Die These zweier Professorinnen hatte bereits 2023 hohe Wellen geschlagen. Ich hatte einen kurzen Artikel dazu „„Die meisten Studentinnen wollen lieber einen erfolgreichen Mann als selber Karriere machen“
Jetzt ist die entsprechende Studie durch die Peer Review und veröffentlicht worden:
Abstract
In most European universities today, more than 50% of bachelor’s degrees are awarded to women, but the corresponding share of full professorships is only about 25%. This phenomenon is called the leaky pipeline.
Most explanations refer to gender biases and stereotypes, motherhood, discrimination, and tokenism. We take a novel approach by comparing the leaky pipeline across various fields of study at the two largest Swiss universities.
We start from Rosabeth Moss Kanter’s token hypothesis, which suggests that women suffer from their minority position. According to this hypothesis, it is expected that the higher women’s share of positions is in a field of study, the less pronounced the leaky pipeline will be.
In contrast, the status group hypothesis and the self-selection hypothesis each predict different outcomes:
The higher women’s share of a field of study is, the more pronounced the leaky pipeline will be.
Our data refute the token hypothesis. To test the second and third hypotheses, we conducted a representative survey at two Swiss universities. We find strong evidence for self-selection effects but no status group effects. Our findings show that men and women in different fields of study have different preferences that shape their careers, family dynamics, and partner choices. Thus, the leaky pipeline differs across disciplines. Measures to mitigate the leaky pipeline should take these differences into account.
Keywords: career, gender norms, leaky pipeline, professorships, quotas, self-selection, status groups, tokenism
Quelle: Exploring the leaky pipeline: Tokenism, status group effects, orself-selection?
Also zunächst mal die in Raum stehenden Theorien zur „Leaky Pipeline“, also dem Umstand, dass trotz hohem Frauentanteil unter den Studenten der Frauenanteil unter den Professoren kleiner ist.
„Token-Hypothese“
Frauen in männlich dominierten Feldern sind „Tokens“ (symbolische Vertreterinnen einer Minderheit). Das führt zu Isolation, Diskriminierung, überhöhtem Leistungsdruck.
Von der Wikipedia:
Tokenismus (englisch tokenism, von token „Zeichen, Symbol, Spielstein“)[1] bezeichnet kritisch eine Praxis, bei der nur symbolische Anstrengungen unternommen werden, um Mitglieder einer gesellschaftlich marginalisierten Gruppe (etwa Frauen, Migranten, Homosexuelle) in soziopolitischer Hinsicht gleichzustellen (etwa in Beruf, Politik, Kultur oder Vereinsleben). In der Realität wird aber dem Großteil der marginalisierten Minderheit(en) die Gleichbehandlung mit der Mehrheitsgesellschaft vorenthalten, ihre wenigen formell gleichberechtigten Vertreter dienen als Tokens (Spielsteine, Marionetten, im übertragenen Sinn: Feigenblätter). Sie würden nach außen hin als „Aushängeschilder“ oder moralische Feigenblätter missbraucht. Dafür steht etwa der/die „Quotenschwarze“ (englisch token black person) oder der englisch token character in Filmproduktionen des „weiß“ dominierten Hollywood-Mainstreamkinos.[2]
Charakteristik
Die Praktiken des Tokenismus oder einer Feigenblattpolitik zielen nicht auf die grundsätzliche soziopolitische Gleichstellung entsprechend benachteiligter Gruppen, sondern dienen vielmehr dazu, Diskriminierungsmechanismen aufrechtzuerhalten, indem diese verschleiert werden. Mittels bewusst kalkulierter Einzelmaßnahmen wird nach außen hin der Eindruck von „Fairness“ und „Chancengleichheit“ erweckt. Mitunter beschränken sich solche Schritte auch einzig auf die Umsetzung der Mindestvorgaben in Antidiskriminierungsgesetzen.
Der Tokenismus ist auf die (bewusste oder unbewusste) Mitwirkung von Minderheitenvertretern angewiesen. Der in diesem Kontext in eine exponierte Position gehievte Token verdankt, gemäß diesem Theorieansatz, seine Position einseitiger Bevorzugung (per Quotenregelung oder positiver Diskriminierung) und nicht primär der eigenen Qualifikation im Sinne der Bestenauslese. Als Token, etwa in der Rolle der Quotenfrau oder des Alibimigranten, verschleiert er (bewusst oder unbewusst) die in seiner Organisation (Arbeitsstätte, Verein, Partei usw.) fortwirkenden Diskriminierungsmechanismen. In seiner Funktion (als eventuell besonders angepasstes) Organisationsmitglied besetzt der Token mitunter strategisch wichtige Positionen (etwa in der Organisationsleitung), in die nun mutmaßlich kein anderer (eventuell kritischer gestimmter) Minderheitenvertreter mehr gelangen kann (vergleiche Onkel-Tom-Syndrom).
Die Theorien sind für den Feminismus natürlich ideal: Studienbereiche müssen, um den Tokenismus zu bekämpfen, weiblicher werden, wenn das über Quoten etc gelingt, wenn Frauen nicht mehr als Token wahrgenommen werden, sondern dort selbstverständlich in Führungspositionen kommen und einen hohen Anteil haben, dann ist Diskriminierung durchbrochen.
Was – wie in der Studie ja auch angesprochen wird – dann eben erwarten lässt, dass in den Feldern, in denen schon viele Frauen sind, die also „weiblicher“ sind, die Tokeneigenschaft geringer sein müsste, es müssten also in dem Bereich mehr Frauen nach oben kommen, weil schon mehr Frauen da sind. Je höher der Frauenanteil in einem Fach, desto weniger stark müsste also der „leak“ sein, weil die Token-Effekte schwinden.
Statusgruppen-Hypothese
Forschung, die auf der Statusmerkmal-Theorie basiert (Correll & Ridgeway, 2006) legt nahe, dass Geschlecht eine entscheidende Rolle bei der Statuszuschreibung spielt, insbesondere in Situationen, in denen sowohl das Umfeld als auch die Fähigkeiten der Einzelnen unbekannt sind. In solchen Situationen wird Männern häufig , sowohl von anderen als auch von sich selbst, ein höherer Status zugeschrieben als Frauen.
In der Folge können Männer in frauendominierten Bereichen von ihrer Minderheitsposition profitieren. Außerdem werden Männer oft als brillanter und durchsetzungsfähiger wahrgenommen — und nehmen sich selbst auch so wahr — als Frauen (Meyer et al., 2015; Musto, 2019).
Diese stereotypen Zuschreibungen benachteiligen Frauen und erleichtern Männern den Aufstieg in frauendominierten Berufen — zum Nachteil der Frauen. Deshalb besagt die Statusgruppen-Hypothese, dass die „Leaky Pipeline“ in frauendominierten Feldern besonders ausgeprägt ist.
Statusgruppen-Hypothese: Je größer der Anteil der Studienplätze ist, der zu Beginn eines Studiums von Frauen belegt wird, desto stärker ist die „Leaky Pipeline“ in diesem Fachbereich ausgeprägt. Der Grund sind Statusgruppeneffekte, durch die Männer in frauendominierten Feldern von ihrer Minderheitenrolle profitieren.
Aus dem oben genannten Paper (Correll & Ridgeway 2006):
We develop a new status construction theory argument that apparently valid social realities in which a salient social difference is consistently linked to signs of status and competence induce participants to form status beliefs. Supporting this social validity account, an experiment showed that when an influence hierarchy developed between categorically different actors and appeared to be consensually accepted in the situation and therefore valid, participants formed strongly differentiated status beliefs about the categorical distinction. Yet when slight challenges to these influence hierarchies broke the validating consensus, participants‘ status beliefs were significantly weaker and less clear. An implication is that acts of resistance can disrupt the emergence of new status beliefs, so that while some differences become axes of status inequality, others do not
Daraus würde folgen: Je höher der Frauenanteil in einem Fach, desto stärker ist der „leak“, weil Männer ihre Minderheitenposition ausnutzen.
Self-Selection-Hypothese
Das wäre die These, dass Männer und Frauen ihre Studienfächer nach eigenen Werten, Karriereaspirationen, Rollenbildern und Zukunftsplänen wählen. Zu dieser Theorie von Catherine Hakim hatte ich schon mal einen Beitrag unter dem Titel Präferenz-Theorie.
Aber zur Darstellung in der hier besprochenen Studie:
Außerdem besagt Hakims Präferenztheorie (2000), dass sich in wohlhabenden, individualistischen Ländern mit hoher Geschlechtergleichheit Frauen grob in drei Hauptgruppen unterteilen lassen:
- Etwa 20 % stellen ihre Karriere und einen arbeitszentrierten Lebensstil in den Vordergrund,
- etwa 20 % priorisieren das Familienleben und einen hauszentrierten Lebensstil, und
- etwa 60 % versuchen, bezahlte Erwerbsarbeit und Familienarbeit zu verbinden, ohne einer der beiden Tätigkeiten den absoluten Vorrang zu geben.
Studien legen nahe, dass Frauen sich entsprechend dieser Präferenzen selbst in bestimmte Studienfelder einordnen.
Daraus können sich zwischen einzelnen Disziplinen Unterschiede in den vorherrschenden Geschlechterstereotypen und Rollenbildern ergeben. Geschlechterstereotype verknüpfen fürsorgliches, gemeinschaftsorientiertes Verhalten mit „typisch weiblich“ (Heilman, 2012), während Brillanz, Genialität und Durchsetzungsfähigkeit häufiger mit Männern assoziiert werden (Napp & Breda, 2022; Thébaud & Charles, 2018). Zu den Rollenmustern gehört etwa die Vorstellung, dass der Ehemann der Hauptverdiener ist (Tinsley et al., 2015) und Ehefrauen die Karriere ihrer Männer priorisieren (Funken, 2011; Mavriplis et al., 2010). Solche Muster können auch zum sogenannten „Oscar-Fluch“ führen, dem zufolge eine Beziehung leidet, wenn die Frau erfolgreicher ist als ihr Partner (Gibson & Lawrence, 2010).
Darüber hinaus wünschen sich viele Frauen heute formale Gleichstellung mit Männern, möchten sich aber zugleich beruflich und in ihrem Arbeitspensum nach der Geburt von Kindern unterscheiden. Dieses Rollenmuster wird als „equal but different“ (gleich, aber verschieden) bezeichnet und könnte je nach Studienfeld bei Studierenden unterschiedlich stark verbreitet sein. In einkommensstarken Ländern hat sich dieses Modell insgesamt stärker etabliert (Eagly et al., 2020; Falk & Hermle, 2018). In einigen wohlhabenden Ländern bekommen heute hochgebildete Frauen häufiger Kinder als Frauen mit geringerer Bildung und verbringen seit den 2000er Jahren auch mehr Zeit mit Kinderbetreuung (Borra & Sevilla, 2019; Ramey & Ramey, 2009). Dieser Trend geht einher mit wachsendem Wettbewerb an Spitzenhochschulen, für den Kinder besonders durch ihre Mütter vorbereitet werden (Doepke & Zilibotti, 2017). Frauen mit einem solchen „equal but different“-Rollenmuster wählen eher Studienrichtungen, die klassischen weiblichen Interessensfeldern nahe stehen, oft in den Geistes- und Sozialwissenschaften (Combet, 2023).
Zahlreiche empirische Studien zeigen außerdem, dass leistungsstarke Frauen Wettbewerbs- und Konkurrenzsituationen eher meiden als Männer (Berger et al., 2020; Gërxhani et al., 2021; Niederle & Vesterlund, 2007). In solchen „Turnieren“ kann nur eine Person gewinnen, alle anderen verlieren – was traditionellen weiblichen Rollenvorstellungen widerspricht, die in frauendominierten Studienfeldern besonders ausgeprägt sein können.
Selbstselektion kann auch damit zusammenhängen, dass Frauen in männlich dominierten Studienfeldern über größere kognitive und kulturelle Ressourcen verfügen als Frauen in frauendominierten Fächern. Für Männer in „männeruntypischen“ Berufen ist dieser Zusammenhang bereits belegt (Schwiter et al., 2014). Solche Ressourcen umfassen zum Beispiel eine hohe Selbstwirksamkeit: Wer über hohe Selbstwirksamkeit verfügt, erholt sich schneller von Rückschlägen und führt Misserfolge nicht auf Pech, sondern auf mangelnde Anstrengung zurück (Bandura, 1978; Watkins et al., 2019). Aus dieser Perspektive – und entgegen der Token-Hypothese – muss eine Minderheitenposition nicht unbedingt nachteilig sein (Watkins et al., 2019; White, 2008): Frauen in männerdominierten Studiengängen wissen oft schon zu Beginn ihres Studiums, dass sie sich besonders anstrengen müssen (Ihsen et al., 2013; Stemmer, 2020). Dadurch kann die Pipeline in Fächern mit einem geringen Frauenanteil weniger „leaky“ sein.
Selbstselektion-Hypothese: Je größer der Anteil der Studienplätze ist, der zu Beginn eines Studiums von Frauen belegt wird, desto stärker ausgeprägt ist die „Leaky Pipeline“ in diesem Fachbereich. Der Grund sind Selbstselektionseffekte: Frauen in frauendominierten Fächern haben andere Präferenzen und Ressourcen als Frauen in anderen Feldern.
Hakims Theorie hat etwas schönes, weil sie nicht einfach auf Unterdrückung, sondern auf das Individuum abstellt. Aus diesen Gründen ist sie natürlich auch im Feminismus nicht sehr beliebt.
Was wurde jetzt untersucht:
- Daten von tausenden Studenten und Professoren an den beiden größten Unis der Schweiz wurden ausgewertet.
- Eine repräsentative Umfrage unter fast 10.000 Studierenden und wissenschaftlichen Mitarbeitenden gemacht.
Und daraus ergab sich zuerst, dass die Token-Hypothese nicht gestützt wird. In Fächern mit hohem Frauenanteil (z. B. Psychologie, Veterinärmedizin) ist der Karriereverlust höher, nicht niedriger, die Pipeline undichter, nicht dichter. Dort finden sich etwa 80 % Frauen im Bachelor, aber nur 30 % Professorinnen.
Als nächstes geht es der Statusgruppen-Hypothese an den Kragen. Männer in frauendominierten Fächern steigen nicht systematisch schneller auf.
Aus der Studie:

Leaky Pipeline: Warum sind weniger Frauen Professoren trotz hohem Studentinnenanteil in den Fächern?
Hier sind man, wie die Männer in der Tiermedizin mit einem geringen Anteil starten, aber dann später 75% der Professoren stellen.
Bei der Elektrotechnik starten Frauen zwar auf niedrigen Niveau, halten das aber dafür auch bei den Professoren.
Und noch eine Grafik:

Frauenanteil Studenten Professoren
Hier also die durchschnittlichen Verläufe für weiblich-dominierte bzw männlich dominierte Studienfächer. Es passt zu den bereits oben besprochenen Verläufen.
Aus der weiteren Besprechung:
Als Nächstes betrachten wir Unterschiede bei den Karriereaspirationen. Frauen und Männer mit höheren Karriereambitionen entscheiden sich eher für männlich dominierte Fächer. Für Frauen haben Karriereüberlegungen jedoch insgesamt einen deutlich geringeren Einfluss darauf, ob sie sich für ein männlich oder weiblich dominiertes Fach entscheiden.
Dieses Ergebnis bestätigt sich auch, wenn Studierende nach ihrer Studienwahl zu ihren Karriere- und Führungsambitionen befragt werden. Sowohl Männer als auch Frauen in männlich dominierten Fächern haben höhere Karriereambitionen als Männer und Frauen in weiblich dominierten Fächern. Dennoch sind die Karriereambitionen der Frauen in männlich dominierten Fächern etwas geringer als die der Männer in denselben Fächern.
Abbildung 7 zeigt dieses Ergebnis: Während 35 % der Männer in männlich dominierten Fächern eine Führungsposition mit Leitungsverantwortung anstreben, gilt das nur für 23 % der Frauen in weiblich dominierten Fächern. Zum Vergleich: 28 % der Frauen in männlich dominierten Fächern und 25 % der Männer in weiblich dominierten Fächern streben eine solche Position an.
Außerdem wählen Frauen, die ein besonders hohes Interesse an ihrem Fachgebiet angeben, eher ein typischerweise weiblich dominiertes Studienfach. Für Männer spielt das Interesse an einem bestimmten Fach dagegen keine Rolle bei der Entscheidung, ob sie ein männlich oder weiblich dominiertes Feld bevorzugen.
Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Studierende aus männlich dominierten Studiengängen – insbesondere Männer – stärker durch Karriere- und Führungsziele motiviert sind, während Frauen in weiblich dominierten Studiengängen eher durch Leidenschaft und postmaterialistische Werte wie Selbstverwirklichung geleitet werden.
Dieses Ergebnis könnte teilweise erklären, warum Frauen in männlich dominierten Fächern häufiger Führungspositionen wie Professuren erreichen als Frauen in weiblich dominierten Fächern. Dennoch spielen Gendernormen und die Partnerwahl ebenfalls eine wichtige Rolle, wie die folgenden Ergebnisse zeigen.
Selbstselektionseffekte: Gendernormen
Abschließend werden Unterschiede in verschiedenen Aspekten von Gendernormen betrachtet.
Geschlechterstereotype
Die Identifikation mit männlichen und weiblichen Stereotypen bestätigt die Annahme, dass sich Menschen entsprechend vorherrschender Geschlechternormen typischerweise selbst in männlich oder weiblich dominierte Studienfelder einordnen. Frauen, die sich stark mit dem weiblichen Stereotyp identifizieren, neigen dazu, Fächer mit hohem Frauenanteil zu wählen. Männer, die sich stark mit dem männlichen Stereotyp identifizieren, entscheiden sich eher für Fächer mit hohem Männeranteil. Abbildung 8 verdeutlicht dieses Ergebnis. Auf den ersten Blick sind die Unterschiede zwischen männlich und weiblich dominierten Fächern gering, in Kombination mit den folgenden Ergebnissen gewinnen sie jedoch an Bedeutung.
Gendernormen durch Sozialisation
Frauen, deren Mütter ihre Arbeitszeit reduziert haben, um sich um die Kinder zu kümmern, entscheiden sich häufiger für Studienfächer mit hohem Frauenanteil. Abbildung 9 zeigt: Nur 26 % der Frauen aus weiblich dominierten Fächern hatten eine Mutter, die während der Kleinkindphase Vollzeit oder nahezu Vollzeit arbeitete. Zum Vergleich: 31 % der Männer aus weiblich dominierten Fächern, und sogar 35 % bzw. 34 % der Männer und Frauen aus männlich dominierten Fächern, hatten Mütter, die Vollzeit arbeiteten.
Gendernormen und Partnerwahl
Von allen Befragten leben 51,7 % in einer festen Partnerschaft. Frauen in weiblich dominierten Studiengängen sind fast fünfmal so häufig wie Männer aus männlich dominierten Studiengängen mit Partnern zusammen, die bessere Aufstiegs- und Karriereaussichten haben (siehe Abbildung 10a). Von allen Befragten leben 48,3 % aktuell nicht in einer festen Partnerschaft. Die Antworten auf die Frage nach gewünschten Partnern sind ebenfalls in Abbildung 10a zusammengefasst: Der bevorzugte Altersunterschied zwischen den Partnern steigt leicht mit dem Frauenanteil in einem Studienfach. Männer in männlich dominierten Fächern bevorzugen Frauen mit geringeren Aufstiegschancen häufiger als Männer in weiblich dominierten Fächern. Für Frauen zeigt sich ein ähnlicher, aber schwächerer Effekt.
Auch die Orte, an denen Partner kennengelernt werden, unterscheiden sich stark zwischen Männern und Frauen – je nach Frauenanteil im Studienfach. Ist der Anteil des anderen Geschlechts im Fach gering, lernen Befragte ihre Partner meist nicht im Studienumfeld kennen. Abbildung 10b zeigt: 33 % der Frauen in männlich dominierten Studienfächern haben ihre Partner innerhalb ihres Studienbereichs kennengelernt, aber nur 8,2 % der Frauen in weiblich dominierten Fächern. Stattdessen haben 83 % dieser Frauen ihre Partner außerhalb der Universität gefunden. Diese Partner sind zudem häufiger älter. Es ist daher wahrscheinlich, dass eine Frau in einem weiblich dominierten Fach mit einem älteren Mann aus einem männlich dominierten Fach zusammenkommt. Dieses Matching-Verhalten verstärkt die bestehenden Gendernormen für Frauen in weiblich dominierten Fächern zusätzlich.
Kinderwunsch und Gleichstellungsmodell
Nur 4,6 % bzw. 386 Befragte haben Kinder. Für Männer ohne Kinder ist der Kinderwunsch umso stärker, je männlich dominierter ihr Studiengang ist. Für Frauen ohne Kinder steigt der Kinderwunsch leicht mit dem Frauenanteil im jeweiligen Studienbereich.
Die Befunde sind dennoch aufschlussreich, da sie zeigen, wie sich Kinderwünsche tatsächlich auf die Realität auswirken:
Die männlichen Partner von Frauen in weiblich dominierten Fächern haben ein signifikant höheres Arbeitspensum als die weiblichen Partnerinnen von Männern in diesen Fächern. In männlich dominierten Fächern gibt es dagegen keinen Unterschied im Arbeitspensum der Partner. Männer in weiblich dominierten Fächern sind häufig mit Frauen aus diesen Fächern verheiratet. Diese Frauen haben einen starken Kinderwunsch und reduzieren nach der Geburt ihre Arbeitszeit deutlich. Frauen in weiblich dominierten Fächern sind häufig mit Männern aus männlich dominierten Fächern verheiratet, die ihre Arbeitszeit nach der Geburt von Kindern kaum reduzieren. Ihre Frauen verlassen häufiger die Karrierebahn, arbeiten in Teilzeit und fallen damit oft aus der wissenschaftlichen Stichprobe heraus.
Schade, dass man nicht gleichzeitig noch pränatales Testosteron messen konnte, ich glaube das hätte interessante Ergebnisse gezeigt.
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