Many Shades of Gender (18): Die GS werden doch politisch alimentiert.

Paula-Irene Villa Braslavsky, Genderprofessorin, hat ein FAQ zu Mythen über die Gender Studies erstellt. Ich wollte sie nach und nach hier besprechen:

Heute:

Die GS werden doch politisch alimentiert.

Mal sehen, was kommt.

 

Das Argument einer ‘politischen Alimentierung’ bzw. der Gender Studies als Lobbyismus ist zwar politisch als ein böser Vorwurf gemeint, der vor allem von den selbsternannten Gegnern und Gegnerinnen der Geschlechterforschung gemacht wird. Nimmt man die Polemik heraus, ist er jedoch durchaus korrekt. Er gilt aber dann: für genau alle Disziplinen, Fächer und Lehr- sowie Forschungsformen in öffentlichen Einrichtungen. Alle Wissenschaften sind (auch) politisch alimentiert, denn in einer rechtsstaatlichen Demokratie entscheiden Bundes- und Landesregierungen zumindest weitestgehend darüber, wie (gut) ihre Hochschulen finanziert, welche Themenbereiche fokussiert werden und wie die Ausbildung der Studierenden aussehen soll. Wenngleich Hochschulen in diesem Rahmen frei operieren (was sehr wichtig ist, um kreative, exzellente, bahnbrechende Forschung nach eigenen, also wissenschaftlichen Standards, zu ermöglichen), so gibt es immer wieder Themen, die politisch für besonders relevant befunden werden (etwa die Heilung bestimmter Krankheiten, Stadtplanung, Migration, Klimakrise etc.). Dann wird unter Umständen entsprechend entschieden, bestimmte Schwerpunktprogramme auf diese Themen zu legen – und damit auch nicht auf andere. Das geschieht allerdings immer entlang der Empfehlungen der scientific community und unter Einhaltung derer Standards.

Das ist natürlich ein schwieriges Thema. Der Vorwurf ist ja nicht, dass die Gender Studies wie jeder andere Wissenschaftsbereich mit Geldern unterstützt werden, sondern das sie aus ideologischen Gründen und nicht wegen ihrer Wissenschaftlichkeit unterstützt werden.

Und der Vorwurf scheint mir auch zu sein, dass sie finanziell unterstützt werden ohne das man wirklich hinterfragt, ob sie wissenschaftlich arbeiten, weil einem das Ergebnis gefällt.

Einen entsprechend gestalteten starken Fokus auf die Gender Studies gab es in der Bundesrepublik bisher nicht. Zwar haben einzelne Bundesländer manche Professur für Frauen- oder Geschlechterforschung mit-finanziert oder die Vernetzung bereits bestehender Stellen/Professuren/Zentren unterstützt (so etwa in NRW https://www.netzwerk-fgf.nrw.de/das-netzwerk/das-netzwerk/  oder in Berlin https://www.berlin.de/sen/frauen/oeffentlichkeit/frauenpolitische-netzwerke/afg/artikel.29327.php), aber tatsächlich haben sich die Gender Studies aus den Forschungskontexten und den einzelnen Disziplinen heraus, also wissenschaftsimmanent, entwickelt. Dabei hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Geschlechterfragen bei vielen Forschungs-Themen eine Rolle spielen, nicht zuletzt auch in Medizin (z.B. https://www.dgesgm.de), Wirtschaft (z.B. am DIW Berlin https://www.diw.de/de/diw_01.c.364695.de/forschung_beratung/forschungsgruppen/gender_studies/gender_studies.html), Jura (zB Univ. Wien; https://rechtsphilosophie.univie.ac.at/team/holzleithner-elisabeth/). Die Nachfrage nach Gender Studies ist also gestiegen und viele dem Vorurteil nach eher “konservative” Wissenschaften integrieren die Gender-Perspektive in ihren Kanon.

Sie haben sich ideologisch entwickelt und ignorieren einen Großteil anderer Forschung. Aber da muss man aufpassen, dass die Kritik nicht selbst ideologisch wird.

Ich vermute mal niemand hätte das geringste Problem damit, wenn Sonderlehrstühle für Informatik, Physik, Maschinenbau, also „härte“ und wirtschaftsnahe Wissenschaftsbereiche eingerichtet werden.

Gender Studies sind aber immer noch ein vergleichsweises kleiner Forschungs- und Lehrzusammenhang an deutschen Universitäten (ca. 0,4% aller Professuren an Universitäten im deutschsprachigen Raum haben eine Voll- oder Teildenomination; vgl. https://www.mvbz.org/anmerkungen-zur-datensammlung.php). Da die Gender Studies darüber hinaus – anders als bahnbrechende Forschungen der Biophysik, der Neurologie oder des Geo-Engineering – ohne teure Studien an Menschen, besondere Technik oder zusätzliches Personal auskommen, wäre ihre vermeintliche “Alimentierung” tatsächlich recht günstig.

Vielleicht kann man den Vorwurf so fassen, dass es im wesentlichen Gesinnungslehrstühle sind, die einer ganz bestimmten Ideologie folgen und auch deswegen eingerichtet werden. Und das auch gerade der daraus folgende ideologische Einfluss gewünscht ist.

Oder so, dass sie sich selbst von einer Vielzahl sonst geltender wissenschaftlicher Vorgehensweisen freisprechen und dennoch finanziert werden.

Sexuelles und der Wunsch nach einer Identität, die einem Verantwortung abnimmt

Ich bin auf das „Queer Lexikon“ und dort auf einen für mich interessanten Artikel gestoßen:

Uhm hi
Ich hab eine frage
ich als person habe kein problem damit meinen Partner sexuell zu befriedigen (ich mag es auch) aber wenn jemand etwas bei mir machen möchte fühle ich mich total unwohl und möchte es auch nicht.
Ich weiß nicht ob es einen speziellen Begriff dafür gibt. Wisst ihr/du es?

Die Antwort ist:

Ich kenne den Begriff ‘Stone Butch‘, spezifisch für Lesben, denen es so geht, wie dir – also gerne beim Sex den aktiven Part innehaben, aber selbst, z.B. gar nicht angefasst werden wollen. Aber natürlich gibt es nicht nur Lesben, die sich so fühlen – und auch nicht nur butches. Insofern (solltest du keine Butch sein), kannst du vielleicht so etwas wie ‘stonesexuell’ oder so verwenden?

Alternativ gibt es vielleicht auch ein Label auf dem asexuellen Spektrum, das zu dir passt?

Und eine weitere Frage:

Hallo,
Bei mir ist es genau das Gegenteil wie bei Antwort 1.575,ich hätte kein Problem damit und fände es auch gut und so wenn es mir jemand macht aber ich will es nicht anderen machen,gibt es dafür auch ein Wort?
Lg

Antwort 1575 ist die oben zitierte. Die Antwort:

Hallo!

Ich habe mal ein bisschen schlaue Menschen gefragt und es gibt für das, was du beschreibst, nicht den einen, festgelegten Begriff, den alle Menschen verwenden, denen es geht wie dir. Aber es gibt ein paar Optionen:

Aus der lesbischen Community gibt es analog zu Stone Butch den Begriff Pillow Queen, d.h. eine Person, die auf den Kissen liegen bleibt und den passiven Teil von Sex genießt, aber nicht aktiv wird.

Alternativ gibt es auch den Begriff ‘Paper’ als Gegensatz zu ‘Stone’ (also wie in Schere, Stein, Papier) – oder, um es so richtig verwirrend zu machen, gibt es auch für das, was du beschreibst, Menschen, die sich als stone bezeichnen, um auszudrücken, dass ihr Interesse an Sex nicht wechselseitig ist, sondern sie nur einen Part (aktiv/passiv oder gebend/empfangend) gut finden.

Vielleicht ist bei diesen Optionen ja etwas für dich dabei?

Bekanntlich gibt es in dem Bereich gerade in der queeren Szene alles mögliche an Geschlechtern Sexualitäten etc.

Ich finde es interessant, dass sie in diesen Beispielen lediglich nach etwas suchen, mit dem sie sich bezeichnen können, also eine Form von Identität.

Es geht nicht etwa darum, dass man hinterfragt, warum man sich auf eine bestimme Weise verhält, ob das eine gute Wahl ist und ob man es ändern sollte, es geht so wie ich es verstehe eher um Identität.

Ich kann verstehen, dass es einfacher ist zu sagen „Ich bin eine Pillow Queen, akzeptiere das gefälligst“ als sich anzuhören, dass man auch mal selbst was machen kann. Oder das es einfacher ist sich als „Stonesexuell“ darzustellen als einmal zu hinterfragen, warum man Probleme damit hat, dass Leute sexuelle Handlungen an einem vornehmen.

Was nicht bedeutet, dass ich nicht verstehe, dass man bestimmte Vorlieben hat. Ich kann auch „ich bin eher passiv“ oder „ich bin lieber aktiv“ verstehen. Ich finde „ich bin passiv, das ist quasi meine sexuelle Identität“ allerdings etwas viel.

Aber natürlich bin ich auch nicht Teil der queeren Szene, vielleicht hat es da auch nicht den Charakter einer Identität.

Selbermach Samstag

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema oder für Israel etc gibt es andere Blogs

Zwischen einem Kommentar, der nur einen Link oder einen Tweet ohne Besprechung des dort gesagten enthält, sollten mindestens 5 Kommentare anderer liegen, damit noch eine Diskussion erfolgen kann.

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, auch gerne einen feministischen oder sonst zu hier geäußerten Ansichten kritischen, der ist dazu herzlich eingeladen

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Klärung von Struktur und Wesen des linken Autoritarismus

Eine interessante Studie behandelt linken Autoritarismus:

Authoritarianism has been the subject of scientific inquiry for nearly a century, yet the vast majority of authoritarianism research has focused on right-wing authoritarianism. In the present studies, we investigate the nature, structure, and nomological network of left-wing authoritarianism (LWA), a construct famously known as “the Loch Ness Monster” of political psychology. We iteratively construct a measure and data-driven conceptualization of LWA across six samples (N = 7,258) and conduct quantitative tests of LWA’s relations with over 60 authoritarianism-related variables. We find that LWA, rightwing authoritarianism, and social dominance orientation reflect a shared constellation of personality traits, cognitive features, beliefs, and motivational values that might be considered the “heart” of authoritarianism. Still, relative to right-wing authoritarians, left-wing authoritarians were lower in dogmatism and cognitive rigidity, higher in negative emotionality, and expressed stronger support for a political system with substantial centralized state control. Our results also indicate that LWA powerfully predicts behavioral aggression and is strongly correlated with participation in political violence.
We conclude that a movement away from exclusively right-wing conceptualizations of authoritarianism may be required to illuminate authoritarianism’s central features, conceptual breadth, and psychological appeal.

Quelle: Clarifying the Structure and Nature of Left-wing Authoritarianism

Das ist aus meiner Sicht ein sehr spannendes Thema, denn der Wunsch nach Autoritärem  ist ein interessantes verbindendes Element.

Aus der Studie:

To understand whether and how authoritarianism and political ideology are related to one another, it should be acknowledged that various definitions of ideology have been advanced in the literature, and these are even more divergent and contradictory than those of authoritarianism (e.g., Gerring, 1997)23. Nevertheless, when psychologists have investigated political ideology, they have typically sought to understand why people are drawn to specific ideological beliefs (e.g., free-market capitalism), emphasizing the content of ideological claims (Zmigrod, 2020). Yet how someone holds their beliefs may be of equal or greater psychological relevance to authoritarianism than specific ideological content (Rokeach, 1960, pp. 14-15). Far-left and far-right ideologies (e.g., communism and fascism) are similarly authoritarian in their structure—both exert powerful pressures to maintain discipline among members, advocate aggressive and censorious means of stifling opposition, believe in top-down, absolutist leadership, and so on. The content of communism, however, is arguably humanitarian and anti-authoritarian (e.g., the ideological aim is to remove economic inequities and take care of individuals per the doctrine,
“from each according to their abilities, to each according to their needs”). In contrast, the content of fascism is wholly authoritarian. If this is so, individuals may initially be drawn to far-left and far-right authoritarianism for different reasons (e.g., with the hopes of eliminating injustices vs. exacerbating them), even if they ultimately act in similarly authoritarian manners (Rokeach, 1960; see also Conway et al., 2020).
Following this point, if authoritarianism is, indeed, a personality trait or disposition, it remains plausible that authoritarianism can be measured in a “Platonic” form independent of one’s ideology. Hence, future research should attempt to tease apart LWA and RWA’s structure and content. Nevertheless, if authoritarianism is fundamentally or partially motivational, as others have argued, then measures of authoritarianism that are ideologically neutral may be of limited utility and/or not yield a coherent score. Moreover, even if LWA and RWA share many or most of their psychological substrates, left-wing ideology and right-wing ideology may interact with authoritarianism in different ways, rendering LWA and RWA both (a) more than the sum of their parts and (b) relatively unique “flavors” of authoritarianism. Were this the case, attempting to measure authoritarianism in an ideologically neutral manner would obscure not only the unique contours of LWA and RWA but also their areas of substantive overlap.

Aus einem Artikel zu der Studie:

The Journal of Personality and Social Psychology published the research by psychologists at Emory University—the first comprehensive look at left-wing authoritarianism.

„We took the long history of research into right-wing authoritarianism and used insights from that to develop a conceptional framework and measures to test for authoritarianism in the political left,“ says Thomas Costello, an Emory Ph.D. student of psychology and first author of the study. „We found that in terms of their  and their actual behaviors, left-wing authoritarians are extremely similar to authoritarians on the right.“

Right-wing authoritarians tend to aggressively back the established hierarchy, while left-wing authoritarians tend to aggressively oppose it. They are almost like  of one another that both share a common psychological core, the researchers conclude.

„Authoritarians have a predisposition for liking sameness and opposing differences among people in their environment,“ Costello says. „They are submissive to people they perceive as authority figures, they are dominant and aggressive towards people they disagree with, and they are careful to obey what they consider the norms for their respective groups.“

At its core, authoritarianism is likely about power, Costello adds.

„It’s a mistake to think of authoritarianism as a right-wing concept, as some researchers have in the past,“ he says. „We found that ideology becomes secondary. Psychologically speaking, you’re an authoritarian first, and an ideologue only as it serves the power structure that you support.“

Another key finding is that authoritarianism from both ends of the spectrum is predictive of personal involvement in political violence. While left-wing authoritarianism predicts for political violence against the system in power, right-wing authoritarianism predicts for political violence in support of the system in power.

Respondents to an online questionnaire who scored at the highest end of a one-to-seven scale for authoritarianism were two to three times more likely to report having engaged in political violence during the past five years.

The good news is that both extreme authoritarianism and a tendency toward political violence appear relatively rare, Costello adds. Out of a sample size of 1,000 respondents, drawn from the online research tool Prolific and matched to the demographics of the U.S. population for age, race and sex, only 12 reported having engaged in , and they all scored high for authoritarianism.

„It’s clear that the loudest and most politically engaged segments of society have a big effect on our national discourse,“ Costello says. „But there’s a big difference between criticizing those with opposing views and being willing to use violent force against people who disagree with you as a means of changing the status quo.“

While an individual reporting that they had performed an act of  was rare, nearly a third of respondents agreed with the statement that they wouldn’t mind if a politician that diametrically opposed their own political views was assassinated. „The higher a respondent ranked on the scale for either left-wing or right-wing authoritarianism, the more likely they were to agree with this statement,“ Costello says.

The psychological study of authoritarianism goes back to the 1930s, as social scientists tried to understand the psychological processes that made people more inclined to support the rise of fascism in Europe. The resulting Fascism Scale, developed to measure the strength of individuals‘ support for far-right ideology, helped spawn the field of political psychology.

The topic especially intrigued Costello, who plans a career in political psychology. He joined Emory to work with Emory psychologist Scott Lilienfeld—a leader in research at the interface of psychology, politics and the polarization of society—who passed away last year. Lilienfeld is senior author of the current paper.

„As I began investigating the topic of authoritarianism, I found it puzzling that psychology researchers had almost exclusively looked at the concept from the perspective of the far right,“ Costello says. „That makes it’s difficult to truly understand the psychology of authoritarianism and the conditions that can lead to its spread in a society.“

For the current paper, the researchers developed a conceptual framework for left-wing authoritarianism, created measures for it, and then refined these measures after testing their validity through a series of studies across five community samples.

In addition to the striking similarities between the two political extremes, the research also highlighted a key difference between the two: Left-wing authoritarians were more likely to perceive the world as a dangerous place and experience intense emotions and a sense of uncontrollability in response to stress. Right-wing authoritarians were more cognitively rigid, less open to new experiences, and less likely to believe in science.

The research does not delineate the prevalence of authoritarianism in society. Like any other personality trait, authoritarianism lies on a spectrum with only a few at the extreme top-end of the scale, Costello says.

„Our work should not be used as a political cudgel,“ he stresses. „Instead it should be used as a piece of information to help us understand the pull of extremism and intolerance. Having clarity about the appeal of authoritarianism may be relevant to help better understand what’s going on in the political landscape today.“

Die Auswirkungen eines abwesenden Vaters auf die sexuelle Entscheidungsfindung von Frauen

Eine interessante Studie dazu, wie sich ein fehlender Vater auf die Sexualität der Tochter auswirkt:

An abundance of research demonstrates a robust association between father absence— or low-quality paternal involvement—and daughters’ accelerated sexual development, promiscuity, and sexual risk taking. Although recent natural experiments provide support for fathers playing a causal role in these outcomes, these effects have not been examined using a randomized experimental design to eliminate genetic and environmental confounds inherent in previous studies. We redressed this empirical gap by experimentally testing the effects of primed paternal disengagement cues on women’s sexual decision making. Across 5 experiments, reminders of paternal disengagement increased women’s activation of sexual thoughts (Experiment 1), sexual permissiveness (Experiments 2-4), and negativity toward condom use (Experiment 5). Moreover, these effects were specific to women’s sexual decision making, as paternal disengagement cues failed to influence women’s willingness to take nonsexual risks (Experiment 4) or men’s risky sexual attitudes (Experiment 5). These results provide the first true experimental evidence supporting a causal relationship between paternal disengagement and changes in women’s psychology that promote risky sexual behavior.

Quelle: The Effects of Paternal Disengagement on Women’s Sexual Decision Making: An Experimental Approach 

Das Gerücht, dass ein fehlender Vater dazu führt, dass eine Frau sexuell etwas lockerer ist bzw entsprechende Witze darüber gibt es schon lange.

Hier zb etwas dazu aus dem Urban Dictionary:

when a girl has a messed up relationship with her dad. usually the fathers fault. either he left or is acting like a total bitch.

as a result the girl might be attracted to older men, or men with anger issues if her father was an angry man, and sometimes will stay in an abusive relationship because it would just feel like home. if he left, don’t ever blame yourself for him leaving. he just missed the best thing that he could have ever have.

person 1: yeah dude my dads fucked up, he left me for money/drugs/alcohol/a younger woman. and now I’m attracted to older men.
person 2: I’m sorry dude that must’ve been hard.person 1: yeah I have to go to therapy

Aber zurück zur Studie. Dort wird zu den evolutionären Grundlagen folgendes geschrieben:
Why might fathers play such an important role in shaping daughters’ sexual and reproductive development? To help answer this question, Draper and Harpending (1982) proposed a landmark theory linking paternal investment availability and girls’ sociosexual outcomes (i.e., paternal investment theory). According to paternal investment theory (PIT; Draper & Harpending, 1982; Ellis, 2004; Ellis et al., 2003, 2012), girls are uniquely sensitive to the availability and quality of investment they receive from their biological fathers because these cues provide important diagnostic information regarding the structure and character of the local mating system (e.g., Del Guidice & Belsky, 2011; Draper & Harpending, 1982; Ellis et al., 1999; 2003, 2012; James et al., 2012). In particular, father absence— or low-quality paternal care—is hypothesized to signal that long-term male investment in offspring production is unreliable or unnecessary in the current ecology. Daughters are reasoned to use these cues to adjust their reproductive strategies in ways that maximize fitness in such contexts. Specifically, father absence is expected to shift girls toward faster reproductive strategies characterized by precocious sexual development, earlier sexual activity, and younger age at first reproduction (Belsky et al., 1991; Draper & Harpending, 1982; Ellis et al., 1999; Figueredo et al., 2006). These changes are predicted to occur because women would not benefit from delaying reproductive activities to search for a high-investing mate in environments where male parental care is scarce.
PIT has served as the foundation for related evolutionary developmental theories on environmental stress, including psychosocial acceleration theory (Belsky et al., 1991). According to this theory, ecological conditions and family dynamics help shape children’s early attachment patterns and subsequent pubertal and reproductive timing to adaptively match individuals to their environments.
On this view, individuals growing up in harsh or unpredictable family environments reliably benefit from accelerating physical maturation and engaging in behaviors consistent with a fast life history strategy (i.e., early sex and reproduction, risky sexual behavior, investment in offspring quantity over quality). A shortened reproductive timetable is reasoned to be evolutionarily adaptive in such a context because it helps ensure that individuals will have an opportunity to reproduce before perishing if conditions remain harsh or worsen (e.g., Brumbach, Figueredo, & Ellis, 2009; Stearns, 1992).
Although psychosocial acceleration theory shares some of the core assumptions of PIT, these theories differ regarding the emphasis on fathers and their effects on daughters’ sociosexual outcomes. Specifically, PIT posits a unique and specific role for father presence/absence and paternal involvement in the regulation of daughters’ sexual development. This perspective stands in contrast to psychosocial acceleration theory, which is agnostic regarding any special role for fathers separate from more general effects of parenting or socioecological stress. Psychosocial acceleration theory also does not predict sex-differentiated developmental outcomes for sons versus daughters.
Numerous empirical investigations provide support for specific predictions borne from PIT. For example, research demonstrates that girls growing up in father-absent homes— or in homes characterized by low-quality paternal investment— experience accelerated pubertal development, initiate sexual intercourse and become pregnant earlier, have a greater number of sexual partners, and are more likely to get divorced relative to girls growing up in households with two investing parents (Coley, Votruba-Drzal, & Schindler, 2009; Ellis & Essex, 2007; Ellis et al., 1999, 2003, 2012; James et al., 2012; Moffitt, Caspi, Belsky, & Silva, 1992; Quinlan, 2003; Rowe, 2000; Shavelsky, 2008). These outcomes are especially pronounced when the onset of the absence occurs at a relatively young age and the duration of absence is prolonged (e.g., D’Onofrio et al., 2006; Ellis et al., 2003; Moffitt et al., 1992; Quinlan, 2003; Vigil & Geary, 2006). Further, these effects extend above and beyond the effects of maternal care (e.g., Manlove, Wildsmith, Ikramullah, Terry-Humen, & Schelar, 2012; Regnerus & Luchies, 2006; Rink, Tricker, & Harvey, 2007), indicating that the role of parental involvement in daughters’ sociosexual development may be especially pronounced for fathers.
A growing body of research also supports the prediction that the influence of paternal investment is more pronounced for daughters and is specific to sociosexual risk (Ellis et al., 2012). For example, researchers have found that the effects of paternal investment on sexual risk taking is stronger for daughters than for sons (e.g., Coley et al., 2009; Davis & Friel, 2001; James et al., 2012). Others have found that paternal investment more strongly predicts daughters’ sexual risk taking than their nonsexual risk taking (e.g., violent behavior; Ellis et al., 2003). Taken together, previous findings suggest that both the quality and duration of investment received by girls from their biological father may provide important cues about the availability of male investment that daughters use to adjust their sexual and reproductive strategies throughout development.
Also eine Abwägung dahin, dass eine Tochter ohne Vater besser früher Kinder bekommt bzw sich einen männlichen Beschützer zulegt, da der Vater dafür nicht zur Verfügung steht.
Aus den Ergebnissen:
As predicted, women who described a time their father was disengaged reported more permissive sexual attitudes (M 2.85, SD 1.84) relative to women who described a time their mother was disengaged (M 1.87, SD 1.16), F(1, 60) 6.03, p .017, d 0.64. In addition, women who described
paternal disengagement reported expecting to have a greater number of future sex partners (M 2.82, SD 2.24) relative to women in the maternal disengagement condition (M 1.79, SD 1.29), F(1, 60) 4.69, p .034, d 0.56. As expected, the analysis failed to reveal any between-subjects differences in participants’ general attitudes toward risk taking (p .54) or their reported ability to exert self-control in nonsexual domains (p .46).
Und aus der Besprechung am Ende:
Researchers frequently observe a robust association between father absence— or low-quality paternal investment—and daughters’ accelerated development, sexual promiscuity, and younger age at first reproduction (e.g., Ellis et al., 1999, 2003; James et al., 2012). According to PIT (e.g., Ellis et al., 2012), these associations result from father presence/absence providing important information about the local mating system, which plays a causal role in shaping daughters’ sexual strategies. Although PIT has been well supported by several correlational studies and natural experiments (e.g., Ellis et al., 2012; Tither & Ellis, 2008), hypotheses derived from PIT had not previously been tested experimentally. In a series of five experiments using multiple measures and comparison groups, priming paternal disengagement increased women’s sexualized thoughts (Experiment 1), sexual permissiveness and desired number of sex partners (Experiments 2– 4), and negativity toward condom use (Experiment 5). These results were not accounted for by negative affective responses to the primes (Experiments 2–5), generalized upset due to disappointment by any close other (Experiments 3–5), or a general risky shift in response to increased feelings of rejection or abandonment (Experiments 4). The effects of primed paternal disengagement on sexual risk were also found to be stronger for women than for men (Experiment 5). Taken together, the results of the current research provide the first experimental support for PIT by demonstrating a causal relationship between paternal disengagement cues and changes in women’s sexual decision making. Although we were unable to assess the long-term effects of these primed cues or their effects on actual sexual behaviors, the current findings elucidate some of the psychological shifts—such as increased activation of sexual thoughts and more permissive sexual attitudes—that may contribute to daughters’ increased sexual riskiness in response to father absence (e.g., Coley et al., 2009; Ellis et al., 2003, 2012; James et al., 2012). In so doing, this work provides a foundation for future experimental investigations into the effects of paternal disengagement on women’s beliefs about men, the local mating ecology, and behavioral interactions with prospective partners. Insight gained from this research may help inform interventions aimed at reducing some of the personal and financial costs associated with father
absence, including teen pregnancy and STI risk.
Es klingt als würde der Effekt jetzt auch nicht so hoch sein, dass man darauf bauen kann, dass eine entsprechende Frau sofort mit einem ins Bett springt, was ja so ungefähr das Klischee wäre, aber er ist jedenfalls vorhanden, wenn hier auch nur in Selbstauskünften über zukünftiges Verhalten.

„Wie Hass im Netz den Wahlkampf gefährdet“

Die Berliner Zeitung berichtet über eine Studie zu „Hass gegen Politiker“ durch der Organisation HateAid:

Für die erste Recherche der gemeinnützigen Organisation stehen die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten der Parteien im Fokus. Dafür hat HateAid Hasskommentare auf der Plattform Twitter im Zeitraum vom 19. bis 26. August dieses Jahres ausgewertet. Die ersten Ergebnisse: Innerhalb einer Woche erhielt Armin Laschet (CDU) 5662 potenziell hasserfüllte Kommentare bei Twitter, gefolgt von Annalena Baerbock (Grüne) mit 1086 und Olaf Scholz (SPD) mit 620 Hasskommentaren.

Also:

  • Armin Laschet: 5662
  • Annalena Baerbock: 1068
  • Olaf Scholz: 620

Das wären dann 7350 Hasskommentare, was uns zu folgender Verteilung bringt:

  • Laschet: 77%
  • Baerbock: 14,5%
  • Scholz: 8,4%

Dann die Sschlußfolgerung:

Vor allem Täterinnen und Täter aus dem rechten bis rechtsextremen Spektrum nutzen laut Anna-Lena von Hodenberg, Geschäftsführerin von HateAid, das Internet strategisch, um politische Gegnerinnen und Gegner mundtot zu machen. Während bei Olaf Scholz gut 42 Prozent und bei Annalena Baerbock 32 Prozent dieses Hasses von Accounts kamen, die HateAid eindeutig einem rechten bis rechtsextremen Spektrum auf Twitter zuordnen konnten, machte dies bei Armin Laschet mit 10 Prozent nur einen vergleichsweise geringen Anteil aus.

Das wären dann also:

  • Laschet: 566.2 Rechte/ 5095,8 Andere Hasskommentare
  • Baerbock: 341,8 Rechte/ 726,24 Andere
  • Scholz: 52 Rechte /568 Andere

Tatsächlich hat Laschet damit eigentlich den meisten rechten Hass abbekommen und dazu noch jede Menge anderen Hass.

Und die Berliner Zeitung bzw die Geschäftsführerin irrt recht offensichtlich, wenn sie sagt, dass gerade Rechte damit jemanden mundtot machen wollen:

  • Rechter Hass: 960 Kommentare
  • Anderer Hass: 6390 Kommentare

Rechter Hass macht damit 13% des Hasses aus. Natürlich könnte es sein, dass damit rechter Hass immer noch die größte Gruppe stellt, wenn man genug andere Gruppen hat, aber man darf vermuten, dass Laschet einiges an linken Hass erhalten hat.

Inhaltlich sollen sich die Diskussionen laut der Datenrecherche im rechten Spektrum auf Twitter vor allem auf drei Themenbereiche konzentriert haben: Afghanistan, Corona und die AfD. Mit diesen Themen würden die rechten Gruppen versuchen, zu mobilisieren und Meinungen zu beeinflussen, fasst HateAid zusammen. In einschlägigen Telegram-Gruppen von Rechten und „Querdenkern“ standen zuletzt vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und CSU-Chef Markus Söder im Mittelpunkt der Debatten.

Schade, dass nur in dieser Hinsicht aufgeschlüsselt wird. Interessant wären auch Beispiele bzw die Bewertungskriterien für rechten Hass.

Die gezielten digitalen Angriffe von rechts und die Mobilisierung zur Ausübung von digitaler Gewalt auf politische Gegnerinnen und Gegner konnte laut HateAid vor allem in den vergangenen US-Präsidentschaftswahlen deutlich beobachtet werden. Der Hass kam vorwiegend aus dem Spektrum rund um die Alt-Right-Bewegung. Auch in Deutschland hat es bereits in der Vergangenheit gezielte Hass-Angriffe auf Politikerinnen und Politiker von rechts gegeben.

Die „Deplorables“ selbst waren in der Tat auch keinen Hass ausgesetzt und Trump wurde lediglich sachlich angegangen.

„Die Ergebnisse zeigen, dass digitale Gewalt als politisches Werkzeug auch im deutschen Bundestagswahlkampf angekommen ist. Wir können live dabei zuschauen, wie die Spitzenpolitiker im Netz bedroht und beleidigt, diffamiert und gezielt angegriffen werden“, sagt Anna-Lena von Hodenberg. „Hass und Gewalt werden so zum Berufsrisiko im politischen Betrieb, erzeugen ein Klima der Angst und schrecken andere ab, für politische Ämter zu kandidieren.“ Die digitale Gewalt gefährde den Wahlkampf.

Irgendwie werfen sie da „rechte“ Gewalt mit allgemeiner Gewalt in einen Topf und auch wenn ich Gewalt generell als Mittel des politischen Diskurses ablehne, sowohl von Rechts als auch von Links finde ich es erstaunlich, dass man da gar nicht hinterfragt, warum gerade Laschet so viel abbekommt und dort die politische Linie der Hasskommentatoren näher aufschlüsselt.

(…)

Befragungen der letzten Jahre haben laut HateAid gezeigt, dass Politikerinnen und Politiker besonders von der digitalen, aber auch von der analogen Gewalt betroffen sind: So wurden 57 Prozent der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in Deutschland schon bedroht oder sogar körperlich angegriffen. 35 Prozent wurden in den sozialen Netzwerken beleidigt.

Vor allem Politikerinnen sind von der digitalen Gewalt betroffen

Parteiübergreifend seien vor allem Frauen betroffen: Rund 90 Prozent aller weiblichen Bundestagsabgeordneten sollen bereits mit Hatespeech konfrontiert worden sein. „Sobald eine Frau sich engagiert und sich öffentlich äußert, erfährt sie Hass, Beleidigungen, Anfeindungen. Es werden nicht nur Nacktfotos, sondern auch Fake-Zitate geteilt, wie bei Renate Künast (Grüne)“, sagte Anna-Lena von Hodenberg in einem Interview, das im Juni dieses Jahres in der Berliner Zeitung veröffentlicht wurde.

„90% der Politikerinnen sind bereits mit Hatespeech konfrontiert worden, Frauen besonders betroffen“ ist etwas unseriös als Schlussfolgerung, wenn man nur Frauen gefragt hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der es einen Politikergibt, der noch nciht für die politische Haltung seiner Partei angepflaumt worden ist oder der da in der Hinsicht etwas abbekommen hat. Jeder Mensch, der sich politisch engagiert erfährt Hass.

Deswegen hatte ich ja auch schon einmal vertreten, dass es gute Sitte sein sollte immer beide Geschlechter zu befragen, wenn man wissen will, wer von einem Thema besonders belastet ist.

Mithilfe der digitalen Gewalt wird laut von Hodenberg versucht, Frauen in politischen Ämtern aus ihrer Position zu drängen. Auch Trans-Menschen oder Schwarze Menschen seien Zielscheibe solcher Angriffe. „Bestimmte Stimmen und Perspektiven werden durch den Hass im Netz aus dem öffentlichen Raum verdrängt – das ist höchst demokratiefeindlich“, so von Hodenberg.

Oder Extreme von Links und Rechts versuchen Politiker der entgegengesetzten politischen Richtung das Leben so schwer wie möglich zu machen.

Siehe auch:

 

Selbermach Mittwoch

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Junge Frauen interessieren sich laut Umfrage deutlich weniger für Politik als junge Männer

Eine Umfrage zum Interesse von jungen Männern und Frauen an Politik in Deutschland:

  • Junge Frauen schreckt die deutsche Politik eher ab.
  • Nur 21 Prozent der Jungwählerinnen interessieren sich für politische Vorgänge.
  • Das ergab eine YouGov-Umfrage unter 18- bis 29-Jährigen im Auftrag des RND.

Junge Frauen zwischen 18 und 29 Jahren interessieren sich deutlich weniger für Politik als Männer derselben Altersgruppe. Das ist das Ergebnis einer YouGov-Umfrage, die exklusiv für das Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND) durchgeführt wurde. Nur 21 Prozent der befragten Frauen gaben an, sich stark für Politik zu interessieren. Demgegenüber stehen 44 Prozent der Männer. Knapp ein Drittel (33 Prozent) der Jungwählerinnen traut es sich zudem nicht zu, sich aktiv an einem Gespräch über Politik zu beteiligen.

Also 21% zu 44%. Das würde ja ganz gut zu dem 1/3 Anteil von Frauen in vielen Parteien passen.

Interesse, Wissen oder Engagement: In allen Punkten ist der Wert unter den Frauen niedriger als bei den gleichaltrigen Männern. So denken beispielsweise 34 Prozent der Jungwählerinnen, ihre Stimme bewirke nichts, und nur wenige können sich vorstellen, in eine Partei einzutreten.

Dieser Effekt könnte auf einen sehr deutlichen Geschlechterunterschied, den Dinge-Personen Unterschied zurückzuführen sein:

The magnitude and variability of sex differences in vocational interests were examined in the present meta-analysis for Holland’s (1959, 1997) categories (Realistic, Investigative, Artistic, Social, Enterprising, and Conventional), Prediger’s (1982) Things–People and Data–Ideas dimensions, and the STEM (science, technology, engineering, and mathematics) interest areas. Technical manuals for 47 interest inventories were used, yielding 503,188 respondents. Results showed that men prefer working with things and women prefer working with people, producing a large effect size (d 0.93) on the Things–People dimension.

Auch andere Studien haben diese Unterschiede schon ermittelt. Ich hatte dazu schon Artikel:

  • Interessenunterschiede im Bereich Politik zwischen den Geschlechtern

    Despite recent advances in gender equality in political representation and the availability of resources, this article shows that there is a persistent gender gap in declared political interest over the life cycle. Using evidence from the British Household Panel Survey (BHPS), we track the gender gap through the life span of citizens. At age 15, there is already a substantial gender gap of 20 percentage points in the probability of respondents reporting being politically interested, pointing to gendered socialization processes as the key explanation for such differences. In the following 10 years, as people develop into adults and unravel their political orientations, the extent of the gender gap continues to grow by about 10 additional percentage points. Following these formative years, attitudes crystallize and so does the gender gap, remaining at the same size (around 30 percentage points of difference between women and men) over the life course. These findings suggest that the development of gender roles during early childhood is a crucial phase in the source of the gender gap, deserving further attention from scholars.

  • Haben Männer und Frauen verschiedene Gesprächsthemen und Interessen?

    The signal work of Burns, Schlozman, and Verba (2001) and related analysis by Verba, Burns, and Schlozman (1997) and Verba, Schlozman, and Brady (1995) have demonstrated that gender differences in political participation in the population at large are ubiquitous, if not always substantial. Among their more important findings are the fact that men score significantly higher on measures of interest in politics, knowledge of politics, consumption of news media, and feelings of political efficacy (2001, 102). Not surprisingly, therefore, men are more likely to engage in a number of overtly political activities: to make a campaign contribution, contact a public official, or affiliate with a political organization (2001, 65). Women, however, are more likely to affiliate with organizations dealing with senior citizens, youth affairs, and education (2001, 78). Controlling for education shows that education is a more important determinant of political activity than gender (the more educated of both genders are more active), but it is noteworthy that gender differences remain even when controlling for education (2001, 95). 1 In summary, although Burns, Schlozman, and Verba are at pains to emphasize the complicated nature of the paths to political participation, it is clear that gender is one of the more important contours that shape those paths. The same can be said of Dow’s sophisticated study of the sources of gender differences in levels of political knowledge (2009). Dow distinguishes between the impact of a personal characteristic (such as education) and the potentially different “return” that two people—let us say a man and a woman—derive from the same quantity of that characteristic. He finds that men and women do not derive the same amount of “benefit” for equal units of education, “with men receiving significantly larger returns to political knowledge than women” (117). Following Burns, Schlozman, and Verba (1997, 1070) and perhaps Kenski and Jamieson (2000), he suggests that men acquire more knowledge about politics because they want to: “women and men do appear to have different tastes for politics” (Burns, Schlozman, and Verba (2001) and related analysis by Verba, Burns, and Schlozman (1997) and Verba, Schlozman, and Brady (1995), (…)

    Other studies confirm that there are moderate to strong gender differences at a very young age. Three sets of findings can be identified. First, several studies show that a gender difference in political knowledge exists from an early age. For example, Niemi, Hepburn, and Chapman found that gender strongly conditioned the acquisition of political knowledge and the consumption of news media among a sample of high school students in 1996 (2000, 57). Jenkins found a similar pattern in the 2002 National Citizen Engagement study: “Across a variety of surveys that include questions designed to gauge a respondent’s political knowledge, young women consistently turn up among the least knowledgeable” (2005, 8)
    Aus einer der zitierten Studien:

    This paper demonstrates that women are less politically interested, informed, and efficacious than men and that this gender gap in political engagement has consequences for political participation. Only when gender differences in political interest, information, and efficacy are considered along with gender differences in resources can we explain the relatively small disparity between the sexes with respect to political activity. When we searched for the origins of the gender gap in political engagement, we found that it can be explained only partially by gender differences in factors such as education that are associated with political engagement. Furthermore, these gender differences in political orientation seem to be specific to politics—rather than the manifestation of general personal attributes. Investigation of the extent to which the cues received by males and females that politics is a man’s world are responsible for the gender gap in political engagement yielded results that were suggestive, but mixed.

    Quelle: Knowing and Caring about Politics: Gender and Political Engagement

    Hier habe ich noch etwas zu den Lesegewohnheiten nach Themen gefunden:

    Tatsächlich informieren sich 62% der Männer am liebsten rund um den „Sport“. Im Vergleich dazu wollen nur 14% der Frauen gerne etwas über dieses Thema in den Printmedien erfahren. Wenn es um Politik geht, zeigt sich bei den Männern ebenfalls ein deutlich höheres Interesse. Doppelt soviele Männer (29%) wie Frauen (14%) setzen sich beim Lesen regelmäßig mit politischen Angelegenheiten auseinander. Für das Geschehen in der heutigen Finanzwelt interessieren sich 19% der männlichen und 18% der weiblichen Befragten – im Bereich Wirtschaft sind die Geschlechter somit wieder vereint. Geht es jedoch um die Themen „Mode“, „Unterhaltung“ oder „Boulevard“ liegt das männliche Interesse gerade einmal bei 9% – bei den Frauen sind es satte 42%. Das klare Fazit: Manche Vorurteile halten sich hartnäckig – und wie man sieht, einige zu Recht.

„Viele Frauen nehmen Politik sehr stark als ein Machtspiel wahr“, erklärt der Jugendforscher Klaus Hurrelmann. Das schrecke viele Frauen ab. Erst, wenn es um Inhalte gehe, steige das Interesse.

Auch das passt zu dem, was man evolutionsbiologisch erwarten kann. Männer sind eher als Frauen in hierarchischen Statusgesellschaften zu finden, tragen intrasexuellen Wettbewerb eher über Konkurrenz in der Sache aus etc.

YouGov befragte vom 30. Juli bis zum 5. August 1048 Jungwählende in Form einer Online­umfrage. Das Ergebnis ist für die Zielgruppe der 18- bis 29-Jährigen repräsentativ.