Klarnamenpflicht im Internet

Gerade wird wieder mal die Klarnamenpflicht im Internet diskutiert:

Diese Anonymität ist dem Bundestagspräsidenten ein Dorn im Auge, Wolfgang Schäuble (CDU) möchte sie aufheben. „Für eine offene Gesellschaft ist es schwer erträglich, wenn sich die Menschen bei Debatten im Internet nicht offen gegenübertreten“, sagte der ehemalige Bundesinnenminister dem SPIEGEL. Zu oft würden „Privatleute und Personen des öffentlichen Lebens gerade unter dem Schutz der Anonymität beleidigt und bedroht“.

Da bin ich anderer Meinung: Eine freie Gesellschaft braucht die Möglichkeit sich anonym äußern zu können. Denn wer unbequemes nicht sagen kann, weil er befürchten muss, dass er von den Mächtigen (sei es der Staat oder anderen Gruppen) angegriffen wird, der wird seine Kritik für sich behalten.

Natürlich kann man dagegen halten, dass so etwas feige ist und das man dazu stehen soll und dies erst eine tatsächliche Debatte ermöglicht, zumal ja auch die Angreifer dann nicht mehr anonym sein können. Aber das ist eben sehr relativ, wenn man befürchten muss, dass einem über Maßnahmen gegen den Arbeitgeber oder das eigene Geschäft die Lebensgrundlage von einem selbst und seiner Familie angegriffen wird oder diese Familie oder Geschäftspartner ebenfalls zum Ziel von Angriffen werden.

„Wer seine Meinung äußert, sollte auch dazu stehen können“, sagte Schäuble nun. „Ich wünsche mir, dass die Verrohung im Netz nicht achselzuckend hingenommen wird.“ Der einflussreiche CDU-Mann verwies bei seinem Vorstoß auf den Plan für ein sogenanntes digitales Vermummungsverbot etwa in Österreich, wo gerade ein entsprechender Gesetzentwurf beraten wird.

Die Pläne im Nachbarland sehen vor, dass sich Nutzer von Onlineplattformen mit mehr als 100.000 Mitgliedern zunächst mit ihren Namen sowie Adressdaten identifizieren und registrieren müssen, Nachrichten-Webseiten eingeschlossen. Wer strafbare Inhalte postet, könnte dann mit Hilfe der Betreiber schneller gefunden und belangt werden, so die Theorie. Seitenbetreiber, die der Registrierungspflicht nicht nachkommen, könnten im Wiederholungsfall mit Strafen von bis zu einer Million Euro belangt werden.

Solche Registrierungen hätten schon den Nachteil, dass man sich über ein VPN von überall auf der Welt einloggen kann und man so etwas kaum weltweit durchsetzen kann. Was aber natürlich die Sache dennoch schwieriger macht.

Wobei das natürlich relativ ist: Über meine IP-Daten bin ich bereits jetzt zu ermitteln und in diversen Diensten ist auch meine Telefonnummer hinterlegt, die ebenfalls eine Zuordnung möglich macht.

Interessant ist ein Hinweis auf Südkorea:

Studien zufolge bringen Klarnamen ohnehin nicht den von Schäuble erhofften Effekt: Eine Untersuchung in Südkorea etwa, wo es eine Klarnamenpflicht gab, zeigte 2007 einen nur minimal geringeren Anteil beleidigender Äußerungen am Gesamtaufkommen. Das entsprechende Gesetz wurde später vom Obersten Gericht des Landes für verfassungswidrig erklärt. Und Forscher der Universität Zürich stellten 2016 bei der Untersuchung von 532.197 Kommentaren in 1612 deutschen Onlinepetitionen fest, dass Klarnamen „nicht zwingend Online-Aggressionen in sozialen Medien verhindern“.

Was ist eure Meinung zu dem Thema?

Selbermach Samstag 240 (25.05.2019)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, der ist dazu herzlich eingeladen

„Was wäre für dich arbeitstechnisch ideal: Vollzeit, Teilzeit oder Hausfrau/Hausmann?“

Eine Umfrage dazu, was die ideale Arbeitssituation wäre:

At Pew Research, we have tracked people’s work preferences since 1997. The question we ask is: “Considering everything, what would be the ideal situation for you — working full time, working part time, or not working at all outside the home?”

Working part time has consistently been the top choice for women with at least one child under the age of 18 in the three years that the question was asked. Nearly half of mothers (47%) in 2012 said that their ideal situation would be to work part time. The share was 50% in 2007 and 44% in 1997.

Da wäre eine Aufschlüsselung nach Stunden natürlich interessant, denn Teilzeit an sich sagt erst einmal wenig aus.

Among mothers who currently work full time, many would rather not. About 44% say that working part time would be their ideal situation, 9% say not working outside the home would be ideal. Only about half (46%) of full-time working mothers consider their current situation ideal.

Und interessanterweise wollen auch die Vollzeitfrauen sehr häufig reduzieren, wenn sie ideale Bedingungen für sich schaffen könnten und einige würden sogar gerne Hausfrau werden.

On the other hand, mothers who are not employed also think working part time is appealing. Fully four-in-ten say part-time work would be the ideal situation for them, 22% think working full time would be ideal, and 36% are happy with their current situation.

Interessanterweise sind also 36% vollauf zufrieden damit, dass der Partner das Geld verdient bzw sie jedenfalls nicht arbeiten. Wäre interessant das auch noch mal nach dem Alter der Kinder aufzuschlüsseln.

The way mothers view their ideal work situation has fluctuated somewhat over time, and these changing preferences likely reflect changing economic circumstances. The share of mothers preferring full-time work increased sharply between 2007 and 2012 (from 20% to 32%) – an intervening period that included a severe economic recession.

Krisen erhöhen also wie ja durchaus zu erwarten die Bereitschaft zur Vollzeit, einfach weil wahrscheinlich das Geld knapp wird. Gute Zeiten hingegen machen es wahrscheinlich einfacher auszusetzen.

Mothers at the lower end of the income scale are much more likely than more affluent mothers to say that working full time would be the ideal situation for them. In 2012, some 40% of mothers with annual family incomes of less than $50,000 said full-time work would be ideal, compared with 25% of mothers with incomes of $50,000 or higher.

Also wenn der Mann genug verdient, dann will die Frau eher zurückschrauben, verdient er nicht genug, dann wollen sie eher mehr arbeiten.

FT_Married_UnmarriedThe 2012 Pew Research survey also found that single mothers were much more likely than married mothers to say their ideal situation would be to work full time. Single mothers, often the sole provider in their household, have a much lower family income than married mothers, on average. It’s not surprising, then, that among unmarried mothers, nearly half (49%) say that their ideal situation would be to work full time, while 36% say part-time work would be ideal. In contrast, married mothers see part-time work (53%) as more desirable than full-time work (23%). The gap in views between married and unmarried mothers has widened significantly since 2007, when these two groups of mothers had more similar views about their ideal work situation.

Im Endeffekt dreht sich also alles um Geld: Frauen geben die Erwerbsarbeit gerne ab, wenn das nicht geht, dann wollen sie lieber selbst arbeiten als weniger Geld zu haben.

What mothers see as ideal for themselves is similar to what the general public thinks about women with young children. In the same 2012 survey, we asked the public about the ideal situation for women with young children. Nearly half (47%) of the public said that working part time is the ideal situation for women with young children, 33% said not working outside the home is ideal, and another 12% said working full time would be ideal.

Auch insoweit wenig überraschend.

However, when asked about what is the ideal situation for men with young children, a vast majority of the public (70%) says that full time work is ideal. One-in-five think working part time is ideal for fathers, and only 4% say it is ideal for fathers of young children not to work outside the home.

Also ein ganz anderes Bild: 70% meinen der Vater sollte Teilzeit arbeiten, 20% meinen, dass der Vater Teilzeit arbeiten sollte und 4% sind der Meinung, dass der Vater bei idealen Bedingungen zuhause bleiben sollte.

More generally, the public remains conflicted about the impact that women working for pay outside the home has on family life. Most say there are clear economic benefits for families, yet most also say the increasing number of women working for pay has made it harder for parents to raise children. And many say this has made it harder for marriages to succeed.

In der Tat kann das die Kinderaufzucht schwerer machen und häufig verlagert sie sie deutlich nach hinten. Und natürlich kann eine gewisse Eigenständigkeit und Unabhängigkeit, dazu noch kombiniert mit Unterhaltsregelunden, Zugewinn und Versorgungsausgleich auch eine Trennung unkomplizierter machen.

 

Stereotyp, Klischee, Vorurteil

Crumar schreibt in einem Kommentar etwas zu einer interessanten Abgrenzung:

Wieso gab es früher, in der guten alten Zeit der Denk- und Differenzierungsfähigkeit:
1. das Stereotyp,
2. das Klischee,
3. das Vorurteil?
Waren das nur semantische Spielchen oder hatte das einen Sinn?

Das Stereotyp ist ein (situative) Generalisierung auf der Basis individueller oder kollektiver Erfahrungen.
Das Klischee ist die mediale Reproduktion und Verfestigung dieser Stereotype.

Was unterscheidet beide vom Vorurteil?
Dieses steht erstens fest, bevor überhaupt eine Erfahrung gemacht werden konnte und es handelt sich zweitens in 99% aller Fälle um eine Abwertung des Sachverhalts oder der Gruppe.
D.h. das Vorurteil ist in der Regel im Gebrauch pejorativ und irrational verfasst.

Ein Stereotyp kann falsch generalisieren, weil die Summe der konkreten Erfahrungen beschränkt ist und es kann schlicht falsch sein, aber es kann umgekehrt durchaus wahr sein und für die beschränkte Anzahl der Erfahrungen zutreffend.

Warum haben die Postmodernen und Intersektionalisten keine Lust auf diese Differenzierung und was bezwecken sie damit?

Sie behandeln erstens – und das müsste euch aufgefallen sein – jedes (missliebige) Stereotyp wie ein Vorurteil.
Beispiel: „Frauen können schlechter einparken!“
Das darf nicht gesagt werden, denn „das ist ein frauenfeindliches Stereotyp!“ – ist es aber nicht.
Es ließe sich aus der durchschnittlich geringeren Kilometerleistung von Frauen im Jahr rational ableiten, diese hätten – im Schnitt – eine geringere Fahrpraxis und zu dieser Praxis zählt einparken.
Geringere Fahrpraxis -> Beobachtung: schlechtere Fähigkeiten beim einparken.
Handelt es sich also um ein Vorurteil? Definitiv nicht (s. Fahrpraxis und Beobachtung). Eine Verallgemeinerung? Absolut. Aber deshalb per se unwahr? Keineswegs! Eine bewusste Abwertung von Frauen? Nope. Frauen mit überdurchschnittlicher Fahrpraxis parken wahrscheinlich besser ein als Männer mit durchschnittlicher. Trotzdem ist die Aussage für Frauen als Gruppe im Schnitt korrekt, eben weil sie im Schnitt eine geringere haben.

Indem sie aber so tun, als wäre das Stereotyp ein Vorurteil, bestreiten sie rundweg: a. es gäbe eine rationale Grundlage für das Stereotyp, b. individuelle und kollektive Erfahrungen können (in Grenzen) generalisierbar und c. wahr sein.

Das gilt natürlich nicht für die von ihnen verwendeten Stereotype, wonach Frauen bspw. prinzipiell friedfertig, besser kommunizierend und besser im Team arbeitend, da Multitasking begabter sind. Die sind sakrosankt, weil sie eine die eigene Gruppe aufwertende Funktion haben – völlig ungeachtet ihres Wahrheitsgehalts.

D.h. die propagandistische Verwendung des Stereotyps in diesem Sinne (als Vorurteil) dient der Sprach- und Denkkontrolle.
Indem diesem Begriff ein völlig andere Bedeutung untergejubelt und der Versuch gestartet wird, dass sich durch die Propaganda die Bedeutung des Begriffs in ihrem Sinne im Sprachgebrauch durchsetzt.

Haargenau der gleiche Machtkampf beim von ihnen erfundenen Begriff „Maskulinisten“ statt dem wahren „Maskulisten“ – wenn sie sich den Begriff in diesem Sinn als Fälschung unter den Nagel reißen, können sie exklusiv definieren, um was es sich bei „Maskulinisten“ handelt.

Zum Abschluss: wer sich und uns einen Gefallen tun will, lehnt diese Vermischung von Stereotyp, Klischee und Vorurteil ab und besteht auf einer, dieser Differenzierung.

Ich würde ergänzen:

  • Unterschiede im Schnitt sind etwas anderes als Unterschiede als absolute Gruppeneigenschaft
  • Normalverteilungen mit abweichenden Mittelwerten aber sich überlappenden Trägern sind oft weitaus näher an der Wahrheit.

Und natürlich wäre bezüglich des Einparkens nicht nur die Fahrpraxis interessant, sondern es ist eben eine Tätigkeit die gewisse Anforderungen an das räumliche Denken stellt, welches im Schnitt bei Männern besser ausgeprägt ist.

Ich würde zustimmen, dass viele Feministen schlicht jede Unterscheidung, die nicht rein kulturell und damit änderbar ist, als unberechtigt ansehen, eben auch Unterschiede im Schnitt und in Form von Normalverteilungen. Damit kommen sie immer wieder in Konflikt mit der Realität zustande.

Germany’s next Topmodel Finale 2019 #gntm

Ist 2019 das Jahr in dem zum ersten Mal die „Zicke“ das Finale gewinnt? Gut, eine noch größere Zicke ist dank Handgreiflichkeiten schon früher ausgeschieden, aber ansonsten wäre Simone (auf dem Foto ganz links) schon die, die von allen gehasst wird weil sie falsch ist/die gemobbt wird, weil sie ist wie sie ist.

 

vgl. auch:

Nachwirkungen von #Metoo: 60% aller männlichen Manager in den USA fühlen sich unwohl allein mit weiblichen Angestellten

Eine Umfrage macht noch einmal die Auswirkungen von #metoo deutlich:

LeanIn.org and SurveyMonkey just released the results of a survey on the state of men and women are interacting in the workplace in the age of #MeToo. The results are frustrating. The data reveals that 60% of male managers say they are uncomfortable performing common workplace activities such as mentoring, working one-on-one, or socializing with a woman. That’s a 32% increase over last year.

60% aller Manager (in den USA) fühlen sich unsicher, wenn sie in einer Arbeitssituation in einer „Eins-zu-Eins“´-Situation mit einer Frau kommen.

To add insult to insult, senior-level men who were surveyed are now far more hesitant to spend time with junior female colleagues than junior male ones, across a range of basic work activities. The men were 12 times more likely to hesitate to have one-on-one meetings, nine times more likely to hesitate to travel with a junior woman for work, and six times more likely to hesitate to have a work dinner with a junior woman.

Wer mehr zu verlieren hat und wem ein größeres Machtgefälle vorgeworfen werden kann, passt eben besser auf. Aber das sind dennoch sehr große Unterschiede.

That means the many, many women in this world who are just trying to do their jobs and make progress in their careers are being stymied by men who are terrified of being, I dunno, unable to control themselves while talking to a woman in the conference room.

Die Autorin, eine Melissa Locker, ist anscheinend so in ihrer Denkweise gefangen oder sehr bemüht sich politisch korrekt auszudrücken, dass sie den Grund nur darin sehen kann, dass Männer meinen, sie würden sich nicht kontrollieren können und Frauen belästigen, was ja vollkommen absurd ist.
Der tatsächliche Grund ist recht offensichtlich, dass sie eine Falschanzeige befürchten oder finden, dass sie in einer solchen Situation im Nachhinein erpressbar und angreifbar sind, weil sie keine Zeugen haben.

 

It’s an infuriating addition to the challenges that women already face in the workplace, adding to their emotional labor by making sure their male bosses feel comfortable interacting with them alone and at those all-important work socialization events. The dynamic basically foists the burden of making men feel comfortable on to women, who already get paid less money than their male counterparts and may retire poorer at the end of their work lives.

Sie hat durchaus recht, wenn sie sagt, dass es auch für die Frauen unfair ist, die nichts falsch gemacht haben und jetzt die Angst der Männer ausbaden müssen. Aber sie verkennt eben, dass sich die höherstehenden Männer auch nicht dafür opfern müssen bzw eine Gefahr eingehen müssen bzw werden, wenn sie sich unwohl fühlen und meinen sich absichern zu müssen. Die Männer schulden eben den Frauen in dieser Hinsicht auch nichts und jeder ist sich selbst der Nächste. Das einzige Gegenmittel kann dann sein, dass man Treffen nur so legt, dass Dritte dabei sind. Was den Umgang natürlich erschwert.

While male managers may feel like they are insulating themselves in the age of #MeToo, cutting off women’s access to mentoring and access to senior-level managers is just another form of discrimination and sexism.

If that weren’t frustrating enough, the survey also reveals that sexual harassment remains pervasive in the workplace, with 57% of women reporting that they’ve experienced some form of sexual harassment in the workplace. Men and women don’t agree as to who is more affected by harassment. Some 50% of men say that the consequences of sexual harassment claims are more damaging to the careers of harassers, not victims, while 64% of women say the victims end up paying a higher price.

Ich vermute mal, dass die Männer nicht von Belästigern gesprochen haben, sondern von Beschuldigten, aber für die Autorin gibt es eben anscheinend keine Falschbeschuldigerinnen was sie dann eben gleichzeitig zu einem Teil des Problems macht: Wenn man sich nicht entlasten kann und bei einem Vorwurf schuldig ist, dann darf man noch weniger ein Risiko eingehen.

Companies need to address this to help women feel confident and comfortable at work, or risk alienating or stifling 43% of the country’s workforce and adding to the $2 trillion in GDP lost to gender inequity.

Die einzige Lösung sind wahrscheinlich videoüberwachte Konferenzräume, wenn man keinen Dritten dabei hat, was aber auch wieder andere Probleme aufwirft.