„#MeToo -Fälle Wie naiv darf man sein?“

Jan Fleischhauer stellt im Rahmen der #MeToo Debatte und neuer ins Spiel gebrachter Fälle von sexueller Belästigung einige der dort behandelten Fälle dar:

Folgt man ihrer Darstellung, lud der Redakteur die junge Frau dazu ein, neben ihm auf der Rückbank des Mercedes Platz zu nehmen, während die Kollegen den Bus nahmen. Es gab gemeinsame Abende und Kneipenbesuche, bei denen das Gespräch schnell vom Fernsehgeschäft auf sexuelle Vorlieben kam.

Einmal schrieb er ihr abends eine SMS: „Dritte Etage, Zimmer 312.“ Man müsse dringend über den nächsten Dreh reden. Sie hatte schon geschlafen, berichtet die Frau in der „SZ“. Sie habe sich mit Stift und Zettel auf den Weg gemacht, um dann enttäuscht feststellen zu müssen, dass ihr Mentor nicht ebenfalls Stift und Zettel bei sich trug, als er die Tür öffnete.

Ich bin ins Grübeln gekommen, als ich das las. Was glaubt eine Praktikantin, wenn ein 30 Jahre älterer Mann sie zu nachtschlafender Zeit per SMS dazu einlädt, sie in seinem Hotelzimmer aufzusuchen? Nimmt sie im Ernst an, dass man sich über die Kameraeinstellungen am nächsten Drehtag austauschen wird? Sicher, es gibt Nerds, die nur die Arbeit im Kopf haben, auch noch gegen Mitternacht. Aber die meisten Menschen denken zu dieser Zeit an ganz andere Dinge, wie einem die Lebenserfahrung sagt.

In der Tat muss man ziemlich naiv sein, wenn man in dem Moment nicht auf den Gedanken kommt, dass er mehr will als nur über den Film zu reden. Gerade wenn man schon vorher miteinander persönlicher geworden ist und über Sex geredet hat.

Später schreibt Fleischhauer:

Ich habe keine Zweifel, dass es der jungen Frau unangenehm war, als ihr der Moderator zu nahe rückte. Aber sollte man nicht erwarten können, dass eine 25-Jährige in der Lage ist, nächtliche SMS zu ignorieren? Wie man erfährt, ging sie sogar auf sein Angebot ein, bei ihm zu schlafen, als er sie fragte, ob sie bei ihm übernachten wolle. Sie schreibt: „Ich erwartete Frau und Kinder zu treffen, ich fand einen Pool, zwei Liegen, eine Flasche Wein und Oliven.“ Ja, um Gottes Willen, was denn sonst bei einem Mann, der zuvor die Vorzüge der „offenen Ehe“ gepriesen hatte? Erst wenn man eine Grenze setzt, existiert diese auch.

Also er ruft sie zu sich nachts auf Zimmer, will aber nicht über den Fall reden, spricht irgendwann mit ihr über seine offene Ehe und lädt sie ein bei ihr zu schlafen und sie denkt immer noch, dass da nichts sexuelles bei ist?

 

Ein anderer Fall:

Zu den Vorfällen, die dem WDR-Korrespondenten zur Last gelegt werden, gehört die sogenannte „Doppelzimmeraffäre“. Vor Jahren hatte er einer Praktikantin weisgemacht, sie müsse mit ihm aus Kostengründen ein Zimmer teilen: Der WDR erlaube wegen des Sparzwangs nur Doppelzimmer. Auch hier stellt sich die Frage, wieviel Weltfremdheit eigentlich erlaubt ist. Mir ist es jedenfalls ein Rätsel, warum jemand unbedingt Journalist werden will, dem man offenbar die haarsträubendsten Geschichten auftischen kann, ohne dass er Zweifel bekommt.

Man ist geneigt dieses Internet-Meme zu verwenden:

Speech 100

Speech 100

Das der WDR eine weibliche Praktikantin in einem Doppelzimmer schlafen lässt mit einem männlichen Kollegen, wenn diese das nicht ausdrücklich wollen, dass ist schon wirklich schwer zu glauben. Es wäre auch recht leicht gewesen da mal nachzufragen, ob das wirklich so ist und ob man nicht doch – ausnahmsweise – zwei Einzelzimmer zahlen würde.

Fleischhauers Wertung passt:

Die Komik der #MeToo-Debatte liegt, wenn man so will, in ihrem regressiven Element. An die Stelle der emanzipierten Frau, die selbstbewusst erklärt, was sie will und was nicht, ist wieder die naive Unschuld getreten, die ahnungslos durchs Leben tappt, bis ein Prinz kommt und sich ihrer erbarmt. Vielen Erzählungen ist gemeinsam, dass sie die Frau als Rotkäppchen zeichnen, das dem bösen Wolf zum Opfer fällt. Deshalb funktionieren sie ja auch so gut. Diese Muster sind so alt, sie sind ganz einfach abrufbar.

Es ist in der Tat eine Infantilisierung, die zu dem Gedanken der weiblichen Unterverantwortlichkeit gut passt: Der Gedanke, dass jede Ausführungen dazu, dass sie sich besser hätte schützen sollen Victim Blaming ist und es Sache der Gesellschaft ist, dass sie die Täter so erziehen muss, dass sie nicht mehr Täter sind.

Die Erziehung zu einer gewissen Unmündigkeit, dazu, dass man naiv sein darf, weil die Gesellschaft schuld ist, wenn etwas passiert und es nicht die eigene Aufgabe ist, etwas dagegen zu machen und sich zu sichern.

Sonia Mikich hat im SPIEGEL-ONLINE-Interview einen bemerkenswerten Satz gesagt. Gefragt, wie sie selber mit sexueller Belästigung umgegangen sei, antwortete sie: „Ich habe immer gesagt ‚Hau ab, Du Blödmann‘.“ Das habe immer geklappt, im WDR, außerhalb des WDR, im Privatleben.

Und es klappt wahrscheinlich auch heute noch gut.

 

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Zana Ramadani, Bundespräsident Joachim Gauck und #Metoo

 

Ein Foto: Sie berührt mit ihrer Brust  seinen Oberkörper, seine Hand ist leider auf dem Bild nicht zu sehen:

Ob sie ihn vorher gefragt hat, ob das okay für ihn ist?

Der Kommentar von ihr zum Foto

Ein weiteres Foto, welches sie bei Facebook einstellte

Aus dem Link:

Das Buch beginnt mit einer Szene von einer Veranstaltung im Schloss Bellevue, in der der damalige Bundespräsident Joachim Gauck Zana Ramadani in Anspielung auf ihre Arbeit als Aktivistin gefragt haben soll, ob sie sich gleich ausziehen werde. Darauf soll sie flapsig geantwortet haben: „Nee, heute mal nicht.“ Es wäre auch nicht so einfach, das Kleid mit Rückenverschluss auszuziehen. Darauf solle Gauck erwidert haben, er könne ihr auch dabei helfen. Für ein Foto soll er sie in den Arm genommen und die Hand auf ihre Hüfte gelegt haben. „Ich war unangenehm berührt, aber ich ließ das Betatschen über mich ergehen, ich spielte mit, lachte meine Bedenken weg“, heißt es im Buch.

Frau Ramadani, Sie beginnen Ihr Buch mit einer Szene aus dem Schloss Bellevue, in dem Sie eine Begegnung mit dem damaligen Bundespräsidenten beschreiben. Sie nennen Gauck einen „Gentleman“, aber auch einen „Grapscher“. Warum machen Sie das jetzt öffentlich?

Ich hätte damals direkt aus dem Schloss twittern können, wie das manche der Netz-Feministinnen und Politikerinnen machen: Schockstarre! Sexismus! Das habe ich aber nicht gemacht. Ich bin Gauck nicht böse, er wollte mich nicht diskriminieren. Ich habe ihm mit meiner Arbeit als ehemalige Femen-Aktivistin, die ihre Brüste in der Öffentlichkeit blankzieht, ja auch eine Steilvorlage geliefert.

Man kann Ihnen vorwerfen, den früheren Bundespräsidenten zu benutzen, um Ihr Buch besser zu verkaufen.

Ich habe das Beispiel aufgeschrieben, um zu zeigen, wie man auch anders mit Begegnungen mit Männern umgehen kann. Man muss nicht jeden Ton eines alten Mannes an den Pranger stellen.

Ich musste einige Sätze Ihres Buches mehrmals lesen, weil sie mich so irritiert haben. Sie schreiben zum Beispiel, dass die #MeToo-Debatte zersetzend auf die Demokratie und die Freiheit wirke.

Den Anfang der Kampagne fand ich gut, aber mir gefällt nicht, in welche Richtung sie sich entwickelt hat, dass es keine Abstufungen mehr gibt. Es findet eine Hexenjagd statt, plötzlich ist jeder Mann verdächtig. Es wird so getan, als gebe es klare Fronten: Männer sind Täter, Frauen sind Opfer. So einfach ist es aber nicht. Frauen sind nicht nur die hilflosen Opfer, sie sind Teil des Systems.

Machen Sie damit betroffene Frauen, die jetzt von ihren Erfahrungen berichten, nicht zum zweiten Mal zum Opfer indem Sie sagen: Es sei ihre eigene Schuld, wenn man sich nicht wehren kann?

Nein, mir geht es darum, dass Frauen ihre Stärke entdecken. Mir macht es Angst, dass durch das Ausufern von #MeToo die Stereotype eher noch verfestigt werden. Es wird so getan, als müssten Frauen automatisch in ihrem Leben Opfer werden und als sei jeder Mann ein potenzieller Täter. Da wächst eine sehr schwache, ja fast lebensunfähige Frauengeneration heran, die heult und mit den Zähnen klappert. Das ist ein historischer Rückschritt.

– Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/29792232

 

 

Sexismus ist nur für 1% ein wichtiges Thema

Jan Fleischhauer zitiert im Spiegel eine interessante Umfrage:

Es gibt wieder eine Zahl, die zu denken geben sollte. Diese Zahl lautet: ein Prozent.

Ein Prozent der Deutschen hat auf dem ersten Höhepunkt der #MeToo-Debatte im November gefunden, dass Sexismus ein wichtiges Thema sei. So konnte man es im Trendbarometer des Meinungsforschungsinstituts Forsa nachlesen, das im Auftrag von RTL und n-tv wöchentlich die Stimmungslage der Bürger erkundet. Sogar die Debatte über Tierschutz rangierte mit zwei Prozent noch weiter vorn.

Verengung auf Themen, die außerhalb von Konferenzräumen kaum jemand versteht

Das heißt nicht, dass die Enthüllungen über berühmte Männer die Leute kalt lassen. Aber es bleibt auf der Ebene des Voyeurismus. Wenn Dieter Wedel der allgemeinen Verachtung anheimfällt, dann nimmt man das mit dem lächelnden Interesse zur Kenntnis, mit dem man auch den Fall eines unseligen Sprosses eines berühmten Adelsgeschlechts quittiert.

Die Prozentzahl ist in der Tat extrem niedrig und spricht dafür, dass hier etwas aufgebauscht wird, was die Leute selbst gar nicht so als Problem empfinden.

Ich habe dazu diese Stelle gefunden: (6.11.2017)

Das Koalitionsgerangel in Berlin ist für die Deutschen derzeit das wichtigste Thema. 50 Prozent der Befragten bekunden in einer aktuellen forsa-Erhebung im Auftrag der Mediengruppe RTL ein immenses Interesse an den Sondierungsgesprächen zwischen CDU, CSU, FDP und Grünen. Die Bedeutung der Jamaika-Bemühungen wird bei allen Partei-Anhängern gleich hochgeschätzt – nur die Nichtwähler sind desinteressiert: von ihnen halten nur 24 Prozent die Koalitionsgespräche für wichtig. Zum Vergleich: Derzeit nimmt ja die Berichterstattung über die sexuellen Übergriffe durch den Hollywood-Magnaten Harry Weinstein und die daraus resultierende „Me Too“-Bewegung sehr starken Raum ein. Die Bundesbürger sind daran kaum interessiert: Nur 1 Prozent halten die Debatte über Sexismus für wichtig – doppelt so viele, nämlich 2 Prozent, halten die Diskussion über Tierschutz und Tierwohl für belangvoll.

Am 07.11.2017 fand ich noch diese Meldung:

Die Enthüllungen über den Hollywood-Magnaten Harvey Weinstein haben weltweit für Aufregung gesorgt: Filmstars wie Kevin Spacey oder Dustin Hoffman wurden sexueller Übergriffe beschuldigt, der britische Verteidigungsminister Michael Fallon musste zurücktreten, weil er 2002 einer Journalistin bei einem Dinner mehrfach ans Knie gefasst haben soll. Immer mehr Frauen, darunter viele Prominente, berichten, sie seien Opfer geworden. forsa hat im Auftrag der Mediengruppe RTL nachgefragt, wie die Deutschen auf die Sexismus-Debatte reagieren. Haben sie selbst ihr Verhalten gegenüber dem anderen Geschlecht verändert? Ja, sagen 2 Prozent der Befragten – bei den Allermeisten (95 Prozent) ist das jedoch nicht der Fall. Allerdings zeigt die Befragung auch, dass einige Männer unter dem Eindruck des Skandals vorsichtiger geworden sind: 13 Prozent von ihnen erklärten den Befragern, sie seien „etwas vorsichtiger“ geworden, wenn sie Frauen „Komplimente“ machen wollten.

Auch hier wird deutlich: Es ist eher interessanter Klatsch als etwas, was die Leute im tatsächlichen Leben wirklich beschäftigt. Die meisten Frauen werden vielleicht mal unangenehme Erlebnisse gehabt haben, aber es bestimmt weitaus weniger ihr Leben als der Feminismus das einen glauben machen möchte.

 

Aziz Ansari und #MeToo

Ein interessanter Fall für eine Bewertung ist der Vorwurf gegen den Schauspieler Aziz Ansari:

Sie lernen sich kennen, sie schreiben Nachrichten hin und her, sie gehen zusammen essen, dann gehen sie zu ihm. Es geschieht das Folgende:

They walked the two blocks back to his apartment building, an exclusive address on TriBeCa’s Franklin Street, where Taylor Swift has a place too. When they walked back in, she complimented his marble countertops. According to Grace, Ansari turned the compliment into an invitation.

“He said something along the lines of, ‘How about you hop up and take a seat?’” Within moments, he was kissing her. “In a second, his hand was on my breast.” Then he was undressing her, then he undressed himself. She remembers feeling uncomfortable at how quickly things escalated.

When Ansari told her he was going to grab a condom within minutes of their first kiss, Grace voiced her hesitation explicitly. “I said something like, ‘Whoa, let’s relax for a sec, let’s chill.’” She says he then resumed kissing her, briefly performed oral sex on her, and asked her to do the same thing to him. She did, but not for long. “It was really quick. Everything was pretty much touched and done within ten minutes of hooking up, except for actual sex.”

She says Ansari began making a move on her that he repeated during their encounter. “The move he kept doing was taking his two fingers in a V-shape and putting them in my mouth, in my throat to wet his fingers, because the moment he’d stick his fingers in my throat he’d go straight for my vagina and try to finger me.” Grace called the move “the claw.”

Ansari also physically pulled her hand towards his penis multiple times throughout the night, from the time he first kissed her on the countertop onward. “He probably moved my hand to his dick five to seven times,” she said. “He really kept doing it after I moved it away.”

But the main thing was that he wouldn’t let her move away from him. She compared the path they cut across his apartment to a football play. “It was 30 minutes of me getting up and moving and him following and sticking his fingers down my throat again. It was really repetitive. It felt like a fucking game.”

Throughout the course of her short time in the apartment, she says she used verbal and non-verbal cues to indicate how uncomfortable and distressed she was. “Most of my discomfort was expressed in me pulling away and mumbling. I know that my hand stopped moving at some points,” she said. “I stopped moving my lips and turned cold.”

Whether Ansari didn’t notice Grace’s reticence or knowingly ignored it is impossible for her to say. “I know I was physically giving off cues that I wasn’t interested. I don’t think that was noticed at all, or if it was, it was ignored.”

Ansari wanted to have sex. She said she remembers him asking again and again, “Where do you want me to fuck you?” while she was still seated on the countertop. She says she found the question tough to answer because she says she didn’t want to fuck him at all.

“I wasn’t really even thinking of that, I didn’t want to be engaged in that with him. But he kept asking, so I said, ‘Next time.’ And he goes, ‘Oh, you mean second date?’ and I go, ‘Oh, yeah, sure,’ and he goes, ‘Well, if I poured you another glass of wine now, would it count as our second date?’” He then poured her a glass and handed it to her. She excused herself to the bathroom soon after.

Grace says she spent around five minutes in the bathroom, collecting herself in the mirror and splashing herself with water. Then she went back to Ansari. He asked her if she was okay. “I said I don’t want to feel forced because then I’ll hate you, and I’d rather not hate you,” she said.

She told babe that at first, she was happy with how he reacted. “He said, ‘Oh, of course, it’s only fun if we’re both having fun.’ The response was technically very sweet and acknowledging the fact that I was very uncomfortable. Verbally, in that moment, he acknowledged that I needed to take it slow. Then he said, ‘Let’s just chill over here on the couch.’”

This moment is particularly significant for Grace, because she thought that would be the end of the sexual encounter — her remark about not wanting to feel “forced” had added a verbal component to the cues she was trying to give him about her discomfort. When she sat down on the floor next to Ansari, who sat on the couch, she thought he might rub her back, or play with her hair — something to calm her down.

Ansari instructed her to turn around. “He sat back and pointed to his penis and motioned for me to go down on him. And I did. I think I just felt really pressured. It was literally the most unexpected thing I thought would happen at that moment because I told him I was uncomfortable.”

Soon, he pulled her back up onto the couch. She would tell her friend via text later that night, “He [made out] with me again and says, ‘Doesn’t look like you hate me.’”

Halfway into the encounter, he led her from the couch to a different part of his apartment. He said he had to show her something. Then he brought her to a large mirror, bent her over and asked her again, “Where do you want me to fuck you? Do you want me to fuck you right here?” He rammed his penis against her ass while he said it, pantomiming intercourse.

“I just remember looking in the mirror and seeing him behind me. He was very much caught up in the moment and I obviously very much wasn’t,” Grace said. “After he bent me over is when I stood up and said no, I don’t think I’m ready to do this, I really don’t think I’m going to do this. And he said, ‘How about we just chill, but this time with our clothes on?’”

They got dressed, sat side by side on the couch they’d already “chilled” on, and he turned on an episode of Seinfeld. She’d never seen it before. She said that’s when the reality of what was going on sank in. “It really hit me that I was violated. I felt really emotional all at once when we sat down there. That that whole experience was actually horrible.”

While the TV played in the background, he kissed her again, stuck his fingers down her throat again, and moved to undo her pants. She turned away. She remembers “feeling in a different mindset at that point.”

“I remember saying, ‘You guys are all the same, you guys are all the fucking same.’” Ansari asked her what she meant. When she turned to answer, she says he met her with “gross, forceful kisses.”

After that last kiss, Grace stood up from the couch, moved back to the kitchen island where she left her phone, and said she would call herself a car. He hugged her and kissed her goodbye, another “aggressive” kiss. When she pulled away, Ansari finally relented and insisted he’d call her the car. “He said, ‘It’s coming, but just tell them your name is Essence,’” she said, a name he has joked about using as a pseudonym in his sitcom.

She teared up in the hallway, outside his place, pressing the down button on the elevator. The Uber was waiting when she left the building. He asked if she was Essence, she said yes, and then she rode back to her Brooklyn apartment. “I cried the whole ride home. At that point I felt violated. That last hour was so out of my hand.”

Seine Darstellung:

“In September of last year, I met a woman at a party. We exchanged numbers. We texted back and forth and eventually went on a date. We went out to dinner, and afterwards we ended up engaging in sexual activity, which by all indications was completely consensual.

„The next day, I got a text from her saying that although ‘it may have seemed okay,’ upon further reflection, she felt uncomfortable. It was true that everything did seem okay to me, so when I heard that it was not the case for her, I was surprised and concerned. I took her words to heart and responded privately after taking the time to process what she had said.

„I continue to support the movement that is happening in our culture. It is necessary and long overdue.” – Aziz Ansari

Aus meiner Sicht hat er mehr als deutlich gemacht, dass er Sex mit ihr will. Sie konnte wenig Zweifel daran haben, dass das sein Ziel für den Abend war und er es dementsprechend immer wieder versuchen würde. Sie geht auf ein Date mit ihm, danach in sein Appartment und er macht es sehr schnell sehr sexuell.  Warum geht sie dann nicht, wenn sie das nicht will? Sie sagt sie will erst am nächsten Date mit ihr schlafen. Er sagt „wenn ich dir jetzt noch einen Drink gebe, ist es dann ein zweites Date?“ Deutlicher kann es eigentlich kaum sein, dass er es die Nacht immer wieder versuchen will.  Er macht die ganze Zeit mehr als deutlich, dass er mit ihr schlafen will. Dann zeigt er auf seinen Penis und sie bläst ihm einen. Es ist lustig, dass ihm oben in dem Artikel vorgeworfen wird, dass er sich wie ein sexgeiler Teenager benommen hat, wenn sie sich wie ein kleines Mädchen benimmt, welches keine Konsequenzen für ihr eigenes Handeln übernimmt. Die Situation war nicht außerhalb ihrer Kontrolle, der Abend lief eher nicht so wie sie wollte, sie wollte ihn aber auch nicht abbrechen. Sie hatte sich wahrscheinlich ein nettes Date vorgestellt, Essen gehen, viel reden, Seelenverwandtschaft finden, vielleicht einen Abschiedskuss und irgendwann später dann, wenn deutlich geworden ist, dass man wirklich zueinander passt, Beziehungssex.
Er hatte wahrscheinlich eher gedacht „Geil, die steht auf mich, sonst hätte sie mich ja nicht angesprochen, die mach ich klar“. Es wäre natürlich interessant, ein Foto von „Grace“ zu sehen.

Ein Artikel geht in die gleiche Richtung:

Here’s how the story goes: A young woman, who is given the identity-protecting name “Grace” in the story, was excited to encounter Ansari at a party in Los Angeles, and even though he initially brushed her off, when he saw that they both had the same kind of old-fashioned camera, he paid attention to her and got her number. He texted her when they both got back to New York, asking whether she wanted to go out, and she was so excited, she spent a lot of time choosing her outfit and texting pictures of it to friends. They had a glass of wine at his apartment, and then he rushed her through dinner at an expensive restaurant and brought her back to his apartment. Within minutes of returning, she was sitting on the kitchen counter and he was—apparently consensually—performing oral sex on her (here the older reader’s eyes widen, because this was hardly the first move in the “one-night stands” of yesteryear), but then went on, per her account, to pressure her for sex in a variety of ways that were not honorable. Eventually, overcome by her emotions at the way the night was going, she told him, “You guys are all the fucking same,” and left crying. I thought it was the most significant line in the story: This has happened to her many times before. What led her to believe that this time would be different?

(:::)

Those magazines didn’t prepare teenage girls for sports or stem or huge careers; the kind of world-conquering, taking-numbers strength that is the common language of the most-middle-of-the road cultural products aimed at today’s girls was totally absent. But in one essential aspect they reminded us that we were strong in a way that so many modern girls are weak. They told us over and over again that if a man tried to push you into anything you didn’t want, even just a kiss, you told him flat out you weren’t doing it. If he kept going, you got away from him. You were always to have “mad money” with you: cab fare in case he got “fresh” and then refused to drive you home. They told you to slap him if you had to; they told you to get out of the car and start wailing if you had to. They told you to do whatever it took to stop him from using your body in any way you didn’t want, and under no circumstances to go down without a fight. In so many ways, compared with today’s young women, we were weak; we were being prepared for being wives and mothers, not occupants of the C-Suite. But as far as getting away from a man who was trying to pressure us into sex we didn’t want, we were strong.

Was Grace frozen, terrified, stuck? No. She tells us that she wanted something from Ansari and that she was trying to figure out how to get it. She wanted affection, kindness, attention. Perhaps she hoped to maybe even become the famous man’s girlfriend. He wasn’t interested. What she felt afterward—rejected yet another time, by yet another man—was regret. And what she and the writer who told her story created was 3,000 words of revenge porn. The clinical detail in which the story is told is intended not to validate her account as much as it is to hurt and humiliate Ansari. Together, the two women may have destroyed Ansari’s career, which is now the punishment for every kind of male sexual misconduct, from the grotesque to the disappointing.(…)

The feminist writer and speaker Jessica Valenti tweeted, “A lot of men will read that post about Aziz Ansari and see an everyday, reasonable sexual interaction. But part of what women are saying right now is that what the culture considers ‘normal’ sexual encounters are not working for us, and oftentimes harmful.”

I thought it would take a little longer for the hit squad of privileged young white women to open fire on brown-skinned men. I had assumed that on the basis of intersectionality and all that, they’d stay laser focused on college-educated white men for another few months. But we’re at warp speed now, and the revolution—in many ways so good and so important—is starting to sweep up all sorts of people into its conflagration: the monstrous, the cruel, and the simply unlucky. Apparently there is a whole country full of young women who don’t know how to call a cab, and who have spent a lot of time picking out pretty outfits for dates they hoped would be nights to remember. They’re angry and temporarily powerful, and last night they destroyed a man who didn’t deserve it.

Und ein weiterer Artikel dazu:

I am a proud feminist, and this is what I thought while reading Grace’s story:

If you are hanging out naked with a man, it’s safe to assume he is going to try to have sex with you.

If the inability to choose a pinot noir over a pinot grigio offends you, you can leave right then and there.

If you don’t like the way your date hustles through paying the check, you can say, “I’ve had a lovely evening and I’m going home now.”

If you go home with him and discover he’s a terrible kisser, say “I’m out.”

If you start to hook up and don’t like the way he smells or the way he talks (or doesn’t talk), end it.

If he pressures you to do something you don’t want to do, use a four-letter word, stand up on your two legs and walk out his door.

Aziz Ansari sounds like he was aggressive and selfish and obnoxious that night. Isn’t it heartbreaking and depressing that men — especially ones who present themselves publicly as feminists — so often act this way in private? Shouldn’t we try to change our broken sexual culture? And isn’t it enraging that women are socialized to be docile and accommodating and to put men’s desires before their own? Yes. Yes. Yes.

But the solution to these problems does not begin with women torching men for failing to understand their “nonverbal cues.” It is for women to be more verbal. It’s to say: “This is what turns me on.” It’s to say “I don’t want to do that.” And, yes, sometimes it means saying piss off.

(…)

There is a useful term for what Grace experienced on her night with Mr. Ansari. It’s called “bad sex.” It sucks.

The feminist answer is to push for a culture in which boys and young men are taught that sex does not have to be pursued like they’re in a porn film, and one in which girls and young women are empowered to be bolder, braver and louder about what they want. The insidious attempt by some women to criminalize awkward, gross and entitled sex takes women back to the days of smelling salts and fainting couches. That’s somewhere I, for one, don’t want to go.

Letztendlich sind es verschiedene Auffassungen:

  • Die feministische Auffassung ist, dass er bewußt darauf achten muss, ob es ihr gefällt oder nicht und er nichts machen darf, bei dem er nicht das Gefühl hat, dass sie es mag. Sie hat keine Verantwortung und kann vollkommen passiv sein. Selbst wenn sie aktiv ist und mitmacht, dann trifft ihn noch die Verantwortung dafür, dass er prüfen muss, ob sie gerne mitmacht
  • Die andere Auffassung wäre die, dass beide für den Abend und die von ihnen gesendeten Zeichen verantwortlich sind. Wenn er deutlich macht, dass er mit ihr schlafen will, dann darf er diesen Frame auch aufrechterhalten und eben versuchen mit ihr zu schlafen, solange er Sachen lässt, bei denen sie deutlich macht, dass sie sie nicht will und sich in dem dafür üblichen Rahmen hält. Sie hingegen muss sich bewußt machen, dass er nicht ihren Wünschen für den Abend folgen muss und dann eben entweder gehen oder ganz deutlich machen, dass sie es nicht will und in der Hinsicht konsequent sein, wenn er nicht einlenkt Er schuldet ihr kein „Brav sein“, er muss den Abend nicht so leben, wie sie das möchte und sie muss seinen diesbezüglichen Willen ebenso akzeptieren und daraus Konsequenzen ziehen, schlicht weil sie eine erwachsene Frau ist.

Mir ist die zweite Auffassung sympathischer, weil die andere Sicht mir zu passiv ist.

9 Punkte warum vielen Leuten die #Metoo Kampagne egal ist oder sie diese ablehnen

Arne berichtet über einen Artikel im „neues Deutschland„, einer linken Zeitung, der sich kritisch mit #metoo auseinandersetzt:

Gewalt, Gewalt, Gewalt, Ausbeutung, Unterdrückung, Erniedrigung, Demütigung, Übergriffigkeit, Unsittlichkeit, Unhöflichkeit … Was für eine Welt!

Der MeToo-Aufschrei hallt durch den Blätterwald, er findet vielfältige Resonanz in den Netzwerken und tönt, so scheint es, allüberall. Nur in meinem Umfeld, einem ländlich-kleinstädtischen Raum, wird er offenbar von vielen überhört. Das irritiert mich, und so frage ich nach, bei Frauen.

Das ist aus meiner Sicht nicht nur im ländlicheren Raum so, außerhalb der passenden Filterblasen ist das ganze auch aus meiner Sicht kein so großes Thema.

Die Antworten fallen knapp aus: »Ach so, das, nee, interessiert mich nicht, ist nicht meins.« – »Die machen sich doch nur wichtig, alles Geschäft, armselig.« – »Vor 60 Jahren hat mein Brigadier, ich war 18, zu mir gesagt: ›Ich nagle dich!‹ Erst wusste ich nicht, was das bedeutet, und als ich es wusste, habe ich gesagt: ›Das entfällt.‹ Damit hatte sich das erledigt.« – »Mit so was kann man jeden zur Strecke bringen.« – »Wenn mir jemand die Hand auf die Schenkel legt, schieb ich sie weg, und das war’s. Oder es gefällt mir, und ich gehe darauf ein.« – »Als Überschrift in der Zeitung: ›Männer sind Schweine‹. Also das geht mir zu weit, schon wegen der Schweine, das sind doch ganz tolle Tiere.« – »Wieder so eine Welle, die anderes überspült. Ich habe andere Sorgen.« – »Wenn ein Mann seine Frau zusammenschlägt, ist das etwas anderes, als wenn er ihr am Hintern krabbelt und sie verführen will.« – »Wenn Frauen grundsätzlich etwas gegen Männer haben, finde ich das extrem. Die einen gegen die anderen, da kommt nichts Gutes dabei raus.« – »Lieber mal ein verunglücktes Kompliment als gar keins.« – »Ich bin kein Opfer und will auch keins sein. Opfer ist kein Beruf.«

Das scheinen mir durchaus vernünftige Ansichten zu sein, mit denen man in der Tat besser fährt als mit dem, was die feministische Szene daraus machen will. Die Ansicht „lieber mal ein verunglücktes Kompliment als gar keins“ habe ich auch schon häufig gehört, ebenso Varianten von „wenn mir einer blöd kommt, dann regele ich das selber“

Diese Stimmen sind in keiner Weise repräsentativ. Aber sie gibt es eben auch, und ich frage mich vor dem Hintergrund meiner Forschungen, was da eigentlich passiert und warum die Wahrnehmung dieses Mediensturms nicht einheitlich ist. Mehr oder weniger hypothetisch möchte ich neun Gesichtspunkte nennen.

Man sollte sich eben davor hüten radikale Feministen mit der typischen Frau gleichzusetzen.

Mal sehen, was er hat:

1. Dreifache Viktimisierung

Wenn einer Frau etwas angetan wird, wenn sie sexuelle Gewalt erfährt, wenn sie sexistisch beleidigt und entwürdigt wird, dann wird sie zum Opfer. Doch damit nicht genug. Sie wird zum zweiten Male Opfer, wenn sie nicht in der Lage ist, sich dagegen zu wehren, sich nicht traut, darüber zu sprechen. Sie ist hilflos, das macht sie klein. Scheinbar löst sich ihre Ohnmacht auf, wenn sie sich aufschreienden Berühmtheiten, die öffentlich anklagen, anschließt und im Schutze dieser Prominenz das eigene Schicksal präsentiert. Ihr gesellschaftlicher Status erhöht sich, nicht als Mensch, nicht als Frau, sondern als Opfer, und das ist sie dann gewissermaßen dreifach.

Die Selbstwahrnehmung als Opfer gibt eben auch nicht in jeder Peer Group Bonuspunkte. In den meisten Peer Groups erscheint man damit vielmehr schwach und das macht es unattraktiv sich nur darüber zu definieren. Gerade wenn man noch anderes hat, etwa Beruf, Familie, Kinder hat man damit wahrscheinlich ganz andere Schwerpunkte für eine Identität.

2. Entdifferenzierung

Von der verbalen Entgleisung bis zur rohen Gewalt, von der unangemessenen Berührung bis zur Vergewaltigung wird alles in einen Topf geworfen und als Problem konstruiert. Jeder Differenzierungsversuch – in Talkshows und auf Tagungen ist das gut zu beobachten – wird sofort als Verharmlosung, als Verhöhnung der Opfer, als Identifikation mit Tat und Tätern bewertet. Die Grenze wird zwischen Tat und Nichttat gezogen, zwischen Opfern und Tätern, die Art der Tat ist dann zweitrangig. Wenn aber alles Tat ist, dann geht die Schwere der Tat unter, dann wird diese relativiert.

In der Tat. Wenn jemand seinen Job verliert, weil er vor 15 Jahren mal jemanden belästigt hat, und sei es nur durch eine sexistische Bemerkung, dann können viele schlicht nichts mehr damit anfangen. Ihnen kommt dann der ganze Vorgang merkwürdig vor, schlicht weil man immer wieder bei Teilen denkt „Ist das jetzt wirklich so gravierend?“ oder auch „Also in der gleichen Situation wäre ich mit ihm einfach nicht auf das Hotelzimmer gegangen oder wäre nicht stehengeblieben, während er in eine Topfpflanze wichst“.

3. Sexualisierung

Die hemmungslose Sexualisierung des Nichtsexuellen, wie sie in den westlichen Industriegesellschaften zu beobachten ist, gilt auch für MeToo. Vieles, was mit Sex nichts zu tun hat – die rüde Bemerkung, die herabwürdigende Haltung, die körperliche Gewalt, die Ungleichbehandlung – wird sexuell konnotiert, und diese Zuschreibung emotionalisiert zusätzlich.

Also der Gedanke, dass auch Kleinigkeiten Sexualisiert werden? Vielleicht eher der Umstand, dass jede rüde Bemerkung auch gleich in einen Geschlechterkontext gebracht wird.

4. Lynchjustiz

Der Aufschrei und die Solidarisierung mit dem Aufschrei ist Klage, Anklage, Urteil. Wo ein Opfer ist, ist auch ein Täter. Ist er erkannt und benannt, wendet sich sein Schicksal; er ist erlegt und erledigt, fast egal, was er verbrochen und ob er überhaupt etwas verbrochen hat. Es ist schon erstaunlich, wie in der medialen Öffentlichkeit dieses unzivilisierte Verhalten mit einer Art »Geschieht ihm nur recht«-Gestus toleriert wird. Die Unschuldsvermutung gilt, aber nur für das Opfer. Die Aussagen eines Opfers werden gelegentlich auch Teil eines politischen Machtkampfes. Das Opfer interessiert dann nicht, es wird gewissermaßen für politische Interessen missbraucht.

Das ist in der Tat immer wieder erstaunlich. Es herrscht in der Tat eine Mobmentalität vor, die dadurch beflügelt wird, dass man sich in einem Gruppenkampf zu befinden meint. Männer sind in dieser Denkweise immer schuldig, dem Opfer absolut zu glauben. Und der kleinste Verstoß bedeutet bereits, dass man den anderen Aufknüpfen darf, er wird entlassen, er darf nichts zu seiner Verteidigung vorbringen und das Strafmaß ist absolute Vergeltung und Erklärung zur Persona non Grata.

5. Separierung

Der Sexismus-Diskurs geht mit dem Gewalt-Diskurs einher: Der verletzlichen Frau steht der zu Gewalt und Übergriffen neigende Mann gegenüber. Dieser Standard ist ein Konstrukt. Er hat nichts oder nur wenig mit der Wirklichkeit zu tun. Alle meine empirischen Untersuchungen zeugen von einem veränderten Geschlechterverhältnis, insbesondere im Osten. Die Hauptkampflinie verläuft keineswegs zwischen den beiden Geschlechtergruppen. Längst ist klar: Gesellschaftliche Veränderungen lassen sich nicht im Kampf von Frauen gegen Männer, sondern nur miteinander erreichen. Wer Frauen gegen Männer ausspielt, festigt überholte Bilder von Mann und Frau. Im partnerschaftlichen Alltag gibt es den liebevollen Mann genauso wie die liebevolle Frau, und es gibt ihn, den bösen Mann, aber auch sie, die böse Frau.

Das Feindbild Mann bzw. der Mann als Schuldige und die Frau als Opfer ist in der Tat etwas, was das Klima besonders vergiftet. Und so gut wie alles ist im Feminismus darauf ausgerichtet, dieses System zu verfestigen.

6. Reduzierung

An uralten Schulen kann man manchmal noch die nach Geschlecht getrennten Eingänge erkennen, über denen eingemeißelt wie für alle Zeiten, »Knaben« oder »Mädchen« steht. Die Schüler waren eben keine Menschen, sondern Knaben oder Mädchen. Inzwischen hat sich die Koedukation durchgesetzt, aber die Trennung besteht noch in vielfacher Weise, auch sprachlich, so in der Standardanrede nach Geschlecht, meine Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser. Es scheint, als könne kein Zauber verbinden, was die Mode streng geteilt. Die Separierung der Geschlechter bedeutet zugleich eine Reduzierung. Aus der ganzen Persönlichkeit, die ein Geschlecht hat, wird das Geschlecht, und das wird im Falle von MeToo und dem Sexismus-Diskurs weiter auf Opfer und Täter reduziert. Der Mensch wird verkleinert. Das bringt Unmut hervor.

Man könnte hier auch die Identitätspolitik an sich anführen. Wer auf eine starke Identität abstellt, der muss eben um so strenger unterscheiden, im Feminismus eben in die Guten (=feministische Frauen) und die Bösen (=Männer)

7. Unzulässige Verallgemeinerung

Die scheinlustige Behauptung »Männer sind Schweine« hat viele Aspekte: die Reduzierung eines Menschen auf das Mannsein, die Verhohnepipelung des Begehrens, die Konstruktion von Männern als Täter, die Verschändlichung von Sexualität. Einer der Aspekte ist der Generalverdacht, die plumpe Behauptung, dass Männer eben so sind, die Generalisierung männlicher Gewalt. Die Kriminologin Daniela Klimke moniert: »Die moderne Gefahrenwahrnehmung hat … den normalen Mann als Aggressor im Visier … Männlichkeit erscheint heute als tendenziell übergriffig und gefährlich« (»Die Zeit«, 8.2.2017).

Die Geschlechter absolut setzen ist bereits falsch, sie unterscheiden sich eher in der Ausprägung als absolut. Um so gefährlicher, wenn man von Einzelnen auf die Gruppe überträgt.

Ganz so fürchterlich sieht die Wirklichkeit nicht aus. Ein winziges Beispiel aus meiner deutschlandrepräsentativen Studie »Postmenopause und Sexualität«. Nur (aber immerhin!) ein Prozent der Frauen zwischen 50 und 60 Jahren sagen, ihr Partner würde sie zum Sex zwingen, aber 24 Prozent beklagen, dass sie zu wenig Geschlechtsverkehr hätten. Die allermeisten Partnerbeziehungen sind nicht von sexueller Gewalt geprägt, es sei denn, man geht davon aus, dass Frauen prinzipiell die Immissio penis in einer Opferrolle erleben und jeden heterosexuellen Geschlechtsverkehr als männliche Gewalt sehen.

Auch ein Grund, warum die meisten Frauen mit den feministischen Schreckensszenarien nichts anfangen können: Sie fühlen sich in Beziehungen und mit Männern wohl.

8. Verdunklung

Ungeachtet aller Lust, Sinnlichkeit, Lebensfreude, Liebe und Leidenschaft, die mit dem Sexuellen verbunden sind – oder gerade deswegen -, klingt Sexualität eher verrucht, gelegentlich voller unedler Unter- und Obertöne. Die vorzügliche Annahme lautet: Es gibt dunkle Seiten der Sexualität: anormativ, unmoralisch, widernatürlich, unsittlich, aggressiv, gemeingefährlich, gewalttätig. Die »dunklen Seiten« der Sexualität sind ein Konstrukt, das sexuelles Begehren (Verlangen, Begierde, Trieb) verdächtigt, Böses hervorzubringen, vor allem jenes Begehren, dessen Steuerungsfähigkeit infrage steht. Es gibt aber keine dunklen Seiten der Sexualität, dieses Denken führt zu nichts. Die dunklen Seiten existieren – im Umgang mit Sexualität, in der Gesellschaft, in Organisationen und Gruppen, in Partnerschaft und Familie, und es gibt sie, die dunklen Seiten in der Persönlichkeit – dunkle Seiten, die sich auch im sexuellen Gewande entäußern können. Dafür liefert MeToo viele Beispiele.

Sexualität ist sicherlich etwas triebhaftes. Und es ist mit Wünschen verbunden, die man nicht immer und jedem gegenüber äußern oder offenbaren möchte. Insofern nehmen wir viele Aspekte der Sexualität auch als etwas außerhalb unserer Kontrolle war oder wissen, dass wir uns Geil anders verhalten als Nichtgeil. Aber dennoch können sich die allermeisten in der Hinsicht natürlich beherrschen und handeln nicht ohne Willen. Es sind eben immer wieder Leute, die sich – wie in vielen anderen Bereichen auch – daneben benehmen.

9. Strohfeuerwerk

Manche Vorbehalte gegenüber MeToo sind resignative Distanzierungen. Der Wirbel um MeToo wird als mediale Show aufgefasst, die rasch verblüht und nichts Wesentliches verändert, ja – so die Allerskeptischsten -, die nicht die Veränderung, sondern die Offenbarung von Opfern und Tätern zum Ziel hat. Vielleicht kommt es zu wohlfeilen Gesetzesverschärfungen, wie bisher vorzugsweise im Sexualstrafrecht.

Aber an den Grundfesten wird nicht gerüttelt, nicht an der ungehemmten neoliberalistischen Ausbeutung insbesondere der Schwächeren, nicht an ungeniertem Ausspielen von Mehrheiten gegen Minderheiten und von Minderheiten gegen Minderheiten, nicht an der findigen Aushöhlung der Gleichberechtigung der Geschlechter, nicht an der finsteren Reproduktion konservativer Leitbilder von Frau und Mann …

Sie verändern insbesondere nichts wesentliches, weil der sexuelle Markt bleibt wie er ist. Männer haben nach wie vor ein anderes Verhältnis zu casual Sex und wünschen sich wesentlich mehr Sexualpartner als Frauen, Macht und Status verleihen ihnen immer noch eine Position, die sie da leichter rankommen lassen oder in denen sie auch mit schlechten Verhalten eher durchkommen und es daher eher riskieren. Und natürlich auch: Bei den Mächtigen lohnt es sich auch eher Sex einzusetzen um Gefälligkeiten von ihnen zu bekommen oder von ihnen entsprechend wahrgenommen zu werden.

Zusammengefasst: Die vorherrschende MeToo-Bewertung hat einen emanzipatorischen Anspruch, ist frauenzugewandt und strukturanalytisch teilweise stark. Zugleich hat sie gelegentlich nicht nur einen männerfeindlichen, sondern auch einen frauenfeindlichen und altklassisch sexualfeindlichen Akzent.

Frauen und Männer leben mit der medialen Ambivalenz des Sexuellen und mit den ätzenden Attacken auf ihr Geschlecht, und zweifellos werden sie in dieser oder jener Weise davon beeindruckt. Sie müssen damit zurechtkommen, dass sie – wie in der Sexismusdebatte – als Persönlichkeit auf ihr Geschlecht reduziert werden, so als gebe es nicht Junge und Alte, Arme und Reiche, Berufstätige und Arbeitslose, Gesunde und Kranke, Ost-, Nord-, Süd-, Westdeutsche, Hiesige und Zugereiste, Religiöse und Atheisten, Feinfühlige und Fläze.

Wie er sehr richtig schreibt müssen Männer auch damit leben, dass sie reduziert werden- sie werden eben nicht auf ihren Körper oder ihre sexuelle Verfügbarkeit reduziert, sondern dann eben auf Status und Ressourcen oder auch nur auf Sachen wie Körpergröße etc.

Mit einigem Selbstbewusstsein stemmen sich Frauen wie Männer dagegen. Speziell in Bezug auf Sexualität lässt sich in meinen Untersuchungen eine negative Konnotation von Geschlecht und von Sexualität nicht oder nicht durchgängig finden. Die meisten haben einen positiven Begriff von ihrem eigenen wie von dem anderen Geschlecht, und von dem Geschlecht wie von der Sexualität erwarten sie zwar nicht alles Heil, aber auch nicht prinzipiell Unheil, so wie sie sich selbst auch nicht als Heils- oder Unheilsbringer standardisieren lassen wollen, nicht als Frau und nicht als Mann.

Das man eine positive Meinung vom anderen Geschlecht haben kann, dass man seine eigene Weiblichkeit oder Männlichkeit und die der anderen Menschen schätzen kann, dass man sogar männliche Männer und weibliche Frauen attraktiv findet, dass ist etwas, was Feministinnen wahrscheinlich in ihren Theorien nicht unterbringen können. Dabei ist es so einfach.

Begehren und Begehrtwerden sind für die meisten Menschen ein Lebenselixier, bis ins hohe Alter. Sie lassen sich Liebe und Lust auf- und aneinander nicht austreiben, schon gar nicht durch eine Debatte, der die Substanz verloren geht.

In der Tat ist beides eines der wichtigsten Themen für viele Menschen und ihre Liebesbeziehungen sind ihnen sehr wichtig. Sie tun gut daran, sie nicht vergiften zu lassen.

„Ich habe meine Sexualität unterdrückt, weil man mir eingeredet hat, sie sei Schuld an allem“

Auf dem Blog von Sternenleben fand ich einen interessanten Kommentar:

Mir ging es jahrelang so, dass ich mich nicht getraut habe, irgendwelche Zeichen des Interesses an Mädchen zu senden. Denn jedes Mal habe ich mich in Gedanken verstrickt, ob ich zu aufdringlich bin, oder etwas mache, was sie nicht will, etc. Obwohl mir durch mein großes Hobby Gesellschaftstanz Berührungen selbstverständlich waren, so habe ich doch das sexuelle in mir stets verschlossen gehalten.

Wie groß die sexuelle Verunsicherung ist, sehe ich jetzt, da ich seit einem viertel Jahr eine Freundin habe. Es fällt mir unglaublich schwer, mich ihr auf irgendeine Art sexuell zu nähern, denn immer habe ich die große Angst, von ihr „nur für einen triebgesteuerten Mann“ gehalten zu werden, auch wenn sie mir sagt, dass das vollkommen in Ordnung ist. Ein schlechtes Männerbild hat sich bei mir so stark eingeprägt (auch durch das Elternhaus, in dem mein Vater nichts zu sagen hatte und „immer schuld war“), dass meine Sexualität nichts mehr zu melden hat. Sogar jetzt, wo ich weiß was die Ursache ist (schlechtes Männerbild, „Männer sind triebgesteuerte A*schlöcher, die nur das Eine im Sinn haben und danach Abhauen vor jeglicher Verantwortung usw.“ => Ich will nicht so sein) kann ich mich dennoch nicht dagegen wehren.

Durch die dauerhafte Beschäftigung damit („Bin ich zu aufdringlich, komme ich ihr zu nahe“) sind mir sicher so einige Signale, die Frauen mir gesendet haben entgangen. Meine Freundin hat da sehr stark die Initiative ergriffen, sonst wäre mir das auch entgangen. Wie fein solche Signale sein können, ist mir erst einige Monate später aufgefallen, als ich dafür sensibilisiert war und diese bei einer Kommilitonin festgestellt habe. Früher hätte ich darauf nie reagiert, denn dazu hätte ich ihr ja sexuell nahe kommen müssen. Jetzt reagiere ich nicht, da ich meiner Freundin treu bin, aber es fällt mir auf.

Immer in der Angst zu leben, sie zu belästigen, und der nächste Schritt könnte zu weit sein, führt dazu, keine Schritte mehr zu machen. Das mag ganz schön für Freundschaften sein, zerstört aber jede Basis für eine Beziehung im Keim. Denn man kann sie nicht anfangen.

Und da möchte ich auf dein Zitat zurückgreifen und dir erzählen wie das schlechte Männerbild entstanden ist: Jahrelang habe ich in den Nachrichten und „von der Welt“ gesagt bekommen, dass Männer übergriffig, gewalttätig, verantwortungslos, etc. sind. Jeden Monat gab es einen neuen Skandal über irgendeinen Mann irgendwo auf der Welt der über die Stränge geschlagen hat. Und immer war das begleitet mit einem Aufruf an die Männer „nur ja nicht so zu sein“. Das ist das was man *Männern täglich sagt*.

Und in meinem Willen, gut zu den Menschen zu sein, habe ich meine Sexualität unterdrückt, weil man mir eingeredet hat, sie sei Schuld an allem. Das hat mich nicht glücklich gemacht, denn für die Mädchen, in die ich mich damals verliebt habe, war männliche Sexualität essentiell für eine Beziehung, sodass diese nicht zustandegekommen ist (wie gesagt, sie konnte nicht anfangen, da ich keine Berührung dieser Art einsetzen konnte, weil ich meinte diese wäre übergriffig). Deshalb hatte ich vier unerfüllte Lieben, die alle sehr schmerzhaft für mich waren. Außerdem haben sie mein Selbstwertgefühl zerstört (Ich, der Mann den man nicht lieben kann), was nochmal sehr sehr schmerzhaft war (übrigens „nur“ vier, weil ich dazwischen oft für sehr lange Zeit „außer Gefecht gesetzt war“ und nachtrauerte).

„Wenn du aber dein ganzes Leben lang erzählt bekommst, dass du nur aufgrund von deinem Geschlecht [übergriffig bist] oder [sexuell belästigst], dann beginnen viele das zu glauben.“

Im Nachhinein ist das natürlich dennoch wunderbar, denn so konnte ich auf meine unvergleichliche Freudin warten, die mich mit ihrer Unterstützung und Akzeptanz (so, wie ich bin) für alles entschädigt, was vorher war.

Doch etwas derartiges muss nicht sein. Bei meinem Bruder sehe ich die selben Anzeichen. Er wurde lange von einem Mädchen umschwärmt, die sich wirklich für ihn interessiert hat und die sehr nett gewesen wäre, doch er hat das nicht wahrgenommen. Und in meinem Bekanntenkreis gibt es auch Leute, die damit Schwierigkeiten haben. Sie alle sind gebildet und „von Natur aus“ nette Menschen, die für alle das Beste wollen, und das in diesem Fall auf eigene Kosten.

Es trifft uns alle, dass wir Dinge erzählt bekommen und mit Vorurteilen angegriffen werden. Mit jedem Bericht über eine Frau, die „nicht einparken kann“ oder „für Technik zu doof ist“ wird dein Frauenbild geformt. Mit jedem Bericht über einen Mann, der „sexuell übergriffig war“ oder „sie begrapscht hat“ wird mein Männerbild geformt. Und beides ist nicht gut – aber betroffen sind wir beide.

Die Einsicht, dass schüchtern und zurückhaltend nichts bringt und man dann schlicht Single bleibt, bis eine Frau dann einfach doch mal so aktiv ist, dass es trotzdem klappt, habe ich auch gemacht.

Gut, der Kommentator scheint mir hier sehr schüchtern zu sein. Denn bei seiner eigenen Freundin sollte sich ja diese Angst eigentlich schnell legen, wenn er eine Weile mit ihr zusammen war. Aber auch das ist natürlich eine Typsache und die Frage, wie sehr man sich von feministischen Vorstellungen beeinflussen lässt, dass Frauen allesamt Mimosen sind, die jeden Gedanken an Sex als Übergriff ansehen, auch bei ihrem Freund.

Tatsächlich sind die feministischen Theorien da eher weit entfernt von der Realtität: Die meisten Frauen mögen tatsächlich lieber Männer, die „sich etwas trauen“ (jedenfalls mit einem gewissen sozialen Gespür) als zu schüchterne Männer, die nie den ersten Schritt machen. Und viele mögen es auch, wenn es etwas Hin und Her gibt, wenn ein Mann sie „erobert“ oder sexuelle Spannung aufbaut und danach handelt.

Natürlich gibt es es aber nicht entweder „belästigend“ oder „auf ewig alleine“. Das Problem dürfte eher sein, dass viele Männer zwar Interesse bemerken, aber keine Ahnung haben, wie sie vom Plaudern zum Mehr als Plaudern kommen.

Es gibt aber auch ansonsten weitaus eher als der Feminismus das vertritt eine Grauzone, in der man nicht übergriffig ist, aber frech, in denen man auch Grenzen überschreitet, aber das durchaus eben gewollt sein kann. Ich hatte schon mal etwas geschrieben, was in die Richtung geht und mich etwas an den oberen Text erinnert:

Ich muss etwas gestehen: Auch ich war früher, noch lange bevor ich über Pickup überhaupt etwas gehört hatte, ein „Nein-heißt-Nein“-Vertreter. Wenn eine Frau leichten Widerstand zeigte habe ich mich zurückgezogen, mit ihr darüber geredet, darauf gewartet, dass sie in ihrem Tempo vorgeht. Wer hat das geändert? Frauen selbst!

Typische Konversationen in dieser Zeit waren: „Warum hatten wir eigentlich nie was?“ Du hättest ja was machen können?“ Aber du hast nein gesagt?“ „Du darfst halt nicht so schnell aufgeben“.

Im Partynachgespräch meinte ich zu einer Freundin, dass der Eine ja recht aggressiv vorgegangen wäre, ich hatte schon überlegt, ob ich einschreiten soll. Die Antwort war zuverlässig ein „Immerhin hat er was versucht, auch wenn es vielleicht etwas viel war. Besser als jemand, der sich nichts traut“.

Ich hatte eine Freundin, bei der eine gewisse erotische Spannung in der Luft lag, die mich besuchte und (mit eigener Decke) in meinem Bett schlief. Vor dem Hinlegen sagte sie „Wenn du was versuchst, dann schneide ich dir den Schwanz ab“. Natürlich mit einem Grinsen. Also versuchte ich nichts. Wieder folgte eines dieser Gespräche. Und wieder ein „Du hättest ja was versuchen können“. Das tat ich das nächste Mal, trotz eines ähnlichen Spruches. Natürlich hatten wir Sex.

Auch beim Sex selbst war es nichts anderes. Frauen sagten, dass sie beim ersten Date nie mit einem Mann schlafen würden. Brachten alle möglichen Neins. Und dann, wenn man immer neue Versuche an dem Abend machte – als hätten sie jetzt genug deutlich gemacht, dass sie ja anständige Mädchen waren – hatte man wunderbaren Sex.

Frauen, die die ganze Zeit erzählten, dass man nicht einfach so Sex haben sollte, es wäre nicht richtig. Und ich habe ihnen die meiste Zeit über zugestimmt und auch gesagt, dass ich es nicht gut finde, aber DAS würde sich richtig gut anfühlen.

Ich hatte eine Frau, die etwas Angst vor Sex hatte und bei der es etwa 20 Versuche, immer mit kurzen Pausen brauchte, die sie alle abwehrte und die ich immer wieder neu, allerdings recht vorsichtig aufgenommen hatte, die mir hinterher sagte, dass sie gerade dadurch, dass sie wusste, dass ich ruhig darauf reagiere und wieder anfange, obwohl sie nein gesagt hatte, langsam die Sicherheit aufbauen konnte mit mir zu schlafen.

Ich hatte Sex, bei dem jeder einzelne neue Schritt zurückgehalten und erobert werden musste und es war dem Sex keineswegs abträglich.

(Ich hatte auch Sex, bei den es kein Nein und keinen Widerstand gab)

Sex ist nicht nur Ja und Nein. Nicht nur Lust und Belästigung. Es gibt eine Mittelzone, die sicherlich viel mit Rollenbildern (seien sie biologisch oder kulturell) zu tun hat. Frauen mögen, denke ich, Männer im Schnitt lieber, die es schaffen sich – nach entsprechenden Signalen – in diese Mittelzone vorzuwagen und die Sache voranzubringen als Männer, die zu vorsichtig sind. Sie wissen, dass sie den allermeisten Männern deutlich machen können, dass sie außerhalb der Mittelzone sind und diese es dann lassen. Frauen vorzuschreiben sich klar und deutlich zu verhalten scheint mir eher „hegemoniale Männlichkeit“ zu sein als der andere Weg.

Und auch mein Versuch ein „Nein“ mal mit dem Thunschen Kommunikationsquadrat zu analysieren, passt dazu: Auch ein „Nein“ muss eben nicht bedeuten, dass man sie belästigt hat, es kann auch viele andere Inhalte haben:

Nein heißt Nein betrifft die Sachebene. Nein heißt Nein.

  • In der Selbstoffenbarung kann Nein heißen, dass die Neinsagerin deutlich machen, dass ihre Wert einen One-Night-Stand nicht zulassen oder aber auch nur, dass sie deutlich machen will, dass sie nicht mit jedem ins Bett steigt, sondern es schon ein besonderer Anlass sein muss oder aber, dass sie diese bestimmte Handlung nicht mag oder aber, dass es ihr zu schnell geht und sie noch etwas mehr Sicherheit benötigt, dass er sie nicht verurteilt oder sie als Schlampe abwertet. Dies alles steht nicht zwangsläufig gegen Sex.
  • in der Beziehungsebene kann mit dem Nein angesprochen werden, dass man sich zu fremd für Sex ist oder aber auch nur, dass sie sich nicht klar ist, ob man eher ein Freund ist oder wirklich auch ein Liebhaber. Vielleicht will sie deutlich machen, dass sie nicht nur eine Bettgeschichte ist oder nicht nur eine Kerbe in seinem Bettpfosten, sondern sicher sein muss, dass sie danach in einer respektvollen Beziehung stehen werden.
  • der Appell kann sein, dass man sofort aufhören soll, er kann aber auch sein „versichere mir, dass du mich liebst/auch nach dem Sex noch an mir interessiert bist/unsere Freundschaft nicht kaputt geht/du nicht jedem erzählen wirst, dass ich mich dir geschlafen habe und ich als Schlampe dastehe/du einfühlsam sein wirst/du meine Grenzen beim Sex akzeptierst.

Das alles beseitigt aber nicht die Probleme damit, wie man vorgeht, ohne zu belästigen.

Es wird wenig verwundern, dass ich hier dazu rate, sich mal mit Pickup vertraut zu machen:

Da hätten wir erst einmal das recht einfache 3M System:

The attraction phase is divided into :

A1 – Approach

A2 – Attracting the HB or Female-to-male Interest

A3 – Male-to-Female Interest

The comfort phase is divided into :

C1 – Building rapport

C2 – Building emotional connection and physical connection

C3 – Intimacy

The seduction phase is divided into :

S1 – Foreplay

S2 – LMR

S3 – Sex

Wenn man daraus mitnimmt, dass körperliches im wesentlichen erst in der Phase C2 stattfindet, dann kann man sich bewußt machen, dass man davor noch viele Phasen hat, die in ganz ohne Belästigung in eine normale Konversation eingebunden werden können.

Und man sieht auch, dass der Schritt nachdem sie einem Zeichen gesendet hat, dass sie einen gut findet, einfach der ist, dass man nun etwas an ihr entdecken kann, was toll ist, wobei man etwas finden sollte, was nicht einfach gutes Aussehen ist, sondern etwas darüber hinaus, also dass man in ihr etwas sieht, was andere nicht haben, und sie deswegen respektiert und schätzt.

Ich finde den einfachsten Weg dorthin, sie etwas herauszufordern, beispielsweise, in den man auf eine freche Weise witzig ist (cocky/funny) oder etwas push und Pull macht und dann gut zu finden, wenn sie kontert. Aber da muss eben jeder seinen eigenen Stil finden.

Das nächste wäre dann eine Verbindung mit ihr aufzubauen, eben Comfort.

Ein zweiter wichtiger Punkt wäre, dass man eben nicht gleich zu radikal werden muss, Körperkontakt ist etwas, was auch in „kleinen Dosen“ schon sehr viel aussagt. Es reicht vollkommen, sie zunächst beiläufig am Arm zu berühren etc.

Im Pickup läuft das unter Escaltion Ladder. Beispiele finden sich zB hier:

• Hände schütteln
• Arme streifen
• Leichtes Berühren ihrer Arme zur Betonung deiner Standpunkte
• Leichtes Berühren ihres Ellbogens während des Gesprächs
• Nähe beim Gespräch bis zum gegenseitigen Berühren der Arme

• Umarmung von vorne (am besten als positive Reaktion auf eine verständnisvolle Aussage ihrerseits)
• Begleiten durch die Bar mit der Hand auf ihrem unteren Rücken
• Lege ihr Bein über deins, wenn du neben ihr sitzt
• Sie sanft seitlich am Bauch halten, wenn ihr euch zum Reden hinsetzt
• Ihre Hand auf deinen Oberschenkel legen

• Etwas aus ihrem Gesicht streichen oder so tun als ob
• In lauter Umgebung beim Reden nahe an sie heranrücken, bis sich eure Gesichter leicht berühren
• Berühren einer hübschen Halskette, die sie trägt, und dabei leicht die Finger über ihre Schulter oder Hals streifen lassen
• Spielerisch die Wangen zwicken, Haare zur Seite streichen

• Ihren Kopf auf deine Schulter legen
• An ihrem Hals schnuppern
• Leichte Berührung am Nacken vor dem Kuss bei direktem Blickkontakt
• Mit den Fingern in ihrem Haar kraulen vor dem Kuss bei direktem Blickkontakt
• Leichtes Berühren ihres Halses mit der Handfläche vor dem Kuss bei direktem Blickkontakt

Hier gehen die Berührungen von solchen, die sozial akzeptiert sind, über solche, die man auch als zufällig und unabsichtlich darstellen kann bis zu solchen, die deutlich gewollt und absichtlich sind.

Natürlich noch einmal zu diesen Punkten: Schema und Beispiele dienen dazu, dass man eine Orientierung hat, sie sind kein verbindlicher Plan, den man zwingend abarbeiten muss. Bei passenden Signalen kann es auch schlicht das Passende sein, gleich rumzuknutschen. Es geht nur darum, dass man einmal aufzeigt, dass man auch so etwas sich langsam steigern lassen kann.

Ich brauche den Feminismus, weil es sexuelle Belästigungen gibt

Sternenleben schreibt in einem Blogbeitrag:

Eine kleine Ankündigung vorweg: Ich als Feministin setze mich für beide Geschlechter ein. Nachdem ich in den letzten Tagen aber sehr oft zu Ohren bekommen habe, Feminismus sei unnötig, weil Frauen überhaupt nicht mehr diskriminiert werden (bzw Sexismus erfahren) würden, hoffe ich das nun zumindest ein Stück weit widerlegen zu können.

Die am 5. März veröffentlichte Studie befragte EU-weit 42.000 Frauen, darunter 1.500 in Deutschland. 33 Prozent der Frauen auf EU-Ebene gaben demnach an, seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren zu haben. 55 Prozent haben seitdem sexuelle Belästigung erlebt, in Deutschland sind es sogar 60 Prozent. Dazu zählen zum Beispiel unerwünschte Berührungen, Umarmungen oder Küsse. 33 Prozent der betroffenen Frauen in Deutschland gaben an, die sexuelle Belästigung im Arbeitsumfeld erlebt zu haben.

Ich bin ja, wie an anderer Stelle schon geäußert, sehr dafür, dass man Zahlen zu der Lage eines Geschlechts nicht mehr veröffentlichen können sollte, wenn man nicht die Zahlen auch für das andere Geschlecht ermittelt.

Denn was sagt der Wert „33% der Frauen“ aus, wenn darunter jede körperliche oder sexuelle Gewalt zu verstehen ist, man aber nicht weiß, ob das nun besonders viel oder wenig ist.

Ich finde die Zahl sogar erstaunlich niedrig, denn ich behaupte einmal je nach Betrachtung hat wahrscheinlich jeder Mann schon einmal körperliche Gewalt erfahren. Und das müssen noch nicht einmal nur die Raufereien oder ähnliches sein. Genug Frauen finden zB nichts dabei einem bei einem frechen Spruch unter Freunden, also nichts anzügliches, sondern etwas Frotzelei, auf den Arm zu schlagen.  Und „unerwünschte Umarmungen“ hatte ich natürlich auch schon, wer eigentlich nicht?

Es ist das ewige Problem aller Gewaltstudien: Um so weicher man den Gewaltbegriff macht, um so höher sind die Zahlen.

Hier mal ein Gegenbeispiel:

Sexual coercion is a pervasive problem but rarely examined in men. This study examined sexual coercion and psychosocial correlates among 284 diverse adolescent and emerging adult males in high school and college. Over 4 in 10 participants (43%) experienced sexual coercion: more specifically, the participants reported: verbal coercion (31%, n = 86), seduction coercion (26%, n = 73), physical coercion (18% n = 52), and substance coercion (7%, n = 19).

Also 43% aller Männer haben schon sexuellen Zwang erfahren! Wir brauchen Maskulismus!

Viel wichtiger wäre es, die frage zu stellen, ob sie es als größeres Problem angesehen haben und da ist diese Studie ganz interessant:

When a University of Michigan researcher surveyed 3,000 students about sexual assault, he found only 3.6 percent of sexual assault victims told an official resource. When he asked why, he was unprepared for the most common write-in response.

„The most common set of words written in by our students was ‚it was no big deal,’“ said U-M’s William Axinn, professor of sociology and former director of the Survey Research Center at the U-M Institute for Social Research.

Und das kann eben durchaus der Fall sein, weil bei einem Flirtversuch der etwas zu schnelle Kussversuch zwar nicht gewollt sein kann, aber als legitimer Versuch oder Fehlereinschätzung, die passieren kann, eingestuft werden kann. Weil ein Schubsen bei einem Beziehungsstreit oder eine Beleidigung oder sogar eine leichte Drohung in dem Bereich etwas ist, was eben in der Hitze eines Streites rausrutscht, es den Frauen auch passiert und es dann eben auch nach der Versöhnung schnell wieder vergessen ist.

Aber das ist noch nicht einmal das, auf das ich hinaus wollte:

Was eigentlich fehlt ist die Frage, ob der gegenwärtige Feminismus überhaupt ein Mittel bereit stellt, dass wirksam sein kann.

Aus meiner Sicht ist das gegenwärtig nicht der Fall. Es ist eine naive Vorstellung, dass man Leute dazu erziehen kann, dass sie nicht mehr belästigen, keine Gewalt ausüben oder sonst plötzlich gute Leute werden. Es ist um so naiver, wenn man meint, dass die feministischen Theorien dies bewirken würden, die vollkommen lebensfremde Vorstellungen davon haben, wie die Geschlechter miteinander umgehen sollen.

Eher macht der gegenwärtige Feminismus alles schlimmer. Denn er führt an, dass man sich nicht selbst schützen soll, dass die Männer sich ändern sollen oder das alles eine Belästigung ist, so dass letztendlich kein vernünftiger Weg zum flirten übrig bleibt.

In dem Artikel werden die folgenden Beispiele angeführt:

Ich bin 16 und habe sie schon am eigenen Leib erlebt. Bis jetzt gibt es nur wenige Menschen, mit denen ich offen darüber gesprochen habe, selbst meine Eltern wissen bis jetzt nichts davon. Warum? Aus Scham. Was küsse ich auch einen Menschen, den ich bis jetzt gerade nicht kannte? Ja, ich habe nein gesagt, aber er hat mich weiter angefasst, auch nachdem ich ihn versucht habe, wegzuschieben. Ich konnte nichts tun und war mit der Situation heillos überfordert. Als ich es dann irgendwann geschafft habe, zu gehen bin ich zu meiner Familie zurückgekehrt und habe mich verhalten, als wäre nichts gewesen. Nichtsdestotrotz ist es „meine Schuld“ – denn ich habe ihm ja Hoffnungen gemacht. Bin mit ihm mit, in die dunklere Ecke gegangen. Trotzdem war es nicht ok, dass er das gemacht hat.

Wie soll ihr Feminismus jetzt in der Situation helfen? Meint sie wirklich, dass dieser Mensch umzuerziehen gewesen wäre? Der einzige Weg dies zu vermeiden scheint eine sehr vorsichtige Auswahl er Männer zu sein, mit denen man sich einlässt. Das muss noch nicht einmal etwas mit Schuld zu tun haben.Aber da hilft einem der Feminismus nicht weiter. Sie kann natürlich eine Verschärfung des Sexualstrafrechts fordern. Aber bereits jetzt haben sie ja ganz andere Sachen abgehalten, ihn anzuzeigen, eben ihre Scham.

Als eine Freundin von mir neulich feiern war, wurde sie von einem Typen angegrapscht. Eine andere Freundin wurde beim Tanzen von hinten angemacht und aus ihrer Erzählung wörtlich hat er ihr „seinen Schwanz zwischen die Beine gepresst“ – Ungefragt, auch nach Zurückweisung hörte er nicht auf.

Auch hier die Frage: Was soll der Feminismus da eigentlich erreichen? Eher verschleiert er doch mit seinem Gerede von der Rape Culture die Dynamiken, die sich dort abspielen.

Es wäre weitaus effektiver, wenn sie nicht einfach Feminismus fordert, sondern entweder konkrete Maßnahmen (etwa eine verschärftes Sexualstrafrecht oder eine Aufhebung der Unschuldsvermutung wenn sie so weit gehen will).

Ihre Aufforderung:

Was man dagegen tun kann? Bringt euren Kindern, euren Mitmenschen Respekt bei. Hört auf Mädchen, die sich freizügig kleiden, als Schlampe zu bezeichnen. Hört auf über Jungs zu sagen „es sind halt Jungen“ wenn sie sexistische Kommentare machen. Seid respektvoll im Umgang miteinander und erklärt Opfern, dass es niemals ihre eigene Schuld ist. Bringt solche Delikte zur Anklage. Diese Menschen haben es verdient, bestraft zu werden.

Wie soll man mit Feminismus Leuten Respekt beibringen? Gerade im Feminismus scheint es trotz aller Kenntnis von feministischen Theorien immer wieder zu Übergriffen zu kommen.

Feminismus ist schon für viele Frauen nicht attraktiv, weil sie zum einen männliche Männer mögen, die aktiv sind und nicht super vorsichtig, und die eher etwas versuchen als zu passiv zu sein. Aber auch, weil sie gerne über andere Frauen lästern und sie als Schlampen bezeichnen. Es ist eben intrasexuelle Konkurrenz und die ist schwer auszuschalten.

Tatsächlich dürfte der Slogan, „Ich brauche (gemäßigtes) Pickup, weil es zuviele sexuelle Belästigungen gibt“ weitaus mehr Kausalität haben. Denn dann hätte der Handelnde sie nicht einfach begrabschen müssen, sondern eine vernünftige Eskalationsreihenfolge eingehalten bei der er dann eben andere Handlungsoptionen gehabt hätte und sich hätte bewußt machen können, dass Verführung Vertrauen braucht.