„Frauen sind wie Kinder, man sollte sie auch so behandeln“

Es ist eine These, die im radikalen Maskulismus oder auch allgemein als Frauenfeindlichkeit ab und zu immer mal wieder auftaucht und die hier gerade von LH formuliert worden ist:

Das ganze Problem ist, dass Ihr so so gerne Frauen/Feministinnen wie gleichberechtigte, erwachsene Menschen sehen wollt. Sie sind es offensichtlich nicht, wie lange muss der Feminismus noch versuchen das Offensichtliche zu beweisen?

Ich schrieb dazu:

Natürlich sind Frauen gleichberechtigte erwachsene Menschen. Und da willst du ernsthaft darüber diskutieren, dass du ein schlimmer Misogynist bist?

Schoppe schrieb etwas umfassender, als Reaktion auf LH:

Das ist tatsächlich ein ganz wesentlicher Unterschied verschiedener Weisen der Kritik am Feminismus. Die eine Kritik, Deine, zielt darauf ab, dass die Idee einer Gleichberechtigung von Frauen und Männern illusionär sei und dass Frauen als vollwertige erwachsene Menschen nicht anerkannt werden können. Die andere Kritik, meine und auch die anderer hier, zielt ganz im Gegensatz dazu darauf ab, dass Feministinnen den richtigen Anspruch auf Gleichberechtigung durch ihre Politik konterkarieren.

Aus meiner Sicht lebst Du mit Deiner Position gleichsam in direkter Nachbarschaft mit Feministinnen wie Wizorek und co. – gleich nebenan, nur dass es zwischen Euren Wohnungen halt keine Türen gibt. Gemeinsam ist Euch aber eine infantilisierende Darstellung von Frauen. Diese Positionen haben überhaupt keine vernünftige Perspektive.

Die Abwertung von Frauen als Kinder ist sicherlich ein einfaches Mittel, um sich besser zu stellen, vermutlich gefällt es deswegen einigen. Es ist aber mit der Realität schwer in Einklang zu bringen. Frauen schneiden im Gegensatz zu Kindern in Intelligenztests und bei der Verteilung nicht schlechter ab. Auch ansonsten herrscht in Beziehungen keineswegs das Machtgefälle, wie man es bei einem Kind als Gegenspieler erwarten würde – im Gegenteil, in den meisten Familien haben die Frauen durchaus viel zu sagen. Man kann übrigens auch kaum eine Theorie wie „Die Frauen beuten uns Männer aus“ mit „Frauen sind wie Kinder“ in Einklang bringen, was mir in radikaleren Kreisen auch eine gern genommene verbundene These zu sein scheint.

Es ist also aus meiner Sicht ein Ausdruck von Frauenfeindlichkeit, der ihnen in der Tat einen niedrigeren Status, eine geringere Wertschätzung als Mensch, zuspricht. Es ist daher auch nicht mit meiner Sichtweise auf die Geschlechter vereinbar. Es ist eher ein Zeichen von einem Radikalismus, den ich zutiefst ablehne.

„Was hat dich zur Feindseligkeit gegenüber dem Feminismus gebracht?“

Resolute Nuss unterbreitet auf Gleichheit und Differenz einen interessanten Vorschlag:

Wenn man einen Feminsten fragt: Warum hat Feminismus so einen schlechten Ruf? und wenn man einen Maskulisten fragt: Warum hat der Maskulismus so einen schlechten Ruf? Werden die Antworten mehr oder weniger in die andere Richtung zeigen. Deswegen wäre meine Idee ein Beitrag bei dem jeder der möchte halt beschreibt was das erste oder die ersten großen Ereignisse waren die zu dieser Feindseligkeit geführt haben war. Dabei sollte natürlich konkret erklärt werden und keiner mit Frauen/Männerhass ankommen.

Dabei glaube ich gar nicht mal, dass man immer ein Ereignis benennen kann, welches das wirklich ausmacht. Häufig wird es eher ein Prozess gewesen sein.

Ich glaube meine ersten Berührungen mit der Debatte war wirklich Diskussionen darüber, warum ein Junge nicht zurückschlagen dürfen sollte, wenn ihn ein Mädchen schlägt, irgendwann in der sechsten Klasse oder so. Das erschien mir sehr ungerecht und ich war der Auffassung, dass ich das natürlich dürfte.

ich erinnere mich auch an ein bekanntes Kinderlied, welches irgendwann mal als Kind beim Wandern gesunden wurde:

Ein kleiner Matrose umsegelte die Welt.
Er liebte ein Mädchen, das hatte gar kein Geld.
Das Mädchen musste sterben, und wer war schuld daran?
Ein kleiner Matrose in seinem Liebeswahn.

Irgendwann mit 14 fand ich dieses Lied reichlich bescheuert. Heute würde ich meine Gedanken damals vielleicht so ausdrücken:

Wo ist da der Kausalzusammenhang? Warum kann sie nicht selbst arbeiten gehen?

Ich würde auch heute ergänzen: Und warum lässt man das Kinder singen?

Ich kann mir da heute durchaus Sachverhalte vorstellen, wo er sie geschwängert hat und sie dann sterben musste, weil sie sich keinen Arzt leisten konnte und er bereits unterwegs zum nächsten Hafen war. Aber dennoch ist es ja eine sehr undifferenzierte Schuldzuweisung, die ich damals sehr ungerecht fand.

Diese Sachverhalte sind erst einmal nicht gegen einen Feminismus gerichtet, aber es zeigte jedenfalls ein gewisses Interesse an Geschlechtergerechtigkeit und Gleichberechtigung.

Mich interessierte das Thema an sich und wenn ich was dazu fand, dann las ich es durchaus interessiert. Es war aber wenig konkretes. Ich las ein paar mal die EMMA, die in der Bücherei auslag, aber so viel weiter habe ich es auch nicht verfolgt.

Interessanter wurde es dann eigentlich erst mit dem Studium und natürlich dem Internet. Insbesondere ist mir ein Flugblatt in Erinnerung, welches eine radikale Frauengruppe an der Uni verteilen lies. Darauf fand ich insbesondere zwei Begriffe höchst interessant:

Zum einen war von „Frauenlesben“ die Rede, zum anderen von einer „Zwangsheterosexualisierung“.  Beide Begriffe fand ich so abstrus, dass ich sie erst einmal googlen per Fireball suchen musste.

„Frauenlesben“ war ein Begriff, der Lesben sichtbar machen sollte und zudem auch irgendwie was damit zu tun hatte, dass ja Frauen eigentlich alle auch irgendwie lesbisch sind und nur durch das Patriarchat in die Heterosexualität getrieben werden (–> Zwangshetereosexualität) (wohl beeinflusst von Adrienne Rich und Co)

In älteren Beiträgen findet man dazu noch etwas, heute ist der Begriff wohl eher „out“:

„FrauenLesben“ ist eine – ich vermute in den 80er Jahren aufgekommene – Schreibweise, die

  • die sprachliche ‚Unsichtbarkeit‘ von Lesben unter dem (vermeintlich neutralen, aber stillschweigend heterosexuell gedachten) Oberbegriff „Frauen“ beseitigen sollte,
  • also tendenziell ein Synonym für „Heteras und Lesben“ ist
  • und zugleich aber auch auf die Kontroverse anspielt, ob Lesben (nach ihrem Selbstverständnis) Frauen sind bzw. sein sollen.* Die Schreibweise ist also eine abgeschwächte Variante zu „Frauen und Lesben“ bzw. „Frauen oder Lesben“.
    „FrauenLesben“ sollte sowohl lesbar sein als „Frauen, unter Einschluß [Sichtbarkeit] von solchen, die lesbisch sind,“
    als auch als „Heteras und Lesben, die sich als Frauen verstehen, + Lesben, die sich nicht als Frauen verstehen“.

Meine Kommilitonen und ich fanden das relativ komisch, wir lachten über Begriffe wie „MännerSchwule“ oder die Frage „wenn es denn Frauenlesben gibt, gibt es dann auch MännerLesben“?

Ich erinnere mich sogar, dass ich am nächsten Tag eine Verteilerin dieser Zettel fragte, ob sie sich tatsächlich Zwangsheterosexualisiert fühlen würde. Sie verstand den Begriff erst gar nicht. Ich sagte, dass er in den Flyern stehen würde, die sie verteilt, und erklärte ihr, dass es bedeutet, dass sie eigentlich eher lesbisch sei und nur von Männern in die Heterosexualität gezwungen werde. Sie lachte und teilte mit, dass sie mit ihrem Freund eigentlich sehr zufrieden sei, es gehe ihr eher um Gleichberechtigung, sie habe die Flyer gar nicht gelesen.

Das weckte meine Neugier sogar noch mehr. Hier gab es anscheinend einige vollkommen bescheuerte Konzepte, die erkennbar keinen Sinn machten, aber von Feministinnen vertreten wurden. War da nicht doch irgendwo ein Sinn versteckt? Vielleicht war ich nur zu dumm, dass zu verstehen.

Ungefähr um die Zeit fiel mir aber auch ein anderes Buch in die Hände:

Einer meiner ersten Kontakte mit Büchern zu Geschlechterunterschieden war bei einem Zwischenstopp auf einem Bahnhof, bei dem ich mit meiner damaligen Freundin die Zeit in einer Buchhandlung totschlug. Sie bekam irgendwie “Männer sind anders, Frauen auch” von John Gray in die Hände und wies mich nach einigem Blättern auf eine Liste der Sachen hin, die Frauen und Männer jeweils in Beziehungen vermissen (oder so in der Art, es ist eine Weile her).

Sie wies mich darauf hin, weil sie eben genau diese Sachen in unserer damaligen Beziehung vermisste. Und auch ich vermisste wiederum einige Punkte der Liste bei ihr. Ich kaufte das Buch und verschlang es. Und es hat mir in vielen Punkten tatsächlich sehr geholfen die Beziehung zu verbessern. Gerade in Punkten wie „Bei Problemen der Frau will sie nicht, dass man sie löst, sondern das man ihr zuhört“ und einigen anderen Punkten. In diesem Buch war als weitergehendes Buch zu den biologischen Grundlagen das Pease & Pease Buch „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken: Ganz natürliche Erklärungen für eigentlich unerklärliche Schwächen“ empfohlen und das kaufte ich mir auch und es war der Beginn einer großen Liebe zur Geschlechterbiologie.

Der Maskulismus kam dann wie folgt dazu:

Ich hatte schon einiges über Geschlechterunterschiede gelesen und mir so meine Gedanken gemacht. Dann las ich in der Süddeutschen einen Bericht über das Buch“Frauen und Kinder zuerst” von Paul-Hermann Gruner, dass einige interessante Fragen ansprach. Ich kaufte es mir aus einer Laune heraus und vieles dort passte gut zu anderen Überlegungen die ich hatte. Ich las etwas weiter, Arne Hoffmann und Warren Farrell. Gerade in Verbindung mit den Geschlechterunterschieden machte das durchaus alles Sinn.

Tatsächlich las ich erst Gruner, dann meine ich Warren Farrell und irgendwann dann Arne. Ich weiß gar nicht, wie ich erfahren hatte, dass Arnes Buch rausgekommen ist. Ich schaute in den Buchhandlungen, ob es dort auslag, was aber natürlich nicht der Fall war. Die Angestellte der Buchhandlung guckte leicht irritiert als ich ein Buch mit dem Titel „Sind Frauen die besseren Menschen?“ bestellte, oder zumindest glaubte ich es, weil ich mich jedenfalls etwas rebellisch fühlte. Ich glaube ich steckte es auch recht schnell in eine Tasche und verbarg es etwas im Bücherregal. Man wollte ja nicht direkt als Spinner gelten.

Insbesondere Farrell hat mich damals tief beeindruckt. Das Hinterfragen der Geschlechterrollen, das versöhnliche dabei, die ausgleichende Botschaft, ich fühlte mich zu der Zeit tatsächlich etwas diskriminiert und neigte etwas zu einem „Opfermaskulismus“. Allerdings hielt ich das Thema abgesehen von einigen wenigen Diskussionen durchaus aus meinem Umkreis raus.

Natürlich wollte ich aber dennoch über das Thema diskutieren, was aber im damaligen Internet schwierig war. Ich war aber damals ein Fan des Usenet und versuchte es mit dem Thema in verschiedenen Gruppen. Da keine wirklich passend war gründete ich dort die Gruppe de.soc.gleichberechtigung (heute vollkommen tot) und diskutierte dort die nächsten Jahre. Dort gab es einige Feministinnen und einige Maskulisten und es ging durchaus heiß her.

In der Zeit las ich einiges über feministische Theorie und natürlich über Maskulismus und Feminismus. Es wurde aus meiner Sicht immer klarer, dass viele Thesen im Feminismus so nicht klappen konnten und ungerecht waren. Es wurde komplett die Biologie ausgeblendet. Die gesamten Theorien waren zudem extrem einseitig und ich konnte insbesondere gut nachvollziehen, was Warren Farrell schrieb und weswegen er es wichtig fand, dass man sich die Sache von beiden Seiten anschaute.

Warren Farrells Texte sehe ich heute insbesondere unter dem Gesichtspunkte, dass sie einem einen gänzlich anderen Frame der Geschlechter bieten, indem eben auch Männernachteile vorkommen. Diese Sichtweise verändert aus meiner Sicht unglaublich viel, auch wenn ich insgesamt für ein Verstehen die Evolutionäre Biologie wesentlich wichtiger finde.

Irgendwann verlagerte sich die Diskussion in die Blogs, gerade bei der Mädchenmannschaft und dem Mädchenblog. Damals konnte man bei der Mädchenmannschaft ja sogar noch diskutieren, wenn man auch recht schnell an die Grenzen kam. Bei meiner ersten Sperrung dort schrieb ich eine freundliche Email, warum man mich gesperrt hatte und das ich meiner Meinung nach höflich und sachlich geblieben war. Man schaltete mich sogar wieder frei. Das hielt aber nicht lange, was sicherlich auch daran lag, dass ich etwas häufig „Testosteron“ gesagt hatte, ich überlegte noch kurz unter fremden Namen weiter zu kommentieren, aber das es wohl weniger Biologisten meines Schlages gab hätte ich mich zu sehr verstellen müssen als das es noch Spass machte. Also gründete ich diesen Blog.

Ich würde noch nicht einmal sagen, dass ich Feminismus hasse. Mich erschreckt eher seine Radikalität, ich finde die Einseitigkeit der Schuldvorwürfe und den einseitigen Standpunkt, der in den vorherrschenden Ausrichtungen vertreten wird und die dort recht offen zu Tage tretende Wissenschaftsfeindlichkeit erschreckend und mich ärgert, dass sie über die wesentlich besseren Lösungen, die in anderen Bereichen bestehen hinweggehen.

Was für mich eigentlich das Thema interessant macht ist aber nicht der Hass auf eine andere Richtung, sondern das Geschlechterverhältnis an sich, das Verstehen, was Mann und Frau ausmacht und was sie aneinander interessiert. Ich finde, dass es eine der wesentlichen Bausteine ist, die das Verstehen menschlicher Gesellschaften ermöglicht und ich bedauere sehr, dass der vorherrschende Feminismus hier tatsächliche Forschung behindert und aus meiner Sicht eine Feindlichkeit in die Debatte bringt, die nicht bestehen muss.

Mich fasziniert aber auch das System „Feminismus“ und wie man nicht erkennen kann, dass es extrem unlogisch ist, einseitige Schuldzuweisungen hervorbringt und das es wesentlich bessere Erklärungen gibt.

Es ist immer noch die Faszination vorhanden, mit der ich damals nicht verstanden habe, warum man meint, dass Heterosexualität, der wesentliche Vorgang auf dem Fortpflanzung beruht, gesellschaftlich erzwungen sein kann. Mit einem Feminismus, der Gleichberechtigung will, habe ich nach wie vor keine Probleme. Aber leider will das der gegenwärtig vorherrschende Feminismus nicht.

Ein Teil ist damit auch durchaus das, was die Motivation vieler im Internet Diskutierender ausmacht:

Jemand hat unrecht im Internet

Jemand hat Unrecht im Internet

Ich habe schon immer gerne diskutiert, mit dem Geschlechterthema und dem Feminismus habe ich dafür ein nicht zu beendendes Thema gefunden.

Ich finde es sehr schade, dass es auf Seiten des Feminismus kaum jemanden gibt, der ernsthaft über die dortigen Probleme diskutieren möchte. Wer tief im Thema drin ist, der hat wohl zu viele versunkene Kosten um sich auf tiefere Diskussionen einzulassen und die „MeinFeminismus“-Feministinnen haben üblicherweise keine Ahnung von feministischer Theorie und wollen sich auch nicht auf tiefere Diskussionen dazu einlassen. Es ist auch etwas unfair: Viele haben kaum Argumente, sie verteidigen ein System, welches sie nicht kennen, sie treffen auf Gegner, die die Diskussion schon häufig geführt haben. Es liegt inzwischen eine sehr hohe Einstiegsschwelle vor. Ich kann auf ein paar hundert Artikel mit Studien zur Biologie und ein paar hundert weitere Artikel Bezug nehmen, die das verwendete Argument häufig schon enthalten. Andere, die erst in das Thema einsteigen, haben noch nie wirklich etwas zum Thema gelesen, vielleicht ein paar Blogartikel, aber nichts, was wirklich die Hintergründe behandelt oder Grundlagen feministischer Theorie behandelt oder gar belegt. Sie wollen auch gar nicht in Studien wühlen und schon gar nicht wollen sie plötzlich über Hormone nachdenken müssen, wenn sie doch eigentlich nur finden, dass man die Geschlechterrollen ändern muss. Das „kommt es denn wirklich auf die Begründung an, wichtig ist, was wir ändern“-Argument kommt dann recht häufig, zeigt aber im wesentlichen, dass man nicht bereit ist, die Grundlagen wirklich einmal über eine soziale Begründung hinaus zu hinterfragen. Überhaupt gibt es wenig Feministinnen, die – zumindest nachdem man etwas ins Thema eingestiegen ist – wirklich über Grundlagen diskutieren wollen. Man macht vielleicht Anfänge, aber irgendwann kommt der Punkt, wo sie keine Argumente mehr für ihre Position haben, ihre Sichtweise ändern müssten und eingestehen müssten, dass die feministische Theorie ganz gewaltige Schwächen hat. Die meisten ziehen es dann vor, die Diskussion abzubrechen. Und dieser fehlende Ehrgeiz seine eigene Meinung zu verteidigen und Argumente dafür zu suchen, das dogmatische, dieses „du musst nicht verstehen, nur glauben“ ist wohl das, was mich am meisten stört.

Wer will mag das Thema gerne als Blogstöckchen aufgreifen, natürlich würde es mich besonders freuen, wenn eine Feministin schreibt, was sie dazu gebracht hat, den Maskulismus gegenüber feindselig eingestellt zu sein und was sie am Feminismus gut findet,  ansonsten gerne in den Kommentaren.

Es haben das Thema bisher aufgegriffen:

„Fünf Thesen zur Männerpolitik“ (Tom Todd bei Agens e.V.)

Bei Agens hat Tom Todd „5 Thesen zur Männerpolitik“ veröffentlicht, die ich hier gerne mal zur Diskussion stellen möchte:

These 1 Männer müssen sich selbst gut verstehen

In großen Sprüngen haben sich die Frauen in den letzten Jahrzehnten selbst definiert und eine Politik erkämpft, die ihnen hierzulande gleiche Rechte zugesteht. Eine entscheidende Komponente in dieser Entwicklung war ja die Entwicklung des weiblichen Selbstverständnisses.

Männer hingegen werden öffentlich als Trottel, Gewalttäter, Sexbesessene, Taugenichtse u. dgl. mehr dargestellt, ohne auch überhaupt ein Wort dagegen sagen zu können, ohne als frauendiskriminierende Machos oder Jammertüten abgetan zu werden.

Den Männern fehlt offenbar ein entsprechendes selbstbewusstes Selbstbild, das die vielfachen positiven Eigenschaften des Mannseins verstärkt – angefangen mit Förderer der Autonomie der Kinder bis hin zum starken Schulter der Lebenspartnerin. Insofern geht es darum, sich selbst und seien Potential gut zu verstehen.

These: die Auseinandersetzung mit dem Feminismus und dem gender mainstreaming fügt die beanstandeten Benachteiligungen von Männern und Jungs langsam zu einem Gesamtbild zusammen und lässt allmählich die männer- und jungenspezifischen Bedürfnisse und Veranlagungen erkennen. Um gegen den Dekonstruktivismus und die damit einhergehende Entsolidarisierung der Geschlechter anzukommen, muss/müssen aber – neben einer souverän-gelassenen Kritik am Status quo – zusätzlich vorab

  • die eigene Beteiligung an der Entstehung von Problemen konstruktiv-kritisch durchleuchtet
  • die eigene Rolle als Opfer bzw. Sündenbock aufgebrochen, und
  • die männlichen Bedürfnisse/ Potentiale weiter erkundet und präzisiert werden.

Erst dann wird ein konstruktiver Dialog möglich sein, der z. Zt. in der öffentlichen Debatte verhindert wird durch gegenseitige Schuldzuweisungen bzw. das Pochen auf Individual- bzw. Lobbyrechte.

These 2 Eine Männerpolitik reicht nicht aus

Die Entrechtung und Diskriminierung von Vätern und Männern hat zu einer losen und unkoordinierten Sammlung von regionalen und nationalen Initiativen geführt, die mit Öffentlichkeitsarbeit, Protestaktionen und individueller Lobbyarbeit versucht, auf diese Missstände aufmerksam zu machen. Zur Diskussion steht allerdings, ob es diesen Initiativen gelingen kann, mit einem Katalog von Forderungen der partikularen Interessen der Männer und Väter ohne Einrahmung in einer Strategie des „Wir“ statt (implizit) „Mann gegen Frau“ Erfolg zu haben.

These: Nur eine mit Frauen gebildete Plattform kann Erfolg haben, weil

  1. eine positive Vision des gesellschaftlichen Zusammenhalts als Gegenmodel zum Gleichberechtigungskampf nur so aufgebaut werden kann,
  2. die bisherige Politik von Teile-und-Herrsche nur so zu durchbrechen ist
  3. die Aufhebung der männerfeindlichen Politik logischerweise die Entwicklung einer neuen von Frauen und Männern gemeinsamen Politik voraussetzt

These 3 Ökologie der Geschlechterbeziehungen

Die Familienpolitik ist nicht nur bei benachteiligten Männern ein Kernthema der Politik überhaupt, sondern nimmt deswegen einen zentralen Stellenwert ein, weil sie den Nährboden für die Wertorientierung in unserer Gesellschaft bereitet. Trotz einiger Jahrtausende angeblicher Zivilisation hat es die sich selbst hochpreisende westliche Industriegesellschaft nicht geschafft, eine auf Dauer angelegte Kultur der friedlichen und kooperativen Koexistenz aufzubauen. Ihren Wohlstandsfortschritt muss sie leider noch immer der (hiesigen wie globalisierten) Ausbeutung verdanken.

Die moderne Entwicklung unserer Gesellschaft zeigt eine alarmierende Tendenz des Zerfalls, der Entsolidarisierung und einer globalisierten Ideologie der feindlichen Konkurrenz auf. Trotz wachsendem Bewusstsein der Notwendigkeit einer ökologischen, sprich naturfreundlichen Ausrichtung menschlichen Strebens, stellt sich der Mensch selbst über diese Maßstäbe und meint seine eigene Natur nicht daran messen zu müssen.

These: der Mensch findet – schon aus evolutionspsychologischen und –biologischen Gründen –  seine Bestimmung zunächst in der Förderung des Lebens – im weitesten Sinne. Die Menschheit existiert zunächst, einfach um sich erfolgreich fortzupflanzen. Der moderne Glaube an der technischen Beherrschbarkeit und Steuerung dieses komplizierten Ökosystems (künstliche Lebenserzeugung usw.) ist ein Irrglaube. Die evolutionsnatürliche Familie bildet nach wie vor unabdingbare Voraussetzung jeder auch sich emanzipiert und Hochkultur nennenden Gesellschaft mit glückbringender Zukunftsperspektive. Auch deswegen müssen Kinderinteressen – als Teil des Generationsvertrags – ins Zentrum der Familienpolitik gerückt werden.

These 4 Gender Mainstreaming ist eine Sackgasse

Auf der Seite des Bundesministeriums für Familie etc. ist unter der Überschrift „Strategie ‚Gender Mainstreaming‘“ zu lesen: „Geschlechtergerechtigkeit bedeutet, bei allen gesellschaftlichen und politischen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern zu berücksichtigen.“

„Gender“, die Basiskategorie der Frauen- und Geschlechterforschung, ist eine Kategorie, die nachweisbar aus dem US-amerikanischen homosexuellen Milieu stammt und von Vertreterinnen dieses Milieus auf der Weltfrauenkonferenz 1995 in Beijing gegen erhebliche Widerstände aus der 3. Welt durchgesetzt worden ist.

In der bundespolitischen Praxis ist aber von einer gleichberechtigten Förderung der Interessen beider Geschlechter wenig zu sehen. Hauptsächlich dort wo Männer Fraueninteressen dienen, werden auch Männer gefördert. Noch weitergehend unterfüttern Anhänger des Gender Mainstreamings ihre politischen Vorhaben mit einer pseudowissenschaftlichen Theorie des ausschließlich sozial konstruierten Geschlechts und lassen diesen angeblichen Wissenschaftszweig als einzigen ohne Qualitätskontrolle mit Millionen von Steuergeldern subventionieren.

These:

  1. Gender Mainstreaming (GM) ist eine Mogelpackung und dient der versteckten Agenda der Dekonstruktion von Naturgeschlechtern
  2. GM – auch weil sie der Normalisierung der Homosexualität dient – begünstigt eine gefährliche Sexualisierung der Beziehungen – vor allem bei Kindern
  3. GM reduziert die in Jahrmillionen entwickelten Eigenarten der Geschlechter auf soziale Konstrukte und trägt damit unmittelbar zur Entsolidarisierung in der Gesellschaft bei.
  4. GM verleugnet die wissenschaftlich nachweisbaren natürlich geschlechtsspezifischen Rollen in der Erziehung der Kinder und beraubt diesen dadurch ihrer Naturrechte
  5. GM eignet sich nicht für die tatsächliche Gleichberechtigung, weil sie von ihrer eigentlichen Agenda her eine Diskussion darüber ausschließt.

These 5 Welche Ziele?

Ob in der Familienpolitik, Arbeitspolitik, Justiz, Gesundheit und Bildung – überall hat sich in unseren Kreisen weitestehend Einigkeit über die Schieflage herausgeschält. Zwar sind einige Zusammenhänge noch nicht ausdiskutiert und die Details einzelner Forderungen sind natürlich Teil des künftigen Dialogs miteinander.

Aber noch weitgehend ungeklärt bleiben die Fragen:

  • welche kurz- und mittelfristigen strategischen Ziele sind wichtig,
  • wie werden diese am effektivsten umgesetzt?

These:

  1. angesichts der herrschenden Eindimensionalität in den politischen Parteien muss eine Eigenständigkeit und Unabhängigkeit für die Dauer der Durchsetzung unserer Forderungen gewährleistet sein. Dies kann nur bspw. mit einer Stiftung zur Kanalisierung und Verteilung von Ressourcen realisiert werden.
  2. Die einzelnen Themen gehören in einem Paradigmenwechsel geklammert, der statt von Geschlechtergerechtigkeit doch von Geschlechtereintracht ausgeht: gemeinsames Wohl statt Gleichstellung: Fraueninitiativen müssen schon jetzt eingebunden werden
  3. Der inhaltliche Basiskonsens muss schriftlich festgehalten, abgestimmt und als Fundament einer organisationsübergreifenden Plattform abgesegnet werden, bevor eine effektive politische bzw. Öffentlichkeitsarbeit stattfinden kann.

Hierzu war in den Kommentaren hier bereits Kritik laut geworden:

Alex schrieb dazu:

Befremdlicherweise wird “Tatsächlich ist Männliches zu einem Tabu geworden” mit dem sehr fragwürdigen Verweis auf den Rausschmiss vom “Pressevertreter” (lol) Danisch auf diesem Grünen-Frauenrat belegt. Oh je.

Dann ist von “Ökologie der Geschlechterbeziehungen” die Rede, was ein ziemlicher Ökologismus ist, wie man ihn schon längst nicht mehr hören kann. Vor allem mit diesen Phrasen “… ihren Wohlstandsfortschritt (der westlichen Industriegesellschaft) muss sie leider noch immer der (hiesigen wie globalisierten) Ausbeutung verdanken.”

Finde ich jetzt wenig prickelnd, vor allem, da über diese ganz alte Grünen- und Ökologisten-Schiene auch der Feminismus einst promoted wurde (der vergessene “zivilisationskritische” Öko-Feminismus).

Dann wird es besser:

“These: der Mensch findet – schon aus evolutionspsychologischen und –biologischen Gründen – seine Bestimmung zunächst in der Förderung des Lebens – im weitesten Sinne.”

Oh je, wie rückwartsgewandt ist das denn? *Bestimmung*! — Teleologie, wie schicksalshaft, manifest destiny… OMG!

” …. Die evolutionsnatürliche Familie bildet nach wie vor unabdingbare Voraussetzung jeder auch sich emanzipiert und Hochkultur nennenden Gesellschaft mit glückbringender Zukunftsperspektive.”

Ah, die “evolutions*natürliche*” Familie, ich wittere “Sexualität” statt “Erotik” (siehe allererster post in diesem Selbermach-Sams)!

Dann:
“Auch deswegen müssen Kinderinteressen – als Teil des Generationsvertrags – ins Zentrum der Familienpolitik gerückt werden.”

Hört sich nach althergebrachtem Feminismus an, “Frauen und Kinder zuerst”.

Dann ist sogar von “Naturrechten” der Kinder die Rede, die durch das gender mainstreaming “verleugnet” würden, durch die “natürlich geschlechtsspezifischen Rollen in der Erziehung der Kinder”.

Wobei es ja keinerlei “Naturrechte” gibt, dies ist ein ganz alter Mythos der politischen Rechten (hatten wir neulich auch bei der sog. “liberal”-konservativen Röncke, die vom Tichy). Aha, da weht also der Wind her…

Na Mahlzeit, sieht nach einer Art Feminismus für Männer aus.

Natürlich wird gender auch wieder mal verharmlost oder als “Sexualisierung” fehlgedeutet, machen ja alle Rechten so.

Mike schrieb:

Was mich persönlich an diesem Machwerk besonders entsetzt hat:
Es kommt als ein “Basispapier des Maskulinismus” daher, es soll also einen “Grundkonsens” darstellen, bietet aber im Kern Homo- und Transbashing und ein weitgehend Rückwärtsgewandtes Weltbild.
Wetten das irgendwer das Ding dazu heranzieht um die Männerrechtsbewegung zu diskreditieren?

Es hat natürlich ein paar richtige Gedanken, unter anderem dass eine rein auf Männern basierende Männerrechtsbewegung keine Zukunft hat. Wie so viele XXX-rechtsbewegungen gezeigt haben, sind diese nur von Erfolg gekrönt, wenn Einzelpersonen bzw Personengruppen aus dem “anderen” Lager die Bewegung unterstützen.

Aber das ist halt blos ein Absatz unter vielen…. *seufz*

Auch mir klingt der Text viel zu konservativ. Es gibt eben keinen Sinn des Lebens wenn man eine evolutionäre Sicht anführen will. Fortpflanzung mag einen starken evolutionären Einfluss auf uns gehabt haben, aber daraus ergibt sich kein Sinn. Jeder Mensch hat das Recht sich zu entfalten und Menschen, die sich fortpflanzen wollen und können sind insoweit nicht besser.

Mir widerstrebt eine Festlegung auf bestimmte Rollen – es bringt nichts Leute in solche zu pressen, auch wenn es dessen ungeachtet Häufungen gibt. Männerpolitik muss auch andere Lebenswege als die klassische Familie enthalten und natürlich auch Homosexuelle einbeziehen. Richtig wäre, dass die Familienpolitik ein Schwerpunkt bleiben wird, einfach weil nun einmal in diesem Bereich die meisten Konflikte zwischen Männern und Frauen auftreten. Einen Text, der sich gegen die „Normalisierung der Homosexualität“ ausspricht finde ich allerdings keine geeignete Grundlage: Es klingt nach einer Abwertung von Homosexualität, für die ich keinerlei Grund sehe, da sie zwar in zahlenmäßig weitaus geringerer Zahl auftritt aber ansonsten eben einfach eine Form der Sexualität zwischen Menschen ist, die ebenso auf abgespeicherten Attraktivitätsmerkmalen wie die Heterosexualität beruht.

Die ganzen Ausführungen gegen Gendermainstreaming gehen aus meiner Sicht insofern am Ziel vorbei: besser wäre es, dass man ein breites Spektrum zulässt und einen Zwang zur Mitte ablehnt. Also letztendlich ein Abstellen auf die Individualität, bei der beide Geschlechter nicht verteufelt werden und akzeptiert wird, dass es im Schnitt Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt.

Was sagt ihr zu den verschiedenen Punkten? Wie ist denn sonst die Resonanz bei Agens? Wenn hier jemand mitliest, der dort aktiv ist, dann würde mich interessieren, inwiefern diese Punkte dort auch kritisch oder zustimmend gesehen worden sind.

Sind Maskulismus und Feminismus unvereinbar?

Auf dem Blog „Gleichheit und Differenz“ findet sich ein interessanter Absatz zu der oben in der Überschrift genannten Frage:

Wie gesagt sehe ich als die größte Herausforderung des modernen Feminismus das Hinarbeiten auf einen Abbau stereotyper Vorstellungen von Geschlecht. Der Feminismus wäre damit eine Spezialisierung, die sich dieser Aufgabe v. a. was stereotype Vorstellungen von Weiblichkeit betrifft, widmet.

Da wäre der gegenwärtige Feminismus allerdings etwas über das Ziel dessen, was ich als richtiger Abbau von Essentialismus verstehen würde, hinausgeschossen. Aus meiner Sicht ist es ein legitimes Ziel, essentialistische Geschlechterrollenvorstellungen abzubauen, die besagen, dass Männer und Frauen nur auf eine bestimmte Weise sein dürfen. Andererseits sind Männer und Frauen eben auch gleichzeitig auf eine bestimmte Weise so oder so, allerdings eben nur im Schnitt. Wer anfängt, die Häufungen mit Unterdrückung gleichzusetzen, der verkennt diese Unterschiede aus meiner Sicht.

Entsprechend wäre der Maskulismus das logische Gegenstück des Feminismus, eine Bewegung, die sich dem Abbau stereotyper Vorstellungen von Männlichkeit widmet. Ziel eines solchen Maskulismus wäre dann ganz entsprechend, die vielen unterschiedlichen Varianten des „Mannseins“ zu betonen, ihnen Raum zu erkämpfen und eben gerade nicht einschränkende Vorstellungen von Männlichkeit zu wiederholen.

Das sollte aus meiner Sicht durchaus ein Anliegen des Maskulismus sein, aber eben mit den obigen Einschränkungen. Und in dieser Hinsicht – Befreiung von essentialistischen Geschlechterrollen – könnten Feminismus und Maskulismus in der Tat ein logisches Gegenstück sein – ein Feminismus, der sich für ein gleiches Recht auf Bildung und gegen „Frauen an den Herd, ins Bett, zu den Kindern und in die Kirche“ ausspricht hat meine vollste Unterstützung. Und hier kann ich das Anliegen konservative Geschlechterrollen nicht als absolut ansehen zu wollen, sehr gut nachvollziehen.

Insofern wären Feministen letzten Endes dann auch Maskulisten und umgekehrt. Feminismus und Maskulismus wären damit lediglich zwei Seiten derselben Medaille, die sich jeweils bedingen. Denn wie soll der Abbau stereotyper Vorstellungen von Männlichkeit gelingen, wenn nicht auch stereotype Vorstellungen von Weiblichkeit hinterfragt werden und vice versa?

Das wäre schon eine wichtige Erkenntnis, die man aber etwas anders fassen sollte: Es unterdrückt nicht einfach ein Geschlecht das andere, sondern ihre gegenseitigen Erfahrungen, Anforderungen und Wünsche formen als kulturelle Ausgestaltungen biologischer Grundlagen das Verhalten des anderen Geschlechts

„Frauen sind sicher keine schlechteren Menschen“ David zu Hypergamie und Partnerwahl

David sagte zum gestrigen Artikel etwas, was ich so unterschreiben würde und was ich deswegen gleich noch einmal hervorheben möchte:

Da wir hier keine Zwangsehe haben, ist die Ehe ebenso wie die Berufswahl (die wir ja Frauen gerne vorhalten) eine freie Lebensentscheidung, die Männer offenbar in Massen gerne treffen, meist ohne Ehevertrag.
Okay, man kann argumentieren, dass es als Mann ohne Ehe nahezu unmöglich ist, Kinder zu haben und mit ihnen langfristig zusammenzuleben (auch mit Ehe stehen die Chancen eher schlecht).

Eben, auch Männer haben in dieser Hinsicht die Wahl, auf was sie sich einlassen und das einfach nur unter Zwang einzuordnen ist eben ein Opfermaskulismus.

Aber Frauen sind sicher keine schlechteren Menschen.

Das finde ich einen wichtigen Satz.

“Hypergamie” wird hier maßlos überhypet, wahrscheinlich, weil sich viele halt als benachteiligt auf dem Partnermarkt sehen. Könnte bei dem einen oder anderen auch mit seinem Frauenbild zusammenhängen.

Da würde ich ebenfalls zustimmen. Ich denke auch, dass der Faktor häufig der eigenen Entlastung dient („nicht ich werde abgelehnt, Frauen sind einfach zu geldgeil und heiraten nur weit nach oben“). Paare bilden sich aber in allen Schichten und meist auf gleichen Bildungsniveau, über gemeinsame Bekannte oder den Job etc. Der einfache Angestellte kann mit seiner hübschen Kollegin zusammensein, während der Abteilungsleiter, obwohl er mehr verdient, schlechter bei Frauen ankommen kann, weil er eben weniger witzig etc ist.

Dass Frauen tendenziell statushohe Männer bevorzugen, ist nicht moralisch anders zu bewerten, wie die Bevorzugung junger, physisch attraktiver Frauen durch Männer. Auch Männer “stehen” übrigens auf statushohe Männer, als Freunde oder allgemein in der Bewertung.

In der Tat ist Status über unsere gesamte Art wichtig, wobei noch eine gewisse Tendenz hinzukommen kann, „unter sich“ zu bleiben. Wer immer nur mit dem Chef rumhängt wird vielleicht beim Rest als Aussenseiter wahrgenommen, weil er sich für etwas besseres hält etc.

Äußerlich unattraktive Männer oder ungebildete Frauen haben es ebenfalls nicht grade einfach auf dem Partnermarkt. Kaum ein erfolgreicher Mann gibt sich heute noch mit der Krankenpflegerin oder der Sekräterin ab.

Ja, ich denke auch, dass diese Konstellation heute abgenommen hat, während sie vor 20 Jahren noch üblicher war. Man lernt seine Partnerin häufig im Studium oder später im Beruf kennen, aber eher auf der gleichen Ebene. Man erwartet eben von einer Partnerin mehr als das sie Hausfrau ist und sich um die Kinder kümmert.

Und ein gesellschaftlicher Aussteiger ohne Status hat, wenn er über Aussehen und Humor verfügt, keinerlei Schwierigkeiten, Frauen flachzulegen.

„Game-Status“ bzw. Status in der Kleingruppe ist eben etwas anderes als gesellschaftlicher Status per se.  Wer Cool, witzig etc ist und Game hat, der wird auch bei Frauen entsprechend ankommen. Und tolle Frauen gibt es eben in jeder gesellschaftlichen Schicht.

Ich würde sagen, dass der „gesellschaftliche Aussteiger“ durchaus seine Abzüge hat, was etwa das Interesse von Frauen mit einer gewissen Auswahl für eine Langzeitbeziehung angeht. Aber es ist ja nicht so, dass nur die oberen 10% in ihrem Bereich eine Frau bekommen. Im Gegenteil: Die meisten Menschen auf allen Schichten haben eine Partnerschaft. Und die, die keine haben, können durchaus studiert sein, wenn sie eben ansonsten schlecht im flirten sind oder/und wenig Frauen in ihrem Umfeld haben.

Da werden graduelle Unterschiede zu Essenzialismen aufgeblasen und dann wild moralisiert, in wirklich feministischer Manier.

Auch da würde ich zustimmen. Punkte wie „Hypergamie“ wirken sich durchaus über den Schnitt aus aber bei den Chancen des einzelnen spielen andere Faktoren eine wesentlich größere Rolle.

Julie Borowski und Kritik an der Männerrechtsbewegung

Julie Borowski ist sicherlich dem ein oder anderen hier auch aufgrund feminismuskritischer Videos

(zB hier, aber auch 1,2,3,4) bekannt.

Sie hat nun, wie auch Genderama bereits berichtete, einen Artikel dazu geschrieben, was ihr an „MRAs“ also dem Mens Rights Movement gefällt und was nicht, geschrieben.

Ich finde den Text durchaus interessant.

Das Gute:

As a critic of feminism, I’ve checked out the Men’s Rights Movement (MRM). Some things I like, some things not so much. They have good points when it comes to divorce, custody, and how courts are biased towards women. These are real equality issues that need to be addressed.

Also, I dislike how men have become the punch line in today’s society. Just check out commercials and sitcoms. The husbands are portrayed as complete idiots with the maturity of five year olds. The wives, on the other hand, are brilliant personality-less parental figures to their dumb husbands.

One of my pet peeves is how it’s somehow acceptable to insult your husband in public. Haha, I don’t know how he dresses himself in the morning! It’s laughable when a woman does it. The other way around? That wouldn’t fly!

Das Schlechte:

Then I check out Men’s Rights Activists forums… oh boy. I acknowledge that not every comment represents the whole movement, of course. But there’s a significant amount of: women are gold digging you-know-whats! Marriage is always a bad deal for men because women are lazy moochers! Women wear makeup to trick you into procreating with them!!  THEY ARE LIARS!

Whoa….

It just reminds of man-hating feminists who talk about all men being cheating scumbags and implying that all men are rapists. Both of these groups have clearly been burnt by the opposite sex. What heterosexual person hasn’t been? They’re taking it to an unhealthy place and blaming an entire gender for crappy things someone did.

Also wichtige Themen, die aus einer Männerperspektive besprochen werden und die Abwertungen etc aufzeigen, die hier alltagstauglich geworden sind und auch den diesbezüglichen Doppelstandard deutlich machen.

Und auf der anderen Seite das verbitterte einiger, das Denken in einem Feindbild, das negative über das andere Geschlecht. Da hatte ich auch schon in verschiedenen Artikeln:

Aus meiner Sicht muss eine Männerrechtsbewegung, die mehr in den Mainstream möchte und „Anschlussfähig“ sein will – durchaus anders als ein Feminismus – darum bemüht sein, dass er die Verbitterung rausbekommt und nicht auf ein Feindbild springt. Der Feminismus kann sich das weitaus eher erlauben, weil die Abweisung von Männern für Frauen eine durchaus verbreitete Strategie ist, in der dann eben der Mann die Gunst der Frau erobern muss, sich als gut genug erweisen muss. Diese Strategie verfängt bei Männern weitaus weniger bei der Masse.

In gewissen Teilen kann man „ich lass mich doch nicht von diesen Schlampen ausbeuten“ sicherlich als Mittel benutzen, um den starken Mann rauszukehren. Die meisten Männer wollen aber gar nicht in einen Geschlechterkrieg. Sie wollen mit Frauen gut auskommen und zusammenarbeiten. Sie wollen auch nicht verbittert und als schwach erscheinen. Der Vorwurf der Frauenfeindlichkeit schreckt schnell ab, weil sie gar nichts gegen Frauen haben wollen (was allein schon eine Theorie wie die Rape Culture Theorie stark abwertet. Männer wollen weitaus eher beschützen und der Held sein als Frauen als Opfer herabwürdigen).

Was sagt ihr zu ihrer Kritik?

Die Bloggenden und die Arbeitenden: Zum Rücktritt von Tristan Rosenkranz

Über Genderama bin ich auf diese Mitteilung von Tristan Rosenkranz gestoßen, der sich aus der aktiven Arbeit zurückziehen will.

Tristan scheint ausgebrannt zu sein, sieht insgesamt zu wenig Unterstützung und zuviel Rangeleien. Das ist schade und ich hoffe er erholt sich schnell wieder.

Als Gründe dafür führt er unter anderem an:

  • Männer, die in Foren und Blogs endlose und unglaublich schlaue Debatten führen, aber nirgends da draußen für jene in Erscheinung treten, über die debattiert wird

Die Diskussion hatten wir ja hier auch schon, auch ich mit Tristan. Wir haben da verschiedene Positionen, den ich bin zumindest der Auffassung, dass ihm mein Bloggen nicht schadet und im Zweifelsfall eher Leute für das Thema interessiert, die dann was machen wollen.

Auch Arne gibt seine Erfahrungen wieder und zu einigen Punkten davon ein paar Anmerkungen:

– Du musst damit klar kommen, dass sich 95 Prozent der Männerbewegung auf den sogenannten slacktivism beschränken, also Foren und Kommentarspalten vollbloggen, um sich hinterher mit großen Augen darüber zu wundern, dass trotz „all dieser jahrelangen Arbeit nichts passiert“. Politische Aktionen wie in anderen Ländern wird es hierzulande und in dieser Generation der Männerbewegung nicht geben, und sie wird dadurch viel weniger effektiv sein. Damit muss man sich abfinden.

Aus meiner Sicht ist einiges passiert, seit ich mit dem bloggen angefangen habe. Als ich angefangen habe, waren die Schweizer IGAF, Sons of Perseus und das Gelbe Forum die vorherrschenden und Arne hat noch auf seinem Schreibtisch-Blog gepostet, aber mit mehr Lücken dazwischen als heute. Es gab abseits des Radikalen kaum eine Gelegenheit über Maskulismus zu diskutieren. Ich bin froh, dass inzwischen eine ganz andere Szene vorhanden ist und das radikale insgesamt eine geringere Bedeutung steht (Disclaimer: Ich sage nicht, dass es an mir liegt, ich sage lediglich, dass seit dem eine Szene entstanden ist, die weit aus liberaler ist.

– Du musst damit klar kommen, dass etliche Menschen auf unterschiedlichste Weise deine Zeit fressen möchten, und du musst diese Leute abblocken können. Dazu gehören beispielsweise die von Tristan Rosenkranz angesprochen „Man-müsste-mal“-Arschlöcher (etwa: „man müsste mal eine Petition an den WDR schreiben“), was im Klartext IMMER bedeutet: „Macht ihr mal, ich habe mit dieser Arbeitsanweisung nun wirklich genug geleistet“. Dazu gehören Leute, die endlos über irgendwas diskutieren wollen und vollkommend taub reagieren, wenn man ihnen erklärt, gerade wirklich im Stress zu sein und keine Zeit zu haben. (Ich hatte gerade diesen Sonntagvormittag das Vergnügen mit einem Vogel auf Facebook, der unbedingt mit mir über Syrien diskutieren wollte, dem ich viermal erklärte, dass ich gerade zwei Stunden an Genderama-Beiträgen gearbeitet hatte und noch einiges beruflich tun müsste, und der darauf immer pampiger wurde, bis er sich irgendwann zu „du hast ’nen Knall“ gesteigert hatte.) Solche Leute haben neben Rechtsradikalen die höchste Chance von allen, von mir zügig blockiert zu werden. Generell gesprochen scheint Facebook Missionare, Verschwörungstheoretiker und Menschen mit einem narzisstischen Sozialverhalten anzuziehen. In den meisten Fällen muss man solche Leute aber nicht entfreunden; es genügt, wenn man von „abonnieren“ auf „nicht mehr abonnieren“ wechselt.

Ich glaube gerne, dass viele Bereiche anstrengend sind. Sowohl weil Leute sich einbringen als auch weil Leute sich nicht einbringen, aber meinen, dass man selbst das für sie machen müsste (interessant wäre, ob der Vorwurf an Blogger, sie seien nicht aktiv, nicht auch durchaus etwas in die Richtung ist). Nicht, dass ich nicht gerne Artikelvorschläge bekommen würde, im Gegenteil, dafür bin ich sehr dankbar, aber natürlich gibt es auch immer mal wieder Leute, die meinen, dass man sonstwas jetzt und auf eine bestimmte Weise schreiben müsste oder man gefälligst mehr Arbeit in dies oder das stecken müsste.

– Du musst akzeptieren lernen, dass du manche Verleumdungen ignorieren musst und nicht alles ausdiskutieren kannst. Eine Radikalfeministin, die nicht nur jeden deiner Beiträge, sondern auch jedes Blogpost, das du verlinkst, und jedes Buch, das du nennst, nach „bedenklichen“ Stellen durchforstet, um dich der „Frauenfeindlichkeit“ bezichtigen zu können, wirst du im Gespräch mit Sicherheit nicht überzeugen können, dass sie falsch liegt. Spar dir die Zeit, und versuche es gar nicht erst.

Gut, da ist Arne als Buchautor und als jemand, der unter Klarnamen schreibt natürlich wesentlich betroffener. Ich für meinen Teil wäre ja noch froh, wenn eine radikale Feministin auf meinen Blog verlinken würde.

Dasselbe gilt für aus der fundamentalistischen Männerszene gezielt gestreute Phantasien wie etwa, dass du dich nur deshalb gegen Rechtsradikale positionierst, weil dir dafür irgendein hochbezahlter Job in der Politik winke.

Das hatte ich auch schon und finde ich auch immer wieder lustig.

All dieser Dreck versendet sich; er ist es nicht wert, dass du deshalb zeitliche Abstriche bei wichtigen Dingen machst. Wenn du mit jedem Fanatiker im Web eine eigene Debatte führen würdest, hättest du viel zu tun. Auch wenn du von einem Blogger, der Schwule hasst, die ersten drei Blogbeiträge zu diesem Thema gelesen hast, brauchst du das bei den nächsten 17 nicht ebenfalls zu tun. Es steht höchstwahrscheinlich nichts Neues drin, du kannst allenfalls bei einer Zwangsneurose zuschauen.

Man kann nicht auf alles antworten und alles ausdiskutieren. Das würde ich auch so sehen. Wobei ich vielleicht eher das Glück habe, dass ich zu vielem schon einen Artikel habe, der was dazu sagt. Man baut sich ja langsam einen gewissen Bestand auf.

– Du musst damit leben lernen, dass die Unterstützung deiner Arbeit durch die Männerszene trotz einiger unermüdlicher Einzelkämpfer insgesamt sehr … ausbaufähig ist. Beispielsweise unterstützt nur ein Prozent der regelmäßigen Leser von Genderama dieses Blog auch durch Spenden. Nur ein Bruchteil der Leute, denen ich Gratisexemplare meines Buches „Not am Mann“ zuschickte, veröffentlichten dafür auch den im Gegenzug versprochenen Beitrag.

Auch das kann ich nachvollziehen, wobei ich dazu aus eigener Erfahrung wenig sagen kann, da ich ja bisher weder ein Buch geschrieben noch um Spenden gebeten habe.

Und als die männerfreundliche Feministin Robin Urban in der Kommentarspalte des Blogs Alles Evolution einmal vorschlug, dass man statt Bücher von Frauen wie „Tussikratie“ auch mal eines meiner neu erschienenen Bücher näher vorstellen könnte, war die Antwort vorhersehbar: Gruppenkeile gegen Robin natürlich. Wenn du mit solchen Dingen nicht klar kommst: Geh nicht an die Front der Männerbewegung.

Das finde ich schade, dass Arne das so sieht. Man kann es hier in den Kommentaren nachlesen. Robin wurde dort patzig, aus meiner Sicht, weil sie eben Kritik am Feminismus nicht mag und ein „lasst meinen Feminismus in Ruhe und kümmert euch lieber um euren Scheiß“ anführen wollte. Die „Gruppenkeile“ bestand darin, dass man sie darauf hinwies, dass ich es noch nicht gelesen hatte und das sie es natürlich gerne selbst besprechen könnte, statt hier rum zu meckern, wenn sie das schon hat. Denn wie Neuer Peter zutreffend sagte: „Er hatte halt noch keine Zeit und außerdem noch ein Leben, Alter. Christian ist nicht dein persönlicher Mietmaskulist.“  Natürlich schreibt sich eine Reaktion auf ein Interview und dort genannte Positionen auch schneller als eine Buchbesprechung. Es liegen einige viertelfertige Buch- und Filmbesprechungen in meinem Entwürfeordner, zu denen mir die Zeit fehlt.

Aus meiner Sicht fehlt durchaus die Verankerung zwischen einem theoretischen Teil wie dem Bloggen als auch einem praktischen Teil. Es fehlt auch die Bereitschaft aus der „aktiven Welt“ die Bloglandschaft als tatsächliche Chance zu nutzen.

Ich hätte kein Problem beispielsweise ein- oder zweimal im Monat (oder auch gerne häufiger) Gastbeiträge aus dem aktiven Leben zu veröffentlichen, etwa Hinweise auf eine konkrete Aktion, bei der man Unterstützung braucht oder auch nur der Vorstellung eines Textes, bei dem man um Verbesserungen oder Feedback bittet. Es hat auch meines Wissens noch keiner der aktiven mal auf die (Sammel-)Blogs verwiesen oder andere Verbindungen hergestellt.

Vielleicht bräuchte man einen „Blogbeauftragten“ dort, der Termine sammelt und weitergibt. Das wäre aus meiner Sicht eine interessante Position um Leute zu rekrutieren. Einen, der beispielsweise einfach mal Themen und Meinungen aus den Vereinen in die Blogs trägt und so Interesse bei Lesern weckt.

Was mich selbst wiederum abschreckt in entsprechenden Vereinen aktiv zu werden ist, dass da glaube ich noch ein für mich nicht übersehbarer Teil von betroffenen Leute vorhanden sind, deren Meinung ich nicht teile und mit für Diskussionen mit denen ich zusätzlich noch zu wenig Zeit habe. Solche, denen bestimmte Positionen aufgrund eigener Betroffenheit sehr sehr nahe gehen und die es als Angriff empfinden, wenn man dies so nicht teilt.

Ich habe über meine örtliche Gruppe da von allerdings Außenstehenden und aus Sichtung ihrer Materialien nicht soviel Gutes gehört und sie sind mir da eher mit Aktionen aufgefallen, die ich so nicht teile und bei denen bestimmte Amtsträger (Richter, Jugendamt) aus meiner Sicht unsachlich angegangen worden sind. Von anderen Gruppen habe ich anderes gehört und einige scheinen mir sehr professionell zu sein. Aber auch das kann ich  nur sehr eingeschränkt überblicken

 

Kafkatrapping – Die Schuld ersetzt das Argument

Im englischen gibt es eine interessante Wortschöpfung, das „Kafkatrapping“. Es geht wohl auf diesen Artikel zurück:

One very notable pathology is a form of argument that, reduced to essence, runs like this: “Your refusal to acknowledge that you are guilty of {sin,racism,sexism, homophobia,oppression…} confirms that you are guilty of {sin,racism,sexism, homophobia,oppression…}.” I’ve been presented with enough instances of this recently that I’ve decided that it needs a name. I call this general style of argument “kafkatrapping”, and the above the Model A kafkatrap. (…)

My reference, of course, is to Franz Kafka’s “The Trial”, in which the protagonist Josef K. is accused of crimes the nature of which are never actually specified, and enmeshed in a process designed to degrade, humiliate, and destroy him whether or not he has in fact committed any crime at all. The only way out of the trap is for him to acquiesce in his own destruction; indeed, forcing him to that point of acquiescence and the collapse of his will to live as a free human being seems to be the only point of the process, if it has one at all.

This is almost exactly the way the kafkatrap operates in religious and political argument. Real crimes – actual transgressions against flesh-and-blood individuals – are generally not specified. The aim of the kafkatrap is to produce a kind of free-floating guilt in the subject, a conviction of sinfulness that can be manipulated by the operator to make the subject say and do things that are convenient to the operator’s personal, political, or religious goals. Ideally, the subject will then internalize these demands, and then become complicit in the kafkatrapping of others.

Es werden dann dort noch verschiedene Beispiele angeführt.

Wendy McElroy schreibt dazu:

The term „kafkatrapping“ describes a logical fallacy that is popular within gender feminism, racial politics and other ideologies of victimhood. It occurs when you are accused of a thought crime such as sexism, racism or homophobia. You respond with an honest denial, which is then used as further confirmation of your guilt. You are now trapped in a circular and unfalsifiable argument; no one who is accused can be innocent because the structure of kafkatrapping precludes that possibility.

Sie fasst die bereits im obigen Text angeführten Varianten noch einmal wie folgt zusammen:

Model A: The accuser states, „Your refusal to acknowledge that you are guilty of (sin, racism, sexism, homophobia, oppression…) confirms that you are guilty of (sin, racism, sexism, homophobia, oppression…).“ Harking back to The Trial, Raymond explains how the novel’s plot parallels the structure and purpose of the accuser’s nonargument. No specific acts are named in the accusation, which makes the claim unfalsifiable. The vague charge constitutes a thought crime, which also makes it unfalsifiable. As with The Trial, the process seems designed to create guilt and to destroy resistance so that you become malleable. Indeed, „the only way out … is … to acquiesce in his own destruction.“ Even if you are innocent, the only path to redemption is for you to plead guilty and accept punishment. Ideally, for the accuser, you even come to believe in your own guilt.

Model C is a common variant on the same theme. You may not have done, felt or thought anything wrong but you are still guilty because you benefit from a position of privilege created by others. In other words, you are guilty because of your identification with a group such as „male,“ „white,“ or „heterosexual.“ The accusation makes you responsible for the actions of strangers whose behavior you cannot control and who may have died long ago. Raymond writes, „The aim … is to produce a kind of free-floating guilt … a conviction of sinfulness that can be manipulated by the operator [accuser] to make the subject say and do things that are convenient to the operator’s personal, political, or religious goals.“ To be redeemed, you must cease to disagree with your accuser and condemn your entire identity group.

Beide Varianten sind im modernen Feminismus gern gewählt. Auf die eigene Gruppe angewendet soll dies dann so verlaufen:

What happens when an accuser confronts someone in the same identity group to which he or she belongs? For example, one woman may question aspects of politically correct feminism being presented by another. An entirely different phenomenon occurs. Obviously, the questioner will not be encouraged to condemn herself for being a woman or to excoriate all women. Instead, she will be defined out of the group.

Ein Beispiel aus dem Feminismus wäre beispielsweise dieser Vorwurf an die Mädchenmannschaft, dem Patriarchat zuzuarbeiten. Outgrouping, wenn man die gewünschte Linie nicht hinreichend bedingungslos unterstützt, kommt aber natürlich in allen Ausrichtungen vor, beispielsweise über Formulierungen wie „feministisches U-boot“ oder andere Zuordnungen zum Feminismus im Maskulismus.

Und zu anderen Techniken, die in diese Richtung gehen:

Other techniques are often associated with kafkatrapping. (Note: For a tactic to be true kafkatrapping, it has to involve an unfalsifiable claim.) Associated techniques that prove your guilt could include:

  • Requesting a clear-cut definition of what you are charged with – for example, homophobia;
  • Pointing out an injustice committed by the accuser’s identity group;
  • Applying a single standard to everyone, e.g., refusing to accept that blacks cannot be racist;
  • Expressing skepticism about any aspect of the victimhood ideology, including the plausibility of anecdotal evidence;
  • Being ignorant of or uninterested in the subject;
  • Arguing against the ideology;
  • Saying „some of my best friends are X.“

Wer also darauf abstellt, dass er eine verbindliche Defintion von beispielsweise dem Patriarchat haben möchte, dem kann man vorwerfen, dass er damit das Patriarchat leugnet, es also unterstützt. Wer sagt, dass auch Schwarze Rassisten sein können, der zeigt nur, wie notwendig nach wie vor Intersektionalismus ist etc.

Die Folgen stellt sie wie folgt dar:

A movement becomes widespread because its voice is truth – at least, largely so – and its demand for justice is valid: For example, homosexuals have been hideously abused through much of history. When a movement discards the truth and justice that made it grow and favors abusive attacks instead, it is in decline. The abuse also quashes any productive discussion of real issues. Raymond observes, „[m]anipulative ways of controlling people tend to hollow out the causes for which they are employed, smothering whatever worthy goals they may have begun with and reducing them to vehicles for the attainment of power and privilege over others.“

Das ist ein Prozess, in dem sich der Feminismus für viele bereits befindet. Sie sehen ihn nicht mehr als Kampf für eine gerechte Sache, sondern als reine übertriebene Hetze und Identitätspolitik. Es macht auch gleichzeitig deutlich, warum Aufklärung so wichtig ist: Wenn man erkennt, dass es dem Feminismus egal ist, wie sich der Gender Pay Gap zusammensetzt oder das die „1 in 5“ Zahlen falsch sind, dann nimmt man auch die „Kaffkafalle“ wahr.

A separate problem arises if the accuser honestly believes the kafkatrapping. A woman who believes all men are oppressors is unlikely to cooperate with them in a good will attempt to solve social problems. She is more likely to seek a position of dominance over men, which she justifies in the name of self-defense or as a payback that is her due. This heightens tension between the sexes and obstructs sincere attempts to resolve problems. A kafkatrapper true believer becomes increasingly isolated from people who are seen as „the enemy“ because they disagree; the true believer becomes increasingly unable to even communicate with or have empathy for a broad spectrum of people. The kafkatrapper ‚wins‘ the argument but loses a shared humanity.

Auch das ein gut zu beobachtendes Phänomen in der Geschlechterdebate, sowohl im radikalen Feminismus als auch im radikalen Maskulismus. Wenn hinter allem das Patriarchat/der Staatsfeminismus/die Ausbeutung durch Frauen oder Männer steckt, dann kann es eben keine Zusammenarbeit mehr zwischen den Geschlechtern geben. Man entfernt sich damit von dem „normalen Menschen“, die nach wie vor an einer Zusammenarbeit von Männern und Frauen interessiert sind.

Detlef Bräunig und Frauenfeindlichkeit

Auf Geschlechterallerlei gab es einen Artikel zu Detlev Bräunig und seinem Männermagazin anlässlich einer entsprechenden Reportage. Graubblau verweist darauf, dass Bräunig sich dort gut gehalten habe und Bräunig selbst führt in einem Artikel an, dass er in dem Interview absichtlich kein Material, wie es der Interviewende eigentlich haben wollte, nämlich solches mit dem er Bräuning in ein schlechtes Licht stellen kann, geliefert hat.

Gleichzeitig ist Bräunig ein recht eindeutiger Vertreter der Haltung, dass Frauen minderwertig sind und Männer nur ausbeuten. Seine Vorstellungen von einer Beziehung und dem dortigen Verhalten der Frau kann man beispielsweise hier nachlesen.

Entsprechend hat er sich wohl auch tatsächlich in seiner Beziehung verhalten, so jedenfalls die Ehefrau von ihm meines Wissens nach unwidersprochen in ihrem Scheidungsantrag:

Detlev Brünig

Detlev Brünig

 

Ich finde ein solches Frauenbild, wie er es offenbart, widerlich. Natürlich: Wenn beide so leben wollen, dann mögen sie es machen. Aber der Gedanke, dass Frauen stets nur ausbeuten ist eigentlich auch noch grotesker, wenn man gleichzeitig anscheinend will, dass sie Hausfrau ist und nicht arbeitet und dann dazu auch noch keinen Unterhalt zahlen will.

Ich schrieb dazu bei Geschlechterallerlei:

Detlev Bräunig verkörpert für mich genau diese Form von Frauenfeindlichkeit, mit der ich nichts zu tun haben möchte und die aus meiner Sicht im Maskulismus stark abgenommen hat.

Es waren die Zeiten von IGAF und die Hochzeiten von wgvdl und Blogs wie “sonsofperseus”. Auch die Wikimannia scheint mir da noch ein Überbleibsel zu sein, wobei man da sicherlich mit erheblichen Überarbeitungsaufwand einiges draus machen könnte.

Das Bräunig sich verkaufen kann und in einem Gespräch entsprechend auftreten kann, das kann ich mir durchaus vorstellen. Ich kann mir auch vorstellen, dass er es als einen Spass verstanden hat, dem Reporter gerade das, was dieser eigentlich haben wollte, nicht zu liefern.

Wenn Bräunig aufhören würde, dann wäre aus meiner Sicht die Lage verbessert.

Aber er scheint einen gewissen Frust aufzufangen, den vielleicht gerade unterhaltszahlende Väter empfinden. Er hat insofern sein Publikum.

Und sein Publikum hat er in der Tat, wenn man seinen Angaben trauen darf:

Das Männermagazin hat monatlich ca. 50.000 bis 60.000 User/verschiedene IP und knapp 300.000 Zugriffe.

Zum Vergleich: Dieser Blog hat etwas 35.000 User und knapp 110.000 Zugriffe im Monat nach der internen Statistik. Natürlich kann diese Zahl schwanken, je nach dem, wie das Statistiksystem User bewertet (häufig wird eine IP als neuer User gewertet, wenn eine gewisse Zeit vergangen ist), aber es zeigt einen nachhaltigen Bedarf.

Er scheint – was dem „gemäßigteren Maskulismus/Antifeminismus“ noch nicht gelungen ist – auf Facebook zudem eine gewisse Community aufgebaut zu haben mit ca. 1.300 Fans seiner Seite.

Natürlich sind auch die Belastungen durch eine Scheidung und die Unterhaltspflicht gerade in der sehr empörten und abwertenden Art ein Thema, welches sich gut für einen Nischenblog eignet. Trockene Ausführungen zum Familienrecht sind da uninteressanter als einfach mal Dampf abzulassen und sich zu freuen, dass „einer es mal ausspricht“. Und viele Männer werden sich auch tatsächlich in dieser Phase ausgebeutet fühlen, was ja angesichts scharfer Unterhaltsregelungen auch durchaus naheliegen kann. Da ist dann Bräunig ein Held, der stellvertretend das macht, was andere gerne machen würden.

Meine Ausführungen zu „Frauen beuten nur aus“ hatte ich zB hier bereits gemacht:

Insofern wäre es aus meiner Sicht eine Form des radikalen Antifeminismus, die wir gern hinter uns lassen könnten und die glaube ich mehr Angriffsfläche bietet als sie gutes tut. Das sehe ich ähnlich wie beim „Gelben Forum

In dem Artikel „Abgrenzung zu misogynen Tendenzen innerhalb der Männerbewegung“ zitierte ich David einmal wie folgt:

Der Erfolg einer Männerbewegung hängt in erster Linie davon ab, ob sie eine klare Abgrenzung zu misogynen Tendenzen hinbekommt

In diesem Sinne fand ich die folgenden unter dem Artikel befindlichen Kommentare (neben der von Graublau bereits im Artikel angeführten Kritik zu Inhalten auf Brünigs Seite) sehr sinnvoll:

Skater zu dem Inhalt:

Ich habe mal in Bräunigs Blog reingeschaut. Da geht es ja über die von dir schon angesprochene Ausländerfeindlichkeit hinaus. Ich finde dort Artikel wie “Frauen sind oft krank und verbreiten Infektionen” und Sätze wie “Schließlich führen Männer wichtige und interessante Gespräche nur mit Männern und nicht mit Frauen. Frauen sind in erster Linie nützliche Lustobjekte und vielleicht noch gute Dienstleisterinnen in Sachen Haushalt und Service, wobei die sexuelle Dienstleistung ganz klar im Vordergrund steht.” Bräunig bezeichnet Frauen auch immer wieder gern als “Fickfetzen”.

KaiV sagte:

« Das Männermagazin ist eben für Männer geschrieben. Und die Wortwahl, die ich oft und gerne verwende, ist rein männlich.”
Ist das so, oder ist es dass was Du für männlich ansiehst. Nur weil ich nicht so spreche, bin ich jetzt kein Mann mehr? Ich sehe Deine Wortwahl eher als die eines spätpupertierenden Jugendlichen. Genau so wie Dein Gehabe, das Du an den Tag legst, eher auf die früher Dir angetanen Verletzungen hinweist. Wenn ich jedoch Dein Geschreibe lese, muss ich kotzen, denn wenn ich denke, dass Du so z. B. über meine Mutter, meine Tochter oder andere Frauen redest, die mir viel bedeuten, dann ist es eben nicht mehr männlich oder spätpupertierend, dann ist es einfach nur noch dumm und verletzend! Und wenn ich Deine Wortwahl sehe, dann wird mir sogar klar warum Du mehrmals geschieden bist…

“Nichts ist schlimmer für eine Frau als ein aufgeklärter Mann. »
Jo, und warum klärst Du die Männer nicht auf ? Deine Lösung ist ein Entzug ! Vasektomie ist jedoch keine Lösung, zumindest nicht für alle Männer. Deine Lösungen sind egoistisch, ist sie aus meinem Kühlschrank verschwunden, soll sie sich auch nicht mehr daraus bedienen. Super, trotzdem ist eine Ehe immer noch eine Gemeinschaft um z. B. Kinder zu erziehen, und einige verzichten dann eben auf Karriere. Es ist aber eben auch keine Lösung für Männer die ihre Kinder eben nicht so einfach vergessen können oder wollen, wie Du! Und Dein geschreibsel über Afrikanerinnen etc. ist nur noch daneben! Wenn Du einen Menschen nach Deutschland bringt, dann keinen Bock mehr hast diesen zu unterstützen (Scheidung), am besten noch Kinder mit ihm hast, dann soll das halt alles der Staat nachher für Dich übernehmen? Warum, weil Du so egoistisch bist? Sorry, ich sehe KEINE Lösungen bei Dir, sondern nur Probleme!

Und damit sind wir beim Haupt-Problem, Du brauchst einfach nur Deine Selbstbestätigung, mehr nicht! Deshalb, lieber Detlef, ja Du bist so SUUUUUPER TOLL… Aber leider absolute nicht hilfreich für eine MännerRECHTSbewegung, die eben auch darum kämpft den Kontakt zu ihren Kindern nicht zu verlieren. Eine Bewegung die eben nicht unbedingt auf Egoismus (mein Kühlschrank), sondern auch auf Gemeinwohl hinarbeitet. Und da sind Deine Lösungen zum Unterhaltsentzug, so verständlich sie auch aus Deiner Situation heraus sind, eben keine Lösung.

Krams fügte hinzu:

Mir erscheint L.D. wie eine Spiegelung der Radikalfeministinnen der 70er und 80er. Der gleiche Frust, das gleiche Misstrauen gegenüber dem anderen Geschlecht, der gleiche entmenschlichende Ton, beide geeignet, das Verhältnis zwischen Männern und Frauen nachhaltig zu vergiften. Ähnlich wie bei Schwarzer übrigens gepaart mit durchaus gekonntem medialen Auftreten.
Wenn die Männerrechtsbewegung ihre Methoden nur nach der Öffentlichkeitswirksamkeit wählt, und dabei ethische Grundsätze vergisst, hat sie verloren, denn dann entwickelt sie sich zum Radikalfeminismus mit umgekehrtem Vorzeichen, und kann nicht mehr für sich beanspruchen, für eine Verbesserung des Geschlechterverhältnisses einzutreten. Der Erfolg des Radikalfeminismus mag dazu verführen, dessen Methoden zu übernehmen, aber dieser Erfolg wurde für die meisten Frauen (und auch für viele liberale Feministinnen) teuer erkauft. Andere Länder (z.B. die romanischen) zeigen, dass der gesellschaftliche Wandel dort trotz viel geringerem Einfluss des Krawallfeminismus ebenso stattgefunden hat, aber mit weniger Zerstörungen (Extremfall in die andere Richtung ist die momentane Hysterie in den USA). Das nur zu der These, dass für eine Veränderung lautstarke Extremisten unverzichtbar sind. Viel wichtiger ist die Arbeit, die z.B. manndat oder Gleichmaß leisten, häufig weniger sichtbar, aber langfristig effektiv.

Die Texte von LD dürften abseits eines kleinen radikalen Häufleins wenig Sympathie bringen, mich jedenfalls stößt der latent bis offen rassistische und abwertende Tonfall nachhaltig ab, bei denjenigen, für die das den Erstkontakt mit der Männerrechtsbewegung darstellt, wird wohl die Mehrheit keinerlei Interesse an einer weitergehenden Auseinandersetzung haben. Ich bin da voll bei Christian, davon muss man sich abgrenzen.

Unabhängig davon ist der Beitrag von SWR2 für die Tonne.

Den Vergleich mit dem radikalen Feminismus finde ich dabei sehr passend: Beide sehen bei Mann und Frau anscheinend Machtspiele im Vordergrund, die einen scheinen die Geschlechterrollen aufbrechen zu wollen, aber auch die Vorteile nicht wirklich aufgeben zu wollen und als Feindbild für alles eben den Mann ausgewählt zu haben, der andere will konservative Rollen mit dem Mann als Oberhaupt, dann aber auch nicht die Konsequenzen aus dieser Position des „Ernährers und Versorgers“ tragen, nämlich das eine solche Frau dann auf Unterstützung angewiesen ist, wenn es schief geht. In gewisser Weise lösen beide Richtungen das Prisoners Dilemma der Beziehung mit einem „Defect“ auf, werfen dem anderen aber vor, das seinerseits auch zu tun.

Thesen zum Maskulismus (von Lightyear)

Als Reaktion auf meine Thesen zum Feminismus hat Lightyear2000 auch vier Theorien erstellt (in diesen Tweets 1, 2, 3) die insoweit den Nachweis bringen sollen, dass man viel behaupten kann, die Widerlegung dann aber schwierig ist.

Diese Thesen sind:

1. Im Maskulismus sind Männer immer Opfer

2. Maskulisten haben keine Praxis

3. Maskulisten bashen Feminismus, haben sonst keine eigenen Ideen

4. Maskulisten wünschen sich ihre Privilegien zurück, die vor 50 Jahren noch hatten.

Schauen wir mal:

1. Im Maskulismus sind Männer immer Opfer

Da würde ich zum ersten darauf verweisen, dass in den Studien zur häuslichen Gewalt davon gesprochen wird, dass beide Seiten Gewalt ausüben. Ich wüsste jetzt – abseits eines radikalen Maskulismus, der ein „Frauen beuten nur aus“ vertritt, aber in der Hinsicht sehr selten ist – nicht, wo überhaupt eine „Alleintäterschaft“ von Frauen vertreten wird.

Ich kann auch ohne weiteres hier kundtun: Männer und Frauen haben beide an der Gesellschaft teil und gestalten diese insofern auch beide. Üblicherweise werden verschiedene „Kompromisse“ gefunden bzw. in einem Bereich setzt sich eher die Frau, in anderen eher der Mann durch.

2. Maskulisten haben keine Praxis

Leider hat Lightyear immer noch nicht so recht erklärt, was er eigentlich unter „Praxis“ versteht. Es scheint mir damit nicht einfach konkrete Arbeit gemeint zu sein, sondern die Anwendung der Theorien auf tatsächliche Lebensverhältnisse.

Ansonsten müsste ich auf Manndat, Agens, Väteraufbruch  und andere Vereine verweisen. An praktischen Anwendungen würde ich das Hinwirken zb auf ein Wechselmodell sehen, oder auf Bereitstellung auch für Hilfe für Männer, die von Gewalt betroffen sind oder für die Stärkung von Vaterrechten. Was sonstige allgemeinere „Praxis“ angeht würde ich es so sehen, dass aus zB den biologischen Theorien folgt, dass Männer nicht essentialistisch gesehen werden können, sondern es allenfalls Häufungen gibt und das aus der Figur des naturalistischen Fehlschluss folgt, dass Männer auch wenn das Selektionsdrücke waren, die nach Niederschlagung in unserer Biologie zur Ausprägung einer entsprechenden Kultur geführt haben, nicht auf die Rolle als Versorger, Beschützer etc festgelegt werden können und insofern um mit Warren Farrell zu sprechen nicht „disposabel men“ sein sollten, sondern den gleichen Anspruch auf Schutz und Unterstützung haben wie Frauen.

3. Maskulisten bashen Feminismus, haben aber sonst keine eigenen Ideen

Das überschneidet sich aus meiner Sicht etwas mit dem obigen Punkt, aber ergänzend dazu würde ich sagen, dass in einem Maskulismus wie beispielsweise dem von Warren Farrell die Theorie vertreten wird, dass Männer und Frauen ein Nullsummenspiel betreiben, wenn es eigentlich um Kooperation zwischen den Geschlechtern geht.

Dies kann man mit der Spieltheorie weiter ausbauen, etwa indem man die klassische Beziehung als Prisoners Dilemma versteht und vieles zwischen den Geschlechtern als Versuch des Signals, dass man fair spielen will und gleichzeitig als Absicherung gegen „defect“. Von dieser Betrachtung ausgehend muss es zu einer Neuverhandlung bestimmter Regeln zwischen den Geschlechtern kommen, denn früher hatte es für beide bei einer Heirat oder auch nur Sex erheblich andere Auswirkungen „defect“ zu spielen. Heirat ist insofern mit Verhütung, Unterhalt, Zugewinn, Versorgungsausgleich, Arbeit beider Geschlechter, staatlicher Unterstützung und dem Wegfall sozialer Stigmata ein ganz anderer Vertrag geworden, deren Regelungen vielleicht nicht mehr zeitgemäß sind. Ein wesentlicher Teil maskulistischer Arbeit und Ideen bezieht sich gerade auf diesen Bereich und seine Auswirkungen, vom Sorgerecht bis zum Unterhalt.

4. Maskulisten wünschen sich ihre Privilegien zurück, die vor 50 Jahren noch hatten.

Eigentlich will aus meiner Sicht kaum jemand zurück in die 50er. Den diese Privilegien sind ja nur bei sehr einseitiger Betrachtung. „Vorstand der Familie“ ist ein sehr relativer Begriff, genug Männer werden auch damals unter dem Pantoffel gestanden haben. Und es bedeutete eben auch allein für die Versorgung der Familie verantwortlich zu sein, schwer an außerehelichen Sex zu kommen, sich von einer nicht mehr genehmen Partnerin quasi nicht trennen zu können und zudem für den Fall, dass das nicht gelang ein meist lebenslanger Unterhaltsanspruch ohne das die Frau verpflichtet war einer Erwerbstätigkeit nachzugehen (wenn ich mich nicht täusche), sofern sie nicht etwas falsch gemacht hatte, was ihn zur Treue berechtigt.

Es mag für Feministen kaum vorstellbar zu sein, aber ich habe gerne vor der Ehe die Möglichkeit, Beziehungen auszuprobieren und nicht dafür beschämt zu werden oder auch einfach nur Sex zu haben. Und ich finde es gut, wenn eine Frau ebenfalls etwas verdient. Was genau an den 50er Jahren so attraktiv für Männer gewesen sein soll entzieht sich mir da eher.

Wenn damit allgemein konservative Geschlechterrollen gemeint sind: Dagegen gibt es natürlich auch Widerstand im Maskulismus. Es ist ja nicht so, dass die konservativen Rollenzuweisungen hier durchgängig bejaht werden, sie werden eben auch als Einschränkungen für Männer gesehen und der Versuch, sie als zwingend zu befolgen vorzugeben, abgelehnt

 

Was würdet ihr gegen Lightyears Thesen anführen, vielleicht auch an Artikeln auf eurem Blog? Oder welche Ausführungen stützen vielleicht sogar seine Thesen? Wie steht ihr allgemein zu diesen?