Selbermach Mittwoch 193 (12.12.2018)

Weißer oder roter Glühwein?

Oder eben Geschlechterthemen. Was ihr auch immer diskutieren wollt

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Vorurteile gegen männliche Erzieher: Männer haben häufiger befristete Stelle

Der Spiegel berichtet über eine interessante Studie:

Demnach sind mehr als 90 Prozent der Fachkräfte der Auffassung, dass männliche Erzieher für die Entwicklung von Kindern wichtig sind. 62 Prozent aller befragten Eltern finden, dass die Politik sich dafür einsetzen sollte, mehr männliche Erzieher für Kitas zu gewinnen. Trotzdem hatten nur 77 Prozent der befragten männlichen Fachkräfte einen unbefristeten Vertrag – bei den Frauen waren es 91 Prozent.

„Hier gibt es eine systematische Ungleichbehandlung von Männern„, sagt Carsten Wippermann, Leiter der Studie. Seine Begründung: „Obwohl der Wunsch nach mehr männlichen Erziehern da ist, lässt sich ein unterschwelliges Misstrauen gegenüber Männern in diesem von Frauen dominierten Beruf identifizieren.“

So zeigte die Befragung, dass immerhin 32 Prozent der Eltern schon mal an die Gefahr eines Missbrauchs durch männliche Erzieher gedacht haben. „Dass auch Frauen Kinder misshandeln könnten, wird dagegen oft ausgeblendet“, so Wippermann.

Eine „systematische Ungleichbehandlung von Männern“ ist gleich so ein Ansatz, bei dem jede radikale Feministin aufschreien wird: Systematische Diskriminierung von Männern? Dazu müssten Frauen ja die Macht haben, sonst passt es nicht ins System. Wobei sie vielleicht anführen würden, dass es nur Folgen des Patriarchats sind. Wie das allerdings in diesem überaus weiblich besetzen Bereich zum Tragen kommt wäre eine andere Frage.

Es dürfte letztendlich der Unterschied zwischen dem Wunsch, mehr männliche Erzieher zu haben, und der Unsicherheit, ob man diesem männlichen Erzieher trauen kann, sein. Quasi ein „ich will männliche Erzieher, aber eben nur Gute“. Und da wird bei Männern eben eine größere Gefahr gesehen, obwohl in der Tat Frauen Kinder genauso mißhandeln können.

 

„Toxische Männlichkeit“ als Vergiftungsmetapher und „Feld und Festung“-Strategie

Lucas Schoppe hat einen interessanten Artikel zur toxischen Männlichkeit geschrieben. Diese Passage fand ich besprechenswert:

Der Begriff „toxische Männlichkeit“ ist doppeldeutig: Er kann bedeuten, dass Männlichkeit an sich toxisch wäre, er kann sich aber auch auf diejenige Männlichkeit beziehen, die aus welchen Gründen auch immer „toxisch“ ist – im Unterschied zu anderen, nicht-toxischen Formen der Männlichkeit. Wer also nicht aussagen möchte, dass Männlichkeit irgendwie an sich schon vergiftend wäre, wird deutlich machen, auf welche Art der Männlichkeit er sich bezieht. Ulrich macht das nicht: Für ihn stehen Frauen einfach positiv besetzt für Weiblichkeit, Männer negativ besetzt für Männlichkeit.

In der Tat bietet sich „toxische Männlichkeit“ für das alte „Feld und Festung“ (Motte and Bailey“) Spiel an, bei dem man harte Vorwürfe bei Kritik auf leichte Vorwürfe reduzieren kann, um sich weniger angreifbar zu machen.

Und in der Tat steht „toxische Männlichkeit“ gerne für „Männlichkeit“ und diese wieder Männer und diese wieder für „das Böse“.

Der Begriff eignet sich also für ein unseriöses sprachliches Spiel, das so aus den Codierungen rechter Gruppen bekannt ist: Er verletzt wichtige zivile Grenzen, aber wenn dann diese Verletzung kritisiert wird, können sich seine Benutzer darauf berufen, es so doch gewiss nicht gemeint zu haben.

Es ist eben eine klassische Figur in Identitätstheorien, mit dem man schnell Kritik wegnehmen kann.

Man wolle ja nur die kriminellen Flüchtlinge raus haben, nicht die, die zu einer Integration fähig sind, wäre da vielleicht das Gegenbeispiel. Oder das man eben nichts gegen den hart arbeitenden Dönerbudenbesitzer habe, auch wenn er Moslem sei, aber die radikalen müssen raus.
Wobei das ja durchaus in beiden Fällen, also rechts oder links, etwas sein kann, was man denken kann.

Der Begriff „toxisch“ gehört, wenn er für Menschengruppen verwendet wird, politisch in den Rahmen von Reinheitsideologien. In seiner biologistisch-medizinischen Anlage impliziert er, dass ein eigentlich gesunder Volkskörper allein schon durch die Existenz von Menschen gefährdet wird, die in diesen Volkskörper von außen eindringen. Die Vermischung erscheint als Vergiftung, die Gefährdung der Reinheit als Gefährdung der Existenz. Der Hass auf Juden beispielsweise ist traditionell voller Vergiftungsphantasien und –metaphern.

Gegen „Volkskörper“ würden sich Linke wahrscheinlich wehren, aber das Krankheits- oder Vergiftungsmetaphern gerne verwendet werden um andere Gruppen abzuwehren und als schädlich darzustellen stimmt.

Und toxische Männlichkeit funktioniert in der Tat auf diese Weise: Es vergiftet nach dieser Auffassung die Gesellschaft, schadet sowohl Männern und Frauen, ist quasi ein Virus, der bekämpft werden muss.

Wer für eine demokratische Politik einsteht, wird daher misstrauisch gegenüber Vergiftungsmetaphern sein, sie als faschistoid wahrnehmen und sie gewiss nicht leichtfertig verwenden. Schließlich ist eben die Vermischung, die in Vergiftungsmetaphern als existenziell bedrohlich diskreditiert wird, ein wesentliches Element demokratischer Kultur: als Begegnung und gegenseitige Beeinflussung verschiedener Milieus, Stile, Perspektiven, Interessen, Argumente.

Zugespitzt formuliert: Der Begriff „toxische Männlichkeit“ ist, so wie Ulrich ihn benutzt, faschistoides Dahergerede.

Es ist jedenfalls ein klassisches „Out-grouping“, Männer wird eine toxische Männlichkeit angedichtet, die irgendwie auch alle Männer betrifft und alles sein kann.

Wo die rechten Gruppen meist die Entfernung wollen, wollen die Linken üblicherweise die Umerziehung. Um so totalitärerer Elemente beide enthalten, um so eher gleicht sich dies an oder geht in eine Vernichtung über.

 

Prozentualer Anteil der Fälle, in denen die Frau das Einkommen des Paares verwaltet und dem Mann ein Taschengeld gibt pro Land

Wie vermittelbar sind Mütter auf dem Arbeitsmarkt?

Aus dem Interview mit einem Jobvermittler:

Praktisch nicht vermittelbar sind leider auch Menschengruppen, die selbst wenig dafür können: Mütter und Leute über fünfzig finden kaum einen Job. Bei Müttern sehe ich die Politik in der Verantwortung. Deutschland ist ein Land, das in diesem Bereich noch steinzeitlich agiert. Wie soll eine Frau denn von neun bis 18 Uhr im Büro sein, wenn ihr Kind schon um 14 Uhr aus der Schule kommt? Richtig, das geht nicht.

Frauen rate ich, in einer Branche zu arbeiten, in der es nicht viel Konkurrenz gibt. Dort sind sie dann nicht so leicht austauschbar. Aber langfristig muss die Politik ran und eine verlässliche Kinderbetreuung schaffen, damit Mütter auch unabhängig von Männern ihren Lebensunterhalt verdienen können.

Ich vermute mal, dass es schwieriger wird, wenn sie lange aussetzen und wenn es um einen Job geht, bei dem man nicht pünktlich Schluss machen kann.