„Der wahre Feminismus ist gar nicht so“

Sehr häufig kommt, wenn man über Feminismus diskutiert, der Einwand, dass bestimmte Punkte, die man vorbringt, gar nicht auf den „wahren Feminismus“ zutreffen, richtige Feministen würden das so nicht vertreten. Es kommt meist von Personen, die entweder auf die „Festung“ hereinfallen oder sich kaum mit feministischer Theorie beschäftigt haben.

Girlwriteswhat hatte darauf eine interessante Antwort:

So what you’re saying is that you, a commenter using a username on an internet forum are the true feminist, and the feminists actually responsible for changing the laws, writing the academic theory, teaching the courses, influencing the public policies, and the massive, well-funded feminist organizations with thousands and thousands of members all of whom call themselves feminists… they are not „real feminists“.

That’s not just „no true Scotsman“. That’s delusional self deception.

Listen, if you want to call yourself a feminist, I don’t care. I’ve been investigating feminism for more than 9 years now, and people like you used to piss me off, because to my mind all you were doing was providing cover and ballast for the powerful political and academic feminists you claim are just jerks. And believe me, they ARE jerks. If you knew half of what I know about the things they’ve done under the banner of feminism, maybe you’d stop calling yourself one.

But I want you to know. You don’t matter. You’re not the director of the Feminist Majority Foundation and editor of Ms. Magazine, Katherine Spillar, who said of domestic violence: „Well, that’s just a clean-up word for wife-beating,“ and went on to add that regarding male victims of dating violence, „we know it’s not girls beating up boys, it’s boys beating up girls.“

You’re not Jan Reimer, former mayor of Edmonton and long-time head of Alberta’s Network of Women’s Shelters, who just a few years ago refused to appear on a TV program discussing male victims of domestic violence, because for her to even show up and discuss it would lend legitimacy to the idea that they exist.

You’re not Mary P Koss, who describes male victims of female rapists in her academic papers as being not rape victims because they were „ambivalent about their sexual desires“ (if you don’t know what that means, it’s that they actually wanted it), and then went on to define them out of the definition of rape in the CDC’s research because it’s inappropriate to consider what happened to them rape.

You’re not the National Organization for Women, and its associated legal foundations, who lobbied to replace the gender neutral federal Family Violence Prevention and Services Act of 1984 with the obscenely gendered Violence Against Women Act of 1994. The passing of that law cut male victims out of support services and legal assistance in more than 60 passages, just because they were male.

You’re not the Florida chapter of the NOW, who successfully lobbied to have Governor Rick Scott veto not one, but two alimony reform bills in the last ten years, bills that had passed both houses with overwhelming bipartisan support, and were supported by more than 70% of the electorate.

You’re not the feminist group in Maryland who convinced every female member of the House on both sides of the aisle to walk off the floor when a shared parenting bill came up for a vote, meaning the quorum could not be met and the bill died then and there.

You’re not the feminists in Canada agitating to remove sexual assault from the normal criminal courts, into quasi-criminal courts of equity where the burden of proof would be lowered, the defendant could be compelled to testify, discovery would go both ways, and defendants would not be entitled to a public defender.

You’re not Professor Elizabeth Sheehy, who wrote a book advocating that women not only have the right to murder their husbands without fear of prosecution if they make a claim of abuse, but that they have the moral responsibility to murder their husbands.

You’re not the feminist legal scholars and advocates who successfully changed rape laws such that a woman’s history of making multiple false allegations of rape can be excluded from evidence at trial because it’s „part of her sexual history.“

You’re not the feminists who splattered the media with the false claim that putting your penis in a passed-out woman’s mouth is „not a crime“ in Oklahoma, because the prosecutor was incompetent and charged the defendant under an inappropriate statute (forcible sodomy) and the higher court refused to expand the definition of that statute beyond its intended scope when there was already a perfectly good one (sexual battery) already there. You’re not the idiot feminists lying to the public and potentially putting women in Oklahoma at risk by telling potential offenders there’s a „legal“ way to rape them.

And you’re none of the hundreds or thousands of feminist scholars, writers, thinkers, researchers, teachers and philosophers who constructed and propagate the body of bunkum theories upon which all of these atrocities are based.

You’re the true feminist. Some random person on the internet.

Ich antworte meist, dass sie mir dann mal einen Text zeigen soll, der positiv ist. Aber eine solche Auflistung für Deutschland bereit zu haben wäre dann natürlich noch besser.

Ich habe es mal durch den Übersetzer gejagt:

Du sagst also, dass du, ein Kommentator, der einen Benutzernamen in einem Internetforum benutzt, der wahre Feminist sind, und die Feministinnen, die tatsächlich für die Änderung der Gesetze, das Schreiben der akademischen Theorie, das Unterrichten der Kurse, die Beeinflussung der öffentlichen Politik und die massiven, gut finanzierten feministischen Organisationen mit Tausenden und Abertausenden von Mitgliedern, die sich alle Feministinnen nennen, verantwortlich sind…. sie sind keine „echten Feministinnen“.

Das ist nicht nur „kein echter Schotte“. Das ist wahnhafte Selbsttäuschung.
Hör zu, wenn du dich Feministin nennen willst, ist mir das egal. Ich untersuche den Feminismus seit mehr als 9 Jahren, und Leute wie Du haben mich verärgert, weil sie meiner Meinung nach nur Deckung und Ballast für die mächtigen politischen und akademischen Feministinnen stellen, von denen sie behaupten, sie seien nur Idioten. Und glaub mir, sie sind Idioten. Wenn du die Hälfte von dem wüsstest, was sie unter dem Banner des Feminismus getan haben, würdest du vielleicht aufhören, dich selbst einen zu nennen.

Aber ich will, dass du es weißt. Du bist nicht wichtig. Du bist nicht die Direktorin der Feminist Majority Foundation und Herausgeberin des Ms. Magazine, Katherine Spillar, die über häusliche Gewalt sagte: „Nun, das ist nur ein Beschönigungswort für Frauenschlagen“, und fügte hinzu, dass bezüglich männlicher Opfer von Gewalt, „wir wissen, dass es nicht Mädchen sind, die Jungen schlagen, sondern Jungen, die Mädchen schlagen“.

Sie sind nicht Jan Reimer, ehemaliger Bürgermeister von Edmonton und langjähriger Leiter von Alberta’s Network of Women’s Shelters, der sich noch vor ein paar Jahren geweigert hat, in einer Fernsehsendung über männliche Opfer häuslicher Gewalt aufzutreten, denn wenn sie überhaupt auftaucht und darüber diskutiert, würde das der Idee, dass es sie gibt, Legitimität verleihen.

Sie sind nicht Mary P. Koss, die männliche Opfer von weiblichen Vergewaltigern in ihren akademischen Arbeiten als keine Vergewaltigungsopfer beschreibt, weil sie „ambivalent über ihre sexuellen Wünsche“ waren (wenn du nicht weißt, was das bedeutet, dann ist es, dass sie es tatsächlich wollten), und sie dann aus der Definition von Vergewaltigung in der Forschung der CDC heraus definiert hat, weil es unangemessen ist, zu betrachten, was mit ihnen geschehen ist.

Sie sind nicht die Nationale Organisation für Frauen und die damit verbundenen rechtlichen Grundlagen, die sich dafür eingesetzt haben, das geschlechtsneutrale Bundesgesetz über die Verhütung von Familiengewalt und Dienstleistungen von 1984 durch das obszön geschlechtsspezifische Gesetz über Gewalt gegen Frauen von 1994 zu ersetzen. Durch die Verabschiedung dieses Gesetzes wurden männliche Opfer in mehr als 60 Passagen aus der Betreuung und Rechtshilfe ausgeschlossen, nur weil sie männlich waren.

Du bist nicht das Florida Kapitel des NOW, das eine erfolgreiche Kampagne startetet, um Gouverneur Rick Scott Veto nicht eine, sondern zwei Alimenteverbesserungsgesetze in den letzten 10 Jahren, zu veranlassen. Gesetze, die beide Häuser mit überwältigender Unterstützung beider Parteien passierten und von mehr als 70% der Vertreter unterstützt wurden.

Sie sind nicht die feministische Gruppe in Maryland, die jedes weibliche Mitglied des Hauses auf beiden Seiten der politischen Lager überzeugte, den Saal zu verlassen, als ein Gesetzesvorschlag zum Wechselmodell beschlossen werden sollte, was bedeutete, dass keine Beschlussfähigkeit bestand und der Gesetzesvorschlag dann und dort starb.

Sie sind nicht die Feministinnen in Kanada, die sich darum bemühen, sexuelle Übergriffe von den normalen Strafgerichten zu entfernen, in Quasi-Strafgerichte, wo die Beweislast gesenkt würde, der Angeklagte gezwungen werden könnte auszusagen, die Ausforschungen in beide Richtungen gingen, und Angeklagten kein Recht auf einen öffentlichen Verteidiger´hatten

Sie sind nicht Professorin Elizabeth Sheehy, die ein Buch geschrieben hat, in dem es heißt, dass Frauen nicht nur das Recht haben, ihre Ehemänner ohne Furcht vor Verfolgung zu ermorden, wenn sie einen Anspruch auf Missbrauch erheben, sondern dass sie auch die moralische Verantwortung haben, ihre Ehemänner zu ermorden.

Sie sind nicht die feministischen Rechtsgelehrten und Anwälte, die erfolgreich Vergewaltigungsgesetze so geändert haben, dass die Geschichte einer Frau, die mehrere falsche Vergewaltigungsvorwürfe gemacht hat, vor Gericht von den Beweisen ausgeschlossen werden kann, weil sie „Teil ihrer sexuellen Geschichte“ ist.

Sie sind nicht die Feministinnen, die die Medien mit der falschen Behauptung überhäuften haben, dass es in Oklahoma „kein Verbrechen“ sei, Ihren Penis in den Mund einer ohnmächtigen Frau zu stecken, weil der Staatsanwalt inkompetent war und den Angeklagten unter einem unangemessenen Gesetz (gewaltsame Sodomie) anklagte und das Obergericht es ablehnte, die Definition dieses Gesetzes über seinen beabsichtigten Rahmen hinaus zu erweitern, als es bereits ein vollkommen gutes (sexuelle Körperverletzung) bereits dort gab.

Sie sind nicht die idiotischen Feministinnen, die die Öffentlichkeit belügen und Frauen in Oklahoma potentiell gefährden, indem sie potentiellen Tätern sagen, dass es einen „legalen“ Weg gibt, sie zu vergewaltigen.

Und Sie sind keiner von den Hunderten oder Tausenden von feministischen Gelehrten, Schriftstellern, Denkern, Forschern, Lehrern und Philosophen, die die Grundlagen der idiotischen Theorien, auf denen all diese Gräueltaten basieren, konstruiert und verbreitet haben.

Du bist die wahre Feministin. Irgendeine zufällige Person im Internet.

So gut es ging korrigiert, Verbesserungsvorschläge sind willkommen

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Etwas Hass

Gemeinsamkeiten der linken „Radikalen Theorien“

Ein interessanter Artikel befasst sich mit verschiedenen Strömmungen, die alle dem poststrukturalistischen linken Strömmungen entstammen:

The labels proliferate: new historicism, cultural materialism, materialist feminism, ecofeminism, postcolonialism, deconstruction, structuralism, poststructuralism, race theory, gender theory, queer theory, postmodernism … the list might go on. This extensive list of labels seems to signal genuine range and diversity; however, in terms of their ideas, these approaches are somewhat narrower in scope and focus than one might expect. Virtually every approach listed here lays claim to be ‘radical’, which is to say politically of the left or even hard left – with roots in Marxist theory – hostile to capitalism, the Enlightenment, classical liberalism, liberal humanism, and even to the West itself. Virtually all are also committed to ‘social justice’. It must be noted that, since about 1980, these labels accurately register the genesis of literary studies as a discipline, but what they do not register is that, as they were rising, dissenting voices were systemically hounded out of the academy.

Er führt dann verschiedene Beispiele an, bei denen Leute, die Kritik äußerten einen Mob gegen sich hatten.

Dazu stellt er fest:

Again, I was struck by reasoning that seemed based entirely on what Aristotle would have called ‘ethos’, that is, the judgement of the person’s character as opposed to their arguments.

Es steht also nicht die Auseinandersetzung mit den Argumenten, sondern mit der Frage, ob das Ergebnis gewollt und „ethisch“ ist. Er fasst die Grundlagen der gegenwärtigen Ansätze dann wie folgt zusammen:

Despite significant differences, all the approaches I listed above assume that:

  1. There is no universal human nature.
  2. Human beings are primarily a product of their time and place.
  3. Therefore, power, culture, ideologies, and the social institutions that promulgate them have an extraordinary capacity to shape and condition individuals.
  4. In Western societies, since these institutions have been dominated by people who were predominantly rich, straight, white, and male it has tended towards pushing the particular interests of rich straight white men to the detriment of all other groups.
  5. Furthermore, these rich straight white men have done this by acting as if their sectional interests were universal and natural – a flagrant lie.
  6. Importantly, however, few if any of these rich white straight men were consciously aware of doing this, because they were themselves caught in the matrices of power, culture, ideologies and so on.
  7. Where subordinated groups have gone along with these power structures, they have been exploited and the victims of ‘false consciousness’.
  8. Now is the time to redress this balance by exposing the ways in which old texts have promoted the sectional interests of the rich straight white men and by promoting the voices of the historically marginalised groups.

Das beschreibt aus meiner Sicht durchaus den theoretischen Gedankengang innerhalb der Theorien.

Once this basic structure is understood, one can quickly see that the extensive list which seems like it represents a diverse range of approaches, in fact only promotes different flavours of a single approach. All that changes from one to the next are the specific groups of oppressors and oppressed as well as the structuring principle to which all individuals are invisibly in thrall. One might begin to represent it as follows:

Er hat dann die folgende Tabelle eingefügt:

Das wurde auch hier schon so häufiger angeführt, es sind im grundlegenden ganz gleiche Strukturen, auch wenn (hallo Leszek) hier nur simplifizierte Grundstrukturen aus dem Marxismus übernommen worden sind, die ein „echter Kommunist“ so nicht vertreten würde.

We might continue the table to list other approaches, but the point is made. It is also obvious that these various critical schools might easily be combined, because they represent variations on the same basic idea. What is interesting to me from a philosophical point of view is that all of them are hermetically sealed, which is to say that if you accept the eight premises I outlined above, there is no way to attack them. We are all ‘always already’ in ideology, in the patriarchy, under power, which is implicitly white supremacist and heteronormative. And there’s no way out of this except to recognise it and to do our best to mitigate it. This is not a scientific hypothesis that can be falsified or a philosophical argument that can be countered with other philosophical arguments, it is more of a theological proposition.

In der Tat ist das einer der „Vorteile“ dieser Theorien, die man in Diskussionen auch immer wieder erlebt: Es ist ein geschlossenes Weltbild, in der jede Kritik das System stützt oder deutlich macht, dass der andere das System nicht verstanden hat.

In fact, it functions in a near identical way to John Calvin’s notion of ‘total depravity’ and original sin:

To man we assign only this: that he pollutes and contaminates by his impurity those very things which were good. For nothing proceeds from a man, however perfect he be, that is not defiled by some spot.9

We are each ‘contaminated’ and ‘defiled’ by capitalism, patriarchy, power, white supremacy, and heteronormativity.

(…) Either you are with the oppressed, and therefore on the side of the angels, or you are implicitly supporting the side of the oppressors, and a damnable and unrepentant sinner. It is a straightforward binary moral choice and its missionaries will take no prisoners.

Auch diese Nähe zur Religion war hier schon häufiger Thema und auch die Binarität solcher Ansätze: Es gibt keinen Raum für feinheiten der Bewertung der Lage innerhalb einer Kategorie: Entweder man ist Täter oder Opfer, Gut oder Böse.

Er äußert dann auch, warum er diese Studiengänge besorgniserregend findet:

One wonders whether the students that the academy is producing today could if asked to, provide the arguments of their ideological or political counterparts, without resort to crude caricature or ad hominem. My concern is not so much that some or even all of these 1980s postmodern approaches are taught at undergraduate level – they have undeniably each had their own impact on the discipline – it is rather that students seldom, if ever, encounter any of the available counter arguments. And there are many powerful ones, underpinned with empirical data: from evolutionary theory, from economics, from philosophy, from history, and so on. Such studies seldom make it onto recommended reading lists, let alone onto syllabus lists.

In der Tat: Es ist eine geschlossene Welt, in der Gegenargumente nicht eindringen. Ist dabei erst einmal eine Indoktrinierung erfolgt, dann können alle Gegenargumente auch schlicht abgetan werden. Es ist kein wissenschaftlicher Ansatz, es ist eine Glaubenswelt.

Später heißt es:

Critical thinking cannot flourish in conditions in which students cannot question the material they are being taught. We should not expect or even encourage students to inherit our own ideas, least not of all political beliefs. Universities are places to learn how to think not what to think. It seems somewhat ironic that a set of literary approaches so committed to deconstructing and uncovering the supposed processes of social indoctrination should also be so oblivious to their own role in indoctrinating a generation of students.

Ja, das ist in der Tat schade.

Komplexere Betrachtungen von Männlichkeit vs Feindbilder

Ein interessanter Artikel befasst sich mit Männlichkeit anlässlich eines Berichtes, bei dem eine Kindergärtnerin nur noch Mädchen mit Legos spielen ließ, weil sie meinte, dass Jungs sonst Vorteile hätten.

Dabei wird interessantes zu Männlichkeit dargestellt:

In fact, as a construct in Western societies, ‘masculinity’ is simply a way to understand and talk about specific traits that are typically ‘hegemonic’ (ie: dominant) in males but not in females. Classically, these traits include toughness, violence, aggression, endurance, bravery, and the suppression of emotions like fear and grief. As a natural extension of biological sex, this kind of hegemonic masculinity is mostly clearly observable in the different ways male and female children play and interact. Clearly, traits normally hegemonic in boys can be found in both sexes; not all girls play with dolls, and not all boys play with guns. But the distribution of these traits on average would lead us to expect that a lot more boys than girls will be interested in guns than dolls.

Härte, Gewalt, Aggressivität, Durchhaltevermögen, Tapferkeit, die Unterdrückung von Emotionen wie Angst und Trauer, das alles wäre als Formulierung für viele Feministinnen wahrscheinlich schon zu positiv oder sie müssten eben darauf verweisen, dass Männer so erzogen werden, was die positiven Seiten angeht und Frauen das quasi vorenthalten wird.

An archaic and inflexibly bio-determinist understanding of what it means to be a ‘man’ or a ‘woman’ is both unscientific and damaging to those individuals who do not fit the standard model of their defined biological sex. It also makes little sense from a mental health perspective to insist upon a rigid and narrowly defined understanding of either gender. For example, we know that men actively negotiate their masculinity in more complex ways than the behavioural traits outlined above suggest. Men have been found to promote masculine traits like athleticism at the expense of other masculine social behaviours like alcohol consumption. Research also suggests1 that ‘metrosexual’ men can be understood as those engaging in a sophisticated dynamic of traditionally masculine characteristics, such as earning power, paired with traditionally more feminine concerns over appearance.

Männlichkeit und Weiblichkeit treffen immer nur im Schnitt zu und setzen sich aus vielen Faktoren zusammen, die man auch verschieden darstellen kann. Das gleich als Ende der Geschlechter darzustellen heißt schlicht, dass man die Rollen zu eng sieht:

During my PhD, I studied soldiers specifically trained to kill people. However, I found that the masculinity displayed by these professional warriors to be more complex than expected. On the one hand, these men seem to possess the attributes of a hyper-masculine male: toughness, aggression, dominance, and suppression of fear. On the other, they accept the realities of being a soldier, which require the individual to be subservient, obedient, and almost totally dependent, which are traditionally not masculine traits. This is to say nothing of the well documented and complex displays of platonic love among soldiers in war, who one minute may be charging a gun nest to protect one another, and the next may be sharing intimate and detailed stories of loss, regret, and fear.

Das finde ich ein schönes Beispiel, weil er eben bestimmte Faktoren zusammen bringt, die nicht in die poststrukturalistische Theorie passen und sich mit den dortigen Ansichten zu Männlichkeit widersprechen.

Weiter heißt es:

Masculinity is complex, and understanding it requires sophisticated discussions that shed light on those components of masculinity that are harmful and those that are benign or beneficial. Theories of ‘toxic masculinity’ operate on the assumption that, as the dominant sex, men have been socialized to take what is theirs by force. Social cues and cultural norms supposedly give men permission to commit violence and sexual assault, and ‘toxic masculinity’ is used to explain a variety of phenomena, from domestic abuse to aggressive imperialism and the pillaging of weak nations. Increasingly, the term is also used to describe a more symbolic kind of violence and aggression used to suppress or silence anyone who is not the ‘dominant voice’ in society.

Es wird eben ein Bild gemalt, welches eine bestimmte Funktion erfüllt, eben ein Feindbild, jemand, den man verantwortlich machen kann. Es besteht kein Interesse daran, dass tatsächlich „Männlichkeit“ in all ihren Facetten erkannt wird, das Bild im Dienste der Propaganda ist weitaus wichtiger.

An additional cost to pathologizing masculinity itself – instead of attempting to mitigate the damage wrought by its ‘hyper-masculine’ excesses – is that we stigmatize anything understood to be remotely masculine. Competition, rough and tumble play, and traits such as stoicism all become objects of suspicion. Of course, some boys are hyper-masculine, or pathologically masculine. These individuals will bully, establish dominance by hurting the vulnerable, and display other antisocial behaviors that do not benefit modern societies committed to the rule of law. But when dealing with these behaviors, Sommers suggests, we have to remember that most boys display healthy masculinity. Enjoyment of physical sports and competition does not indicate that all other related behaviors are built for destruction and domination. On the contrary, these traits also can serve to build, protect, and defend. The soldiers I studied, for instance, displayed a desire to protect, to be part of a group that allowed to them to ‘test themselves,’ to uphold values, but also to fall in line, to do as they were told, and to follow the rules. The typical British Special Forces soldier, for example, is well disciplined, has a strict codes of ethics and conduct to which they strive to adhere. These men are not, for the most part, feral savages who do as they please.

In der Tat hat Männlichkeit viele sehr schöne Seiten, die teilweise eben in einer Verbindung mit negativeren Seiten stehen. Männer mögen weniger emotional sein in einigen Bereichen, dafür arbeiten sie eher an einer Lösung für das Problem etc.

 

Ein Vollzeitvater und seine Erfahrungen

Im Focus berichtet ein Vater von seinem Versuch Hausmann zu sein, während seine Frau das Geld verdient:

Er schildert beispielsweise das, was auch viele Frauen beklagen: Die Selbstverständlichkeit mit der bestimmte Leistungen entgegengenommen werden:

Am Anfang war alles ein Spiel: aufstehen, alle aufwecken, den Morgenbrei kochen, die Tochter für die Schule „parat machen“, mit dem Sohn ein wenig schwatzen, während ich den ersten Kaffee trank. Anschließend folgten all die täglichen Arbeiten eines Hausmannes wie Ordnung machen, Wäsche waschen, Staubsaugen, Schrubben, Kochen, Helfen bei den Hausaufgaben, Geschichten erzählen und Spielen mit den Kindern. Einfach „da sein“. Selbst wenn die Kinder die Läuse haben…

Aber bald wurde mir klar: Die Auswirkung meines Planens und Handelns ließen sich nicht beweisen. Du kannst noch so gut kochen, das Essen wird mit einer gewissen alltäglichen Selbstverständlichkeit hinuntergeschlungen. Du kannst noch so penibel aufräumen und putzen, eine Viertelstunde später ist wieder alles dreckig oder durcheinander. Du kannst dich noch so gut um jedes einzelne Familienmitglied kümmern, allmählich wirst du zum Faktotum, das niemand mehr wahrnimmt.

Und niemand sagt dir wirklich „Danke“ – von Herzen, meine ich. Was du erhältst, ist ein alltägliches Danke, ein hingeworfenes Unterpfand für deine pflichtschuldig geleisteten Dienste. Ich verstand auf einmal die alltägliche und stets präsente Müdigkeit meiner Mutter, die ihr ganzes Leben lang als Hausfrau gearbeitet hatte.

Das ist sicherlich etwas, was man häufiger hört. (Wobei es im Büro ja häufig nicht anders ist, auch da wird schlicht erwartet, dass man seinen Job macht, aber man geht in der Familie eben noch anders miteinander um).

Der nächste Absatz ist hoch interessant:

Ich wusste, ich war privilegiert: Meine Frau finanzierte alles, ohne sie hätte ich dies gar nicht unternehmen können. Ich war privilegiert, weil meine Frau sich auf dieses „Experiment“ – wie sie es bezeichnete – eingelassen hatte. Und sie war privilegiert, weil sie sich ganz auf ihre Arbeit konzentrieren konnte und umsorgt wurde, so gut ein Mann „umsorgen“ kann.

Was meinen Traum vom Hausmann-Dasein beflügelt hatte, war die Aussicht, mehr Freiheit zu haben. Für mich hieß das, an meinen Gedichten schreiben zu können. Und ich erhielt diese Freiheit zur Genüge.

Ein Mann sieht etwas als Privileg, was häufig gleichzeitig als Unterdrückung der Frau gesehen wird und viele würden ihm da wohl durchaus zustimmen, wenn er es als Mann sagt.

Er berichtet aber auch von kritischen Reaktionen:

Auf den Spielplätzen allerdings traf ich auf die Mütter: eine andere Art Mensch. Sie blickten mich argwöhnisch und kritisch an. Ich verhielt mich meinem Kind gegenüber anders als sie: Mein Sohn durfte mehr (dreckeln), wurde selten zurechtgewiesen (allerdings sofort, wenn es um den Besitz anderer Kinder ging), wurde mit Ironie und Witzen getröstet, wenn er sich wieder mal das Knie geschürft hatte. Einmal schimpfte mich eine Mutter regelrecht aus, weil ich meinen Sohn eine Minute länger als in der Schweiz üblich (oder so) sich im Dreck wälzen ließ, weil er eine fünfte Reiswaffel mit Schoggiguss nicht erhalten hatte. „Was für ein herzloser Mensch sind Sie denn?“

Ich könnte Tausende solche Geschichten der Verwunderung und Befremdung erzählen. Von den Kommentaren und dem bewundernden Mitleid der Arbeitskolleginnen und -kollegen meiner Frau. Oder von der Besorgnis (um meine seelische Gesundheit?) in den Blicken meiner besten Freunde.

Hier könnte man eine Form des „Womansplaining“ ausmachen: Sie meinen weil er ein Mann ist wisse er weniger über Erziehung als sie und belehren ihn.

Er merkt einen Wandel, auch in seiner Beziehung:

Ja, ich war ganz und gar Hausmann geworden. So weit, dass man mich als Zwitter hätte bezeichnen können. Ich war weder Mann noch Frau. Doch gab es noch Überreste männlichen Handelns: So konnte ich beim besten Willen nicht nachvollziehen, wie wichtig es meiner Frau war, dass die Kissen in einer Art dekorativer Habachtstellung auf der Couch „standen“, oder weshalb mein Sohn jeden Tag eine neue Hose anziehen sollte, die ja sowieso in den ersten zehn Minuten nach Ankunft auf dem Spielplatz eingedreckt würde…

Meine Frau hatte Mühe, mich zu begehren

Und im dritten Jahr wurde auch deutlich, wie diese neue Rolle sich auf die Beziehung ausgewirkt hatte. Meine Frau hatte Mühe, mich – das Faktotum – als Mann zu sehen, mich als Mann anzunehmen und, ja, zu begehren. Sie wünschte sich einen Mann, der „voll und ganz im Leben“ steht. Sie wünschte sich einen Mann, auf den sie „stolz“ zeigen könne.

Eigentlich ja ganz Feminismuskompatibel der erste Teil: Er bricht aus den Geschlechterrollen aus und ist damit quasi „nonbinary“, ein Enby. Aber anscheinend lässt er sich auch etwas dabei gehen und tritt anscheinend auch anders auf. Er erlebt etwas, was in der feministischen Theorie so gar nicht vorkommt: Anforderungen der Frauen an den Mann, sich wie ein Mann zu benehmen. Und Begehren für Männlichkeit. „Voll und Ganz im Leben steht“ ist dann eine interessante Klausel, von denen es viele gibt: der „echte Mann“, der Mann, der eine Familie ernähren kann etc.

Natürlich ist es schwer zu beurteilen, ob das dann tatsächlich der Grund für das Scheitern war. Wir kennen ja nur seine Seite. Aber es ist insofern eine interessante Perspektive

Selbstmach Samstag 183 (14.04.2018)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

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Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

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