Gender Studies und quantitative Forschungsmethoden

Mark kommentierte:

Im deutschsprachigen Raum habe ich bisher noch keinen einzigen Lehrgang für Gender-Studies gefunden, der Quantitative Forschungsmethoden lehrt, sondern höchstens qualitative Methoden der Sozialforschung. Wer natürlich einen so wichtigen Zweig wie die quantitativen Forschungsmethoden ignoriert, der muss m.E. zwangsläufig verzerrte bzw. ideologisierte Wissenschaft betreiben.

Und auf Nachfrage:

Ich halte eigentlich alle quantitativen Verfahren wichtig für die Gender Studies also:

Standardisierte Befragung – mithilfe von geschlossenen und Multiple-Choice-Fragen (z. B. als (Online-)Fragebogen, Experteninterview oder Gruppendiskussion)
Standardisierte Beobachtung – von Verhaltensmustern
Experimente und Versuche – zur numerischen Datenerhebung
Quantitative Inhaltsanalyse – unter Erfassung von messbaren Daten wie Texten und Abbildungen

Weshalb sie das nicht machen? Hat vermutlich etwas mit Pfadabhängigkeit zu tun: Sie kommen eher aus der Philosophie, Sozialphilosophie, Kulturwissenschaften und Geisteswissenschaften. Dort finden wir nirgends quantitative Verfahren.

Und die Leute denken vermutlich, der Mensch ist mehr als Quantität und somit sei dies eine reduktionistische Vorgehensweise. Aber nur über Qualität kann man keine Strukturen und Ursachen erfassen, dazu ist qualitative Forschung m.E. nicht in der Lage.

Mitm ergänzte:

„warum praktizieren sie [die quantitativen Forschungsmethoden] nicht?“

1. Weil fast alle Gender-Aktivisten sie nicht gelernt haben. Dazu müßte im Curriculum ein größerer Block für Studiendesigns und die mathematischen Verfahren sein. Das findet man so gerade in Psychologie-Curricula, wohl kaum in Literaturwissenschaften, Pädagogik und ähnlichen Gebieten, aus denen die meisten Gender-Forscherinnen kommen.

2. Selbst wenn im Curriculum vorhanden, fehlt das Talent und Interesse. Von diesen Studiengängen angezogen werden ja vor allem politisch interessierte, die missionarisch für den Feminismus tätig werden wollen. Es gibt Berichte, wonach regelrechte Gesinnungstests vor dem und während des Studiums anfallen, Empirie stört da nur. Alleine das Problem der hier nötigen Statistik-Kenntnisse sollte man nicht unterschätzen, Statistik gehört selbst unter Mathematikern zu den unbeliebten Fächern. Ich würde die These wagen, daß die durchschnittliche Gender-Studentin kaum Chancen hat, in Statistik fit genug zu werden, um Hypothesentests sauber durchzuführen. Nicht zu reden davon, daß ihr die Beschränkungen der heute noch dominierenden frequentistischen Ansätze (p-Werte usw.) bewußt sind.

und noch aus der Wikipedia:

Die quantitativen Methoden in der empirischen Sozialforschung umfassen alle Vorgehensweisen zur numerischen Darstellung empirischer Sachverhalte, aber auch zur Unterstützung der Schlussfolgerungen aus den empirischen Befunden mit Mitteln der Inferenzstatistik. Quantitative Methoden betreffen unter anderem Stichprobenauswahl, Datenerhebung und -analyse.

Häufig kommen in Wahlanalysen und in der Markt- und Meinungsforschung neben den quantitativen Methoden auch qualitative Methoden zur Anwendung, wie etwa halbstrukturierte Interviews.

Häufig werden quantitative Methoden in den Sozialwissenschaften als Gegensatz zu den qualitativen Methoden gesehen. Dies muss jedoch nicht zwangsläufig der Fall sein, da es durchaus möglich ist, beide Methodenarten in Kombination zu verwenden.

Mögliche Unterscheidungen der verschiedenen Gebiete der quantitativen Verfahren

Methoden der

  • Datenerhebung: Interview, Fragebogen, Beobachtung, Experiment, Inhaltsanalyse
  • Erhebungsform (Forschungsdesign): Experiment, Quasi-Experiment, Ex-post-facto Design, korrelatives Design
  • deskriptive Statistik (d. h. beschreibende Statistik, z. B. Median, Varianz)
  • Inferenzstatistik (auf der Wahrscheinlichkeit für das Eintreffen der ermittelten empirischen Befunde beruhende Verfahren, Stochastik, Signifikanztests wie z. B. Chi-Quadrat-Test; Auswahl von Stichproben)
  • multivariate Statistik (z. B. Faktorenanalyse, Clusteranalyse)
  • Die sozialwissenschaftliche Netzwerkanalyse

In Abhängigkeit von der Anzahl der betrachteten unabhängigen Variablen unterscheidet man ein- und mehrfaktorielle Untersuchungen, und in Abhängigkeit von der Anzahl abhängiger Variablen univariate und multivariate Verfahren (etwa Faktorenanalyse und Clusteranalyse).

Häufig wird die quantitative Sozialforschung in den Sozialwissenschaften als Gegensatz zur qualitativen Sozialforschung gesehen. Wichtig ist dabei immer das eigene Erkenntnisinteresse, das die Auswahl der Methoden bestimmt. Qualitative Verfahren werden oft benutzt, wenn der Forschungsgegenstand neu ist oder um das Forschungsgebiet zu explorieren und Hypothesen zu entwickeln. Quantitative Methoden können sowohl Hypothesen generieren als auch zuvor aufgestellte Hypothesen prüfen.

In der quantitativ verfahrenden Sozialforschung werden zählbare Eigenschaften gemessen. Die häufigsten Datenerhebungsverfahren in den Sozialwissenschaften sind die Befragung, die Beobachtung, das Experiment und die Inhaltsanalyse. Es sind aber durchaus andere Messmethoden anwendbar, wie beispielsweise die Lost-Letter-Technik[1], mit der Probleme, wie das der Reaktivität vermieden werden können.

Ein Grund, warum in den Gender Studies solche Verfahren vielleicht nicht (häufig) angewendet werden könnte sein, dass viele Hypothesen nur sehr vorsichtig geprüft werden, eine Befragung und Auswertung könnte ja für diese hinderlich sein.

Was mir allerdings einfallen würde wären etwa Studien zur Gewalt, die ja mit Fragebögen arbeitet (die wiederum der Kritik unterliegen). Und aus den Gender Studies kommen ja auch etwa Methoden zur Ermittlung von  „wohlwollenden Sexismus“ und „feindseligen Sexismus“

 

Selbermach Mittwoch

Bitte Kommentare bündeln, wenn sie nur aus einzelnen Tweets und kurzem Kommentar bestehen und man sehr viele davon plant.

Zwischen einem Kommentar, der nur einen Link oder einen Tweet ohne Besprechung des dort gesagten enthält, sollten mindestens 5 Kommentare anderer liegen, damit noch eine Diskussion erfolgen kann.

Many Shades of Gender (17): Die GS sind ideologisch, nicht wissenschaftlich. Das hat der jüngste Publikationsskandal (peer review Skandal 2018) doch deutlich gezeigt.

Paula-Irene Villa Braslavsky, Genderprofessorin, hat ein FAQ zu Mythen über die Gender Studies erstellt. Ich wollte sie nach und nach hier besprechen:

Heute:

Die GS sind ideologisch, nicht wissenschaftlich. Das hat der jüngste Publikationsskandal (peer review Skandal 2018) doch deutlich gezeigt.

Erstaunlicherweise hatte ich, wenn ich nicht etwas übersehen hatte, zu der Aktion gar keinen Artikel, so dass es sich nunmehr doppelt anbietet diese Aktion noch einmal zu besprechen.

Mal sehen, was sie sagt:

Drei US-Amerikaner_innen, James A. Lindsay, Peter Boghossian und Helen Pluckrose, publizierten Anfang Oktober 2018 auf einem Portal ihre Erfahrung mit der absichtsvollen Veröffentlichung von nonsense-Aufsätzen in möglichst angesehenen Fachzeitschriften der Gender und anderer ‘studies’. Die drei Autor_innen hatten die explizite Absicht‚ “to study, understand, and expose the reality of grievance studies, which is corrupting academic research” (https://areomagazine.com/2018/10/02/academic-grievance-studies-and-the-corruption-of-scholarship/), d.h. von ihnen so bezeichneten Jammer- oder Beschwerde-Studien sollten ob ihres ideologischen Gehalts überführt und dabei deren schädliche Wirkung auf das ganze Wissenschaftssystem gezeigt werden. Die Veröffentlichung erregte eine relativ große Aufmerksamkeit und schien für viele Kritiker_inner der Gender Studies der endgültige Beweis, dass es den Gender Studies an Wissenschaftlichkeit mangelt. Dabei ist die Studie in Bezug auf die Gender Studies weniger aussagekräftig als viele denken:
Die Autor_innen schrieben über einen längeren Zeitraum 20 Paper, die sie versuchten in hochrangigen Journals zu veröffentlichen. Dies gelang ihnen nur bedingt: insgesamt wurden bis zur Bekanntgabe ihrer Unternehmung 7 Paper angenommen, und dies meist in weniger etablierten bzw. unseriösen ‘pay-to-publish’ Journals (das sind sich wissenschaftlich gerierende Zeitschriften, in denen Wissenschaftler_innen für die Publikation ihrer Texte selber zahlen. So wird Qualitätskontrolle untergraben oder ganz umgangen. Es gibt solche fake oder mindere Journals in so gut wie allen Disziplinen. Für die Physik: https://phys.org/news/2017-03-publish-schemes-rampant-science-journals.html). Dass selbst diese 7 Paper trotz offensichtlicher Mängel veröffentlicht wurden, und zwar in einigen wenigen Fällen in tatsächlich hoch renommierten Zeitschriften der Gender Studies, verdeutlicht durchaus bestehende Probleme im wissenschaftlichen Publikationsbetrieb. Das ist ein ernsthaftes Problem, das auch die Gender Studies betrifft.

Hier noch einmal die Darstellung in der Wikipedia

Sokal Squared (im Englischen auch Grievance Studies affair, deutsch etwa „Sokal[-Affäre] im Quadrat“) bezeichnet eine Kontroverse um Qualitätsstandards in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Drei US-amerikanische Autoren haben von 2017 bis 2018 unter wechselnden Pseudonymen insgesamt 20 Hoax-Artikel bei akademischen Zeitschriften eingereicht,[1] um deren Peer-Review-Praxis zu testen. Die Bezeichnung, zurückgehend auf einen Beitrag von Yascha Mounk,[2][3] hebt ab auf die Sokal-Affäre aus dem Jahr 1996.[4]

Nach Aussage der Urheber – James Lindsay, Peter Boghossian und Helen Pluckrose – entstand ihr Projekt aus Sorge um die Korruption einiger Teile der Wissensproduktion in den Vereinigten Staaten.[5] Die Affäre ist auch unter dem Begriff Grievance Studies (deutsch etwa „Misstand-Studien“) bekannt.[6]

Zum Zeitpunkt des frühzeitigen Bekanntwerdens des Projektes im Oktober 2018 waren von den 20 eingereichten Artikeln vier bereits veröffentlicht und drei weitere zur Veröffentlichung angenommen. Sechs der Artikel wurden zurückgewiesen und sieben weitere waren noch im Review-Prozess.

Da zeigt sich schon einmal, dass in dem Artikel etwas geschummelt wurde. Da steht, dass von 20 Artikeln 7 angenommen worden sind, was richtig ist, aber es steht eben nicht da, dass noch sieben weitere im Review Prozess waren, also möglicherweise noch durchgekommen wären (oder zurückgewiesen worden wären)

Einer der Artikel (Nr. 1 in der Tabelle unten) wurde vom veröffentlichenden Fachblatt wegen seiner exzellenten Qualität besonders geehrt.[7] Dem Projekt vorangegangen war die Veröffentlichung eines Hoax-Artikels mit dem Titel The conceptual penis as a social construct, in dem die Autoren in der Tradition des radikalen Konstruktivismus argumentieren, dass der Penis des Menschen mit einer performativen toxischen Maskulinität gleichzusetzen sei und in enger Verbindung mit dem Klimawandel stehe:

“A change in our discourses in science, technology, policy, economics, society, and various communities is needed to protect marginalized groups, promote the advancement of women, trans, and gender-queer individuals (including non-gendered and gender-skeptical people), and to remedy environmental impacts that follow from climate change driven by capitalist and neocapitalist overreliance on hypermasculine themes and exploitative utilization of fossil fuels.”

„Ein Wandel in unserem Diskurs in den Naturwissenschaften, der Technologie, der Politik, der Wirtschaft, der Gesellschaft sowie in verschiedenen Communities ist notwendig, um marginalisierte Gruppen zu beschützen, das Vorankommen von Frauen, Trans- und Gender-Personen (inkl. sich keinem Geschlecht zugehörig Fühlender und Gender-Skeptikern) voranzubringen, und um den Problemen Abhilfe zu schaffen, die aus dem Klimawandel folgen, der von der kapitalistischen und neo-kapitalistischen Überabhängigkeit hypermännlicher Motive sowie der ausbeutenden Nutzung fossiler Brennstoffe vorangetrieben wird.“
– Jamie Lindsay & Peter Boyle (Pseudonyme)[8]

Die 20 Artikel wurden absichtlich mit haarsträubenden Thesen formuliert, um zu testen, ob eine gewisse Wortwahl und Haltung ausreiche, um in teils führenden Journals (wie Hypatia in den Gender Studies) Artikel platzieren zu können. So behaupteten die Autoren etwa, das Verhalten von Hunden in verschiedenen Hundeparks untersucht und mit der Analyse von 10.000 Hundepenissen angereichert zu haben. Sie seien dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass es dort eine Vergewaltigungskultur (rape culture) gäbe, die einer menschlichen vergleichbar sei, und dass das Verhalten von Männern folglich wie bei einer Hundedressur geändert werden könne und müsse.[4] Andere Artikel behandeln eine feministische Lesart von Hitlers Mein Kampf (Nr. 7) oder behaupten, Männer könnten und sollten durch das anale Einführen von Gegenständen ihre Homo- und Transphobie verringern (Nr. 3).[7] Im Sinne der Transparenz haben die Urheber einen Google-Drive-Ordner freigegeben, auf dem sich eine Selbstbeschreibung ihres Projektes, Pressefotos, die eingereichten Paper sowie die einzelnen Rückmeldungen der Peer Reviews finden.

Und das ist eben auch etwas was zu kurz kommt: Es wurde eben gerade versucht so absurde Studien zu produzieren, dass sie kein normaler Mensch veröffentlichen würde, die aber gleichzeitig die „richtige Botschaft“ hatten, also etwa „Männer böse, Frauen gut“ oder „Rape Culture bestätigt“. Das trotz dieser Absurdität überhaupt von den bisher geprüften 13 Studien 7 durchgekommen sind, also mehr als die Hälfte, sollte den Gender Studies peinlich sein.

Noch peinlicher sollte den Gender Studies sein, dass sie diesen Betrug nicht selbst aufgedeckt haben, sondern ein Twitter Account, der blödsinnige, aber peer reviewte Studien veröffentlicht, davon ein sehr hoher Anteil aus den Gender Studies, die Studien entdeckte und ihnen damit wegen ihrer Absurdität eine hohe Aufmerksamkeit bescherte, bei der auffiel, dass es die Autoren nicht gab.

Allerdings gingen die drei Autor_innen weit über diese sinnvolle Kritik hinaus: Denn der Nachweis schludriger Peer-Review und mangelnder Qualitätskontrolle bei pay-to-publish Journals macht nicht zwangsläufig einer Aussage über die generelle Fachdisziplin, in der die Hoax Paper verordnet wurden und sogar nicht einmal über andere Paper in denselben Journals. Dieser logische Fehlschluss wirft ein Licht auf weitere Schwächen des Studiendesigns.

Ich würde sogar zustimmen, dass damit die Gender Studies nicht „wissenschaftlich widerlegt“ werden können.  Es ist aus meiner Sicht weitaus eher ein Projekt, dass weniger für die Wissenschaft als für die öffentliche Meinung gedacht war und da hatte es natürlich seinen Erfolg.

Theoretisch können auch in einem Wissenschaftsbereich in dem einige unglaublich schlechte Studien veröffentlicht werden, sehr gute Studien vorhanden sein. Und das gerade bei einer These über eine rein soziale Begründung der Geschlechter, die weitaus mehr Raum für Interpretationen und Mutmaßungen bietet.

Die Gender Studies kann man auf anderer Weise wissenschaftlicher angreifen, was ja auch gemacht wird. Aber hier werden sie eben der Lächerlichkeit preisgegeben, was in dem Kampf um die öffentliche Meinung das höhere Gewicht haben kann als etwa eine detailierte Beschreibung der Wirkung pränataler Hormone.

Die ‚Grievance Study‘ folgt selbst nicht den wissenschaftlichen Standards, die sie vorgeblich für unabdingbar hält. Die Unwissenschaftlichkeit der sogenannten ‚Grievance Studies‘ ist mitnichten bewiesen. Dafür basiert das Ganze auf zu viele resultatverzerrende Formen (verschiedene Journaltypen, Peer Review System, Publikationsindustrie). Um zu beweisen, dass es sich hier um ein disziplinspezifisches Problem handelt, hätte es in der Studie selbst eine Kontrollgruppe in anderen Disziplinen geben müssen (so u.a. Richardson hier https://www.buzzfeednews.com/article/virginiahughes/grievance-studies-sokal-hoax).

Welche Disziplin würde sich denn für eine Kontrollgruppe für eine Studie über eine Rape Culture bei Hunden anbieten? Was kommt der Verrücktheit dieses Ansatzes in anderen Disziplinen gleich?

Vielleicht wäre als Disziplin der Bereich der Evolutionsbiologie interessant gewesen, mit irgendeiner verrückten Selektionstheorie, aber das ist ja häufig schwieriger als viele Kritiker meinen.

Ich würde im übrigen einen „Hoax Versuch“ in dem Bereich durch Gender Studies Anhänger voll befürworten. Mal sehen ob was durchkommt, was nur annährend si verrückt ist wie die Hunde Rape Culture.

Man müßte vielleicht mal  Joan Roughgardens Studien  durchschauen, ihren Büchern nach zu urteilen.

Im Übrigen hat es in der Geschichte vieler Disziplinen ähnliche Hoax Paper gegeben: u.a. in der Mathematik, der Physik, Chemie und IT. Überhaupt haben derzeit insbes. die experimentellen Disziplinen mit einer seit Jahren andauernden ‘Replikationskrise’ https://www.nzz.ch/wissenschaft/physik/fallstricke-der-statistik-die-wissenschaft-in-der-replikationskrise-ld.86330) zu kämpfen, d.h. viele Ergebnisse sind nicht reproduzierbar, nicht wenige scheinen geschönt oder gefälscht. Die medienwirksame Anprangerung der vermeintlichen disziplinspezifischen Missstände der ‚Grievance Studie‘ blendet diese Problematiken bewusst aus.

Wie gesagt, ich sehe die Beweiskraft auch nicht als so hoch auf wissenschaftlicher Ebene an.

Abschließend lässt sich sagen, dass wissenschaftliche Kritik gut und nötig ist. Die Aufdeckung von Problemen in der Wissenschaftspraxis sind berechtigt und wichtig und sollten ernsthafte Lösungsansätze zur Folge haben. Auch inhaltliche bzw. Methodenkritik hat ebenso ihren Platz wie die Kritik an ideologisierter Wissenschaft. Studien hingegen deren erklärtes Ziel es ist, eine Disziplin zu delegitimieren sind genau das, was sie vorgeben nicht zu sein: unwissenschaftlich und ideologisch.

Aber immerhin musste man darauf reagieren. Auf genug andere wissenschaftliche Angriffe wird eben nicht reagiert. 

Aber ein netter Spin. Das die Gender Studies auch eigentlich alles, was nicht ihrer Meinung ist, delegitimieren wollen, wird da eher verschwiegen.

Zum Weiterlesen:

https://ethxblog.blogspot.com/2018/10/sokal-on-steroids-why-hoax-papers.html
https://www.pressreader.com/germany/neues-deutschland/20181027/281582356621186
https://slate.com/technology/2018/10/grievance-studies-hoax-not-academic-scandal.html

Ich spare mir eine Besprechung dieser Links, wer etwas interessantes findet: Bitte in den Kommentaren berichten.

 

EM 2021: Deutschland : Frankreich

Die deutsche Mannschaft trifft mit Frankreich direkt auf einen der Favoriten in diesem Turnier und den amtierenden Weltmeister.

Frankreich hat wohl eher die Favoritenrolle, aber man muss ja positiv in ein solches Turnier gehen, also tippe ich mal auf ein 1:0 für Deutschland.

Eure Tipps?

„Die Tochter hat heute die letzten beiden Stunden geschwänzt, weil zwei Jungs aus ihrer Klasse nicht aufgehört haben, ihr auf den Hintern zu hauen. Was würdet ihr machen?“

Ich fand diesen Tweet hier für eine Diskussion interessant:

Noch einmal als Text:

Die Tochter hat heute die letzten beiden Stunden geschwänzt, weil zwei Jungs aus ihrer Klasse nicht aufgehört haben, ihr auf den Hintern zu hauen. Was würdet ihr machen? Erst Eltern ansprechen oder zur Klassenleitung gehen?

Die Tochter und die Jungs sind wohl 16 Jahre alt. Etwas darunter noch in den Kommentaren:

Es geht ihr gut. Inzwischen bagatellisiert sie die Sache selbst. Ich denke aber, ich werde es der KL trotzdem erzählen.

Natürlich wäre ich auch empört, wenn mein Kind (aber bis dahin habe ich ja noch einige Jahre) so behandelt würde und dann auch noch deswegen die Schule schwänzt, weil sie keinen Ausweg weiß oder den Jungs keinen Einhalt gebieten kann.

Aber es wäre noch aus vielen anderen Gründen aus meiner Sicht problematisch (ohne das es auf die Situation, die oben geschildet worden ist so zutreffen muss, es ist ja ein kleiner Ausschnitt einer größeren Geschichte):

Es würde mich die Vorgeschichte interessieren, wie sie zu den Jungs steht, warum sie nicht Schutz bei Freunden gesucht hat, ob sie Hilfe dabei braucht, dass sie deutlicher sagen kann, dass sie das nicht will oder ob die das tatsächlich ignoriert haben etc.

Ich wüßte gerne mehr über die Jungs, würde Fotos sehen wollen und mich würde interessieren, ob es als Spass begonnen hat und dann aus dem Ruder gelaufen ist, warum da gleich zwei Jungs aktiv waren und wie diese in die Klassengemeinschaft eingebunden waren.

Eine Anzeige der Kinder bringt aus meiner Sicht bei nicht absoluter Bösartigkeit beider wenig, ein Gespräch mit den Eltern schon eher, aber dazu muss man auch mit der Tochter erörtern, ob sie das will. Daneben wäre es interessant mit ihr zu besprechen, wer sie schützen kann, bei wem die das noch machen etc. Ich hätte Angst, dass meine Tochter aus irgendeinem Grund zu isoliert ist als das ihre Freundinnen dazwischen gehen und was da insgesamt schiefläuft. Oder hat man tatsächlich Angst vor den Beiden? Aber warum wäre dann gerade Fräulein Schmidt das Opfer?

Ein Klassengefüge, in dem ein Kind isoliert werden kann, ist etwas sehr ungünstiges für dieses Kind. Ich würde mich daher freuen, wenn es eine aus dem Ruder gelaufene Aktion war, bei der irgendwie alles schief gegangen ist und bei der alle Wissen, dass die Jungs es übertrieben haben und es ihnen peinlich ist.
Dann wäre es vielleicht besser nicht noch zusätzlich Öl ins Feuer zu gießen.

Wären sie hingegen Bullys, die meinen, sie könnten sich das herausnehmen, dann würde ich sicherlich erst einmal mit der Klassenlehrerin sprechen, mit den Eltern etc.

Und natürlich müsste ich wahrscheinlich Südländerin davon abhalten in ihrem südländischen Elan die beiden Jungs umzubringen.

 

Der Land-Stadt Unterschied

Bei vielen Wahlen, auch gerade wieder im Osten, zeigt sich der Stadt-Land Unterschied. Der Landbewohner ist eher konservativ, der Stadtbewohner eher weniger konservativ.

Was sind aus eurer Sicht die Gründe?

Eine Vermutung wäre, dass die Stadt schlicht anonymer ist und man damit auch mehr Freiheiten hat, die man leben kann, das Land hingegen eher eine Lage schafft, wo man eher noch einer „Sippenüberwachung“ unterliegt, was andere Werte fördert.

Eine andere wäre eine Selbstselektion von Leuten: Weniger konservative haben in großen Städten schlicht mehr Möglichkeiten und bleiben auch seltener bei Familie etc.

Alice Schwarzer und das „Abtreibungsrecht für Väter“ bzw die „Juristische Abtreibung“

Wie Arne berichtete spricht sich Alice Schwarzer  für ein „Abtreibungsrecht für Väter“ im Sinne einer juristischen Abtreibung aus:

Das Recht auf Abtreibung sei auch heute noch immer nicht gesichert, sagte Schwarzer jetzt dem „Spiegel“. Den Paragrafen 218 bezeichnet sie als ein „Wischiwaschigesetz“.

„Der Kern des Abtreibungsrechts ist leider erhalten geblieben: Das ist die Entmündigung der Frauen“, sagte Schwarzer. Verändert habe sich aber die Rolle der Väter. „Vaterschaft ist neu definiert.“ Zunehmend viele jüngere Väter seien gern verantwortliche Väter.

Schwarzer zeigt sich aber auch offen für die Idee, dass nicht nur Frauen sich gegen eine Schwangerschaft entscheiden können, sondern Männer ebenfalls die Möglichkeit bekommen sollten, die ­rechtliche Verantwortung für ein Kind zurückzuweisen: „Wenn ein Mann, der nicht allein verantwortlich ist für die Schwangerschaft, nicht einsteigen will, sollte er in den ersten drei Monaten die Möglichkeit haben, Ja zu der Vaterschaft zu sagen oder Nein. Innerhalb ­einer engen Frist, sagen wir eine Woche.“

Ein Leserbrief bei Arne sieht das als Trick:

Du meine Güte. Die Leute glauben doch hoffentlich nicht wirklich daran, dass sich Alice Schwarzer (!) plötzlich für die Belange und Rechte von MÄNNERN stark machen würde?!? Das ist doch Realsatire pur. Also ich will ja niemandem die Stimmung kaputtmachen, aber – da ist KEIN JOTA an echtem männerrechtlichem Engagement drin, das ist eine reine Nebelkerze! Es geht ihr einerseits nach wie vor und schon immer einzig und allein um die Abschaffung des Paragraphen 218.

(…)
Der Feminismus sieht somit langsam seine Felle davonschwimmen, da ihn einerseits der Rückhalt in der Bevölkerung verloren gegangen ist und andererseits die Konkurrenz männerrechtlicher Organisationen plötzlich gefährlich zu werden droht. Denn wir wissen, ein Budget kann man nur EINMAL ausgeben! Das bedeutet wenn ich einen Betrag X plötzlich durch zwei teilen muss, kriegt der, der vorher alles bekam, nur noch die Hälfte. Und GENAU DA liegt der Hase im Pfeffer.

Schwarzer wirft hier also eine reine Nebelkerze, damit feministische Organisationen GENAU DARAUF verweisen können: „Seht her, wir WOLLEN ja was für Männer tun, ihr braucht die doofen Männerrechtsorganisationen doch gar nicht, wir machen das schon selbst.“ Oh ja, ganz bestimmt.

Und wenn sie damit Erfolg hat, wird sich genau GAR NICHTS ändern!

Zudem: Was Schwarzer ihren Worten nach von „Gleichberechtigung“ hält, sieht man ja auch am Verhältnis der Rechte, die sie den jungen Vätern (angeblich) überhaupt zugestehen würde: „Wenn ein Mann [..] nicht einsteigen will, sollte er in den ersten drei Monaten die Möglichkeit haben, Ja zu der Vaterschaft zu sagen oder Nein. Innerhalb einer engen Frist, sagen wir eine Woche.“

EINE WOCHE innerhalb der ersten drei Monate! Eine läppische Woche, in der der frischgebackene Vater völlig überfahren und ohnehin mit der Situation überfordert sein dürfte.

Und im Gegenzug möchte sie Paragraph 218 komplett kippen, also faktisch freies Abtreibungsrecht für die Frau bis zur Geburt.

Tatsächlich muss man Alice Schwarzer, die ja eine Beauvoiristin ist, zugute halten, dass sie schon an anderer Stelle, etwa dem Wehrdienst, ebenfalls davon gesprochen hat, dass der nicht einseitig für Männer bestehen dürfe.

Beauvoiristen sind aus meiner Sicht insofern durchaus eher für Gleichberechtigung, weil bei Beauvoir immer wieder anklingt, dass die Frauen eben mehr wie die Männer werden müssen und eben auch den Frauen durchaus vorhalten, dass sie an sich arbeiten müssen. Ein paar Sätze aus dem berühmten „Das anderen Geschlecht:

  • „Ein Fluch, der auf der Frau lastet, besteht darin, daß sie in ihrer Kindheit Frauenhänden überlassen wird.“
  • er schlimmste Fluch, der auf der Frau lastet, dass sie von den Kriegszügen ausgeschlossen ist
  • der Mann das Glück hat, daß man ihn zwingt, die steinigsten, aber sichersten Wege einzuschlagen (Sichersten in HInblick auf Unabhängigkeit)

Beauvoir ist der Auffassung, dass viele Frauen aus Bequemlichkeit in der Unterdrückung verbleiben, denn eigenes Denken bedeutet auch eigene Verantwortung, vor der die Frauen, dann lieber in die Sicherheit von Heim und Herd fliehen. Gleichzeitig vertritt sie, man soll der Frau Verantwortung geben, dann und wird sie sie zu übernehmen wissen

In der Hinsicht ist es durchaus eine Befreiung der Frau, wenn sie nicht mehr auf den Mann bauen kann. Sie muss dann Selbständiger werden (wobei heutige Feministinnen wohl schlicht den Staat an die Stelle der Selbständigkeit setzen würden) und muss eben eher noch abtreiben und der  „Kinderfalle“ entkommen.

Ich glaube insofern nicht, dass sie der Männerbewegung Munition wegnehmen will. Aber für sie ist vielleicht Mutterschaft eher ein Übel, welches die Frauen an sich viel kostet. Die Kosten dafür höher zu machen ist vor dem Hintergrund durchaus interessant.

Siehe auch:

Selbermach Samstag

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema oder für Israel etc gibt es andere Blogs

Zwischen einem Kommentar, der nur einen Link oder einen Tweet ohne Besprechung des dort gesagten enthält, sollten mindestens 5 Kommentare anderer liegen, damit noch eine Diskussion erfolgen kann.

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, auch gerne einen feministischen oder sonst zu hier geäußerten Ansichten kritischen, der ist dazu herzlich eingeladen

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Der Typus des guten Patriarchen, politische Archetypen und die Frage, welchen Baerbock eigentlich verkörpert.

Lucas Schoppe analysiert die Grünen und ihre gegenwärtige Lage mit Baerbock als Kanzlerkandidatin.

Ein erstes Selbstmissverständnis der Grünen, welches er dort ausmacht, ist, dass die Grünen nicht erkennen, dass sie mit einem Mann vom Typus des guten Patriarchen eigentlich bisher die größten Erfolge gehabt haben:

Das erste Selbstmissverständnis der Grünen ist die Vorstellung, die Grünen würden für ein modernes, an Gleichberechtigung und Frauenbefreiung orientiertes Geschlechterbild stehen. Tatsächlich waren sie bei ihrer Klientel immer dann besonders erfolgreich, wenn sie nicht etwa – wie die CDU – eine erfolgreiche Frau als Spitzenkandidatin hatten, sondern wenn ein Mann vom Typus des guten Patriarchen an ihrer Spitze stand.

Der Erfolg der Grünen hängt, mehr als bei jeder anderen Partei, an einem Politiker, der das Bedürfnis nach einem starken Mann mit Charisma und dem Eindruck von Selbstreflexion und Zivilisiertheit bedient. Mit Joschka Fischer waren sie zum ersten Mal in einer Landes- und in einer Bundesregierung – mit Winfried Kretschmann haben sie stabil seit vielen Jahren den ersten Ministerpräsidenten – und mit Robert Habeck konnten die Grünen zum ersten Mal realistisch vom Kanzleramt träumen.

So sehr die Grünen und ihre Klientel auch die Feier der selbstbewussten, eigenständigen modernen Frau für ihr Selbstverständnis benötigen – so hemmungslos verzückt, wie Jana Hensel über Robert Habeck in der Zeit schrieb, hat sich über Baerbock trotz allem Jubel niemand geäußert. Noch Habecks Löcher in den Socken gerieten Hensel irgendwie zu Insignien einer lässigen, selbstbewussten Männlichkeit.

Das finde ich eine interessante Betrachtung und in der Tat kann ein maskuliner Archetyp, der charismatische Rebel, bei den Grünen sicherlich eher entstehen als etwa in der CDU. Da passen Joschka Fischer und Robert Habeck durchaus rein, während Winfried Kretschmann eher ein väterliches Charisma ausstrahlt, aber er ist ja in gewisser Weise auch jemand, der eigentlich vergleichsweise konservativ ist und bei einem Wechsel zu der CDU auch wenig inhaltliche Probleme hätte. Mit Kretschmar feiern die Grünen ihren größten Erfolg mit einem Ministerpräsidenten, gegen den die Autoindustrie vor Ort nichts hat. Im Jahr 2018 veröffentlichte Kretschmann ein Buch unter dem Titel „Worauf wir uns verlassen wollen: Für eine neue Idee des Konservativen.“ So gesehen ist er ein konservativer Rebell innerhalb der Grünen (wobei er in seiner Jugend dem Kommunismus nahestand, was er heute als Fehler ansieht).

Der Rebell verkörpert evolutionär einen wichtigen Schritt, das Neue, dem das Alte weichen muss, der also eine modernere Ordnung einführt. Der väterliche Patriarchat verkörpert jemanden, der für Stabilität steht. Beide sind natürlich auch Elemente gerade innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz insbesondere unter Männern.

Einen Archetyp zu finden, den Baerbock verkörpert, ist da wesentlich schwerer zu finden. Was es für sie vielleicht auch schwerer macht ein Profil für sich aufzubauen. Kurzzeitig schien sie es mit „eine von uns“ versuchen zu wollen, eine, die eine neue Leichtigkeit mit in das Amt bringt und alles irgendwie nicht so ernst nimmt.

Aber aus irgendwelchen Gründen kommt bei ihr häufiger – wie auch in diesem Bild – etwas infantiles durch – die Seifenblasen, die Kobolde, die Einstellung man könne als Bundeskanzlerin auch Prioritäten auf die Familie legen und einfach mal nicht da sein, die Fehler in ihrem Lebenslauf waren „Mist“, die verspätete Meldung von Einkünften ein „blödes Versäumnis“ und auf Nachfrage, ob  das jetzt wirklich alles war, was zu korrigieren war, wirkt sie eher patzig.

Gerhard Schröder gelang es, das „Einer von euch“ wesentlich besser zu besetzen („Hol mir mal ne Flasche Bier“, weil er die Rolle des volksnahen Anführers besetzte, der aber nach wie vor Anführer bleibt und hart arbeitet, aber dabei mit einem Bier in der Hand unter normalen Leuten dennoch gut zurechtkommt. Er musste nie betonen, dass er (Voll-)Jurist ist, weil seine Rolle klar war.

 Baerbock hingegen versuchte einen interessanten Spagat: Die Betonung der „Völkerrechtlerin“, sehr gefährlich, wenn einem dann der Lebenslauf um die Ohren fliegt und der Fachperson (was dann auch nicht zu den Kobolden und den Hähnchen passt) und dem kleinen unbedarften Mädchen, dass gar nicht gedacht hätte, dass man den Lebenslauf kontrollieren wird (gemein!) und das ein Kanzleramt nicht nebenher zu machen ist.

Das sind beides keine so dankbaren Rollen für eine Frau, die Bundeskanzlerin werden will.

Sie hat schon korrigiert mit der Aussage, dass die Kinderbetreuung ihr Mann übernehmen wird. Aber das ist natürlich eine Aussage, die innerhalb der grünen Ideologie andere Probleme mit sich bringt, weil man dort ja eher die Vereinbarkeit von Spitzenjobs mit Familie ins Spiel bringt und die böse patriarchale Arbeitswelt verdammt, die das verhindert. Baerbock muss innerhalb der Grünen insofern eine durchaus schwierige Rolle spielen: Die der Frau, die Kinder und Karriere unter einen Hut bringt, was ja bisher auch ging und sich nicht „patriarchalen Lebenswelten“ unterwirft. Gleichzeitig darf sie nicht so wirken als würde sie das Amt nicht ernst nehmen.

Dagegen ist Habecks Rolle leichter umzusetzen: Der Rebell ist ein Selbstläufer, weil er zum einen alles damit entschuldigen kann, dass er eben ein Rebell ist, selbst Löcher in den Socken und zum anderen der Rebell gleichzeitig hart für seine Rebellion arbeiten kann. Er ist eben ein Anführertyp, etwas was Baerbock nicht verkörpert, was aber in der Tat etwas ist, nach dem sich viele Menschen, gerade auch Grüne, sehnen.

Denn die Themen der Grünen sind ja in dem Gegensatz von Ordnung und Chaos in vielen Bereichen gerade Ordnung: Sie haben in vielen Bereichen einen autoritären Charakter, wollen neue, bessere Regeln vorgeben, wollen Umweltziele einrichten und umsetzen, damit die Welt in Ordnung bleibt, wollen Wohlstand auf der Welt neu verteilen und Diversität herbeiführen etc. Natürlich sehnen sich Leute, die allen anderen ihre Regeln aufdrücken wollen, nach Anführern.

Paradoxerweise ist diese Ordnung aber gerade bei Frauen bei den Grünen nach wie vor mit der Abgabe von Verantwortung verbunden: Frauen sollen Quoten bekommen, damit sie sich nicht dem gleichen Kampf stellen sollen. Sie sollen einfach auf gleiches Gehalt gesetzt werden, auch wenn sie in ganz anderen Bereichen arbeiten, in denen Profite geringer sind, sie sollen beschützt werden und Mütter sein dürfen, am besten vom Staat unterstützt. Lucas führt zu Recht an, dass die dortige Vorstellung von Geschlechterrollen gerade stark davon geprägt ist, dass Männer nicht die gleichen Rechte bekommen wie die Frauen. Baerbocks Darstellung ihrer Selbst scheint mitunter eher daran angelegt zu sein: Ihre Kanzlerschaft ist etwas, was eben geschehen soll, nicht erarbeitet und erkämpft sein soll. Etwas, gegen das es keinen Widerstand geben darf. Das man jetzt so über sie herfällt, dass ist eine Unverschämtheit und eben frauenfeindlich.

Deswegen finde ich auch das oben eingefügte Seifenblasenbild so passend. So sollte glaube ich die Kanzlerschaft errungen werden aus der Sicht vieler Feministinnen: Sie sitzt entspannt im Stuhl, pustet Seifenblasen und wird Kanzlerin. Wer braucht schon eine Entwicklung, wenn er eine Frau ist. Sie überspringt alle Zwischenstationen, wie etwa andere Regierungsämter oder Wahlen auf anderer Ebene als innerhalb der Partei. Wer etwas anderes sagt, wer das zu einfach findet, der ist ein Frauenfeind. Insofern scheint Baerbock auf einen sehr feministischen Archetyp aufgesprungen zu sein. Aber unglücklicherweise für sie scheint der nicht so interessant für den Wähler zu sein.

Europameisterschaft – Eröffnungstagsbeitrag

Heute geht die EM los, auch wenn es bis zu den ersten deutschen Spielen noch etwas hin ist.

Was meint ihr, wird eine passende EM-Stimmung aufkommen? Freut ihr euch auf die Spiele? Welche Chancen rechnet ihr Deutschland dieses Jahr zu?

Ich plane wie bei den letzten EM und WMs auch eigene Artikel zu den deutschen Spielen einzustellen.