Vasopressin, Paarbindung und Aggression

Der Wikipedia-Artikel zu Vasopressin enthält einige interessante Stellen zu dessen Wirkungsweise, die in dem Artikel „Lust, Anziehung und Verbundenheit oder auch Liebe“ schon einmal angeklungen ist.

In recent years, there has been particular interest in the role of vasopressin in social behavior. It is thought that vasopressin, released into the brain during sexual activity, initiates and sustains patterns of activity that support the pair-bond between the sexual partners; in particular, vasopressin seems to induce the male to become aggressive towards other males.

Evidence for this comes from experimental studies in several species, which indicate that the precise distribution of vasopressin and vasopressin receptors in the brain is associated with species-typical patterns of social behavior. In particular, there are consistent differences between monogamous species and promiscuous species in the distribution of AVP receptors, and sometimes in the distribution of vasopressin-containing axons, even when closely-related species are compared.

Moreover, studies involving either injecting AVP agonists into the brain or blocking the actions of AVP support the hypothesis that vasopressin is involved in aggression towards other males. There is also evidence that differences in the AVP receptor gene between individual members of a species might be predictive of differences in social behavior. One study has suggested that genetic variation in male humans effects pair-bonding behavior. The brain of males uses vasopressin as a reward for forming lasting bonds with a mate, and men with one or two of the genetic alleles are more likely to experience marital discord. The partners of the men with two of the alleles affecting vasopressin reception state disappointing levels of satisfaction, affection, and cohesion. Vasopressin receptors distributed along the reward circuit pathway, to be specific in the ventral pallidum, are activated when AVP is released during social interactions such as mating, in monogamous prairie voles. The activation of the reward circuitry reinforces this behavior, leading to conditioned partner preference, and thereby initiates the formation of a pair bond.

Eine andere Studie geht in eine ähnliche Richtung:

Vasopressin/oxytocin and related peptides comprise a phylogenetically old superfamily of chemical signals in both vertebrates and invertebrates. Each peptide isoform has its own distinct receptor subtype and specific cellular action. The conservation and dispersion of vasopressin/oxytocin signalling systems across the animal kingdom attests to their functional significance in evolution. Indeed, they are involved in the physiology of fluid balance, carbohydrate metabolism, thermoregulation, immunity and reproduction. In addition, these peptides evolved a role in social behaviours related to aggression and affiliation. The focus of this chapter is the role of vasopressin/oxytocin as chemical signals in the brain altering aggressive responding in a context- and species-dependent manner. There is compelling evidence from several mammalian species including humans that vasopressin enhances aggression. The activity of the vasopressin appears linked to the serotonin system providing a mechanism for enhancing and suppressing aggressive behaviour.

Es könnte demnach eine Bindung gegenüber bestimmten Personen, aber Aggression gegenüber anderen Personen bewirkt werden. Auch die geschlechtsbezogene Seite finde ich natürlich sehr interessant. Hier könnte die Ursache für eine Vielzahl unterschiedlicher Verhaltensweisen liegen. Beispielsweise die Unterschiede bei den Big Five, nach denen Frauen bei der Verträglichkeit („Agreeableness“) im Schnitt besser abschneiden.

Systematisches Gehirn, Empathisches Gehirn und die Fähigkeit sachliche Zusammenhänge zu erkennen

Bad Hair Day stellt auf ihrem Blog ihre These, dass Frauen besser darin sind, sachliche Zusammenhänge zu erkennen, (zur These auch schon hier) vor (und hackt etwas auf mir rum).

Es soll eine dreiteilige Serie werden, die ersten zwei alle Teile sind bereits online

Den dritten Teil ergänze ich, wenn er online ist.

Meine Kritik insbesondere an dem zweiten Artikel habe ich dort in Kommentaren geäußert.

Schöne Frauen, Werbung und Status

Eine interessante Studie zum Einsatz schöner Frauen in der Werbung oder bei Produktpräsentationen:

Exposure to mating cues activates the goal to signal one’s mate value to members of the opposite sex. This mate attraction goal may render men perceptually ready for products that signal their mate value to women. As men’s mate value is partly determined by their financial prospects, men may be more likely to notice products that would signal their financial resources to women. The current study demonstrates that exposure to a sexily dressed woman increases single men’s likelihood of noticing status products in a visual display. Not only do these findings further support the link between conspicuous consumption and male mating strategies, they are the first to demonstrate perceptual readiness for indirect (i.e., products) rather than direct (i.e., opposite sex individuals) means for reproduction.

Die Idee ist wohl, dass ein Mann, der sieht, dass eine schöne Frau ein bestimmtes Produkt gut findet, zumindest unterbewusst überlegt, ob dieses Objekt seinen eigenen Status anheben würde und schöne Frauen ihn deswegen eher beachten würden. Er würde demnach schauen, ob er sich das entsprechende Produkt leisten kann und der Preis die vermutete Statussteigerung wert ist.

Das passt natürlich gut zur Signalling Theorie, nach der teuere Objekte und Marken insbesondere signalisieren sollen, dass man sich die damit verbundenen Kosten leisten kann.

Es erklärt auch, warum schöne Frauen so oft in der Werbung gerade von Statusobjekten eingesetzt werden.

Welchen Anteil haben Frauen an den Handlungen der Gesellschaft?

Nachdem der Beitrag „Mary Daly, Männerfeindlichkeit und das Patriarchat“ in den Kommentaren zu einer bunten Diskussion zu allerlei Themen geführt hat, landete er zuletzt bei der Frage der Verantwortung der Frauen für Handlungen der Gesellschaft, also die Frage, inwieweit Frauen nur Gefängnisinsassen in einer von Männern bestimmten Welt sind, in der sie an Vorzügen mitnehmen, was die Männer zulassen, oder aber ob sie selbst auch die guten und schlechten Seiten – Kriege, Umweltzerstörungen, Forschungen – mitzuvertreten haben.

Mir fällt dazu zunächst der feministische (?) Spruch „Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau“ ein, der zumindest eine Teilhabe an dem Erfolg einfordert. Da Erfolg häufig relativ ist und im guten oder bösen vorhanden sein kann, könnte man hier genauso argumentieren, dass hinter jedem ausbeuterischen Geschäftsmann eine Frau steht, die den Luxus genießt und Sparmaßnahmen zu Lasten des Einkommens, aber evtl zu Gunsten der Arbeitnehmer/Umwelt durchaus nicht unbedingt billigen muss.

Eine etwas feministischere Ausdrucksweise für das Recht auf (Mit-)Täterschaft hatten wir schon einmal hier über die Ansichten von Frau Thürmer-Rohrs zur Mitttäterschaft der Frau.

Gerade in heutiger Zeit wird man immer weniger von einer Entlastung der Frau ausgehen können. Denn um so mehr gesellschaftliche Positionen Frauen einnehmen, um so höher ist auch ihre Verantwortung. Wenn Frauen dort andererseits keine Rolle spielen, weil sie eh dem Patriarchat untertan sind, warum dann wieder Frauenquoten?

Eine weitere Frage ist, ob sich die Frauen auch gerade in einer Demokratie von einer Verantwortung freisprechen können.

Meiner Meinung nach ist der Mensch in vielen Punkten auf seinen eigenen Vorteil bedacht, Mann wie Frau. Fernes Leid und Leid, das nicht unmittelbar auf einen selbst zurückgeführt werden kann interessiert beide Geschlechter vergleichsweise wenig, insoweit ist häufig eher der Status und die Reputation des guten Menschen wichtig, die aber nicht konsequent verfolgt werden muss, sofern der Schein gewahrt werden kann.

Frauen mögen gern für Tierschutz sein, weil Tiere niedlich sind und das Ansinnen gut. Die meisten Frauen werden aber auch an ihrer Kosmetik keine Risiken eingehen wollen und insoweit Tierversuche durchaus hinnehmen. Die meisten Frauen werden billige Konsumprodukte schätzen und gerne in Länder mit einem hohen Lebensstandard ziehen, auch wenn diese Länder Mitarbeiter ausbeuten oder Menschen in anderen Ländern zu Billiglohn ihre Waren herstellen. Das ein Großteil der Konsumentscheidungen von Frauen getroffen wird, entscheiden sie auch welche Produkte in dieser Hinsicht in den Regalen stehen und zu welchen Preis sie hergestellt werden.

Die Wikingerbraut war froh die Frau des erfolgreichsten Raubzüglers zu sein und wird sich an seiner Beute berauscht haben. Die reiche Römerin wird gerne Sklaven gehabt haben, Gladiatorenkämpfe besucht haben und dem reichen Feldherrn zugejubelt haben. Diverse Dikatoren sind auch mit Frauenwahlstimmen gewählt worden. Und Diktatoren hatten auch noch nie einen Mangel an Frauen, die sie attraktiv fanden, wenn deren Macht gefestigt war.

Damit sind Frauen nicht schlechter als Männer, die ebenso gehandelt haben oder die Taten wohl noch eher ausgeführt haben. Aber sie sind gleichzeitig durchaus Nutznießer und Förderer vieler Taten, was sie durchaus auch zu Tätern macht.

Wer emanzipierte Frauen will, der sollte sich meiner Meinung nach nicht hinter dem Patriarchat verstecken, sondern Frauen eigene Anteile an der Gesellschaft zugestehen.

Das „Pop Evolutionary Psychology“- Spiel

Ein gerne vorgebrachter Vorwurf gegen Evolutionäre Psychologie ist, dass die Ideen dort beliebig sind und man sie sich jederzeit einfach ausdenken kann. In diese Richtung geht auch das „Pop Evolutionary Psychology“- Spiel (via).

 

1. Make an observation about a particularly odd aspect of human behavior.

Example: „Why is it that everyone congregates in the kitchen at parties, even when there’s plenty of space elsewhere?“

2. Come up with an explanation for how that behavior would have increased fitness in hunter gathering societies.

Example: „Well, food used to be sparse, so humans would congregate at food sources, so you’d be more likely to find a mate there, and thus have more babies.

3. Bonus points are rewarded for including 50’s era gender stereotypes.

Example: „Well, we KNOW women are drawn to the kitchen because they’re inclined to gather food, so they’re always in the kitchen anyway. The men just go there to be around their potential mates.“

Ich finde das Spiel durchaus lustig und könnte mir vorstellen es zu spielen. Allerdings wird es nicht selten zu einem wahren Kern kommen, was dann die Spielfreude wieder trüben wird.

Die Spielerstellerin weist darauf hin, dass sich das Spiel gegen voreilig dargestellte Bezüge richtet und sie im übrigen nichts gegen evolutionäre Psychology hat.

Meiner Meinung nach trifft auch der Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit in den meisten Fällen nicht zu. Viele Schlussfolgerungen erscheinen vereinfacht, weil die Grundlagen nicht bekannt sind.

Beim obigen Beispiel wären die Anforderungen für echte Wissenschaft dann auch höher zu setzen:

Man müsste zunächst die Grundannahme durch Studien stützen. Also beispielsweise 10 Parties in den selben Räumlichkeiten durchführen und das Essen und das Bier bei jeder Party in anderen Räumlichkeiten aufstellen. Dann wären die Folgen zu begutachten. Es ist anzunehmen, dass sich Leute in der Nähe des Essens aufhalten, aber auch Sitzgelegenheiten und die Größe des Raums eine bedeutende Rolle spielen. Man kann die Getränke in den einen Raum, das Essen in den anderen Raum stellen. Man kann alle hübschen Frauen bzw. alle hübschen Männer in einen bestimmten Raum ohne Essen und Trinken stellen und schauen was mehr Leute anzieht. Weitere Parties könnten jeweils nur mit einem Geschlecht durchgeführt werden um die Unterschiede zu beobachten. Die Aussage „Personen halten sich in der Küche auf“ wird sich wohl schnell entkräften lassen, wenn das Essen an anderer Stelle aufgestellt wird.

Das bringt uns zur ersten Schlussfolgerung.

„Essen war so rar, dass sich Leute dort versammeln und dort daher auch eher jemanden kennengelernt haben, und sich daher mehr fortgepflanzt haben“

Da müsste man sodann Überlegungen einfließen lassen, wo steinzeitliche Menschen sich kennengelernt haben. Vieles spricht dafür, dass Steinzeitmenschen in Gruppen lebten und die Mitglieder dieser Gruppe sich eh kannten. Insofern bietet das Essen als Kennenlernpunkt für diese Gruppe wenig Vorteile, da sie sich eh schon kennen. Weiteres Kennenlernen dürfte bei dem Zusammenstoßen zweier Gruppen erfolgt sein. Hier wäre dann die Frage, ob diese sofort ihr Essen miteinander geteilt haben, was aufgrund der Wertigkeit von Essen nicht unbedingt der Fall gewesen sein dürfte. Das Teilen von Essen dürfte zumindest auch eine gewisse Bekanntheit vorausgesetzt haben, die dann ebenso zu einem Kennenlernen führen würde. Allenfalls wäre anzunehmen, dass freizügige Essensverschenkungen den Status des Schenkers erhöhen und satte Menschen eher bereit sind, sich friedlich kennen zu lernen. Nach diesen Vorbetrachtungen spricht aber einiges gegen die Theorie des Kennenlernens.

Es wäre daher an der Zeit mögliche Gegenthesen aufzustellen. Die Gegenthese wäre wohl eher, dass Menschen, die Möglichkeiten etwas zu essen auch nutzen, besser genährt sind, schlechte Zeiten besser überstehen können und daher auch eher die Möglichkeit haben sich fortzupflanzen und ihre Kinder selbst ins fortpflanzungsfähige Alter zu bringen. Essen muss daher nicht zu einem Kennenlernen führen, um die Fortpflanzungschancen zu verbessern. Diese These könnte man überprüfen, indem man allgemeine Studien über die Ernährungsgewohnheiten von Menschen hinzu zieht. Dabei zeigt sich dann, dass wir gerne mehr essen als wir für unseren täglichen Bedarf benötigen und dies unter anderem zu erheblichen Gewichtszunahmen in modernen Zivilisationen führt. Leute essen, obwohl sie eigentlich schlank bleiben wollen.

Dann könnte man versuchen, die Vorgänge dahinter aufzuschlüsseln. Dann stößt man recht schnell auf ein Gefühl namens „Hunger“, dass bei Menschen überall auf der Welt zu finden ist. Man kann nun die Chemie dahinter erklären und auch Test dazu machen, inwieweit Menschen in der Nähe von leckerer Nahrung mehr essen und welche Geschmacksrichtungen sie dabei bevorzugen. All dies zeigt, dass der Mensch ein Bedürfnis nach Nahrungsaufnahme hat, das von seinem Geschlechtstrieb abgekoppelt ist.

Dies alles stützt die Theorie, dass Nahrungsaufnahme ein Wert an sich ist, der Leute bereits dazu verleitet, sich in der Nähe von Nahrungsquellen aufzuhalten, sofern nicht andere Reize stärker sind. Ich vermute zum Beispiel, dass sich mehr Leute vom Essen entfernen werden, wenn die Sitzmöglichkeiten und die schönen Menschen, insbesondere die Frauen, an anderer Stelle vorhanden sind und man Essen mitnehmen kann.

Ähnlich könnte man auch die weitere These überprüfen und schauen, ob die Frauen tatsächlich eher zum Essen strömen und die Männer hinterher (siehe die Versuchsaufbauten weiter oben) und ob eher die Frauen sammeln oder nicht.

Was ich sagen will: Auch im evolutionären Forschungen kann man Aussagen sinnvoll hinterfragen, unlogische Schlussfolgerungen überprüfen und aussortieren. Dies wird auch immer wieder gemacht.

 

Mary Daly, Männerfeindlichkeit und das Patriarchat

Mary Daly, Radikalfeministin, hat in ihrem Buch „(Gyn/Ecology, A Metaethics of Radical Feminism 28-9) eine interessante Passage zu „Männer als Feind“ geschrieben:

Thus women continue to be intimidated by the label anti-male. Some feel a false need to draw distinctions, for example: “I am anti-patriarchal but not anti-male.” The courage to be logical – the courage to name – would require that we admit to ourselves that males and males only are the originators, planners, controllers, and legitimators of patriarchy. Patriarchy is the homeland of males; it is Father Land; and men are its agents. …

Despite all the evidence that women are attacked as projections of The Enemy, the accusers ask sardonically: “Do you really think that men are the enemy?” This deception/reversal is so deep that women – even feminists – are intimidated into Self-deception, becoming the only Self-described oppressed who are unable to name their oppressor, referring instead to vague “forces,” “roles,” “stereotypes,” “constraints,” “attitudes,” “influences.” This list could go on. The point is that no agent is named – only abstractions.(…) As a creative crystallization of the movement beyond the State of Patriarchal Paralysis, this book is an act of Dis-possession; and hence, in a sense beyond the limitations of the label anti-male, it is absolutely Anti-androcrat, A-mazingly Anti-male, Furiously and Finally Female.

Erst einmal vorweg: Mary Daly ist nicht der Feminismus, sondern Teil einer sehr radikalen Meinung innerhalb des Feminismus. Das sie Männer gehasst hat und als das Übel dieser Welt angesehen hat bedeutet nicht, dass alle Feministen das genau so sehen. Die Meinungen zum Patriarchat im Feminismus sind vielfältig, von einem System, in dem Männer irgendwie mehr Vorteile haben, bis zur Macht einiger Männer und profitierenden Männern und Frauen („hegemoniale Männlichkeit“) und Judith Butler, die den Begriff Patriarchat wohl ablehnt und Zwangsheterosexualität vorzieht werden viele Meinungen vertreten.

Es wird auch durchaus Kritik an Mary Daly aus feministischen Kreisen geübt, ich habe das Zitat (über diesen und dann diesen Beitrag) in einem feministischen Blogbeitrag mit dem Titel „Daly’s Misandry: “Idolatry” in Second-Wave Feminism“ gefunden.

Allerdings denke ich auch, dass Mary Daly etwas ausspricht was nach wie vor viele radikalere Feministinnen denken: Der Mann als Feind, der das Patriarchat erhält. Leider wird der Patriarchatsbegriff ja sehr schwammig gebraucht und über das eigentlich Konzept dahinter auf den feministischen Blogs wenig diskutiert.

Elternzeit und Verwertung dieser durch Mann und Frau

Gerade bei Susan Pinker „Das Geschlechterparadox“ das folgende Zitat gelesen:

„Frauen kommen aus der Elternzeit mit einem Rückstand, Männer mit einem neuen Buch“

Es ging dabei um Forscher, die Elternzeit genommen haben, die die Frauen als Möglichkeit, viel Zeit mit ihren Kindern zu verbringen, gesehen haben, und die Männer als Möglichkeit, zeit für bestimmte Projekte zu haben. Eine Universität, so schildert es Pinker, soll daraufhin die Elternzeit für Männer abgeschafft haben, weil sie einen Karrierenachteil für Frauen bedeutet.

Sociological Images und die Grundannahmen des Genderfeminismus

Sociological Images“ ist eine feministische Seite, deren Hauptthema die Darstellung von Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen u.a. aufgrund der Kultur ist. Ein Dauerthema ist die andere Darstellung von Frauen in den Medien, an der aus Sicht der Autorinnen deutlich wird, wie die Gesellschaft die Geschlechter (und auch Rasse etc ) konstruiert.

Ein paar Beispiele:

Diese Artikel stellen lediglich die ungleiche Darstellung fest, hieraus ergibt sich bereits eine Benachteiligung, ein Doppelstandard oder aber eine Ungerechtigkeit.

Ein weiteres Hinterfragen, worauf diese Doppelstandards aufbauen findet nicht statt. Es reicht vielmehr den „Doppelstandard“ aufzuzeigen.

Dabei würden sich aus einer Betrachtung, warum diese Unterschiede bestehen, häufig viele interessante Punkte ergeben.

1. Alter und Attraktivität bei Männer und Frauen

Eine Grundfrage, die man sich zunächst beantworten muss, ist hier, ob es einprogrammierte Schönheitsideale gibt, nach denen sich die Menschen richten. Die Vorteile dieser im Rahmen einer Evolution sind immens, die Wissenschaft geht davon aus, dass sie bei Tieren vorhanden sind und auch bei uns Menschen, weil nur über diesen Weg auch die sexuelle Selektion genutzt werden kann und sichergestellt werden kann, dass auch subtile Signale für eine höhere Fruchtbarkeit genutzt werden.

Hat man den Nutzen von abgespeicherten Attraktivitätsmerkmalen erst einmal erkannt kommt man schnell dazu, dass Alter ein wichtiges und bei den Geschlechtern verschieden zu bewertendes Signal ist. Ein Steinzeitmensch, der bei Wahlmöglichkeiten Frauen unter 35 nicht bevorzugt hat, hat schon wegen der geringeren Fruchtbarkeit und insbesondere bei einer langfristigen Bindung weniger Nachkommen gehabt als ein Mann der jüngere Frauen bevorzugte (die sowohl fruchtbarer waren als auch über eine längere Zeit fruchbar blieben). Bei eine Frau zeigt sich dieser Nachteil allerdings nicht. Gene, die entsprechende Attraktivitätsmerkmale ausformen, müssen sich daher rasant durchsetzen, sobald sie sich entwickeln.

Kürzer könnte man es auch einfach mit der Sexual Strategies Theory erklären, die sowohl in der Kurz- aber insbesondere in der Langzeitstrategie vorsieht, dass der Mann auf Anzeichen der Fruchtbarkeit der Frau achten muss. Alter ist ein solches Anzeichen.

2. Genderd Battle Gear

Natürlich ist eine starke Rüstung mitunter in einem Kampf besser als ein Bikini. Allerdings geht es in den passenden Medien ja nicht darum, tatsächlich realistische Kämpfe und Kampffertigkeiten zu zeigen, sondern möglichst idealisierte Helden darzustellen. Dazu ist es erforderlich, dass derjenige auch als sexuell interessant dargestellt werden muss, was wiederum erfordert, dass die gängigen Schönheitsideale eingehalten werden. Das ist bei einem Mann in einer Rüstung wesentlich einfacher als bei einer Frau.

Es bleibt nicht viel von dem weiblichen Körper in einer Vollpanzerrüstung über. Hingegen führt die Rüstung fast automatisch zu breiten Schultern, starken Armen etc. Mit etwas mehr künstlerischer Freiheit hingegen:

Hier sind Brüste, flacher Bauch, schlanke Beine etc betont und die Figur wirkt wesentlich anziehender und ihr wird damit auch ein höherer Wert zugewiesen.

Zumal das Tragen schwerer Rüstungen eigentlich auch eine unweiblichen Körper erfordern würde, der wohl eher in diese Richtung gehen würde:

Was ein Körper ist, der unter steinzeitlichen Bedingungen auf zuviel Testosteron und damit Unfruchtbarkeit schließen lässt. Er enthält zu viele männliche Elemente um attraktiv zu sein.

Sicherlich sind auch enganliegende weibliche Rüstungen möglich:

Ich vermute aber, dass sie in der Praxis zu unglaubwürdig aussehen würden und den Schutzfaktor auch nicht sonderlich erhöhen würden.

Letztendlich hat die unterschiedliche Ausrüstung damit ihre Ursache darin, was wir als attraktiv wahrnehmen. Und da Frauen bezüglich ihrer Attraktivität eher nach ihren Körpern bewertet werden, während Männer auch durch ihre Taten Attraktivität aufbauen können, muss von Frauen mehr Körper gezeigt werden um den gleichen Effekt zu erreichen.

3. Double Standard in der Darstellung von Teenagern

Auch hier läßt sich der Doppelstandard wieder mit der Sexual Strategies Theory erklären. Für viele Frauen anziehend zu sein ist ein Zeichen von besonderen Wert für Männer, bei Frauen aber nicht ungewöhnlich. Hier ist eher ei Zeichen von Wert, dass sie „hochwertige Männer“ für eine Langzeitstrategie in Betracht ziehen. Die Unterschiedlichen Kosten des Sexs machen sich insoweit bemerkbar. Ein Mann, der Sex mit vielen Frauen hat, hat potentiell mehr Nachwuchs als eine Frau, die Sex mit vielen Männern hat.

Ich verweise auf zwei andere Artikel, die das bereits behandeln.

4. Was ich eigentlich sagen wollte

Meiner Meinung nach bringt es nicht Unterschiede in der Wahrnehmung oder Behandlung von Männern und Frauen wahrzunehmen und dann einmal „Aha! Sexismus“ zu rufen. Es lohnt sich vielmehr, die Gründe dahinter zu diskutieren und dabei nicht einfach bei „der Gesellschaft“ halt zu machen.

Sociological Images wird auch die nächsten Jahre immer wieder feststellen, dass Bilder von Männern und Frauen anders gestaltet werden. Sie werden sich weiterhin darüber aufregen. Dabei vergessen sie aber die Frage zu stellen, ob man es überhaupt ändern kann und warum dies geschieht.

Die Betrachtung dort beruht auf den klassischen drei Annahmen des Genderfeminismus:

  1. Das Geschlecht ist sozial konstruiert
  2. Das Motiv des Menschen für seine Handlungen ist Macht
  3. Menschliche Interaktionen sind von Gruppeninteressen bestimmt, nicht von Einzelinteressen

Das diese Annahmen falsch sein könnten kommt leider nicht in den Sinn.

Bewertung der sexuellen Orientierung aufgrund der Körperbewegungen und der Morphology

Leserin Marlon hat auf eine interessante Studie hingewiesen, in der Figuren mit eher männlichen oder eher weiblichen Körperformen mit verschiedenen eher männlichen oder eher weiblichen Körperbewegungen kombiniert wurde und die getesteten Personen, dann Mutmaßungen über die sexuelle Orientierung anstellen sollten. Passte die Bewegungsart nicht zum Körpertyp, dann wurde eher vermutet, dass die jeweilige Figur eine homosexuelle Orientierung hat.

People can accurately judge the sexual orientation of others, but the cues they use have remained elusive. In 3 studies, the authors examined how body shape and motion affect perceived sexual orientation. In 2 studies, participants judged the sexual orientation of computer-generated animations in which body shape and motion were manipulated. Gender-typical combinations (e.g., tubular body moving with shoulder swagger or hourglass body moving with hip sway) were perceived generally to be heterosexual; gender-atypical combinations were perceived generally to be homosexual. These effects were stronger for male targets. Body shape affected perceived sexual orientation of women, but motion affected perceived sexual orientation of both men and women. Study 3 replicated and extended these findings. Participants judged dynamic outlines of real people (men and women, both gay and straight) in which body shape and motion were measured. Again, gender-atypical body motion affected perceived sexual orientation and, importantly, affected accuracy as well.

Das kann natürlich auch gesellschaftlich erlernt sein. Es spricht allerdings vieles dafür, dass das Bemerken solcher Unterschiede auch biologische Ursachen hat. Denn die Bewertung einer Person als heterosexuell ermöglicht eben auch die Bewertung von Personen, die gut an ihre Geschlechterrolle und die damit verbundenen Aufgaben angepasst sind. Gerade für Frauen ist dies, wenn sie einen Partner mit langfristiger Bindung anziehen wollen, durchaus interessant. Aber auch bei einem Mann kann es sich lohnen, diese Unterschiede insbesondere bei einer Langzeitstratgie wahrzunehmen. Es zeigt sich auch, dass wir ansonsten feine Unterschiede, beispielsweise in den Gesichtern, wahrnehmen. Schönheitsideale zeigen klare Linien, sowohl was die Körper angeht, als auch was das Verhalten angeht. Biologische Partnerwahlkriterien sind eines der einfachsten Mittel die Weitergabe der eigenen Gene zu fördern. Dazu kann auch die Bewertung der sexuellen Orientierung wichtige Hinweise bieten.

Rape Culture, Dickwolves und Feminist rage

Wenn ich könnte, dann würde ich mir ein „Dickwolves“-T-Shirt kaufen. Einfach nur aus Solidarität mit Penny Arcade.

In diesem Comic geht es darum die „Quest-Bezogenheit“ von Onlinespielen zu betonen. Ein Held trifft auf einen Sklaven in einer Mine, der ihn bittet ihn zu retten und ihm zur Unterstreichung dieser Bitte erzählt, dass er jede Nacht von „Schwanzwölfen in den Schlaf vergewaltigt wird“. Der Held lehnt aber aber, weil er die für Erfüllung der Quote erforderlichen zu rettenden Sklaven schon zusammen hat.

Da so bizarre Wesen wie die „Dickwolves“ dann eine gewisse Aufmerksamkeit auf sich ziehen führte auch dazu, dass ein entsprechendes T-Shirt verkauft wurde.

 

Ferdinand Bardamu analysiert auf seiner Seite „In mala fide“ den dann folgenden feministischen Shitstorm, nach dem das Comic nicht hinnehmbar sei, weil es Vergewaltigung verharmlost und eine „Rape Culture“ fördert. Es ist ein Beispiel für „Feminist rage“, anscheinend ein Kampfmittel in der feminstischen Streitkultur, das ich hier auch schon hatte. Das weitere ist, wie Bardamu treffend darstellt, der „femininst snark“ also die abfällige Bemerkung (eine Zusammenziehung von „snide remark“).

Grund ist hier die schon einmal besprochene Rape Culture und die von Feministinnen geforderte Sonderstellung für Vergewaltigung. Vergewaltigung ist natürlich ein schwerer Verbrechen, dass aus diesem Grund ja auch den höchsten Strafrahmen abgesehen von der lebenslänglichen Freiheitstrafe hat, den das deutsche Strafrecht vorsieht. Aber es muss nicht per se schlimmer sein als Mord, Totschlag, Folterung oder Verstümmelung oder schwere Körperverletzung. Auch das Opfer eines Überfalls kann erhebliche Panikanfälle haben und darunter den Rest seines Lebens leiden. Auch das Opfer einer Vergewaltigung kann die Folgen davon abschütteln können und wieder ein normales Leben führen. Dennoch hat Vergewaltigung eine extreme Sonderstellung unter den Verbrechen, die im Feminismus noch besonders ausgebaut wird. Weil es eben ein Verbrechen ist, dass eine hohe weibliche Opferschaft hat und als Symbol für die Unterdrückung der Frau und die Täterschaft der Frau aufgebaut wird.

Auch hier lässt sich eine starke moralische Komponente aufbauen, weil Vergewaltigung eben ein so deutliches Verbrechen ist. Diese wird bei dem Umgang mit der Vergewaltigung meiner Meinung nach ausgenutzt um weitere Ziele zu erreichen.

„Wer nicht für den Feminismus ist, ist für eine Rape Culture, also für die Vergewaltigung von Frauen“

Es werden also zwei Sachen verbunden, die so erst einmal nichts miteinander zu tun haben, nämlich das für den Feminismus (oder dessen Maßnahmen) sein und das gegen Vergewaltigungen sein.

Der „Feminist Rage“ ensteht aus der Entrüstung über die umgekehrte Verbindung, wonach jemand, der nach ihrer Vorstellung Vergewaltigung in seiner Folge abwertet, auch gleichzeitig Vergewaltigung gut heißt und damit im Umkehrschluss auch die Unterdrückung der Frau.

Wer Vergewaltigung nicht als das schlimmste Verbrechen ansieht, der hat sich nicht dem absoluten Kampf dagegen verschrieben und ist damit gegen Frauen an sich.

Dies ist unabhängig davon, dass der Sklave im Comic männlich ist, da Vergewaltigung eben über die Rape Culture letztendlich ein Verbrechen gegen Frauen ist, unabhängig wer gerade das Opfer ist.

Es verkennt aber, dass ein Witz, der eine Vergewaltigung enthält nichts über sonstige Positionen in der Geschlechterdebatte aussagt. Der vermeintliche Zusammenhang ist nicht gegeben. Auch der moralische Zusammenhang scheint mir recht dünn.

Es gibt tausende von geschmacklosen Witzen. Ihre Witzigkeit entsteht dadurch, dass Grenzen übertreten werden. Vergewaltigung dabei in eine Sonderrolle zu rücken bringt meines Erachtens wenig.

Zumal viele feministische Definitionen von dem, was bereits eine Vergewaltigung sein kann, viel eher geneigt sind den Vergewaltigungsbegriff abzuwerten („Es kann eine Vergewaltigung sein, wenn man es am nächsten Morgen bedauert, auch wenn man am Abend zugestimmt hat“).