brutalheim“ auf Twitter. Der Onlineshopping-Markt zu Weihnachten regelt vor allem das: die Geschlechtertrennung wieder auf einen prä-empanzipatorischen Stand runterzuregeln – hier die Männer mit den Äxten, da die Frauen mit den glitzernden Plüschpantoffeln.

In der Tat regelt es der Markt. Wenn man auf einer Plattform unsinnige, aber geschlechterkonforme Vorschläge macht, die nicht gut ankommen, auf einer anderen aber dann endlich die Bohrmaschine für die Frau, in Schwarz, garantiert ohne Glitzer als das beste Geschenk entdeckt wird, dann wird man die andere Plattform eher bedienen

Man muss sich aber natürlich nicht daran halten. Man kann auch eine Spaltaxt für eine Frau kaufen und irgendwas, was nach Lavendel und Rosenblüten riecht, für einen Mann. Die unsichtbare Hand: Wir müssen sie selbst sein.

Und natürlich kann sie ihren Teil tun und allen Frauen Spaltäxte schenken. Meine Vermutung ist, dass der Großteil des Marktes dennoch geschlechtervorliebenkonform bleiben wird.
Weil männlichere Frauen und weiblichere Männer eben die Ausnahme sind.

Machen Kinder glücklich?

Gerade stieß ich auf Twitter wieder auf einen Tweet, in der eine Umfrage zitiert wurde, dass mit Kindern die „Glücklichkeit“ nicht ansteigt, sondern sogar eher etwas abfällt.

Ich habe mir den Tweet leider nicht gemerkt, aber wer sucht, der findet entsprechende Forschung, die das zum Inhalt hat.

Mich überrascht das nicht, auch wenn Fräulein Schmidt das süßeste Kind der Welt ist.

Es liegt denke ich schlicht daran, dass man Glücklich sein auf diese Weise schlicht nicht messen kann und wir dabei wesentliche Daten nicht erfassen.

War ich vor der Geburt von Fräulein Schmidt oder auch nur vor der Schwangerschaft meiner Frau unglücklicher oder fehlte mir etwas? Nein, das Leben war durchaus schön und ich hatte ja auch noch nichts aufgegeben oder mich gegen etwas entschieden, so dass ich durch das fehlende Kind auch keinen wirklichen Verlust wahrgenommen habe.

Ich hatte Zeit abends wegzugehen, ich konnte ganz anders planen als heute und ich habe natürlich auch besser geschlafen.

Ein Kind bringt, dass ist ganz klar, einiges an Einschränkungen des persönlichen Lebens mit sich. Da man diese vorher nicht hatte verbucht man sie natürlich auf der „Minus-Seite“.

Das Glück durch das Kind ist da schwerer zu fassen. Genauso wie das Glück einen anderen Menschen in seinem Leben zu haben schwer zu fassen ist. Ein Kind macht Arbeit, es ist mal krank, mal schlecht gelaunt, mal braucht es Aufmerksamkeit, wenn man selbst gerade gerne abschalten würde, es muss versorgt werden und es hat seinen eigenen Kopf.

Es ist aber gleichzeitig auch eine ganz wunderbare Erfahrung ein Kind aufwachsen zu sehen und die kleinen Entwicklungsschritte täglich/wöchentlich/monatlich nachzuvollziehen. Es ist schön, wie es auf einen fixiert ist, wie es sich über Kleinigkeiten freut, wie es die Welt entdeckt. Aber es ist eben nichts, was einfach nur eine Lebensverbesserung bringt, weil es eben ein Mensch ist. Ein Mensch, der mit seinen Höhen und Tiefen in das gemeinsame Leben tritt.

Ist man deswegen tatsächlich unglücklicher? Ich würde eher sagen, dass es schlicht nicht zu vergleichen ist. Ein Indiz ist, dass wohl die allermeisten Eltern ihre Kinder nicht mehr hergeben würden. Natürlich ist es anstrengend und natürlich stellt man sein Leben auch wegen der Kinder um. Und sicherlich wird es auch Leute geben, die den Freiraum von früher vermissen und auch Leute, die meinen, dass ihr Kind ihnen ihr Leben verdorben hat.

Aber dennoch sind für die meisten ihre Kinder eine langfristige Bereicherung, eine tiefe Beziehung im Leben, die nicht auf einer einfachen „Glücklichsein-Skala“ zu berechnen ist.
Familie eben.

 

 

Intersektionale bzw postmoderne Theorien und die „kritische Masse“

Gestern kam mir dieser Tweet in die Timeline bei Twitter:

Damit wird (vermutlich) auf Rezo bezug genommen und auf die sog. „Call Out Culture„, also den Umstand, dass es in den intersektionalen bzw postmodernen Theorien ein „Race to the Bottom“ oder „Unterbietungswettlauf“ gibt, bei dem jeder noch etwas korrekter sein will und niemand Fünf gerade lassen sein kann, weil alles kritisiert werden muss, damit die Welt besser wird (und man selbst dieses Hochgefühl hat besser als der andere zu sein).

Ich bin davon überzeugt, dass eine Gruppe von SJWs wenig zustande bekommt, sofern sie etwas konstruktives machen muss und nicht nur über andere ablästern kann und rein theoretisch bleiben kann.
Andererseits haben SJWs oder die „PoMo-Bubble“ ja auch einiges an Einfluss gerade in den Medien und in der Politik gewonnen. Da scheinen sie sich durchaus ausbreiten zu können. Sie haben es aber auch nicht geschafft, dort eigene Parteien zu gründen, was ja eigentlich ideal für ihren Fanatismus wäre und die Parteien, die sie umfassender „erobert“ haben, wie etwa die Piratenpartei sind daran auch zugrunde gegangen. Bei den Gründen scheint eine „Realofraktion“ ein passendes Gegengewicht zu sein, bei den Linken übernehmen diese Rolle „Klassische Linke“.

Was mich zu der Theorie bringt, dass solche Theorien bei praktischer Arbeit, die sich nicht nur an den „Feindgruppen“ (weiße, Männer, Heterosexuelle, Cis) aufreiben kann, eine gewisse „Kritische Masse“ haben, bei deren Erreichen ein vernünftiges Arbeiten nicht mehr wirklich möglich ist, weil die Fanatiker sich zu stark an den übrigen Personen reiben oder mangels dieser an sich selbst.

Es wäre interessant, dass näher zu untersuchen. Es könnte erklären, warum sie in vergleichsweise kleiner Zahl in den verschiedenen Gruppierungen auftreten und in „unpraktischeren Bereichen“ wie Journalismus zahlreicher.