Der letzte Aufschrei des Patriarchats

Das Patriarchat liegt evtl in den letzten Zügen:

Ein Begriff »Extinction Burst« bezeichnet ein bestimmtes Verhalten, das verstärkt auftritt, nachdem es nicht mehr belohnt wird. Beispiel: Ein Kind, das regelmäßig durch Quengeln Süßigkeiten bekommen hat, wird erst recht ausrasten, wenn plötzlich keine Gummibärchen mehr kommen. Das Verhalten eskaliert, und zwar nicht, weil es »funktioniert«, sondern weil zum letzten Mal versucht wird, es zum Funktionieren zu bringen.
Auch Erwachsene können solche Muster zeigen. Wer ans Glücksspiel gewöhnt ist, wird oft gerade dann am meisten setzen, wenn das Verlieren beginnt, und wer seinen Dopaminrausch auf Social Media braucht, checkt das Handy umso öfter an Tagen, an denen eigentlich digitale Abstinenz herrschen sollte
Wenn man das auf Macht und das Patriarchat überträgt? Auf Strukturen, in denen bestimmte Gruppen – weiße Männer, heteronormative Familienväter, religiöse Autoritäten – jahrhundertelang gewohnt waren, dass ihre Position mit Respekt, Einfluss und Entscheidungshoheit belohnt werden?
Dann findet man ziemlich schnell eine mögliche Erklärung für all die missionierenden, männlichen Christfluencer, die unter Postings von Frauen in kurzen Urlaubskleidern schreiben, dass sie jetzt aber ganz dringend zu Jesus finden müssen, weil sonst gehe die Welt unter. Und zwischen all den Alpha-Bros, die über »Weiber heutzutage« abranten, frage ich mich: Ist das der Schrei der Verlierer?
Immer wieder faszinierend, wie der Feminismus zwischen dem allmächtigen Patriarchat und dessen baldigen Untergang hin und herwechselt.
Gerade noch waren wir Männer als Unterdrucker quasi allgegenwärtig, jetzt hört man schon das Schreien der Verliere.
Der Zustand des Patriarchats folgt nicht der wirklichen Welt, sondern der Artikelbotschaft, die man gerade senden will. :
Ein Artikel wie unterdrückt die Frau ist: Das Patriarchat ist stark
Ein Artikel das sich der Kampf lohnt: Das Patriarchat ist fast besiegt, wenn nur alle mitmachen

Buccal Fat Removal als Schönheitsoperation, die nicht schöner macht

Ein Trend in für Schönheitsoperationen ist gerade „Bucal Fat Removal“.

Entfernung des Bichat-Fetts oder Buccal Fat Removal ist ein plastisch-chirurgischer Eingriff, bei dem auf jeder Gesichtshälfte ein Teil des Bichat-Fettpolsters entfernt wird. Dadurch wird die Wangenfülle reduziert und eine schärfere Kieferlinie betont. Die Menge des entfernten Fetts variiert je nach gewünschter Gesichtsform. Es handelt sich ausschließlich um einen ästhetischen Eingriff.

Das Ergebnis sieht so aus:

Es ist ein so erstaunliches Phänomen, weil es so häufig fürchterlich aussieht. Gut, vielleicht machen es einige Leute dezenter und man merkt es gar nicht, aber es sind ja viele Frauen, die es zum einen nicht nötig hatten, zum anderen ihre Gesicht, also ihr Markenzeichen, so verändern, dass man sie kaum wiedererkennt.

Zur genauen optischen Wirkung:

Buccal Fat Removal (auf Deutsch: Entfernung des Wangenfetts oder Bichat-Fettkörper-Entfernung) ist ein rein kosmetischer chirurgischer Eingriff, bei dem der Arzt einen Teil des Bichat’schen Fettkörpers (buccal fat pad) aus jeder Wange entfernt.

Optische Wirkung:

  • Die Gesichtsmitte wird schlanker und hohlwangiger.

  • Die Wangen wirken weniger „pausbäckig“ oder „babyface“-artig.

  • Die untere Gesichtshälfte erscheint schmaler und kantiger.

  • Die Kinn- und Kieferlinie (Jawline) wirkt dadurch oft definierter und markanter.

  • Insgesamt kann das Gesicht ein „erwachseneres“ oder „modellhafteres“ Aussehen bekommen.

Die Wirkung ist dauerhaft, weil das entfernte Fett nicht wieder nachwächst. Bei übermäßigem Entfernen kann das Gesicht später (mit zunehmendem Alter und natürlichem Fettabbau) eingefallen und vorzeitig gealtert aussehen.

Was ich mir vorstellen könnte: Männer finden Ansätze von pausbackig und babyface attraktiver als Frauen.

Das würde angesichts des Umstandes, dass Alter bei der Bewertung von Schönheit durch Männer meist einen wichtigen Faktor hat (also: 18-20jähirige werden besser bewertet als 27-30jährige) ja durchaus passen.

Intrasexuelle Konkurrenz unter Frauen könnte da bei Frauen untereinander zu einer anderen Bewertung als bei Männern durch sexuelle Selektion geführt haben.

Aber vielleicht ist es auch nur der allgemeine Schönheitsdruck und das es „die neuste Prozedur“ ist.

„Sacha Baron Cohen merkt nicht, dass sein Körper in der Midlife-Crisis nach der Scheidung für die meisten Frauen abstoßend ist.“

Der Schauspieler Sascha Baron Cohen und seine Frau Isla Fischer lassen sich scheiden und Sascha Baron Cohen hat einiges an seinem Körper getan:

Sascha Baron Cohen Mens Fitness

Sascha Baron Cohen Mens Fitness

Für ein Alter von 53 Jahren ein durchaus guter Körper. Er sieht fit aus.

Das gefällt aber zumindest einer Journalistin nicht:

“From Borat to buff,” the caption reads on the cover of Men’s Fitness, along with a topless shot of… wait, that can’t be Sacha Baron Cohen, can it?
My first thought was oily biltong. My second thought was one of those comedy cooking aprons featuring a male torso. My third thought was: ooh, hench, what do you bench?
No, of course it wasn’t. It was this: I get the 53-year-old actor and comedy writer is now officially divorced from his wife, Isla Fisher, 49, but I’m not sure the revenge body thing is really working.

„Revenge Body“ ist die Idee, dass man sich nach einer Trennung einen so guten Körper zulegt, dass der andere die Trennung bedauert. Ist natürlich auch eine ziemliche Mutmaßung aus meiner Sicht. Es ist sicherlich eine Typenveränderung, aber es ist andererseits immer gut was für sein Aussehen zu machen und gut auszusehen.

Back in the day (1994, to be precise), Diana, Princess of Wales, stole the show with a daring off-the-shoulder black dress to signal her couldn’t-care-less-but-actually-care-a-lot insouciance.
I can’t see why a Celine Homme polo shirt and Tom Ford linens wouldn’t have done the trick for Baron Cohen. He’s a dad with two daughters and a son, and therefore absolutely entitled – some would say obliged – to rock a dad bod.

Würde man so etwas jemals über eine Frau schreiben? Isla Fischer hat ja auch keinen „Mom Bod“.

What his Australian ex-wife makes of it all is anyone’s guess. The couple met at a party in 2001 and were engaged in 2004. The Wedding Crashers actress converted to Judaism to marry Baron Cohen in 2010. Although they announced their separation in 2024, they said it had happened a year previously. Both have been at pains to keep their personal lives private.
But now that the privately educated Cambridge graduate has joined the Hollywood elite, he happily admits he brought in a crack team for his ripped glow-up, which he describes as “a midlife crisis”. Plus, he has been cast as Marvel’s supervillain devil Mephisto, who makes evil pacts with mortals in order to acquire their souls, which concentrated his mind.
“Some celebs use Ozempic, some use private chefs, some use personal trainers. I did all three,” he told the magazine. “This is not AI, I really am egotistical enough to do this.”

Er spielt in einem Superheldenfilm mit? Das ist selten der Moment für einen „Dad Bod“. Sein Charakter Mephisto ist wie zu erwarten auch eher sportlich:

Marvel Mephisto

Gut, er wir vermutlich etwas mehr Kleidung anhaben, aber ansonsten ja gar nicht so weit weg.

Given he was put through his daily workouts by someone called @theangrytrainer, his dedication, appropriately enough, verged on the demonic.
It’s a far cry from his wannabe gangsta Ali G character back in the 1990s, which led to his film about his shockingly inappropriate Kazakh journalist, Borat, in 2006, and then his mockumentary about monstrous Austrian fashionista Brüno three years later. In 2012, he played Admiral General Aladeen in The Dictator, billed as “the heroic story of a dictator who risked his life to ensure that democracy would never come to the country he so lovingly oppressed”.

Baren Cohen is perhaps most synonymous with Borat and his bright green mankini

Das stimmt, Borat war eine seiner bekanntesten Figuren und für die hätte er nicht trainieren müssen.

Now a bona fide A-lister, Baron Cohen has clearly fallen prey to the literal arms race dominating the big franchises, which has seen male actors (and their body doubles) push their physiques into superhero proportions. Having presumably forgotten that superheroes aren’t real.
These days, muscle mass equals star power. On screen, at any rate. In Men’s Fitness, Baron Cohen has found the perfect body-conscious audience for his great reveal, but I’m not sure how many women will find his pumped-up pecs a thing of beauty.

Es ist interessant, dass sie da vollkommen ohne wirklich Begründung ankommt. Es ist ja nicht so, dass andere Schauspieler mit entsprechenden Körpern alle Single sind.
Ich bezweifele im Gegenzug, dass Frauen Borat attraktiver finden als Baron Cohen in seiner neuen Gestalt. Insofern kann der Imagewechsel für ihn durchaus vorteilhaft sein.

Männliche Schauspieler mit sehr sportlichen Körper in seinem Alter wären (mit KI erstellt, weil ich keine Lust hatte lange Geburtsjahre rauszusuchen):

  • Hugh Jackman (Jahrgang 1968, also ca. 56, etwas drüber, aber immer noch topfit) – bekannt für seine Wolverine-Rolle, extrem guter Shape.
  • Jason Statham (Jahrgang 1967, ca. 57, etwas älter, aber er steht für Action und durchtrainierten Body).
  • Idris Elba (Jahrgang 1972, ca. 53) – gilt als sehr attraktiv, oft in Actionrollen, fit.
  • Jude Law (Jahrgang 1972, ca. 53) – nicht Bodybuilder-artig, aber immer in guter Form.
  • Mark Wahlberg (Jahrgang 1971, ca. 54) – bekannt für seinen extrem trainierten Körper, vor allem für Rollen wie „Pain & Gain“.
  • Paul Rudd (Jahrgang 1969, ca. 56) – ewig jugendlich wirkend, für „Ant-Man“ in sehr guter Form.
  • Matthew McConaughey (Jahrgang 1969, ca. 56) – hält sich fit, spielt oft sportliche Rollen.
  • Javier Bardem (Jahrgang 1969, ca. 56) – charismatisch, bei Bedarf durchtrainiert.
  • Jon Hamm (Jahrgang 1971, ca. 54) – bekannt für „Mad Men“, nicht extrem muskulös, aber sportlich.
  • Daniel Craig (Jahrgang 1968, ca. 57) – Ex-Bond, für sein Alter extrem fit.

Auch alles nicht unbedingt Männer die Frauen unattraktiv finden.

It’s great for any midlifers to have a stimulating hobby, and there’s something deeply attractive about a man pursuing a passion. But there’s something troubling when that passion turns out to be sculpting himself in the image of a cartoon character.

„Cartoon Charakter“ ist da auch etwas unfair. Da hat man Donald Duck vor Augen und nicht Thor oder Mephisto, die ja Comic Charaktere sind.

Ich glaube da könnte etwa Eifersucht mit hineinspielen, weil eine 53-jährige Frau eine solche Umwandlung nicht machen könnte. Man wird ihr das Alter und deren Folgen immer mehr ansehen. Deswegen soll er auch gefälligst einen Dad Bod haben und nicht etwa einen Körper der auch für jüngere Frauen interessant ist. Der Mann, der sich so entwickeln kann, dass er die älteren Frauen ignorieren könnte ist gerade für Frauen im gleichen Alter auch etwas, was die intrasexuelle Konkurrenz anstachelt. Und die findet es eben unfair, wenn ältere prominente Männer zu gut aussehen, so dass die jüngeren Frauen wieder im Rennen sind bzw sie raus.

Judith Woods, die Autorin, dürfte auch schon über 50 sein und die meisten Fotos, die man von ihr findet, sind deutlich älter (zB hier).

Der Körper von Cohen Baron ist dann vielleicht abstoßend, weil Frauen wie man selbst dann aus dem Rennen sind.

 

 

 

Der Tea App Leak

Inhalte der Tea App wurde geleakt. Aber erst einmal eine kleine Vorstellung (aus der Wikipedia):

Tea Dating Advice

Entwickler: Tea Dating Advice, Inc.
Erstveröffentlichung: 2023
Betriebssystem: iOS, Android
Typ: Soziales Netzwerk
Website: www.teaforwomen.com

Tea, offiziell Tea Dating Advice, ist eine mobile App, die es Frauen ermöglicht, persönliche Informationen über Männer zu posten, an denen sie interessiert sind oder mit denen sie aktuell ausgehen.

Gegründet wurde die App 2023 von Sean Cook. Im Juli 2025 erlangte sie breite Aufmerksamkeit, nachdem sie in sozialen Medien intensiv diskutiert wurde – vor allem im Zusammenhang mit Dating und Geschlechterrollen. Die App war mehrfach Gegenstand von Kontroversen, sowohl wegen ihrer Funktionen als auch wegen Datenschutzvorfällen.

Im Juli 2025 kam es zu zwei größeren Datenlecks, bei denen Fotos, Nachrichten und persönliche Informationen der Nutzer veröffentlicht wurden. Am 29. Juli 2025 wurde eine Sammelklage gegen das Unternehmen eingereicht. Experten für Cybersicherheit fordern, die App aus den App-Stores für Android und iOS zu entfernen oder deren Sichtbarkeit einzuschränken.

Geschichte

Gegründet wurde das Unternehmen von Sean Cook, einem Unternehmer und Tech-Investor. Nach eigenen Angaben wurde Cook durch die negativen Online-Dating-Erfahrungen seiner Mutter inspiriert. Nach dem Start 2023 wurde die App durch ihre polarisierende Wirkung im Juli 2025 viral.

Die Entwickler bewerben Tea als „mehr als nur eine App – eine Schwesternschaft“ und versprechen, dass man darüber „verifizierte Green-Flag-Männer“ finden könne. Auf Instagram beschreibt sich die App als „wie Yelp, nur für Männerbewertungen“. Auf der Website wird sie als „der sicherste Ort, um Tee zu verschütten“ beschrieben – „Tee“ steht hier sinngemäß für Klatsch oder Insider-Informationen. Im Juli 2025 gaben die Entwickler an, über 4,6 Millionen Nutzer zu haben.

Funktionen

Nutzerinnen können Fotos von Männern hochladen, ansehen und kommentieren, öffentliche Register überprüfen und Bilder durchsuchen. Zudem können Männer bewertet und kommentiert werden, es gibt auch eine Gruppenchat-Funktion. Die App nutzt künstliche Intelligenz zur Überprüfung, ob die Nutzerin tatsächlich eine Frau ist, unter anderem durch Gesichtsanalyse und andere Angaben, um den Zugang exklusiv für Frauen zu halten.

Nach außen konnte man die ganze App als feministisch verkaufen: Die Dating Welt ist gefährlich für Frauen, mit jedem Date müssen sie fürchten ermordet/vergewaltigt/belästigt etc zu werden. Was liegt also näher als ein Netzwerk von Frauen, die diese Gefahr vermindern, in dem sie eine geheime Datenbasis (geheim insofern, dass Männer keinen Zugriff haben) errichten, in der sie alle Informationen über die Männer speichern, so dass man gleich weiß, ob sich ein Date mit dem jeweiligen Mann lohnt bzw. ob er gefährlich ist.

Zudem hat man auch Gelegenheit zu prüfen, ob zB der eigene Freund fremd geht (weil Frauen etwas über Dates mit ihm schreiben) oder was der Ex macht.

Das alles könnte eine wunderbare App sein, bei der Frauen sich gegenseitig unterstützen, aber das setzt natürlich voraus, dass die Frauen fair bleiben, ihr eigenes Verhalten und ihren Anteil am Scheitern einer Beziehung sehen und beachten und nicht etwa Rachefantasien ausleben oder ihr Selbstwertgefühl dadurch erhöhen, dass sie den anderen herabsetzen. Es ist aber wohl leider auch häufig die alte Fabel vom Fuchs und den zu hoch hängenden Trauben gewesen, die bitter sind.

Jedenfalls fühlten sich wohl auch viele Männer ungerecht behandelt und herabgesetzt, was sich auf ihr Datingleben auswirkte.

Ich vermute diese sehr einseitige Sicht ist vielleicht auch der Grund, warum die App lediglich in den USA gestartet ist und (meines Wissens nach) nicht in der EU und damit auch nicht in Deutschland. Die hiesigen Datenschutzvorschriften hätten vermutlich die Gesellschaft sehr angreifbar gemacht.

 

Für den Zugang müssen Nutzerinnen ein Foto und einen Ausweis hochladen. Laut Unternehmen bleiben Nutzerinnen anonym, und die Pflicht, einen Ausweis hochzuladen, wurde 2023 aufgehoben.

Die Journalistin Amanda Hoover beschrieb Tea als ein digitales, weit verbreitetes Flüster-Netzwerk.

Rezeption

Cybersicherheitsexperten kritisieren die App stark wegen mangelnder Sicherheits- und Datenschutzmaßnahmen. Aufgrund dieser Vorwürfe und der Datenlecks wird der App vorgeworfen, gegen ihre eigenen Datenschutzrichtlinien zu verstoßen und Daten länger zu speichern als angegeben. Kritiker fordern die Entfernung aus den App-Stores. Bis Ende Juli 2025 war die App offenbar in den Android-Suchergebnissen nicht mehr auffindbar.

Befürworter loben Tea hingegen als Instrument zur Stärkung der Frauensicherheit – etwa um Männer auf Untreue, Catfishing, Vorstrafen oder andere „Red Flags“ zu prüfen. Kritiker bezeichnen die App jedoch als Doxing-Tool und Datenschutzrisiko, das Unschuldige verleumden könne. Anwälte weisen darauf hin, dass Falschinformationen möglicherweise zu Klagen führen könnten, wobei die Wahrheit eine absolute Verteidigung sei. Auch Cybermobbing-Gesetze könnten betroffen sein.

Sean Cook erklärte, das Unternehmen erhalte etwa drei rechtliche Drohungen pro Tag und betonte: „Viele sind unzufrieden mit dem, was wir tun – und das ist für uns in Ordnung. Wir sehen es als öffentlichen Dienst.“

Das spricht dafür, dass es auch in den USA einiges an Problemen gab oder noch geben wird. Allerdings kann ich zu der dortigen Lage natürlich wenig sagen. Ich kann mir vorstellen, dass es das Datingleben sehr schwierig machen kann, wenn danach jedes Date ggfs von einer enttäuschten oder anderweitig verärgerten Frau besprochen werden kann ohne das man es evtl mitbekommt. Für Vieldater würde es sich wahrscheinlich lohnen ein Fakefrauenprofil zu erstellen, ggfs auf einem gesonderten Handy um seinen Eintrag zu überwachen (oder gar positive Einträge zu erstellen).

Datenlecks

Erstes Datenleck
Im Juli 2025 wurden private Nachrichten, andere persönliche Informationen sowie etwa 72.000 Bilder (darunter 13.000 Selfies und Ausweisfotos sowie 59.000 Bilder aus Posts und Direktnachrichten) über 4chan geleakt. Es wurde behauptet, dass die Datenbank ungesichert und ohne Passwort oder Verschlüsselung zugänglich war. Medien berichteten, dass Tea offenbar Verifikationsdaten länger speicherte, als die Nutzungsbedingungen erlaubten. Laut CNN könnten die Daten für Identitätsdiebstahl, Deepfakes oder Betrug missbraucht werden.

Zweites Datenleck
Ein weiteres, noch größeres Leck betraf 1,1 Millionen private Nachrichten zwischen Nutzerinnen aus dem Zeitraum Februar 2023 bis Juli 2025. Diese enthielten sehr private Inhalte – u. a. Gespräche über Untreue, Abtreibungen, Telefonnummern, Treffpunkte und mehr. Medien zeigten Beispiele, wie Frauen Informationen über ihre Partner austauschten. Viele Identitäten ließen sich daraus direkt ableiten. Infolge wurde die Nachrichtenfunktion deaktiviert.

Teaspill

Im Zuge der Datenlecks entstand die Website „Teaspill“, die ein Ranking-Spiel mit gestohlenen Selfies anbot und viral ging. Außerdem tauchte eine interaktive, unbestätigte Karte mit den betroffenen Personen auf.

 

Es gab dann wohl wegen einer absolut ungesicherten Datenbank einen Leak was zu entsprechenden Aufschrei der Nutzerinnen führte. Aber es hat natürlich auch etwas, wenn Frauen, die nichts auf die Privatsphäre der Männer gegeben haben, sich nun darüber beschweren, dass ihre persönlichen Daten ans Licht gekommen sind.

Hier ein paar Auszüge, die ich von Twitter habe:

Tea app leak

Tea app leak

Tea app leak

Tea app leak

Und hier aus einem Bericht:

On platforms like X and Reddit, men are asking for proof that the stories submitted to Tea are true, while one man queried how the world expected women to be ‚honest‘ on such an app.

Of the many men claiming to be exposed on Tea, one said he was accused of ghosting and cheating on a woman, and has since ’noticed a steep decline in my Hinge/dating app matches‘ as a result.

A ‚Men’s Rights‘ subreddit has gone as far as calling for Tea to be completely eliminated and is urging fellow men to ‚take five seconds out of their day to report‘ the app.

As put by US influencer Noel Glenn Carter, ‚the Tea app is ruining men’s lives‘.

‚The app is only for women so you have to prove that you’re a woman before you get accepted,‘ the 26-year-old explained in a TikTok video.

‚The way the Tea app works is women will leave either green or red flags for men that they’ve dated – green being good, red being bad. They can also leave Yelp sort of reviews on these men as well‘.

Wird interessant, was die Folge für die Tea App sein wird. Sie haben wohl schon seit einiger Zeit abgeschafft, dass die Frauen Bilder von sich hochladen müssen, so dass neuere Profile nicht so stark betroffen sein dürften. Und es sollte nicht so schwierig sein da eine sichere Datenbank anzulegen (wobei es da abschließende Sicherheit auch nicht geben wird).

Zudem dürften Prozesse auf sie zurollen, die in den USA sehr teuer sein dürften. Aber selbst wenn es diese App nicht überlebt kann natürlich jemand eine neue hochziehen.

Wäre interessant, wie die Reaktion auf eine entsprechende App für Männer wäre, auf der sie Frauen bewerten. Ich vermute da würde der Aufschrei sehr groß sein.

Sydney Sweeneys Jeans-Werbung

Die Jeans Marke: American Eagle hat anscheinend ihre Werbestrategie geändert:

American Eagle Jeans woke vs. Hot

American Eagle Jeans woke vs. Hot

Hier noch einmal die Videos dazu:

Für Aufregung sorgen aus meiner Sicht drei Sachen:

  • die Abkehr von der woken Werbung
  • Das Sydney Sweeney sehr sexuell rüberkommt und damit den „Male Gaze“ bedient
  • und das in einem der Videos so ungefähr angeführt wird „wir sind ein Produkt unser Gene, was Aussehen, Persönlichkeit und Augenfarbe angeht, ich habe tolle Jeans“ (also zuerst einmal ein Wortspiel mit Genes-Jeans im englischen)

Die Taz hat für den deutschsprachigen Bereich einen tollen Artikel darüber:

Zuerst die schlechte Nachricht: Sex sells. Dann die noch Schlechtere: White Supremacy sells better. Und weil aller guten Dinge drei sind, eine noch: Diversity doesn’t sell.

Diese bittere Wahrheit offenbart die neue Werbekampagne der US-Jeansmarke American Eagle mit der Schauspielerin Sydney Sweeney: „Sydney Sweeney Has Great Jeans“ (great jeans = great genes, also Gene, kreatives Wortspiel, haha, verstehste?).

Darin wird der 90-60-90-Körper des „Euphoria“-Stars halbnackt von unten bis oben gefilmt. Aus dem Off erklärt ihre zuckersüße Stimme: „Gene werden von den Eltern an die Nachkommen weitergegeben und bestimmen oft Eigenschaften wie Haarfarbe, Persönlichkeit und Augenfarbe. Meine Jeans sind blau.“

Im deutschen fällt das Wortspiel mit Genes und Jeans natürlich weg. Und weil bereits ein Verweis auf Gene rechts ist, insbesondere mit Persönlichkeit, muss das schlecht sein. Um so mehr, weil Sydney auch noch gut aussieht.

In einem weiteren Clip bleibt die Kamera an ihrem prallgefüllten Dekolleté hängen, bis sie augenzwinkernd und mit Schlafzimmerblick über ihre eigene Sexualisierung schmunzelnd sagt: „Hey! Meine Augen sind hier oben!“.

Die Kampagne für Frauenjeans, die sich unverhohlen ausschließlich an den male gaze richtet, steht sinnbildlich dafür, dass die Illusionen des entsexualisierten weiblichen Körpers und der vermeintlichen „Bodypositivity“-Ära beendet sind.

Der „Male Gaze“ ist eigentlich die intrasexuelle Konkurrenz unter Frauen, denn die werden ja als Kunden angesprochen Und damit das Versprechen, dass man in den Jeans gut aussieht. Das könnte man ja auch als die Botschaft sehen: „Gene machen alles mögliche. Aber wichtiger ist eine gute Jeans zu haben“

CEO finanzierte Trumps Wahhlkampf
Doch nicht nur Sexismus wird hier verkauft. Indem American Eagle eine weiße Schauspielerin mit blauen Augen, blondem Haar und normschönem Körper zur Verkörperung „guter Gene“ stilisiert, wird ein Schönheitsideal gefeiert, das in rassistischen und eugenischen Erzählungen wurzelt: Weiße Genetik ist überlegene Genetik.

Das ist der Aufhänger, damit man sich richtig aufregen kann. Denn sich einfach nur über eine schöne Frau aufzuregen, die sexuell aber selbstbewußt dargestellt wird, ist etwas einfach. Also kommt ein Überbau über die Kritik, nachdem man hier betonen will, dass NUR weiße Frauen schön sind.

In den sozialen Medien werden Sweeney und American Eagle „faschistische-“ und „Nazi-Propaganda“ vorgeworfen. Die Ästhetik erinnere an Nazi-Ideale vom „gesunden Volkskörper“. Andere Nut­ze­r*in­nen hingegen halten die Kritik für „übertrieben“ oder „absurd“. Schön wär’s.

Wer kennt sie nicht, die Nazipropagande mit Frauen, die ihre Brüste zeigen und sexuell sind?

Doch die Kampagne kommt nicht von ungefähr: American Eagle-CEO Jay Schottenstein finanzierte verschiedenen Medienberichten zufolge sowohl Donald Trumps als auch Benjamin Netanjahus Wahlkampf. Sweeneys Eltern gelten als Trump-Unterstützer*innen; von Sweeney selbst kursieren im Netz Fotos auf Familienfeiern, wo MAGA-Caps zu sehen sind. In der Vergangenheit hat sie sich vom Vorwurf, ebenfalls Trump-Anhängerin zu sein, dis­tanziert.

Dann ist es klar, dass sie ein Nazi ist!

Die Codes in der American-Eagle-Kampagne stößt nicht nur auf Kritik: Rechte reposten das Video begeistert auf Tiktok und X mit Kommentaren wie „We are so back!“

Profit über Integrität

Die Abkehr von Diversität ist kein Zufall. Noch vor wenigen Jahren setzte American Eagle auf Vielfalt, warb mit People of Color, „Plus-Size“-Models und Körpern mit Behinderung – und musste dafür am Markt Verluste hinnehmen. Die Aktie von American Eagle verlor seit 2021 zwei Drittel ihres Wertes, zuletzt dümpelte sie lange bei nur noch acht Euro herum. Die Rückkehr zum normschönen, weißen Ideal à la Sweeney hingegen wurde vom Markt prompt belohnt: Die Aktie schoss nachbörslich um 22 Prozent in die Höhe.

Wer hätte es gedacht: Frauen wollen schön sein. Es wird ewig ein Rätsel sein, warum sie lieber mit Sydney als mit dem oben zu sehenden schwarzen Modell in Verbindung gebracht werden wollen. Vollkommen unverständlich.

Unternehmen, die ihr Profitstreben über Integrität stellen, hat es schon immer gegeben und wird es auch immer geben. Genauso wird es weiterhin Promi-Girls geben, die als Aushängeschild dafür herhalten. Von ihnen muss jedoch Verantwortung eingefordert werden.

Genial. Was fällt einer Aktiengesellschaft ein? Die will Profit machen? Die soll gefälligst die Verluste hinnehmen und dicke nichtweiße Frauen als Modells nehmen! Kann doch mal nicht wahr sein, ein Unternehmen, welches Gewinn machen möchte. Ich bin entsetzt!

Frauenquoten und ihre Auswirkungen

Auf Reddit findet sich unter r/luftablasen ein interessanter Beitrag:

Meine sehr geehrten Damen und Herren, es ist schon wieder passiert und um den ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Herrn Kurz zu zitieren: “Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich halte das alles nicht mehr aus.”

Eigentlich sollte es ein ganz normaler Dienstag auf der Arbeit werden. Ich schalte meinen Laptop ein, lass mir währenddessen eine Tasse Kaffee runter und denke darüber nach wie ich es anstellen soll, dass ich irgendwie meine Arbeit fertig bekomme, sodass ich auch mal meine Sommerferien genießen kann. Seminar- und Bachelor-, sowie Masterarbeiten stapeln sich und mein Posteingang zeigt 273 unbeantwortete E-Mails an, mein Teams ist automatisch auf “in einer Besprechung” eingestellt. Alles kein Problem jetzt ist es die nächsten Wochen ja eh ruhig….

Kaum 10 Minuten hatte ich für mich und meine Arbeit, da kommt der Fakultätsleiter zur Tür meines Büros rein und fragt ob ich denn kurz Zeit habe. Ich bejahe das und seh im aber schon an, dass ihm, was auch immer er mir mitteilen möchte, unangenehm ist. “Frau XY es tut mir sehr Leid Sie zu stören, aber ich wollte Fragen ob Sie Mitte Oktober Zeit haben einer Berufungskommission beizuwohnen.” Eigentlich wollte ich sofort mit “Nein” antworten, aber habe stattdessen gefragt um welche Professur es denn geht (es wurden gerade zwei ausgeschrieben und keine davon nur ansatzweise meine Fachrichtung).

Nachdem er mir gesagt hat welche, habe ich dann eben geantwortet, dass ich denke nicht wirklich geeignet zu sein, da ich fachlich auf dem Gebiet nicht bewandert bin und daher finde kein fundiertes Feedback zum Vortrag geben zu können. Seine Antwort? “Ja Frau XY, das ist mir schon bewusst, aber Sie wissen doch dass wir vom Rektorat die Vorgabe haben die Frauenquote zu erfüllen. Sie sind nunmal die einzige die an diesen beiden Tagen keine Lehrveranstaltung abhält und Herrn YZ dürfen wir nicht nehmen, weil wir schon zu viele Männer sind.”

Da ist mir fast der Kragen geplatzt. Ich ersticke in Arbeit und dann soll ich einfach zwei Tage lang nur dasitzen damit ich eben da bin?! Weil ich eine Frau bin?! Als ob ich nichts besseres zu tun hätte. Ich habe es ehrlich gesagt einfach satt nicht für meine Kompetenzen ausgewählt zu werden, sondern einfach weil ich eine Frau bin. So muss es sich also anfühlen beim Völkerball als Letzter ausgewählt zu werden, weil man eben nicht die Option hat einfach nicht mitzumachen.

Ich habe es einfach satt, dass wir zu diesem Punkt gekommen sind. Nun wo wir Frauen alle Möglichkeiten haben die selben Kompetenzen zu erwerben wie unsere männlichen Kollegen, werden wir wieder nur auf unser Geschlecht reduziert, nicht auf unser Können. Ich freu mich jetzt schon auf das obligatorische “Auch nur hier wegen der Frauenquote, was?” Und ab jetzt antworte ich einfach nur mehr mit “Ja.” auf diese Frage. Mir wird’s zu blöd hier. So, ich gehe jetzt wieder arbeiten. Danke für’s lesen.

Auch ein schöner Einblick in solche Prozesse. Darunter finden sich noch einige interessante Kommentare:

1

Frauenquote macht Quotenfrauen. Tja.

Arbeite in der Administration von MINT Projekten und war schon auf SO vielen Laborfotos als Komparsin im Hintergrund, oder auch Vordergrund, dass es nicht mehr witzig ist. Gerne auch im Laborkittel für Situationen, die keinen Kittel brauchen. Sage jetzt immer nein, weil selbst für eine Hardcore-Überfliegerin wie mich sieben Forschungsfelder in zehn Jahren nicht mehr glaubhaft sind. Seufz.

2.

Kollegin arbeitet Nebenberuflich als Model. Frauenanteil sehr gering aber für die Internetpräsenz braucht man ja ab und zu nenn paar Bilder von der Hart schuftenden Belegschaft und vor allem von den Frauen. Man will ja nicht aussehen wie ne reine Männerbude.

Also wurde Kollegin gefragt. Sehr.. sehr oft. Sie ist ja eine der wenigen Frauen außerdem sieht sie ja so gut aus und macht das ja nebenberuflich auch. Sie wisse ja wie man gute Bilder macht etc.

Nunja irgendwann war es ihr so blöd, dass sie meinte sie hätte im Rahmen der regulären Arbeit keine Zeit bzw. Ist es nicht Teil ihrer Arbeit. Aber gerne können sie sie extern bei der Agentur buchen. Danach war Ruhe.

3.

„Die gilt nämlich nur bei gleicher Eignung“

In der Theorie, wird aber auch gerne zurechtgebogen wie es beliebt.

Anekdotische Evidenz die ich mitbrkommen habe,

ÖD, Stelle verlangt zwingend einen MINTler. Stelle ging dann an Pädagogin weil Geschlecht dann doch wichtiger war als fachliche Eignung.

Oder erinnert sich noch jemand an den Fall in Berlin, wo eine Mathematik-Professur nicht besetzt wurde, weil man keinen Mann haben wollte…

4.

Hab mich mal vor Jahren in der Firma bei einem Junior Manager Programm beworben.

Wenn man über 3 Jahre Top Bewertungen und unter 35 war konnte man mitmachen.
Ablauf kurz zusammengefasst: 6 Monate diverse Schulungen und Team Arbeiten. Danach 6 Monate im Ausland. Danach wird man bei Abteilungsleiterposten bevorzugt.

Dachte ich mir… da machst mit. Also mal eine Formlose Mail hin geschrieben.
Fünf Minuten später ruft mich eine Dame von HR an.
Kurzfassung: „Super das sie mitmachen! Wir haben bis jetzt viel zu wenig Männer! Ich mein Chancen brauchen sie sich keine Ausrechnen, dafür haben sie das falsche Geschlecht! Aber damit das nicht so schief ausschaut, brauchen wir sie halt!“

Die wollte echt, dass ich 6 Monate ins Ausland gehe, was schon eine finanzielle Belastung gewesen wäre. Mit der Aussicht auf NICHTS!

Also ja OP die Quoten sind scheiße, auf allen Seiten.

5.

Habe vor ein paar Jahren mal in einem sehr großen DAX Unternehmen gearbeitet. Damals waren ca. 33% der Belegschaft Frauen, Führungskräfte waren zu 35% weiblich. Die Firma wollte damals aber mindestens 50% weibliche Führungskräfte. Das ging soweit, dass sogar teilweise Boni für Manager bezahlt wurden, wenn sie eine Frau befördert hatten. Was hat das ganze am Ende gebrach? Es wurde versucht nahezu jedes Mal eine Frau auf die Führungsstelle zu bekommen, was für die Männer bedeutete, dass ihre Leistung vollkommen egal war, weil sie eh von vornherein eh keine Chance hatten auf die Stelle zu komme. Die Motivation bei diesen hielt sich dann sehr in grenzen. Gleichzeitig wurden diverse absolut nicht geeignete weibliche Führungskräfte eingesetzt, die mit dem Thema hoffnungslos überfordert waren. Auf der anderen Seite, durften sich die anderen Frauen, die diese Stelle auch alleine wegen ihrer Kompetenz bekommen hätten, dann jedes mal anhören, dass sie nur da sind, weil sie eine Frau sind. Schafft super viel Verständnis und Vertrauen in der Belegschaft…

vgl auch:

Selbermach Mittwoch

Bitte Kommentare bündeln, wenn sie nur aus einzelnen Tweets und kurzem Kommentar bestehen und man sehr viele davon plant.

Zwischen einem Kommentar, der nur einen Link oder einen Tweet ohne Besprechung des dort gesagten enthält, sollten mindestens 5 Kommentare anderer liegen, damit noch eine Diskussion erfolgen kann.

Mario in der Friendzone

Der Spiegel berichtet:

Wer schickt solche Nachrichten eigentlich raus? War es vielleicht der Fehler eines Praktikanten? Wird Nintendo uns den Glauben an die wahre Liebe doch noch zurückgeben?

Diese und ähnliche Fragen dürften vielen Romantikern in den vergangenen Tagen durch den Kopf geschossen sein. Menschen, die nicht glauben wollen, dass eines der größten Liebespaare des Gaming-Kanons gar keines ist, es vielleicht nie war. Es geht, natürlich, um Mario und Prinzessin Peach.

Wie bei so vielen Beziehungen heutzutage sorgte auch hier am Ende eine Textnachricht für Gewissheit – in diesem Fall versendet von »Nintendo Today!«. Über diese App erhalten User regelmäßig Updates zu Nintendos Konsolen, Games und Spielcharakteren.

Am 24. Juli tauchte über »Nintendo Today!« eine dieser wenigen Nachrichten auf, die die Welt in ein Vorher und ein Nachher aufteilen: »Prinzessin Peach und Mario sind gute Freunde und helfen einander, wann immer sie können.«

Mario, sie war auch etwas zu häufig „in einem anderen Schloss“ gerade wenn du aufgetaucht bist und musste etwas zu oft „gerettet“ werden.

Was um so mehr verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass ihr alle anderer Stelle, etwa bei Autorennen etc ganz gut miteinander auskommt.

Klar, so viel Auswahl ist nicht in deiner Welt, aber wenn es mit Peach nicht klappt, dann schau dir lieber Prinzessin Daisy an.

Nichts ist besser um aus der Friendzone herauszukommen als aufzuhören ihr hinterher zu laufen. Schau dir an, wie schnell Kermit eine neue hatte, nachdem er sich erst einmal aus dem Einfluss von diesem Schwein befreit hat.

Lass sie ruhig mal in einem Schloss etwas warten und mach andere Sachen.

Immer daran denken: Es ist nicht die Frau schuld, wenn sie einen in die Friendzone steckt. Sondern man selbst hat nicht die passende sexuelle Anziehung geschaffen.

Denk daran, du bist ein Star in deiner Welt. Verhalte dich auch so als seist du es wert. Laufe ihr nicht einfach hinterher.

Oder: Wenn eine Freundschaft für dich das richtige ist, dann mache ihr deutlich, dass sie eben auch nur eine Freundin ist. Vielleicht kann sie dich ja mit jemanden verkuppeln?

Oder mach einfach mal wieder mehr mit deinem Bruder um auf andere Gedanken zu kommen.

Nicht alles ist immer nur Arbeit. Die Schildkröten auf die du denkst springen zu müssen, laufen dir nicht weg. Genieße das Leben, lerne andere Leute kennen. Baue deinen sozialen Kreis aus.

Viele Schlösser bedeutet auch viele andere Prinzessinnen. Lass dich nicht unterkriegen!

„Erkundung der undichten Pipeline: Tokenismus, Statusgruppeneffekte oder Selbstselektion?“

Die These zweier Professorinnen hatte bereits 2023 hohe Wellen geschlagen. Ich hatte einen kurzen Artikel dazu „„Die meisten Studentinnen wollen lieber einen erfolgreichen Mann als selber Karriere machen“

Jetzt ist die entsprechende Studie durch die Peer Review und veröffentlicht worden:

Abstract

In most European universities today, more than 50% of bachelor’s degrees are awarded to women, but the corresponding share of full professorships is only about 25%. This phenomenon is called the leaky pipeline.

Most explanations refer to gender biases and stereotypes, motherhood, discrimination, and tokenism. We take a novel approach by comparing the leaky pipeline across various fields of study at the two largest Swiss universities.

We start from Rosabeth Moss Kanter’s token hypothesis, which suggests that women suffer from their minority position. According to this hypothesis, it is expected that the higher women’s share of positions is in a field of study, the less pronounced the leaky pipeline will be.

In contrast, the status group hypothesis and the self-selection hypothesis each predict different outcomes:
The higher women’s share of a field of study is, the more pronounced the leaky pipeline will be.

Our data refute the token hypothesis. To test the second and third hypotheses, we conducted a representative survey at two Swiss universities. We find strong evidence for self-selection effects but no status group effects. Our findings show that men and women in different fields of study have different preferences that shape their careers, family dynamics, and partner choices. Thus, the leaky pipeline differs across disciplines. Measures to mitigate the leaky pipeline should take these differences into account.

Keywords: career, gender norms, leaky pipeline, professorships, quotas, self-selection, status groups, tokenism

Quelle: Exploring the leaky pipeline: Tokenism, status group effects, orself-selection?

Also zunächst mal die in Raum stehenden Theorien zur „Leaky Pipeline“, also dem Umstand, dass trotz hohem Frauentanteil unter den Studenten der Frauenanteil unter den Professoren kleiner ist.

„Token-Hypothese“
Frauen in männlich dominierten Feldern sind „Tokens“ (symbolische Vertreterinnen einer Minderheit). Das führt zu Isolation, Diskriminierung, überhöhtem Leistungsdruck.
Von der Wikipedia:

Tokenismus (englisch tokenism, von token „Zeichen, Symbol, Spielstein“)[1] bezeichnet kritisch eine Praxis, bei der nur symbolische Anstrengungen unternommen werden, um Mitglieder einer gesellschaftlich marginalisierten Gruppe (etwa Frauen, Migranten, Homosexuelle) in soziopolitischer Hinsicht gleichzustellen (etwa in Beruf, Politik, Kultur oder Vereinsleben). In der Realität wird aber dem Großteil der marginalisierten Minderheit(en) die Gleichbehandlung mit der Mehrheitsgesellschaft vorenthalten, ihre wenigen formell gleichberechtigten Vertreter dienen als Tokens (Spielsteine, Marionetten, im übertragenen Sinn: Feigenblätter). Sie würden nach außen hin als „Aushängeschilder“ oder moralische Feigenblätter missbraucht. Dafür steht etwa der/die „Quotenschwarze“ (englisch token black person) oder der englisch token character in Filmproduktionen des „weiß“ dominierten Hollywood-Mainstreamkinos.[2]

Charakteristik
Die Praktiken des Tokenismus oder einer Feigenblattpolitik zielen nicht auf die grundsätzliche soziopolitische Gleichstellung entsprechend benachteiligter Gruppen, sondern dienen vielmehr dazu, Diskriminierungsmechanismen aufrechtzuerhalten, indem diese verschleiert werden. Mittels bewusst kalkulierter Einzelmaßnahmen wird nach außen hin der Eindruck von „Fairness“ und „Chancengleichheit“ erweckt. Mitunter beschränken sich solche Schritte auch einzig auf die Umsetzung der Mindestvorgaben in Antidiskriminierungsgesetzen.

Der Tokenismus ist auf die (bewusste oder unbewusste) Mitwirkung von Minderheitenvertretern angewiesen. Der in diesem Kontext in eine exponierte Position gehievte Token verdankt, gemäß diesem Theorieansatz, seine Position einseitiger Bevorzugung (per Quotenregelung oder positiver Diskriminierung) und nicht primär der eigenen Qualifikation im Sinne der Bestenauslese. Als Token, etwa in der Rolle der Quotenfrau oder des Alibimigranten, verschleiert er (bewusst oder unbewusst) die in seiner Organisation (Arbeitsstätte, Verein, Partei usw.) fortwirkenden Diskriminierungsmechanismen. In seiner Funktion (als eventuell besonders angepasstes) Organisationsmitglied besetzt der Token mitunter strategisch wichtige Positionen (etwa in der Organisationsleitung), in die nun mutmaßlich kein anderer (eventuell kritischer gestimmter) Minderheitenvertreter mehr gelangen kann (vergleiche Onkel-Tom-Syndrom).

Die Theorien sind für den Feminismus natürlich ideal: Studienbereiche müssen, um den Tokenismus zu bekämpfen, weiblicher werden, wenn das über Quoten etc gelingt, wenn Frauen nicht mehr als Token wahrgenommen werden, sondern dort selbstverständlich in Führungspositionen kommen und einen hohen Anteil haben, dann ist Diskriminierung durchbrochen.
Was – wie in der Studie ja auch angesprochen wird – dann eben erwarten lässt, dass in den Feldern, in denen schon viele Frauen sind, die also „weiblicher“ sind, die Tokeneigenschaft geringer sein müsste, es müssten also in dem Bereich mehr Frauen nach oben kommen, weil schon mehr Frauen da sind. Je höher der Frauenanteil in einem Fach, desto weniger stark müsste also der „leak“ sein, weil die Token-Effekte schwinden.

Statusgruppen-Hypothese

Forschung, die auf der Statusmerkmal-Theorie basiert (Correll & Ridgeway, 2006) legt nahe, dass Geschlecht eine entscheidende Rolle bei der Statuszuschreibung spielt, insbesondere in Situationen, in denen sowohl das Umfeld als auch die Fähigkeiten der Einzelnen unbekannt sind. In solchen Situationen wird Männern häufig , sowohl von anderen als auch von sich selbst, ein höherer Status zugeschrieben als Frauen.

In der Folge können Männer in frauendominierten Bereichen von ihrer Minderheitsposition profitieren. Außerdem werden Männer oft als brillanter und durchsetzungsfähiger wahrgenommen — und nehmen sich selbst auch so wahr — als Frauen (Meyer et al., 2015; Musto, 2019).

Diese stereotypen Zuschreibungen benachteiligen Frauen und erleichtern Männern den Aufstieg in frauendominierten Berufen — zum Nachteil der Frauen. Deshalb besagt die Statusgruppen-Hypothese, dass die „Leaky Pipeline“ in frauendominierten Feldern besonders ausgeprägt ist.

Statusgruppen-Hypothese: Je größer der Anteil der Studienplätze ist, der zu Beginn eines Studiums von Frauen belegt wird, desto stärker ist die „Leaky Pipeline“ in diesem Fachbereich ausgeprägt. Der Grund sind Statusgruppeneffekte, durch die Männer in frauendominierten Feldern von ihrer Minderheitenrolle profitieren.

Aus dem oben genannten Paper (Correll & Ridgeway 2006):

We develop a new status construction theory argument that apparently valid social realities in which a salient social difference is consistently linked to signs of status and competence induce participants to form status beliefs. Supporting this social validity account, an experiment showed that when an influence hierarchy developed between categorically different actors and appeared to be consensually accepted in the situation and therefore valid, participants formed strongly differentiated status beliefs about the categorical distinction. Yet when slight challenges to these influence hierarchies broke the validating consensus, participants‘ status beliefs were significantly weaker and less clear. An implication is that acts of resistance can disrupt the emergence of new status beliefs, so that while some differences become axes of status inequality, others do not

Daraus würde folgen: Je höher der Frauenanteil in einem Fach, desto stärker ist der „leak“, weil Männer ihre Minderheitenposition ausnutzen.

Self-Selection-Hypothese
Das wäre die These, dass Männer und Frauen ihre Studienfächer nach eigenen Werten, Karriereaspirationen, Rollenbildern und Zukunftsplänen wählen. Zu dieser Theorie von Catherine Hakim hatte ich schon mal einen Beitrag unter dem Titel Präferenz-Theorie.

Aber zur Darstellung in der hier besprochenen Studie:

Außerdem besagt Hakims Präferenztheorie (2000), dass sich in wohlhabenden, individualistischen Ländern mit hoher Geschlechtergleichheit Frauen grob in drei Hauptgruppen unterteilen lassen:

  • Etwa 20 % stellen ihre Karriere und einen arbeitszentrierten Lebensstil in den Vordergrund,
  • etwa 20 % priorisieren das Familienleben und einen hauszentrierten Lebensstil, und
  • etwa 60 % versuchen, bezahlte Erwerbsarbeit und Familienarbeit zu verbinden, ohne einer der beiden Tätigkeiten den absoluten Vorrang zu geben.

Studien legen nahe, dass Frauen sich entsprechend dieser Präferenzen selbst in bestimmte Studienfelder einordnen.

Daraus können sich zwischen einzelnen Disziplinen Unterschiede in den vorherrschenden Geschlechterstereotypen und Rollenbildern ergeben. Geschlechterstereotype verknüpfen fürsorgliches, gemeinschaftsorientiertes Verhalten mit „typisch weiblich“ (Heilman, 2012), während Brillanz, Genialität und Durchsetzungsfähigkeit häufiger mit Männern assoziiert werden (Napp & Breda, 2022; Thébaud & Charles, 2018). Zu den Rollenmustern gehört etwa die Vorstellung, dass der Ehemann der Hauptverdiener ist (Tinsley et al., 2015) und Ehefrauen die Karriere ihrer Männer priorisieren (Funken, 2011; Mavriplis et al., 2010). Solche Muster können auch zum sogenannten „Oscar-Fluch“ führen, dem zufolge eine Beziehung leidet, wenn die Frau erfolgreicher ist als ihr Partner (Gibson & Lawrence, 2010).

Darüber hinaus wünschen sich viele Frauen heute formale Gleichstellung mit Männern, möchten sich aber zugleich beruflich und in ihrem Arbeitspensum nach der Geburt von Kindern unterscheiden. Dieses Rollenmuster wird als „equal but different“ (gleich, aber verschieden) bezeichnet und könnte je nach Studienfeld bei Studierenden unterschiedlich stark verbreitet sein. In einkommensstarken Ländern hat sich dieses Modell insgesamt stärker etabliert (Eagly et al., 2020; Falk & Hermle, 2018). In einigen wohlhabenden Ländern bekommen heute hochgebildete Frauen häufiger Kinder als Frauen mit geringerer Bildung und verbringen seit den 2000er Jahren auch mehr Zeit mit Kinderbetreuung (Borra & Sevilla, 2019; Ramey & Ramey, 2009). Dieser Trend geht einher mit wachsendem Wettbewerb an Spitzenhochschulen, für den Kinder besonders durch ihre Mütter vorbereitet werden (Doepke & Zilibotti, 2017). Frauen mit einem solchen „equal but different“-Rollenmuster wählen eher Studienrichtungen, die klassischen weiblichen Interessensfeldern nahe stehen, oft in den Geistes- und Sozialwissenschaften (Combet, 2023).

Zahlreiche empirische Studien zeigen außerdem, dass leistungsstarke Frauen Wettbewerbs- und Konkurrenzsituationen eher meiden als Männer (Berger et al., 2020; Gërxhani et al., 2021; Niederle & Vesterlund, 2007). In solchen „Turnieren“ kann nur eine Person gewinnen, alle anderen verlieren – was traditionellen weiblichen Rollenvorstellungen widerspricht, die in frauendominierten Studienfeldern besonders ausgeprägt sein können.

Selbstselektion kann auch damit zusammenhängen, dass Frauen in männlich dominierten Studienfeldern über größere kognitive und kulturelle Ressourcen verfügen als Frauen in frauendominierten Fächern. Für Männer in „männeruntypischen“ Berufen ist dieser Zusammenhang bereits belegt (Schwiter et al., 2014). Solche Ressourcen umfassen zum Beispiel eine hohe Selbstwirksamkeit: Wer über hohe Selbstwirksamkeit verfügt, erholt sich schneller von Rückschlägen und führt Misserfolge nicht auf Pech, sondern auf mangelnde Anstrengung zurück (Bandura, 1978; Watkins et al., 2019). Aus dieser Perspektive – und entgegen der Token-Hypothese – muss eine Minderheitenposition nicht unbedingt nachteilig sein (Watkins et al., 2019; White, 2008): Frauen in männerdominierten Studiengängen wissen oft schon zu Beginn ihres Studiums, dass sie sich besonders anstrengen müssen (Ihsen et al., 2013; Stemmer, 2020). Dadurch kann die Pipeline in Fächern mit einem geringen Frauenanteil weniger „leaky“ sein.

Selbstselektion-Hypothese: Je größer der Anteil der Studienplätze ist, der zu Beginn eines Studiums von Frauen belegt wird, desto stärker ausgeprägt ist die „Leaky Pipeline“ in diesem Fachbereich. Der Grund sind Selbstselektionseffekte: Frauen in frauendominierten Fächern haben andere Präferenzen und Ressourcen als Frauen in anderen Feldern.

Hakims Theorie hat etwas schönes, weil sie nicht einfach auf Unterdrückung, sondern auf das Individuum abstellt. Aus diesen Gründen ist sie natürlich auch im Feminismus nicht sehr beliebt.

Was wurde jetzt untersucht:

  • Daten von tausenden Studenten und Professoren an den beiden größten Unis der Schweiz wurden ausgewertet.
  • Eine repräsentative Umfrage unter fast 10.000 Studierenden und wissenschaftlichen Mitarbeitenden gemacht.

Und daraus ergab sich zuerst, dass  die Token-Hypothese nicht gestützt wird. In Fächern mit hohem Frauenanteil (z. B. Psychologie, Veterinärmedizin) ist der Karriereverlust höher, nicht niedriger, die Pipeline undichter, nicht dichter.  Dort finden sich etwa 80 % Frauen im Bachelor, aber nur 30 % Professorinnen.

Als nächstes geht es der Statusgruppen-Hypothese an den Kragen. Männer in frauendominierten Fächern steigen nicht systematisch schneller auf.

Aus der Studie:

Leaky Pipeline: Warum sind weniger Frauen Professoren trotz hohem Studentinnenanteil in den Fächern?

Leaky Pipeline: Warum sind weniger Frauen Professoren trotz hohem Studentinnenanteil in den Fächern?

Hier sind man, wie die Männer in der Tiermedizin mit einem geringen Anteil starten, aber dann später 75% der Professoren stellen.

Bei der Elektrotechnik starten Frauen zwar auf niedrigen Niveau, halten das aber dafür auch bei den Professoren.

Und noch eine Grafik:

Frauenanteil Studenten Professoren

Frauenanteil Studenten Professoren

Hier also die durchschnittlichen Verläufe für weiblich-dominierte bzw männlich dominierte Studienfächer.  Es passt zu den bereits oben besprochenen Verläufen.

Aus der weiteren Besprechung:

Als Nächstes betrachten wir Unterschiede bei den Karriereaspirationen. Frauen und Männer mit höheren Karriereambitionen entscheiden sich eher für männlich dominierte Fächer. Für Frauen haben Karriereüberlegungen jedoch insgesamt einen deutlich geringeren Einfluss darauf, ob sie sich für ein männlich oder weiblich dominiertes Fach entscheiden.

Dieses Ergebnis bestätigt sich auch, wenn Studierende nach ihrer Studienwahl zu ihren Karriere- und Führungsambitionen befragt werden. Sowohl Männer als auch Frauen in männlich dominierten Fächern haben höhere Karriereambitionen als Männer und Frauen in weiblich dominierten Fächern. Dennoch sind die Karriereambitionen der Frauen in männlich dominierten Fächern etwas geringer als die der Männer in denselben Fächern.

Abbildung 7 zeigt dieses Ergebnis: Während 35 % der Männer in männlich dominierten Fächern eine Führungsposition mit Leitungsverantwortung anstreben, gilt das nur für 23 % der Frauen in weiblich dominierten Fächern. Zum Vergleich: 28 % der Frauen in männlich dominierten Fächern und 25 % der Männer in weiblich dominierten Fächern streben eine solche Position an.

Außerdem wählen Frauen, die ein besonders hohes Interesse an ihrem Fachgebiet angeben, eher ein typischerweise weiblich dominiertes Studienfach. Für Männer spielt das Interesse an einem bestimmten Fach dagegen keine Rolle bei der Entscheidung, ob sie ein männlich oder weiblich dominiertes Feld bevorzugen.

Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Studierende aus männlich dominierten Studiengängen – insbesondere Männer – stärker durch Karriere- und Führungsziele motiviert sind, während Frauen in weiblich dominierten Studiengängen eher durch Leidenschaft und postmaterialistische Werte wie Selbstverwirklichung geleitet werden.

Dieses Ergebnis könnte teilweise erklären, warum Frauen in männlich dominierten Fächern häufiger Führungspositionen wie Professuren erreichen als Frauen in weiblich dominierten Fächern. Dennoch spielen Gendernormen und die Partnerwahl ebenfalls eine wichtige Rolle, wie die folgenden Ergebnisse zeigen.

Selbstselektionseffekte: Gendernormen
Abschließend werden Unterschiede in verschiedenen Aspekten von Gendernormen betrachtet.

Geschlechterstereotype
Die Identifikation mit männlichen und weiblichen Stereotypen bestätigt die Annahme, dass sich Menschen entsprechend vorherrschender Geschlechternormen typischerweise selbst in männlich oder weiblich dominierte Studienfelder einordnen. Frauen, die sich stark mit dem weiblichen Stereotyp identifizieren, neigen dazu, Fächer mit hohem Frauenanteil zu wählen. Männer, die sich stark mit dem männlichen Stereotyp identifizieren, entscheiden sich eher für Fächer mit hohem Männeranteil. Abbildung 8 verdeutlicht dieses Ergebnis. Auf den ersten Blick sind die Unterschiede zwischen männlich und weiblich dominierten Fächern gering, in Kombination mit den folgenden Ergebnissen gewinnen sie jedoch an Bedeutung.

Gendernormen durch Sozialisation
Frauen, deren Mütter ihre Arbeitszeit reduziert haben, um sich um die Kinder zu kümmern, entscheiden sich häufiger für Studienfächer mit hohem Frauenanteil. Abbildung 9 zeigt: Nur 26 % der Frauen aus weiblich dominierten Fächern hatten eine Mutter, die während der Kleinkindphase Vollzeit oder nahezu Vollzeit arbeitete. Zum Vergleich: 31 % der Männer aus weiblich dominierten Fächern, und sogar 35 % bzw. 34 % der Männer und Frauen aus männlich dominierten Fächern, hatten Mütter, die Vollzeit arbeiteten.

Gendernormen und Partnerwahl
Von allen Befragten leben 51,7 % in einer festen Partnerschaft. Frauen in weiblich dominierten Studiengängen sind fast fünfmal so häufig wie Männer aus männlich dominierten Studiengängen mit Partnern zusammen, die bessere Aufstiegs- und Karriereaussichten haben (siehe Abbildung 10a). Von allen Befragten leben 48,3 % aktuell nicht in einer festen Partnerschaft. Die Antworten auf die Frage nach gewünschten Partnern sind ebenfalls in Abbildung 10a zusammengefasst: Der bevorzugte Altersunterschied zwischen den Partnern steigt leicht mit dem Frauenanteil in einem Studienfach. Männer in männlich dominierten Fächern bevorzugen Frauen mit geringeren Aufstiegschancen häufiger als Männer in weiblich dominierten Fächern. Für Frauen zeigt sich ein ähnlicher, aber schwächerer Effekt.

Auch die Orte, an denen Partner kennengelernt werden, unterscheiden sich stark zwischen Männern und Frauen – je nach Frauenanteil im Studienfach. Ist der Anteil des anderen Geschlechts im Fach gering, lernen Befragte ihre Partner meist nicht im Studienumfeld kennen. Abbildung 10b zeigt: 33 % der Frauen in männlich dominierten Studienfächern haben ihre Partner innerhalb ihres Studienbereichs kennengelernt, aber nur 8,2 % der Frauen in weiblich dominierten Fächern. Stattdessen haben 83 % dieser Frauen ihre Partner außerhalb der Universität gefunden. Diese Partner sind zudem häufiger älter. Es ist daher wahrscheinlich, dass eine Frau in einem weiblich dominierten Fach mit einem älteren Mann aus einem männlich dominierten Fach zusammenkommt. Dieses Matching-Verhalten verstärkt die bestehenden Gendernormen für Frauen in weiblich dominierten Fächern zusätzlich.

Kinderwunsch und Gleichstellungsmodell
Nur 4,6 % bzw. 386 Befragte haben Kinder. Für Männer ohne Kinder ist der Kinderwunsch umso stärker, je männlich dominierter ihr Studiengang ist. Für Frauen ohne Kinder steigt der Kinderwunsch leicht mit dem Frauenanteil im jeweiligen Studienbereich.

Die Befunde sind dennoch aufschlussreich, da sie zeigen, wie sich Kinderwünsche tatsächlich auf die Realität auswirken:
Die männlichen Partner von Frauen in weiblich dominierten Fächern haben ein signifikant höheres Arbeitspensum als die weiblichen Partnerinnen von Männern in diesen Fächern. In männlich dominierten Fächern gibt es dagegen keinen Unterschied im Arbeitspensum der Partner. Männer in weiblich dominierten Fächern sind häufig mit Frauen aus diesen Fächern verheiratet. Diese Frauen haben einen starken Kinderwunsch und reduzieren nach der Geburt ihre Arbeitszeit deutlich. Frauen in weiblich dominierten Fächern sind häufig mit Männern aus männlich dominierten Fächern verheiratet, die ihre Arbeitszeit nach der Geburt von Kindern kaum reduzieren. Ihre Frauen verlassen häufiger die Karrierebahn, arbeiten in Teilzeit und fallen damit oft aus der wissenschaftlichen Stichprobe heraus.

Schade, dass man nicht gleichzeitig noch pränatales Testosteron messen konnte, ich glaube das hätte interessante Ergebnisse gezeigt.

„ Ich habe keine Kinder bekommen, damit die jemand anderes großzieht“

Franziska von Almsick, fast eine typische Position von Frauen, die ich so schon häufig gehört habe, in einem Artikel noch einmal gut zusammen beziehungsweise drückt sie entsprechend aus:

B. Harder scheint ein „gut vernetzter Unternehmer“ zu sein, wie die Weltihn beschreibt. Er soll in „Immobilien, Windparks und TV-Filme“ investieren. Dass van Almsick ihre Karriere vor 20 Jahren an den Nagel gehängt hat, scheint sie nicht zu bereuen. Laut Promipool soll sie über ihre Entscheidung Folgendes gesagt haben:

Ich habe keine Kinder bekommen, damit die jemand anderes großzieht und ich nur was mit ihnen mache, wenn es mir in den Kram passt. Meine Kinder sind toll. Ich bin wahnsinnig stolze Mutter. Ich kann nicht behaupten, dass ich alles richtig gemacht habe in der Vergangenheit, aber wenn ich mir die Jungs so angucke, dann weiß ich, ich habe nicht vieles falsch gemacht.

Andere Varianten davon sind

  • Ich bin doch nicht neun Monate schwanger, um dann gar nichts von dem Kind zu haben
  • Ein Kind braucht seine Mutter
  • Ein Kind braucht gerade am Anfang seine Mutter gefolgt von“ eine Mutter kennt ihr Kind am besten“

etc.