Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 10. April 2015

Hinweis: Feministische Theoriewoche

Hier ein Hinweis: (aktuelle Artikel sind unten)

Feministische Theoriewoche

Ich möchte einmal etwas Neues ausprobieren und werde daher in der Woche vom 20.04-26.04 jeden Tag ein bestimmtes Konzept aus der feministischen Theorie zur Diskussion stellen.

  • 20.04. Soziale Konstruktion der Geschlechter/Doing Gender/Poststrukturalismus
  • 21.04. Patriarchat/hegemoniale Männlichkeit
  • 22.04.”Die Frau als das Andere, der Mann als die Norm” / Geringschätzung von Frauen
  • 23.04 Privilegientheorie und Definitionmacht
  • 24.04 Rape Culture
  • 25.04 Intersektionalität
  • 26.04 Heteronormativität

Ich stelle hier die Themen vorher rein, damit Leute evtl schon einmal etwas zu den Themen vorbereiten können (sei es für längere Kommentare dazu, über das Suchen interessanter Links oder auch das Schreiben von Artikeln zu dem Thema auf dem eigenen Blog).
Fragen dazu wären:
1. Was besagen die jeweiligen Theorien?
2. wie werden sie im Feminismus eingesetzt?
3. Welche Argumente/Studien sprechen für/gegen sie?

Ich würde mich freuen, wenn dadurch rege Diskussionen ausgelöst werden und insoweit ein neuer Blick auf diese Konzepte entsteht.

Unten geht es mit den aktuellen Artikeln weiter

Leszek schreibt in einem sehr lesenswerten Kommentar (Hervorhebungen durch mich):

Den theoretischen Hauptunterschied zwischen dem Maskulismus und dem Mainstream-Feminismus sehe ich insbesondere in einem wichtigen Punkt:

Der Maskulismus bestreitet, dass Männer eine privilegierte Klasse darstellen!

http://www.vaetersorgen.de/Maennerbewegung.html

http://manndat.de/ueber-manndat/was-wir-wollen

Der Maskulismus verwirft somit konsequent feministische Konzepte wie “Male Privilege” oder “Patriarchale Dividende” oder Ähnliches. Damit steht der Maskulismus von seinen theoretischen Grundlagen her im Widerspruch nicht zu allen, aber den meisten zeitgenössischen feministischen Strömungen.

Warren Farrell, der wichtigste Vordenker der Männerrechtsbewegung hat sein bekanntestes Buch “Mythos Männermacht” u.a. wesentlich mit dem Ziel geschrieben, den Mythos von Männern als einer privilegierten Klasse zu widerlegen:

Warren Farrell:

“In a way, the entire book The Myth of Male Power is a 500-page debunking of the myth of men as a privileged class.”

http://www.menweb.org/svofarre.htm

Ausgehend von dieser vom Mainstream-Feminismus verschiedenen theoretischen Grundlage ergeben sich im Maskulismus andere Konzepte um Diskriminierung zu erfassen als im Mainstream-Feminismus, was z.B. von Warren Farrells Konzept der bisexistischen Rollenverteilung, durch die Frauen UND Männer diskriminiert werden über das daran anknüpfende Konzept des Integralen Antisexismus, das eine geschlechtsübergreifende Perspektive auf geschlechtsbezogene Diskriminierungen anstrebt oder David Benatars Versuch antimännlichen Sexismus als wichtiges Konzept im Kontext der Ethik zu berücksichtigen in den gemäßigten maskulistischen Strömungen bis hin zu einer Umkehr radikalfeministischer Ideen (“Frauen sind Parasiten, die die Männer ausbeuten”, “Wir leben im Feminat”) im radikalen Maskulismus reichen kann, (wobei radikalmaskulistische Ansichten allerdings zum Glück nur Einzelpositionen einiger Verwirrter ohne Anschlussfähigkeit darstellen).

Ausgehend von der Auffassung, dass Männer keine privilegierte Klasse sind, ergibt sich also idealerweise ein gegenüber dem Mainstream-Feminismus erweitertes Sexismusverständnis, zudem oft auch ein anderes Geschichtsverständnis und es ergeben sich verschiedene Arten und Weisen maskulistisches Gedankengut mit verschiedenen politischen Weltsichten in Einklang zu bringen (linker, liberaler und konservativer Maskulismus mit jeweils mehreren Unterformen).

Wichtig für den Maskulismus sind auch Christoph Kucklicks Forschungsergebnisse über die ideen- und sozialgeschichtlichen Ursprünge des männerfeindlichen Diskurses in westlichen Gesellschaften, weil diese belegen, dass die Auffassung von Männern als privilegierter Klasse nicht nur im rechtlichen und strukturellen Sinne falsch ist, sondern auch in Bezug auf das kulturelle Wertesystem zumindest für westliche Gesellschaften seit dem 18. Jahrhundert stark angezweifelt werden kann. Dass der Mann “die Norm”, die Frau “das Andere” sei, das lässt sich nicht mehr aufrechterhalten, weiß man, dass es seit dem 18. Jahrhundert einen einflussreichen Diskurs gibt, in dem Männer zur Projektionsfläche für alle Übel der modernen Gesellschaft wurden, ein Diskurs, den heutige radikale Formen des Feminismus nur höchst unoriginell fortsetzen.

http://www.zeit.de/2012/16/DOS-Maenner

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/geschlechter-debatte-wie-maenner-seit-200-jahren-verteufelt-werden-a-828723.html

Ausgehend von der maskulistischen Grundposition der Zurückweisung der Auffassung von Männern als privilegierter Klasse ergeben sich also vielfältige Positionen für eine maskulistische Theoriebildung, (die allerdings zur Zeit oft noch wenig ausgearbeitet sind).

Hieraus speist sich eben auch wesentlich das Verhältnis zum Feminismus, der aus maskulistischer Perspektive zumindest dort abgelehnt werden muss, wo er auf Konzepten wie “Male Privilege” oder “Patriarchale Dividende” beharrt. Dabei reichen die Positionen zur Verhältnisbestimmung maskulistischer Theorien zum Feminismus von differenzierter Feminismuskritik

Warren Farell: “I’m a 100% supporter of the portions of feminism that are empowering to women and a 100% opponent of the portions that hone victimhood as a fine art.”

http://www.menweb.org/svofarre.htm

bis zum erklärten Antifeminismus, (wobei der letzterer Begriff allerdings wiederum unterschiedlich gefasst werden kann).

Wie auch immer: Die Ablehnung der Auffassung von Männern als privilegierter Klasse ist meiner Ansicht nach der zentrale Ausgangspunkt maskulistischen Denkens und maskulistischer Theoriebildung und vieles andere, was im Maskulismus existiert, erschließt sich daraus bzw. ist ein Versuch mit dieser Grunderkenntnis umzugehen und zu prüfen, was daraus folgt oder folgen soll

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 18. April 2015

Selbermach Samstag 132 (18.04.2015)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 18. April 2015

Gastartikel: “Gegen Diversity”

Es handelt sich um eine Übersetzung dieses Artikels von Walter Benn Michaels  durch Leszek Die Veröffentlichung bedeutet nicht, dass ich den dortigen Theorien zustimme. 

Aus: New Left Review 52, Juli-August 2008

Niederlagen und Siege in Bezug auf „Race“ und „Gender“ waren die dominierenden Diskussionsthemen zur US-Präsidentschaftswahl im Jahre 2008. Walter Benn Michaels vertritt die Auffassung, dass die von Obama und Clinton geführten Kampagnen Siege für den Neoliberalismus waren, kein Sieg über ihn – und nur dazu dienen, Ungleichheit zu verschleiern.

Walter Benn Micheals

Gegen Diversity

Die Wichtigkeit von „Race“ und „Gender“ in der gegenwärtigen amerikanischen Präsidentschaftskampagne spiegelt natürlich die Bedeutung von Themen wie Rassismus und Sexismus – d.h. von Diskriminierung – in der amerikanischen Gesellschaft wieder, eine Tatsache, die z.B. in einem New York Times-Artikel nach der Präsidentschaftswahl mit dem Titel „Age Becomes the New Race and Gender“ offensichtlich wird. Es ist zweifelsohne schwierig Altersdiskriminierung (Ageismus) als genaues Pendant zu Rassismus und Sexismus zu betrachten – denn letztendlich ist ein Teil dessen, was falsch an Rassismus und Sexismus ist, dass dadurch falsche Stereotype aufrechterhalten werden, während ich, als jemand der gerade 60 Jahre alt geworden ist, bestätigen kann, dass eine gewisse Anzahl an Stereotypen, die angeblich Altersdiskriminierung ausmachen, wahr sind. Aber die schiere Unplausibilität der Auffassung, dass das Hauptproblem am alt sein die Vorurteile gegen etwaige Altersgebrechen, statt die Altersgebrechen selbst seien, zeigt wie mächtig Diskriminierung als Modell für Ungerechtigkeit in Amerika geworden ist; und wie zentral die Überwindung von Diskriminierung für unsere Gerechtigkeitsauffassung ist.

Von diesem Standpunkt aus betrachtet, war der Wettstreit zwischen Obama und Clinton ein Triumph, verdeutlichte er doch sowohl die großen Schritte, die zum Ziel der Überwindung von Rassismus und Sexismus hin gemacht wurden als auch die große Strecke, die bis zu diesem Ziel noch gegangen werden muss. Es war, in anderen Worten, möglich, Amerika als eine Gesellschaft zu verstehen, die auf dem richtigen Weg ist, aber noch eine weite Strecke vor sich hat. Der Reiz dieser Vision – nicht nur für Amerikaner, sondern für die ganze Welt – ist offensichtlich. Das Problem ist, dass sie unzutreffend ist. Die USA von heute ist natürlich eine weniger diskriminierende Gesellschaft als sie es vor der Bürgerrechtsbewegung und dem Aufstieg des Feminismus war; aber sie ist keine gerechtere, offenere und gleichere Gesellschaft. Im Gegenteil: sie ist nicht gerechter, sie ist weniger offen und viel weniger gleich.

Im Jahre 1947 – sieben Jahre vor der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten im Falle „Brown gegen das Board of Education“, sechzehn Jahre vor der Veröffentlichung von Betty Friedans „The Feminine Mystique“ (dt. „Der Weiblichkeitswahn“) – verdiente das obere Fünftel der amerikanischen Lohnempfänger 43 % des Geldes, das in den USA verdient wurde. Heute verdient das selbe Fünftel 50,5 %. Im Jahre 1947 verdiente das untere Fünftel der Lohnempfänger 5 % des Gesamteinkommens; heute bekommt es 3,4 %. Nach einem halben Jahrhundert von Antirassismus und Feminismus sind die USA von heute eine weniger gleiche Gesellschaft als die rassistische und sexistische Gesellschaft der Jim Crow-Ära. Des Weiteren ereignete sich der Anstieg von Ungleichheit praktisch seit der Verabschiedung des Civil Rights Act von 1965 – was nicht nur bedeutet, dass die Erfolge des Kampfes gegen Diskriminierung bei der Verringerung von Ungleichheit versagt haben, sondern mit einer radikalen Ausweitung von Ungleichheit vereinbar waren. Tatsächlich haben sie zu der immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich beigetragen.

Warum? Weil es Ausbeutung ist, nicht Diskriminierung, die hauptverantwortlich ist für die heutige Ungleichheit. Es ist der Neoliberalismus, nicht Rassismus oder Sexismus (oder Homophobie oder Altersdiskriminierung), der die bedeutendsten Ungleichheiten in der amerikanischen Gesellschaft schafft; Rassismus und Sexismus sind nur Sortierungswerkzeuge. Tatsächlich ist es eine der großen Entdeckungen des Neoliberalismus dass es, wirtschaftlich gesehen, keine sehr effizienten Sortierungswerkzeuge sind. Wenn man z.B. jemanden als Vertriebsleiter für seine Firma sucht und zwischen einem weißen Hetero-Mann und einer schwarzen Lesbe wählen muss, letztere aber faktisch eine bessere Verkäuferin als ersterer ist, mögen Rassismus, Sexismus und Homophobie einem raten sich für den weißen Hetero-Mann zu entscheiden, aber der Kapitalismus würde einem raten sich für die schwarze Lesbe zu entscheiden. Was soviel heißt wie, dass obwohl einige Kapitalisten rassistisch, sexistisch und homophob sein können, der Kapitalismus selbst dies nicht ist.

Dies ist auch der Grund, warum die tatsächlichen (wenn auch nur partiellen) Siege über Rassismus und Sexismus, wie sie die Clinton- und Obama-Kampagnen repräsentieren, keine Siege über den Neoliberalismus sind, sondern Siege für den Neoliberalismus: Siege für ein Bemühen um Gerechtigkeit, welches kein Problem mit Ungleichheit hat, solange die Nutznießer dieser Ungleichheit hinsichtlich Rasse und Geschlecht genauso diversifiziert sind wie deren Opfer. Dies ist die Bedeutung von Redewendungen wie der „gläsernen Decke“ und von jeder Statistik, die zeigt, dass Frauen weniger als Männer oder Afroamerikaner weniger als Weiße verdienen. Es ist nicht so, dass diese Statistiken falsch wären; diese Aspekte aber zu den zentralen Mißständen zu erklären, auf die bevorzugt zu fokussieren sei, hat zur Folge, das man denkt, dass wenn nur mehr Frauen die gläserne Decke durchbrechen könnten und so viel Geld verdienen würden wie reiche Männer oder Schwarze genau so viel verdienen würden wie Weiße, Amerika sich einer gerechten Gesellschaft annähern würde.

Es ist die steigende Kluft zwischen Arm und Reich, die die Ungleichheit erzeugt und die Erfolgreichen mit Bezug auf Rasse und Geschlecht umzugruppieren, lässt diese Kluft unberührt. Im momentan existierenden Neoliberalismus sind Schwarze und Frauen unverhältnismäßig repräsentiert sowohl im unteren Fünftel – zu viele – als auch im oberen Fünftel – zu wenig – der amerikanischen Einkommen. Im neoliberalen Utopia, das die Obama-Kampagne verkörpert, wären Schwarze 13,2 % der (zahlreichen) Armen und 13,2 % der (sehr viel weniger) Reichen; Frauen wären 50,3 % von beiden. Was dies für Neoliberale zu einer Utopie macht, ist, dass Diskriminierung in der Verwaltung dieser Ungleichheit keine Rolle spielen würde, was diese Utopie neoliberal macht, ist, dass die Ungleichheit unangetastet bliebe.

Noch schlimmer: es ist nicht nur so, dass die Ungleichheit intakt bleibt, sondern dass sie – da sie nicht mehr durch Diskriminierung erzeugt wird – legitimiert wird. Offensichtlich fühlen sich amerikanische Liberale sehr wohl hinsichtlich einer Welt, in der die oberen 20 Prozent auf Kosten von allen anderen reicher werden, solange die oberen 20 Prozent eine angemessene Anzahl von Frauen und Afroamerikanern beinhalten. In dieser Hinsicht ist die Fähigkeit der Obama-Kampagne uns dazu zu bringen, uns wohl mit uns selbst zu fühlen, während unser Reichtum unangetastet bleibt, beeindruckend – wie es seine Steuervorschläge versinnbildlichen, die mehr von den „Wohlhabenden“ verlangen, aber nicht von der „Mittelklasse“. Wer sind die Wohlhabenden? „Als Wohlhabende bezeichne ich im Allgemeinen“, so Obamas Webseite, „Menschen die im Jahr 250 000 $ oder mehr verdienen“. Was bedeutet, dass z.B. Leute, die 225 000 $ verdienen (wobei nur 3 Prozent der amerikanischen Einkommen höher sind), Mittelklasse wären; und es somit verdient hätten genauso viele Steuern zu bezahlen wie die im fünfzigsten Perzentil, die 49 000 $ verdienen. Die Schlagzeile der Webseite, auf der dies steht, lautet ‘I’m Asking You to Believe’. Aber von den 40 % der Amerikaner, die von weniger als 42 000 $ leben, zu erwarten, dass sie glauben zur selben Mittelklasse zu gehören wie die ungefähr 15 %, die 100 000 $ – 250 000 $ verdienen, wäre etwas zuviel verlangt. Dies ist aber, was die Demokratische Partei die letzten 20 Jahre von ihnen erwartet hat zu glauben. Wirtschaftliche Ungleichheit wuchs unter der Clinton-Administration nicht im selben Tempo wie unter den beiden Bush-Präsidentschaften, aber sie wuchs. Als Clinton 1992 gewählt wurde, verdiente das unterste Fünftel 3,8 % und das oberste 46,9 % des Gesamteinkommens; im Jahre 2000, am Ende seiner zweiten Amtszeit, verdiente das untere Fünftel 3,6 % und das obere 49,8 %.

Der entscheidende Punkt ist, dass die Nominierung von Obama eine gute Nachricht für solche US-amerikanische Liberale darstellt, die Gleichheit mögen, wenn es um Rasse und Geschlecht geht, die aber nicht so begeistert sind, wenn es ums Geld geht. Solche Liberale sind die Leute, die glauben, dass amerikanische Universitäten und Colleges offener geworden seien, obwohl sie zunehmend und fast ausschließlich von reichen Sprösslingen bevölkert werden, weil darunter heute mehr „rich kids of colour“ sind. (Obamas Popularität auf dem College Campus ist kein Zufall – er fungiert als Diversity-Symbol.) Und jetzt, wo sie dabei geholfen haben, die Armen vom College fernzuhalten und dadurch dazu beigetragen haben, dass sie arm bleiben, sind diese Liberalen bemüht zu betonen, dass weiße Wähler, die nur eine High-School-Ausbildung haben (nämlich genau die Leute, die nicht nach Harvard gehen) Obama überproportional skeptisch gegenüberstehen. Sie sind froh, den ignoranten Rassismus der Menschen verurteilen zu können, die sie selbst im Zustand der Ignoranz gehalten haben und deren Rassismus sie damit ermöglicht haben. Die Obama-Kandidatur ist, in anderen Worten, eine gute Nachricht für einen Liberalismus, der genau so elitär ist wie seine konservativen Kritiker behaupten – obwohl er natürlich nicht ganz so elitär ist, wie es die konservativen Kritiker selber sind.

Es gibt einen echten Unterschied zwischen Obama und McCain. Aber es ist der Unterschied zwischen einem Neoliberalismus der Mitte und einem Neoliberalismus von rechts. Wer auch immer gewinnt, die Ungleichheit in Amerika wird davon im Wesentlichen unberührt bleiben. Es ist wichtig, sich zu verdeutlichen, wie groß diese Ungleichheit ist. Ein statistisches Maß für ökonomische Ungleichheit ist der Gini-Koeffizient, bei dem 0 völlige Gleichheit repräsentiert (alle verdienen das Gleiche) und 1 völlige Ungleichheit (eine Person verdient alles). Der Gini-Koeffizient für die USA im Jahre 2006 lag bei 0,470 (1968 lag er bei 0,386). Der heutige von Deutschland liegt bei 0,283, der von Frankreich bei 0,327. Amerikaner lieben es immer noch über den „Amerikanischen Traum“ zu reden – wie es Europäer tatsächlich auch tun. Aber der Traum war niemals mehr von der Realität entfernt als heutzutage. Nicht nur, weil die Ungleichheit so hoch ist, sondern auch weil die soziale Mobilität so niedrig ist, tatsächlich niedriger als sowohl in Frankreich wie in Deutschland. Jemand, der arm in Chicago geboren wurde, hat eine größere Chance den „Amerikanischen Traum“ zu verwirklichen, wenn er Deutsch lernt und nach Berlin zieht als wenn er zuhause bleibt.

Ob Debatten über „Race“ und „Gender“ in der amerikanischen Politik Eigenlob bezüglich der gemachten Fortschritte in den USA beinhalten oder Selbstgeißelung bezüglich des noch weiten Weges, oder ob darüber gestritten wird, ob Rassismus oder Sexismus schlimmer ist, der entscheidende Punkt ist, dass die Debatte selbst im Wesentlichen bedeutungslos ist. Natürlich ist Diskriminierung falsch; niemand in der amerikanischen Mainstream-Politik wird sie verteidigen, und auch kein Neoliberaler, der versteht, welche Folgerungen aus dem Neoliberalismus zu ziehen sind, wird dies tun. Aber es ist nicht Diskriminierung, die die fast beispiellosen Grade von Ungleichheit hervorruft, der Amerikaner heute gegenüberstehen, es ist der Kapitalismus.

So ausgedrückt ist es offensichtlich, dass die Charakterisierung der Race-Gender-Debatte als bedeutungslos einer Erläuterung bedarf. Denn die Antwort auf die Frage „Warum sprechen amerikanische Liberale weiterhin über Rassismus und Sexismus, wenn sie vom Kapitalismus sprechen sollten?“ ist ziemlich offensichtlich: sie reden weiter über Rassismus und Sexismus, um zu vermeiden über den Kapitalismus reden zu müssen. Entweder, weil sie ernsthaft glauben, dass Ungleichheit in Ordnung ist, solange sie keine Funktion von Diskriminierung darstellt, (in welchem Fall sie rechte Neoliberale sind). Oder weil sie denken, dass gegen Ungleichheit in Bezug auf „Race“ und „Gender“ zu kämpfen wenigstens ein Schritt in Richtung echter Gleichheit ist, (in welchem Fall sie linke Neoliberale sind). Bedenkt man diese beiden Möglichkeiten, sind die rechten Neoliberalen möglicherweise in der stärkeren Position – die Wirtschaftsgeschichte der letzten dreißig Jahre deutet darauf hin, dass diversifizierte Eliten besser funktionieren als homogene Eliten.

Doch natürlich sind dies nicht die einzigen Möglichkeiten zwischen denen man wählen kann.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 17. April 2015

“Einen Sohn erziehen in einer Prinzessinnen-Kultur”

Ein Spruch, den ich irgendwo einmal gehört habe, und den ich für durchaus wahr halte ist dieser:

Man wünscht jeder Feministin einen Sohn, aber keinem Sohn eine Feministin

Wobei mit “Feministin” hier eine poststrukturalistische Genderfeministin gemeint ist und dabei davon ausgegangen wird, dass ein Sohn aufgrund der Liebe zu dem Kind ihre Perspektive verändern könnte. Da jedoch Ideologien gleichzeitig relativ fest sind und viele Theorien in diesem Bereich sehr männerfeindlich wäre dies eben, gerade wenn ein entsprechender Wechsel nicht eintritt, für den Jungen nicht unbedingt das beste.

Gerade bin ich wieder auf einen entsprechenden Artikel einer feministischen Mutter eines Sohnes gestoßen:

When I found out that I was going to have a son I was so surprised. A boy? What? Immediately I had visions of this super aggressive and dominant child. Isn’t that what they are? They are The Man. They are the ones oppressing women. And now I was going to have to parent one. No opportunity to continue the “girl power” culture that I loved so much. But a funny thing happened when I met my son — I started to realize how destructive girl power can be to boys.

Da legt sie mit einer sehr männerfeindlichen Haltung los. Aber immerhin scheint sie ja tatsächlich ein paar neue Gedanken aufgeschnappt zu haben.

But here is what I sadly realized: Within modern girl power there seems to be a message that girls are better than boys. Boys are BAD. Boys are MEAN. Boys are silly, weak, stupid, clueless, rough.

There are also a lot of double standards when it comes to proclaiming, “girls can do anything!” I have seen parents celebrate that their daughters play with trucks or pick out boxers as underpants. Look! See! Nothing holding this girl back!

This sort of celebration does not happen when a boy picks up a doll or Dora undies.

The modern princess culture seems to be that you can wear a pink dress and still climb a tree. You can love to dance and twirl and still play baseball. You can wear a crown and overalls. I think this message is fine. And I agree with it. Kids — you can do it all!

Except the point isn’t “kids, you can do it all”, it is GIRLS can.

So richtig scheint sie mir die Herleitung zu ihren eigenen Gedanken auch nicht vorzunehmen, die ja genau dem entsprochen haben und sich nur geändert haben, weil sie jetzt selbst einen Sohn hat.

Aber in der Sache ist es dennoch eine interessant Beobachtung: Der Focus liegt insoweit auf Mädchen, die alles können sollen. Grund scheint mir der “Ausgleichsgedanke” zu sein: Mädchen sind benachteiligt, also müssen wir sie ganz besonders fördern, Jungs haben es als Männer später eh besser, also können wir sie jetzt auch etwas zurechtstutzen.

I have a son who lives within the princess culture. He has fallen in love with pink skirts. He likes to serve tea. He has been in awe of the transformative effects of makeup. He likes to have dolls drive his firetrucks. He most certainly has a meltdown when he sees that there are Dora pullups for girls but not for boys. (If the pullups didn’t have special absorption locations for front wee wees as opposed to middle wee wees I would absolutely get him Dora pants.)

W loves music and rhythm, running around the track at school, reading stories to his animals, and being FIRST.

W’s favorite color is pink. W’s favorite sport is twirling. W’s favorite TV show is Sofia the First on Disney Jr. He watches each episode multiple (MULTIPLE) times to the point that he can recite most of the dialogue. A week ago he snuggled into me and proclaimed, “boys are not nice.” I asked him which boy and he told me ALL boys. All boysare not nice. They are mean.

He was right. In almost every “girl triumphs” story there is a slew of “mean boys.” Or there are boys that have to be told to be kind.

Das wäre eine Bestätigung der festeren Geschlechterrollen für Jungs, die eben weiblicheres Verhalten nicht übernehmen können und gleichzeitig auch einmal wieder eine Bestätigung, wie klassisches Gruppendenken bei Menschen funktioniert: Der einfachste Weg eine Gruppe besonders hervorzuheben, ist eine andere Gruppe im Verhältnis zu ihr herabzusetzen. Das ist auch eine der großen Gefahren innerhalb des “Empowerments”. Es geht schnell zu Lasten von Jungs, weil sie eben “die andere Gruppe” sind.

Dann zumindest noch etwas Selbsteinsicht:

The funny thing is that I probably would not have raised an eyebrow at all over the princess video if I had a daughter. Watching my son watch the video is sad. It made me realize that we can do better. Boys are not better than girls and girls are not better than boys.

I am raising a feminist son in the sense that I want to make sure he knows that women and men can be and are equal. I have written before about chivalry; I believe it is a courtesy to extend to all. We don’t hold open the door for a woman just because she is a woman; we hold it open because we can and because it is the kind thing to do. We also hold the door open for men — because we can and because it is the kind thing to do.

Das ist ja grundsätzlich ein guter Ansatz. Allerdings wird es dann interessant, wenn ihr Sohn älter wird und – sei es nach der Pubertät oder früher – “männlichere Züge” zeigt, also vielleicht nicht mehr in rosa Sachen herumlaufen möchte oder mehr Spass an typischen Jungsaktivitäten hat.

Wird sie dann auch noch der Ansicht sein, dass dies nicht schlechter sein muss als anderes Verhalten? Oder wird sie dann ihren Sohn entsprechend doch wieder als Vertreter des Patriarchats wahrnehmen?

http://www.blogher.com/raising-son-within-princess-culture-1

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 16. April 2015

Wie aus kleinen Unterschieden zwischen den Geschlechtern Rollen entstehen können

Creedinger hatte in einem  Kommentar angemerkt, dass die Unterschiede zwischen den Geschlechtern gering sind. Ich hatte erwidert, dass auch bereits kleine Unterschiede zu recht klaren Aufteilungen führen können:

Nehmen wir mal an, dass Männer aus biologischen Gründen lieber zu 51% den Versorgerpart übernehmen wollen und “Karriere” machen wollen und zu 49% die Kinderbetreuung übernehmen wollen und dafür in der Karriere zurückstehen würden und es bei Frauen umgekehrt wäre (also ein kleiner Unterschied). Dann wäre es dennoch in jeder Beziehung so, dass der beste Weg für beide, ihre Interessen umzusetzen, darin besteht, dass er Karriere macht und sie die Kinder versorgt. Wenn beiden das auch schon vorher klar ist, dann vertieft sich das sogar noch: Beide würden ihr Leben entsprechend ausgestalten, sie würde sich also eher einen Job im öffentlichen Bereich suchen, in dem sie besser aussetzen kann, er einen Job im privaten bereich, in dem er mehr Geld verdient. Bereits kleine Unterschiede können also bereits zu größen Unterschieden in der Rollenverteilung führen.
Tatsächlich kommen noch andere biologische Faktoren dazu, die dies stabilisieren, etwa der Umstand, dass Frauen gute versorger und Männer mit Status als Partner bevorzugen und Männern dies durchaus bewusst ist. Sie verdienen daher auch häufig mehr als die Frauen und verlieren mehr, wenn sie das aufgeben.

David bringt dazu noch folgendes Beispiel:

Wenn 51% aller Menschen lieber Cola mögen, und 49% aller Menschen lieber Pepsi, haben wir in etwa einen ausgeglichenen Marktanteil

Wenn aber alle (oder aber die meisten) Cola nur ein kleines bisschen lieber mögen (auch das dürfte dann biologisch bedingt sein), kann Pepsi den Laden dicht machen.
Weil es praktisch niemand mehr kaufen würde.

Um das noch einmal etwas auszuformulieren:

Nehmen wir an, wir hätten zwei Gruppen. Die Mitglieder der einen Gruppe mögen Coca Cola etwas lieber als Pepsi, die Mitglieder der anderen Gruppe mögen hingegen Pepsi etwas lieber als Coca Cola.

Nun werden immer zwei Mitglieder der Gruppen zusammengetan und müssen überlegen, wie zwei Flaschen, einmal Cola einmal Pepsi, zwischen ihnen beiden verteilt werden, so dass jeder eine Flasche hat.

Die Aufgabe ist sehr einfach zu lösen: Der, der die Coca Cola etwas lieber mag bekommt diese, der die Pepsi etwas lieber mag, bekommt die Pepsi. Diese Aufteilung ist für beide eine Win-Win Situation und sie wären mit jeder anderen Lösung schlechter dran. Egal wie viele Paarungen man vornimmt, das Ergebnis ist, wenn der leichte Unterschied vorliegt und beiden bekannt ist, immer gleich. Es gibt keine Verteilung, es gibt eine klare Trennung, auch wenn der Unterschied vergleichsweise klein ist.

Wenn man als die zwei Gruppen nun Mann und Frau nimmt, und Männer etwas lieber die Versorgerrolle übernehmen als sich beruflich einzuschränken und dafür das Kind zu hüten und Frauen etwas lieber die Versorgerrolle abgeben und dafür das Kind versorgen, dann hat man ebenfalls sehr deutliche Unterschiede.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 15. April 2015

Selbermach Mittwoch 4 (15.04.2015)

Die In-der-Woche Gelegenheit für alles, was nicht mehr bis Samstag warten kann

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 15. April 2015

Nobelpreisträgerin Nüsslein-Volhard über Frauen in der Wissenschaft

Zwei interessante Artikel, in denen die Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard ihre Meinung zu Frauen in der Wissenschaft darstellt:

1. Artikel in der EMMA

Der erste ist tatsächlich in der EMMA erschienen, auch wenn der Inhalt eher wenig positiv für Frauen ist:

Die Ausgangslage ist die Folgende:

Prof. Christiane Nüsslein-Volhard ist die Direktorin der Genetik-Abteilung des Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie in Tübingen. Ihr Labor ist nicht erst, seit die heute 69-Jährige 1995 den Nobelpreis erhielt, weltweit renommiert. 2004 initiierte die Forscherin die Nüsslein-Volhard-Stiftung, die einmal im Jahr an begabte junge Forscherinnen mit Kind ein Stipendium über 400 € monatlich vergibt. Für eine Haushaltshilfe. Alice Schwarzer sprach mit Nüsslein-Volhard über den Sinn eines Putzfrauen-Stipendiums und die Lage der Frauen in der Forschung. Die Kritik der Nobelpreisträgerin an den Frauen ist scharf.

Dann aus dem Interview:

Sie haben in diesem Jahr von zwölf Stipendien nur die Hälfte vergeben. Warum?
Es waren einfach nicht genug geeignete Kandidatinnen da. Wir hatten 50 Bewerberinnen, davon haben wir zwölf eingeladen, aber nur bei sechsen hatten wir den Eindruck, dass es etwas wird.

Und was sind Ihre Kriterien dafür, dass es „etwas wird“?
Wir wollen die Frauen ja nicht fördern, weil sie ein Kind haben oder weil sie arm sind. Wir wollen sie fördern, weil sie begabt sind. Es müssen also Frauen sein, die richtig top sind.

Aber die rein formale Qualifikation ist der Jury doch aus den Bewerbungsunterlagen bekannt. Was also gibt in dem Gespräch den Ausschlag?
Ob sie wirklich ein Interesse an der Wissenschaft haben. Eine Leidenschaft. Manche haben leider so gar keine Vision.

Wie müsste ich mich benehmen, wenn ich von Frau Prof. Nüsslein-Volhard aus­gewählt werde?
Ganz ehrlich sein! Sie sollten uns begeistert von Ihrer Forschung erzählen. Wir müssten das Gefühl haben: Sie brennen. – Wir fragen die Frauen auch immer, wie sie das mit ihren Kindern organisieren. Und manche machen das so dämlich, dass man gleich weiß: Das wird nie was. Und wir fragen sie auch, ob ihre Männer sie unterstützen. Und dann ist es leider oft so, dass umgekehrt die Frauen ihre Männer unterstützen, weil die noch kein Geld verdienen. Das wollen wir natürlich nicht fördern.

Also schon einmal keine sehr vorteilhafte Sicht auf die Frauen. Weiter heißt es:

Als Sie das Putzfrauen-Stipendium 2004 initiiert haben, gab es da mehr relevante Bewerberinnen?
Ja. Es werden weniger. Viele moderne ­Frauen sind unglaublich nervig, haben weder Disziplin noch Motivation, nur Sinn für Schönheit und andere „Soft Skills“. Manche wissen so gar nicht, was sie wollen, lassen sich treiben. Wie soll man da Frauen fördern! Es gibt natürlich Ausnahmen von ganz Tollen, aber die reichen doch bei weitem nicht aus, um die geforderten Quoten zu erfüllen! Die Erfahrung mache ich leider immer wieder bei der Betreuung der ­Doktoranden und Doktorandinnen. Mein Labor hatte immer schon ein großes internationales Ansehen, aber es gibt kaum Frauen, die sich zu mir trauen. Ich habe immer etwa 80 Prozent Männer gehabt. Das liegt vermutlich auch an meinem schlechten Ruf: Bei mir muss man viel arbeiten. Manchmal kränkt mich das richtig. Dass manche so gar nicht begreifen, was das für einen Spaß ­machen kann, mit Leidenschaft zu forschen.

Erwartet man nicht, so einen Artikel in der EMMA. Wäre das ein Mann gewesen, dann wäre er wohl als unglaublicher Chauvi abgestempelt worden und hätte sich für den “Chauvi des Monats” qualifiziert.

Nüsslein-Vollhardt dann weiter:

Wie ließe sich dieses Missverhältnis ändern?
Es wird heutzutage ja wahnsinnig um die Frauen geworben, dass sie in diese naturwissenschaftlichen Fächer gehen und dass sie Leitungsrollen übernehmen. Ich halte es für einen Fehler. Es ist zwar richtig, dass man sagt, dass es Diskriminierung von Frauen gibt, und dass Frauen das genau so gut können wie Männer. Gar keine Frage! Es gibt auch Top-Frauen. Aber es ist einfach zu beobachten, dass die meisten Frauen nicht so gerne forschen und auch nicht so gerne leiten. Das liegt daran, dass sie eine andere Art von Bestätigung suchen. Was Frauen glücklich macht, ist nicht der berufliche Erfolg, sondern ist das private Glück. Und ich verstehe das ja auch gut. Ich selber stelle mir da manchmal auch Fragen in Bezug auf mein Leben … Muss eine echte Karriere für Frauen immer auf Kosten des privaten Glücks gehen? Ich meine: Wer ­beneidet Frau Merkel? Deren Terminplan möchte doch niemand haben. Obwohl die wenigstens noch einen netten Mann hat. Aber es gibt ja auch Frauen, die keinen netten Mann haben oder gar keinen – und die beneidet keiner.

Das ist eine Beobachtung, die sich auch in anderen Studien dazu wiederfindet: Frauen haben oft eine andere Vorstellung von Work-Life-Balance. Wie steht es denn ihrer Meinung nach um die männlichen Forscher?:

Aber geraten nicht manche Männer bei Ihnen auch in Konflikt, wenn sie einerseits Lust haben, bis in die tiefe Nacht zu forschen, aber andererseits die Freundin oder gar eine Familie wartet?
Aber sicher. Die leiden auch ganz schön. Sie kümmern sich ja viel stärker als früher um die Kinder und sind viel mehr zu Hause. Was ja auch gut ist. Als ich promoviert habe, war ich fast die einzige Frau und es war ­üblich, dass man abends und auch Samstag- und Sonntagnachmittage im Labor war. Zu meiner Zeit gab es auch keine Doktoranden, die Kinder hatten. Die meisten waren alleinstehend. Jetzt ist es so, dass sie schon früh ­Beziehungen haben oder auch Kinder. Die Frau arbeitet dann meistens nicht. Viele Frauen unserer jungen Wissenschaftler machen lange, lange Babypausen. Die bleiben fünf, sechs Jahre lang einfach zu Hause. Und danach suchen sie sich einen Halbtagsjob.

Aber das müsste dann ja die dazugehörigen Männer entlasten.
Eigentlich ja. Trotzdem stehen manche fürchterlich unter Druck. Denn die Frauen meckern, dass die Männer sich nicht genug um die Kinder kümmern. Auch, wenn sie volltags Hausfrauen sind, warten sie, dass die Männer nach Hause kommen und schmeißen ihnen die Kinder in die Arme, statt das Abendessen auf dem Tisch zu haben. Das beobachte ich auch in meiner Verwandtschaft. Bei den ehrgeizigen unter meinen Forschern sind prompt einige Ehen kaputt gegangen. Die Frauen haben es alleine zu Hause einfach vor Langeweile nicht ausgehalten. Ist ja klar, wenn man sich nur noch über Kleinkinder beugt.

Man würde wirklich gerne das gleiche Interview noch mal mit einem männlichen Namen eines anonymen Forschers abdrucken und dann Besprechungen in feministischen Blogs lesen. Aber auch dieses Phänomen ist interessant: Vom Mann wird erwartet, dass er sich zusätzlich und obwohl er im wesentlichen die Frau freistellt, um das Kind kümmert. Und viele, die sehr ehrgeizig sind und sehr viel Zeit im Labor verbringen zahlen damit, dass es zu einer Scheidung kommt. Zudem sieht sie anscheinend auch die Frauen nicht als machtlose Wesen, sondern als Personen, die durchaus einen Druck ausüben und entsprechende Entscheidungen treffen, wenn es ihnen nicht mehr gefällt.

Doch zurück zu den Frauen:

Und die Doktorandinnen?
Die sind leider häufiger damit beschäftigt, gut auszusehen als gut zu forschen. Im vergangenen Jahr hatte ich vier Doktorandinnen, die abbrechen mussten. Eine aus schierer Unfähigkeit. Eine, weil sie Liebeskummer gekriegt und die Motivation völlig verloren hatte. Und zwei, weil ihre Männer weggezogen sind und sie dann mitziehen wollten. Diese Frauen haben das vorher einfach nicht richtig zu Ende gedacht. Sie verstehen nicht, was es bedeutet, zu forschen. Sie hätten einfach nicht an mein ­Institut kommen sollen. Denn sie machen ja auch Arbeit und eine miese Stimmung.

Also insgesamt eher ein sehr hartes Urteil.

Und wie erklären Sie sich das?
Das hat viel mit dem sozialen Druck zu tun. Es galt eine Zeitlang als richtig schick, ein naturwissenschaftliches Studium zu machen und auch etwas zu werden. Und es wurde auch sehr gepusht. Doch jetzt nimmt die Zahl der Frauen zu, die das nicht mehr machen wollen. Es ist ihnen einfach zu viel: leidenschaftlich arbeiten und gleichzeitig um ein Privatleben kämpfen. Die, die die Herausforderung dennoch annehmen, sind großartig. Fantastische Forscherinnen! Letztens hatten wir ein Auswahlverfahren, bei dem unter hundert die top Acht ausgewählt wurden – die Hälfte waren Frauen. Aber im Alltag habe ich im Moment eher die Aufgabe, Dompteuse (das moderne Wort heißt glaub ich Coach) für lauter labile, wehleidige junge Menschen ohne Verantwortungsgefühl zu sein. Das gilt für beide ­Geschlechter. Was mich sehr nervt. Wir hatten noch Ideale und wussten, dass man sich anstrengen muss, wenn man was werden will. Die schieben jedes verpatzte Experiment auf ihren „Betreuer“ und haben überhaupt nicht verstanden, dass man ­irgendwann selbst Verantwortung über das eigene Tun übernehmen muss und nicht ständig jemanden (Mama, Papa, Doktorvater oder Doktormama) für Mist, den man selbst verbockt, heranziehen kann. Da kann ich einiges erzählen!

Also auch noch einmal schelte für beide Geschlechter. Man merkt, dass sie hart gearbeitet hat und das auch von anderen erwartet. Gleichzeitig auch hier noch einmal die Beobachtung, dass viele Frauen eben einfach den Stress nicht wollen.

Kann man sagen: In Ihrer Generation waren die äußeren Hürden für eine Frau noch sehr hoch – jetzt sind es eher die inneren Hürden?
Genau. Früher war die Ausrede möglicherweise berechtigt, man wolle ja so gern, dürfe aber nicht. Jetzt aber müssen die Frauen selber bekennen, dass sie oft selber gar nicht wollen. Die Max-Planck-Gesellschaft muss und will ihren Frauenanteil unter den ­Direktoren erhöhen, was bedeutet, dass in Zukunft fast jede zweite Stelle mit einer Frau besetzt werden soll. Das ist gar nicht machbar. Außerdem würde es zu einer Diskriminierung der Männer führen! Es gibt heute einfach noch nicht so viele gute Frauen in den Naturwissenschaften. Auch wenn einige es wirklich geschafft haben

Also eigentlich gute Chancen für Frauen aber wenig Kandidatinnen, die den damit verbundenen Stress wollen.

Sie reden jetzt von Spitzenforschern. Und da verstehe ich Ihr Argument. Aber was ist mit dem Mittelbau? Sollten Frauen nicht das Recht haben, genau so mittelmäßig zu sein wie die Männer?
Ja, natürlich, sind sie doch auch. Selbst unter den Spitzenköchen gibt es kaum Frauen, und das liegt doch nun sicher nicht daran, dass Frauen nicht gerne kochen!

Erfrischende Argumentation, ich verweise noch einmal darauf, dass es ein Interview in der Emma ist, welches von Alice Schwarzer geführt wird.

Welchen Rat würden Sie einer jungen Frau, die es schaffen will, heute geben?
Ich würde sagen: Geniert euch nicht, das zu tun, was euch glücklich macht. Und wenn ihr keinen Bock auf Naturwissenschaften oder eine Leitungsfunktion habt, dann lasst es. Denn ohne Leidenschaft und Ehrgeiz geht es nicht.

Das ist etwas, was im Feminismus auch zu kurz kommt. Wollen Frauen den Stress wirklich? Häufig wird sogar zugestanden, dass Frauen den Stress nicht wollen und dann verlangt, dass man dann eben den Stress beseitigen muss und alles freundlicher und eher mit Familie und Kindern vereinbar gestalten soll. Nüsslein-Volhard vertritt hier recht nachhaltig die Meinung, dass das eben die Konkurrenzfähigkeit einschränkt.

2. Artikel in der Zeit

Ein weiteres Interview mit ihr ist gerade in der Zeit erschienen:

Auf die Frage, warum es so wenige weibliche Nobelpreisträger gibt:

Nüsslein-Volhard: Es gibt einige! Aber es stimmt, die meisten Entdeckungen werden von Männern gemacht. Viele Frauen betreiben die Wissenschaft nicht mit dieser Besessenheit und dem Ehrgeiz. Wenn man das halbtags macht oder nicht wirklich mit Leidenschaft, dann wird man nicht so erfolgreich. Und schauen Sie sich doch mal die männlichen Nobelpreisträger an: Da gibt es kaum einen, der eine Frau hat, die auch berufstätig ist. Die sind alle ganz fokussiert auf die Arbeit, oft völlig abgeschottet, denn die Frau kümmert sich ja um Haus, Kinder und Hund.

Auch das ist ein Effekt, der aus meiner Sicht unterschätzt wird. Wer Volltags in einem 60 Stunden Job ist, dessen Gedanken sind quasi fast vollständig bei dem bestimmten Thema, er beschäftigt sich weit aus mehr damit, als wenn er die Gedanken immer wieder unterbricht, weil es ein Halbtagsjob ist. Man kann ganz in der Arbeit versinken. Das ist aber ein Modell, welches den wenigsten Frauen gefallen wird. Sie wollen keinen Hausmann, sie wollen auch etwas von den Kindern haben etc.

ZEIT: Dann geht es also weniger um Begabungsunterschiede zwischen Mann und Frau, sondern vielmehr um den Grad der Besessenheit?

Nüsslein-Volhard: Das ist so. Und wir müssen uns nichts vormachen: Die Lebens- und Glücksziele, die persönlichen Interessen von Frauen sind einfach andere. Ich hatte vor Kurzem ein Gespräch mit Abiturienten und jungen Studenten. Die Jungs haben gesagt, sie wollen reich werden – und die Mädchen? Die möchten am liebsten einen netten Mann treffen, heiraten und Kinder bekommen. Und daran wird sich vielleicht erst mal nicht viel ändern.

Begabungsunterschiede kommen vielleicht noch hinzu, schon weil es mehr männliche Idioten, aber auch mehr männliche Genies gibt. Aber die unterschiedlichen Ziele, die im übrigen gut in die evolutionäre Psychologie passen, dürften auch noch einmal einen erheblichen Teil ausmachen

ZEIT: Hatten Sie nie solche Wünsche?

Nüsslein-Volhard:Ich habe mich mehr für Sachen interessiert als die anderen Mädchen, die mehr an Leuten interessiert waren. Dadurch fand ich selten jemanden, mit dem ich über meine Leidenschaft für Pflanzen, Tiere und die Natur reden konnte. Ich war oft in Gedanken, habe im Garten alle Pflanzen gekannt, hatte auch ein Mikroskop und war gefesselt von meinen Beobachtungen und meinen Büchern. Mit dieser extremen Neigung war ich eine Ausnahmeerscheinung. Ich wäre unglücklich geworden, wenn ich nicht Wissenschaftlerin hätte werden können. Aber ich kenne wenige Frauen, die dafür Verständnis haben.

An dieser Stelle wüßte man natürlich gerne etwas über die Digit Ratio von Nüsslein-Volhard. Ich habe dazu nur dieses Bild gefunden, welches aus meiner Sicht eine niedrige Digit Ratio nahelegt, aber es ist nicht klar zu erkennen.

Nüsslein Vollhardt Digit Ratio Hand

Nüsslein Vollhardt Digit Ratio Hand

Es wäre jedenfalls eine Beschreibung, die eher ein systematisches als ein empathisches Gehirn hindeutet.

Zur Wahrnehmung der Frauen, wenn man zugunsten der Karriere auf Kinder verzichtet oder es einschränkt

Nüsslein-Volhard: Viele Frauen schütteln den Kopf und fragen: Warum macht die das? Und wenn Wissenschaftlerinnen dann auch noch Kinder bekommen, dann wird geschimpft, dass sie sich vor lauter Arbeit nicht genügend um sie kümmern. Die anderen, nicht berufstätigen Frauen sind da manchmal richtig aggressiv.

Es ist eben auch eine Form intrasexueller Konkurrenz, die im Feminismus mit seiner “Das Patriarchat macht die Regeln” etc vollkommen untergeht.

Dann auf direkte Frage zu der Verantwortung der Männer:

EIT: Es sind also nicht nur die Männer, die jungen Wissenschaftlerinnen das Leben schwer machen?

Nüsslein-Volhard: Es gibt Zoff unter den Frauen, da tobt der Kampf um das richtige Rollenbild. Und daneben manche Männer, die immer noch starke Vorurteile pflegen – was aber oft an schlechten Erfahrungen liegt, die sie gemacht haben. Sie wurden nicht selten von Frauen enttäuscht, obwohl sie ihnen gegenüber fördernd und freundlich waren und dann erleben mussten, dass sie ihnen mitten in der Doktorarbeit abhauen oder sich in der Kaffeepause über Schönheit und Leute unterhalten und eben nicht über Wissenschaft. Die verderben den Ruf, wissen Sie!

Auch eine interessante Perspektive, die man selten hört: Die Männer sind schlicht aufgrund schlechter Erfahrungen enttäuscht und bauen deswegen Vorurteile auf. Neben dem Kampf der Frauen um das richtige Rollenbild.

Und eine weitere interessante Nachfrage:

ZEIT: Fehlt Frauen der Machthunger?

Nüsslein-Volhard: Machthunger ist kein schönes Wort. Aber wahr ist, dass Macht bei Frauen nicht besonders gut angesehen ist, sie empfinden das oft nicht als etwas Positives. Wenn eine Frau wirklich mächtig ist, wird sie auch von anderen Frauen nicht besonders geschätzt. Und Männer können es sowieso nicht ertragen, wenn Frauen erfolgreicher sind.

Also allgemeine Abwertungen der machthungrigen Frau. Weder Frauen noch Männer mögen sie wirklich.

Und dann zu der sehr spannenden Frage, inwieweit Unterschiede angeboren sind:

ZEIT: Was sagen Sie als Genetikerin dazu, sind die Geschlechterunterschiede angeboren?

Nüsslein-Volhard: Angeboren schon, aber auf die Gene können wir es nicht schieben, die sind bei Männern und Frauen bis auf ganz wenige gleich. Es sind eher die Hormone. Testosteron beeinflusst ganz stark, wie aggressiv und dominant man ist. Die Hormone spielen schon während der Schwangerschaft eine Rolle. Jungen und Mädchen kommen komplett anders auf die Welt. Das lässt sich auch durch Erziehung nicht völlig umdrehen.

Danke Frau Nobelpreisträgerin. Das ist recht einfach zusammenfasst das, was hier auch vertreten wird (wenig verwunderlich, es ist die herrschende Meinung in der Biologie)

ZEIT: Aber Erziehung könnte zumindest einige der Vorurteile über die Geschlechter ausräumen.

Nüsslein-Volhard: Sicher, da tut sich ja auch schon einiges. Wichtig ist aber auch, dass Frauen verstehen, dass sie Abstriche machen müssen, wenn sie eine wissenschaftliche Karriere anstreben. Gerade mit Kindern. Sie können dann nicht auch noch eine hundertprozentig gute Mutter und supergepflegte Ehefrau sein und dazu putzen und kochen. Denn als Laborleiterin werden sie in ihrem Beruf sehr gebraucht, und je mehr es um ihre eigene individuelle Leistung geht, werden sie mit ihrer Zeit und Energie haushalten müssen. Eine Freundin von mir, eine sehr erfolgreiche Forscherin in den USA, beschloss, als ihr Kind auf die Welt kam, dass sie von nun an nicht mehr kochen wird, sondern dass die Familie sich nur noch von Take-away ernährt. Das hat ihr am Tag ungefähr zwei Stunden Zeitersparnis gebracht. Für deutsche Frauen ist das eine abenteuerliche Vorstellung, obwohl völlig logisch!

Also auch die Frage, was man zu “opfern” bereit ist und inwieweit man sich von den Geschlechterrollen lösen kann. Es gibt durchaus Lösungen, von der Hausarbeitshilfe bis zum Take-Away-Essen, aber man muss sie auch nutzen. Man muss bereit sein, die Abstriche zu machen. Darauf zu bestehen, dass Hindernisse für einen aus dem Weg beräumt werden und sich die Gegebenheiten einer Karriere nach der Familienplanung ausrichten sollen, das klappt hingegen nicht.

ZEIT: Was raten Sie den Frauen?

Nüsslein-Volhard: Die jungen Frauen fragen mich oft: Ja, muss man denn da nicht furchtbar viel arbeiten? Aber klar muss man das! Und wer das nicht will, der sollte diesen Weg nicht gehen. Frauen sollten sich auch nicht so viel von außen einreden lassen. Nur weil jetzt überall für Mint-Berufe geworben wird, heißt das doch nicht, dass da jetzt alle aufspringen müssen. In der Biologie sind die Hälfte der Studenten Frauen. Viele promovieren, nur weil sie nicht wissen, was sie sonst machen sollen. Das reicht nicht. Wer sich aber einen Weg an die Spitze erkämpfen will, dem sollten dann auch alle Türen offen stehen, und diesen Frauen kann ich nur sagen: Seid nicht so zimperlich. Setzt euch durch. Steht nicht so viel vorm Spiegel! Es schadet auch nicht, wenn ihr euch weniger selbst um eure Kinder kümmert.

Also auch wieder ein Appell an die Eigenverantwortung und die Durchsetzungskraft.

Ich hatte neulich schon gefragt, welche Theorien im Feminismus eine Rolle spielen. Das finde ich auch einfacher als das gleiche für den Maskulismus zu bestimmen, weil hier sehr viel unterschiedliche Meinungen vertreten werden.

Vorreiter ist insoweit vielleicht Warren Farrell, mit Theorien wie dem “disposable Man” etc.

Häufig ist es gar nicht mal eine tatsächliche Theorie, sondern eher die Überprüfung bestimmter feministischer Theorien und deren Entkräftung, etwa bei häuslicher Gewalt oder im Bereich der “Rape Culture”. Kann man da von eigenen Theorien sprechen (und was wären gute Bezeichnungen dafür?) oder fehlt dafür das “Eigene”.

Wenn es um die Frage geht, wie die Geschlechter geworden sind, was sie sind, dann scheint mir bei Warren Farrell ebenfalls eine soziale Erklärung im Vordergrund zu stehen, die aber wesentlich mehr auf gegenseitiger Beeinflusssung aufbaut, beispielsweise eben auch auf den Anforderungen der Frauen an die Männer.

Daneben scheinen mir die Theorien, die biologische Anteile bei der Geschlechterrolle und ihrer Ausgestaltung sehen, ebenfalls weit verbreitet zu sein.

Es wäre interessant, wenn man hier einmal etwas mehr zu theoretischen Ansätzen sammeln könnte.

 

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 13. April 2015

Gastartikel: “Warum ist die Intelligenz an manchen Orten höher”

Es handelt sich um eine Übersetzung dieses Artikels von Christopher Eppig durch einen Leser. Die Veröffentlichung bedeutet nicht, dass ich der dortigen Theorie zustimme. 

Warum ist die durchschnittliche Intelligenz an manchen Orten höher?

Eine überraschende Theorie über globale Intelligenzunterschiede

6. September 2011 von Christopher Eppig

Schlau zu sein ist eine teure Sache. Nicht in finanzieller Hinsicht, sondern in einer Währung, die entscheidend für das Wohlbefinden aller Lebewesen ist: Energie.
Eine Untersuchung fand heraus, dass Neugeborene fast 90 % ihrer Kalorien darauf verwenden, ihr Gehirn auszubilden und zu nutzen. (Sogar bei Erwachsenen beansprucht das Gehirn ein ganzes Viertel unserer Energie.) Wenn in der Kindheit, während sich das Gehirn ausbildet, ein unerwarteter Energieverbrauch hinzukommt, so wird das Gehirn dadurch beeinträchtigt. Infektionskrankheiten sind ein Faktor, der einem sich entwickelnden Gehirn große Mengen an Energie rauben könnte. Dies war jedenfalls unsere Hypothese, als meine Kollegen Corey Fincher, Randy Thornhill und ich eine Studie über die globale Verteilung der menschlichen Intelligenz veröffentlichten.
Eine ganze Reihe von Forschungen haben gezeigt, dass der durchschnittliche IQ weltweit unterschiedlich ist, sowohl zwischen Nationen als auch innerhalb von Nationen. Die Ursache für diese Unterschiede ist für Wissenschaftler seit vielen Jahren von großem Interesse. Der Kern dieser Debatte ist die Frage, ob diese Unterschiede auf Erbanlagen, Umwelteinflüsse oder beides zurückzuführen sind.
Mit einem höheren IQ gehen eine Anzahl weiterer wichtiger Faktoren einher, einschließlich besserer Schulnoten, einem höheren Bildungsgrad, besserer Arbeitsleistung, höherer Löhne und einem reduzierten Risiko an Fettleibigkeit zu erkranken. Ein besseres Verständnis bezüglich Intelligenzunterschiede könnte also auch zu einem besseren Verständnis dieser anderen Themen beitragen.
Vor unserer Arbeit hatten verschiedene Wissenschaftler Erklärungen für das globale Schema des IQ dargeboten. Nigel Barber vertrat die Ansicht, dass Unterschiede im IQ primär auf eine unterschiedliche Bildung zurückzuführen sind. Donald Templer und Hiroko Arikawa vertraten die Hypothese, dass in einem kälteren Klima zu leben schwieriger sei, so dass die Evolution deshalb einen höheren IQ in diesen Regionen begünstigte. Satoshi Kanazawa vermutete, dass die Evolution einen höheren IQ in solchen Gebieten begünstigte, die weiter vom evolutionärem Ursprung der Menschheit entfernt sind: dem subsaharischen Afrika. Nach dieser Hypothese stattete uns die Evolution mit den Fähigkeiten aus im Stammland unserer Ahnen zu überleben ohne zu viel darüber nachdenken zu müssen. Als wir uns von dort fortbewegten, habe die Umwelt größere Herausforderungen an uns gestellt, was die Herausbildung einer höheren Intelligenz erforderte um zu überleben.
Wir haben alle diese Vorstellungen überprüft. In unserer Studie von 2010 haben wir nicht nur eine sehr starke Beziehung zwischen dem Ausmaß der Infektionskrankheiten und dem IQ gefunden, sondern als wir die Effekte bezüglich Bildung, Volksvermögen, Temperatur und Entfernung vom subsaharischen Afrika kontrollierten, erwiesen sich Infektionskrankheiten als maßgeblichster Prädiktor von allen. Eine kürzlich von Christopher Hassall und Thomas Sherratt veröffentlichte Studie wiederholte unsere Analyse mit Hilfe ausgefeilterer statistischer Methoden und gelangte zu der Schlussfolgerung, dass Infektionskrankheiten möglicherweise der einzige wirklich bedeutende Prädiktor für den nationalen Durchschnitts-IQ sind.

Erhärtet wird diese Hypothese nicht nur von zwischenstaatlichen Untersuchungen, sondern auch von Untersuchungen mit Bezug auf Individuen. Es gab zum Beispiel viele Studien, die zeigten, dass Kinder, die mit Darmparasiten infiziert waren, im späteren Leben einen niedrigeren IQ hatten. Eine andere Untersuchung von Atheendar Venkataramani fand heraus, dass Gebiete in Mexiko, die Ziel von Malaria-Bekämpfungsprogrammen waren, einen höheren Durchschnitts-IQ aufwiesen als solche, wo es keine gab. Unter praktischen Gesichtspunkten bedeutet dies, dass die menschliche Intelligenz veränderbar ist. Wenn die weltweiten IQ-Unterschiede größtenteils von Infektionskrankheiten in der Kindheit abhängen, dann müsste das Bemühen um die Verringerung dieser Krankheiten den IQ steigern.

Trotz der Aussagekraft unserer Befunde war unsere Studie nicht ohne gewisse Beschränkungen. Wir taten unser Bestes um den Einfluss der Bildung mit einzubeziehen. Doch was wir wirklich brauchten, war eine Wiederholung unserer Analyse mit Bezug auf Regionen innerhalb einer einzigen Nation, idealerweise eine mit einem einheitlichen, verpflichtenden Bildungssystem. Die Nation, die wir dafür auswählten, waren die Vereinigten Staaten. Der durchschnittliche IQ innerhalb der einzelnen Staaten unterscheidet sich: Massachusetts, New Hampshire und Vermont befinden sich z.B. an der oberen Grenze; Kalifornien, Louisiana, und Mississippi an der unteren.
Wieder erwies sich das Ausmaß von Infektionskrankheiten als ein ausgezeichneter Prädiktor für den Durchschnitts-IQ des jeweiligen Staates. Die Staaten mit den fünf niedrigsten Durchschnitts-IQs haben alle ein höheres Ausmaß der Häufigkeit von Infektionskrankheiten als die Staaten mit den fünf höchsten Durchschnitts-IQs, und die Beziehung war in allen Staaten, die dazwischen liegen, ausgewogen.

Soweit deuten die Befunde also darauf hin, dass Infektionskrankheiten eine wesentliche Ursache für die globalen Unterschiede der menschlichen Intelligenz sind.
Da es sich hierbei um einen Umwelteinfluss handelt und nicht um einen genetischen, ist dies eine gute Nachrichten für alle, die daran interessiert sind, globale Ungleichheit im Zusammenhang mit dem IQ zu reduzieren. Wenn, wie von einigen behauptet, die wesentlichen Faktoren genetischen Ursprungs wären, würde es schwer sein den IQ zu verändern.
Mit unserer fortschreitenden Arbeit hoffen wir, die Entwicklungsphasen, die am empfindlichsten für Störungen durch Infektionskrankheiten sind, genauer bestimmen zu können sowie herauszufinden, welche Krankheiten am schädlichsten für die Entwicklung des Gehirns sind. Wenn die Beweislage weiterhin zugunsten unserer Hypothese ausfällt, wird sie Menschen, die daran interessiert sind, diese Informationen zu nutzen um den IQ weltweit anzuheben, ermöglichen, ihre Bemühungen wirksamer und effizienter umzusetzen.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 12. April 2015

Hillary Clinton als Präsidentschaftskandidatin

Den Medien nach soll Hillary Clinton heute erklären, dass sie erneut für die Demokraten als Präsidentin antreten will.

Hillary Clinton

Hillary Clinton

Ihr werden dabei bei den Vorausscheidungen durchaus gute Chancen zugerechnet, allerdings war dies 2008 auch schon der Fall, bis sie dann gegen den damals zumindest in Europa noch relativ unbekannten Barak Obama verlor.

In der FAZ heißt es dazu:

Hillary Clinton wäre die erste Kandidatin der Demokraten, die ihre Bewerbung um die Nominierung durch die Partei offiziell anmeldet. Und sie wäre die aussichtsreichste. Unter demokratischen Parteigängern ist Clinton beliebt wie niemand sonst.Eine Umfrage des TV-Senders NBC und der Zeitung „Wall Street Journal“ vom 9. März ergab, dass 86 Prozent der demokratischen Wähler eine Kandidatur Clintons unterstützen würden. Nur 54 Prozent sprachen sich in derselben Umfrage für den amtierenden Vizepräsidenten Joe Biden aus. Es folgen die Senatorin Elizabeth Warren (Massachusetts) vom linken Parteiflügel mit 51 Prozent und – weit abgeschlagen – die früheren Gouverneure Jim Webb (Virginia) und Martin O’Malley (Maryland).

Insofern könnte auch hier eine “familiäre Nachfolge” auftreten, zwar nicht der Sohn auf den Vater, wie bei Bush, aber die Ehefrau auf den Ehemann.

Es wäre interessant, was das bewirkt. Schließt man von Merkel auf Clinton, dann müsste man wohl vermuten: Nicht viel. Ich würde nicht sagen, dass die CDU mit einer Bundeskanzlerin nun so viel feministischer geworden ist. Allerdings wäre es schon interessant, was das Patriarchat hier wieder macht: Mit Deutschand und den USA hätten dann zwei sehr große und wirtschaftsstarke Länder der westlichen Welt weibliche Lenkerinnen. Dennoch wird der Feminismus damit das Patriarchat nicht für beendet erklären.

Das Verhältnis zu Hillary Clinton ist ohnehin angespannt: Sie ist keine Vertreterin eines Genderfeminismus in queerer Form. Sie hat vielmehr bereits Unmut auf sich gezogen, etwa als bekannt wurde, dass sie seinerzeit als Rechtsanwältin einen Mandanten vertreten hat, der ein 12jähriges Mädchen vergewaltigt haben soll.

Ein interessanter Bericht mit dem Titel “Hillary Clintons Krieg gegen die Frauen” bespricht die Sache an sich und die Reaktionen:

Last week liberal activists were denouncing George Will for questioning the lack of due process for accused rapists on campus. Then the Washington Free Beacon posted a tape in which Hillary Clinton had a good laugh discussing how she freed a child rapist that she knew was guilty from prison.

Hillary had become the Democratic Party’s official “Role Model for Women” through her willingness to stand by her powerful husband during his affairs, cover up his sexual harassment of other women and even target those women for daring to speak out against her husband.

Now the face of the Democratic Party’s bid to make feminist history in 2016 was caught on tape cheerfully recollecting how she accused a 12-year-old girl, in formal legal language, of being a mentally ill slut. Or as the Washington Post’s Melinda Henneberger put it, “The ‘little bit nutty, little bit slutty’ defense has a long, ugly history. It’s jarring to see it trotted out against a kid by a future feminist icon.”

Suddenly the social justice warriors who were denouncing due process, such as access to legal counsel, for campus rapists being tried by student committees, became big fans of due process for rapists.

As with Whoopi Goldberg, it was all about who was doing the raping and who the rapist’s lawyer was.

Amanda Marcotte, of Slate and The Daily Beast, as well a blogger for John Edwards, another noted defender of women, had called critics of the Duke Lacrosse case “rape-loving scum” and suggested that George Will was a “rape apologist” for questioning some questionable rape cases.

But when Hillary Clinton was outed as a “rape apologist” and “rape-loving scum”, Amanda became a “rape apologist” explaining why being “rape-loving scum” was actually a good thing.

“Hillary Clinton Knows Rape Is No Laughing Matter”, she wrote, describing a tape in which Hillary Clinton is laughing while talking about rape.

With a desperation only previously known to members of the Communist Party after Khrushchev had denounced Stalin, Amanda explained that Hillary Clinton might have called a 12-year-old victim of child rape a mentally ill slut, but it wasn’t her fault.

It was society’s fault.

“While it’s always unpleasant to hear defense attorneys try to sow doubt about an accuser’s trustworthiness, the blame for this should not lay on the shoulders of those who have an obligation to defend their clients. The blame should lay on society for perpetuating the myth that false accusations are common” she wrote.

Don’t blame Hillary Clinton for her horrible evil lie about a raped little girl. Blame a society that gave Hillary the idea that she could get away with it.

This is a good defense because it can be used for any of the many lies told by Hillary Clinton. Don’t blame her for lying about landing in Bosnia under sniper fire. Blame a patriarchal society which values military heroics over defending child rapists. Don’t blame her for lying about being named after Sir Edmund Hillary. Blame a society which prioritizes climbing large mountains over stealing White House furniture and covering up for your husband’s history of sexual abuses.

Marcotte, like many of Hillary’s defenders, claims that Hillary Clinton had no choice but to do what she did in support of a “constitutionally mandated right of the accused to an adequate defense.”

But the Constitution does not mandate that the accused must have a lawyer. Only that he has a right to one if he can find one. The public defender was another invention of a liberal activist judiciary. And even so, there was no legal obligation for Hillary Clinton to defend him. The child rapist already had a lawyer.

He wanted a female lawyer. And Hillary, looking to her career, agreed.

Hillary Clinton served the same role for the child rapist as she did for her husband by letting a sexual predator use her gender for political cover against the women he had victimized.

The child rapist was entitled to a lawyer. He was not entitled to Hillary Clinton. The Founders never wrote that one into the Constitution. Not even the Warren Court did that. Nor did her choice to undertake the defense of her client trump her moral and ethical obligations as a human being.

Being a defense attorney does not free one from the basic standards of right and wrong. The Nuremberg Defense did not work for soldiers. It certainly does not work for lawyers.

If an action is wrong when undertaken by an individual, it is also wrong when undertaken by a lawyer.

Gawker’s Jezebel blog had demanded that George Will be fired. “Are victims of rape and domestic violence… the final politically acceptable punching bags for opinion pages?” it asked. The answer is yes, if they are Bill or Hillary Clinton’s victims because when it came to the Hillary rape tape, Jezebel began making excuses.

Hillary supporters at Correct the Record claimed that the rape tape was distracting from her record. But the rape is very much a part of her record. It shows how far she is willing to go to win and what tactics she is willing to use. It also once again shows her contempt for the gender that her party claims she represents in political life.

“The desperate attempts to get Clinton’s name in a headline with the word “rape” bespeak of a conservative movement that can’t imagine that rape as anything but a hot button word to try to damn political opponents with,” Amanda Marcotte writes in a convoluted coda to an article so morally convoluted that it ought to have its own law degree.

As her own behavior demonstrates, the social justice warrior crowd doesn’t really believe rape is wrong. It believes that rape is a useful political weapon. It believes the same thing about racism and a host of other ills. It is even willing to use gay smears against Republican politicians while campaigning for gay rights.

The pass that both Clintons have gotten is proof of how seriously the Democrats take women’s rights. Not to mention the same pass that another courageous liberal defender of women, Ted Kennedy, got. Marcotte jumps into a Pavlovian frenzy every time some Republican somewhere says something about rape. But when it comes to Democrats who don’t just talk, but who actually abuse women, she jumps up as the counselor for the defense.

Like most of the left, she puts her ideology first and sisterhood last. And that was exactly what Hillary Clinton did when she put a child rapist ahead of his victim and her husband ahead of his victims.

“Feminists don’t criticize conservatives for rape-complacent or ever rape-apologetic statements or policies because they’re trying to score cheap political points. They very sincerely believe that these people stand in the way of justice for rape victims, often for very good reason. There is no reason to think that of Clinton,” Amanda Marcotte writes.

Aside from the time that Hillary Clinton prevented a child rapist from going to jail for raping a child, there is no reason to think that she stood in the way of justice for rape victims.

How many child rapists do you have to free before you officially stand in the way of justice for rape victims? One. Marcotte has accused Christians of having beliefs that blame women for rape. It’s not a good description of Christians, but it is a surprisingly good description of Hillary Clinton.

In the Blair Papers, also turned up by the Free Beacon, Hillary blamed Bill Clinton’s affairs on her failure to be “sensitive enough” to him. She also appeared to believe that Bill’s behavior was the fault of by being raised by two women.

Hillary Clinton not only didn’t hold her husband responsible for his sexual harassment of other women, she blamed the women, she blamed the women who raised him and finally she blamed herself. And that wasn’t a sexist worldview that she reserved for Democrats.

When Senator Bob Packwood, a liberal Republican, was accused of sexual harassment, Hillary dismissed the “whiney women” because she needed the famously pro-abortion senator on health care.

In public, Hillary Clinton mouths all the right platitudes about women, girls and sexual assault. In private, another Hillary comes out of the closet.

This is the Hillary who blames women for the abusive actions of powerful men; even when she is one of those women. The real Hillary is not only not a feminist icon, but she is much closer to the stereotype that leftist activists have of Christians and conservatives.

Hillary Clinton blames women for being sexually assaulted and raped. Having tethered her career to a serial predator, she can only get ahead by tearing down women in private while talking them up in public. The real Hillary is a neurotic living a lie who hates herself and her own gender.

The real Hillary despises women and identifies with the men who victimize them.

Hier wird schon einiges an der Doppelmoral gerade von einer radikalen Feministin wie Amanda Marcotte deutlich. Wo sie sonst das gleiche Verhalten verurteilt ist es jetzt doch irgendwie okay.

Ich bin daher auch gespannt, wie sich der deutsche Feminismus verhalten wird. Dieser ist ja üblicherweise sehr streng in solchen Fragen, andererseits wird man eine Frau als US-Präsidentin sicherlich gerne wollen. Ich vermute, dass man es daher eher totschweigt und gar nicht groß erwähnt, dass sie kandidiert, allenfalls mit einem Link in einem der Linkübersichtsartikel.

 

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