Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 15. November 2015

Was ist aus Sicht von Männern wichtig für die männliche Identität?

Eine interessante Studie hat Männer befragt, was sie eigentlich wichtig für die männliche Identität finden bzw was sie denken, was andere wichtig finden.

ABSTRACT

Introduction. The Men’s Attitudes to Life Events and Sexuality (MALES) study assessed the prevalence and correlates of erectile dysfunction, and examined men’s attitudes and behavior in relation to this dysfunction.

Aim. To report on the attitudes of men, with and without self-reported erectile dysfunction, concerning masculine identity and quality of life.

Methods. The MALES Phase I study included 27,839 randomly selected men (aged 20–75 years) from eight countries (United States, United Kingdom, Germany, France, Italy, Spain, Mexico, and Brazil) who responded to a standardized computer-assisted telephone interview.

Main Outcome Measure. Perceptions of masculinity and quality of life in men with and without erectile dysfunction.

Results. Men’s perceptions of masculinity differed substantially from stereotypes in the literature. Men reported that being seen as honorable, self-reliant, and respected by friends were important determinants of self-perceived masculinity. In contrast, factors stereotypically associated with masculinity, such as being physically attractive, sexually active, and successful with women, were deemed to be less important to men’s sense of masculinity. These findings appeared consistently across all nationalities and all age groups studied. For quality of life, factors that men deemed of significant importance included good health, harmonious family life, and a good relationship with their wife/partner. Such factors had significantly greater importance to quality of life than concerns such as having a good job, having a nice home, living life to the full, or having a satisfying sex life. Of note, rankings of constructs of masculinity and quality of life did not meaningfully differ in men with or without erectile dysfunction, and men with erectile dysfunction who did or did not seek treatment for their sexual dysfunction.

Conclusions. The present findings highlight the significance of partnered relationships and interpersonal factors in the management of erectile dysfunction, and empirically challenge a number of widely held stereotypes concerning men, masculinity, sex, and quality of life. Sand MS, Fisher W, Rosen R, Heiman J, and Eardley I. Erectile dysfunction and constructs of masculinity and quality of life in the multinational Men’s Attitudes to Life Events and Sexuality (MALES) study. J Sex Med 2008;5:583–594. Key Words. Erectile Dysfunction; Quality of Life; Masculinity; Gender Iden

Quelle: Erectile Dysfunction and Constructs of Masculinity and Quality of Life in the Multinational Men’s Attitudes to Life Events and Sexuality (MALES) Study

Männer finden es also wichtiger, dass sie als ehrenhaft, selbstsicher und respektiert von Freunden galten und definierten danach „Männlichkeit“. Andere Faktoren wie körperliche Schönheit, sexuelle Aktivität, Erfolg bei Frauen wurden dabei als unwichtiger bewertet, obwohl die Stereotype sie höher bewerten.

Was aus meiner Sicht allerdings nicht bedeutet, dass diese anderen Faktoren von Männer nicht als wichtig angesehen werden, sie scheinen mir hier eher Anforderungen aufgeführt zu haben, die einen Mann positiv und gerade im Zusammenspiel mit anderen Männern ausmachen, während die anderen Faktoren eben auch negativ sein können: Jemand, der mit zB den Frauen seiner Freunde schläft mag sexuell aktiv sein und Erfolg bei Frauen haben, aber er ist damit eben nicht hoch angesehen (auch wenn viele Männer gerne seine Fähigkeiten hätten, natürlich um sie zum Guten einzusetzen). Es sind also eher Verhaltenspflichten im Umgang miteinander: Zu seinem Wort stehen, sich am gesagten festhalten lassen, seine Fähigkeiten kennen, den Respekt von Freunden genießen: Das alles sind also Werte die einen guten Verbündeten und Freund ausmachen, mit wie vielen Frauen er schläft ist hingegen für die Bewertung als Verbündeter relativ egal.

Ein Mann wird also in gewisser Weise auch unter Männern danach bewertet, wie er seine Pflichten anderen gegenüber erfüllt und erfüllen könnte.

Es ist aber dennoch eine interessante Auswertung weil man hier einmal etwas positives über Männlichkeit liest. Eine Männlichkeit, die von Ehre, Selbstsicherheit und Respekt geprägt ist, kommt so im Feminismus nicht vor und will auch gar nicht in das dortige Feindbild passen. „Ehre“, würde man da vermutlich im radikaleren Bereich schnauben, „ist es ehrenvoll Frauen zu diskriminieren, sich in seinen Privilegien zu suhlen und eine Rape Culture aufrecht zu erhalten? Verdient ein solcher Mann Respekt und wenn ja, was sagt das dann über unsere Gesellschaft aus?“ Aber da wären eben jede Menge Strohmänner vorhanden.

Interessant ist eine Aufschlüsselung nach Nationalitäten, die aus der MALES Studie entnommen ist:

Konstruktion von Männlichkeit

Konstruktion von Männlichkeit

Sehe ich es richtig, dass in Tabelle 2 die Deutschen Männer „Ehre“ weitaus weniger wichtig finden als die meisten anderen Nationen? Statt dessen wird die „Kontrolle über das eigene Leben“, der „gute Job“ und „selbst mit Problemen fertig werden höher bewertet. Könnte vielleicht auch schlicht damit zusammenhängen, dass Ehre in Deutschland ein belasteter Begriff ist. Es geht allerdings auch in dieser Tabelle nur darum, was man als das allerwichtigste angesehen hat, nicht um eine freie Aufteilung. Auch in Deutschland könnte also zB „Ehre“ auf Platz 2 liegen.

Eine andere interessante Auswertung ist diese:

Männlichkeit und Lebensqualität

Männlichkeit und Lebensqualität

Für ihre Lebensqualität an erster Stelle steht damit für deutsche die Gesundheit, dann auch sehr häufig als wichtigste Eigenschaft genannt eins harmonisches Familienleben und eine gute Beziehung zu seinem Partner.

Gibt auch nicht sehr viel zum Dämonisieren her.

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Responses

  1. Ich entnehme dem Text …

    Aspekte, die einen stereotypen Mann glücklich machen:
    honorable, self-reliant, and respected, good health, harmonious family life, and a good relationship with their wife/partner

    sowie …

    Anforderungen an einem Mann, die eine stereotype Frau glücklich machen:
    physically attractive, sexually active, and successful with women
    having a good job, having a nice home, living life to the full, or having a satisfying sex life.

    Ich denke, das gilt auch umgekehrt für Frauen. Einmal der Blick auf sich und das andere Mal der Blick auf sich aus der Perspektive des anderen Geschlechts unter dem Aspekt der sexuellen Selektion. Eigentlich keine Überraschung. Nur für diejenigen, die glauben, dass Männer sich hauptsächlich über den wertenden Blick der Frau definieren. Dieser Strohmann ist für den Feminismus essentiell, damit seine Projektionen Realitätsstatus erhalten, was dann zur Manipulation eingesetzt werden kann.

    • Was ist wichtig für die männliche Identität? Gute Frage. Also der Penis ist wichtig, der gehört unbedingt dazu.

  2. Men reported that being seen as honorable, self-reliant, and respected by friends were important determinants of self-perceived masculinity.

    Ist es nicht gerade der Angriff des modernen Feminismus und die daraus resultierende negative Sichtweise der Frauen auf die Männer, die eine globale Identitätskrise bei den Männern ausgelöst haben, gerade weil diese Werte den Männern so wichtig sind und sie sich an ihnen orientieren?

    • Da hörst du dich aber schon recht hollsteinesk an.

      Wo gibt es denn eine globale Identitätskrise der Männer?

      Ich treffe ständig auf Frauen, die völlig „unemanzipiert“ sind. Es ist eine hollsteineske Legende, daß Frauen angeblich „durch den Feminismus“ ganz toll weiterentwickelt sind.

      Ich attestiere hier mal den Juden auch keine Identitätskrise angesichts eines grassierenden Antisemitismus im zwölfjährigen Reich oder in vielen islamischen Milieus heute.

  3. Ich wüsste nicht, was ich auf diese Frage antworten sollte. Männlichkeit? Da war doch was mit Penis, Hormonen und Chromosomen.

    • Hättest du nicht neulich noch was in die Richtung von „ich bin ganz typisch männlich“ gesagt?

      • Bin ich ja auch. Hab nen Penis, keinen Busen und muss mich rasieren.

      • In seinem jammerhaften Herumgetrolle ist Adrian recht weiblich.

        • Und Du glaust, das stört mich?

        • Typische Mädchen-Antwort. 🙂

        • Na wenn ich ein Mädchen bin, sollte es Dich dann ja nicht weiter stören, dass ich mit Männern vögele 🙂

        • grade gefunden. Irgendwie liebe ich diese Werbebanner.

    • Ja, und eigentlich hört es da schon parktisch auf.

      Die genannten Werte sind doch eigentlich lediglich allgemein menschliche Werte: „honorable, self-reliant, and respected by friends“ etwa.

      Wer hehauptet denn, der Feminismus würde „männliche Werte“ angreifen und in Frage stellen, wenn er in Wirklichkeit allgemein *menschliche Werte* angreift, unter dem Deckmantel diese seien „männlich“?

      Genau deshalb greift die Gegenstrategie völlig daneben, „männliche Eigenschaften“ herausstellen zu wollen. Weil das nur dazu führen kann, die allgemein menschlichen Werte weiter zu schleifen.

      • Der Femininismus greift Männlichkeit an, indem er Männlichkeit mit der vom Feminismus projezierten Männlichkeit identifziert, die nicht jenseits, wie du unrichtig schreibst, allgemein menschlicher Werte ist, sondern unter dem Blick sexueller Selektion des anderen Geschlechts entsteht.
        Wenn man sexuelle Selektion verbannen will, dann wäre der prüfende Blick von Frauen auf Männer unzulässig. Wenn man die sexuelle Selektion als natürliche Gegebenheit zulässt, dann ist der wertende Blick von Frauen auf Männer etwas, was auch Männer wollen. Daher ist das Urteil von sexuell prüfenden Frauen etwas, was die Männlichkeit positiv definiert. Der Feminismus nimmt nur diesen Teil der Männlichkeit, hypostasiert ihn und wertet ihn ab. Es ist also sinnvoll, auch diesen Teil von Männlichkeit positiv zu fassen, ihn rückzuerobern. Es ist wichtig die männliche Ausformung allgemeiner menschlicher Werte festzuhalten, weil der Feminismus deren geschlechtsstereotypische Ausformung postuliert und anprangert. Zu sagen, Männer und Frauen unterscheiden sich in allgemein menschlichen Werten nicht, macht kaum Sinn, wenn der mainstream die allgemein menschlichen Werte feminin definiert. Wenn die allgemein menschlichen Werte nicht feminin definiert würden, dann hast du recht: man bräuchte sich um die positive Formulierung der männlichen Ausprägung allgemein menschlicher Werte nicht zu kümmern.

  4. Ja wie jetzt?
    Die „anderen“ Männer sind gar nicht alles sexbesessene, frauenhassende Monster?

    Und ich achte immer, ich sei der einzige „one good man“ ?

    Nu ja, bis vielleicht noch auf – die paar Journalisten der Mainstream-Presse, die uns so schön objektiv über die allgegenwärtige Testosterongesteuerte Männerwelt informiert, die Politik, die inzwischen zumindest versucht, die schlimmsten Auswüchse des allgegenwärtigen Patriarchats ein Stück weit einzudämmen. Und dann noch die Männer, mit denen ich mich gelegentlich darüber unterhalten habe, die gehören da auch nicht zu der so verbreiteten üblen Sorte. Man sucht sich ja seine Freunde selbst aus. Aber irgendwo MUSS es sie ja geben, die Monster, oder? Oder nicht?
    Wie jetzt?

    In dem Zusammenhang ein Ausschnitt aus einem schon etwas älteren Video, der mir im Gedächtnis geblieben ist und über den ich irgendwann mal was schreiben wollte:
    Minute 23:29

    Das Publikum amüsiert sich, während Pütz seine Ausführungen macht, der Moderator sagt als Mann dann selbst:
    „Da bin ich nicht so sicher, ob ich diese These teile, ich glaube, ich teile sie nicht.“
    Während die Ausführungen von Pütz belächelt bis ausgelacht wurden, erntet der Moderator johlenden Beifall. Im Publikum lauter „one good men“.

    Ich habe mich schon gefragt, was da eigentlich passiert, und warum sich die Leute im Publikum so gar nicht darüber klar sind.

    Warum klatschen die Leute – insbesondere Männer – zu der Aussage des Moderators?

    Annahme:
    In einem rassistischen Land mit deutlich rassistischer Stimmung äußert sich ein Gast in so einer Sendung vergleichbar wie Pütz: Er sagt also, dass z.B. Weiße im Grunde ein Bedürfnis haben, sich auch um die Belange von schwarzen zu kümmern, weil sie sich dafür verantwortlich fühlen. Das Publikum belächelt die Aussage – warum, ist klar: Man ist eben nicht der Ansicht, dass man sich um schwarze kümmern möchte. Der Moderator sagt seinen Spruch: „Da bin ich nicht so sicher, ob ich diese These teile, ich glaube, ich teile sie nicht.“
    Das Publikum klatscht Beifall. Warum klatscht es?
    Wie gesagt, unter der Annahme, dass dies in einer rassistischen Gesellschaft geschieht, klatscht man, weil man gar nicht die Absicht hat, sich in positiver Weise für schwarze irgendwie verantwortlich zu fühlen.
    Das wäre in einer rassistischen Gesellschaft der Grund, an der Stelle zu klatschen.

    In einer nicht rassistischen Gesellschaft würde ich diese Reaktion eher nicht erwarten.
    Möglicherweise in einer „umgekehrt rassistischen Struktur“:
    Nämlich in einer Situation, wo sich lauter schwarze Aktivisten aufhalten, möglicherweise auch weiße dabei, die aber den aktuellen Rassismus ablehnen.

    Dann könnte dieser Beifall ebenso auftreten.

    Analyse also:
    Würden wir in einer patriarchalen Ordnung leben, dann wäre dieser Beifall zwar zu erwarten – aber „irgendwas“ sagt mir, dass die Männer, die an der Stelle Beifall klatschen, nicht das meinen, was ich oben für den Fall einer rassistischen Gesellschaft angenommen habe.
    Sie fühlen sich ganz im Gegenteil als die „wenigen one good men“, die sich wie die wenigen Unterstützer der Unterdrückten in einer rassistischen Gesellschaft verhalten und die „missstände“ überhaupt sehen.

    Nun ist das Publikum der Sendung aber eher nicht eine solchermaßen selektierte Gemeinschaft, sondern vermutlich eher repräsentativ für unser Land. Sagt es den Leuten so gar nichts, dass sie an der Stelle ohne jegliche Bedenken davor, zumindest blöd angeguckt zu werden, Beifall klatschen können?

    Was die Leute, die da klatschen, damit eigentlich ausdrücken wollen, ist ja, dass sie nicht glauben, dass Männer sich um die Belange von Frauen ümmern und ein Bedürfnis haben, Frauen zu schützen – aber eigentlich der Meinung sind, dass dies ein bisschen mehr so sein sollte. Und vermutlich sind die Männer, die da klatschen sebst eher der Meinung, jemand zu sein, der eben genau das tut, nämlich Frauen zu beschützen, wo es notwendig ist (mindestens „seine“ Frau) .

    Der Applaus eines doch beträchtlichen Teils des Publikums straft die eigene Annahme eigentlich Lügen, und niemand ist sich dessen bewusst.

    Die einzigen, die die ganze Zeit immer wieder riskieren, für ihre Aussagen (über Männer) blöd angeguckt zu werden, sind Pütz und Ebeling.

    Was sollte uns das eigentlich sage über die wahre Natur von Sexismus in unserer Gesellschaft?

    Fragen über Fragen.

    • hä?

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