Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 5. Dezember 2016

Struktur (Soziologie)

Aus der Wikipedia:

Als Struktur gelten in der Soziologie Größen und gestaltende Kräfte, die zwischen Akteuren vermitteln. Die Struktur wird meist als Grundlage sozialen Handelns verstanden, wobei davon ausgegangen wird, dass sie Kontingenz (Wahlfreiheit beim Handeln) begrenzt oder auflöst und die Ursache für Handlungsmuster und die Verteilung von Macht ist. Die Struktur ist nach Ansicht vieler Soziologen omnipräsent und durchdringt alle sozialen Prozesse. Der Strukturbegriff ist vor allem eine Reaktion der Soziologie auf komplexe Geschehnisse, an denen eine Vielzahl verschiedener Personen mitwirkt und die sich nicht allein anhand der Interaktionen zwischen diesen Personen beschreiben lassen, aber dennoch relativ stabil ablaufen. Die Struktur überbrückt zeitliche und räumliche Distanzen zwischen einzelnen Handlungen und grenzt von vornherein die möglichen Handlungsverläufe ein. Sie ist damit einzelnen Handlungen vorgeordnet, wird aber nach Ansicht der meisten soziologischen Theorien aber gerade über sie reproduziert und konstruiert.

Theoretisch könnte man dann wohl die Biologie des Menschen auch als eine soziologische Struktur verstehen. Es wären Größen und gestaltende Kräfte, die die Wahlfreiheit in gewisser Weise  betreffen, weil sie bestimmte Entscheidungen attraktiver erscheinen lassen. Ich würde jedoch vermuten, dass die Soziologie eher menschlich geschaffene und soziale Strukturen im Auge haben.

Das Problem strukturalistischer Theorien besteht vor allem darin, dass sich die postulierten Strukturen nicht direkt beobachten lassen. Sie lassen sich lediglich anhand beobachtbarer Interaktionen rekonstruieren.

Und hier kommt eben eine große Schwäch soziologischer Theorien zum tragen: Strukturen, die man  nicht beobachten kann, kann man auch schnell falsch einordnen. Das ist insbesondere der Fall, wenn man sich lediglich auf reine Soziologie verlässt und die Biologie ausblendet. Denn dann werden menschliche Strukturen vermutet, wo tatsächlich biologische Strukturen vorhanden sind.

Dabei stellt sich vor allem die Frage, wie Interaktionen und Akteure mit der Struktur verknüpft sind. Viele Theorien haben versucht, auf diese Frage mit dem Konzept der Institution zu reagieren. Institutionen besitzen einen Mischcharakter aus Akteurs- und Struktureigenschaften, was es wiederum erschwert, sie nicht einer der beiden Kategorien zuzuordnen. Die Frage nach Strukturen, Institutionen und Akteuren spiegelt die grundsätzlichen Schwierigkeiten von Makro-, Meso– und Mikrosoziologie wider und zieht sich seit Émile Durkheims Werk Die Regeln der soziologischen Methode durch die Soziologie. Beispiele für Strukturkonzepte sind etwa Durkheims Gesellschaftsbegriff, dieSysteme von Talcott Parsons und Niklas Luhmann oder das soziale FeldPierre Bourdieus.

Man müsste wohl neben Struktur und Institution noch die Biologie und deren Einwirkungen ergänzen. Zumindest als Kontrolle inwieweit es überhaupt eine soziologische Erklärung ist, die die Effekte bewirkt.

In jüngerer Zeit hat der Strukturbegriff vor allem von poststrukturalistischen Soziologien Kritik erfahren, die sich nicht in der Tradition Durkheims sehen. Dazu zählt vor allem die Akteur-Netzwerk-Theorie, die eine soziale Struktur als eigenständige Größe ablehnt. Die Kritik bezieht sich dabei auf dieTranszendenz von Struktur, eine fehlende Möglichkeit zu ihrer Beobachtung sowie die Vernachlässigung vermittelnder Elemente vor Ort – beispielsweise technische Einrichtungen, Topografie oder kommunikative Verknüpfungen –, die es erst nötig mache, die Struktur als erklärende Größe heranzuziehen. Stattdessen schlägt die Akteur-Netzwerk-Theorie vor, soziale Gruppen nicht mehr mit rein menschlichen Versammlungen gleichzusetzen und so das Zustandekommen komplexer Handlungsmuster über zeitliche und räumliche Entfernungen besser nachvollziehen zu können.

Die Akteur-Netzwerk Theorie hat ebenfalls einen Wikipediaeintrag:

Die Akteur-Netzwerk-Theorie wurde zunächst entwickelt, um wissenschaftliche und technische Innovationen zu erforschen und zu erklären. Aber sie hat sich zu einer umfassenden soziologischen Theorie und Forschungsmethode entfaltet.

Die Theorie wurde bekannt, da sie im Gegensatz zu den meisten (nahezu allen) sozialen Theorien das Soziale nicht als das ansieht, was zwischen den Menschen entsteht, sondern die Beteiligung nichtmenschlicher Entitäten hervorhebt. Die Methode kann als „material-semiotisch“ bezeichnet werden. Dies bedeutet, dass sie die Verbindungen aufzeigt, die ebenso materiell (zwischen Dingen) als auch semiotisch (zwischen Konzepten) bestehen. Die Theorie geht davon aus, dass viele Verbindungen sowohl materiell als auch semiotisch sind. Zum Beispiel bezieht der Interaktionsraum einer Universität Studenten, Dozenten sowie deren Ideen ebenso ein wie Technologien, z. B. Stühle, Tische, Tafeln, Laptops und Schreibwaren. Zusammen bilden sie ein einziges Netzwerk namens „Universität“.

Die ANT versucht nun zu erklären, wie materiell-semiotische Netzwerke zusammenkommen, um als Ganzes zu handeln (z. B. ist die Universität sowohl ein Netzwerk als auch ein Akteur, und für manche Zwecke agiert sie als eine einzige Entität). Als einen Teilaspekt hiervon betrachtet die ANT explizite Strategien, die dazu dienen, verschiedene Elemente zusammen in ein Netzwerk zu integrieren, damit sie nach außen hin als ein kohärentes Ganzes erscheinen.

Gemäß der ANT sind solche Akteur-Netzwerke kurzlebig. Sie befinden sich in ständigem Werden und dauernder Wiedererschaffung. Dies bedeutet, dass bestimmte Beziehungen wiederholt vollzogen werden müssen, da sich das Netzwerk ansonsten auflösen würde (in unserem Beispiel müssen die Studenten täglich Lehrveranstaltungen besuchen, die von den Dozenten angeboten werden müssen und die Computer müssen in Gebrauch bleiben etc.). Es wird ebenso vorgeschlagen, dass Beziehungsnetzwerke nicht an sich kohärent seien und tatsächlich Konflikte enthalten können (z. B. könnte ein gespanntes Verhältnis zwischen Studenten und Dozenten bestehen oder auf den Computern Inkompatibilitäten bestehen). Soziale Beziehungen sind mit anderen Worten stets im Wandel und müssen permanent vollzogen werden.

Soziale, technische und natürliche Objekte werden in der Akteur-Netzwerk-Theorie nicht als durch die Gesellschaft zu erklären betrachtet, sondern als die Gesellschaft (mit)erklärend; ihr Einfluss auf die Gesellschaft wird also betrachtet. Wissenschafts- und Technikentwicklung ist demnach weder allein durch natürliche oder technische Faktoren noch allein durch soziale Faktoren verursacht.

Das würde aus meiner Sicht zu der Privilegientheorie passen. Man hat in gewisser Weise „Das Patriarchat“ als Akteur und als Netzwerk (bzw. innerhalb der intersektionalen Theorien die anderen privilegierten Gruppen), und die feministischen bzw. intersektionalen Theorien stellen ebenfalls darauf ab, dass man die „Wiedererschaffung“ behindern muss, eben indem Männer ihre Privilegien hinterfragen und diese nicht weiter praktizieren. „Männlichkeit“ „Weißsein“, „Heteronormativität“ wären insofern zum einen Versammelungen von Leuten und gleichzeitig Institutionen, die beständig durch eine Praxis der Handelnden wieder errichtet werden.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 4. Dezember 2016

„Einer Frau Blumen schenken ist Vergewaltigung (nach bestimmten Uni-Richtlinien)“

http://www2.clarku.edu/offices/cave/pdf/survivorguide.pdf

Dies ist ein Gastartikel von Mark Smith

Die Geschlechterforscherin Franziska Schutzbach hat (mit einem Kollegen zusammen) wieder einmal zugeschlagen. In einem, nennen  wir es einmal einfachheitshalber, Manifest hat sie festgehalten, wie Gewalt gegenüber Frauen beendet werden kann. Leider fehlen jegliche belegbare Fakten, die das Narrativ wissenschaftlich erhärten würden.

Wer ist eigentlich das typische Opfer?

Der Titel des Manifest lautet: “Gewalt gegen Frauen beenden”.

Nun kann man sich gleich fragen: weshalb, wieso und warum soll allein Gewalt gegen Frauen beendet werden? Und nicht auch Gewalt gegen Männer? Gibt es irgendwelche vernünftige Gründe dafür, dass Gewalt gegen Männer nicht beendet werden soll? Gibt es vielleicht Gewalt gegen Frauen um ein Vielfaches häufiger als Gewalt gegenüber Männern? Ist mithin Gewalt gegen Männer ein Luxusproblem oder quasi kaum vorhanden im Vergleich zur Gewalt gegenüber Frauen und es somit gerechtfertigt ist, wenn nur Gewalt gegen Frauen thematisiert wird und beendet werden muss?

Die Autoren schreiben:

„Weltweit erfährt eine von drei Frauen physische oder sexualisierte Gewalt. Warum hört das nicht auf? Entscheidend ist das mangelnde Engagement der Männer.“

Interessant wäre natürlich zu wissen, woher diese Zahl stammt? Eine Quelle wird hierzu leider nicht angegeben. Und man weiß leider überdies nicht, was genau diese Zahl impliziert? Meint sie, dass weltweit 33% der Frauen einmal oder mehrere Male in ihrem gesamten Leben physische oder sexualisierte Gewalt erfahren haben? Aber: wie steht es diesbezüglich mit den Jungen und Männern? Wie häufig werden diese weltweit von Gewalt betroffen?

Einen gewissen Aufschluss über weltweite Gewalt, Unfälle und Verletzungen hinsichtlich der Häufigkeit bei Frauen und Männern gibt der Bericht der WHO aus dem Jahre 2014 (Injuries and violence: the facts 2014) Seite 11:

Auf 100.000 Einwohner gibt es demnach:

bei Mord: 11 Männer  und 3 Frauen als Opfer

bei Krieg: 3 Männer und 0,5 Frauen als Opfer

bei Suizid: 15 Männer und 8 Frauen als Opfer

Auch bei allen anderen Kategorien sind Männer häufiger Opfer als Frauen.

Ist Gewalt gegen Mädchen und Frauen in der Öffentlichkeit kaum ein Thema?

Die Autoren schreiben:

„Gewalt lebt davon, dass sie von Anständigen nicht für möglich gehalten wird, sagte einst Jean-Paul Sartre. Jedes Jahr im November, am internationalen Tag zur Beendigung von Gewalt gegen Frauen, werden wir daran erinnert, dass Gewalt im Leben von Frauen und Mädchen tagein tagaus geschieht. Aber tagein tagaus wird die Gewalt erneut ermöglicht, weil sie von der Öffentlichkeit kaum beachtet, weil sie von vielen nicht für möglich gehalten wird.“

Woher wissen die Autoren, dass Gewalt davon lebt, dass die Anständigen Gewalt an Mädchen und Frauen nicht für möglich halten? Gibt es hierzu empirisch repräsentative wissenschaftliche Untersuchungen, die exakt das festgestellt haben? Oder ist das einfach ein „gefühlter Eindruck“ der Autoren? Und wird Gewalt an Mädchen und Frauen in der Öffentlichkeit tatsächlich kaum beachtet? Gibt es auch hierzu wiederum empirisch repräsentative wissenschaftliche Untersuchungen oder ist dies erneut der „gefühlte Eindruck“ der Autoren? Gibt es beispielsweise auch einen Aufschrei im Internet gegenüber Gewalt gegen Jungen und Männer? Welche Problematik wird vermutlich häufiger in der Öffentlichkeit und insbesondere in den Medien bzw. Leitmedien diskutiert: Gewalt gegen Jungen und Männer oder Gewalt gegen Mädchen und Frauen? Ich würde behaupten, dass Gewalt gegenüber Mädchen und Frauen um ein Vielfaches mehr in der Öffentlichkeit thematisiert wird als Gewalt gegenüber Männern. Die Öffentlichkeit ist somit um ein Vielfaches sensibilisierter für Gewalt gegen Mädchen und Frauen als gegenüber Jungen und Männer.

Sexuelle Gewalt gegen Frauen und Männer – neue Studien belegen kaum Unterschiede

Die Autoren schreiben:

„In der Schweiz werden pro Tag 17 Sexualdelikte gemeldet. Laut dem Triemlispital Zürich werden 39,4 Prozent, also zwei von fünf Frauen in der Schweiz mindestens einmal in ihrem Leben Opfer körperlicher oder sexualisierter Gewalt. Ebenso häufig erleiden sie unerwünschte Annäherungen. 5,6 Prozent der Frauen werden mindestens einmal in ihrem Leben vergewaltigt und 6,8 Prozent haben eine versuchte Vergewaltigung erlebt. Die Zahlen besagen außerdem, dass Gewalt gegen Frauen in allen Milieus und Altersgruppen vorkommt, auch gibt es keine signifikanten Unterschiede in Bezug auf Nationalität, Bildung und Einkommen.“

Interessant ist hier u.a. die angegebene Quelle. Weshalb man sich hier bei den Zahlen auf das Triemli-Spital abstützt, ist nicht ohne Weiteres nachvollziehbar. Hat das Triemli-Spital langjährige repräsentative empirische Studien durchgeführt oder weshalb weiß dies das Triemli-Spital so ganz genau?

Ebenfalls interessant wäre ein Vergleich von Männern und Frauen bezüglich Erfahrungen mit sexueller Gewalt. Stephan Schleim hat vor noch nicht allzu langer Zeit auf Telepolis neuste Studien diesbezüglich referiert: Er kommt dabei zu folgendem Fazit:

“Medien und Politik zeichnen ein einseitiges wie eindeutiges Bild: Opfer sexueller Gewalt sind vor allem Frauen. Männer werden in der Regel als Täter dargestellt. Neue Studien widerlegen dieses Bild deutlich. Bei Untersuchungen in Chile und der Türkei gab es kaum Unterschiede bei den Opfererfahrungen zwischen den Geschlechtern. Im europäischen Vergleich zeigten sich 32% der Frauen und 27% der Männer betroffen von sexueller Gewalt. Es ist höchste Zeit, dass Medien und Politik ihr falsches Bild korrigieren.”

Auch bei häuslicher Gewalt kommen viele wissenschaftliche Studien zu einem anderen Ergebnis, als der Mythos der besagt, dass Frauen quasi durchgehend Opfer und Männer Täter sind:

Archer, John (2013). Can Evolutionary Principles Explain Patterns of Family Violence? Psychological Bulletin 139: 403-440.

Archer, John (2002). Sex Differences in Physically Aggressive Acts Between Heterosexual Partners: A Meta-Analytic Review. Aggression and Violent Behavior 7: 313-351.

Archer, John (2000). Sex Differences in Aggression Between Heterosexual Partners: A Meta-Analytic Review. Psychological Bulletin 126: 651-680.

Lieber keine weiteren Studien bemühen: ein frei erfundenes Narrativ ist nachhaltiger

Die Autoren schreiben:

“Aber warum Studien bemühen? Ist es, entgegen Sartres These, nicht so, dass wir all das ganz genau wissen? Gerade Männer? Gerade auch die anständigen?Hand aufs Herz: Die Aussagen von Donald Trump zur Verfügbarkeit von Frauen haben uns Männer nicht wirklich überrascht. Denn wir sind bis heute — auch wenn wir das ungern zugeben — geprägt von einer Kultur der Umkleidekabinen, Saufabende, Chefetagen und Geschäftsreisen, die dem Trump-Habitus vielleicht in der Primitivität nachsteht, die aber im Kern genau das immer wieder zelebriert: Frauen als Trophäen, als Schmuckstücke oder als Bestätigung der eigenen Potenz zu sehen. Frauen kommen in dieser Männlichkeitskultur nicht wirklich vor, nicht als Subjekte. Frauen sind der Spiegel, in dem Männer sich selbst betrachten, der ihre Großartigkeit zurückwerfen soll.“

 

Man beachte übrigens die Redewendung “Hand aufs Herz”: Diese soll offenbar suggerieren: wer nicht gleicher Meinung ist wie wir, der lügt.

Nun könnte ich mir vorstellen, dass es diese Männlichkeitskultur gibt, aber wie repräsentativ ist diese für alle Männer? Auch hier wieder die Frage: Gibt es diesbezüglich empirisch repräsentativ wissenschaftliche Studien, die genau das festgestellt haben oder ist das einfach erneut der „gefühlter Eindruck“ der Autoren? Könnte es nicht sein, dass sich die Population der Männer doch viel differenzierter darstellt, als dies die Autoren schlicht aus dem „gefühlten Bauch“ heraus behaupten? Ich habe in meinem Berufsleben und in meinem Kollegenkreis keine solchen Männer kennengelernt, was natürlich nicht heißt, dass es derartige Männer nicht gibt, aber hier wird m.E. ein Popanz aufgebaut, der suggerieren möchte, dass quasi alle oder zumindest der größte Teil der Männer so sind und die Frauen nur als Objekt sehen oder dazu brauchen, um sich ihrer Großartigkeit zu bestätigen. Das ist m.E. ein ziemlich undifferenziertes Bild, das hier über die Männer gezeichnet wird.

Nichts ist gefährlicher als ein Mann,  der seine patriarchalen Sicherheit verloren hat

Die Autoren schreiben:

„Der Mythos von der männlichen Überlegenheit ist so nachhaltig, dass er auch dann wirksam ist, wenn Männer sich in Wirklichkeit schwach, ängstlich und überfordert fühlen. Der Mythos ist so stark, dass sein Misslingen aggressiv beantwortet werden muss. Es gibt vermutlich kaum etwas Gefährlicheres als Männer, die ihre patriarchale Sicherheit verloren haben.“

Sodann stellen sich hier wieder einige Fragen: Wer genau zelebriert diesen Mythos? Auf welche Art und Weise stellen die Autoren fest, dass dieser Mythos, sollte es ihn überhaupt geben, so nachhaltig ist? Und wie haben sie festgestellt, dass dieser Mythos, falls es ihn gibt, auch bei Männern und Jungen wirksam ist, wenn sie sich schwach, ängstlich und überfordert fühlen? Und wie kommen sie auf die Idee, dass dann die Männer in der Mehrheit mit Aggression darauf reagieren? Und was ist genau eine „patriarchale Sicherheit“? Also, wie würden sie dieses Konstrukt definieren und operationalisieren, sodass alle Menschen sofort erkennen können, dass es sich um eine „patriarchale Sicherheit“ handelt? Und wie kommen die Autoren auf die Aussage, dass es wohl nichts Gefährlicheres gibt als solche Männer? Gibt es hierzu repräsentativ empirische wissenschaftliche Studien oder ist das wiederum einfach der „gefühlte Eindruck“ der Autoren. Was ist eigentlich mit der weiblichen Aggressivität, was für ein Mechanismus spielt sich denn dort ab? Was ist, wenn Frauen Täterinnen werden, insbesondere wenn es um häusliche Gewalt gegenüber Männern geht? Freilich auch gegen Kinder oder alte Menschen etc.?

Gibt es eigentlich eine Versicherungsbetrugskultur bzw. eine Fahrraddiebstahlkultur?

Die Autoren schreiben:

“Machen wir uns nichts vor: Vom Ideal der männlichen Überlegenheit zur Vergewaltigung ist es ein kleiner Schritt. Man muss selbst kein Vergewaltiger oder Schläger sein, um Gewalt gegen Frauen zu ermöglichen. Nicht erst der bekennende Faschist ist Ausdruck von faschistischen Tendenzen in einer Gesellschaft. Die sind lange vorher da. Genauso verhält es sich mit der sexualisierten Gewalt: Nicht erst der Vergewaltiger ist das Problem. Er ist die Spitze des Eisbergs, die es nur vor dem Hintergrund einer latent Frauen verachtenden Kultur geben kann.”

Machen wir uns auch nichts vor: Das Ideal der allgegenwärtigen männlichen Überlegenheit wird von den Autoren schlicht mal propagiert bzw. behauptet, ohne dies mit irgendwelchen empirischen Fakten (empirische, repräsentative wissenschaftliche Studien, die genau zu dem Ergebnis kommen, was die Autoren hier behaupten) zu belegen. Das Ideal der männlichen Überlegenheit (was einfach mal behauptet wird, dass dies allgegenwärtig ist), führt demzufolge unmittelbar und kausal zu einer Vergewaltigung. Und für diese These gibt es wiederum empirische repräsentative Studien, die genau das festgestellt haben oder handelt es sich wiederum einfach um einen „gefühlter Eindruck“ der Autoren? Die Autoren sind weiterhin der Auffassung, dass man selbst keine Vergewaltigung oder Schlägerei begangen haben muss, man ist trotzdem gleichsam – und zwar schon längst –  Mit-Täter. Da stellt sich dann die Frage, weshalb nicht sofort alle Männer vor Gericht gestellt werden, wenn ein Mann eine Frau vergewaltigt? Das wäre ja letztlich die logische Konsequenz. Demzufolge müsste man die Autoren flugs für alle Autounfälle, alle Morde, alle Körperverletzungen, alle Diebstähle, alle Verleumdungen, alle Drohungen, alle Betrügereien und sonstigen strafrechtlich relevanten Delikte, die in einer Gesellschaft passieren, verantwortlich machen, weil sie offenbar desgleichen dafür verantwortlich sind, dass es eine latente Kultur gibt, die Diebstähle, Verleumdungen, Beschimpfungen, Einbrüche, Körperverletzungen, Morde, Hehlereien, Betrügereien etc. ermöglicht.

Desweiteren stellt sich dann die Frage, weshalb im öffentlichen Raum die Opfer von Gewalt mehrheitlich Männer sind und die Täter ebenfalls Männer?  Die Männer verachten also offenbar nicht nur die Frauen, sondern sie verachten auch noch flugs die Männer: Es gibt demzufolge nicht nur eine latente Kultur der Frauenverachtung, sondern desgleichen eine latente Kultur der Männerverachtung, Und man müsste sich dann die Frage stellen, weshalb im häuslichen Bereich die Frauen, wenn man viele internationale Studien zur Kenntnis nimmt, ebenso häufig Gewalt anwenden wie Männer. Da muss es offenbar obendrein eine gewaltige latente kulturelle Männerverachtung von Frauen geben, wenn sie selbst so häufig gewalttätig gegenüber Männer werden. Und unverkennbar gibt es überdies eine latente Kultur der Kinderverachtung von Frauen, wenn sie Kinder schlagen. Was für eine latente kulturelle Verachtung liegt eigentlich vor, wenn sich zwei Lesben oder zwei Schwule Gewalt antun? Und wenn sich Kinder gegenseitig schlagen?

Männer schweigen trotzig und verhindern Debatten

Die Autoren schreiben:

„Unser trotziges Schweigen über all das hat in den letzten Jahrzehnten jegliche Grundsatzdebatte zum Geschlechterverhältnis verhindert. Frauen, die versuchten, solche Debatten anzuregen, wurden abgetan, stumm gemacht, verschrien.“

Die Männer haben sonach trotzig geschwiegen, wenn es um Gewalt gegenüber Mädchen und Frauen ging? Wie steht es jedoch mit den Männern, wenn Jungen und Männer Opfer von Gewalt wurden? Und wie steht es mit den Frauen, wenn es um Jungen und Männer geht, die Opfer von Gewalt wurden? Wie steht es mit den Feministinnen, wenn es um Jungen und Männer geht, die Opfer von Gewalt werden? Könnte es nicht sein, dass gerade Feministinnen vielfach nichts davon wissen wollen, wenn es um Opfer von Gewalt gegen Jungen und Männer geht? Machen Feministinnen darauf aufmerksam, dass gerade Frauen auch Täterinnen sind u.a. bei Gewalt im häuslichen Bereich? Ich würde einmal die Behauptung aufstellen, dass gerade die Feministinnen vielfach überhaupt nichts davon wissen wollen, wenn es um Frauen als Täterinnen und Männer als Opfer geht.

Männer sind für das gesamte Elend der Welt Schuld und Frauen natürlich immer nur Opfer

Die Autoren schreiben:

„Und so setzt sich die Gewalt fort, während die meisten Männer sich zurücklehnen und dabei zusehen, wie im Schweizer Parlament aktuell über Kürzungen beim eidgenössischen Gleichstellungsbüro verhandelt wird. Die von SVP und FDP geforderten Streichungen sind ein verheerendes Signal, sie widersprechen allem, was angesichts der Gewalt an Frauen eigentlich getan werden müsste.“

 

Nun, die Männer sind quasi am gesamten Elend der Welt schuld. Sie sind schuld, wenn Frauen Gewalt erleiden, sie sind aber auch schuld für eine latente Gewaltkultur und sie sind ebenfalls schuld, wenn in der Legislative Leute sitzen, die Kürzungen beim Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann befürworten. Wer hindert eigentlich die Frauen daran, bei Wahlen nur Frauen zu wählen und alle Männer von der Liste zu streichen, sodass dann eben keine Mittel gestrichen werden? Was genau wird eigentlich gegen die Gewalt gegenüber Jungen und Männern vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann getan? Gibt es da Kampagnen, Präventionsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit etc.?

Internationale Politik engagiert sich gegen Gewalt gegenüber Frauen. Und wo bleiben die Männer?

Die Autoren schreiben:

„Und wir wissen, was getan werden müsste. Vor über 20 Jahren versammelten sich in Peking 189 Regierungen und versprachen, gegen Gewalt an Frauen vorzugehen. Ausgearbeitet wurden Schlüsselstrategien für Regierungen, Zivilgesellschaft und den privaten Sektor. 2011 erstellte die Frauenrechtskommission der Vereinten Nationen ein weiteres detailliertes Programm und formulierte die zentralen Maßnahmen: Eine breitflächige Präventionsarbeit, die sich mit den Ursachen der geschlechterspezifischen Gewalt und dem niedrigeren Status von Frauen in allen Bereichen des Lebens befasst. Ferner die Bereitstellung von Hotlines, Rechtsberatung, Zugang zur Justiz, psychologische Beratung, Frauenhäuser, polizeilicher Schutz und Gesundheitsdienste, die ohne Hindernisse bereitstehen. Weiter brauche es die nachhaltige Unterstützung von Frauenorganisationen, die Sammlung von Daten, wissenschaftliche Analysen und nicht zuletzt eine kontinuierliche und sachliche Berichterstattung durch die Medien.“

 

Wir haben gesehen: Männer sind weltweit, nach WHO, vermehrt von Verletzungen, Unfällen und Gewalt betroffen als Frauen; insbesondere auch bei Mord, Selbstmord und Krieg, aber auch bei allen anderen Kategorien. Wir haben gesehen, dass z.B. in Deutschland, wenn es um schwere Delikte geht (Mord, Raub, Totschlag, schwere Körperverletzung), Männer 1,5-mal häufiger betroffen sind als Frauen. Wir haben gesehen, dass bei sexueller Gewalt, wenn neuste Studien einbezogen werden, es kaum Unterschiede gibt zwischen Männern und Frauen. Wir wissen, dass es gemäß wissenschaftlichen Studien auch bei häuslicher Gewalt kaum Unterschiede zwischen Frauen und Männern gibt.

Haben in Peking auch 189 Regierungen versprochen, gegen Gewalt gegen Männer und Jungen vorzugehen? Insbesondere bei Mord, Krieg und Selbstmord, bei denen die Männer häufiger Opfer sind als Frauen? Wurden demnach auch Schlüsselstrategien für Regierungen und Zivilgesellschaft ausgearbeitet? Mithin Hotlines, breitflächige Präventionsarbeit, Rechtsberatung, psychologische Beratung, Männerhäuser, polizeilicher Schutz und Gesundheitsdienste, Unterstützung von Männerorganisationen, wissenschaftliche Analysen und sachliche Berichterstattung in den Medien?

Nicht?! Warum nicht?

Mangelndes Engagement von Frauen, Männern und Feministinnen gegen Gewalt gegenüber Männer und Frauen

Die Autoren schreiben:

“Seit Peking haben viele Länder die gesetzliche Situation verbessert und Gewalt gegen Frauen verboten. Das Versprechen, die Gewalt tatsächlich zu beenden, wurde jedoch nicht eingelöst. Ein Grund dafür ist — gemäß UN-Kommission — das mangelnde Engagement der Männer. Es brauche viel mehr Männer, die sich gegen Gewalt an Frauen einsetzen, männliche „Anführer“, auch traditionelle und religiöse, müssten den Weg weisen und sich an ihre Geschlechtsgenossen wenden.

Gewalt an Frauen zu beenden ist keine Neben-Aufgabe. Sie ist der Kern einer freien Gesellschaft. Gemäß der Hegel’schen ,Herr-Knecht-Dialektik‘ kann niemand frei sein, solange auch nur eine Person in Ketten liegt. Vor allem Männer müssen das endlich begreifen.”

Das Versprechen, Gewalt gegen Frauen zu beenden, wurde also nicht eingelöst. Haben die Autoren das Gefühl, dass es irgend einmal keine Morde, keine Diebstähle, keine Verleumdungen, keine Körperverletzungen, keine häusliche Gewalt, keine Vergewaltigungen, keine Kriege, keine Beschimpfungen etc. mehr geben wird? Man muss schon äußerst naiv sein, wenn man denkt, man könne sozusagen alles Übel in der Welt lückenlos unter Kontrolle halten bzw. ausmerzen. Selbstverständlich wäre es wunderbar, wenn es einmal eine solche Welt geben würde, aber dass sich das jemals restlos realisieren ließe, dürfte nun wirklich gänzlich utopisch sein.

Nun, wenn sich Männer doch verstärkt gegen Gewalt gegenüber Frauen einsetzen sollten, dann sollten sie sich gleichzeitig auch gegenüber Gewalt gegen Jungen und Männer einsetzen und noch viel besser ist es, wenn sich auch Frauen und Feministinnen gegen Gewalt an Jungen und Männer einsetzen würden. Selbstverständlich ist auch Gewalt gegenüber Jungen und Männern keine Neben-Aufgabe und umso mehr Frauen, Männer und Feministinnen das endlich begreifen, um so weniger werden auch Jungen und Männer Opfer von Gewalt sein.

Fazit:

Es wurde deutlich, dass Männer weltweit, was Gewalt (u.a. Krieg, Mord), Verletzungen (u.a. Selbstmord) und Unfälle betrifft, in allen Kategorien häufiger Opfer werden als Frauen. Es wurde außerdem deutlich, dass z.B. in Deutschland Männer bei schweren Gewaltdelikten (Mord, Totschlag, Raub und schwerer Körperverletzung) häufiger Opfer werden als Frauen. Neuere Studien weisen des Weiteren daraufhin, dass bei sexueller Gewalt kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern bezüglich der Opfererfahrungen auszumachen ist; das Gleiche gilt für die häusliche Gewalt.

Es wurde überdies deutlich, dass sich die internationale und nationale Politik und Zivilgesellschaft kaum für männliche Gewaltopfer interessiert. Wenn sich Politik und Zivilgesellschaft national wie international für Gewaltopfer interessieren, dann betrifft dies überwiegend das weibliche Geschlecht.

Das Narrativ der Autoren ist infolgedessen äußerst eindimensional gestrickt – es lautet wie folgt:

  • Frauen sind Opfer von Gewalt;
  • Männer als Opfer von Gewalt werden nicht thematisiert;
  • Frauen als Täterinnen von Gewalt werden nicht thematisiert;
  • Männer sind in mehrfacher Hinsicht Täter, in dem sie
  • Gewalt gegenüber Frauen ausführen;
  • Frauen verachten und sie nur als Objekte betrachten;
    • eine latente Kultur der Frauenverachtung aufrechterhalten und dies quasi die Vergewaltigungen fördert, auch wenn sie nicht eine Frau vergewaltigen;
  • sich viel zu wenig gegen Frauengewalt engagieren.

Gibt es für dieses Narrativ nun harte belegbare Fakte, also repräsentativ empirisch wissenschaftliche Studien, die genau das festgestellt haben, was die Autoren uns erzählen? Leider Fehlanzeige. Das Narrativ ist und bleibt ein frei erfundenes Narrativ. Narrativ im Sinne eines Märchens, wie das vom bösen, bösen Wolf und den sieben unschuldigen Geißlein.

 

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 3. Dezember 2016

Selbermach Samstag 215 (03.12.2016)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 3. Dezember 2016

Die Oppression Olympics im intersektionalen Feminismus

Aus einem Blog über den intersektionalen Feminismus bzw einem innerfeministischen Meinungsstreit:

In netzfeministischen Kreisen bin ich nicht gesellschaftsfähig. Ich eigne mich nicht zur SJW. Ich habe es ernsthaft versucht, aber es ging mir dabei wie mit dem Rauchen: ich krieg’s einfach nicht hin. Bei der Mädchenmannschaft hat man mich deshalb mit Fug und Recht aus dem Kommentariat weggebissen.

Das Kommentariat auf Rebellmarkt und auch eine Diskussion von zwei Netzfeministinnen* über die Hierarchie von Opfern gesellschaftlicher Unterdrückung (die ich zufällig mitbekam) haben mich an unangenehme Zeiten erinnert. Zeiten, in denen ich einmal einer schwarzen, dicken, lesbischen, behinderten** Frau entnervt schrieb: „Wenn Du jetzt auch noch jüdisch wärest, hättest Du die Oppression-Olympics endlich gewonnen.“

Das ist in der Tat eine der unangenehmen Nebenfolgen der intersektionalen Theorien: Die Person mit den  zahlreichsten Mitgliedschaften in diversen Gruppen, die als Unterdrückt anzusehen sind, kann immer anführen, dass ein besonderer bei ihr vorliegender Aspekt noch nicht hinreichend berücksichtigt ist und man ihr daher nicht widersprechen sollte. Intersektionaler Feminismus lädt zur internen Unterdrückungsolympiade ein und dazu alle anderen abzuwerten, weil sie in deren Kategorien entweder Angehörige einer unterdrückten Gruppe oder eben Unterdrücker bzw Privilegierte sind.

Ich bin nicht stolz auf diesen Satz, aber ich stehe dazu, denn manchmal gehört auf einen groben Klotz auch ein grober Keil. Dieser grobe Klotz, eine hochbegabte und -intelligente Person nutzte (nutzt?) ihr Talent und ihre Kenntnisse in erster Linie, um andere Feministinnen niederzumachen. Bitte sehr, das darf sie tun. Selbst eine Reichweite von 2000 regelmäßigen Blogfollowern ist nichts, vergleicht man sie mit der Anzahl der Einwohner_innen dieses Landes. Sie mag der Hecht im Karpfenteich sein, aber der Karpfenteich ist nicht das Meer. Nur fürchte ich, sie weiß das nicht.

Das ist auch eine interessante Beschreibung der eigenen Welt innerhalb der viele SJWs stecken und in der dann eigene Gesetze gelten. Innerhalb derer ziehen ihre Hinweise auf Privilegien, darauf, dass man als Nichtprivilegierter Definitionsmacht etc haben soll. Aber so groß diese Blase auch ist: Sie endet schnell an der realen Welt. In dieser kennt kaum jemand die Privilegientheorien. Dennoch scheinen sie den SJW die Welt zu sein. Aus der gleichen Blase entstand vielleicht auch das Unverständnis für Trumpwähler: Das Leuten Arbeitsplätze evtl sogar ihrer Männer wichtiger sind als abstrakte sexuelle Belästigungen oder die Positionen von Lena Dunham muss dort unverständlich sein.

Die Eindrücke der letzten Zeit lassen mich vermuten, dass intersektioneller Feminismus nicht immer und überall möglich ist. Es gibt Belange, da haben unterschiedliche Gruppen mit Recht unterschiedliche Interessen. Verhandeln, Toleranz, Solidarität und gegenseitige Rücksichtnahme wären Dinge, die ich in solchen Momenten gerne sähe. Statt dessen erinnern mich manche Diskutant_innen an Kleinkinder, die sich brüllend auf den Teppich werfen und mit den Beinen strampeln, weil Mama ihnen den zusätzlichen Lutscher nicht geben will.

Der Vergleich mit Kleinkindern, die heulend und strampelnd mehr fordern kommt bei SJWs sehr häufig. Und er liegt aus meiner Sicht auch nahe. Denn so simple Punkte wie das Einsetzen für eigene Interessen und nicht das orientieren an einer festen Einteilung in Opfer und Unterdrücker erscheint da bereits als Verrat an der Sache.

Ich bin eine Praktikerin. (Deshalb habe ich übrigens seinerzeit auch Angewandte Sprachwissenschaft studiert, und nicht vergleichende***.) Ich sehe Dinge, die nicht gut laufen, ich schaue, ob ich helfen kann, ich packe an oder auch nicht. Der theoretische Überbau  ist wichtig, aber in dem Moment, in dem die Theorie so völlig den Bezug zur Praxis und sogar zur gesellschaftlichen Realität verliert, verflüchtigt sich mein Enthusiasmus.

Das ist für eine Feministin, die in dem Theoriebau fest verankert ist und dort Virtue Signalling betreibt wahrscheinlich unvorstellbar. Die Nachteile eines Verstoßes gegen die Glaubenssätze der Theorie sind für sie als Mitglieder einer ideologischen Sekte eben wichtiger als die Lösung tatsächlicher Probleme

Aufgabe jeder gesellschaftsbezogenen Wissenschaft ist es meiner Meinung nach, ihre Forschungsergebnisse so zugänglich zu machen, dass nicht nur ein paar Professor_innen einen (finanziellen) Nutzen davon haben. Tut sie das nicht, lässt sie die Basis, die sie ja gleichzeitig für ihre Forschung nutzt, am langen Arm verhungern. Andererseits braucht die Basis den wissenschaftlichen Überbau, um daran die eigenen Aktionen zu überprüfen. Das kann aber nicht funktionieren, wenn man vom Elfenbeinturm aus die Graswurzeln mit dem Flammenwerfer bearbeitet, sobald sie sich nicht theoriekonform verhalten.

Auch hier wieder: Forschung und Ideologie vertragen sich eben nicht. Forschung erfordert, dass man Theorien überprüft und zur Not verwirft, Ideologie verlangt, dass man entgegenstehende Fakten einfach ausblendet.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 2. Dezember 2016

„Verdammte Schei*e“

Geh zum Fernsehen haben sie gesagt, denn für ‘ne Frau bist du echt komisch,
doch seit meinem ersten Tag läuft es hier irgendwie nicht so harmonisch
Als ich hier anfing war ich noch schlank, doch jetzt esse ich aus Frust,
80 Euro Snackbär-Schulden und das nur seit August.

Ich werde immer übersehen auch wenn ich am besten schreibe
und will ich Mittagessen gehen, geh ich meistens doch alleine.
Würd so gern zeigen, dass mehr in mir steckt als nur Gebäck
doch will ich mal was größeres machen, drehen sich plötzlich alle weg.

Ich fühlte mich schlecht in meiner Haut und habe lang genug geglaubt
es liegt wohl an meinem Bauch
doch dann hat sie sich umgeschaut (Chor)

Ich hab eine Scheide
Es liegt an meiner Scheide
Es ist egal wie viel ich leide
Schuld ist meine Scheide

Hab lange überlegt, ob ich mich an der Uni für Maschinenbau einschreibe
man sagte mir, Ihr NC ist zwar ganz gut, doch Sie haben leider eine Scheide
ich würd so gern ins Stadion mitten in den Ultra-Block
doch ich komm nicht rein, dank meiner Scheide unterm Rock
Ich habe richtig Bock auf Boxen und auf Wrestling
Der Türsteher sagt “Nein, du hast eine Scheide Schätzchen!”
Und mein größter Traum ist endlich eine eigene Show in der Glotze
doch das ist leider unmöglich denn ich habe eine empfindliche Mischhaut

Ladys seid ihr bereit
Denn es ist an der Zeit
diese Ungerechtigkeit der ganzen Welt zu zeigen und wenn ihr mit mir seid
dann schwingt jetzt eure Scheiden

Wir haben eine Scheide
Schuld ist unsere Scheide
Es ist egal wie viel wir leiden
Wir haben nunmal Scheiden

Was ist so schlecht an mir? -EINE SCHEIDE!
Was mache ich falsch? -EINE SCHEIDE!
Warum werde ich schlecht so bezahlt? -EINE SCHEIDE
Worüber wurd noch nie ein Witz gemacht?-EINE SCHEIDE
Wovor haben die alten weißen Männer im Fernsehen Angst?- EINE SCHEIDE Wer hat den dritten Teil von Bridget Jones geschrieben? -EINE SCHEIDE Wer hat John F Kennedy erschossen? -EINE SCHEIDE!
Und wer hat an der Uhr gedreht? -EINE SCHEIDE!
Was reimt sich auf eine Weide? -EINE SCHEIDE
Wer hat das Gras weggeraucht?-EINE SCHEIDE
Wer hat dem Maulwurf auf den Kopf gemacht?- EINE SCHEIDE
Unsere Erde ist- EINE SCHEIDE

Oh Oh Oh Oh, all the single Scheiden.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 2. Dezember 2016

„Frauen haben ein Recht auf Widersprüchlichkeit“

Teardown schreibt in einem Kommentar

Der typisch weiblich dominierte double bind als Diskursstrategie. Kennt im Kleinen jeder Mann, denn wie Frauen selbst sagen, sie haben ein Recht auf Widersprüchlichkeit. Da kannst du als Mann nur verlieren.

Und das zieht sich durch alle Lebensabschnitte. Ich finde es interessant, dass man den Ausfluss dieser Double binds überall sehen kann.

Gestern war bei ZOn Thema, dass Frauen lieber unter männlichen Vorgesetzten arbeiten. Ein Kommentator aus dem coaching schrieb: „Frauen finden es deshalb gut, weil männliche Chefs klare und verlässliche Ansagen machen.“ Das ist nichts anderes, als das Frauen wissen wie böse diese double binds sind.

Ich würde eher sagen, dass viele Frauen eher meinen, dass sie ein Recht darauf haben, sich so zu verhalten, wie sie sich gerade fühlen und dass das dann eben nicht immer konsequent sein muss, wenn man das sachlich sieht. Ich würde es auch nicht als überlegte Diskursstrategie sehen und schon gar nicht als immer wieder und absolut auftretendes Merkmal.

Allerdings habe ich den Satz „ich bin eine Frau, ich darf das“ in Bezug auf gewisse „“Widersprüchlichkeiten“ auch schon gehört. Nicht absolut als Recht, eher dann als scherzhafte Bemerkung. Oder eben auch in wütender Form bei einem Streit, wo die Widersprüchlichkeit schlicht damit weggewischt wurde, dass das doch ganz egal sei, sie würde es eben so sehen. Chefinnen haben sich das bisher allerdings nicht herausgenommen. Sie waren ebenso sachlich wie Männer und haben verlässliche Aussagen gemacht. Ich erlebe auch sonst Frauen im Berufsleben als üblicherweise objektiv.

Sind eurer Meinung nach Frauen widersprüchlicher als Männer oder sind Männer in anderen Bereichen widersprüchlicher und es fällt Männer bei sich selbst vielleicht weniger auf? Oder ist es eben einfach nur ein Vorurteil, welches gar nicht zutrifft?

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 1. Dezember 2016

Väter: Teilzeit schadet der Karriere, Elternzeit nicht?

Ein Artikel im Spiegel beleuchtet, inwiefern Vätern Nachteile entstehen, wenn sie aussetzen oder Teilzeit arbeiten:

Die Ausgangslage beschreibt der Artikel wie folgt:

In der Arbeit kürzertreten, damit mehr Zeit für die Familie bleibt? Das ist auch im Jahr 2016 hauptsächlich Frauensache. Zwar gehen mittlerweile etwa 30 Prozent der Väter in Elternzeit (2014) – wenn auch meist nur für die zwei Partnermonate, die mit zusätzlichem Elterngeld für die Familie verbunden sind.

Teilzeit dagegen bleibt eine Ausnahme: Im vergangenen Jahr arbeiteten nur 9 Prozent der Männer in Teilzeit. Und davon gab knapp ein Viertel als Grund an, keine Vollzeitstelle zu finden, ein weiteres Viertel machte nebenher eine Fortbildung – eigene Kinder spielten hier also keine überragende Rolle.

Männer versuchen anscheinend nach Möglichkeit eine Vollzeitstelle zu finden und in Vollzeit zu arbeiten.

Zu den Auswirkungen:

Die Sozialforscherin Mareike Bünning vom Wissenschaftszentrum Berlin hat dafür Daten des Sozio-ökonomischen Panels aus den Jahren 1991 bis 2013 ausgewertet. Und tatsächlich: Mit jedem Monat, den Männer Teilzeit statt Vollzeit arbeiten, verringert sich ihr Stundenlohn um durchschnittlich 0,2 Prozent. Ein Jahr Teilzeit kann sich so zu Einbußen von 3 Prozent aufsummieren.

Ein Jahr Teilzeit führt bei Männern zu 3 % Einbußen. Jetzt wäre es interessant, den Wert von Frauen zu sehen. Viele Frauen arbeiten über lange Zeit in Teilzeit und auch bei den 30 Stunden, die schon als Vollzeit zählen und in den Gender Pay Gap eingehen würde ein geringer Verlust über lange Zeit bereits einen Großteil des Unterschiedes erklären. Geht man dann noch davon aus, dass viele Führungspositionen eher eine 50+ Stundenwoche erfordern, dann dürfte in dem Bereich der Unterschied noch größer werden.

Wie kann das sein? Schließlich ist gesetzlich vorgeschrieben, dass Teilzeit zu keinen Benachteiligungen am Arbeitsplatz führen darf.

Sicher kann es sachliche Gründe geben: Manche Leitungsaufgaben sind in Teilzeit schwer umzusetzen. Wer solche Stellen nicht bekommt, geht bei der zugehörigen Gehaltssteigerung ebenfalls leer aus. Wichtiger dürfte laut Bünning aber der Signaleffekt sein: „Der Wunsch nach Teilzeitarbeit könnte als Signal für mangelndes berufliches Engagement verstanden werden“, erklärt die Forscherin.

Hat man so einen Satz schon einmal beim Gender Pay Gap gelesen? Oder etwas bei den Überstunden, die Männer weitaus eher machen: „der Wunsch, keine Überstunden zu machen, könnte  bei den Frauen als Signal für mangelndes berufliches Engagement verstanden werden“. Habe ich noch nicht gelesen.

Laut ihren Studienergebnissen arbeiten 6 Prozent der kinderlosen Männer in Teilzeit und 5 Prozent der Väter. Im Durchschnitt dauert die Teilzeit rund anderthalb Jahre. Die Lohnentwicklung danach kann über einen Verlauf von 4 Jahren nachgezeichnet werden. Damit ist nicht ausgeschlossen, dass die Teilzeitväter im späteren Verlauf ihres Berufslebens die Einbußen wieder ausgleichen, zumindest teilweise.

Die schlechte Nachricht aber bleibt: Ja, Teilzeit bringt Männern Gehaltseinbußen. Die gute Nachricht: Die Elternzeit tut’s nicht – und zwar nicht einmal dann, wenn Männer dem Job länger als die beiden Partnermonate fernbleiben.

Es wäre interessant, in welchen Berufen die Männer in Elternzeit gehen. Ich vermute mal, dass viele Beamte sind bzw. es in Berufen machen, in denen man ihnen das gerade nicht entgegen hält. In der freien Wirtschaft, gerade in kleineren Betrieben, dürfte es weitaus problematischer sein. Hier wäre eine Aufschlüsselung nach Tätigkeit interessant.

Und wie sieht es bei Frauen aus? 2013 waren 61 Prozent der Mütter erwerbstätig, aber von ihnen wiederum drei Viertel in Teilzeit. Frauen bekommen ohnehin deutlich weniger Gehalt als Männer, laut Statistischem Bundesamt zuletzt 21 Prozent. Und das liegt wohl kaum allein an Teilzeit.

Das ist ein hoch interessanter Satz. Erst stellt er oben fest, dass bei Männern pro Jahr Teilzeit 3% Einbuße entstehen. Dann das die meisten Frauen, und das über längere Zeit, sonst können es kaum drei Viertel der Mütter sein, in Teilzeit arbeiten. Wenn sie 10 Jahre in Teilzeit arbeiten, dann wären wir schon bei 30%. (sehr vereinfacht gerechnet). Aber dennoch der Satz: Aber das liegt wohl kaum an der Teilzeit. Und das ohne weitere Begründung.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 30. November 2016

Selbermach Mittwoch 89 (30.11.2016)

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