Die Leiden des jungen Werthers

Aus „Die Leiden des jungen Werthers“ von Goethe:

Ein Großteil des Textes besteht daraus, wie toll sie eigentlich für ihn ist, was natürlich auch der Ich-Perspektive geschuldet. Ihr eigenes Interesse bleibt vage und Hoffnung.

Werther kennt sie ein paar Stunden und ist schon erkennbar vollkommen verliebt. Jede Menge „Male to female interest“ aber wenig  Grund für „female to Male interest“. Es haut ihn fast um, dass sie ihren Verlobten erwähnt, obwohl er das eigentlich bereits wusste.

Ob die Hand zu küssen damals mutig und forsch war musste man in der Zeit bewerten. Aber er kommt etwas aus Simp rüber.

Das Problem von Werther ist das er ansonsten sein Leben nicht im Griff zu haben scheint, in den Tag hinein lebt, und das bei einer Frau, die alle ihre Geschwister auch noch mit durchbringen muss und von den beiden, also Werther und ihr, die praktischere zu sein scheint.

Da ist ihr Verlobter erkennbar die bessere Partie und über Bücher austauschen kann sie sich mit Werther auch als Freund.

Unsere jungen Leute hatten einen Ball auf dem Lande angestellt, zu dem ich mich denn auch willig finden ließ. Ich bot einem hiesigen guten, schönen, übrigens unbedeutenden Mädchen die Hand, und es wurde ausgemacht, daß ich eine Kutsche nehmen, mit meiner Tänzerin und ihrer Base nach dem Orte der Lustbarkeit hinausfahren und auf dem Wege Charlotten S. mitnehmen sollte.—“Sie werden ein schönes Frauenzimmer kennenlernen“, sagte meine Gesellschafterin, da wir durch den weiten, ausgehauenen Wald nach dem Jagdhause fuhren.—“Nehmen Sie sich in acht“, versetzte die Base, „daß Sie sich nicht verlieben!“—“Wieso?“ sagte ich.—“Sie ist schon vergeben,“antwortete jene,“an einen sehr braven Mann, der weggereist ist, seine Sachen in Ordnung zu bringen, weil sein Vater gestorben ist, und sich um eine ansehnliche Versorgung zu bewerben“.—Die Nachricht war mir ziemlich gleichgültig.

Die Sonne war noch eine Viertelstunde vom Gebirge, als wir vor dem Hoftore anfuhren. Es war sehr schwül, und die Frauenzimmer äußerten ihre Besorgnis wegen eines Gewitters, das sich in weißgrauen, dumpfichten Wölkchen rings am Horizonte zusammenzuziehen schien. Ich täuschte ihre Furcht mit anmaßlicher Wetterkunde, ob mir gleich selbst zu ahnen anfing, unsere Lustbarkeit werde einen Stoß leiden.

Ich war ausgestiegen, und eine Magd, die ans Tor kam, bat uns, einen Augenblick zu verziehen, Mamsell Lottchen würde gleich kommen. Ich ging durch den Hof nach dem wohlgebauten Hause, und da ich die vorliegenden Treppen hinaufgestiegen war und in die Tür trat, fiel mir das reizendste Schauspiel in die Augen, das ich je gesehen habe. in dem Vorsaale wimmelten sechs Kinder von eilf zu zwei Jahren um ein Mädchen von schöner Gestalt, mittlerer Größe, die ein simples weißes Kleid, mit blaßroten Schleifen an Arm und Brust, anhatte. Sie hielt ein schwarzes Brot und schnitt ihren Kleinen rings herum jedem sein Stück nach Proportion ihres Alters und Appetits ab, gab’s jedem mit solcher Freundlichkeit, und jedes rief so ungekünstelt sein „danke!“, indem es mit den kleinen Händchen lange in die Höhe gereicht hatte, ehe es noch abgeschnitten war, und nun mit seinem Abendbrote vergnügt entweder wegsprang, oder nach seinem stillern Charakter gelassen davonging nach dem Hoftore zu, um die Fremden und die Kutsche zu sehen, darin ihre Lotte wegfahren sollte.—“Ich bitte um Vergebung“, sagte sie, „daß ich Sie hereinbemühe und die Frauenzimmer warten lasse. Über dem Anziehen und allerlei Bestellungen fürs Haus in meiner Abwesenheit habe ich vergessen, meinen Kindern ihr Vesperbrot zu geben, und sie wollen von niemanden Brot geschnitten haben als von mir“.

(…)

Wir hatten uns kaum zurecht gesetzt, die Frauenzimmer sich bewillkommt, wechselsweise über den Anzug, vorzüglich über die Hüte ihre Anmerkungen gemacht und die Gesellschaft, die man erwartete, gehörig durchgezogen, als Lotte den Kutscher halten und ihre Brüder herabsteigen ließ, die noch einmal ihre Hand zu küssen begehrten, das denn der älteste mit aller Zärtlichkeit, die dem Alter von fünfzehn Jahren eigen sein kann, der andere mit viel Heftigkeit und Leichtsinn tat. Sie ließ die Kleinen noch einmal grüßen, und wir fuhren weiter.

Die Base fragte, ob sie mit dem Buche fertig wäre, das sie ihr neulich geschickt hätte.—“nein“, sagte Lotte,“es gefällt mir nicht, Sie können’s wiederhaben. Das vorige war auch nicht besser“.—Ich erstaunte, als ich fragte, was es für Bücher wären, und sie mir antwortete:—ich fand so viel Charakter in allem, was sie sagte, ich sah mit jedem Wort neue Reize, neue Strahlen des Geistes aus ihren Gesichtszügen hervorbrechen, die sich nach und nach vergnügt zu entfalten schienen, weil sie an mir fühlte, daß ich sie verstand.

„Wie ich jünger war“, sagte sie, „liebte ich nichts so sehr als Romane. Weiß Gott, wie wohl mir’s war, wenn ich mich Sonntags in so ein Eckchen setzen und mit ganzem Herzen an dem Glück und Unstern einer Miß Jonny teilnehmen konnte. Ich leugne auch nicht, daß die Art noch einige Reize für mich hat. Doch da ich so selten an ein Buch komme, so muß es auch recht nach meinem Geschmack sein. Und der Autor ist mir der liebste, in dem ich meine Welt wiederfinde, bei dem es zugeht wie um mich, und dessen Geschichte mir doch so interessant und herzlich wird als mein eigen häuslich Leben, das freilich kein Paradies, aber doch im ganzen eine Quelle unsäglicher Glückseligkeit ist“.

Ich bemühte mich, meine Bewegungen über diese Worte zu verbergen. Das ging freilich nicht weit: denn da ich sie mit solcher Wahrheit im Vorbeigehen vom Landpriester von Wakefield, vom—reden hörte, kam ich ganz außer mich, sagte ihr alles, was ich mußte, und bemerkte erst nach einiger Zeit, da Lotte das Gespräch an die anderen wendete, daß diese die Zeit über mit offenen Augen, als säßen sie nicht da, dagesessen hatten. Die Base sah mich mehr als einmal mit einem spöttischen Näschen an, daran mir aber nichts gelegen war.

Das Gespräch fiel aufs Vergnügen am Tanze.—“wenn diese Leidenschaft ein Fehler ist,“sagte Lotte, „so gestehe ich Ihnen gern, ich weiß mir nichts übers Tanzen. Und wenn ich was im Kopfe habe und mir auf meinem verstimmten Klavier einen Contretanz vortrommle, so ist alles wieder gut“.

Wie ich mich unter dem Gespäche in den schwarzen Augen weidete—wie die lebendigen Lippen und die frischen, muntern Wangen meine ganze Seele anzogen—wie ich, in den herrlichen Sinn ihrer Rede ganz versunken, oft gar die Worte nicht hörte, mit denen sie sich ausdrückte—davon hast du eine Vorstellung, weil du mich kennst. Kurz, ich stieg aus dem Wagen wie ein Träumender, als wir vor dem Lusthause stille hielten, und war so in Träumen rings in der dämmernden Welt verloren, daß ich auf die Musik kaum achtete, die uns von dem erleuchteten Saal herunter entgegenschallte.

Die zwei Herren Audran und ein gewisser N. N.—wer behält alle die
Namen—, die der Base und Lottens Tänzer waren, empfingen uns am
Schlage, bemächtigten sich ihrer Frauenzimmer, und ich führte das
meinige hinauf.

Wir schlangen uns in Menuetts um einander herum; ich forderte ein Frauenzimmer nach dem andern

auf, und just die unleidlichsten konnten nicht dazu kommen, einem die Hand zu reichen und ein Ende zu machen. Lotte und ihr Tänzer fingen einen Englischen an, und wie wohl mir’s war, als sie auch in der Reihe die Figur mit uns anfing, magst du fühlen. Tanzen muß man sie sehen! Siehst du, sie ist so mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele dabei, ihr ganzer Körper eine Harmonie, so sorglos, so unbefangen, als wenn das eigentlich alles wäre, als wenn sie sonst nichts dächte, nichts empfände; und in dem Augenblicke gewiß schwindet alles andere vor ihr.

Ich bat sie um den zweiten Contretanz; sie sagte mit den dritten zu, und mit der liebenswürdigsten Freimütigkeit von der Welt versicherte sie mir, daß sie herzlich gern deutsch tanze.—“Es ist hier so Mode, „fuhr sie fort,“ daß jedes Paar, das zusammen gehört, beim Deutschen zusammenbleibt, und mein Chapeau walzt schlecht und dankt mir’s, wenn ich ihm die Arbeit erlasse. Ihr Frauenzimmer kann’s auch nicht und mag nicht, und ich habe im Englischen gesehen, daß Sie gut walzen; wenn Sie nun mein sein wollen fürs Deutsche, so gehen Sie und bitten sich’s von meinem Herrn aus, und ich will zu Ihrer Dame gehen“.—ich gab ihr die Hand darauf, und wir machten aus, daß ihr Tänzer inzwischen meine Tänzerin unterhalten sollte.

Nun ging’s an, und wir ergetzten uns eine Weile an manigfaltigen Schlingungen der Arme. Mit welchem Reize, mit welcher Flüchtigkeit bewegte sie sich! Und da wir nun gar ans Walzen kamen und wie die Sphären um einander herumrollten, ging’s freilich anfangs, weil’s die wenigsten können, ein bißchen bunt durcheinander. Wir waren klug und ließen sie austoben, und als die Ungeschicktesten den Plan geräumt hatten, fielen wir ein und hielten mit noch einem Paare, mit Audran und seiner Tänzerin, wacker aus. Nie ist mir’s so leicht vom Flecke gegangen. Ich war kein Mensch mehr. Das liebenswürdigste Geschöpf in den Armen zu haben und mit ihr herumzufliegen wie Wetter, daß alles rings umher verging, und—Wilhelm, um ehrlich zu sein, tat ich aber doch den Schwur, daß ein Mädchen, das ich liebte, auf das ich Ansprüche hätte, mir nie mit einem andern walzen sollte als mit mir, und wenn ich drüber zugrunde gehen müßte. Du verstehst mich!

Wir machten einige Touren gehend im Saale, um zu verschnaufen. Dann setzte sie sich, und die Orangen, die ich beiseite gebracht hatte, die nun die einzigen noch übrigen waren, taten vortreffliche Wirkung, nur daß mir mit jedem Schnittchen, das sie einer unbescheidenen Nachbarin ehrenhalben zuteilte, ein Stich durchs Herz ging.

Beim dritten englischen Tanz waren wir das zweite Paar. Wie wir die Reihe durchtanzten und ich, weiß Gott mit wieviel Wonne, an ihrem Arm und Auge hing, das voll vom wahrsten Ausdruck des offensten, reinsten Vergnügens war, kommen wir an eine Frau, die mit wegen ihrer liebenswürdigen Miene auf einem nicht mehr ganz jungen Gesichte merkwürdig gewesen war. Sie sieht Lotten lächelnd an, hebt einen drohenden

Finger auf und nennt den Namen Albert zweimal im Vorbeifliegen mit viel Bedeutung.

„Wer ist Albert?“ sagte ich zu Lotten, „wenn’s nicht Vermessenheit ist zu fragen“.—Sie war im Begriff zu antworten, als wir uns scheiden mußten, um die große Achte zu machen, und mich dünkte einiges Nachdenken auf ihrer Stirn zu sehen, als wir so vor einander vorbeikreuzten.—“Was soll ich’s Ihnen leugnen,“ sagte sie, indem sie mir die Hand zur Promenade bot. „Albert ist ein braver Mensch, dem ich so gut als verlobt bin“.—nun war mir das nichts Neues (denn die Mädchen hatten mir’s auf dem Wege gesagt) und war mir doch so ganz neu, weil ich es noch nicht im Verhältnis auf sie, die mir in so wenig Augenblicken so wert geworden war, gedacht hatte. Genug, ich verwirrte mich, vergaß mich und kam zwischen das unrechte Paar hinein, daß alles drunter und drüber ging und Lottens ganze Gegenwart und Zerren und Ziehen nötig war, um es schnell wieder in Ordnung zu bringen.

Der Tanz war noch nicht zu Ende, als die Blitze, die wir schon lange am Horizonte leuchten gesehn und die ich immer für Wetterkühlen ausgegeben hatte, viel stärker zu werden anfingen und der Donner die Musik überstimmte. Drei Frauenzimmer liefen aus der Reihe, denen ihre Herren folgten; die Unordnung wurde allgemein, und die Musik hörte auf. Es ist natürlich, wenn uns ein Unglück oder etwas Schreckliches im Vergnügen überrascht, daß es stärkere Eindrücke auf uns macht als sonst, teils wegen des Gegensatzes, der sich so lebhaft empfinden läßt, teils und noch mehr, weil unsere Sinne einmal der Fühlbarkeit geöffnet sind und also desto schneller einen Eindruck annehmen. Diesen Ursachen muß ich die wunderbaren Grimassen zuschreiben, in die ich mehrere Frauenzimmer ausbrechen sah. Die klügste setzte sich in eine Ecke, mit dem Rücken gegen vor ihr nieder und verbarg den Kopf in der erster Schoß. Eine dritte schob sich zwischen beide hinein und umfaßte ihre Schwesterchen mit tausend Tränen. Einige wollten nach Hause; andere, die noch weniger wußten, was sie taten, hatten nicht so viel Besinnungskraft, den Keckheiten unserer jungen Schlucker zu steuern, die sehr beschäftigt zu sein schienen, alle die ängstlichen Gebete, die dem Himmel bestimmt waren, von den Lippen der schönen Bedrängten wegzufangen. Einige unserer Herren hatten sich hinabbegeben, um ein Pfeifchen in Ruhe zu rauchen; und die übrige Gesellschaft schlug es nicht aus, als die Wirtin auf den klugen Einfall kam, uns ein Zimmer anzuweisen, das Läden und Vorhänge hätte. Kaum waren wir da angelangt, als Lotte beschäftigt war, einen Kreis von Stühlen zu stellen und, als sich die Gesellschaft auf ihre Bitte gesetzt hatte, den Vortrag zu einem Spiele zu tun.

Ich sah manchen, der in Hoffnung auf ein saftiges Pfand sein Mäulchen spitzte und seine Glieder reckte.—“Wir spielen Zählens!“ sagte sie. „Nun gebt acht! Ich geh‘ im Kreise herum von der Rechten zur Linken, und so zählt ihr auch rings herum, jeder die Zahl, die an ihn kommt, und das muß gehen wie ein Lauffeuer, und wer stockt oder sich irrt, kriegt eine Ohrfeige, und so bis tausend“.—nun war das lustig anzusehen: sie ging mit ausgestrecktem Arm im Kreise herum. „Eins“, fing der erste an, der Nachbar „zwei“, „drei“ der folgende, und so fort. Dann fing sie an, geschwinder zu gehen, immer geschwinder; da versah’s einer: Patsch! Eine Ohrfeige, und über das Gelächter der folgende auch: Patsch! Und immer geschwinder. Ich selbst kriegte zwei Maulschellen und glaubte mit innigem Vergnügen zu bemerken, daß sie stärker seien, als sie den übrigen zuzumessen pflegte. Ein allgemeines Gelächter und Geschwärm endigte das Spiel, ehe noch das Tausend ausgezählt war. Die Vertrautesten zogen einander beiseite, das Gewitter war vorüber, und ich folgte Lotten in den Saal. Unterwegs sagte sie:“über die Ohrfeigen haben sie Wetter und alles vergessen!“—ich konnte ihr nichts antworten.—“ich war“, fuhr sie fort, „eine der Furchtsamsten, und indem ich mich herzhaft stellte, um den andern Mut zu geben, bin ich mutig geworden“.—Wir traten ans Fenster. Es donnerte abseitwärts, und der herrliche Regen säuselte auf das Land, und der erquickendste Wohlgeruch stieg in aller Fülle einer warmen Luft zu uns auf. Sie stand auf ihren Ellenbogen gestützt, ihr Blick durchdrang die Gegend; sie sah gen Himmel und auf mich, ich sah ihr Auge tränenvoll, sie legte ihre Hand auf die meinige und sagte: „Klopstock!“—Ich erinnerte mich sogleich der herrlichen Ode, die ihr in Gedanken lag, und versank in dem Strome von Empfindungen, den sie in dieser Losung über mich ausgoß. Ich ertrug’s nicht, neigte mich auf ihre Hand und küßte sie unter den wonnevollsten Tränen. Und sah nach ihrem Auge wieder—Edler! Hättest du deine Vergötterung in diesem Blicke gesehen, und möcht‘ ich nun deinen so oft entweihten Namen nie wieder nennen hören!

Ein Großteil des Textes besteht daraus, wie toll sie eigentlich für ihn ist, was natürlich auch der Ich-Perspektive geschuldet. Ihr eigenes Interesse bleibt vage und Hoffnung.

 

Werther kennt sie ein paar Stunden und ist schon erkennbar vollkommen verliebt. Jede Menge „Male to female interest“ aber wenig  Grund für „female to Male interest“. Es haut ihn fast um, dass sie ihren Verlobten erwähnt, obwohl er das eigentlich bereits wusste.

 

Ob die Hand zu küssen damals mutig und forsch war musste man in der Zeit bewerten. Aber er kommt etwas aus Simp rüber.

 

Das Problem von Werther ist das er ansonsten sein Leben nicht im Griff zu haben scheint, in den Tag hinein lebt, und das bei einer Frau, die alle ihre Geschwister auch noch mit durchbringen muss und von den beiden, also Werther und ihr, die praktischere zu sein scheint.

Da ist ihr Verlobter erkennbar die bessere Partie und über Bücher austauschen kann sie sich mit Werther auch als Freund.

Auch das Schlagspiel kommt mir etwas grotesk vor, aber auch das wäre ja in der damaligen Zeit zu bewerten

Dennoch hatte Goethe mit dem Buch ja einen Nerv getroffen und es war in der Zeit äußerst beliebt.

Aufopferungsvolle Liebe  hat eben ihre eigenen Reiz.

„Er liebt mich, er liebt mich nicht… „: Ungewissheit kann romantische Anziehungskraft erhöhen“

Eine interessante Studie dazu, wie Frauen darauf reagieren, ob (attraktive) Männer an ihnen interessiert sind oder nicht:

This research qualifies a social psychological truism: that people like others who like them (the reciprocity principle). College women viewed the Facebook profiles of four male students who had previously seen their profiles. They were told that the men (a) liked them a lot, (b) liked them only an average amount, or (c) liked them either a lot or an average amount (uncertain condition). Comparison of the first two conditions yielded results consistent with the reciprocity principle. Participants were more attracted to men who liked them a lot than to men who liked them an average amount. Results for the uncertain condition, however, were consistent with research on the pleasures of uncertainty. Participants in the uncertain condition were most attracted to the men—even more attracted than were participants who were told that the men liked them a lot. Uncertain participants reported thinking about the men the most, and this increased their attraction toward the men

Quelle: “He Loves Me, He Loves Me Not . . . ”: Uncertainty Can Increase Romantic Attraction

Also:

Studentinnen wurden Profile von attraktiven Männern gezeigt mit der Angabe, dass

a) die Männer sie toll fanden
b) die Männer sie okay fanden
c) Sie ganz okay oder toll fanden

Männer, die sie  okay fanden, schnitten schlecht ab. Männer, die sie toll fanden schnitten besser ab, Männer, bei denen es nicht klar war, schnitten deutlich am besten ab.

Aus der Studie:

Die „Anziehung war also wie folgt:

Durschnittlich interessiert: -0.62
Finden sie toll: 0,12
Unsicher ob durchschnittlich oder toll: 0,57

Das sind schon recht deutliche Unterschiede. Was könnten die Ursachen sein?

Ich spekuliere mal wild rum:

Ein durchschnittlich interessierter ist für die Frau erst einmal ein Risiko. Gerade weil Männer üblicherweise auch bei durchschnittlichen Interesse für eine Kurzzeitstrategie zu haben sind, also evtl Sex mitnehmen. Es könnte ein Zeichen sein, dass sie einen höheren Status haben, aber es könnte auch schlicht ein Zeichen sein, dass sie einen nicht so hoch einschätzen

Wenn er sie sehr toll findet, dann kann das bedeuten, dass sie zu gut für ihn ist. Zudem ist er dann relativ sicher. Man kann die Sache mit kühleren Kopf angehen.

Bei jemanden, der sie toll finden könnte, vielleicht aber auch nicht, ist evtl ein Preis zu gewinnen. Gerade weil er sich unsicher ist, könnte er ein besonders gutes Geschäft sein (denn er könnte etwas höher aber erreichbar sein). Wenn man nur herausfinden könnte, ob er es tatsächlich ist. Also lohnt sich ein höherer Einsatz, es lohnt sich die Sache zu erforschen, es lohnt sich auch Interesse an ihm zu haben.

Hier die Überlegungen aus der Studie:

Substantial research shows that people like others who like them—which is known as the reciprocity principle (Aronson & Worchel, 1966; Gouldner, 1960; Kenny, 1994; Luo & Zhang, 2009). It is rewarding to be liked by others, and these social rewards generate positive feelings. Further, people assume that those who like them have benevolent intentions and will treat them well (Montoya & Insko, 2008). Thus, if we want to know how much Sarah likes Bob, a good predictor is how much she thinks Bob likes her.
But what if Sarah is not sure how much Bob likes her? He seems interested, but in the words of a popular book and movie, maybe he is “just not that into” her (Behrendt & Tuccillo, 2009). How much will Sarah like Bob under this condition of uncertainty? Research on reciprocity suggests that she should like him less than if she were certain that he liked her, because the less certain she is, the fewer social rewards she should experience and the less sure she can be that he has good intentions toward her. In other words, according to the reciprocity principle, Sarah should like Bob more when she is certain that he likes her than when she believes he might not.
Recent research on the pleasures of uncertainty, however, suggests otherwise. Under some circumstances, uncertainty about the nature of a positive event can produce more positive affect than certainty about the nature of that event (Bar-Anan, Wilson, & Gilbert, 2009; Kurtz, Wilson, & Gilbert, 2007; Lee & Qiu, 2009; Wilson, Centerbar, Kermer, & Gilbert, 2005).
When people are certain that a positive event has occurred, they begin to adapt to it, primarily by reaching an understanding of what the event means and why it occurred (Wilson & Gilbert, 2008). Thus, whereas people may be very pleased that someone likes them, once they are certain of this fact they construct explanations as to why, and as a result the news loses some of its force.
In contrast, when people are uncertain about an important outcome, they can hardly think about anything else. They think about such an event but do not yet adapt to it, because they do not know which outcome to make sense of and explain.

The affective consequences of such uncertainty depend on the valence of the thoughts people have about the potential outcomes. Often these thoughts are negative, because one of the possible outcomes is undesired and people’s attention is drawn to that possibility (e.g., “the biopsy might show that I have cancer”). In such a case, uncertainty will lead to an increase in negative affect.

Sometimes, however, the potential outcomes are positive or neutral, such as the possibility that a new, attractive acquaintance is very fond of us (positive) or has no special impression of us (neutral).
There may thus be an exception to the reciprocity principle: People might like someone more when they are uncertain about how much that person likes them than when they are certain, as long as they have some initial attraction toward the person. Uncertainty causes people to think more about the person, we suggest, and, further, people might interpret these
thoughts as a sign of liking via a self-perception effect (e.g., “I must like him if he keeps popping into my thoughts”; Bem, 1972). In short, people’s uncertainty about how much another person likes them—such that they pick petals off a flower to try to find out whether that person loves them or loves them not—may increase their liking for that person.
Prior studies of the pleasures of uncertainty have examined the effects of uncertainty about such things as the source of a gift, and the dependent measure in prior studies was overall mood, not interpersonal attraction (e.g., Kurtz et al., 2007). We are unaware of any studies that have examined the effects of uncertainty on interpersonal attraction.1
In the present study, female college students learned that male college students at other universities had looked at Facebook profiles of several college women, including the participants’ profiles, and had rated how much they liked each woman. Participants then looked at the profiles of four of the men. Some participants were told that they were viewing the men who had liked them the most, some were told that they were viewing the men who had given them average ratings, and some (in the uncertain
condition) were told that they were viewing either the men who had liked them the most or the men who had given them average ratings. We predicted that participants in the uncertain condition would be most attracted to the men

Unsicherheit über etwas  ist also auch in anderen Fällen etwas, was das Interesse steigern kann, aber das ist etwas weniger konkret gehalten, warum es auch gerade für den Bereich der Partnerwahl interessant sein kann.

Interessanterweise gibt es einige Pickup-Techniken, die genau das abdecken, von dem Neg bei hübschen Frauen bis dazu dass sie sich qualifizieren soll, aber auch „Push and Pull“ (also ihr wechselhaft den Eindruck vermitteln, dass man nicht interessiert ist um sie dann wieder „zu sich zu ziehen“) etc.

Eine gewisse spielerische Unsicherheit zu erzeugen, nicht so einfach berechenbar zu sein, kann einen Flirt aufregender und interessanter machen und das Rätseln kann gleichzeitig eine gewisse zusätzliche Attraktivität erzeugen.

Es wäre interessant, ob der Test andersherum, also mit Männern ebenfalls funktioniert. Würden Männer Frauen, bei denen es nicht sicher ist, ob sie sie toll oder nur okay finden, interessanter finden, also solche bei denen sie sicher sind, dass sie sie toll finden? Das wäre dann zu erwarten, wenn es ein allgemeiner Grundsatz ist, dass etwas positiv-ungewisses Neugier erzeugt. Wobei ich mir auch gut vorstellen könnte, dass  Männer etwas praktischer veranlagt sind und die Mädchen interessanter finden, die sie toll finden.
Allerdings setzen Frauen Unsicherheit ja auch gerne taktisch beim Flirten ein. Sie halten sich stark zurück, sie senden eher subtile Zeichen, die viele Männer übersehen. Sie haben ihre eigenen Varianten von „push and Pull“ oder „Hot and Cold“ bzw „schwer zu kriegen sein“. Sie testen damit insbesondere häufig das Langzeitinteresse der Männer, aber mögen auch die sexuelle Spannung, die aus dem Werben um sie entsteht. Es gibt auch die Ansicht, dass es geschickt ist, den „Jagdinstinkt“ der Männer anzusprechen, also etwas unerreichbarer zu sein.

Tinderstatistiken: Frauen matchen mit 44% der Profile, für die sie sich interessieren, Männer mit 2.9%

Die Seite „Tinder insights“ erstellt anscheinend Grafiken zu der eigenen Tinder Historie und einige davon wurden auf Reddit veröffentlicht.

Sie zeigen das Bild, welches auch eigentlich sonst schon jedem klar ist:

Hier die Auswertung eines 22jährigen Mannes:

29.000 mal „geswipt“, davon 17.000 mal ja. Matches ergaben sich 358. Davon hat er mit 137 gechattet. Dates gab es 12, anscheinend 4 mal Sex.

Hier sieht man, dass Frauen härter bewerten: Sie swipen bei 8% aller vorgeschlagenen Leute, Männer bei 22% (was auch schon eine relativ geringe Zahl ist, anscheinend hat sich rumgesprochen, dass ein zu wahlloses bejahen von Profilen dem Algorithmus nicht gefällt.

Die nächste Zahl ist interessant:

  • Frauen matchen mit 44% all derer, bei denen sie interessiert sind
  • Männer matchen mit 2,9%.

Das ist schon eine erheblich geringere Zahl.

Frauen kommen pro Tag auf 99 Profile, die sie bewerten (wobei ein Limit von 100 besteht, wenn man nicht Geld zahlt), Männer auf 122 (was dafür spricht, dass Männer eher zahlen)

Bei den Frauen:

99 Profile, 8% gefallen davon, dass sind 7,92 . Davon sind dann 44% Übereinstimmungen in den Matches, also 3,48 neue Typen pro Tag.

Bei den Männern: 122 Swipes, davon gefallen 26,84. Davon wiederum sind 2,9% Übereinstimmungen, also 0,94 pro Tag.

Dazu muss man allerdings schon in der Pro Version sein.

Bei der normalen Version wären es 100 Swipes, Gefallen 26,84. Übereinstimmung:0,77

Dazu muss man allerdings schon in der Pro Version sein.

 

Das bedeutet aber auch, dass sie in einer Woche auf 24,36 Männer kommt, die mit ihr übereinstimmen, während der durchschnittliche nicht zahlende Mann auf  5,39 Frauen kommt. Das macht auch deutlich, wie viel voller ihr Postfach ist. Die dazu kommenden konkurrieren direkt mit denen, mit denen sie bereits länger eine Unterhalt hat und in die sie schon mehr Zeit investiert hat. Diese wiederum konkurrieren mit neuen, frischen Männern, wenn das Gespräch nicht optimal läuft.

Natürlich dürfte die Statistik für einige Männer noch viel schlechter, für andere deutlich besser sein.

 

Hier noch ein paar andere Grafiken:

Von einer (nach eigenen Angaben) männlichen 5-6:

Noch eine deutlich schlechtere Quote.

Eine 35jährige Mutter:

Sehr wählerisch, dafür hohe Trefferrate, 99 Chats, 3 Dates, eine Beziehung, einmal Sex.

29jähriger Mann:

Relativ unwählerisch, 22.513 mal Interesse, 113 mal auch Interesse der anderen Seite, 29 Chats, aber nichts bei rausgekommen

„Pick me Boy“

Als alter Fan des Urban Dictonarys bin ich neulich auf die Bezeichnung „Pick me Boy“ gestoßen:

A guy who uses self depreciation in a manipulative way so a girl will date him. They will say bad things about themselves to try to get the girl to oppose what they’ve said.
Pick me guy: hey
Girl: hi
Pick me guy: you’re so pretty! You probably won’t like me though I’m so ugly
Girl: no, you’re not ugly! I’m sure someone likes you
Pick me boy: really? Do you think I’m cute!
Girl: I don’t really know you, but I’m sure you’re really sweet
Pick me boy: I knew it, you hate me. It’s ok, you can leave. I’m used to it
Girl:

Pick me boy: you left me on read lol
Girl:
Pick me boy: showering without you 😦
Girl:
Pick me boy: u lefts me in read again lol

Oder:

pick me boy
A guy who try’s to get girls by saying things like „I’m too nice“, „girls don’t like nice guys like me“, „I’m so ugly“, and others of the sort. They claim to be different and how nobody likes them as or how ugly they are as a „flirty“ move to kind of force the girl to have to say „you’re not ugly….“ just so they can take it and say „so you think I’m hot, I’ve been meaning to tell you that I like you“. Will also call you names if you reject them after that line. Moral of the story pick me guys are lowkey just as annoying as pick me girls and usually catch feeling REALLY fast.
„hi “ -guy
„uhh hi“ -girl
„omg you answered  no one ever talks to me “ -guy
„ohhhh…. um (has no clue how to respond) -girl
„I’m so ugly thats why girls don’t like me and I’m just too nice “ -guy
„oh… uh… you’re not ugly ig…“ -girl
„so I’m hot, do you like me “ -guy
„not like that…“ -girl
„OMG TGIS IS EHY NO ONE LIKES YOU, LITTERALLY YOUR SICH A B**** AND YOUR SO EASY, I NRVER LOKED YOU AMYWAYS“ -guy (I spelt things wrong on purpose for this dude)

this a normal convo with a „pick me boy“

Es scheint auch was für beide Lager dabei zu sein:

Boys who have strong opinions on the sole purpose of being „different“ when they’re really only fishing for attention or are uneducated.
„you know that pick-me boy?“

„oh, you’re talking about the black boy who only complains about white girls on his snap story, loves trump, and hates equal rights.“

bzw.

Any male that acts “woke” or educated in hopes that they will get the approval of females. This could be to feel unique or in hopes that they’ll let them have sex
Matthew is a pick me boy. He’s always posting about how he’s so feminist and he’d probably wear a maid dress for some cooch

 

Veronica Kracher zu Incels

Veronica Kracher hat in Incel-Foren recherchiert und darüber ein Buch geschrieben. Die jetzt interviewed sie:

jetzt: Für dein Buch hast du zahlreiche Incel-Foren analysiert. Wie hast du die Recherche dazu erlebt?

Veronika Kracher: Am Anfang war es sehr erschreckend und irritierend, da man ja sowohl mit einer Menge gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit als auch mit einem erschütternden Selbsthass konfrontiert wird. Incels sprechen davon, dass niemand sie jemals lieben könne und bezeichnen sich selbst als „Untermensch“ oder „Abschaum“. An die Vergewaltigungsfantasien gewöhnt man sich irgendwann, man stumpft da leider aus Selbstschutz ab. Einige Sachen, vor allem sexuelle Gewalt gegen Kinder, verstören jedoch nachhaltig. Da ich selbst Erfahrungen mit schweren Depressionen und Suizidalität habe, sind Texte, in denen Incels ihren Selbsthass oder Suizid thematisieren, stellenweise relativ belastend, da sie an schlechten Tagen meine eigene Depression triggern. Andererseits macht mich deren Selbsthass auch wütend, da sie durch ihre Ideologie gewissermaßen selbst an ihrem Leid Schuld sind, aber Frauen dafür verantwortlich machen: Dieser Selbsthass geht in der Regel mit Frauenhass einher, da die Erlösung vom Leid „Sexlosigkeit“ und somit eine Glückserfahrung an weibliche Zuwendung geknüpft wird, man Frauen jedoch gleichermaßen abspricht, diese einem Incel entgegen bringen zu können.

Vielleicht wäre es ganz interessant eine Abgrenzung zumindest in Deutschland zwischen „Incels“ und „AbsolutenBeginnern“ zu machen: Der Incel-Begriff würde dann für die gelten, die sich in Hass hinein steigern und der AbsoluteBeginner-Begriff für die, die zwar auch unfreiwillig sexlos sind, aber es eben gerade nicht in Hass umschlagen lassen.

Den der Incel-Begriff erscheint mit einfach zu verbrannt.
Zweifellos gibt es aus meiner Sicht genau solche, wie dort beschriebenen, es zeigen sich gewisse Überschneidungen mit dem Teil der MGTOW-Bewegung, die auch in Frauenabwertung umgeschlagen sind. Vielleicht sollte man sie als „Incel-MGTOWs“ bezeichnen.

Interessanterweise ist es ja ein sehr ähnlicher Mechanismus wie er auch andere Identitätstheorien befeuert: Auf der einen Seite die benachteiligten Männer, auf der anderen Seite die privilegierten Frauen, die einfach den Sex zurückhalten. Und der Gedanke, dass sie, weil sie in dieser privilegierten Situation sind eben die schlechten sind, und zwar als Gruppe.

Man hat einen Sündenbock und genau wie in linken Identitätstheorien muss man nicht an seinen Problemen arbeiten, etwa besser flirten lernen, sondern kann alle Schuld bei anderen abladen, auch wenn man sich damit in eine selbstverschuldete Hilflosigkeit bringt, weil die anderen um so weniger Grund sehen sich auf einen einzulassen.

Wie können wir uns einen durchschnittlichen Incel vorstellen?

Laut einer Umfrage des Forums incels.co stammen knapp 60 Prozent der User aus der Mittelschicht, 33 Prozent zählen sich zur „Lower Class“, der Rest zur Oberschicht. Die Mitglieder der Subkultur sind recht jung, laut der besagten Umfrage sind 68,2 Prozent der Befragten unter 25 Jahre alt, davon rund ein Drittel 18 bis 21 Jahre alt. Das schlägt sich auch in den Beschäftigungsverhältnissen nieder: Mehr als die Hälfte der User ist laut Selbstangabe Schüler oder Student, 30 Prozent gehen einer Lohnarbeit nach, etwas mehr als 20 Prozent spricht von sich als „NEET“, also „Not in employment, education or training“. Die Incel-Community ist mitnichten eine weiße Community, nur knapp über die Hälfte ist weiß. Ungefähr 45 Prozent der Nutzer stammen aus den USA und Kanada, 40 Prozent aus Europa. Wie viele davon aus Deutschland stammen, lässt sich schwer sagen, da die Boards größtenteils englischsprachig sind. Dies ist jedoch lediglich der Überblick aus dem Forum incels.co und stellt nur deren Community dar.

Das fettmarkierte wäre ja für intersektionale Theorien wieder interessant: Reagieren da schwarze Männer nur auf den Rassismus und prangern zurecht an, dass Frauen nicht mit ihnen schlafen, eben weil diese Rassisten sind?

Was sind typische Hauptcharakteristika eines Incels? 

Incels hängen der sogenannten „Blackpill“-Theorie an. Diese besagt, dass quasi die einzige Diskriminierungsform unserer Zeit der sogenannte „Lookismus“ ist, also die Unterdrückung aufgrund von unattraktivem Aussehen. Vor der sexuellen Revolution und dem Feminismus sei die Welt nach dem Prinzip des „Looksmatching“ aufgebaut gewesen: einem Mann war eine Frau seines „Attraktivitätslevels“ garantiert. Der Feminismus habe Frauen jedoch die freie Partnerwahl ermöglicht. Da alle Frauen von Natur aus hypergam, triebhaft und oberflächlich seien, begnügen sie sich laut der Theorie nun nicht mehr mit ihrem „Looksmatch“, sondern wollen alle nur mit „Chads“, ein Begriff, der Klischeezeichnungen von Gym-Bro-Männlichkeit umschreibt, schlafen. Diese machten ungefähr zwanzig Prozent der männlichen Bevölkerung aus, glauben Incels. Und naja, deshalb bleiben keine Frauen für die armen Incels mehr übrig – obwohl ihnen der Sex doch eigentlich zustehen sollte! Der ist für Incels nämlich ein Grundrecht wie Nahrung oder Wasser.

Ist das eine dort verbreitete Theorie? Ich könnte es mir durchaus vorstellen. Auch hier vielleicht interessante Theorien zu „fatshaming“ und dem Gedanken, dass alle Frauen hübsch sind. Oder den Theorien, dass es Transfeindlich ist, nicht mit einer Transperson Sex haben zu wollen etc.

Ich denke, dass die „hypergamy“ in dem Bereich überschätzt wird. Natürlich haben hübschere Männer bessere Chancen auf dem Markt, auch und gerade für Sex. Schönere Frauen auch. Bei Männern wirkt sich zusätzlich aus, dass Männer üblicherweise für Sex einfach recht offen sind und nichts gegen wechselnde Sexpartner haben. Das macht den Markt für hübsche Männer noch günstiger bzw für Frauen, die einfach so Sex haben wollen. Sie können eben recht einfach einen hübschen Mann finden, der Sex mit ihnen hat.  Wobei ich es nicht so sehen würde, dass man als schlechter aussehender Mann keine Chancen hat. Genug Frauen sehen auch schlecht aus und suchen in ihrer Schönheitsklasse. Aber da sehen sich dann wahrscheinlich viele Incels (im schlechten Sinne) auch als „zu gut“ an als das sie dann mit den „hässlichen“ Frauen Sex haben wollen

Was folgt aus dieser Logik?

Dass Frauen Incels den Sex verweigern und lieber mit Chads schlafen, ist für sie eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. So rechtfertigen Incels ihren Frauenhass, der stellenweise bis in den Femizid und den frauenfeindlichen Terrorakt, wie dem 1989 am polytechnischen Institut in Montréal, bei dem 14 Studentinnen getötet wurden, reicht.

Gewaltphantasien und Hass können einem innerhalb der richtigen Gruppe in einer Identitätstheorie eben auch viel Unterstützung und einen gewissen Status geben. Das ist das gefährliche daran.

Warum haben diese Männer denn keinen Hass auf die „Chads“?

Den gibt es durchaus, zum Beispiel sprach Alek Minassian (der 2018 bei einem Attentat in Toronto 10 Menschen tötete und 16 verletzte, AdR) davon „alle Chads und Stacys zu stürzen“, da Chads einem die Frauen ja „wegnehmen“. Dieser geht jedoch immer mit Neid und Bewunderung einher: Man will selbst die Rolle eines Chads einnehmen. Deswegen verschreiben sich zahlreiche Incels dem sogenannten „Looksmaxxing“, also der Verbesserung des Aussehens durch Sport, Mode oder plastische Chirurgie.

Elliot Rodgers war ja auch besessen von seinem Aussehen und den „besseren Männern“, den „Chads“, die die hübschen Frauen abbekommen. Es passt in dieses Weltbild, dass sie Pickup ablehnen und statt dessen eine vermeintlich leichte Lösung wie plastische Chirurgie favorisieren, die dann wahrscheinlich für die meisten zu teuer ist, so dass es wieder ungerecht ist. Es ist, wenn man selbst nichts ändern will, immer gut, dass der Erfolg unerreichbar ist, aber nur, weil die „Böse Gruppe“ die Anforderungen so ungerecht hoch setzt. Man kann ja nichts dafür, dass man kein Chad ist.

Weiß man, woher das Phänomen der Incels kommt?

Bei Incels fallen der gesellschaftlich ohnehin präsente Frauenhass und patriarchales Anspruchsdenken, die Vereinzelung und Entfremdung des Individuums im Neoliberalismus, und das Internet als Echokammer zusammen. Junge Männer erfahren, dass sie hegemonialen Ansprüchen von Männlichkeit sowie sexuellem und finanziellem Erfolg nicht genügen. Aber anstatt das System und seine Auswirkungen auf das Subjekt in Frage zu stellen, verlagern sie ihren Selbsthass in Form der autoritären Revolte auf Frauen, die sind nämlich prädisponiertes Feindbild und etablierter Sündenbock. Und online bestätigt man sich dann selbst in diesem Denken.

Junge Männer erfahren insbesondere, dass sie den Anforderungen von (jungen) Frauen nicht genügen. Ich finde es erstaunlich, dass man das so ganz außen vor lässt. Sie erleben, dass sie von Frauen nicht akzeptiert sind, sie würden gerne Erfolg bei Frauen haben und am liebsten ohne sich verändern zu müssen.

Aber natürlich ist es das patriarchale System, wenn man Erfolg beim anderen Geschlecht haben will.

Natürlich verkennen sie, was sie falsch machen und in der Tat suchen sie Sündenböcke um sich der Verantwortung nicht stellen zu müssen und ihr Selbstbild zu erhalten. Natürlich weichen sie auch intrasexueller Konkurrenz aus und flüchten sich in Scheinwelten.

Aber erst einmal ist das Problem, dass Frauen sie nicht wollen.

Bleiben wir hier mal bei der konkreten Verknüpfung von Incel-Ideologie und Feminismus: Wie verhält es sich da?

Incels sind, wie andere maskulinistische Gruppen auch, eine regressive Reaktion auf den Feminismus. Anstatt zu realisieren, dass Kritik am herrschenden Geschlechterverhältnis auch Männern zugute kommen könnte, da herrschende Geschlechtervorstellungen auch Jungen und Männern gegenüber immensen psychischen Schaden zufügen, bekämpft man lieber im Männerbund gemeinsam diese „aufmüpfigen Weiber“. Selbst Incels, die ja immer wieder betonen, dass sie darunter leiden, keine „Chads“ zu sein, würden niemals auf die Idee kommen, diese herrschenden Vorstellungen von Männlichkeit oder das Patriarchat zu hinterfragen; letztendlich profitieren sie durch die Abwertung von Frauen doch mehr, als sie unter toxischen Männlichkeitsvorstellungen leiden. Und für solche Männer gibt es nichts Schlimmeres, als einer Frau ähnlich oder ihr gar solidarisch gegenüber zu sein; die Frau muss immer wieder durch Sexismus und Misogynie „zur Frau gemacht“ werden, wie Simone de Beauvoir schon vor siebzig Jahren konstatiert hat.

Ein recht einfaches Bild. Insbesondere weil sie ja Männer beneiden, die mit der „herrschenden Vorstellung von Männlichkeit“ sehr gut bei Frauen ankommen. Sie müssen Männlichkeit nicht wirklich hinterfragen, sie verstehen durchaus, dass Männlichkeit und auch körperliche Männlichkeit sehr gut bei Frauen ankommt. Sie verstehen aber auch nicht, was sie falsch machen und wie ihre Einstellung sie in der Tat unattraktiver macht und sie sich selbst schaden.

Es ist interessant, dass der Aspekt, dass Frauen gewisse „toxische Männlichkeiten“ durchaus sehr mögen, da so vollkommen unterschlagen wird.

Wie entscheidend ist dabei die Opfer-Rolle, die sich die Incels selbst zuschreiben?

Diese Täter-Opfer-Umkehr dient als Mittel, die eigene Gewalt zu legitimieren. Dies haben wir nicht nur bei Incels, sondern bei autoritären Bewegungen generell. Zum Beispiel sah sich der Attentäter von Christchurch weniger als rassistischer Terrorist, sondern als jemand, der die weiße Rasse vor der sogenannten „Umvolkung“ rettet. Incels sehen sich als Opfer einer widernatürlichen feministischen Gesellschaft, die ihnen das eigentlich naturgegebene Recht auf Sex verwehrt. Es sind laut ihnen die Frauen, und diese sogenannte „feministisch-jüdische Gesellschaft“, die im Unrecht sind. So rechtfertigt man das eigene Handeln: Man sei einer der wenigen Erleuchteten, und man habe die Aufgabe, die Welt aufzuwecken. Deswegen auch die Manifeste, die solche Männer hinterlassen: Man will aufzeigen, dass man ein Held, ein Messias, die reaktionäre Avantgarde ist, ein Soldat für eine in deren Augen richtige Welt.

Auch hier wie in anderen Identitätstheorien auch „erleuchtete“, die die Privilegierung der Frauen und die Unfairheit der Welt, die ihnen etwas vorenthält, erkannt hat. Auch hier in gewisser Weise SJWs, nur finden sie eben andere Privilegierungen bekämpfenswert.

Wie können es Incels schaffen, aus der eigenen Opfer-Rolle auszusteigen, also aufzuhören, Incels zu sein?

Ich habe in meinem Buch ein Kapitel, das sich ausschließlich mit dem Ausstieg aus der Szene beschäftigt. Es gibt auf Reddit ein Subreddit namens „IncelExit“, auf dem ausstiegswillige Incels um Rat suchen, andere User*innen geben ihnen Tipps und Hilfestellungen. Dass es dieses Subreddit gibt, zeigt aber auch auf, dass man diese Szene nicht so einfach verlassen kann; sie weist durchaus Strukturen eines Kultes oder einer Sekte auf. Was jedem einzelnen ausstiegswilligen Incel angeraten wird, ist die Therapie: Eine Szene, die ihren Mitgliedern permanent vermittelt, sie seien es, beispielsweise aufgrund fehlender Attraktivität, nicht wert, jemals geliebt zu werden, und die nur ein toxischer Sumpf ist, fügt langfristigen psychischen Schaden zu. Alleine schon deshalb sollte man darauf achten, dass Freunde, Söhne, oder Brüder nicht in diese Szene abrutschen – von der potentiellen Gewalt, die sie anderen antun könnten, ganz zu schweigen.

Ich würde auch jedem dazu raten aus einer so toxischen Weltsicht herauszukommen, wobei das wahrscheinlich sehr schwierig ist, wenn man sich da erst einmal reingedacht hat.

vgl auch:

 

Die Polarität der Geschlechter aufrecht erhalten (Gastartikel)

Dies ist ein Gastartikel von Josef


Sexuelle Anziehungskraft, die Kraft der Leidenschaft basiert auf der Polarität der Geschlechter, sie spannt den Bogen zwischen dem männlichen und dem weiblichen.

Diese zwischen dem maskulinen und dem femininen Pol strömende Anziehungskraft geht in modernen Beziehungen so oft verloren. Wenn du dich nach wahrer Leidenschaft sehnst, musst du ein hinreißender Liebhaber und eine angerissene Geliebte sein; ansonsten wird mit andauernder Beziehungslänge, immer mehr eine
Beziehung in der Form zweier Kumpels entstehen.

Die sexuelle Anziehung schwindet mit der Zeit und die leidenschaftliche Liebe verblasst mit der Zeit. Wenn Männer und Frauen selbst in intimen Momenten an einer politisch korrekten Gleichheit festhalten, geht die sexuelle Anziehungskraft verloren und die ganze Beziehung verliert an Kraft und Saft. Die Liebe kann so stark sein wie zuvor, die Freundschaft kann so stark sein wie zuvor, aber die sexuelle Polarität verblasst.
Du musst die maskulinen und femininen Unterschiede beleben, wenn du auf dem Spielfeld sexueller Leidenschaft am Ball bleiben willst. Das gilt für homosexuelle ebenso wie für heterosexuelle Beziehungen. Tatsächlich sind sich Schwule und Lesben sehr bewusst, dass die sexuelle Polarität nicht vom Geschlecht abhängt!

Obwohl alle Menschen sowohl maskuline als auch feminine Eigenschaften haben und jederzeit einsetzen können – zum Beispiel, um sich in der Firma zu behaupten oder ihre Kinder zu versorgen –, sind die meisten Männer und Frauen im Kern mehr maskulin oder mehr feminin.

In dem gut gemeinten Versuch, Männern und Frauen gleiche Chancen und Rechte zu verschaffen, unterdrücken viele Menschen unabsichtlich ihre wahre sexuelle Essenz. Das muss nicht so sein. Es ist durchaus möglich, Gleichberechtigung anzustreben und gleichzeitig seinen femininen oder maskulinen Kern auszuleben. Aber die meisten Menschen tun das nicht. Also leiden sie. Die meisten Menschen vergessen, dass die Gleichberechtigung, die im Büro funktioniert, in der Intimsphäre bei neunzig Prozent der Paare fehl am Platz ist, das heißt, wenn deren Essenz nicht ausgeglichen, sondern bei einem Partner feminin und bei dem anderen maskulin ist.

Damit die sexuelle Leidenschaft in solchen polarisierten Beziehungen strömen kann, sollten die Unterschiede zwischen feminin und maskulin in intimen Momenten betont, nicht aber gemindert werden. Verringern sich die Polaritäten aufgrund familiärer oder beruflicher Belastungen, nimmt auch die sexuelle Anziehung ab.

Viele Menschen mit einer wahren femininen Essenz weisen eine ganze Serie physischer Symptome auf, wenn ihre feminine Energie ›austrocknet‹, weil sie Jahr um Jahr versuchen, ihrem Körper zu viel maskuline Energie zuzumuten, um sich einem maskulinen Arbeitsstil anzupassen. Und viele Menschen mit maskuliner Essenz, die versuchen, sich an die feminine Art der Kooperation und der fließenden Energie anzupassen, schneiden sich von ihrem Lebenssinn ab und unterbinden ihre tiefste Wahrheit aus Angst vor den Konsequenzen, die es haben könnte, zu ihrer wahren Männlichkeit zu stehen.


Im Interesse der individuellen Autonomie und sozialen Gerechtigkeit haben wir – mit
den besten Absichten – begonnen, die Unterschiede zwischen maskulin und feminin
irrtümlicherweise zu nivellieren.

Ein MUSS ist das Geschlecht und Menschen immer mit anderen sexuellen Orientierungen mit Respekt zu betrachten, und die Männer und Frauen gleichwertig zu halten. Jetzt sind wir bereit, nochmal die nächste Stufe zu erklimmen: Auf der Basis von Gleichheit und gegenseitigem Respekt können wir nun die sexuelle und spirituelle Leidenschaft feiern, die der maskulin-femininen Polarität innewohnt.

Es ist an der Zeit, über das platte Macho-Ideal – nur Rückgrat und kein Herz – hinauszugehen. Es ist auch an der Zeit, das Ideal des sensiblen und mitfühlenden Waschlappens – nur Herz und kein Rückgrat – hinter sich zu lassen. Und auch die die Vollblut Feministin sollte lernen den Nagel gerade stehen zulassen.

Das verlangt eine tiefe Entspannung in die unendliche Offenheit des gegenwärtigen Augenblicks und mehr Bewusstheit und Achtsamkeit für das eigene innere Selbst! Falls du gerne noch mehr zum Thema erfahren möchtest, erfahre unter diesem Link gerne noch mehr zur Polarität der Geschlechter und erhalte kostenlos das ebook,
“Der Weg des wahren Mannes” zum downloaden.
Josef Kryenbuehl / Mentalcoach

Frauen auf der 10-Skala bewerten (Gastbeitrag)

Gastbeitrag von Ypsilonniks

Es gibt nur wenige Themen, in welchen ich Feministen zustimme, hier zum Beispiel die Abwertung von sexuell aktiven Frauen als „Schlampen“(1).

Ein weiterer Punkt wäre die Bewertung von Frauen auf der 10-Skala, heißt, eine 9 ist hot, eine 3 not. Feministen, die sich an anderer Stelle faschistoider Rhetorik von toxischen Männern“ (2) bedienen, können hierzu natürlich die ganz dick Keule auspacken, das sei „entmenschlichend“. Das rührt daher, dass Menschen – auch Männer – über kalte Zahlen beurteilt werden, sie werden auf eine Ziffer reduziert. Dahinter steckt aber noch etwas, was besonders für unattraktive Frauen (und Männer) hart ist: Nämlich, dass manche Menschen mehr, andere weniger attraktiv sind, was durch die Ziffer codiert wird – eine 9 hat mit der Skala vermutlich weniger Probleme als eine 3. Das ist also deshalb hart, da man kaum Einfluss darauf hat, ob ein anderer einen anziehend findet oder nicht: „Attraction is not a choice“. Dieser brutalen Gesetzmäßigkeit unterliegen auch Männer: Ein Topmanager ist hot, ein Hartz-IV-Empfänger not.

Wenn diese Skala nur ein anderer Ausdruck ist von „sehr attraktiv“, „mäßig attraktiv“, „weniger atttraktiv“ etc., warum sollte man sie nicht verwenden? Nun: Einmal hat mich ein Freund genötigt, ein Mädchen, für das ich Gefühle hatte, mit so einer Ziffer zu bewerten. Ich wollte nicht, aber er war hartnäckig, bis er mir schließlich so eine Zahl abrang. Das fand ich scheiße, und mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Verweise:
(1):
https://uepsilonniks.wordpress.com/2017/10/01/frauen-schlampen-maenner-playboys/

(2):
https://man-tau.com/2018/12/10/toxische-maennlichkeit-merkel-jusos-abtreibung/

Siehe auch meinen Artikel zum gleichen Thema:

Wie reagieren, wenn die Frau oder Freundin sauer ist und nicht sagt was los ist?

Eine alte Frage, die mir hier erneut in den Suchbegriffen zu diesem Blog entgegen kam und die es verdient noch einmal aufgegriffen zu werden.

Wie reagieren, wenn die Frau oder Freundin sauer ist und nicht sagt was los ist?

1. Warum eigentlich?

Für Männer ist es häufig schwer verständlich, warum Frauen überhaupt auf diese Weise reagieren. Das wütende Schweigen und die Nichtangabe des Grundes, was nun eigentlich los sein soll, erscheint oft unlogisch. Wenn sie es sagen würde, dann könnte man ja eher das Problem lösen, sagen, was sie falsch verstanden hat, sich rechtfertigen oder ähnliches. Tatsächlich kommt es – was einigen Frauen wiederum anscheinend schwer zu glauben fällt – häufig vor, dass die Männer keine Ahnung haben, was sie jetzt so aufregt.

Ein Erklärungsansatz ist, dass Frauen ohnehin anders streiten als Männer und ihre Erinnerung da auch weiter zurückreicht. Männer sind im Schnitt weit weniger sensibel bei Angriffen oder Vorfällen und sie behalten in vielen Fällen und im Schnitt auch Sachen weniger lange im Gedächtnis. Wenn sie dann sauer ist, dass er schon wieder seine Socken hat rumliegen lassen, obwohl sie ihm vor drei Wochen schon gesagt hat, dass ihn das nervt, dann erscheint ihr dies gerecht und wichtig und ihm vollkommen irrational. Sie sieht es vielleicht als Mißachtung ihrer Person, er als kleines Versehen, auf das er noch nicht einmal kommt.

Frauen regt es dann vielleicht noch mehr auf, wenn er es noch nicht mal erkennt, weil das die Mißachtung ja noch erhöht. Sie wollen dann, dass er es von selbst erkennt, weil sie es ihm ja schon gesagt haben und es wenig Sinn macht, es noch einmal zu sagen, wenn er es dann eh nicht wahrnimmt.

Das wäre ein aus meiner Sicht zumindest eine noch einigermaßen logische Herleitung. Ob sie stimmt? Keine Ahnung.

Vielleicht war diese Form des Streitens für Frauen auch einfach nur evolutionär sehr vorteilhaft, weil es ihn in die Rolle desjenigen drängt, der sich um sie bemühen muss und ihm etwas „Verlustangst“ macht, weil die Frau sich emotional von ihm zurückzieht.

2. Was gab es letztes Mal für Ratschläge?

Wie oben bereits verlinkt war das Thema an sich schon einmal Thema hier. Ich schrieb:

Eine Gegenstrategie bei Schweigeattacken aus nicht zu gravierenden Anlass ist daher auch sie schlicht zu ignorieren und seine eigenen Sachen zu machen, denn dann geht der Sinn dieser etwas verloren. Meine Erfahrung ist da, dass Frauen schlicht mitunter eine gewisse Zeit benötigen, wenn diese abgelaufen ist, dann kann man das Gespräch wieder suchen und die Sache beilegen

Ich lasse, zumindest wenn ich nicht weiß, dass ich irgendetwas sehr blödes gemacht habe, meist in der Tat etwas Zeit vergehen, dann mach ich einen vorsichtigen Ansatz und sehe schon an der Reaktion in welchem Stadium ich bin. Genervtes Wegschauen bedeutet, ich kann getrost noch einige Youtubevideos schauen, Kommentare lesen oder Artikel schreiben oder  mich etwas mit Fräulein Schmidt beschäftigen. Ein böser Blick oder eine Spitze oder ein leicht übertriebenes Zurückziehen bedeutet, dass die Phase des Schweigens vorbei ist und sie jetzt noch etwas emotionale Auseinandersetzung braucht. Dann kann man etwas auf das Spiel eingehen, bis sie einem sagt, was eigentlich los ist und man das Problem klärt, was dann meist recht schnell geht.

In den Kommentaren hieß es:

Matze:

Am besten man tritt der Freundin dann mal richtig schön auf den Fuß. Dann weiß man wenigstens warum sie auf einen sauer ist, ^^

Wer ein guter Schauspieler ist, kann auch vorspielen das er angepisst ist. Das scheint Frauen glücklich zu machen:

Das kann auch aus meiner Sicht durchaus bei den kleineren Vorfällen klappen: Entweder eine Konfrontation quasi provozieren, damit Schweigen ihr nichts bringt oder (gerne auch spielerisch) in den Gegenangriff gegen: Ebenfalls ignorieren. Auf das ignorieren noch einen drauf setzen indem man ihr die Decke wegzieht („Das ist meine Decke, die hast du nicht verdient!“) oder etwas in der Art. Bei ernsteren Vorfällen würde ich damit allerdings warten.

Henrik:

Es gibt ja die Theorie, dass Frauen von Zeit zu Zeit ihren Partner zur Weißglut treiben, um zu erkenne, ob er überhaupt noch emotional in der Beziehung ist. Kommt eine Reaktion, weiß sie, dass er sich noch um die Beziehung schert. Kommt keine, nun dann stehen große Probleme an.

Es ist sicherlich eine Typsache, aber bei heißblütigeren Südländern hat das auf alle Fälle was für sich: Sie brauchen mitunter etwas Drama, es belebt die Beziehung. Wenn man das einfach akzeptiert, dann kann man es in ein spielerisches Drama umleiten und damit echtes Drama vermeiden.

Natürlich wäre das dann auch eine Form des Shittests und folgt damit auch dessen Regeln. Eine Frau, die so weit geht, dass sie ihren Partner wirklich zur Weißglut treiben muss, scheint mir aber deutlich zu weit zu gehen. In der Tat ist aber nicht Wut das Gegenteil von Liebe, sondern Gleichgültigkeit. Wenn der Partner Emotionen vermisst, dann kann es interessant sein, dass man Wege findet, sie abseits der Notwendigkeit, den Partner zur Weißglut zu treiben, auslebt.

Androsch schrieb:

Meine Erfahrung mit früheren Freundinnen (meine Frau praktiziert das zum Glück nicht): sobald man ihre komische Stimmung bemerkt, sie so lange nerven, bis sie konkret wird.

Die Frau will, dass die Sache thematisiert wird, die komische kindische Trotzreaktion ist vermutlich meistens eine Art Hilferuf, weil sie emotional mit etwas nicht klar kommt oder nicht weiß, wie sie es thematisieren soll. Aussitzen wirkt temporär, verfestigt aber latente Antipathien und führt auf Dauer zu Entfremdung.

Einige praktizieren das natürlich auch absichtlich und vorsätzlich, weil sie wissen, dass sie damit bequem Druck ausüben können. Von solchen Frauen sollte Mann sich umgehend trennen, es sei denn er steht auf solche Machtspielchen.

Und dann gibt es noch die Frauen, die einfach mal so schlechte Laune haben, die tatsächlich nicht mit dem Mann zusammenhängt.

Und jetzt das Kunststück: rausfinden welchen Typ Frau man hat, bzw. welche der drei Möglichkeiten gerade akut ist 🙂

In der Tat sollte man es immer auf seine Partnerin abstimmen und nicht generell sehen. Das ist in der Tat ein guter Rat. Wenn bei der eigenen Partnerin direkte Konfrontation hilft, dann ist es das ein guter Weg. Wenn es eine bewußtes, unemotionales Machtmittel ist, dann ist es sicherlich kritischer zu sehen. Und wenn es einfach schlechte Laune und Angespanntheit ist, dann sollte man schauen, wie man an die eigentlichen Ursachen herankommt.

Anne führte an:

Wenn ich sauer bin, dann sage ich das schon, aber nicht, wenn ich verletzt bin (nur sehr selten).
Dann halte ich es auch für eine „Bringschuld“ meines Partners, die Sache zu bereinigen, denn eigentlich erscheint (mir) die Angelegenheit ja evident.
Ich empfinde es dann selbst als Zumutung, mich erklären zu müssen, denn a) kann ich das nicht wirklich (sonst wäre ich ja nur sauer, und hätte durchaus Argumente), und b) bin ich mir in diesem Moment sicher, dass er das ja selbst wissen müsse.

Empfohlene Strategie: Freundin einfach in den Arm nehmen, damit sie sich nicht unterdrückt fühlt. 😉

Also der Unterschied zwischen „Sauer“ und „verletzt“. Sauer wäre, wenn ich das richtig verstehe, etwas, was sie allgemein schlecht findet, verletzt wahrscheinlich dann eher, wenn sie es auch als quasi gegen sich gerichtet oder sie mißachtend sieht. Das scheint mir etwas in die Richtung meiner Ausführungen oben zu gehen, wenn auch vielleicht mit einer interessanteren Abgrenzung durch das Begriffspaar „Sauer“ oder „verletzt“

In den Arm nehmen kann klappen hängt aber von dem Grad der „Verletztheit“ ab.

Adrian fasst es gewohnt kurz:

Hmmm. Ignorieren und die Ruhe genießen.

Kann man durchaus. Ich sage ja: Mitunter braucht es einfach eine Weile und etwas zu machen bringt nicht viel.

Aurelie rät:

Aushalten, ignorieren, in regelmäßigen Abständen ein konstruktives Gespräch anbieten und sich ansonsten ganz normal verhalten. Auch wenn ich diese Strategie hasse, wenn ich auf der anderen Seite sitze, aber sie funktioniert. Wut ist ein sehr flüchtiges Gefühl und je weniger man daran erinnert wird, umso schneller ist sie wieder weg.

Aushalten, ignorieren und immer wieder schauen, ob sie schon so weit ist, dass man aus dem Schweigen rauskommt. Das wäre ja auch meine Strategie.

LH schreibt:

Wenn einem Ignorieren und Abwarten zu lange dauert, dann kann man sich auch über darüber lustig machen, dass sie sich wie eine Dreijährige aufführt. „Meinst Du, Du schaffst es Dich ohne Schnuller zu beruhigen oder soll ich Dir einen besorgen?“

Ja, auch das kann klappen: Denn es ist einer der entscheidenden Nachteile des Schweigens, dass man damit ja der Passive ist, der sich nur schwer verteidigen kann. Insofern kann man das für sich ausnutzen und sie etwas aufziehen. Wenn sie was erwidert, dann hat man so gesehen gewonnen und sie verloren. Denn sie hat ja ihren Plan nicht durchziehen können. Das kann man ihr dann auch gleich aufs Brot schmieren. Empfehlung: Nur wenn man sich sicher ist, dass sie nicht zu gravierenden Dingen schweigt.

In den Kommentaren gerne weitere Vorschläge oder Erklärungsansätze.

Soll man eine Frau nach einem Date fragen, auch wenn man befürchtet, dass sie ablehnt?

Ein interessanter Tweet:

Bei dem Forscher Lars Fischer kommt hier sicherlich noch die Unsicherheit aufgrund seines Fraser Syndrom dazu, die es sicherlich nicht einfacher macht zu glauben, dass die andere Person einen interessant findet.

Aber die Frage ist denke ich gerade für unsicherer interessant.

Sie läuft häufig unter dem Gedanken, dass man eine Situation klären will, endlich Gewissheit haben will, ob bestimmte Nettigkeiten nur Nettigkeiten sind oder mehr bedeuten und auch – wie oben – gerne unter dem Gesichtspunkt, dass man keine Gelegenheit verstreichen lassen will, nicht will, dass man später hört, dass der andere einen interessant findet, aber nie etwas daraus geworden ist.

In der Hinsicht wird es als ein „letztes Mittel“ eingesetzt: Entweder man hat Erfolg oder nicht. Aber die Situation ist natürlich geklärt.

Es bietet sich gerade dann an, wenn der andere etwa gehen würde, umziehen würde, den Arbeitsplatz wechselt. Und man ihn daher nicht mehr so häufig sehen wird.

Es ist gleichzeitig riskant, weil es eine Offenbarung ist, die den anderen Unvorbereitet treffen kann und danach befangen macht, wenn die Gefühle eben nicht bestehen.

Es ist auch, gerade aus der Sicht vieler Frauen, eher der „Holzhammer“: Es einfach direkt ansprechen statt es einfach „Passieren zu lassen“, den anderen zu einer Offenbarung bringen.

Aus meiner Sicht ist es ein gutes Mittel, wenn man sich sehr sicher ist, dass der andere will und man ansonsten schlecht flirtet. Dann kann es das einfachste sein, es einfach mal auszusprechen und dann in die Beziehung oder was auch immer beide wollen, durchzustarten.

Gerade wenn man unsicher ist, dann ist aus meiner Sicht die Methode nicht unbedingt die Beste.

Im Pickup würde man eher das „Klassische Schema“ anwenden:

Zunächst seinen eigenen Wert darstellen (Attraction) bis man Zeichen bekommt, dass sie einen interessant findet (IOIs) und dann etwas an ihr hervorheben (abseits des Körpers) warum man sie toll findet (und für das sie toll gefunden werden will). Dann Berührungen, Vertrautheit, tiefe Gespräche, mehr Berührungen etc.

Wenn man in dem Bereich gut genug ist, dann braucht man die direkte Art und Weise nicht mehr und natürlich ist die Entscheidung auch eher positiv, wenn man vorher etwas dargestellt hat, wenn man Vertrautheit und sexuelles Interesse geweckt hat etc

Natürlich ist es mit Fraser Syndrom erst einmal deutlich schwieriger Anziehung zu erzeugen. Aber auch hier gilt: Lieber selbstbewußt und frech sein, sie herausfordern, genug andere Signale des anderweitig (unabhängig vom Ausssehen) vorhandenen Wertes senden als sie einfach zu konfrontieren und dabei evtl deutlich zu machen, dass man selbst nicht glaubt interessant zu sein und eine Ablehnung zu erwarten.

Das finde ich persönlich das schöne am Pickup: es macht einen die Dynamiken und Zeichen weitaus deutlicher als es vielen vorher war und lässt einen auch andere Dynamiken erzeugen aus denen heraus dann Situationen entstehen, in denen man nicht mehr die „verzweifelte Frage“ stellen muss und das evtl aus einer schwachen, bittstellerischen Position heraus.

Um so mehr die Frau denkt, dass man ein Nein erwartet, weil man glaubt sie nicht Wert zu sein um so eher wird sie auch zu einem Nein tendieren.

Um so eher es ein „lass uns mit den Spielchen aufhören, ich will dich, du willst mich, lass uns mal zusammen weggehen und schauen wie es läuft“ ist um so eher wird sie, wenn sie zumindest ein gewisses Interesse hat (und man die Situation nicht vollkommen falsch gelesen hat), zu einem Ja tendieren.

Kurzum: Die direkte Frage kann Klarheit schaffen, bringt einen aber auch um die Gelegenheit sie an dem Abend für einen einzunehmen und zu verführen.