Ansprechen einer Frau als Sexismus, der nicht cool ist

In der feministischen Gillettewerbung ist eine Stelle, bei der eine hübsche Frau die Straße entlang geht, ihr ein hübscher Mann hinterher blickt um sich dann auf den Weg zu machen, sie anzusprechen. Ein anderer (politisch korrekt schwarzer) Mann fängt ihn mit den Worten „Bro! Not Cool, not cool“ ab.

 

Gillette bro not cool

Gillette bro not cool

Es ist eine der Szenen, die ich reichlich vorverurteilend finde. Er hätte sie ja respektvoll und auf nette Weise ansprechen können, ein Nein dann vollkommen akzeptieren können und sie könnte froh gewesen sein, dass ein hübscher Mann sie nett anspricht.

Die generelle Verurteilung einer Kontaktaufnahme als Bestandteil der „Toxischen Männlichkeit“ ist typisch Feminismus, aber vollkommen unbegründet in der Darstellung. Wenn er lüsternd ausgeholt hätte um ihr von hinten auf den Arsch zu klatschen und der andere Mann kommt gerade noch dazwischen, dann wäre es klar und richtig gewesen, aber hier hat er schlicht noch nichts falsch gemacht. Viele Frauen würden sich sicherlich auch freuen, von ihm angesprochen zu werden.

Demnach hat diese Szene auch schon einiges an Memes produziert:

 

Gillette bro not cool

Gillette bro not cool

Hier wird Gillette der Spiegel vorgehalten, dass sie zuvor Werbung auf in Latexanzüge verpackten gut proportionierten Frauenhintern gemacht haben, was ihre Vorhalte jetzt eine gewisse Doppelmoral gibt.

Gillette bro not cool

Gillette bro not cool

Aber auch „normalere“ nicht auf Gillette bezogene Memes griffen das Bild auf. Hier ist die Situation umgekehrt: Die Frau ist jemand, mit dem man eine glückliche Beziehung führen könnte, man sollte sie sogar ansprechen, damit man zusammen glücklich ist, aber die klassiche Angst vor Ablehnung kommt dazwischen und verhindert das eigentlich schon bestimmte Glück. Eine komplette Umkehrung der eigentlichen Aussage.

Andere verbinden es mit anderen Memes und greifen so die Kritik auf.

Gillette bro not cool

Gillette bro not cool

Bei dem unteren Bild handelt es sich um ein Bild des konservativen Youtubers Steven Crowder, der insbesondere für ein Format bekannt ist, bei dem er eine konservative These in den Raum stellt (mit Vorliebe auf einem Uni Campus) und versucht mit Leuten fair und sachlich zu diskutieren. Ich hatte ihn hier beispielsweise mit der Diskussion „es gibt nur zwei Geschlechter, ändere meine Meinung“ verlinkt. Er ist auf diese Weise selbst zu einem Meme geworden, was ich ganz interessant finde, weil das natürlich seiner Sendung auch einiges an Aufmerksamkeit bescheren dürfte.

Allgemein wird aber das Meme so verwendet, dass oben etwas ist, was man berechtigterweise will und unten etwas gezeigt wird, was einen blöderweise zurückhält:

not cool bro

not cool bro

Oder:

not cool bro

not cool bro

 

Hier scheint mir die überwiegende Wertung ebenfalls zu sein, dass er unberechtigt zurückgehalten wird.

Was natürlich daran liegt, dass Männer nicht einsehen, dass jedes Ansprechen, auch durch ein männliches Modell, fürchterlich für die Frau ist und grundsätzlich eine Belästigung darstellt.

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Schmerzen von Mädchen werden weniger schlimm eingeschätzt (von Frauen)

Eine interessante Studie zur Bewertung von Schmerzen:

Our long-held notions of boys as being more stoic and girls as being more expressive may lead Americans to overrate the severity of male physical pain.

A recent study by psychologists at Yale University found that adults, when presented with imagery of a child’s finger being pricked, considered the child to be in less pain when they thought it was a girl.
The study, published in The Journal of Pediatric Psychology, involved showing 264 adult participants a video of a child whose gender appeared ambiguous. Afterwards one group of participants was told the child in the video was named Samuel, while the other group was told her name was Samantha. They were then asked to rate how much pain the „boy“ or „girl“ experienced against how much pain he or she displayed.
Participants rated the child as experiencing more pain when it was described as a boy.
„Explicit gender stereotypes — for example, that boys are more stoic or girls are more emotive — may bias adult assessment of children’s pain,“ the authors concluded.
Interessanterweise waren es die Frauen, die diesen Unterschied machten:
Bei den Männern ist der Unterschied relativ gering. Sie gehen davon aus, dass das Mädchen größere Schmerzen hat, aber eben nur ein wenig.
Bei den Frauen war es genau umgekehrt: Sie gingen davon aus, dass der Junge die größeren Schmerzen hat und die Aussage, dass ein Vorurteil besteht, dürfte nur deswegen im Schnitt heraus gekommen sein, weil die Frauen einen sehr großen Unterschied machen.
Meine Vermutung wäre ja:
  • Die Männer sehen das Mädchen als etwas verängstigter, weil die Vorstellung, dass ein Mädchen leidet, eher ihren Schutzreflex anspricht und das Leid damit etwas größer wirkt
  • die Frauen wissen, dass sie selbst wesentlich empfindlicher sind als die Männer (siehe dazu auch diese Studie: Sensitivity (d = −2.29)) und gehen daher davon aus, dass ein Junge auch härter ist als ein Mädchen (was ja auch durchaus wahr sein könnte, es wäre dann kein Vorurteil, sondern ein tatsächlicher Unterschied)

Die Überschrift, dass Frauenschmerzen unterschätzt werden, die mit verschiedenen Artikeln transportiert wird, ist aus meiner Sicht insofern falsch oder damit jedenfalls nicht belegt.

Man müsste wohl ein Experiment machen, bei dem man einem Kind einen Schmerzreiz in einer bestimmten Höhe zufügt und dann die Reaktionen nach Geschlecht unterscheidet. Was vermutlich kein Experiment wäre, welches man durch einen Ethikrat bekommt.

Warum man mit SJWs nicht diskutieren kann

Im wesentlichen ist seine Idee, dass die radikale Linke zu weit aus dem normalen Rahmen fährt um gemeinsame Ziele zu haben, die man nur auf verschiedenen Wegen umsetzt.

Ich würde sagen, dass man natürlich gemeinsame Ziele benennen könnte.

Wenn er sagt, dass man zB diskutieren kann, wie viel Zuwanderung es geben soll, dass das aber nicht möglich ist, wenn die radikale Linke schlicht für offene Grenzen ist, dann hat nennt er erst mal nur eine sehr weite Differenz.  Es kommt dann darauf an, auf welches Ziel man abstellt:

Während man die Frage der Einwanderung unter dem Ziel diskutieren kann, was gut für das jeweilige Land ist (wie viele Arbeitskräfte brauchen wir/ wen lassen wir mit welchen Qualifikationen rein) kann man sie natürlich auch unter dem Gesichtspunkt diskutieren „Warum sollen wir Wohlstand haben und andere nicht, wir müssen sie zu uns kommen lassen, für eine bessere Welt“

Dann diskutiert man über Verantwortung für die Welt und „Egoismus der Leute in den bereits reichen Ländern“.

In der Tat ist das dann eine neue Debatte.

Kann etwas frauenfeindlich sein, wenn Frauen es gut finden?

In einer Tweet auf Twitter wurde vertreten, dass der niedrige Anteil an Frauen im Bundestag frauenfeindlich sei. Nun haben aber die Parteien mit dem niedrigsten Frauenanteil, also CDU, AFD und FDP insgesamt 56% der Stimmen. Anscheinend haben Frauen Parteien gewählt, die bekannt dafür sind, dass sie weniger Frauen ins Parlament entsenden (aber immerhin eine Bundeskanzlerin) und gemeint, dass sie dadurch am besten vertreten werden.

Kann also der geringe Anteil der Frauen im Bundestag frauenfeindlich sein, wenn ihn die Frauen genau so mehrheitlich herbeigeführt haben?

Letztendlich ist „Frauenfeindlich“ ein Schlagwort, welches gerne einfach so in den Raum geworfen wird. Es klingt gut, es ist auch gefährlich, denn Frauenfeindlich darf man nicht sein.

Natürlich kann man Frauenfeindlich auch abseits dessen Definieren, was Frauen oder die Mehrheit der Frauen meinen. Eben als eigene subjektive Frauenfeindlichkeit. Und gerade der moderne Feminismus nimmt sich ja heraus für die Frauen zu sprechen, auch wenn viele wohl, wie man auch oben an den Wahlergebnissen sieht, gar nicht auf dieser Linie sind.

Transsexuelle zu den Vor- und Nachteilen als Mann in der Gesellschaft (Teil 2)

Gestern hatte ich schon einen Teil dieser Interviews mit Transsexuellen besprochen, die darüber sprechen, welche Unterschiede sie zwischen einem Leben als Frau und einem Leben als Mann sehen. Heute der 2. Teil

3. Chris Edwards, 49, Boston

When I began my transition at age 26, a lot of my socialization came from the guys at work. For example, as a woman, I’d walk down the hall and bump into some of my female co-workers, and they’d say, “Hey, what’s up?” and I’d say, “Oh, I just got out of this client meeting. They killed all my scripts and now I have to go back and rewrite everything, blah blah blah. What’s up with you?” and then they’d tell me their stories. As a guy, I bump into a guy in the hall and he says, “What’s up?” and I launch into a story about my day and he’s already down the hall. And I’m thinking, well, that’s rude. So, I think, okay, well, I guess guys don’t really share, so next time I’ll keep it brief. By the third time, I realized you just nod.

Das ist denke ich ein häufig wahrzunehmender Unterschied in der Kommunikation von Männern und Frauen im Schnitt.

Ich hatte auch schon mal geschildert, dass eine Frau, die sich mit einer Freundin trifft, häufig danach so gut wie alles neue über ihre Beziehung, über ihre Eltern und Geschwister, ihre Kinder und ihren Job weiß, während ein Mann, der sich mit einem Freund trifft, danach oft eher dessen Haltung zu einem kürzlichen Fußballspiel oder der Handlung der nächsten Staffel der gemeinsamen Lieblingsserie weiß, aber zu dessen Freundin allenfalls sagen kann, dass er sie vermutlich noch hat, sonst hätte er das sicherlich gesagt.

The creative department is largely male, and the guys accepted me into the club. I learned by example and modeled my professional behavior accordingly. For example, I kept noticing that if guys wanted an assignment they’d just ask for it. If they wanted a raise or a promotion they’d ask for it. This was a foreign concept to me. As a woman, I never felt that it was polite to do that or that I had the power to do that. But after seeing it happen all around me I decided that if I felt I deserved something I was going to ask for it too. By doing that, I took control of my career. It was very empowering.

Das war so ähnlich hier auch schon einmal geschildert worden. Anscheinend ist das männliche Verhalten schlicht der effektivere Weg für eine Karriere. Wobei es auch eher ein Verhalten im Schnitt sein dürfte. Genug Männer werden sich ebenfalls nicht trauen nach einer Gehaltserhöhung etc zu fragen

Apparently, people were only holding the door for me because I was a woman rather than out of common courtesy as I had assumed. Not just men, women too. I learned this the first time I left the house presenting as male, when a woman entered a department store in front of me and just let the door swing shut behind her. I was so caught off guard I walked into it face first.

Hehe. Wobei ich das jetzt gar nicht so deutlich vermutet hätte. Was wirklich ein Unterschied in der Hinsicht ist, ist ein Kinderwagen. Leute sind wirklich erstaunlich freundlich zu einem, wenn man damit unterwegs ist und Türen werden deutlich häufiger aufgehalten und Wagen halten deutlich häufiger und früher an. (Gut, vielleicht liegt das auch nur an Fräulein Schmidt, die ja bekanntlich das süßeste Baby der Welt ist)

When you’re socially transitioning, you want to blend in, not stand out, so it’s uncomfortable when little reminders pop up that you’re not like everybody else. I’m expected to know everything about sports. I like sports but I’m not in deep like a lot of guys. For example, I love watching football, but I never played the sport (wasn’t an option for girls back in my day) so there is a lot I don’t know. I remember the first time I was in a wedding as a groomsman. I was maybe three years into my transition and I was lined up for photos with all the other guys. And one of them shouted, “High school football pose!” and on cue everybody dropped down and squatted like the offensive line, and I was like, what the hell is going on? It was not instinctive to me since I never played. I tried to mirror what everyone was doing, but when you see the picture I’m kind of “offsides,” so to speak.

Gut, das ist vielleicht einfacher, wenn man sich darüber nicht so viele Gedanken machen muss, weil man nicht „passing“ betreiben will, ich bin auch kein großer Fußballfan und bin da bei tieferen Themen dazu auch raus.

Chris Edwards, an advertisting creative director, at his home in Boston.

The hormones made me more impatient. I had lots of female friends and one of the qualities they loved about me was that I was a great listener. After being on testosterone, they informed me that my listening skills weren’t what they used to be. Here’s an example: I’m driving with one of my best friends, Beth, and I ask her “Is your sister meeting us for dinner?” Ten minutes later she’s still talking and I still have no idea if her sister is coming. So finally, I couldn’t take it anymore, and I snapped and said, “IS SHE COMING OR NOT?”And Beth was like, “You know, you used to like hearing all the backstory and how I’d get around to the answer. A lot of us have noticed you’ve become very impatient lately and we think it’s that damn testosterone!” It’s definitely true that some male behavior is governed by hormones. Instead of listening to a woman’s problem and being empathetic and nodding along, I would do the stereotypical guy thing — interrupt and provide a solution to cut the conversation short and move on. I’m trying to be better about this.

Kann ich gut verstehen.  Würde mich auch wahnsinnig machen und macht es auch manchmal, wenn Südländerin nicht zum Punkt kommt, wenn man bestimmte Informationen will. Und es ist auch interessant, dass er das alte Stereotyp bestätigt, dass Männer eher nach Lösungen suchen, während für Frauen häufig das persönliche, das Zuhören im Vordergrund steht.

Dazu auch schon: „Frauen reagieren auf Probleme mit Empathie, Männer mit Lösungen

People ask if being a man made me more successful in my career. My answer is yes — but not for the reason you might think. As a man, I was finally comfortable in my own skin and that made me more confident. At work I noticed I was more direct: getting to the point, not apologizing before I said anything or tiptoeing around and trying to be delicate like I used to do. In meetings, I was more outspoken. I stopped posing my thoughts as questions. I’d say what I meant and what I wanted to happen instead of dropping hints and hoping people would read between the lines and pick up on what I really wanted. I was no longer shy about stating my opinions or defending my work. When I gave presentations I was brighter, funnier, more engaging. Not because I was a man. Because I was happy.

Wäre interessant, was die Verhaltensänderung genau bewirkt hat. Er scheint ja auch Testosteron genommen zu haben, sich an die Rolle angepasst zu haben und vielleicht wird er sich auch freier gefühlt haben bestimmte Verhalten zu zeigen.

4. Alex Poon, 26, Boston

Recently, I’ve been noticing the difference between being perceived as a woman versus being perceived as a man. I’ve been wondering how I can strike the right balance between remembering how it feels to be silenced and talked over with the privileges that come along with being perceived as a man. Now, when I lead meetings, I purposefully create pauses and moments where I try to draw others into the conversation and make space for everyone to contribute and ask questions.

Darf natürlich in so einer Aufstellung auch nicht fehlen: Der Transsexuelle, der nun alles besser machen will und Frauen nicht auch mittels toxischer Männlichkeit ausgrenzen will.

People now assume I have logic, advice and seniority. They look at me and assume I know the answer, even when I don’t. I’ve been in meetings where everyone else in the room was a woman and more senior, yet I still got asked, “Alex, what do you think? We thought you would know.” I was at an all-team meeting with 40 people, and I was recognized by name for my team’s accomplishments. Whereas next to me, there was another successful team led by a woman, but she was never mentioned by name. I went up to her afterward and said, “Wow, that was not cool; your team actually did more than my team.” The stark difference made me feel uncomfortable and brought back feelings of when I had been in the same boat and not been given credit for my work.

When people thought I was a woman, they often gave me vague or roundabout answers when I asked a question. I’ve even had someone tell me, “If you just Googled it, you would know.” But now that I’m read as a man, I’ve found people give me direct and clear answers, even if it means they have to do some research on their own before getting back to me.

Interessanterweise fehlen im Vergleich zu dem anderen Bericht angaben dazu, wie er sein Verhalten selbst geändert hat. Hier klingt es so als sei abseits der Stimme alles gleich geblieben, man würde ihn nur anders behandeln als vorher. Es wird nicht geschildert, dass er sich nun auch männlicher verhält oder anders redet oder männlichere Kommunikationsstile übernommen hat. Allerdings scheinen ihn andere eben so zu behandeln als würden sie bei ihm einen männlicheren Kommunikationsstil erwarten. Lösungsorientierter, praktischer.  Den Part inwieweit da ebenfalls eine Änderung eingetreten ist oder ob er sich schon vorher, als er noch als Frau gesehen wurde, schon genau so auftrat, hätte ich interessanter gefunden. Insofern wirken die anderen Berichte reflektierter auf mich. Immerhin deutet die tiefere Stimme darauf hin, dass er ebenfalls Testosteron zu sich nimmt, was üblicherweise auch Veränderungen im Verhalten etc mit sich bringt. Das diese potentiellen Änderungen hier gar nicht erwähnt werden macht den Bericht etwas unstimmig.

Ergänzend ist natürlich auch die Frage aus dem im ersten Teil verlinkten Video interessant, inwieweit F-> M Transsexuelle teilweise „männliche Privilegien“ im Sinne der feministischen Theorien haben. Gerade wenn sie als Männer angesehen haben, dann würden sie sich damit ja direkt in eine „Unterdrückerstellung“ begeben und „toxische Männlichkeit“ übernehmen, wenn sie sich nicht so verhalten, wie der letzte Mann. Gerade wenn sie deswegen erfolgreich sind, dann sollten sie insoweit ihre Privilegien hinterfragen und dann diese erfolgreich aufgeben.

 

vgl auch: