„Über Abtreibungen sollten nur Frauen entscheiden dürfen“

Gerade starten wieder einige Kampagnen zur Abtreibung und zur Werbung für Abtreibung.

Dabei scheint es einigen Frauen sehr wichtig zu sein, dass Männer da irgendwie Schuld sind, jedenfalls aber nicht mitzureden haben.

Und so weiter. „Mein Körper, meine Entscheidung“ ist in der Hinsicht natürlich ein alter Spruch und ich stimme auch zu, dass diese Entscheidung über die Abtreibung bei ihr letztendlich nur die schwangere Frau treffen kann. Eine Abtreibung gegen den Willen einer Schwangeren durchzuführen wäre wohl barbarisch.

Aber etwas anderes ist die Frage der Gesetzgebung zum Abtreibungsrecht. Hier ist es aus meiner Sicht etwas ganz anderes, denn in einer Demokratie werden auch sonst keine Fragen abgespalten, sondern eben alle durch ein Parlament entschieden. Dessen Zusammensetzung obliegt den Wählern, die im übrigen mehrheitlich Frauen sind, dennoch aber beispielsweise in der letzten Wahl mehrheitlich die Parteien gewählt haben, die vergleichsweise wenig Frauen in den Bundestag entsenden (CDU, AFD und FDP haben bei weiblichen wie bei männlichen Wählern über 50% der Stimmen erhalten):

Es ärgert mich um so mehr, weil ich glaube, dass Männer im Großen und Ganzen weitaus liberaler sind, was eine Abtreibung angeht. Sicherlich gibt es hier, ebenso wie bei Frauen religiöse oder sehr konservative, die etwas dagegen haben, aber der typische Mann wird bei einer ungewollten Schwangerschaft eher dafür beten, dass die Frau abtreibt und nicht das Kind austrägt und damit sein Leben nachhaltig durch Unterhalt in erheblicher Höhe, durch Erbansprüche und durch moralische Fragen, wie er nun zu dem Kind steht, belastet. Es dürften weitaus eher Frauen sein, die in diesem Bereich nachdenken, was sie machen und ob es richtig ist, abzutreiben. Denn zum einen haben die Frauen auch medizinische Folgen zu tragen, zum anderen sind sie in vielen Punkten auch ansonsten im Schnitt sensibler und babyaffiner.
Zudem ist die Abtreibung auch eine Spielwiese intrasexueller Konkurrenz: „Eine „ehrbare Frau“ braucht eben keine Abtreibung, sondern nur Schlampen, die herumschlafen und nicht verhüten“ mag eine konservativere Frau sagen, und kann damit betonen, dass sie eben keine Schlampe ist.  Zudem sind eben mehr alte Frauen am Leben als alte Männer und ältere Menschen sind eher gegen Abtreibungen, weil religiöser und konservativer. Eine Frau, die für sich entschieden hat, dass sie nicht abtreiben will, weil sie „kein Leben tötet“ kann ein Interesse daran haben, dass sie gar nicht abtreiben darf oder nur sehr kurz, um die Zeit zu verkürzen, in der man ihr das vorhält, etwa weil es alle für unvernünftig halten.

Das Frauen da weniger liberal sein können zeigen auch diese Umfragen:

“Polls consistently show … that women are more likely than men to support a reduction on the abortion limit. In the 2011 YouGov poll 28% of men supported a reduction, 46% of women did. In the 2012 YouGov poll 24% of men supported a reduction, 49% of women did. In the Angus Reid poll 35% of men supported a reduction in the limit, 59% of women did. In the ICM poll 45% of men supported a reduction to 20 weeks, 59% of women did.”

Other polls have appeared since that article, and they show the same thing. A 2013 YouGov poll on behalf of the University of Lancaster found 26% of men supporting a reduction or ban, versus 43% of women. Interestingly, 53% of women in that survey believed that life begins at conception, against 35% of men – not exactly „every sperm is sacred“, but not too far off.

Eigentlich müssten damit Befürworterinnen einer Lockerung der Abtreibungsvorschriften sehr daran gelegen sein, wenn sie Männer mit ins Boot holen könnten. Es würde schlicht die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass es zu einer Änderung kommt. Und es wäre aus meiner Sicht auch recht einfach:

Würdest du wollen, dass eine Frau, die von dir nach einem One-Night-Stand schwanger ist, das Recht hat abzutreiben?

Ich glaube das würde die meisten Männer schon überzeugen.

Meinetwegen auch:

Deine Frau oder Freundin wurde vergewaltigt und ist schwanger. Sollte sie abtreiben können? Wäre es nicht vorteilhaft, wenn ein Arzt sie darauf hinweisen kann, dass er sich auf dem Gebiet auskennt und da besonders hohe Fachkenntnisse hat?

Oder sogar relativ geschlechtsneutral:

Dein Sohn hat betrunken Sex und das Mädchen ist schwanger. Sollte sie abtreiben dürfen?

Dennoch habe ich so ein „Werben um Männer“ nirgendwo gesehen. Nur die Aufforderung, dass sie lieber den Mund halten sollen.

Ich führe das zum einen darauf zurück, dass die Diskussion gerade von feministischer Seite geführt wird (denn das Recht auf Abtreibung gibt es ja und es dürfte auch nicht so schwer sein über einen Frauenarzt heraus zu finden, wer in dem Bereich spezialisiert ist, selbst wenn diejenigen keine Werbung machen dürfen) und man da eben schwer vom Feindbild man wegkommt. Der Mann muss es verhindern, er verhindert ja sonst auch alles Gute für die Frau. Das Frauen selbst da etwas verhindern, dass ist in diesem Weltbild nur schwer vorstellbar und auch schlechter für die Identitätspolitik, die Gruppenidentität.

Zum anderen dürfte es auch weiter gefasst sein, denn es geht ja nicht nur um das Recht auf Abtreibung, sondern auch um das Recht, dass dieses unhinterfragbare Entscheidung der Frau ist, in die der Mann nicht reinreden darf, und zwar in keine Richtung, weder dafür noch dagegen. Er soll schlicht die Entscheidung der Frau hinnehmen und da bietet es sich an, dass man ihm schon die Grundentscheidung abspricht.

Das ist aus meiner Sicht keine kleine Sache, denn natürlich verändert ein Kind, gerade ein ungewolltes außerhalb einer Partnerschaft, die Sache erheblich. Zum einen führt es dazu, dass ich ein Verhältnis zu einer Frau haben muss, die mich vielleicht gar nicht interessiert und mit der ich nur einmal Sex haben wollte, zum anderen drohen hohe finanzielle Einbuße, die Einfluss auf viele Faktoren im Leben haben, nicht zuletzt auch die Frage, wie ich später ein Familienleben führen kann und was ich von meinen Einnahmen in dieses investieren kann.

Das Recht auf Abtreibung ist insoweit natürlich nicht lediglich ein Frauenrecht, sondern auch ein Männerrecht, es schützt Interessen von Männern, auch wenn sie es nur mittelbar ausüben können.

Gerne wird gegen solche Interessen angeführt, dass Geld doch da nun wirklich nicht wichtig sein dürfte. Es gehe doch auf Seiten der Frau um viel wichtigeres. Aber auch die Frau wird eben eine Abwägung nach Kriterien wie „passt es in mein Leben und will ich das“ durchführen, die genau so „triviale“ Entscheidungsgründe enthält.

Das alleine reicht schon um das Argument, dass es diejenigen, die es betrifft, entscheiden sollen, auszuhebeln. Man könnte es noch weiter führen, indem man darauf abstellt, dass auch genug Frauen nicht schwanger werden können, seien es die Alten, die unfruchtbaren, die Lesbischen oder Asexuellen etc abseits des Rechts auf Abtreibung nach Vergewaltigung etc.

 

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„Punching down“

Intersektionaler Feminismus und Hierarchie zum Wohlfühlen

Einer der Punkte beim intersektionalen Feminismus, der mir neulich wieder aufgefallen ist, ist, dass er einem einen festen Platz in einer Rangordnung beschert. Die jeweiligen OpferPositionen sind stark strukturiert, beispielsweise ist Frau zwar eine OpferPosition, eine ethnische oder rassistische Diskriminierung zu erfahren, ist jedoch eine deutlich stärkere Opfer Position, sodass diese in der Hierarchie über einem stehen.

Ein fester Platz in der Hierarchie, wenn auch nicht ganz oben, kann etwas Beruhigendes sein und einem Klarheit im Leben geben. Gerade dann, wenn es zudem eine Hierarchie ist, in der man sich für den anderen einsetzen und ihm helfen kann vermittelt dies ein ganz klares Bild, ein Auftrag, die man abarbeiten kann. Es kann angenehm sein, sich in bestimmten Positionen unterordnen zu können und klar zu wissen, was man machen soll. Etwas zynisch könnte man sagen, dass die moderne emanzipierte weiße Frau sich eine neue Hierarchie gesucht hat, in der sie Care-arbeit betreiben kann und nicht zu hoch in der Hierarchie steht. Es überrascht mich immer wieder, wie der Feminismus Geschlechter Stereotype wiedergibt. Beispielsweise hat der Feminismus mit den Gender Studies eine Fachrichtung geschaffen, in der es nicht mehr auf Fakten, sondern im Wesentlichen auf Gefühle ankommt, in der es darum geht, dass man Ikea Arbeit für andere leistet, in der man einen klaren Auftrag und eine gehobene ehrenvolle Stellung hat, ohne gleichzeitig Verantwortung übernehmen zu müssen, weil alles die Schuld von anderen ist, die handeln sollen. Man hat eine solide Identität, ist eingeordnet in ein System, steht nicht zu hoch, aber auch nicht zu tief.

Es wäre interessant, einmal genauer zu besprechen, welche Hierarchiepositionen Feministen einnehmen. Gerade weiße Feministinnen müssen insoweit sicherlich Kompromisse eingehen, verbünden sich jedoch gleichzeitig als Allies mit den höchsten Positionen der Opferhierarchie, der sie sich dann entsprechend unterordnen, da die Positionen absolut hierarchisch aufgebaut ist. Dies ergibt sich schon aus der Deutungshoheit und der entsprechenden Staffelung der Diskriminierungsebenen.

Andererseits gelingt es gerade nichtweißen Frauen dann in dieser Subkultur hohe Position zu besetzen, in denen sie verächtlich und besserwisserisch auf andere hinab schauen können, während die Feministinnen mit weniger Diskriminierungsmerkmale aber zumindestens auf Männer etc herunter schauen können.

Das Interessante ist sicherlich, dass alle Nichtfeministen automatisch in der Hierarchie viel weiter unten stehen, weil sie nicht erkennen, dass sie Schaden versursachen und nicht an der guten Sache mit arbeiten. Wer sich in der feministischen Hierarchie einordnet steht damit so hoch, dass er auf alle anderen herabblicken kann, weil diese nicht den Lehren des Feminismus folgen.

Damit erreichen sie häufig einen höheren Rang als sie ihn sonst hätten, selbst wenn die Hierarchie dafür eine wesentlich kleinere Gruppe betrifft und für viele gesellschaftlich nicht so anerkannt ist. Die Gruppenhierarchie passt dadurch, dass sie meinen, sich für andere einzusetzen, ganz hervorragend zu klassischen weiblichen Rollenbildern.

Söhne, die ohne Väter aufwachsen, und Gewalt

Ein Artikel bringt angesichts der neuerlichen Schulschießereien einen interessanten Aspekt:

in the aftermath of tragedies like Charleston or Sandy Hook, Americans hear the shared characteristics of the shooters: typically they are young males who obtained a gun (duh), used drugs (legally or illegally), dropped out of school, and committed or planned suicide as the grand finale to their murders. But to focus on these characteristics is to focus arbitrarily on the 12 to 24 months before the shooting. It ignores the roots of the problem: the household.

As University of Virginia Professor Brad Wilcox pointed out back in 2013: “From shootings at MIT (i.e., the Tsarnaev brothers) to the University of Central Florida to the Ronald E. McNair Discovery Learning Academy in Decatur, Ga., nearly every shooting over the last year in Wikipedia’s ‘list of U.S. school attacks’ involved a young man whose parents divorced or never married in the first place.” His observation is largely ignored.

In contrast, conversations about black-on-black violence often raise the link between broken households (or fatherless homes) and juvenile delinquency. But when the conversation turns to mass shootings, we seem to forget that link altogether.

Now, this isn’t to say that every single mom is doomed to raise a mass shooter. Not every kid who grows up without his father will turn into Roof, and not every mass shooter grew up without his dad. Mental instability can be a product of any number of factors. But to ignore the link between a mass shooter and his fatherless childhood would be to simply ignore the facts. On CNN’s list of the “27 Deadliest Mass Shootings In U.S. History,” seven of those shootings were committed by young (under 30) males since 2005. Of the seven, only one—Virginia Tech shooter Seung-Hui Cho (who had been mentally unstable since childhood)—was raised by his biological father throughout childhood

Dann bringt der Artikel noch andere Zahlen:

But what does any of this have to do with mass shootings? Let’s revisit some those characteristics of mass shooters. Violence? There’s a direct correlation between fatherless children and teen violence. Suicide? Fatherless children are more than twice as likely to commit suicide.Dropping out of school? Seventy-one percent of high school dropouts came from a fatherless background. Drug use? According to the U.S. Department of Health and Human Services, “Fatherless children are at a dramatically greater risk of drug and alcohol abuse.” How about guns? Two of the strongest correlations with gun homicides are growing up in a fatherless household and dropping out of school, which itself is directly related to lack of an active or present father.

It’s no coincidence that, much like the number of fatherless children, the number of mass shootings has exploded since the 1960s. Throughout the entire 1960s, six mass shootings took place. That number doubled in 1970. Heck, 2012 alone saw more mass shootings than the sixties did.

Ich habe keine Ahnung, ob die Zahlen stimmen. Es wäre auch interessant, näher auf die Gründe einzugehen: Geschiedene oder getrennt lebende Kinder dürften gleichzeitig auch ärmer sein, haben einen großen Verlust mit einem gewissen Trauma erlitten (neulich hörte ich, dass die Trennung der Eltern für viele Kinder so traumatisch sein soll, wie der Verlust  eines Bruders oder einer Schwester).

Es muss also nicht per se die Abwesenheit des Vaters sein, sondern schlicht die Abwesenheit eines Elternteils bzw die Änderungen die damit einhergehen.

Und – als alter Biologist muss ich darauf hinweisen – natürlich werden sich auch Väter mit entsprechenden Veranlagungen, die einen Massenmord begünstigen – vielleicht eine gewisse Psychopathie oder soziale Nichtangepasstheit, die sie zum Aussenseiter macht – eher trennen oder eher verlassen werden. Und die Veranlagungen könnten auch bei der Mutter vorhanden sein, weswegen auch diese evtl eher verlassen wird oder verläßt.

Aber jedenfalls ein interessantes Thema. Wer mehr Studien dazu hat, die das etwas näher beleuchten, der kann ja darauf in den Kommentaren hinweisen.

Sparkassen-Kundin klagt auf Anrede in weiblicher Form („Kundin“ statt „Kunde“)

Eine Frau verklagt die Sparkasse, weil sie auf Vordrucken nicht als „Kunde“, also im generischen Maskulinum, angesprochen werden möchte:

Beklagt war dort allerdings nicht FAZ.NET, sondern die Sparkasse Saarbrücken, die in ihren Formularvordrucken vom „Kunden“ oder „Darlehensnehmer“ spricht, nicht aber von der „Kundin“ oder der „Darlehensnehmerin“. Die Vorinstanzen sahen darin kein Problem: Schließlich seien Frauen von diesen Begriffen nach allgemeinem Sprachgebrauch ebenso umfasst wie Männer. Sogar der Gesetzgeber verwende das generische Maskulinum, und was der nicht für nötig halte, das könne von einer einfachen Sparkasse kaum verlangt werden.

Die Klägerin empfindet das freilich anders. „Ich bin heute hier, weil ich eine selbständige Frau bin. Kein Mann zahlt für mich, ich habe allein vier Kinder großgezogen und zahle für mich selbst, aber ich werde von meiner Bank praktisch totgeschwiegen“, sagte Marlies Krämer nach der Verhandlung. Sprache sei Ausdruck von Denken und Fühlen, und beides könne sich nicht ändern, solange sich die Sprache nicht ändere. Dafür kämpft die Achtzigjährige schon lange: In den neunziger Jahren lebte sie mehrere Jahre ohne Personalausweis und sammelte Unterschriften, bis der Bundesrat 1996 beschloss, der Wendung „Unterschrift des Inhabers“ ein „der Inhaberin“ hinzuzufügen.

Marlies Krämer Sparkasse Kundin

Marlies Krämer Sparkasse Kundin

Auf direkt an sie gerichteten Schreiben wird sie entsprechend angesprochen, auf den Formularen aber nicht. Die FAZ dazu:

Nur ihre Formulare will die Bank nicht anpassen. Diese würden vom Sparkassenverlag zentral unter Beachtung bankenrechtlicher Vorgaben erstellt, der insoweit auch das Haftungsrisiko trage. Bei mehr als 800 Vordrucken für verschiedene Verträge, auf deren beiden Seiten sich jeweils ein oder mehrere Männer oder Frauen oder Personen beiderlei Geschlechts befinden könnten, ergäbe sich eine kaum überschaubare Vielzahl denkbarer Konstellationen. Diese würden durch die unlängst erfolgte Anerkennung eines dritten Geschlechts durch das Bundesverfassungsgericht noch einmal zusätzlich verkompliziert.

Ich hoffe, dass der BGH da vernünftig bleibt. Das daraus entstehende Chaos wäre enorm.
Ich habe mal die Urteile der Vorinstanzen rausgesucht, einfach damit man sich die dortige Argumentation mal anschauen kann (nach dem Umbruch):
Ich finde beide Urteile sehr interessant, gerade die zweite Instanz hat eine sehr umfassende Begründung.

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