„Die Ehefrau durfte bis in die 70er Jahre nicht ohne Erlaubnis des Ehemannes arbeiten“

Gerade stieß ich in einer Diskussion wieder auf das Argument, dass Frauen bis in die 70er eine Erlaubnis des Ehemannes benötigten um Arbeiten zu dürfen und war mir sicher, dass ich einen Artikel dazu habe. Hatte ich aber anscheinend nicht oder habe ihn nicht gefunden. 

Immerhin ist es in den Kommentaren diskutiert worden:

Dummerjan

(1) Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung.
[2] Sie ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist.

(2) Jeder Ehegatte ist verpflichtet, im Beruf oder Geschäft des anderen Ehegatten mitzuarbeiten, soweit dies nach den Verhältnissen, in denen die Ehegatten leben, üblich ist.“


Daraus willst Du die gesetzliche Hausfrauenehe konstruieren?
Das ist schierer Unsinn. Was dort steht heißt übersetzt:
DIe Frau führt den Haushalt und der Mann hat dort die Klappe zu halten und das Geld dafür zur Verfügung zu stellen. Doort steht kein „soll, muß“ o.ä.
Der Palandt von 1953 enthielt bereits einen Verweis darauf, daß eben der von Dir gezogene Schluß auf eine Hausfrauenpflicht nicht zu ziehen sei und auch dem Grundgesetz widerspräche (gilt auch für BGB 1358). Aber auch vorher bestand diese Pflicht nicht, jedoch war immer der Haushaltsführungsvorbehalt durch den Ehemann einklagbar. Es war aber eine Untersagung erforderlich und nicht, wie so oft behauptet, eine Genehmigung der Berufstätigkeit der Ehefrau, was völlig verschiedene Dinge sind.
Und mal ehrlich: Hast Du eine Idee davon was es Anfang des Jahrhunderts bedeutete Arbeiten zu gehen (12h Tag) und einen Haushalt zu führen? Letztlich handelte es sich hier um eine gesetzliche Rollenzuweisung: Wenn Du Ehefrau und von Mann unterhalten, dann DU Haushalt. Und es galt auch umgekehrt: Wenn Du Ehemann, dann bitte unterhalte Frau und Kinder.
Wir haben ähnliche Rollenzuteilungen auch heute noch: Für Kinder. Gern können wir diese Kinderdiskriminierung abschaffen…

vR direkt darunter:

Das Privileg der Hausfrauenehe war in der Tat ein Privileg, das die Frauen lange verteidigt haben.

Eigentlich sollte die entsprechende Regel §1358 BGB bereits 1958 fallen. Nach der zehnjährigen Erprobungsphase der BRD-Gesetze, die zum großen Teil aus den alten Gesestzesvorschriften der vorangegangenen deutschen Reiche übernommen worden sind, sollten alte Zöpfe, u.a. auch der §1356, fallen.

Man muss dazu wissen, dass dieses Gesetz zuvor, vor Gründung der BRD, ausschließlich zum Schutz des Kindswohls angewendet wurde: gab es ein versorgungsbedürftiges (kleines!) Kind, dann konnte der Ehemann vor dem Vormundschaftsrichter ein Urteil beantragen, das es der Frau untersagte, eine ansonsten unanfechtbare Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Nur der Richter konnte (und nur unter ganz bestimmten Umständen) der Frau die Tätigkeit zugunsten des Kindes untersagen, der Ehemann selbst – konnte das nie! Insofern bestand aus Männersicht schon eine hohe Hürde, um evtl Meinungsverschiedenheiten zu klären: der Rechtsweg zum Gericht war angesagt.

Es hat bis 1958 (und auch danach) keinen einzigen Fall in der BRD gegeben haben, in dem der §1358 BGB von einem Mann gegen seine Frau vor Gericht angewendet wurde! Für die Männer und Frauen der BRD hat der § nie eine Rolle gespielt!

Das Gesetz war insofern bereits seit langem anerkannt völlig überflüssig. Es konnte weg.
1958 sollte das er fallen: die – überwiegend Männer- des Deutschen Bundestages wollten den §1358 BGB nicht verlängern. Er wäre 1958 sang- und klanglos ausgelaufen. Verschwunden.

Aber: aus den Reihen der CDU-Frauenunion kam in letzter Sekunde erheblicher Widerstand. Es ging den Frauen dabei nicht darum, dem Patriachen in der Ehe den rein theoretischen Rechtsweg zum Vormundschaftsrichter zu erhalten. Ach was!

Warum habend die Frauen also so an der Bestimmung festgehalten?

Die nur auf dem Papier bestehende und nie angewendete Möglichkeit, mit diesem § einer Frau eine Erwerbstätigkeit richterlich untersagen zu lassen, war die eine Seite der Medaille. Die andere Seite hieß, insbesonder in Verbindung mit dem § 1356 BGB: Frauenprivileg, und zwar erheblich! Die Frauen wollten dieses Privileg nicht aufgeben! Auf Grund des zähen anhaltenden Widerstands der CDU-Frauenunion fielen diese Vorschriften darum letztlich erst 1977, lange nachdem die Wirtschaftswunderjahre und die Zeit der Vollbeschäftigung vorbei waren.

Das Hausfrauenprivileg:
Man muss sich dazu daran erinnern, dass es in den 50ern einen gehörigen Frauenüberschuss gab. Kriegsbedingt waren Männer – knapp. Weil sie tot waren. Oder verschollen. Die Männer die noch da waren, waren in Zeiten des Wirtschaftswunders gesuchte Arbeitskräfte. Vollbeschäftigung, steigende Löhne, es ging aufwärts! Zunächst begründete also das Ehefrauendasein einen gewissen bürgelichen bequemen Wohlstand auf Grundlage des Erwerbseinkommens des unterhaltsverpflichteten Ehemanns.

Der Anteil der Arbeit, die mit der Hausfrauentätigkeit verbunden war, reduzierte sich in den 50er Jahren erheblich: die Wirtschaftswunderanschaffungen Waschmaschine, Elektroherd, Kühlschrank und Staubsauger erleichterten den Hausfrauenalltag enorm! Die Zahl der kinderreichen Familien nahm rapide ab: die Anzahl der Kinder/Familie sank, und der Arbeitsaufwand für die Kinder nahm entsprechend auch ab. Ein durchaus angenehmes Leben! Eine sehr verlockende Chance also für jede Frau, sich einen der noch zu habenden, ledigen, heiratsfähigen und wirtschaftlich zukunftsträchtigen Männer zu angeln, und dann von diesem sofort nach Recht und Gesetz VOLL versorgt zu werden.

Jeder der in Saft und Kraft und Lohn und Brot stehenden Männer war, kein Wunder, selbstverständlich ein beliebtes und begehrtes Objekt der Begierde für die große Mehrheit der heiratswütigen Kriegerwitwen und ledigen Frolleins: Wirtschaftswunder, Vollversorgung bis ans Lebensende, DAS bedeutete das Privileg, eine verheiratete Hausfrau sein zu dürfen!

Den Frauen in den 50er Jahren war immer durchaus bewusst, welche Vorteile sie auf Grund der Hausfrauenehe nach dem damaligen BGB hatten. Sie wussten, dass dies ein echtes Frauenprivileg war und haben entsprechend lange um ihren Erhalt gekämpft.

Die Hausfrauenehe war nie das Unterdrückungsinstrument, zu dem u.a. die HERstory-Geschichtsschreibung sie verzerren will. Sie war, wie gesagt, ein Frauenprivileg! Was sie eigentlich immer noch geblieben ist, bis heute.

Wenn es nach dem Willen der Männer gegangen wäre, dann wäre dieses Privileg schon vor Jahrzehnten, 1958, abgeschafft worden…

Dummerjan wieder:

https://dejure.org/gesetze/BGB/1356.html 

Dort: Ältere Fassung
Palandt Kommentar zum BGB aktuell 76. Auflage 2016
Die einschlägige Fassung ist die 11. Auflage von 1953
Uwe Wesel, Geschichte des Rechts, 2. Aufl. 2001, Rdnr. 334 S. 557; zur Entstehungsgeschichte des GlBerG vgl. Ramm, Juristenzeitung 1968, S. 43 Fn. 7


II. Buch. II. Abschnitt. Ehe.

Der Ehemann als Schützer des Hauses hat diese Befugnis, denn sonst läßt sich ein Eindringen von Unlauterkeiten und Schlechtigkeiten in das Haus nicht verhüten (§ 1354 BGB.). Daraus ergibt sich endlich, daß der Ehemann einer geistes-kranken Frau die nötigen Vorsichtsmaßregeln anwendenmuß, um das Publikum zu sichern, und daß er dafür nach § 832 verantwortlich ist 1 ).

Daher kann auch der Ehemann seiner Frau den Betrieb eines Geschäfts insofern verbieten, als es die eheliche Wohnung mit in Anspruch nimmt. Will sie das Geschäft anderswo aufmachen, so kann der Mann sie nicht direkt hindern, er kann es aber indirekt tun, indem er eine Ordnung des Hauswesens einführt, welche mit dem Geschäft unverträglich ist.

Dem muß sich die Frau fügen, sofern die Bestimmung des Mannes nicht mißbräuchlich ist. Fügt sie sich nicht, so kann er ihr Unterhalt und Zusammenwohnen verweigern. In einem Falle kann er sich auch außerhalb des häuslichen Kreises in die Geschäftsangelegenheiten der Frau einmischen: er kann ein Dienstverhältnis, welches die Frau zu persönlichen Leistungen verpflichtet, kündigen, falls er nicht seinerzeit die Zustimmung hierzu erteilt hat, ist aber bei der Kündigung an die Genehmigung des Vormundschaftsgerichts gebunden (§ 1358 BGB.). Auch ein Werkvertrag oder ein Auftragsgeschäft, welches die Frau zu persönlichen Leistungen verpflichtet, gehört hierher, z. B. wenn sich eine Sängerin zu einem Gastspiel, eine Architektin zu einem Hausbau, eine Dilettantin zu einer Wohltätigkeitsvorstellung verpflichtet hat. Die Kündigung erfolgt kraft persönlichen Übergriffs aus der Sphäre des Mannes in die der Frau.

III. Die tatsächliche Übung des Hausstandes führt zum Besitz des Mannes an den dem Hausstand anvertrauten Sachen, nach den Grundregeln des Besitzes 2 ). Ein Mitbesitz der in Gemeinschaft lebenden Frau liegt vor, aber ein Mitbesitz untergeordneter, der Eigenart der Ehefrauenstellung entsprechender Art 3 ). “ aus Lehrbuch des Bürgerlichen Bechts
Von Dr. Josef Kohler
Geheimer Justizrat
ord. Professor an der Universität Berlin
Dritter Band, erster Teil
Familienrecht
Berlin
Carl Heymann
1915

Gern vergessen wir auch die Schlüsselgewalt der Frau im Haushalt gegen die auch der Ehemann nur gerichtlich vorgehen konnte:
„1. Wenn der Mann die Schlüsselgewalt der Frau beschränkt oder ganz aufhebt, und wenn die Frau behauptet, daß hierin ein Mißbrauch seines Rechts liegt, so kann das Ehegericht eingreifen und die entziehende oder beschränkende Verfügung des Mannes aufheben (§ 1357 BGB.) 3 ).
„(ebenda) https://de.wikipedia.org/wiki/Schl%C3%BCsselgewalt
M.a.W. zur Deckung des Haushaltsbedarfes durfte die Ehefrau auch ohne dessen Einwilligung beliebige Rechtsgeschäfte vornehmen. Diese waren bis zum gegenteiligen bescheid rechtsgültig. Auch das wurde abgeschafft. Zur Erleichterung vieler Ehemänner.

Recht ist kein Rosinenpicken in Paragrafen, sondern ein abgestimmtes Verhältnis von Rechten und Pflichten.

Und vR wieder auf die Frage nach Quellen:

@Matze:
leider nicht ausreichend. Diese Dinge habe ich vor bald 2 Jahren gelesen, in einem Fachartikel, im Zusammenhang mit den anderen Mythen über die „Trümmerfrauen“, die es so nicht gegeben hat, und die weitestgehend falschen Schauergeschichten „Frauen durften kein Konto haben und Vergewaltigung in der Ehe war legal!“.

Ein Satz damals, den der wohl juristisch versierte Artikelverfasser so brachte: „Es wäre mal eine Aufgabe für einen Rechtshistoriker herauszufinden, ob es jemals in der Geschichte der BRD einen solche Fall gegeben hat, wo ein Mann vor Gericht gegangen ist um seiner Frau die Arbeitsaufnahme untersagen zu lassen. Ich persönlich habe jedenfalls keinen Fall gefunden. Vielleicht ist ja jemand anderes erfolgreich!“ (so in etwa stand das da, zitiert aus dem Langzeitgedächtnis).

Ich habe ad hoc nur etwas über den 1358 bei wikimannia gefunden: http://de.wikimannia.org/1358_BGB
Hier wird darauf hingewiesen, dass die zeitgenössische Kommentierung ausdrücklich die Nichtanwendung von 1358 ZWINGEND geboten sah, wegen der überragenden Bedeutung des Art 3 Grundgesetz. Die 50-er Jahre-Juristen waren nach damaliger herrschender Meinung der Auffassung, dass §1358 BGB nicht(mehr) anwendbar war! Zumindest was die Möglichkeit der Beschränkung der Berufsausübung einer Ehefrau betraf.

Das würde auch erklären, warum es gar keine tatsächlichen Anwendungsfälle mehr in der BRD gegeben hat.

Es scheint mir also relativ leicht, unter Verweis auf diese alten BGB-Kommentare festzustellen: kein Mann hatte in der BRD seit Inkratftreten des GG jemals das Recht, seiner Frau die Berufsausübung zu verbieten! Und keiner hat es je vor Gericht versucht!

Über die Einflussnahme der CDU-Frauenunion zur Erhaltung des Hausfrauenprivilegs und der Verschiebung des Gesamtpakets der Abschaffung der §§1356, 1358 usw BGB habe ich so ratz fatz bislang nichts gefunden. Ich fürchte, dass ich nach dem Artikel suchen muss, den ich vor langer Zeit gelesen habe. Das wird schwierig – keine Ahnung wo und wann das genau war…. Oder ich müsste in zeitgenössischer Presse, Archiven und Parlamentsprotokollen recherchieren. Wozu mir leider Zeit und Möglichkeiten fehlen.

Und hier noch mal die Regelungen des BGH in den jeweiligen Fassungen:

a) 1900

§ 1354 BGB i.d.F. v. 18.8.1896, RGBl 1896, 195 m.W.v. 1.1.1900

1Dem Manne steht die Entscheidung in allen das gemeinschaftliche eheliche Leben betreffenden Angelegenheiten zu; er bestimmt Wohnort und Wohnung.

2Die Frau ist nicht verpflichtet, der Entscheidung des Mannes Folge zu leisten, wenn sich die Entscheidung als Mißbrauch seines Rechtes darstellt.

§ 1356 BGB i.d.F. v. 18.8.1896, RGBl 1896, 195 m.W.v. 1.1.1900

1Die Frau ist, unbeschadet der Vorschriften des § 1354, berechtigt und verpflichtet, das gemeinschaftliche Hauswesen zu leiten.

2Zu Arbeiten im Hauswesen und im Geschäfte des Mannes ist die Frau verpflichtet, soweit eine solche Thätigkeit nach den Verhältnissen, in denen die Ehegatten leben, üblich ist.

 

b) ab 1958 BGB

§ 1356 BGB i.d.F. des Gleichberechtigungsgesetz v. 18.6.1957, BGBl I 1957, 609 m.W.v. 1.1.1958

1Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung.

2Sie ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist.

3Jeder Ehegatte ist verpflichtet, im Beruf und Geschäft des anderen Ehegatten mitzuarbeiten, soweit dies nach den Verhältnissen, in denen die Ehegatten leben, üblich ist.

c) ab 1977

§ 1356 BGB i.d.F. des Ersten Gesetzes zur Reform des Ehe- und Familienrechts (1. EheRG) v. 14.6.1976, BGBl I 1976, 1421 m.W.v. 1.1.1977

(1) 1Die Ehegatten regeln die Haushaltsführung im gegenseitigen Einvernehmen.

2Ist die Haushaltsführung einem der Ehegatten überlassen, so leitet dieser den Haushalt in eigener Verantwortung.

(2) 1Beide Ehegatten sind berechtigt, erwerbstätig zu sein.

2Bei der Wahl und Ausübung einer Erwerbstätigkeit haben sie auf die Belange des anderen Ehegatten und der Familie die gebotene Rücksicht zu nehmen.

Gerne ergänzen

Redhandday – Aktion gegen Kindersoldaten

Am 12.2.2021 war Redhandday – Politiker, Promis etc malen sich eine Hand rot an, was nehme ich an an eine blutige Hand erinnern soll und sprechen sich gegen Kindersoldaten aus. Das ist zweifellos eine gute Auktion, wenn sie auch an der konkreten Situation nichts ändern wird. Immerhin mag es einzelne für das Problem sensibilisieren.

Ich habe die Aktion über Twitter wahrgenommen und fand es einfach mal interessant zu schauen, wie ein Problem dargestellt wird, was ganz überwiegend Jungs oder junge Männer betrifft.
Hier etwas zu den Zahlen:

There is not enough data on girls’ association with armed forces and groups, and 2019 data from the UN-led Monitoring and Reporting Mechanism (MRM) on the six grave violations against children in conflict, for example, shows that only 8% of the 4,594 CAAFAG identified in 11 countries were girls.

Also etwa 92% Jungs.

Bei Kampagnen, die zu 92% Mädchen betreffen würden, würde man glaube ich sehr deutlich machen, dass gerade Mädchen betroffen sind.

Mal sehen wie es bei Jungs ist. Ich verlinke mal die „Top Tweets“ unter dem Hashtag #Redhandday

Frau Jelpke von den Linken (die neulich  vermeiden wollte, dass man Hass gegen Männer von Feministinnen aus Versehen strafbar macht) wendet sich erst einmal nur gegen die Bundeswehr und hält es Geschlechtsneutral

Terre des Hommes hält es geschlechtsneutral und schließt auch Transpersonen ein.

Künast hält es mit „Kindern“ neutral

Ricarda Land spricht auch nur von Kindern.

Die Linke bleibt auch bei Kindern und im Video „Kindersoldat:innen“

Herr Bartsch bleibt auch bei Kindern

Man muss einige Zeit scrollen, dann kommt immerhin ein Tweet, der auf Jungen abstellt:

Er bleibt aber recht einsam

Sucht man nach „#Redhandday Jungen“ dann findet man meist Tweet, die von „Mädchen und Jungen“ oder „Jungen und Mädchen“ sprechen.

Jetzt ist natürlich auch nichts dagegen zu sagen, dass man sich allgemein gegen Kindersoldaten wendet und es bei Jungen und Mädchen verurteilt. Zumal ein Tweet, gerade ein solcher, der ja eine Teilnahme an einer solchen Aktion ist, auch nicht zuviel Platz für Differenzierung bietet.

Insofern sollte man es auch nicht überbewerten. Aber ich wollte es zumindest mal festhalten und bei Auftauchen einer ähnlichen Aktion mit umgekehrter Geschlechterbetroffenheit mal vergleichen.

Selbermach Samstag 328 (20.02.2021)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema oder für Israel etc gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, auch gerne einen feministischen oder sonst zu hier geäußerten Ansichten kritischen, der ist dazu herzlich eingeladen

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

„Liebe Männer hier eure Chance. Nennt mir eine Sache bei der ihr ungerechter behandelt werdet. Dienst an der Waffe und Sorgerecht ist bekannt“

Meine Retraditionalisierung in der Corona-Krise

Momentan tritt bei uns eine starke „Retraditionalisierung“ ein. Südländerin ist schon im Mutterschutz und betreut Fräulein Schmidt an den Tagen, in denen diese nicht in die Kita kann (sie haben einen etwas eingeschränkten Betrieb). Sie kocht auch üblicherweise dann und ich komme in der Mittagspause für eine Stunde oder 45 Minuten nach Hause. Wenn es passt hole ich vorher Fräulein Schmidt aus der Kita ab. Ich esse schnell etwas, spiele etwas mit dem gegenwärtig noch süßesten Kind der Welt und verschwinde dann wieder zur Arbeit.

Das ist insbesondere schön, weil ich die Kleine sonst quasi nur morgens sehe, abens schläft sie üblicherweise schon, wenn ich komme. Sie freut sich dann immer riesig und fragt Mama schon, wann ich endlich komme bzw ist enttäuscht, wenn die Mama sie von der Kita abholt.

Es macht Spaß, auch wenn sie mich dann meist etwas belagert und es eigentlich gar nicht mag, wenn ich zu lange esse. Sie weiß ja, dass ich dann bald wieder los muss.

Erst einmal wird Südländerin nach der Geburt des Kindes (wir brauchen dringend einen Blognamen, Junger Schmidt, was ja das Gegenstück zu Fräulein wäre, klingt bescheuert. Jüngling Schmidt wie hier vorgeschlagen klingt auch etwas merkwürdig. Hat jemand eine gute Idee?) ein Jahr aussetzen, insofern könnte mir der Mittagsstisch noch etwas erhalten bleiben. Aber wenn sie wieder arbeitet, dann wird es natürlich schwierig. Vielleicht schaffe ich es dann noch schnell etwas zu kochen und wir „enttraditionalisieren“ in der Hinsicht etwas.

Aber die Mittagspause zuhause zu verbringen und die Kinder dann auch etwas mehr zu sehen ist schon ein toller Luxus.

 

„Vorsicht, nicht dass wir Feministinnen uns noch wegen unserer männerfeindlichen Parolen strafbar machen“

Aus dem Spiegel zu dem Vorschlag frauenfeindliche Bemerkungen unter Strafe zu stellen:

Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, ist für die Einführung einer eigenen Kategorie »Frauenhass« für die Kriminalitätsstatistik.

 

Mal wieder: Die Präsenz im Netz und in den Medien von Männerrechtlern

Eine These, die ich mal wieder angesichts der nicht ausgezahlten Gelder an den FSI äußere:

Männerrechtler sind in den sozialen Netzen nicht hinreichend aufgestellt um deutlich zu machen, dass sie einen Rückhalt in der Bevölkerung haben

Dazu noch einmal mein Tweet dazu:

Verschiedene andere Leute hatten auch getwittert, aber ich denke sie werden sich in ähnlichen Bereichen bewegt haben.

Man stelle sich einmal vor, wenn einer unter intersektionalen Feministen anerkannten Gruppe die Gelder gestrichen worden wären. Ich denke mal es wäre im Netz deutlich mehr losgewesen und diverse feministische Autoren hätten Artikel dazu im Netz gehabt.

So sind auch Artikel im Netz, aber solche, die es als Sieg gegen den Antifeminismus feiern. 

Das soll erst einmal nicht die Arbeit des FSI schmälern, die es immerhin geschafft haben, dass Politiker sie überhaupt wahrgenommen haben und Fördergelder durchgeboxt haben. Das ist schon erstaunlich und sehr begrüssenswert. 

Aber es gelingt eben nicht eine Gegenöffentlichkeit aufzubauen, auch wenn im Spiegel-Forum durchaus erfreuliche Kommentare stehen. 

Es fehlt der Journalist, der klarstellt, dass hier Verleumdungen stattfinden. Es fehlt der „Shitstorm“, der dem Ministerium deutlich macht, dass da eine Vielzahl von Leuten hinterstehen etc. 

Das FSI ist sogar bei Twitter, mit 100 Followern und zwei Leuten, denen es folgt.

Natürlich kann auch das taktisch richtig sein, denn ein zu breiter Followerkreis kann auch gleich wieder dazu anregen diesen auf „Personen non grata“ zu durchsuchen. Aber wenn dort 2000 oder besser 20.000  Follower wehren, die präsent wären, wäre es natürlich schön. Aber damit ist anderseits wohl kaum zu rechnen.

Ich hatte schon kurz überlegt, ob man schauen könnte, welche Politiker sich für die Vergabe stark gemacht haben um die zu aktivieren, aber wer bin ich dann wieder um sie in die Öffentlichkeit zu ziehen und Solidarität zu verlangen, wenn sie sich dann vielleicht das nächste Mal zweimal überlegen, ob das eine gute Sache war? 

In eine Fernsehshow zu kommen wäre vielleicht interessant, vielleicht Hart aber fair oder etwas in der Art, aber das wird vermutlich auch schwierig. 

Zuletzt wäre eine Klage interessant. Wenn FSI das machen wollte könnte man über irgendwelche Fundingseiten vielleicht eine Aktion starten, damit sie das Geld für die Anwaltskosten haben. 

„Trojanische Pferde der Wokeness“

Sebastian Wessels hat ein Buch mit dem Titel „Im Schatten guter Absichten“ geschrieben

Daraus hat er in einem neueren Beitrag eine interessante Passage in seinen Blog gestellt:

Ein zentraler Mechanismus der Wokeness-Ideologie beruht auf dem strategischen Einsatz von Begriffen mit doppelten Bedeutungen. Alle ihre tragenden Begriffe treten in mehreren Bedeutungsvarianten auf, die von unterschiedlicher theoretischer (bzw. theologischer) Tiefe und in unterschiedlichen Phasen der Indoktrinierung anschlussfähig sind. Die mehr oberflächlichen, naiven Bedeutungen sind ansprechend für Neulinge und anschlussfähig an den Liberalismus; die tieferen bilden die Gedankenwelt der fortgeschrittenen Ideologen, die sich von derjenigen normaler Menschen im Liberalismus drastisch unterscheidet. Die Doppelbegriffe tarnen diese Realitätsferne der Theorie und Forderungen und verkleiden sie zunächst als etwas Harmloses. Je tiefer man dann in die Theorie und zugehörigen Kreise eintaucht, desto mehr wird man mit den weniger harmlosen Gehalten vertraut. Dieser Mechanismus ist für das Verständnis der »Social Justice«-Ideologien und der Mechanismen ihrer Verbreitung wesentlich.

Mit gefällt die Metapher des trojanischen Pferdes in diesem Zusammenhang ganz gut. Ein anderer Name wäre wohl „Motte and Bailey“ oder im deutschen eher „Feld und Festung“. Ich hatte ein paar Artikel dazu:

Da wird eher betont, dass sie sich auf die harmlosere Definition oder Bedeutung zurückziehen, wenn sie angegriffen werden, man kann es aber auch andersrum sehen, dass sie nämlich in den Außenbereichen als harmlos auftreten und tatsächlich aber sehr gefährliche und radikale Theorien vertreten. Da passt das Bild des trojanischen Pferds besser, weil in der Tat der „Kampf für das Gute“ als Bild steht und es aber in Wahrheit ein „Vergiftetes Geschenk“ ist, weil sie hauptsächlich Gruppen gegeneinander stellen und damit neue Feindseligkeiten eröffnen.

Nehmen wir den Begriff »Antirassismus« als naheliegendes Beispiel. »Antirassismus« hat eine Bedeutung, die für den Neuling verständlich und ansprechend ist, und eine andere, deutlich davon unterschiedene, weit tiefere Bedeutung für den arrivierten Gläubigen. Der Neuling denkt sich: »Antirassismus? Na, klar bin ich gegen Rassismus. Bin dabei!«

Auch gern in der Form „wer gegen uns ist ist gegen Antirassismus, ist Rassist, ist ein Nazi“ verwendet. Aber in der Tat ist es den intersektionalen Theorien vollkommen gelungen diesen Raum für sich zu monopolisieren: Wer heute Interesse an der Arbeit für Antirassismus oder Frauenrechte oder „Minderheitenrechte“ bzw „Opferrechte“ hat, der kommt nicht an ihnen vorbei. Das ist bei Feminismus und Antirassismus offensichtlich, aber selbst Männerrechte sind auf diese Weise besetzt, nur das dort eben die Büßerpeitsche geschwungen werden muss und es den Männern dadurch besser gehen soll, dass sie endlich von ihrer toxischen Männlichkeit lassen.

In diesem Moment weiß er noch nicht, dass »Antirassismus« für fortgeschrittene Theorievertreter bedeutet, alle Weißen für Rassisten und Diskriminierung für die beste Form der Antidiskriminierung zu halten, eine authentische Kommunikation auf Augenhöhe zwischen Vertretern verschiedener »Rassen« für unmöglich zu halten, sich zu einem lebenslangen Bemühen zu verpflichten, immer und überall Rassismus zu sehen, und sein liberales und humanistisches Welt- und Menschenbild zugunsten eines kollektivistischen, dystopischen und revolutionären aufzugeben. Den Worten der Theorievertreter ist dies zwar relativ leicht zu entnehmen – James Lindsay wies einmal darauf hin, dass sie sich manchmal selbst ein Bein stellen, indem sie zu früh zu viel verlangen. Doch die meisten Neulinge übersehen die Warnzeichen zunächst oder nehmen sie nicht ernst. Sie nehmen anfangs einfach das auf, was sich in ihr noch liberales Weltbild und Leben einfügen lässt, halten dies für das Wesentliche und ignorieren den Rest.

Ich vermute mal man kann viele Warnzeichen am Anfang auch ganz gut ignorieren, wenn man sich zb auf Antirassismus konzentriert und noch keinen Kontakt mit radikaleren Vertretern hat, die sich darüber profilieren wollen, dass sie andere, die noch keine Ahnung haben, als Rassistinnen etc bezeichnen. Aber um so tiefer man in das Thema hineingeht um so eher merkt man eben, dass es Spielregeln gibt, was man sagen darf und was nicht und wie man akzeptiert wird und wie nicht. Die intersektionalen Theorien sind in der Hinsicht ein interessantes Abbild klassisch weiblicher Hierarchien, die weniger als männliche schlicht statusorientiert sind sondern über das Befolgen sozial vorgegebener Regeln und die eigene Anpassung aber auch die Möglichkeit sie vorzugeben und ihre Einhaltung einzufordern definiert sind. Wo sonst die Queen Bee den richten Kleidungsstil und was sonst cool ist vorgibt muss man sich nun in dem Labyrinth der möglichen Diskriminierungen bewegen und aufpassen, dass einen niemand bei einem Fehltritt erwischt.

Das ist kaum überraschend, da selbst Gegner der Wokeness diese in neun von zehn Fällen so kritisieren, als hätte sie einfach die Prinzipien des Liberalismus nicht verstanden. Man wirft etwa Aktivisten vor, Männer und Frauen oder auch Weiße und Nichtweiße nicht mit gleichen Maßstäben zu messen, als wäre das eine Inkonsistenz oder Heuchelei. Es ist keine Inkonsistenz oder Heuchelei, sondern im Rahmen des woken Weltbildes völlig richtig und gewollt. Dies ist kein liberales Weltbild, sondern ein kollektivistisches, das davon ausgeht, dass sich die hierarchisch angeordneten Identitätsgruppen im Krieg befänden und sozialer Fortschritt danach verlange, die jeweils unteren zum Sieg zu führen. Die liberale Forderung nach gleichen Maßstäben ist in diesem Kontext die absurde Forderung, Alliierte und Feinde gleich zu behandeln.

Ja, man muss verstehen, dass ein ganz anderes Spiel gespielt wird, in dem es gar nicht darum geht, dass man fair gegenüber der anderen Gruppe ist. Es ist in der Tat eher wie ein Kampf, bei dem der Feind eh schon böse und unfair ist und alle Trumpfe in der Hand hat und die eigene Seite (also die Seite der durch die woken Theorien geschützten Minderheiten) quasi am Boden liegt. Was für ein Beispiel kann man da bringen? Es wäre wahrscheinlich so wie wenn man den Star Wars Rebellen sagen würde, dass sie doch bitte Fair gegen das Imperium spielen sollen und sich gefälligst auf eine normale Raumschlacht einlassen sollen, wenn auf der einen Seite eine unglaubliche Flotte von Sternenzerstörern steht und auf der anderen Seite ein paar X-Wings und ein paar Mon Calamari Cruiser. Es wäre so als würde man sagen, dass man in diesem Universum wohl kaum etwas gegen die Zerstörung von Alderaan sagen könnte, wenn man selbst terroristische Akte unterstützt, bei denen eine mondgroße Raumstation mit tausenden von Menschen an Bord zerstört wird.

Man kann sich andere Szenarien überlegen, die vielleicht besser passen, aber es wäre der kleine Underdog, der um sein Überleben kämpft gegen den bösen Unterdrücker, der alle Trümpfe in der Hand hat und verlangt, dass die andere Seite fair spielt.

Dies ist ein fundamentales Missverständnis, das sich aber aus zwei Gründen aufdrängt. Erstens weil das tatsächliche Weltbild der Wokeness recht weit von alltäglichen Denkweisen entfernt ist, so dass man sich in gewissem Umfang damit beschäftigen muss, um zu verstehen, von welchen Prämissen die Theorievertreter ausgehen. Zweitens weil die Wokeness insofern an den Liberalismus anschlussfähig ist, als sie seine Prinzipien und Mechanismen zu nutzen weiß, um sich auszubreiten und ihre eigenen Regeln durchzusetzen.

Eine Doppelmoral aufzuzeigen kann natürlich dennoch etwas bringen. Das Argument fruchtet zwar nicht bei den Vertretern dieser Theorien, aber dennoch bei anderen, die damit eher deren Natur entdecken. Natürlich kann man damit íntersektionale Fanatiker nicht überzeugen, aber man kann sie zwingen quasi aus dem trojanischen Pferd zu steigen und deutlich zu machen, dass sie Troja niederbrennen wollen (um im Bild zu bleiben).

Die erwähnten Begriffe mit unterschiedlichen Tiefenebenen sind ein wichtiger Teil dieser auf Transformation zielenden Anschlussfähigkeit. Immer bildet ein naives Verständnis, das für Neulinge plausibel und moralisch ansprechend ist, nur die Spitze des Eisbergs des tieferen, breiteren und revolutionären Begriffsverständnisses der Fortgeschrittenen.

Es ist eben eine Besetzung der klassischen „guten“ Themen und die Umdeutung der bisherigen Ansätze in die Ansätze von Leuten, die nicht verstanden haben, was sie damit eigentlich anrichten. Der Tonfall der woken Theorien ist ja gerne belehrend. Es wird nicht diskutiert, es wird erklärt, wie es ist. Die woken Theorien sind richtig, sie sind der einzige Weg und man bringt Leute auf den richtigen Pfad. Das kann man freundlich machen („ich weiß du bist ein guter Mensch, der nicht rassistisch sein will, aber wir alle haben leider über unsere Gesellschaft ganz ohne unser Verschulden Rassismus verinnerlicht und/oder unterstützen unbewußt rassistische Gedanken. Wir müssen diesen verborgenen Anteil, den wir aufgrund unserer Privilegien nicht erkennen können, akzeptieren und bekämpfen, indem wir PoCs zuhören, was sie stört“) oder weniger freundlich („wenn du das so weitermachst, dann bist du ein widerlicher Rassist, in dem Verhalten liegt eine Microaggression gegen Pocs und du stützt damit den allgegenwärtigen Rassismus und ich bin dafür, dass dich alle Mitglieder unserer Gruppe blocken und von dir abwenden, wenn du deinen Fehler nicht einsiehst. Jeder, der weiterhin etwas mit dir zu tun haben will, obwohl du ein Rassist bist, ist selber ein Rassist und muss auch ausgeschlossen werden, willst du das?“) In der freundlichen Variante kann man ja durchaus einsteigen und es ist ja auch verständlich, dass man auch an sich selbst arbeiten muss. Es erlaubt einem auch, sich besser zu fühlen und davon auszugehen, dass man die eigene Schuld beseitigt hat und damit – im Idealfall – Macht über andere Sünder erlangt.

Ein weiteres Beispiel wäre »Diversity«. Naiv versteht man darunter einfach Vielfalt; eine bunte Gruppe von Leuten mit verschiedenen Hintergründen. Die tiefere Bedeutung dagegen ist: Eine Gruppe von Leuten aus verschiedenen klar definierten Identitätsgruppen, welche »kritisches Bewusstsein« haben, also die Gesellschaft durch die Brille der Theorie als großes Unterdrückungssystem betrachten und das Ziel verfolgen, dieses zu Fall zu bringen. Ein paar konservative Frauen, Schwarze und Schwule zählen nicht als »Diversity«. Was ist »Inklusion«? Offenheit und Beteiligungsmöglichkeiten für alle, würde man meinen. Die tiefere Bedeutung ist: Einführung eines engen theoriekonformen Systems von Sprach- und Verhaltensregeln in einem sozialen Raum und Ausschluss aller, die sich dem nicht fügen. Ganz in diesem Sinn rechtfertigen etwa öffentlich-rechtliche Medien die Einführung von Gendersprache damit, dass sie »alle ansprechen« wollten. Eine knappe Mehrheit der Bevölkerung, Männer und Frauen zu etwa gleichen Teilen, lehnt Gendersprache jedoch ab und fühlt sich von ihr somit nicht »angesprochen«, sondern abgestoßen. Das beunruhigt Theorievertreter nicht, denn aus ihrer Sicht ist »Diversity«, »Inklusion« und alles andere Gute nur unter dem Regime der Theorie möglich. Wo die Theorie nicht ist, ist Unterdrückung. Dem Regime der Theorie widersetzen würden sich nur die, die die Unterdrückung aufrechterhalten wollen, und auf die muss man natürlich keine Rücksicht nehmen. Das Denken ist so total auf diese binäre Antithese von Unterdrückung und »Social Justice« verengt, dass von seiner Warte aus nicht vorstellbar ist, die Theorievertreter könnten selbst unterdrückerisch wirken.

In der Tat heißt „Inklusion“ und „Diversity“ schlicht nur „möglichst viele Vertreter der in unserem System als Opfer betrachteten Gruppen, allerdings nur, wenn diese unsere Theorien teilen“.
Wo weniger in den Theorien erfahrene denken würden, dass eine Gruppe mit weißen, schwarzen, hetereosexuellen und Schwulen Männern und Frauen doch sehr divers wäre würde ein erfahrener Theoretiker erkennen, dass eine Gruppe mit nur schwarzen Frauen deutlich diverser sein kann, weil jedes Mitglied der Gruppe einen „Diversity Element“ bei gleichzeitiger Abwesenheit von Merkmalen „privilegierter Gruppen“. Die weitere Regel wäre allenfalls, dass man nach „Schweregrad“ der Diversity Elemente Veränderungen fordern darf: In einer Gruppe schwarzer Frauen dürfte man etwa fordern, dass darunter auch (schwarze) Lesben und Transsexuelle sind, aber nicht, dass auch ein (schwarzer) Mann dazu kommt. Beachten muss man noch, dass Hierarchien sich etwas verändern, wenn es um bestimmte Themen geht: bei dem Thema Rasse müssen die Diversity Elemente aus diesem Bereich sein, bei dem Thema „Frauen“ hingegen sollte etwa ein Transsexueller hinzukommen, da die Nichtberücksichtigung von Transfrauen darauf hindeuten könnte, dass man sie nicht als vollwertige Frauen akzeptiert etc.

Das diese Art der Zusammensetzung ein Kampf gegen die Unterdrückung ist hat schon etwas groteskes. Aber Kritik daran wäre dann eben Rassismus etc.

Wie weit das gehen kann, zeigen kommunistische Regime, die es noch nach Jahren der autoritären Herrschaft von Parteibonzen fertiggebracht haben, sich als Underdogs zu inszenieren, die sich gegen die Mächtigen der »Bourgeoisie«, »Faschisten«, »Imperialisten« etc. verteidigen müssen.

Der „Kampf für den kleinen Mann“ oder „für das Gute gegen die Mächtigen“ ist halt eine sehr simple Botschaft, die man erstaunlicherweise auch mit Macht gut aufrechterhalten kann. Die Partei hat dann eben immer recht und verteidigt nur das Allgemeinwohl.

In taktischer und psychologischer Hinsicht kann man besagte Doppelbegriffe auch als trojanische Pferde beschreiben. Die naive Bedeutung ist für die meisten Menschen vollkommen einleuchtend, und sobald man dem Pferd wohlwollend und naiv die Tür geöffnet hat, beginnt die tiefe Bedeutung ihren Einfluss geltend zu machen. Von da an ist es schwer, an irgendeinem Punkt »stopp« zu sagen, denn man hatte sich selbst anfangs freudig zu dem politischen Ziel bekannt, das der Begriff ausdrückt. Es ist um ein Vielfaches schwerer, von einer Position zurückzutreten, die man bereits öffentlich eingenommen hat, als auf dem beschrittenen Weg jeden Tag ein paar Zentimeter weiterzugehen. Ersteres ist ein Kraftakt und Risiko des Gesichtsverlusts, Letzteres geschieht wie von selbst. Dafür sorgen die Aktivisten im Haus, für die es nicht schwer ist, ihre ständig wachsenden Forderungen als Notwendigkeiten der Verfolgung des Ziels auszugeben, zu dem sich Chef und Belegschaft bereits bekannt hatten. Wer A sagt, muss auch B sagen. Immer hängen moralisch die Damoklesschwerter über den Köpfen: Ihr wisst doch, wie wichtig Diversity ist. Wenn ihr wirklich Diversity wollt, müsst ihr uns auch dieses zugestehen, denn ohne dieses kann es keine Diversity geben. Seid ihr etwa nicht mehr für Diversity, war das nur ein Lippenbekenntnis? Wollt ihr etwa nichts gegen Rassismus tun? Dachtet ihr, das wird ein Spaziergang? Ihr wollt Gerechtigkeit, aber es darf nichts kosten? Stört euch die Unterdrückung der Frauen nicht?

Eine in der Tat sehr einfache, aber äußerst effektive Vorgehensweise:

  1. wir sind die Guten und wollen das Gute
  2. Alles Gute folgt unseren Theorien und jede Abweichung gefährdet den Einsatz für das Gute
  3. Wer unsere Theorien nicht umsetzt ist damit einer von den Bösen und muss bekämpft werden

Das war schon häufig ein Erfolgsrezept für „Moralische Unterdrückung“ die in einem Zeitalter, in dem man sofort einen Internetmob loshetzen kann (und damit den Guten gleich Gelegenheit gibt sich zu profilieren) wieder äußerst effektiv ist.

Eine weitere wertvolle Metapher für die Funktionsweise dieser doppelbödigen Begriffe ist die von Motte und Bailey. Sie nimmt Bezug auf einen Typ mittelalterlicher Burgen. »Bailey« ist eine Art Burghof außerhalb einer kleinen Festung, in dem gewirtschaftet wird. Die Motte ist die eigentliche Festung auf einer Anhöhe. Die beiden stehen für zwei Positionen, die Theorievertreter je nach Situation in Diskussionen einnehmen. Wenn sie angegriffen werden, ziehen sie sich in die Motte-Position zurück, die leicht zu verteidigen ist, aber sonst wenig abwirft. Die Motte-Position entspricht der naiven Begriffsbedeutung, der jeder zustimmt.

Und unter diesem Namen war es hier, wie oben verlinkt, auch schon besprochen worden.

Zum Beispiel: Es gibt sozial konstruierte Geschlechterrollen, die den Chancen der Menschen zur Selbstentfaltung möglicherweise unnötige Grenzen auferlegen und die wir in diesem Fall verändern können und sollten. Jeder weiß das, jeder stimmt dem zu, niemand bestreitet das ernsthaft. Wenn die Gender Studies angegriffen werden, können sie daher einfach behaupten, dass es ihnen doch nur um dies gehe, und sofort ist der Angreifer entwaffnet. Ist der Angriff vorbei, beziehen sie dann wieder die Bailey-Position: Biologisches Geschlecht gibt es gar nicht, die Geschlechter per se sind sozial konstruiert und nicht angeboren, sondern zugewiesen, Geschlecht ist ein Spektrum, an der Vagina ist nichts inhärent Weibliches, Männer können gebären, an Familie und Heterosexualität ist nichts Natürliches und so weiter. Solche Positionen sind im Rahmen wissenschaftlicher Rationalität unmöglich zu verteidigen, aber man kann herrlich damit wirtschaften. Jeder Unterschied und jede Komplementarität zwischen Männern und Frauen erscheint von ihr aus gesehen als Auswirkung eines Unterdrückungssystems, das überwunden werden muss, und die Theorieanhänger sind die Experten, denen im Rahmen dieses gigantischen Überwindungsprogramms Ressourcen und Autorität zufließen.

Ja, leider verdrängen diese Positionen immer mehr tatsächliche Wissenschaft, die allerdings auch wesentlich komplizierter ist. In der Tat kann man ja unproblematisch gegen zu starre Geschlechterrollen sein, es sind weit eher Häufungen um die Mitte oder anders gesagt Normalverteilungen mit einer deutlichen Verteilung.

Aber daraus folgt eben weder, dass man diese Häufungen auflösen kann noch das sie Ergebnis eines Unterdrückungssystems sind.

Insofern ein guter Artikel, hat jemand vielleicht das gesamt Buch schon gelesen und kann was dazu sagen?

Bundesfrauenministerium behindert die Auszahlung der vom Bundestag für den FSI bewilligten Förderung

Das Forum soziale Imklusion berichtet:

Das SPD- und Frauen-geführte Bundesfamilienministerium verweigert (weiter) die Auszahlung der vom Bundestag bewilligten 400.000 Euro Förderung an den Verein FSI

Forum Soziale Inklusion e. V. (FSI) beantragte am 17. Dezember 2020 beim zuständigen Bundesministerium die Auszahlung von institutioneller Förderung in Höhe von 400.000 Euro für 2021 – unter Bezugnahme auf die erfolgte Bewilligung durch den Deutschen Bundestag in der Haushaltsdebatte vom 10.12.2020. 

Die Leiterin von Abteilung 4 Gleichstellung im BMFSFJ, Daniela Behrens, verweigerte jedoch in ihrem Schreiben vom 4. Januar 2021 die Auszahlung und verneinte die Bewilligung einer „institutionellen Förderung“. Das verwunderte, bestätigten doch diverse Bundestagsabgeordnete (m/w), u.a. von Bündnis 90 / Die Grünen und Die Linke in den Medien, dass die bewilligten Gelder als institutionelle Förderung gedacht waren.

FSI widersprach der Ablehnung und verwies auf den „Einzelplan 17 – Titel 684 26 Zuschüsse und Leistungen für laufende Zwecke an Träger und für Aufgaben der Gleichstellungspolitik“ sowie auf die Verstetigung der Bewilligung für die Folgejahre durch den Bundestag.

Erneut verweigerte Frau Behrens die Auszahlung in ihrem Schreiben vom 11.01.2021.

Als „Akt des guten Willens“ stellte FSI daraufhin einen Antrag im Rahmen von Projektförderung über den gleichen Betrag. Zur Klarstellung verwies FSI auf die Tatsache, dass die Bewilligung der jährlichen Förderung des Vereins FSI in Höhe von 400.000 € das Ergebnis einer gemeinsamen Koalitionsinitiative sei, beschlossen von den Vertretern (m/w) der Koalitionspartner SPD und CDU/CSU im Haushaltsausschuss des Bundestages.

Auch diesen Antrag lehnte die Abteilung „Gleichstellung“ mit Schreiben vom 09.02.2021 ab.

Das Verhalten des „Bundesfrauenministeriums“ (Selbstbezeichnung) verwundert und steht im Widerspruch zu folgender Passage im Bundeshaushalt 2021 Teilbereich 17 BMFSFJ (S. 2686):

 „Zu den Schwerpunkten der Gleichstellungspolitik der Bundesregierung gehören… der weitere Ausbau der Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer.“ 

Die oberste „Gleichstellungspolitikerin“ der Republik, Abteilungsleiterin Daniela Behrens, ignoriert jedoch diese Vorgabe: Frau Behrens verweigert seit ihrer Amtsübernahme im August 2019 jedes Gespräch mit FSI – dem Verein, der sich gleichberechtigt für die Belange von Mädchen und Jungen, Frauen und Männern sowie von (getrennten) Müttern und Vätern einsetzt.

Konkret stellt sich die staatsrechtlich relevante Frage, ob die Exekutive (Bundesministerium) sich das Recht nehmen darf, den ausdrücklichen politischen Willen der Legislative (Bundestag) zu ignorieren und zu torpedieren.

FSI ersuchte jüngst das Bundesministerium um Auskunft darüber, welche (Frauen-) Organisationen in den Genuss von finanzieller Förderung durch das BMFSFJ kommen mit Angabe der jeweiligen Fördersummen.Wünschenswert wäre ein demokratischer und pluralistischer Diskurs auf Augenhöhe unter der Prämisse der Vielfalt mit gleichen Möglichkeiten für alle gesellschaftlich relevanten Gruppen, die konstruktive Vorschläge im Geschlechterdiskurs einbringen möchten. Dazu bedarf es der Parität in den finanziellen Ressourcen.

Ich habe mal bei Fr. Behrens nachgefragt: