Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 27. September 2016

Jenna Behrends und unfaire Gerüchte über Affären

Die Debatte um den Brief von Jenna Behrends hat aus meiner Sicht noch einmal eine sehr interessante Wendung hingelegt. Die Vorsitzende der Frauenunion, Frau Cegla und die Femen-Deutschland-Gründerin Zana Ramadani haben eine gemeinsame Presseerklärung zu den Vorfällen herausgegeben.

In dieser heißt es

Aber – Die von Jenna Behrends erhobenen Vorwürfe und schlüpfrigen Andeutungen bedürfen einer genaueren Einordnung. Sie selbst spricht in ihrem Blog-Beitrag „Warum ich nicht mehr über den Sexismus in meiner Partei schweigen will“ über ihr angeblich angedichtete Affären. Wie nach und nach in den Medien zu lesen ist, soll es sich dabei u.a. um Dr. Peter Tauber, Sven Rissmann oder Florian Schwanhäuser handeln. Jenna Behrends betont jedoch, dass es keine Beziehungen, die über ein geschäftliches oder freundschaftliches Verhältnis hinaus gehen, gibt. Dies steht jedoch im Widerspruch zu Äußerungen, schriftlich wie mündlich, die Jenna Behrends uns gegenüber gemacht hat.

Sandra Cegla: “Jenna Behrends und ich hatten uns bei der Klausurtagung der CDU Berlin Mitte am 15. April 2016 ein Zimmer geteilt. Obwohl wir außerhalb der Partei keinen Kontakt haben, sagte Jenna Behrends zu mir: `Mit dem Peter Tauber, das muss jetzt aber unter uns bleiben, die Gerüchte stimmen. Ich hatte ein Verhältnis mit ihm.ʼ Ich war sehr irritiert über diesen Kommentar, habe ihn als grenzüberschreitend empfunden und daher nicht weiter nachgefragt. Ich werde ungern ungefragt zur Mitwisserin in intimen Angelegenheiten gemacht. Die unvermittelte Äußerung seitens Jenna Behrends lässt für mich nur den Schluss zu, dass sie entweder die Grenzen anderer Menschen nicht klar erkennen und achten kann, oder dass ihre Aussage gezielt in meiner Gegenwart gemacht wurde, um Gerüchte erst entstehen zu lassen.“ Hierzu kann ich eine Versicherung an Eides statt abgeben.

Sie hat also nach dieser Darstellung selbst die Gerüchte mitgestreut, während sie sich an anderer Stelle als Opfer eben dieser Gerüchte dargestellt hat.

In der ganzen Sache geht es bislang nur um Behauptungen und Anschuldigungen. Gerade da wäre es doch richtig und zu erwarten, dass vermeintlich interne Probleme auch zunächst intern angesprochen und so, wenn nötig, gemeinsam behoben werden. Jenna Behrends hatte auch mich als Kreisvorsitzende der Frauen Union Berlin Mitte über Verdächtigungen gegen sie informiert. Mein Rat war, dass sie in solchen Fällen zunächst das direkte Gespräch mit den vermeintlichen Absendern suchen solle. Ob es dazu gekommen ist, weiß ich allerdings nicht.

Es wäre interessant zu wissen, wie die zeitliche Einordnung einer möglichen Affäre zu ihrer Platzierung auf der Liste war. Hier wäre es interessant, ob dazu weitere Einzelheiten auftauchen sollten.

Interessant auch, warum sie es der Vorsitzenden erzählt hat. Brauchte sie einfach jemanden, mit dem sie das teilen konnte oder wollte sie nur deutlich machen, dass sie wichtig ist und die Protektion einer wichtigen Person in der Berliner CDU besitzt und die Vorsitzende sich insofern auch besser gut mit ihr stellt?

Zana Ramadani: „Jenna Behrends war mir eigentlich gar nicht bekannt. Sie hat mich über Facebook geaddet. Am 27. September 2015 hatte ich ein Foto gepostet, was mich in einem Cafè in Berlin Mitte mit zwei Parteifreundinnen gezeigt hat. Darauf schrieb mir Jenna Behrends eine Nachricht: `Seid Ihr noch beim Rosenburger? Ich würde spontan auf eine Cola rumkommen…` Ich habe mich zwar gewundert, weil ich sie ja nicht kannte, aber lud sie dennoch ein. Wenige Minuten später saß sie bei uns am Tisch. Es war eine lockere Atmosphäre, wir hatten die üblichen Frauengespräche. In den nächsten Tagen tauschten wir uns dann in Sachen Parteiveranstaltungen aus. Am 3. Oktober 2015 meldete sie sich schließlich spät abends erneut bei mir. Zu meiner Verwunderung ging es da plötzlich um sehr intime Dinge. Da ging es zunächst um Herzschmerz, den ich hatte, sie schrieb darauf: `Können ja eine es-istkompliziert-Leidensgruppe gründen`. Zunächst deutete sie an, dass es sie verwirren würde, verliebt zu sein, dieser Mann zuerst sehr bemüht um sie gewesen sein soll, sich dann drei Wochen Zeit gelassen habe, lieber joggen würde. Schließlich offenbarte sie mir, dass es sich bei diesem Mann um Dr. Peter Tauber handeln soll. Und dass er sexuell stark auf sie reagiere. Weiter schrieb sie, dass er ihr glaubhaft gemacht haben soll, dass sie ihm nicht unwichtig sei.“

Der vollständige Chat-Verlauf ist als Beweis gesichert.

Auch da stellt sich die Frage, warum sie nun damit bei der ihr ansonsten nicht bekannten Zana Ramadami erzählt. Vielleicht einfach, weil sie in einer ähnlichen Lage gewesen ist. Eine andere Version wäre, dass Herr Tauber gemerkt hat, dass sie sehr vielen Leuten davon erzählen möchte, dass sie eine Affäre mit einem wichtigen Mann hat und es deswegen lieber hat sein lassen, weil er keine junge Mutter mit Kind, die dazu noch etwas zu redselig ist und klammert, haben wollte, sondern evtl nur Sex. Aber das wäre reine Spekulation.

Jenna Behrends hat in ihrem Blog-Beitrag selbst angeprangert, dass ihr Affären angedichtet werden. Dann steht in diesem Zusammenhang ein Name im Raum, gemeint ist Dr. Peter Tauber. Auf eine angebliche Affäre mit ihm angesprochen, verneint sie es öffentlich. Da habe ich mich doch sofort gefragt: Was ist Wahrheit, was ist Lüge? Lügt sie, indem sie diese Affäre bestreitet? Oder hat sie mir ein Märchen erzählt? Und wenn das ein Märchen sein sollte: Warum, mit welcher Intention? Wie glaubhaft kann Jenna Behrends so überhaupt sein? Die Frage nach möglichen Intrigen und Machtspielen möchte ich dabei noch gar nicht stellen.

Zudem misst sie mit zweierlei Maß: Sie prangert als Sexismus an, dass sie angeblich von Frank Henkel als „große süße Maus“ angesprochen worden sein soll – im Kontext mit den Worten Henkels zu ihrer dreijährigen Tochter, die er zuvor als „kleine süße Maus“ angesprochen haben soll. Auf der anderen Seite tituliert sie sich selber als „Mitte-Mädchen“, ein Attribut, dass ihr angeblich ein „Herr aus der CDU“ verliehen haben soll. Diese Bezeichnung ist doch nicht weniger herabsetzend-verniedlichend, denn als „süße Maus“ von einem reifen Parteikollegen tituliert zu werden. Ich bin bekanntlich nicht in vielen Dingen einer Meinung mit Frank Henkel. Aber klar ist für mich: Indem sie dieses wichtige Thema Sexismus für sich instrumentalisiert, verhöhnt sie jedes wahre Opfer von Sexismus.

Ich fand es schon nach den ersten Berichten interessant, dass keiner der Journalisten sich die Frage getraut hat oder in seinem Artikel thematisiert hat, welche Anzeichen für eine Affäre es denn gegeben haben könnte, die erzählt worden sind. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das bei einem Mann ähnlich gewesen wäre, der sich darüber beschwert hätte, dass man ihm immer Affären mit jungen Politikerinnen aus seiner Partei andichtet. Da wäre zumindest den Gerüchten nachgegangen worden.

Ich hatte dazu den folgenden Tweet geschrieben:

Einer Frau vorzuwerfen, dass sie Anlass für solche Gerüchte gegeben hat, indem sie etwa flirtend oder sonst unangemessen Körperkontakt suchend mit anderen gesichtet worden wäre, das wäre wahrscheinlich ein zu großer Affront gewesen, weil es an einem Tabu rüttelt, nachdem eine Frau nicht in dieser Weise verdächtigt werden kann

Diese Fragen bleiben bislang offen:

+ Wenn es keine Affäre gegeben haben soll – Warum macht Jenna Behrends es gegenüber uns zu einem Tuschel-Thema, bestreitet aber öffentlich eine Affäre?

+ Warum klingt es nicht nach einem Dementi, wenn Jenna Behrends im Berliner Kurier (ET: 24. September 2016) auf die Frage: „Hatten Sie mit einem Mitglied Ihrer Partei ein Verhältnis?“ antwortet: „Klar gab es mal Leute wie meinen Ortsvorsitzenden, die ich mal privat getroffen habe. Aber man kann das nicht als Affäre bezeichnen.“?

+ Wie glaubhaft ist Jenna Behrends?

Das sind gute Fragen und ich bin gespannt, ob dazu Antworten erfragt werden.

Auch in einem Artikel in der Welt erschienen interessante weitere Informationen:

Die Sexismus-Debatte um die frisch gewählte CDU-Bezirksverordnete Jenna Behrends (26) und Parteichef Frank Henkel wird zur innerparteilichen Schlammschlacht. Sandra Cegla (37), Vorsitzende der Frauen Union in Mitte, wirft ihr Intriganz und Verlogenheit vor – und den zielgerichteten Einsatz ihrer „weiblichen Reize“.

Cegla sagte dem KURIER: „Sie kam vor etwa einem Jahr zu uns, war ein, zwei Monate sehr aktiv und fing dann an, gegenüber Mitgliedern des Vorstands über andere Mitglieder zu lästern.“ Das hätten ihr mehrere Frauen berichtet.

Offen gelogen habe Behrends nach einem Treffen mit CDU-Stadtrat Carsten Spallek. Der habe von ihr verlangt, 50 Texte für eine Wahlkampfbroschüre zu schreiben und dazu Fotos zu beschaffen. Cegla: „Die 50 hat sie vor Zeugen mehrfach wiederholt.“ Cegla fragte bei Spallek nach: „Er zeigte mir eine Mail an Jenna. Darin ist von fünf Texten die Rede, die vorformuliert waren. Und es gab den Hinweis, Fotos lägen vor.“

Empört ist Cegla, dass Behrends sich als Vorkämpferin gegen Sexismus darstelle: „Ausgerechnet Jenna, die ihre weiblichen Reize spielen ließ und den Männern halb auf dem Schoß saß – ein Hohn.“ Cegla will mehrfach auf dieses Verhalten angesprochen worden sein.

Das wäre eine interessante Version und es bedient viele klassische Elemente intrasexueller Konkurrenz unter Frauen. Das Lästern über andere ist, wenn es akzeptiert wird, ein gutes Mittel prosoziale Dominanz zu errichten. Zur Erinnerung noch einmal ein Text, wie prosoziale Dominanz unter Frauen zur Rangausbildung unter diesen genutzt wird:

Mädchen gehen eher indirekt vor. Sie suchen bei anderen Mädchen Anerkennung, die sie entweder erhalten oder die ihnen verweigert wird. Aggression äußert sich kaum brachial, sondern vor allem als sogenannte Beziehungsaggression, die im Wesentlichen auf soziale Ausgrenzung abzielt. Zwei reden beispielsweise abfällig über eine dritte oder ein Mädchen droht einem anderen Mädchen an, es nicht mehr mitspielen zu lassen oder es nicht zum Geburtstag einzuladen, um so seinen Willen durchzusetzen. Typisch für Mädchen mit Ranganspruch ist ferner, daß sie sich um das seelische Wohlbefinden der anderen kümmern, sie also im Fall von Kummer zu trösten suchen. Dieses Sich-kümmern kann schnell einmal die Form ungefragter Ratschläge annehmen. Die Psychologie spricht hier von “prosozialer Dominanz”, wobei es sich um eine Mischung aus Besorgtheit einerseits und Bevormundung andererseits handelt. Schon kleine Mädchen im Kindergarten erklären anderen gern, was gut für sie ist und was sie machen dürfen und was nicht.

Lästern und der spätere Ausschluss von Jenna Behrends aus Vorstandssitzungen sind damit klassische Mittel der prosozialen Dominanz unter Frauen und damit auch der intrasexuellen Konkurrenz untereinander. Auch das Spiel „ich komme besser bei wichtigen Männern an“ und „Mich unterstützen wichtige Männer“ dürfte eine sehr alte Form intrasexueller Konkurrenz sein, genauso wie der ewige Konflikt inwieweit man sexuelle Reize einsetzen darf um voran zu kommen.

Die Bild berichtete:

Jenna Behrends hat in der CDU-Mitte eine Blitz-Karriere hingelegt: Eintritt im April, im November intern höchst umstritten für das Bezirks-Parlament aussichtsreich nominiert, vor acht Tagen gewählt.

Die Einzelheiten ihrer Nominierung fehlen leider bisher auch noch oder hat da jemand was zu. Wer hat sie auf die Liste gesetzt und wer hat sich für sie eingesetzt? Ich bekomme auch die Zeiten noch nicht ganz zusammen: Eintritt April müsste 2015 gewesen sein, November 2015 dann auf die Liste gesetzt., im Oktober 2015 sagte sie Zana Ramadani, dass da was läuft. Sie hatte die Affäre damit anscheinend jedenfalls schon vor der Wahl, bezeichnete sich dort noch als unglücklich verliebt und führte an, dass er lieber joggen geht. Dann im April 2016 sagt sie Cegla, dass sie eine Affäre hatte, was also immerhin 7 Monate später war. Wenn die Aussagen stimmen, dann scheint er sich entweder das Joggen noch einmal überlegt zu haben. Und die Affäre hätte sich dann ganz schon lange hingezogen zu haben.

In der Bild heißt es weiter:

Reaktion Behrends am Sonntagabend zu BILD: „Krass, es geht darum, mich zu vernichten. Eine Schmutzkampagne. Ich habe Peter Tauber über Facebook kennengelernt. Wir fanden uns sympathisch und waren zweimal etwas trinken. Aber dann hat sich das verlaufen und es wurde klar, dass daraus nichts wird.“

Eine Version, die Tauber bestätigt: „Jenna Behrends und ich haben uns kennengelernt und auch geflirtet. Aber es war für mich recht schnell klar, dass es rein freundschaftlich bleibt.“

Das ist immerhin ein Detail, welches ihren gesamten Brief in ein etwas anderes Licht rückt. Es ist allerdings nicht so recht mit den Stellungnahmen der anderen beiden Frauen in Einklang zu bringen, wobei es mit dem Gespräch mit Zana Ramadani noch hinkommen würde, da davor die beiden Ausgehtermine stattgefunden hätten, es wäre aber nicht mit der Schilderung von Frau Cegla in Einklang zu bringen, dass sie im April 2016 noch eine Affäre hatten. Das kann natürlich daran liegen, dass auch der Vorwurf ein „leichtes Mädchen“ zu sein und sich „hochzuschlafen“ gut geeignet ist, prosoziale Dominanz zu erzeugen, da man gut „spielt nicht mit dem Schmuddelkind“ daraus machen kann: Die alte Unterscheidung in anständige Frauen und Schlampen, die auch gut zu dem Vorwurf passt, dass sie „halb auf jedem Schoß saß“.

Natürlich kann es auch ein Versuch der anderen Seite sein, dass ganze etwas herunterzuspielen, lieber eine kürzere Affäre zugeben als eine längere.

Eine interessante Sicht auf die Sache fand ich auch dieses Artikel in der Welt:

Und natürlich hat Jenna Behrends recht. Parteien ziehen sie an wie Motten das Licht: Männer, die machtgeil sind. Männer, die nächtelang zusammenhocken, um Bünde zu schmieden, Fallen zu stellen. Die unermüdlich versuchen, auf der Parteienpyramide höher zu krabbeln, möglichst bis an die Spitze. Männer, die gern laut reden und laut lachen und auf Fluren tratschen. Und immer geht es darum, den Dolch zu stoßen, ehe er im eigenen Herz steckt.

Ja, Jenna Behrends hat recht. Parteien ziehen Frauen an, die eher nicht dazu prädestiniert sind, Mutter Teresa zu beerben. Sondern Frauen, die wissen, wo der Hammer hängt, die Intrigen spinnen und Verbündete erst suchen und dann fallen lassen. Frauen, die Rhetorik lernen, um Inhalte zu meiden. Die solidarisch nur dann sind, wenn es darum geht, andere zu Fall zu bringen. Die Gerüchte erfinden und verbreiten. Ja. Klar. Auch diese Frauen haben alle das gleiche Ziel – nach oben.

Und natürlich hat Jenna Behrends unrecht. Sie ist nicht anders als die braven Parteisoldaten, über deren tristes Dasein sie sich in ihrem Brief verständnisvoll erhebt und die anders als sie, die Quereinsteigerin, eine Ochsentour hinter sich gebracht haben.

Quereinsteiger gibt es überall. Sie kommen an der Hand des Chefs rein in den Laden. Sie haben es nicht nötig, sich in der Schlange anzustellen – jedenfalls nicht hinten. Sie kriegen aus Gründen, die sehr verschieden sein können, ein besonders saftiges Stück vom Braten. Der Preis, den sie dafür zahlen, ist überall der gleiche. Isolation, üble Nachrede und fragiler Halt.

Natürlich sind nicht alle Quereinsteiger talentlos. Genauso wenig wie die, die ein bisschen grau und geduldig in der Schlange stehen. Es verbindet aber viele Quereinsteiger, dass sie Protektion mit Talent verwechseln und dass sie, wenn der Chef den Griff lockert, tiefer fallen, nämlich von ganz oben nach ganz unten.

Das ist durchaus eine passende Sicht: Männer und Frauen, die in die Politik gehen, spinnen Intrigen, alle wollen nach oben, alle verwenden erhebliche Energie darauf. Und Leute, die neu in das System kommen und an ihnen vorbei ziehen, die steigen in ein Konkurrenzsystem ein, in dem man versucht, diesen unberechtigt günstigen Einstieg selbst zu nutzen oder wieder auf das richtige Maß zurückzustutzen. Auch der letzte Absatz ist passend: Wer denkt, dass alles nur Talent ist, wer nicht bemerkt, dass es an anderen Umständen gelegen hat, der wird noch tiefer fallen. Dass Jenna Behrends das anscheinend gar nicht gesehen hat, dass hatte ich bereits im ersten Artikel geschrieben.

Im Fall von Jenna Behrends war es ein bisschen anders. Bei ihr kam die Protektion von dem, der sie später mit den Worten „große süße Maus“ an die Grenze ihrer Toleranz gebracht hat. Jenna Behrends hätte sich die Bemerkung verbitten können. Alternativ hätte sie darüber lachen können – so was passiert täglich tausendfach, wenn Männer und Frauen versuchen, in gestanzter Betriebsausflugsheiterkeit miteinander umzugehen.

In der Tat ist es gerade in Kontext mit ihrem Kind und dem Umstand, dass sie sich sonst „Mitte-Mädchen“ nennt, ein aus meiner Sicht eher harmloser Spruch, über dem sie gut hätte stehen können. Oder bei dem sie mit einer Bemerkung hätte deutlich machen können, dass sie nicht als „süße Maus“ bezeichnet werden will. Er hätte sich dann wahrscheinlich entschuldigt und wäre in Zukunft vorsichtiger gewesen.

Hier aber war es so, dass nicht Henkel Behrends fallen ließ, sondern Behrends, nach einem Jahr offenbar schon Parteiprofi, den Dolch zog – denn nichts anderes ist ja so ein Brief. Henkel wird dahin fallen, wo er herkommt – zurück in den Berliner CDU-Sumpf, wo er allerdings nach der missglückten Berlin-Wahl sowieso gelandet wäre.

Behrends’ Fazit geht ungefähr so: In diesem Zustand ist die Berliner CDU. Ihr Fazit ist richtig. Die Berliner CDU ist sogar in einem noch viel schlimmeren Zustand. Könnte es sein, dass Behrends ganz gut in den Laden hineinpasst?

Es gibt ja auch das Gerücht, dass man auf diese Weise Henkel und evtl andere stürzen wollte. Das wäre eine interessante Intrige. Aber auch eine riskante, gerade wenn sie weiterhin eine Affäre haben sollte. Aber auch das ist natürlich Spekulation. Es könnte genauso sein, dass sie die Maßnahmen gegen sie tatsächlich als Sexismus sah, der sie trotz ihres Talents ausbremst und am arbeiten für die Sache hindert. Dann wäre sie sehr naiv.

Das sie hier den Dolch gezogen hat, dass werden viele andere CDU-Politiker auch so sehen. Sie hat Unruhe in die Partei gebracht und sie hat deutlich gemacht, dass sie Kleinigkeiten an die Presse bringt und aufbauscht. Natürlich hat sie gleichzeitig eine gewisse Aufmerksamkeit, was direkte Aktionen gegen sie nicht möglich macht. Und sie wird vielleicht auch – für das Anstoßen einer „wichtigen Debatte“ – Unterstützer gewonnen haben. Aber ich vermute, dass einige sie vorsichtig meiden werden und ungern mit ihr zusammen arbeiten werden.

Interessant fand ich auch noch diesen Abschnitt aus einem Interview in der Taz:

Im Programm der Bundespartei stehen viele tolle Dinge. Wenn ich mir das durchlese, bin ich stolz auf meine Partei. Es ist leider noch nicht ganz durchgedrungen. Ich habe erst letzte Woche in meinem Ortsverband den Antrag gestellt, zusätzlich zum Sitzungsbeginn auch ein Sitzungsende festzulegen. Das ist wichtig, wenn zu Hause der Babysitter wartet. Man kann Dinge durchaus in anderthalb Stunden besprechen, finde ich.

Das spricht eher für eine sehr naive Sicht auf die Politik. Denn alle anderen sind eben bereit, die Sache auch über die Zeit auszufechten und Diskussionen etc zu führen. Gleichzeitig benennt sie damit wahrscheinlich einen wichtigen Faktor, der Frauen tatsächlich abhält: Politik kostet sehr viel Zeit und erfordert sehr viele Überstunden, die man von der Familienzeit abknapsen muss.

Ich erinnere mich auch an eine Politikerin, die als ihre große Weisheit sagte, dass der größte Fehler, den man machen kann, der ist, dass man meint, man kommt in der Politik weiter, wenn man früher geht. Denn sie sei oft am Anfang nach dem offiziellen Teil gegangen, die Männer noch geblieben und dam nächsten Tag hätte man ihr dann gesagt, dass man doch alles ganz anderes geregelt hätte und neue Pläne gemacht habe. Von da an sei sie immer bis zum bitteren Ende geblieben und habe selbst die entsprechenden Änderungen mitgeplant und sei dadurch vorangekommen (ich meine es war Heide Simonis, aber ich finde es gerade nicht). Politik ist nicht nett. Politik ist ein Machtspiel, in dem vieles über Beziehungen geht. Ein Sitzungsende festzulegen wird nur dazu führen, dass man die Arbeit ins inoffizielle, in die kleine Runde verlagert.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 26. September 2016

Feminismus als Kult und Erlösungsreligion

Die feministische Seite, bei der man immer wieder leicht zweifelt, ob sie nicht doch eine Parodie ist, weil sie Artikel bringt, die eigentlich niemand ernst nehmen meinen kann, hat wieder einen Artikel gebracht, der wunderbar veranschaulicht, wie nahe der intersektionale Feminismus an einer Sekte ist:

I often joke with people that feminism has been like a born-again religion for me – that once I found it and let it into my life, my entire perspective shifted in such a way that suddenly, everything made sense – and that I feel compelled to spread that gospel.

See, because when I first started discovering feminism, I realized how many of the bad things that have happened in my life, big and small, have been part of a larger social system. And coming to understand that it was never my fault or about me individually gave me space to start an immense healing process.

And when intersectional feminism found its way into my life, I was even more enamored: Not only did feminism explain what had gone wrong in my own life and the lives of other women, but it explained essentially every awful thing in the world.

Damn, that’s powerful.

Feminsmus hat ihr deutlich gemacht, dass nichts, was ihr in ihrem Leben schlechtes passiert ist, ihr Fehler war. Das System ist an allem schuld. Und das System ist auch an allem anderen schuld, was in der Welt schlecht ist. Nicht sie. Auf keinen Fall hat irgendetwas mit ihr zu tun.

Das ist wirklich ein erlösender Gedanke.

I often encounter people who ask me and others, though, what the point of feminism is – how it’s still relevant, why it matters. And it’s easy enough to name broader accomplishments of the movement, like the right to vote and abortion access, as ways in which it affects my life, but what about the day-to-day?

Because feminism isn’t only present in my life when I’m filling out a ballot or waiting for my birth control prescription. Feminism has colored every single thought and action that passes through me in a day. Feminism has changed how I see myself and others. Feminism has rebooted my entire being.

Feminism is my operating system.

Feminismus ist der Frame, unter dem sie alles sieht. Und alles ist Unterdrückung, nichts ist ihre Verantwortung. Wenn man das erst einmal akzeptiert, dann kann das sicherlich Erlösung bringen. Man ist von aller Verantwortung befreit und kann sich an einem Sündenbock abarbeiten. Man muss nur eben alles unter diesem Gesichtspunkt sehen. Und bloß nicht die böse Realität hereinlassen. Denn dann ist es aus mit dem Seelenheil. Dann muss man sich plötzlich an die eigene Nase fassen. Welch schrecklicher Gedanke.

And I think that that matters, too. The name of the site is Everyday Feminism, after all.

Of course, my own experience with how feminism has changed my life in small ways is influenced by my social location. As a white, queer, able-bodied, neuroatypical, middle class, educated, cisgender woman, my relationship with feminism exists in a particular space, mostly of privilege – but I can only speak from that space.

Ich glaube auch das ist Befreiung – seine Sünden eingestehen, für die man nichts kann und Buße ankündigen. Aber auch nichts so richtig. Mehr einfach den Kampf führen gegen die eigentlichen Feinde, das Patriarchat, dass alle anderen Unterdrückungen hervorbringt. Der weiße heterosexuelle Mann ist der Schurke. Er muss gestoppt werden. Die weiße heterosexuelle Frau auch, aber sie ist ja auch irgendwie nur deswegen dabei, weil sie in dem System des Mannes verstrickt ist. Nur über ihn kann man das System auflösen. Und dort kann man ehrenhaft kämpfen. Und man kann deutlich machen, wie wenig man selbst das System stützt in dem man zeigt, wo andere es noch besser bekämpfen können.

Alles Böse ist erklärt. Und zwar mit einem ganz einfachen Feindbild. Aber auch keinem richtigen. Selbst den Feind will man ja eigentlich nur gutes, wenn er endlich aufhört der Feind zu sein.

Man arbeitet an der Weltenrettung.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 25. September 2016

Jenna Behrends, Sexismus in Parteien und intrasexuelle Konkurrenz unter Frauen

Gerade machen Artikel der Jungpolitikerin Jenna Behrends die Runde, in denen sie deutlich macht, warum Frauen in der Politik es schwer haben.

Jenna Behrends

Jenna Behrends

In einem Artikel in der Huffington Post schildert sie:

Ich hingegen konnte mir lange nicht vorstellen, in irgendeiner Partei Mitglied zu werden. Ich war weder in der Schüler Union noch hatte ich einen Platz in einem Studentenparlament. Politisch gedacht habe ich schon immer, aber Parteipolitik fand ich ziemlich unattraktiv. Ich habe diskutiert und manchmal auch demonstriert.

Mit Freunden saß ich anschließend auf dem Balkon und habe über den Sinn und Unsinn von Demonstrationen nachgedacht. Darüber, was außer den in Social Media veröffentlichten Fotos bleibt.

Ich habe Online-Petitionen unterschrieben und Likes verteilt. Doch einer Partei beizutreten kam für mich nicht in Frage.

(…)

Langsam reifte in mir der Gedanke: Ich will da mitreden und mitdenken. Ich will Parteimitglied werden, denn in unserer Krabbelgruppe werden wir keine Lösung finden

Sie hat also über lange Zeit nicht in einer Partei mitgearbeitet, dann wollte sie es doch mal probieren. Wie erging es ihr nun? Sie schildert es in einem anderen Beitrag:

Du beklagst häufig, dass junge Menschen und insbesondere Frauen sich nicht für dich interessieren. Nach einem intensiven Jahr mit dir weiß ich, woran das liegen könnte: an dir.

Gerne erinnere ich mich an unser erstes Date in einer Bar in Berlin Mitte. Dienstagabend um 20.30 Uhr. Du warst sogar so aufmerksam unser Treffen nicht „Stammtisch“ zu nennen. Dann ging alles ganz schnell: Von der Spargelfahrt nach Brandenburg, über das Sommerfest in einem Biergarten bis zum Kreisparteitag. Dort hast du mich in geheimer Abstimmung auf einen als sicher geltenden Listenplatz für die Bezirksverordnetenversammlung Berlin Mitte gewählt.

Da war sie dann gerade einmal, wie man dem Text weiter entnehmen kann, ein Jahr dabei. und hat einen sicheren Listenplatz für die Bezirksverordnetenversammlung. Schrecklich, wie junge Frauen dort untergebuttert werden.

Wer ist sonst von der CDU reingekommen:

CDU Behrends, Jenna 1990
CDU Burkert, Nils 1984
CDU Cegla, Sandra 1979
CDU Fritz, Benjamin 1988
CDU Leuschner, Martin 1971
CDU Pieper, Sebastian 1979
CDU Rauskolb, Diethard 1943
CDU Spallek, Carsten 1971

Sie ist also nicht nur die jüngste dort, sie hat auch die kürzeste Mitgliedszeit. Sie führt selbst an:

Was du aber, liebe Partei, nach meiner Nominierung begonnen hast, zerstört unsere Beziehung und zerstört über kurz oder lang auch dich. Auf den ersten Blick verstehe ich den Missmut, den du gegenüber politischen Quereinsteigern wie mir hegst. Es fühlt sich nicht fair an, wenn man die jahrelange Ochsentour auf sich nimmt, um dann auf einem hinteren Listenplatz zu landen und leer auszugehen. Wenn du dieses Thema offen auf dem Nominierungsparteitag ansprichst, während ich nach meiner Bewerbungsrede alleine auf dem Podium stehe (Wortlaut: „Wie viele Plakate haben Sie denn schon in Ihrem Leben geklebt, Frau Behrends?“), dann kann ich darauf immerhin reagieren. Dann kann ich dir erklären, dass mein Ortsverband mich vorgeschlagen hat, weil er daran glaubt, dass eine junge Frau gut für die Wahlliste und die spätere Fraktion ist und es eine Qualifikation gibt, die sich nicht in der Zahl aufgehängter Plakate bemisst. Der Rest ist dann Ortsverbandsarithmetik und ja: auch Frauenquote.

Das finde ich schon einmal ganz erstaunlich: Sie kann keinen anderen Grund anführen als ihr Geschlecht und ihre Jugendlichkeit. Irgendwie scheint ihr das ein eigene Qualifikation zu sein, die zumindest gleichwertig mit jahrelanger Parteiarbeit ist. Entitlement eben. Als Frau hat sie es einfach verdient, dass sie einen sicheren Listenplatz erhält. Sie ist anscheinend der Meinung, dass das andere, auch solche die jahrelang hart gearbteitet haben, schlicht akzeptieren müssen.

Sie schildert ihre Problem dann weiter wie folgt:

Liebe Partei, ich weiß, du lästerst gerne bei zu viel Bier. Aber die junge Frau, die bereit wäre, sich für ein kommunales Ehrenamt hochzuschlafen, gibt es nur in deiner schmutzigen Fantasie. Die junge Frau, die ständig mit den Gerüchten um ihre angeblichen Affären konfrontiert wird, die gibt es in echt. Kannst du dir in deiner kleinen Welt wirklich nicht vorstellen, dass ich als junge Mutter meine Freizeit lieber mit meiner Tochter und meinen Freunden verbringen würde, als in einer Männerrunde, die mir erklärt, sie seien im Gegensatz zu mir wahre Feministen, weil ich ein Komplettverbot der Burka für falsch halte?

Schrecklich, so eine andere Meinung. Wie soll man damit nur fertig werden? Wer hätte auch gedacht, dass man in der CDU auf Leute stößt, die für ein Burkaverbot sind? Wenn die jemanden widersprechen, dann

Als eine Freundin mich vor kurzem fragte, wie sie sich in der Partei engagieren kann, hätte ich ihr beinahe gesagt: „Lauf weg, so schnell du kannst.“ Ich wollte ihr vom Abgeordneten erzählen, der besonders aktiv Gerüchte über meine angeblichen Affären verbreitetet , weil er mich offenbar als Konkurrenz sieht und Angst um seine erneute Kandidatur hat. Vom Senator, der auf einem Parteitag meine Tochter begrüßte: „Oh, eine kleine süße Maus.“ Der dann pausierte, mich ansah und fortfuhr: „Und eine große süße Maus.“ Derselbe Senator, der einen Kollegen aus dem Abgeordnetenhaus vor meiner Nominierung fragte: „Fickst du die?“

Natürlich kann man sich darüber aufregen, dass Leute solche Gerüchte verbreiten. Und natürlich sollte das nicht sein und ist unfair. Aber man muss sich eben auch bewusst sein, dass bei den Plätzen mit harten Bandagen gekämpft wird. Bei einem Mann hätte er vielleicht andere Gerüchte verbreitet (Drogen, Schulden, Schleimt sich ein und lästert über andere, belästigt Frauen, macht sich an jüngere weibliche Parteimitglieder ran unter dem Vorwand sie zu fördern etc.) Sie merkt noch nicht einmal, dass das Unterstellen, dass ein anderer hoher Politiker mit ihr schläft, nicht nur gegen sie gerichtet ist, sondern diesen auch schädigt: Es lohnt sich nicht mit ihm zu kooperieren, er wird eine Frau fördern, die mit ihm spielt oder mit der er was hat und er wird über diese Affairen eh stolpern. Vielleicht zerstört das Gerücht seine Ehe oder es entzieht ihm Rückhalt von weiblichen Parteimitgliedern. Es ist genauso eine Maßnahme gegen einen Mann, wie gegen eine Frau.  Bei einer Frau, die aus dem nichts heraus gepuscht wird, die nach oben kommt, ohne sich wirklich eingesetzt zu haben, ist der Vorhalt, sie schlafe sich nach oben, natürlich eine effektive Beleidigung und ich würde sogar sagen, dass man auf diese vorbereitet sein muss, wenn man so schnell und rein aufgrund seiner Eigenschaft als junge attraktive Frau nach oben kommt. Wer das nicht will, der kann natürlich den langsamen Weg über die lange Parteiarbeit gehen.

Aber nicht nur da bestanden Probleme:

Liebe Partei, ich will mit dir diskutieren, neu denken, Ideen entwickeln. Die Liste der Probleme, für die wir eine Lösung finden müssen, ist lang: Ich will eine bessere Familienpolitik, echte Chancengleichheit und eine funktionierende Verwaltung. Und wenn ich mir sicher war, dass ich eine Verbündete bei diesem Projekt habe, dann die Frauen Union. Hätte ich bloß an den Satz einer erfahrenen Kollegin gedacht: „Die größten Steine werden dir immer Frauen in den Weg legen.“

Natürlich ging dieser Teil im Medienaufschrei im wesentlichen unter.

Statt „Sisters in Crime“ zu werden, schottete die Frauen Union sich ab und tagte plötzlich nur noch vorstandsintern. Offizielle Begründung: „Das macht man im Wahlkampf so“. Näher an der Wahrheit dürfte aber wohl die inoffizielle Begründung liegen, die ich später hörte: „Die ist so karrieregeil und will bei der nächsten Vorstandswahl auch noch hier Vorsitzende werden.“

Ich vermute mal, dass man auch da ihr Entitlement und ihre Haltung, dass ihr das alles zusteht, schlicht weil sie eine junge Frau ist, wenig angebracht fand und ich würde vermuten, dass man sie für ein arrogantes Miststück gehalten hat (und das in dem Frauenkreis auch die Gerüchte, sie habe sich hochgeschlafen, gerne aufgegriffen worden sind, denn eine Konkurrentin als Schlampe zu bezeichnen ist unter Frauen eine sehr beliebte Abwertung)

Ja, ich gebe zu: Es gab einen Moment, in dem habe ich darüber nachgedacht habe, ob ich für den Kreisvorstand der Frauen Union kandidieren soll. Aber weißt Du auch warum, liebe Partei? Die derzeitige Vorsitzende hatte mich eindringlich gebeten, ihre Nachfolgerin zu werden. Davon war plötzlich keine Rede mehr. Dafür wird immer wieder an mich heran getragen, dass ich von Mitgliedern als nimmersatte Karrieristin bezeichnet werde. Wirklich wichtig ist der Vorstandsposten der Frauen Union zwar nicht – aber offenbar als Instrument zur innerparteilichen Selbstdarstellung wichtig genug, um jede Frau, die gefährlich werden könnte, mit Methoden, die jeder Fairness entbehren, wegzubeißen. Inzwischen übrigens auch die zweite Frau, der derselbe Vorstandsposten angeboten wurde.

Leider schildert sie diese Methoden nicht, wenn es sich nicht um den Ausschluss aus den Vorstandssitzungen bezog. Aber es zeigt, dass man sie allgemein als jemanden wahrgenommen hat, der die Posten will, aber die Arbeit dafür und die passenden Jahre nicht investieren will.

Auch wenn ich mich anfangs mehr am angeblichen Hochschlafen gestört habe, bin ich mir unschlüssig, ob ich den „Die-hat-zu-große-Ambitionen“-Vorwurf von einer anderen Frau nicht noch vernichtender finde. In ihrer Wirkung bei deinen Mitgliedern, liebe Partei, unterscheiden sie sich kaum. In Kombination sind sie unerträglich. Ein Parteimitglied meinte mir deshalb einen guten Ratschlag geben zu wollen: „Sie Sind doch eine außerordentlich hübsche und kluge Frau. Jetzt mischen Sie doch nicht überall in der Partei mit, dann mögen die Sie auch lieber.“ Ich will nicht gemocht werden, ich will mich für mein Land engagieren.

Das ist eine schöne Stelle, an der man ihre Anspruchhaltung sieht: Der Rat ist nämlich ein Guter: Gerade mal ein Jahr dabei und es an allen Stellen besser wissen wollen, mit der Allwissenheit einer Juristin mit ersten Staatsexamen aber ohne Praxiserfahrung, das geht selten gut, wenn man auf bestehende Strukturen stößt. Das ist wie der neue Arbeitnehmer, der dem Chef erst einmal erzählt, was er alles falsch macht, weil er da im Studium ganz andere bessere Theorien vom Professor gehört hat, die der rückständige Chef doch mal bitte schleunigst umsetzen sollte.

Und was antwortet sie auf diesen guten Rat: „Ich will nicht gemocht werden“. In einer Partei. In der Beziehungen so ziemlich alles sind und man ein sorgfältiges Geflecht von gegenseitigen Gefälligkeiten und Vorteilen aufbauen muss, damit man die Machtkämpfe übersteht.

Wenn sie eine so arrogante Haltung hatte, wie es dieses Zitat, dass auch noch von ihr selbst stammt, vermuten lässt, dann ist es kein Wunder, dass sie die Leute abschießen wollten. Das es an ihr selbst liegen könnte, dass sie vielleicht mal etwas zurückstecken und langsam aufbauen musste, dass kommt ihr anscheinend gar nicht in den Sinn. Es würde mich interessieren, ob der Versuch, sie zur Kandidatin aufzubauen, nicht einfach einfach ein Schachzug in einem internen Machtkampf war, weil man dachte, dass eine so arrogante Göre, die keiner mag und die sich für Gottes Geschenk an die Frauenunion hielt, doch ein wunderbares Bauernopfer ist, an dem man intern Bündnisse schmieden und Machtspiele spielen kann. Den soziale Dominanz lässt sich eben wunderbar dadurch darlegen, dass man bestimmt, wer abgeschossen wird.

Diese politische Kultur muss sich ändern

Liebe Partei, ich habe versucht mit dir über Verleumdungen, Gerüchte, Sexismus gegenüber Frauen und teilweise auch durch Frauen zu reden. Aber nicht nur mein Ortsvorsitzender erklärte mir, das alles sei Teil des politischen Auswahlprozesses. Wenn ich damit nicht klar käme, dann sei ich für kein Amt geeignet. Ich hingegen frage mich, was das für Politiker sein müssen, die so ein System produziert.

„Das System ist schlecht, bitte ändert es, ich will es so nicht“. Natürlich hat sie recht, dass es schön wäre, wenn in Parteien ganz wunderbar einvernehmlich die besten gewählt werden, aber politische Ämter werden nun einmal anders vergeben und das, weil sie Macht enthalten und Vorteile bringen. Politik ist schmutzig in dieser Hinsicht und der fromme Wunsch, dass alles viel schöner wäre, wenn alle nett wären, der zählt auch nicht. Zumal sie selbst das ja auch wunderbar genutzt hat: Ihr war es egal, dass andere übergangen werden, solange sie nach oben kam. Sie hat nicht gefragt „Moment mal, werde ich vielleicht benutzt um einen Konkurrenten um einen guten Listenplatz zu bringen, weil die Leute gegen eine junge, hübsche Frau, dazu noch allein erziehend, nichts sagen können, auch wenn sie an starken Entitlement leidet und bisher keine wirkliche Arbeit für die Partei geleistet hat?“ Nein, sie fand es wunderbar, dass man sie auf einen Platz gesetzt hat, der ihr eigentlich nicht zustand. Wenn sich dann das Spiel aber gegen sie wendet, dann soll es doch bitte ganz fair zugehen. Der Ortsvorsitzende hat recht: Sie ist schlicht nicht für die Politik geeignet.

Es ist genau dieselbe Denke, mit der mich ein Parteifreund aus dem Bundesvorstand von diesem Brief abhalten wollte: „Jenna, wenn du das jetzt veröffentlichst, dann wirst du in der Partei nichts mehr. Das ist dir klar, oder?“ Was wäre aber die Alternative? Ein buntes Werbeblättchen mit netten Versprechungen, wie attraktiv Politik doch angeblich für junge Frauen sei?

Was wäre die Alternative? Nicht so arrogant auftreten. Einsehen, dass ein so schneller Posten ohne vorherige Arbeit erst einmal unverdient ist und danach bescheidener auftreten und Lehrgeld zahlen, indem man sich der Parteiarbeit widmet. Andere Ämter erst einmal zurückweisen und ein Netzwerk aufbauen, etwa anbieten die derzeitige Vorsitzende zu unterstützen und von ihr lernen. Deutlich machen, dass man sich die durch Quote erhaltende Position verdienen will, aber eben von unten, nicht indem man alles besser weiß. Gerüchte mit einem Lachen abtun oder intern angehen, aber niemals, niemals niemals nach außen die Partei direkt angreifen. Sich bei den anderen Frauen Rat holen und sexistische Vorfälle nutzen um eine „Sisterhood“ zu etablieren, statt sie einzufordern. Sprich: Genau den Rat umsetzen, den man dir erteilt hat: Daran arbeiten gemocht zu werden und eine Machtbasis aufzubauen. Denn mit jemanden, der eine sichere Machtbasis hat, der Parteiarbeit macht und beliebt ist, legt man sich dann eben auch nicht an. Man versteht dann, warum diese Person irgendwann an wichtige Posten kommt.

Ich würde übrigens auch sagen, dass sie sich mit diesem Brief ins eigene Bein geschossen hat. Warum sollte man nun noch mit ihr zusammenarbeiten wollen? Sie hat mehr als deutlich gemacht, dass sie selbst unfair spielt und die Streitigkeiten zur Not auch über die Presse ausspielt, mit der Rolle des armen unterdrückten Mädchens, der alle nur Böses wollen (obwohl sie ohne Vorarbeit direkt auf einen Listenplatz kam). Sie hat sich als jemand dargestellt, der nicht versteht, dass Parteien auf dem Grundsatz von „Do ut des“, ich gebe, damit du gibst, beruhen. Sie hat nicht erkannt, dass sie in ihrem Appell an die Fairness selbst unfair spielt indem sie die Sexismuskarte und die Frauen-als-Opfer-Karte gegen die ganze Partei spielt. Diese Karte zu spielen ist die Forderung, dass Frauen im Wettbewerb anders behandelt werden sollen als der Rest. Dass sie nach oben kommen müssen einfach weil das gut wäre. Nur das klappt nicht lange, weil andere auch nach oben wollen. Durchaus auch andere Frauen.

Ihr Verhalten zeigt, dass sie den Wettbewerb nicht innerhalb des Wettbewerbs spielen kann. Sondern über eine Schuldnummer über die Presse. Das Äquivalent davon, auf dem Pausenhof zur Lehrerin zu rennen und zu heulen, dass alle gemein zu einem sind.

Ehrlicher finde ich die Antwort, die ich meiner Freundin gegeben habe, von der ich dir oben erzählte, liebe Partei: Ich habe ihr nämlich nicht geraten wegzulaufen. Stattdessen habe ich sie ermuntert sich zu engagieren. Politik ist zu wichtig, um sie hauptsächlich alten Männern zu überlassen. Es gibt sie, die tollen, großartigen Frauen in der Union: Angela Merkel, Ursula von der Leyen, Elisabeth Winkelmeier-Becker, Nadine Schön und viele andere. Lassen wir sie nicht alleine, liebe Frauen. Lasst Politiker nicht über uns reden, sondern lasst uns Parteimitglied und Politikerinnen werden. Gemeinsam haben wir eine Chance: Wenn wir sie jetzt nutzen, dann können wir unser Land gemeinsam gestalten.

Auch geil: Ein nicht geringer Teil des Artikels handelt davon, dass die anderen Frauen sie mobben und nicht ausstehen können, aber man soll die Politik „nicht alten Männern überlassen“. Das passt auch gut in das Bild einer Ideologin, die meint, dass Frausein reicht. Die meisten „alten Männer“ haben ihr hier ja schlicht nichts getan. Und sie muss zudem auch natürlich mit ihnen zusammen arbeiten und bereit sein, eine gute berufliche Beziehung zu ihnen aufzubauen.

Von dir, liebe Partei, erwarte ich dann zumindest eins: Behaupte nie wieder, du konntest deine eigene Frauenquote leider, leider nicht erfüllen, weil keine Frau kandidieren wollte.

Behaupte du vor allem nicht, dass du ein Aushängeschild für eine Frauenquote bist. Oder das du dich mit diesem Schwenk von „Für Frauen ist es das fürchterlichste in einer Partei zu sein, weil alle gemein zu einem sind“ zu „Aber wir sollten es trotzdem tun, damit Frauen in der Politik sind und nicht nur doofe alte Männer“ für Frauen einsetzt.

Ein weiterer Artikel ist auch interessant:

Die B.Z. traf sich mit Behrends am Freitagmittag in einem Café in Mitte. Auf die Frage, wer der Senator sei, sagt sie: der „Senator ist Henkel“ – der CDU-Chef, Kreisverbands-Boss in Mitte (wo auch Behrends Mitglied ist) und Innensenator.

Allerdings: Sie habe die Frage „Fickst du die“ nicht selbst gehört. Dass habe ihrer Kenntnis nach Henkel dem Abgeordneten Sven Rissmann (38, CDU) gesagt.

Sven Rissmann: „Ich kann mich nicht daran erinnern“

Der äußerte sich auch am Freitagnachmittag. Dem Tagesspiegel sagte Sven Rissmann: „Es gab Gerüchte, dass Jenna Behrends und unter anderem ich etwas zusammen gehabt hätten. Über diese Gerüchte haben wir uns ausgetauscht. Ich bin von mehreren Parteimitgliedern darauf angesprochen worden. Es ist möglich, dass mich Frank Henkel auch darauf angesprochen hat.“ Zur konkreten Wortwahl, die Henkel ihm gegenüber gewählt haben soll, sagte Rissmann: „Die Wortwahl („Fickst Du sie?“) kann ich nicht bestätigen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass diese Worte gefallen sind.“

Also dann doch auch wieder eine andere Sicht: Eine Affaire, Leute versuchen das abzuklären, die genauen Worte hat sie noch nicht einmal selbst gehört, sie wären dann auch in einem persönlichen Gespräch und nicht in ihrer Gegenwart gefallen und ich halte es bei entsprechenden Gerüchten, bei denen es nach dieser Darstellung keineswegs klar ist, wer sie verbreitet hat, ob Männer oder Frauen, durchaus für eine legitime Nachfrage in einem Zweiergespräch.

Herr Henkel wird dort wie folgt zitiert:

„Ich bin sehr verwundert über diesen Brief, und auch ein bisschen enttäuscht über Inhalt und Stil dieses offenen Briefes. Die CDU Mitte und ich als Kreisvorsitzender haben in der Vergangenheit immer wieder auch Quereinsteigern eine Chance gegeben.

Dass Frau Behrends heute in der BVV sitzt, ist dafür ein gutes Beispiel. Auch bei der Abgeordnetenhauswahl und der letzten Bundestagswahl haben wir Quereinsteigern eine Chance gegeben, z.B. Philipp Lengsfeld und Florian Noell. Wenn sich Frau Behrends mit mir austauschen will, steht ihr meine Tür wie jedem anderen Mitglied meines Kreisverbandes für ein Gespräch offen. Solche Dinge sollten nicht im Raum stehen bleiben, sondern geklärt werden. Versuche einer Kontaktaufnahme durch den Kreisverband waren bislang leider erfolglos.“

Und die Vorsitzende der Frauenunion, Frau Cegla, Polizeikommisarin, sagte:

Die Vorsitzende der Frauen-Union in Mitte, Sandra Cegla, der Behrends indirekt ebenfalls Vorwürfe macht, sagte zur B.Z.: „Auf mich persönlich wirken ihre Vorwürfe äußerst verstörend. Ich empfinde Frau Behrends als eine zweifelhafte Persönlichkeit, der wir als Frauen Union mit offenen Armen begegnet sind. Leider mussten wir schnell feststellen, dass sie uns wenig vertrauensvoll begegnet ist und sogar Unwahrheiten und Intrigen in unseren Kreisen verbreitet hat. Das war der Grund, warum wir uns zunächst von ihr distanzieren mussten.“

Zu den Sexismus-Vorwürfen sagt sie: „Sexismus ist mir persönlich in meinen 4 Jahren aktiver Frauenpolitik nicht begegnet, obwohl ich als junge, in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebende Frau dazu sicher Anstoß gegeben hätte. Die ‚Frauendebatte“ führen wir bereits seit vielen Jahren in unserer Partei, was inhaltliche Aufgabe unserer Frauen Union ist. Dafür haben wir nicht den Anstoß von Frau Behrend benötigt. Die Art und Weise, wie sie angebliche Missstände über unsere Frauen Union und die CDU Mitte in der Öffentlichkeit darstellt, lässt aus meiner Sicht sehr schlechten Stil und keineswegs den Willen zur offenen Debatte sondern Zerstörungswut und Geltungsbedürfnis erkennen.“

Nach dieser Darstellung wäre Frau Behrends keineswegs die Unschuld vom Lande, sondern hätte selbst Unwahrheiten und Intrigen verbreitet. Was der Wahrheit entspricht wird man wohl kaum erfahren. Aber Ich kann mir vorstellen, dass Frau Cegla als Polizeikommisarin sich nicht so schnell die Butter vom Brot nehmen lässt und sich Respekt verschaffen kann, wenn ihr einer dumm kommt. Weswegen sie dann auch keinen Sexismus erlebt.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 24. September 2016

Selbermach Samstag 205 (24.09.2016)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 24. September 2016

Dokumentation: The Red Pill

Die Dokumentation „The Red Pill“ ist zwischenzeitlich fertig, wird aber wie bei dem Thema zu erwarten, erhebliche Vertriebsschwierigkeiten haben.

Wer die Hintergrundgeschichte noch nicht kennt:

ABOUT THE FILM:

When feminist filmmaker Cassie Jaye sets out to document the mysterious and polarizing world of the Men’s Rights Movement, she begins to question her own beliefs. Jaye had only heard about the Men’s Rights Movement as being a misogynist hate-group aiming to turn back the clock on women’s rights, but when she spends a year filming the leaders and followers within the movement, she learns the various ways men are disadvantaged and discriminated against. The Red Pill challenges the audience to pull back the veil, question societal norms, and expose themselves to an alternate perspective on gender equality, power and privilege.

 

Also der Film einer Feministin, die ursprünglich die Machenschaften der Männerbewegung aufdecken wollte, aber dann merkt, dass an der Männerbewegung etwas dran ist und einen positiven Film über diese dreht.

Aus einer Besprechung beim Telegraph:

Jaye began the process as a feminist, but she ended up not only sympathising with the MRAs, but fundamentally questioning the “aggressive” ethos of modern feminism.

For her efforts, she says she has been smeared, threatened with “career suicide” and even saw her funding dry up – to the point where the movie was unlikely to see the light of day.

But then something incredible happened: via a Kickstarter fund, a “global army” of 2,732 free speech advocates (of both genders), raised a staggering $211,260, ensuring the movie’s cinematic release.

 (…)

The title The Red Pill refers to a scene in the Matrix, when Keanu Reeves’ character takes the red pill to see “the truth” – MRAs claim they see the “truth” about women and a world they feel is systematically stacked against men and boys.

The Red Pills’ key interviewees – including MRA luminaries such as A Voice For Men founder Paul Elam, author of The Myth Of Male Power Dr Warren Farrell and the National Coalition For Men’s Dean Esmay – have long been smeared as some of the internet’s biggest anti-feminist bogeyman.

Yet until now no serious documentary maker has tried to get inside their world.

“When I started this project, my perception of MRAs was definitely negative,” she tells me. “I thought they’d say shocking things and it would be a peek inside this mysterious, misogynistic community. All I knew about them was the cherry-picked, shocking comments used on feminist websites.

“But when I started to really listen to them, I started to empathise with a lot of their issues. Our cultural conditioning is that women have been oppressed and men are the oppressors. But I saw that wasn’t so.

“Within the feminist community, there is a level of dismissiveness and a lack of compassion. There is a feeling ‘they have been the oppressors, and now it’s our turn’. Some prefer to step on men in the process. Even when men were suffering, like falling behind at school, I heard a lot of talk about ‘toxic masculinity’ – that it was somehow the fault of the patriarchy, that men caused their own problems.

“But the MRAs weren’t loners or misogynists. Most of them are in loving relationships and have children, and that was shocking for me.”

When it began to emerge that Jaye was to tell a sympathetic story of the MRAs, her feminist interviewees were furious – and her funding suddenly dried up.

“There was anger from feminists when they found out I was being too kind to MRAs,” she says. “They said, ‚they’re going to turn on you. Don’t be fooled’.

“As time went on they did not want to go through with funding – because I was balanced and ‘giving the MRAs a platform’.

“It was a way of stopping this film getting too big. They hoped it would fizzle out. They believed they had control of the film. It was an indirect attempt to censor my voice.

‘So I looked at film grants, but there were no categories for boys and men. The situation was desperate”.

Der Film wurde dann, nicht zuletzt weil IMHO Milo eifrig dafür warb, über Crowdfunding finanziert.
Jetzt steht die Premiere an und da kein Studie hinter dem Film steht muss dies teilweise ebenfalls über Crowdfunding  finanziert werden. In Deutschland soll ebenfalls eine Aufführung stattfinden, und zwar am Montag, dem 14.11.2016, 20 Uhr, in einem Kino in Berlin-Hohenschönhausen.
Allerdings müssen dafür genug Karten verkauft werden, damit die Aufführung stattfinden kann. Deswegen wurde eine Kickstarterkampagne dafür gestartet:

Dieses Crowdfunding funktioniert im Prinzip einfach wie ein Kartenvorverkauf. Wer es mit 10 Euro unterstützt, trägt dazu bei, dass die Premiere stattfindet, und hat bereits seine Eintrittskarte bezahlt.

Damit die Kalkulation aufgeht und die Kosten fair verteilt sind, bitte ich darum, keine kleineren Beträge als 10 Euro beizusteuern, wenn man die Vorstellung besuchen will. Ein kleines zusätzliches Trinkgeld wäre natürlich hochwillkommen. Wenn etwas mehr zusammenkommt, kann ich einen Saal eventuell auch mieten, wenn er nicht ganz voll wird.

Als Minimum soll ein Saal mit 236 Plätzen gemietet werden. Deshalb ist dasCrowdfunding-Ziel bei 2.360 Euro erreicht. Der Betrag errechnet sich aus der Saalmiete, den Lizenzkosten für die Aufführungsrechte, den Kickstarter-Gebühren und einem (sehr kleinen) Sicherheitspuffer.

Wenn das Ziel verfehlt wird, findet keine Premiere statt und werden keine Unterstützer-Beiträge eingezogen.

Wenn das Ziel überschritten wird, besteht die Möglichkeit, in einen größeren Saal umzuziehen. Der größte im Cinemotion hat 404 Plätze. Das Idealziel wäre also, dass 404 Interessierte zusammen 4.040 Euro beisteuern.

Realistisch ist damit zu rechnen, dass nicht exakt 2.360 oder 4.040 Euro zusammenkommen. Wenn der Betrag irgendwo dazwischen liegt, bekommen die ersten 236 Unterstützer eine Eintrittskarte und die übrigen ihr Geld zurück. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Entsprechendes gilt, wenn auch die 4.040 Euro überschritten werden sollten. Die ersten 404 Unterstützer bekommen eine Eintrittskarte und die übrigen ihr Geld zurück.

Ich finde es großartig, dass das hier organisiert wird, auch wenn ich leider selbst keine Zeit habe und insofern keine Karte kaufen werde. Man kann das Projekt aber auch ohne Kartenkauf unterstützen, näheres dazu auf der Kickstarterseite.

Hier noch ein paar Videos zu dem Kinofilm:

Diskussionen zu dem Film gerne in den Kommentaren. Wenn einer derjenigen, die sich den Film anschauen, hier eine Besprechung als Gastbeitrag schreiben möchte, dann würde mich das freuen.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 23. September 2016

Argumente gegen antifeministische Behauptungen (@andreteilzeit)

Hier kurz die Punkte, die er zu widerlegen meint, darunter seine wesentlichen Ausführungen dazu. Die Links verweisen auf Artikel von mir dazu:

1.Feminismus ist heutzutage doch nur ein Synonym für Männerhass

Sein Argument: Nein, Feminismus will nur von Geschlechterrollen befreien 

2. Aber Männer und Frauen können doch jetzt schon tun was sie wollen, keiner schreibt dir was vor

–> Rein rechtliches ist es richtig, aber nicht jeder kann diese Freiheit ausleben. Ein Schwarzer kann auch nicht auf ein Treffen des KuKluxclans gehen, auch wenn er die gleichen Rechte hat. Es geht darum, dass man nicht nur frei ist, sondern sich auch frei fühlt

3. Feministinnen wollen einem Vorschreiben, wie wir zu leben haben

Stimmt nicht, ist uns scheiß egal. Der heutige Feminismus steht für Wahlfreiheit, du musst nur die Entscheidungsfreiheit der Anderen auch akzeptieren

4. Männer und Frauen sind nun einmal von Natur aus verschieden, das ist wissenschaftlich belegt!

Ja, sind sie, die Unterschiede sind aber verschwindend gering. Es gibt auch Männer mit zierlicher, femininer Figur und Frauen mit breiterer maskuliner Figur. Da gibt es nicht nur Extreme. Aber auch die Gehirnforschung zeigt, dass das Gehirn kein Geschlecht kennt. Da gibt es die „Mosaicstudie“, wobei ich nur einen Artikel und nicht die Studie gelesen habe, damit sind alle anderen Studien und Forschungen eindeutig widerlegt!

(Exkurs:

dazu habe ich auch mal kommentiert:

Die von dir erwähnte Studie hat nicht festgestellt, dass es keine Geschlechterunterschiede gibt, im Gegenteil: Sie hat geschaut, ob es Gehirne gibt, die nur und ausschließlich ganz extreme Ausprägungen von Männlich und weiblich enthalten. Übertragen bedeutet das, dass man nach folgenden Männern und Frauen schaut:

  • Männer, die ganz besonders groß, ganz besonders kräftig, ganz besonders hart und ganz besonders gut in Mathe und ganz besonders wortkarg sind
  • Frauen, die besonders klein, besonders schwach, ganz besonders gefühlsbetont und ganz besonders schlecht in Mathe sind und die ganze Zeit reden

Lag nur eine der Voraussetzungen nicht vor, dann haben die Forscher das als „Gegenbeweis“ gesehen. Ob dennoch deutliche Unterschiede im Schnitt vorliegen, der sich nicht an den Extremen bewegt, etwa das wesentlich mehr Männer 1,80 sind als Frauen und die meisten Frauen kleiner sind, haben sie nicht geprüft. Deine Studie sagt insofern leider gar nicht das aus, was du hier behauptest

meine Artikel dazu:

Exkurs Ende)

5. Immer dieses Gehetze gegen Werbung, Männer werden doch genauso zum Sexobjekt gemacht

Es geht um das Zeigen von Perfektion, die keiner erreichen kann und daher krank macht und die Übersexualisierung. Man sollte lieber eine breite Facette an Formen zeigen

6. Männer werden aber auch vergewaltigt

Stimmt! Und das hängt mit den Geschlechterrollen zusammen, dass Männern da nicht geschützt werden, genau deswegen brauchen wir den Feminismus. Männerrechte wollen damit nur Feministen angreifen

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 23. September 2016

Der Gender Pay Gap im Osten: Sind Ostdeutsche weniger sexistisch?

Auf Destatis habe ich eine interessante Statistik zum Gender Gender Pay Gap gefunden:

Jahre Deutschland Früheres
Bundesgebiet
Neue Länder
Quelle: Verdienststrukturerhebung 2006;

fortgeschätzt mit Ergebnissen der vierteljährlichen Verdiensterhebung.

1 Unbereinigte Werte.

2006 23 24 6
2007 23 24 6
2008 23 24 6
2009 23 24 6
2010 22 24 7
2011 22 24 7
2012 22 24 8
2013 22 23 8
2014 22 23 9
2015 21 23 8

Ich binde es sicherheitshalber auch noch mal als Bild ein:

Gehaltsunterschiede Männer Frauen Westen Osten

Gehaltsunterschiede Männer Frauen Westen Osten

Das finde ich einen ganz erstaunlichen Unterschied: Im Westen Deutschlands haben wir einen Gehaltsunterschied von 23%, im Osten allerdings, mit ansonsten gleichen Gesetzen einen Gehaltsunterschied von 8%, wobei dieser nicht etwa weiter sinkt, sondern anscheinend eher steigt.

Ossis scheinen mir aber nicht weniger davon auszugehen, dass es zwei Geschlechter gibt als Wessis. Allerdings war es im Osten eben üblicher, dass auch die Frau arbeitet und Kinderbetreuung durch Dritte auch im frühen Alter war akzeptierter.

Das wäre eigentlich ansonsten ein schönes Forschungsfeld: Sind Ossis weniger sexistisch? Gehen sie weniger davon aus, dass Männer Männer und Frauen Frauen sind? Oder ist dort einfach die Einstellung verbreiteter, dass die Frau eben Vollzeit arbeiten sollte? Oder ist es schlicht notwendig und die geringeren Unterschiede sind schlicht die Folge davon, dass der Osten im Schnitt ärmer ist?

Was können westdeutsche Frauen von Ostdeutschen lernen und wie ist der Gender Pay Gap Ostdeutscher Frauen, die „rübergemacht haben“?

 

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 22. September 2016

#Rageculture: Femisophie für die ungewaschenen Massen (Weltraumaffen)

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 22. September 2016

Models, Messehostess und die intrasexuelle Konkurrenz unter Frauen

Marie von den Benken hat im Stern eine Kolumne, in dem sie aus der Modelwelt berichtet. In einem ihrer Artikel schreibt sie etwas zu Messehostessen:

Im Model-Business gibt es einen hohen Konkurrenzkampf. Viele Tausend Models streiten um wenige hundert Jobs. Am Ende machen 20 Prozent der Mädchen 80 Prozent der Jobs. Im Kampf um Honorare und die wirtschaftliche Lebensgrundlage ihrer Klientinnen erweitern viele kleinere Modelagenturen daher häufig ihren Einsatzbereich Richtung Messe.

Es ist eigentlich ganz interessant, das gerade dieser Bereich vielleicht einer der Bereiche mit der meisten weiblichen Konkurrenz ist. Es könnte etwas damit zu tun haben, dass sonstige Jobs vielleicht Status geben, dieser aber weitaus weniger klar mit dem Partnerwert bei Frauen korreliert. Eine Frau mag zB Rechtsanwältin oder Managerin sein, aber das formt nicht unbedingt das eindeutige Bild einer Konkurrentin auf dem Partnermarkt für eine andere Frau. Wenn sie hingegen Model ist, dann hat das schon einen ganz anderen klang, denn Models stehen für Schönheit.

Der Umweg über den Messejob ist aber wenig glamourös:

Die Protagonistinnen des neuen Netzfeminismus, denen bereits der Satz „Sie können ein Dirndl auch ausfüllen“ für eine #Aufschrei-Bewegung ausreicht, fänden an nur einem durchschnittlichen Tag auf der „CeBIT“, der „Boot“ oder der „Essener Motor Show“ Material für weitere 25 Grimmepreise. Ein Beispiel. Auch ich habe mich ein einziges Mal dazu überreden lassen, auf einer Messe zu arbeiten. Vor einigen Jahren hatte mich ein damals, vor Instagram, sehr beliebter Online-Bilderdienst für Europas größte Digital-Marketing-Messe gebucht. Meine Mitstreiterinnen und ich wurden mit einem lustigen, bauchfreien T-Shirt mit dem Bild eines süßen Hundepärchens ausgestattet, auf dem „Hübsche Möpse“ stand. So viel zum Humor, den man Entscheidern im Online-Marketing zuspricht. Unnötig zu erwähnen, dass wir die Messetage primär damit verbrachten, schelmisch grinsenden Fachbesuchern aus dem Weg zu gehen, die auf unsere Brüste starrend „ja, stimmt eigentlich, hehehe“ säuselten.

Der Unterschied dürfte damit zusammenhängen, dass man auf Modeshows üblicherweise für Frauen läuft und eine Statusfrau darstellen soll, während man auf den Messen häufig tatsächlich den „Male Gaze“ bedienen soll und das Produkt irgendwie mit „so werde ich interessant für schöne Frauen“ verbinden soll. Wenn es dann noch mit so billigen Witzen wie „hübsche Möpse“ gemacht wird, dann mag das noch mehr zu Sprüchen einladen.

Sie berichtet dann von einer Freundin, die sich auf solche Auftritte als Messehostess spezialisiert hat:

Eine meiner Lieblingsgeschichten ist ihr Ausflug auf eine Landwirtschafts-Messe in einem Vorort von Bielefeld. Ja, ich weiß. „Vorort von Bielefeld“ hört sich bereits so an, wie ganz schlechte Horrorfilme beginnen. Irgendwo zwischen der Stadt, die es nach der Überzeugung einiger Verschwörungstheoretiker gar nicht gibt und Bad Salzuflen stand sie in einem winzigen Minikleid vor einem riesigen neuen Mähdrescher, für den sich in drei Tagen genau eine Person interessierte.

Der Mähdrescher, so erklärte ihr ein ortskundiger Maisbauer, wäre fünf Mal so teuer wie alle Maschinen im Umkreis von 100 Kilometern zusammen und daher völlig unerschwinglich für jeden Messebesucher. Verkaufserfolge blieben also aus. Dafür erhielt sie aber eine Lektion von besitzergreifenden Dorfschönheiten, die der plötzlichen Konkurrenz als Messe-Highlight souverän mit Handtaschenklau und zerstochenen Reifen an Kayas Auto begegneten. Eine auf dem Dorf offensichtlich völlig legitime Reaktion darauf, dass die volltrunkenen männlichen Dorfjugendlichen Kaya eindeutig für die schönste Frau der Welt hielten und sie mal mehr, mal weniger subtil für eine Heirat oder zumindest ein verruchtes, sexuelles Abenteuer auf einem der zahlreichen Dixi-Klos gewinnen wollten.

Natürlich kann die arme Kaya gar nichts dafür, es ist eben ihr Job gut auszusehen und zu lächeln. Aber das bedeutet ja nicht, dass sie die anderen Frauen nicht dennoch für „eine miese Schlampe, die sich einbildet etwas besseres als wir zu sein und mit unseren Männern zu flirten“ halten können (um mal einen insoweit typischen Frauenvorhalt zu bringen). Und da kann es dann, wenn man in der direkten Konkurrenz nicht gewinnen kann, interessant sein, ihr auf anderem Wege eins auszuwischen.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 21. September 2016

Selbermach Mittwoch 79 (21.09.2016)

Mittwoch, was gibt es neues?

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