„Tschüss Karriere: Was Frauen wirklich wollen“

Eine Frau berichtet, was Frauen in Bezug auf die Karriere nach ihrer Meinung wirklich wollen:

Mit 40 Jahren sollte man am höchsten Punkt seiner Karriere angekommen sein, heißt es oft. Nun ja, mit 42 bin ich ausgestiegen. Das Phänomen nennt sich, wie die FAZ schreibt, Opting Out: Frauen zwischen 40 und 50 schmeißen hin, geben ihre eigentlich gutlaufende Karriere auf und, aus Sicht der Personalverantwortlichen der Unternehmen, verschwinden einfach von der Bildfläche. Frauen, die erfolgreich sind und niemandem mehr etwas beweisen müssen, steigen aus.

Im Feminismus wäre die Antwort, was zu dem „Opting out“ führt, simpel: Sexismus und Diskriminierung.

 

Was ist da los?

Warum gehen sie gerade dann, wenn sie in Ruhe die Früchte ihrer Arbeit ernten könnten?

In meinem Fall habe ich irgendwann festgestellt, dass ich da, wo ich gelandet war (im Management einer Versicherung), gar nicht hingehöre. Mein Alltag machte mir keinen Spaß mehr. Es war nie mein Ziel gewesen, den ganzen Tag unbequeme Business-Outfits zu tragen, in klimatisierten Räumen herumzusitzen und von Meeting zu Meeting zu rennen. Soviel zu den äußeren Bedingungen. Viel schwerer wogen die Strukturen, die Hierarchien, in denen ich mich täglich bewegen musste, der ständige Kampf, mit neuen Ideen überhaupt gehört zu werden. Und am schwersten wog das Gefühl, eine Maske tragen zu müssen, nicht ich selbst sein zu dürfen.

Natürlich gibt es Männer, denen das genau so geht. Aber es sind wahrscheinlich weniger als Frauen (von den wenigen Personen, die überhaupt bereit sind so viel Zeit ihres Lebens in einen Job zu stecken). Für Frauen fallen eben viele der Vorteile weg, die Männer evtl mitnehmen, wenn sie einen solche Position besetzen: Sie steigen sowohl in der intrasexuellen  Konkurrenz eher höher und nehmen in der intersexuellen Selektion einen höheren Platz ein als ohne diese Position.

Wenn man die Business Outfits, die wichtigen Meetings, den Platz in der Hierarchie und den ständigen Kampf um diesen als Pfauenschwanz sieht, dann ist klar, warum die „Hennen“ (hier also die Frauen) sich weit eher als die Männer fragen, warum sie so ein schweres Ding mit sich herumtragen sollen während dies den Männern weit eher einleuchtet.

Natürlich gab es auch Dinge in meinem Job, die mir Spaß machten: mein Team, der kreative Part der Arbeit, die Interaktion mit Kunden, Dienstleistern, Wettbewerbern, Journalisten. Ich hatte sehr viel Freiheit und Flexibilität, konnte eigene Projekte umsetzen. Aber trotzdem: Die Balance stimmte nicht. Das war nicht das Leben, das ich mir vorgestellt hatte. Ich wollte weniger Stress und mehr Erfüllung, weniger Routine und mehr intellektuelle Stimulation, weniger Bohei und mehr Wirksamkeit. Ich wollte ein authentischeres und entspannteres Leben, in dem alles zusammenpasst.

„Ich wollte nicht dauernd diese schweren Federn mit mir herumtragen, die mir eigentlich nichts bringen“. Wäre eine sehr verständliche Aussage eines weiblichen Pfaus.

Das Bild stimmt natürlich nicht ganz, weil menschliche Frauen auch Status aufbauen und Geld natürlich für beide Geschlechter interessant ist. Aber der Zusatznutzen ist eben für Männer in gewisser Weise höher. Für sie lohnt es sich ein solches Signalling auch über den Betrag hinaus, mit dem sie sich ein bequemes, entspanntes Leben machen können.

Offensichtlich bin ich mit diesem Gefühl nicht allein. Am Ziel oder kurz vor dem Ziel stellen viele Frauen fest, dass der berufliche Erfolg ihnen nicht das bietet, was sie sich erhofft haben. Oder dass sie dafür Dinge tun müssen, die sie nicht tun wollen. Man zahlt einen Preis für Macht und Geld – und nicht jede Frau will das. Das ist legitim, denn im Gegensatz zu unseren Vorfahrinnen haben wir die freie Wahl, ob wir in dem (von Männern für Männer designten) Businesstheater mitspielen wollen.

„Man zahlt einen Preis für Macht und Geld“ – das wäre mal eine Erkenntnis, die im Gender Pay Gap leider eine viel zu kleine Rolle spielt.

Dort scheint Geld schlicht das Maß aller Dinge zu sein – Der Artikel gibt weit eher wieder, dass es nicht der einzige Faktor ist sondern viele weitere Faktoren dazukommen.

Schon 1995 berichtete das Fortune Magazine über die Midlife Crisis von Top-Managerinnen: Ob Burnout, Langeweile oder eine wachsende Abneigung gegen den „Corporate Bullshit“ –Frauen in den besten Jahren verließen schon damals in großer Zahl ihre hochdotierten Jobs auf der Suche nach mehr Erfüllung.

Man könnte auch sagen: Sie kamen, sahen und gingen wieder. Auch wenn Männer ähnliche Erfahrungen machen, ebenfalls eine Midlife Crisis bekommen können und sich umorientieren, so scheinen Frauen sich eher bewusst zu sein, was nicht auf ihrem Grabstein stehen wird: „Ich habe alles für die Firma gegeben.“

Es läuft natürlich mal wieder darauf hinaus, dass Frauen da eigentlich die schlauere Wahl treffen – was ja durchaus nicht falsch ist.

Ich hatte hier schon mal einen klassischen Weg vieler Diskussionen mit Feministinnen dargelegt:

1. Frauen werden benachteiligt durch die männliche Gesellschaft bzw das Patriarchat bzw die Männer bzw die hegemoniale Männlichkeit, die sich alle Macht sichert

2. Frauen sind benachteiligt aufgrund der Erziehung und daran ist auch das Patriarchat schuld und sie müssen daher Hilfen bekommen

3. Der Weibliche Weg ist besser für die Gesellschaft und muss daher nach vorne gebracht werden

Das wäre eine klassische Argumentation nach Nr. 3, gleichzeitig ist es vollkommen verpönt aus dieser Sicht solche Argumentationen unter Nr. 1 zu bringen, etwa in Diskussionen über den Gender Pay Gap.

Wohlgemerkt geht es nicht ums Aufgeben oder um einen Rückzug aus dem Arbeitsleben, wie eine von Fortune in Auftrag gegebene Umfrage unter 300 Managerinnen zwischen 35 und 49 Jahren ergab. Nur eine geringe Anzahl wählt ein Leben als Hausfrau. Viele nehmen eine Kurskorrektur vor in Richtung altruistischer Jobs und einer besseren Work-Life-Balance. Ein hoher Anteil macht sich selbstständig. Aber auch ein neues Studium oder ein Sabbatical sind häufig gewählte Wendepunkte. Dies gilt übrigens für Mütter und kinderlose Frauen gleichermaßen.

Sie ziehen sich aus den besonders stressigen Jobs zurück auf die Jobs, die eine bessere Balance von Arbeit und Privatleben erlauben, wo man zwar noch sehr gut verdient, aber damit eben auch noch sehr gut leben kann.
Eben weil der Status und das Hochstehen in der Hierarchie sich nicht in gleicher Weise lohnt.

Nachdem Frauen sich in die Arbeitswelt gekämpft haben, kämpfen sie sich jetzt wieder heraus – bzw. definieren Arbeit und Erfolg neu. Es muss nicht das eine Ziel geben, dem alles untergeordnet wird. Frauen haben gern mehrere Eisen im Feuer. Neben der Familie sind das u. a. Freunde, Bildung, Ehrenamt und Hobbys.

Sowohl weiter gefasste Vorstellungen vom Leben als auch eine gründliche Unzufriedenheit im Job sind also die Treiber für den Exodus hochqualifizierter Frauen in der Mitte des Lebens. Doch was wollen Frauen? Was suchen sie in der Arbeit?

Das sind dann aber eben Positionen, die eben keine „Gesellschaftliche Macht“ bringen und damit zeigt sich aus Sicht von Feministinnen eben nicht eine Befreiung, sondern für Sexismus und Diskriminierung.

Sylvia Ann Hewlett und Melinda Marshall vom Center for Talent Innovation beschreiben in ihrer Studie „Women want five things“, was hochqualifizierten Frauen zwischen 35 und 50 bei der Arbeit wichtig ist:

  • Entfaltung: Frauen entfalten sich, wenn sie etwas bewirken können und Einfluss haben, wenn sie sich selbst verwirklichen können. Voraussetzungen für Entfaltung sind Gesundheit und Wohlbefinden, Freiheit und Autonomie. Mit einem echten Maß an Kontrolle können Frauen konkurrierende Anforderungen managen – und zwar so, dass ihr physisches Wohlbefinden erhalten wird, sie ihre Energie aufladen und ihre emotionalen und spirituellen Bedürfnisse erfüllen können.
  • Exzellenz: Frauen suchen die intellektuelle Herausforderung, um daran zu wachsen, sich zu verbessern und Expertin auf einem Gebiet zu werden. Dafür ist eine wertschätzende Umgebung wichtig. Deshalb brauchen Frauen Anerkennung.
  • Sinn: Frauen finden Arbeit bedeutsam, wenn sie Erwartungen übertreffen können – ihre eigenen und die ihrer Familie oder Community. Es ist ihnen wichtig, ehrgeizige Ziele zu erreichen und eine langfristige Wirkung mit ihrer Arbeit zu erzielen.

Frauen finden Arbeit besonders sinnvoll, wenn sie hilft, die Gesellschaft auf Gebieten voranzubringen, die ihnen wichtig sind, z. B. Gesundheit und Bildung, soziale Gerechtigkeit, Umwelt.

  • Förderung: Frauen suchen Mentoren, die an sie glauben und ihnen helfen, die nächste große Chance zu ergreifen. Doch sie helfen auch selbst, indem sie talentierte jüngere Kolleginnen und Kollegen fördern.
  • Finanzielle Sicherheit: Frauen wollen gut verdienen, finanziell unabhängig sein und ihre Familie unterstützen.

Das findet sich auch in anderen Studien: Eine angenehme Arbeitsatmosphäre, Zusammenarbeit und Anerkennung, an etwas emotioanl positiv besetzten und deswegen wichtigen Arbeiten. Arbeiten unter gleiche, aber nicht mit Stress und in einem Kampf um die Spitze, sondern eher in einer Umgebung, in der sich alle Wohlfühlen etc.

Überraschenderweise zeigt die Studie ebenfalls, dass hochqualifizierte Männer im Alter von 35 bis 50 die gleichen fünf Dinge wollen. Frauen legen lediglich mehr Wert darauf. Im Unterschied zu Frauen sind Männer sich aber der Bedeutung von Macht stärker bewusst und verfolgen sie hartnäckiger. Frauen hingegen starten ihre Karriere machthungrig, verlieren aber mit den Jahren den Appetit. Die Forscherinnen schlussfolgern: Frauen verstehen nicht, dass Macht ihnen das gibt, was sie wollen.

Diese Schlussfolgerung der Forscherinnen verstört mich. Wieder einmal liegt das Defizit bei den Frauen, wieder einmal sollen sie endlich lernen, in männlich geprägten Strukturen zu funktionieren.

Meine Wahrnehmung ist eine andere: Frauen verändern gerade die Arbeitswelt. Sie finden Möglichkeiten jenseits der konventionellen Karriere, um das zu bekommen, was sie wollen. Und ebnen damit den Weg für Männer, es ihnen gleich zu tun

Oder: Männer und Frauen haben eben verschiedene Prioritäten und Männer finden Macht etc interessanter. Siehe Pfauenschwanz. Frauen ebnen insofern nicht den Weg, sie haben andere Interessen (eine Abweichung im Schnitt, die sich gerade in der Spitze auswirkt)

Pierre Bordieu, der Kampf um Macht und Habitus

Ein interessanter Beitrag zu Bordieu:

Es gibt keine „reinen“, von sozialen, machtstrategischen oder sonstigen Interessen befreiten Geschmacksurteile, wie Kant es uns einst weismachen wollte. Kunst und Kultur, egal wie erhaben, verfeinert und „zweckfrei“ sie daherkommen, werden niemals nur „um ihrer selbst willen“ geschätzt. Unser vermeintlich individueller Geschmack, so Bourdieu, ist letztlich alles andere als Ausdruck unserer Individualität, sondern entscheidend im sozialen Milieu, dem wir angehören, verankert. Wobei hier mit „Geschmack“ nicht nur Musik- und Lektürepräferenzen gemeint sind, sondern auch Dinge wie Ernährungsgewohnheiten, Bekleidungsstil, Freizeitverhalten und letztlich auch moralische und weltanschauliche Überzeugungen. Hinter jeder noch so harmlos daherkommenden Alltagsroutine oder Konsumentscheidung wie etwa Frau D.s Entschluss, sich eine graue Wohnzimmercouch zu kaufen („bei dem Farbton kann man sich getrost draufsetzen“), scheint die hierarchische Gesellschaftsstruktur durch.

(…)

Zunächst einmal ist der Habitus für Bourdieu das Produkt der Geschichte und milieuspezifischen Prägung einer Person. Habitus ist „Natur gewordene Gesellschaft“, die dem Menschen buchstäblich in die Knochen fährt, um all seine geistigen und körperlichen Ausdrucksformen zu prägen.(…)

Der Habitus ist nicht nur maßgeblich dafür, wie ein Mensch seine Umwelt wahrnimmt, wie er handelt und wie er sich selbst verortet. Sondern auch dafür, wie ein Mensch von seiner Umwelt wahrgenommen, behandelt und verortet wird. Als eine Art Stallgeruch ist der Habitus ein System von Möglichkeiten, vor allem aber eines von Grenzen. „Wer den Habitus einer Person kennt, der weiß intuitiv, welches Verhalten dieser Person verwehrt ist“, meint Bourdieu. Sag mir, was du trägst, hörst, kaufst, isst, und ich sag dir nicht nur, wer du bist, sondern auch, ob aus dir noch etwas werden kann.

Im Wesentlichen unterscheidet Bourdieu drei Ausprägungen des Klassenhabitus. So bringt, erstens, der Habitus der Oberschicht einen Geschmack beziehungsweise eine Alltagspraxis hervor, bei der sich alles um Luxus, Verfeinerung und Distinktion dreht. Neben allen offenkundigen Privilegien nimmt man sich hier auch noch das Vorrecht heraus, die eigenen Upperclass-Vorlieben zum „legitimen“ Geschmack zu erklären. Bourdieu zufolge geschieht das, indem man die soziale Bedingtheit des Geschmacksurteils verleugnet und Anspruch auf Allgemeingültigkeit erhebt. Der Hut, den Jackie Kennedy-Onassis trug, während sie im Blitzlichtgewitter einem Flugzeug entstieg, wurde umgehend als Modeklassiker kanonisiert. Ob man nun zur Schicht der herrschenden Trendsetter gehört, ist für Bourdieu keine ausschließliche Frage des Geldes. Neben dem ökonomischen Kapital, um das sich bei Marx noch alles drehte, spielt in Bourdieus Klassenkampf-Szenerie das „kulturelle Kapital“ (Bildung, akademische Titel, einwandfreie Tischmanieren) eine entscheidende Rolle. Es ist eine der wirksamsten Waffen, um eine gesellschaftliche Machtposition zu festigten, zu verteidigen oder sie sich zu erstreiten. Der Klassenkampf ist für Bourdieu stets auch ein Kampf um Anerkennung und Mitbestimmung der öffentlichen Meinung.

Wer weder über die eine noch die andere Kapitalsorte verfügt, muss sich anderweitig behelfen. Das gilt für den typischen Unterschichtshabitus, der den „Geschmack der Notwendigkeit“ hervorbringt. Funktionalität und Praktikabilität sind gefragt. Bedürfnisse wollen befriedigt, nicht verfeinert werden. Schön und erstrebenswert ist, was unmittelbaren Nutzen oder spontanes Vergnügen verspricht. Die Grenze zwischen Hedonismus und Exzess verläuft ießend. Fast-Food-Orgien kombiniert mit Alkohol- und Nikotinsucht sind zu plakativen Symbolen dieses Habitus’ geworden. Die Freuden des Augenblicks sind tatsächlich unendlich verlockend, wenn die Zukunft aussichtslos erscheint. Hinzu kommt: Ganz unten auf der gesellschaftlichen Stufenleiter wirkt sich eine generelle Eigenschaft des Habitus, amor fati genannt, besonders tückisch aus. Damit ist jene eigentümliche Schicksalsergebenheit gemeint, die dazu führt, dass man „mag, was man hat, weil man hat, was man mag“. Man neigt dazu, sich abzufinden. Aus Nöten macht man Tugenden, dazu zählt auch die demonstrative Verachtung, mit der ein Hauptschüler das Bildungssystem mitsamt der von ihm produzierten Weicheier (Gymnasiasten, Studenten) abstraft. So bleibt man seiner Herkunftsschicht verhaftet und überlässt das Bildungsprivileg den Bessergestellten.

Entgegen einem zählebigen Vorurteil hat Bourdieu nie bestritten, dass es sozialen Aufstieg tatsächlich gibt, nur zahlt man dafür einen hohen Preis. Er geht dieser Frage in den „Feinen Unterschieden“ vor allem am Beispiel der mittleren Gesellschaftsschicht nach – dem Kleinbürgertum, zu dem er Handwerker, kleine Unternehmer und Grundschullehrer zählt. Der kleinbürgerliche Klassenhabitus – idealtypisch von Frau D. verkörpert – bringt einen eißigen, strebsamen, in jeder Hinsicht bescheidenen Menschenschlag hervor. Ehrfurchtsvoll schielt man nach oben, panisch grenzt man sich nach unten ab, um das kleine bisschen Wohlstand, das man sich so hart erarbeitete hat, nicht zu gefährden.

Nicht viel besser geht es jenen, die durch den Zugewinn von kulturellem Kapital zum Klassenüberläufer werden. In dem Kapitel „Der Autodidakt und die Schule“ skizziert Bourdieu die Irrungen und Wirrungen des Bildungsaufsteigers. Dieser zeichnet sich durch grenzenlosen Respekt aus gegenüber allem, was als „Kultur“ daherkommt, durch Akribie und übertriebene Ernsthaftigkeit, durch die Unfähigkeit, zwischen „wichtigen“ und „unwichtigen“ Kenntnissen zu unterscheiden. Er läuft folglich stets Gefahr, „zu viel oder zu wenig“ zu wissen. Vor allem aber hat er keine Ahnung vom Recht aufs Nicht-Bescheid-Wissen, das sich ein Professorensohn ganz selbstverständlich herausnimmt.

Bourdieu wusste, wovon er sprach. Er – Sohn eines Hilfsarbeiters, der sich zum Postbeamten hochgearbeitet hatte – schaffte es gegen alle Wahrscheinlichkeiten durch das elitäre französische Schulsystem bis ganz an die Spitze der akademischen Welt. In der Folge hatte er unter dem gespaltenen Habitus (habitus clivé) zu leiden, der alle rasanten Aufsteiger befällt. Als junger Mann plagten ihn Schuld- und Verrätergefühle, weil er an den Pariser Elite-Kaderschmieden den bildungsseligen „Müßiggang junger Bürgersöhne geteilt“ hatte. Selbst als unangefochtene Größe im intellektuellen Establishment fühlte er sich diesem niemals zugehörig.

Die Gesellschaft heute ist eine andere als die französische der 1960er-und 1970er-Jahre, die in den „Feinen Unterschieden“ nach allen Regeln der soziologischen Kunst auf ihre geheimen Machterhaltungsstrategien hin durchleuchtet wird. Die Trennmauer zwischen „legitimer“ Hochkultur und der einst von oben naseberümpften populären Kultur ist porös geworden. Das Bewertungsmonopol hat heute keine soziale Schicht, kein Experte mehr inne. Der traditionelle Bildungskanon hat drastisch an Verbindlichkeit eingebüßt. Ehedem Hochkulturelles wird heute umstandslos popularisiert, durch Hobbytenöre beispielsweise, die in Castingshows Verdi-Arien schmettern. „Populäres“, das in Seriengestalt auf Netflix läuft, wird zum Gegenstand intellektueller und akademischer Betrachtungen. Der Lebensstil der mittleren Schichten ist selbstbewusster und selbstbezüglicher geworden. Street-Credibility gilt als schick. Ganz generell hat Bourdieus Grenzziehung zwischen den gesellschaftlichen Klassen an Bedeutung verloren. Nicht etwa, weil Ungleichheiten seither verschwunden wären. Allerdings verlaufen sie heute entlang anderer Trennlinien. Verantwortlich für diese Frontverschiebung sind etliche Ereignisse und Effekte, die sich pauschal unter dem Stichwort „Globalisierung“ zusammenfassen lassen. Dennoch wäre nichts falscher, als Bourdieu in die Mottenkiste der Theorie zu stecken. Nach dem Schriftsteller Didier Eribon, der seine autobiogra sche Analyse „Rückkehr nach Reims“ (2009) in die Tradition seines Lehrers Bourdieu stellt, hat unlängst auch die Soziologin Cornelia Koppetsch nachgezogen. In ihrem Buch „Gesellschaft des Zorns“ (transcript, 2019) befasst sie sich mit dem Phänomen des grassierenden Rechtspopulismus. So diagnostiziert Koppetsch einen Klassenkampf, allerdings keinen, der sich primär zwischen Arm und Reich abspielt. Es geht um den neuen Klassenkampf zwischen „liberalen Kosmopoliten“ und selbst ernannten oder tatsächlichen Globalisierungsverlierern. Zu Letzteren zählt beispielsweise der Familienvater, der mit der Entwertung des traditionellen Männlichkeitsideals nicht klarkommt, der Hölderlin-Experte, der seinen Prestigeverlust im globalisierten Wissenschaftsbetrieb betrauert, oder die Ostdeutsche, die ihre Biogra e entwertet sieht. Der Kampf zwischen liberal-weltoffenen und rechten Protest- und Überzeugungswählern ist – hier schließt Koppetsch explizit an Bourdieus Habitusbegriff an – immer auch ein Kampf um die Aufwertung des eigenen Lebensstils, um Deutungsmonopole, um kulturelles und symbolisches Kapital. Selbstverständlich geht es auch um ökonomische Verteilungskämpfe, aber eben nicht ausschließlich. Damit wird der beliebte Erklärungstrend entkräftet, dem zufolge AfD, Trump und Co. nur deshalb so erfolgreich seien, weil sie sich als „Anwälte des kleinen Mannes“ für jene einsetzen würden, die seit der Flüchtlingskrise unter massiver Elendskonkurrenz zu leiden hätten.

Ich fand den Text interessant, weil er einige Ideen von Bourdieu noch einmal zusammenfasst und auch auf die „Aktuelle Lage“ übertragen möchte.

Die Ideen selbst – alles als Kampf um Macht anzusehen ist ein sehr einfaches Bild, welches für mich wenig überzeugend ist. Sicherlich haben Menschen ein Interesse an Macht, aber sie führen es nicht per se als Gruppenkampf und sie haben auch an vielen andern Dingen noch Interesse, die dabei unter den Tisch fallen

Was auch nicht beachtet wird ist natürlich die menschliche Natur.

Vergleiche auch:

Warum leben Männer, die jüngere Frauen heiraten, länger, Frauen, die jüngere Männer heiraten aber nicht?

Ein Artikel wirft eine interessante Frage auf:

As was reported when his study first came out in 2010, Drefahl found that women with younger husbands – so-called “cougars” – die young, as do men with older wives and women with older husbands. (I use “cougar” for brevity: as I will explain later, it’s a horrible term.) The only lifespan winners in the Danish data were the men with younger wives.

The finding that cougars die young is odd – and Drefahl didn’t claim in his paper to be able to explain it. It’s odd because, in theory, the benefits of being married to someone younger than you should apply to both sexes. In the autumn or winter of your years, having a younger spouse is likely to mean having a higher standard of health and fitness to keep up with, and when it comes to it, a younger spouse is probably a more energetic caregiver than someone your own age.

To appreciate the disparity between the lifespans of men and women with younger spouses, let’s look at some numbers. Between 1990 and 2005, a Danish woman of 50 or above, married to a man about 16 years younger than her, was 40% more likely to die by the end of 2005 than a woman of her age in a same-age union. The same set of comparisons for a man of 50-plus gives the result that he was 4% less likely to die than a man of his age married to a woman of his age.

There is also a flicker of black humor in Drefahl’s study: in the case of very wealthy older men, the husband is not 4% more likely to survive but 5% more likely to die. So, according to Denmark’s national dataset – not just tabloid headlines – super-sugar daddies should watch out.

Wenn ich über eine Erklärung liefern sollte, dann würde ich sagen, dass die Wertigkeit des Partners eine erhebliche Bedeutung hat.

Jüngere Frauen mit älteren Partner spricht dafür, dass der Mann einen hohen Status hat und gut mit Frauen umgehen kann. Jüngere Frauen sind begehrt und sie mit einem höheren Alter zu bekommen ist dementsprechend schwieriger.

Eine ältere Frau zu bekommen ist hingegen für die meisten Männer weniger erstrebenswert. Und entspricht auch nicht dem klassischen Suchschema der meisten Frauen. Es ist insofern schlicht die Partnerschaft, die auf einem geringeren Partnerwert aufbaut und daher vielleicht auch andere Interessen daneben berücksichtigt (etwa das die Frau Geld hat)

Das gleiche würde sich bei den sehr reichen Männern zeigen, wenn man davon ausgeht, dass sie zu einem gewissen Teil Gold Digger anziehen, die nicht wirklich an ihnen sondern dem Lifestyle interessiert sind.

Aus dem Artikel zur Erklärung:

Since Drefahl’s research was originally published, he’s made some progress at figuring out why cougars snuff it early. He’s been looking at causes of death. The answer is that these women are far more likely to die of “external causes” than other married women – that is, they are more likely to die of accidents that are not suicides. (Consistent with the stereotype that older men stay fit and healthy because they are inspired by a younger partner,men with younger wives have low odds of dying from heart attacks, strokes and cancer.)

The elevated risk of accidents could be due to a mix of things. Like some cringeworthy stereotype of a risk-loving Mrs Robinson in a red convertible, it could be that women who generally do dangerous things are the ones who marry younger men. Or the high accident rate might reflect situations that develop as a result of the dynamic of these marriages: their young husbands might encourage activities like high-altitude mountaineering holidays, or perhaps even treat them unkindly.

Vielleicht sind die Frauen, die einen sexy Tomboy haben wollen auch eher näher am männlichen Spektrum als andere Frauen und daher von sich aus Risikobereiter.

Oder sie wollen eben gerade jung sein, besonders hart feiern, sind den direkten Bedürfnisbefriedigungen eher zugeneigt und leben damit auch ungesünder.

It could also have something to do with the way that society treats women who go against the traditional norm. There is little evidence either way on this, but it seems reasonable that differential treatment might somehow be prompting these women to take bigger physical risks. Consider, for example, how the term “cougar” unfairly implies predatory behavior, and “toyboy” connotes insubstantiality. On the other hand, “sugar daddy”, for all its blunt instrumentalism, sounds, well, a bit sweeter.

„Die Gesellschaft ist schuld weil sie Frauen anders behandelt als Männer“ und das ohne nähere Begründung, warum diese deswegen früher sterben sollen, erscheint etwas simpel.

 

Selbermach Samstag 278 (22.02.2020)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema oder für Israel etc gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, auch gerne einen feministischen oder sonst zu hier geäußerten Ansichten kritischen, der ist dazu herzlich eingeladen

Andrew Doyle: Warum ich „anti-woke“ bin

Andrew Doyle, der unter anderem mit der Kunstfigur Titania McGrath bekannt geworden ist, begründet, warum er gegen die aktuellen „Social Justice“ Bewegung ist:

During 2019’s Last Night of the Proms, the audience was treated to a rendition of Daniel Kidane’s latest composition, ‘Woke’. Kidane had written the piece because he was concerned that the word had veered from its earlier definition – that is, to be ‘alert to injustice in society, especially racism’. This was how the word was understood when it originated in the various black civil-rights movements of the 20th century. If this is all it means to be woke, then count me in.

In der Tat wäre nichts dagegen zu sagen, wenn man auf Ungerechtigkeiten achtet, einschließlich Rassismus. Aber leider ist etwas ganz anderes daraus geworden.

Unfortunately, over the past few years the term has been appropriated and sloganised by the cult of social justice. ‘Woke’ is no longer simply a matter of standing up to racism, but is irrevocably connected to the authoritarian mindset of the identitarian left. Rather than confront bad ideas through discussion, debate, ridicule and protest, those who self-identify as ‘woke’ would sooner intimidate their detractors into silence through what has become known as ‘cancel culture’. More insidiously, they have sought to empower the state and strengthen hate-speech laws, which curb individual freedom. They do all this in the belief that theirs is a righteous cause, but their illiberal actions ultimately bolster the very ideas they purport to despise.

In der Tat wird von vielen dort eine Diskussion gar nicht mehr gesucht: Wer mit der anderen Seite redet, der gesteht ihr ja eine gewisse Position zu und das wird bereits als Verrat an der Sache gesehen.

Wer etwas falsches sagt, der wird ausgegrenzt und zum Feind erklärt. Die Bezeichnung als „Nazi“ wird geradezu inflationär gebraucht, Und Anti-Hate-Speech Gesetze erfreuen sich auch großer Beliebtheit bei den Politikern und Aktivisten (bei letzteren bis sie auf sie selbst angewendet werden)

Moreover, this monomaniacal need to expose an ever-expanding set of ‘phobias’ in society means that they end up detecting prejudice even where it does not exist. In the absence of evidence of racism the woke have a habit of simply concocting it; hence the continual emphasis on ‘unconscious bias’, ‘white privilege’ and ‘institutional power structures’. Such ideas have germinated over many years in academia – particularly in the postmodern branches of critical theory – and have since seeped into the mainstream.

Es ist in der Tat betrüblich, dass alles über Schlagworter geführt wird, die nicht weiter hinterfragt werden und quasi als Beweis gelten. Es muss einfach nur behauptet werden, dass es dort Machtstrukturen gibt und als Beleg wird angeführt, dass dort eben bestimmte Personen an der Spitze stehen. Es sind sehr einfache Erklärungen, die insbesondere klare Feindbilder zulassen.

This is why the public is routinely confronted with absurd articles in the media grounded in an extreme form of intersectionality. One, for instance, claims that white women are ‘evil’, another that white DNA is an ‘abomination’. Barely a day goes by without some frenzied denunciation of a movie or a television series for its lack of diversity and positive representation, as though the function of the arts is to send a message that accords with identitarian values.

Few members of the public are entirely familiar with the jargon (‘cisgender’, ‘mansplaining’, ‘toxic masculinity’), but are assured nonetheless that the premises are indisputable. There’s a very good reason why the Catholic Church resisted translating the Bible into the vernacular for so long. Those in power are always threatened when the plebeians start thinking for themselves and asking difficult questions.

Der Vergleich mit einer Religion passt durchaus, weil es in der Tat ein Kult ist. Und genau wie Religionen haben sie gar kein Interesse daran, ihre Ansichten klar zu belegen, denn der Gläubige zeichnet sich ja gerade dadurch aus, dass er nicht hinterfragt. Es wird so getan als wären die Begriffe gut abgesicherte wissenschaftliche Konzepte und viel mit Autoritätsargumenten gearbeitet. Das alles aus einer relativ abgehobenen, elitären Sicht, die für das normale Leben immer weniger Raum lässt.

Some commentators have recently raised concerns that ‘woke’ has been weaponised by the far right as a slur against anti-racist campaigners. Afua Hirsch, for instance, has claimed in the Guardian that anyone using the word is ‘likely to be a right-wing culture warrior angry at a phenomenon that lives mainly in their imagination’. This strikes me as particularly odd, given the Guardian’s own frequent use of the word, including in headlines such as ‘Can a woke makeover win Barbie and Monopoly new fans?’ and ‘My search for Mr Woke: a dating diary’. Perhaps Hirsch’s colleagues are further to the right than is generally supposed.

Es ist eben gleichzeitig in ihrem Kreis etwas positives und nach außen etwas über das man sich lustig macht. Und natürlich ist jeder, der es im negativen gebraucht sofort alt-right oder im deutschen eben ein Nazi.

The effect of the woke movement has been to cultivate a climate in which good people feel unable to speak their minds for fear of being misinterpreted and mischaracterised – wilfully or otherwise. Activists have managed to restrict the Overton Window to such an extent that much-needed discussions – such as how to deal with the challenges raised by gender self-identification – are often avoided entirely.

Es werden Tabu-Themen geschaffen, weil man befürchtet von linken Aktivistinnen zum Gegenstand einer Kampagne gemacht zu werden. Man schweigt also lieber zu bestimmten Themen.

As Helen Pluckrose and James Lindsay note in their forthcoming book, Cynical Theories, ‘many people are wondering what’s happening, how we got here, what it all means, and how (and how soon) we can fix it and restore some common ground, charity and reason’. Yet to make this point openly is to risk being decried in the most damaging terms. Indeed, the labels ‘racist’, ‘misogynist’, ‘homophobe’, ‘transphobe’ and ‘fascist’ – extremely serious allegations that should only be used when there is incontrovertible evidence to support them – are now so promiscuously applied that they have lost their impact. This not only provides cover for the far right, but also actively promotes the worst people in society by creating an illusion of widespread crypto-fascism.

Das war ja schon ein Effekt, der auch in der „Deplorables-Debatte“ so beschrieben wurde. Wenn jede Abweichung von der genehmigten Meinung einen zu einem Schwein macht und der Gefahr aussetzt beschimpft zu werden, dann verschiebt das in der Tat die Grenzen und erzeugt wiederum Feindbilder.

The bullying tactics of the woke were never likely to be persuasive, and have left many feeling resentful. This accounts for the collective sigh of relief that followed the actor Laurence Fox’s appearance on Question Time, in which he openly challenged these new orthodoxies. He pointed out that many are frustrated with being told that we live in a racist country, when studies repeatedly confirm that ours is one of the most tolerant countries on the planet. As Fox said, we need to be united in our opposition to genuine racism, not conjuring enemies out of thin air.

Auch etwas, was wenig verstanden wird, weil es in den woken Theorien nicht zutreffen darf: Wenn man die andere Seite beschimpft und sie generell den Bösen zuordnet, wenn etwa Mann sein ausreicht um an allem Unheil dieser Welt persönlich schuld zu sein, dann erzeugt das nicht etwa eine Besserung, sondern Widerstand. Und wenn Leute ihren Hass erkennbar unbegründet ausleben, dann erzeugt das noch mehr Widerstand. In der Tat sind die westlichen Ländern ja weltoffen und gleichberechtigt. Sie erscheinen aber im woken Zerrbild als die Hölle auf Erden.

The explanation for such overzealous behaviour probably lies in the woke movement’s rehabilitation of racialised thinking. It regards people primarily in terms of group identity determined by skin colour, and only secondarily through their qualities as individuals. The ideal of colour-blindness, a beautiful notion that emphasises the equality of all human beings, is itself now routinely dismissed as racist.

In der Tat: Das Denken in reinen Gruppen verseucht das Klima und macht so wunderbare Ansätze wie Hautfarbe nicht wahrzunehmen und jeden als Menschen zu behandeln unmöglich. Es erzeugt Trennung statt Gemeinsamkeit

If one were to deliberately construct an ideology intended to foster racial division and popularise the objectives of the far right, one could hardly do better than the social-justice movement in its current manifestation. It is for this reason that Pluckrose and Lindsay adopt a capitalised form of ‘Social Justice’ in their book to distinguish from the noble principles of ‘social justice’, the former inadvertently working against the aims of the latter.

Ich glaube auch, dass die „Social Justice“ Bewegung mit ihrer intoleranten Art einiges an Problemen verursacht hat. Weil man dort keine anderen Meinungen akzeptiert war letztendlich auch jede Debatte über etwa die Flüchtlingskrise sofort rechts. Was diese verschärft hat und Rechte nach oben gebracht hat und nach wie vor bringt.

This is also why Ellie Mae O’Hagan’s recent article for the Guardian – in which she describes the ‘anti-woke’ backlash as being in direct opposition to social liberalism – is so utterly wrongheaded, however well intentioned. Most of us who oppose wokeness do so precisely because it represents a direct threat to social liberalism. As I have argued previously on spiked, identitarians on the right and left have an interdependent relationship; each one nourishes and sustains the other.

If we are serious about true social justice we should take the woke to task for their ongoing trivialisation of important causes such as anti-racism, gender equality and rights for sexual minorities. It is the responsibility of true progressives to reassert the centrality of open debate as the cornerstone of any free society. In short, we need to robustly defend the liberal values that woke activists have foolishly rejected as forms of institutional oppression.

Es ist wirklich erstaunlich, dass sie überhaupt mit diesen Ideen durchkommen und diese so populär geworden sind.