Institutionalisierung politischer oder ideologischer Ideen

Lucas Schoppe schreibt in einem Beitrag etwas dazu, dass der Erfolg feministischer Ideen auch stark damit zusammen hängt, dass der Feminismus institutionalisiert worden ist:

Dass Institutionalisierungen für politische Positionen nützlich sind, ist einleuchtend. Wie aber verhält es sich umgekehrt? Warum sind manche Positionen für Institutionen belanglos, während andere weit über ihre Akzeptanz bei der Bevölkerung hinaus gefördert werden?

Feministische Positionen sind politisch auch deswegen so interessant, weil sie Institutionen und ihre Ausweitung legitimieren. Wird die Hälfte der Bevölkerung als dringend schutzbedürftig und förderungswürdig betrachtet, wird aber die Gesellschaft (als „Patriarchat“ oder „Männerherrschaft“) so beschrieben, dass sie Förderung und Schutz verweigert – dann müssen eben politische Großinstitutionen tätig werden, um den bedrohten Menschen zu ihren Rechten zu verhelfen.

Steht die andere Hälfte der Bevölkerung wiederum als privilegiert und potenziell bedrohlich fantasiert da, dann rechtfertigt das, sie im Interesse allgemeiner Gerechtigkeit für die Finanzierung der Institutionen haftbar zu machen. Sogar Einschränkungen von Grundrechten, etwa in der Kindessorge, können als legitim dargestellt werden – schließlich ginge es um den Schutz Schutzloser.

Es ist daher irreführend, feministische Positionen lediglich auf das Verhältnis zwischen Männern und Frauen zu beziehen, das ohnehin so vielfältig ist, dass ihm einzelne politische Positionen kaum gerecht werden können. Feminismus ist auch keine Bewegung für die Frauen und keine gegen die Männer.

Heute steht Feminismus vor allem für das Verhältnis großer Institutionen zu einzelnen Menschen: In all seiner Widersprüchlichkeit ist er heute vor allem eine politische Fantasie, die eine Aufrechterhaltung und Ausweitung institutioneller Macht orchestriert.

Das ist eine interessanter Aspekt. Er bringt einen zu der Frage, was man für eine „Institutionalisierung“ braucht. Eine allgemeine Einschätzung, dass diese jeweilige Gruppe Unterstützung braucht und der Staat da Handeln muss, eine gewisse „Fürsorgepflicht“ hat, hilft da sicherlich stark. Des weiteren ist es sicherlich auch ein schleichender Effekt, bei dem zB in einer Schutzinstitution Mitarbeiter eingestellt werden, die der Ideologie dahinter angehören und damit ein gewisses „Hausklima“ erzeugen, welches immer mehr dazu führt, dass dort die Ideologie ganz selbstverständlich gelebt wird. Es wäre interessant wie viele Mitarbeiter des BMFSFJ Feministinnen sind, soweit sie in Abteilungen arbeiten, die Bezug zu Frauen- oder Familienthemen haben.

Und natürlich dürfte dazu eben wie auch von Lucas angeführt beitragen, dass das Bestehen der Benachteiligung die Institutionalisierung rechtfertigt und damit alle, die in der Institution oder von ihr geförderten Bereichen arbeiten ein starkes Interesse daran haben, den Apparat am laufen zu halten, da sie auf diese Weise ihr Geld verdienen.

Weitere interessante Fragen wäre:

Wie löst man die Institutionalisierung auf? Oder wir bringt da andere Ideen mit herein?

Ich vermute mal, dass ein solcher Prozess gar nicht so einfach ist. Ein neuer Minister müsste sich trauen, sich mit seiner Behörde anzulegen, die er ja nur sehr eingeschränkt ersetzen kann. Er muss sich evtl darauf gefasst machen, dass er einen gewissen Partisanenkrieg gegen sich erzeugt, wenn er gegen die dort vorherrschende Ideologie handelt. Was für einen Politiker eben auch immer gefährlich ist, da es schnell negative Schlagzeilen produziert.

Schoppe schreibt dann etwas später, dass man dort nichts dagegen hat, dass Frauen grundsätzlich von Männern abhängig sind in dem Sinne, dass die Gruppe der Männer in bestimmten Bereichen die Gruppe der Frauen finanziert und insoweit eine gewisse Abhängigkeit besteht, etwa bei der Krankenkasse. Das aber gleichzeitig diese Abhängigkeit nichts positives sein kann, sondern der gesamte Diskurs eher von einer sehr feindseligen Rhetorik gegenüber Männern geprägt ist, die aus Sicht von Lucas ihre Funktion hat:

Die routinierte männerfeindliche Rhetorik hingegen hat das Ziel, Menschen auf ihre bloße Funktionalität für andere zu reduzieren und die Leistungen, die sie fortlaufend erbringen, sogleich aus dem Blickfeld zu schieben, nachdem sie genutzt werden konnten. Wer von einer mehrtausendjährigen Unterdrückung der Frauen durch Männer ausgeht, der wird niemals irgendeine Leistung von Männern ausreichend finden, um die Schuld zu tilgen.

Für die Härte und Inhumanität dieser Klischees ist es entscheidend, dass sie eben nicht zur Organisation des Geschlechterverhältnisses taugen, sondern dass sie institutionelle Machtausübung orchestrieren.

Denn in der lebensweltlichen Interaktion sind wir fast ausnahmslos darauf angewiesen, die Würde und Selbstachtung unseres Gegenüber nicht völlig zu verletzen – sonst wird er, oder sie, nicht weiter mit uns kooperieren. Akteure in Institutionen aber agieren aus einer so überlegenen Machtposition, dass sie Beschränkungen der Verachtung durch die lebensweltliche Interaktion nicht beachten müssen: Die anderen müssen ja ohnehin kooperieren, ob sie es nun wollen oder nicht.

Also der Gedanke, dass man nicht gewisse Leistungen anerkennt, weil man nicht auf Kooperation angewiesen ist. Eine Rhetorik dieser Art könne quasi nur „von oben herab“ erfolgen, weil man im wirklichen Leben gerade auch als Mann und Frau kooperieren muss. Wer aber auf diese Weise auftritt, der ist nicht mehr an Kooperation interessiert, sondern will allenfalls seine eigene Macht (oder ggfs auch seine eigene Unabhängigkeit) demonstrieren will.

Also ein großes „wir brauchen keine Männer“. Bzw ein „Wir haben die Macht, die anderen können uns gar nichts“.
Was sich dann natürlich wieder mit der Opferposition beißt, die dann wieder die Institution rechtfertigt.

Konservativismus oder Feminismus? (Gastartikel)

Gastartikel von Daniel

Vorbemerkung: Dieser Beitrag entstand in einem geschlossenen Forum, in welchem die Frage aufkam, ob Diskriminierungen von Männern zum Beispiel als Väter vor den Familiengerichten tatsächlich auf Feministinnen zurückgehen oder nicht doch auf „Konservative“. Ein konservativer Familienrichter hänge nun mal der Vorstellung an, dass das Kind zur Mutter gehöre, und der Vater für das Geldverdienen verantwortlich sei. Dazu verfasste ich folgenden Beitrag:

Konservativismus oder Feminismus?
Um gleich dein Hauptargument aufzugreifen, wonach für die von mir angeprangerten Zuständen mehr Konservative als Feministinnen verantwortlich seien:
too long; didn’t read
Wenn sich „Konservative“, nur dort finden lassen, wo ihre Motive mit denen der Feministinnen übereinstimmen, zum Beispiel vor Familiengerichten, sonst aber so gut wie nirgends, lautet die logische Schlussfolgerung daraus nicht, dass diese „Konservativen“ (Männer) tatsächlich konservativ sind, sondern dass es sich vielmehr um (männliche) Feministen handelt.
 
Zum Teil aber hast Du recht: Solche Dinge wie etwa die Wehrpflicht oder „Das Kind gehört zur Mutter“ gehen auch auf eine konservative Haltung zurück, sie wird und wurde aber von Frauen und Feministinnen mitgetragen.
Um mein Eingangsargument zu verdeutlichen: Wo sind die ganzen „Konservativen“ in der Legislative, Exekutive und Judikative? Und in der „vierten Gewalt“? Wo sind die „Konservativen, die sich dafür aussprechen, dass die Frau für den Haushalt zuständig ist und der Mann für das Geldverdienen? Wo hast Du das Letzte Mal ein entsprechendes Plädoyer in einem Leid-Medium gelesen? Wo sind die „Konservativen“ die als Journalisten und Gesetzgeber eine Politik betreiben, nach der sowas wie Scheidung eine nahezue Unmöglichkeit ist? Wo sind die Konservativen, die erklären, dass z.B. Frauen im Militär nichts verloren haben? Warum finden sich scheinbare Konservative nur in den Familiengerichten, sonst aber nirgendwo?
Um ein weiteres Beispiel zu nennen: Eva Herman. Diese vertrat bekanntlich ein konservatives Familienmodell, aber nahezu alle Medien waren weniger damit beschäftigt, ihre Haltung zu fördern, als sie vielmehr als Rechtsradikale zu verleumden, die angeblich die Familienpolitik der Nazis gelobt hätte (entsprechende Lügen dürfen nicht mehr verbreitet werden, Herman gewann die einschlägigen Prozesse, die Massenmedien berichteten… nicht.) Nicht sonderlich „konservativ“.
Das heißt, sowohl in den genannten Institutionen wie auch vor den Familiengerichten sind weniger „Konservative“ als vielmehr Feministinnen unterwegs. Und dass manche Feministinnen wünschen, dass sich der Vater mehr in die Familie einbringt: Das gilt nur vor der Trennung. Such doch spaßeshalber mal nach Feministinnen, die diese Postion auch nach der Trennung vertreten. Spoiler: Die gibt es nicht.
Um bei den Trennungen zu bleiben: Es ist schlimm, seine Kinder zu verlieren. Genderama berichtet dazu:

(…) Der gesamte Prozess bei Familiengerichten beruht auf der Sichtweise, dass Väter wertlos sind, dass ihre Liebe wertlos ist und dass sie nicht zählt, weil sie nicht denselben menschlichen Wert wie Frauen haben. Wenn man zu sagen versucht, dass man seine Kinder liebt, kommt das so schlecht an wie ein schwarzer Mann vor einem Gerichtshof in Alabama vor hundert Jahren, der sagte „Ich bin ein menschliches Wesen.“ So eine einfache Äußerung wird man nicht tolerieren, weil sie den Irrtum und die Vorurteile im Gerichtssystem aufzeigt.

Ich habe die Verhöhnung eines fairen Gerichtsverfahrens mitangesehen, wenn immer die Interessen eines Mannes in Konflikt mit den Interessen einer Frau gerieten. Ich habe selbst miterlebt, wie Beweise ignoriert und Gesetze beiseite gewischt werden. Familiengerichte handeln allein auf der Grundlage von Behauptungen der Mutter, und selbst wenn sich diese Behauptungen später als falsch herausstellen, werden die dadurch verursachten Konsequenzen ausgeführt. SozialarbeiterInnen, die während der Aussage der Mutter eifrig mitgeschrieben haben, legen den Stift hin, wenn der Mann damit an der Reihe ist zu berichten. Das ist genau die Sorte von Dingen, die im tiefen Süden der USA vor hundert Jahren passiert sind, und so wie damals erkennt man sie nicht als falsch.

 
 
Und Matussek, Autor von „Die vaterlose Gesellschaft“
dokumentiert in dem Vorwort der Neuauflage seines Buches:

Mein Buch beklagt aber auch den allgemeineren Skandal, daß wir in einer Gesellschaft leben, in der die feministischen Doktrinen vielleicht nicht mehr an der Oberfläche Schaum schlagen, dafür aber abgesackt sind in die Strukturen und wirkungsvoller dort sind, in einer ganz selbstverständlichen männerfeindlichen Alltagspraxis der Ämter, der Politik, der Medien.
Daß sich das in den sieben Jahren sei dem ersten Erscheinen des Buches nicht geändert hat, habe ich selbst im Ausland zu spüren bekommen.

Im letzten Jahr erhielt ich in London, wo ich mit meiner Familie lebte, Besuch von einer Redakteurin des „arte“-Kanals, die einen Film über Väter-Initiativen und Aktivisten drehen wollte, und mich als den „Missionar der deutschen Männerbewegung“, als der ich von „Stuttgarter Zeitung“ einst tituliert wurde, befragen wollte.

Sie wollte, wie sie sagte, auch den Männern und ihren Anliegen einmal Gehör verschaffen, ganz fair. Mir gefiel das.

Meine Frau bewirtete sie und ihr Team mit Kaffee und Kuchen, und mein Sohn stellte einige aufgeregte Fragen, die die Redakteurin allerdings eher unwirsch beantwortete. Sie konnte nicht so mit Kindern. Und sie legte Wert darauf, daß er bei der anschließenden Filmerei nicht zu sehen war, nicht er, nicht meine Frau.

Sie wollte mich allein. Sie wollte mich grimmig, vor meinem Computer. Dann fragte sie nach den militanten Väter-Aktivisten in London, nach der Wirkung meines Buches in Deutschland, nach meinen Lesereisen, nach den Männern, die meine Lesungen besuchten, nach wütenden Männern in der Situation kompletter Ohnmacht – ich hatte auf meinen Lesereisen mit Hunderten von ihnen Kontakt.
Ich antwortete ihr, ich erklärte, ich plädierte leidenschaftlich für mehr Gerechtigkeit, und ihr Nicken sah aus, als nicke sie aus Mitgefühl.

Drei Monate später lief der Film. Er lief unter dem Titel: „Wenn Väter sich rächen“. Er zeigte ein Sammelsurium von Männern, die als vereinsamt, neurotisch oder als schlechte Verlierer charakterisiert wurden, und ich war ihr Einpeitscher. Die Interviews wechselten immer wieder mit düsteren Szenen ab, in denen ein Mann ein Mädchen verführt und anschließend vergewaltigt. Die Botschaft war klar: Die in dem Film gezeigten Männer wurden als Gewalttäter vorgeführt, besonders die, die in Scheidung und im Streit mit ihren Ex-Frauen lebten.

Man muss sich das vorstellen: Für dieses plumpe, verhetzte Machwerk war der öffentlich rechtliche Sender „arte“ bereit, ein Produktionsteam nicht nur nach London, sondern nach Paris, ja sogar nach Kanada reisen zu lassen, wo es sich Interviews von Väter-Aktivisten erschlich, die in dem Beitrag dann verleumdet wurden.
[…]

Preisfrage: Ist diese Filmemacherin nur „konservativ“ oder nicht doch feministisch?

Und damit wäre ich auch beim nächsten Punkt: Macht.

Ist diese Feministin, Filmemacherin machtlos, eine einsame Figur am Rande der Gesellschaft, deren Stimme nicht gehört wird, oder agiert sie aus einer machtvollen Position heraus mit der milliardenschweren Institution des Staatsfunks im Rücken? Sowas ist nicht die Ausnahme. Frauen oder Feministinnen werden allgemein als machtlos wahrgenommen. Es hat aber was mit Macht zu tun, wenn man z.B. in Parteien, in Aufsichtsräten oder Behörden Frauenquoten durchsetzt. Und dass Frauen vor dem Familiengericht die Macht haben, wurde wohl deutlich. Oder auch der „Orden der weißen Feder„: Frauen die Männer beschämten, wenn sich diese nicht auf dem Schlachtfeld abschlachten ließen. Das beißt sich etwas mit der feministischen Theorie der historischen Unterdrückung der Frau durch den Mann. Einem Unterdrücker ist es herzlich egal, was der bzw. die Unterdrückte von ihm hält. Tatsächlich war diese Macht der Frau, den Mann in die Rolle des Soldaten zu pressen, so groß, dass er sein (kostbares) Menschenleben opferte. Dasselbe gilt für die traditionelle Rollenverteilung: Mann für das Geldverdienen, Frau für Haushalt und Kinder war nicht gegen sondern mit dem Willen der Frau, das ist auch der Grund dafür, warum dieses Rollenmodell heute noch immer nicht ausgestorben ist, oder um noch mal die führende Feministin Simone de Beauvoir anzuführen: Frauen sollten nicht das Recht haben, zu Hause zu bleiben und die Kinder großzuziehen, weil sich sonst zu viele dafür entscheiden. Die durchschnittliche Frau war nicht weniger mächtig oder machtlos als der durchschnittliche Mann, und in ihrer Rolle als Mutter hat sich auch großen Einfluss auf ihre Söhne ausgeübt. Und dieser Einfluss war offenkundig nicht: „Wenn dich jemand in den Kriegsdienst zwingen will, desertiere, fliehe!“ Ein weiteres Beispiel für die Macht des Feminismus ist das totalitäre Programm namens „Gender-Mainstreaming“:

http://kellmann-stiftung.de/index.html?/beitrag/Bock_Gender.htm

Nächster Punkt: Verhöhnen von Leiden. Ja, das hat was mit der konservativen Tradition zu tun, wonach der Mann „hart“ sein muss. Ich führte dazu ja bereits die Evolutionspsychologie an. Das spricht aber für meinen Punkt über die gesamtgesellschaftliche Mitgefühlskälte gegenüber Männern. Aber das wird von Feministinnen weitergeführt. Google mal nach „Male Tears“ und schau die all die schönen Bildchen an. Nachwuchsfeministinnen empfehlen einem, zu „heulen“ und sich einen „Dauerlutscher“ zu kaufen, während sie so süße Männertränen schlürfen, die etwas Reiferen hingegen sprechen von einer „Opferideologie“. Um dazu noch mal auf das Sorgerecht zurückzukommen (und nebenbei nochmal die Verantwortung der Feministinnen in den Blick zu nehmen):

Ganz gewiss seien die Probleme des Sorgerechts

„nicht dem Feminismus zu Last zu legen (…), wie die Antifeministen das tun.“ (30)

 

Kein Wort davon, dass die reaktionären Strukturen des deutschen Familienrechts und der Ausgrenzung der Väter wesentlich der Lobbyarbeit solcher Organisationen wie dem VAMV, der de facto ein Mütterverband ist, zu verdanken ist – und dem Widerstand, der insbesondere von Frauen in den rot-grünen Fraktionen fairen Neuregelungen des Sorgerechts entgegengebracht wurde – und auch kein Wort davon, dass die Ausgrenzung von Vätern von Feministinnen als „Befreiung“ (Anita Heiliger) verkauft wurde. Selbst noch in massiven Privilegien erscheinen Frauen bei Rosenbrock allein als unschuldige Leidtragende einer umfassenden patriarchalen Gewalt, die gerade erst abgebaut werde.

Den Gedanken, dass auch Männer und Jungen gesellschaftlich benachteiligt werden können, tut er hingegen als „Opferideologie“ ab.

https://man-tau.com/2013/09/13/rechte-kerle-rosenbrock-gesterkamp-kemper/

Männliche Tränen sind bei Feministinnen nur dann erwünscht, wenn sie nicht der feministischen Agenda zuwiderlaufen. Ein Trennungsvater, der weint, wird nicht begrüßt sondern niedergemacht. Dass man hier oder dort mal den weinenden Mann fordert, hat was mit der „Dekonstruktion“ von Männlichkeit zu tun – aber dieser Artikel ufert jetzt schon aus.

Feminism and Islam

Muslima: Der Islam ist die feministischste Religion überhaupt und wenn du das anders siehst, bist du ein Lügner, ein rassistisches Arschloch und islamopob!

 

Ich: Es tut mir leid, meine liebe, aber du musst schon mindestens noch eine Frau bringen, die dasselbe sagt, oder, falls nicht, dich daran erinnert wie es wirklich ist.

Sure 2 Vers 282.

 

😉

„Ein Ministerium für Frauen behindert die Gleichstellung“

Larissa Holzki schreibt in der Süddeutschen:

Wer immer in der künftigen Regierung den höchsten Posten im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zugesprochen bekommt, sollte als Erstes das Wort „Frauen“ aus dessen Namen streichen. Damit wäre keinesfalls gesagt, dass die Chancengleichheit von Frauen und Männern nunmehr realisiert ist: Das Zeitalter der Gleichstellung könnte überhaupt erst anfangen.

Wer Frauen in einer Reihe nennt mit Kindern, Jugendlichen und Senioren, stellt ihre Autonomie in Frage. Bis zum Alter von 18 Jahren dürfen Menschen in Deutschland nicht wählen, weil ihnen nicht zugetraut wird, ihre Interessen wahrzunehmen. Sie dürfen ohne die Zustimmung ihrer Eltern auch keinen Arbeitsvertrag abschließen und ihren Wohnort nicht selbst bestimmen. Deshalb muss jemand für ihre Rechte einstehen. Ältere Menschen verlieren zwar ihre Recht auf Teilhabe nicht, können sie bedingt durch Altersschwäche oder Demenz jedoch in vielen Fällen nur noch bedingt selbst wahrnehmen. Weil stützende familiäre Netzwerke heute keine Selbstverständlichkeit mehr sind, muss sich mehr denn je jemand dafür einsetzen, dass sie nicht vereinsamen und in der digitalisierten Welt unsichtbar werden.

Für die ansonsten eher im Opferfeminismus zuhause seiende Süddeutsche schon ein erstaunlicher Artikel.

Frauen in Deutschland sind hingegen selbstbestimmt und mächtig wie nie zuvor. Dass mal ein Mann das Kanzleramt geführt hat, daran können sich Abiturienten von heute kaum erinnern. Barrieren auf dem Arbeitsmarkt werden nicht zuletzt durch gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen durchbrochen: Bedingt durch den demographischen Wandel können Unternehmen auf Frauen schon jetzt nicht mehr verzichten; Aber der globale Wettbewerb verbessert die Chancen von Frauen noch mehr: Wenn Kreativität und Talent gleich verteilt sind – zwischen Geschlechtern und Nationen, dann muss ein kleineres Land wie Deutschland bald in Geburtsvorbereitungskursen Führungskräfte rekrutieren, um mit der Konkurrenz aus China, Indien und Russland mithalten zu können. Unternehmensberatungen sprechen schon jetzt von einem „War for Talents“ – auch und vor allem um Frauen, die bisher gezwungen oder aber gewillt waren, Familienarbeit zu leisten.

Frauen können die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt also mehr und mehr diktieren, egal ob es um Bezahlung, Arbeitszeiten oder Kinderbetreuung geht.

„Frauen haben die Macht“ und „Frauen können die Bedingungen diktieren“. Die männlichen Feministen wie Dörr werden spätestens hier in Schnappatmung verfallen und sich sicherheitshalber selbst geißeln, irgendwie sind sie sicherlich auch schuld, dass so etwas in der Zeitung geschrieben werden darf

Das zu erkennen, wird ihnen jedoch schwer gemacht. Zum Beispiel weil Konzerne behaupten dürfen, es gäbe nicht genug qualifizierte Frauen, um Führungsgremien paritätisch zu besetzen. Das verdreht die Tatsachen und schadet dem Selbstbewusstsein des ganzen Geschlechts. Viele Frauen zweifeln deshalb selbst an ihrer Eignung und streben höhere Positionen erst gar nicht an.

Und da sind wir dann wieder beim internalisierten Sexismus. Die Frau könnte alles haben, wenn sie nur an sich selbst glauben würden.

Das mangelnde Selbstvertrauen hat aber auch mit dem Namen des Ministeriums für „Frauen und Gedöns“ (Altkanzler Schröder) zu tun. Denn ein Schulkind, das lernt, dass es ein Frauenministerium gibt, verinnerlicht: Jungs können für sich selbst sorgen, um Mädchen muss sich jemand kümmern. Ein solches Rollenbild lässt Frauenquoten aussehen wie Hilfsprojekte.

Auch ein interessanter Ansatz, der aber dann eigentlich weiter gedacht werden müsste: Wenn Frauen Förderung brauchen, wenn ihnen immer wieder erzählt wird, dass alle Männer sie unterdrücken, wenn es einen Feminismus gibt, dann lernen Frauen, dass sich jemand um sie kümmern muss. Gerade dann, wenn dieser immer wieder die Opferrolle betont. Der männliche Feminist als Retter, der Mann, der sich ändern muss, damit es der Frau besser geht, das alles ist höhst passiv. Einen wirklich aktiven Feminismus, der also Frauen auffordert, dass sie etwas verändern, weil nur sie die Veränderung bewirken können und bei dem sie sich in Konkurrenz mit den Männern durchsetzen müssen und nicht darauf hoffen können, dass man für sie Sonderregelungen einführt, gibt es nicht.

Oder die Kinder nehmen den Frauenminister eher als Vertreter wahr. Dann prägt sich viel mehr ein, dass Frauen jemanden brauchen, der für sie spricht. Es ist gruselig, wenn für diese Aufgabe ein Mann ausgewählt wird. Es wird aber kaum besser, wenn eine Frau alle anderen repräsentiert.

Diese Überbewertung solcher einfachen Punkte finde ich ja immer wieder erstaunlich. Als ob alles an der Person hängen würde. Als ob Leute nicht einen Schritt weiter denken und dieses einfache Bild des Mannes oder eben der Frau im Frauenministerium ihnen ausreicht, damit sie in absolute Hilflosigkeit und Passivität verfallen. Dekonstruktive Sozialkonstruktivisten haben da häufig ein sehr sehr einfaches Bild, quasi eine stark vereinfachte Black Box, in der nicht tausende von Vorlieben, Wünschen, Planungen zum Leben, Fertigkeiten, Reaktionen anderer etc eingehen, sondern schlicht ein Bild einer Frauenministerin, das den Schalter auf Passivität umlegt.

Was für eine ungeheuerliche Reduzierung! Die Landwirte haben einen Minister, die Soldaten haben einen Minister und die Frauen eben auch. Als wären sie eine gesellschaftliche Gruppe mit besonderen Bedürfnissen. Etwa die Hälfte der Gesellschaft ist weiblich. Wer an einem Ministerium für Frauen festhält, der sorgt dafür, dass Männer die Norm bleiben.

Herrlicher Satz. Mal wieder ein Beleg, dass alles sexistisch sein kann, eine Sonderbehandlung, aber auch eine Gleichbehandlung. Ein durchaus richtiger Gedanken: Frauen sind keine Minderheit. Aber dann wieder in etwas eingebettet, was sozialkonstruktivistisch ist und eine Unterdrückung herbeiredet. Hört auf Frauen zu unterdrücken, indem ihr sie fördert, als wären sie förderungsbedürftig!

Das Argument, Frauen bräuchten trotz alledem Schutz, weil sie schwanger werden könnten, häufiger mit dem Kind alleingelassen und von Arbeitgebern schon prophylaktisch gemieden würden, darf nicht gelten. Diese Denkweise versucht immer nur eine Benachteiligung auszugleichen, die sie selbst verursacht, weil sie alle Herausforderungen von Schwangerschaft bis Erziehungsverantwortung bei der Frau verortet – auch wenn sie diese davon entlasten will. In einem Gesellschaftsmodell, in dem die Kinder von wenigen Bürgern die Renten von allen bezahlen müssen, muss aber radikal umgedacht werden: Dass Kinder geboren werden und sich gesund entwickeln können, liegt in der Verantwortung von Wirtschaft und Gesellschaft – nicht primär bei den Frauen und der Familie. Fragen der Vereinbarkeit mit der Berufstätigkeit wären deshalb beim Arbeitsministerium besser aufgehoben – sie betreffen Arbeitgeber ebenso wie Arbeitnehmer.

Die Frau hat eben den Nachteil, dass sie diejenige ist, die schwanger wird und den Kosten damit wesentlich schlechter entfliehen kann. Wobei das eben auch eine Frage der gesellschaftlichen Normen ist: In Frankreich sind die Unterbrechungen wegen Schwangerschaft deutlich kürzer.

Frauen aber brauchen nicht eine Ministerin oder einen Minister, sondern ein gesamtes Kabinett – genau wie die Männer. Für die Gleichstellung müssen alle Ministerien gemeinsam eintreten, ob Arbeit, Wirtschaft, Justiz oder Verteidigung. Solange es aber einen Regierungsvertreter gibt, der ganz explizit damit betraut ist, wird das nicht geschehen, weil alle auf das Bundesministerium für Familie, Jugend, Frauen und Senioren verweisen können.

Ihre Argumentation scheint zu sein: Frauen brauchen Förderung (sie will ja Gleichstellung), aber man darf kein spezielles Dezernat dafür einrichten, sondern muss in allen Dezernaten eben diese Förderung mitdenken. Allerdings dürfte das in der Praxis wohl heißen, dass es spezielle Mitarbeiterinnen dafür gibt, die das im Auge behalten, denn zum einen werden die entsprechenden Feministinnen ihre Posten behalten wollen und zum anderen will der Feminismus ansonsten ja gerade die Opferrolle haben. Es könnte ein vernünftiger Ansatz sein, wenn es nicht schlicht zu Unterabteilungen führt, die dann nur einfach aus der Sicht sind. Denn sonst wäre ja auch ihr Ansatz nach hinten losgegangen: Man hätte kein Frauenministerium mehr, aber Frauenabteilungen in jedem Ministerium, was dann den Frauen nach ihrem obigen Ansatz ja noch mehr das Gefühl geben müsste Opfer zu sein.

Das Frauenministerium hat eine Feigenblattfunktion. Anders lässt es sich nicht erklären, dass das Arbeitsministerium unter seinen Themen auf der Internetseite das Thema Gleichstellung nicht mal nennt. Wenn Gleichstellung erreichbar werden soll, darf es im nächsten Kabinett keinen Frauenminister mehr geben.

Sie will also anscheinend schlicht mehr Frauenförderung, in jedem Bereich, aber dezentraler, damit die Frauen es nicht merken und sich deswegen nicht als Opfer fühlen.