„Die Themen ‚Frauen als Gewalttäterinnen‘ und ‚Männer als Gewaltopfer‘ sind gesellschaftlich noch weitgehend tabuisiert“

Häusliche Gewalt und das dabei vorhandene Geschlechterverhältnis war schon einmal Thema hier.  Jetzt hat der Spiegel einen Artikel, der sich gerade der Gewalt gegen Männer durch Frauen widmet:

Herr K. ist kein Einzelfall, seine Erfahrungen sind keine Ausnahme. In einer umfassenden Gesundheitsstudie hat das Robert Koch-Institut knapp 6000 deutsche Erwachsene auch zu ihren Gewalterfahrungen befragt. Demnach üben Männer Gewalt eher im Sozialraum und am Arbeitsplatz aus, Frauen eher im häuslichen Bereich. Wie ehrlich und umfassend die Befragten Auskunft gaben, lässt sich bei einem solch heiklen Thema nur schwer sagen. „Die soziale Erwünschtheit sagt: ‚Ich habe eine heile Familie, ich bin nie Opfer geworden, ich bin natürlich auch nicht gewalttätig'“, sagt Heike Hölling, Gesundheitswissenschaftlerin, eine der Autorinnen der Studie.

Die Zahlen dazu:

Gewalt in Beziehungen
Frauen Männer
Körperliche Gewalt gegen Partner ausgeübt 1,3 0,3
Psychische Gewalt gegen Partner ausgeübt 3,8 2,8
Opfer körperlicher Gewalt von Partner geworden 1,2 0,9
Opfer psychischer Gewalt von Partner geworden 6,1 3,3
Prozentangaben beziehen sich auf zwölf Monate vor Befragung (Mehrfachantworten möglich); Quelle: DEGS

 

Das zeigt aus meiner Sicht erst einmal, dass es insgesamt eine kleine Gruppe ist, die von der Gewalt betroffen ist. Was die Probleme des Einzelnen natürlich nicht kleiner macht.

Ich habe die Studie selbst nicht gefunden, wenn jemand einen Link hat, dann bitte in den Kommentaren angeben. Interessant ist, dass weitaus weniger Männer angeben, dass sie körperliche Gewalt gegen Frauen ausgeübt haben. Ob sich hier das stärkere Tabu auswirkt (und dann entweder dahingegend, dass Männer keine Gewalt einsetzen oder aber dahingehend, dass sie es nicht zugeben) wäre interessant.

Auch interessant finde ich die sehr hohe Zahl von Frauen, die angeben, dass sie psychische Gewalt vom Partner erfahren haben. Ob hier einfach nur eine andere (niedrigere) subjektive Schwelle besteht, ab der man psychische Gewalt annimmt oder ob tatsächlich so viel psychische Gewalt gegen Frauen ausgeübt wird, wäre interessant.

Eine interessante Stelle dazu:

Als er ein Jahr nach der Trennung eine neue Freundin hatte, ging der Ärger erst richtig los. Seine Ex griff die neue Partnerin an und verbot ihm, die gemeinsame Tochter zu sehen. Zermürbende Auseinandersetzungen vor dem Jugendamt und dem Familiengericht folgten. Er zeigte sie nun auch mehrfach an, wegen Körperverletzung oder Hausfriedensbruch. Doch alle Verfahren wurden eingestellt. Fälle von häuslicher Gewalt sind nicht einfach zu ermitteln, oft steht Aussage gegen Aussage. „Wenn Männer sich als Opfer an die Polizei wenden, werden oftmals keine Verfahren eröffnet“, sagt K. „Ihnen wird nicht geglaubt.“

„Gewalt gegen Männer“-Kultur liegt da nahe. Strukturelle Unterdrückung, der Mann soll klein gehalten werden etc.

Tatsächlich wird es eine solche Verschwörung nicht geben, sondern nur jeweiliges Unwissen, dass eben auch Männer Opfer von Gewalt werden können.

Zu der Tabuisierung ist auch die folgende Stelle interessant:

„Viele Männer wagen es nicht, sich zu offenbaren, weil die Scham sehr schwer wiegt“, sagt Hölling. „Schwäche oder Angst zu zeigen, sozial nicht integriert zu sein, vielleicht sogar zu weinen, passt nach wie vor nicht zum Männerbild in der Gesellschaft.“ Opfer müssten ihre Erfahrungen ohne Angst vor Konsequenzen oder Stigmatisierung ansprechen können.

Für Männer gebe es zu wenig adäquate Hilfsangebote. Nötig sei auch mehr Aufmerksamkeit in Familie und Bekanntenkreis. „Oft gibt es von Gewaltopfern nicht die lauten Hilferufe, oft sind es schleichende Veränderungen: Jemand bleibt vom Sportverein weg, nimmt nicht mehr an gemeinsamen Unternehmungen teil, hält immer weniger Kontakt.“ In solchen Fällen gelte es, sensibel nachzufragen.

Warum nicht mal selbst zugelangt?

Dem Umfeld von Jochen K. fehlte das Verständnis für seine Lage. „Die meisten Freunde haben versucht, das herunterzuspielen“, sagt K. Er dürfe seine Freundin auf keinen Fall anzeigen, rieten einige. Seine Mutter habe ihn gar gefragt, warum er seiner Freundin nicht mal selbst ordentlich eine gelangt habe. „Männer werden gesellschaftlich nicht als Opfer anerkannt“, sagt K.

Ein Mann, der sich nicht wehren kann, verstößt eben gegen einige Regeln, die seinen Status und seine Attraktivität betreffen und unterbewußt wahrgenommen werden. Ich könnte mir vorstellen, dass solche Informationen direkt unter „schwach, nicht durchsetzungsfähig in intrasexueller Konkurrenz, selbst Frauen verachten ihn“ abgespeichert wird und unser Gehirn das nicht in positiven Kategorien abspeichert.

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50 Gedanken zu “„Die Themen ‚Frauen als Gewalttäterinnen‘ und ‚Männer als Gewaltopfer‘ sind gesellschaftlich noch weitgehend tabuisiert“

  1. „Seine Mutter habe ihn gar gefragt, warum er seiner Freundin nicht mal selbst ordentlich eine gelangt habe.“

    Berechtigte Frage. Bei körperlichen Übergriffen gibt es ja nur eine gesunde und eine halbgesunde Option:

    Die halbgesunde ist zurückschlagen, die gesunde ist, sich zu trennen.

    Jedes Ausharren zeugt von seelischer Beschädigung…egal ob bei Männern oder Frauen.

      • @Adrian: Welche Gründe es mit jemanden, der einen Misshandelt, zusammenzubleiben, die nicht letztlich ein psychisches Problem sind (mglw eins, was erst durch die Misshandlung entstanden ist, nichtsdestrotroz) könnte man denn haben?

        • Hm, ich steh auf dem Standpunkt, Liebe wird durch Misshandlung getötet.
          Ich bin hier der gleichen Meinung wie der ratlose.

        • @Adrian: Das ist etwas oberflächlich. Die Frage wäre dann nämlich einfach: warum fühlt man sich zu jemanden hingezogen, der einen misshandelt?

          Ich will gar nicht die „echtheit“ der Liebe diskutieren, sondern, warum derjenige sie weiter erlebt, wo sie bei anderen schon stirbt, wenn der Jahrestag vergessen wird.

          In den Fällen die ich mitbekommen habe, war es zwar Vordergründig immer „die Liebe“, wenn man etwas mehr draufguckt, wurde aber recht schnell ersichtlich, dass sich die Liebe des Misshandelten Aufgrund von ziemlich unschöner vergangenheit meist bei Gewalttätigen Menschen landete.

        • @ Keppla
          „Die Frage wäre dann nämlich einfach: warum fühlt man sich zu jemanden hingezogen, der einen misshandelt?“

          Tja,w arum fühlt man sich überhaupt zu irgendjemanden hingezogen. Zumal kaum davon auszugehen ist, dass die Misshandlungen der Grund sind, jemaden zu lieben.
          Mein Ex ist fremd gegangen. HAbe ich mich nun deshalb zu ihm hingezogen gefühlt?

          „sondern, warum derjenige sie weiter erlebt, wo sie bei anderen schon stirbt, wenn der Jahrestag vergessen wird.“

          Einige trennen sich nie, andere bereits, wenn der Partner den Klodeckel nicht herunterklappt. Menschen sind unterschiedlich.

          „dass sich die Liebe des Misshandelten Aufgrund von ziemlich unschöner vergangenheit meist bei Gewalttätigen Menschen landete.“

          Sicher. Nur warum soll man dann gleich eine sellische Störung aufweisen? Gewalt an Kindern war in der Vergangenheit immerhin Alltag. Und die früher ganz normale Ohrfeige, gilt heute bereits als schlimme Misshandlung. Waren die Menschen damals alle gestört?

    • *Jedes Ausharren zeugt von seelischer Beschädigung…egal ob bei Männern oder Frauen.*

      Aber auch Menschen mit seelischen Beschädigungen wollen einen passenden Partner, sogar wenn sie schwul sind.

      Ich bin doch das beste Beispiel.

      Ich wünsche mir eine Frau die lieb und nett ist, Essen kocht, Hausarbeiten erledigt, Kinder gut betreut, gerne und gut fickt und sich auch sonst noch nützlich macht.

      Das sind immense, dinosaurierhafte seelische Beschädigungen aus dunklen Zeiten die bei unseren Frauen, die sich ja auch viel stärker Weiterentwickelt haben und ihre seelischen Beschädigungen abgelegt haben, keine Entsprechung mehr finden.

      • @Borat

        „Das sind immense, dinosaurierhafte seelische Beschädigungen aus dunklen Zeiten die bei unseren Frauen, die sich ja auch viel stärker Weiterentwickelt haben und ihre seelischen Beschädigungen abgelegt haben, keine Entsprechung mehr finden.“

        Eine andere Möglichkeit wäre, dass den jeweiligen Frauen das Gegenangebot nicht gefällt. Warum soll eine solche liebe Frau mit einem Mann zusammen sein, der ihr sehr schnell Ausbeutung entgegenhält und Frauen feindlich gesinnt ist?

        • @christian

          *Eine andere Möglichkeit wäre, dass den jeweiligen Frauen das Gegenangebot nicht gefällt.*

          Das kommt ja noch dazu!

          *Warum soll eine solche liebe Frau mit einem Mann zusammen sein, der ihr sehr schnell Ausbeutung entgegenhält und Frauen feindlich gesinnt ist?*

          Gut, das ist ja das Ausgangsthema und meine einzige Hoffnung: Eine Frau mit entsprechend ausgeprägtem seelischen Beschädigungsprofil so dass sie sich nicht mehr aus der Beziehung lösen kann.

          PS: Ich versuche sarkastisch zu sein.

          *Warum soll eine solche liebe Frau mit einem Mann zusammen sein, der ihr sehr schnell Ausbeutung entgegenhält und Frauen feindlich gesinnt ist?*

          Jetzt aber mal ernst beiseite.

          Warum soll ein lieber Mann mit einer Frau zusammensein die ihm dauernd seine Unterdrückungsabsicht, seine Vergewaltigergene, seine Minderwertigkeit suggeriert und damit permanent subtil ihren Männerhass vermittelt?

        • Warum soll ein lieber Mann mit einer Frau zusammensein die ihm dauernd seine Unterdrückungsabsicht, seine Vergewaltigergene, seine Minderwertigkeit suggeriert und damit permanent subtil ihren Männerhass vermittelt?

          Welche Frau tut das denn bitte?

        • @rexi

          *Welche Frau tut das denn bitte?*

          Hier natürlich keine.

          Ich selbst habe das, wenn ich mal ehrlich bin auch noch nie erlebt und meine Mutter liebt mich, sagt sie, obwohl ich so schlecht bin wie man hier ja oft sieht.

          Das sind maskulistische Mythen über frühere Zeiten die keiner selbst erlebt hat und über Menschen die keiner kennt.

          Denn da kann man beliebige Horrormärchen erschaffen so lange diese nur etwas plausibel gemacht werden können.

          Und da der gemeine Maskulist frustriert ist weil er keine von den besten Frauen abgekriegt hat oder diese sich zu recht von ihm getrennt haben ist er empfänglich für diese Horrorgeschichten und lebt meist vollständig in einer Wahnwelt da sein Ego sonst zerbrechen würde.

  2. Ich glaube, dass es viel mehr psychische Gewalt in Beziehungen gibt als hier angegeben. Egal von welcher Seite. Wenn ich die Beziehungen in meinem Umfeld betrachte, würde ich bei einigen sagen, dass dort durchaus psychische Gewalt ausgeübt wird, mal mehr mal weniger.

    Ich glaube auch nicht, dass Gewalt allgemein geschlechtsabhängig ist, sondern dass sich Männer wie Frauen da nicht unterscheiden. Unterschiedlich ist meiner Auffassung nach eher die Wahrnehmung: Psychische Gewalt wird häufig wohl nicht als so schlimm wahrgenommen von Männern (vllt. auch weil das am Männerbild kratzen würde). Wohingegen Frauen auch häufig übertreiben und schon bei Kleinigkeiten psychische Gewalt definieren. Daher vielleicht auch die unterschiedlichen Zahlen in der Studie, die ja nur auf einer persönlichen Einschätzung / Wahrnehmung beruht.

    • @ Miria :
      Da hast du ganz sicher nicht unrecht.
      In den bekannten feministischen Betroffenheitsstudien zu häuslicher Gewalt wird etwa das „Vorenthalten von Komplimenten“ als psychische Gewalt gegen Frauen definiert.

    • In den bekannten feministischen Betroffenheitsstudien zu häuslicher Gewalt wird etwa das “Vorenthalten von Komplimenten” als psychische Gewalt gegen Frauen definiert.

      Der Fehler dabei liegt nach meiner Auffassung in der sehr extrem einseitigen und parteiischen Auslegung in Richtung „Patriarchat“. Frauen sind demzufolge bei jedem Unwohlsein und immer Opfer, sobald sie es mit einem Mann zu tun haben.

      Wenn ich meiner Freundin nie ein positives Feedback gebe, dann kann das aber durchaus psychische Gewalt sein. Gilt aber ebenso umgekehrt, und wird auch umgekehrt oft genug praktiziert.

      Das „vorenthalten von Komplimenten“ kann aber auch andere Ursachen haben. Wenn man sich aufn Keks geht, dann ist einem eben nicht nach dem erteilen von Komplimenten zumute.

      Psychische Gewalt ist eben nicht so einfach zu identifizieren, man muss viel Kontext berücksichtigen.

      Psychische Gewalt ist es nach meiner Auffassung dann, wenn systematisch versucht wird das Selbstbewußtsein des anderen zu untergraben. Das Motiv dafür ist imho oft ein eigener Selbstbewußtseinsmangel – und davon sind Frauen per se nicht weniger betroffen als Männer.

      Nach meiner Einschätzung wird aber Frauen ein größeres Verhaltensrepertoire zugestanden, sich gegen psychische Gewalt zu wehren. Sich gegen psychische Gewalt unmittelbar zu wehren bedingt eben meistens, dass man aus seiner seelischen Verletzbarkeit keinen Hehl macht. Was bei Männern sehr schnell unsouverän wirkt.

      Wenn ein Mann wütend wird, weil seine Freundin ihn vor versammelter Mannschaft als „Flasche“ bezeichnet, dann „bellen betroffene Hunde“. Wenn eine Frau wütend wird, weil ihr Freund ihre Weiblichkeit vor versammelter Mannschaft in Frage stellt, dann benimmt sich der Kerl völlig unmöglich und hat die Szene nur verdient. Man kann doch die Gefühle einer Frau nicht so verletzen!

      Der Preis, den Frauen dafür bezahlen ist der, dass sie weniger ernst genommen werden. Das kann sich ein Mann weniger leisten als eine Frau, sein gesellschaftlicher Status hängt wesentlich mehr daran, dass er als souverän angesehen wird.

      Deshalb blocken Männer die Wahrnehmung für psychische Gewalt eher ab, während Frauen eher noch ihre Weiblichkeit betonen, wenn sie männliche Anmaßungen beklagen.

  3. Seine Mutter habe ihn gar gefragt, warum er seiner Freundin nicht mal selbst ordentlich eine gelangt habe.
    Dann wäre er ohne wenn und aber der „gewalttätige Schläger“ gewesen.

    Ein geschlagener Mann hat nicht viele Handlungsoptionen. Und noch viel weniger, wenn Kinder da sind.

  4. „Ein Mann, der sich nicht wehren kann, verstößt eben gegen einige Regeln, die seinen Status und seine Attraktivität betreffen und unterbewußt wahrgenommen werden. Ich könnte mir vorstellen, dass solche Informationen direkt unter “schwach, nicht durchsetzungsfähig in intrasexueller Konkurrenz, selbst Frauen verachten ihn” abgespeichert wird und unser Gehirn das nicht in positiven Kategorien abspeichert.“

    Leute die so denken, sollten sich dann aber hüten, theatralisch „Warum nur??“ zu fragen wenn es mal wieder um die männliche suizidrate geht und es einfach als That’sLife verbuchen.
    Und bitte auch nicht rumjammern und Hilfe/Zuspruch erwarten oder in Anspruch nehmen wenn es ihnen selbst mal schlecht geht.

      • Wir sind aber nicht nur instinktgesteuerte Lebewesen, sondern können unser Verhalten reflektieren.
        Und wenn man man sich in einer ruhigen Minute mal hinsetzt und sein Gehirn einschaltet, kann man eventuell zu dem Schluß kommen, dass ein Mann mit Problemen vielleicht doch auch mal ernstgenommen werden und nicht nur ausgelacht werden könnte, weil einem das jederzeit auch selbst passieren kann.

        bei allem was wir noch aus der Urzeit mit uns rumschleppen, haben wir trotzdem mehr Wissen und die Fähigkeit, uns rational damit auseinanderzusetzen. Wir sind nicht nur auf reine Affekthandlungen beschränkt.

  5. Hier noch ein kritischer Artikel zum Spiegelartikel:

    http://www.freitag.de/autoren/andrej-holm/der-spiegel-und-die-gewalt-gegen-maenner

    In der von SpiegelOnline so prominent diskutierten Sphäre der häuslichen und partnerschaftlichen Gewalt wird diese Geschlechterdifferenz in Form einer markante Antinomie der subjektiven Erfahrungen besonders deutlich: Nur ein knappes Viertel der Gewalterfahrungen gegen Frauen (1,2%) wird von den eingestandenen Gewalttätigkeiten von Männern (0,3%) gedeckt. Wenn wir davon ausgehen, dass überwiegend Probanden in Hetero-Partnerschaften befragt wurden, dann wirft dieses Missverhältnis vor allem Fragen zum Antwortverhalten der befragten Männer auf. Während sie in vielen anderen Bereichen die Ausübung körperlicher Gewalt relativ offen zugeben, scheint sich ausgerechnet für den Bereich der Gewalt in Partnerschaften eine maßgebliche Verzerrung durch die ’sozial erwünschten Antworten‘ zu ergeben. Die Studie zeigt an dieser Stelle vor allem eines: Wenn Männer ihre Partnerinnen verhauen oder misshandeln, hat der größte Teil von ihnen es spätestens bis zur Befragung wieder „vergessen“. Das Tabu scheint sich also eher auf die „Gewalt gegen Frauen“ zu beziehen – womit sich aus der Studie also genau das Gegenteil der Behauptung des Artikles herauslesen lässt.

    Diese männliche Verdrängungsleistung hätte eine spannendes journalistisches Thema sein können – war es aber für die beiden Autoren von Spiegel Online nicht. Trotz der konfusen Datenlage wird die Studie von den beiden Journalisten als Beleg für das angeblich tabuisierte Thema der Männer als Opfer herangezogen.

    • @ christian

      Mir erscheint der Beitrag in Augstein´s Hobbygazille eher prototypisch für ideologisierte Interpretation.

      Wenn Frauen viermal häufiger Gewalterfahrungen angeben als Männer sie einräumen, gibt es nämlich noch durchaus andere Erklärungsansätze für diese Diskrepanz.

    • Ja, das ist doch das was ich immer und überall sehe:

      Männer verdrängen gerne, leben in ihrer Filterbubble, projizieren zudem dauernd, leben in einem gemütlichen, warmen Nest was sie sich von Frauen bauen lassen und Frauen sehen der hässlichen Wahrheit gnadenlos ins Gesicht und handeln pragmatisch.

      Nur was den gnadenlosen Sexismus gegen Frauen angeht müssen sie hier mehr verdrängen, denn die 100%-Quote für alle Frauen jeden Alters wäre einfach nicht zu ertragen.

    • @ Christian

      Interessant.

      Vom „Wachregiment Felix Dserschinskij“ zum Diener des Staatsfeminismus: der Soziologe Andrej Holm oder „Warum ich Sozuiologie nicht mehr ernst nehmen kann“.

      *Holm wuchs in der DDR auf. Nach seinem Abitur begann er im September 1989 eine Grundausbildung im zum Ministerium für Staatssicherheit gehörenden Wachregiment Feliks Dzierzynski mit dem Ziel einer späteren Tätigkeit im Ministerium.[1] Nach der Auflösung des Wachregiments engagierte er sich in der oppositionellen Marxistischen Jugendvereinigung Junge Linke und dem Oppositionsbündnis Vereinigte Linke (VL). Später war er in der Hausbesetzerbewegung, in Autonomen Zusammenhängen und in verschiedenen Stadtteil- und Mieterinitiativen aktiv.

      Von 1990 bis 1997 studierte er an der Humboldt-Universität Sozialwissenschaften und wurde 2004 mit einer Arbeit zum Thema „Restrukturierung des Raumes und gesellschaftliche Macht im Sanierungsgebiet“ promoviert. *

      http://de.wikipedia.org/wiki/Andrej_Holm

      • @ Roslin

        Ja der Holm würde sicher auch die sprichwörtliche Oma verkaufen, wenn es ihm denn Vorteile zu bringen verspricht. Komisch, warum habe ich oft diesen Eindruck von den männlichen Feministen?

    • @ Christian

      Danke für den Link. Am lesenswertesten fand ich den Schluß:

      „Die Studie zeigt, dass Männern in allen Kontexten außerhalb der Partnerschaft von mehr Gewalterfahrungen berichteten. Eine kleine Rangliste männlicher Gewalterfahrungen:

      Unbekannte: 3,8%
      sonstige Bekannte: 1,3%
      Kollegen/Vorgesetzte: 1,0%
      sonstige Familienangehörige: 1,0%
      Partner: 0,9%

      Das Ergebnis der Studie: Für Männer weist die Partnerschaft die geringsten Gefahr auf, Opfer körperliche Gewalt zu werden. Die Zahlen zeigen, dass der Bereich der Partnerschaft für die allgemeine Gewalterfahrung von Männern nur eine untergeordnete Rolle spielt. Das angebliche Tabu könnte sich so womöglich als empirische Irrelevanz herausstellen.

      Wie sehen die berichteten Gewalterfahrungen der Frauen aus? Auch hier eine Rangfolge nach Anteilen von Berichten über widerfahrene körperliche Gewalt:

      sonstige Bekannte: 1,5%
      Partner: 1,2%
      Kollegen/Vorgesetzte: 0%
      sonstige Familienangehörige: 0,5%
      Unbekannte: 0,5%

      Das Ergebnis de Studie: Für Frauen ist die Partnerschaft gleich nach den ’sonstigen Bekannten‘ der Bereich aus denen die meisten Gewalterfahrungen berichtet werden.

      Den Ergebnissen der Studie entsprechend hätte die Schlagzeile bei SpiegelOnline ebensogut lauten können: „Studie bestätigt Gewalt gegen Frauen“. Hat sie aber nicht, wäre vermutlich ’nichts Neues‘ gewesen, und deshalb auch nicht berichtenswert. Dieser Mann-beisst-Hund-Journalismus erscheint mir für eine ernsthafte Auseinandersetzung (nicht nur zu diesem Thema) nicht wirklich geeignet.“

      • Nur zu logisch.

        Der Mann ist mehr draußen, die Frau mehr in der Familie.

        Die Frau schickt den Mann ja sogar raus um Gewalterfahrungen zu machen, sei es nur zur harten Arbeit oder in den Kampf (Krieg).

        Der Mann bringt die Außenwelt in die Familie und damit auch Gewalt.

        Ohne Mann und Familie (und Staatssubventioinierung) hat die Frau einen verdammt schweren Stand in der Welt voller Gewalt, sie hätte das höhere Gewaltpotential was Männer aushalten müssen zu ertragen (6.1% zu 2.7%, nicht Familiengewalt summiert).

        Der Mann wirkt quasi als Gewaltabschwächer für die Frau die sich in der geschützten Familie (bei uns immer weiter verstaatlicht) aufhält und kreidet dem Mann an dass er einen kleinen Teil dieser Gewalt an die Frau weitergibt.

        • Das ist doch Quatsch. Dazu reicht doch ein Blick auf die Strasse.
          Es laufen draussen doch nicht mehr Männer als Frauen frei herum. Auch nicht nachts in in den Partyzonen.

          Das Männer eher was draufkriegen, liegt vermutlich eher daran, dass die Skrupel, einen Mann zu verhauen im Schnitt niedriger sind.
          Dafür werden Frauen auf der Strasse häufiger vergewaltigt als Männer.

        • *Es laufen draussen doch nicht mehr Männer als Frauen frei herum. Auch nicht nachts in in den Partyzonen.*

          Wenn ich Frauen sehe dann deutlich öfter in Begleitung als Männer. Falls man doch mal Frauen alleine sieht dann strahlen die oft ein Gefühl des Unwohlseins aus und starren verkrampft auf ihr Smartphone.

          *Das Männer eher was draufkriegen, liegt vermutlich eher daran, dass die Skrupel, einen Mann zu verhauen im Schnitt niedriger sind.*

          Erklärt das warum Männer hier etwas weniger über erfahrene Gewalt vom Parter berichten, weil das ja gesellschaftskonformer ist?

          *Dafür werden Frauen auf der Strasse häufiger vergewaltigt als Männer.*

          Eine fragwürdige These, wo Männer doch, wie du schon (Skrupel) sagst, den größten Teil der Gewaltopfer stellen.

      • @Muttersheera:

        „Am lesenswertesten fand ich den Schluß“

        Ja, den finde ich auch lesenswert, denn soviel Verdrehung sucht schon seinesgleichen. Obwohl die Gewalterfahrungen von Männern und Frauen durch ihre Partner fast gleich hoch sind (1,2% / 0.9%), ist das bei Männern nicht so schlimm, denn woanders werden sie ja, im Gegensatz zu Frauen, noch viel mehr Gewalt ausgesetzt. Na, dann wäre es der Logik von Herrn Holm folgend wohl sinnvoll, wenn Frauen im außerpartnerschaftlichen Bereich genauso oft verprügelt und misshandelt würden, wie Männer, denn dadurch sinkt ja dann entsprechend der relative Stellenwert, den Gewalttätigkeiten durch den Partner haben. Dann wundert es einen auch nicht mehr, wenn dieser Holm aus dem höheren Ausmaß an außerpartnerschaftlicher Gewalt gegen Männer schliesst, dass der Artikel „Studie bestätigt Gewalt gegen Frauen“ hätte heißen müssen.

        Gefällt dir diese Logik ? Möchtest du dies vielleicht als Vorschlag in die Diskussion über die Bekämpfung häuslicher Gewalt einbringen ?

        • @ Kareem

          *Na, dann wäre es der Logik von Herrn Holm folgend wohl sinnvoll, wenn Frauen im außerpartnerschaftlichen Bereich genauso oft verprügelt und misshandelt würden, wie Männer, denn dadurch sinkt ja dann entsprechend der relative Stellenwert, den Gewalttätigkeiten durch den Partner haben. *

          Wenn Männer sich desengagieren, wäre genau das die Folge.

          Es diente der Gleichstellung.

          Männer müssen nur genauso wenig/viel machen wie Frauen.

          Selbstverständlich, wie Frauen, nur auf den Feldern, wo sie das auch wirklich wollen.

          Alles andere widerspräche ihrem Selbstverwirklichungsanspruch, der ja nicht geringer sein darf als der der Frauen.

          Und Gleichstellung ist ja sowieso gut, wahr und gerecht, nicht wahr?

          Wenn Männer also die Beine hochlegen, weniger erwerbsarbeiten, Polizei, Militär und Vorstände dem Neuen Genderadel überlassen, dient das der Gerechtigkeit.

          Sollte darüber eine gesellschaftliche Ordnung zugrunde gehen, dient das auch der Gerechtigkeit.

      • @ muttersheera

        Was gefällt Dir so an der feministischen Methode „Holm“ ?

        Das übliche feministische Spielchen: „Verschweigen, Vertuschen, Verharmlosen, Verleugnen“?

        Immer in der Hoffnung, die der Ideologie unwillkommene Realität doch wieder aus dem Blickfeld rücken zu können?

        Das Spielchen wird ja sehr bewusst und sehr konsequent seit Anfang der 70’er-Jahre gespielt, ist doch „Häusliche Gewalt“ das wichtigste Propagandatool der feministischen Bewegung zur Erlangung von Macht, Einfluss und (Regierungs-)Geld gewesen, ist es nach wie vor.

        Die Methode der Wahl zur Difffamierung von Männern/Männlichkeit, zur Verbreitung ihrer Sündenbock-und Hassideologie.

        *If the empirical research is correct in suggesting that between a quarter and half of all domestic violence victims are men, a question follows: why has women’s domestic violence towards men been unreported for so long, and what has changed in the last five years to make it more visible?

        One reason may be the feminist movement. Feminism took up the cause of domestic abuse of women in the 1970s, with the world’s first women’s refuge being opened by Erin Pizzey in 1971. Feminism understood domestic violence as the natural extension of men’s patriarchal attitudes towards women, leading men to feel they had the right to control their partners, using violence if necessary. Feminists campaigned successfully to bring the issue into the public arena, thereby securing resources to establish services to help victims. This activism and advocacy led to governmental and public acceptance that „domestic violence“ was synonymous with violence against women.

        ….

        Large sums of money have been spent on educational campaigns to encourage female victims to seek help. Until there are similar campaigns for men, it is unlikely that the true number of male victims needing help will be known. If the current trends continue however, women may find themselves increasingly likely to be charged with domestic assault, and men more likely to be offered help and protection.*

        Read the full article at: http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2011/jun/07/feminism-domestic-violence-men#ixzz2UgkgS76F

        Das Thema „Häusliche Gewalt“ diente von Anfang an der Untermauerung der bösartigen Patriarchatshypothese, musste daher zwangsläufig nach dem Muster „Böse Männertäter – Gute, unschuldige Frauenopfer“ dargestellt werden.

        Erin Pizzey:

        *In 1974, the women living in my refuge organised a meeting in our local church hall to encourage other groups to open refuges across the country.

        We were astonished and frightened that many of the radical lesbian and feminist activists that I had seen in the collectives attended. They began to vote themselves into a national movement across the country.

        After a stormy argument, I left the hall with my abused mothers – and what I had most feared happened.

        In a matter of months, the feminist movement hijacked the domestic violence movement, not just in Britain, but internationally.

        Our grant was given to them and they had a legitimate reason to hate and blame all men. They came out with sweeping statements which were as biased as they were ignorant. „All women are innocent victims of men’s violence,“ they declared.

        They opened most of the refuges in the country and banned men from working in them or sitting on their governing committees.

        Yet the feminist refuges continued to create training programmes that described only male violence against women. Slowly, the police and other organisations were brainwashed into ignoring the research that was proving men could also be victims.

        It was bad enough that this relatively small group of women was influencing social workers and police. But I became aware of a far more insidious development in the form of public policy-making by powerful women, which was creating a poisonous attitude towards men.

        In 1990, Harriet Harman (who became a Cabinet minister), Anna Coote (who became an adviser to Labour’s Minister for Women) and Patricia Hewitt (yes, she’s in the Labour Cabinet, too!) expressed their beliefs in a social policy paper called The Family Way.

        It said: „It cannot be assumed that men are bound to be an asset to family life, or that the presence of fathers in families is necessarily a means to social harmony and cohesion.“

        It was a staggering attack on men and their role in modern life.*

        Wer hat ein Interesse daran, Familien zu zerstören, Männer aus den Familien hinauszudrängen, Kinder zum Eigentum der Mütter zu machen, diese dann wieder abhängig vom Staat, dem „Ehemann“ der Alleinerziehenden?

        Cui bono?

        Weiter Erin Pizzey:

        *For nearly four decades, these pernicious attitudes towards family life, fathers and boys have permeated the thinking of our society to such an extent that male teachers and carers are now afraid to touch or cuddle children.

        Men can be accused of violence towards their partners and sexual abuse without evidence. Courts discriminate against fathers and refuse to allow them access to their children on the whims of vicious partners.

        Of course, there are dangerous men who manipulate the court systems and social services to persecute their partners and children. But by blaming all men, we have diluted the focus on this minority of men and pushed aside the many men who would be willing to work with women towards solutions.

        I believe that the feminist movement envisaged a new Utopia that depended upon destroying family life. In the new century, so their credo ran, the family unit will consist of only women and their children. Fathers are dispensable. And all that was yoked – unforgivably – to the debate about domestic violence.

        I believe that vision was hijacked by vengeful women who have ghetto-ised the refuge movement and used it to persecute men. Surely the time has come to challenge this evil ideology and insist that men take their rightful place in the refuge movement.*

        Read more: http://www.dailymail.co.uk/news/article-430702/How-feminists-tried-destroy-family.html#ixzz2Ugq4kiOq
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        Die Realität wahrzunehmen hätte die schöne Grundlage der ganzen feministischen Ideologie, die Patriarchatshypothese (Inhärent oder ansozialisiert „gute“ Frauen – inhärent oder ansozialisiert „böse“ Männer, die bewusst oder unbewusst die „guten“ Frauen unterdrücken) von Anfang an unglaubwürdig erscheinen lassen.

        Darum der zähe Kampf um den Bestand der Lüge.

        Bis heute ja zum Großteil erfolgreich, die misandrische Vergiftung des Zeitgeistes ist gründlich gelungen.
        Dank der Gleichgesinnten in den Massenmedien und der Politik/Wirtschaftselite, die Rückendeckung geben.

        Cui bono?

        Cui bono?

        Cui bono?

    • *Alles dabei: von Auslassung/einseitigen Fragen über dreiste Lügen bis hin zu Mobbing und Bedrohungen.*

      Wenn die suggestivbefragen, mobben, lügen und bedrohen, dann nur aus Notwehr.

      Die müssen das tun, für eine bessere Welt.
      Denn die Unwissenden können nicht sehen wie schlimm diese Welt ist, wie verschlagen teuflisch böse die hegemoniale Männlichkeit, das Patriarchat sie vergiftet und indoktriniert hat.

      Nur so kann unsere Welt wieder schön werden.

  6. ‚Ob hier einfach nur eine andere (niedrigere) subjektive Schwelle besteht, ab der man psychische Gewalt annimmt oder ob tatsächlich so viel psychische Gewalt gegen Frauen ausgeübt wird, wäre interessant.

    Eine interessante Stelle dazu:

    Als er ein Jahr nach der Trennung eine neue Freundin hatte, ging der Ärger erst richtig los. Seine Ex griff die neue Partnerin an und verbot ihm, die gemeinsame Tochter zu sehen. Zermürbende Auseinandersetzungen vor dem Jugendamt und dem Familiengericht folgten. Er zeigte sie nun auch mehrfach an, wegen Körperverletzung oder Hausfriedensbruch.‘

    Verbot die gemeinsamme Tochter zu sehen und Anzeige wegen Körperverletzung und Hausfriedensbruch… Die Schwelle ab der man psychische Gewalt annimmt ist sicher für beide Geschlechter gleich, doch manche Formen der psychischen Gewalt sind einfach nicht anerkannt. Andere Formen, gerade bei der Trennung, die Kinder sind nicht von Dir, ich war im besagtem Zeitraum mit jemand anderem zusammen etc. etc. etc. Bis hin zur Anzeige der pädophelie…

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