Kommentator Tom verweist auf zwei interessante Konstellationen:

Die erste:

Gerade wenn es um Testierfreiheit, gewollte Vermögensverschiebungen und Steuern geht, ermöglcht eine Ehe gigantische Gestaltungsspielräume. Schon allein einen Zugewinnausgleich bei Bedarf gestaltend auslösen zu können – unbezahlbar.

Eine Ehefrau in gut funktionierender Ehe ist z.B. das ideale Sparschwein für einen Selbständigen/Unternehmer, der sich wirtschaftlichen Risiken ausgesetzt sieht. Allerdings nur, solange das Sparschwein nicht wegläuft.

Die Vermögensverlagerung auf die Frau in einer funktionierenden Ehe kann in der Tat eine gute Absicherung sein. Selbst wenn er – persönlich haftend – untergeht, kann er nach wie vor gut leben, wenn genug Vermögen auf die Frau überschrieben worden ist. Diverse Unternehmer, die eine Pleite befürchteten, haben genau dies gemacht. Theoretisch kann man dies noch über einen Ehevertrag absichern, etwa über eine Rückfallklausel für den Fall der Scheidung, oder man muss eben das passende Vertrauen haben.

Aus dem Umstand, dass man – meist wohl der Mann – mit dem ersten Unternehmen pleite gegangen ist folgt dann gleich die zweite Konstellation:

Andererseits kenne ich genug Fälle von z.B. Bauunternehmern, die nach der Insolvenz wegen Nichtzahlender Auftraggeber, Mängeln oder sonstigem Unbill kurze Zeit später wieder dick im Geschäft waren.

Mit einer Kaptitalgesellschaft, die nun formal der Ehefrau gehört. Der Ex-Unternehmer ist dann fomal Angestellter, dürckt ein paar Euros für die Gläubiger ab und kümmert sich ansonsten wie bisherher um die Aufträge.

Gerade wenn ursprünglich kein explizites Luxusweibchen geheiratet wurde, funktioniert das erstaunlich häufig gut.

Das kenne ich auch aus mehreren Konstellationen: Er ist mit der ersten Firma pleite gegangen, hat eine Privatinsolvenz oder jedenfalls zu viele Schulden, also wird eine zweite Firma über die Frau eröffnet, die ihn dann zum Pfändungsfreibetrag anstellt. Er macht seine Arbeit wie bisher weiter, sie gibt im wesentlichen ihren Namen. Man vermeidet die Fehler des ersten Betriebs oder hat diesmal zumindest eine GmbH vorgeschaltet und lebt von dem Geld, welches offiziell sie verdient, tatsächlich aber nach wie vor er. Offiziell ist er nun pleite, der Unterschied zu vorher ist allerdings nicht unbedingt erkennbar, weil er voll über die Einnahmen aus dem Gewerbebetrieb verfügt.

Es würde mich nicht interessieren, wie der Anteil weiblicher Unternehmer sinkt, wenn man diese Konstellation herausrechnet, in der sie im wesentlichen ihren Namen gibt.

Der Fairness halber sollte man hinzufügen, dass es auch Unternehmen dieser Art gibt, wo er gut in dem eigentlichen Bereich ist, sie aber auch in der alten Firma schon immer die Buchhaltung etc geschmissen hat und sich um diese administrative Seite des Geschäfts gekümmert hat.

Modelle dieser Art werden auch sonst häufig zu Vermögensverlagerungen führen. Häufiger hört man auch von der Konstellation, bei der ihr die Geschäftsimmobilie  gehört, die sie an den Mann (und seine Partner) vermietet. Es wird in Ehen so einiges verlagert, meist an die Ehefrauen.

Bei der normalen Immobilie beispielsweise wird üblicherweise der Mann die Abzahlung leisten auf das dafür aufgenommene Darlehen, für das evtl auch beide unterschrieben haben (schon um Vermögensverlagerungen auf die Ehefrau vorzubeugen), im Grundbuch stehen beide. Sie erbringt dann familienrechtlich gesagt ihren Anteil an der Abzahlung des Hauses auf andere Weise, wenn nicht über ein Gehalt, dann eben durch Führung des Haushaltes und die Kinderbetreuung.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 2. März 2015

Was würdet ihr auf Plakate zum Thema Männerrechte schreiben?

Was ich mir als eine potentielle Aktion vorstellen könnte, wäre eine Plakataktion, bei der man auf bestimmte Missstände hinweist. Die Frage wäre, was geeignete Inhalte dafür wären. Es wäre interessant, ob man hierfür etwa über Kickstarter die notwendigen Gelder zusammen bekommen könnte.

Ich könnte mir vorstellen, dass man sich dabei auf das Familienrecht konzentriert. Hier würde mich interessieren, was ihr darauf schreiben würdet. Ich fange mal mit dem Brainstorming an:

Wenn deine Ehe scheitern würde, wäre es dann gerecht, wenn du deine Kinder nur jedes zweite Wochende siehst?

Wenn beide Eheleute in Vollzeit gearbeitet haben, warum sollte dann einer bei Scheitern der Ehe Unterhalt zahlen?

Gegenwärtig muss eine Frau im ersten Jahr der Trennung bei einer Ehe keine Berufstätigkeit aufnehmen, sondern kann Unterhalt verlangen, selbst wenn sie keine Kinder betreut oder betreut hat. Warum eigentlich?

Gegenwärtig hat eine Frau nach Scheidung für Ehezeit geteilt durch 3 Jahre Anspruch auf Unterhalt, selbst wenn sie keine Kinder erzogen hat und keine ehebedingten Einkommennachteile erlitten hat. Warum eigentlich?

Interessant wäre auch ein Slogan für eine solche Kampagne.

Unter die Sprüche könnte man etwa als Slogan schreiben:

Männerrechte können dich schneller betreffen als du denkst. Werde jetzt aktiv

Emanzipation bedeutet auch ein für Männer gerechtes Familienrecht. 

Gerechtigkeit für beide Geschlechter

 

 

 

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 1. März 2015

Ein offener Brief zu “Maskulinisten – Krieger im Geschlechterkampf”

Einen offenen Brief zu der Sendung “Maskulinisten – Krieger im Geschlechterkampf” gibt es bei Schoppe zu lesen:

Die politische Unabhängigkeit aber ist ja eine der Bedingungen dafür, dass der Bestand öffentlich-rechtlicher Sender überhaupt legitimiert werden kann. Um zu dieser Unabhängigkeit zurückzukehren, braucht es keine Lobhudeleien für eine offenere, nach allen Seiten hin antisexistische Politik. Aber es ist wichtig, dass Sie denjenigen, die Sie so erheblich diffamiert haben, eine reale Möglichkeit geben, sich auch selbst zu äußern.Wichtig dabei ist auch, dass diejenigen auf allen Seiten, die bei allen politischen Differenzen an einer zivilen Auseinandersetzung interessiert sind, sich gemeinsam gegen diejenigen (ebenfalls auf allen Seiten) stellen, die mit Verleumdungen, Drohungen, Beleidigungen und primitiven Freund-Feind-Logiken operieren.

Dazu fordern wir Sie ausdrücklich auf.
Hier zum ganzen Text.

Eine interessante Aussage von Geoffrey Miller zu Pickup und Evolutionärer Psychologie

Erst einmal sagt er einiges dazu, wie der Bereich der Evolutionären Psychologie entstanden ist und was für Schwierigkeiten man dort hat:

[Geoffrey Miller] Yeah I’d say about seventy percent of evolutionary psychology is about mating, attraction, physical attractiveness, mental attractiveness, potential conflicts between men and women, and how those play out. But then other evolutionary psych people study all kinds of other things, like the learning and memory that Wikipedia mentioned. …

[Geoffrey Miller] Well one thing to note is it’s a pretty new field. I was literally at Stanford University when the field got invented by some of the leading people, who kind of had a joint retreat there at a place called The Center for Advanced Study in Behavioral Sciences. 1989, 1990.

And they actually strategized about, “How do we create this new field? What should we call it? How do we launch it? What kind of scientific societies and journals do we establish?”

So the field’s only twenty-five years old. It started out pretty strongly though, because the people who went into it were brilliant, really world-class geniuses, and that’s one of the things that attracted me to the field when I was a grad student.

Since then, the quality of the research has gotten way better. It’s a very progressive field in the sense that we actually build on each other’s insights. Other areas of psychology, everybody wants to coin and patent their own little term, their own, almost, trademarked little theory, and try to ignore a lot of what other people do.

We tend to be in more of the tradition of mainstream biology, where you actually respect what other people have done before, and try to build on it. So I think we’re really good at doing that.

The other thing to remember, apart from it being a young field, is it’s a pretty small field. There’s fewer than a thousand people in the world actively doing evolutionary psych research, compared to fifty thousand people doing neuroscience research, or probably a hundred thousand scientists doing cancer research.

So it’s not a huge field. There’s probably more science journalists trying to cover evolutionary psychology than there are evolutionary psych researchers. …

[Geoffrey Miller] Well I’ll tell you what areas of science really impress me at the moment, in terms of being super high-quality and sophisticated. One is behavior genetics. Twin studies. So I did a sabbatical in Brisbane, Australia with one of the big twin research groups, back in 2007.

And they were just making this shift. They had tracked thirty thousand pairs of twins in Australia for the previous twenty years, and given them literally hundreds of surveys, and measurements, and experiments over the years. And they were just starting to collect DNA from all these twin pairs.

And what you have now is big international networks of people working in behavior genetics, sharing their data, publishing papers with fifty or a hundred scientists on the paper, working together and being able to identify, “Hey, here’s where the genes for, like, how sexually promiscuous you are overlap with the genes for this personality trait, or the genes for this physical health trait.”

And it’s amazingly sophisticated. It’s powerful. The datasets are huge. The problem is a lot of that stuff is very politically incorrect, and it makes people uncomfortable. And people are like, “You can’t say that propensities for murdering people are genetic. Or, propensities for having a lot of musical creativity are genetic,” people don’t want to hear that. So there’s a big kind of ideological problem there. But honestly that’s where some of the best research is being done in the behavioral sciences. …

Das Gebiet an sich ist also noch vergleichsweise jung und vergleichsweise wenige Personen sind darin tätig. Was vielleicht auch daran liegt, dass es eher “Grundlagenforschung” ist, ohne das man daraus direkt Medikamente oder Heilmethoden herleiten kann. Zudem ist man in dem Bereich eben schnell in relativ strittigen Bereichen, etwa eben der Frage, wie sich unserer Biologie auswirkt und damit auch bei der biologischen Kränkung.

Dann sagt er noch etwas zu einem meiner Lieblingsthemen, nämlich Status:

[Geoffrey Miller] Well one big thing is I think a lot of the pickup artist guys who quote The Mating Mind book, or refer to evolutionary psychology, get all obsessed with status, and they talk about alpha males, and beta males, and gamma males, and omega males, and whatever. Status, status, status. And that’s fine. Status is important, no doubt.

But the idea that you can simply categorize human males into, “Oh, you’re an alpha. You’re a beta.” That works for gorillas. It works for orangutans, where the different statuses are actually associated with different body sizes. Like an alpha orangutan is literally twice as heavy as a beta orangutan, and has huge cheek pads, and the beta doesn’t. And they have completely different mating strategies.

But for humans, status is way more complicated. It’s fluid, it depends on context. …

 Ich bin auch der Auffassung, dass es keine strikte Unterteilung in Alpha und Beta gibt, keine feste Grenze, sondern dass es ein sehr stark kontextabhängiger Bereich ist, der einer starken kulturellen Ausgestaltung unterliegt, wenn es auch bestimmte Regeln gibt, nach denen es verläuft. Das hat bereits häufig zu der Kritik geführt, dass mit dieser Fluidität der gesamte Begriff wertlos ist. Was aus meiner Sicht falsch ist: Soziale Hierarchien können vielfältig ausgeprägt sein und stark subjektiv sein: Wer für den einen Bodensatz der Gesellschaft ist mag aus der Sicht eines anderen eine rankhohe Person sein, weil er in der jeweiligen Welt einen hohen Rank hat (ein klassisches Beispiel wäre wieder der Punker, der aus Sicht eines Bankers vielleicht Bodensatz der Gesellschaft ist, in seiner Gruppe aber der Anführer. Oder der Sektenführer, der aus Sicht von Leuten außerhalb der Sekte ein Spinner, innerhalb dieser aber ein Gott ist.
Schon weil wir heute in großen Gruppen leben, in denen zahlreiche Gruppenstrukturen sich überschneiden und durchdringen oder auf Ebenen nebeneinander liegen, und wir gleichzeitig starke formelle Gleichheit anstreben,  ist bei uns Status zwangsläufig kompliziert: Es ist kein einfaches “Ich bin stärker” oder “ich kann mir lauter auf die Brust trommeln”, sondern es ist in kulturelle Zeichen eingebunden, die je nach Gruppe einen eigenen Wert oder eine andere Signalstärke haben.
Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 28. Februar 2015

Selbermach Samstag 125 (28.02.2015)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs?

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

“Der Jüngling” hat mal wieder einen interessanten Artikel geschrieben, in dem es darum geht, wie man ein Thema angeht. Ich finde das vieles von meiner eigenen Position wieder:

Wirklich interessant aber wird es, wenn eine der seltenen Gelegenheiten eintritt, tatsächlich auf eine Feministin zu treffen.

Meine Erfahrung hierbei ist: Sie sind mir nicht gewachsen – argumentativ. Woran liegt das? Bin ich superintelligent oder im Besitz der letzten Wahrheit? Das behaupte ich nicht; ich habe eine andere Ursache ausgemacht, nämlich dass die feministischen Führerinnen und Informationsquellen ihre Leserinnen schlicht falsch informieren. Eine Antje Schrupp rät ihren Anhängerinnen, sich in eine Filter-Bubble einzuschließen; das Dossier der Emma über die pöhsen Maskulisten gibt kaum ihre inhaltlichen Positionen wieder sondern arbeitet fast ausschließlich mit Ad-Hominem-Argumenten und Diffamierungen; und eine Magda rät auf Freitag.de dazu, nicht die originalen Quellen des Maskulismus zu studieren, da dies unnötig sei und es reiche, die feministische Sekundärlektüre zu lesen, um sich ein Urteil zu bilden. Da aber Antimaskulistinnen nur Strohpuppen abbrennen, wie zum Beispiel, dass Maskulisten nur verlorenen, männlichen Privilegien hinterhertrauern oder einen solchen Verlust befürchten würden; dass sie rechts seien und in ideologischer Nähe zu einem Massenmörder wie Breivik; dass es sich um Frauenhasser handeln würde; führt diese Fehlinformation dazu, dass eine Feministin chancenlos ist, wenn es zu einer Auseinandersetzung kommt mit einem Maskulisten, der sich gut auskennt – besonders wenn er links-liberal ausgerichtet ist.

Das ist auch meine Erfahrung: Die meisten Feministinnen machen sich nicht die Mühe, sich wirklich mit dem Thema zu beschäftigen. Sie wollen nicht das Thema an sich verstehen, sie wollen häufig genug noch nicht einmal die feministische Theorie selbst verstehen, häufig reicht es ihnen die Position zu kennen ohne die Begründung dafür nachvollziehen zu wollen. Es geht in dem Bereich eben eher um IDPOL, also den Aufbau einer Identität, um eine moralische Wertung.

Das ist auf der Stufe der “MeinFeminismu-Feministinnen” besonders ausgeprägt, weil sie sich häufig einem theoretischen Überbau komplett verweigern und lediglich einzelne Positionen beziehen, was fast zwangsläufig dazu führt, dass sie noch anfälliger dafür sind, sich in interne Widersprüche zu verstricken. Aber auch im theoretischen Feminismus erfolgt keine ernsthafte Hinterfragung der eigenen Position und es besteht kein Wunsch, diese tatsächlich zu hinterfragen bzw. sich mit Gegenargumenten auseinanderzusetzen.

Der Jüngling schreibt weiter:

Auf meiner Seite hingegen besteht nicht die Gefahr, dass mir derselbe Fehler unterläuft. Ich informiere mich über Feminismus nicht nur bei Antifeministen, sondern auch bei den Originalquellen. In meinem Regal steht nicht nur “Wir Alphamädchen”, sondern auch “SCUM”, “Hilfe, mein Sohn wird ein Macker”, “Nur ein toter Mann ist ein guter Mann”, “Die neue F-Klasse” und weitere; ich leihe mir auch einschlägige Titel (Schwarzer, de Beauvoir) in der Bibliothek aus; ich surfe tagtäglich die wichtigsten feministischen Seiten an, wie z.B. EMMA,Mädchenmannschaft oder KleinerDrei (mehr als 3.000 Fans bei Facebook), um nur wenige zu nennen. Ich bin rundum informiert, ich kenne jede feministische These, und habe auf nahezu alles sofort eine Antwort parat. Feminist-Splaining funktioniert bei mir nicht.

Das ist der entscheidende Unterschied: Ich kenne den Feminismus tatsächlich; die meisten Feministinnen kennen zum Maskulismus nur Diffamierungen, Lügenmärchen und die Nazi-Keule. Das führt dazu, dass eine Feministin aufläuft, wenn sie außerhalb ihrer Filter-Bubble mal auf einen Maskulisten trifft und sich auf eine Diskussion einlässt.

Das ist bei mir ebenso, man könnte mich – wenn man die Reihe biologischer Bücher ausblendet und in das richtige Bücherregal schaut – problemlos für einen Feministen halten. Auch die Reihe von biologiekritischen Büchern wie etwa das Buch von Cordelia Fine ist recht lang. Ich kann problemlos bei feministischer Theorie mitreden und bei den paar Malen, bei denen das im “realen Leben” erfolgte war es auch so, dass ich in der Regel wesentlich mehr über Feminstische Theorie wusste als die betreffende Feministin. Im Netz macht man immer wieder die Erfahrung, dass viele Feministinnen entweder keine Ahnung haben oder die Diskussion vorher noch nicht geführt haben. Im letzteren Fall zeigt sich dies daran, dass sie voller Überheblichkeit ein altbekanntes Argument vorbrachten und anscheinend nicht darauf vorbereitet waren, dass man das recht leicht aushebeln kann. Leider erschlägt man die Gegenseite dann auch schnell: Wenn man auf diverse Sonderfälle oder Studien verweist, die deutlich machen, dass die Geschlechterrollen nicht rein sozial konstruiert sind oder diverse Fälle anführen kann, bei denen der radikale Feminismus einfach recht erkennbar im negativen Sinne radikal ist, dann wird man gerade bei jemanden, der aus seiner Blase noch nicht herausgekommen ist, auch kaum eine Erwiderung erwarten können.

Warum lese ich feministische Theorie im Original bzw. versuche die diesbezüglichen Theorien nachzuvollziehen? Weil es aus meiner Sicht der beste Weg ist, ein Thema zu verstehen. Man muss sich nicht nur mit der Theorie beschäftigen, die die eigene Position bestätigt, sondern auch mit den Gegenargumenten und überlegen, warum sie nicht zutreffen. Erst wenn man man auch das verstanden hat, hat man das Thema wirklich durchdrungen. Das ist mein Anspruch an mich bei einem solchen Thema und dafür ist das Lesen der Originalschriften zwingend erforderlich, weil man dann dort die tatsächlichen Gedankengänge, auf die sich die Vertreter stützen, abgleichen kann und in voller Länge aufnehmen kann. Liest man nur die kurze Abhandlung, mit der jemand die gegnerische Position zusammenfasst, dann ist das nicht das gleiche, weil man dabei zwangsläufig bestimmte Teile weglassen muss.

Es hilft einem auch ansonsten, viel zu dem Thema gelesen zu haben: Einmal fällt ein wichtiges Autoritätsargument weg. Mir wird in Diskussionen oft entgegen gehalten, dass ich doch einfach mal Butler, Fine, Voss und wen nicht noch alles lesen sollte, da stehe doch drin, dass ich unrecht habe. Ich kann recht einfach darauf verweisen, dass ich es habe. Und, das wäre ein zweiter Vorteil, ich kann häufig sagen, dass es da eben nicht drin steht und das dort sogar etwas anderes drin steht, als viele Feministinnen glauben und auch etwas zu den dort verwendeten Argumenten sagen. Ich kann zB darauf verweisen, dass Butler in ihren Büchern selbst zugibt, dass sie keine Ahnung von Biologie hat und ich kann darauf verweisen, dass sie sich mit David Reimers nur sehr unzureichend auseinandergesetzt hat und das sie sich auf keinerlei Studien stützt, sondern strikt philosophisch-abstrakte Überlegungen anstellt. Ich kann anführen, dass Voss auf die modernen biologischen Theorien quasi nicht eingeht, in dem kurzen Abschnitt, in dem er das macht, allerdings darauf hinweist, dass diese den Diskurs dominieren, also in der Wissenschaft überwiegend vertreten werden. Ich kann darauf verweisen, dass Fine gar nicht die biologischen Theorien widerlegt, wie viele Feministinnen meinen, sondern vielmehr in dem Buch wiederholt anführt, dass diese stimmen könnten, es aber noch nicht bewiesen ist (und ob die Feministin sich da anschließen oder Fine widersprechen will). Was einem gleich zum dritten Grund bringt, warum man solche Bücher lesen sollte: Sie bringen einem in der Regel sehr gute Gegenargumente, bei dem der andere entweder die Quelle, auf die sie sich bisher berufen hat, abwerten muss oder dies dann zugestehen muss.

Ebenso wie “Der Jüngling” habe ich daher das Gefühl, dass ich mich ohne Probleme auf jede Diskussion mit einer Feministin einlassen kann, ich habe theoretische Diskussionen schon diverse Male durchgespielt und mir überlegt, wie ich eine solche Diskussion aufbauen könnte, welche Argumente man wie entkräftet, wie man ein paar schöne Fallen aufstellen könnte, die klassische feministische Positionen aushebeln etc. Ich würde gerne mal mit Alice Schwarzer oder zumindest Marthadear oder einer anderen der theoretischeren Feministinnen diskutierten. Ich vermute, dass Alice Schwarzer dabei noch am besten wegkommt, weil sie ein Profi ist, der diverse Debatten dieser Art schon geführt hat, sie ihre Schäfchen im trockenen hat und sie nicht mehr so moralisch entrüstet wäre, wie Laura Dornheim oder Marthadear in solchen Diskussionen. Sie würde vermeintlich wesentlich mehr ausweichen und die Sache herunterspielen, wohingegen jemand, der solche Sätze wie “Für ganz viele Frauen ist es extrem schlimm einfach schon auf die Straße zu gehen” sagt und glaubt eigentlich recht einfach in die Enge zu treiben sein sollte. Bei Alice wäre es interessant, ob man sie dazu bringen könnte, sich von ihren älteren, sehr radikalen Aussagen, etwa der Zwangsheterosexualität, zu distanzieren oder nicht.

Aber natürlich ist es leicht, in seinem Kopf der Sieger einer solchen Diskussion zu sein: Man muss ja gar nicht so theoriefest sein, wenn die Gegenseite es schafft, einen damit zu beschäftigen, dass man sich von Strohmännern distanziert, dann kann sie eine Diskussion bezüglich moralischer Positionen ebenso an sich ziehen und das Gespräch für sich gewinnen. Je nach Moderation läßt sich mit “Frauen verdienen weniger und das muss geändert werden” und “Sexuelle Gewalt gegen Frauen ist schlecht, da muss man was ändern” und “Als Mann kann man sich das eben nicht vorstellen, als Frau ist es Alltag” recht weit kommen, als Gegenargument gegen Erwiderungen reichen dann Variationen von “Damit werden die Probleme nur heruntergespielt” und “Machtwahrung” wahrscheinlich erstaunlich weit. In einer Talkshow lassen sich Argumente wie “Frauen verdienen weniger” und “jede dritte Frau wird vergewaltigt” letztendlich nicht wirklich widerlegen, da man dort nicht die Zeit und auch nicht die Möglichkeit hat, die Fakten und die Studien darzustellen, man kann allenfalls die Hauptargumente anführen und der Zuschauer kann entscheiden, wem er glaubt oder ob er interessiert genug ist, mehr zu lesen.

Ich finde es dennoch immer schade, wenn jemand es ablehnt, sich mal mit den Argumenten der Gegenseite zu beschäftigen. Ich glaube, dass man daran sehr viel lernen kann und finde daher den Ansatz, den “der Jüngling” verfolgt, sehr empfehlenswert. 

Ich würde jedem, der über ein Thema diskutieren will, 2-3 Bücher von beiden Seiten zu lesen, erst dann versteht man das Thema wirklich. Ich würde also Feministinnen etwa diese Bücher empfehlen, aber auch zB Warren Farrell “Myth of Male Power” . Ich würde jedem, der Pickup kritisieren will, raten tatsächlich einmal David De Angelo und Mystery oder Neil Strauss im Original zu lesen, aber eben auch jedem Maskulisten Judith Butler und Simon de Beauvoir uä, jedem der biologischen Theorien anhängt Fine oder Fausto-Sterling. Es erweitert den Horizont und regt zu kritischen Denken an.

 

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 27. Februar 2015

David Geary “Evolution of trait vulnerabilites”

(via)

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 27. Februar 2015

“Mach uns nicht zum Sexobjekt” vs. “Wer gegen uns ist, der bekommt keinen Sex”

Ich las neulich einen Tweet, den ich interessant fand:

 

“One minute the feminist message is “don’t treat us as sex objects” and the next it’s “go against us and you get no pussy”

Der erste Teil, die Aufforderung Frauen nicht wie Sexobjekte zu behandeln, ist insoweit klar und eine häufige feministische Forderung. Der zweite Teil, also “Wenn du etwas gegen uns machst, dann bekommst du keinen Sex” ist weniger tatsächlich ausgesprochener Teil feministischer Drohungen, wohl aber schwingt es als Forderung von Frauen mit, denn das ist letztendlich das große Druckmittel: “Wir ächten dich als Frauenfeind und dann will keine Frau mehr was von dir und du bekommst keinen Sex”

So richtig festmachen kann ich diesen Teil gerade nicht, er klingt aber denke ich häufig mit an, sei es in der Art, wie man Gegner beleidigt oder wie man Kritik in Ablehnung von Frauen allgemein ummünzt.

Es wäre interessant, ob sich dieser Gedanke tatsächlich im Feminismus finden läßt bzw. inwieweit Frauen ihn sonst verwenden.

Der angedrohte “Sexboycott” und sei es in Form der Ablehnung des jeweiligen Mannes ist sicherlich ein klassisches Druckmittel im Geschlechterkampf

Auch einen anderen Tweet als Antwort darauf fand ich interessant:

“. don’t forget the whole “don’t judge my appearance but u have 2 find me attractive or u r sexist but if u do u r a rapist” logic”

Das Bewerten einer Frau oder die Wahrnehmung einer Frau als schön und sexy ist falsch, jede Frau muss aber wiederum sexy gefunden werden, weil man sonst ein Fatshamer oder was auch sonst noch immer ist, was einen dann wieder aufgrund der Objektifizierung zu einem Förderer der Rape Culture machen kann.

Ein teilweise passendes Bild dazu könnte dies hier sein:

Dritte Welle Feminismus und Frauen zum Objekt machen

Dritte Welle Feminismus und Frauen zum Objekt machen

 

 

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 26. Februar 2015

“Frauen sind schlechtere Unterhaltszahler als die Männer”

Bei RTL findet sich ein Beitrag zu Frauen, die Unterhalt für ihre Kinder zahlen sollen. Dazu heißt es:

Fast jede dritte Frau, die ihre Familie verlässt, entzieht sich ihren Unterhaltsverpflichtungen. Laut Statistik des Ministeriums für Familie zahlen 24 Prozent der Männer nicht, bei Frauen sind es 31 Prozent. “Es ist weitaus schwieriger von einer Mutter Unterhalt zu kriegen, als von einem Vater”, weiß Astrid Leonhardt. Die ehemalige Rechtspflegerin hat jahrelang beim Jugendamt gearbeitet und schult inzwischen andere Jugendamts-Mitarbeiter in Sorgerechts- und Unterhaltsfragen.

Hier muss man sich erst einmal bewusst machen, dass “zahlen keinen Unterhalt” bedeutet: Es kann einmal daran liegen, dass diejenige nicht zahlt, weil sie nicht kann oder weil sie sich schlicht weigert, obwohl sie leistungsfähig wäre. Das gilt bei Männern ebenso.

Leistungsfähig ist, wer genug Geld verdient, um ein Nettoeinkommen (abzüglich berufsbedingter Aufwendungen etc) in Höhe des Kindesunterhalt zuzüglich seines Selbstbehalts zu haben.

Laut Düsseldorfer Tabelle liegt der Selbstbehalt beim Kindesunterhalt (für minderjährige Kinder) in der folgenden Höhe:

Existenzminimum des unterhaltsberechtigten Ehegatten einschließlich des trennungsbedingten
Mehrbedarfs in der Regel:
1. falls erwerbstätig: 1.080 EUR
2. falls nicht erwerbstätig: 880 EUR

Der gleichen Tabelle läßt sich auch der Kindesunterhalt entnehmen, für ein 7jähriges Kind wäre demnach eine Mindesunterhalt von 272 € (nach Abszug des hälftigen Kindergeldes) zu zahlen. Demnach müsste die unterhaltspflichtige Person ein Mindesteinkommen von 1080 € + 272 € = 1352 € haben.Das erfordert bei Steuerklasse I ein Einkommen von ca. 1970 € brutto. Was für eine ungelernte Kraft oder eine Kraft, die wenig Berufserfahrung hat oder in einem schlecht bezahlten Beruf arbeitet, schon eine ziemliche Hürde ist.

Kommt noch ein zweites Kind hinzu, dann wird dies noch schwieriger. Dann würde man bei einem weiteren Kind in der Altersstufe bereits 1080 € + 272 € + 272 € = 1624 € netto, also ca. 2500 €.

Vor diesem Hintergrund verwundert es aus meiner Sicht wenig, dass viele Väter und noch mehr Mütter keinen Unterhalt zahlen können. Eine Frau, die beispielsweise eine Putzstelle hat, wird dies kaum erwirtschaften können, eine Arzthelferin wird auch ihre Probleme haben. Eine bisherige Hausfrau, die aus bestimmten Gründen die Kinder nicht zugesprochen bekommt, wird diese Beträge erst recht nicht aufbringen können. Das gilt bei Männern ebenso: Der ungelernte Hilfsarbeiter kann diese Beträge nicht verdienen, wer sich in Leiharbeit irgendwie durchschlägt auch nicht.

Natürlich ist die Rechtsprechung in diesem Bereich sehr hart: Man muss gegebenenfalls einen Nebenjob annehmen, man muss auch ansonsten alles mögliche tun, um sicherzustellen, dass man den Mindestunterhalt verdient.

Macht man dies nicht, dann kann einem ein fiktives Einkommen in der Höhe unterstellt werden, dass man erzielen könnte, wenn man sich hinreichend bemüht hätte. Dann wird einem eine fiktive Leistungsfähigkeit unterstellt, aber auch hier kann man einem nackten Mann oder einer nackten Frau nicht in die Tasche greifen. Es sammeln sich dann lediglich Schulden an, die aber bei vielen das Gefühl, dass es sich dann eh nicht mehr lohnt, sich um eine Arbeit zu bemühen, eher verstärken.

Den Mindestunterhalt gerichtlich festgesetzt zu bekommen ist relativ einfach, wenn ein gewisses Einkommen vorhanden ist. Die Gerichte gehen grundsätzlich davon aus, dass man für den Mindestunterhalt leistungsfähig sein muss und alle anderen Zahlungen dahinter zurückstehen. Entziehungsmöglichkeiten abseits einer Flucht aus dem Land sind dann quasi nicht vorhanden.

Ein Ausweg ist dann meist lediglich, die Leistungsfähigkeit zu bestreiten und ggfs gesundheitsbedingte Gründe vorzubringen, aus denen heraus man gegenwärtig nicht arbeiten kann.

Das Frauen häufiger nicht zahlen können muss insofern nicht damit zusammenhängen, dass sie sich der Unterhaltspflicht hinterhältig entziehen. Das gilt ebenso für Männer. Der Vorwurf wird häufig auf beiden Seiten unfair sein. Es handelt sich häufig schlicht um Leute ohne besondere Ausbildung, kranke Menschen, Leute, die auf dem Arbeitsmarkt nicht vermittelbar sind oder jedenfalls nicht zu den entsprechenden Löhnen. Bei Frauen kommt evtl noch der Umstand dazu, dass Frauen üblicherweise eher die Kinder bekommen und damit die Wahrscheinlichkeit, dass bei einer Frau, die die Kinder nicht bekommt, besondere Umstände vorliegen, die sie sowohl hindern, die Kinder zu bekommen als auch Geld zu verdienen, höher ist. Das kann zB eine starke Depression sein oder andere Umstände.

Ein gewisser Teil kann auch darauf zurückgehen, dass Frauen weniger bereit sind entsprechenden Unterhalt zu zahlen, weil sie meinen das als Frau nicht zu müssen. Das greift aber auch nur dann, wenn sie deswegen keinen Job haben, da ansonsten ihr Einkommen schlicht gepfändet werden kann.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 25. Februar 2015

Die Vorteile der Ehe

Ein Artikel in der Süddeutschen fasst die Vorteile der Ehe in rechtlicher Hinsicht zusammen:

Wenn ein verheiratetes Paar ein Kind bekommt, hat das Baby rechtlich gesehen ganz automatisch Mutter und Vater. Das Sorgerecht liegt bei beiden gemeinsam. Sind die Eltern allerdings nicht verheiratet, muss der Vater seine Vaterschaft beim Jugendamt oder einem Notar erst anerkennen lassen. Außerdem muss das Paar eine gemeinsame Sorgeerklärung abgeben. Waren die Aussichten lediger Väter nach einer Trennung früher reichlich düster, wurden ihre Rechte 2013 gestärkt. Das Gesetz geht jetzt davon aus, dass das gemeinsame Sorgerecht auch bei fehlender Heiratsurkunde der Idealfall ist.

Also zumindest der Vorteil, dass man innerhalb der Ehe keine besonderen Anerkenntnisverfahren braucht und alles gleich geregelt ist (Nachteil: Man ist auch dann der Vater, wenn man es eigentlich nicht ist)

Die gemeinsame Adoption eines Kindes ist in Deutschland nur verheirateten Paaren möglich. Ist ein Paar nicht verheiratet, kann nur einer von beiden das Kind adoptieren – wobei viele Jugendämter in Deutschland Adoptivkinder generell nur an Eheleute vermitteln. Männer und Frauen in eingetragenen Lebenspartnerschaften können dank einer Gesetzesänderung vom Mai 2014 das Adoptivkind des Partners nun auch als ihres annehmen.

Das Adoptionsrecht setzt voraus, dass man verheiratet ist. Der Gedanke dahinter ist, dass man dem Kind eine gewisse Verlässlichkeit der elterlichen Paarbindung geben will.

Egal, wie lange man zusammenlebte: Wenn der Lebenspartner stirbt und es gibt keine standesamtliche Beglaubigung dieser Beziehung, ist der Hinterbliebene für das Gesetz unsichtbar. Das heißt, er hat keinerlei Anspruch, etwas zu erben. Zwar verfassen viele Menschen deswegen ein Testament – doch selbst dann sind nicht Verheiratete deutlich schlechter gestellt. Während für Eheleute und eingetragene Lebenspartner bei einer Erbschaft ein Freibetrag von 500 000 Euro gilt, liegt dieser bei nicht Verheirateten bei 20 000 Euro, obendrein entfallen Steuervorteile.

Steuerbegünstigungen in der Erbschaft können erhebliche Vorteile bringen, wenn beispielsweise der eine Partner in einem Haus leben möchte und man in der Hinsicht kein gemeinsames Eigentum hatte oder andere Vermögen übertragen werden sollen. Die Freibeträge in der Schenkungssteuer sind ebenfalls höher.

Mieten und Wohnen

Wer darf mit in die Mietwohnung? Wer seinen Ehepartner einziehen lassen will, muss den Vermieter vorher nicht um Erlaubnis bitten – wer nicht verheiratet ist dagegen schon. Allerdings hat der Vermieter praktisch keine Chance, dieses Anliegen zu verwehren, es handelt sich also vor allem um eine Formsache.

Also ein eher kleiner Vorteil.

Auch bei Wohneigentum kann eine Heiratskurkunde einen Unterschied machen. Vielerorts verbreitete Einheimischenmodelle, die auch für Bürger mit mittlerem Einkommen Wohneigentum erschwinglich machen sollen, berücksichtigen bei der Vergabe von Immobilien nicht nur die Finanzlage des Haushalts und wie viele Kinder dort leben. Mitunter ist auch ausschlaggebend, ob die Interessenten verheiratet sind.

Erscheint mir auch eher ein geringer Vorteile. Allerdings bin ich ja auch kein Bayer, wo es diese Modelle wohl gibt.

Unterhalt und Rente
Unverheiratete Paare können sehr wohl eine Bedarfsgemeinschaft im Sinne des Gesetzes bilden, wenn es zum Beispiel um den Zugang zu Sozialleistungen geht. Unterhaltsrechte gelten zwischen Partnern ohne Trauschein zunächst jedoch keine – außer, sie haben gemeinsame Kinder. Dann hat, wer sich um das Kind kümmert, einen Anspruch auf finanziellen Ausgleich.

Das ist etwas simpel gefasst: Das Kind hat Anspruch auf Unterhalt. Beim Betreuenden kommt es auf das Alter des Kindes an.

Bis vor wenigen Jahren gab das Gesetz Verheirateten eindeutig den Vorzug, stellte die Ansprüche einer kinderlosen Ex-Frau zum Beispiel auf eine Stufe mit denen unehelicher Kinder. 2008 wurde diese Ungleichbehandlung mit dem neuen Unterhaltsgesetz abgeschafft. “Ehefrauen und Partnerinnen sind allesamt eine Reihe nach hinten gerutscht”, sagt Almuth Zempel, Familienrechtlerin aus Saarbrücken, “Kinder, egal ob eheliche oder uneheliche haben Vorrang.” Allerdings gibt sie zu bedenken, dass die Lage vieler Eltern durch das Gesetz auch unsicherer geworden ist, da es auf allgemeine Entscheidungen verzichtet und auf Einzelfallgerechtigkeit setzt.

Die Rangfolge im Unterhalt ergibt sich aus § 1609 BGB:

§ 1609 Rangfolge mehrerer Unterhaltsberechtigter
Sind mehrere Unterhaltsberechtigte vorhanden und ist der Unterhaltspflichtige außerstande, allen Unterhalt zu gewähren, gilt folgende Rangfolge:

1. minderjährige unverheiratete Kinder und Kinder im Sinne des § 1603 Abs. 2 Satz 2,
2. Elternteile, die wegen der Betreuung eines Kindes unterhaltsberechtigt sind oder im Fall einer Scheidung wären, sowie Ehegatten und geschiedene Ehegatten bei einer Ehe von langer Dauer; bei der Feststellung einer Ehe von langer Dauer sind auch Nachteile im Sinne des § 1578b Abs. 1 Satz 2 und 3 zu berücksichtigen,
3. Ehegatten und geschiedene Ehegatten, die nicht unter Nummer 2 fallen,
4. Kinder, die nicht unter Nummer 1 fallen,
5. Enkelkinder und weitere Abkömmlinge,
6. Eltern,
7. weitere Verwandte der aufsteigenden Linie; unter ihnen gehen die Näheren den Entfernteren vor.

In der Tat sind hier die Ehefrauen und Partnerinnen nach hinten gerutscht. Ist allerdings für den Fall, dass man nur Kinder von einer Partnerin hat, für diese relativ egal, da das Geld ja eh auf ein Konto geht

Wer nicht verheiratet oder verpartnert ist und seinen Partner auch im Fall des eigenen Ablebens absichern möchte, muss dies privat tun. Weder in der gesetzlichen Renten- noch in der Unfallversicherung kommt der standesamtlich nicht erfasste Partner vor. Der Hinterbliebenenschutz der Riesterrente steht ebenfalls nur Ehegatten und Kindern zu.

Das ist ein sehr erheblicher Nachteil und sicherlich auch ein Punkt, der einige Männer, die ohne Trauschein mit Partnerin und Kind leben, dazu bringt, doch noch zu heiraten: Was ist, wenn man stirbt und die Partnerin, die bisher die Kinder betreut, dann nichts hat? Will man nicht für ihre Absicherung sorgen? DAs kann schon ein erheblicher Druck sein.

Briefgeheimnis
Ob das ein Vorteil gegenüber einer nicht-amtlichen Beziehung wäre, sei dahingestellt: Es ist ein weitverbreiteter Irrglaube, dass das Briefgeheimnis in der Ehe nicht gilt. Tatsächlich aber haben auch verheiratete Partner nicht das Recht, die Post des anderen zu öffnen. Das hat der Bundesgerichtshof schon vor 24 Jahren klargestellt. Zwar schütze das Briefgeheimnis in erster Linie private Korrespondenz vor staatlicher Überwachung, hieß es in der Entscheidung 1990. Doch ganz generell diene es auch “der Abschirmung gegen die Neugier Dritter”. Ein Dritter, das kann die neugierige Nachbarin sein – oder die Ehefrau.

Letztendlich ein eher wenig bedeutsames Recht. Viel daraus herleiten kann man nicht, auch wenn eine Strafbarkeit bei ungeöffneten oder weggeschlossenen Briefen besteht.

Krankenhaus
Wer nicht offiziell verwandt ist, kann es schwer haben, wenn es darum geht, von Ärzten oder Krankenhäusern Auskunft zu erhalten. Informationen über den Gesundheitszustand eines Patienten, so die weiterverbreitete Regel, werden nur Angehörigen erteilt. Eine Vorsorgevollmacht (hier alle Informationen dazu) ist hier besonders hilfreich.

Das kann im Ernstfall auch noch mal interessant sein, ist aber immerhin durch eine entsprechende Vollmacht zu lösen.

Es gibt Friedhofsordnungen, in Berching im Altmühltal oder in Rosenheim zum Beispiel, laut derer in einem Familiengrab nur unmittelbare Verwandte bestattet werden dürfen. Wer seinen Lebenspartner – oder jemand anderen – in einem solchen Grab beisetzen möchte, müsse dies extra beantragen. Die Rechtslage sieht jedoch anders aus. “Jeder, der das Nutzungsrecht für ein solches Wahlgrab kauft, kann entscheiden, wer dort bestattet wird”, sagt der Bestattungsrechtler Torsten Barthel. “Ganz egal, ob verheiratet, unverheiratet, lesbisch oder schwul, oder gar nicht verwandt.” Die einzige Ausnahme sei, dass mancherorts nur Einwohner der Stadt oder der Gemeinde auf einem Friedhof beigesetzt werden dürften.

Das wäre auch ein eher ein kleineres Problem aus meiner Sicht. Aber ich gebe zu, mich damit auch noch nicht beschäftigt zu haben.

Nicht angesprochen sind hier aus meiner Sicht die Vorteile einer gemeinsamen Veranlagung gerade für den Fall, dass einer der beiden über längere Zeit wegen der Kinderbetreuung aussetzt. Das kann für diesen Fall bei einem höheren Einkommen des anderen einen erheblichen Vorteil bringen und wäre aus meiner Sicht neben der Alterversorgung bzw. der Versorgung mit Todesfall der maßgeblichste Vorteil.

Würde man bei diesen Vorteilen eine anderweitige Lösung finden, sei es durch eine “Ehe light” oder eine andere Form der Absicherung für diese Fälle könnte ich mir vorstellen, dass die Heiratsraten erheblich sinken.

So ist es eben für den Mann, der nicht heiraten will, weil er sonstige Nachteile fürchtet, aber in einer glücklichen Beziehung mit Kind lebt, ein gewisses Dilemma: Er will natürlich, dass Freundin und Kind versorgt sind, selbst wenn ihm etwas passiert und möchte vielleicht auch das Familienleben auf eine bestimmte Weise ausgestalten, etwa weil es sehr stressig sein kann, wenn beide Vollzeit arbeiten und man ein oder mehr sehr kleine Kinder hat und man auch ansonsten kein gutes Gefühl dabei hat, das Kind mit einem Jahr in den Hort zu bringen. Aber in diesen Fällen benachteiligt es den Partner, der aussetzt bzw. es entsteht dann dort eine gewisse Unsicherheit, an der man sich hochziehen kann: Was ist, wenn was passiert? Willst du wirklich, dass dein Kind dann nichts hat? (es hätte eine Waisenrente, aber weniger als bei einer Hochzeit) Ist es fair, wenn sie weniger in ihre Rente einzahlt und für die Familie aussetzt?

Ehe ist erst einmal ein kooperatives Spiel. Wenn einer von beiden deutlich macht, dass er nicht darauf vertraut, dass sein Partner ebenfalls kooperativ spielt, dann lohnt es sich auch für den anderen nicht, sondern auch dieser sollte dann unkooperativ spielen. Wenn man nur das dumme Gefühl hat, dass man ja nie sicher sein kann, ob der andere nicht doch irgendwie sich irgendwann trennt, dafür aber gegenwärtig keine Grundlage hat, dann fühlt sich das schlecht an. Und der andere kann auch zurecht fragen, warum man ihm nicht traut. In diesem Dilemma kann das Mißtrauen dann eine sich selbst erfüllende Prophezeiung werden oder zu einer mit einem schlechten Gefühl eingegangenen Ehe führen.

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