Wie man den Gender Pay Gap endlich beseitigt

Endlich einmal konstruktive Vorschläge für die Beseitigung des Gender Pay Gaps:

But enough of this rationalisation. It’s 2018 and the gender pay gap should have been laid to rest a long time ago. To this end, I’d like to present some suggestions for tackling this sexist scourge on our society, four small proposals for campaigners to rally behind.

Konkrete Vorschläge, mit denen man den Gender Pay Gap endlich beseitigen kann. Was kann man mehr wollen?

Firstly, we need to stop letting girls choose which subjects to study. Although there are more women than men at university, men still dominate in physics, economics and engineering. If we’re serious about addressing the gender pay gap, then women need to be banned from gender studies, sociology, psychology and all branches of arts and humanities. Perhaps then they’ll aim for higher paid careers in the science and technology sectors. And if they don’t, then perhaps quotas should be instigated so women are compelled to take their fair share of places in labs.

Das wäre in der Tat ein wirksames Mittel: Denn Frauen entscheiden sich in freieren Gesellschaften eher gegen die Naturwissenschaften als in weniger freien. Also muss ein Gegendruck aufgebaut werden.

Then, we need a campaign to cut back on maternity leave and for far more bosses to step up to the plate and refuse women permission to work part-time once they have children. As a recent report from the IFS shows, part-time work plays a major role in the gender pay gap. Women who work part-time initially earn the same as their male colleagues but over a number of years their pay begins to lag. They are not actually at work as much as full-time colleagues and so they gain experience more slowly, miss out on some training opportunities and are less likely to apply for promotion. Women need to be prevented from sabotaging their career prospects in this way.

Wahrscheinlich der einzige Weg, ein langes Aussetzen zu verhindern: Ein Arbeitszwang möglichst kurz nach der Geburt und zwar in Vollzeit. Endlich kann man nicht mehr als Rabenmutter bezeichnet werden, man wird ja gezwungen und darf nicht anders.

After that, we need to consider cutting men’s wages. Fortunately, this is already being given serious consideration and is actually happening at the BBC. John Humphries set men everywhere a noble example when he agreed to a pay cut. As an added bonus: bosses will love this measure. Not only will wage bills be reduced but they get good feminist points too. Indeed, Tesco could easily solve its impending equal pay law suit by paying male warehouse staff less. If families that pool money to pay the bills lose out well, so be it. It’s not about demanding higher wages but principles and equality, right? Women will just have to spend more time at work to make up the shortfall. Win win!

Richtig, man muss einfach mal den Lohn reduzieren, denn anders geht es nicht. Wenn die Männer das ungerecht finden, weil sie zB mehr Überstunden machen oder ungünstigere Schichten übernehmen, dann können sie ja einfach die Frauen animieren, dies künftig für sie zu machen, damit die Haushaltskasse ausgeglichen bleibt.

Finally, but perhaps the most obvious measure of them all, simply pay women more. Again, there’s a precedent. In 2016, the University of Essexgave all its women professors a one-off salary boost to wipe out a gender pay gap pay. Disciplinary differences, length of service and publication record were all ignored; as the university’s Vice Chancellor said:

‘This decision ensures we reward people in a fair way, based upon their contribution to our community, regardless of their personal characteristics.’

The beauty of this measure is clearly its simplicity. Got a vagina? Have £5000! These easy-to-follow steps will soon put an end to the gender pay gap. And women everywhere will be eternally grateful: who wouldn’t want to live in this brave new world?

So einfach ist es natürlich nicht, wenn man nicht ein TERF (Transexklusiv radical feminist) sein will, denn nicht jede Frau hat eine Vagina. Aber andererseits wäre es schön einfach. Jeder Frau einfach mehr Geld geben, damit sind dann alle Probleme erledigt.

Ganz einfache Schritte, ich hoffe auf eine schnelle Umsetzung

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Schämt euch ihr weißen körperlich und geistig gesunden heterosexuellen Männer der Spezies Homo Sapiens!

Ein bewegender Text, indem endlich jemand einen kleinen Teil seiner Privilegien gesteht:

Ich, Michael Jon Sliwa, möchte mich aufrichtig dafür entschuldigen, dass ich nicht genug getan habe, um die Ungerechtigkeiten anzugehen, die meine inhärenten Privilegien anderen zugefügt haben. Ich fühle mich überhaupt nicht schuldig für meine angeborenen, persönlichen Umstände, aber ich fühle mich verantwortlich für die Ungerechtigkeit gegenüber dem anderen Leben, die mit einem solchen Privileg einhergeht. Ich bin dieser Verantwortung nicht gerecht geworden.

Ich werde es besser machen. Ich werde mehr tun. Ich werde zuhören.

Ich wurde als Humanoid des Homo sapiens geboren. Ich habe meine suprematistischen Schöpfungsgeschichten als Vorwand benutzt, um mit anderen Erdlingen zu tun, was ich will. Durch meinen Anspruch habe ich immenses Leid verursacht. Ich habe eine Art zu leben verfestigt, die nicht nur das Klima, sondern fast alle physischen Merkmale des Planeten verändert hat.

Ich entschuldige mich dafür, dass ich nicht verantwortungsvoller bin. Ich werde es besser machen. Ich werde mehr tun. Ich werde zuhören.

Ich bin deutscher und polnischer Abstammung. Diese Identitäten wurden im Laufe der Zeit kollektiv als Weiß bekannt. Mit der Weiße kommt die weiße Vorherrschaft. Nicht nur die Art von weißer Überlegenheit, die weiße Laken trägt oder ihre Köpfe rasiert. Die systemische oder institutionelle weiße Vorherrschaft ist viel kodifizierter und heimtückischer. Es ist schwer in den Griff zu bekommen, weil es nicht so krass ist wie brennende Dörfer oder Angriffe mit Deutschen Schäferhunden und der Polizei mit Feuerwehrschläuchen. Stattdessen geht es um Wohnraum, Beschäftigungsmöglichkeiten, das Rechtssystem und das, was als normal angesehen wird. Mit anderen Worten, es geht um die Durchsetzung des Status quo. Heute nennen wir es „Making America Great Again“. Wenn wir das dritte Wort in diesem Slogan in „Weiß“ ändern, scheint es etwas genauer zu sein.

Ich entschuldige mich dafür, dass ich nicht verantwortungsvoller bin. Ich werde es besser machen. Ich werde mehr tun. Ich werde zuhören.

Ich wurde körperlich leistungsfähig geboren. Ich musste nie über den Zugang zu etwas nachdenken. Ich musste nie an diejenigen denken, die wegen ihrer Behinderung über ihren Zugang nachdenken mussten. Ich habe meinen Körper für selbstverständlich gehalten.

Ich entschuldige mich dafür, dass ich nicht verantwortungsvoller bin. Ich werde es besser machen. Ich werde mehr tun. Ich werde zuhören.

Ich wurde als fähiger Mensch geboren. Auch hier musste ich nie über den Zugang nachdenken. Ich habe die Bedürfnisse derjenigen, die Dienstleistungen benötigen, die ich nicht benötige, ignoriert.

Ich entschuldige mich dafür, dass ich nicht verantwortungsvoller bin. Ich werde es besser machen. Ich werde mehr tun. Ich werde zuhören.

Ich wurde heterosexuell geboren. Ich habe Familie, Freunde, ehemalige Kollegen und Studenten, die sich als  LGBTQ identifizieren. Ich war nicht nur kein konsequenter Verbündeter. Ich habe mir nicht genug Zeit genommen, um die Auswirkungen meines Privilegs auf diese Gemeinschaft zu erfahren.

Ich entschuldige mich dafür, dass ich nicht verantwortungsvoller bin. Ich werde es besser machen. Ich werde mehr tun. Ich werde zuhören.

Ich wurde männlich geboren. Das ist vielleicht der Umstand, in dem ich meiner Verantwortung am wenigsten gerecht geworden bin. Ich habe meine Frau, Großmütter, Mutter, Schwester, Tanten, Nichten, Cousins, Freunde, ehemalige Freundinnen, ehemalige Kollegen und Studenten unzählige Male im Stich gelassen. Noch heute werden Frauen ermordet, vergewaltigt, angegriffen, verstümmelt, bedroht, eingeschüchtert und von Männern unterdrückt.

Ich entschuldige mich dafür, dass ich nicht verantwortungsvoller bin. Ich werde es besser machen. Ich werde mehr tun. Ich werde zuhören.

Ich wurde in die Mittelschicht hineingeboren. Damit es eine Mitte gibt, muss es einen Boden und einen Deckel geben. Ich war auf sozioökonomischer Ebene nicht für diejenigen unter mir da. Ich habe zu oft nur über mich geschaut, wenn ich kritisierte, ohne meine eigenen Umstände in Frage zu stellen.

Ich entschuldige mich dafür, dass ich nicht verantwortungsvoller bin. Ich werde es besser machen. Ich werde mehr tun. Ich werde zuhören.

Ich wurde in einem gebildeten Haushalt geboren. Ich nahm meine formale Ausbildung als selbstverständlich an. Ich nutzte die Möglichkeiten, die es mir bot, als selbstverständlich. Als Lehrer habe ich nicht hart genug für diejenigen gekämpft, die ohne mein Privileg geboren wurden.

Ich entschuldige mich dafür, dass ich nicht verantwortungsvoller bin. Ich werde es besser machen. Ich werde mehr tun. Ich werde zuhören.

Ich wurde im Christentum geboren. Der größte Glaube in der Welt und derjenige, den das mächtigste Land der Welt als seine Religion hat, war die Grundlage meiner religiösen Erziehung. Ein Christ in einem Land zu sein, in dem der Glaube oft benutzt wurde, um Völkermord und Sklaverei zu rechtfertigen, ist manchmal eine schwierige Hürde. Wenn man bei der Geburt eine bestimmte Geschichte erhält – eine Geschichte, die einen direkt darüber informiert, wie man zur Erlösung kommt – macht diese Geschichte die persönliche Verantwortung zu einer großen Herausforderung. Ich identifiziere mich nicht mehr als Christ, aber das negiert nicht meine Verantwortung, eine Erzählung in Frage zu stellen, die immer noch Menschen im Namen Gottes schadet.

Ich entschuldige mich dafür, dass ich nicht verantwortungsbewußt bin. Ich werde es besser machen. Ich werde mehr tun. Ich werde zuhören.

Ich wurde in den Vereinigten Staaten geboren. In das reichste und mächtigste Land der Weltgeschichte hineingeboren zu werden, hat zu viele Vorteile, um sie hier aufzulisten. Ich habe meine Regierung und mein Militär nicht annähernd genug für ihre schrecklichen Taten in meinem Namen verantwortlich gemacht. Ich habe mein ganzes Leben auf einem Land gelebt, das durch Völkermord und eine Wirtschaft, die durch Sklaverei entstanden ist, gestohlen wurde.

Ich entschuldige mich dafür, dass ich nicht verantwortungsvoller bin. Ich werde es besser machen. Ich werde mehr tun. Ich werde zuhören.

Ich wurde im technologischen Zeitalter geboren. Dieser besondere Umstand hat es ermöglicht, alle Bereiche meines suprematistischen Glaubenssystems zu verbessern. Der unsichtbare Schaden im Namen des technischen Fortschritts wurde von mir nicht genug in Frage gestellt.

Ich entschuldige mich dafür, dass ich nicht verantwortundsvoller bin. Ich werde es besser machen. Ich werde mehr tun. Ich werde zuhören.

Ich wurde in die industrielle Zivilisation hineingeboren. Das ist die verheerendste Lebensform in der Geschichte der Menschheit. Ich habe erst begonnen, seine lebensbedrohlichen Auswirkungen zu sehen. Meine fortgesetzte Teilnahme daran ist eine Verantwortung, der ich mich derzeit zuwende. Ich bin weiterhin ein Heuchler, da das Leben auf diesem Planeten verschwindet, um mein eigenes Leben zu unterstützen.

Ich entschuldige mich dafür, dass ich nicht verantwortlich bin. Ich werde es besser machen. Ich werde mehr tun. Ich werde zuhören.

Entschuldigungen gehen nur so weit. Es gibt Arbeit zu tun. Meine Fehler und Fehltritte einzugestehen, reicht nicht aus. Ich muss in meiner kurzen Zeit hier noch mehr tun. Ich muss mein Privileg und mein Ego überprüfen und die Demut annehmen, während ich voranschreite. Ich werde aufmerksam sein. Ich werde um Hilfe bitten. Ich werde diejenigen verteidigen, unterstützen und ihnen zuhören, die aufgrund meines Privilegs verwundbar bleiben. Am wichtigsten ist, dass ich diese Dinge aus Respekt und Liebe anstelle von Schuld oder Scham tun werde. Schließlich habe ich mich nicht für meine inhärenten Umstände entschieden, sondern bin für deren Auswirkungen verantwortlich

Liebe Mitleser dieses Textes, sofern ihr auch die obigen Sünden begangen habt oder auch nur Teile davon: Bitte den Text ausdrucken, Namen und kleinere Details wie etwa die USA als Land anpassen und jeden Abend vor dem Schlafengehen laut vorlesen. Unterstützend bitte dieses Hilfsmittel anwenden.

Schämt euch ihr weißen, körperlich und geistig gesunden heterosexuellen Männer der Spezies Homo Sapiens!

Aber noch kurzer Hinweis:

  • Männlicher Feminist bzw Ally sein ist toll
  • Feminismus hasst Männer nicht

 

Gräuelpropaganda

Ich folge dem Twitteraccount „Real Scientists DE“ bei dem immer ein anderer Wissenschaftler eine gewisse Zeit den Account übernimmt und dann aus seinem Fachgebiet berichtet. Dieses mal ging es um Gräuelpropaganda („Atrocity propaganda“):

Ich fand dabei vieles sehr interessant:

Gräuelpropaganda baut auf dem einfachen Prinzip auf, dass man zum einen ein „Wir gegen die“ Gefühl erzeugen muss und dann auch noch eine „moralische Richtigkeit“ des Kampfes gegen die andere Seite errichten muss, so dass der einzige richtige Weg die Solidarisierung mit der eigenen Seite und der Kampf gegen die andere Seite ist. Zudem erleichtert das Entmenschlichen des Gegners den Kampf und das Töten des Gegners noch zusätzlich.

„Beschützt die Frauen und Kinder“ ist dabei ein sehr einfaches Bild, welches sehr wirksam ist. Es bedient gleich mehrere Vorstellungen:

  • Die Frauen und Kinder sind in Gefahr
  • Der Andere bedroht die, die du beschützen musst und willst
  •  Frauen wollen, dass du sie verteidigst, wenn du es nicht machst, dann verlierst du an Wert.

Es wäre interessant, aus welcher Richtung die traditionellen Rollenbilder kommen: Verständlicherweise appellieren traditionelle Rollenbilder eher an den Beschützer, aber gefährliche Zeiten machen auch den Versorger und Beschützer für Frauen interessanter.

Zum „Khaki Fever“ habe ich noch das Folgende gefunden:

khaki Fever

khaki Fever

Ob es so etwas wirklich im nennenswerten Umfang gab wäre interessant. Wenn ja, dann wäre es ein klassischer Fall davon, dass Status attraktiv macht: Überall wurde der Soldat gehypt, also waren Soldaten besonders sexy. Wobei Uniformen häufig eine gewisse Wirkung bei Frauen haben.

Wäre es ein kleineres Phänomen als hier dargestellt, dann wäre es auch eine geniale Propaganda: Das junge Frauen unbedingt mit einem schlafen wollen und es so viele sind, dass sie eingesperrt werden müssen, um die armen Soldaten zu schützen – das dürfte gut für die Einschreibungsraten gewesen sein.

Auch das wäre interessant: Gräuelpropaganda stumpft ab. Gerade dann, wenn man merkt, dass sie eben nur Gräuelpropaganda war.

Und natürlich ist auch die Übertreibung klar. Ein möglichst brutales Bild von der anderen Seite zeichnen, diesen Entmenschlichen, als jemanden darstellen, den man zerstören muss, bevor er einen selbst verstört. Das ist das typische an einer Gräuelpropaganda.

Ich kommentierte dort über Twitter:

Es folgte eine kurze Diskussion in der sie davon ausging, dass Feminismus natürlich nur Gleichberechtigung will und insofern keine Gräuelpropaganda betreibt.

Ich finde es aber eigentlich durchaus für den radikalen Feminismus gar nicht so fernliegend:

Er übertreibt bewusst, Frauen sind in allen Lebensbereichen unterdrückt und haben quasi kaum Luft zum atmen in dieser patriarchalen Welt.

Gläserne Decke, Rape Culture, überall müssen Frauen gegen die Männer kämpfen, weswegen man sie aus den Räumen verbannen muss, sie müssen zurückgeschlagen werden, Frauen müssen sich endlich wieder auf die Straße trauen können.

Wenn man dann die eigene Propaganda glaubt, dann hält man Männer nur noch für Mörder, Vergewaltiger etc. Beispiel Nadine Lantzsch bei der Mädchenmannschaft über Hetero-Frauen, die weiterhin Männer nicht vollkommen ausgrenzen:

klar, wer möchte schon zugeben, dass er_sie im herzen dabei ist (literally), welche körper und identitäten als begehrenswert vorgestellt und hergestellt werden oder welche menschen objekte deines creepy fetischs sind?! wer möchte schon gerne zugeben, sich berechtigterweise über typen von mansplainer bis mörder und vergewaltiger und die normalität von patriarchalen gewalt/verhältnissen aufzuregen, aber kein problem damit zu haben typen in unserem leben raum zu geben und ihre existenz in unserem leben mit kackscheiße als feministisch zu verteidigen. aber die rechtfertigung „ich bin halt so“??? wow, stell dir vor, du bist so ignorant, dass deine kognitive dissonanz dir nix anhaben kann.+

Das Bild ist nicht weit weg von dem Tier, dem wilden Affen, der alles zerstören will.

Oder auch direkter:

„Weil das Jetzt schon weiblich ist. Soziale Netzwerke sind weiblich. Das Internet ist weiblich. Digitalisierung ist weiblich. Deswegen bäumen sich ja auch die alten weißen Männer gerade noch mal auf. Wie ein Tier kurz vorm Tod. Sie spüren sehr wohl, dass die Zeit für sie gekommen ist.

Was ist entscheidend dafür, dass Netzwerke gut funktionieren und etwas bewegen können?

„Das man lernt in diesen Netzwerken zu kommunizieren. Narzissmus-frei zu kommunizieren. Im Moment dienen Netzwerke dem Ego. Es ist ein ständiges Monologisieren aneinander. Wir müssen also lernen, auch ohne direktes Gegenüber zuzuhören. Dem anderen zuhören. Und nicht nur uns selbst.“

Was müssen wir jetzt bewegen, damit die Zukunft sich für alle in eine positive Richtung wendet?

„Wir müssen eine feministische Terror-Gruppe gründen und die alten weißen Männer aus dem Weg schaffen.“

(aus der ersten Version, später im letzten Satz um eine „(lacht)“ ergänzt)

Das bedient alles, was Gräuelpropaganda so braucht. Der Gegner wird entmenschlicht, klar gegen die eigene Gruppe abgegrenzt, man muss ihn beseitigen, wenn die Zukunft positiv werden soll.

Natürlich:

Das gibt es auch von der anderen Seite:

Etwa wenn Frauen als zur Liebe unfähige Wesen dargestellt werden, die nur den Mann ausnehmen wollen und die man deswegen so weit wie nur möglich von einem Fernhalten muss.

Das schlimme beim radikalen Feminismus ist eben, dass es kritiklos in Zeitungen abgedruckt werden kann, an Universitäten gelehrt wird und die Politik mit beeinflusst.

Jetzt will dieses schreckliche Patriarchat auch noch den Mars unterdrücken, dabei sind da noch nicht mal Frauen

Das Patriarchat hat längst alles unterdrückt, was man auf Erden unterdrücken kann, aber das reicht ihm natürlich nicht. Das hat messerscharf eine feministische Journalistin erkannt und schreibt dementsprechend:

These men, particularly Musk, are not only heavily invested in who can get their rocket into space first, but in colonizing Mars. The desire to colonize — to have unquestioned, unchallenged and automatic access to something, to any type of body, and to use it at will — is a patriarchal one. Indeed, there is no ethical consideration among these billionaires about whether this should be done; rather, the conversation is when it will be done. Because, in the eyes of these intrepid explorers, this is the only way to save humanity.

It is the same instinctual and cultural force that teaches men that everything — and everyone — in their line of vision is theirs for the taking. You know, just like walking up to a woman and grabbing her by the pussy.

It’s there, so just grab it because you can

Das ist so herrlich doof, wie es eben im modernen Feminismus zu erwarten ist: Man kann alles abwerten, indem man es einfach irgendwie in die Nähe von Vergewaltigungen und Raumeinnahme rückt.
Sie führt weiter aus:

In this way, colonizing Mars is a “collective life insurance policy.” Although considering the last 500 years of colonization on this planet alone, one could wonder whose lives, according to Musk and other rich white men like himself, are worth being insured.

But again, this impulse to enter the “space race” isn’t simply the embodiment of the American spirit of invention or forward-thinking entrepreneurship. Neither is it driven by the kind of nationalist Cold War fervor that inspired the creation of America’s space program in the 1950s.

Rather, the impulse to colonize — to colonize lands, to colonize peoples, and, now that we may soon be technologically capable of doing so, colonizing space — has its origins in gendered power structures. Entitlement to power, control, domination and ownership. The presumed right to use and abuse something and then walk away to conquer and colonize something new.

Sie scheint sich wirklich Sorgen um den armen Mars zu machen. Er wird kolonisiert und die armen Marsmenschen werden dann erleben müssen, wie ihre Kultur für neue Faschingskostüme missbraucht werden. Schlimm so etwas. Insbesondere weil auf dem Mars niemand ist. Nichts. Es ist ein unbewohnter Planet, bei dem man niemanden was wegnehmen kann und keine Eingeborenen unterdrücken kann.

Mars ist der rote Planet, und damit ein PoC (Planet of Color)

Mars ist der rote Planet, und damit ein PoC (Planet of Color)

 

Aber ihr  Männerhass muss noch deutlicher ausgeführt werden:

This 21st century form of imperialism is the direct result of men giving up on the planet they have all but destroyed.

As if history hasn’t proven that men go from one land to the next, drunk on megalomania and the privilege of indifference.

The raping and pillaging of the Earth, and the environmental chaos that doing so has unleashed, are integral to the process of colonization. And the connection of the treatment of Mother Earth to women is more than symbolic: Study after study has shown that climate change globally affects women more than men.

“Women in developing countries are particularly vulnerable to climate change because they are highly dependent on local natural resources for their livelihood,” a 2013 United Nations report noted. “Women charged with securing water, food and fuel for cooking and heating face the greatest challenges. Women experience unequal access to resources and decision-making processes, with limited mobility in rural areas.”

This means that while men compete with each other over whose rocket is the biggest, fastest, and best, and send playthings off to become flashy space junk, women around the world are fighting to stay alive against violent assaults on their personhood — and their planet. As reported by Marc Bain for Quartz, in seven separate studies “researchers found evidence that people perceive consumers who behave in eco-friendly ways as ‘more feminine,’ and that those consumers “‘perceive themselves as more feminine.’

Wunderbar. „Männer“ kolonisieren den Mars und sind damit nicht mehr von der Verschmutzung der Erde betroffen. Wie groß war das Raumschiff, welches Musk bauen wollte? Ich meine es war ausgerichtet auf 3,5 Millarden und Musk hatte nur Männertoiletten vorgesehen, weil man zu einer Kolonisierung ja nur Männer mitnimmt.

Der Text ist wirklich selten doof, mit der üblichen feministischen Scheinlösung. Aber anzuführen, dass Männer mit der Kolonisation des Marses der von ihnen allein verursachten Umweltverschmutzung entkommen wollen, ist wirklich unredlich.

Frauen leben auf dem selben technologischen Standard wie Männer und fordern gleichzeitig auch männliches Verhalten von Männern ein. Der Besitzer eines Kleinwagens erscheint vielen Frauen in vielen Fällen immer noch weniger interessant als der eines teuren Sportwagens, ungeachtet des Verbrauchs.

Not only, according to researchers, do women generally have a greater environmental conscience when it comes to the planet we currently live on, but the same researchers have found a connection between men’s insecurity about their masculinity and their lack of environmental conscience. Apparently, caring for the planet is perceived to be a “feminine” quality and concern; the psychology of toxic masculinity spills over into the unethical disregard for the environment.

This masculine insecurity is everywhere in American culture and, increasingly, American politics. Trump himself has spoken about making sure our nuclear bomb is “bigger and more powerful and can often be found “bragging about building a “beautiful,” “great, great wall.”

Trump wurde auch mit einer Mehrheit der Stimmen weißer Frauen gewählt (66%). Und natürlich mögen auch Frauen ihre in China in Indien hergestellte Mode, nutzen Klimaanlagen, heizen gerne und lieben auch sonst jeden Luxus, den diese Gesellschaft zu bieten hat. Sie fliegen ebenso gerne in den Urlaub, sie leben, wenn sie können, lieber in großen Häusern und sie wässern im Sommer ihren Garten, damit er schön grün aussieht. So zu tun als sei alles schwarz und weiß, Frauen die reine Unschuld, die kein Kohlendioxidchen in die Atmosphere entlassen würden und Männer allesamt persönlich an der Abholzung des Regenwaldes beteiligt ist billig und falsch.

Right now, there is a robot dummy propped up in the driver’s seat of a red Tesla convertible, flying through space, away from the manmade garbage fires devouring Earth.

Houston, we have a problem.

And it’s the patriarchy.

Hurr, hurrr, wir haben es mal wieder geschafft. Das Patriarchat zeigt erneut seine Großartigkeit.  Per aspera ad astra. Und das Raue sind eben nun einmal wir selbst.

Mit der Erde sind wir durch. Und es gibt ja auch noch genügend andere Planeten, wenn wir den Mars trotz aller Bemühungen der Frauen auch verwüstet haben.

Feminismus ist mal wieder gut für alle und Männer profitieren vom Patriarchat, es wäre aber auch gut für sie es abzuschaffen, obwohl es das Patriarchat nicht gibt

Stokowski im Spiegel:

Wenn die Rede davon ist, dass wir in einem Patriarchat leben, sehen einige darin einen Beweis dafür, dass Feminismus nämlich doch eine verdammte Ideologie ist. Wie kann man – so ein häufiger Einwand – in Deutschland davon reden, dass das Patriarchat immer noch da ist, wenn wir seit fast 13 Jahren eine Kanzlerin haben? Heißt Patriarchat nicht, dass die wichtigen Schaltstellen von Männern besetzt sind? Kann man den Begriff noch ernst meinen, in diesen Tagen, in denen wahrscheinlich auch die zweite der beiden größten Parteien Deutschlands eine Frau zur Chefin wählen wird?

Und vor allem, wenn Frauen die Mehrheit der Wähler stellen und viele Gesellschaften zwar von Männern geführt werden, aber sich dennoch auf weibliche Kunden ausrichten, ganz zu schweigen davon, dass eben auch am Boden der Gesellschaft mehr Männer sind und die meisten Männer keine Führungspositionen haben

Man kann. Erstens, allein schon in Anbetracht der Zeitpunkte, zu denen beide ihre Chance ergreifen konnten – als ihre Parteien von Männern vor die Wand gefahren waren.

Das könnte man auch anders sehen. Denn Merkels Linksruck hat eben die große Krise ausgelöst, die Grünen haben eine Doppelspitze und die SPD hatte auch genug Frauen in den Entscheidungsbereichen. Zumal eben Frauen sich auch nach wie vor nicht darum reißen in der Politik involviert zu sein.

 

Und zweitens fällt etwas auf an der Art, wie über die Macht dieser Frauen gesprochen wird. Denn hinter jeder erfolgreichen Frau steht mindestens ein Mann, der es nicht aushält, dass diese Frau eine Frau ist.

Oh nein, auch Frauen sind nicht gegen Kritik immun und werden nicht allein deswegen akzeptiert, weil sie Frauen sind. Ob es wohl einen Mann gibt, der bedingungslos akzeptiert wird? Und gerade angesichts der gegenwärtigen Hetze gegen weiße heterosexuelle Männer scheint man da auch so seine Probleme zu haben

Angela Merkel wurde, seit sie Kanzlerin ist, schon unzählige Male „das Merkel“ genannt, oder, noch häufiger, „Mutti“, als wäre das die einzige Rolle, in der Frauen etwas zu sagen haben könnten.

Und Kohl wurde „Birne“ genannt. Spitznamen bilden sich, Mutti ist keineswegs etwas negatives.

Und über Andrea Nahles schrieb neulich erst der „FAZ“-Redakteur Jasper von Altenbockum: „Der einzige Mann in der SPD-Führung scheint Andrea Nahles zu sein.“ (Zwei Tage später folgte die Erklärung, warum er das für eine seriöse Analyse hielt.)

Auch das ist eben nur ein Spruch, aber eben durchaus auch ein passender und alter. Weil Männer eben üblicherweise die „Eier“ haben.

Nicht alle Männer fürchten sich

Dabei reicht es im Patriarchat natürlich nicht, irgendeine Art von Mann zu sein, um ganz nach oben zu kommen, und deswegen ist auch die Abschaffung des Patriarchats nicht für alle Männer gleich anstrengend. Sie ist tatsächlich für die allermeisten gar nicht gefährlich, denn „Patriarchat“ bezeichnet keine Männerherrschaft, sondern kommt von „pater“, was für den Vater steht (oder auch Stammvater oder Sippenoberhaupt), in dessen Machtbereich die Traditionen und Linien der Machtweitergabe männlich geprägt sind.

Das hieß früher, dass Eigentum und Rechte des Paters an den Sohn weitergehen, und heute, dass männliche Chefs zu häufig lieber andere Männer einstellen als Frauen, wenn sie nicht durch eine Quote an deren Existenz erinnert werden.

Und was wäre mit „Alle Männer sind privilegiert“ und „Alle Männer profitieren vom Patriarchat“

Steve Bannon weiß es noch nicht, aber die meisten Männer profitieren von der Abschaffung des Patriarchats. Es wird dann schwieriger sein, sich im Hotel-Bademantel auf eine Frau draufzuschmeißen, mit der man eigentlich etwas anderes machen sollte.

Aber, who cares? Die allermeisten Männer hatten das eh nicht vor, so weit ich das sagen kann. Männer werden, wenn dieser Drops gelutscht ist, genauso lange leben wie Frauen. Sie werden weniger Stress haben und seltener Opfer von Gewalt werden, sie werden öfter ihre Kinder sehen und wissen, wann deren Freunde Geburtstag haben.

Nur das es eben kein Patriarchat gibt, welches man abschaffen kann. Es gibt eine Leistungsgesellschaft, die nicht durch Männer geschaffen wurde, sondern zum einen weil sie funktioniert, zum anderen auch, weil Frauen eifrig daran mitarbeiten und Männer wollen, die Teil dieser Leistungsgesellschaft sind.

Natürlich kann man auch Zustände für Männer verbessern, etwa im Familienrecht, ohne das man deswegen so tun muss als habe sich ein Patriarchat gegen die Frauen verschworen. Das hilft Männern dann noch mehr, denn sie hätten die Vorteile davon, müssten aber sich nicht gleichzeitig beschimpfen lassen, dass sie nur wegen ihrer Priviligen nach oben gekommen sind, statt durch Arbeit und auch keine ungerechten Quoten hinnehmen.

Wie man bei allgemeinen, freien, geheimen Wahlen die Stimmen von Frauen im Patriarchat wirkungslos macht II

Nach den letzten Wahlen hatte ich bereits dargestellt, dass die Stimmen der Frauen in dem vom Männern geschaffenen Patriarchat vollkommen wirkungslos sind. Das hatte man 2013 bereits an dieser Grafik sehen können:

frauen-bundestagswahl 2013

frauen-bundestagswahl 2013

Die Frauen haben die CDU gewählt, gefolgt von der SPD, und bekanntermaßen waren diese nicht an der Regierung. Stattdessen haben die Männer mit 39% Prozent Union und 26 Prozent SPD ihre Vorstellungen voll durchsetzen können.

Auch dieses Mal hat das Patriarchat erneut alle Stimmen der Frauen unbeachtlich machen können:

Bundestagswahl Maenner Frauen

Bundestagswahl Maenner Frauen

Man sieht, hier wäre nach dem Wahlergebnis der Frauen eine ganz andere Regierung möglich gewesen als bei den Männern. Und eine viel feministischere noch dazu. Nämlich eventuell CDU-FDP alleine, oder aber eine Jamaika-Koaliton aus CDU-FDP-Grüne, ich bin mir gerade nicht ganz sicher, ob das gereicht hätte für die erste Variante.

Wie genial das Patriarchat erneut die Stimmen der Frauen ausbremst, trotz freier gemeiner Wahlen, sieht man auch an den Verteilungen:

Ich würde sagen, dass die Linke und die Grünen wahrscheinlich die feministischsten Parteien sind, sie kommen aber bei Frauen ungefähr so gut an wie bei den Männern. Dann dürfte die SPD kommen, die sogar ihren Wahlkampf teilweise extra auf den Abbau von Diskriminierungen ausgerichtet hat, zB mit Plakaten wie diesem:

SPD Frauen Lohnlücke aber das Patriarchat ist zu stark

SPD Frauen Lohnlücke aber das Patriarchat ist zu stark

Hat Frauen aber anscheinend nicht wirklich interessiert, sie wählten etwa in gleicher Anzahl wie die Männer und verhalfen der SPD damit zu einem seiner schlechtesten Ergebnisse seit langem.

Und selbst Bilder, die Frauen in technischen Bereichen zeigten und Lohngerechtigkeit herstellen wollten, also zeigten, dass die SPD da ganz modern denkt, halfen nicht:

SPD Frauen im technischen Bereich halfen auch nicht

SPD Frauen im technischen Bereich halfen auch nicht

Ich finde das Motiv eh interessant: Es ist in gewisser Weise ein Bekenntnis dazu, dass man Frauen natürlich auch technische Berufe zutraut. Nur arbeiten eben die wenigsten Frauen im Blaumann an Großmaschinen. Theoretisch schwächt es damit die Botschaft eher bei der typischen Wählerin ab: Sie arbeitet gerade nicht in einem technischen Bereich, sie arbeitet mit weitaus höherer Wahrscheinlichkeit in einem Büro mit sehr vielen weiblichen Kolleginnen, und das häufig eher Halbzeit. Sie ist sich wahrscheinlich sehr bewußt, dass männliche Kollegen auf einer 100% Stelle eben auch eher befördert werden als Frauen auf einer 50% Stelle. Sie nehmen für sich selbst auch keine Lohnungerechtigkeit in ihrem konkreten Job wahr, allenfalls für Frauen allgemein, aber das bringt ihnen selbst ja wenig. Es ist ein Wahlversprechen, welches der einzelnen Frau in ihrer konkreten Situation nichts bringt.

Was wählen Frauen stattdessen mehr als Männer: Die CDU. Also die konservativste Partei abseits der radikalen AfD. Aber auch die schneidet nicht schlecht bei ihnen ab, ein (so nicht zu erwartendes) Bündnis von CDU und AFD hätte bei den Männern 46% und bei den Frauen…tata… 46%.

Auch hier wieder beachtliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen.

Auch interessant ist eine Aufschlüsselung der AfD-Wähler nach Geschlecht:

Bundestagswahl AfD Männer Frauen

Bundestagswahl AfD Männer Frauen

Wie man hier sehr deutlich sieht sind die regionalen Unterschiede wesentlich größer als die zwischen den Geschlechtern. Trotz geringeren (8%) Gender Pay Gap im Osten als im Westen (23%), also anscheinend ja schwächerer Unterdrückung und mehr Emanzipation wählen die Frauen hier mit 17% die Partei, welches sich am meisten von Genderthemen abgrenzt und den Genderfeminismus und den intersektionalen Feminismus wohl am nachhaltigsten beseitigen möchte.

Eine interessante Leistung des Patriarchats. Wie immer.

Sekundärpatriarchalismus

Im Text der Missy bin ich auf den Begriff „Sekundärpatriarchalismus“ gestoßen:

Ich habe mal danach gesucht:

Hier etwas dazu:

Das feministische Konzept des Sekundärpatriarchalismus (vgl. Beer 1990, Beer/Chalupsky 1993) liefert eine analytische Begründung für die letztlich erstaunliche Durchschlagskraft und Zählebigkeit geschlechtsspezifischer Arbeitsteilungen. Die Geschlechtsspezifik in der primären Zuweisung von entgeltlicher und unentgeltlicher Arbeit an jeweils eines der beiden Geschlechter (vgl. Beer 1984) hat zur Folge, dass Frauen, die diesem Modell voll entsprechen, als „Lohn“ für ihre Arbeit allenfalls auf „Liebe“ rechnen dürfen (Bock/Duden 1977), verknüpft mit ehelichfamilialem Unterhalt und abgeleiteten Ansprüchen an die Systeme der sozialen Sicherheit (vgl. Ostner 1995). Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, die Frauen vorrangig auf unentgeltliche Arbeit in der Familie festlegt, entbindet diese jedoch keineswegs vom Zwang zur Aufnahme von Erwerbsarbeit, wenn die familiale Existenzsicherung das erfordert. Frauen befinden sich damit von vornherein im Nachteil gegenüber Männern, denn auf diese Weise wird ihnen der Zugang zu einer hochbedeutsamen gesellschaftlichen Ressource verwehrt oder erschwert: Geld als Medium einer Tausch- und Warengesellschaft. Wer nicht über Vermögenswerte verfügt und sie zum Lebensunterhalt einsetzen kann, muss ihre oder seine Existenz mit der Aufnahme und Ausübung von Erwerbsarbeit sicher stellen.

Ein weiterer Beitrag:

Geschlecht als Strukturkategorie

Was die andere Seite des Verhältnisses von Klasse und Geschlecht angeht, so haben wir uns bei den Theorien des Geschlechterverhältnisses insbesondere auf Regina Becker-Schmidts Konzepte von Geschlecht als Strukturkategorie (1993) und der doppelten Vergesellschaftung von Frauen (1987) gestützt. Ihr zufolge strukturiert die Geschlechtszugehörigkeit (ähnlich wie die Klassenzugehörigkeit) systematisch die Möglichkeiten und Chancen, objektive wie subjektive, die jemand in dieser Gesellschaft hat. Außerdem sind Frauen grundsätzlich in zwei Praxisbereichen vergesellschaftet: dem Bereich der privaten Haus- und Familienarbeit und dem Bereich der Erwerbsarbeit.

Des Weiteren hat Ursula Beer (1990) das bei uns herrschende Verhältnis zwischen den Geschlechtern als doppelten Sekundärpatriarchalismus gekennzeichnet. Im Gegensatz zum klassischen patriarchalischen System bezeichnet der Sekundärpatriarchalismus den Umstand, dass fast ausschließlich Männer Positionen mit Macht- und Herrschaftsbefugnissen besetzen, und dies, nach der historischen Trennung in Erwerbs- und öffentliche Sphäre auf der einen, Familien- und Privatsphäre auf der anderen Seite, zweifach: in Gestalt besser dotierter Posten im Produktions- und Politsystem und in Gestalt ökonomischer Abhängigkeit und einseitiger Verpflichtung zu generativer Versorgungsleistung im Reproduktionssystem für die Frauen.

Mit dem Fortwirken der alten (wenn auch in modernisierter Form) patriarchalischen Muster wird den Frauen institutionell und gewohnheitsmäßig unbewusst trotz formal gleicher Rechte immer noch eher der Platz drinnen, d.h. im Haus, im Privaten, bei den Kindern, im Gefühls- und Seelenleben, in den „weichen“ Studiengängen und Berufsfeldern zugewiesen, während das Draußensein, auf den Plätzen, in der Öffentlichkeit, in den Konkurrenz- und Machtkämpfen (der Männer) für Frauen immer noch für unpassend, weil unweiblich gehalten wird, auch von ihnen selbst. Bourdieu (1997, 1998) zufolge ist dies einer der wichtigsten Effekte der auch bei uns andauernden männlichenHerrschaft mit ihren von der männlichen „libido dominandi“ angetriebenen männlichen Spielen, in denen die Männer zwar Macht und Ansehen akkumulieren, aber auch gefangen sind (das Privileg als Falle), während die Frauen dem Ausschluss von diesen Spielen den „luziden Blick“, das Durchschauen der Unsinnigkeit der den Spielen zugrunde liegenden Konkurrenzkämpfe verdanken.

Anlage und Ergebnisse der Studie

Mit diesem klassen- und geschlechtertheoretischen Rüstzeug ausgestattet haben wir uns an die empirische Erforschung des Verhältnisses von Klasse und Geschlecht gemacht, von deren Ergebnissen ich hier eine kleine Auswahl darstellen will. Methodisch haben wir uns der Untersuchung mithilfe der drei oben genannten Hypothesen (Geschlechts-, Klassen- und Klassengeschlechtshypothese), einer Datenauswertung des Sozioökonomischen Panels (1990 Westdeutschland) und (1994 geführten) Interviews mit Paaren aus vier modernisierten bzw. teilmodernisierten Klassenmilieus aus dem von Vester u.a. (1993) für Deutschland modifizierten sozialen Raum genähert.

Einer anderen Darstellung fand ich auch interessant, habe sie aber leider nicht als Text gefunden:

Das ganze Konzept geht von einer starken Passivität der Frau aus. Sie darf nicht selbst ein Wahlrecht haben oder lieber bei den Kindern bleiben statt im Büro. Sie muss es passiv machen, weil der Mann ihr keine andere Wahl lässt, da er sich die Macht bewahren will.