Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 11. März 2016

Warum Twitter sich für Aktivismus anbietet

Ich möchte, nachdem ich neulich hier angeführt hatte, dass soziale Medien wichtig sind, etwas Werbung für die Beachtung von Twitter für maskulistische Arbeit machen und mal ein paar Vorteile hervorheben:

  • Es ist sehr einfach Blogs oder andere Medien mit Twitter zu verbinden und dort die anderweitig produzierten Inhalte zu verbinden
  • Bei Twitter findet die Kommunikation quasi in einem großen gemeinsamen Raum statt, in dem leicht eine Verbindung erfolgen kann, wohingegen Blogs erfordern, dass man sie aktiv besucht. Das liegt daran, dass Twitter darauf ausgelegt ist, dass man eine Vielzahl fremder Inhalte, die dafür sehr kurz sind, präsentiert bekommt, die sogenannte Timeline, in der man (zumindest gegenwärtig noch) alle Nachrichten („Tweets“) der Leute, die man abonniert hat (denen man folgt) angezeigt bekommt, aber auch Nachrichten anderer, die diese „retweeten“. Durch die kürze des Mediums ist ein Retweet anders als ein Reblog keine große Sache, sondern man überfliegt ihn eben nur, kann ihn aber auch seinerseits kommentieren, für gut befinden („liken“) oder eben ebenfalls retweeten. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass sich eine Nachricht dort sehr schnell verbreiten kann und damit auch eine gewisse Viralität erhalten kann
  • Twitter ist im Gegensatz zu zB Facebook voll durchsuchbar, Profile und Tweets sind üblicherweise für jeden zu sehen, auch wenn dieser einem nicht folgt. Das macht eine Kommunikation über Twitter gleichzeitig privat und öffentlich. Jeder Tweet, in dem der eigene Benutzername aufgeführt wird, wird in einer speziellen Übersicht angezeigt, so dass ähnlich wie bei einer Email davon ausgegangen werden kann, dass der andere ihn auch wahrnimmt. Das wiederum kann einen gewissen Druck bewirken, der sich durchaus für eine gewisse Öffentlichkeitsarbeit anbieten kann. Jemanden auf Twitter anzuschreiben, etwa einen Journalisten bezüglich eines Fehlers in einem Artikel, macht dessen Antwort aber auch dessen Schweigen auf einen Hinweis anders als zB bei einer Email öffentlich.
  • Auf Twitter ist anders als bei Blogs schnell zu sehen, ob jemand eine gewisse Bedeutung hat oder wie sein Tweet aufgenommen wird, in dem man zum einen schaut, wie viele Follower derjenige hat und zum anderen dadurch, dass Tweets retweetet und geliked werden können. Wenn man also bestimmte Fragen stellt, diese dann retweetet und geliked werden, dann ist dem angesprochenen bewußt, dass eine gewisse Zahl von Personen hinter dem Fragenden steht und seine Antwort ebenfalls lesen wird.
  • Es ist sehr einfach über Twitter neue Personen auf ein Thema und sich selbst aufmerksam zu machen und mit Leuten ins Gespräch zu kommen. Das liegt zum einen daran, dass anders als Facebook keine persönliche Beziehung für ein Folgen vorausgesetzt wird und auch keine Bestätigung einer Freundschaft erfolgen muss. Man folgt eben nur, ohne das dafür eine Grundlage bestehen muss. Viele Personen, denen man folgt, folgen aber seinerseits, so dass man bereits über Folgen selbst Follower gewinnen oder zumindest Personen auf sich aufmerksam machen kann. Gerade wenn man den Followern thematisch  nahestehender Twitterer folgt, kann man schnell eine gewisse F0llowerschaft aufbauen.
  • Nahezu jeder Journalist, Politiker und jede größere Sendung hat einen Twitteraccount, so dass man sehr direkt Leute ansprechen und damit auch auf eigene Beiträge aufmerksam machen kann oder eine Diskussion anfangen kann. Diese Kommentare gehen dabei direkter an die, die man eigentlich ansprechen will, sie erscheinen nicht auf irgendwelchen Portalen, sie erscheinen direkt in den „Mentions“ des jeweiligen Twitteraccounts.
  • Twitter ist der Traum eines jeden Journalisten für kurze, knappe Aussagen, wenn er eine Meinungsübersicht zusammenstellen möchte, gerade wenn sie eine Mischung aus nachdenklich und lustig sein sollen oder wenn man „die Stimme des Volkes“ darstellen möchte. Denn über Hashtags und die allgemeine Wortsuche lassen sich schnell Tweets ausfindig machen und dann auch leicht einbinden und zitieren. Sie sind bereits passend kurz und man kann die besten raussuchen.
  • Blogs sind, wie oben bereits gesagt, ein ganz anderes Medium: Sie bieten sich an um längere Gedanken auszubreiten und sind auch wesentlich besser zum diskutieren. Auf Twitter kann man vieles nur anreißen, aber gleichzeitig kann man es sehr schnell verbreiten, kann Personen auf seinen Blog aufmerksam machen, kann Leuten, die von sich aus niemals nach einem entsprechenden Blog suchen würden, in die Timeline gespült werden. Es ist kein Medium für ausführliche und gutrecherchierte Darlegungen, es ist ein Medium, dass auf schnelle Verbreitung und Teaser ausgelegt ist. Zusammen mit einem Blog ist es damit ein sehr gutes Marketinginstrument.
  • Auf Twitter eine gewisse Präsenz und damit auch eine gewisse Schlagkraft zu erhalten hat damit aus meiner Sicht einiges an Vorteilen. Wenn man es schafft, dort ein „Bündnis“ zu haben von Personen, die sich bemühen andere Leute für das Thema zu interessieren und entsprechende Nachrichten zu verbreiten, dann kann man aus meiner Sicht eine gewisse mediale Präsenz erhalten und sichtbarer werden.

Responses

  1. Grundsätzlich stimme ich dem zu. Twitter ist ein schnelles Medium, und wunderbar geeignet, ein Blog zu ergänzen.

    Was allerdings die Suchfunktion betrifft, so sehe ich das anders.
    Ältere Tweets sind fast nicht mehr auffindbar. Teilweise finde ich meine eigenen, die älter als ein paar Wochen sind, schon nicht mehr.
    Bei Tweets anderer Twitterer ist es noch ausgeprägter.

    Man kriegt eigentlich nur die wirklich aktuellen Tweets überhaupt mit, wenn man gerade Twitter besucht.
    Zwei Stunden später (abhängig von Anzahl und Aktivität der Verfolgten) sieht die Timeline schon völlig anders ans. Viele Tweets gehen dadurch unter, weil man sie nicht mitkriegt, bzw. nur begrenzt nach unten scrollen kann.
    Das ist eben so. Sollte man wissen.

    Außerdem geht es zumindest mir so, dass ich gar nicht für alle Benachrichtigungen eine Mail von Twitter bekomme. Gerade dann, wenn viel los ist, bekomme ich so manche Mention/Like/Retweet/Antwort gar nicht mit.

    Um einen Vorteil aus Twitter zu ziehen, sollte man also schon mehrmals am Tag reinschauen. Sonst bringt es IMHO nicht viel.

  2. Danke für die diversen Hinweise, dass ich mich nicht im Internet rumtreiben soll, hat geholfen

    Ja, ich hab mich gefragt ob ich was sagen darf. Man will ja höflich bleiben, aber ganz ehrlich, das Blog ist mir 1000x lieber als Twitter!!! 🙂

  3. Gut, daß das mal einer für mich Twitter- und Facebook-Analphabeten aufschreibt.

    Mittlerweile bin ich zwar nicht mehr ganz so doof, aber mir waren diese asozialen Netzwerke immer etwas fremd.

    Solche Meta-Artikel sind gar nicht schlecht. Könnten ruhig öfter mal kommen.

    Und ich schreibe dann einen Gast-Artikel über die Psychologie-Königin Alice Miller.

  4. Im Moment würde ich Dir nicht mehr ganz übereinstimmen. Im Moment gibt es bei Twitter blacklists. Dh. Tweets werden eben nicht mehr nach ihrer Wichtigkeit angezeigt. Sie werden nach der Wichtigkeit nach der Ideologie des Unternehmens angezeigt.

    So werden unbequeme Leute/hashtags/Meinungen mit geringeren Werten versehen als andere. Das bedeutet real, dass Twitter direkt Einfluss auf die Meinungsbildung hat. Also politisch genehme Meinungen prominenter vorhanden sind als andere. Eigentlich ein Werkzeug, was sich eine Diktatur wünschen würde. Niemand wird merklich unterdrückt – und heir ist es ja nicht der Staat, sondern ein Unternehmen.

    Ich finde, dass jedes soz. Netzwerk gesetzlich zu neutralität verpflichtet sein muss. Dass Meinungen bei algorythmen gleich behandelt werden und Regeln gleich ausgelegt werden. Dazu ist ein Konzern idR nicht in der Lage. Weswegen es für mich eine Schiedsstelle gegründet werden muss, an der fragliche Äußerungen geklärt werden. Dazu muss es konkrete Anschuldigungen geben – und im Falle eines Urteils auch die Möglichekeit Widerspruch einzulegen. Ein einfaches Du hast gegen unsere Guidlines verstossen reicht da nicht aus – so wie ein Polizist nicht sagen kann: „Sie haben gegen ein Gesetz verstoßen.“ Er muß schon konkret benennen, worum es sich handelt.

    Auf FB werden „Faggot“ posts gelöscht. Dabei scheint es sich um eine simple Stichwortsuche zu handeln, da Computer (noch) keinen Kontext verstehen. Das bedeutet, diese Liste böser Wörter macht einen Sprachwandel unmöglich. Denn Wörter können sich in ihrer Bedeutung und Verständnis ändern.

    Ich finde, dass den soz. Netzwerken im Moment zu viel Macht gegeben wird – insbesondere den Algoithmen – bei den angelernten neuronalen auch keiner genau weiß, wie sie funktionieren. Da wird es dann schwer nachzuweisen, ob dieser dann unparteilich ist.

  5. […] Warum Twitter sich für Aktivismus anbietet […]


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