„Ich habe keine Beweispflicht für meine Erfahrungen“

Auch so ein klassisches feministisches Argument:

Du hast keine Beweispflicht für deine Erfahrungen, aber damit sind sie eben nicht per se objektiv wahr, die Schlüsse die du aus dem, was du meinst erlebt zu haben, sind damit nicht richtig und deine Erfahrungen müssen auch nicht repräsentativ für die Gruppe Frau oder eine andere Gruppe sein.

Vielleicht liegt es schlicht an dir, vielleicht hast du etwas überbewertet oder vollkommen falsch interpretiert, vielleicht ziehst du bestimmte Situationen aus Gründen, die nicht mit deinem Geschlecht zu tun haben, sondern mit dir selbst, an.

Und andere haben eben auch Erfahrungen. Die können deinen entgegenstehen.

Erfahrung sind damit wenig Wert. Interessant ist, ob man sie objektivieren kann, ob Studien zeigen, dass andere Leute das auch empfinden etc.

 

Advertisements

Unterschiede zwischen Männern und Frauen am Gesamtarbeitseinkommen in Deutschland.

 

Geschlechterunterschiede und ihr Verhältnis zu ökonomischen Unterschieden und Gleichberechtigungslevel in verschiedenen Ländern

Eine interessante Studie behandelt Geschlechterunterschiede bezüglich des Eingehens von Risiken und anderer Eigenschaften und das dazu noch in Abhängigkeit von der ökonomischen Lage in dem jeweiligen Land:

Structured Abstract
INTRODUCTION
Understanding determinants of gender differences in economic and social domains has been of interest, both in academic and public debates. Previous research has shown that gender differences in fundamental economic preferences are important in explaining gender differences in economic outcomes, such as for occupational choice, financial investment, or educational decisions, among many others. However, gaps remain in understanding the sources of gender differences in preferences and their variation.
RATIONALE
We contrasted and tested two hypotheses that make opposite predictions concerning the cross-country association of gender differences in preferences with economic development and gender equality. On one hand, the attenuation of gender-specific social roles that arises in more developed and gender-egalitarian countries may alleviate differences in preferences between women and men. As a consequence, one would expect gender differences in preferences to be negatively associated with higher levels of economic development and gender equality (social role hypothesis). On the other hand, greater availability of material and social resources removes the gender-neutral goal of subsistence, which creates the scope for gender-specific ambitions and desires. In addition, more gender-equal access to those resources may allow women and men to express preferences independently from each other. As a consequence, one would expect gender differences in preferences to be positively associated with higher levels of economic development and gender equality (resource hypothesis).

We tested these competing predictions using data on experimentally validated measures of willingness to take risks, patience, altruism, positive and negative reciprocity, and trust for 80,000 individuals in 76 representative country samples. So that the data would be geographically representative, the dataset was chosen so as to include all continents and a broad range of cultures and economic development levels. In total, the data represent about 90% of both the world population and global income.
RESULTS
The data revealed substantial cross-country variation in gender differences in preferences. Gender differences were found to be strongly positively associated with economic development as well as gender equality. These relationships held for each preference separately as well as for a summary index of differences in all preferences jointly. Quantitatively, this summary index exhibited correlations of 0.67 (P < 0.0001) with log GDP per capita and 0.56 (P < 0.0001) with a Gender Equality Index (a joint measure of four indices of gender equality), respectively. To isolate the separate impacts of economic development and gender equality, we conducted a conditional analysis, finding a quantitatively large and statistically significant association between gender differences and log GDP per capita conditional on the Gender Equality Index, and vice versa. These findings remained robust in several validation tests, such as accounting for potential culture-specific survey response behavior, aggregation bias, and nonlinear relationships.
CONCLUSION
The reported evidence indicates that higher levels of economic development and gender equality favor the manifestation of gender differences in preferences across countries. Our results highlight the critical role of availability of material and social resources, as well as gender-equal access to these resources, in facilitating the independent formation and expression of gender-specific preferences.

Quelle: Relationship of gender differences in preferences to economic development and gender equality

Die Studie hat also ergeben, dass bei mehr Wohlstand auch hier die Geschlechterunterschiede größer statt kleiner werden.

Aus den Ergebnissen:

Die

Geschlechterunterschiede Risiko

Geschlechterunterschiede Risiko

Die oberen Grafiken zeigen verschiedene Eigenschaften in ärmeren und reicheren Ländern und die unteren in Ländern mit weniger oder mehr Gleichberechtigung.

Der Trend ist, dass in den Ländern mit besserer Wirtschaft und mehr Gleichberechtigung die Unterschiede ansteigen.

Die Werte generell:

On the global level, all six preferences featured significant gender differences (fig. S1): Women tended to be more prosocial and less negatively reciprocal than men, with differences in standard deviations of 0.106 for altruism (P < 0.0001), 0.064 for trust (P < 0.0001), 0.055 for positive reciprocity (P < 0.0001), and 0.129 for negative reciprocity (P < 0.0001). Turning to nonsocial preferences, women were less risk-taking by 0.168 standard deviations (P < 0.0001) and less patient by 0.050 standard deviations (P < 0.0001) (26). The observed differences in preferences set the stage for our analysis.

Hier ist natürlich zu beachten, dass die Unterschiede global gesehen relativ niedrig sind. Eine Abweichung von 0,064 ist nicht sehr groß, auch bei „Risktaking“ ist der Unterschied mit 0.168 nicht sehr schwerwiegend. Zu bedenken ist hier, dass es natürlich auch davon abhängt, welche Intensität man abruft:

Wenn man beide Geschlechter eine 5 kg Hantel heben lässt, dann stellt man vielleicht keinen großen Unterschied fest, bei einer 80kg Hantel sieht das dann schon anders aus (oder eben vielen Wiederholungen).

Ebenso hängt die Messung der Risikobereitschaft IMHO auch davon ab, welche Risiken man für was eingeht.

Und dann aufgespalten nach Wirtschaft- bzw Gleichberechtigungslevel

. For the individual preferences, the correlation coefficients were 0.51 for altruism (P < 0.0001), 0.41 for trust (P = 0.0005), 0.13 for positive reciprocity (P = 0.2875), 0.40 for negative reciprocity (P = 0.0005), 0.34 for risk-taking (P = 0.0036), and 0.43 for patience (P = 0.0002) (fig. S3). The summary index of gender differences in preferences exhibited a correlation of 0.56 (P < 0.0001) with the Gender Equality Index. Reassuringly, the positive relationship between the index of gender differences in preferences and gender equality was also found for the four individual indicators of gender equality (fig. S4).

Economic development and gender equality are strongly intertwined (11). To isolate the separate impacts of economic development and gender equality on gender differences in preferences, we conducted a conditional analysis. We constructed partial regression plots illustrating the relationship between the index of gender differences in preferences and log GDP per capita conditional on the Gender Equality Index (Fig. 2A) and vice versa (Fig. 2B). The dependent and independent variables were standardized to exhibit a mean of 0 and a standard deviation of 1. Hence, the slope coefficients can be interpreted as the standard deviation change in the dependent variable in response to a change of one standard deviation in the independent variable

Hier ist auch zu bedenken, dass bei kleinen Unterschieden ein Anstieg um einen geringen Wert auch große Veränderungen bringt. Wenn ein Geschäft einen Euro Gewinn macht, dann ist es ein schlechter Gewinn. Wenn es den Gewinn verdoppelt, dann mag das erst einmal gut klingen, aber es bleiben 2 Euro.

Weitere Auswertungen:

 

Und weitere Auswertungen nach:

  • Stand der wirtschaftlichen Entwicklung
  • Geschlechtergleichheit
  • dem WEF Index für den Pay Gap
  • Dem UN Gender Equality index
  • LFP (=Labor Force Participation), Also wie stark Frauen an der arbeitenden Bevölkerung beteiligt sind
  • Zeit seitdem das Wahlrecht für Frauen eingeführt worden ist.

Alle geben so ziemlich da gleiche wieder. In Ländern, in denen nach den feministischen Theorien eigentlich Frauen sich angleichen sollten, weil mehr Gleichberechtigung vorhanden ist, werden die Unterschiede größer.

Siehe auch:

„Frauen haben keine Macht“

Eine der wesentlichen Argumente, warum Männer nicht diskriminiert werden können, ist ja, dass eine Diskriminierung eine strukturelle Diskriminierung sein muss und dazu müsse die Gruppe, die diskriminiert, Macht haben.

Das Verständnis ist, dass Männer die Macht haben und das Macht binär ist, entweder eine Gruppe hat alle Macht oder sie hat keine.

Das ist bereits eine reichlich naive Vorstellung, die so kaum haltbar ist, und auch wenn es schon häufiger Thema war würde ich gerne noch einmal eine Sammlung dazu aufmachen, in welchen Bereichen Frauen macht haben, evtl mit Hinweis auf „Strukturen“:

  • Sie stellen die Mehrheit der Wähler, weil es mehr Frauen als Männer in den meisten Ländern gibt, schon weil Frauen länger leben. So gut wie jede Partei hat auch eine explizite Frauenorganisation, die gerade ihre Interessen absichert
  • Sie haben eine erhebliche Wirtschaftsmacht, weil sei einen Großteil der täglichen Konsumausgaben einer Familie entscheiden, oft auch Urlaubsreisen etc und in den Familien auch sonstige Ausgaben üblicherweise mit ihnen abgesprochen werden.
  • Frauen haben eine Vielzahl von Lobbygruppen, über feministische Vertreter, die Frauenorganisationen, diversen Wohltätigen Gruppen und anderen NGOS, die gerade auf Fraueninteressen ausgerichtet sind
  • Frauen haben mit Gender Studies einen Studiengang, der ideologische Konzepte für sie entwickelt, Studien durchgeführt werden und Leute gerade in Hinblick auf ein Weltbild, in denen der Mann der Schuldige ist, ausgebildet werden. Absolventen dieses Studienganges und Anhänger der dortigen Theorien sind in vielen Schnittstellen der Meinungsbildung, von der Presse bis zu Medien allgemein tätig, bilden dort Netzwerke und sorgen dafür, dass dortige Aktionen Aufmerksamkeit erhalten und innerhalb der gewünschten Strukturen dargestellt werden.
  • Auf vielen Führungsebenen sind Frauen eingesetzt
  • Auch in der Politik werden Kabinettsposten häufig so ausgerichtet, dass eine gewisse Anzahl von Frauen vorhanden ist, die oft über ihrer Beteiligung in den Parteien liegt, eine Frau ist Bundeskanzlerin

 

Ich bitte um Ergänzung

Selbermach Samstag 210 (20.10.2018)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, der ist dazu herzlich eingeladen

„Ich bin eine Frau, habe das Verhalten eines Mannes kopiert und es hat dazu geführt, dass ich gute Resultate erreicht habe“

Eine Frau sieht ein bestimmtes Verhalten bei einem männlichen Coach und plant es zu übernehmen.

Hier ihre Beschreibung des Verhaltens:

Imagine then, my puzzlement watching a leader whose monosyllabic brevity accrues such respect. Paper and pen in hand, I observed Coach Taylor, making note of his phrases. In coaching meetings he would end conversations with the sentence, “We’re not going to do that.” He responded to student concerns with “Nope. Not gonna do it” or “You’re better than this!” “Stay away from dumb, gentlemen,” and “Don’t quit.”

Actors on the receiving end of Coach Taylor’s missives usually respond quite positively and fall in step with him, appreciating his brick wall approach. At home his utterances appear even more brief: to his wife: “don’t ask me that” or “Damn I love you” and to his daughter, “If you’re wondering if he’s thinking about you, he’s not.”

Also kurz angebunden, relativ dominant und mit einer gewissen Autorität und einem hohen Selbstvertrauen.

Ihre Version:

My last name is also Taylor. Sweeping my hair uneasily into a baseball cap, I decided to try to be as “Coach Eric Taylor” as possible for two weeks. I am a five-foot-two white woman with glasses, shoulder-length hair, a wide smile and ready eye contact. I was dubious about this stunt working. Could I truly effect male power?

When students asked for alternatives to the assignment, I swallowed, paused, and said, “Not gonna happen.” They packed up and got the work done as I asked. I met a graduate student who was dragging her feet on her dissertation with, “Do you have what it takes? Then just do it.” She looked dumbfounded but turned a chapter in shortly thereafter. In a faculty meeting, a colleague ventured complex curriculum revision that I would normally have spoken at length against based on my extensive experience as a former associate chair. Instead I let people cast about with questions and concerns and then said, trying not to laugh at its simplicity, “We’re not gonna do it.” The subject was dropped.

Ein anderes Auftreten bringt ihr also auch eine andere Autorität. Was natürlich interessant für viele Fragen ist, etwa Vorhaltungen von Feministinnen, dass Männer eher mit bestimmten Verhalten durchkommen, seltener unterbrochen werden oder was auch immer. Es könnte demnach auch schlicht am Verhalten liegen.

Weiter aus dem Text:

I came to meetings late, and left early. I made jokes. Crucially, I started to meet colleagues for beers more in my faculty association, where I was a member of the council. I was one of the only women, and my status was quickly elevated to one of the power brokers and I joined the executive committee. I believe drinking beer and speaking with more jocularity helped me gain respect. Coach Taylor’s affect was effective for me at work.

Sie lässt sich also auf die anderen ein, gliedert sich ein, wird lockerer und wird akzeptiert. Das kann einen großen Unterschied machen.

Es könnte auch ein Grund sein, warum überzeugte Feministinnen in ihrer Wahrnehmung gestärkt werden, dass Frauen diskriminiert werden. Denn sie sind eben nicht locker, sie vertragen keine Witze, sie sehen in allem einen Angriff auf sich, sie wirken nicht selbstbewußt etc. Wenn sie dann die Ablehnung gegen ihre Person auf ihr Geschlecht beziehen, dann scheint sich ihr Weltbild zu bestätigen.

The same was true at home. I responded to my kids’ entreaties with, “Don’t ask me that.” I opened dinner with, “here’s how it’s gonna go” giving each person a job and no room for argument. Our household is so dialogical, I was afraid no one would fall for it, but they did. Things ran my way.

I noticed many things. I wasn’t co-operating, I was dictating, and I used a lot less energy. No one asked followup questions, there was less negotiation, and I didn’t lose time wondering if everyone was OK with the decisions. Students were more productive, and I was more effective at getting what I wanted. I will never forget that my colleagues, with PhDs and argumentation in their bones, dropped a proposal after I uttered five words. Adopting white male southern swagger was pretty darn effective for getting my way.

Wenn sie jetzt noch darüber hinwegkommt, dass es per se etwas weißes und männliches ist, dann wäre sie einen Schritt weiter. Es hat eher damit zu tun, wie wir auf Autorität reagieren, wie sich Hierarchien bilden etc.

Männern mag dies im Schnitt leichter fallen, aber es wird nicht akzeptiert, weil es männlich ist, sondern weil Hierarchien zu erkennen und zu befolgen (aber auch: unsichere Hierarchien und solche, die keinen Gehalt haben zu erkennen und weniger ernst zu nehmen) eben Teil unserer Natur ist.

So why am I not delivering TED Talks on how women can gain power by imitating white male football coaches on TV? Because this was an experiment in affect, language, demeanour and gender, and one I found deeply saddening. Being a good partner, mother, professor and citizen to me has always meant being deferential, inclusive, transparent about what I am thinking, as concrete and thoughtful as possible in explaining my decisions, and collaborative with students, family and colleagues. But these features are not often respected as signs of good leadership, and they are exhausting to perform. I won’t promote getting one’s way by force and intimidation. I won’t promote the silencing of dissent through verbal muscularity.

Aber natürlich ist es doch wieder toxische Männlichkeit. Das viele Menschen, nicht nur Männer, verschiedene Gesprächsstile erfolgreich kombinieren, Autorität wenn es sinnvoll ist, aber auch kritische Stimmen zulassen und Leute andere Meinungen haben lassen, wenn eine Frage ausdiskutiert werden muss, darauf scheint sie gar nicht zu kommen. Auch hier wird der Mittelweg oder eher das gezielte Einsetzen beider Strategien häufig der beste Weg sein.

Natürlich ist es auch okay, wenn sie sich so nicht wohlfühlt ihren eigenen Stil zu praktizieren.

Interessant ist aber, dass sie da auch zugesteht, dass so vieles produktiver war als bei ihrem Führungsstil.

Wobei es eben in dem Bereich sehr viele Führungsstile gibt: Von Autoritär und diktatorisch bis zu väterlich betreuend. Es ist schade, dass sie es so wenig von dem Geschlecht trennen kann.