Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 23. August 2016

Was wäre, wenn man statt einem nackten Trump eine nackte Hillary Statue aufgestellt hätte?

 

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 23. August 2016

Wie verändert das Geschlecht der eigenen Kinder die Sicht auf die Geschlechterdebatte?

Das eigene Geschlecht können und wollen die allermeisten nicht wechseln. Aber da die meisten Leute ihre Kinder lieben kann das Vorhandensein von Kindern die Perspektive deutlich verändern.

Sei es, dass eine Frau merkt, dass es ihre Söhne gar nicht so einfach haben und sie deswegen etwas ändern will. Oder das ein Vater denkt, dass er keine Diskrimierung seiner Töchter will und deswegen auf eine besonders frauenfreundliche Politik umschwenkt.

Natürlich kann auch ein Vater seine Söhne oder eine Mutter seine Töchter unterstützen wollen.

Eine andere Möglichkeit ist, dass anhand von Kindern allgemein gemerkt wird, dass diese sich teilweise sehr stereotyp verhalten, trotz aller Bemühungen sie geschlechtsneutral zu erziehen.

Meint ihr, dass Kinder die Sicht auf das Thema verändern?

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 22. August 2016

Gina Lisa Lohfink wegen Falschbeschuldigung verurteilt

Das Amtsgericht hat in dem Verfahren gegen Gina Lisa Lohfink ein Urteil gefällt. Der Spiegel berichtet:

„Im Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink ist ein Urteil gefallen: Das Model hat zwei Männer fälschlicherweise der Vergewaltigung beschuldigt, entschied das Amtsgericht Berlin-Tiergarten – und verhängte eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen je 250 Euro, insgesamt 20.000 Euro.“

Woraus wir errechnen können, dass Gina Lisa Lohfink etwa 7.500 € netto im Monat verdient.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Lohfink die Männer wider besseres Wissen bezichtigt hatte, sie vergewaltigt zu haben. Lohfink habe bewusst wahrheitswidrige Tatsachen behauptet. Der Sex sei einvernehmlich gewesen. Lohfink habe allerdings den Männern signalisiert und gesagt, dass sie dabei nicht gefilmt werden wollte.

Den Unterschied wird man in feministischen Kreisen wahrscheinlich nie verstehen.

Lohfinks Anwälte hatten einen Freispruch gefordert. Sie kündigten an, gegen die Verurteilung des Models voraussichtlich in Berufung zu gehen. „Das Urteil ist ein Skandal“, sagte Verteidiger Burkhard Benecken. Er werde mit Lohfink besprechen, ob sie die Kraft für die Berufung habe. Er mache sich jetzt Sorgen um alle Frauen, die eine Vergewaltigung anzeigen wollten.

Das ist eine gute Formel des Verteidigers. „Sie hat einfach nicht die Kraft für eine Berufung gehabt“ klingt besser als „man hat keine Erfolgsaussichten gesehen“.

Staatsanwältin Corinna Gögge hatte eine Geldstrafe von 24.000 Euro für Lohfink gefordert. „Frau Lohfink ist nicht Opfer einer Sexualstraftat geworden. Sie hat gelogen und Ermittler bewusst in die Irre geführt“, sagte Gögge.

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Richterin sind also nach Ansicht des vollständigen Videos, welches wohl leider niemand sonst sehen wird, sowie den Ausführungen des Gutachters zu dem Ergebnis gekommen, dass hier freiwilliger Sex vorlag. Das Transcript scheint mir diese Ansichten auch ganz gut vertretbar zu machen.

Lohfink habe die Geschichte von der Vergewaltigung konstruiert, um nach Bekanntwerden der Handyaufnahmen ihren Ruf zu schützen, sagte Staatsanwältin Gögge. „Ich will das gar nicht beschönigen, dass sich beide Männer schäbig verhalten haben“, sagte Gögge in Bezug auf die Verbreitung der Handyaufnahmen.

Das wäre dann auch das passende Motiv. Inwieweit auch das Dschungelcamp da mit hineingespielt hat wäre eine andere Frage

Gutachter sieht keinen Hinweis auf Einsatz von K.-o.-Tropfen

Eine Manipulation durch K.-o.-Tropfen sei auszuschließen, sagte Gögge. Sie berief sich dabei auf ein zuvor vorgetragenes Gutachten des zum Sachverständigen bestellten Toxikologen Torsten Binschek-Domaß.

Dieser hatte gesagt, der Einsatz der Tropfen sei mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen, es gebe keine Anhaltspunkte dafür. Lohfink sei in der umstrittenen Nacht wach, ansprechbar und orientiert gewesen. Das ergebe sich aus den Videofilmen, die in der fraglichen Nacht gemacht worden seien. Unter der Wirkung der Tropfen könne man keine Pizza bestellen und mit der Managerin telefonieren.

Auch hier kennen wir leider das Video nicht. Ich sehe aber nicht, dass man der Staatsanwaltschaft und dem Gericht, die sich einem Gutachter anschließen, da einen großen Vorwurf machen kann. Aus der Verhandlung war auch nicht zu hören, dass Gina Lisa die Ausführungen des Sachverständigen nachhaltig angegriffen oder ein Gegengutachten in Auftrag gegeben hat. Sie scheint diese vielmehr akzeptiert zu haben oder ist da etwas anderes bekannt geworden?

Der Fall Lohfink hatte die Debatte über sexuelle Gewalt und den Umgang der Justiz damit befeuert. Die im Internet verbreiteten Sexvideos von dem Geschlechtsverkehr zwischen Lohfink und den Männern hatten eine Debatte über das Sexualstrafrecht angestoßen. Diese mündete im Juni in eine Gesetzesverschärfung.

Anscheinend auf einer sehr fragwürdigen Grundlage. Die Gesetzesänderung hätte, was wahrscheinlich in feministischen Kreisen auch nicht sehr deutlich werden wird, da auch keine wesentliche Änderung bewirkt.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 22. August 2016

Berühren und vorher fragen

Ein Leser wies mich auf folgende Stelle aus dem Buch „Das Spielprinzip“ hin:
Der Kitzel des Berührtwerdens , soll sich ungezwungen , ohne weiteres Zutun einstellen. Das geht nicht auf Ansage. Der unsichere Mann zerstört die süße Illusion der fließenden Abenteuerlichkeit, wenn er sagt „Das hast du so süß gesagt. Ich muss dich jetzt einfach mal umarmen“. Der zaghafte Hänfling zerschmettert die Magie der Sekunde , wenn er, nach einer flüchtigen beiläufigen Liebkosung blödsinnig grinsend feststellt „Sorry! Das musste jetzt mal sein!“. Und der furchtsame Himbeerbubi macht wirklich alles kaputt, wenn er treudoof und irgendeinem pseudoromantischem Fair-Play folgend fragt: „Äh! Hast du vielleicht etwas dagegen, wenn ich mal deine Hand nehme?“ Mit derlei Fragen und Bemerkungen macht der kleinmütige Schisser – de facto – alles zunichte.
Vielleicht könnte man sagen: Jeder Zweifel an der Richtigkeit, jedes Gefühl, dass man das rechtfertigen muss und das es nicht etwas ganz normales sein könnte, kann dazu führen, dass zumindest unterbewusst, der „bin ich eine Schlampe, könnte mich jemand verurteilen?“-Analysevorgang aktiviert wird. Auch gefährlich: der „wenn er nicht glaubt, dass er der Richtige ist und das machen darf, ist er dann der richtige“-Analysevorgang. Und natürlich auch der Umstand, dass Männlichkeit und Selbstvertrauen sexy sind. Wahrscheinlich der Grund, warum für viele Frauen „es ist einfach so passiert“, als fießender, selbstverständlicher Prozess, ideal ist
Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 21. August 2016

Briefe aus den Gender Studies

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 21. August 2016

Art. 3 Grundgesetz – Gleichberechtigung und deren tatsächliche Durchsetzung

Mal als Einstieg in eine Diskussion zu einem der wesentlichen Artikeln zum Geschlechterthema im Grundgesetz:

Art. 3 Grundgesetz

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden

Einen kurzen Überblick gibt hier das juristische Repetitorium Hemmer:

Gleichheitsrechte
Allgemeiner Gleichheitssatz: Art. 3 I GG
Spezielle Gleichheitssätze: Art. 3 II, III, 6 V, 33 II, 38 I GG

Prüfung der Gleichheitsrechte

1. Willkürformel (ursprüngl. Rspr. des BVerfG)
Der Gleichheitssatz verbietet wesentlich Gleiches willkürlich ungleich und wesentlich Ungleiches
willkürlich gleich zu behandeln.

2. „Neue Formel“

Art. 3 I GG verletzt, wenn zwischen vergleichbaren Normadressaten keine Unterschiede von
solcher Art und solchem Gewicht bestehen, dass sie die ungleiche Behandlung rechtfertigen
können.

3. Vorgehen des BVerfG

a. Ungleichbehandlung von geringem Ausmaß => bloße Willkürkontrolle
b. Ungleichbehandlung von größerem Ausmaß => „neue Formel“ => in der Klausur eher der Regelfall

4. Prüfungsschema für Ungleichbehandlung – „Neue Formel“

1. Schritt: Vergleichsgruppen zu dem betroffenen Grundrechtsträger finden, die ungleich
behandelt werden
entscheidend: Betroffener GR-Träger und Vergleichsgruppen weisen ein gemeinsames
Merkmal auf, so dass sie eine gemeinsame Obergruppe bilden, die andere Gruppen ausschließt.

2. Schritt: Sachliche Rechtfertigung der Ungleichbehandlung prüfen
=> a. zulässiger Differenzierungszweck
b. zulässige Differenzierungskriterien
c. Verhältnismäßigkeit zwischen Differenzierungszweck und -kriterien
Ungleichbehandlung

(S) Gleichheitssatz verletzt, wenn vergleichbare Normadressaten
ohne sachlichen Grund unterschiedlich behandelt werden (neue Formel)
ungleiche Belastung Sachliche Rechtfertigung
oder ungleiche Begünstigung
(hierbei größerer Spielraum) Zulässiger Zweck Zulässige Kriterien VHM Zweck-Kriterien
(angemessen,
nicht sachfremd)

5. Prüfungsschema für Gleichbehandlung

Gleichbehandlung

Gleichbehandlung ungerechtfertigt, wenn Normadressaten (S) so
verschiedenartig, dass es bei einer am Gerechtigkeitsgedanken
orientierten Betrachtung unerträglich ist. (hier: größerer
Handlungsspielraum des Gesetzgebers)

Grafisch wesentlich schöner auf deren Seite

Andere Prüfungsschemata:

hier einige Anwendungen aus konkreten Fällen:

BVerfG  vom 26.10.2011 1 BvR 2075/11

Die Beschwerdeführerin wendet sich mit ihrer Verfassungsbeschwerde mittelbar gegen § 4 Abs. 3 Satz 1 BEEG, nach dem der 14-monatige Bezug von Elterngeld durch einen Elternteil grundsätzlich nicht möglich ist (sogenannte Partner- oder Vätermonate).
2
1. Die verheiratete und mit ihrem Ehemann zusammenlebende Beschwerdeführerin gebar am 5. Dezember 2007 die gemeinsame Tochter J. Auf den Antrag der Beschwerdeführerin, ihr für vierzehn Monate Elterngeld zu gewähren, gewährte ihr die Stadt Münster Elterngeld für zwölf Lebensmonate. Widerspruch und Klage blieben bis vor dem Bundessozialgericht erfolglos. In ihrer Verfassungsbeschwerde rügt die Beschwerdeführerin eine Verletzung ihrer Grundrechte aus Art. 6 Abs. 1 und Abs. 2 GG durch § 4 Abs. 3 Satz 1 BEEG.
3
2. Die Verfassungsbeschwerde ist nicht zur Entscheidung anzunehmen. Annahmegründe nach § 93a Abs. 2 BVerfGG liegen nicht vor. Der Verfassungsbeschwerde kommt weder grundsätzliche Bedeutung zu, noch ist ihre Annahme zur Durchsetzung der in § 90 Abs. 1 BVerfGG genannten Rechte angezeigt.
4
Die Verfassungsbeschwerde hat keine Aussicht auf Erfolg. Ob die mittelbar angegriffene Regelung in Grundrechte der Beschwerdeführerin eingreift (Art. 6 Abs. 1 und 2 GG) kann hier offen bleiben. Die angegriffene Regelung ist jedenfalls durch den dem Gesetzgeber in Art. 3 Abs. 2 GG erteilten Auftrag gerechtfertigt, die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu fördern.
5
a) § 4 Abs. 3 Satz 1 BEEG zielte darauf, „die einseitige Zuweisung der Betreuungsarbeit an Frauen mit den diskriminierenden Folgen auf dem Arbeitsmarkt aufzubrechen“. Sinn und Zweck der Regelungen zu den „Partnermonaten“ sei es, die partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit zu erleichtern. Dieser Zweck könne nur erreicht werden, wenn den bisherigen wirtschaftlichen, persönlichen und rechtlichen Argumenten für eine stärkere Rollenteilung eine klare Regelung an die Seite gestellt werde, die den Argumenten für eine partnerschaftliche Aufteilung mehr Gewicht verleihe (vgl. BTDrucks 16/1889, S. 24).
6
Damit wollte der Gesetzgeber dem Verfassungsauftrag zur Förderung der Gleichberechtigung aus Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG entsprechen (BTDrucks 16/1889, S. 23). Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG verfolgt nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts das Ziel, tradierte Rollenverteilungen zu überwinden (vgl. BVerfGE 92, 91 <112 f.>; 114, 357 <370 f.>; ebenso bereits zu Art. 3 Abs. 2 GG a.F.: BVerfGE 85, 191 <207>; 87, 1 <42>; 87, 234 <258>). Der Verfassungsauftrag will nicht nur Rechtsnormen beseitigen, die Vor- oder Nachteile an Geschlechtsmerkmale anknüpfen, sondern für die Zukunft die Gleichberechtigung der Geschlechter durchsetzen (vgl.BVerfGE 85, 191 <207> m.w.N.). Dies verpflichtet den Gesetzgeber auch dazu, einer Verfestigung überkommener Rollenverteilung zwischen Mutter und Vater in der Familie zu begegnen, nach der das Kind einseitig und dauerhaft dem „Zuständigkeitsbereich“ der Mutter zugeordnet würde (vgl. BVerfGE 114, 357 <370 f.>). Die Art und Weise, wie der Staat seine Verpflichtung erfüllt, die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu fördern und auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinzuwirken, obliegen der gesetzgeberischen Ausgestaltungsbefugnis (vgl. BVerfGE 109, 64 <90>).
7
b) Die Regelung des § 4 Abs. 3 Satz 1 BEEG ist zur Erreichung dieses Ziels geeignet. Ein vom Gesetzgeber gewähltes Mittel ist im verfassungsrechtlichen Sinn bereits dann geeignet, wenn mit seiner Hilfe der gewünschte Erfolg gefördert werden kann, wobei die Möglichkeit der Zweckerreichung genügt (stRspr; vgl. BVerfGE 125, 260 <317 f.> m.w.N.). Demnach wäre die vom Gesetzgeber getroffene Regelung nur dann mangels Eignung verfassungswidrig, wenn sie zur Erreichung des durch Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG vorgegebenen Ziels, zu einer partnerschaftlicheren Rollenverteilung beizutragen, evident ungeeignet wäre. Dies ist nicht der Fall. Gegen eine evidente Ungeeignetheit des vom Gesetzgeber gewählten Mittels spricht die tatsächliche Entwicklung: Betrug nach Angaben des Statistischen Bundesamtes der Anteil der Kinder, deren Vater Elterngeld bezog, bei den im Jahr 2007 geborenen Kinder noch 15,4 %, so stieg deren Anteil bei Geburten im 3. Quartal 2009 auf 23,9 % an. Diese Daten lassen eine Steigerung der Akzeptanz der Wahrnehmung von Familienverantwortung durch Väter – und damit längerfristig auch die Erreichung des vom Gesetzgeber angestrebten Zwecks – zumindest als möglich erscheinen.

Feuerwehrabgabe nur für Männer: BVerfG  24.01.1995 1 BvL 18/93,

1. Die Beschränkung einer Feuerwehrdienstpflicht und einer hieran anknüpfenden Abgabepflicht auf Männer verstößt gegen das Diskriminierungsverbot des Art 3 Abs 3 GG.

2. Die Grundsätze über die finanzverfassungsrechtliche Zulässigkeit parafiskalischer Sonderabgaben (BVerfG, 1980-12-10, 2 BvF 3/77, BVerfGE 55, 274 <298 ff>; BVerfG, 1990-05-31, 2 BvL 12/88, BVerfGE 82, 159 <179 ff>) gelten auch für landesrechtliche Sonderabgaben. Die baden-württembergischen und bayerischen Vorschriften über die Erhebung einer auf männliche Gemeindeeinwohner beschränkten Feuerwehrabgabe oder Feuerschutzabgabe sind mit diesen Grundsätzen nicht vereinbar (Abweichung von BVerfG, 1961-10-17, 1 BvL 5/61, BVerfGE 13, 167).
Orientierungssatz

1. Zu Ls 1:

a) An das Geschlecht anknüpfende differenzierende Regelungen sind mit GG Art 3 Abs 3 nur vereinbar, soweit sie zur Lösung von Problemen, die ihrer Natur nach nur entweder bei Männern oder bei Frauen auftreten können, zwingend erforderlich sind (vgl BVerfG, 1992-01-28, 1 BvL 16/83, BVerfGE 85, 191<207>). GG Art 3 Abs 2 GG enthält daneben keine weitergehenden oder speziellen Anforderungen.

Wenngleich die Feuerwehrdienstpflicht zu den nach GG Art 12 Abs 2 zulässigen öffentlichen Dienstleistungspflichten gehört , so sind indes keine Gründe festzustellen, die eine Beschränkung der Feuerwehrdienstpflicht auf Männer zwingend zur Lösung geschlechtsspezifischer Probleme erforderlich machen.

b) Fehlt es an zwingenden Gründen für eine Ungleichbehandlung, läßt sich diese nur noch im Wege einer Abwägung mit kollidierendem Verfassungsrecht legitimieren. Insoweit kommt vor allem das erwähnte Gleichberechtigungsgebot des GG Art 3 Abs 2 in Betracht, das den Gesetzgeber berechtigt, faktische Nachteile, die typischerweise Frauen treffen, durch begünstigende Regelungen auszugleichen (vgl BVerfG, 1987-01-28, 1 BvR 455/82, BVerfGE 74, 163 <180>).

aa) Vorliegend scheidet GG Art 12 Abs 2 als Legitimationsgrund aus, da einer Ausweitung der Feuerwehrdienstpflicht auch auf Frauen nicht entgegengehalten werden kann, daß es eine Dienstpflicht dieses Inhalts in der Vergangenheit nicht gegeben habe, eine solche somit nicht herkömmlich iSv GG Art 12 Abs 2 sei.

bb) Die festgestellte Ungleichbehandlung ist auch nicht durch das Gleichberechtigungsgebot des GG Art. 3 Abs. 2 gerechtfertigt. Insbesondere bieten die zur Prüfung stehenden Vorschriften des baden-württembergischen und bayerischen Landesrechts keinen Anhaltspunkt dafür, daß mit der Beschränkung der Feuerwehrdienstpflicht und Feuerwehrabgabepflicht auf Männer faktische, typischerweise Frauen treffende Nachteile (in anderen Lebensbereichen) durch eine Frauen begünstigende Regelung ausgeglichen werden sollten.

2. Zu Ls 2:

a) Die eine Abgabepflicht begründenden Normen des Landesrechts (FeuerwG BW § 37 Abs 1 u 2, FeuerwG BY Art 23 Abs 1, KAG BY Art 4 Abs 1) genügen nicht den vom BVerfG aufgestellten Grundsätzen über die finanzverfassungsrechtliche Zulässigkeit von Sonderabgaben (vgl BVerfG, 1990-05-31, 2 BvL 12/88, BVerfGE 82, 159 <179>), gehören nicht zur verfassungsmäßigen Ordnung iSv GG Art 105 Abs 2 und 2a und verletzen deshalbGG Art 2 Abs 1 GG (vgl BVerfG, 1994-10-11, 2 BvR 633/86, NJW 1995, 381).

aa) Da bei der Frage nach der Rechtsnatur der Feuerwehrabgabe weder die formale Klassifizierung oder Benennung noch die konkrete haushaltsmäßige Behandlung der Abgabe durch den Gesetzgeber, sondern ihr materieller Gehalt entscheidend ist, kann diese weder als Steuer noch als Gebühr oder Beitrag qualifiziert werden.

bb) Die bei der Prüfung bundesrechtlich geregelter Abgaben entwickelte Sonderabgaben-Rechtsprechung des BVerfG ist insbesondere deshalb auch auf den Bereich landesrechtlicher Sonderabgaben zu übertragen, weil andernfalls einzelnen Ländern ein allgemeiner, nicht den Schranken der Steuergesetzgebungskompetenz aus GG Art 105 Abs 2 und 2a unterliegender Zugriff auf das begrenzte Leistungsvermögen der Bürger eröffnet würde.

cc) Zur auf Fälle der Herstellung einer Belastungsgleichheit beschränkten Zulässigkeit von Ausgleichsabgaben vgl BVerfG, 1984- 11-06, 2 BvL 19/83, BVerfGE 67, 256 <277>.

Steht der tatsächliche Befund (hier: aufgrund freiwilliger Dienstleistung im Feuerwehrwesen fehlende Aktualisierung einer Dienstpflicht) im Gegensatz zur gesetzlichen Konzeption und Legitimation einer Ausgleichsabgabe, so ist die Erhebung einer „Ausgleichsabgabe eigener Art“ mangels zur Dienstpflicht korrespondierender Naturallast nicht gerechtfertigt.

dd) Fehlt es an der erforderlichen Homogenität der in Anspruch genommenen Gruppe und deren Sachnähe zu der zu finanzierenden Aufgabe, so ist die Erhebung einer Sonderabgabe (im engeren Sinn) verfassungswidrig.

b) Es verstößt gegen GG Art 3 Abs 1, wenn zur Finanzierung des Feuerwehrwesens lediglich ein abgegrenzter Personenkreis im Wege der Abgabe herangezogen wird, obwohl es sich hierbei um eine öffentliche Angelegenheit handelt, deren Lasten nur die Allgemeinheit treffen dürfen und die deshalb nur mit von der Allgemeinheit zu erbringenden Mitteln finanziert werden darf.

Auch für den Fall, daß der Landesgesetzgeber Korrekturen vornehmen und auch die Frauen in die Feuerwehrdienstpflicht und Feuerwehrabgabepflicht einbeziehen wollte, würde dies an der Verfassungswidrigkeit der Feuerwehrabgabe nichts ändern: Auch dann bliebe die Feuerwehrabgabe ebenfalls verfassungswidrig, da dem nach der Rspr des BVerfG (vgl BVerfG, 1980-12-10, 2 BvF 3/77, BVerfGE 55, 274 <305>) notwendigen Erfordernis der besonderen Sachnähe und Finanzierungsverantwortlichkeit der so gebildeten Gruppe nicht genügt wäre.

3. Ein Absehen von der Nichtigerklärung der zur Prüfung gestellten Norm ist dann nicht veranlaßt, wenn sich die Betroffenen (hier die Gemeinden) aufgrund eines Urteils des EGMR (hier: EGMR, 1994-07-18, 12/1993/407/486, VBlBW 1994, 402) auf eine Rechtsänderung einstellen mußten.
Fundstellen

 

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 20. August 2016

Selbermach Samstag 200 (20.08.2016)

Der zweihunderste Selbermach Samstag! Und fast 300 „Gefällt mir“ auf Facebook. Das ist doch schon mal was. Würde mich freuen, wenn da jemand die 300 voll macht oder die Seite Leuten interessiert.

Jetzt aber zurück zum üblichen:

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 20. August 2016

„Wer gegen Feminismus ist, ist gegen Gleichberechtigung“ als falsches Dilemma

Ein häufiges Argument gegen Kritik am Feminismus ist, dass Feminismus doch nur für Gleichberechtigung sei und damit jeder, der gegen den Feminismus sei, auch gegen Gleichberechtigung ist. Zu diesem Argument, auch in Kombination mit „Im Wörterbuch steht, dass es für Gleichberchtigung ist“ oder in der Kurzform „Da weiß jemand nicht, was Feminismus bedeutet“, habe ich bereits etwas geschrieben:

Jetzt bin ich noch auf die formelle Position gestoßen, die man gegen dieses Argument anführen kann: Das falsche Dilemma

Aus der Wikipedia:

A subcategory of this form is the false dilemma; an unfavorable attribute to any future opponents, in an attempt to discourage debate. (For example, „That’s my stance on funding the public education system, and anyone who disagrees with me hates children.“) Any person who steps forward to dispute the claim will then risk applying the tag to him or herself in the process.

Die etwas angepasstere Form wäre: Wer gegen Feminismus ist, der ist jemand, der Frauen unterdrücken und ihnen Rechte vorenthalten will.

Tatsächlich kann man Frauen alle Rechte zugestehen wollen, aber eben gleichzeitig ein Patriarchat nicht für gegeben halten oder nicht an die allgemeine Schuld aller Männer glauben.

Solange der Feminismus Inhalte hat, die weit über Gleichberechtigung hinausgehen oder Gleichberechtigung auf eine bestimmte Weise erreichen wollen, die man aber für nicht geeignet hält, kann man damit auch gegen den Feminismus und für Gleichberechtigung sein. Es handelt sich demnach um ein falsches Dilemma, weil die eine Sache nichts mit der anderen zu tun hat.

Mir scheint, dass das falsche Dilemma eine im Feminismus häufig anzutreffende Figur ist. Denn es wird gerne eine einfache Verbindung von „wer gegen Feminismus ist, der…“ gebildet. Da eh jede Kritik am Feminismus unter ein Tabu gestellt wird und stets Feminismus als die einzige Lösung für bestimmte Probleme gesehen wird, wird es zwangsläufig immer wieder zu falschen Dilemmas kommen, da auf diesem Weg

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 19. August 2016

Warum Feminismus gut für Männer ist

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 19. August 2016

„Mansplaining“ und unterschiedliche Gesprächstile von Mann und Frau

Der Economist hat ein paar Anmerkungen zum „Mansplaining“ (siehe auch):

“Mansplaining” was so named by Rebecca Solnit. She was telling an older man that she had written a book on a particular topic when he interrupted and started lecturing her about an important recent book on that same topic. Ms Solnit’s friend had to say—three times—“that’s her book” before the man realised his boorishness and retreated

Das ist in der Tat auch eine bizarre Situation für sie. Was schließt sie daraus:

Ms Chemaly has a simple explanation for male overconfidence, which she sees as the root of the problem. Namely, the problem is

good old-fashioned sexism expressed in gendered socialization and a default cultural

Wenn man ein Feminist ist, dann ist „Sexismus“ eh die Universalerklärung. Etwas anderes kommt dann gar nicht in Betracht.

But another (complementary) explanation is at hand. “Mansplaining”, before it was so named, was identified by Deborah Tannen in her 1990 book “You Just Don’t Understand”. Ms Tannen, a linguist at Georgetown University, described a dinner at which the female scholar to her left shared her research agenda, and the two happily discussed their work and their overlap. But when Ms Tannen turned to a male colleague and briefly mentioned her research he, not a linguist, began going on and on about his own work that touched on neurolinguistics. Leaving the conversation she realised that she had just played the embarrassing subordinate role in the scenarios where she was the expert.

But Ms Tannen says “the reason is not—as it seems to many women—that men are bums who seek to deny women authority.” Instead, she says, “the inequality of the treatment results not simply from the men’s behavior alone but from the differences in men’s and women’s styles.” (In everything that follows, “men do X” and “women do Y” should be read as on average, men tend somewhat more towards X and women towards Y, with great variation within both sexes.) In Ms Tannen’s schema, men talk to determine and achieve status. Women talk to determine and achieve connection. To use metaphors, for men life is a ladder and the better spots are up high. For women, life is a network, and the better spots have greater connections.

Das wäre also eine bereits häufiger dargestellte Unterscheidung, bei der Männer in eine Gespräch eher Status einbinden und vielleicht deswegen auch eher auch kontrovers zu Sachthemen diskutieren und Frauen mit dem Gespräch eine Verbindung aufbauen wollen, während die Inhalte und die Frage was richtig ist, eher eine untergeordnete Rolle spielen.

Dazu hatte ich schon mal geschrieben:

Für die Studie hat Parship rund 1.000 Personen zwischen 18 und 65 Jahren befragt. Zunächst bekamen die Teilnehmer drei Streittypen vorgesetzt und sollten sich selbst einer dieser Kategorien zuordnen. 45 Prozent aller befragten Frauen gaben an, in einer Konfliktsituation mit dem Partner emotional zu reagieren. Bei den Männern waren es nur 36 Prozent. Immerhin über die Hälfte der männlichen Teilnehmer gaben jedoch an, bei einem Streit ruhig und sachlich zu diskutieren. Auch bei den Verhaltensweisen unterscheiden sich Frauen und Männer: 43 Prozent der Frauen gaben an, schnell beleidigt zu sein, während 30 Prozent aller Männer nach eigener Aussage dem Konflikt ausweichen.

Geht man hier davon aus, dass es Frauen weniger um das Thema als um die Beziehung geht, dann wäre klar, dass sie emotionaler argumentieren als Männer, denen es eher um das Thema geht und es wäre auch interessant, dass Männer dann eher nachgeben, weil sie merken, dass sie in dem Thema nicht gewinnen können und den Statuskampf deeskalieren wollen.

An anderer Stelle ging es um Gesprächsstile in der Geschlechterdebatte:

Die “gemäßigten Feministen” und die “gemäßigten Maskulisten” reden seit Jahren aneinander vorbei.

  • Die Feministen reden über Alltagserfahrungen und sind frustriert, wenn die Maskulisten auf dieser Grundlage stets eine Grundsatzdiskussion führen wollen und eine Positionierung zur feministischen Theorie verlangen. Aus ihrer Sicht muss das wie eine Verharmlosung dieser Erfahrungen, wie ein eristrisches Derailing wirken.
  • Die Maskulisten reden über theoretische Grundlagen, über politische Strukturen und über biologische Dispositionen. Und sind frustriert, weil sie es mit einem Gegenüber zu tun haben, der sich schlicht weigert, sich zu irgendeinem wie auch immer gearteten Standpunkt zu bekennen. Aus ihrer Sicht kommt ihnen das Gespräch vor wie ein unredliches Katz-und-Maus-Spiel, ein immerwährendes Spiel des moving target.

Während Männer versuchen ihren Status dadurch zu heben, dass sie die besseren Argumente bringen und damit die Diskussion gewinnen, geht es den Frauen um die Etablierung der Verbindung, in der ihre Alltagserfahrung anerkannt werden.

Aber zurück zum Text:

What evidence shows that male and female styles differ? Among the most compelling is a crucial piece left out of the “simple sexism” explanation: men mansplain to each other. Elizabeth Aries, another researcher, analysed 45 hours of conversation and found that men dominated mixed groups—but she also found competition and dominance in male-only groups. Men begin discussing fact-based topics, sizing each other up. Before long, a hierarchy is established: either those who have the most to contribute, or those who are simply better at dominating the conversation, are taking most of the turns. The men who dominate one group go on to dominate others, while women show more flexibility in their dominance patterns. The upshot is that a shy, retiring man can find himself endlessly on the receiving end of the same kinds of lectures that Ms Tannen, Ms Chemaly and Ms Solnit describe.

Wenn Männer die gleichen Methoden auch innerhalb von Männergruppen verwenden, dann wäre der Vorwurf, dass sie diese Taktiken speziell verwenden, um Frauen niederzumachen, in der Tat unbegründet.

When men and women get together, the problem gets more systematic. Women may be competitive too, but some researchers (like Joyce Benenson) argue that women’s strategies favour disguising their tactics. And if Ms Tannen’s differing goals play even a partial role in the outcome, we would expect exactly the outcome we see. A man lays down a marker by mentioning something he knows, an opening bid in establishing his status. A woman acknowledges the man’s point, hoping that she will in turn be expected to share and a connection will be made. The man takes this as if it were offered by someone who thinks like him: a sign of submission to his higher status. And so on goes the mansplaining. This is not every man, every woman, every conversation, but it clearly happens a lot.

Das wäre also etwas übertrieben der Hund, der mit dem Schwanz wedelt und die Katze, die das als Zeichen von Aggressivität ansieht. Es wären schlicht inkompatible Gesprächsstile, die beide für sich gut funktionieren können, aber ganz andere Ziele und Inhalte haben.

Any half-educated man will know that women have equal intelligence, greater abilities in some areas, and are now out-competing men in education in Western countries. But male-dominated societies have, unsurprisingly, rewarded typically male behaviour: alpha males, and women who “act like men”, and can bear being called “bossy” and “bitchy” for doing so. This is where much of the sexism lies: punishing women (and sometimes men) who act like the “wrong” gender.

Ms Chemaly is right that not all the lessons should be aimed at getting women and girls to speak more like men. Both boys and girls should be taught that there are several purposes to talking with others. To exchange information, to achieve status and to achieve connection are goals of almost any conversation. If one party to a chat expects an equal exchange and the other is having a competition, things get asymmetrical—and frustrating.

Es wäre interessant, ob Männer und Frauen (noch) besser miteinander auskommen würden, wenn man früh darauf hinweisen würde, dass Unterschiede im Schnitt, wenn auch nicht absolut, bestehen, und darlegt, wo es zu Mißverständnissen kommen könnte. Natürlich würde das eine Abkehr von der Gleichheitsdoktrin bedeuten.

So, boys and girls, if you have something to say, speak up—your partner may not necessarily hand you the opportunity. And if you find yourself having talked for a while, shut up and listen. Your partner isn’t necessarily thick: it could be the other person is waiting for you to show some skill by asking a question. There are plenty of intra-sex differences among boys and among girls, and enough to commend both approaches to conversation. So the best way to think of this is not the simple frame that women need to learn how to combat “old-fashioned sexism”. Rather, both sexes need to learn the old-fashioned art of conversation.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell man die simple Erklärung „Das ist Sexismus“ in etwas wesentlich konstruktiveres umwandeln kann, wenn man bereit ist, nicht einfach einseitig die Schuld einer Seite zuzuweisen.

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