Justin Trudeau wird der Belästigung beschuldigt, meint aber er habe da nichts Nachteiliges in Erinnerung

Der kanadische Premierminister hatte angekündigt, dass er eine Null-Toleranz-Haltung bei sexueller Belästigung hat. Wem etwas vorgeworfen wird, der muss gehen. Jetzt hat es ihn wohl selbst erwischt:

Canadian Prime Minister Justin Trudeau has denied allegations that he groped a reporter at a festival in 2000.

The event in Creston, British Columbia, was held to raise money for an avalanche safety charity with which Mr Trudeau was involved.

Days afterwards, an unsigned editorial appeared in a local paper accusing him of „groping“ a young female reporter.

The prime minister said he did not recall any „negative interactions“ at the event.

Speaking to reporters in Regina, Saskatchewan while on a three-city Canada Day tour, Mr Trudeau said he remembered the day in Creston well.

„I had a good day that day,“ he said. „I don’t remember any negative interactions that day at all.“

The editorial and its allegations resurfaced after a blogger posted an image of the article on Twitter in June.

Published in the Creston Valley Advance newspaper, the piece accused Mr Trudeau of „inappropriately handling“ the reporter, who felt „blatantly disrespected“ by the actions, which were not described.

According to the editorial, Mr Trudeau apologised for his behaviour and said: „If I had known you were reporting for a national paper, I never would have been so forward.“

Mr Trudeau was a 28-year-old teacher at the time of the event. He became involved with the charity Avalanche Foundation after his brother Michel died in an avalanche in 1998.

CBC News made contact with the woman who was the subject of the editorial, who reportedly said she did not want to be associated with the story, contacted about it in future or have her name used in connection with it.

CBC spoke to Valerie Bourne, the publisher of the paper at the time, and the paper’s then-editor, Brian Bell, both of whom believe the reporter.

Neither Ms Bourne nor Mr Bell authored the piece, with Ms Bourne telling the site she believes the woman wrote the editorial herself.

Da steckt einiges drin:

  • Der alte Satz, dass männliche Feministen früher oder später selbst eine Anschuldigung wegen sexueller Belästigung gegen sich haben werden
  • Die Frage, ob Trudeau nun nicht selbst konsequent sein müsste und schlicht auf den Vorhalt hin, dass es so wahr, sein Amt niederlegen müsste und damit die Frage eines Glaubwürdigkeitsverlusts.

Es wäre ja ganz interessant, wenn Trudeau über ernste Anschuldigungen zu der Einsicht gelangen würde, dass die feministischen Theorien doch ihre Tücken haben.

 

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Videos zu den Vorwürfen der sexuellen Belästigung gegen Morgan Freeman #metoo

Und noch einige Tweets zu den Vorfällen:

 

Interview* mit einem Hollywoodproduzenten zu #MeToo (*fiktiv)

Freundlicherweise hat sich einer der ganz großen Hollywoodproduzenten* zu einem schonungslosen Interview bereit erklärt, natürlich unter der Bedingungen, dass er anonym bleibt. Er ist einer derjenigen, die schon unter Verdacht standen und möchte einmal erzählen, wie es in Hollywood so läuft

Schmidt: Guten Tag Herr Meyer**, erst einmal vielen Dank, dass sie sich zu dem Interview bereit erklärt haben. Sie sind selbst erheblich mit Vorwürfen überzogen worden, aber für uns nicht in dem Geschäft tätige ist natürlich schwer zu überblicken, was da genau dahinter steckt. Wir freuen uns, dass sie uns heute einen Einblick geben wollen.

Meyer: Auch Ihnen vielen Dank Herr Schmidt, dass sie mich hier in Deutschland so nett empfangen haben. Es ist in der Tat ein vergleichsweise schwere Zeit losgebrochen in Hollywood, die frühere Arbeitsweisen und eingespielte Prozeduren auf den Kopf stellt.

Schmidt: Sie meinen, dass man jetzt immer auf falsche Anschuldigungen vorbereitet  sein muss und sich absichern muss?

Meyer: Nein, man muss auf wahre Anschuldigungen vorbereitet sen (lacht). Sie schreiben in ihrem Blog doch selbst, dass Männer weit mehr als Frauen auf Sex aus sind. Ich habe mich da mal etwas vorbereitet als ihre Anfrage kam  und mir da was übersetzen lassen.

Schmidt: Die Anschuldigungen erfolgen also zu recht?

Meyer: So einfach ist es dann doch auch wieder nicht. Es ist weitaus eher eine Grauzone.

Schmidt: Grauzone? Können sie das etwas näher ausführen

Meyer: Wichtig ist erst einmal, dass man die Grundkonstellation versteht. Stellen sie sich mal vor, sie wären eine junge Schauspielerin, deren Traum es ist ganz groß rauszukommen. Es ist dabei egal, woher sie kommen, Hollywood ist wie ein Magnet und zieht Leute mit Ambitionen aus aller Welt an. Und das sind die Frauen, die groß hinaus wollen. Sie wollen nicht in einem Fernsehfilm in einem ihrer staatlichen Sender kleine Drecksfilme machen, bei denen sie keiner kennt. Sie wollen Stars werden. Hollywoodstars.

Schmidt: ich kann mir vorstellen, dass der Andrang groß ist – aber das erlaubt ja dennoch keine Belästigungen?

Meyer: Nicht so ungeduldig Herr Schmidt, es geht ja noch weiter. Also: Da haben sie weltweit alle den selben Lebenslauf. Die Liebe zur Schauspielerei schon im Kindergarten entdeckt, als man bei der Weihnachtsaufführung den Baum gespielt hat. Dann Schultheater und der innigste Wunsch, Schauspielerin zu werden. Die können ihnen alle ein paar Stunden Videos von sich als Kinder vorspielen, wo sie schon immer Schauspielerin werden wollten. Und alle hatten ihnen auch immer gesagt, wie toll sie das machen. Die Eltern bezahlen dann noch den Schauspielunterricht, und das ist gar nicht so ohne, da kommt einiges zusammen, aber es ist ja ihr großer Traum. Sie stellen alles darauf ab: Sie wählen als Fach Literatur in der Schule, sie besuchen Theateraufführungen. Sie sehen Interviews mit Schauspielerinnen. Sie machen Sport und ernähren sich passend, sie lassen sich die Brüste und die Nase machen, sie arbeiten hart an sich, denn sie wollen ja eine von diesen tollen Schauspielerinnen sein, die die Hauptrolle in dem Film spielt und neben dem George Clooney oder Brad Pitt ihrer Zeit stehen. .

Schmidt: Sie meinen, dass die unglaublich viel in ihre Vorbereitung investieren und hohe Ziele haben. Aber diese ganze Arbeit kommt ihnen ja auch zugute: Sie wollen ja für einen Film auch eine gute Schauspielerin

Meyer: Herr Schmidt, sie hören mir nicht zu: Ich sagte ja, dass täglich tausend Frauen nach Hollywood kommen, die alle die gleiche Biografie haben. Hier kommt die Creme de la Creme an, Frauen, die alles auf die Schauspielerei ausgerichtet haben, deren Eltern Unsummen in sie investiert haben und von denen sehr viele gut sind. Und sie können bei keiner von denen wissen, wie sie in einer großen Hollywoodproduktion ankommt, ob das Publikum sie mag oder ob sie später mit dem Ruhm zurechtkommt. Das ist ja das ganz besonders wichtige, wenn sie jemanden langfristig aufbauen wollen.

Schmidt: Also sie meinen da ist eine hohe Unsicherheit drin und man kann schlecht planen. Aber das ist ja in allen Berufen so. Das wird doch durch eine Belästigung nicht besser.

Meyer: Das wesentliche ist: Da kommen all diese Frauen, die allermeisten bildschön, voller Träume, voller Hoffnungen und auch mit viel Druck in Hollywood an. Die wurden schon im Jahrbuch zu der Person gewählt, die irgendwann mal berühmt wird. In ihrem kleinen Ort waren sie die Hübscheste vor Ort. Und oh Wunder: Alle haben ihnen immer gesagt, dass sie unglaublich talentiert sind, ihre Vorstellungen waren immer voll und der Nebenjob als Barkeeperin lief auch super, alle meinten sie müsse es in Hollywood versuchen. Natürlich haben ihr einige auch abgeraten. Vielleicht hat ihnen ein Verwandter gesagt, dass sie auch bei ihm in Büro anfangen könne, Sie könne ja  nebenher noch Theater spielen als Hobby. Aber nach L.A. zu ziehen in der Hoffnung da Schauspielerin zu werden, das würde doch eh kaum einer schaffen. Aber sie haben sich getraut. Sie haben ja bisher alles geschafft. Die Wahl zur Miss Hinterwald oder die Position als Anführerin der Cheerleader in ihrer kleinen Stadt (Go Hinterwald!) und selbst den Quarterback ihrer Schule haben sie erobert. Also suchen sie sich ein kleines Zimmer in LA, suchen sich eine Stelle als Barkeeperin oder Studieren hier und stürzen sich ins Abenteuer.

Schmidt: Und in dem Abenteuer lauert dann eben der große böse Wolf im Dickicht?

Meyer: Nur das er eben nicht nur große Zähne hat (lacht). Nein, Spass beiseite, es ist ja ein ernstes Thema: Was ich ihnen mit dieser Vorgeschichte deutlich machen will ist, dass die Frage, wer genau das Raubtier ist, gar nicht so einfach zu klären ist.

Schmidt: Das Rotkäppchen verschlingt den Wolf?

Meyer: Natürlich wird in der Presse da das Bild der unglaublich naiven jungen Schauspielerin gezeichnet, die keine Ahnung von nichts hat und plötzlich springt da ein Produzent aus dem Gebüsch und hält ihr einen Penis ins Gesicht.
Aber was ich mit der Vorgeschichte deutlich machen wollte: Das sind Frauen mit einem Ziel, die haben ihr ganzes Leben darauf ausgerichtet, deren Eltern haben viel investiert, sie haben viel investiert, all die neidischen Ziegen zuhause, die dicke Jane und die Amber, für die sich nie ein Junge interessiert hat, ihre größte Konkurrentin Abigail, der sie die Position als Cheerleaderanführerin und den Quarterback weggeschnappt hat, die warten alle darauf, dass sie die Stelle bei ihrem Onkel annimmt, weil sie es in Hollywood nicht geschafft hat. Sie können sich schon ausmalen, wie sie hinter ihrem Rücken über sie lästern, dass sie dachte sie sei was besseres, aber sie sei eben auch nur eine Hinterwäldlerin.

Und dann das Hollywoodleben: Machen sie sich mal bewußt, was es bedeutet, wenn man eine Rolle in einem Hollywoodfilm bekommt. Einmal hat man damit alle zum Verstummen gebracht und selbst wenn man danach aufhört kann keiner was sagen. Aber dann ist eine Rolle in einem großen Film natürlich auch der endlich erhoffte Durchbruch, da werden alle sehen, wie hübsch man ist, wie gut man schauspielert und man wird endlich aus dem Drecksloch in einem Vorort von Los Angeles ausziehen können, in dem man sich eh nicht wohl fühlt, in der unsicheren Gegend, mit den komischen Nachbarn, dass man sich von dem schlechten Lohn als Kellnerin auch nicht leisten kann.

Und man wird nicht einfach nur so in eine etwas bessere Wohnung ziehen: Wenn der Film ein Erfolg wird, dann zieht man in eine Villa und hat eine persönliche Assistentin, die einem die ganze Drecksarbeit abnimmt. Man hat eine Yacht, man wird zu allen großen Veranstaltungen eingeladen und statt sich mit den anderen in eine endlose Schlange von Bewerbern um einen miesen Indy-Film einzureihen bekommt man Drehbücher zugeschickt und kann sich eines aussuchen. Sie verdienen dann plötzlich mit einem Werbespot mehr als sie früher im Jahr hatten.

Um mal ein Beispiel zu bringen: Jennifer Lawrence hat sich am Anfang mit kleinen Rollen in allerlei Serien durchgeschlagen und Rollen in kleinen Independentfilmen gehabt. Sie hat ein paar Preise gewonnen, aber man versinkt dennoch wahnsinnig schnell wieder in der Versenkung, wenn man Dann kam die Rolle in X-Men, eine relativ kleine Rolle als Mystique, der ihr aber erst ermöglichte die Rolle in einer Triologie einer bekannten Buchreihe als Hauptrolle zu bekommen. Danach war sie eine gesetzte Nummer in Hollywood, sie hat in den 5 Jahren 90 Millionen Euro Vermögen aufgebaut, bekommt 20 Millionen pro Film und eine Beteiligung an den Einnahmen für den Rest ihres Lebens und hat 2018 46 Millionen Euro verdient.

Schmidt: Ja, das deckt sich mit den mir bekannten Zahlen. Sie ist ja aber auch eine begabte Schauspielerin. Auch die Produzenten haben davon profitiert, dass sie die Rolle übernommen hat und den Film zum Erfolg gemacht hat. Wäre es da besser gewesen, wenn man jemanden gehabt hätte, der weniger gut ist, aber mit dem Produzenten schläft?

Meyer: (lacht). Wer sagt, dass sie nicht mit dem Produzenten geschlafen hat? Der soll ja nicht ganz ohne gewesen sein.  Aber sie verstehen immer noch nicht, ich will noch mal anders ansetzen: Hier in Deutschland ist die Prostitution legal, ich war hier schon häufiger zu Gast und habe mit genug jungen High-Class-Call-Girls geschlafen um zu sagen, dass da unglaublich hübsche und schlaue Frauen dabei sind, die für das richtige Geld nahezu jeden perversen Wunsch erfüllen. Sie finden problemlos ein Mädchen, dass so unglaublich hübsch ist, dass sie Modell sein könnte, dass sie die ganze Nacht mit drei Geschäftsfreunden auf jede Weise benutzen können, und es kostet sie zusätzlich zur Verschwiegenheit für Prominente ein paar Tausend Euro. Bei uns in den USA ist das nicht anders, es kostet wegen der theoretischen Illegalität, die aber der Polizei im wesentlichen egal ist, etwas mehr. Gehen sie mal zu einem dieser Mädels und fragen sie sie, was sie für 46 Millionen Euro im Jahr machen würde. Wenn sie der sagen würden, dass sie Abends zu einem Produzenten gehen müssen, und er sie dann im Bademantel empfängt, sie fragt, ob sie massiert werden wollen, denen vielleicht seinen Penis zeigt und schon ganz zufrieden sind, wenn sie ihm einen blasen würden, dann wären die sofort dabei.

Schmidt: Aber diese Frauen wollen ja gerade Schauspielerin werden und nicht Prostituierte. Das ist insofern kein fairer Vergleich.

Meyer: Sehen sie und da kommt der Ruf ins Spiel. Ich habe ganz bewusst einen „doppelten Ruf“ aufgebaut, dass ist in einem solchen Bereich ganz wichtig. Auf der einen Seite gibt es unzählige Gerüchte über mich, nach denen ich bekannt sein soll, gerne ein „Mehr“ von den Schauspielerinnen zu wollen, auf der anderen Seite fördere ich allerlei wohltätige Zwecke, gerade Frauenanliegen zur Gleichberechtigung. man muss ein öffentliches Gesicht haben, bei denen sich Leute noch mit einem sehen lassen können und ein privates, bei dem bekannt ist, dass ich …sagen wir mal bestechlich bin. Die müssen sich etwas widersprechen, damit es nicht nur das eine ist.

Schmidt: Aber dennoch kommen da ja junge Schauspielerinnen hin, die sie mit einer Rolle ködern und die hoffen, dass da keine Bewerbungscouch im Spiel ist. Das ist doch auch nicht fair.

Meyer: Da halten sie die Frauen für naiver als sie sind. In dem Hollywoodsystem kommen sie nicht einfach so in einen Film, weil sie irgendwo eine Anzeige gelesen haben. Sie brauchen einen Agenten, der sie vertritt und sie dort anmeldet. Sonst werden die Juxbewerbungen schon zu hoch und man verschwendet Zeit. Der Agent bekommt 10% der Einnahmen des Schauspielers, sie können also davon ausgehen, dass die auch gut motiviert sind, ihre Schauspieler unterzubringen. Und weil der beste Weg dahin ist, dass man allen und jeden kennt, kennen die alle die Szene gut. Wenn eine Schauspielerin eine Rolle in einem großen Hollywoodfilm bekommt, dann sind das 10% der Gage, bei Jennifer Lawrence erster großen Rolle waren das zB 500.000 Euro, also 50.000 Euro für die Agentin, zuzüglich 10% der laufenden Einnahmen, wenn sie eine Erfolgsbeteiligung hatte. Und nicht zu vergessen: Auch der Agent profitiert von dem Durchbruch, wenn dann die Gagen höher werden. Wenn sie da in die nähere Auswahl kommt und sie eine Einladung zu dem Produzenten bekommt, dann ruft sie als erstes ihre Agentin an, damit die ihr sagt, wie sie sich da verhalten soll und was das bedeutet. Und die sagt ihr dann, was sie über mich oder andere Produzenten gehört hat. Und dann überlegen die beiden, ob ihnen das den Erfolg Wert ist. Und für viele ist die Rechnung dann recht einfach. Es schadet nie mit einem großen Hollywoodproduzenten gut zu stehen.

Andere sehen es weniger entspannt und wollen aber auch die Rolle nicht aufgeben. Da ist es dann gut, wenn man den Ruf hat, dass man zwar ein Perverser ist, der was versucht, aber eben nicht zu bedrängend. Dann sagt denen die Agentin so was wie: Spiel das schüchterne kleine naive Ding vom Land, sei erschreckt, wenn er dir seinen Penis zeigt, bring ihn schnell mit der Hand zum abspritzen und sicher dir die Rolle oder zumindest eine Nebenrolle in einem anderen Projekt, die er dir dann gibt, damit du es nicht an die große Glocke hängst. Ich hatte schon Agentinnen, die perfekte Zuhälterinnen gewesen wären, die haben vorher angerufen und mitgeteilt, wo die Grenzen der von ihr vertretenen Schauspielerinnen sind oder nicht sind. Die wollen ja auch alle eine Schauspielerin, die 20 Millionen pro Film bekommt. Das sind 2 Millionen für sie. Wenn es nach denen gehen würde, dann dürfte man machen, was man will, solange die Schauspielerinnen dann berühmt werden. Die haben allenfalls Sorge um ihren eigenen Ruf, es muss immer so aussehen als seien sie für ihre Schützlinge voll dar und würden hinter ihnen stehen. Keine Schauspielerin möchte ja in den Verdacht kommen, bei der Agentin zu sein, bei der alle Klienten quasi Callgirls sind. Und sie dürfen natürlich auch keine zu offensichtlichen Zuhälter sein, da machen sie sich ja strafbar (lacht).

Schmidt: Aber dann macht es die Lage ja noch schlimmer: Sie bekommen dann quasi von beiden Seiten Druck etwas zu tun, was sie nicht wollen

Meyer: Oh, viele brauchen nicht viel Druck. Es ist ja eine Lage, die sich selbst stabilisiert: Die Agentin kann ihnen auch sagen, dass es daran liegt, dass die anderen Frauen alle Schlampen sind und so leider die Welt ist, wenn man vorankommen will. Aber die Motivation ist so schon meist hoch. Die Frauen merken ja, dass sie in einer wahnsinnigen Konkurrenzlage sind: Früher mögen sie das schönste und talentierteste Mädchen in dem ganzen Dort gewesen sein, aber jetzt sind sie in Hollywood und überall sind Frauen, die genau so schön sind, die noch mehr Sport machen, die noch etwas längere Beine haben, und die Schauspielunterricht noch früher begonnen haben und bei einem besseren Lehrer. Oder die Konkurrenz war schon wenigstens mal in einer Serie. Oder kennt einen Kameramann, der ein gutes Wort für sie einlegen kann.

Es sind ja nicht nur die Produzentin, die da Interesse haben. In Hollywood kennt in einem Gespräch mit einer jungen attraktiven hoffnungsvollen Schauspielerin jeder einen Hollywoodproduzenten, einen Castingagentin, jemanden mit sehr viel Einfluss oder eben einen berühmten Schauspieler. Und genug schlafen schon mit denen, um einen Einstieg zu finden. Ganz zu schweigen von berühmten Schauspielern. In der Nähe eines Hollywoodstars gesehen zu werden oder dessen Freundin gewesen zu sein, auch nur dessen kurze Affaire, kann schon so viel bedeuten. Kennen Sie Stacy Keibler?

Schmidt: Ja, ich habe von ihr gehört. War kurz mit George Clooney zusammen.

Meyer: Genau, allein deswegen konnte sie in der Zeit ihre Gagen verdoppeln und wurde zu unzähligen Veranstaltungen eingeladen, in der Hoffnung, dass sie George mitbringt.Nun ist es sicherlich interessanter mit George Clooney Sex zu haben als mit mir (*klopft sich auf seinen etwas dickeren Bauch*) aber das ist nicht der Punkt: Bekanntheit über den Partner oder Kontakte über Sex ist ein sehr altes Konzept. Ich will da sogar noch einmal einen draufsetzen, wir sind ja hier ganz anonym: Kennen sie meine Frau? Hier ist ein Foto *er reicht das Foto einer sehr hübschen Frau herübr*

Schmidt: Bezaubernd, wirklich. War sie einmal Modell?

Meyer: Ja, und ich bin nicht selbstverliebt genug um zu sagen, dass sie mich wegen meines schönen Körpers und meinen guten Charakters geheiratet hat. Ich wollte eine Frau, dass braucht man auch in Hollywood und ich wollte auch Kinder. Ich habe sie gesehen und schlicht dafür gesorgt, dass ihr klar wird, wie sehr sie von mir profitieren kann, und das in jeder Hinsicht. Ich habe ihrer Modefirma eine Finanzspritze gegeben, ich habe dafür gesorgt, dass alle meine Stars ihre Sachen tragen und schon hatte sie einen großen Erfolg. Das ist ganz einfach, wenn man den passenden Einfluss hat. Aber ihr war auch klar, dass ich ihr den Erfolg jederzeit wieder weg nehmen kann und was ich von ihr will. Sie hat dann schlicht einen drauf gesetzt und statt Sex gab es dann Heirat und Kinder. Wer hat da jetzt wen benutzt? Und jetzt müssen sie sich noch folgendes bewußt machen: Es ist ganz bekannt, dass ich gerne was mit Schauspielerinnen habe, dass ich da einen sehr zweifelhaften Ruf habe, dass sie damit rechnen muss, dass ich das so weitermache und sie betrüge. Und das das auch mehr oder weniger jeder weiß, auch wenn es keiner ausspricht. Und dennoch hat sie mich nicht nur heiraten wollen, dieses Modell, mit der jeder Mann glücklich gewesen wäre und die keine Probleme gehabt hätte einen anderen, aber mit weniger Einfluss zu finden, hat auch noch gemeinsame Kinder mit mir. Und dennoch glauben die Leute, dass die Frauen alle unschuldige kleine Mädchen sind, die denken, dass der Produzent natürlich nur mit ihnen über den Film reden will, ohne dass diese je selbst überlegt haben, was sie für eine unglaubliche Chance durchzustarten alles tun würden.

Schmidt: Aber letztendlich ist es eine Bestechung, weil diese „Sonderleistungen“ ja nichts mit dem Film zu tun haben. Und sexuelle Bestechungen sind sogar noch deutlich problematischer als solche mit Geld, weil sie ja bei den Schauspielerinnen einen ganz anderen Persönlichkeitsbereich betreffen, die innerste Privatsphäre.

Meyer: Es ist ja auch nicht so, dass ich was mit jeder Schauspielerin hatte, die einen Film mit mir gedreht hat. Sie bewerten es aus der Sicht der Schauspielerin. Aber warum sollte ich etwas, was ich beeinflussen kann, billiger verkaufen als es andere kaufen wollen? Es wollen ja genug Frauen gerne den Deal machen und ich könnte ihnen hochgelobte Filme zeigen, bei denen das der Fall war und ganz fürchterliche Filme, bei denen es nicht der Fall war.

Das bringt mich zu etwas anderem, was ich dazu noch anführen wollte: Die Schauspielerinnen haben natürlich die Macht, mich auflaufen zu lassen. Wenn keine gute Schauspielerin mehr mit mir zusammenarbeiten wollte, dann würde ich keine vernünftigen Filme mehr produzieren können. Aber das Gegenteil ist der Fall: Weil ich einen Zusatzlohn will, muss ich auch besonders gut sein. Ich habe den Ruf, dass ich jeder Schauspielerin einen Oscar verschaffen kann. Und der kommt nicht von ungefähr. Ich arbeite sehr hart daran, dass es Schauspielerinnen, bei denen es sich lohnt – so oder so – sehr gut bei mir geht. Sie wissen: Wenn ich mich voll für sie einsetze,  dann haben sie eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit groß rauszukommen. Sie wissen, dass das teilweise einen Preis hat. Aber alles hat seinen Preis. Und aus der Sicht ist jemanden den Schwanz zu lutschen ein verdammt niedriger Preis, wenn man moralisch etwas flexibel ist. Andere Wege über tausende von kleinen Vorstellungsgesprächen , mit ebenso vielen Absagen, sind weitaus frustrierender. Und natürlich lohnt es sich auch eher mit jemanden zu schlafen, der einem dann einen Oscar besorgt, als mit jemanden, der gerade einen Indiefilm dreht, der mit hoher Wahrscheinlichkeit floppt.

Ein anderes gutes Beispiel dafür, dass man gut sein muss, damit das klappt ist Terry Richardson. Der bestbezahlte Fotograf der Welt, aber bekannt dafür, dass er ganz offen belästigt oder auch mal selbst bei den Aufnahmen nackt ist. Er hat das ganz offen gemacht, immer wieder gab es Beschwerden, aber die Models wussten auc: Terry Richardson Fotos in dem Portfolio haben sehr viel gebracht und wurden gerne gedruckt. Natürlich: In Zeiten von #MeToo wird er Probleme bekommen, weil die Großen sich dann eher von ihm distanzieren  müssen.

Schmidt: Ja, ich habe davon gelesen . Also es lohnt sich für die Frauen, weil sie so gut sind?

Meyer: Noch einmal: Jeden Tag kommen 100 neue Mädels nach Hollywood, die alle vom großen Durchbruch träumen und unglaublich schön sind. Und jeden Tag ist man einen Tag älter als sie. Frauen haben üblicherweise ein recht kurzes Karrierefenster. Wer es bis 27, eher 24 nicht geschafft hat, der kann es eigentlich vergessen. Und das ist den Schauspielerinnen natürlich bewusst. Genug würden dann liebend gern mal zu einem solchen Gespräch über eine Hauptrolle in einem großen Studiofilm eingeladen werden, im Haus des Produzenten. Werden sie aber nicht. Das ist ja die andere Seite: Wie viele Frauen sich auch an einen ran machen, die meinen ihre Vagina ist aus Gold und wäre natürlich so wertvoll, dass man ihnen eine Rolle in einem 100 Millionen Euro Blockbuster gibt.

Und deswegen darf man auch nicht vergessen, dass wir da in einer sehr eigenen Welt leben: Wenn man Hollywoodstar ist oder über die Besetzung von Hollywoodfilmen entscheidet, dann ist es ganz normal, dass man „sexuell belästigt“ wird und das man pausenlos Angebote erhält. Klar, die gutaussehenden Hollywoodschauspieler eh, aber eben alle die irgendwie mit der Industrie zu tun haben, sind schon mal von Frauen sexuelle Gefälligkeiten angeboten worden, weil diese hoffte so eine Chance zu haben.

Und das verändert die Perspektive einfach nachhaltig. Wo andere Leute niemals erwarten würden, dass Frauen mit ihnen schlafen würden haben wir die Erfahrung gemacht, dass ein sehr hoher Anteil an Frauen daran sehr interessiert ist. Natürlich nicht alle. Aber genug, und noch etwas mehr, wenn man für sie handelt, wenn man also nicht darauf wartet, dass sie selbst es vorschlagen, sondern wenn man sie etwas an der Hand nimmt und es in Gang bring.

Schmidt: Aber da tritt dann ja gerade schnell die Situation ein, dass man eine Frau überfordert, die sich nicht traut einem deutlich zu machen, dass sie das nicht will. Einfach weil man so mächtig ist und sie in eine Art Schockzustand ist.

Meyer: Ja, natürlich, mit unter wird man etwas zu bedrängend und hat die Frau falsch eingeschätzt. Deswegen habe ich ja meine Bademantelroutine entwickelt. Ich trete im Bademantel auf, das schafft schon mal häufig Klarheit, dann frage ich, ob sie mit ins Bad wollen oder eine Massage wollen. Da merkt man dann schon an der Reaktion, ob es was läuft und wenn es nicht läuft, dann kann man immer noch sagen, dass es nur ein Spruch war und zieht sich kurz um und unterhält sich mit ihr.

Es ist aber auch allgemein gar nicht mal so ein schlechtes Zeichen wie kompliziert die jeweilige Frau ist. Eine zimperliche Frau, die kaum den Mund aufbekommt und sich nichts traut, geht meist auch am Set unter und wer mit ein paar Sprüchen nicht zurechtkommt, der überlebt auch die Paparazzi nicht und die Presse, die später über einen herfällt. Eine gewisse Härte ist insofern gar nicht mal verkehrt. Mir imponieren auch Frauen, die auf eine bestimme, aber höfliche Art Nein sagen können und dennoch weiter machen können. Und bei denen, die mitmachen weiß man: Sie wollen wirklich Erfolg haben und sind keine Dramaqueens.

Schmidt: Jetzt ist es sogar ein guter Auswahlprozess. Das klingt als würden Sie sich es schön reden. Genug Frauen werden damit schlicht nicht klar kommen und entweder immer einer Chance hinterhertrauern oder über Selbstekel oder anderes klagen, weil sie es gemacht haben. 

Meyer: (lacht) Gut, da haben Sie mich erwischt. Etwas schönreden ist immer dabei. Wobei ich es eben fair finde, weil ich einen Ruf habe. Und weil die Frauen dafür wirklich etwas bekommen. Wenn ich jemand fördere, dann nicht wegen dem Sex, sondern weil sie gut ist. Der Sex ist ein Bonus, der auch gleich die Hierarchie klar macht. Sie mögen sich dann später allen anderen gegenüber wie abgehobene Göttinnen verhalten, aber bei mir nicht. Und natürlich ist es auch etwas für das Ego, wenn man mit sehr vielen Schauspielerinnen was hatte. Einfach weil jeder mit ihnen schlafen will, aber es nicht kann. Das ist für die weniger hübschen, aber mächtigen Männern in Hollywood ein ewiges Problem: Man hat diese ganzen hübschen Frauen um sich herum, die alles tun würden für eine Rolle, aber man hält sich zurück, weil man nett ist und wenn sie merken, dass man harmlos ist, dann ist man ihr bester Freund, aber mehr auch nicht. Sie haben einen sicher und können daher mit einem anderen Produzenten schlafen, der gerade einen großen Film im Angebot hat, während sie mit einem Essen gehen, um zu fragen, ob was in den eigenen Projekten frei ist. Natürlich nur einige, aber es ist immer wieder frustrierend. Und es zieht einen runter. Warum sollte man nicht derjenige sein, mit dem sie etwas hat?  Es gibt da dieses Experiment mit den Affen, die unterschiedlich belohnt werden, kennen sie das?

Schmidt: Ja, ich denke ich weiß, welches sie meinen, aber vielleicht stellen sie es noch einmal dar für die Leser.

Meyer: In dem Experiment wird Affen beigebracht, dass sie Gurken erhalten, wenn sie einen Hebel ziehen. Damit sind sie ganz zufrieden und ziehen ohne Beanstandung den Hebel. Dann zieht man einen Vorhang hoch und sie sehen einen anderen Affen, der einen Hebel zieht, und er bekommt von dem gleichen Pfleger nicht nur eine Gurke, sondern ein Bündel sehr leckere Trauben dazu. Die NurGurkenaffen sind entsetzt: Sie werden betrogen. Sie arbeiten für einen Hungerlohn. Sie weigern sich den Hebel zu ziehen, weil ihnen die Gurke nun wie eine Herabsetzung vorkommen.

Nun: Ich bekomme sehr viele Gurken (lacht). Aber ich mag auch Trauben gerne.
Leute fragen sich ja, warum man nicht einfach ein paar Prostituierte bezahlt mit den „Gurken“. Aber dann hat man ja immer noch keine Trauben und das passt einfach nicht.

Schmidt: Herr Meyer, vielen Dank für das Interview 

*fiktiv

** Name ausgedacht

Frau testet, wie Männer auf „Catcalling“ reagieren

Eine Frau testet, wie Männer auf „Catcalling“ reagieren. Ähnliche Versuche dieser Art gab es auch schon:

Sie stellt die Grundsituation wie folgt dar:

Viele von euch kennen dieses Szenario, zumindest in abgewandelter Form: Ich stehe an der roten Ampel und bemerke plötzlich eine Hand auf meiner Schulter. Ich drehe mich um, in der leisen Hoffnung, jemanden anzublicken, den ich zumindest kenne; und dann steht da so ein schmieriger Typ. „Pssst, hey Süße“, sagt er. Und ich? Will weg, so schnell es geht – angewidert von dem plumpen Annäherungsversuch. „Geiler Arsch“ ruft er mir noch hinterher. Mein Kopf signalisiert: Flucht. Und ich ärgere mich im Nachhinein, dass ich einfach so getan habe, als wäre nichts passiert. Wieder war ich so perplex, dass ich nichts unternommen habe.

Viele meiner Freundinnen erzählen mir von ähnlichen Erlebnissen. Catcalling, so wird die Art sexueller Belästigung genannt, die auf offener Straße durch einen Mann gegenüber einer Frau geschieht, indem er ihr hinterherruft, pfeift oder sie im schlimmsten Fall auch noch berührt.

Nun zu ihren eigenen Versuchen:

Lange suchen muss ich nicht, ich entdecke mein erstes Versuchskaninchen in der Nähe eines Fahrkartenschalters. Mit traurigem Gesichtsausdruck steht er da, den Kopf gesenkt, Blick auf den Handybildschirm. „Hey Hübscher“ sage ich. Das hat mich echt viel Überwindung gekostet. Ich beruhige mich aber mit dem Gedanken, dass es sich bei meinem erbärmlichen Flirtversuch ja nur um eine Art Experiment handelt. Er schaut mich jetzt ganz verängstigt an, dann nach links und rechts, und sagt: „Nenn mich nicht Hübscher. Ich habe eine Freundin“.

Oho, damit habe ich nicht gerechnet. Ich setze noch einen drauf und sage: „Bist du deshalb so traurig? Lächle doch mal, steht dir bestimmt viel besser.“ Ein Klassiker, den sich Frauen ständig anhören dürfen, wenn sie auf eine plumpe männliche Anmache nicht mit euphorisiertem Strahlen reagieren. Über meine eigene Schlagfertigkeit verwundert, mache ich mich aus dem Staub. Vorher erhasche ich aber noch einen Blick auf seinen verdatterten Blick. Er lacht für einen Moment, schüttelt den Kopf und schaut weiter auf sein Smartphone.

Interessanterweise gilt der „Ich habe eine Freundin“-Spruch im umgekehrten ja auch bereits als Nachweis, dass Männer Frauen nicht respektieren.

Sie bekommt also hier einen Korb. Leider bricht sie recht früh ab. So dramatisch scheint es der Angesprochene aber nicht gesehen zu haben, vermutlich wird er es eher interessant gefunden haben.

Ihr zweiter Versuch:

Meinen zweiten Versuch starte ich im Fitnessstudio. Dort finde ich, nicht unerwartet die schönsten Klischees erfüllend, eine geballte Ladung an Testosteron: Pumpende Muskelprotze, zwischen Eiweißshakes und Langhanteln. Ich schwinge mich an ein Trainingsgerät und nehme Blickkontakt zu meinem Nachbarn auf. Die Situation ist mir mehr als unangenehm. Trotzdem überwinde ich mich: „Trainierst du schon lange hier?“

Irritiert blickt mich der Pumper an. „Joa, sieht man doch“, sagt er dann und hält mir seinen Bizeps hin. Ohne zu zögern meine ich zu ihm: „Ich finde übrigens, dass du echt tolle Beine hast – und dein Gesicht ist echt interessant“. In meinen Augen ein klassisches Beispiel für einen Spruch, der die Grenzen eines Kompliments überschreitet – zumindest der Teil mit den Beinen. Er prustet los, wird dann aber wieder ernst und blafft mich an: „Du hast es ja nötig, alter“. Am liebsten wäre ich ja im Boden versunken, mein Probe-Training ziehe ich aber trotzdem durch. Hier kennt mich ja eh keiner.

Scheint mir das klassische Problem zu sein, dass die Männer erst einmal keine Ahnung haben, was da los ist. Sie fühlen sich irgendwie komisch angemacht und können es nicht richtig einordnen. Vielleicht auch, weil sie selbst nervös ist und eben auch tatsächlich was faul ist: Sie will ja nicht einfach so mit ihnen schlafen, wie es ihre Sprüche nahelegen. Sie will nur für ein Interview provozieren.

Park, Wiese, Sonnenschein. Ist das herrlich. Viele Paare, und siehe da, ein einsamer Mann. Er trägt ein Shirt mit Marken-Print, lässig in die Hose gesteckt, und liest auf einer Parkbank. Vorsorglich ziehe ich mir meine große Sonnenbrille auf und gehe auf ihn zu. „Hey, cooles Shirt hast du da. Ist das aus der aktuellen Kollektion?“ Der Shirtträger gibt sich unbeeindruckt und antwortet nur mit einem zustimmenden Nicken. Puh, ist ja langweilig. Spontan fällt mir noch ein: „Also mich würde ja interessieren, was unter deinem Shirt steckt. Ein trainierter Waschbrettbauch?“

Er zieht seine Augen sonderbar zusammen. Dann folgt peinliche Stille und ein entnervtes: „Mein Gott, was stimmt denn mit dir nicht?“ Mit so einer Konfrontation habe ich nicht gerechnet. Dieses Mal muss ich selbst über mich lachen.

Es verwundert mich etwas, dass sie gar keinen Erfolg hat. Vielleicht weil sie irgendwie komisch vorgeht. Zumindest dem Bild auf ihrem Twitterprofil nach sollte sie mehr Erfolg haben:

Alina Hoppe

Alina Hoppe

Wäre natürlich interessant wie alt das Foto ist und wie vorteilhaft es aufgenommen ist. Wobei eine hübsche Frau, die irgendwie so aussieht als will sie einen provozieren, vielleicht gerade noch eher Mißtrauen erregt.

Aber im Ganzen scheinen die Jungs gut damit fertig geworden zu sein und es nicht als so problematisch angesehen zu haben.

Was ja das typische Ergebnis solcher Experimente ist.

Cheerleader, American Football Spieler und Schutz vor sexueller Belästigung

In den USA gibt es Beschwerden von Cheerleadern vor sexueller Belästigung bzw zumindest einen Antrag einer Cheerleaderin wegen sexueller Diskriminierung:

According to the Saints’ handbook for cheerleaders, as well as internal emails and text messages reviewed by The New York Times and interviews with Davis, the Saints have an anti-fraternization policy that requires cheerleaders to avoid contact with players, in person or online, even though players are not penalized for pursuing such engagement with cheerleaders. The cheerleaders must block players from following them on social media and cannot post photos of themselves in Saints gear, denying them the chance to market themselves. The players are not required to do any of these things.

Cheerleaders are told not to dine in the same restaurant as players, or speak to them in any detail. If a Saints cheerleader enters a restaurant and a player is already there, she must leave. If a cheerleader is in a restaurant and a player arrives afterward, she must leave. There are nearly 2,000 players in the N.F.L., and many of them use pseudonyms on social media. Cheerleaders must find a way to block each one, while players have no limits on who can follow them.

The team says its rules are designed to protect cheerleaders from players preying on them. But it puts the onus on the women to fend off the men.

“If the cheerleaders can’t contact the players, then the players shouldn’t be able to contact the cheerleaders,” said Sara Blackwell, Davis’s lawyer. “The antiquated stereotype of women needing to hide for their own protection is not permitted in America and certainly not in the workplace.”

Kurz zusammengefasst: Die Cheerleader und die Spieler dürfen nichts miteinander anfangen und die Last zur Vermeidung eines Kontakts liegt alleine bei den Cheerleadern. Sie dürfen niemanden Kontaktieren und müssen eine Bar verlassen, wenn sie ein Spieler betritt. Die Spieler haben hingegen keine solche Regel.

Aus meiner Sicht keine so schlechte Regel: Schöne Frauen und sportliche Männer, die viel verdienen und Status haben, das ist gerade in den USA eine sehr gefährliche Mischung. Es wird immer wieder Probleme gegeben haben, wenn ein Spieler mit einer Cheerleaderin geschlafen hat oder mit ihnen gemeinsam gefeiert hat.

Und: Die Spieler sind das wichtige in einem solchen Team. Eine Cheerleaderin ist leicht zu ersetzen, ein guter Spieler nicht. Wenn die Cheerleader schlecht tanzen, dann stört das die Gewinne weitaus weniger als wenn die Spieler schlecht spielen.

Dazu kommt, dass es typischerweise die Frau sein wird, die eher verletzt wird oder sich wegen Belästigung beschwert. Ihr die Entscheidung aufzuerlegen, dass sie gehen muss wäre insofern durchaus passen, da sie ja auch entscheiden muss, ob sie ein Verhalten belästigt. Zudem schützt es die wertvolleren Bestandteile des Teams, nämlich die Spieler.

Wer in einem Büro eine solche Regel aufstellen würde, der würde auch anführen, dass die Sekretärin die Bar verlassen muss und nicht der Chef.

Natürlich ist das Problem auch durchaus zu regeln, wenn man bestimmte Bars einer der beiden Gruppen zuordnet, so dass diese da ihre Ruhe hat, so dass Cheerleader nicht pausenlos die Bars wechseln müssen.

Die Cheerleaderin zieht es hier auf die Geschlechterebene, was die Hierarchie innerhalb des Unternehmens Footballmannschaft nicht wirklich wiedergibt. Das gelingt ihr auch nur, weil hier das Narrativ, dass es nicht die Belästigten seien dürfen, die den anderen weichen, sondern die Spieler, die sich gut benehmen müssen, in der Belästigungsdebatte eine recht vertraute Figur ist.

Findet ihr die Regel fair?

„#MeToo -Fälle Wie naiv darf man sein?“

Jan Fleischhauer stellt im Rahmen der #MeToo Debatte und neuer ins Spiel gebrachter Fälle von sexueller Belästigung einige der dort behandelten Fälle dar:

Folgt man ihrer Darstellung, lud der Redakteur die junge Frau dazu ein, neben ihm auf der Rückbank des Mercedes Platz zu nehmen, während die Kollegen den Bus nahmen. Es gab gemeinsame Abende und Kneipenbesuche, bei denen das Gespräch schnell vom Fernsehgeschäft auf sexuelle Vorlieben kam.

Einmal schrieb er ihr abends eine SMS: „Dritte Etage, Zimmer 312.“ Man müsse dringend über den nächsten Dreh reden. Sie hatte schon geschlafen, berichtet die Frau in der „SZ“. Sie habe sich mit Stift und Zettel auf den Weg gemacht, um dann enttäuscht feststellen zu müssen, dass ihr Mentor nicht ebenfalls Stift und Zettel bei sich trug, als er die Tür öffnete.

Ich bin ins Grübeln gekommen, als ich das las. Was glaubt eine Praktikantin, wenn ein 30 Jahre älterer Mann sie zu nachtschlafender Zeit per SMS dazu einlädt, sie in seinem Hotelzimmer aufzusuchen? Nimmt sie im Ernst an, dass man sich über die Kameraeinstellungen am nächsten Drehtag austauschen wird? Sicher, es gibt Nerds, die nur die Arbeit im Kopf haben, auch noch gegen Mitternacht. Aber die meisten Menschen denken zu dieser Zeit an ganz andere Dinge, wie einem die Lebenserfahrung sagt.

In der Tat muss man ziemlich naiv sein, wenn man in dem Moment nicht auf den Gedanken kommt, dass er mehr will als nur über den Film zu reden. Gerade wenn man schon vorher miteinander persönlicher geworden ist und über Sex geredet hat.

Später schreibt Fleischhauer:

Ich habe keine Zweifel, dass es der jungen Frau unangenehm war, als ihr der Moderator zu nahe rückte. Aber sollte man nicht erwarten können, dass eine 25-Jährige in der Lage ist, nächtliche SMS zu ignorieren? Wie man erfährt, ging sie sogar auf sein Angebot ein, bei ihm zu schlafen, als er sie fragte, ob sie bei ihm übernachten wolle. Sie schreibt: „Ich erwartete Frau und Kinder zu treffen, ich fand einen Pool, zwei Liegen, eine Flasche Wein und Oliven.“ Ja, um Gottes Willen, was denn sonst bei einem Mann, der zuvor die Vorzüge der „offenen Ehe“ gepriesen hatte? Erst wenn man eine Grenze setzt, existiert diese auch.

Also er ruft sie zu sich nachts auf Zimmer, will aber nicht über den Fall reden, spricht irgendwann mit ihr über seine offene Ehe und lädt sie ein bei ihr zu schlafen und sie denkt immer noch, dass da nichts sexuelles bei ist?

 

Ein anderer Fall:

Zu den Vorfällen, die dem WDR-Korrespondenten zur Last gelegt werden, gehört die sogenannte „Doppelzimmeraffäre“. Vor Jahren hatte er einer Praktikantin weisgemacht, sie müsse mit ihm aus Kostengründen ein Zimmer teilen: Der WDR erlaube wegen des Sparzwangs nur Doppelzimmer. Auch hier stellt sich die Frage, wieviel Weltfremdheit eigentlich erlaubt ist. Mir ist es jedenfalls ein Rätsel, warum jemand unbedingt Journalist werden will, dem man offenbar die haarsträubendsten Geschichten auftischen kann, ohne dass er Zweifel bekommt.

Man ist geneigt dieses Internet-Meme zu verwenden:

Speech 100

Speech 100

Das der WDR eine weibliche Praktikantin in einem Doppelzimmer schlafen lässt mit einem männlichen Kollegen, wenn diese das nicht ausdrücklich wollen, dass ist schon wirklich schwer zu glauben. Es wäre auch recht leicht gewesen da mal nachzufragen, ob das wirklich so ist und ob man nicht doch – ausnahmsweise – zwei Einzelzimmer zahlen würde.

Fleischhauers Wertung passt:

Die Komik der #MeToo-Debatte liegt, wenn man so will, in ihrem regressiven Element. An die Stelle der emanzipierten Frau, die selbstbewusst erklärt, was sie will und was nicht, ist wieder die naive Unschuld getreten, die ahnungslos durchs Leben tappt, bis ein Prinz kommt und sich ihrer erbarmt. Vielen Erzählungen ist gemeinsam, dass sie die Frau als Rotkäppchen zeichnen, das dem bösen Wolf zum Opfer fällt. Deshalb funktionieren sie ja auch so gut. Diese Muster sind so alt, sie sind ganz einfach abrufbar.

Es ist in der Tat eine Infantilisierung, die zu dem Gedanken der weiblichen Unterverantwortlichkeit gut passt: Der Gedanke, dass jede Ausführungen dazu, dass sie sich besser hätte schützen sollen Victim Blaming ist und es Sache der Gesellschaft ist, dass sie die Täter so erziehen muss, dass sie nicht mehr Täter sind.

Die Erziehung zu einer gewissen Unmündigkeit, dazu, dass man naiv sein darf, weil die Gesellschaft schuld ist, wenn etwas passiert und es nicht die eigene Aufgabe ist, etwas dagegen zu machen und sich zu sichern.

Sonia Mikich hat im SPIEGEL-ONLINE-Interview einen bemerkenswerten Satz gesagt. Gefragt, wie sie selber mit sexueller Belästigung umgegangen sei, antwortete sie: „Ich habe immer gesagt ‚Hau ab, Du Blödmann‘.“ Das habe immer geklappt, im WDR, außerhalb des WDR, im Privatleben.

Und es klappt wahrscheinlich auch heute noch gut.

 

Zana Ramadani, Bundespräsident Joachim Gauck und #Metoo

 

Ein Foto: Sie berührt mit ihrer Brust  seinen Oberkörper, seine Hand ist leider auf dem Bild nicht zu sehen:

Ob sie ihn vorher gefragt hat, ob das okay für ihn ist?

Der Kommentar von ihr zum Foto

Ein weiteres Foto, welches sie bei Facebook einstellte

Aus dem Link:

Das Buch beginnt mit einer Szene von einer Veranstaltung im Schloss Bellevue, in der der damalige Bundespräsident Joachim Gauck Zana Ramadani in Anspielung auf ihre Arbeit als Aktivistin gefragt haben soll, ob sie sich gleich ausziehen werde. Darauf soll sie flapsig geantwortet haben: „Nee, heute mal nicht.“ Es wäre auch nicht so einfach, das Kleid mit Rückenverschluss auszuziehen. Darauf solle Gauck erwidert haben, er könne ihr auch dabei helfen. Für ein Foto soll er sie in den Arm genommen und die Hand auf ihre Hüfte gelegt haben. „Ich war unangenehm berührt, aber ich ließ das Betatschen über mich ergehen, ich spielte mit, lachte meine Bedenken weg“, heißt es im Buch.

Frau Ramadani, Sie beginnen Ihr Buch mit einer Szene aus dem Schloss Bellevue, in dem Sie eine Begegnung mit dem damaligen Bundespräsidenten beschreiben. Sie nennen Gauck einen „Gentleman“, aber auch einen „Grapscher“. Warum machen Sie das jetzt öffentlich?

Ich hätte damals direkt aus dem Schloss twittern können, wie das manche der Netz-Feministinnen und Politikerinnen machen: Schockstarre! Sexismus! Das habe ich aber nicht gemacht. Ich bin Gauck nicht böse, er wollte mich nicht diskriminieren. Ich habe ihm mit meiner Arbeit als ehemalige Femen-Aktivistin, die ihre Brüste in der Öffentlichkeit blankzieht, ja auch eine Steilvorlage geliefert.

Man kann Ihnen vorwerfen, den früheren Bundespräsidenten zu benutzen, um Ihr Buch besser zu verkaufen.

Ich habe das Beispiel aufgeschrieben, um zu zeigen, wie man auch anders mit Begegnungen mit Männern umgehen kann. Man muss nicht jeden Ton eines alten Mannes an den Pranger stellen.

Ich musste einige Sätze Ihres Buches mehrmals lesen, weil sie mich so irritiert haben. Sie schreiben zum Beispiel, dass die #MeToo-Debatte zersetzend auf die Demokratie und die Freiheit wirke.

Den Anfang der Kampagne fand ich gut, aber mir gefällt nicht, in welche Richtung sie sich entwickelt hat, dass es keine Abstufungen mehr gibt. Es findet eine Hexenjagd statt, plötzlich ist jeder Mann verdächtig. Es wird so getan, als gebe es klare Fronten: Männer sind Täter, Frauen sind Opfer. So einfach ist es aber nicht. Frauen sind nicht nur die hilflosen Opfer, sie sind Teil des Systems.

Machen Sie damit betroffene Frauen, die jetzt von ihren Erfahrungen berichten, nicht zum zweiten Mal zum Opfer indem Sie sagen: Es sei ihre eigene Schuld, wenn man sich nicht wehren kann?

Nein, mir geht es darum, dass Frauen ihre Stärke entdecken. Mir macht es Angst, dass durch das Ausufern von #MeToo die Stereotype eher noch verfestigt werden. Es wird so getan, als müssten Frauen automatisch in ihrem Leben Opfer werden und als sei jeder Mann ein potenzieller Täter. Da wächst eine sehr schwache, ja fast lebensunfähige Frauengeneration heran, die heult und mit den Zähnen klappert. Das ist ein historischer Rückschritt.

– Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/29792232