Gewollte Vaterschaft und Abtreibung (Gastartikel)

Dies ist ein Gastartikel

Gewollte Vaterschaft und Abtreibung

Wenn das Thema Kinder, Schwangerschaft oder Abtreibung im Raum steht, kommt immer wieder auch die Idee einer „Abtreibung für Männer“ für den werdenden Vater auf. Worauf basiert die Forderung und wie würde man so etwas umsetzen?

Zunächst einmal dürfen Frauen in Deutschland bei Einhaltung einiger Voraussetzungen straffrei abtreiben. Manchen Frauen fällt das sicher leichter als anderen, die meisten Abtreibungen dürften jedoch realistisch betrachtet auf persönlichen Wunsch erfolgen und nicht wegen gesundheitlicher Gefahren der Mutter oder erheblicher wirtschaftlicher Not. Abtreiben kann nur die Mutter, auch wenn es sicherlich Fälle gibt, in denen vom Partner oder der Familie unter Druck gesetzt wird. Doch nur wer das Recht dazu hat, kann auch die Entscheidung treffen. Die potenziellen Väter haben (sofern sie von der Schwangerschaft wissen) keinerlei Mitsprache- oder Entscheidungsrecht, etwa in Form der Teilnahme am vorgeschriebenen Beratungsgespräch. Die Möglichkeit der Verhütung – oft als Argument genannt – haben alle Beteiligten. Wobei Frauen mit der Pille danach ein zusätzliches, nachträgliches Mittel zu Verfügung steht. Somit sind Frauen zwar von den unmittelbaren Folgen einer Schwangerschaft betroffen, haben jedoch umfangreiche reproduktive Rechte, während Männer fast gar keine solchen Rechte besitzen. Soweit die Basis für die Forderung.

Niemand möchte Männern die Möglichkeit geben, über die Abtreibung bei einer Frau zu entscheiden. Dies wäre nicht nur argumentativ inakzeptabel, sondern wahrscheinlich auch verfassungswidrig. Stattdessen kann man in der Analyse die Geburt eines Kindes und die rechtliche und persönliche Übernahme der Elternschaft trennen. Diese Trennung gibt es für Frauen in Form der (in unseren Nachbarländern) anonymen und in Deutschland in Form der vertrauliche Geburt [1] sowie durch die Einrichtung von Babyklappen. Letztere stehen theoretisch nicht nur den Müttern offen, allerdings nur aufgrund der zwangsläufigen Anonymität. Praktisch können Frauen also sowohl Geburt und Mutterschaft als auch nur letzteres beenden. An dieser Stelle ist nicht entscheident ob man das gut oder schlecht findet, sondern dass der potenzielle Vater keine dieser Rechte hat. Soviel zur Gleichberechtigung.

Gegen die Idee einer vom Vater gewollten Vaterschaft ist mit dem Argument zu rechnen, dass die Frau nur abtreiben können soll, weil sie körperlich stärker als der Vater von der Schwangerschaft betroffen sei. Das ist nachvollziehbar, allerdings hat eine Frau durch diesen Umstand auch die Möglichkeit, ein vom Vater gewolltes Kind abzutreiben. Somit hat sie einen Vorteil auf dem „Ja-Nein-Schachbrett“, welcher (wie bereits erörtert) für den Vater gar nicht gefordert wird. Die Formulierung „Abtreibung für Männer“ trifft also nicht zu und wahrscheinlich ist es auch besser, sie gar nicht zu verwenden.

Die grundsätzliche Umsetzung der gewollten Vaterschaft sieht zunächst einmal so aus, dass ein werdender Vater bei Kenntnis dieses Umstands seine Vaterschaft erklären kann oder muss. Aus meiner Sicht zu bevorzugen ist die Variante, bei der Vaterschaft explizit abgelehnt werden muss. Warum so? Weil die Umstände nicht ignoriert werden dürfen, welche mit diesem Szenario einhergehen. Eine schwangere Frau befindet sich hormonell, sozial und nebenbei auch rechtlich in einer Ausnahmesituation. Daher darf eine solche Erklärung des Vaters nur für einen begrenzten Zeitraum nach Kenntnis über die Schwangerschaft bzw. potenzielle Vaterschaft möglich sein. Das gibt dem betroffenen Mann Bedenkzeit und der Schwangeren durch die Frist Sicherheit. Eine voreilige oder unter Druck abgegebene Erklärung für die Vaterschaft wäre nicht möglich.

Es gibt jedoch noch weitere positive wie negative Folgen. Positiv ist, dass der Vater sich gegen auf verschiedene Weise ertrickste Vaterschaft [2] samt Unterhaltspflicht wehren kann. Des weiteren stellt sich die Frage, weshalb die Geburt eines Kindes gegen den expliziten oder insgeheimen Wunsch des Vaters positiv für Kind und Familie sein soll. Politisch interessant dürfte sein, wie die Forderung im Lager der Abtreibungsbefürworter aufgenommen wird. Eine Befürwortung von Abtreibung aus humanitären, medizinischen oder Gründen der Selbstbestimmung kollidiert nicht mit der Idee der gewollten Vaterschaft. Anders sehen werden das die Feministen, für die Gleichberechtigung eine Einbahnstraße ist.

Last but not least hat Umsetzung einer gewollten Vaterschaft jedoch auch Folgen über die Situation hinaus, welche thematisiert werden müssen. Aus einer Frau, die mit einem Kind ohne Vater schwanger ist und nicht abtreiben möchte, wird wahrscheinlich eine Alleinerziehende, die auf Hilfe durch den Sozialstaat angewiesen ist. Das Kind wächst ohne Vater und mit erhöhter Wahrscheinlichkeit mit einem Mangel an männlichen Bezugspersonen auf. Eventuell macht es Sinn, das Recht auf gewollte Vaterschaft daher wie die Abtreibung mit weiteren Voraussetzungen zu versehen. Beispielsweise einer Beschränkung auf unverheiratete Personen. Die Ablehnung der Vaterschaft in einer festen Partnerschaft würde diese ohnehin häufig belasten. Schließlich bleibt noch das Argument einer sinkenden Kinderzahl, welche vermutlich zu erwarten ist. Da sind jedoch Gesellschaft und Politik gefragt, die Elternschaft attraktiver und Väter nicht nur zur Nebenerscheinung einer Familie zu machen.

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Anonyme_Geburt
[2]https://www.zeit.de/2018/13/ungewollte-vaterschaft-prozess-kinderwunsch-reproduktionsklinik

 

Vergleiche auch:

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Stokowski: „Weiße und Männer können alles haben, aber das nicht“

Stowkowski stellt die Theorie dar, dass es keinen Rassismus gegen Weiße und keinen Sexismus gegen Männer geben kann:

Ist es nicht. Männer und Weiße können ungefähr alles auf der Welt haben, aber Diskriminierung können sie nicht haben. Es gibt keinen Rassismus gegen Weiße und keinen Sexismus gegen Männer. Das heißt nicht, dass es sie prinzipiell nicht geben kann. Es kann sie nur in dieser Welt nicht geben.

In dieser Welt nicht. Mal sehen, ob sie noch Voraussetzungen nennen kann, unter denen es ihn geben kann.

Aus meiner Sicht ist der tatsächliche Grund ja:

Es stört das sehr einfache Feindbild intersektionaler SJWs. Denn an Rassismus und Sexismus ist einiges geknüpft: Wenn eine Gruppe diskriminiert werden kann, dann muss eine andere Gruppe nach deren Auffassung privilegiert sein, dass wären dann bei den Männern die Frauen und bei den Weißen andere Rassen und dann müssten diese aktiv daran arbeiten, diese Diskriminierung zu beseitigen und sich dafür entschuldigen und Buße tun und dann ist es wesentlich schwieriger von oben auf diese Sündenbockgruppen herab zu sehen und sie für alles verantwortlich zu machen.

Sprich: Daran hängt ihr gesamtes System. Wenn sie hier einen Fuß nachgeben, dann bröckelt alles zusammen.

Diskriminierung ist strukturelle Benachteiligung

Natürlich steht und fällt diese These mit der Frage, wie man Diskriminierung definiert. Wenn man jede persönliche Ablehnung oder auch nur Benennung von gesellschaftlichen Gruppen als Diskriminierung sieht, okay. Dann können auch Weiße und Männer diskriminiert werden. Wenn man aber Diskriminierung als einen Mechanismus versteht, der unterdrückte Gruppen oder Minderheiten von gesellschaftlicher Teilhabe und Gleichberechtigung fernhält, dann ist das eine Erfahrung, die Weiße und Männer als solche in dieser Welt nicht machen können. Es kann Vorurteile gegen sie geben, es kann Gewalt, Mobbing, unfaires Verhalten geben, oder Witze über sie, aber keine Diskriminierung.

Natürlich sind Männer nicht gleichberechtigt, schon gar nicht, wenn man den Maßstab der Ergebnisgleichberechtigung annimmt, den der Feminismus verwendet. Dann haben sie eben Nachteile im Familienrecht, in Bezug auf gefährlichere Jobs, längere Arbeitszeiten etc.

Und lustigerweise will die Linke mit genau diesen Theorien ja ein System errichten, mit dem Männer und Weiße von gesellschaftlicher Teilhabe ferngehalten werden: Männer und Weiße sollen eben die Klappe halten, überall soll Diversity einziehen und Weiße und Männer werden massiv abgewertet, wo immer dieser Gedankenansatz Einzug hält. Sie stellen damit eben genau in diesen Bereichen die institutionalisierte Diskriminierung her, die sie nach ihren Theorien benötigen. Natürlich führen sie an, dass sie ja nicht Diskriminieren wollen, sondern nur die Verhältnisse gerade rücken. Aber auf der Einzelebene wirkt es sich ja dennoch nicht aus.

Viel wichtiger ist aber, dass die Definition bereits falsch ist. Sexismus ist eine Benachteiligung aufgrund eines Geschlechts und Rassismus ist auch üblicherweise ohne diese Zusätze definiert:

Rassismus ist eine Gesinnung oder Ideologie, nach der Menschen aufgrund weniger äußerlicher Merkmale – die eine gemeinsame Abstammung vermuten lassen – als sogenannte „Rassekategorisiert und beurteilt werden. Die zur Abgrenzung herangezogenen Merkmale wie Hautfarbe, Körpergröße oder Sprache – aber auch kulturelle Merkmale wie Kleidung oder Bräuche – werden in der biologistischen Bedeutung als grundsätzlicher und bestimmender Faktor menschlicher Fähigkeiten und Eigenschaften gedeutet und nach Wertigkeit eingeteilt. Dabei betrachten Rassisten alle Menschen, die ihren eigenen Merkmalen möglichst ähnlich sind, grundsätzlich als höherwertig, während alle anderen (oftmals abgestuft) als geringerwertig diskriminiert werden. Mit solchen Rassentheorien, die angeblich wissenschaftlich untermauert sind, wurden und werden diverse Handlungen gerechtfertigt, die den heute angewandten allgemeinen Menschenrechten widersprechen.

Das ist die übliche Definition: Abwertung aufgrund äußerlicher Merkmale, die eine gemeinsame Abstammung vermuten lassen. Deswegen ist es eben auch Rassismus einen Polen pauschal als „Autodieb“ zu beschimpfen, unabhängig davon, ob seine Hautfarbe weiß ist.

Wer zu einer Gruppe gehört, die standardmäßig in einer Gesellschaft die Macht hat – und das sind bei uns Weiße, Heterosexuelle, Männer, Menschen ohne Behinderung – kann als diese Gruppe nicht diskriminiert werden.

Nur ist Macht eben nicht so einfach verteilt und schon gar nicht ist sie heterogen in einer Gruppe verteilt. Ein schwarzer Uniprofessor, der ihren oben dargelegten Lehren nach Weiße für Minderwertig hält und ihnen daher aufgrund ihrer Hautfarbe schlechtere Noten gibt ist natürlich ein Rassist mit Macht, wobei diese Macht nicht der wesentliche Punkt ist. Der Ku-klux-Klan ist nicht weniger rassistisch, wenn er seine Treffen in Japan abhält, auch wenn dort Weiße nicht an der Macht sind. Und überhaupt ist das Asiatenproblem für diese Theorien üblicherweise nicht zu lösen: Südkoreaner und Japaner haben genau so viel Macht wie Weiße, eine starke Industrie, sollen aber nicht rassistisch gegen Weiße sein können, weil das einfach nicht möglich ist?

Und natürlich gibt es auch schwarze Rassisten, etwa diese hier, die sich Macht über einen Weißen genommen haben und ihn gefoltert haben, dass bei Facebook übertragen haben, und dabei ganz deutlich gemacht haben, dass sie ihn als Repräsentant für andere Weiße foltern (sie sagen auch immer wieder „Fuck white People“).

Wie will man das anders sehen als einen Rassismus? Und warum sollte man das nicht als genau das bezeichnen, was hier im Vordergrund steht?

Diskriminierung ist strukturelle Benachteiligung, das heißt, es muss eine (Macht-)Struktur geben, die sie stützt.

Nein, eine Diskriminierung muss nicht strukturell sein. Wenn ein weißer Busfahrer heute einen schwarzen Auffordert hinten im Bus zu sitzen, weil er schwarz ist, dann hat er keine Strukturen hinter sich. Er wird schlicht entlassen werden und das zu Recht. Eben weil er ein Rassist ist.

Und wenn ein schwarzer Busfahrer verkünden würde, dass aus Rache alle weißen Schweine in seinem Bus hinten sitzen müssen, dann ist er natürlich auch ein Rassismus, und das ist unabhängig davon, ob er ein intersektionaler Gender Studies Absolvent ist und meint hier nur die dort gelehrten Strukturen umzusetzen, nach denen es gerechtfertigt ist, Weiße Menschen zu diskriminieren und er sich darin von seinen Studienkollegen bestätigt sieht und sich Extrakreditpoints damit verdient, es den Weißen mal zu zeigen oder ob er es ohne diese Strukturen macht.

Das kann eine ungleiche Verteilung von Ressourcen sein, das können Polizeikontrollen aufgrund der Hautfarbe sein oder in simplen Fällen einfach Buntstifte oder Pflaster, die „hautfarbig“ genannt werden, als hätten alle Menschen beigerosa Haut. Wenn es diese Struktur nicht gibt, dann ist es keine Diskriminierung.

Da wird auch schön deutlich, dass diese Theorien teilweise schlicht Klassenprobleme in die Rassenprobleme mit hinein ziehen. Denn natürlich kann ein weißer Unterschichtler weit weniger Ressourcen haben als der asiatische Leiter von Nikon Deutschland, auch wenn letzterem vielleicht beigerosa Pflaster nicht so gut passen. Und wenn dieser asiatische Leiter meint, dass Asiaten die waren Übermenschen wären und alle weißen Langnasen genetischer Abfall sind, dann ist er eben ein Rassist, genauso wenn er das gleiche von Schwarzen denkt.

Das Argument ist nicht: Anderen geht es noch schlechter. Das Argument ist auch nicht: Alle Frauen oder People of Color sind zu jeder Zeit diskriminiert und haben den Opferstatus lebenslänglich gepachtet. Sondern: Überall auf der Welt sind es immer wieder ähnliche Machtstrukturen, die Menschen davon abhalten, ein freies Leben zu führen – selbst in Ländern, wo rechtlich theoretisch Gleichstellung herrscht.

Überall auf der Welt halten Menschen ihre eigene Gruppe für besser und Überlegen. Ob schwarz, weiß, gelb oder welche Hautfarbe auch immer. Man bekämpft das nicht, in dem man einer Gruppe einen Freifahrtschein gibt und der anderen mitteilt, dass sie das auszuhalten hat. Der Anspruch muss eben sein, dass man Rassismus und Sexismus weder bei er einen noch der anderen Gruppe billigt.

Wer die Kämpfe dieser Menschen nicht sieht oder nicht erträgt und sich stattdessen selbst als Opfer von Diskriminierung darstellt, hat nichts davon verstanden, wie diese Welt immer noch funktioniert.

Glücklicherweise funktioniert sie nicht so schlicht wie Feministinnen sich das denken. Und schade, dass sie die Ironie in ihrem Satz oben nicht sieht.

Siehe auch:

Selbermach Samstag 213 (10.11.2018)

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