Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 27. August 2016

Zur Entstehung der „Critical Whiteness“-Theorien

El Mocho schrieb einen interessanten Kommentar zu „critical whiteness“

 

Man sollte sich bei Bewertung der ganzen “Critical Whiteness“-Geschichte immer wieder vor Augen halten, dass es sich um ein spezifisch amerikanisches Konzept handelt, das von WEIßEN amerikanischen Theoretikern (die beiden Hauptvertreter, David Roediger und Noel Ignatieff sind jedenfalls weiß) entwickelt wurde, um bestimmte konkrete Fragen zu beantworten. In erster Linie ging es darum, zu erklären, warum es in der Geschichte der amerikanischen Arbeiterbewegung nie zu einer Verbrüderung oder auch nur Kooperation von weißen und schwarzen Proletariern gekommen ist, und in zweiter Linie darum, zu erklären, warum seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts so viele weiße Arbeiter Reagan und Bush gewählt haben.

Diesen Ansatz auf die Situation in Deutschland zu übertragen ist, denke ich, völlig verfehlt, denn:

“In moving beyond a binary treatment of race, it is important to keep in mind that African Americans‘ experience of race differed qualitatively from that of other ethnic groups because of the involuntary nature of their immigration, their enslavement, and the unparalleled virulence of the racism directed against them.”, so der Historiker Peter Kolchin.

https://pantherfile.uwm.edu/gjay/www/Whiteness/kolchinreviewessay.htm

Das ist der entscheidende Punkt. In den USA kommt niemand auf die Idee, einen Schwarzen zu fragen, wo er herkommt oder wo er sein gutes Englisch gelernt hat, weil alle wissen, dass die Schwarzen seit Jahrhunderten im Land sind und nicht freiwillig hergekommen sind. Die ach so kränkende Erfahrung, die deutsche „PoC“ mit diesen Fragen machen, bleibt ihnen also erspart. Andererseits gibt es in den USA inzwischen durchaus eine (wenn auch nicht sehr große) schwarze Mittelschicht, schwarze Unternehmer und konservative bis reaktionäre schwarze Politiker und Richter, usw., die so in Deutschland natürlich fehlen. Und letztere haben durchaus ein Interesse daran, dass die schlechte Situation der schwarzen Mehrheit nicht durch politökonomische Analysen erklärt wird, sondern durch den „Rassismus“ der Weißen
.
Entsprechend werden die „Whitenesss-Studies“ von schwarzen Linken in den USA heftig kritisiert. Zwei Beispiele: Adolph Reed, Politologe von der Universität Pensylvania:

“Insistence on the transhistorical primacy of racism as a source of inequality is a class politics. It’s the politics of a stratum of the professional-managerial class whose material location and interests, and thus whose ideological commitments, are bound up with parsing, interpreting and administering inequality defined in terms of disparities among ascriptively defined populations reified as groups or even cultures. In fact, much of the intellectual life of this stratum is devoted to shoehorning into the rubric of racism all manner of inequalities that may appear statistically as racial disparities.”

http://nonsite.org/editorial/django-unchained-or-the-help-how-cultural-politics-is-worse-than-no-politics-at-all-and-why

Oder Barbara Fields. Historikerin von der Columbia-University:

“By its insistence upon marking and naming and making visible, whiteness scholarship first strews race and races everywhere and then, mirabile dictu, discovers them everywhere. Race then becomes so ubiquitous as to lose determinate shape. …

As an organizing concept, whiteness leads to no conclusions that it does not begin with as assumptions. Whiteness is a racial identity; therefore, white people have a racial identity. Whiteness equals white supremacy; therefore, European immigrants become white by adopting white supremacy. Whiteness entails material benefits; therefore, the material benefits white people receive are a reward for whiteness.“

http://blogs.umass.edu/weinbaum/files/2008/05/barbara-fields-article.pdf

Oder besonders gut hier:

“Probably a majority of American historians think of slavery in the United States as primarily a system of race relations—as though the chief business of slavery were the production of white supremacy rather than the production of cotton, sugar, rice and tobacco.”

“Those who create and re-create race today are not just the mob that killed a young Afro-American man on a street in Brooklyn or the people who join the Klan and the White Order. They are also those academic writers whose invocation of self propelling ‘attitudes’ and tragic flaws assigns Africans and their descendants to a special category, placing them in a world exclusively theirs and outside history—a form of intellectual apartheid no less ugly or oppressive, despite its righteous (not to say self-righteous) trappings, than that practised by the bio- and theo-racists; and for which the victims, like slaves of old, are expected to be grateful. They are the academic ‘liberals’ and ‘progressives’ in whose version of race the neutral shibboleths difference and diversity replace words like slavery, injustice, oppression and exploitation, diverting attention from the anything-but-neutral history these words denote. They are also the Supreme Court and spokesmen for affirmative action, unable to promote or even define justice except by enhancing the authority and prestige of race; which they will continue to do forever so long as the most radical goal of the political opposition remains the reallocation of unemployment, poverty and injustice rather than their abolition.”

http://www.solidarity-us.org/pdfs/cadreschool/fields.pdf

es handelt sich also um ein eindeutig auf amerikanische Verhältnisse bezogenes Konzept, dass nichts mit Rassismus in Europa zu tun hat.

Ich finde Herleitungen aus der Geschichte immer interessant, aber man sollte dabei nicht vergessen, dass ein ursprüngliches Konzept seine damalige Bedeutung verlieren kann und mit einer neuen Bedeutung versehen werden kann.

Jetzt bilden die „critical Whiteness“ Theorien eben eine Untergruppe im Bereich der intersektionalen Theorien, in denen im Bezug auf den Bereich Rassismus die Gruppe der weißen privilegiert ist, die Gruppe die „PoC“ (People of Color) hingegen diskriminiert sind. Die eigentliche Erklärung ist dabei in den Hintergrund gerückt, sie ist für diese neue Theorie relativ egal. Auch der Umstand, dass etwa Asiaten als Bestandteil der PoC zumindest in Amerika im Schnitt mehr verdienen als alle andere Menschen, wenn man sie nach Hautfarbe in Gruppen einteilt, ist in dieser Theorie ganz egal. Der Einwand, dass sie nicht für die Situation in Deutschland gemacht ist, wird daher in deren Lager wenige überzeugen. Es geht heute nicht mehr um den Aspekt, warum es nicht zu einer Verbrüderung innerhalb der Klasse gekommen ist, sondern um „Machtstrukturen“. Natürlich geht es auch darum, dass man Virtue Signalling betreiben kann und gegen „die Mächtigen“ zugunsten „der Schwachen“ kämpft und das man den Vorwurf des Rassismus abfangen kann.

vgl. auch:

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 26. August 2016

Rangfolge von Unterhaltsberechtigten

Eine interessante Wertung im Unterhaltsrecht nimmt der § 1609 BGB vor:

§ 1609
Rangfolge mehrerer Unterhaltsberechtigter
Sind mehrere Unterhaltsberechtigte vorhanden und ist der Unterhaltspflichtige außerstande, allen Unterhalt zu gewähren, gilt folgende Rangfolge:
1. minderjährige unverheiratete Kinder und Kinder im Sinne des § 1603 Abs. 2 Satz 2,

2. Elternteile, die wegen der Betreuung eines Kindes unterhaltsberechtigt sind oder im Fall einer Scheidung wären, sowie Ehegatten und geschiedene Ehegatten bei einer Ehe von langer Dauer; bei der Feststellung einer Ehe von langer Dauer sind auch Nachteile im Sinne des § 1578b Abs. 1 Satz 2 und 3 zu berücksichtigen,

3. Ehegatten und geschiedene Ehegatten, die nicht unter Nummer 2 fallen,

4. Kinder, die nicht unter Nummer 1 fallen,

5. Enkelkinder und weitere Abkömmlinge,

6. Eltern,

7. weitere Verwandte der aufsteigenden Linie; unter ihnen gehen die Näheren den Entfernteren vor.

Das bedeutet also, dass der Betrag der zum Unterhalt zur Verfügung steht, also das bereinigte Nettoeinkommen abzüglich des Selbstbehaltes, so eingesetzt wird, dass die oben dargestellt Reihenfolge bedient wird und nur, wenn nach einer Stufe noch etwas verbleibt, die tiefer stehenden auch noch Unterhalt bekommen.

Die Reihenfolge ist

  1. Minderjährige Kinder und volljährige Kinder, die noch bei einem Elternteil wohnen und die allgemeine Schulausbildung noch nicht abgeschlossen haben
  2. Eltern, die Betreuungsunterhalt bekommen oder bekommen würden, wenn sie getrennt wären sowie (Ex)Ehegatten bei Ehen langer Dauer oder mit ehebedingten Nachteilen
  3. Ehegatten
  4. Volljährige Kinder
  5. Enkelkinder

Interessanterweise kommen also volljährige Kinder, die zB studieren, relativ weit hinten. Eine Ex-Ehefrau, die nach langer Ehe nachehelichen Unterhalt bekommt, geht ihnen vor. Eine Ehefrau, die nicht selbst hinreichend verdient, auch. Das wird wieder abgefangen, weil Kinder dann eben zB Bafög beantragen können, das eh vorrangig vor Unterhalt ist.

Die ehemalige Ehefrau geht auch der neuen Ehefrau vor, wenn die Ehe länger war oder sie aufgrund der Betreuung von Kindern jetzt weniger verdient und die neue Ehefrau keine Kinder betreut.

Wie findet ihr die Reihenfolge?

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 25. August 2016

Frag eine Feministin: Frauen bevorzugen?

In den Kommentaren wurde die Frage gestellt, warum sich Feministinnen gerade in die Fälle wegen Vergewaltigung verbeißen, die hoch problematisch sind und bei denen man enorme Zweifel an der Richtigkeit haben kann.

Matze schrieb etwa:

Ich finde es immer wieder erstaunlich wie Feministinnen sich in Fälle verbeißen, die von Anfang an faul riechen

Und David schrieb:

In dem Fall wirklich krass. Nachdem man seit Jahren schon jedes tote Pferd geritten hat (gefühlt 95% aller öffentlich diskutierten „Vergewaltigungsfälle“ stellten sich ja als Falschbeschuldigungen heraus), roch es doch hier jeder halbwegs Vernunftbegabte zehn Meilen gegen den Wind.

Und in der Tat sind so gut wie alle Fälle, die zu großer Feministischer Aufregung um die Frage des „war es eine Vergewaltigung?“ geführt haben sehr fragwürdig und die Fälle führten häufig dazu, dass die Zweifel eher überwiegen oder sich die Geschichte als falsch heraus stellte.

Natürlich muss man da vorsichtig sein:  Sulkowicz aka MatrazenMädchen wirkt vollkommen verrückt und wenn man sich die Nachrichten anschaut, die sie ihm direkt nach der angeblichen Tat geschickt hat, dann sind Zweifel daran, dass sie vergewaltigt wurde, aus meiner Sicht sehr begründet. Aber natürlich kann sie das Gefühl gehabt haben, vergewaltigt worden zu sein, wenn er unerfahrenen Analsex mit ihr hatte und sie dachte deutlich genug gemacht zu haben, dass es ihr weh tut. Vielleicht waren die Nachrichten tatsächlich ihr Weg, über diese Vorfälle noch einmal direkt mit ihm reden zu wollen. Andere Fälle wie der „Jackie“-Fall beim Rollings Stone Magazin waren hingegen deutlicher, was Feminstinnen, auch deutsche Feministinnen, aber nicht davon abhielt trotz bereits entgegenstehender Fakten weiterhin daran festzuhalten:

Auch im nunmehrigen Fall um Gina Lisa Lohfink scheinen die Feministen unfähig zu sein, die dagegen stehenden Fakten wahrzunehmen:

Lohfink steht oft vor Kameras. In der Nacht mit den beiden Männern wollte sie es nicht. Dem Gericht lagen mehr als zehn Minuten Material vor, und diese dürften den Ausschlag dafür gegeben haben, dass der Fall überhaupt angeklagt wurde. Diese Szenen kennt die Öffentlichkeit nicht. Denn nach dem „Hör auf“ geht es weiter, Lohfink nimmt die Arme nach hinten, fasst sich in die Haare, entspannt. Nur mit dem Video sei sie nicht einverstanden gewesen, sagt die Richterin. „Mach das weg.“ – „Ich lösche das“, verspricht eine Stimme. Dann winkt Lohfink, lächelt und hat Sex mit dem Mann, der zuvor die Kamera hielt, die Hand auf seinem Po.

(…)

„Hör auf“ würde in den Ausschnitten geradezu inflationär benutzt, aber meistens gehe es ums Filmen, sagt Richterin Ebner. Einmal, als sie tatsächlich keinen Sex gewollt habe, hätte Sebastian C. sofort von ihr abgelassen. „Es wird gescherzt, gelacht, getrunken. In keiner Szene ist zu sehen, dass Frau Lohfink sich unwohl fühlt.“

(…)

„Befremdlich“ habe die Staatsanwältin es gefunden, dem angeblichen Vergewaltiger noch zärtliche SMS zu senden, wie Lohfink es tat. Irritierend, wie sie sich tags darauf in einem Hotel wieder mit Pardis F. einließ. Unglaubwürdig, dass sie in der Wohnung nach der angeblichen Vergewaltigung mit dem Täter noch eine Pizza aß. Gögge hält der Angeklagten vor, dass sie sich vor jeder aufgestellten Kamera zu den Vorwürfen äußerte, aber im Prozess selbst nur ein schriftliches Statement abgegeben wurde, ohne Nachfragen zuzulassen. Darin nur Ausreden, meint sie. „Alles Schutzbehauptungen.“

Bisher habe ich bei noch keiner Feministin, die etwas zu dem Fall geschrieben hat, etwas dazu gelesen, dass es da ein mehr an Material gegeben hat, welches den Fall in ein anderes Licht rückt.

Dabei sollte man annehmen, dass gerade die, die dieser Fall interessiert, die entsprechenden Details nachlesen und bewerten. Findet sich in irgendeinem feministischen Artikel etwas zu den hier fett zitierten Informationen? Ich habe jedenfalls nichts dazu gelesen.

Aus meiner Sicht erklärt sich dieses missachten von Fakten und das unbeirrbare Festhalten an solchen Geschichten am ehesten wie folgt:

  • Die Feministinnen verteidigen nicht den konkreten Fall, sondern ihre These, dass man die „Rape Culture“ in der wir nach ihrer Ansicht leben, nur bekämpfen kann, wenn Frauen folgenlos anzeigen können und Täter möglichst schnell und umfassend bestraft werden. Sie gehen dabei davon aus, dass „böse Mächte“ aka das Patriarchat diese Anzeigen und die Verurteilung irgendwie verhindert und deswegen die Vergewaltigung von Frauen quasi straffrei ist. In diesem Kampf gegen die Rape Culture, der als Kampf (patriachale) Männer gegen Frauen ausgestaltet ist, sind die Opfer momentan zum großen Teil und in großer Anzahl Frauen. Zusammen mit der Einschätzung, dass Falschbeschuldigungen selten sind, ist dann der Grundsatz „Frauen ist zu glauben“ der Gedanke, dass man 100 Frauen rettet, auch wenn dafür ein Mann evtl unschuldig ins Gefängnis kommt. Es ist also ein Kampf nicht für die einzelne Frau, sondern für den Grundsatz, dass man jeder Frau glauben soll, auch wenn sie ihre Position nicht beweisen kannSo ähnlich hatte ich es auch bereits in einem anderen Artikel ausgedrückt:

    Die zweite Auffassung folgt poststrukturalistischen Ansätzen und ordnet die Vergewaltigung in einen Machtkampf zwischen den Gruppen Mann und Frau ein. Dabei ist die Vergewaltigung ein Mittel der Gruppe Mann um Macht über die Gruppe Frau zu erlangen. Dazu errichtet sie eine Kultur, aus der heraus der Einsatz dieser Machtmittel wahrscheinlicher erfolgt, eben indem die Sexualität der Gruppe Frau eingeschränkt wird und die Frau innerhalb dieser Machtgruppe als ein Objekt der sexuellen Befriedigung dargestellt wird. Aus diesen Sichtweisen heraus begeht der Täter dann die Vergewaltigung und setzt damit gleichzeitig genau das um, was die Gruppe Mann (oder deren Anführer im Sinne einer hegemonialen Männlichkeit) benötigt um sein Machtmittel aufrechtzuerhalten.
    Der effektivste Weg zur Reduzierung oder gar Beseitigung von Vergewaltigungen ist damit eine gesellschaftliche Beeinflussung, die sich gegen die damit verbundenen Machtstrukturen richtet, also gegen hegemoniale Männlichkeit bzw. das Patriarchat oder die Phallokratie. Dazu ist es erforderlich das Machtmittel zu erkennen und als solches unwirksam zu machen. Dazu gehört dann eben auch, dass eine Vergewaltigung stets geandet wird, aber auch eine Umerziehung der potentiellen Täter, nämlich der Männer, indem sie Lernen die Strukturen, die die Vergewaltigungskultur bilden, effektiv und gerade auch bei sich selbst zu bekämpfen. Da die Vergewaltigung ein Machtmittel ist erscheint auch zugleich jede Maßnahme, die eine Nichtbestraftung eines Täters zur Folge hat, als weiteres Machtmittel zur Absicherung des anderen Machtmittels. Wenn das Rechtsstaatsprinzip also die Verurteilung von Vergewaltigern erschwert, dann muss er Teil des Machtapparats, also der Vergewaltigungskultur sein. Die Aufhebung dieses Prinzips für die Vergewaltigung verhindert in diesem Kontext andere Vergewaltigungen, weil es die Vergewaltigungskultur selbst bekämpft, die auf den Säulen „Erleichterung der Vergewaltigung durch Schaffen eines entsprechenden Klimas“ und „Nichtbestrafung der Vergewaltigung“ besteht. Im Rahmen der Gruppeninteressen der Frau kann das eh zu unrecht eingesetzte Machtmittel „Vergewaltigung“ eben nur durch eine Lockerung des Rechtsstaats bekämpft werden und dass dabei einzelne Falschbeschuldigte auf der Strecke bleiben ist irrelevant, weil die andere Seite bei Einsatz des Machtmittels „Vergewaltigung“ auch keine Rücksicht auf die Opfer nimmt.

    Hinweise gegenüber dem Opfer, doch bitte vorsichtig zu sein, sind vergleichbar damit, jemanden, dessen Kopf man regelmäßig unter Wasser drückt den guten Hinweis zu geben, doch bitte zu lernen länger die Luft anzuhalten.

    Wenn es aber gerade um den Grundsatz geht, dass jeder Frau zu glauben ist, damit man die Macht der Rape Culture und des Patriarchats brechen kann, dann bieten sich gerade die Fälle, in denen es unwahrscheinlicher ist, als Machtkampfgelände an. Nur dann kann man nämlich diesen Grundsatz verteidigen. In rationaleren Fällen ist er weitaus weniger in Gefahr

  • Damit im Zusammenhang stehend ist das Bekenntnis, der Frau immer zu glauben, eben auch ein Glaubensbekenntnis innerhalb einer Ideologie. Wer rational an die Sache herangehen würde und die oben beispielshaft für den Lohfink-Fall dargestellten Fakten erwähnen und diskutieren würde, der ist vergleichbar mit jemanden, der bei religiösen Fanatikern Dawkins zugestehen würde, ein paar gute Punkte zu haben. Im droht damit die Exkommunion oder er wäre jedenfalls jemand, der mit Zweifel anzugehen wäre. Einer Feministin bleibt gar nichts anderes übrig als alles andere auszublenden und sich nur auf die Umstände zu konzentrieren, die dafür sprechen, dass man derjenigen glauben kann. In den Chor einzustimmen ist damit „Virtue Signalling“ und ebenso ein Costly Signal, wie es in vielen Religionen verwendet wird.
    Es ist ein „Ich bekenne, jedem Opfer einer Vergewaltigung zu glauben, ich glaube an die Rape Culture und die Befreiung von ihr durch die Solidarität mit dem Opfer“.
    Und das macht wiederum die irrationalen Fälle interessanter für das Glaubensbekenntnis. An ihm kann man erkennen, ob diejenige wirklich zur Sache steht. Um so irrationaler um so größer das Signal.
Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 24. August 2016

Selbermach Mittwoch 75 (24.08.2016)

Bla bla bla

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 24. August 2016

Rentenlücke zwischen Männern und Frauen

Immer wieder wird warnend auf die Rentenlücke der Frauen, der etwas andere „Gender Pay Gap“ hingewiesen, nach dem Frauen geringere Rentenanwartschaften erhalten haben:

Beispielsweise hier:

Frauen beziehen durchschnittlich niedrigere Renten als Männer. Wen wundert das, wo doch inzwischen hinlänglich bekannt ist, dass die Erwerbseinkommen der Frauen immer noch 21 Prozent unter denen der Männer liegen? Erstaunt ist man aber, wenn Fachleute die Rentenlücke berechnen und sich dabei ein Wert von 57 Prozent ergibt. Dies bedeutet: Frauen erhalten im Durchschnitt nur 43 Prozent der Alterssicherungseinkommen der Männer! Wie kann das sein?

Die Antwort ist einfach: In der Rente widerspiegelt sich der gesamte Erwerbsverlauf. Neben den Entgelten werden auch die Zeiten der Erwerbstätigkeit berücksichtigt. Deshalb ist es nicht nur der geringere Verdienst, der sich in den niedrigeren Renten der Frauen zeigt. Es sind die vielen verschiedenen Formen der Erwerbsbeteiligung, bei denen es erhebliche Geschlechterunterschiede gibt: Frauen sind seltener als Männer erwerbstätig, arbeiten häufiger als Männer in Teilzeit und sind meist diejenigen, die eine Auszeit nehmen, wenn in der Familie Kinder zu betreuen oder Angehörige zu pflegen sind. Frauen haben deshalb – über ihr gesamtes Leben betrachtet – im Vergleich zu den Männern weniger Erwerbsjahre mit durchschnittlich weniger Arbeitsstunden pro Woche und einem geringeren Entgelt für die geleistete Arbeit. Hinzu kommt, dass die Mehrheit der Frauen mit Minijobs gar nicht rentenversichert ist.

Hinter diesen geschlechtsbezogenen Ungleichheiten mögen im Einzelfall unterschiedliche Lebensentwürfe und dazu gehörige Vorstellungen von der Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern stehen. Für die politische Debatte ist jedoch entscheidend, dass ein großer Teil der niedrigeren Frauenerwerbsbeteiligung unfreiwillig erfolgt, wie sich in der Diskrepanz zwischen gewünschten und realisierten Arbeitszeiten zeigt. Frauen benennen das unbefriedigende Angebot an öffentlicher Kinderbetreuung und an Vollzeitstellen mit flexiblen Arbeitszeiten als wesentliche Gründe für ihre oft reduzierte Erwerbstätigkeit. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist häufig immer noch ein schwieriger Balanceakt. In dieser Situation wählen Paare oft das sogenannte „modernisierte Ernährermodell“, bei dem eine Person – häufig die mit dem niedrigeren Erwerbseinkommen und den geringeren Karrierechancen – die Arbeitszeit reduziert und den Großteil der Familienarbeit übernimmt.

Es ist kein Zufall, dass die Rentenlücke in Ostdeutschland mit 35 Prozent deutlich niedriger ist als in Westdeutschland, wo sie bei 61 Prozent liegt. Neben unterschiedlichen Geschlechterrollenbildern unterstützt auch die deutlich bessere Infrastruktur für die Kinderbetreuung hier die stärker egalitäre Erwerbsbeteiligung. In Westdeutschland nehmen Frauen im Zeitverlauf deutlich häufiger am Arbeitsmarktgeschehen teil. Der Trend steigender Frauenerwerbstätigkeit zeigt sich in einer Reduzierung der Rentenlücke von ca. 70 Prozent Anfang der 1990er Jahre auf die oben genannten 57 Prozent in 2011.

Dazu muss man sich zunächst erst einmal bewusst machen, dass vieles davon anderweitig abgefangen wird:

Nehmen wir mal als Beispiel die verheiratet „Luxushausfrau“ eines leitenden Angestellten mit einem Einkommen von 200.000 €. Nehmen wir an, dass sie keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen ist und auch keine Kinder hatte, also keine Rentenanwartschaften aufgebaut hat. Würde sie sich nun von ihm scheiden lassen, dann würde sie neben dem Zugwinnausgleich und Unterhalt auch noch die Hälfte seiner Rentenanwartschaften bekommen, sie hätte also einen durchaus erheblichen Rentenanspruch. Stirbt er, so bekommt sie eine Witwenrente, wenn sie das dafür notwenige Alter erreicht hat. Leben sie beide glücklich, dann lebt sie mit ihm zusammen von seiner Rente.

Hier wird also ein Armutsrisiko aufgemacht, welches die theoretischen Übertragungsmöglichkeiten vollkommen ausblendet. Und das Risiko ist damit auch keineswegs einseitig: Wenn sich eine Ehefrau zur Rente scheiden lässt, dann bekommt sie direkt die Hälfte seiner Anwartschaften und beide können (bei ungünstigeren Lebensverhältnissen als den oben geschilderten) eine sehr geringe Rente beziehen.

Die Hausfrauenehe ist insofern für viele Ehemänner eine theoretische Zeitbombe, bei der sie einen Großteil ihrer Rente abgeben müssen, weil die Ehefrau keine eigenen erworben hat.

Durch den Versorgungsausgleich wird die Lücke theoretisch gleich „doppelt“ geschlossen: Die Frauen gewinnen dazu, die Männer geben ab.

Was sich hier auch auswirkt sind neben der Arbeitsteilung, dass genug Frauen auch wenn die Kinder alt genug sind nicht auf eine Vollzeitstelle ausweiten. Das ist auch eine Erfahrung aus dem Unterhaltsrecht, in dem einige Frauen sich lieber nicht mehr auf Stellen bewerben und sich ein fiktives Einkommen anrechnen lassen, weil der Halbtagsjob und der dann verminderte Unterhalt immer noch gut ausreichen.

Ebenso tragen die „mein Mann verdient genug, da lohnt es sich gar nicht, wenn ich wieder anfange“-Ehen dazu bei.

Für ältere Zeiten dürften auch die damals noch eher bestehenden lebenslangen Unterhaltspflichten die Lage „verschlechtert“ haben. Und die höhere Erwerbstätigkeit im Osten ist insoweit nicht lediglich einer besseren Kinderversorgungslage geschuldet, sondern eben auch einer anderen Einstellung. Lange auszusetzen ist eben auch ein Privileg.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 23. August 2016

Was wäre, wenn man statt einem nackten Trump eine nackte Hillary Statue aufgestellt hätte?

 

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 23. August 2016

Wie verändert das Geschlecht der eigenen Kinder die Sicht auf die Geschlechterdebatte?

Das eigene Geschlecht können und wollen die allermeisten nicht wechseln. Aber da die meisten Leute ihre Kinder lieben kann das Vorhandensein von Kindern die Perspektive deutlich verändern.

Sei es, dass eine Frau merkt, dass es ihre Söhne gar nicht so einfach haben und sie deswegen etwas ändern will. Oder das ein Vater denkt, dass er keine Diskrimierung seiner Töchter will und deswegen auf eine besonders frauenfreundliche Politik umschwenkt.

Natürlich kann auch ein Vater seine Söhne oder eine Mutter seine Töchter unterstützen wollen.

Eine andere Möglichkeit ist, dass anhand von Kindern allgemein gemerkt wird, dass diese sich teilweise sehr stereotyp verhalten, trotz aller Bemühungen sie geschlechtsneutral zu erziehen.

Meint ihr, dass Kinder die Sicht auf das Thema verändern?

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 22. August 2016

Gina Lisa Lohfink wegen Falschbeschuldigung verurteilt

Das Amtsgericht hat in dem Verfahren gegen Gina Lisa Lohfink ein Urteil gefällt. Der Spiegel berichtet:

„Im Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink ist ein Urteil gefallen: Das Model hat zwei Männer fälschlicherweise der Vergewaltigung beschuldigt, entschied das Amtsgericht Berlin-Tiergarten – und verhängte eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen je 250 Euro, insgesamt 20.000 Euro.“

Woraus wir errechnen können, dass Gina Lisa Lohfink etwa 7.500 € netto im Monat verdient.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Lohfink die Männer wider besseres Wissen bezichtigt hatte, sie vergewaltigt zu haben. Lohfink habe bewusst wahrheitswidrige Tatsachen behauptet. Der Sex sei einvernehmlich gewesen. Lohfink habe allerdings den Männern signalisiert und gesagt, dass sie dabei nicht gefilmt werden wollte.

Den Unterschied wird man in feministischen Kreisen wahrscheinlich nie verstehen.

Lohfinks Anwälte hatten einen Freispruch gefordert. Sie kündigten an, gegen die Verurteilung des Models voraussichtlich in Berufung zu gehen. „Das Urteil ist ein Skandal“, sagte Verteidiger Burkhard Benecken. Er werde mit Lohfink besprechen, ob sie die Kraft für die Berufung habe. Er mache sich jetzt Sorgen um alle Frauen, die eine Vergewaltigung anzeigen wollten.

Das ist eine gute Formel des Verteidigers. „Sie hat einfach nicht die Kraft für eine Berufung gehabt“ klingt besser als „man hat keine Erfolgsaussichten gesehen“.

Staatsanwältin Corinna Gögge hatte eine Geldstrafe von 24.000 Euro für Lohfink gefordert. „Frau Lohfink ist nicht Opfer einer Sexualstraftat geworden. Sie hat gelogen und Ermittler bewusst in die Irre geführt“, sagte Gögge.

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Richterin sind also nach Ansicht des vollständigen Videos, welches wohl leider niemand sonst sehen wird, sowie den Ausführungen des Gutachters zu dem Ergebnis gekommen, dass hier freiwilliger Sex vorlag. Das Transcript scheint mir diese Ansichten auch ganz gut vertretbar zu machen.

Lohfink habe die Geschichte von der Vergewaltigung konstruiert, um nach Bekanntwerden der Handyaufnahmen ihren Ruf zu schützen, sagte Staatsanwältin Gögge. „Ich will das gar nicht beschönigen, dass sich beide Männer schäbig verhalten haben“, sagte Gögge in Bezug auf die Verbreitung der Handyaufnahmen.

Das wäre dann auch das passende Motiv. Inwieweit auch das Dschungelcamp da mit hineingespielt hat wäre eine andere Frage

Gutachter sieht keinen Hinweis auf Einsatz von K.-o.-Tropfen

Eine Manipulation durch K.-o.-Tropfen sei auszuschließen, sagte Gögge. Sie berief sich dabei auf ein zuvor vorgetragenes Gutachten des zum Sachverständigen bestellten Toxikologen Torsten Binschek-Domaß.

Dieser hatte gesagt, der Einsatz der Tropfen sei mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen, es gebe keine Anhaltspunkte dafür. Lohfink sei in der umstrittenen Nacht wach, ansprechbar und orientiert gewesen. Das ergebe sich aus den Videofilmen, die in der fraglichen Nacht gemacht worden seien. Unter der Wirkung der Tropfen könne man keine Pizza bestellen und mit der Managerin telefonieren.

Auch hier kennen wir leider das Video nicht. Ich sehe aber nicht, dass man der Staatsanwaltschaft und dem Gericht, die sich einem Gutachter anschließen, da einen großen Vorwurf machen kann. Aus der Verhandlung war auch nicht zu hören, dass Gina Lisa die Ausführungen des Sachverständigen nachhaltig angegriffen oder ein Gegengutachten in Auftrag gegeben hat. Sie scheint diese vielmehr akzeptiert zu haben oder ist da etwas anderes bekannt geworden?

Der Fall Lohfink hatte die Debatte über sexuelle Gewalt und den Umgang der Justiz damit befeuert. Die im Internet verbreiteten Sexvideos von dem Geschlechtsverkehr zwischen Lohfink und den Männern hatten eine Debatte über das Sexualstrafrecht angestoßen. Diese mündete im Juni in eine Gesetzesverschärfung.

Anscheinend auf einer sehr fragwürdigen Grundlage. Die Gesetzesänderung hätte, was wahrscheinlich in feministischen Kreisen auch nicht sehr deutlich werden wird, da auch keine wesentliche Änderung bewirkt.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 22. August 2016

Berühren und vorher fragen

Ein Leser wies mich auf folgende Stelle aus dem Buch „Das Spielprinzip“ hin:
Der Kitzel des Berührtwerdens , soll sich ungezwungen , ohne weiteres Zutun einstellen. Das geht nicht auf Ansage. Der unsichere Mann zerstört die süße Illusion der fließenden Abenteuerlichkeit, wenn er sagt „Das hast du so süß gesagt. Ich muss dich jetzt einfach mal umarmen“. Der zaghafte Hänfling zerschmettert die Magie der Sekunde , wenn er, nach einer flüchtigen beiläufigen Liebkosung blödsinnig grinsend feststellt „Sorry! Das musste jetzt mal sein!“. Und der furchtsame Himbeerbubi macht wirklich alles kaputt, wenn er treudoof und irgendeinem pseudoromantischem Fair-Play folgend fragt: „Äh! Hast du vielleicht etwas dagegen, wenn ich mal deine Hand nehme?“ Mit derlei Fragen und Bemerkungen macht der kleinmütige Schisser – de facto – alles zunichte.
Vielleicht könnte man sagen: Jeder Zweifel an der Richtigkeit, jedes Gefühl, dass man das rechtfertigen muss und das es nicht etwas ganz normales sein könnte, kann dazu führen, dass zumindest unterbewusst, der „bin ich eine Schlampe, könnte mich jemand verurteilen?“-Analysevorgang aktiviert wird. Auch gefährlich: der „wenn er nicht glaubt, dass er der Richtige ist und das machen darf, ist er dann der richtige“-Analysevorgang. Und natürlich auch der Umstand, dass Männlichkeit und Selbstvertrauen sexy sind. Wahrscheinlich der Grund, warum für viele Frauen „es ist einfach so passiert“, als fießender, selbstverständlicher Prozess, ideal ist

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