„Mann sein, was heisst das für Euch?“

Eine Frage von Twitter reiche ich hier mal weiter:

Und noch mal als Text:

Mann sein, was heisst das für Euch? Habt ihr Vorbilder für dieses Mann sein? Bitte teilt es hier. Es gibt ersteinmal kein „Falsch“ oder „Richtig“. Ich bitte darum, bei Diskussionen ruhig und sachlich zu bleiben. Gerne RT für möglichst viel Teilnahme.

Tatsächlich denke ich bei meinem Tun eigentlich sehr selten daran, dass ich ein Mann bin, sondern ich mache einfach das, was ich eben mache. Deswegen habe ich auch keine klassischen Vorbilder, auch wenn ich bestimmtes männliches Verhalten für bestimmte Situationen sehr interessant und nachahmenswert finde. Wobei das ja bezüglich des allgemeinen Verhaltens nicht auf Männer beschränkt ist, wenn ich eine Frau sehe, die in meinem Arbeitsbereich ein tolles Auftreten hat, dann werde ich auch dort übernehmen, was für mich passt.

Es gibt natürlich eine coole Männlichkeit, ein selbstbewußtes Auftreten, eine Art Insich ruhen, die ich, wenn ich sie sehe sofort super faszinierend finde. Ich hoffe sie auch ab und zu auszustrahlen, aber man selbst hat ja den Nachteil, dass man dauernd seine inneren Stimmen und nicht die der anderen hört. Ich hatte neulich beruflich mit einem erfolgreichen Unternehmer zu tun, der für mich etwas tolles ausstrahlte. Er war Herr der Situation, er strahlte eine gewisse Eloquenz und innere Ruhe aus, die ich kurz beneidet habe. Er war gar nicht derjenige, um den es sich eigentlich drehte, aber er hatte eine Präsenz im Raum.

Ich war einmal, noch in der Schule auf einer Wochenendveranstaltung, Schüler treffen Wirtschaftsleute, organsiert von einem Rotary Club. Wir waren vielleicht 30 Leute, Jungs und Mädchen, es ging darum, wer mit wem auf bestimmte Gemeinschaftszimmer ging. Darunter war ein cooler Typ, der gleich einen der Schlüssel an sich nahm und so etwas sagte, wie „wer ist mit in meinem Zimmer?“, aber mit einem solchen Charisma, dass man sich vor ihm auf den Boden werfen und Kehle und Bauch präsentieren wollte, in der Hoffnung Teil seines Gefolges zu sein, während die Frauen andächtig seufzsten und seine Kinder bekommen wollten.

Aber ansonsten muss ich meine Männlichkeit an sich eigentlich nicht umbedingt entwickeln. Ich möchte natürlich meiner Tochter und meinem Sohn ein gutes Vorbild sein und das wird sicherlich eine spannende Rolle in den nächsten Jahren.

 

Selbermach Samstag 339 (08.05.2021)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema oder für Israel etc gibt es andere Blogs

Zwischen einem Kommentar, der nur einen Link oder einen Tweet ohne Besprechung des dort gesagten enthält, sollten mindestens 5 Kommentare anderer liegen, damit noch eine Diskussion erfolgen kann.

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, auch gerne einen feministischen oder sonst zu hier geäußerten Ansichten kritischen, der ist dazu herzlich eingeladen

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

„The Future is female“ – Die Zukunft ist weiblich

Ein Slogan, den man häufiger hört, beispielsweise auch im Zusammenhang mit den neuen Starwars Filmen aber auch bei anderen Gelegenheiten, ist „The Future is female“

Es soll irgendwie ja wohl ausdrücken, dass Frauen in der Zukunft eine größere Rolle spielen werden oder sogar die bestimmende Rolle, es hat also etwas von „das Patriarchat ist vorbei und die glorreiche Zukunft der Frauen beginnt“.  Was ja aus humanistischer Sicht eine fürchterliche Aussage ist, die irgendwie beinhaltet, dass Frauen etwas besseres sind. Es erscheint mir als das Gegenteil von Gleichberechtigung und einer Gesellschaft, in der Frauen und Männer gleichberechtigt nebeneinander stehen.

Eine der ersten, die anscheinend eine Form dieses Slogans benutzte war wohl (?) Sally Miller Gearhart. Aus deren Wikipediaseite:

In her early career, Gearhart took part in a series of seminars at San Francisco State University, where feminist scholars were critically discussing issues of rape, slavery, and the possibility of nuclear annihilation. Gearhart outlines a three-step proposal for female-led social change from her essay, „The Future–-If There Is One–-is Female„:

I) Every culture must begin to affirm a female future.
II) Species responsibility must be returned to women in every culture.
III) The proportion of men must be reduced to and maintained at approximately 10% of the human race.

Da wäre immerhin der Aussagegehalt ganz klar, die Zukunft ist weiblich, weil man die Männer stark reduzieren will und sie nichts mehr zu sagen haben werden.

Gearhart does not base this radical proposal on the idea that men are innately violent or oppressive, but rather on the „real danger is in the phenomenon of male-bonding, that commitment of groups of men to each other whether in an army, a gang, a service club, a lodge, a monastic order, a corporation, or a competitive sport.“ Gearhart identifies the self-perpetuating, male-exclusive reinforcement of power within these groups as corrosive to female-led social change. Thus, if „men were reduced in number, the threat would not be so great and the placement of species responsibility with the female would be assured.“ Gearhart, a dedicated pacifist, recognized that this kind of change could not be achieved through mass violence. On the critical question of how women could achieve this, Gearhart argues that it is by women’s own capacity for reproduction that the ratio of men to women can be changed though the technologies of cloning or ovular merging, both of which would only produce female births. She argues that as women take advantage of these reproductive technologies, the sex ratio would change over generations.[14]

Immerhin also ein friedlicher Ansatz, eine Art friedliches Ausschleichen der Männer, damit diese keine Männerbündnisse schließen können, bewirkt durch ein Frauenbündnis.

Daphune Patal in her book Heterophobia: Sexual Harassment and the Future of Feminism summarizes Gearhart’s essay as, „The future must be in female hands, women alone must control the reproduction of species; and only 10% of the population should be allowed to be male“.[15]

Mary Daly supported Gearhart’s proposals, stating: „I think it’s not a bad idea at all. If life is to survive on this planet, there must be a decontamination of the Earth. I think this will be accompanied by an evolutionary process that will result in a drastic reduction of the population of males.“[16]

Wer Mary Daly auf seiner Seite hat, der sollte überlegen, ob er eine humanistische Position vertritt, aber das ist eine andere Sache.

Würde man das als den Ursprung der Formel benennen, dann wäre es etwas, auf das Feministen nicht stolz sein könnten. Einen tatsächlichen Bezug darauf findet man allerdings selten, die Formel wird eher ohne weiteren Inhalt einfach als Zeichen für eine bessere Welt und ein „Ende der Unterdrückung“ gesehen, aber wie man bei Stars Wars sieht durchaus auch in dem Zusammenhang, dass Frauen in weiblichen oder weiblicheren Teams arbeiten und die Posten entsprechend besetzen.

Ich habe mal noch etwas gegoogelt:

Hier:

While the slogan has a long history, for our panel the future is female because it means that we must look to the female archetype, and into the myriad of women’s experiences to define alternative forms of leadership. The female energy is to be found in a world that is emotionally intelligent, that is collaborative, a global society in which individuals are “linked and not ranked”. “The Future is Female” means that hierarchy in industry, in technology, in art, in sport etc. is not the only valid form of social organization.

Our world is facing complex challenges and these issues need comprehensive solutions. It is time, better late than never, to integrate the female ingredient in the definition of these solutions. Wallonia-Brussels wants to bring her fair share and create a forum for the voices of women, with very different backgrounds, to be heard. The goal is of course not to raise the female against the male archetype. To the contrary, we believe that “the whole is greater than the sum of its parts”.

Together, we will try to outline the upcoming forms of leadership, the future of work and inclusion for our global society. Let’s convene and get valuable insights from the 6 “ecosystems” we managed to have on stage: Venture Investment, Government Agency, Startup, Incubator, Sport Industry and Civil Society Association.

Das klingt etwas nach einem Differenzfeminismus, in dem Frauen irgendwie eine „Female Energy“ haben. Die weiblichen Stimmen sollen gehört, aber nicht gegen die Männer gestellt werden, sondern ein neues großes Ganzes ergeben.

Oder hier:

The Reality

  • THE NUMBERS ARE NOT GOOD. No matter how many times you hear about female advancement on the news or read about it, the numbers are NOT changing. There are a few companies that are making inroads when it comes to gender pay parity and equality at their workplaces (Salesforce being one of them, and they glow in the spotlight). The top workplaces for women and working mothers to be employed are also widely documented. And that’s it. That’s the summation of the progress we have made.
  • MEN CONTINUE TO PUSH BACK ON WOMEN’S DEMANDS. Women are called unreasonable, dumber (because our brains are smaller), inferior, not committed, distracting, and not as qualified. All this backlash over women asking for something that is pretty rudimentary. Women don’t want to be punished for being mothers. We do want equal treatment that addresses women’s issues. Not the issues of men—that’s a different set of issues. As a result, not much is happening. We are spinning in circles.
  • WOMEN FAIL TO COLLABORATE WITH EACH OTHER. This means that we are not well organized to ask for what we need. Infighting amongst women—accentuated by She Tyrants and Queen Bees—is alive and well. Just because you know one woman who has figured it out doesn’t move the needle. Young women think older women (like me) are feminists, and while they often don’t know what that term means they are adamantly against it. After all, it’s we who have these issues, not them. Give it time, I say. It’s easy to overlook the issues when you haven’t yet experienced the glass ceiling, or discrimination against mothers, or the horrible guilt you feel when you have to juggle both your sick child and your job.
  • ORGANIZATIONS ARE FOCUSED ON OPERATIONS AND PROFITS. A company will make changes when it is mandated (i.e. forced). Despite the hundreds of thousands of dollars forked out to pay damages and fines for sexual harassment charges (including one case where the company was ordered to pay a 1.6 million dollar settlement because the company knew but didn’t do anything about it), many companies believe a two-hour online harassment training will do the trick. Wait, you think that a $3000 program will do a good enough job over two hours delivered every two years for you to limit your exposure to these massive settlements? Think again. Organizations also don’t seem to understand how to find and hire women. That’s why I wrote an article about it.
  • ON THE POLITICAL FRONT, WE STILL HAVE MEN WHO ARE DECIDING WHAT WOMEN SHOULD DO. What our health programs and care programs should look like, what we should be covered for, and what we can do with our bodies. How a man can say that a woman’s visit to her OB/GYN is “extra care” and not the standard care, or that birth control can’t be covered, is so caveman that it leaves me speechless every single time. Women need to be in charge of deciding what care we need. We keep rehashing the exact same issues again and again. There is so much time wasted that I’d like to fire them all for failing.


The Future is Female

The future is female because we are at a point in history where the question women have is simple: “Can you see who I am?” 

Why do we have to beg for things that we shouldn’t have to ask for, like equality in every area of our lives and the right to make our own decisions?

The future is female because men built the systems and the systems are failing women. Women are now ready to step up because our trust has been eroded.

While we’ve been pro men all along because we love our men, we have now run out of patience. No more waiting.

The future is female because men make the majority of decisions in a system that works for them, and that has no allocated room for women. Why do we feel bad for being a woman?

See us for who we are. Women are not men. I repeat, women are not men. We do not need the same things as men. We want something equivalent that works for us. It has to be created now.

The future is female because women are so fed up that we’re exploding. If we see one more image of a roomful of men deciding on healthcare for women, we will explode.

If we see one more comment on locker room banter… If we hear one more excuse for why something can’t be done because it would be an unfair advantage for women, like time off to give birth and care for a newborn… If we hear one more time that because we took a year off our entire education is worthless… ENOUGH!

The future is female because most male decision makers have failed to understand that there is a difference between men and women.

They don’t understand that just because we want equality, we don’t want to be treated like men. We want to be treated like women. And just saying that is setting off men crying unfair. At the same time, men are upset that women are asking for what men have! Wait, which one is it going to be?

Because of snail-like pace that systems are moving in, women have no choice but to step up. And when women organize it is an earth-shattering event. If you still don’t hear us, we’ll do it again and again until we have it figured out.

The answer—and I have been standing on my soapbox shouting it out loudly—is very simple. Let men be men and let women be women. Give each what each needs, as long as it is the equivalent. THAT’S BALANCE. That’s what we should aim for.

If you like to listen to the podcast interview in Pablo’s segment of the Small Business War Stories – check it out in the link below. Here we talked about community, supporting one another, the realities of starting a business, and much more.

Auch hier wieder eher ein Differenzfeminismus, Frauen wollen Frauen sein und Männer Männer, jeder hat das zu bekommen, was er braucht und es muss Gleichheit bestehen. Im oberen Teil wird deutlich, dass sich die Männer zu viel nehmen

Wie attraktiv sind Kindergärtner für Frauen als Partner?

Arne hat einen interessanten Leserbrief bekommen, den ich einfach mal klaue:

Hallo Arne,

hier ein interessanter Artikel über Männer in der KiTa.

Einer meiner Freunde macht diesen Job und hat primär diese Probleme:

Die Kolleginnen trauen ihm nichts zu, er erfährt auch häufig Mobbing durch Kolleginnen und Vorgesetzte (w).

Bei der Partnerinnensuche ist er recht erfolglos. Für die Damen ist sein Status zu tief; sie finden das zwar „süss“, aber eine Beziehung mit ihm möchten sie nicht. Da ist ihnen der Mann mit einem „guten“ Job doch lieber.

Für Punkt 2 gibt es meiner Meinung nach folgenden Gründe:

Frauen suchen in der Regel einem Mann, der mehr verdient als sie, damit ist mein Freund heute bei mindesten 80% der Frauen schon mal draussen.

Frauen möchten, dass der Mann so viel verdient, dass sie in ihrem Job maximal 50% arbeiten müssen, sobald Kinder da sind. Damit sind weitere 19% draussen. Bleibt ein ganz kleiner Rest, den er zuerst mal kennen lernen muss.

Wir hatten mal in Tinder eine Anzeige mit folgendem Text aufgegeben:

„Kleinkinderzieher sucht karrierebewusste Frau mit Kinderwunsch. Du machst Karriere, ich halte Dir zuhause die Rücken frei.“

Rückmeldungen nach drei Wochen: Null, wirklich null. Er ist sportlich und sieht anständig aus. Auch das war im Tinderprofil ersichtlich.

Kindergärtner wären bei feministischer Betrachtung tatsächlich ideale Partner für jede Karrierefrau. Sie sind bei der Kinderbertreuung vom Fach, sie können keine große Karriere machen, so dass es sich eher lohnt, wenn er ihr den Rücken freihält, sie dürften auch meisten liebe und nette Männer sein, die vergleichsweise wenig „Toxische Männlichkeit“ transportieren. 

In Debatten über die Karriere führe ich auch gerne an, dass die Frauen auf dem Karriereweg ja gar nicht aussetzen müssen, sondern sich einen Kindergärtner als perfekte Ergänzung suchen können. Erstaunlicherweise kommt da meist eher keine positive Reaktion, eher der Hinweis darauf, dass Frauen eben eher einen „gleichwertigen“ Partner wollen, trotz all meiner Hinweise wie karriereschädlich das sein kann. 

Aus evolutionärer Sicht würde ich dem Leserbrief zustimmen, dass der Job insoweit auf dem Partnermarkt wenig Status darstellt. Was nicht bedeutet, dass nicht bestimmte Frauen sich schlicht in die Person verlieben oder eben eine „männlichere Einstellung“ haben. 

Das wie im verlinkten Artikel dargelegt die Stellen häufig Teilzeitstellen sind macht es in der Hinsicht auch nicht attraktiver. 

„Cis Männer kaufen sich einen Kleinwagen, menstruierende Personen Periodenprodukte“

Bei Twitter ging es mal wieder um die enormen Kosten der Menstruation:

Ich fand diese Aussage so bescheuert, dass ich dazu schrieb:

die CIS-Männer sind meistens die Hauptverdiener der Familie und zahlen in den meisten Fällen und über lange Zeiten den Hauptanteil davon.

und:

Ein typischer Verlauf wäre:

  • Vater als Hauptverdiener zahlt über Jugend und Studium über Unterhalt, also bis 24.
  • Mit 30 erstes Kind, sie setzt aus, arbeitet später Teilzeit, Ehemann zahlt Großteil des täglichen Lebens (im Schnitt IMHO: 70%)

Die starke Belastung der Frauen tritt insofern oft, gerade in klassischen Familien, gar nicht auf, sondern ist teilweise eher eine Belastung eines Mannes, über den die Frau versorgt wird.

Ich finde es als Relativierung der enormen Benachteiligung der Frau in finanzieller Hinsicht insofern ganz nützlich.

Natürlich kann man ungünstiger rechnen, etwa bei Frauen, die nicht in einer Partnerschaft leben, in der die Ausgaben von einem gemeinsamen Konto getätigt werden, welches der Mann überwiegend füllt.

Aber selbst bei staatlichen Leistungen wie Bafög könnte man anführen, dass die Gelder dazu auch überwiegend von Männern kommen.

 

 

Selbermach Mittwoch 318 (05.05.2021)

Bitte Kommentare bündeln, wenn sie nur aus einzelnen Tweets und kurzem Kommentar bestehen und man sehr viele davon plant.

Zwischen einem Kommentar, der nur einen Link oder einen Tweet ohne Besprechung des dort gesagten enthält, sollten mindestens 5 Kommentare anderer liegen, damit noch eine Diskussion erfolgen kann.

Werbung mit „Männerprodukten“ oder „Frauenprodukten“

Wir hatten hier schon diverse Männer oder Frauenprodukte, etwa die Männer- und die Frauenbratwurst oder das rosa Ü-Ei

In feministischen Theorien wird das gerne damit verbunden, dass da Männer ihre Männlichkeit bestätigen müssen, weil sie so fragil ist oder Frauen in Geschlechterrollen gezwungen werden. 

Hier also ein Brainstorming, was diese Produkte interessant macht:

Sie stellen einfache Entscheidungshilfen dar, wenn einen das Produkt an sich nicht so interessiert oder man sich nicht auskennt. 

Ein Beispiel wäre hier Haarshampoo. Frauen weisen „Schönheitsprodukten“ einen sehr hohen Wert zu, sie interessieren sich da eher dafür, dass beste aus ihren Haaren herauszuholen, so dass Shampoos für sie direkter mit den Eigenschaften beworben werden („für trockenes Haar, für die Spitzen, für gefärbte Haare, für silberglanz“) und es dort ein hohe Auswahl gibt. Es gibt aber etwa von Shauma ein Shampoo „for Men“ mit „kraftvollen Volumen mit Hopfenextrakt“. Daneben werden für Männer auch gerne „5 in 1“ Lösungen vermarktet. Statt sich damit auseinander zu setzen, was er nur für ein Haartyp ist kann er dann schlicht das Shampoo für Männer nehmen, weil er zwar nicht weiß, ob er einen Silberglanz oder diesen oder jenen Pflegezusatz braucht, aber er weiß, dass er ein Mann ist. Oder er kann eine Lösung für alles nehmen, damit kann man auch nichts falsch machen.

Das gleiche gilt auch bei der Männer- oder der Frauenbratwurst. Wenn jemand einkauft und er soll was für alle mitbringen, darunter Männer- und Frauen, dann kann er – abseits des politisch korrekten – nicht viel falsch machen, wenn er davon was mitnimmt, er kann dann anführen, dass es ja extra auf die beiden Gruppen abgestimmt war. 

Das gleiche gilt für den „Akkuschrauber in Rosa“ oder andere entsprechende Geräte. Da wäre dann vielleicht auch Griff gleich an kleinere Hände angepasst und das Gewicht reduziert etc. 

Danach wären solche Produkte dort zu erwarten, wo zumindest ein Geschlecht zwar etwas kaufen will, aber sich nicht groß mit dem Produkt beschäftigen will oder es zB nicht wirklich ausprobieren kann (wie bei der Bratwurst)

Sie bieten gerade weil man sich in seiner Rolle wohlfühlt eine Identifikationsmöglichkeit mit dem Produkt

Ich verstehe nicht, warum jemand per se unsicher in seiner Rolle sein muss, damit er ein ensprechendes Produkt kauft. Es kann gerade der Wunsch sein etwas zu haben, was die Identität noch betont und als zu ihr passend empfunden wird, was einem ein solches Produkt interessanter erscheinen lässt.

Die rosa Version des Smartphones kann dann für Frauen interessant sein, weil sie damit ein Gerät wählen, dass zu ihrer Identität als Frau passt und das ihnen dann evtl eine Zusatzzahlung wert ist. Der Käufer des Hopfen-Shampoos findet die Anspielung auf Bier passend („Hurr Hurr Hurr a la Tim der Heimwerker König“) und findet, dass das zu ihm passt. 

Gibt es die Cancel Culture nur, wenn man dagegen machtlos ist?

Ein Bericht im Spiegel zur „Lage am Morgen“ fasst die Neuigkeiten zusammen und berichtet dabei auch über die Kandidatur von Maaßen und die Einschaltquoten von ja-Josef Liefers:

Die Unterstützer Maaßens – und vermutlich auch Maaßen selbst – sehen in der Aufregung über dessen Kandidatur vor allem eins am Werk: die sogenannte »Cancel Culture«. Sie hält angeblich das ganze Land im Griff und führt dazu, dass man nichts mehr sagen dürfe. Und das ist ja auch ganz offensichtlich: Die angeblichen Opfer dieser »Cancel Culture« werden derart mundtot gemacht, dass sie – im Fall von Maaßen – beispielsweise für Bundestagsmandate nominiert werden.

Ein anderes prominentes Beispiel ist der Schauspieler Jan-Josef Liefers, der sich an der Aktion #allesdichtmachen beteiligte, und dafür derart »gecancelt« wird, dass er seit Tagen unablässig von Medien interviewt wird und auf Titelseiten landet – und gestern natürlich wieder im »Tatort« spielte. Die Ineffektivität dieser »Cancel Culture« ist atemberaubend. Fast könnte man den Eindruck bekommen, dass »Cancel Culture« eine geschickte rhetorische Figur der Selbstviktimisierung ist, die als Karrierebooster in manchen Kreisen sehr gut funktioniert. Aber darf man so etwas überhaupt noch sagen?

Mir geht es dabei nicht um die zwei Fälle im Einzelnen, mir geht es um die Cancel Culture und ihr (teilweises) Bestreiten in linken Kreisen.

Denn das dort verwendete Argument ist aus meiner Sicht ein ziemlicher Strohmann. Es wird gerne in der Hinsicht gebraucht, dass eine Cancel Culture etwas ist, gegen das man sich dann nicht wehren können kann, dass also sicher dazu führt, dass man „gecancelt“ wird und damit ist jedes „überleben“ dann ein Beleg, dass es so schlimm ja nicht sein kann. 

Dieser Strohmann wird dann jedesmal erfolgreich widerlegt, wenn jemand den entfachten Shitstorm aushält und seinen Job behält bzw einigermaßen aus der Sache heraus kommt. 

Es ist ein Strohmann, weil der Begriff der Cancel Culture an sich keinen immer bestehenden Erfolg oder eine fehlende Möglichkeit der Gegenwehr beeinhaltet. Es beschreibt vielmehr eine Situation erheblichen sozialen Drucks, der aufgrund einer Meinung nicht nur gegen denjenigen, der eine unliebsame Meinung geäußert hat ausübt, sondern gleich sein Umfeld mit einbezieht und eine Distanzierung von diesem einfordert mit der Drohung ansonsten auch gegen den Arbeitgeber, Freunde, Familie etc vorzugehen. 

Derjenige soll quasi ein Ausgestoßener sein, alle sollen sich von ihm distanzieren und nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten, weil ihnen sonst auch droht ausgestoßener zu sein. 

Eine Cancel Culture lässt damit häufig keine Diskussion zu, weil man mit Ausgestoßenen nicht diskutieren kann, sonst würde man sie wieder einbeziehen. 

Das ein Shitstorm und der Versuch des Ausstoßens mitunter nicht gelingt ist dabei eine ganz andere Sache, sie widerlegt an sich nicht, dass erst einmal ein erheblicher Druck aufgebaut wird, um es zu versuchen und das dann Leute ohne den passenden Mut davon abgeschreckt werden und versuchen, sich von der beanstandeten Handlung wieder zu distanzieren um die Ausstoßung zu beenden. 

Eine Cancel Culture kann insbesondere auch eine Gegenkultur hervorrufen, bei der Leute in kleinerer oder größerer Zahl deutlich machen, dass sie diesen Ausschluss gerade nicht wollen und statt dessen diese Person bewusst hervorheben oder auf andere Weise fördern oder einbeziehen. Eine Cancel Culture kann auch nur von einem Teil versucht werden, aber diese sind damit (außerhalb ihrer eigenen Gruppe) nur bedingt erfolgreich. 

In beiden Fällen, bei Maaßen und Liefers, wurde natürlich versucht sie zu Ausgestoßenen zu machen. Teilweise war das erfolgreich, aber eben nicht erfolgreich genug um Liefers sofort als Tatortkommentar abzusetzen. Wie sich seine Karriere in der Hinsicht entwickelt wird man sehen. Um so weniger, wenn die Einschaltquoten stimmen. Bei Maaßen hat es weitaus eher geklappt, er ist für viele jemand, von dem man sich fernhält und der zu meiden ist. Inwieweit er jetzt eine weitere politische Karriere macht oder ob dies eher auf den Osten begrenzt ist, ist eine weitere Frage

Der Spass am Autoritären

Momentan scheint mir auch im Zuge der intersektionalen Theorien, der Coronakrise und der Umweltdebatte  autoritäre Strukturen zuzunehmen. Das ist vielleicht auch eine klassische Folge davon, dass man die Welt in zwei Lager einteilt, die „Guten“ und die „Bösen“, was dann dazu verleitet, dass die „Bösen“ genau das Gleiche machen, nur eben das sie diesmal die Guten sind und die anderen die Bösen.

Die Leute wollen Regeln, sie wollen Leute abwerten, die diese nicht einhalten, man ist schnell damit Feindbilder zu erzeugen und eine Abkehr von bestimmten Normen als eine Unverschämtheit anzusehen, die nicht hingenommen werden kann.

Bestimmte Meinungen werden schnell dämonisiert, als nicht sagbar dargestellt, echte Diskussionen und die Akzeptanz, dass jemand einem nicht zustimmt, werden schwieriger.

Hier also einmal eine Diskussionsmöglichkeit dazu, um diesen Gedanken mal gemeinschaftlich unter die Lupe nehmen zu können.

Dazu noch ein Auszug aus der Wikipedia zu autoritären Persönlichkeitszügen:

Fromm sieht im Streben nach Freiheit und nach Gerechtigkeit fundamentale Wesenszüge aller Menschen. Viele Menschen seien dieser Freiheit jedoch nicht gewachsen bzw. haben durch Erziehung einen Sozialcharakter erworben, der an Macht und Gehorsam orientiert sei. In seinem Buch Escape from Freedom (1941) beschrieb Fromm die Psychodynamik dieser Furcht und Flucht vor der Freiheit. Der geistige Konformismus verträgt keine Andersdenkenden und keine pluralistische Welt. Als typische Züge des autoritären Charakters nannte Erich Fromm die Unterwürfigkeit gegenüber Autoritätspersonen, außerdem Destruktivität (Zerstörungslust), Selbsterhöhung und starre Konformität. Zu dieser durchgehenden Orientierung an Macht und Stärke gehört eine Denkweise, die an Konventionen hängt, zugleich abergläubische und stereotype Züge hat, sensible und künstlerische Seiten zurückweist und vor allem alles Fremde, fremde Menschen und Sitten, ablehnt. Die autoritäre Persönlichkeit tendiert dazu, Ideologien zu folgen, ist konform, bei extremer Ausprägung „potentiell faschistisch“ und destruktiv. Den tieferen Grund, weshalb sich diese Charakterstruktur herausbildet, sah Fromm primär nicht in einer Triebstruktur, sondern in der Unfähigkeit von Menschen, mit ihrer prinzipiellen Freiheit umzugehen – sie fliehen vor dieser selbstverantwortlichen Freiheit in eine konforme Sicherheit und orientieren sich an der Autorität. Dieser soziale Charakter wird vor allem durch typische Grunderlebnisse innerhalb der Familie und im Kontext der gesellschaftlichen Verhältnisse und Anpassungen vermittelt.

Tim Scott und seine Rede für die Republikaner als Antwort auf Bidens Rede

Der schwarze Repubikaner und Senator Tim Scott hat in den USA eine Rede gehalten mit der er auf die 100 Tage im Amt Rede von Biden antwortete. Ich finde die Rede und seine Person und die eventuellen Absichten dahinter interessant:

Good evening. I’m Senator Tim Scott of South Carolina.

I just heard President Biden’s first speech to Parliament. Our president seems to be a good person. His speech was full of good words. But President Biden has promised you a certain kind of leadership. He promised to unite the country. To lower the temperature. Govern all Americans, no matter how we vote. That was the pitch. You heard it again.

But our country is hungry for more than empty courtesy. We need policies and progress to bring us closer. But three months later, the actions of the president and his party further separated us.

Tonight, don’t waste your time with pointing or Partisan Vickers. You can always get it on the TV you want. I want to have an honest conversation. About common sense and common sense. About this feeling that our country is slipping off a shared foundation, and how we move forward together.

Growing up, I never dreamed of standing here tonight. When I was a kid, my parents divorced. My mother, brother, and I moved with my grandparents. Three of us share one bedroom. I was disillusioned and angry and was about to graduate from school. But I was blessed.

 
 

First, pray to your mother. Next, along with the mentor, a Chick-Fil-A operator named John Moniz. Finally, there is a series of opportunities that are only possible here in the United States.

Last year I saw COVID attacking all stages of the ladder that helped me. So many families lost their parents and grandparents early. So many small businesses went bankrupt. Being a Christian changed my life, but for months too many churches were closed.

Best of all, it’s a shame that millions of children lost a year of learning because they couldn’t afford to lose a day. Keeping vulnerable children out of the classroom is keeping adults out of their future.

Our public school should have been reopened a few months ago. Other countries have done so. Private schools and religious schools did. Science has shown that schools are safe for months. But too often, powerful adults set aside science. And children like me were left behind. The clearest case of school choice in our lifetime.

Last year, under Republican leadership, it passed five bipartisan COVID packages. Congress supported our hospital, saved our economy, funded Operation Warp Speed, and provided vaccines in record time. All five bills received more than 90 votes in the Senate. Common sense has found a common rationale.

In February, Republicans told President Biden that he would like to continue working together to win the battle. But Democrats wanted to do it alone. They spent nearly $ 2 trillion on the White House’s boasting partisan bill. This was the most liberal bill in American history. Only 1% were vaccinated. You don’t have to restart school right away. COVID has gathered Congress five times. This administration has separated us.

Another issue that should unite us is infrastructure. Republicans support everything you think about when you think about “infrastructure.” Roads, bridges, ports, airports, waterways, high-speed broadband—we are all involved! But again, the Democratic Party wants a list of party wishes. They don’t even build a bridge … to build a bridge!

Less than 6% of the president’s plans go to roads and bridges. It’s a liberal wishlist of big government waste … plus the biggest murder tax hike of its generation. Experts say that when everything is said and done, it will lower American wages and shrink our economy.

Tonight, I also heard about the so-called “family plan.” From cradle to college, more taxes and more spending to put Washington further in the middle of your life. The beauty of the American dream is that the family can define it for themselves. We should expand our options and opportunities for all families — don’t throw money on specific issues as Democrats think they know best.

“Infrastructure” spending that shrinks our economy is not common sense. It is not compassionate to weaken our southern border and create a crisis.

The president has abandoned the principles he held for decades. Now he says your taxes should fund abortion. He lays the foundation for cramming the Supreme Court. This is not a general rationale.

Nowhere is more desperate than racial debate. I experienced the pain of discrimination. I know what it feels like to be pulled for no reason. Follow around the store while I’m shopping. I remember my grandfather holding a newspaper at the kitchen table every morning. Later I realized that he had never learned to read it. He just wanted to set the right example.

I also experienced another kind of intolerance. I’m called “Uncle Tom” and N-word — by “progressive”! By liberals! Just last week, a national newspaper suggested that poverty in my family was actually a privilege, as relatives owned the land before my time. Believe me, I know our healing is not over.

In 2015, after shooting Walter Scott, I drafted a bill to fund body cameras. After the deaths of Breona Taylor and George Floyd last year, I created an even bigger police reform plan. But my Democratic colleague stopped it. I stretched the olive branch. I suggested them a fix. However, the Democratic Party used filibuster to prevent the debate from taking place. A friend of mine across the aisle seemed to want a problem rather than a solution. But I’m still working. I still have hope.

When America got together, we made tremendous progress. But powerful forces are trying to pull us apart. 100 years ago, children in the classroom were taught that skin color was their most important feature — and they were inferior in a particular way. Today, children are again taught that skin color defines them — and if they look in a particular way, they are oppressors.

From colleges to businesses to our culture, people are making money and gaining power by pretending that we are not progressing. By doubling the department, we have worked hard to heal.

You know this is wrong. Please listen to me clearly. America is not a racist country. Fighting discrimination with different discrimination is the opposite. And it is wrong to take advantage of our painful past to illegally lock out the current debate.

I’m an African-American who has voted in the South for the rest of my life. I personally take voting rights. Republicans support making voting easier and making cheating difficult. And so are voters! The majority of Americans support early voting, and the majority, including African Americans and Hispanics, support voter IDs. Common sense creates a common ground.

But today, this conversation has collapsed. The state of Georgia has passed a law to expand early voting. Keep email-in votes without excuses. And, despite what the president insisted, he did not shorten the election day time. If you actually read this law, it’s mainstream. Early voting is easier in Georgia than in New York, which is run by the Democratic Party. But the left doesn’t want you to know it. They want to send people a virtue signal by shouting about laws they haven’t even read.

The fact checker has called on the White House for misrepresentation. The president absurdly argues that this is worse than Jim Crow. What’s happening here? I’ll tell you. Washington power grab.

This misguided anger is supposed to justify the Democratic Party’s radical bill to take over the elections in all 50 states. Send public funds to political movements that disagree. And the bipartisan Federal Election Commission … to be partisan! This is not about civil rights or our racial past. It’s about future fraudulent elections.

And no — the same filibuster that President Obama and Biden praised when they were senators was used by the Democratic Party last year and is suddenly racist just because the shoes are on the other side. It was not a racist relic.

Race is not a political weapon to solve all problems in the way one side wants. That’s too important.

This should be a fun spring for our country. This administration has already inherited a strange trend. Coronavirus is running! Thanks to Operation Warp Speed ​​and the Trump administration, our country is flooded with safe and effective vaccines. Jobs are recovering thanks to last year’s bipartisan work.

So why do we feel so divided and anxious? Countries with many reasons for hope should not feel that burden. The president who promised to unite us should not impose an agenda that tears us apart. American families are more suitable. And we know what the better looks like!

Just before COVID, we had the most comprehensive economy of my life. The lowest unemployment rate ever recorded for African Americans, Hispanics, and Asian Americans. Worst for women near 70 years. Wages grew faster in the bottom 25% than in the top 25%. It happened because Republicans focused on expanding opportunities for all Americans.

For the first time, we have passed the Opportunity Zone for Historically Black Colleges, Criminal Justice Reform, and Permanent Funding. We fought the drug epidemic, rebuilt the military, and reduced taxes on working families and single mothers like me.

Our best future does not come from Washington’s plans or socialist dreams. It will come from you — American. Blacks, Hispanics, whites, Asians. Republican Party and Democratic Party. A brave police officer and a black neighborhood. We are not enemies. We are a family! We are all together.

And we will live in the greatest country on earth. The country where my grandfather saw his family go to Congress from cotton in his lifetime for 94 years.

So I hope our best time hasn’t come yet — I’m confident. Original sin is not the end of the story. Not in our souls, not for our country. The real story is always redemption.

I’m standing here Because my mother prayed for me during a very difficult time. I think our country was just as successful. For generations of Americans have sought grace in their own way — and God has provided it.

So I conclude with a word from the worship song that helped me throughout the year. The music is new, but the words are taken from the Bible.

(May) The Lord blesses you and protects you,

Make his face shine on you

And be kind to you …

May his presence go before you

And behind you, and beside you …

In your crying and joy

May his grace be (in our country) for a thousand generations

And your family … and your children …

Good night, and God bless you.

Natürlich eine sehr amerikanische Rede mit dem Appell an Gott, Abtreibung und was noch nicht so alles typisch amerikanische Themen sind.

Aber ein interessantes Gegengewicht zu der stark von intersektionalen Theorien beeinflussten Haltung der Demokraten und als solche könnte sie durchaus funktionieren.

Denn wie hier schon mehrfach angesprochen spalten intersektionale Theorien fast zwangsläufig, weil sie binär innerhalb der jeweiligen Kategorien in Gut und Böse, Unterdrücker und unterdrückte, Privilegierter und Benachteiligter einteilen. Es wird Leuten eine Erbschuld zugewiesen, die diese so nicht akzeptieren und es werden in sich sehr heterogene Gruppen als Privilegiert oder benachteiligt eingeordnet, von dem schwarzen Spitzensportler-Multimillionar der sich dennoch benachteiligt fühlen darf bis zum weißen Trailerparkbewohner, der privilegiert ist. Dazu das Recht der nichtprivilegierten Gruppe der anderen Gruppe eine Pflicht aufzuerlegen, die Lage zu bessern, und zwar auch der Einzelperson, die das gar nicht leisten kann. Das alles führt zu negativen Gefühlen und spaltet.

Wenn man davon ausgeht, dass die meisten Leute eigentlich gut miteinenander auskommen wollen und verstehen, dass man anderen nicht ihre Hautfarbe vorhalten kann, dann ist das ein guter Angriffspunkt. 

Ich war schon lange der Auffassung, dass die Republikaner ein gutes Gegenmittel gegen diese Theorien hätten, wenn sie einen scharzen Kandidaten aufstellen würden, der – ähnlich wie Obama – nicht Spaltung, sondern Einigkeit betont. Denn dieser ist wesentlich schwieriger aus den intersektionalen Theorien heraus anzugreifen und ihm kann auch weniger Rassismus vorgeworfen werden. 
Es bleibt im wesentlichen der in der Rede  schon angesprochene „Onkel Tom“ Vorwurf, der aber auch schnell wieder als Rassismus angesehen werden kann:

Der psychologische Fachbegriff Onkel-Tom-Syndrom bezeichnet ritualisiertes, angepasstes und unterwürfiges Verhalten von Afroamerikanern gegenüber Weißen. Der von diesem Syndrom Betroffene zeigt dabei eine so fügsame und sanftmütige Verhaltensweise, dass er vom weißen Gegenüber nicht als eine Bedrohung wahrgenommen wird.

Um dem vorzubeugen wurde der Vorwurf sicherlich auch gleich in die Rede mit aufgenommen und gleichzeitig aus Vorhaben zu Body Cams verwiesen, die von den Demokraten blockiert worden sein sollen. Damit weißt er darauf hin, dass er durchaus unbequem sein kann, nicht einfach nur alles abwiegelt, sondern Probleme des Rassismus sieht und bekämpfen will, aber gleichzeitig nicht alle dafür verantwortlich machen will. 

Man wird insofern gerade angesichts des aufgeheizten Klimas Tim Scott nicht ohne Hintergedanken ausgesucht haben, eine so wichtige Rede als Antwort auf den Präsidenten zu halten nehme ich an. 

Es wäre vielleicht auch ein interessanter Weg Trump loszuwerden, wenn sich die Leute einig sind, dass ein schwarzer Republikaner, der aber klassische Werte der Republikaner vertritt und nicht wie Trump stark verbrannt ist und eh nur noch für eine weitere Amtszeit antreten könnte, ein cleverer Zug wäre. 

Ob er das Charisma für so etwas hat? Keine Ahnung. Es passt jedenfalls, dass er sich als Trump Unterstützer darstellt und ausdrücklich Trumps Aktionen zur Impfung hervorhebt. Es bringt ihm ja nichts einen Kampf mit den Trumpanhängern anzufangen. Im Gegenteil, es wäre gut, wenn diese mehr Zeit haben ihn als eine Alternative wahrzunehmen, der ihre Bedenken teilt. 

Viele Stimmen sagen, dass er sich die Rede von Biden anscheinend nicht angehört hat. Ich gehe auch davon aus, dass es eine Rede war, die weit vorher geschrieben war und die eben einfach bestimmte Felder abdecken sollte und die Botschaft der Einigkeit darstellen sollte. Natürlich wird Biden das auch betonen, aber das ist eben schwer, wenn hinter vielen Punkten dann intersektionale Theorien stecken. 

Natürlich kann man dagegen anführen, dass Tim Scott gleichzeitig der einzige schwarze Senator der Republikaner ist und insofern dennoch die Demokraten weitaus eher deren Interessen vertreten. Ich bin dennoch gespannt, ob es jetzt einfach nur eine Rede war oder ob die Partei ihn damit ins Rennen schicken wollte. 

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