Selbermach Samstag 197 (21.07.2018)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, der ist dazu herzlich eingeladen.

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Was ist Rassismus bzw Sexismus? Definitionen

Im Feminismus wird gerne die Definition von Rassismus oder Sexismus über Macht und Vorurteile vorgenommen (Power and Prejudice). Es bietet sich an, da auf ein paar andere Definitionen verweisen zu können.

1. Rassismus

«Rassismus umfasst Ideologien und Praxisformen auf der Basis der Konstruktion von Menschengruppen als Abstammungs- und Herkunftsgemeinschaften, denen kollektive Merkmale zugeschrieben werden, die implizit oder explizit bewertet und als nicht oder nur schwer veränderbar interpretiert werden.» (Johannes Zerger, Was ist Rassismus?, Göttingen 1997, S.81).

Da würde eine solche Einschränkungen nicht vorgenommen werden, es ist eher eine klassische Definition von Rassismus

Eine weitere:

«Der Rassismus ist die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers, mit der seine Privilegien oder seine Aggressionen gerechtfertigt werden sollen.» (Albert Memmi, Rassismus, Frankfurt a.M. 1987, S.164)

Da wären dann zumindest nicht nur die Privilegien drin, sondern auch die Aggressionen: Die finde ich bei vielem an feministischen Handeln sehr deutlich, denn es wird häufig damit die Meinung aufgrund der Hautfarbe abgesprochen und eine Schuld zugesprochen.

2. Sexismus

Da wäre ersteinmal der Duden:

Vorstellung, nach der ein Geschlecht dem anderen von Natur aus überlegen sei, und die [daher für gerechtfertigt gehaltene] Diskriminierung, Unterdrückung, Zurücksetzung, Benachteiligung von Menschen, besonders der Frauen, aufgrund ihres Geschlechts

Im Feminismus wird man nichts von Natur aus vertreten, aber da ein Mann immer Privilegiert ist und alle Männer von der Unterdrückung der Frau profitieren und daraus quasi eine Bringschuld der Männer hin zu einer Verbesserung der Stellung der Frau eingefodert wird lässt dies die Frauen als die Opfer durchaus besser sein und ihnen wird überlegenes Wissen zugeordnet, quasi wegen ihres Geschlechts.

Die Bundeszentrale für politische Bildung definiert wie folgt:

• Sexismus ist die persönliche und gesellschaftliche Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts. Das kann sich gegen alle Geschlechter richten, es sind davon allerdings überwiegend Frauen betroffen.
• Sexismus heißt, dass für Personen eines bestimmten Geschlechts – meist für Frauen – traditionelle Rollenbilder, Umgangsweisen und ungleiche gesellschaftliche Bedingungen als gegeben angesehen werden.
• Sichtbar wird Sexismus z.B. in Witzen, abwertenden Sprüchen und Begriffen, in körperlichen Übergriffen, in ungerechten Arbeitsbedingungen und traditionellen Normen zur Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern.

Da ist es die persönliche und gesellschaftliche Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, die sich gegen beide Geschlechter richten kann.

Abwertende Sprüche und Begriffe gegen Männer gibt es dann im Feminismus auch zuhauf. Damit könnte man also durchaus arbeiten.

3. Rechtliches

Dann hätten wir noch Art 3 GG:

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Da wäre auch nichts davon erwähnt, dass jemand aus einer Gruppe, die „Die Macht“ in der Gesellschaft hat, diesen Schutz nicht genießt. Denn das Grundgesetz stellt eben gerade nicht auf Gruppen, sondern auf Einzelpersonen ab.

Und auch das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz differenziert da nicht, sondern verbietet generell jede Diskriminierung aufgrund der Herkunft, des Geschlechts, des Alters oder der sexuellen Identität:

Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.

„Pfeift auf Kinder, genießt die Rente“

Ich schaue gerne in die WordPress-Statistik unter welchen Suchbegriffen die Leute hier auf die Seite kommen. Neulich fand ich:

pfeift auf kinder genießt die rente

Der Besucher wurde wahrscheinlich zu diesem Artikel geleitet, in dem die Gründe genannt werden, aus denen Leute keine Kinder bekommen.

Aber ja dennoch eine interessante Frage: Genießt man die Rente mehr, wenn man keine Kinder hat?

Meine Eltern scheinen ihre Enkelkinder gerade sehr viel Spass zu machen, auch wenn sie auch so als Renter über diverse Freizeitaktivitäten genug zu tun haben. Die Enkelkinder da zu haben und Opa und Oma sein zu können scheint mir für viele etwas schönes zu sein.

Natürlich aber gibt es sicherlich auch Fälle, bei denen man sich viele Sorgen und viel Geld gespart hätte und in denen man besser dran gewesen wäre, wenn man keine gehabt hat. Aber Einbezogenheit im Alter und ein gewisser Rückhalt in der Familie scheinen mir auch für viele etwas zu sein, was ihnen viel Lebensfreude spendet.

Häufung von Vorwürfen des Mißbrauchs nachdem Prozesskostenhilfe auf solche Fälle begrenzt worden ist (und etwas Kannibalismus)

Ich las gerade das Buch „Cannibalism: A Perfectly Natural History“ in dem auch darüber berichtet wurde, warum man bei der Eroberung der „neuen Welt“ erstaunlich viele Kannibalen vorgefunden hat:

Zunächst waren die Spanier und Portugiesen insbesondere auf Gold aus und versuchten es mit teilweise sehr grausamen Strafen aus den Eingeborenen herauszupressen. Diese hatten aber in ihrer Geschichte Gold nie einen sehr hohen Wert beigemessen, so dass sie weder wussten, wo es zu finden war, noch wie man es gewinnt. Sie konnten daher kein Gold finden. Also musste man nach neuen Einnahmequellen suchen und entschied sich dafür, die Eingeborenen als Sklaven zu verkaufen.

Kurz darauf erließ jedoch das Königshaus eine äußerst geschäftsschädigende Einschränkung:

Die Heiden durften nicht einfach so in die Sklaverei verkauft werden, sondern man sollte versuchen, sie zu bekehren. Nur bei denen, die so weit herabgestiegen waren, dass sie Kannibalen waren, war ausnahmsweise – quasi zur Läuterung – eine Versklavung möglich.

Vor diesem Fund waren lediglich bei einigen kleinen Teilen der Eingeborenen der damals betroffenen Inselgruppen Kannibalen, wobei dies auf bestimmte vereinzelte Stämme beschränkt war, die beispielsweise „die Kraft ihrer Feinde in sich aufnahmen“ oder „ihre Liebsten aufnahmen und nicht im Boden verrotten ließen“.

Was geschah nun nach dieser Anweisung? Bisher ungeahnte Wellen von Kannibalismus wurden entdeckt und das auch recht schnell bei jedem Stamm, der dort lebte. Tatsächlich stellte sich bei nunmehr gründlicherer Prüfung heraus, dass eigentlich alle Eingeborenen Kannibalen waren. Glücklicherweise hatte man genug Sklavenschiffe um dieser Sitte Einhalt zu gebieten.

Nun hat man in England anscheinend die Prozesskostenhilfe auf besonders schwere Fälle beschränkt, etwa solche mit Kindesmißbrauch bzw der häuslichen Gewalt. Kurz darauf stellte man fest, dass diese Fälle weitaus häufiger waren als noch zuvor, als es (vermutlich) auch für andere Fälle Prozesskostenhilfe gab:

Thousands of parents falsely claim domestic abuse in order to access legal aid and stop estranged partners from seeing their children, a shared parenting charity claims.

Families Need Fathers says parents are being encouraged by some solicitors to file for non-molestation orders – injunctions used in urgent abuse cases.

New figures show a 30% rise in orders made after legal aid was axed in everything but abuse cases in family courts in 2012.

Some 25,700 were made in England and Wales in 2017, and 6,699 in the first quarter of 2018.

The changes to legal aid qualification in England and Wales were designed to reduce the number of cases in family courts, with separating couples being encouraged to attend mediation sessions instead, and to cut the legal aid bill.

Also ähnlich wie bei den Kannibalen: Man wollte erreichen, dass die Leute weniger Gerichtsfälle produzieren, hat aber für besonders schwere Fälle eine Ausnahme vorgesehen. Die Leute wollen aber teilweise vor Gericht, also muss ihr Fall dann eben eine solche Ausnahme enthalten.

Es zeigt sehr gut, dass Hindernisse motivieren können auch Wege zu gehen, die man sonst nicht gehen würde, wenn diese leicht genug sind.

Was auch alle Maßnahmen wie Beweislastumkehr für sexuelle Gewalt etc betrifft.
Wenn der Vorwurf hinreichend leicht zu erheben ist und keine negativen Folgen hat, dann wird er eben auch genutzt um andere Ziele zu erreichen, auch wenn die Tat gar nicht vorliegt.

But charity case workers say they are seeing „thousands“ of parents, mainly fathers, who have been made subject to these orders for things that they do not consider to be domestic abuse.

These could be angry comments thrown in the midst of the break-up or dealing with child access arrangements or unpleasant text messages, they say.

Es wird also jeder kleiner Vorfall unter diesem Gesichtspunkt gesehen, weil man damit andere Ziele erreichen kann. Und dann natürlich der kleine Vorfall entsprechend aufgeblasen.

‚False allegations‘
The charity suspects that solicitors‘ firms are talking parents into seeking such orders because it enables them to qualify for legal aid, from which both the legal profession and the complainant could benefit.

A spokesman for the charity said: „We’re getting a lot of people coming to us talking about false allegations, whether it’s grossly exaggerating events or even completely fabricating them.

„And yet the impact of the order can take a parent down a path that can be very difficult to return from.“

Jerry Karlin, chairman of Families Need Fathers, said the result of the government’s „well-intended but ill-conceived changes“ to the family courts system was a 30% increase in non-molestation orders (NMOs) to 25,000 a year.

There had also a been 20% rise in private family court applications over the last two years, he added.

„These (NMOs) are used in allegations of abuse and they don’t have to be true to obtain access to legal aid.“

The orders can lead to parents not being allowed to collect their children from school
„Non-molestation orders have gone up by several hundred per cent since the legal aid changes in some districts,“ he added.

Also dann der Umstand, dass man richtig draufhauen muss, weil man eine normale Auseinandersetzung nicht selbst bezahlen kann oder nicht selbst bezahlen will.

NMOs work like injunctions and are designed to protect domestic abuse victims from further harm in emergency situations.

The charity stresses that they are useful in genuine cases of abuse, but is concerned that the way they are administered leaves them open to exploitation. For example

They are often granted in the absence of the person being accused of abuse (the respondent) and without accusations of domestic abuse being proven
The making of an order then also enables the complainant to draw on thousands of pounds in legal aid which can also be used in any subsequent family law cases

Scheint ein schlecht durchdachtes System zu sein. Wahrscheinlich hat keiner daran gedacht, dass die Leute ein solches System ausnutzen.

Das ist ähnlich wie der Vorhalt, dass ja keine Frau je eine Vergewaltigung erfinden würde.

The respondent would not be automatically entitled to legal aid, however, and often has to represent themselves
The level of evidence required is fairly low and can relate to claims about verbal abuse, unwanted text messages or emails
In some regions of England and Wales the increase has been as much as 900%. In others there has been a 150% rise, according to information obtained by Families Need Fathers.

Also eine relativ unfaire Situation, bei der einer einen Anwalt hat, der andere nicht und die Nachweise, die der Antragssteller bringen muss, sehr gering ist.

‚Gross exaggerations‘
Once an order is made, there is a brief „return“ hearing two weeks later but the case is then usually adjourned for about six months.

During this time every agency related to the the respondent and his family, such as the police, school and local council, is notified.

This can lead not only to the parent being physically separated from their children but being ostracised by the agencies involved with them.

After about six months, usually, a fact-finding hearing is held at which the evidence of the applicant’s claim is meant to be heard.

But quite often, just as the initial order is made in the absence of the respondent, the fact-finding hearing is held in their absence as well.

A judgement is then made on whether the order should continue.

At this point it can be used to restrict a parent from spending time with his or her child and to delay the process of arranging contact.

Das klingt wirklich nach einem sehr unfairen Verfahren. Dagegen sind einstweilige Anordnungen und die Verfahrenskostenhilfe in Deutschland in der Tat wesentlich fairer und selbst Maßnahmen nach dem Gewaltschutzgesetz ergehen abseits besonders schwerer Fälle üblicherweise mit Anhörung und der Möglichkeit sich einen Anwalt zu nehmen (oder sind wie polizeiliche Hausverbote zumindest zeitlich stark begrenzt

Räumliches Denken und mathematische Fähigkeiten

Eine interessante Studie behandelt die Frage, inwiefern räumliches Denken und mathematische Fähigkeiten in einem Zusammenhang stehen:

Despite considerable interest in the role of spatial intelligence in science, technology, engineering, and mathematics (STEM) achievement, little is known about the ontogenetic origins of individual differences in spatial aptitude or their relation to later accomplishments in STEM disciplines. The current study provides evidence that spatial processes present in infancy predict interindividual variation in both spatial and mathematical competence later in development. Using a longitudinal design, we found that children’s performance on a brief visuospatial change-detection task administered between 6 and 13 months of age was related to their spatial aptitude (i.e., mental-transformation skill) and mastery of symbolic-math concepts at 4 years of age, even when we controlled for general cognitive abilities and spatial memory. These results suggest that nascent spatial processes present in the first year of life not only act as precursors to later spatial intelligence but also predict math achievement during childhood.

Quelle: Spatial Processing in Infancy Predicts Both Spatial and Mathematical Aptitude in Childhood (Volltext)

Aus den Werten:

Räumliches Denken und Mathematik

Räumliches Denken und Mathematik

Also niedrige bis mittlere Werte.

Aus einer Besprechung der Studie:

Spatial reasoning measured in infancy predicts how children do at math at four years of age, finds a new study published in Psychological Science.

„We’ve provided the earliest documented evidence for a relationship between spatial reasoning and math ability,“ says Emory University psychologist Stella Lourenco, whose lab conducted the research. „We’ve shown that spatial reasoning beginning early in life, as young as six months of age, predicts both the continuity of this ability and mathematical development.“

Was dem Patriarchat wenig Zeit lässt für eine Unterdrückung, aber hoch effektiv wie es ist hat es das sicherlich dennoch geschafft.

Emory graduate student Jillian Lauer is co-author of the study.

The researchers controlled the longitudinal study for general cognitive abilities of the children, including measures such as vocabulary, working memory, short-term spatial memory and processing speed.

„Our results suggest that it’s not just a matter of smarter infants becoming smarter four-year-olds,“ Lourenco says. „Instead, we believe that we’ve honed in on something specific about early spatial reasoning and math ability.“

Gerade wenn es eine eigene „Fähigkeit“ auf dem Bereich gibt, dann kann es dort natürlich dann auch Unterschiede  und besondere Begabungen geben, die gerade diesen Bereich betreffen.

The findings may help explain why some people embrace math while others feel they are bad at it and avoid it. „We know that spatial reasoning is a malleable skill that can be improved with training,“ Lourenco says. „One possibility is that more focus should be put on spatial reasoning in early math education.“

Es dürfte auch erklären, warum einige dieses Training mehr Spass macht oder sie sogar von sich aus eher „Training“ in diesem Bereich betreiben, einfach in dem die Kinder zB lieber mit Spielzeug spielen, was diese Fähigkeiten fordert, während Kinder, die in dem Bereich nicht gut sind, keinen Spass an diesem Spielzeug haben.

Previous research has shown that superior spatial aptitude at 13 years of age predicts professional and creative accomplishments in the fields of science, technology, engineering and math more than 30 years later.

To explore whether individual differences in spatial aptitude are present earlier, Lourenco’s lab tested 63 infants, ages six months to 13 months, for a visual-spatial skill known as mental transformation, or the ability to transform and rotate objects in „mental space.“ Mental transformation is considered a hallmark of spatial intelligence.

The researchers showed the babies a series of paired video streams. Both streams presented a series of two matching shapes, similar to Tetris tile pieces, which changed orientation in each presentation. In one of the video streams, the two shapes in every third presentation rotated to become mirror images. In the other video stream, the shapes only appeared in non-mirror orientations. Eye tracking technology recorded which video stream the infants looked at, and for how long.

This type of experiment is called a change-detection paradigm. „Babies have been shown to prefer novelty,“ Lourenco explains. „If they can engage in mental transformation and detect that the pieces occasionally rotate into a mirror position, that’s interesting to them because of the novelty.“

Eye-tracking technology allowed the researchers to measure where the babies looked, and for how long. As a group, the infants looked significantly longer at the video stream with mirror images, but there were individual differences in the amount of time they looked at it.

Fifty-three of the children, or 84 percent of the original sample, returned at age four to complete the longitudinal study. The participants were again tested for mental transformation ability, along with mastery of simple symbolic math concepts. The results showed that the children who spent more time looking at the mirror stream of images as infants maintained these higher mental transformation abilities at age four, and also performed better on the math problems.

Langzeitstudien sind bei so etwas immer interessant. Und bereits sehr junge Kinder können die verschiedensten Nachrichten über geschlechtliche Fähigkeiten in dem Bereich auch noch nicht aufgenommen haben.

High-level symbolic math came relatively late in human evolution. Previous research has suggested that symbolic math may have co-opted circuits of the brain involved in spatial reasoning as a foundation to build on.

„Our work may contribute to our understanding of the nature of mathematics,“ Lourenco says. „By showing that spatial reasoning is related to individual differences in math ability, we’ve added to a growing literature suggesting a potential contribution for spatial reasoning in mathematics. We can now test the causal role that spatial reasoning may play early in life.“

In addition to helping improve regular early math education, the finding could help in the design of interventions for children with math disabilities. Dyscalculia, for example, is a developmental disorder that interferes with doing even simple arithmetic.

„Dyscalculia has an estimated prevalence of five to seven percent, which is roughly the same as dyslexia,“ Lourenco says. „Dyscalculia, however, has generally received less attention, despite math’s importance to our technological world.“

Ich finde die Studie auch gerade interessant, weil Geschlechterunterschiede im räumlichen Denken sehr gut belegt sind und auch viele Studien dazu existieren, die eine Abhängigkeit vom (pränatalen) Testosteronspiegel sehen:

Es passt insoweit, dass diese in jungen Jahren bereits erkennbar sind.

Dazu auch hier im Blog:

Svenja Flaßpöhler zu #MeToo: Wir dürfen nicht alle Probleme den Männern in die Schuhe schieben.

Svenja Flaßpöhler hat sich zu #Metoo geäußert:

DIE ZEIT: Frau Flaßpöhler, Sie sprechen in Ihrer Streitschrift wie selbstverständlich vom „Postpatriarchat“. Ist es schon so weit?

Svenja Flaßpöhler: Rechtlich ist das Patriarchat vorbei. Männer und Frauen sind vor dem Gesetz gleich. Es gibt Kitas und Männer, die sich an der Reproduktionsarbeit beteiligen. Und wenn ich mir speziell die #MeToo-Debatte ansehe, muss ich sagen: Frauen haben heute weit mehr Möglichkeiten, als sie faktisch nutzen. Deshalb möchte ich dazu ermutigen, diese Möglichkeiten zu sehen, anstatt zwanghaft an der Opferrolle festzuhalten.

Das wäre in der Tat ein guter Start. Aber natürlich etwas, was Feministinnen gar nicht in den Kram passt. Denn sie sehen ja weniger eine Opferrolle als Privilegierte, die man dazu bringen muss, von ihren Privilegien Abstand zu nehmen. Und sie werden darauf hinweisen, dass es nicht Aufgabe der Frauen ist, dafür zu sorgen, dass sie nicht mehr belästigt werden, sondern eben Aufgabe der Täter.

Was allerdings im Endeffekt auch nur Rechtfertigungen einer starken Passivität sind.

ZEIT: Viele Verfechterinnen dessen, was Sie als Hashtag-Feminismus kritisieren, sind in genau dem Glauben aufgewachsen, alles sei möglich für Frauen. Umso größer ist die Empörung, wenn man irgendwann feststellt, dass Chefs immer noch überwiegend männlich sind und was sich Männer nach wie vor an sexuellen Übergriffen herausnehmen. Warum sollen wir altmodische Verhältnisse nicht anprangern?

Ihr könnt sie bei den Männern, die tatsächlich sexuell übergriffig sind anprangern. Aber wenn eure Chefs männlich sind, dann wäre es eher interessant zu fragen, was sie anders machen als viele Frauen. Wenn es Überstunden, das passende Studienfach, die Bereitschaft, für die Karriere auch weitere Fahrtstrecken auf sich zu nehmen oder ähnliche Faktoren sind, dann müsst ihr Frauen auffordern nachzuziehen, wenn ihr mehr Frauen an der Spitze sehen wollt. Was ihr nicht machen solltet ist einfach Männer als Gruppe dafür verantwortlich machen.

Flaßpöhler: Es wäre töricht, die Augen davor zu verschließen, dass wir auch heute noch mit Sexismus und männerdominierten Strukturen konfrontiert sind. Auch den Gender-Pay-Gap, die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern, gibt es. Solche handfesten Ungleichheiten sind aber in den aktuellen Debatten nicht zentral. Stattdessen konzentriert man sich auf etwas, das die Medien aus aufmerksamkeitsökonomischen Gründen interessanter finden: „sexualisierte Gewalt“. Damit ist von Vergewaltigung bis zu verbaler Belästigung alles gemeint. Anstatt zu differenzieren und zu schauen, wo Frauen Handlungsoptionen hätten, wird behauptet, wir würden systematisch unterdrückt. Das ist unterkomplex und macht Frauen klein, anstatt sie zu stärken. Zielführender wäre, sich zu fragen: Was tragen wir auch selber zu unserer unterlegenen Position bei, zum Beispiel durch Gefälligkeit und fehlenden Mut zur Autonomie? Sonst reduziert sich feministische Kritik auf eine Kritik des Mannes. Mir fehlt hier weibliche Vertikalspannung, der Wille, auch an sich selbst zu arbeiten.

„Weibliche Vertikalspannung“ ein interessanter Begriff. Er scheint hierher zu kommen:

Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist Rainer Maria Rilkes Sonett

Archaïscher Torso Apollos: Wir kannten nicht sein unerhörtes Haupt darin die Augenäpfel reiften. Aber sein Torso glüht noch wie ein Kandelaber, in dem sein Schauen, nur zurückgeschraubt, sich hält und glänzt. Sonst könnte nicht der Bug der Brust dich blenden, und im leisen Drehen der Lenden könnte nicht ein Lächeln gehen zu jener Mitte, die die Zeugung trug. Sonst stünde dieser Stein entstellt und kurz unter der Schultern durchsichtigem Sturz und flimmerte nicht so wie Raubtierfelle; und bräche nicht aus allen seinen Rändern aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle, die dich nicht sieht. Du mußt dein Leben ändern.” Rainer Maria Rilke: Archaïscher Torso Apollos, aus dem Zyklus Der Neuen Gedichte Anderer Teil, 1908“

Sloterdijk wählte den letzten Satz des Sonetts aus, um seinen Text über den metanoischen[1] Imperativ den Titel zu geben. „Du musst Dein Leben ändern“ ist für ihn die Zusammenfassung Verdichtung und Eindampfung aller religiösen Lehren, Übungsanleitungen und Trainings die den Menschen auf seine „vertikalen Spannungen“ hinweisen und ihn erinnern sich seiner Möglichkeiten bewusst zu werden, über sich hinauszuwachsen und letztlich „mit einem Gott“ zu trainieren. So könne die vertikale Leistungsspannung als Ausdruck eines inhärenten Willens im Individuum zur Selbstoptimierung führen. Inhärent ist diese aber nur bei jenen Individuen, die sich in ihren jeweiligen Disziplinen als Pioniere oder Rekordhalter platzieren können. Unter „Vertikalspannungen“ können also alle Anstrengungen und damit Anspannungen von Menschen verstanden werden, die einer nach oben gerichteten, also vertikalen, Richtung nachzukommen versuchen. Möglich würde dies, durch die Freisetzung von Wachstumsimpulsen die, die eigenen Entwicklungstendenzen aufkommen ließen. Erst durch die „Vertikalspannungen“ gerieten Menschen unter das Diktat des Anspruchs, der sie dazu aufruft, sich zu vervollkommnen, der sie zu Höchstleistungen anspornt, der sie zum Üben brächte. Die „Vertikalspannung“ steht im Gegensatz zu einer etwaigen horizontalen Entspannung, die etwa im Sinne einer pandemischen Trivialisierung, des Behagens in der Kultur unterwegs ist. Die vermeintliche Rückkehr der Religion nach der Postmoderne wird von Sloterdijk dahingehend analysiert, dass Religion schon immer ein Teil einer „allgemeinen Disziplinik“ gewesen sei, dass es eigentlich keine Religion gebe, sondern dass „spirituelle Übungssysteme“ Religion genannt worden seien.[2] Diese Behauptung, die nicht religionskritisch verstanden werden will, ist eine der Hauptaussagen des Buches. Das Aufkommen religiöser Praktiken analysiert Sloterdijk als das Bedürfnis nach einem Austritt aus den „Vereinigten Staaten der Gewöhnlichkeit“ und dem Bedürfnis nach einer Unterscheidung von dem, was in der Welt ist.[3] Religionen bzw. religiöse Systeme sind nach Sloterdijk „Übungssysteme“ die eine ihnen eigene Zuständigkeit für „Vertikalspannung“ aufweisen.

Also der Wunsch, sich selbst zu optimieren und sich zu verbessern. Das wäre in der Tat eine große Umstellung von der Opferhaltung hin zu der Frage, was Frauen anders machen müssten, um die Positionen zu erreichen, die Männer momentan haben.

ZEIT: Sie argumentieren selbst nicht sozialpolitisch, sondern beschreiben eine durch Negativität gezeichnete Sexualität von Frauen. Warum?

Flaßpöhler: Weil ich zeigen möchte, inwiefern der Hashtag-Feminismus patriarchale Denkmuster reproduziert. Kulturgeschichtlich hat man das weibliche Begehren passiv und negativ gedacht. Freud fand, der Ausdruck „weibliche Libido“ lasse „jede Rechtfertigung“ vermissen. Und schon Rousseau hat in Emile ausgeführt, dass sich die Sexualität der bürgerlichen Frau durch das Nein-Sagen ausbilde. Diese Logik der Negativität findet man im heutigen Hashtag-Feminismus wieder. Bei #MeToo ist nur der Mann begehrend, das Begehren der Frau bleibt auffällig leer. Und wenn eine Kampagne wie „Nein heißt Nein“ glaubt, in diesem Slogan offenbare sich die reine Lehre der Emanzipation, übersieht sie, dass auch das Patriarchat aus ihm spricht.

Eigentlich schade, sie hat viele interessante Ansätze, und dann ist es doch wieder das Patriarchat. Wobei ich ihre Art des Feminismus jederzeit dem heutigen vorziehen würde. Denn er versucht immerhin keine Opferposition einzunehmen und vertritt eine Pflicht zur Selbstverbesserung.

ZEIT: Was wäre eine positive Weiblichkeit?

Flaßpöhler: Mindestens so wichtig, wie das Nein der Frau zu stärken, wäre es, sie in die Potenz, eine aktive, offensive Sexualität zu bringen. Eine potente Frau begreift sich nicht als Spiegel des Mannes, sondern verfügt über ein eigensinniges Begehren. Sie erschöpft sich nicht darin, dem Mann zu gefallen, und sie schiebt ihm auch nicht die Schuld für ihre eigene Passivität zu. Eine potente Frau wertet die Sexualität des Mannes nicht ab, sondern die eigene auf. Sie hasst den Mann nicht für seinen Willen, sondern befreit den ihren aus der jahrhundertelangen Latenz. Mein Anliegen ist es, Frauen zur Aktivität zu ermutigen, nicht nur im Sexuellen, sondern aus dem Sexuellen auch ins Existenzielle, ins Berufliche hineinwirkend.

Frauen zur Aktivität zu ermutigen, nicht passiv sein, nicht die Schuld einfach beim Mann suchen.

Das sind Worte, wie man sie gerne häufiger aus dem Feminismus hören würde. Leider habe ich meine Zweifel, dass sie sich gegen den Opferfeminismus durchsetzen können wird. Denn an sich selbst arbeiten ist harte Arbeit, zu fordern, dass Männer endlich auf ihre Privilegien verzichten ist hingegen sehr einfach.

ZEIT: Wie sollte an etwas Subtilem wie Begehren ein Manifest wie Ihres etwas ändern?

Flaßpöhler: Es hilft eine Menge, sich klarzumachen, inwiefern ich kulturhistorische Zuschreibungen in mir trage und inwiefern ich heute, in einer rechtlich gesehen freien Gesellschaft, Möglichkeiten habe, diese Zuschreibungen aufzubrechen. Leider verpasst #MeToo diese Chance bisher. Es ist tatsächlich auffällig, dass diese Initiative alles von den Männern beziehungsweise vom Staat, aber nichts von den Frauen selbst verlangt.

Sie schaut auf die freieren Zustände und meint, das man diese doch nutzen kann und den alten Ballast abwerfen muss.

Der Opferfeminismus begründet die Unterschiede aus dem alten Ballast, der quasi Schicksal ist und der dem Einfluss des Einzelnen quasi enthoben ist, der nur durch die Gesellschaft als Ganzes geändert werden kann.

Wie sehr man sich mit der zweiten Haltung selbst lähmt und wie sehr man dort Verantwortung abgibt wird dort immer wieder ausgeblendet.

ZEIT: Die Debatte besteht eben ganz wesentlich in einer Kritik an Machtunterschieden.

Flaßpöhler: Aber warum soll es unmöglich sein, sich einem übergriffigen Chef gegenüber autonom zu verhalten? Klar riskiert eine Frau etwas, wenn sie es ablehnt, mit ihm zu schlafen oder Pornos zu gucken. Aber es war noch nie einfach, Selbstbestimmung nicht nur zu fordern, sondern konkret zu leben. Autonom zu handeln heißt, Widerstände zu überwinden. Gelebte Autonomie würde auch die Solidarität unter Frauen stärken. Es gibt natürlich Frauen, die sich beispielsweise in extrem prekären Situationen befinden und sich rein materiell nicht leisten können, sich in bestimmten Situationen zu wehren. Als ältere und selbstbewusstere Frauen sind wir aufgerufen, uns vor sie zu stellen. Wenn wir es nicht tun, ist das kein Zeichen von Unterdrückung, sondern von Feigheit.
„Ich wäre dafür, dass wir aufhören, uns schwächer zu machen“

Das muss einer intersektionalen Feministin schon etwas ketzerisch vorkommen. Schließlich müssen die Männer sich ändern, damit sie eben nicht mehr übergriffig sind oder Chefs oder was auch immer für Privilegien vorliegen. Die Frau muss erst einmal gar nichts machen. Und es gar als Feigheit zu titulieren, das erfüllt den Tatbestand des Viktimblaming.

ZEIT: Das Miese an sexistischer Abschätzigkeit ist doch aber nicht, dass man nichts dagegen tun könnte, sondern dass sie gezielt eingesetzt wird, um Frauen zu Unterlegenen zu machen.

Alles ist Macht. Und Männer wollen nicht etwa Sex, wenn sie eine Frau anmachen oder übergriffig werden, sie wollen nur die Frauen an sich klein halten und unterdrücken.

Frauen. Sind. Opfer.

Flaßpöhler: Das Problem ist, dass Frauen oft in stummer Passivität verharren und dann, wenn alles vorbei ist, ein #MeToo nachschieben. Ist das wirklich das Verständnis von Selbstermächtigung, das wir unseren Töchtern mitgeben wollen? Halt still und beklag dich hinterher? Wenn der Hashtag-Feminismus den Effekt haben sollte, dass wir konkret in solchen Situationen eine selbstbewusste Weiblichkeit entgegensetzen, wäre viel erreicht. Immerhin tragen auch Männer eine jahrhundertealte Geschichte in sich. Die Geschlechter müssen sich befreien, indem sie sich gegenseitig zeigen, an welchen Punkten sie Gefangene der Vergangenheit sind.

Und jetzt auch noch das: Auch Männer haben eine Last, eine jahrhundertealte Geschichte, die sie in sich tragen.

Als wären sie auch Opfer. Wobei: Dass der Feminismus auch den Männern nützt, in dem er ihnen erlaubt toxische Männlichkeit abzubauen, wäre ja Teil der modernen feministischen Lehre. Aber wahrscheinlich nicht in dieser Form. Da gibt es im modernen Feminismus keine Handlungsaufforderung an Frauen, sondern eben nur an die Männer.

ZEIT: Nur warum sollen Frauen schon wieder die Kohlen aus dem Feuer holen? Die „passive Frau“ ist ein Bild aus dem 19. Jahrhundert. Inzwischen bezahlen Frauen seit Jahrzehnten die Angleichung ihres Status mit Gefühlsarbeit. Sie leisten mehr Familienarbeit als Männer und auch emotionale Arbeit: lächeln, damit er sich nicht gekränkt fühlt, Situationen, in denen ein Typ übergriffig wird, freundlich abmoderieren. Deshalb beeindruckt es mich, dass Frauen unter #MeToo signalisieren: Jetzt seid ihr mal dran! Nehmt Rücksicht, sonst habt ihr soziale Sanktionen zu erwarten.

„Warum soll die Frau wieder die Kohlen aus dem Feuer holen“ ist eine interessante Frage, wenn sie in der Darstellung des Feminismus vollkommen unterdrückt und entrechtet ist.
Etwa so als würde ein Sklave fragen: „warum soll ich eigentlich diese Ketten öffnen, der hat sie doch dran gemacht, das ist doch etwas viel Arbeit, das auch noch von mir zu verlangen“.

Und sie sagt ja oben gerade: Befreie dich aus dem, was du als alten Ballast ansiehst und mache das, was du machen willst. Was dann anscheinend weniger „emotionale Arbeit“ ist und mehr Erwerbsarbeit. Ob das so der Realität entsprechen würde, wäre eine andere Frage.

Flaßpöhler: Aber so eine Sanktionslogik ist doch eine zutiefst männliche Strategie, die zu einer Verhärtung statt einer Entwicklung des Geschlechterverhältnisses führt. Da wird der Mann verdinglicht zu einem übergriffigen Wesen. Diese Vergeltungslogik lehne ich ab. Sie haben völlig recht, die Frau ist mehr für den Beziehungsraum zuständig, für die Gestaltung von Atmosphären. Aber Frauen reproduzieren diese Zuständigkeiten doch auch selbst. Glauben Sie wirklich, dass Frauen, die nach der Geburt des ersten Kindes plötzlich im Privatraum verschwinden, anstatt sich um ihre Karriere zu kümmern, alle Opfer des patriarchalen Systems sind? So eine Haltung ist selbstgefällig.

Das ist eine schöne Antwort (mit Abzug von „eine zutiest männliche Strategie“). Auch hier wieder würde ich Frau Flaßpöhler mehr Einfluss im Feminismus wünschen. Die klare Ablehnung einer Sanktionslogik, der Verwurf den Mann zu Unrecht allgemein der Übergriffigkeit zu beschuldigen, die Klarstellung, dass Frauen ebenfalls bestimmte Rollen suchen und wollen und nicht nur in sie hinein gedrängt werden, weil die Männer so böse sind.

Interesektionale Feministen müssen sie hassen.

ZEIT: Die Geschichten, die unter #MeToo erzählt wurden, dienen aber auch dazu, Männern zu erklären, was da erlebt wird auf der anderen Seite.

Flaßpöhler: Erklärungen finde ich ja richtig. Wir müssen uns austauschen, woher sollen Männer sonst wissen, wie es sich anfühlt, eine Frau zu sein, und umgekehrt? In dem Moment, wo der Diskurs aber über eine dritte Position läuft, nämlich die Öffentlichkeit, ist das wie bei einem Paar, das nur noch über seinen Anwalt kommuniziert.

Ich denke in der Aussage der Zeit ist es so gemeint, dass Männer bestimmte Sachen erklärt werden, damit sie dann ihr Verhalten umstellen und allgemein Buße tun.

Bei Flaßpöhler wird daraus ein echter Informationsaustausch, bei dem man dem anderen bestimmte Sachen über sich mitteilt und dieser seine Sicht der Dinge darstellen kann.
Bei dem intersektionalen Feminismus eben die Mitteilung von oben: Ihr seid sündig, ändert euch.

Bei Faßpöhler die Mitteilung: Wir finden dies oder das nicht gut, wie seht ihr es und was können wir machen?

Also eine wesentlich respektvollere Haltung auf Augenhöhe statt Vorschriften von oben

Auch unvorstellbar im intersektionalen Feminismus.

Nicht mehr von der Anklagebank etwas verlangen, sondern miteinander reden.

Flaßpöhler: Man kann natürlich die These vertreten, Männer hätten gar kein Interesse an weiblicher Selbstermächtigung, weil sie die Macht dann nicht mehr allein hätten. Die Furcht vor der potenten Frau ist tatsächlich alt, denken Sie an die Geschichte der Medusa, der Gorgonen-Tochter, die geköpft wird, weil sie Männer verführt. Andererseits resultiert die männliche Furcht etwa bei Freud ja genau aus dem Mangel zwischen den Beinen der „kastrierten“ Frau. Wenn sich die Geschlechter also gleich potent begegnen, gewinnen Männer ganz offensichtlich auch. Mal ganz abgesehen davon, dass frustrierte Frauen eine ganz eigene Form der Gewalt entwickeln. Simone de Beauvoir schrieb schon in den 1940er Jahren, dass Frauen alles daransetzten, „den Mann zu verstümmeln“ und „in ihr Gefängnis hineinzuziehen“. Kann man als Mann auch gut drauf verzichten, oder?

Einer intersektionalen Feministin fällt der Widerspruch wahrscheinlich gar nicht auf, dass sie einerseits den Mann als unantastbaren immer begünstigten Teil der Gesellschaft sieht, dem man aber gleichzeitig verächtlich Befehle zur Änderung seines Verhaltens geben kann, die er demütig umsetzen muss.

Das Konzept der Augenhöhe muss einer intersektionalen Feministin damit gleich doppelt merkwürdig vorkommen:

Der Mann der alle Macht hat, redet nach der einen Sichtweise niemals mit ihr auf Augenhöhe, er nutzt die Frau ja aus und übt Macht über sie aus.

Und dem wohlgesonnenen Mann auf Augenhöhe begegnen statt ihn als unterwürfigen Ally zu sehen, wie soll das denn gerecht sein?

Und dann noch die Idee, dass Frauen gewalttätig sind.

ZEIT: Es geht also bei „Potenz“ nicht darum, sich zu verhärten gegen den anderen?

Flaßpöhler: Natürlich gab es revolutionäre Prozesse, in denen sich Gruppen, um Widerstand zu leisten, verhärten mussten. Aber wir leben doch heute in einer Wirklichkeit, die von Frauen aktiv mitgestaltet werden kann. Insofern wäre ich entschieden dafür, dass wir aufhören, uns schwächer zu machen, als wir sind. Stattdessen sollten wir endlich die werden, die wir sein wollen, und das Mögliche im Wirklichen realisieren.

Das Problem ist, dass viele Frauen schon das sind, was sie sein wollen. Nur wollen sie eben häufige als Männer gar nicht in Führungspositionen sein, sondern lieber einen normalen Job haben, gegebenenfalls mit Halbtagsjob, wenn die Kinder da sind.

Dennoch: Eine sehr positive Botschaft.

Ihr Buch klingt insofern gar nicht so uninteressant. Hat es schon jemand gelesen?