Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 4. Juli 2015

Selbermach Samstag 143 (04.07.2015)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 4. Juli 2015

“Gib Frauen beim Flirten keine direkten Antworten, es sei denn diese ist Nein”

Ich höre, wie bereits mehrfach erwähnt, gerade mal wieder in die “Interviews mit Dating Gurus” Reihe von David DeAngelo rein, in der er verschiedenste Experten rund ums Thema Flirten und Pickup befragt.

Ein Konzept von David DeAngelo, welches er dabei immer wieder mal anspricht ist:

Never give a woman a direct answer, unless it’s no

Gib Frauen beim Flirten keine direkten Antworten, es sei denn diese ist Nein

Dabei geht es darum, dass man nicht mehr versucht, ein reines Sachgespräch zu führen, bei der man Informationen mitteilt und selbst welche erhält, sondern ein weitere Ebene zu eröffnen, in der es um die persönliche Beziehung geht. Und dabei soll dieser Grundsatz ein Leitfaden sein, nicht etwas, was man sklavisch verfolgt. Es geht darum eine spielerische Kommunikation zu eröffnen, die etwas herausfordernder ist, bei der sie etwas mehr investiert in die Sache, sich mehr einbringen muss.

Denn reine Sachgespräche können schnell langweilig sein:

Sie: Was machst du so beruflich?

Er: Ich bin  Sachbearbeiter bei X. Und du?

Sie: Ich studiere Y. Wie ist der Job so?

Er: *Erzählt tatsächlich wie die Arbeit eines Sachbearbeiters ist* Und bei dir?

Sie: *Erzählt wie spannend ihr Studium ist*

Solche Geschichten können gut zum kennen lernen sein. Und wenn man den anderen eh interessant findet, dann kann daraus sicherlich auch die ewige Liebe entstehen (immerhin hat sie ihn angesprochen). Aber jeder erzählt dabei die Punkte, die er bei jedem kennen lernen erzählt und keinen von beiden interessiert das, was der andere sagt und das, was man selbst sagt wirklich. Es ist nicht spannend von seiner Arbeit zu erzählen und abseits der bloßen Fakten kommt keine Spannung zwischen den beiden auf. Man könnte das gleiche Gespräch auch mit einem neuen Kollegen führen oder auf dem Geburtstag seiner Oma mit seinem Platznachbarn, der besten Freundin der Oma. Man hat es auch schon tausendmal geführt, es ist langweilig und nichts, an das man sich erinnert.

Was David DeAngelo meint ist eher das folgende Gespräch:

 

Sie: Was machst du so beruflich?

Er: Rate mal / Was machst du beruflich, wo bist du geboren, was ist dein Lieblingseis, das ist doch langweilig. Komm, frag was interessantes! /Ich betreibe eine Lachsfarm in Norwegen

Sie: Na komm gib mir einen Tipp / ähh… *interessantere Frage* / Äh… ja also was denn zum Beispiel?/in Norwegen? Wie bist du denn da hingekommen?

Er:  Na gut *fürstliche Pose einnehmen mit hohem Kinn und stolzen Blick in die Ferne*(muss nichts mit dem Beruf zu tun haben)/Ah, ich sehe ich habe dich nicht unterschätzt, zu deiner Frage…/Würdest du lieber Fliegen können oder lieber keine Schmerzen haben? /Wenn du jeden Job der welt haben könntest, was würdest du dann machen?/*irgendwas zu abenteuerliches über Norwegen verbunden mit dem Plan, sie auf der (nicht existenten) Fischfarm anzustellen und dort das Lachskartell aufzumischen, verbunden mit Decknamen für beide (Björn und Sigurd)

Das muss man natürlich an die Situation und die jeweilige Frau anpassen, aber wenn man derjenige ist, mit dem sie ein kleines Rollenspiel gestartet hat, in dem sie Lachse in Norwegen züchtete und man einige schräge Szenarien durchgespielt hat, dann hat sie bereits Spaß gehabt, wurde herausgefordert, hat etwas besonderes erlebt und das Gefühl das es mit einem nicht wie mit den anderen allen ist.

Ernst werden kann man dann früh genug in der Komfortphase, wenn es erforderlich ist. Häufig ist es aber auch gar nicht so wichtig, es hat Zeit, wenn man sich ansonsten gut versteht.

Es geht darum, dass man Spannungen aufbaut und sie auch das Gefühl hat, dass sie etwas dafür machen muss, Informationen zu erhalten, dass sie sich herausgefordert fühlt, dass man erkennt, dass es nicht darum geht, Sachgespräche zu führen, sondern man etwas davon wegkommt.

Es ist keine feste Regel, die man bei seiner Chefin anwendet oder auch nur bei einem Date auf Teufel komm heraus durchzieht. Sondern die man als Grundlage sehen soll, um das Gespräch spannender zu machen. Es ist tatsächlich immer wieder überraschend, wie viel dynamischer ein Gespräch dadurch werden kann, gerade wenn man sich nicht zu ernst nimmt. Wer es schafft, in so einem Gespräch in einer vollkommen fiktiven Welt eine gemeinsame Zukunftsvision zu finden, vom Eisverkäufer am Strand bis zu Superschurke, der hat etwas, auf das man immer gut zurückkommen kann und es erlaubt einem auch fiktiv eine andere Rolle einzunehmen, zB die eines Partners (“Okay, wir brennen zusammen durch und verkaufen Eis in Y, zuerst schlafen wir direkt am Strand, ich hatle die Strandhunde fern und du brätst einen frisch gefangenen Fisch, den wir im Sonnenuntergang am Meer essen, während wir dem Liebesspiel der Touristen lauschen. Wir werden nicht viel haben, außer uns, aber das sollte reichen!”)

 

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 3. Juli 2015

Was ist Evolution?

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 3. Juli 2015

Die Auswirkungen von Ekel auf sexuelle Lust bei Frauen

Eine interessante Studie behandelt die Auswirkungen von Ekel auf sexuelle Lust bei Frauen:

Sexual arousal is a motivational state that moves humans toward situations that inherently pose a risk of disease transmission. Disgust is an emotion that adaptively moves humans away from such situations. Incongruent is the fact that sexual activity is elementary to human fitness yet involves strong disgust elicitors. Using an experimental paradigm, we investigated how these two states interact. Women (final N=76) were assigned to one of four conditions: rate disgust stimuli then watch a pornographic clip; watch a pornographic clip then rate disgust stimuli; rate fear stimuli then watch a pornographic clip; or watch a pornographic clip then rate fear stimuli. Women’s genital sexual arousal was measured with vaginal photoplethysmography and their disgust and fear reactions were measured via self-report. We did not find that baseline disgust propensity predicted sexual arousal in women who were exposed to neutral stimuli before erotic content. In the Erotic-before-Disgust condition we did not find that sexual arousal straightforwardly predicted decreased image disgust ratings. However, we did find some evidence that sexual arousal increased self-reported disgust in women with high trait disgust and sexual arousal decreased self-reported disgust in women with low trait disgust. Women who were exposed to disgusting images before erotic content showed significantly less sexual arousal than women in the control condition or women exposed to fear-inducing images before erotic content. In the Disgust-before-Erotic condition the degree of self-reported disgust was negatively correlated with genital sexual arousal. Hence, in the conflict between the ultimate goals of reproduction and disease avoidance, cues of the presence of pathogens significantly reduce the motivation to engage in mating behaviors that, by their nature, entail a risk of pathogen transmission.

Quelle: Disgust versus Lust: Exploring the Interactions of Disgust and Fear with Sexual Arousal in Women

Dazu aus einem Artikel zu dieser Studie:

Disgust is thought to be a protective emotion because it encourages humans to shun anything which could transmit disease, such as another person’s blood or body fluids.

Dr Fleischman, an evolutionary psychologist, said: “Sex includes increased contact with body odours and fluids which, in other contexts, strongly suggest disease and would elicit disgust. Women are more vulnerable to contracting diseases through sex than men and show worse outcomes once infected so we should expect that women will be especially turned off when they are disgusted.

Das halte ich auch für eine gute Erklärung. Es ist wahrscheinlich auch der Grund, warum Kinder, deren Sexualtrieb mangels der entsprechenden Hormone noch nicht aktiviert ist, die Vorstellung von Sex erst einmal ekelig finden

“It makes sense that sexual arousal and disgust would affect one another. Sexual arousal motivates us toward closeness with others and their bodies while disgust motivates us away. Given these competing motivations, every one of our ancestors had to overcome disgust in order to have sexual contact and reproduce.

“Another prediction we made was that arousal would reduce disgust sensitivity. Previous studies have found that men and women who are exposed to sexually explicit images report less disgust. However our study is the first to measure blood flow to the genitals, which is necessary for sexual arousal, and how it interacts with disgust.”

Macht die Studie aus meiner Sicht etwas angreifbar, weil soweit ich weiß der Blutstrom in die Genitalien bei Frauen nicht per se etwas mit Lust zu tun hat

One of the most consistent differences science has found between men and women is that men are less sensitive to disgust than women, especially when it comes to sex. The researchers wanted to find out if women who are less likely to be disgusted would respond like men when sexually aroused.

Männer sind Schweine, hier einmal in wissenschaftlich (wobei Schweinen da ja unrecht getan wird, sie sind wohl recht saubere Tiere). Allerdings kann ich mir das durchaus vorstellen, natürlich im Schnitt. Männer können nicht so empfindlich sein wie Frauen und gerade beim Sex haben sie neben den oben angesprochenen Vorteilen, dass sie sich seltener anstecken, auch noch den Vorteil, dass sie unter Berücksichtigung evolutionärer Zeiten die Kosten eher an die Frauen abgeben konnten, da diese schwanger wurden.

The research found that women who are not very disgust-sensitive turn down their disgust sensitivity even further when they’re sexually aroused whereas women who are highly disgust-sensitive show greater disgust when sexually aroused.

Weswegen Männer gelernt haben, dass man vor einem Date grundsätzlich sein Schlafzimmer und die Wohnung putzen sollte, um die Chancen auf Sex zu erhöhen. Auch vielleicht ein Grund, warum Frauen, die nach der Studie eben eine höhere “Ekel-Sensibilität” haben, eher Putzen als Männer und sich eher beschweren, dass Männer “den Dreck nicht sehen”, was wohl dann eher zu übersetzen ist mit “ihn noch nicht schlimm genug finden um unbedingt zu putzen”.

Die Studie wurde wie folgt durchgeführt

The study included 76 heterosexual women aged 18-42.

One group was shown disgusting images then asked to watch an erotic film. The second group watched an erotic film and were then were shown disgusting images. The third group were shown frightening images then shown an erotic film. The fourth group watched an erotic film and were then shown frightening images.

Images used to elicit disgust in the women taking part included diseased or injured humans and human corpses, faeces and people vomiting.

The erotic films watched were produced and directed by women and intended to be sexually appealing specifically to women.

The images designed to elicit fear included violent people, dangerous animals, weapons, heights, tornados and fire.

Before the experiments, all the women were asked to insert a vaginal photoplethysmograph — a clear acrylic tampon-shaped device that measures blood flow to the vagina which indicates sexual arousal. They were also asked to report their own degree of arousal, disgust and fear after their tests.

Women who were exposed to disgusting images before watching an erotic film were three times less sexually aroused than those who had seen frightening images or those in the control group. There was no significant difference in the degrees of sexual arousal in the other groups.

Also scheint der Ekel das erotische Signal zu behindern, aber nicht zu beseitigen, wenn erst die Erregung vorhanden ist und dann etwas ekeliges gezeigt wird.

Earlier studies have shown sexually aroused men are much less likely to find things disgusting. The latest study does not find the same straightforward story for women, but that was predictable, Dr Fleischman says, because of women’s greater vulnerability to contracting disease through sexual activity.

Wenn er erst einmal erregt ist, dann spielt Ekel keine so große Rolle. Vielleicht auch der Grund, warum Männer mit Frauen schlafen, bei denen sie sich am nächsten Morgen fragen, warum sie das wollten.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 2. Juli 2015

Wie umgehen mit einem Gutwettervater?

In der Süddeutschen Zeitung wird eine interessante Frage gestellt:

Ich habe das alleinige Sorgerecht für meine Tochter (4), mit dem Vater war ich nie zusammen. Er meldet sich ohnehin nur, wenn bei ihm gerade die Sonne scheint. Die Nähe zu seinem Kind hält er nur so lange aus, bis ich fordere, dass er sich regelmäßig um sie kümmern soll. Meine Tochter hat sich mit “Er arbeitet viel” ihre eigene Erklärung zurechtgelegt, wenn er mal wieder mehrere Monate lang nichts von sich hören lässt. Soll ich ihm weiterhin das Kind hinterher- tragen oder kann ich die Tür einfach zulassen? Daniela Z., Berlin

 

Drei Personen geben dort Rat, die Meinung scheint mir recht übergreifend zu sein, dass man eben mit dem Vater leben muss, den man hat und ein Kontaktabbruch dem Kindeswohl nicht zuträglich wäre, solange das Kind nicht enttäuscht ist.

Was wäre aus eurer Sicht das beste Verhalten? Was muss eine Mutter (oder ein Vater) in einem solchen Fall machen?

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 1. Juli 2015

Selbermach Mittwoch 15 (03.07.2015)

Zu spät, aber immerhin noch mittwochs

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 1. Juli 2015

*Schnips*

Wir sind im Ikea, ein paar Sachen kaufen. Zwischendurch geht es noch in das Restaurant, auf ein paar Köttbullar. Danach trinken wir noch kurz einen Kaffee im Bereich vor dem Restaurant.

Ganz in der Nähe sind auch die Toiletten. Ein paar Wartende stehen davor, deren Partner wahrscheinlich gerade die selbigen besuchen. Darunter auch eine recht hübsche Frau, vielleicht 23, die sich mit ihrem Handy beschäftigt. Ein junger Mann kommt aus dem Toilettenbereich und geht auf sie zu, dann quasi an ihr vorbei, ohne groß auf sie zu achten.

Er schnipst nur einmal mit den Fingern.

Sie schaut auf, trottet ihm hinterher um aufzuholen. Er streckt kurz die Hand nach hinten aus, sie greift sie freudig und sie setzen ihren Ikeaeinkauf fort.

Es ist eine Szene wunderbaren Alphamannseins. Man muss vielleicht die Ausführung gesehen haben, das Beiläufige, ihre Reaktion. Das Zusammenspiel aller Faktoren schuf ein Kunstwerk.

Natürlich muss man wohl auch zuviel Pickup gelesen haben.

Aber ich verharrte in Erfurcht.

Südländerin hingegen versteht nicht, warum ich in letzter Zeit pausenlos schnipse.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 30. Juni 2015

Geschlechterunterschiede im Bereich Kooperation

Eine interessante Studie betrachtet Geschlechterunterschiede im Bereich Kooperation:

Although it is commonly believed that women are kinder and more cooperative than men, there is conflicting evidence for this assertion. Current theories of sex differences in social behavior suggest that it may be useful to examine in what situations men and women are likely to differ in cooperation. Here, we derive predictions from both sociocultural and evolutionary perspectives on context-specific sex differences in cooperation, and we conduct a unique meta-analytic study of 272 effect sizes—sampled across 50 years of research— on social dilemmas to examine several potential moderators. The overall average effect size is not statistically different from zero (d – 0.05), suggesting that men and women do not differ in their overall amounts of cooperation. However, the association between sex and cooperation is moderated by several key features of the social context: Male–male interactions are more cooperative than female–female interactions (d 0.16), yet women cooperate more than men in mixed-sex interactions (d – 0.22). In repeated interactions, men are more cooperative than women. Women were more cooperative than men in larger groups and in more recent studies, but these differences disappeared after statistically controlling for several study characteristics. We discuss these results in the context of both sociocultural and evolutionary theories of sex differences, stress the need for an integrated biosocial approach, and outline directions for future research.

Quelle: Sex Differences in Cooperation: A Meta-analytic Review of Social Dilemmas

Im Ganzen also relativ kleine Unterschiede. Männer sind etwas besser unter sich (vielleicht eben, weil keiner um die Frauen konkurriert), Frauen etwas besser in gemischten Gruppen (vielleicht auch weil ihnen mehr Kooperation angeboten wird als in reinen Frauengruppen).

Aus der Besprechung:

Sex differences in cooperation are perhaps better understood as a function of both evolutionary and cultural processes. Although a full theoretical integration of these perspectives is beyond the scope of this article (for previous attempts, see Archer, 1996, 2009; Kenrick et al., 2003), we briefly address two features of this integration and their importance for future research on sex differences. First, evolved psychological sex differences may constrain the influence of the current social environment. For example, sextypical adaptations may affect both the socialization process of boys and girls (Low, 1989) and the emergence of sex differentiated cooperative institutions (Kenrick & Luce, 2000; Kenrick, Trost, & Sundie, 2004). In this regard, an evolved male coalitional psychology explains why across all cultures there is an overrepresentation of men in business, politics, and warfare (Van Vugt, 2009; Wood & Eagly, 2002; Whyte, 1978) and why men are more cooperative especially under conditions of intergroup threat (Bugental & Beaulieu, 2009; Van Vugt et al., 2007; Yuki & Yokota, 2009) and in repeated interactions with the same partners (Benenson et al., 2011; Geary et al., 2003). In the absence of such ancestrally relevant cues, sex differences in cooperation are less likely to appear. Future research may extend this analysis by examining how cultural influences can exacerbate or diminish the influence of sex-typical adaptations for cooperation.

Second, values and behavior are influenced by cultural factors. Through cultural transmission processes, humans learn what is socially appropriate (D’Andrade, 1989), including stereotypical beliefs associated with sex roles. Two important cultural variables that may affect sex differences in cooperation are the family context (Belsky, Steinberg, & Draper, 1991; Flinn & Ward, 2005) and institutional structures (e.g., marriage and residence rules; Low, 1989). These cultural factors systematically affect socialization processes that may in turn reinforce or diminish the manifestation of sex differences in cooperation. Low’s (1989) crosscultural research shows that parents in patrilocal societies (a marriage rule specifying men and their brides reside among kinsmen after marriage, as such power is shared among male kin) teach boys to cooperate with each other and to obey authority figures, which facilitates the emergence of male cooperative groups headed by older men. In cultures in which male–male coalitions have less functional importance and male–female coalitions are more important (feminine cultures; Hofstede, 2001), socialization processes are likely to be less sex differentiated.

Also der Gedanke, dass wir bestimmte Veranlagungen haben, die je nach den Bedingungen verschieden ausgelebt werden. Das ist ja auch zu erwarten: Kulturen, in denen Koalitionen unter Männern höhere Bedeutung haben, werden insgesamt auch mehr Konkurrenz haben. Wenn Männerkonkurrenz und damit auch Männerbündnisse sich weniger lohnen, und in der statt dessen Bündnisse zwischen Männern und Frauen gefördert werden, dürfte es bei dem Bündnis weniger um Konkurrenz gegen andere gehen.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 29. Juni 2015

Griechenland und die Eurokrise: Wie wird es weitergehen?

Gerade gibt es wieder eine sehr turbolente Entwicklung, die der Spiegel wie folgt zusammenfasst:

  • Die Euro-Gruppe will das Hilfsprogramm für Griechenland auslaufen lassen.
  • Der Stopp der Zahlungen ist eine Reaktion auf die Ankündigung von Griechenlands Premierminister Tsipras, die Griechen in einem Referendum am 5. Juli über das Sparpaket abstimmen zu lassen. Seine Partei will die Wähler auffordern, mit “Nein” zu stimmen.
  • Das Parlament in Athen hat die Durchführung der Volksabstimmung beschlossen. Ob es überhaupt dazu kommt, ist ungewiss – die Zahlungen an Griechenland laufen bereits in der Nacht des 30. Juni aus.

Zwischenzeitig hat die EZB mitgeteilt, dass sie gewisse Hilfen weiterlaufen lässt. Aber wenn die Abstimmung in Griechenland negativ ausgeht, dann wird das auch nicht viel bringen.

Gerade weil Varoufakis Spieltheoretiker ist vermutet man hinter jeder neuen Entwicklung ja auch eine gewisse Taktik. Das er hier die Abstimmung in den Raum geworfen hat und zwar indem er sie in einer Rede direkt dem Volk mitgeteilt hat, ist insofern eine Form, Kritik daran zu umgehen. Es ist einerseits eine Verschiebung des schwarzen Peters zu den Gläubigern (“ihr müsst uns doch Zeit lassen, unser Volk zu befragen”) aber auch eine Absicherung nach innen: Man gibt den starken Mann indem man die Maßnahmen ablehnt und hofft vielleicht, dass sie dann doch angenommen werden, ohne das man die Verantwortung tragen muss. Oder Tsirpas ist wirklich der Auffassung, dass es letztendlich knallen muss, damit es vorangeht und will auch hierfür nicht die alleinige Verantwortung haben. Innenpolitisch scheint es mir so gesehen nicht dumm zu sein, einziger Haken ist, dass er nach seiner Ablehnung eigentlich für den Fall eines Jas kaum erwarten kann, dass man ihm eine Umsetzung wirklich zutraut, jedenfalls nicht von Seiten der Gläubiger.

Was tatsächlich richtig für die Griechen ist, ist schwer zu sagen: Auch der griechische Wähler stimmt hier nicht wirklich rational nach Durchdringung des Problems ab und wohl eher aus dem Bauch. Allenfalls wird man es hinterher wissen.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 29. Juni 2015

Geschlechterunterschiede in der Persönlichkeit

Hier mal ein paar Studien zu Geschlechterunterschieden in der Persönlichkeit:

Although large international studies have found consistent patterns of sex differences in personality traits among adults (i.e., women scoring higher on most facets), less is known about cross-cultural sex differences in adolescent personality and the role of culture and age in shaping them. The present study examines NEO Personality Inventory-3 (NEO-PI-3, McCrae, Costa, & Martin, 2005) informant ratings of adolescents from 23 cultures (N = 4,850) and investigates culture and age as sources of variability in sex differences of adolescents’ personality. The effect for Neuroticism (with females scoring higher than males) begins to take on its adult form around age 14. Girls score higher on Openness to Experience and Conscientiousness at all ages between 12 and 17 years. A more complex pattern emerges for Extraversion and Agreeableness, although by age 17, sex differences for these traits are highly similar to those observed in adulthood. Cross-sectional data suggest that (1) with advancing age, sex differences found in adolescents increasingly converge towards adult patterns with respect to both direction and magnitude; (2) girls display sex-typed personality traits at an earlier age than boys; and (3) the emergence of sex differences was similar across culture. Practical implications of the present findings are discussed.

Quelle: The Emergence of Sex Differences in Personality Traits in Early Adolescence: A Cross-Sectional, Cross-Cultural Study

Die Besprechung der Ergebnisse dort finde ich auch interessant:

The cross-sectional examination of how sex differences unfold in 12–17-year adolescents enabled us to investigate age as a possible source of inconsistencies that characterize the literature on sex differences in adolescents’ personality. Our study suggests that, with increasing age, the sex difference in N, N1: Anxiety, N6: Vulnerability, E6: Positive Emotions, and O5: Ideas becomes larger and that adolescent boys and girls converge with respect to E3: Assertiveness, O2: Aesthetics, and C4: Achievement striving. These findings put some of the seemingly contradictory findings from earlier studies into perspective. More specifically, some researchers (Branje et al., 2007; Costa et al., 2008) found no sex difference for N, while others did (Klimstra et al., 2009; McCrae, Costa, et al., 2005). Both sets of results are consistent with the present finding that the sex difference for N emerges at age 14, since studies that found no sex difference for N have typically used younger samples (Branje et al., 2007; Costa et al., 2008), compared to the studies that did find a sex difference for N (Klimstra et al., 2009; McCrae, Costa, et al., 2005). Furthermore, some have reported that girls score higher on C than boys (Klimstra et al., 2009; McCrae, Costa, et al., 2005), whereas others could not find a sex difference for this personality trait (McCrae et al., 2002). In the present study, girls scored higher than boys for C and its facets from age 12 onward, but both sexes tended to converge when moving toward adulthood (although this trend was only significant for C4: Achievement striving). As significant age effects were also found for facets of E and O, differences in age distributions between previously published studies might be responsible for inconsistent findings with respect to these personality traits as well (Soto et al., 2011).

As hypothesized, and in line with the biological changes that are thought to be underlying the sex gap in internalizing problems (i.e., depression), girls begin to score higher than boys on N and its facets from age 14 onwards. Most sex differences for the facets of A (with girls scoring higher than boys) emerge at age 17, although girls already score higher than boys by age 12 on A6: Tender-Mindedness. The latter suggests that the intensification of affiliative orientation in girls between age 11 to 13 years is predominantly associated with A6: Tender-Mindedness, and to a lesser extent with the other facets of A. The picture for E is somewhat more differentiated, as this component consists of an energy and an interpersonal component. As hypothesized, girls are found to score higher than boys on the interpersonal or affiliative facets (E1: Warmth, E2: Gregariousness, E3: Assertiveness) already by age 12. Less consistent sex differences are found for the energy facets (E4: Activity, E5: Excitement-Seeking, E6: Positive Emotions). Although we hypothesized that sex differences on these facets would emerge round age 14, boys already score higher on E5: Excitement-Seeking from age 12 onward, but adolescent girls score consistently higher than boys on E6: Positive Emotions from age 16 onward. No substantial sex differences between age 12 and 17 were observed for E4: Activity. Furthermore, the present study shows that although girls tend to be higher on C and its facets across the entire period of 12–17 years, more (substantial) sex differences for these personality traits occur in 12–14-year than in 15–17-year adolescents. The finding that boys tend to catch up with girls in personality development (also reported by Klimstra and colleagues, 2009) parallels the tendency that girls are generally ahead of boys in intellectual and cognitive functioning (e.g., executive functioning) during early adolescent years, but that boys tend to catch up at later adolescent age. Finally, although it has been demonstrated that intelligence and O share additive genetic effects (Bratko et al., 2012), the development of sex differences for O does not mirror the emergence of the sex gap in intellectual development observed in adolescence. In our study, we find that adolescent girls are higher than boys on O from age 12 onwards and that this sex difference mainly rests on sex differences for O2: Aesthetics and O3: Feelings. The masculine-typed effect for O5: Ideas begins to show by age 17.

Das Jungen sich etwas langsamer entwickeln ist für eine Spezies mit hoher intrasexueller Konkurrenz unter Männern durchaus üblich: Indem sie etwas länger Kinder sind, sind sie noch nicht der vollen Konkurrenz ausgesetzt und haben daher mehr Zeit zu wachsen und zu lernen. Es zeigt auch, dass einige Unterschiede erst unter der Einwirkung der Sexualhormone in der Pubertät entwickelt werden.

Eine andere Studie:

Using data from over 200,000 participants from 53 nations, I examined the cross-cultural consistency of sex differences for four traits: extraversion, agreeableness, neuroticism, and male-versus-female-typical occupational preferences. Across nations, men and women differed significantly on all four traits (mean ds = -.15, -.56, -.41, and 1.40, respectively, with negative values indicating women scoring higher). The strongest evidence for sex differences in SDs was for extraversion (women more variable) and for agreeableness (men more variable). United Nations indices of gender equality and economic development were associated with larger sex differences in agreeableness, but not with sex differences in other traits. Gender equality and economic development were negatively associated with mean national levels of neuroticism, suggesting that economic stress was associated with higher neuroticism. Regression analyses explored the power of sex, gender equality, and their interaction to predict men’s and women’s 106 national trait means for each of the four traits. Only sex predicted means for all four traits, and sex predicted trait means much more strongly than did gender equality or the interaction between sex and gender equality. These results suggest that biological factors may contribute to sex differences in personality and that culture plays a negligible to small role in moderating sex differences in personality.

Quelle: Sex differences in personality traits and gender-related occupational preferences across 53 nations: testing evolutionary and social-environmental theories.

Auch hier ein kleiner Auszug aus der Besprechung:

The mean effect sizes in Table 1 show that agreeableness and neuroticism were the Big Five traits showing the largest gender differences (mean ds = 0.40 and 0.34, respectively), with women moderately higher than men on both traits. Gender differences in the other Big Five traits were smaller in magnitude, with women tending to be higher than men on all traits. Thus, in terms of gender differences, agreeableness and neuroticism appear to
be the ‘big two’ of the Big Five.

It is worth noting that although gender differences are ‘small’ for three of the Big Five traits, they are sometimes larger for trait facets. For example, Costa et al. (2001) reported that, despite small gender differences in overall extraversion, women tended to be moderately higher than men on the extraversion facets of warmth, gregariousness, and positive emotions, whereas men tended to be higher than women on the extraversion facets of
assertiveness and excitement seeking. Similarly, women tended to score higher than men on the ‘esthetics’ and ‘feelings’ facets of openness, whereas men tended to score higher than women on the ‘ideas’ facet of openness.
For the people–things dimension of interests, the results in Table 1 are clear, strong, and unambiguous. Men tend to be much more thing-oriented and much less people-oriented than women (mean d = 1.18, a ‘very large’ difference, according to Hyde (2005) verbal designations). The Su et al. (2009) meta-analysis generated the smallest effect size (d = 0.86). However, as Su et al. note in their paper, a number of the interest inventories that fed into their meta-analysis used item selection strategies intentionally designed to reduce gender differences. Thus, the Su et al. estimate for the overall gender difference in people-versus-thing orientation is almost certainly an underestimate

Das bedeutet, dass man sehr genau schauen muss, was man prüft. Wenn bestimmte Bereiche abgeprüft werden, dann können Männer in dem einen Teil dieses Bereiches und Frauen in dem anderen besser abschneiden. Rechnet man beide zusammen, dann ergibt sich ein sehr kleiner Unterschied und die zwei bestehenden Unterschiede werden ausgeblendet.

Und hier noch eine Studie:

Men are over-represented in socially problematic behaviors, such as aggression and criminal behavior, which have been linked to impulsivity. We organize our review of impulsivity around the tripartite theoretical distinction between reward hypersensitivity, punishment hyposensitivity, and inadequate effortful control.

Drawing on evolutionary, criminological, developmental, and personality theories, we predicted that sex differences would be most pronounced in risky activities with men demonstrating greater sensation seeking, greater reward sensitivity and lower punishment sensitivity. We predicted a small female advantage in effortful control. We analyzed 741 effect sizes from 277 studies, including psychometric and behavioral measures. Women were consistently more punishment sensitive (d = -.33), but men did not show greater reward sensitivity (d = .01). Men showed significantly higher sensation seeking on questionnaire measures (d = .41) and on a behavioral risk taking task (d = .36). Questionnaire measures of deficits in effortful control showed a very modest effect size in the male direction (d = .08). Sex differences were not found on delay discounting or executive function tasks. The results indicate a stronger sex difference in motivational rather than effortful or executive forms of behavior control. Specifically, they support evolutionary and biological theories of risk taking predicated on sex differences in punishment sensitivity. A clearer understanding of sex differences in impulsivity depends upon recognizing important distinctions between sensation seeking and impulsivity, between executive and effortful forms of control, and between impulsivity as a deficit and as a trait.

Frauen lassen sich also eher durch Bestrafungen abschrecken, Männer sind eher darauf aus, aufregende Erfahrungen zu machen und gehen eher Risiken ein.

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