Homosexualität am Gesicht erkennen

Die Studie war bereits Thema in den Kommentaren:

We show that faces contain much more information about sexual orientation than can be perceived and interpreted by the human brain. We used deep neural networks to extract features from 35,326 facial images. These features were entered into a logistic regression aimed at classifying sexual orientation. Given a single facial image, a classifier could correctly distinguish between gay and heterosexual men in 81% of cases, and in 74% of cases for women. Human judges achieved much lower accuracy: 61% for men and 54% for women. The accuracy of the algorithm increased to 91% and 83%, respectively, given five facial images per person. Facial features employed by the classifier included both fixed (e.g., nose shape) and transient facial features (e.g., grooming style). Consistent with the prenatal hormone theory of sexual orientation, gay men and women tended to have gender-atypical facial morphology, expression, and grooming styles. Prediction models aimed at gender alone allowed for detecting gay males with 57% accuracy and gay females with 58% accuracy. Those findings advance our understanding of the origins of sexual orientation and the limits of human perception. Additionally, given that companies and governments are increasingly using computer vision algorithms to detect people’s intimate traits, our findings expose a threat to the privacy and safety of gay men and women.

Quote: Deep neural networks are more accurate than humans at detecting sexual orientation from facial images.

Aus dem Spiegelartikel dazu:

Sie zeigten, wie ein Computer mithilfe von Gesichterkennungssoftware die sexuelle Orientierung von Menschen erkennt.

Und das mit extrem hoher Trefferquote: Ausgehend von nur einem Foto erkannte das Programm 81 Prozent aller schwulen Männer und 74 Prozent aller homosexuellen Frauen. Menschliche Probanden, denen die gleichen Bilder vorgelegt wurden, kamen hier nur auf 61 und 54 Prozent Trefferquote. Noch gruseliger wurden die Ergebnisse, wenn man dem Rechner fünf Bilder einer Person vorlegte. Dann erkannte die Software 91 Prozent der homosexuellen Männer und 83 Prozent der Frauen.

Auch interessant: Das dort verlinkte Bild:

homosexuell Gesicht

homosexuell Gesicht

Das linke Gesicht wurde aus heterosexuellen Personen zusammengesetzt, das rechte aus homsoexuellen Personen.

Interessanterweise kommen mir in beiden Fällen die heterosexuellen Gesichter unattraktiver vor. Vielleicht auch nur, weil  sie jeweils dicker aussehen.

Aus meiner Sicht ein durchaus zu erwartendes Ergebnis:

Die vorherrschende Theorie führt an, dass Homosexualität in einer engen Verbindung mit insbesondere pränatalen Hormonen steht:

Und auch Gesichter sind männlicher oder weiblicher unter der Einwirkung der Hormone:

vgl zB diese Studie:

Prenatal testosterone may have a powerful masculinizing effect on postnatal physical characteristics. However, no study has directly tested this hypothesis. Here, we report a 20-year follow-up study that measured testosterone concentrations from the umbilical cord blood of 97 male and 86 female newborns, and procured three-dimensional facial images on these participants in adulthood (range: 21–24 years). Twenty-three Euclidean and geodesic distances were measured from the facial images and an algorithm identified a set of six distances that most effectively distinguished adult males from females. From these distances, a ‘gender score’ was calculated for each face, indicating the degree of masculinity or femininity. Higher cord testosterone levels were associated with masculinized facial features when males and females were analysed together (n = 183; r = −0.59), as well as when males (n = 86; r = −0.55) and females (n = 97; r = −0.48) were examined separately (p-values < 0.001). The relationships remained significant and substantial after adjusting for potentially confounding variables. Adult circulating testosterone concentrations were available for males but showed no statistically significant relationship with gendered facial morphology (n = 85, r = 0.01, p = 0.93). This study provides the first direct evidence of a link between prenatal testosterone exposure and human facial structure.

Ich hatte einmal zu den Gründen für Homosexualität ausgeführt:

1. Männliche Homosexualität:

  • Die Hoden des Fötus produzieren nicht genug Testosteron
  • Die Hoden des Fötus entwickeln sich zu spät und produzieren erst nach der entscheidenen Phase Testosteron
  • Das Testosteron wird mangels entsprechender Rezeptoren an der Blut-Hirn-Schranke/im ganzen Körper nicht erkannt.
  • Das Testosteron wird mangels entsprechender Rezeptoren an der Blut-Hirn-Schranke nur teilweise/abgeschächt erkannt
  • Das Östrogen wird im Gehirn mangels entsprechender Rezeptoren nicht erkannt.
  • Die Mutter stellt in der entscheidenden Phase nicht genug Testosteron bereit.
  • Der Schwellenwert ist überhoch eingestellt, so dass das weibliche Programm trotz ausreichend Testosteron nicht durchgeführt wird.
  • Antiandrogene blockieren die Rezeptoren in der entscheidenden Phase.
  • Medikamente/andere Stoffe senken den Testosteronspiegel in der entscheidenden Phase
  • Umweltbedingungen senken des Testosteronspiegel in der entscheidenden Phase
  • Ein Zusammenspiel dieser Faktoren

2. Weibliche Homosexualität:

  • Der Fötus hat einen erhöhten Testosteronspiegel (über eine Überproduktion der Nebennierenrinde und der Eierstöcke)
  • Die Mutter stellt ein Übermass an Testosteron bereit.
  • Der Schwellenwert für das 2.  Bauschema Mann ist in diesem Bereich extrem niedrig angesetzt.
  • Medikamente sorgen für eine Erhöhung des Testosteronspiegels in der empfindlichen Phase
  • überempfindliche Rezeptoren suggerieren einen erhöhten Testosteronspiegel.
  • Ein Zusammenspiel dieser Faktoren

Wie man sieht muss damit nicht zwangsläufig die Homosexualität sich auch im Gesicht zeigen. Etwa weil der „Schwellenwert“ niedrig angesetzt ist oder der Wert nur in einer bestimmten Phase sehr hoch ist. Gerade wenn der Hormonspiegel aber dauerhaft erhöht ist spricht vieles für eine Übereinstimmung.

Insofern aus meiner Sicht ein sehr nachvollziehbares Ergebnis

 

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Spielverhalten in der Jugend und sexuelle Orientierung

Eine interessante Langzeitstudie beobachtete Spielverhalten und verglich sie dann später mit der sexuellen Orientierung als Erwachsener:

Abstract
Lesbian and gay individuals have been reported to show more interest in other-sex, and/or less interest in same-sex, toys, playmates, and activities in childhood than heterosexual counterparts.

Yet, most of the relevant evidence comes from retrospective studies or from prospective studies of clinically-referred, extremely gender nonconforming children. In addition, findings are mixed regarding the relationship between childhood gender-typed behavior and the later sexual orientation spectrum from exclusively heterosexual to exclusively lesbian/gay.

The current study drew a sample (2,428 girls and 2,169 boys) from a population-based longitudinal study, and found that the levels of gender-typed behavior at ages 3.50 and 4.75 years, although less so at age 2.50 years, significantly and consistently predicted adolescents’ sexual orientation at age 15 years, both when sexual orientation was conceptualized as two groups or as a spectrum. In addition, within-individual change in gender-typed behavior during the preschool years significantly related to adolescent sexual orientation, especially in boys. These results suggest that the factors contributing to the link between childhood gender-typed behavior and sexual orientation emerge during early development. Some of those factors are likely to be nonsocial, because nonheterosexual individuals appear to diverge from gender norms regardless of social encouragement to conform to gender roles.

Quelle: Childhood Gender-Typed Behavior and Adolescent Sexual Orientation: A Longitudinal Population-Based Study

Ein Junge, der eher mädchentypisches Spielzeug mag, ist also mit einer höheren Wahrscheinlichkeit schwul.

Die Frage ist nun, in welcher Richtung die Kausalität verläuft:

  • macht spielen mit Mädchenspielzeug schwul?
  • spielen Schwule eher mit Mädchenspielzeug, weil sie „weiblicher“ sind

Letzterer Theorie würde gut zu den „Hormontheorien“ passen. Danach entsteht Homosexualität, weil bestimmte Hormone nicht zur richtigen Zeit vor der Geburt, in der die für die sexuelle Orientierung zuständigen Gehirnbereiche angelegt werden, einen bestimmten Hormonstand haben. Die Hormone, insbesondere pränatales Testosteron, regelt, ob man Männer oder Frauen attraktiv findet: Ist zu dieser Zeit ein hinreichend hoher Stand an Testosteron vorhanden (und spielen andere, vielleicht epigenetische Faktoren mit), dann wird der Junge heterosexuell, wenn nicht, dann besteht eine Chance, dass er homosexuell wird. Die gleichen Hormone beinflussen auch die Vorliebe für bestimmte Spielzeuge. Dabei wird davon ausgegangen, dass Spielen eine Vorbereitung auf das Erwachsenenleben sind, so dass es auch sinnvoll ist, dass Personen, die ganz andere Aufgaben im Erwachsenenleben erfüllen werden, sich auch eher für andere Bereiche interessieren, mit denen sie dies spielerisch erlernen können.

Die erste Theorie hingegen würde wohl eher stark konservativen Kräften in die Hände spielen, würde aber immerhin zu einem Blank Slate und Rollentheorien passen: Weil er später lernt, dass es Frauenspielzeug ist, würde er sich eher als Frau verhalten und deswegen auch eher auf Männer stehen. Wäre für mich eher ein sehr gewagter Schluss, der auch nicht dazu passt, dass auch andere Kinder, bei denen man die Hormone gemessen hat, etwa CAH-Mädchen ein von der Geschlechterrolle abweichendes Verhalten zeigen und lieber mit dem anderen Geschlecht und dessen Spielzeug spielen.

Hier die Werte:

sexuelle Orientierung und Spielverhalten Mädchen

sexuelle Orientierung und Spielverhalten Mädchen

sexuelle Orientierung und Spielverhalten jungen

sexuelle Orientierung und Spielverhalten jungen

In Beiden sieht man, dass die Unterschiede immer größer werden. Mit etwas unter 5 Jahren erreichen die 100% heterosexuellen Mädchen einen Wert bei „männliches Spielverhalten“ von 34,79 und die 100% lesbischen Mädchen einen Wert von 53,97

Bei den Jungs ist es für „männlicheres Spielverhalten “ bei den älteren Kindern bei den Heteros 63,79 und bei den Homosexuellen 54,83.

Es ist auch interessant, dass sich die Unterschiede im Spielverhalten bei den Jungs durchgehend mit dem „Grad“ der späteren sexuellen Orientierung hin zum gleichen Geschlecht vergrößern.

Bei den Mädchen ist dies weniger eindeutig, der große Sprung kommt erst bei denen, die 100% lesbisch sind. Das übrige Feld liegt teilweise recht dicht beieinander.

Das könnte damit zusammenhängen, dass die notwendige „Schwelle“ in den Hormonen bei Frauen höher liegt.

Die Studie passt aus meiner Sicht sehr gut zu den biologischen Erklärungen und es scheint mir schwer zu sein, sie in ein soziales Modell zu bringen. Wer dazu eine Idee hat, der kann es gerne in den Kommentaren darstellen.

In der oben verlinkten Tabelle ist auch noch am Ende eine Auswertung der Daten zu einzelnen Aktivitäten vorhanden: Mit dem gleichen Geschlecht Händchen halten zeigt geringere Unterschiede im Spielverhalten als tatsächlicher Sex, gerade bei Männern.

Geschlechtertypisches Verhalten und sexuelle Orientierung

Eine interessante Studie hat geschlechtertypisches Verhalten und sexuelle Orientierung verglichen:

Abstract Lesbian and gay individuals have been reported to show more interest in other-sex, and/or less interest in same-sex, toys, playmates, and activities in childhood than heterosexual counterparts. Yet, most of the relevant evidence comes from retrospective studies or from prospective studies of clinically-referred, extremely gender nonconforming children. In addition, findings are mixed regarding the relationship between childhood gender-typed behavior and the later sexual orientation spectrum from exclusively heterosexual to exclusively lesbian/gay. The current study drew a sample (2,428 girls and 2,169 boys) from a population-based longitudinal study, and found that the levels of gender-typed behavior at ages 3.50 and 4.75 years, although less so at age 2.50 years, significantly and consistently predicted adolescents’ sexual orientation at age 15 years, both when sexual orientation was conceptualized as two groups or as a spectrum. In addition, within-individual change in gender-typed behavior during the preschool years significantly related to adolescent sexual orientation, especially in boys. These results suggest that the factors contributing to the link between childhood gender-typed behavior and sexual orientation emerge during early development. Some of those factors are likely to be nonsocial, because nonheterosexual individuals appear to diverge from gender norms regardless of social encouragement to conform to gender roles.

Quelle: Childhood Gender-Typed Behavior and Adolescent Sexual Orientation: A Longitudinal Population-Based Study

Ein Ergebnis, welches nach den biologischen Theorien, nach denen die sexuelle Orientierung und das geschlechtertypische Verhalten insbesondere durch pränatales Testosteron hervorgerufen werden und später unter der Wirkung der Sexualhormone, insbesondere auch Testosteron weiterentwickelt wird, gut zu erklären ist. Es ist allerdings aus meiner Sicht weit aus schwieriger mit sozialen Theorien zu erklären.

Yeyo dazu:

Wie er richtig anmerkt kann man auch überlegen, ob andere Kausalitäten vorliegen: Es könnte auch sein, dass tatsächliche geschlechteruntypisches Spielen schwul macht. Das wäre allerdings eine Interpretation, welche die meisten Genderfeministen wohl eher nicht vertreten werden wollen, da sie sehr konservativen Kreisen und ihren Ideen, dass man Kinder eben möglichst mit den für ihr Geschlecht typischen Spielzeug spielen lassen sollte, entspricht.

Es zeigt, folgt man der Theorie, dass beides – Geschlechteruntypisches Spielen und eine von der Norm abweichende Sexualität – auf einem gemeinsamen Grund beruht, nämlich den Hormonen, aber auch gut, wie dieser weit verbreitete Irrtum, dass das falsche Spielzeug die sexuelle Orientierung beeinflusst entstehen konnte. Es wäre dann eine schlichte Falschdeutung der Kausalitäten.

Studiensammlung 4: (Prenatale) Hormone und Geschlechterunterschiede im Gehirn und Verhalten

Und weil wir heute eh schon eine Studie hier zu Gehirnunterschieden haben hier ein paar weitere Studien:

1.

Fetal Testosterone Influences Sexually Dimorphic Gray Matter in the Human Brain

In nonhuman species, testosterone is known to have permanent organizing effects early in life that predict later expression of sex differences in brain and behavior. However, in humans, it is still unknown whether such mechanisms have organizing effects on neural sexual dimorphism. In human males, we show that variation in fetal testosterone (FT) predicts later local gray matter volume of specific brain regions in a direction that is congruent with sexual dimorphism observed in a large independent sample of age-matched males and females from the NIH Pediatric MRI Data Repository. Right temporoparietal junction/posterior superior temporal sulcus (RTPJ/pSTS), planum temporale/parietal operculum (PT/PO), and posterior lateral orbitofrontal cortex (plOFC) had local gray matter volume that was both sexually dimorphic and predicted in a congruent direction by FT. That is, gray matter volume in RTPJ/pSTS was greater for males compared to females and was positively predicted by FT. Conversely, gray matter volume in PT/PO and plOFC was greater in females compared to males and was negatively predicted by FT. Subregions of both amygdala and hypothalamus were also sexually dimorphic in the direction of Male > Female, but were not predicted by FT. However, FT positively predicted gray matter volume of a non-sexually dimorphic subregion of the amygdala. These results bridge a long-standing gap between human and nonhuman species by showing that FT acts as an organizing mechanism for the development of regional sexual dimorphism in the human brain.

Ergänzung:

(FT was measured from amniotic fluid samples collected between 13 and 20 weeks of gestation (mean FT, 0.79 nmol/L; SD, 0.34 nmol/L; range, 0.25–1.70 nmol/L).

2.

The Impact of Sex, Puberty, and Hormones on White Matter Microstructure in Adolescents

Background: During adolescence, numerous factors influence the organization of the brain. It is unclear what influence sex and puberty have on white matter microstructure, as well as the role that rapidly increasing sex steroids play. Methods: White matter microstructure was examined in 77 adolescents (ages 10–16) using diffusion tensor imaging. Multiple regression analyses were performed to examine the relationships between fractional anisotropy (FA) and mean diffusivity (MD) and sex, puberty, and their interaction, controlling for age. Follow-up analyses determined if sex steroids predicted microstructural characteristics in sexually dimorphic and pubertal-related white matter regions, as well as in whole brain. Results: Boys had higher FA in white matter carrying corticospinal, long-range association, and cortico-subcortical fibers, and lower MD in frontal and temporal white matter compared with girls. Pubertal development was related to higher FA in the insula, while a significant sex-by-puberty interaction was seen in superior frontal white matter. In boys, testosterone predicted white matter integrity in sexually dimorphic regions as well as whole brain FA, whereas estradiol showed a negative relationship with FA in girls. Conclusions: Sex differences and puberty uniquely relate to white matter microstructure in adolescents, which can partially be explained by sex steroids.

Ergänzung:

Hormonal Assessment
Four milliliters of blood was collected via venipuncture between the hours of 7:00 to 10:00 AM at the Oregon Clinical and Translational Research Institute in the same week as the imaging session.

3.

Regional sex differences in grey matter volume are associated with sex hormones in the young adult human brain

Previous studies suggest organizing effects of sex hormones on brain structure during early life and puberty, yet little is known about the adult period. The aim of the present study was to elucidate the role of 17β-estradiol, progesterone, and testosterone on cortical sex differences in grey matter volume (GM) of the adult human brain. To assess sexual dimorphism, voxel-based morphometry (VBM) was applied on structural magnetic resonance images of 34 healthy, young adult humans (17 women, 17 men, 26.6 ± 5 years) using analyses of covariance. Subsequently, circulating levels of sex hormones were associated with regional GM using linear regression analyses. After adjustment for sex and total GM, significant associations of regional GM and 17β-estradiol were observed in the left inferior frontal gyrus (β = 0.39, p = 0.02). Regional GM was inversely associated with testosterone in the left inferior frontal gyrus (β = −0.16, p = 0.04), and with progesterone in the right temporal pole (β = −0.39, p = 0.008). Our findings indicate that even in young adulthood, sex hormones exert organizing effects on regional GM. This might help to shed further light on the underlying mechanisms of both functional diversities and congruence between female and male brains.

4.

Pubertal hormones organize the adolescent brain and behavior

Maturation of the reproductive system during puberty results in elevated levels of gonadal steroid hormones. These hormones sculpt neural circuits during adolescence, a time of dramatic rewiring of the nervous system. Here, we review the evidence that steroid-dependent organization of the adolescent brain programs a variety of adult behaviors in animals and humans. Converging lines of evidence indicate that adolescence may be a sensitive period for steroid-dependent brain organization and that variation in the timing of interactions between the hormones of puberty and the adolescent brain leads to individual differences in adult behavior and risk of sex-biased psychopathologies.

5.

Prenatal hormones and childhood sex-segregation: Playmate and play style preferences in girls with congenital adrenal hyperplasia

We investigated playmate and play style preference in children with congenital adrenal hyperplasia (CAH) (26 females, 31 males) and their unaffected siblings (26 females, 17 males) using the Playmate and Play Style Preferences Structured Interview (PPPSI). Both unaffected boys and girls preferred same-sex playmates and sex-typical play styles. In the conflict condition where children chose between a same-sex playmate engaged in an other-sex activity or an other-sex playmate engaged in a same-sex activity, boys (both CAH and unaffected brothers) almost exclusively chose playmates based on the preferred play style of the playmate as opposed to the preferred gender label of the playmate. By contrast, unaffected girls used play style and gender label about equally when choosing playmates. Girls with CAH showed a pattern similar to that of boys: their playmate selections were more masculine than unaffected girls, they preferred a boy-typical play style and, in the conflict condition, chose playmates engaged in a masculine activity. These findings suggest that prenatal androgen exposure contributes to sex differences in playmate selection observed in typically-developing children, and that, among boys and girls exposed to high levels of androgens prenatally, play style preferences drive sex segregation in play.

6.

Prenatal Hormones and Postnatal Socialization by Parents as Determinants of Male-Typical Toy Play in Girls With Congenital Adrenal Hyperplasia

Toy choices of 3- to 10-year-old children with congenital adrenal hyperplasia (CAH) and of their unaffected siblings were assessed. Also assessed was parental encouragement of sex-typed toy play. Girls with CAH displayed more male-typical toy choices than did their unaffected sisters, whereas boys with and without CAH did not differ. Mothers and fathers encouraged sex-typical toy play in children with and without CAH. However, girls with CAH received more positive feedback for play with girls’ toys than did unaffected girls. Data show that increased male-typical toy play by girls with CAH cannot be explained by parental encouragement of male-typical toy play. Although parents encourage sex-appropriate behavior, their encouragement appears to be insufficient to override the interest of girls with CAH in cross-sexed toy

7.

Increased aggression and activity level in 3- to 11-year-old girls with congenital adrenal hyperplasia

Experimental research in a wide range of mammals has documented powerful influences of androgen during early development on brain systems and behaviors that show sex differences. Clinical research in humans suggests similar influences of early androgen concentrations on some behaviors, including childhood play behavior and adult sexual orientation. However, findings have been inconsistent for some other behaviors that show sex differences, including aggression and activity level in children. This inconsistency may reflect small sample sizes and assessment limitations. In the present study, we assessed aggression and activity level in 3- to 11-year-old children with CAH (38 girls, 29 boys) and in their unaffected siblings (25 girls, 21 boys) using a questionnaire that mothers completed to indicate current aggressive behavior and activity level in their children.

Data supported the hypotheses that:

  • 1. unaffected boys are more aggressive and active than unaffected girls;
  • 2. girls with CAH are more aggressive and active than their unaffected sisters; and
  • 3. boys with and without CAH are similar to one another in aggression and activity level.

These data suggest that early androgens have a masculinizing effect on both aggressive behavior and activity level in girls.

8.

Prenatal androgen exposure alters girls’ responses to information indicating gender-appropriate behaviour

Individual variability in human gender-related behaviour is influenced by many factors, including androgen exposure prenatally, as well as selfsocialization and socialization by others postnatally. Many studies have looked at these types of influences in isolation, but little is known about how they work together. Here, we report that girls exposed to high concentrations of androgens prenatally, because they have the genetic condition congenital adrenal hyperplasia, show changes in processes related to selfsocialization of gender-related behaviour. Specifically, they are less responsive than other girls to information that particular objects are for girls and they show reduced imitation of female models choosing particular objects. These findings suggest that prenatal androgen exposure may influence subsequent gender-related behaviours, including object (toy) choices, in part by changing processes involved in the self-socialization of gendered behaviour, rather than only by inducing permanent changes in the brain during early development. In addition, the findings suggest that some of the behavioural effects of prenatal androgen exposure might be subject to alteration by postnatal socialization processes. The findings also suggest a previously unknown influence of early androgen exposure on later processes involved in self socialization of gender-related behaviour, and thus expand understanding of the developmental systems regulating human gender development.

9.

How early hormones shape gender development

Highlights
Prenatal androgens influence sex-related characteristics to varying degrees.
• Androgens facilitate male-typed activities through interest in things versus people.
• Androgens are associated with some aspects of brain structure and activation.
• Current work is focused on interplay of hormones and social environment.
• Relevant to questions regarding sex-related psychopathology, prenatal programming.
 
Many important psychological characteristics show sex differences, and are influenced by sex hormones at different developmental periods. We focus on the role of sex hormones in early development, particularly the differential effects of prenatal androgens on aspects of gender development. Increasing evidence confirms that prenatal androgens have facilitative effects on male-typed activity interests and engagement (including child toy preferences and adult careers), and spatial abilities, but relatively minimal effects on gender identity. Recent emphasis has been directed to the psychological mechanisms underlying these effects (including sex differences in propulsive movement, and androgen effects on interest in people vs things), and neural substrates of androgen effects (including regional brain volumes, and neural responses to mental rotation, sexually arousing stimuli, emotion, and reward). Ongoing and planned work is focused on understanding the ways in which hormones act jointly with the social environment across time to produce varying trajectories of gender development, and clarifying mechanisms by which androgens affect behaviors. Such work will be facilitated by applying lessons from other species, and by expanding methodology. Understanding hormonal influences on gender development enhances knowledge of psychological development generally, and has important implications for basic and applied questions, including sex differences in psychopathology, women’s underrepresentation in science and math, and clinical care of individuals with variations in gender expression.

10.

The organizing actions of adolescent gonadal steroid hormones on brain and behavioral development

Highlights

• Adolescence is a sensitive period for the effects of hormones on brain and behavior.
• Testicular hormones masculinize and defeminize social and reproductive behaviors.
• Ovarian hormones have both feminizing and defeminizing effects on female behavior.
• Gonadal steroid hormones drive many brain structural changes during adolescence.
• Adolescence may be part of a protracted postnatal steroid-sensitive period.

Abstract
Adolescence is a developmental period characterized by dramatic changes in cognition, risk-taking and social behavior. Although gonadal steroid hormones are well-known mediators of these behaviors in adulthood, the role gonadal steroid hormones play in shaping the adolescent brain and behavioral development has only come to light in recent years. Here we discuss the sex-specific impact of gonadal steroid hormones on the developing adolescent brain. Indeed, the effects of gonadal steroid hormones during adolescence on brain structure and behavioral outcomes differs markedly between the sexes. Research findings suggest that adolescence, like the perinatal period, is a sensitive period for the sex-specific effects of gonadal steroid hormones on brain and behavioral development. Furthermore, evidence from studies on male sexual behavior suggests that adolescence is part of a protracted postnatal sensitive period that begins perinatally and ends following adolescence. As such, the perinatal and peripubertal periods of brain and behavioral organization likely do not represent two discrete sensitive periods, but instead are the consequence of normative developmental timing of gonadal hormone secretions in males and females.

11.

Effects of chromosomal sex and hormonal influences on shaping sex differences in brain and behavior: Lessons from cases of disorders of sex development

Sex differences in brain development and postnatal behavior are determined largely by genetic sex and in utero gonadal hormone secretions. In humans however, determining the weight that each of these factors contributes remains a challenge because social influences should also be considered. Cases of disorders of sex development (DSD) provide unique insight into how mutations in genes responsible for gonadal formation can perturb the subsequent developmental hormonal milieu and elicit changes in normal human brain maturation. Specific forms of DSDs such as complete androgen insensitivity syndrome (CAIS), congenital adrenal hyperplasia (CAH), and 5α-reductase deficiency syndrome have variable effects between males and females, and the developmental outcomes of such conditions are largely dependent on sex chromosome composition. Medical and psychological works focused on CAH, CAIS, and 5α-reductase deficiency have helped form the foundation for understanding the roles of genetic and hormonal factors necessary for guiding human brain development. Here we highlight how the three aforementioned DSDs contribute to brain and behavioral phenotypes that can uniquely affect 46,XY and 46,XX individuals in dramatically different fashions

Aus der Studie:

CAH ein Schaubild

CAH, CAIS und 5-alpha reductace Deficiency: ein Schaubild

Weiteres aus der Studie:

Research focused on cases of DSD have helped the scientific community better understand the interplay between gonadal hormones and sex chromosome complement with regard to generating some of the sex differences observed in humans. These works have shed light on the likelihood that testosterone exposure, as opposed to sex chromosomes, is a larger contributing factor for guiding one’s sexual orientation and to a lesser extent gender identity. We see that 46,XX CAH individuals that have been exposed to in utero testosterone experience a greater degree of dissatisfaction in gender assignment in addition to above-average levels of homosexual and bisexual fantasies, a proxy for sexual preference. As previously mentioned, other variables are present in CAH cases such as life-long medical interventions and psychosocial confounds. These variables may constitute an environmental factor that, when coupled with biological predispositions, generates variations in sexual orientation and gender identity. That sexual orientation is determined solely by in utero hormonal milieu is unlikely. We see that the vast majority of CAH women, despite having been exposed to above-average levels of testosterone, identify as heterosexual as measured by both partners and sexual fantasies. The science of sexual orientation is still weakly understood at the mechanistic level; however, considerable amounts of research have proposed many possibilities for the causes of same-sex attraction (LeVay, 2012; Bailey et al., 2016).

The strongest evidence that adds support for the influence of testosterone in structuring gender identity comes from the work focused on 46,XY CAIS, in which nearly all individuals researched indicate feelings typical of female gender. In addition to self-reports and clinical evaluations, recent fMRI studies have also demonstrated that CAIS women not only feel female but also neurologically respond more similarly to 46,XX women than to 46,XY men when observing sexual images. However, new studies are continually emerging suggesting that gender identity and sexual orientation in individuals with CAIS are not as clear as once thought, and the rates of nonheterosexual and gender dysphoria may be much higher than currently stated. In addition to CAH and CAIS, 5α-reductase deficiencies have also demonstrated the strong role of testosterone’s ability to organize the human brain hormonally and influence adult gender identity and behavior. If early in utero exposure had no influence in guiding brain gender, we would expect considerable difficulty with the female-to-male transition observed in pubertal years in those with 5α-reductase deficiency. What we observe, however, is that an overwhelming majority of individuals with this condition comfortably transitioned into the new gender role at puberty, a worldwide observation occurring throughout many different types of social environments. Despite the convincing findings for the role of testosterone in generating these observations, the influence of social and other environmental variables are also factors that require consideration.

Cognitive Conclusions
Studying cases of DSDs has also provided insight into some of the biological parameters that generate sex differences in cognitive abilities such as visuospatial awareness and targeting ability. From studies with 46,XX CAH individuals it has been well established that in utero androgen exposure seems to enhance the ability to mentally rotate objects as well as improving hand–eye coordination during targeting tasks. This trait appears to be dependent on sex chromosome complement in addition to hormone exposure, insofar as 46,XY males with CAH actually perform worse than their matched controls, which is unexpected given the fact that CAH males would have equal or elevated levels of circulating testosterone. This raises the notion, as mentioned above, that proper timing and dosage are also likely to be important for enhancing such abilities and that simply having above-average levels of testosterone during development would not generate a “super-male.” CAIS provides another insight into this matter, demonstrating that the ability to respond to testosterone on an XY background is critical to establishing baseline spatial performance abilities. fMRI studies demonstrate that 46,XY CAIS had less inferior parietal lobe neuroactivation when performing spatial rotation tasks, a feature that resembles 46,XX females more than control genetic males. These fMRI studies on CAIS individuals once again minimize social influences and allow for a more unbiased assessment of the requirement for testosterone over genetic composition for shaping these cognitive performance sex differences.
Structural Conclusions
From the MRI studies that have been conducted in patients with CAH, it is clear that DSDs affect more than gonadal development. As highlighted, the central nervous system is highly sensitive to various hormones, and imbalances of these can greatly affect downstream behavior as well as overall brain structure. Variations in amygdala volume seem to be present in some individuals with CAH; however the effect is different depending on sex chromosome composition. Specifically, 46,XY males with CAH show unilateral reductions in the left amygdala, whereas 46,XX females with CAH show bilateral reductions in overall volume. Alterations in amygdala volume seem to be consistent with long-term glucocorticoid replacement therapies because findings for non-CAH patients on such hormone regiments also show amygdala abnormalities. The documentations of white matter irregularities seem to be unaffected by chromosomal sex and to cause similar variations in both males and females with CAH. The explanations for these results are not agreed upon, and more research will be needed before causations can be associated with the unusual white matter findings. Although limited, these discoveries have opened a new area for potential investigation focusing on the role of glucocorticoid influences in the developing brain in addition to the more frequently studied gonadal hormonal contributions. Unfortunately, no extensive structural studies have been conducted in patients with CAIS or 5α-reductase deficiencies. These findings would be invaluable in determining the direct effect of testosterone on the structures that in MRI studies have shown alterations in CAH. Future work focusing on outcomes in individuals with DSD will continue to aid in deciphering the contributions of chromosomal sex and hormones to shaping the sexually dimorphic human brain.

12.

Feminists wrestle with testosterone: Hormones, socialization and cultural interactionism as predictors of women’s gendered selves 

Sociology of gender has developed beyond a personality-centered idea of ‘‘sex-roles’’ to an approach that stresses interaction and social structure. At the same time, there has been a concurrent development in the psychological sex-differences and medical literatures toward including the biological bases of sex-typed behavior and gender identities. In this paper, while we conceptualize gender as a social structure, we focus only on the individual level of analysis: testing the relative strength of (maternal circulating) prenatal hormones, childhood socialization, and the power of expectations attached to adult social roles (cultural interactionist) as explanations for women’s self-reported feminine and masculine selves. Our findings are complex, and support some importance of each theory. Prenatal hormones, childhood socialization, and cultural interactionism were all influential factors for gendered selves. While cultural expectations predicted only feminine selves, prenatal hormones were more robust predictors of masculine sense of self. While personality may be a relatively stable characteristic influenced by the body and childhood socialization, our results reinforce the importance of studying how the social world responds to and reinforces gendered personality.

12.

Genetic association suggests that SMOC1 mediates between prenatal sex hormones and digit ratio

Abstract

Men and women differ statistically in the relative lengths of their index and ring fingers; and the ratio of these lengths has been used as a biomarker for prenatal
testosterone. The ratio has been correlated with a wide range of traits and conditions including prostate cancer, obesity, autism, ADHD, and sexual orientation. In a genome-wide association study of 979 healthy adults, we find that digit ratio is strongly associated with variation upstream of SMOC1 (rs4902759: P = 1.41 9 10-8) and a meta-analysis of this and an independent study shows a probability of P = 1.5 9 10-11. The protein encoded by SMOC1 has recently been shown to play a critical role in limb development; its expression in prostate tissue is dependent on sex hormones, and it has been implicated in the sexually dimorphic development of the gonads. We put forward the hypothesis that SMOC1 provides a link between prenatal hormone exposure and digit ratio.

Anmerkung: Finde ich interessant: Wenn das Protein, welches Einfluss auf die Entwicklung der Gliedmaßen hat, wiederum abhängig von Testosteron ist, dann würde das durchaus erklären, warum die Digit Ratio ein Indikator  für pränatales Testosteron ist, es könnte je nach Zusammenspiel auch zeigen, warum es ein teilweise unzuverlässiger Anzeiger ist, eben weil die Mechanismen unterschiedlich sind.

13.

Exposure to prenatal life events stress is associated with masculinized play behavior in girls

Previous research has shown that prenatal exposure to endocrine-disrupting chemicals can alter children’s neurodevelopment, including sex-typed behavior, and that it can do so in different ways in males and females. Non-chemical exposures, including psychosocial stress, may disrupt the prenatal hormonal milieu as well. To date, only one published study has prospectively examined the relationship between exposure to prenatal stress and gender-specific play behavior during childhood, finding masculinized play behavior in girls who experienced high prenatal life events stress, but no associations in boys. Here we examine this question in a second prospective cohort from the Study for Future Families. Pregnant women completed questionnaires on stressful life events during pregnancy, and those who reported one or more events were considered “stressed”. Families were recontacted several years later (mean age of index child: 4.9 years), and mothers completed a questionnaire including the validated Preschool Activities Inventory (PSAI), which measures sexually dimorphic play behavior. In sex-stratified analyses, after adjusting for child’s age, parental attitudes towards gender-atypical play, age and sex of siblings, and other relevant covariates, girls (n=72) exposed to prenatal life events stress had higher scores on the PSAI masculine sub-scale (β=3.48, p=0.006) and showed a trend towards higher (more masculine) composite scores (β=2.63, p=0.08). By contrast, in males (n=74), there was a trend towards an association between prenatal stress and higher PSAI feminine sub-scale scores (β=2.23, p=0.10), but no association with masculine or composite scores. These data confirm previous findings in humans and animal models suggesting that prenatal stress is a non-chemical endocrine disruptor that may have androgenic effects on female fetuses and anti-androgenic effects on male fetuses.

Anmerkung: Die Werte sind allerdings anscheinend sehr gering

14.

Relations between prenatal testosterone levels and cognitive abilities at 4 years.

Relations between prenatal testosterone (T) levels and cognitive abilities at age 4 were examined for 28 girls and 30 boys. Prenatal T levels were measured in 2nd trimester amniotic fluid samples obtained by amniocentesis and were examined in relation to scores on tests of cognitive abilities. For girls, prenatal T levels showed a curvilinear (inverted U-shaped) relation to language comprehension and classification abilities. Linear relations also were observed in that prenatal T levels were inversely related to girls‘ scores on tasks assessing counting and number facts. Similarly, girls with high average block building scores had lower prenatal T and cognitive abilities were not observed. The observation of relations in girls and not boys is discussed, and the findings are examined in relation to theories of hormone-behavior relations.

15.

Relations between prenatal testosterone and cerebral lateralization in children.

Several theorists have proposed that the sex steroid testosterone acts on the fetal brain during a critical period of development to influence cerebral lateralization (N. Geschwind & A. M. Galaburda, 1987; M. Hines & C. Shipley, see PA, Vol 71:8996; S. F. Witelson, see PA, Vol 79:26441. In the present study. relations were examined between prenatal testosterone levels in 2nd trimester amniotic fluid and lateralization of speech, affect, and handedness at age 10. Girls with higher prenatal testosterone levels were more strongly right-handed and had stronger left-hemisphere speech representation. Boys with higher prenatal testosterone levels had stronger right-hemisphere specialization for the recognition of emotion. This pattern of results is most consistent with Witelson’s (1991) claim that prenatal testosterone leads to greater lateralization of function.

Geschlechterunterschiede aus neurowissenschaftlicher Sicht

Ein interssanter Artikel behandelt Unterschiede zwischen Männern und Frauen aus neurowissenschaftlicher Sicht:

Unterschiede im Verhalten zwischen männlichen und weiblichen Tieren, die in der ethologischen Forschung (Ethologie) festgestellt wurden (geschlechtsspezifisches Verhalten), ließen schon früh nach deren Ursachen forschen. Die dabei gestellten Fragen lauteten vor allem, ob ihnen morphologische Unterschiede im Gehirnzugrunde liegen, ob diese Differenzen Einfluß auf die kognitiven Fähigkeiten haben könnten und – vor allem – inwieweit der Mensch davon betroffen ist.

Unterschiede in der Gehirngröße

Wenn man ein menschliches Gehirn vor sich hat, kann man nicht nur von der Betrachtung her sagen, ob es männlichen oder weiblichen Ursprungs ist. Rein statistisch beträgt die durchschnittliche Hirnmasse (Gehirngewicht) bei der Frau 1245 g und beim Mann 1375 g. Da es eine Korrelation zwischen Hirnmasse und Körpermasse gibt und Frauen im Durchschnitt kleiner sind als Männer, leitet sich daraus zunächst auch ein kleineres weibliches Gehirn ab. Das Verhältnis von Hirnmasse zu Körpermasse verschiebt sich nach einigen Untersuchungen sogar zu Gunsten des weiblichen Geschlechts: Die Hirn-Körpermasse-Relation beträgt danach bei der Frau 1:46 (22g Hirnmasse pro kg Körpermasse) und beim Mann 1:50 (20g pro kg). Allerdings gibt es inzwischen auch neuere Befunde, die wiederum zum gegenteiligen Schluß kommen. In jedem Fall sagen solche Durchschnittswerte jedoch nichts über die geistige Leistungsfähigkeit eines bestimmten Individuums aus – Ausnahmen bestätigen dabei wie immer die Regel. Ein besonders kleines Gehirn muß daher nicht zwangsläufig einer Frau gehören; es kann ebenso einem kleinen Mann zugeordnet werden. Systematische Untersuchungen zu Geschlechtsunterschieden im menschlichen Gehirn aus der jüngeren Vergangenheit zeigen, daß solche Unterschiede bereits bei Neugeborenen vorhanden, also vermutlich genetisch bedingt sind. Diese Differenzen sind zwar gering, aber signifikant, und bleiben beim Erwachsenen bestehen.

Die reinen Größenunterschiede sind wenig aussagekräftig, sonst wären die meist kleineren Asisaten oder andere kleinere Völker per se kleiner.

Die Ausreifung kognitiver Leistungen (Kognition) des Gehirns hängt von der Interaktion mit der Umwelt ab und beruht letztendlich auf Lernprozessen während der Individualentwicklung. Hier zeigt sich ein wichtiger Punkt bei der Betrachtung männlicher und weiblicher Gehirne, der zu der zugespitzten Frage „Natur oder Erziehung“ führt (Anlage-Umwelt-Kontroverse). Weil kulturelle Aspekte (Kultur) bei der Erziehung Heranwachsender nicht zu vermeiden sind, eignet sich der Mensch schlecht zur Klärung dieses Problems. Man untersucht daher Nagetiere, die man ohne Gonaden (Geschlechtsorgane) aufzieht, und kann dann während der Entwicklung männliche oder weibliche Hormone (Sexualhormone) kontrolliert hinzugeben.

In der Tat könnte man mit unmoralischen Menschenversuchen hier theoretisch relativ schnell gute Ergebnisse bekommen. Da das natürlich nicht geht muss man sich auf den „Natürlichen Experimentepool“, der durch genetische und biologische Besonderheiten oder ärztliche Vorfälle herbeigeführt wird nutzen. Oder eben die  Forschung bei Tieren.

Hormonale Grundlagen des menschlichen kognitiven Verhaltens

Das Hauptresultat diesbezüglicher Forschungsergebnisse lautet, daß Männer und Frauen sich in der Art ihrer Intelligenz unterscheiden, und zwar vor allem in ihrer Art, abstrakte Aufgaben zu bewältigen. Die hormonabhängige Differenzierung beginnt beim Menschen in einer frühen Embryonalphase der vorgeburtlichen Entwicklung. Der ursprüngliche Bauplan ist weiblich. Gegen Ende des zweiten Embryonalmonats bilden sich bei Vorhandensein von X- und Y-Chromosom die männlichen Keimdrüsen aus. Diese Keimdrüsen, die Hoden, beginnen im Normalfall mit der Produktion von Androgenen (den männlichen Hormonen). Störungen in der Hormonbildung haben eine unvollständige Maskulinisierung (Vermännlichung) zur Folge. Die männlichen Hormone bewirken nicht nur die Maskulinisierung von primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen, sondern leiten auch spezifische Differenzierungen im sich entwickelnden Gehirn ein ( siehe Zusatzinfo 1 ). Eine Besonderheit dabei ist, daß das eigentlich aktive Hormon das weibliche HormonÖstradiol ist, in welches das Testosteron durch Enzyme im Gehirn umgewandelt wird. Das weibliche Gehirn muß demzufolge vor einem maskulinisierenden Einfluß des an sich weiblichen Hormons (Östrogene) durch ein spezielles Alpha-Fetoprotein geschützt werden. Das Androgen Testosteron kann sowohl in Östrogen als auch in Dihydrotestosteron umgewandelt werden. Es wird aber umgekehrt auch im weiblichen Organismus aus Progesteron gebildet. Dies erklärt die Tatsache, daß im Speichel der Frau Testosteron quantitativ bestimmt werden kann, also ein Leben lang vorhanden ist. Der Testosteronspiegel liegt jedoch beim weiblichen Geschlecht viel niedriger als beim Mann. Dennoch bestimmt Testosteron das Verhalten und die kognitiven Fähigkeiten beider Geschlechter in signifikanter Weise; das trifft nicht nur für den Menschen, sondern auch für z.B. Ratten zu (siehe unten).

Hier werden die Theorien, nach denen insbesondere pränatale Hormone die Unterschiede bewirken noch einmal gut dargestellt. Erst bestimmen die Geschlechtschromosomen welche Hormone mehr produziert werden und die Hormone führen dann zu einer bestimmten Ausrichtung des Gehirns

Geschlechtsabhängige Problemlösestrategien

Probleme, bei deren Lösung Frauen Männern überlegen sind, lassen sich wie folgt aufzählen: 1) Frauen sind besser bei optischen Wahrnehmungen, bei denen es auf die Geschwindigkeit, das detailgetreue Erinnerungsvermögen und die Entscheidungsschnelligkeit ankommt. 2) Frauen haben eine flüssigere Sprache, sprachlich den größeren Einfallsreichtum und können besser exakt rechnen. 3) Frauen verfügen über eine feinere Motorik der Hand. 4) Frauen besitzen eine höhere Wahrnehmungsgeschwindigkeit.

Männer sind dagegen bei den folgenden Leistungen im Vorteil: 1) Männer haben ein besseres Abstraktionsvermögen und sind bei mathemathischen Schlußfolgerungen Frauen überlegen. 2) Männer können besser zielgerichtet werfen und auffangen. 3) Männer haben ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen. 4) Männer zeigen bessere optische Leistungen bei Suchbildern, d.h. beim Auffinden versteckter geometrischer Figuren.

Das finde ich eine recht kurze, aber wichtige Auflistung. Es zeigt auch, dass es nicht um ein „Männer sind in allem besser“ geht, beide Geschlechter haben eben eine bestimmte Ausrichtung auf andere Bereiche.

Drei dieser Eigenschaften – räumliches Vorstellungsvermögen, mathematisches Schlußfolgern und Wahrnehmungsgeschwindigkeit – wurden bei männlichen und weiblichen Probanden in ihrer Abhängigkeit vom Testosterongehalt untersucht. Die Ergebnisse sind überraschend. Frauen mit hohem Testosteronspiegel lösen Fragen zum räumlichen Vorstellungsvermögen (männliche Domäne) besser als Frauen mit niedriger Testosteronkonzentration. Bei Männern ist es umgekehrt: ein niedriger Testosteronspiegel korreliert mit besseren Leistungen.

Das verwirrt immer einige: es sei daher noch einmal darauf verwiesen, dass Männer mit niedrigen Testosteronspiegel immer noch mehr Testosteron haben als Frauen mit hohen Testosteron.

Evolutionär ist die“Konfiguration“ durchaus interessant: es sind dann nicht unbedingt die „Kämpfer“ oder „Anführer“ aber die logischen Erfinder und mechanisch begabten.

Es erklärt vielleicht auch, warum der typische Physiker eher der Nerd als der Jock ist.

Bei dem Test zur Wahrnehmungsgeschwindigkeit (weibliche Domäne) gibt es dagegen keine Korrelation zwischen Hormongehalt und kognitiver Leistung. Der Test zum mathematischen Schlußfolgern wiederum, bei dem Männer besser abschneiden als Frauen, ergibt die besten Leistungen bei Männern mit niedrigem Testosteronspiegel ( siehe Zusatzinfo 2 ). Diese und ähnliche Tests zeigen übrigens auch Unterschiede zwischen homo- und heterosexuellen Männern. Daraus ergibt sich, daß die optimale Testosteronkonzentration für die genannten kognitiven Aspekte offensichtlich ein Prozentsatz ist, der höher als der normale weibliche und niedriger als der normale männliche Spiegel ist.

Es gibt eben nicht eine bestimmte Konstellation, bei der alles ganz besonders gut ist, sondern eben eher verschiedene Ausprägungen die ihre jeweiligen Vorteile haben.

Auch bei Ratten gibt es geschlechtsabhängige Problemlösestrategien; beispielsweise orientieren sich weibliche Ratten genauso wie Frauen mehr an markanten Punkten als an Winkeln und Formen der Gänge im Labyrinth.

Was eben auch bei Menschen in Studien festgestellt worden ist.

Morphologie

Eine andere Möglichkeit zur Feststellung von geschlechtsspezifischen Unterschieden besteht darin, gezielt nur bestimmte Hirngebiete, denen sich eindeutig Funktionen mit geschlechtsspezischen Unterschieden zuordnen lassen, zu untersuchen und zu vergleichen. Dabei fanden sich z.B. Unterschiede in der Gestalt oder Größe bestimmter Nervenzellen. Ein besonders spektakulärer Versuch ist die Transplantation von „Männlichkeit“ auf eine junge weibliche Ratte. Hierbei wird Gewebe desjenigen Hirnareals, welches das Sexualverhalten steuert, von neugeborenen Männchen entnommen und weiblichen Geschwistertieren an Stelle des entsprechenden weiblichen Hirngebietes eingepflanzt. Diese weiblichen Ratten entwickeln dann als Erwachsene ein männliches Kopulationsverhalten. Die ausgetauschten Zentren liegen bei Säugern in relativ kleinen, unscheinbaren Arealen des Diencephalons (im Hypothalamus) und weisen bei Ratten und anderen Nagern geschlechtsspezifische Größenunterschiede auf. Ähnliche Zentren findet man auch bei Vögeln im Vorderhirn (Prosencephalon). Hier sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern noch ausgeprägter, z.B. für das Hyperstriatum ventrale pars caudale, das im Jahresrhythmus den Balzgesang steuert. Ebenfalls eindeutige Befunde wurden von Gorski (1984) am Nucleus praeopticus medialis (mediales präoptisches Areal) der Ratte erhoben. Dieser Nervenkern des Hypothalamus ist in männlichen Rattengehirnen viermal größer als in weiblichen.

Hier zeigen sich die Mechanismen, die man auch bei Menschen vermutet.

Beim menschlichen Gehirn sind die Beweise für morphologische Unterschiede nicht so eindeutig. Das liegt nicht zuletzt an der komplexen Interaktion von neuronalen und hormonellen Komponenten, die über das limbische System Verhalten und kognitive Fähigkeiten beeinflussen.

Neuropsychologie und Lateralisierung

Die Großhirnrinde als Station des bewußten Erlebens von Sinneseindrücken erweist sich von der Gestalt her als relativ geschlechtsneutral und bilateral symmetrisch. Dieser morphologischen Uniformität stehen funktionelle Asymmetrien der Hirnhälften gegenüber. Viele Forscher meinen, daß besonders die Sprache und das räumliche Vorstellungsvermögen bei Männern stärker als bei Frauen lateralisiert seien (Asymmetrie des Gehirns). Die Pubertät markiert dabei einen wichtigen Punkt der Entwicklung. Bis zu diesem Stadium kann man sich Sprachen allein dadurch aneignen, daß man ihnen ausgesetzt ist, danach muß man sie aktiv erlernen. Untersuchungen über den zeitlichen Verlauf der Lateralisierung, d.h. der Spezialisierung der Hirnhälften (u.a. Links- und Rechtshändigkeit), an hirngeschädigten Kindern zeigten, daß die Fähigkeit zum Spracherwerb und die Lateralisierung gekoppelt sind. Hatten die untersuchten Kinder die Schädigung vor dem Ende des zweiten Lebensjahres erlitten, begannen sie normal zu sprechen, unabhängig davon, welche Hirnhälfte geschädigt war. Diese plastische Fähigkeit ist während der frühkindlichen Entwicklung geschlechtsunabhängig. Bei Erwachsenen treten ausgeprägte Geschlechtsunterschiede nach Hirnverletzungen auf. Sprachstörungen, die die Wortwahl betreffen (Aphasien), finden wir bei Frauen am häufigsten, wenn vordere Teile des Gehirns verletzt sind, bei Männern, wenn hintere Teile beschädigt wurden. Schwierigkeiten, angemessene Handbewegungen auszuführen (Apraxien) zeigen sich bei Frauen nach Läsionen der vorderen linken Hirnhälfte und bei Männern nach Läsion in hinteren Regionen. Dabei scheint der Mann stärker zu einer Spezialisierung seiner Hirnhälften zu neigen als die Frau. Gegensätzliche Ergebnisse erbrachte jedoch wiederum die Untersuchung von Linkshändern. Linkshändigkeit wird auf die geringere Dominanz der linken Hemisphäre zurückgeführt. Es gibt jedoch eindeutig mehr linkshändige Männer als Frauen. Selbst bei Rechtshändern benutzten Frauen die rechte Hand öfter als rechtshändige Männer. Die Geschlechtsunterschiede bei funktionellen Asymmetrien variieren also von Funktion zu Funktion: in einigen Fällen kann man bei der Frau eine stärkere Asymmetrie beobachten, in anderen beim Mann.

Welche Bedeutung hat die unterschiedliche Lateralisierung von Mann und Frau nun für deren Intelligenzquotienten (IQ)? Zur geschlechtsneutralen Bewertung kann der Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene herangezogen werden. Er besteht aus nonverbalen und verbalen Untertests. Als Maß für den IQ berücksichtigt man sowohl die im nichtsprachlichen Teil ermittelten als auch die im sprachlichen Teil bestimmten IQ-Werte. Bei Männern beeinträchtigt z.B. eine Schädigung der linken Hirnhälfte den sprachlichen IQ mehr als den nichtsprachlichen.

Abschließend und zusammenfassend kann festgestellt werden, daß Frau und Mann in den einzelnen kognitiven Fähigkeiten mitunter wesentlich differieren, aber nicht in der Gesamtintelligenz, für die der IQ im übrigen nur ein Bewertungsaspekt unter vielen sein kann.

Lit.: Gorski, R.A.: Sex differences in the rodent brain: Their nature and origin. In: Sex differences in the brain. Eds.: De Vries, DeBruin, Uylings and Corner. Elsevier, Amsterdam-New York-Oxford 1984, pp.37-67. Kimura, D., Harshman, R.A.: Sex differences in brain organization for verbal and nonverbal function. In: Sex differeneces in the brain. Eds.: De Vries, DeBruin, Uylings and Corner. Elsevier, Amsterdam-New York-Oxford 1984, pp.423-439. Springer, S.P., Deutsch, G.: Linkes-rechtes Gehirn: funktionelle Asymmetrien. Spektrum der Wissenschaft, Heidelberg 1987.

Die Lateralisierung wäre evolutionär ein guter Weg, wie sich auch graduell Unterschiede herausbilden können.

Geschlechtstypische Unterschiede beim Menschen sind im Bereich der Sinneswahrnehmungen gut untersucht: Frauen sind empfindlicher für Berührungen und Gerüche, bemerken schneller Veränderungen in der Anordnung von Objekten; Männer sehen im mittleren Gesichtsfeld besser, unterscheiden mehr Einzelheiten bei bewegten Objekten usw. Auch in komplexeren Verhaltensweisen zeichnen sich Unterschiede ab, auch wenn manche Allgemeingültigkeiten inzwischen angezweifelt werden. Jungen scheinen nicht unbedingt häufiger als Mädchen aggressiv zu sein, vielmehr soll nur die Art variieren, wie die Aggressivität ausgedrückt wird. Jungen bevorzugen die augenfälligeren, körperbetonten Varianten, doch ein wütender Blick, Spott oder verbale Kommentare zeugen ebenso von Aggressivität. Auch die Festlegung der Rangordnung innerhalb gleichgeschlechtlicher Gruppen unterscheidet sich entsprechend. Bereits im frühen Kindergartenalter, sobald also Kinder in Gruppen miteinander zu spielen beginnen, ist bei Jungen die sog. Dominanz-Hierarchie zu finden, bei Mädchen die Geltungs-Hierarchie.

Auch eine schöne Darstellung der Unterschiede. Dominanz-Hierarchie und Geltungshierachie finde ich als Begriffe interessant. Ich denke es geht in Richtung dessen, dass die Frage ist, wer wen inwieweit gelten lässt, ihn also innerhalb der Gemeinschaft anerkennt oder versucht ihm etwas vorzuschreiben oder ihn ausgrenzt.

Diese und andere geschlechtstypischen Verhaltensdispositionen dürften auf der in der menschlichen Stammesgeschichte früh angenommenen arbeitsteiligen Familien- und Gruppenstruktur beruhen. Man geht von der grundlegenden Sicherstellung der Versorgung durch die Sammeltätigkeit der Frauen aus, während die tierische Nahrung vorwiegend durch die Jagd männlicher Gruppenmitglieder herbeigeschafft wurde. An dieser Vorstellung wird in den letzten Jahren jedoch vermehrt Kritik geübt: man nimmt zunehmend an, daß Frauen gleichfalls an der Erbeutung tierischer Nahrung beteiligt waren. Auch die geschlechtsabhängig divergierenden Orientierungsmethoden im Raum – werden Orientierungsmarken entfernt, haben Frauen größere Schwierigkeiten, sich zurechtzufinden, Männer dagegen, wenn die räumlichen Dimensionen verändert werden – werden mit den arbeitsteiligen Aufgaben im Ernährungsbereich zu erklären versucht. Überleben und Fortpflanzung, die unterschiedliche Beteiligung an der Versorgung und den Betreuungsaufgaben des Nachwuchses erforderten demnach im Verlauf der Menschheitsgeschichte im jeweiligen Geschlecht andere soziale Strategien, Eigenschaften und Fertigkeiten, die sich in diesen unterschiedlichen Verhaltensdispositionen niederschlugen.

Die arbeitsteilige Lebensweise ist aus meiner Sicht kaum wegzudiskutieren. Wenn Männer und Frauen nicht verschiedene Arbeiten erledigt hätten, dann gäbe es auch keine körperlichen Unterschiede in diesem Umfang.

In den letzten Jahren belegen auch technisch aufwendige Untersuchungen zur Arbeitsweise des Gehirns geschlechtsabhängige Unterschiede. Männer nutzen z.B. für die Entschlüsselung gelesener Worte oder gesprochener Sprache bevorzugt Teile der linken Hirnhemisphäre, Frauen Areale beider Gehirnseiten. Auch bei mathematischen Aufgaben (die Differenz zwischen den durchschnittlichen mathematischen Leistungen von Mädchen und Jungen vermindert sich in den letzten Jahren immer mehr) und auf Emotionen (wobei ebenfalls morphologische Variationen festgestellt wurden) ausgerichteten Anforderungen weichen die aktiven Gehirnareale voneinander ab. Bei einigen Untersuchungen zeigte sich jedoch auch, daß bei manchen Frauen das Gehirn wie bei den Männern „funktioniert“. Unterschiede bei den gestellten Aufgaben treten meist dann deutlicher hervor, wenn man sehr spezielle Fertigkeiten abfragt. Bei komplexeren Aufgaben, zu deren Bewältigung viele Fähigkeiten erforderlich sind, verringern sich die Unterschiede, falls sie überhaupt nachweisbar sind.

Auch das ist etwas, was häufig zu Studien führt, die geringe Unterschiede aufweisen: Es werden keine konkreten Eigenschaften abgefragt, sondern eine Mischung. Fragt man dabei Eigenschaften ab, bei denen einmal Frauen und einmal Männer besser sind, dann gleicht sich dies in der Statistik aus. Auch bei einer geringen Schwierigkeit kann die Aufgabe weniger durch die Spezialfertigkeit und eher durch allgemeine Intelligenz gelöst werden.

Die Aufschlüsselung geschlechtsabhängiger Eigenschaften mit Hilfe neuer Technologien der Hirnforschung steht noch immer weit am Anfang, zudem ist die untersuchte Probandenzahl aufgrund der aufwendigen Methoden vergleichsweise gering. Endgültige Aussagen über die Ursachen sind nach wie vor nicht möglich. Die Vermutung liegt aber nahe, daß Gründe im variierenden Hormonhaushalt (Hormone) der Geschlechter im Verlauf der Entwicklung zu suchen sind. Hormonveränderungen beeinflussen die Leistungen, das Denken und Fühlen beständig. Tests an Frauen zu verschiedenen Zeiten ihres Menstruationszyklus belegten, daß sie während der Phase hohen Östrogenspiegels in Sprachtests am besten abschnitten, die räumlichen Fähigkeiten jedoch nachließen.

Der Zyklus der Frau ist in der Tat auch für die Forschung interessant, weil man hier bestimmte Wirkungen von Hormonen bei ansonsten gleicher Sozialisation untersuchen kann. Gerade weil bestimmte Eigenschaften steigen und andere fallen ist es auch nicht anzunehmen, dass dies etwa auf Unwohlsein oder besser fühlen zurückzuführen ist.

Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern beruhen sicherlich auch auf der geschlechtsrollenabhängigen Sozialisation. DiePlastizität des Gehirns sollte dabei nicht vernachlässigt werden. Bereits durch kurzfristige Übungen wird die Art verändert, in der sich das Gehirn organisiert. Entsprechendes ist auch für langfristige Sozialisationserfahrungen zu erwarten. Man geht aber auch davon aus, daß aufgrund der frühen und spontanen Bevorzugung von gleichgeschlechtlichen Interaktions- und Spielpartnern für ein Individuum die Mitglieder des eigenen Geschlechts über attraktivere Verhaltensmuster verfügen, da sie dessen individuellen Neigungen besser entsprechen. Die Orientierung eines Kindes zum eigenen Geschlecht hin verstärkt folglich geschlechtstypische Verhaltensweisen zusätzlich.

Interessanterweise spielen eben CAH-Mädchen dann aufgrund des anderen Hormonspiegels doch lieber mit Jungs. Sie sind eben eher wie diese.

Frauen, Risikobereitschaft und der Gender Pay Gap

Die Süddeutsche berichtet über eine interessantes Experiment. Männer und Frauen sollten bestimmte Labyrinthaufgaben lösen und erhielten dafür Geld. Wie viel sie erhielten hing auch davon ab, was sie dort leisteten und welches Modell sie wählten.

Aus dem Text:

Fast 900 Teilnehmer haben sie über ein Marktforschungsinstitut rekrutiert, alle saßen bei sich daheim am Rechner, alle bekamen denselben Job: das Lösen von Labyrinth-Aufgaben. Für jedes richtige Ergebnis wird ein kleiner Betrag ausgezahlt. Wie viel Geld die Probanden am Ende verdienten, konnten diese nicht nur über ihre Leistung, sondern auch über Vertragsverhandlungen mitbestimmen. „Wir haben sozusagen Arbeitgeber gespielt – allerdings hatten alle die gleichen Wahlmöglichkeiten.“

Zum Beispiel sollten sich die Teilnehmer für eine Schwierigkeits-Stufe entscheiden und zwischen einem simplen Stücklohn, einem Bonus oder einem Risikoaufschlag entscheiden. Wer auf Nummer sicher setzte, bekam 50 Cent pro Labyrinth, wer sich für das Bonus-Modell entschied, einen Euro. Allerdings nur, wenn eine bestimmte Anzahl erreicht wurde oder der Teilnehmer es unter die besten 30 Prozent schaffte. Andernfalls sank die Bezahlung auf 20 Cent pro Aufgabe. „Das lässt sich mit den Leistungsboni oder Prämien für die besten Mitarbeiter vergleichen, die in einer Reihe Unternehmen gängig sind“, sagt die VWL-Professorin.

Das Ergebnis beschreibt die Süddeutsche wie folgt:

Das deutliche Ergebnis hat auch die Forscherinnen überrascht: Mit 23 Prozent liegt der Bezahlungsunterschied sogar noch über der Lohnlücke, die sich im realen Leben zwischen den Geschlechtern auftut.

„Schuld ist der Risikoaufschlag“, sagt Beblo. Die Frauen hätten viel seltener auf den Leistungsbonus gesetzt, was sich finanziell negativ auswirkte. „Zudem haben die Männer auch tatsächlich mehr geleistet – nämlich immer, wenn es wirklich um etwas ging.“

Das der Bezahlungsunterschied hier bei 23% lag sagt nicht so viel aus, da die Modelle und die angesetzten Unterschiede ja nicht per se dem Markt entsprechen. Aber das sie in einer deutlichen Höhe ausfallen sagt dennoch einiges aus. Die Männer setzten häufiger auf den Leistungsbonus und haben auch noch tatsächlich mehr geleistet. Das ist verständlich, weil die Risikostrategie ja auch genau dies erfordert. Wenn man sie wählt, dann muss man auch bereit sein, etwas zu leisten.

Ich habe leider die konkrete Studie nicht gefunden, finde aber zumindest diesen Auszug durchaus interessant. Dass Männer in vielen Bereichen risikoaffiner sind als Frauen war hier schon häufiger Thema, zB:

Es kommen eine Vielzahl weiterer Faktoren dazu, beispielsweise Statusaufbau, die Bedeutung für andere Bereich des Lebens, etwa Partnerwahl etc. Auch hatten die Teilnehmer keine Auswahl, was sonstige Faktoren angeht, etwa Spiele mit einem sozialeren Bezug oder besseren Arbeitszeiten.

Wie nun die von der Süddeutschen wiedergegebene Wertung:

Verdienen Frauen also zu Recht weniger? Sind Männer einfach härter am Verhandlungstisch, bessere Arbeiter? „Das kann man so nicht sagen“, sagt die Ökonomin. Zwar gebe es in der Studie keine Diskriminierung von außen: „Männer und Frauen bringen aber ihr Leben mit ins Experiment, Verhaltensweisen, ihre Erfahrungen – und die sind natürlich nicht diskriminierungsfrei.“

Das ist erst einmal eine interessante Wertung. Man könnte zumindest festhalten: In dieser Studie ja. Natürlich stellt sich die Frage, inwieweit sie übertragbar ist. Aber wenn es an bestimmten Faktoren aus dem Leben der Männer und Frauen liegt, dann können Männer natürlich dennoch die besseren Arbeiter sein und Frauen zu Recht weniger verdienen. Denn dem Arbeitgeber kann es recht egal sein, warum sie weniger arbeiten, er betrachtet erst einmal nur, was der jeweilige Arbeiter leistet und externe Faktoren kann er dabei nicht beeinflussen. Wenn Frauen wegen ihrer Erziehung oder der Geschlechterrollen weniger leisten, dann verdienen sie bei wirtschaftlicher Kalkulation erst einmal auch nur ein geringeres Gehalt.

Tatsächlich würde ich vermuten, dass die geringe Bereitschaft Risiken einzugehen, eher mit biologischen Faktoren zusammenhängt, wie auch der oben verlinkte Artikel nahelegt.

Fefe, der den Artikel auch besprochen hat, sagt dazu:

Selbst wenn man Diskriminierung objektiv ausschließt, ist das Patriarchat trotzdem Schuld und die Frauen weiterhin unterdrückt.

Wie wohl das Ergebnis gewesen wäre, wenn das Experiment von männlichen Forschern durchgeführt worden wäre?

Dann hätte man es vermutlich schlicht deswegen abgetan.