Nein heißt Nein: Wie dürfen Frauen kommunizieren?

Der folgende Beitrag ist Bestandteil einer Diskussion zwischen Patrick und mir. DieVorgeschichte ist hier. Es geht um „Nein heißt Nein“, wobei Patrick die „Pro“-Position vertreten wird, also ein Nein wörtlich nimmt, während ich die „Contra“-Position vertrete, also davon ausgehe, dass ein Nein ausgelegt werden kann. Wir haben uns auf eine Einführung, dann zwei Tage weitere Beiträge, dann 2 Tage Fragen an den anderen und Beiträge mit 500 Worten geeinigt. Patricks erster Beitrag ist hierzu finden, der zweite hier, der dritte hier, der vierte hier.

In diesem Beitrag geht es um die Beantwortung einer von Patrick gestellten Frage, die wie folgt lautete:

Du sagst, du hörst auf, wenn eine Frau dir deutlich zu verstehen gibt, dass sie das Nein auch so meint. Dabei bestimmst du allerdings, was für dich deutlich genug ist, und was nur als Hindernis oder Reiz gemeint ist. Was legitimiert dich dazu, Frauen vorzuschreiben, wie sie ihre Meinung richtig zu äußern haben?

Meine Gegenfrage: Was bringt dich zu der Auffassung, dass du ihre übrige Kommunikation ausblenden darfst und ihr einen Gefallen damit tust? Kommunikation verläuft immer auf mehreren Ebenen. Nur auf die wörtliche abzustellen führt eher zu Mißverständnissen als auf das Gesamtkonzept abzustellen. Insofern erklärst eigentlich du ihr, was sie sagen darf und was nicht. Sie darf nach deiner Meinung keine mehrdeutigen Signale senden. Sie sendet per Definition nur eindeutige Signale bzw. Signale, die dank deiner Vorgaben bei Zweifeln stets als Nein zu interpretieren sind und zwingend (!) zu einem Abbruch der Bemühungen führen müssen, und dies ja anscheinend selbst dann, wenn du aufgrund anderer Anzeichen davon ausgehst, dass sie vielleicht doch will. Es geht dann nicht darum, ihren Willen zu beachten, sondern das Gebot von „Nein heißt Nein“. Was ist das anderes als eine Vorschrift, wie sie zu kommunizieren hat? Du reduzierst sie in dem von Thunschen Kommunikationsquadrat auf die Sachebene, während ich ihr auch ermögliche, die weiteren Ebenen Selbstoffenbarung, Beziehungsebene und Appell zu nutzen.

Vielleicht will sie ja nur sagen, dass wir uns noch zu fremd für Sex sind, auch wenn sie ihn möchte oder das sie befürchtet, dass ich ihren Ruf schädige oder sie in Gedanken abwerte oder miteilen, dass sie noch etwas Zeit braucht. Wenn sie sich vorstellen kann, dass sie vielleicht noch Sex mit dir haben will, aber mal schaut, wie der Abend läuft, dann muss sie sich bei dir erklären und deutlich kommunizieren, weil du die Aktion abbrichst. Du schränkst damit ihre Kommunikation wesentlich mehr ein als ich.

Bei mir muss sie vielleicht einmal deutlicher „Nein“ sagen oder durch ihre Körpersprache deutlich machen, dass sie nicht will, indem sie sich löst. Bei dir muss sie sich darauf festlegen, ob sie jetzt hier und von dir diese Handlung will. Sie muss, wenn sie Nein gesagt hat dann  sagen „Okay, jetzt bin ich soweit, fass meinen Busen ruhig an“, während sie bei mir auch durch etwas heftigeres Küssen sagen kann, dass sie eine Stufe weiter ist oder neu entscheiden kann, ob sich etwas später meine Hand auf ihrem Busen nicht doch gut anfühlt.

Wenn sie mir vorher die Rolle des Handelnden zuweist, indem ich alle Eskalationsschritte und alle Grenzüberschreitungen bis dahin durchführen musste, dann kann sie sich auch nicht beschweren, wenn ich weiterhin versuche zu eskalieren. Das ist schließlich die Basis, auf der sich das Ganze entwickelt hat. Wenn sie selbst handelt wäre dies etwas anderes.

Was bringt dich zu der Vermutung, dass sie mit einem „Nein“ zwingend kommuniziert, dass die Handlung abgebrochen werden muss und sie sich durch andere Auslegungen über Gebühr eingeschränkt fühlt? Vielleicht findet sie es nicht schlimm, ihre Meinung noch einmal zu sagen. Vielleicht ist es ihr lieber, dass jemand ihr Grauzonen zugesteht, auch wenn sie dann noch mal deutlicher kommunizieren muss, wenn er sich in der Weite der Zone irrt. Wir schränken beide ein. Mein System scheint mir wesentlich flexibler an die Kommunikationsstruktur, die sie bevorzugt, anzupassen zu sein. Daraus ziehe ich die Berechtigung. Oder könntest du ihr mehrdeutige Kommunikation zugestehen?

Meine Frage an Patrick:

  • Wie weit geht deine Einschränkung durch das Nein?
    Zur Erklärung dieser Frage vielleicht ein paar weitere Fragen:

    • Darf man nach zB einer weggeschobenen Hand verbundenen mit einem Nein ohne Kommunikation darüber einen zweiten Versuch machen oder muss man zwingend nachfragen? Wie muss man konkret handeln?
    • Was ist bei Verhalten, dass man als Nein interpretieren kann, aber bei dem kein Nein gesagt wird? Reicht ein kleines Vergrößern der Augen, das auf Angst hindeuten könnte? Was ist mit der Hand im obigen Beispiel?
    • Was ist mit Äußerungen wie „Wir sollten nicht, aber ich habe schon Lust“?

 

 

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24 Gedanken zu “Nein heißt Nein: Wie dürfen Frauen kommunizieren?

  1. Mag sein, dass es Frauen gibt, die diese Grauzonen der Kommunikation gerne hätten. Von mir bekommen sie die aber nicht. Ich habe den Anspruch an eine Frau, dass sie sich klar ausdrückt.

    Mag sein, dass es Frauen gibt, die mit einem „Nein“ testen wollen, ob sich ein Mann für sie ins Zeug legt. Ich lege mich nicht für Frauen ins Zeug. Ich habe den Anspruch an eine Frau, dass sie mit mir Sex will, ohne dass ich mich ins Zeug lege und irgendwelche Shittests bestehe.

    Mag sein, dass es Frauen gibt einem Mann gerne die Rolle des Handelnden zuweisen. Ich lasse mir diese Rolle nicht von einer Frau zuweisen. Ich habe den Anspruch, selbst zu entscheiden, welche Rolle ich übernehme und wie ich die Rolle ausgestalte. Ich lasse mir die nicht von einer Frau zuweisen.

    Mag sein dass das Christiansche System flexibler an die Wünsche der Frau anpassbar ist. Ich will mich und mein Kommunikationssystem aber nicht an die Wünsche einer Frau anpassen. Ich bin doch keine Wunscherfüllmaschine für verzogene kommunikationsgestörte Frauen.

    In diesen ganzen Fälle, die du hier konstruierst, in denen ein Nein vielleicht doch nicht wirklich Nein bedeutet, kommt von mir ein Nein. Und das heißt dann auch Nein. Ganz unflexibel und einschränkend, die Wünsche der Frau vollkommen ignorierend. Die sind mir dann scheißegal.

    Ich bin es mir wert, dass sich eine Frau mir gegenüber klar ausdrückt. Ansonsten kommt von mir ein Nein.

    • „Mag sein dass das Christiansche System flexibler an die Wünsche der Frau anpassbar ist. Ich will mich und mein Kommunikationssystem aber nicht an die Wünsche einer Frau anpassen. Ich bin doch keine Wunscherfüllmaschine für verzogene kommunikationsgestörte Frauen.“

      Mit gefällt nur die Dogmatik des „Nein heißt Nein“ nicht. Ich finde es zu starr als Verhaltensvorschrift. Wenn jemand meint, dass er darauf keinen Bock hat dann ist das eine ganz andere Sache. Ich verlange ja auch nicht, dass Leute so handeln, wie ich es hier vorschlage.
      Wer meint, dass er eine deutliche Kommunikation will, der soll sich gerne so verhalten wie du es vorschlägst.

      • Bei mir heißt „Nein“ immer „Nein“. Ganz starr und dogmatisch. Und ich rufe andere Männer dazu auf das ebenso zu handhaben. Dann kommt es einerseits nicht so zu den Situationen, dass einer Frau etwas widerfährt, was sie nicht wollte und andererseits sterben vielleicht irgendwann diese kommunikationsgestörten Tussen aus, die „Nein“ sagen oder signalisieren, wenn sie „Vielleicht oder doch nicht oder später aber nicht so und vielleciht doch und ich weiß nicht und ich bin doch ein kleines Dummchen und der Mann soll die ganze Verantwortung übernehmen“ meinen.

        Und natürlich rufe ich alle Frauen dazu auf, das zu sagen, was sie meinen und was sie wollen und nicht so rumzueiern.

      • „andererseits sterben vielleicht irgendwann diese kommunikationsgestörten Tussen aus, die „Nein“ sagen oder signalisieren, wenn sie „Vielleicht oder doch nicht oder später aber nicht so und vielleciht doch und ich weiß nicht und ich bin doch ein kleines Dummchen und der Mann soll die ganze Verantwortung übernehmen“ meinen.“

        Vielleicht. Ich bin da eher skeptisch. Das Vorgehen hat ja durchaus Vorteile für die Frauen, die in den allermeisten Fällen die Nachteile überwiegen.

        „Und natürlich rufe ich alle Frauen dazu auf, das zu sagen, was sie meinen und was sie wollen und nicht so rumzueiern.“

        Sehr gut! Schon Erfolge gehabt?

      • „Das Vorgehen hat ja durchaus Vorteile für die Frauen, die in den allermeisten Fällen die Nachteile überwiegen.“

        Deshalb sollen sich die Männer ja nach einem „Nein“ zurückziehen. Dann sind die Vorteile, die sich für die Frauen aus diesem Verhalten ergeben, futsch.

        „Sehr gut! Schon Erfolge gehabt?“

        Die meisten Frauen, die ich kenne und alle, mit denen ich ein privates Verhältnis pflege, sagen, was sie meinen. Ist nicht mein Erfolg, weil dorthin sind sie auch ohne meine Hilfe gekommen.

      • „Deshalb sollen sich die Männer ja nach einem „Nein“ zurückziehen. Dann sind die Vorteile, die sich für die Frauen aus diesem Verhalten ergeben, futsch.“

        Wie immer bei großen gesellschaftlichen Umbrüchen erfordert das aber ein Zusammenwirken aller zum gemeinsamen Guten. Die Geschichte, zB der Kommunismus, zeigt aber, dass es immer Leute gibt, die statt dessen den Weg wählen, der ihnen einen persönlichen Vorteil bringt. Ein Sexboykott der Männer? Harte Arbeit. Meinst du, dass es realistische Chancen hat

        „Die meisten Frauen, die ich kenne und alle, mit denen ich ein privates Verhältnis pflege, sagen, was sie meinen.“

        Dann bleibt die – wahrscheinlich etwas zu persönliche – Frage, mit wie vielen davon du Sex hast.

      • „Ein Sexboykott der Männer? Harte Arbeit. “

        Überhaupt nicht. Du sagst doch hier, dass du dich um Sex zu bekommen, von einem Status (Knutschen) zu einem höheren (Busen anfassen) „hocharbeiten“ (dein Wort) musst. Diese Art von Sex boykottiere ich, weil mir das zu harte Arbeit wäre.

        Ich bevorzuge Sex auf einer Augenhöhe, wo man sich von vornherein einig ist und ich mir da nichts „erarbeiten“ muss.

        „Dann bleibt die – wahrscheinlich etwas zu persönliche – Frage, mit wie vielen davon du Sex hast.“

        Die Anzahl ist überschaubar. Allerdings gibt es ja auch noch andere Dinge, die man mit Frauen machen kann, als mit ihnen Sex zu haben. Aber auch was Sex angeht kann ich mich nicht wirklich beklagen. Es gibt sie nämlich, die Frauen, die mit mir Sex haben wollen, ohne dass ich sie erst davon überzeugen muss, ohne dass ich mich zu dem Status hocharbeiten muss.

        Überhaupt habe ich bei dir den Eindruck, dass (mit vielen Frauen) Sex haben für dich eine Art Lebensziel ist. Deine Erfahrungsberichte mit Frauen lassen sich in zwei Gruppen einteilen: Sex gehabt -> Erfolg; kein Sex gehabt -> Misserfolg. Deine Frage an mich nach der Anzahl meiner Sexpartnerinnen geht auch in die Richtung, dass Beziehungen zu Frauen nur dann was wert sind, wenn dabei Sex rumkommt.

        Hey, es gibt viele Dinge, die viel spannender sind als Sex. Jedenfalls in meinem Leben. Wenn du die nicht kennst … schade für dich.

      • „Ein Sexboykott der Männer? Harte Arbeit. “
        „Überhaupt nicht. Du sagst doch hier, dass du dich um Sex zu bekommen, von einem Status (Knutschen) zu einem höheren (Busen anfassen) „hocharbeiten“ (dein Wort) musst. Diese Art von Sex boykottiere ich, weil mir das zu harte Arbeit wäre.“

        Ich finde das durchaus spannend. Die Frage ist ja nicht, ob es für dich harte Arbeit ist, sondern ob es dies für die anderen Männer ist. Es geht ja schließlich um die Masse der Männer bei deinem Boykott, sonst bringt es nichts. Nach meiner Erfahrung haben Männer für Sex schon einiges getan.

        „Ich bevorzuge Sex auf einer Augenhöhe, wo man sich von vornherein einig ist und ich mir da nichts „erarbeiten“ muss.“

        Ja, das ist auch in der Regel besser. Das Faszinierende ist ja: Hat man den ersten Sex mit der Frau ersteinmal gehabt hat man die nötige Vertrautheit eh meist aufgebaut. Bereits der Sex am nächsten Morgen ist meist vollkommen entspannt.

        „Die Anzahl ist überschaubar. Allerdings gibt es ja auch noch andere Dinge, die man mit Frauen machen kann, als mit ihnen Sex zu haben.“

        Alamiert die Presse!
        Worauf ich eigentlich hinaus wollte: Woher weißt du dann, ob sie sich im Bett genau verhalten?

        „Aber auch was Sex angeht kann ich mich nicht wirklich beklagen. Es gibt sie nämlich, die Frauen, die mit mir Sex haben wollen, ohne dass ich sie erst davon überzeugen muss, ohne dass ich mich zu dem Status hocharbeiten muss.“

        Es ist kein hocharbeiten zu einem Status. Da hast du eine meiner Meinung nach falsche Vorstellung.

        „Überhaupt habe ich bei dir den Eindruck, dass (mit vielen Frauen) Sex haben für dich eine Art Lebensziel ist.“

        Ich mag Sex. Ist das schlimm? Ich habe aber keine Kerbenanzahl, die ich vollbekommen muss. Allerdings sehe ich es auch nicht ein, dass ich aus ideologischen Gründen auf Sex verzichten soll, wenn ich weiß, dass sowohl ich als auch die Frau die dahinterstehende Ideologie nicht teilen. Das wäre ja dann eine Lose-Lose-Situation.

        „Deine Frage an mich nach der Anzahl meiner Sexpartnerinnen geht auch in die Richtung, dass Beziehungen zu Frauen nur dann was wert sind, wenn dabei Sex rumkommt.“

        Nein, man kann auch einfach so Freundinnen haben. Aber wir reden hier ja über Sex. Da verhalten sich Menschen unterschiedlich.

        „Hey, es gibt viele Dinge, die viel spannender sind als Sex. Jedenfalls in meinem Leben. Wenn du die nicht kennst … schade für dich.“

        Kenne ich. Aber schließt das eine das andere aus?

        • Ich finde, dass solch eine konsequente Mit-Mir-Nicht-Einstellung oft nur eine Theorie auf dem Papier ist – in der Praxis zeigen dann viele wieder ihr wahres von den Emotionen und Hormonen gesteuertes Gesicht. Man hatte dann , wo man mitten im „Flow“ war – starke Sympathien für das Mädel und wahrscheinlich auch Triebe, sexuelle Bedürfnisse etc. und auch leidenschaftliche Gebe-Laune gehabt, ihr den Abend zu versüßen – da nimmt man dann mal solch ein spielerisch-geflüstertes Nein beim Fummeln und Knutschen in Kauf. Weil ganz ehrlich – wenn man an den nonverbalen Signalen, der äußeren Ausstrahlung erkennt, dass sich hinter dem „Nein“ mehr verbirgt, dann wäre es ganz schön doof wenn man da an seinem Credo („Sie hätte sich klarer ausdrücken können“) verbissen rumklammert und man sich somit etwas entgehen lassen würde. Ich stelle mir dieses Szenario der Nein-Heißt-Nein-Kritiker am Vorabend vor und am danach-folgenden Tag besucht man meinungs-herausposaunenhaft Christians Blog und schreibt wieder quicklebendig – von der gestrigen romantischen Situation gelöst – „Mit mir nicht ! Nein heißt bei mir Nein… hat´se Pech gehabt!““ . Das ist genauso wie „Ich würde NIEMALS wegrennen – wenn Leute in Gefahr sind“ – das sagen alle und das Resultat – viele glotzen weg und haben selbst das Bedürfnis sich in Sicherheit zu bringen. So sind wir halt. Wir wünschen uns gerne – in der Theorie auf dem Papier, die Fähigkeit zu besitzen, alles steuern und kontrollieren zu können und auch ganz genau abschätzen, zu können, wie man reagieren wird- aber da machen wir uns dann auch oft viel vor – weil wir das ganze – aus der Ferne analytisch bewerten und nicht selbst in der Situation sitzen.

          @Johannes:

          „Deshalb sollen sich die Männer ja nach einem „Nein“ zurückziehen. Bei mir heißt „Nein“ immer „Nein“. Ganz starr und dogmatisch. Und ich rufe andere Männer dazu auf das ebenso zu handhaben“

          Der Aufruf wird scheitern – Nach Christian, auch hier mein Veto als Mann. Und es werden noch viele (insbesondere erfahrene) Männer folgen, die ihre eigenen Ansichten über die Verführung haben und die mit solch einem Aufruf nichts anfangen können, weil sie einfach nicht so ein großes Drama darum machen und es bisher auch noch nie zu einer Belästigung gekommen ist – (man muss es halt nur in der Praxis verstehen).

  2. @ Christian
    Ich habe da nur ein Problem. Es ist seit längerem ja erwiesen, dass selbst Männer in diesem Kontext vergewaltigt werden können. Da hast du dann offensichtlich eine Errektion und einen Orgasmus, signaliesierst somit der Frau ein Ja!, obwohl du verbal Nein! sagst.

    Es ist ja auch nicht so, dass sich jeder zur Wehr setzt, das hängt von der Persönlichkeitsstruktur und dem Selbstempfinden, dem Selbstwert ab. Da beißt sich die ET m.E. ins Knie. Diese Männer „wollen“ unbewußt vielleicht den Sex, ist es doch eine Gelegenheit den Samen weiterzubringen, bewußt sagen sie aber, sie wollten in diesem Augenblick keinen und meinen es auch so.

    Folglich bin ich der Meinung, dass bei Außenstehenden ein Nein! immer gelten muss. Im eigenen Umfeld, lassen sich Deutungen in bestimmten Grenzbereichen zu. In der Sexualität, mit einem Partner den man kennt, heißt das reine „Nein“ sicher nicht immer Nein!, sondern da hängt es von der Körpersprache auch ab; wenn dann noch der SM-Bereich dazu kommt, würde ich auch von einem Nein! als Signalwort abraten.

    Bei Sexualpartnern, die man nicht kennt, würde ich ein „Nein“ immer als Nein! akzeptieren. Man weiß nie, wohin es einen führen kann!

    • „Da hast du dann offensichtlich eine Errektion und einen Orgasmus, signaliesierst somit der Frau ein Ja!, obwohl du verbal Nein! sagst.“

      Die Erektion ist ein Signal unter vielen. Es ist sicherlich ein sehr deutliches Signal und ich könnte eine Frau verstehen, wenn sie es als Anzeichen von Erregung sieht. Aber das bedeutet noch nicht, dass sie mit ihm machen darf, was sie will, genauso wie es dies nicht bei Frauen bedeutet (ich meine das deutlich gemacht zu haben). Wenn er beispielsweise sagt, dass er zB seine Frau nicht betrügen will, aber er genießt es sichtbar, dass sie seinen Penis streichelt und er macht keine Anstalten sie wegzuschieben. Sie schaut ihm in die Augen und zieht erst langsam seinen Reissverschluß runter, dann langsam die Hose, kniet sich vor ihm hin bläst ihn, gibt ihm einen leichten Stoß, damit er aufs Bett fällt, setzt sich langsam auf ihn und führt seinen Penis ein, dann kann er sich meiner Meinung nach auch nicht beschweren. Es ist dann eben an ihm deutlich zu machen, dass er es ernst meint, zB indem er mit ernster Stimme sagt „Nein, ehrlich nicht, ich bin meiner Frau treu, lass das bitte“ und deutlich macht, dass er die weitere Stimmulation nicht positiv beurteilt und den Reissverschluß wieder hochzieht.

      Ist ja auch eigentlich nicht so schwer. Ich glaube auch nicht, dass der Mann in meinem ersten Beispiel sich berechtigt beschweren könnte (oder würde)

  3. „Es ist seit längerem ja erwiesen, dass selbst Männer in diesem Kontext vergewaltigt werden können.“

    Ungewollter Sex ist, im Gegensatz zur Auffassung vieler feministischer Rechtsstaatshasser, ungleich Vergewaltigung.

    „Es ist ja auch nicht so, dass sich jeder zur Wehr setzt, das hängt von der Persönlichkeitsstruktur und dem Selbstempfinden, dem Selbstwert ab.“

    ..und es ist leider auch nicht so, dass jeder ein „nein“ über die Lippen bringt. Menschen, die nicht gelernt haben klare Grenzen zu setzen und zu respektieren sind das Problem – Und nicht psychisch gesunde Menschen, die Flirten und Verführen und mit Grenzen spielen.

    „Nein heißt nein“ als Verhaltensnorm löst dieses Problem nicht im Geringsten. Die etwas besser informierten „rape-culture“ – Jünger wissen auch, dass dieser Slogan nicht als Verhaltensvorschrift gemeint war. Er entstand aus der Ablehnung des älteren und ebenso falschen „Nein heißt Ja“

    „Bei Sexualpartnern, die man nicht kennt, würde ich ein „Nein“ immer als Nein! akzeptieren. Man weiß nie, wohin es einen führen kann!“

    Imho zu kurz gedacht: Man sollte eher – nicht nur aus ethischen Gründen – immer ein Mindestmaß an gesunder Persönlichkeit verlangen und sich dessen durch „tests“ vergewissern. Wer keine klaren Grenzen setzen kann ist schlicht nicht Sexfähig.

    Im Gegensatz zu feministischen Vorurteilen besitzen die allermeisten „blöden (nichtfeministischen) Tussies“ genug Persönlichkeit, um klare Grenzen zu setzen, sie können es sich leisten damit zu spielen.

    Sie bedürfen der kitschigen und moralinsauren Zeigefingerpolemik der Patricks gewiß nicht als Schutz.

    • „Im Gegensatz zu feministischen Vorurteilen besitzen die allermeisten „blöden (nichtfeministischen) Tussies“ genug Persönlichkeit, um klare Grenzen zu setzen, sie können es sich leisten damit zu spielen.“

      Das ist auch meine Erfahrung. Die Frau wird im Feminismus im Bereich Sex wesentlich zerbrechlicher dargestellt als sie ist.

  4. Ich kann Christians Beispiele sehr gut nachvollziehen. So etwas habe ich selbst auch oft genug erlebt. Man kann wohl sagen, dass man wohl immer den Einzelfall betrachten und immer wieder neu abwägen muss. Meiner Erfahrung nach ist ein „Nein“, dass auch so gemeint ist, von einem „Nein“, dass „vielleicht“ oder “ streng dich doch noch ein bisschen mehr an“ heißt, meist recht leicht zu unterscheiden ist.

    Nun, Patrick sagt: „Nein, keine Einzelfallentscheidung! Man muss immer auf eine bestimmte Art reagieren und zwar so, wie ich es sage, denn nur das ist moralisch richtig“. Dafür führt er viele gute, auch durchaus nachvollziehbare Gründe an. Dennoch fällt seine Argumentationsweise in ihrer Unbedingtheit und Absolutheit für mich unter „Morbus Germanicus“.

    Dabei hab ich mich selbst eigentlich fast immer an „Nein heißt nein“ gehalten, auch wenn ich genau wusste, dass sie es nicht so meint. Ich hatte einfach keine Lust, über das Stöckchen, dass sie mir hinhält, zu springen. Da kann ich das, was Johannes sagt, gut nachvollziehen.

    Aber ich hab mich nicht immer so verhalten, sondern mal wie in Christians Beispielen, mal hab ich ein „Nein“, dass klar erkennbar nicht so strikt gemeint war, trotzdem als Nein gewertet. Oder aber, ich bin nach dem Motto „Einmal nein, immer nein“ vorgegangen. Teilweise mit interessantem Resultat.

    Eine Frau, die mich interessiert hat, hat mich zurückgewiesen. Ich hab gesagt: ok, gekauft. Daraufhin versuchte sie, nachdem ihr klar wurde, dass von mir Nichts mehr kommt, mich ihrerseits anzubaggern. Ich sagte: Tut mir leid, kein Interesse. Darauf sie: Aber das letzte Mal hattest du Interesse. Ich: Ja, aber das letzte Mal war das letzte Mal und diesmal ist diesmal. Sie: Heisst das, es läuft jetzt gar Nichts mehr? Ich: Genau so siehts aus.
    Und was passierte dann? Sie goss mir ihr Getränk ins Gesicht. Irgendein süßes klebriges Zeug.

    • „Oder aber, ich bin nach dem Motto „Einmal nein, immer nein“ vorgegangen. Teilweise mit interessantem Resultat.“

      Klar, der Freeze out, sei er ernst oder gespielt, verändert die ganze Chemie. Habe ich auch schon gemacht und wirkt durchaus. Aber es ist eben ein recht hartes Mittel, wenn man es nur taktisch einsetzt.

      „Und was passierte dann? Sie goss mir ihr Getränk ins Gesicht. Irgendein süßes klebriges Zeug.“

      Ich kann es mir vorstellen. Patrick allerdings wahrscheinlich nicht.

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