Svenja Flaßpöhler zu #MeToo: Wir dürfen nicht alle Probleme den Männern in die Schuhe schieben.

Svenja Flaßpöhler hat sich zu #Metoo geäußert:

DIE ZEIT: Frau Flaßpöhler, Sie sprechen in Ihrer Streitschrift wie selbstverständlich vom „Postpatriarchat“. Ist es schon so weit?

Svenja Flaßpöhler: Rechtlich ist das Patriarchat vorbei. Männer und Frauen sind vor dem Gesetz gleich. Es gibt Kitas und Männer, die sich an der Reproduktionsarbeit beteiligen. Und wenn ich mir speziell die #MeToo-Debatte ansehe, muss ich sagen: Frauen haben heute weit mehr Möglichkeiten, als sie faktisch nutzen. Deshalb möchte ich dazu ermutigen, diese Möglichkeiten zu sehen, anstatt zwanghaft an der Opferrolle festzuhalten.

Das wäre in der Tat ein guter Start. Aber natürlich etwas, was Feministinnen gar nicht in den Kram passt. Denn sie sehen ja weniger eine Opferrolle als Privilegierte, die man dazu bringen muss, von ihren Privilegien Abstand zu nehmen. Und sie werden darauf hinweisen, dass es nicht Aufgabe der Frauen ist, dafür zu sorgen, dass sie nicht mehr belästigt werden, sondern eben Aufgabe der Täter.

Was allerdings im Endeffekt auch nur Rechtfertigungen einer starken Passivität sind.

ZEIT: Viele Verfechterinnen dessen, was Sie als Hashtag-Feminismus kritisieren, sind in genau dem Glauben aufgewachsen, alles sei möglich für Frauen. Umso größer ist die Empörung, wenn man irgendwann feststellt, dass Chefs immer noch überwiegend männlich sind und was sich Männer nach wie vor an sexuellen Übergriffen herausnehmen. Warum sollen wir altmodische Verhältnisse nicht anprangern?

Ihr könnt sie bei den Männern, die tatsächlich sexuell übergriffig sind anprangern. Aber wenn eure Chefs männlich sind, dann wäre es eher interessant zu fragen, was sie anders machen als viele Frauen. Wenn es Überstunden, das passende Studienfach, die Bereitschaft, für die Karriere auch weitere Fahrtstrecken auf sich zu nehmen oder ähnliche Faktoren sind, dann müsst ihr Frauen auffordern nachzuziehen, wenn ihr mehr Frauen an der Spitze sehen wollt. Was ihr nicht machen solltet ist einfach Männer als Gruppe dafür verantwortlich machen.

Flaßpöhler: Es wäre töricht, die Augen davor zu verschließen, dass wir auch heute noch mit Sexismus und männerdominierten Strukturen konfrontiert sind. Auch den Gender-Pay-Gap, die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern, gibt es. Solche handfesten Ungleichheiten sind aber in den aktuellen Debatten nicht zentral. Stattdessen konzentriert man sich auf etwas, das die Medien aus aufmerksamkeitsökonomischen Gründen interessanter finden: „sexualisierte Gewalt“. Damit ist von Vergewaltigung bis zu verbaler Belästigung alles gemeint. Anstatt zu differenzieren und zu schauen, wo Frauen Handlungsoptionen hätten, wird behauptet, wir würden systematisch unterdrückt. Das ist unterkomplex und macht Frauen klein, anstatt sie zu stärken. Zielführender wäre, sich zu fragen: Was tragen wir auch selber zu unserer unterlegenen Position bei, zum Beispiel durch Gefälligkeit und fehlenden Mut zur Autonomie? Sonst reduziert sich feministische Kritik auf eine Kritik des Mannes. Mir fehlt hier weibliche Vertikalspannung, der Wille, auch an sich selbst zu arbeiten.

„Weibliche Vertikalspannung“ ein interessanter Begriff. Er scheint hierher zu kommen:

Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist Rainer Maria Rilkes Sonett

Archaïscher Torso Apollos: Wir kannten nicht sein unerhörtes Haupt darin die Augenäpfel reiften. Aber sein Torso glüht noch wie ein Kandelaber, in dem sein Schauen, nur zurückgeschraubt, sich hält und glänzt. Sonst könnte nicht der Bug der Brust dich blenden, und im leisen Drehen der Lenden könnte nicht ein Lächeln gehen zu jener Mitte, die die Zeugung trug. Sonst stünde dieser Stein entstellt und kurz unter der Schultern durchsichtigem Sturz und flimmerte nicht so wie Raubtierfelle; und bräche nicht aus allen seinen Rändern aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle, die dich nicht sieht. Du mußt dein Leben ändern.” Rainer Maria Rilke: Archaïscher Torso Apollos, aus dem Zyklus Der Neuen Gedichte Anderer Teil, 1908“

Sloterdijk wählte den letzten Satz des Sonetts aus, um seinen Text über den metanoischen[1] Imperativ den Titel zu geben. „Du musst Dein Leben ändern“ ist für ihn die Zusammenfassung Verdichtung und Eindampfung aller religiösen Lehren, Übungsanleitungen und Trainings die den Menschen auf seine „vertikalen Spannungen“ hinweisen und ihn erinnern sich seiner Möglichkeiten bewusst zu werden, über sich hinauszuwachsen und letztlich „mit einem Gott“ zu trainieren. So könne die vertikale Leistungsspannung als Ausdruck eines inhärenten Willens im Individuum zur Selbstoptimierung führen. Inhärent ist diese aber nur bei jenen Individuen, die sich in ihren jeweiligen Disziplinen als Pioniere oder Rekordhalter platzieren können. Unter „Vertikalspannungen“ können also alle Anstrengungen und damit Anspannungen von Menschen verstanden werden, die einer nach oben gerichteten, also vertikalen, Richtung nachzukommen versuchen. Möglich würde dies, durch die Freisetzung von Wachstumsimpulsen die, die eigenen Entwicklungstendenzen aufkommen ließen. Erst durch die „Vertikalspannungen“ gerieten Menschen unter das Diktat des Anspruchs, der sie dazu aufruft, sich zu vervollkommnen, der sie zu Höchstleistungen anspornt, der sie zum Üben brächte. Die „Vertikalspannung“ steht im Gegensatz zu einer etwaigen horizontalen Entspannung, die etwa im Sinne einer pandemischen Trivialisierung, des Behagens in der Kultur unterwegs ist. Die vermeintliche Rückkehr der Religion nach der Postmoderne wird von Sloterdijk dahingehend analysiert, dass Religion schon immer ein Teil einer „allgemeinen Disziplinik“ gewesen sei, dass es eigentlich keine Religion gebe, sondern dass „spirituelle Übungssysteme“ Religion genannt worden seien.[2] Diese Behauptung, die nicht religionskritisch verstanden werden will, ist eine der Hauptaussagen des Buches. Das Aufkommen religiöser Praktiken analysiert Sloterdijk als das Bedürfnis nach einem Austritt aus den „Vereinigten Staaten der Gewöhnlichkeit“ und dem Bedürfnis nach einer Unterscheidung von dem, was in der Welt ist.[3] Religionen bzw. religiöse Systeme sind nach Sloterdijk „Übungssysteme“ die eine ihnen eigene Zuständigkeit für „Vertikalspannung“ aufweisen.

Also der Wunsch, sich selbst zu optimieren und sich zu verbessern. Das wäre in der Tat eine große Umstellung von der Opferhaltung hin zu der Frage, was Frauen anders machen müssten, um die Positionen zu erreichen, die Männer momentan haben.

ZEIT: Sie argumentieren selbst nicht sozialpolitisch, sondern beschreiben eine durch Negativität gezeichnete Sexualität von Frauen. Warum?

Flaßpöhler: Weil ich zeigen möchte, inwiefern der Hashtag-Feminismus patriarchale Denkmuster reproduziert. Kulturgeschichtlich hat man das weibliche Begehren passiv und negativ gedacht. Freud fand, der Ausdruck „weibliche Libido“ lasse „jede Rechtfertigung“ vermissen. Und schon Rousseau hat in Emile ausgeführt, dass sich die Sexualität der bürgerlichen Frau durch das Nein-Sagen ausbilde. Diese Logik der Negativität findet man im heutigen Hashtag-Feminismus wieder. Bei #MeToo ist nur der Mann begehrend, das Begehren der Frau bleibt auffällig leer. Und wenn eine Kampagne wie „Nein heißt Nein“ glaubt, in diesem Slogan offenbare sich die reine Lehre der Emanzipation, übersieht sie, dass auch das Patriarchat aus ihm spricht.

Eigentlich schade, sie hat viele interessante Ansätze, und dann ist es doch wieder das Patriarchat. Wobei ich ihre Art des Feminismus jederzeit dem heutigen vorziehen würde. Denn er versucht immerhin keine Opferposition einzunehmen und vertritt eine Pflicht zur Selbstverbesserung.

ZEIT: Was wäre eine positive Weiblichkeit?

Flaßpöhler: Mindestens so wichtig, wie das Nein der Frau zu stärken, wäre es, sie in die Potenz, eine aktive, offensive Sexualität zu bringen. Eine potente Frau begreift sich nicht als Spiegel des Mannes, sondern verfügt über ein eigensinniges Begehren. Sie erschöpft sich nicht darin, dem Mann zu gefallen, und sie schiebt ihm auch nicht die Schuld für ihre eigene Passivität zu. Eine potente Frau wertet die Sexualität des Mannes nicht ab, sondern die eigene auf. Sie hasst den Mann nicht für seinen Willen, sondern befreit den ihren aus der jahrhundertelangen Latenz. Mein Anliegen ist es, Frauen zur Aktivität zu ermutigen, nicht nur im Sexuellen, sondern aus dem Sexuellen auch ins Existenzielle, ins Berufliche hineinwirkend.

Frauen zur Aktivität zu ermutigen, nicht passiv sein, nicht die Schuld einfach beim Mann suchen.

Das sind Worte, wie man sie gerne häufiger aus dem Feminismus hören würde. Leider habe ich meine Zweifel, dass sie sich gegen den Opferfeminismus durchsetzen können wird. Denn an sich selbst arbeiten ist harte Arbeit, zu fordern, dass Männer endlich auf ihre Privilegien verzichten ist hingegen sehr einfach.

ZEIT: Wie sollte an etwas Subtilem wie Begehren ein Manifest wie Ihres etwas ändern?

Flaßpöhler: Es hilft eine Menge, sich klarzumachen, inwiefern ich kulturhistorische Zuschreibungen in mir trage und inwiefern ich heute, in einer rechtlich gesehen freien Gesellschaft, Möglichkeiten habe, diese Zuschreibungen aufzubrechen. Leider verpasst #MeToo diese Chance bisher. Es ist tatsächlich auffällig, dass diese Initiative alles von den Männern beziehungsweise vom Staat, aber nichts von den Frauen selbst verlangt.

Sie schaut auf die freieren Zustände und meint, das man diese doch nutzen kann und den alten Ballast abwerfen muss.

Der Opferfeminismus begründet die Unterschiede aus dem alten Ballast, der quasi Schicksal ist und der dem Einfluss des Einzelnen quasi enthoben ist, der nur durch die Gesellschaft als Ganzes geändert werden kann.

Wie sehr man sich mit der zweiten Haltung selbst lähmt und wie sehr man dort Verantwortung abgibt wird dort immer wieder ausgeblendet.

ZEIT: Die Debatte besteht eben ganz wesentlich in einer Kritik an Machtunterschieden.

Flaßpöhler: Aber warum soll es unmöglich sein, sich einem übergriffigen Chef gegenüber autonom zu verhalten? Klar riskiert eine Frau etwas, wenn sie es ablehnt, mit ihm zu schlafen oder Pornos zu gucken. Aber es war noch nie einfach, Selbstbestimmung nicht nur zu fordern, sondern konkret zu leben. Autonom zu handeln heißt, Widerstände zu überwinden. Gelebte Autonomie würde auch die Solidarität unter Frauen stärken. Es gibt natürlich Frauen, die sich beispielsweise in extrem prekären Situationen befinden und sich rein materiell nicht leisten können, sich in bestimmten Situationen zu wehren. Als ältere und selbstbewusstere Frauen sind wir aufgerufen, uns vor sie zu stellen. Wenn wir es nicht tun, ist das kein Zeichen von Unterdrückung, sondern von Feigheit.
„Ich wäre dafür, dass wir aufhören, uns schwächer zu machen“

Das muss einer intersektionalen Feministin schon etwas ketzerisch vorkommen. Schließlich müssen die Männer sich ändern, damit sie eben nicht mehr übergriffig sind oder Chefs oder was auch immer für Privilegien vorliegen. Die Frau muss erst einmal gar nichts machen. Und es gar als Feigheit zu titulieren, das erfüllt den Tatbestand des Viktimblaming.

ZEIT: Das Miese an sexistischer Abschätzigkeit ist doch aber nicht, dass man nichts dagegen tun könnte, sondern dass sie gezielt eingesetzt wird, um Frauen zu Unterlegenen zu machen.

Alles ist Macht. Und Männer wollen nicht etwa Sex, wenn sie eine Frau anmachen oder übergriffig werden, sie wollen nur die Frauen an sich klein halten und unterdrücken.

Frauen. Sind. Opfer.

Flaßpöhler: Das Problem ist, dass Frauen oft in stummer Passivität verharren und dann, wenn alles vorbei ist, ein #MeToo nachschieben. Ist das wirklich das Verständnis von Selbstermächtigung, das wir unseren Töchtern mitgeben wollen? Halt still und beklag dich hinterher? Wenn der Hashtag-Feminismus den Effekt haben sollte, dass wir konkret in solchen Situationen eine selbstbewusste Weiblichkeit entgegensetzen, wäre viel erreicht. Immerhin tragen auch Männer eine jahrhundertealte Geschichte in sich. Die Geschlechter müssen sich befreien, indem sie sich gegenseitig zeigen, an welchen Punkten sie Gefangene der Vergangenheit sind.

Und jetzt auch noch das: Auch Männer haben eine Last, eine jahrhundertealte Geschichte, die sie in sich tragen.

Als wären sie auch Opfer. Wobei: Dass der Feminismus auch den Männern nützt, in dem er ihnen erlaubt toxische Männlichkeit abzubauen, wäre ja Teil der modernen feministischen Lehre. Aber wahrscheinlich nicht in dieser Form. Da gibt es im modernen Feminismus keine Handlungsaufforderung an Frauen, sondern eben nur an die Männer.

ZEIT: Nur warum sollen Frauen schon wieder die Kohlen aus dem Feuer holen? Die „passive Frau“ ist ein Bild aus dem 19. Jahrhundert. Inzwischen bezahlen Frauen seit Jahrzehnten die Angleichung ihres Status mit Gefühlsarbeit. Sie leisten mehr Familienarbeit als Männer und auch emotionale Arbeit: lächeln, damit er sich nicht gekränkt fühlt, Situationen, in denen ein Typ übergriffig wird, freundlich abmoderieren. Deshalb beeindruckt es mich, dass Frauen unter #MeToo signalisieren: Jetzt seid ihr mal dran! Nehmt Rücksicht, sonst habt ihr soziale Sanktionen zu erwarten.

„Warum soll die Frau wieder die Kohlen aus dem Feuer holen“ ist eine interessante Frage, wenn sie in der Darstellung des Feminismus vollkommen unterdrückt und entrechtet ist.
Etwa so als würde ein Sklave fragen: „warum soll ich eigentlich diese Ketten öffnen, der hat sie doch dran gemacht, das ist doch etwas viel Arbeit, das auch noch von mir zu verlangen“.

Und sie sagt ja oben gerade: Befreie dich aus dem, was du als alten Ballast ansiehst und mache das, was du machen willst. Was dann anscheinend weniger „emotionale Arbeit“ ist und mehr Erwerbsarbeit. Ob das so der Realität entsprechen würde, wäre eine andere Frage.

Flaßpöhler: Aber so eine Sanktionslogik ist doch eine zutiefst männliche Strategie, die zu einer Verhärtung statt einer Entwicklung des Geschlechterverhältnisses führt. Da wird der Mann verdinglicht zu einem übergriffigen Wesen. Diese Vergeltungslogik lehne ich ab. Sie haben völlig recht, die Frau ist mehr für den Beziehungsraum zuständig, für die Gestaltung von Atmosphären. Aber Frauen reproduzieren diese Zuständigkeiten doch auch selbst. Glauben Sie wirklich, dass Frauen, die nach der Geburt des ersten Kindes plötzlich im Privatraum verschwinden, anstatt sich um ihre Karriere zu kümmern, alle Opfer des patriarchalen Systems sind? So eine Haltung ist selbstgefällig.

Das ist eine schöne Antwort (mit Abzug von „eine zutiest männliche Strategie“). Auch hier wieder würde ich Frau Flaßpöhler mehr Einfluss im Feminismus wünschen. Die klare Ablehnung einer Sanktionslogik, der Verwurf den Mann zu Unrecht allgemein der Übergriffigkeit zu beschuldigen, die Klarstellung, dass Frauen ebenfalls bestimmte Rollen suchen und wollen und nicht nur in sie hinein gedrängt werden, weil die Männer so böse sind.

Interesektionale Feministen müssen sie hassen.

ZEIT: Die Geschichten, die unter #MeToo erzählt wurden, dienen aber auch dazu, Männern zu erklären, was da erlebt wird auf der anderen Seite.

Flaßpöhler: Erklärungen finde ich ja richtig. Wir müssen uns austauschen, woher sollen Männer sonst wissen, wie es sich anfühlt, eine Frau zu sein, und umgekehrt? In dem Moment, wo der Diskurs aber über eine dritte Position läuft, nämlich die Öffentlichkeit, ist das wie bei einem Paar, das nur noch über seinen Anwalt kommuniziert.

Ich denke in der Aussage der Zeit ist es so gemeint, dass Männer bestimmte Sachen erklärt werden, damit sie dann ihr Verhalten umstellen und allgemein Buße tun.

Bei Flaßpöhler wird daraus ein echter Informationsaustausch, bei dem man dem anderen bestimmte Sachen über sich mitteilt und dieser seine Sicht der Dinge darstellen kann.
Bei dem intersektionalen Feminismus eben die Mitteilung von oben: Ihr seid sündig, ändert euch.

Bei Faßpöhler die Mitteilung: Wir finden dies oder das nicht gut, wie seht ihr es und was können wir machen?

Also eine wesentlich respektvollere Haltung auf Augenhöhe statt Vorschriften von oben

Auch unvorstellbar im intersektionalen Feminismus.

Nicht mehr von der Anklagebank etwas verlangen, sondern miteinander reden.

Flaßpöhler: Man kann natürlich die These vertreten, Männer hätten gar kein Interesse an weiblicher Selbstermächtigung, weil sie die Macht dann nicht mehr allein hätten. Die Furcht vor der potenten Frau ist tatsächlich alt, denken Sie an die Geschichte der Medusa, der Gorgonen-Tochter, die geköpft wird, weil sie Männer verführt. Andererseits resultiert die männliche Furcht etwa bei Freud ja genau aus dem Mangel zwischen den Beinen der „kastrierten“ Frau. Wenn sich die Geschlechter also gleich potent begegnen, gewinnen Männer ganz offensichtlich auch. Mal ganz abgesehen davon, dass frustrierte Frauen eine ganz eigene Form der Gewalt entwickeln. Simone de Beauvoir schrieb schon in den 1940er Jahren, dass Frauen alles daransetzten, „den Mann zu verstümmeln“ und „in ihr Gefängnis hineinzuziehen“. Kann man als Mann auch gut drauf verzichten, oder?

Einer intersektionalen Feministin fällt der Widerspruch wahrscheinlich gar nicht auf, dass sie einerseits den Mann als unantastbaren immer begünstigten Teil der Gesellschaft sieht, dem man aber gleichzeitig verächtlich Befehle zur Änderung seines Verhaltens geben kann, die er demütig umsetzen muss.

Das Konzept der Augenhöhe muss einer intersektionalen Feministin damit gleich doppelt merkwürdig vorkommen:

Der Mann der alle Macht hat, redet nach der einen Sichtweise niemals mit ihr auf Augenhöhe, er nutzt die Frau ja aus und übt Macht über sie aus.

Und dem wohlgesonnenen Mann auf Augenhöhe begegnen statt ihn als unterwürfigen Ally zu sehen, wie soll das denn gerecht sein?

Und dann noch die Idee, dass Frauen gewalttätig sind.

ZEIT: Es geht also bei „Potenz“ nicht darum, sich zu verhärten gegen den anderen?

Flaßpöhler: Natürlich gab es revolutionäre Prozesse, in denen sich Gruppen, um Widerstand zu leisten, verhärten mussten. Aber wir leben doch heute in einer Wirklichkeit, die von Frauen aktiv mitgestaltet werden kann. Insofern wäre ich entschieden dafür, dass wir aufhören, uns schwächer zu machen, als wir sind. Stattdessen sollten wir endlich die werden, die wir sein wollen, und das Mögliche im Wirklichen realisieren.

Das Problem ist, dass viele Frauen schon das sind, was sie sein wollen. Nur wollen sie eben häufige als Männer gar nicht in Führungspositionen sein, sondern lieber einen normalen Job haben, gegebenenfalls mit Halbtagsjob, wenn die Kinder da sind.

Dennoch: Eine sehr positive Botschaft.

Ihr Buch klingt insofern gar nicht so uninteressant. Hat es schon jemand gelesen?

73 Gedanken zu “Svenja Flaßpöhler zu #MeToo: Wir dürfen nicht alle Probleme den Männern in die Schuhe schieben.

  1. Kulturhistorische Zuschreibungen trägt sie also in sich.
    Wenn ich ne Latte hab, dann bin ich zumindest so ehrlich das als Biologie zu begreifen.
    Und wenn die tropft, dann ist das auch nicht mehr.
    Nurture is a lie.

  2. Das ist tatsächlich mal eine interessante, unkonventionelle Position.
    Klar, die Dämonisierung des Männlichen wird wie selbstverständlich mitgenommen, aber resultiert nicht (wie sonst meist) gleich auch in der Entmenschlichung von Männern.
    Was die praktischen Auswirkungen angeht, scheint mir das alles ein Standpunkt zu sein, mit dem sich wesentlich besser arbeiten ließe. Natürlich nicht perfekt, natürlich nicht frei von Sexismus, aber ein Quantensprung im Vergleich zu dem, was bislang den Diskurs dominiert. Würde mich freuen, wenn sie in der Bewegung an Einfluss gewinnen würde.

    Allerdings…

    „denken Sie an die Geschichte der Medusa, der Gorgonen-Tochter, die geköpft wird, weil sie Männer verführt.“

    … wird Medusa aus rein sachlichen Erwägungen geköpft. In ein Monster verwandelt wurde sie tastächlich wegen ihrer vorherigen Attraktivität, aber von der weiblichen Göttin Athene, die ihr übel nahm, von Poseidon vergewaltigt worden zu sein. Ein Punkt, den man in einer solchen Geschlechterdebatte schon wissen sollte.

    … Ja, hat mit dem Artikel wenig zu tun, aber da wurde ich als Monster-Mythologie-Nerd getriggert. 😉

    • Das Triggering ist hier mehr als berechtigt. Mal wieder ein wunderbares Beispiel, wie man sich beliebig Beispiele für Frauenbenachteiligung zusammenstricken kann, wenn man nur alles möglichst ohne jeden Kontext zusammenklaubt und dann noch mit weitgehend kontrafaktischen Eigeninterpretationen ausschmückt.

      Wäre mir auch neu, dass der Grund für ihre Enthauptung der war, dass sie Männer verführt habe. Meine Vorstellung von Verführung sieht irgendwie anders aus, als gleich beim ersten Date bzw. Blickkontakt zu Stein zu erstarren.

  3. Ich habe das Buch vor einigen Tagen gelesen, weil ich in der taz auf einen Artikel von ihr gestoßen bin. Insgesamt bin ich positiv überrascht von dem Buch. Sie verfolgt einen kooperativen Ansatz, den ich im aktuellen Diskurs als sehr hilfreich erachte. Und sie lenkt den Blick weg vom Mann (und dessen scheinbar mannigfaltigen Verfehlungen).

    • Zu früh abgeschickt …
      Es geht ihr um die Frau, deren Potenz im Sinne von „Möglichkeit zur Entwicklung“. Das ist eine Sichtweise, die der dritten Welle vollkommen fremd ist. Dort existiert die Frau nur innerhalb der Gitterstäbe des Mannes. Außerdem greift sie auf interessante Ansätze aus der zweiten Welle zurück. Da das ein absolut blinder Fleck für mich ist, hab ich mir nach der Lektüre vorgenommen, dort weiterzulesen.

      • „Potenz im Sinne von „Möglichkeit zur Entwicklung“.“

        Was heißt das bei ihr genauer?
        Seit Jahrzehnten werden Frauen dauerbeschallt, sie sollen sich „empowern“, sie dürften alles, hätten sogar ein Recht darauf (you can have it all) etc. Also Appelle, die „Möglichkeit zur Entwicklung“ wahrzunehmen, gibt es massenhaft, das ist nichts neues. Trotzdem gibt vermutlich auch heute so gut wie keine Frau einem Mann an der Bar ein Bier aus, um ihn kennenzulernen, oder macht sonst einen ersten Schitt bzw. geht ins Risiko.

        Geht sie darauf ein, warum die ganze Empowerungsindustrie, die ja das gleiche will wie sie, in der Praxis nichts bewirkt hat? Ansonsten würde sie nur die gleichen alten Predigten halten.

        • Bedienen wir uns doch mal bei Leszeks Beitrag vom Selbermachsamstag.

          So schrieb zum Beispiel die anarchistische Frauenrechtlerin Emma Goldman:

          „Frauen verehren Fetische noch viel mehr als Männer, und auch wenn ihre Idole vielleicht wechseln, bleiben sie stets auf den Knien, die Hände erhoben und die Augen verschlossen vor der Tatsach, dass ihre Gottheit nicht ohne Makel ist. So ist die Frau seit Urzeiten die größte Unterstützerin aller Gottheiten. Und so hat sie auch den Preis dafür zahlen müssen, den nur Gottheiten einfordern können – ihre Freiheit, ihr Herzblut, ihr Leben.
          Nietzsches denkwürdige Maxime “Wenn du zum Weibe gehst, vergiss die Peitsche nicht” wird gemeinhin als äußerst brutal interpretiert, dabei drückte Nietzsche damit in einem Satz die Einstellung der Frau zu ihren Gottheiten aus.

          Die Religion, insbesondere die christliche, hat die Frau zu einem Leben in Unterdrückung und Sklaverei verdammt. Ihre Natur wurde entstellt, ihre Seele gefesselt, und dennoch gibt es keine eifrigere, ergebenere Unterstützerin der christlichen Religion als die Frau. Tatsächlich lässt sich sicher sagen, dass Religion im Leben der Menschen schon längst keine Rolle mehr spielen würde, wenn sie nicht auf die Unterstützung der Frauen zählen könnte. Die leidenschaftlichsten Mitarbeiterinnen der Kirche, die unermüdlichsten Missionarinnen der ganzen Welt sind Frauen, die sich stets am Altar jener Gottheiten opfern, die ihren Geist in Ketten gelegt und ihren Körper versklavt haben.

          Der Krieg, dieses unersättliche Monster, beraubt die Frau aller, die ihr lieb und teuer sind. Er nimmt ihre Brüder, ihre Liebhaber, ihre Söhne, und gibt ihr dafür ein Leben in Einsamkeit und Verzweiflung. Und trotzdem ist die Frau die eifrigste Unterstützerin und Verfechterin des Krieges. Sie ist es, die ihren Kindern mit ihren Erzählungen die Vorliebe für Eroberungen und Macht einflößt, die ihnen Geschichten vom glorreichen Krieg ins Ohr flüstert, (…). Und es ist auch die Frau, die den Sieger bei seiner Heimkehr vom Schlachtfeld krönt. (…)

          Und dann ist da das Zuhause. Was für ein schrecklicher Fetisch das ist! Wie es sämtliche Lebensenergie aus der Frau saugt, – dieses moderne Gefängnis mit Gitterstäben aus Gold. Sein Glanz macht die Frauen blind, für den Preis, den sie als Ehegattin, Mutter und Hausfrau zahlen. Dennoch hängt die Frau hartnäckig an ihrem Zuhause, an der Macht, die sie in ihrer Hörigkeit hält. ”

          (aus: Emma Goldman – Woman Suffrage, 1910)

          • Ja, das schrieb meine Genossin Emma Goldman (1869 – 1940). Emma Goldman war Anarcho-Kommunistin, Frauenrechtlerin und linke Nietzscheanerin.

            In dem Artikel kritisierte sie u.a. Einstellungen in Teilen der damaligen US-amerikanischen bürgerlichen Frauenbewegung, die ihrer Ansicht nach den Eigenanteil von Frauen an gesellschaftlichen Mißständen ausblendeten und verwendete dabei in stilistischer Hinsicht z.T. etwas drastische Formulierungen.

            Sie kritisiert in dem Text übrigens auch Männerfeindlichkeit in Teilen der damaligen bürgerlichen Frauenbewegung. So schrieb sie bezüglich eines bestimmtes Typus bügerlicher Frauenrechtlerinnen:

            „Die Frau möchte die gleichen Rechte haben wie der Mann, aber sie ist entrüstet, dass er in ihrer Gegenwart nicht tot umfällt: Er raucht, behält den Hut auf dem Kopf, springt nicht gleich von seinem Platz auf wie ein Lakai.“

            (aus: Emma Goldman – Woman Suffrage, 1910)

            „In ihrer überschwänglichen Einbildung sieht sie selbst nicht, wie versklavt sie in Wirklichkeit ist, nicht so sehr durch den Mann, sondern durch ihre eigenen dummen Ideen und Traditionen.“

            (aus: Emma Goldman – Woman Suffrage, 1910)

            Emma Goldman war übrigens keineswegs Gegnerin von Mutterschaft oder heterosexueller Partnerschaft, wie der letzte Absatz des in Phasendrescher DLC´s Kommentar gepostetem Zitat vielleicht fälschlich vermuten ließe, in einem anderen Artikel verteidigt sie das Recht jeder Frau auf Mutterschaft und heterosexuelle Partnerbeziehung.

            Emma Goldman:

            „Es ist heute für die Frau notwendig geworden, sich von der Emanzipation zu emanzipieren, will sie wirklich frei sein. Das mag paradox klingen, ist jedoch nur zu wahr.
            (…)
            Die Frauenrechtsbewegung hat sicherlich viele alte Fesseln gesprengt, gleichzeitig jedoch zum Entstehen neuer beigetragen. Die große, wahre Frauenrechtsbewegung hat nur wenige Anhängerinnen gefunden, die der Freiheit furchtlos ins Gesicht sehen konnten. Ihre bornierte und puritanische Einschätzung der Bewegung verbannte den Mann als Störenfried und zwielichtigen Charakter aus ihrem Gefühlsleben. Um keinen Preis wurde der Mann toleriert, außer vielleicht als Vater eines Kindes, da ein Kind ja schlecht ohne Vater geboren werden konnte. Glücklicherweise werden jedoch auch die strengen Puritaner nie stark genug sein, das angeborene Verlangen nach Mutterschaft abzutöten. Aber die Freiheit der Frau steht in engem Verhältnis zur Freiheit des Mannes, und viele meiner sogenannten emanzipierten Schwestern scheinen zu übersehen, daß ein in Freiheit geborenes Kind Liebe und Zuneigung von allen es umgebenden Menschen braucht, seien sie nun männlich oder weiblich. Leider liegt es an dieser bornierten Einschätzung zwischenmenschlicher Beziehungen, daß das Leben der Männer und Frauen von heute oft recht trostlos erscheint.
            (…)
            Die Forderung nach gleichen Rechten ist gerecht und fair; letztendlich ist jedoch das wichtigste Recht das Recht auf Liebe und darauf, geliebt zu werden. Soll die teilweise Emanzipation tatsächlich zu vollständiger und reiner Emanzipation werden, so muß aufgeräumt werden mit der lächerlichen Vorstellung, geliebt zu werden, Geliebte und Mutter zu sein, sei gleichbedeutend mit Sklave und Untertan zu sein. Es muß aufgeräumt werden mit der absurden Vorstellung des Dualismus der Geschlechter oder daß Mann und Frau Vertreter zweier feindlicher Lager seien.“
            (…)
            Kleinlichkeit spaltet, Großzügigkeit verbindet. Laßt uns groß und großzügig sein. Laßt uns über all das Triviale das Wesentliche nicht aus den Augen verlieren. In der echten Beziehung zwischen Mann und Frau wird es keinen Sieger und keinen Besiegten geben sondern nur eines: immer wieder zu geben, um dadurch bereichert zu werden, tiefer empfinden zu können und gütiger zu werden. Dies allein kann die Leere ausfüllen, kann das Tragische an der Emanzipation der Frau ersetzen durch Glück, grenzenloses Glück.“

            (aus: Emma Goldman – Das Tragische an der Emanzipation der Frau, 1911)

          • Ist die Frau von Natur aus submissiver als der Mann?

            Es gäbe durchaus Hinweise darauf, dass da eine Natürlichkeit vorhanden sein könnte:

            1. Der Mann ist körperlich stärker und psychologisch risikobereiter als die Frau. Beides wird nachweislich durch Androgene verursacht, von dem Frauen auch etwas haben, aber viel weniger. Da gibt es natürlich Schwankungen, und so auch Frauen mit mehr männlichen und Männer mit mehr weiblichen Eigenschaften, aber im Durchschnitt ist das klar verteilt. Untersuchungen ergaben, dass für die Maskulinisierung des Gehirns Androgene notwendig sind, während Estrogene so gut wie gar nicht dazu beitragen. CAIS-Frauen, also Frauen mit XY Chromosom aber deffekten Adrogen-Rezeptoren, entwickeln sich vollständig physiologisch und psychologisch zur Frau (bis auf Fähigkeit, schwanger zu werden) und bemerken ihren Unterschied oft gar nicht einmal, bis sie versuchen Kinder zu bekommen.
            https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2706155/
            2. Die natürliche „Aufgabe“ das Kind zu bekommen und in den ersten Lebensmonaten zu versorgen (säugen), hat der Evolution bestimmte Vorraussetzungen geschaffen, dass Frauen sich psychologisch und physiologisch anders entwickeln, als der Mann und dass beide Geschlechter unterschiedliche Aufgaben übernahmen.
            3. Und nicht zuletzt ist der Geschlechtsverkehr ist in fast jeder Art und Weise ein dominanter Akt. Der Mann ist fast immer der Aktive/Ausführende. Die Frau kann, muss aber nicht mitmachen, sie braucht nicht einmal die Lust dazu oder einen Orgasmus, obwohl beides die Befruchtungschance erhöht. Ulkigerweise sind Hyänen eine der wenigen Tierarten, bei denen das Weibchen stärker und dominanter ist, als das Männchen. Der Geschlechtsakt von Hyänen benötigt aktive Teilhabe des Weibchens, weil ihre Klitoris stark vergrößert ist und der Penis über die (erigierte) Klitoris in die Vagina eindringen muss.

        • Ich habe das Buch gerade nicht zur Hand, sonst könnte ich ihre Definition von „Potenz“ hier genauer aufdröseln.

          Für mich persönlich besteht da ein feiner, aber sehr wichtiger Unterschied zu dem Begriff „Empowerment“. Denn Empowerment lebt vom Blick nach außen. Die äußere Emanzipation vom Mann/vom Patriarchat steht im Mittelpunkt. Ob man in diesem Zuge auch innerlich frei wird oder lediglich neue Zwänge entstehen, bleibt offen. Meiner Meinung nach passiert ab einem gewissen Punkt nämlich genau das: neue Zwänge. Deshalb gerät der heutige Feminismus so ins Stocken. Die einzigen Antworten, die er aktuell hat, sind Abspaltung, Definitionsstreitigkeiten und Degradierung des Mannes. Dass das nichts mit der Lebenswirklichkeit von Frauen (und Männern) zu tun hat, versteht sich von selbst. Der permanente Blick nach außen und die geradezu zwanghafte Abgrenzung vom Männlichen können schon allein deshalb nichts „bewirken“, weil sie das Begehren der meisten Frauen vollkommen negieren.

          Genau hier setzt Flaßpöhlers mit ihren Gedanken zur weiblichen Potenz an. Sie zeigt am Beispiel der #metoo-Debatte, dass sich der aktuelle Diskurs zu sehr auf das Nein der Frau konzentriert, anstatt zu fragen, wie eine Alternative – sprich: Kooperation – aussehen könnte.

          • Vermutlich täte es Frauen mal gut den Unterschied zwischen Frauen und jeder anderen Emnzipationsbewegung zu begreifen. 🙂

            Trolling? Oder trollisch?

          • @herzinfuckedblog

            aha, sehr interessant, danke.

            „Denn Empowerment lebt vom Blick nach außen.“

            Der Begriff „Empowerment“ wird nach einem Eindruck sehr allgemein verwendet, aber egal, die „äußere Emanzipation“ ist sicherlich ein zentraler Bestandteil.

            Verstehe ich das richtig daß mit „äußerer Emanzipation“ vor allem ein konkurrenzbewußtes, die eigene Autarkie betonendes Auftreten gemeint ist, überwiegend in beruflichen oder öffentlichen Kontexten?

            „die geradezu zwanghafte Abgrenzung vom Männlichen können schon allein deshalb nichts bewirken …“

            Die Abgrenzung vom Männlichen (was auch immer das genau ist) wäre eigentlich paradox, denn im Endeffekt wird im Rahmen der „Emanzipation“ vielfach männlich konotiertes Verhalten imitiert. Das ist mMn ein zentraler innerer Widerspruch der feministischen Ideologie: in allen Gesellschaften ist Konkurrenz und Wettbewerb ein grundlegendes Prinzip (Wirtschaft, Partnersuche, Wohnungssuche – einfach überall). Konkurrenz und Wettbewerb sind männlich konotiert und werden fälschlich als von „den Männern“ (diesen fiesen Testosteronbolzen) erfundenes Phänomen deklariert. Dieses Übel man entweder abschaffen (geht nicht) oder zumindest die Frauen so weit empowern, daß sie mit den Männern mithalten können.

            Die resultierenden Power-Frauen sind dann mental aber eher Männer mit Brüsten und langen Haaren. Worin besteht hier noch die Weiblichkeit? Heterosexuelle betonen nun mal gerne die Unterschiede zwischen Männern und Frauen über die Genitalien hinaus: man übernimmt liebend gerne typisch männliche bzw. weibliche Verhaltensweisen, weil man sich damit männlicher bzw. weiblicher macht und für das andere Geschlecht attraktiver wird.

            Der Vermännlichung der Frauen steht auf der anderen Seite die Verweiblichung von Männern gegenüber. Beides funktioniert nicht wirklich.

            „Genau hier setzt Flaßpöhlers mit ihren Gedanken zur weiblichen Potenz an. Sie zeigt am Beispiel der #metoo-Debatte, dass sich der aktuelle Diskurs zu sehr auf das Nein der Frau konzentriert, anstatt zu fragen, wie eine Alternative – sprich: Kooperation – aussehen könnte.“

            Wäre gut, wenn Flaßpöhler nicht nur diese (alte) Frage erneut aufwerfen würde, sondern ein paar konstruktive Einfälle hätte.

            Vielleicht findest Du ja Zeit, in dem Buch nach solchen konstruktiven Ideen zu suchen und sie hier kurz darzustellen.

          • Die Abgrenzung vom Männlichen (was auch immer das genau ist) wäre eigentlich paradox, denn im Endeffekt wird im Rahmen der „Emanzipation“ vielfach männlich konotiertes Verhalten imitiert. […] Der Vermännlichung der Frauen steht auf der anderen Seite die Verweiblichung von Männern gegenüber. Beides funktioniert nicht wirklich.

            Da gebe ich dir zu 100 % recht. Das entspricht ziemlich genau dem, was ich vom heutigen Feminismus halte. Wenn man Frauen ihrer Weiblichkeit und damit einem wichtigen identitätsstiftenden Faktor beraubt, endet das in Gefühlen von Orientierungslosigkeit und innerer Leere. Beides beobachte ich bei vielen jungen Frauen, die sich stark mit der dritten Welle identifizieren. Und in Zügen über die gesamte Gesellschaft hinweg (auch bei Männern).

            Flaßpöhlers Buch geht leider nicht so sehr in die Tiefe, wie ich es mir erhofft hatte. Es ist ein guter Anstoß für weitere Diskussionen und sie benennt die Probleme konkret anhand aktueller Beispiele. Die nächsten Schritte geht sie jedoch nicht. Ob das bewusst so angelegt ist, um den Weg für Band 2 zu ebnen, bleibt abzuwarten. Das Buch beantwortet 2-3 Fragen und stellt gleichzeitig 10 neue – um es griffig auszudrücken.

  4. Flaßpöhler ist ein mediales Faszinosum. Sie hat nach meinem Bauchgefühl ca. 10 Interviews zu ihrem Buch nach und tw. sogar vor dessen Erscheinen plazieren können, darunter sehr lange wie dieses hier. Das ist maximal mögliches Sponsoring. Sie scheint ganz hervorragende Beziehungen in der Medienbranche zu haben.

    Das Buch selber hat nur 48 Seiten und dürfte nur ein verlängerter Essay sein, also eher kein intellektuelles Erdbeben.
    Hat irgendwer hier es gelesen?

    Inhaltlich kritisiert sie die weibliche hypoagency und geringe Risikobereitschaft. Das ist ganz nett, widerspricht aber diametral dem Geschäftsmodell des herrschenden Opferfeminismus (der ganz zentral auf der feministischen Privilegientheorie basiert, man kann nicht oft genug auf diese Grundstruktur hinweisen). Sie scheint auch die Hauptursache zu übersehen oder will sie nicht sehen: biologische Prädispositionen. Ich sehe jedenfalls keine Analyse bei ihr, worin die Ursachen der weiblichen hypoagency liegen und was man dagegen unternehmen könnte. Mit reinen Appellen erreicht man bei biologischen Prädispositionen überhaupt nichts.

    • Eine Aussage in dem von Dir verlinkten Artikel verstehe ich nicht so ganz. Du schreibst dort:

      „Abweichend davon ist ein Privileg im Sinne der feministischen Privilegientheorie ein Vorteil, den man aufgrund seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen [?!] Gruppe hat, der man durch Geburt oder sozialen [?!] Status angehört.“

      http://maninthmiddle.blogspot.de/p/privilegientheorie.html#begriff

      Schau Dir bitte mal Deine folgenden Beispiele an:

      – Männer vs. Frauen. Ist de facto – so, wie es im Feminismus praktisch gehandhabt wird – keine soziale Unterscheidung, sondern eine biologische.
      – Weiße vs. Farbige. Ist keine soziale Unterscheidung
      – gesunde Menschen vs. kranke. Keine soziale Unterscheidung
      – behinderte Menschen vs. nicht behinderte Menschen. Keine soziale Unterscheidung
      – schöne Menschen vs. häßliche Menschen. Keine soziale Unterscheidung – mit Vorbehalt, denn was in der einen Gesellschaft „schön“ sein mag, kann in einer anderen Gesellschaft „häßlich“ sein.
      – intelligente Menschen vs. dumme Menschen. Keine soziale Unterscheidung – mit Vorbehalt, denn was in der einen Gruppe „intelligent“ sein mag, kann in der anderen Gruppe „dumm“ sein.
      – Kinder reicher Eltern vs. Kindern armer Eltern. Das ist wohl eine soziale Unterscheidung, die aber durch Biologie, nämlich Geburt, determiniert ist, also nicht durch sozial relevante Tätigkeiten dieser Kinder.

      Kurzum, mir scheint Dein Verweis auf das Soziale („sozialen Gruppe“, „sozialen Status“) in Deiner Abgrenzung oben zweifelhaft zu sein. Privilegien sind sozial, aber die Basis dieser Privilegien ist gemäß der feministischen Privilegientheorie eben nicht irgendwie sozial, sondern vielmehr biologisch.

      • @Jochen Schmidt: danke für den Hinweis, guter Kritikpunkt.

        Ich bin an der Stelle wohl teilweise dem üblichen Denkfehler aufgesessen, Gruppen, die anhand von biologischen Merkmalen gebildet werden, als soziale Gruppen mit relevanten sozialen Gemeinsamkeiten zu verstehen. Teilweise stimmt das ja auch, nur Männer leisten Wehrdienst, aus einen biologischen Merkmal wird ein soziales. Daß Männer weniger Angst haben, ist für Feminstinnen sozial konstruiert, ich halte es eher für biologisch verursacht, dieses Beispiel ist also strittig.

        Kompliziert wird es in den Fällen, wo biologische Unterschiede (Gesundheit, Intelligenz) als Folge sozialer Ungleichheit verstanden werden (s. auch übernächsten Absatz im Text). Ob das stimmt, sei dahingestellt, ich wollte hier die feministische Argumentationslogik darstellen, inkl. ihren Denkfehlern, und keine Gegentheorie aufstellen.

        Ich habe den Text jetz so umformuliert: „ein Privileg im Sinne der feministischen Privilegientheorie [ist] ein Vorteil, den man aufgrund seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe hat. Diese Gruppen werden i.d.R. anhand von biologischen Merkmalen gebildet, in Ausnahmefällen anhand von sozialen Merkmalen.“

    • @mitm

      Ich glaube, Flaßpöhler setzt mit ihrer Argumentation nahtlos an der Aufklärung – namentlich an Kant – an und das erklärt m.E. ihre Unterstützung durch die Teile der Medien, die ein „allmähliches Abgleiten der Diskurse in den Wahnsinn“ befürchten (Titel des neuesten Artikels von Schoppe).

      Auch wenn er bekannt ist, lohnt sich der Text von Kant, „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ immer wieder:
      „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“

      Das „empowerment“, sich des eigenen Verstandes zu bedienen fällt naturgemäß aus, denn „empowerment“ bezieht sich auf einen permanenten Zustand des „Unvermögens“, der von außen permanent empowered werden muss. Es ist die Akzeptanz einer Nahrungsmittelzufuhr von außen. Stallvieh.

      Nahtlos die interessanteste Passage in diesem Kontext und es bietet sich hier, an „Vormünder“ durch „Feminismus“ zu ersetzen:
      „Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen (naturaliter maiorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. (…) Daß der bei weitem größte Teil der Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht) den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte: dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben.“

      Eine wunderschöne Darstellung des Zusammenhangs der (individuellen) Unmündigkeit mit den Vormündern, die dieser Unmündigkeit bedürfen, um Vormund zu sein. Diese VormünderInnen haben vor allem nicht vor, „Faulheit und Feigheit“ zu bekämpfen, sondern es sind eben die Ursachen, derer sie bedürfen, um andere unmündig zu halten.

      Nachfolgend ist es hilfreich, den „Gängelwagen“ :
      „Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben und sorgfältig verhüteten, daß diese ruhigen Geschöpfe ja keinen Schritt außer dem Gängelwagen, darin sie sie einsperrten, wagen durften, so zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen droht, wenn sie es versuchen allein zu gehen.“
      durch das neumodische „safe space“ zu ersetzen.
      Außerhalb dieses „safe space“ droht dir #metoo zu werden! „DA, GEFAHR!“

      „Nun ist diese Gefahr zwar eben so groß nicht, denn sie würden durch einigemal Fallen wohl endlich gehen lernen; allein ein Beispiel von der Art macht doch schüchtern und schreckt gemeinhin von allen ferneren Versuchen ab.“ – mündig zu werden.
      http://gutenberg.spiegel.de/buch/-3505/1

      Ich kehre von hier aus noch einmal zu Flaßpöhler zurück, weil sich so ihre Argumentation besser erschließt:
      „Zielführender wäre, sich zu fragen: Was tragen wir auch selber zu unserer unterlegenen Position bei, zum Beispiel durch Gefälligkeit und fehlenden Mut zur Autonomie? Sonst reduziert sich feministische Kritik auf eine Kritik des Mannes. Mir fehlt hier weibliche Vertikalspannung, der Wille, auch an sich selbst zu arbeiten.“

      An dieser Stelle bietet es sich an, den fehlenden „Mut zur Autonomie“ noch einmal zu beleuchten, indem wir uns der „Autonomie“ widmen:
      „Als Autonomie (altgriechisch αὐτονομία autonomía ‚Eigengesetzlichkeit‘, ‚Selbstständigkeit‘, aus αὐτός autós ‚selbst‘ und νόμος nómos ‚Gesetz‘) bezeichnet man den Zustand der Selbstbestimmung, Unabhängigkeit (Souveränität), Selbstverwaltung oder Entscheidungs- bzw. Handlungsfreiheit. Ihr Gegenteil ist die Heteronomie (Anm.: Fremdbestimmung).“
      Wikipedia, Autonomie

      Hier wird erstens sichtbar, die feministische Argumentation betont die weibliche Fremdbestimmung durch das „Patriarchat“ und leugnet – wie ich meine selbstdienlich (s.o) – konsequent weibliche „Selbstbestimmung, Unabhängigkeit (Souveränität), Selbstverwaltung oder Entscheidungs- bzw. Handlungsfreiheit.“, da es sich um die Errichtung eines Abhängigkeitsverhältnisses handelt.

      Im Hinblick auf die Psychologie (ebd.), die das „Spannungsverhältnis zwischen Fremdbestimmung (Heteronomie) und Selbstbestimmung (Autonomie)“ betrachtet, „wobei die Entwicklungspsychologie die Entwicklung des Kindes thematisiert, das eine „frühe Bindung“ zu (mindestens) einer erwachsenen Person aufbaut, um zu einer Person heranzuwachsen, die autonom Entscheidungen zur Planung und Gestaltung des eigenen Lebens treffen kann“, ist zweitens demnach das feministische Ziel , diese Autonomie zu verhindern.
      Damit wäre a. das Rätsel des feministischen „Ausredenkalenders“ gelöst.
      Es ist b. klar, warum der Feminin-ismus einen solchen Anklang findet, weil er Bindung, nämlich der kindlichen Bindung an die Mutter, gegenüber dem eigentlichen pädagogischen dem „Ziel, dem Heranwachsenden die Emanzipation von den ihn Erziehenden zu ermöglichen, so dass er ein Leben in Unabhängigkeit und Freiheit führen kann.“ priorisiert.

      Natürlich ist aus dieser Perspektive männliche Autonomie Egoismus und (zu bekämpfende) Empathielosigkeit.
      Das ist die Perspektive derjenigen, die keine Individuen sind.
      Es handelt sich nicht um Penisneid, es handelt sich um Individualneid.
      „Haltet sie in der Pubertät!“ – lautet demzufolge der eigentliche feministische Schlachtruf.

      So erschließt sich Flaßpöhlers Forderung: „Aber es war noch nie einfach, Selbstbestimmung nicht nur zu fordern, sondern konkret zu leben. Autonom zu handeln heißt, Widerstände zu überwinden. Gelebte Autonomie würde auch die Solidarität unter Frauen stärken.“ uns ganz anders.

      Nämlich als „das Einfache, das schwer zu machen ist“.
      Als etwas, was männliche Individualentwicklung erst ermöglichte und dem nachzueifern sie eingesteht, „Männer (tragen) eine jahrhundertealte Geschichte in sich.“

      Die sie aber nicht begreifen kann, sondern nur nachzuvollziehen versucht.
      Aber – immerhin! – sie versucht es auf einer vernünftigen Basis.

      • Genial!

        Hiervon abgesehen sehr sehr wohlwollende Interpretation von Frau Flaßpöhler.

        Einfach nur traumhaft Deine Erklärung für Flaßpröhlers „Unterstützung durch die Teile der Medien“.

        • @Jochen

          Vielen Dank für dein Lob!
          Bei mir selbst hat es an einigen Stellen „click“ gemacht, als ich den Beitrag geschrieben habe und zu Ende gedacht ist es noch nicht.

          Es gibt eine „entwicklungspsychologische Erklärung“ des radikalen Feminismus aus den 1970ern, warum es Frauenhass gibt und darüber bin ich einmal gestolpert.
          Diese bezieht sich auf die Loslösung des Jungen von der Mutter, der merkt, dass er ein anderes Geschlecht hat, während die Tochter in der symbiotischen Beziehung zur Mutter verbleiben kann.
          Wohlbemerkt fehlt der Vater in dieser Betrachtungsweise vollständig.
          Diese willentlich um die Triade aus Vater-Mutter-Kind reduzierte Erklärung ist aus und in allen Perspektiven fatal.

          Denn das unvermeidliche Ziel, dem Heranwachsenden die Emanzipation von den ihn Erziehenden zu ermöglichen, so dass er ein Leben in Unabhängigkeit und Freiheit führen kann.“ wird zunächst gegendert.

          Unabhängigkeit und Freiheit durch die Emanzipation von der Mutter ist demnach einerseits männlich und andererseits wird Frauenhass damit zum Bestandteil der männlichen Sozialisation überhaupt.
          Das ist lediglich „radikal“ in seiner Ohnmacht.
          Wenn männliche Sozialisation Frauenhass notwendig produziert, wohin geht es denn ab hier weiter?

          Damit wird die Emanzipation des Kindes selbst zu einem gefährlichen und männlich konnotierten Vorgang, während Bindung und Symbiose positiv weiblich besetzt werden.

          Das reproduziert aber genau die bürgerliche Weiblichkeit, die der „radikale“ Feminismus vorgeblich „radikal“ kritisiert.

          Entwicklungspsychologisch ist es für das Mädchen eine Katastrophe, in der symbiotischen Beziehung zur Mutter zu verbleiben – das wird völlig verkannt.
          Die positive Besetzung der mütterlichen Bindung, dem Unabhängigkeit und Freiheit demnach negativ, weil männlich, gegenüber gestellt werden.
          Meines Erachtens rührt dies aus der mütterlichen Angst davor, von der Tochter verlassen zu werden und aus dem Neid gegenüber der als männlich aus- und vorgestellten Unabhängigkeit und Freiheit.

          Anyway: das von einer solchen Mutter damit der Tochter gegebene Signal ist m.E. das einer Emanzipation, die für sie unerreichbar, weil – im Grunde – männlich ist.
          Eine nachfolgend feministisch hergestellte „Bindung“ an die vorgestellt männliche Emanzipation und Autonomie als Individuum ist notwendig eine negative, von Neid geprägte.
          Wie gesagt, das sind Effekte eines Feminismus der 1970er und 80er Jahre – eine Philosophie der Ohnmacht, oder – mit Flaßpöhler gesprochen – der weiblichen Impotenz.

          Diese Effekte bestimmen m.E. die Sichtweise von Flaßpöhler auf #metoo: „Es ist tatsächlich auffällig, dass diese Initiative alles von den Männern beziehungsweise vom Staat, aber nichts von den Frauen selbst verlangt.“

          Man kann einerseits sagen, das ist eine berechtigte Kritik.
          Aber andererseits: Wie auch?
          Denn ironischerweise ist die negative Bindung an „die Männer“ durch die feministische Kritik zu einer eigenartigen Symbiose geworden.
          #Kill all men zu Ende gedacht – dann müssten Frauen die ganze Scheiße, die eine Gesellschaft ausmacht vollständig alleine zu Stande bringen.

          Männer sind aber weiterhin Adressaten und Proxys weiblicher Wunschvorstellungen, weil sich diese Frauen eine tatsächliche Emanzipation nicht zutrauen.
          Flaßpöhler – darum behandle ich sie sehr wohlwollend – legt den Finger in diese Wunde.

          • @Crumar:
            Schön zusammengefasst!
            Da Du ein wichtiges – vielleicht das wichtigste und leider wohl kaum bekannte – Verbindungselement zwischen dem „klassischen“ Mutterkreuzkult und den ( hust ) „modernen“ Feminismen beschreibst ( man könnte glatt von einem mehrfach verklammernden Klammereffekt sprechen 😉 ), hätte das m.E., in etwas trockenerer Formulierung, einen festen Platz in einem entsprechenden Info-„Wiki“ verdient.

          • @crumar:

            »Es gibt eine „entwicklungspsychologische Erklärung“ des radikalen Feminismus aus den 1970ern, warum es Frauenhass gibt …«

            Das klingt für mich ein bißchen wie Nancy Chodorows »Erbe der Mütter« (»The Reproduction of Mothering«) von 1978, oder es ist eine Vulgarisierungsform dieser Idee. Allerdings wäre das dann im strikten Sinne nicht entwicklungspsychologisch, sondern psychoanalytisch nach der Objektbeziehungstheorie.

            Aber egal, wo das herkommt: Deine Idee finde ich sehr scharfsichtig – auch Deine Einführung von Kant oben!

          • @ crumar
            Wieder mal – klatsch, klatsch – applaudiere ich Dir für diesen Text, nachdem ich schon die Fingerknöchel knacken ließ, um Dir bei
            „Diese willentlich um die Triade aus Vater-Mutter-Kind reduzierte Erklärung ist aus und in allen Perspektiven fatal.“
            energisch zu widersprechen.
            Innerhalb unseres Systems ist diese Triade essentiell für die gesunde Entwicklung eines Jungen, weshalb die gern und regelmäßig angewandte Entsorgung der Väter durch Familiengerichte nicht selten zu seelischen Entgleisungen orientierungsloser Jungen führt.
            Dann aber hast Du völlig zu recht darauf hingewiesen, dass man – besonders im Interesse einer wahren Emanzipation der Frauen das System selbst in Frage stellen muss.
            Also konnte ich meine Knöchel schonen 😀

            Was Du da formuliert hast, hat Lehrbuchqualitäten und sollte Pflichtlektüre jedes Soziologen, Psychologen und Pädagogen werden.

          • @Carnofis @Fiete @djad

            „Man könnte glatt von einem mehrfach verklammernden Klammereffekt sprechen“ man könnte nicht, man muss.

            Was Carnofis schrieb: „Innerhalb unseres Systems ist diese Triade essentiell für die gesunde Entwicklung eines Jungen, weshalb die gern und regelmäßig angewandte Entsorgung der Väter durch Familiengerichte nicht selten zu seelischen Entgleisungen orientierungsloser Jungen führt.“ ist durchaus richtig.
            Aber „Väterlichkeit“ als Prinzip wäre durchaus ungegendert zu betrachten.
            Würde der Feminin-ismus nicht „Mütterlichkeit“ im Gegenzug ausschließlich für Frauen vorsehen.
            Nachdem von den „fortschrittlichen Kräften“ (TM) entschieden worden ist, die Rolle des Vaters zu verdammen (wg. autoritär patriarchal usw.), war die Eingangsvoraussetzung die Aufwertung „mütterlicher Tugenden“, die („essentiell“ und damit ist biologisch gemeint) allein Frauen besitzen.
            Womit reproduziert wird, „Mütterlichkeit“ kann ungegendert NICHT gesehen werden, weil sie biologisch auf „Mutter“, also sex, verweist.
            Nachfolgend muss sich jede Logik in den Schwanz beißen, von Männern zu fordern, sie mögen sich an der Aufzucht der Brut gleichberechtigt beteiligen, wenn die
            Eingangslogik ist, qua Geschlecht ist das unmöglich.
            Der Witz ist, Kinder wurden in vorkapitalistischen Zeiten automatisch dem Mann zugesprochen.
            Unabhängig von der Vagina, die sie produziert hat.
            Entgegen kapitalistischer Logik bekam im bürgerlichen Zeitalter die Produzentin dieser Kinder die Verfügungsgewalt über das Produkt eingeräumt.
            D.h. wir müssten m.E. noch einmal über „checks and balances“ nachdenken und über die Rolle des bürgerlichen Feminismus.

            „Das klingt für mich ein bißchen wie Nancy Chodorows »Erbe der Mütter« (»The Reproduction of Mothering«) von 1978, oder es ist eine Vulgarisierungsform dieser Idee. Allerdings wäre das dann im strikten Sinne nicht entwicklungspsychologisch, sondern psychoanalytisch nach der Objektbeziehungstheorie.“

            Vielen Dank für den Hinweis – ich habe den Artikel (er war definitiv auf englisch) in irgendeinem meiner Aktenordner. Mit Glück finde ich ihn!
            Mein Punkt ist aber die Radikalisierungslogik des „radikalen Feminismus“ um zu verstehen, warum Butler eine Befreiung war – ungeachtet der politischen Umstände.
            Es gab keine Perspektive auf der Basis dieser Theorie mehr; sie war nur noch eine Verallgemeinerung einer Misere und Verkünderin einer gesellschaftlichen Dystopie.
            Eine Gesellschaft alleinerziehender Mütter ist weder wünschenswert, noch finanzierbar.

      • Haltet sie in der Pubertät.
        Ja, der Diskurs erinnert beständig an Dr.Sommer aus der Bravo, die man früher spätestens mit zwölf beiseite gelegt hat.

      • @crumar: Daß Flaßpöhler argumentativ auf Kant aufbaut, ist gut von Dir dargestellt und plausibel, sie wurde schließlich in Philosophie promoviert („Der Wille zur Lust. Pornographie und das moderne Subjekt“, Campus 2007).

        Die Kantsche Aufklärung bezieht sich mMn auf intellektuelle und politische Themen, nicht auf sexuelle.

        Flaßpöhler betont dagegen in ihren Artikeln und Interviews, so weit ich sie in Erinnerung habe, die sexuelle Passivität bei Frauen und deren Verstärkung durch die metoo-Kampagne. Sie redet immer wieder von der (ggf. unterschätzten) weiblichen Libido („[Frauen] in die Potenz, eine aktive, offensive Sexualität zu bringen“) und der rechtlich/moralischen Bewertung von größeren und kleineren Fehltritten. Dreh- und Angelpunkt sind immer wieder sexuelle Begegnungen.

        In beiden Gebieten, Politik und private Sexualität, kann man „Aufklärung“ sehr abstrakt als Überwindung der Passivität, Übernahme von Risiken und Verantwortung usw. definieren. Man kann damit auch eine allgemeine Geisteshaltung einer Person assoziieren, die sich auf beliebige Themenbereich auswirken könnte.

        Diese abstrakte Gleichheit täuscht aber mMn: Ich glaube nicht, daß diese beiden Formen von Aufklärung stark korrelieren. Philosophisch begabte Menschen (genauer gesagt Frauen, um die geht es hier ja) können introvertiert und sozial passiv sein, sexuell aktive können eher nicht so intellektuell sein.

        D.h. die Appelle von Flaßpöhler erscheinen mir eher als ein Wiederaufguß der sexuellen Revolution der 1970er Jahre (die überwiegend in den Medien stattfand und nur in überschaubaren Kontexten in die Realität umgesetzt wurde). Mit Flaßpöhlers Appellen ist das nicht anders: sie schreibt für das Bildungsbürgertum und ggf. noch das ZEIT-Publikum, das hält sich sowieo für hinreichend sexuell befreit (sofern man nicht schon vom anderen Geschlecht die Nase voll hat). Ändern wird sich also in sexueller Hinsicht rein gar nichts.

        Und weil Flaßpöhler kaum über eine intellektuelle / politische Emanzipation (z.B. vom Feminismus) redet, bewirkt sie auf dieser Seite auch nichts. MMn ist das neben ihren exzellenten Connections in der Medienbranche einer der Gründe, warum sie so gerne interviewt wird: sie gefährdet den ideologischen Status quo nicht wirklich. Daß sich die Frauen beim Sex etwas mehr austoben sollen, ja, hach, da sind wir doch alle für, und daß man sich von metoo nicht kirre machen soll, ist ja auch richtig, gut, daß das mal eine sagt. Aber sich vom Feminismus als einer männerhassenden Ideologie zu emanzipieren und vielleicht mal feministische Fakten wie das GPG zu hinterfragen, „sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen“, nee, das dann lieber doch nicht.

        PS: falls Du es nicht bemerkt hast: weiter oben stehen einige interessante Bemerkungen von Marie Moreau zum Flaßpöhlers Buch, sie hat es gelesen.

        PPS: danke für den Gutenberg-Link!

        • @mitm

          Weil dich ursprünglich mein Beitrag adressierte, antworte ich dir zuerst.

          Ich habe mir den von dir im PS genannten Beitrag angeschaut „Wenn man Frauen ihrer Weiblichkeit und damit einem wichtigen identitätsstiftenden Faktor beraubt, endet das in Gefühlen von Orientierungslosigkeit und innerer Leere.“ ist richtig, der Prozess läuft schon seit Jahren und Jahrzehnten und leider ist er nur unzureichend (Frauen, immer weniger glücklich, gääähn) analysiert worden.
          Weil die Falle ist, die Voraussetzungen der jeweils gemeinten „Weiblichkeit“ nicht genauer zu bestimmen.

          „Flaßpöhler betont dagegen in ihren Artikeln und Interviews, so weit ich sie in Erinnerung habe, die sexuelle Passivität bei Frauen und deren Verstärkung durch die metoo-Kampagne.“

          Das ist einerseits völlig richtig, aber #metoo hat nur verstärkt, was auch vorher schon existierte:
          – Frauen zur Anbahnung von sexuellen Kontakten größtenteils unfähig und unwillig,
          – Erwartungshaltung, der Mann möge den ersten Schritt gehen ist bei jüngeren Frauen traditioneller geworden,
          – prozentual wird wird der Anteil von Jugendlichen, die mit 21 noch keinen Sex hatten immer größer.
          Die – wenn man so will – sexuelle Konterrevolution begann bereits – mit Farrell gesprochen – in den USA in dem Augenblick als Frauen begriffen, Arbeit ist kein Vergnügen, sondern wird Pflicht.
          Demzufolge war die feministische Obsession mit der Privatsphäre und Sexualität beinahe zwingend.

          „In beiden Gebieten, Politik und private Sexualität, kann man „Aufklärung“ sehr abstrakt als Überwindung der Passivität, Übernahme von Risiken und Verantwortung usw. definieren. Man kann damit auch eine allgemeine Geisteshaltung einer Person assoziieren, die sich auf beliebige Themenbereich auswirken könnte.“
          Schön gesagt.
          Die „allgemeine Geisteshaltung“, wonach sich sexuelle Bedürfnisse wechselseitig aufheben, wenn frau die Verantwortung für die Realisierung der eigenen sexuellen Bedürfnisse übernimmt hat einen Knackpunkt. Sie heben sich in diesem Fall nämlich gegenseitig auf und kein Mensch schuldet dem anderen Menschen etwas für die Realisierung dieses Bedürfnisses.
          Das ist eine Parabel von gesellschaftlicher Befreiung und Selbstbefreiung; das war der eigentliche Sinn der „sexuellen Revolution“ (die übrigens nie stattfand).

          Dies wurde konterkariert durch die weiblichen Überzeugung, die eigene Sexualität sei mehr wert als die männliche und aus dieser ließe sich ein Mehrwert dergestalt herausschlagen, das weibliche erotische Kapital (Hakim) in andere Kapitalformen einzutauschen und aus einem bunten Strauß an Optionen für das eigene Leben zu wählen.
          Diese weibliche Überzeugung findet sich – auf den Kopf gestellt – in der feministischen Überzeugung, die Einhegung und Beherrschung weiblicher Sexualität sei der Schlüssel zur männlichen Herrschaft.
          Während – ökonomisch gesprochen – eine Liberalisierung der weiblichen Sexualität zu einem von Männern gewünschten Preisverfall und einer verschärften intrasexuellen Konkurrenz führt.
          Man kann sich an einem Finger einer Hand ausrechnen, welches Geschlecht letzteres stört.

          Wenn Flaßpöhler „Überwindung der Passivität, Übernahme von Risiken und Verantwortung“ auf dem Gebiet der „privaten Sexualität“ thematisiert, setzt sie quasi vor dem nüchternen Befund von Farrell an und eröffnet noch einmal den Möglichkeitshorizont von (sexueller) Befreiung und Selbstbefreiung.
          Wir haben gerade das 50-jährige Jubiläum von 1968 – warum glaubst du, ist ihre Sichtweise legitim und nachgefragt? Sie beharrt ausgesprochen störrisch auf das unabgegoltene Versprechen dieser Revolution ohne zu begreifen, welche Kräfte diese tatsächlich verhindert haben.
          Hint: Männer waren es nicht.

          Claudia Mäder hat in der NZZ ein neues Werk aus Foucaults Nachlass besprochen – den ich übrigens sehr schätze.
          Die Überschrift „Gab es Sex im Paradies?“ im Nachsatz „Ja, aber er war völlig lustlos.“
          https://www.nzz.ch/feuilleton/gab-es-sex-im-paradies-foucault-aveux-de-la-chair-sexualitaet-und-wahrheit–ld.1376633

          Sie führt aus: „Genauso, wie der Mensch gegen Gott aufbegehrt hatte, rebellierten jetzt Seele und Körper gegen den Menschen. Unbeherrscht packt ihn plötzlich die Lust, und unaufhaltsam pflanzt sie sich fort: In Augustinus’ Deutung wird die Libido zum Mahnmal des menschlichen Ungehorsams gegenüber Gott – keiner kann es ablegen, denn jeder geht aus ihr hervor. Sind wir also rettungslos verloren? Nicht ganz. Die frühen Christen haben auch Techniken ersonnen, die das Leiden lindern, ja den Menschen von seinen Sünden geradezu befreien. Die Rede ist hier – vom Reden oder, moralisch aufgeladen, vom Gestehen.“

          Ist es nicht komisch, das die Zwischenüberschrift „Repression durchs Reden“ heißt?
          Wir hören – ganz unaufgeregt Jagoda Marinic, die in ihrer Kolumne in der SZ: „Me Too“ war ein Gesprächsangebot – ihr lasst es verstreichen“ zu reden hat:

          „Me Too“ war eine Gelegenheit, die Verletzbarkeit durch Machtmissbrauch an die Öffentlichkeit zu bringen. Es war ein Moment, um Geschichten zu erzählen. Geschichten sind der Königsweg zur Empathie. Bei „Me Too“ ging es nie darum, die Frau zum Opfer zu machen oder Männer zu Freiwild. Es ging darum zu zeigen, wie aus Verletzungen eine Stärke erwachsen kann, die Veränderungen bringt. Daraus hätte sich ein Gespräch ergeben können. Über Männer, Frauen, Rollenbilder und Macht. Doch mit der Verletzbarkeit der Frau konnte die Öffentlichkeit hierzulande nicht umgehen. Im englischsprachigen Raum gibt es eine Tradition des „I confess …“. Ich gestehe und sage „ich“ dabei. Dieses „Ich“ ist kein Argument, es ist der Beginn einer Geschichte.“
          https://www.sueddeutsche.de/kultur/sexismus-me-too-war-ein-gespraechsangebot-ihr-lasst-es-verstreichen-1.4053083

          „I confess …“. Ich gestehe“, was könnte ein Atheist dagegen einwenden?!
          „Tatsächlich, so sieht es Foucault, tritt er damit in ein rigides Kontrollsystem ein – das Forschen nach verborgenen Geheimnissen wird zum Zwang, und sie zu äußern, bedeutet, Gehorsam zu leisten.“ antwortet Claudia Mäder stellvertretend.

          Sie bezieht sich auf eine christliche Tradition (Herv. von mir): „Augustin seinerseits hatte für den von der Lust besessenen Menschen noch ein anderes Rezept parat, das heute eine seltsame Aktualisierung erfährt. Für den Philosophen des 5. Jahrhunderts war letztlich alles eine Frage der Zustimmung. Entziehen, meinte er, könne sich der Mensch der Lust zwar nicht, sie zu missbilligen, sei er aber durchaus noch in der Lage. Den sexuellen Akt sollten die Eheleute in diesem Sinn also vollziehen, ohne die sündige Libido gutzuheissen. Man hat dann zwar vermutlich schlechten Sex, aber immerhin einvernehmlichen – was eine(r) will und nicht will, ist in diesem Schema klar getrennt, und das Subjekt lehnt für sich ab, was ihm nicht passt. An Verträgen, die vor dem Coitus einen schriftlichen Konsens einholen, hätte Augustin, so darf man vermuten, eine heimliche Freude gehabt.“
          Amen!
          Das ist unser Fortschritt, diktiert von diesem unglaublich fortschrittlichen Fenismiusmus.
          Wir bewegen uns im geistigen Horizont des 5. Jahrhunderts, gegen den wir mit den Vorzügen von 1968 ff. vorgehen und/oder in diesem Rahmen argumentieren. 🙂

          • @crumar: Weil wir hier thematisch von Flaßpöhler wegdriften, der zitierte SZ-Artikel aber einige sehr interessante Thesen enthält, gehe ich unten separat darauf ein.

            Wenn ich die Zeit finde, gehe ich auf das mediale Faszinosum Flaßpöhler vielleicht noch in einem separaten Blogpost ein, ggf. verbunden mit einem Versuch, die aktuelle Lage in den medialen Schlachten um die Meinungshoheit zu skizzieren. Zumindest nach meinem Eindruck ist Flaßpöhler seit ca. 3 Monaten und dem Abflauen der metoo-Hysterie ca. seit April/Mai 2018 der wichtigste mediale Aufreger in diesem Kontext, obwohl ihr Buch bzw. ihre Position inhaltlich praktisch nichts neues enthält.

          • @mitm

            „Der typisch weibliche, gefühlsorientierte Stil verlangt nach Geschichten, also Einzelfällen, „Narrativen“, Gelegenheiten, mitzufühlen und Empathie zu zeigen, Systematik spielt eine untergeordnete Rolle, ebenso Folge- und Kollateralschäden (u.a. im allgemeinen Rechtsbewußtsein), denn die sieht man im Moment des Mitfühlens ja noch nicht.“

            Mit dem diesem Befund hast du erklärt, warum die #metoo Koalition mit den Medien – den Print- und den sozialen Medien – so erfolgreich in den angelsächsischen Ländern verlief. Sie verlangen und sie liefern (übrigens wissen Feministinnen nur zu gut: sex sells).

            „Zumindest nach meinem Eindruck ist Flaßpöhler seit ca. 3 Monaten und dem Abflauen der metoo-Hysterie ca. seit April/Mai 2018 der wichtigste mediale Aufreger in diesem Kontext, obwohl ihr Buch bzw. ihre Position inhaltlich praktisch nichts neues enthält.“

            Flaßpöhler ist nur ein weiteres Indiz, #metoo ist in Deutschland, wenn nicht Europa, ein Reinfall gewesen. Es gab viel zu früh zu entschiedenen Widerstand und eben auch von Frauen.

            Selbst die causa Wedel, die sie aufgezogen hatten, scheiterte an einer Ingrid Steeger.
            Zitat: „Er hat es nicht nötig, Frauen zu vergewaltigen, die werfen sich ihm eh alle zu Füßen.“ Sie selbst habe das oft miterlebt – „die waren total offensiv, flirteten mit ihm heftig in meiner Anwesenheit und haben sich an ihn rangeschmissen“. Es gebe zig Schauspielerinnen, die sich nach oben geschlafen hätten. Die Vorwürfe in einem Bericht des „Zeit“-Magazins könnten unmöglich stimmen. „Das ist Rufmord!“
            https://www.zeit.de/news/2018-01/24/ingrid-steeger-verteidigt-dieter-wedel-180124-99-781988

            Das klingt viel zu sehr nach „quid pro quo“ und die Gefahr ist, auch eine Ingrid Steeger könnte auspacken über „zig Schauspielerinnen, die sich nach oben geschlafen“ haben.

            Am 1.1.2018 veröffentliche Ruth Berger auf telepolis den Artikel mit der Überschrift: „Quid pro quo: Niemand muss bei Deals à la Weinstein mitspielen“.

            Daraus: „Niemand muss so tun, als gefalle ihm Harvey Weinstein. Wenn man es als Schauspielerin trotzdem tut, verhält man sich wie der Handwerksmeister, der dem korrupten Entscheider auf dessen mehr oder minder subtile Aufforderung einen Umschlag über den Tisch schiebt.

            Es geht hier um erwachsene Menschen, die wissen, was sie tun. Mit sechzehn hat man vielleicht noch nicht gelernt, unerwünschte sexuelle Annäherungen (damit meine ich gewöhnliche Anmache und Berührungen, nicht den Überfall auf dem einsamen Spazierweg) abzuwehren bzw. sich nachhaltig zu verbitten. Mit spätestens Anfang Zwanzig hat man darin ausreichend Übung. So jedenfalls meine Lebenserfahrung.
            Wer sich entscheidet mitzumachen, lässt sich auf Korruption ein.“
            https://www.heise.de/tp/features/Quid-pro-quo-Niemand-muss-bei-Deals-a-la-Weinstein-mitspielen-3928730.html?seite=all

            Exakt.
            Wenn es aber einmal auf diese Ebene gebracht worden ist, dass die legendären Männer mit Macht für den Sex im Austausch aber wirklich etwas zu bieten haben, nämlich Oscars und Millionengagen, dann wird aus erzwungenem Sex einfach nur ein sehr, sehr teurer Fick -> Gwyneth Paltrow.

            Daher ist Flaßpöhler ein echtes reset der Debatte, ohne auf letzteren Punkt eingehen zu müssen. Selbstverständlich! 🙂
            Aber damit nehme ich keinen einzigen Punkt von dem zurück, was ich vorher angeführt habe -> s. Möglichkeitsraum.

        • „MMn ist das neben ihren exzellenten Connections in der Medienbranche einer der Gründe, warum sie so gerne interviewt wird: sie gefährdet den ideologischen Status quo nicht wirklich. …“

          Sehr guter Punkt! Es hat eben überhaupt nichts damit zu tun, daß Teile der Medien „ein „allmähliches Abgleiten der Diskurse in den Wahnsinn“ befürchten“ würden.

          https://allesevolution.wordpress.com/2018/07/17/svenja-flasspoehler-zu-metoo-wir-duerfen-nicht-alle-probleme-den-maennern-in-die-schuhe-schieben/#comment-350871

          Am Ende ist es bei Flaßpröhler wie oben im Haupartikel geschrieben: „… sie hat viele interessante Ansätze, und dann ist es doch wieder das Patriarchat.“

  5. „dann müsst ihr Frauen auffordern nachzuziehen, wenn ihr mehr Frauen an der Spitze sehen wollt.“

    Das wird nie passieren, denn man müsste wortwörtlich fordern, dass Frauen 50% der Drecksjobs machen und 50% der Opfer schwerer Berufskrankheiten und Arbeitsunfälle ausmachen.

    Der Tag an dem Feministen das fordern ist der Tag an dem die Hölle zufriert.

    • Es wär schon witzig, wenn wir anfingen kleine Mädchen wie Gänse zu mästen, damit die nicht vom Patriarchat kleingehalten werden, nur damit später die Quote 50:50 ist beim Einräumen schwerer Objekte in hohe Regale.

        • Ich fänd’s ja schon super, wenn auf Tabak (Neuraucherinnen > Neuraucher) Frauen 50:50 bekämen, aber vermutlich verhindert das auch die Feminismuslobby, denn wer will sich schon verbauen in 10-15 Jahren sich über Lungenkrebs und COPD als Beweis des Patriarchats zu beklagen.

  6. Margarete Stokowski hat sich schon vor Wochen mit Svenja Faßpöhler auseinandergesetzt.

    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/metoo-debatte-sextagebuecher-wann-anders-kolumne-von-margarete-stokowski-a-1206799.html

    Leider bleibt sie dabei ziemlich an der Oberfläche der „Metoo“-Debatte und kapiert Faßpöhlers Angriff auf zentrale feministische Dogmen gar nicht so richtig. Man würde gern mal eine fundiertere Kritik aus dieser Ecke lesen. Aber das ist vielleicht nicht zu erwarten. Für das Fräulein Stokowski ist vertieftes Nachdenken vermutlich zu anspruchsvoll, wenn es aus den gewohnten Bahnen hinausführen könnte.

    • Oha! So blöde M.S. nunmal ist, findet sie instinktsicher die Schwachstellen ist Flaßpöhler’s Text, die sie verwursten kann, zu „pöse, unsolidarische Schlampe“, #Verrätersau!

      Aber die Schlußsätze sind doppelt lustig:
      „Aber gerade darin erweist sich dann eine starke Position und Selbstbestimmung in der Debatte: nicht einfach alles zu schlucken, sondern sich aufgrund eigener Werte und Urteile jedes Mal neu darin verorten. Idealerweise findet man dabei einen Standpunkt, der funktioniert, ohne dass man gehässig über andere herzieht. “

      Damit beschreibt sie unfreiweillig eher S.F., als sich selbst, genauer ist es eigentlich nix als ein diametrales Bestreiten der eigenen Mißgunst.
      Das hat schon was ….

      • Hihihi, räusper kicher giggel, SIE HAT SCHLUCKEN GESAGT hihihi, und außerdem hat sie keinen BH an, aus Gründen. Aus rebellischen.
        Hihihi.

  7. „Leider habe ich meine Zweifel, dass sie sich gegen den Opferfeminismus durchsetzen können wird. Denn an sich selbst arbeiten ist harte Arbeit, zu fordern, dass Männer endlich auf ihre Privilegien verzichten ist hingegen sehr einfach.“

    Interessant ist doch der Blick weg vom medial inszenierten Diskurs hin zum gelebten Alltag der Masse.

    „Hart an sich selber arbeiten“ im Sinne einer Selbstoptimierung und mit dem Ziel im sozialen Nahfeld möglichst viele Statuspunkte zu sammeln tun sicher die meisten Frauen. Heulend zuhause sitzen und das böse Patriarchat beklagen eher die wenigsten.

    Viele Indikatoren sprechen dafür, dass Frauen heute mehrheitlich ihre Möglichkeiten bis zum Anschlag ausnutzen und damit sich automatisch dem von Svenja Flaßpöhler beschriebenen Modell der „potenten Frau“ annähern.

    Halt im Rahmen ihrer Möglichkeiten und die sind eben in den allermeisten Fällen Beschränkungen durch Konstitutionstyp, Intellekt und „missing links“ in der Sozialisation unterworfen.

    Das rückt dann die Jammertiraden, z.B. im Rahmen von määhhtoo, als Mittel eines reinen egozentrischen Opportunismus zurecht: Lerne klagen ohne zu leiden. Oder es ist einfach nur ein Geschäftsmodell.

    Wenn sie denn überhaupt klagen und dies nicht als Zeit- und Energieverschwendung ansehen und ansonsten einfach ihr Ding durchziehen.

  8. Ich spekuliere einfach mal ein wenig grob herum. Vermutlich geht Flaßpöhler nicht zuletzt – möglw. sogar zuvörderst – von ihren persönlichen erotischen Ansichten ( mit Glück auch Erfahrungen und daraus resultierenden Erkenntnissen ) aus und extrapoliert einfach mal testeshalber hoch auf Gott und die Welt ( kaum überspitzt gesagt ).

    Ich interpretiere das mal grundsätzlich als löblich, sofern der insofern autodidakte Ansatz entsprechend gründlich reflektiert wird.

    Allerdings hat das den Nachteil, daß sie nicht – wie z.B. Cassie Jaye – sich mal eben von außen eine rote Pille reichen lassen kann ( die sie dann einnehmen oder es sein lassen kann ), sondern muß sich ihre Mixtur wohl o. übel selbst zusammenbrauen.

    Daß das, nach einer irren, über hundert Jahre andauernden Serie von Männerhassfeminismen, noch dazu nahezu ohne nennenswerte Gegenbewegungen, nicht gerade der einfachste Weg ist, scheint mir geradezu zwangsläufig und unausweichlich zu sein. Von wegen Manifestation sozialer Konstrukte u.s.w..

    V.dh. sehe ich sie gerade in einer ziemlich sensiblen Hochspannungsphase, wo sehr viel möglich ist und weniges davon einfach ist. Broadway the hard way, gefällt mir.
    Und wünsche ihr noch so ein paar relativ gelungene Entwicklungsschritte, nicht allzu schmerzhafte Korrekturen und, daß sie möglichst flott „ein paar Bücher weiterkommt“ und das – ganz nebenbei – auch auf ihrer persönlichen erotischen Ebene, bevor sie verwelkt.
    Das Potential scheint ja einigermaßen gegeben zu sein … 😉
    Schaun mer mal in 10 Jahren ….
    Knackpunkt z.Zt. ist m.E., daß sie – als momentan ( mindestens noch ) relativ akzeptierte Autorin – mit ihren Thesen bei ausnahmslos jedem nennenswerten politischen Feminismus garantiert und fast schon gezielt instant Kotzen, Kreischen und wildes Um-sich-dreschen, sowie trotziges Totschweigen im Medienbereich ( wird kommen, wenn sie bei der Linie bleibt, ich schwör! ) massiv triggert. Margarine Stockdoofski macht sich ja schon mal warm 🙂 ( siehe Kommentar von Eckitake ).
    Ob sie die Ochsentour durchsteht, bleibt ebenfalls abzuwarten.

    • „Ob sie die Ochsentour durchsteht, bleibt ebenfalls abzuwarten.“

      Man denke nur mal an Ronja von Rönne. Die war natürlich noch viel jünger, aber bei der dauerte es nur sehr kurze Zeit, bis sie zurückruderte und inzwischen meines Wissens wieder voll auf „Partei“-Linie ist. Da waren die auf Twitter und publizistisch aktiven Kleriker wahrhaft sehr erfolgreich…

  9. Gefühlsarbeit
    emotionale Arbeit

    LOL

    Ein Mann sollte mal einer Feministin, deren Probleme er sich gerade geduldig angehört hat, eine Rechnung für Gefühls- oder emotionaler Arbeit stellen.

    • Ich finde die Begriffe gut, weil sie ehrlich sind. Jede Frau die diese Begriffe verwendet, signalisiert deutlich dass sie nicht offen interagiert, sondern nur schauspielert.

      Das kann dann eine gute Leistung sein oder eine lausige, aber es ist schon eine Form von Arbeit.

      • „… aber es ist schon eine Form von Arbeit.“

        Dann muß man aber auch fragen: Welche Nachfrage gibt es für diese Arbeit? Eine Person kann nur dann Anerkennung oder gar Lohn für eine Arbeit fordern, wenn es für diese Arbeit (bzw. das Ergebnis dieser Arbeit) eine echte Nachfrage gibt.

        Wer also fragt die Ergebnisse der weiblichen Gefühlsarbeit nach? Und warum entlohnt er diese Ergebnisse – was sind eigentlich die Ergebnisse von weiblicher Gefühlsarbeit? – dann nicht entsprechend?

        • Jochen Schmidt,

          Die Nachfrage ist offensichtlich.

          Eine bekannte (und ehrliche) Erscheinungsform dieser Arbeit sind z.B. Escortdienste. Auch berichten Prostituierte, dass nicht selten bei der Kundschaft gar nicht der Geschlechtsverkehr sondern die soziale Interaktion im Vordergrund steht.

          Auch unter Frauen kann frau jede soziale Interaktion, welche frau nicht aus eigener Spaß an der Sache sondern aus pragmatischen Erwägungen heraus tätigt, als „Arbeit“ bezeichnen. Der Klassiker ist hier das Kaffeeklatsch-Treffen mit der „Freundin“, wo frau eigentlich gar keine Lust darauf hat („Die redet immer so viel, da komme ich nie zu Wort“) nur hingeht, um in der Peer-Group nicht ausgegrenzt zu werden.

          In Beziehungen ist ebenfalls ein realistisches Szenario, dass frau mit dem alten Sack eigentlich gar nicht abhängen will, es aber trotzdem macht, weil sie so Zugriff auf seine Ressourcen hat (oder Statuspunkte in der Peer-Group abgreifen kann).

          Das Ergebnis weiblicher Gefühlsarbeit? Ein gutes Gefühl beim Gegenüber 😉

          only_me,

          Guter Punkt. Handelt es sich um eine Dienstleistung die explizit bestellt wurde? Oder ist es meistens eher ein Angebot, welches durch konkludentes Handeln angenommen wurde? Solche Fragen sind heikel, da sie nicht nur die Romantik zerstören, sondern auch das Selbstbild des Mannes in Frage stellen.

          • Soweit ich es verstanden habe, sprichst Du hier von einer kleinen Teilmenge der Gesamtmenge „emotional labour“ – man könnte es emotionale Prostitution nennen. *Dafür* gibt es sicher eine Nachfrage – aber bestimmt nicht für den ganzen Rest der weiblichen Gefühlsarbeit.

            Dein anderes Beispiel des Kaffeeklatsch-Treffens mit der Freundin kann man wohl anerkennen – aber es nützt den Feministen nichts. Denn diese Art von Gefühlsarbeit leisten Männer in etwa demselben Ausmaß wie Frauen (natürlich gibt es individuell Unterschiede):

            Wie viel Gefühlsarbeit leiste ich für gestresste oder gemobbte Kollegen, wie viel Gefühlsarbeit leiste ich für genervte Nachbarn, wieviel Gefühlsarbeit leiste ich für gefrustete Bekannte, wieviel Gefühlsarbeit leiste ich für meine Eltern – ich leiste sogar Gefühlsarbeit an der wieder mal zu langen Schlange an der Kasse des Supermarkts.

            Soweit ich es mitbekommen habe, fordern Feministen Lohn oder zumindest Anerkennung für *jede* Art der weiblichen Gefühlsarbeit. Diesen Lohn will ich für meine Gefühlsarbeit auch haben! Daß emotionale Prostitution nicht nur nachgefragt, sondern auch entlohnt wird, hast Du mit Deinen Beispielen bereits angedeutet …

          • @Jochen Schmidt:
            völlig richtig!
            Ich habe mich – seitdem diese Nummer mit ‚emotional labor‘ aufgekommen ist – immer gefragt, in was für einer Welt diese Feministinnen eigentlich zu leben glauben, wenn sie schlichtweg schweigend voraussetzen, dass Frauen als einzige ‚emotional labor‘ leisten. Und nicht etwa ALLE Menschen, die auf das Zeigen von Gefühlen in ihrem momentanen sozialen Umfeld reagieren.

            Wie stellen die sich eigentlich eine Beziehung vor? Kommt es da nie vor, dass die Partnerin getröstet, beruhigt, ermutigt werden müßte oder das man auch nur Verständnis zeigt? Für diese Leute scheint das alles (zumindest fast alles) nur in die Richtung von Frau –> Mann zu gehen. In meinen sämtlichen bisherigen Beziehungen war das aber anders….

            … und an der Kasse vom Supermarkt sowieso ;-).

          • Also ich habe gerade heute Nachmittag zwei Optikfachverkäuferinnen richtig glücklich gemacht.
            Trotzdem muß ich für Anpassung der einen und Anschaffung der anderen Brille, plus polaroidisierendem Sonnenvorsatz Kohle blechen ( war aber günstig ).
            Und kriege null €ent ( IN ZAHLEN = 0! ) für die stundenlange emotionale Arbeit an den beiden Damen, dabei habe ich mir ächt ganz viel Mühe gegeben.
            Menno!

          • Fiete,

            war das so ne Werbeaktion „Kauf zwei Brillen, die Fassungen gibts umsonst UND die Verkäuferinnen für lau vögeln obendrauf“ ?

            Ja, der Markt ist hart umkämpft, da müssen sich die Marketing-Truppen immer was neues einfallen lassen…

            😉

          • Jochen Schmidt,

            forder ihn doch einfach ein 🙂 Die Feministas fordern ja auch nur. Oder sollte man das betteln nennen? Warum wohl wollen Huren zuerst bezahlt werden bevor es zur Sache geht? 😉

          • „war das so ne Werbeaktion „Kauf zwei Brillen, die Fassungen gibts umsonst UND die Verkäuferinnen für lau vögeln obendrauf“ ?“
            Fast so ähnlich …. 🙂
            Wer die bumst weiß ich nich, mir war der Laden zu voll und ich war in Begleitung einer älteren Dame.
            Und klar, es war Vielmann/frau/sonstige.
            Die haben jetzt ein Dauerdumpmodell ( haben die immer, aber das kannte ich noch nicht ). Man schließt ’ne Versicherung für 10 Ta€ken p.A. ab und kriegt die ganze Brille, plus sämtlichen Service für umme. Ergo frage ich die doof und lasse alles bis in’s Haarkleinste richten, einstellen, besser passende Bügel dranschrauben etc.pp..
            Und diesmal hab ich noch für’n Zehner den Haitäckpolaroidsonnenklappvorsatz ( natürlich exakt passend geschliffen, angepasst, eingestellt u.s.w. ) aus deren Kreuz rausgeleiert.

            Tja, ganz ehrlich, keine Ahnung warum die davon das Honigkuchenpferdgrinsen in’s Gesicht kriegen. Vielleicht ist der Geschlechtsführer des Laden gut im Spezialbonusverteilen, oder so.
            Is mir aber wurscht, solange die sich bald überschlagen, um den kaputten alten Rentner zum Kundenkönig des Jahres zu küren …..
            ( mancher Sex is schlechter, hä hä … )

      • Kinder haben von jeher ein Anrecht darauf, dass ihre Eltern sich kümmern und sie versorgen.

        Frauen hatten seit Urzeiten auch den Anspruch, dass sie vom Mann, dessen Kinder sie austragen, versorgt werden.

        Versorgt werden als Grundrecht ist dem Kind und der Frau in die Wiege gelegt.

        Der konkrete Mann, der eine Gegenleistung für seine Versorgungsleistung erwartet, ist nach 50 Jahren Feminismus endlich als Zumutung und Unterdrückung entlarvt. Aber an dem Anspruch auf Versorgung ändert sich natürlich nichts.
        Gleiche Rechte bedeutet NICHT, dass frau auf Rechte verzichtet oder zu irgendwas verpflichtet ist. Duh.

        • Lüg nicht so rum du Femitroll! Lol.
          Als ob Kinder ein Anrecht auf Versorgung hätten.
          Die dürfen froh sein, wenn sie nicht der Selbstverwirklichung geopfert werden und irgendwo zu Schminke verarbeitet den sexuellen Marktwert von Frauen erhöhen müssen.

          • Klar haben Kinder ein Anrecht darauf, dass der Kuckucksvater, der sie nicht sehen darf, zwanzig Jahre einen Großteil seines Einkommens für sie aushändigt!

            Was denkst du denn?

            Sie haben natürlich kein Recht der Mutter gegenüber, nicht mal darauf, das Licht der Welt zu erblicken.

            Wo denkt man hin?

  10. Die Kritik von Flaßpöhler an der metoo-Kampagne berührt zumindest teilweise auch die Frage, warum z.B. jemand wie ich diese Kampagne vollkommen eindeutig als Hetzkampagne gegen Männer klassifiziere, während Feministinnen sich nicht im Traum vorstellen können, diese Kampagne sei in ihrer Wirkung irgendwie sexistisch.

    Ein besonders markantes Beispiel, wie verschieden die Denkstrukturen sind, liefert ein neuer Artikel in der SZ, „Me Too“ war ein Gesprächsangebot – ihr lasst es verstreichen von Jagoda Marinic, 15. Juli 2018. Zitate hieraus:

    … „Me Too“ war eine Gelegenheit, die Verletzbarkeit durch Machtmissbrauch an die Öffentlichkeit zu bringen. Es war ein Moment, um Geschichten zu erzählen. Geschichten sind der Königsweg zur Empathie.

    Bisher wurde die Chance, über Geschichten miteinander in Verbindung zu treten, nicht oder zu selten ergriffen. Dieser Fehler ist auch allen Menschenrechtsbewegungen derzeit anzukreiden: Sie haben sich dem abstrakten Denken verschrieben. Sie argumentieren mit Statistiken und Gesetzen, mit Daten und Fakten. …. Diese Abstraktion ist ein Versuch, die eigene Ohnmacht zu rationalisieren. …. Die Narrationen fehlen. Der Mut zu fühlen und mitzufühlen.

    Besser kann man den fundamentalen Unterschied zwischen einer typisch männlichen und weiblichen Wahrnehmung (oder gewolltem Framing) der sozialen Wirklichkeit nicht auf den Punkt bringen.

    Der typisch männliche, faktenorientierte Stil verlangt nach soziologischen Analysen, Statistiken, objektiven Fakten, klaren Regeln, die auf ggf. abstrakten Prinzipien und Grundwerten beruhen und die im Prinzip ohne Ausnahme eingehalten werden. Wenn es Härtefälle gibt, kann man immer noch versuchen, eine erträgliche Lösung zu finden, aber Sonderfälle sind unerwünscht und nicht willkommen.

    Der typisch weibliche, gefühlsorientierte Stil verlangt nach Geschichten, also Einzelfällen, „Narrativen“, Gelegenheiten, mitzufühlen und Empathie zu zeigen, Systematik spielt eine untergeordnete Rolle, ebenso Folge- und Kollateralschäden (u.a. im allgemeinen Rechtsbewußtsein), denn die sieht man im Moment des Mitfühlens ja noch nicht. Ziel ist das Erzeugen von Angst vor „dem Bösen“ oder Mitleid mit den Unterprivilegierten (womit wir schon wieder bei der Privilegientheorie wären), auch wenn das soziologisch eine völlig verzerrte Wahrnehmung der sozialen Wirklichkeit ergibt.

    Damit kann man auch erklären, warum aus Sicht typischer 3.-Welle-Feministinnen Frauen heute und seit ewigen Zeiten Opfer sind: man kennt nur „mächtige Narrative“, und die „beweisen“ den Opferstatus ganz eindeutig.

    Am Rande: Jagoda Marinic, Jahrgang 1977, ist Schriftstellerin, Kulturmanagerin und Journalistin. Sie studierte Politikwissenschaft, Germanistik und Anglistik an der Universität Heidelberg. Etwas anderes als „Narrative“ passen vermutlich auch nicht in ihren Denkhorizont, und empirische Sozialforschung ist sicher nur ein patriarchales Konstrukt.

    Man kann es nicht oft genug betonen: alle Versuche, mit rationalen, empirischen Denkweisen gegen den Narrativ-Feminismus anzuargumentieren, sind zum Scheitern verurteilt, weil Objektivität und Rationalität im Grunde abgelehnt und subjektiven Gefühlen untergeordnet werden. Ein Hauptgrund, warum Flaßpöhler durchweg negativ von ihren feministischen Kolleginnen kommentiert wird, ist ihr Appell für mehr Rationalität.

    • „Der typisch weibliche, gefühlsorientierte Stil verlangt nach Geschichten, also Einzelfällen, „Narrativen“, Gelegenheiten, mitzufühlen und Empathie zu zeigen, Systematik spielt eine untergeordnete Rolle, ebenso Folge- und Kollateralschäden (u.a. im allgemeinen Rechtsbewußtsein), denn die sieht man im Moment des Mitfühlens ja noch nicht.“

      Dies ist der wesentliche Grund, warum Frauen keine Zivilisationen aufbauen und erhalten können.

    • Kann Jagoda Beispiele dafür nennen, wo sie sich die Geschichten von Incels angehört und mit Empathie reagiert hat?

      Das Unausgesprochene ist ja auch hier der Gynozentrismus, der definiert, WESSEN Geschichten hörens- und fühlenswert sind.

    • mitm,

      ein wichtiger, wenn nicht gar zentraler Punkt. Und danke für den Link auf den SZ Artikel von Jagoda Marinić. Alleine die Analyse dieses Textes wäre schon ein Artikel wert.

      Zitat daraus:
      „Im englischsprachigen Raum gibt es eine Tradition des „I confess …“. Ich gestehe und sage „ich“ dabei. Dieses „Ich“ ist kein Argument, es ist der Beginn einer Geschichte. Bisher wurde die Chance, über Geschichten miteinander in Verbindung zu treten, nicht oder zu selten ergriffen.“

      Tja, so tickt sie. Grob gesagt, will sie den heulend zusammenbrechenden, geständigen Mann vor sich haben. Ihn herunterziehen auf ihre Domäne um ihn schlagen zu können. Kurzum: Eine kleine, fiese, subtile Falle.

      Hahaha

      • „Grob gesagt, will sie den heulend zusammenbrechenden, geständigen Mann vor sich haben“

        Das ist zu negativ gedacht, vor allem zu sehr von einer Absicht ausgehend. Um es zuzuspitzen (Vorsicht, extreme Pauschalisierung): viele Frauen können gar nicht anders. In jedem besseren Beziehungsratgeber lernt man, daß die Kommunikation bei Frauen eine ganz andere Rolle spielt als bei Männern, und zwar vor allem auf der Beziehungsebene Verbundenheit und Mitgefühlt auszudrücken. Was auf der Sachebene verhandelt wird, ist Nebensache. Das falsch einzuschätzen ist die Garantie für Ehekrach. Nach meinem Eindruck überträgt sich das (Streiterzeugung durch inkompatible Kommunikationsstile) merklich auf politische Diskussionen.

        Und pragmatisch gesehen: wenn man Frauen politisch erreichen will, muß man sich ggf. an diesen Stil anpassen, auch wenn es einem nicht liegt.

        • mitm,

          vielleicht war es keine bösartige Absicht von ihr, sondern nur eine unpassende Übertragung weiblicher „Streitkultur“ auf das zwischengeschlechtliche. Die Idee, den größten Scheiß bauen und dann mit geheuchelter oder echter Reue alles ungeschehen machen zu können.

          Was vielleicht durchaus im privaten Kontext funktionieren kann, aber ganz sicher nicht bei öffentlichen Beschuldigungen, Sexualstraftaten begangen zu haben.

          Von daher ist die Idee, määhhtoo wäre nur ein öffentliches Gesprächsangebot gewesen, absolut lächerlich.

          Das Unbehagen der intelligenteren Frauen über diese Hysterie und die Folgen für das Geschlechterverhältnis waren sicher nicht unberechtigt.

  11. Flaßpöhlers Begriff von einer potenten Frau ist ja sehr abstrakt, ebenso ihre Erläuterung, daß man oft auch andere Alternativen hat als alles über sich ergehen zu lassen und hinterher zu jammern, und daß man ggf. mal auch etwas riskieren muß. Hier also der Brüller der Woche, wie das in der Praxis funktioniert: eine potente Frau.

    • Man muß sich sich unbedingt das Video unter dem Tweet ansehen. Bedienung steht an einer Anrichte, Gesicht zur Wand, Typ kommt hinter ihr vorbei und greift ihr im Vorbeigehen an den Po, Kaum zwei Schritte weiter hat sie ihn eingeholt, packt ihn und peffert ihn auf einen Stuhl. Wahrscheinlich war er ihr körperlich weit überlegen, aber das Überraschungsmoment war auf Ihrer Seite. Thumbs up!!
      Von unseren Netzfeministinnen hätte sich das keine getraut.
      Bei diesem Video alleine 6.5 Mio Abrufe, bei aktuell 44.303 Retweets insb. vermutlich moch einige Millionen weitere Male.

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