„Ich habe meine Sexualität unterdrückt, weil man mir eingeredet hat, sie sei Schuld an allem“

Auf dem Blog von Sternenleben fand ich einen interessanten Kommentar:

Mir ging es jahrelang so, dass ich mich nicht getraut habe, irgendwelche Zeichen des Interesses an Mädchen zu senden. Denn jedes Mal habe ich mich in Gedanken verstrickt, ob ich zu aufdringlich bin, oder etwas mache, was sie nicht will, etc. Obwohl mir durch mein großes Hobby Gesellschaftstanz Berührungen selbstverständlich waren, so habe ich doch das sexuelle in mir stets verschlossen gehalten.

Wie groß die sexuelle Verunsicherung ist, sehe ich jetzt, da ich seit einem viertel Jahr eine Freundin habe. Es fällt mir unglaublich schwer, mich ihr auf irgendeine Art sexuell zu nähern, denn immer habe ich die große Angst, von ihr „nur für einen triebgesteuerten Mann“ gehalten zu werden, auch wenn sie mir sagt, dass das vollkommen in Ordnung ist. Ein schlechtes Männerbild hat sich bei mir so stark eingeprägt (auch durch das Elternhaus, in dem mein Vater nichts zu sagen hatte und „immer schuld war“), dass meine Sexualität nichts mehr zu melden hat. Sogar jetzt, wo ich weiß was die Ursache ist (schlechtes Männerbild, „Männer sind triebgesteuerte A*schlöcher, die nur das Eine im Sinn haben und danach Abhauen vor jeglicher Verantwortung usw.“ => Ich will nicht so sein) kann ich mich dennoch nicht dagegen wehren.

Durch die dauerhafte Beschäftigung damit („Bin ich zu aufdringlich, komme ich ihr zu nahe“) sind mir sicher so einige Signale, die Frauen mir gesendet haben entgangen. Meine Freundin hat da sehr stark die Initiative ergriffen, sonst wäre mir das auch entgangen. Wie fein solche Signale sein können, ist mir erst einige Monate später aufgefallen, als ich dafür sensibilisiert war und diese bei einer Kommilitonin festgestellt habe. Früher hätte ich darauf nie reagiert, denn dazu hätte ich ihr ja sexuell nahe kommen müssen. Jetzt reagiere ich nicht, da ich meiner Freundin treu bin, aber es fällt mir auf.

Immer in der Angst zu leben, sie zu belästigen, und der nächste Schritt könnte zu weit sein, führt dazu, keine Schritte mehr zu machen. Das mag ganz schön für Freundschaften sein, zerstört aber jede Basis für eine Beziehung im Keim. Denn man kann sie nicht anfangen.

Und da möchte ich auf dein Zitat zurückgreifen und dir erzählen wie das schlechte Männerbild entstanden ist: Jahrelang habe ich in den Nachrichten und „von der Welt“ gesagt bekommen, dass Männer übergriffig, gewalttätig, verantwortungslos, etc. sind. Jeden Monat gab es einen neuen Skandal über irgendeinen Mann irgendwo auf der Welt der über die Stränge geschlagen hat. Und immer war das begleitet mit einem Aufruf an die Männer „nur ja nicht so zu sein“. Das ist das was man *Männern täglich sagt*.

Und in meinem Willen, gut zu den Menschen zu sein, habe ich meine Sexualität unterdrückt, weil man mir eingeredet hat, sie sei Schuld an allem. Das hat mich nicht glücklich gemacht, denn für die Mädchen, in die ich mich damals verliebt habe, war männliche Sexualität essentiell für eine Beziehung, sodass diese nicht zustandegekommen ist (wie gesagt, sie konnte nicht anfangen, da ich keine Berührung dieser Art einsetzen konnte, weil ich meinte diese wäre übergriffig). Deshalb hatte ich vier unerfüllte Lieben, die alle sehr schmerzhaft für mich waren. Außerdem haben sie mein Selbstwertgefühl zerstört (Ich, der Mann den man nicht lieben kann), was nochmal sehr sehr schmerzhaft war (übrigens „nur“ vier, weil ich dazwischen oft für sehr lange Zeit „außer Gefecht gesetzt war“ und nachtrauerte).

„Wenn du aber dein ganzes Leben lang erzählt bekommst, dass du nur aufgrund von deinem Geschlecht [übergriffig bist] oder [sexuell belästigst], dann beginnen viele das zu glauben.“

Im Nachhinein ist das natürlich dennoch wunderbar, denn so konnte ich auf meine unvergleichliche Freudin warten, die mich mit ihrer Unterstützung und Akzeptanz (so, wie ich bin) für alles entschädigt, was vorher war.

Doch etwas derartiges muss nicht sein. Bei meinem Bruder sehe ich die selben Anzeichen. Er wurde lange von einem Mädchen umschwärmt, die sich wirklich für ihn interessiert hat und die sehr nett gewesen wäre, doch er hat das nicht wahrgenommen. Und in meinem Bekanntenkreis gibt es auch Leute, die damit Schwierigkeiten haben. Sie alle sind gebildet und „von Natur aus“ nette Menschen, die für alle das Beste wollen, und das in diesem Fall auf eigene Kosten.

Es trifft uns alle, dass wir Dinge erzählt bekommen und mit Vorurteilen angegriffen werden. Mit jedem Bericht über eine Frau, die „nicht einparken kann“ oder „für Technik zu doof ist“ wird dein Frauenbild geformt. Mit jedem Bericht über einen Mann, der „sexuell übergriffig war“ oder „sie begrapscht hat“ wird mein Männerbild geformt. Und beides ist nicht gut – aber betroffen sind wir beide.

Die Einsicht, dass schüchtern und zurückhaltend nichts bringt und man dann schlicht Single bleibt, bis eine Frau dann einfach doch mal so aktiv ist, dass es trotzdem klappt, habe ich auch gemacht.

Gut, der Kommentator scheint mir hier sehr schüchtern zu sein. Denn bei seiner eigenen Freundin sollte sich ja diese Angst eigentlich schnell legen, wenn er eine Weile mit ihr zusammen war. Aber auch das ist natürlich eine Typsache und die Frage, wie sehr man sich von feministischen Vorstellungen beeinflussen lässt, dass Frauen allesamt Mimosen sind, die jeden Gedanken an Sex als Übergriff ansehen, auch bei ihrem Freund.

Tatsächlich sind die feministischen Theorien da eher weit entfernt von der Realtität: Die meisten Frauen mögen tatsächlich lieber Männer, die „sich etwas trauen“ (jedenfalls mit einem gewissen sozialen Gespür) als zu schüchterne Männer, die nie den ersten Schritt machen. Und viele mögen es auch, wenn es etwas Hin und Her gibt, wenn ein Mann sie „erobert“ oder sexuelle Spannung aufbaut und danach handelt.

Natürlich gibt es es aber nicht entweder „belästigend“ oder „auf ewig alleine“. Das Problem dürfte eher sein, dass viele Männer zwar Interesse bemerken, aber keine Ahnung haben, wie sie vom Plaudern zum Mehr als Plaudern kommen.

Es gibt aber auch ansonsten weitaus eher als der Feminismus das vertritt eine Grauzone, in der man nicht übergriffig ist, aber frech, in denen man auch Grenzen überschreitet, aber das durchaus eben gewollt sein kann. Ich hatte schon mal etwas geschrieben, was in die Richtung geht und mich etwas an den oberen Text erinnert:

Ich muss etwas gestehen: Auch ich war früher, noch lange bevor ich über Pickup überhaupt etwas gehört hatte, ein „Nein-heißt-Nein“-Vertreter. Wenn eine Frau leichten Widerstand zeigte habe ich mich zurückgezogen, mit ihr darüber geredet, darauf gewartet, dass sie in ihrem Tempo vorgeht. Wer hat das geändert? Frauen selbst!

Typische Konversationen in dieser Zeit waren: „Warum hatten wir eigentlich nie was?“ Du hättest ja was machen können?“ Aber du hast nein gesagt?“ „Du darfst halt nicht so schnell aufgeben“.

Im Partynachgespräch meinte ich zu einer Freundin, dass der Eine ja recht aggressiv vorgegangen wäre, ich hatte schon überlegt, ob ich einschreiten soll. Die Antwort war zuverlässig ein „Immerhin hat er was versucht, auch wenn es vielleicht etwas viel war. Besser als jemand, der sich nichts traut“.

Ich hatte eine Freundin, bei der eine gewisse erotische Spannung in der Luft lag, die mich besuchte und (mit eigener Decke) in meinem Bett schlief. Vor dem Hinlegen sagte sie „Wenn du was versuchst, dann schneide ich dir den Schwanz ab“. Natürlich mit einem Grinsen. Also versuchte ich nichts. Wieder folgte eines dieser Gespräche. Und wieder ein „Du hättest ja was versuchen können“. Das tat ich das nächste Mal, trotz eines ähnlichen Spruches. Natürlich hatten wir Sex.

Auch beim Sex selbst war es nichts anderes. Frauen sagten, dass sie beim ersten Date nie mit einem Mann schlafen würden. Brachten alle möglichen Neins. Und dann, wenn man immer neue Versuche an dem Abend machte – als hätten sie jetzt genug deutlich gemacht, dass sie ja anständige Mädchen waren – hatte man wunderbaren Sex.

Frauen, die die ganze Zeit erzählten, dass man nicht einfach so Sex haben sollte, es wäre nicht richtig. Und ich habe ihnen die meiste Zeit über zugestimmt und auch gesagt, dass ich es nicht gut finde, aber DAS würde sich richtig gut anfühlen.

Ich hatte eine Frau, die etwas Angst vor Sex hatte und bei der es etwa 20 Versuche, immer mit kurzen Pausen brauchte, die sie alle abwehrte und die ich immer wieder neu, allerdings recht vorsichtig aufgenommen hatte, die mir hinterher sagte, dass sie gerade dadurch, dass sie wusste, dass ich ruhig darauf reagiere und wieder anfange, obwohl sie nein gesagt hatte, langsam die Sicherheit aufbauen konnte mit mir zu schlafen.

Ich hatte Sex, bei dem jeder einzelne neue Schritt zurückgehalten und erobert werden musste und es war dem Sex keineswegs abträglich.

(Ich hatte auch Sex, bei den es kein Nein und keinen Widerstand gab)

Sex ist nicht nur Ja und Nein. Nicht nur Lust und Belästigung. Es gibt eine Mittelzone, die sicherlich viel mit Rollenbildern (seien sie biologisch oder kulturell) zu tun hat. Frauen mögen, denke ich, Männer im Schnitt lieber, die es schaffen sich – nach entsprechenden Signalen – in diese Mittelzone vorzuwagen und die Sache voranzubringen als Männer, die zu vorsichtig sind. Sie wissen, dass sie den allermeisten Männern deutlich machen können, dass sie außerhalb der Mittelzone sind und diese es dann lassen. Frauen vorzuschreiben sich klar und deutlich zu verhalten scheint mir eher „hegemoniale Männlichkeit“ zu sein als der andere Weg.

Und auch mein Versuch ein „Nein“ mal mit dem Thunschen Kommunikationsquadrat zu analysieren, passt dazu: Auch ein „Nein“ muss eben nicht bedeuten, dass man sie belästigt hat, es kann auch viele andere Inhalte haben:

Nein heißt Nein betrifft die Sachebene. Nein heißt Nein.

  • In der Selbstoffenbarung kann Nein heißen, dass die Neinsagerin deutlich machen, dass ihre Wert einen One-Night-Stand nicht zulassen oder aber auch nur, dass sie deutlich machen will, dass sie nicht mit jedem ins Bett steigt, sondern es schon ein besonderer Anlass sein muss oder aber, dass sie diese bestimmte Handlung nicht mag oder aber, dass es ihr zu schnell geht und sie noch etwas mehr Sicherheit benötigt, dass er sie nicht verurteilt oder sie als Schlampe abwertet. Dies alles steht nicht zwangsläufig gegen Sex.
  • in der Beziehungsebene kann mit dem Nein angesprochen werden, dass man sich zu fremd für Sex ist oder aber auch nur, dass sie sich nicht klar ist, ob man eher ein Freund ist oder wirklich auch ein Liebhaber. Vielleicht will sie deutlich machen, dass sie nicht nur eine Bettgeschichte ist oder nicht nur eine Kerbe in seinem Bettpfosten, sondern sicher sein muss, dass sie danach in einer respektvollen Beziehung stehen werden.
  • der Appell kann sein, dass man sofort aufhören soll, er kann aber auch sein „versichere mir, dass du mich liebst/auch nach dem Sex noch an mir interessiert bist/unsere Freundschaft nicht kaputt geht/du nicht jedem erzählen wirst, dass ich mich dir geschlafen habe und ich als Schlampe dastehe/du einfühlsam sein wirst/du meine Grenzen beim Sex akzeptierst.

Das alles beseitigt aber nicht die Probleme damit, wie man vorgeht, ohne zu belästigen.

Es wird wenig verwundern, dass ich hier dazu rate, sich mal mit Pickup vertraut zu machen:

Da hätten wir erst einmal das recht einfache 3M System:

The attraction phase is divided into :

A1 – Approach

A2 – Attracting the HB or Female-to-male Interest

A3 – Male-to-Female Interest

The comfort phase is divided into :

C1 – Building rapport

C2 – Building emotional connection and physical connection

C3 – Intimacy

The seduction phase is divided into :

S1 – Foreplay

S2 – LMR

S3 – Sex

Wenn man daraus mitnimmt, dass körperliches im wesentlichen erst in der Phase C2 stattfindet, dann kann man sich bewußt machen, dass man davor noch viele Phasen hat, die in ganz ohne Belästigung in eine normale Konversation eingebunden werden können.

Und man sieht auch, dass der Schritt nachdem sie einem Zeichen gesendet hat, dass sie einen gut findet, einfach der ist, dass man nun etwas an ihr entdecken kann, was toll ist, wobei man etwas finden sollte, was nicht einfach gutes Aussehen ist, sondern etwas darüber hinaus, also dass man in ihr etwas sieht, was andere nicht haben, und sie deswegen respektiert und schätzt.

Ich finde den einfachsten Weg dorthin, sie etwas herauszufordern, beispielsweise, in den man auf eine freche Weise witzig ist (cocky/funny) oder etwas push und Pull macht und dann gut zu finden, wenn sie kontert. Aber da muss eben jeder seinen eigenen Stil finden.

Das nächste wäre dann eine Verbindung mit ihr aufzubauen, eben Comfort.

Ein zweiter wichtiger Punkt wäre, dass man eben nicht gleich zu radikal werden muss, Körperkontakt ist etwas, was auch in „kleinen Dosen“ schon sehr viel aussagt. Es reicht vollkommen, sie zunächst beiläufig am Arm zu berühren etc.

Im Pickup läuft das unter Escaltion Ladder. Beispiele finden sich zB hier:

• Hände schütteln
• Arme streifen
• Leichtes Berühren ihrer Arme zur Betonung deiner Standpunkte
• Leichtes Berühren ihres Ellbogens während des Gesprächs
• Nähe beim Gespräch bis zum gegenseitigen Berühren der Arme

• Umarmung von vorne (am besten als positive Reaktion auf eine verständnisvolle Aussage ihrerseits)
• Begleiten durch die Bar mit der Hand auf ihrem unteren Rücken
• Lege ihr Bein über deins, wenn du neben ihr sitzt
• Sie sanft seitlich am Bauch halten, wenn ihr euch zum Reden hinsetzt
• Ihre Hand auf deinen Oberschenkel legen

• Etwas aus ihrem Gesicht streichen oder so tun als ob
• In lauter Umgebung beim Reden nahe an sie heranrücken, bis sich eure Gesichter leicht berühren
• Berühren einer hübschen Halskette, die sie trägt, und dabei leicht die Finger über ihre Schulter oder Hals streifen lassen
• Spielerisch die Wangen zwicken, Haare zur Seite streichen

• Ihren Kopf auf deine Schulter legen
• An ihrem Hals schnuppern
• Leichte Berührung am Nacken vor dem Kuss bei direktem Blickkontakt
• Mit den Fingern in ihrem Haar kraulen vor dem Kuss bei direktem Blickkontakt
• Leichtes Berühren ihres Halses mit der Handfläche vor dem Kuss bei direktem Blickkontakt

Hier gehen die Berührungen von solchen, die sozial akzeptiert sind, über solche, die man auch als zufällig und unabsichtlich darstellen kann bis zu solchen, die deutlich gewollt und absichtlich sind.

Natürlich noch einmal zu diesen Punkten: Schema und Beispiele dienen dazu, dass man eine Orientierung hat, sie sind kein verbindlicher Plan, den man zwingend abarbeiten muss. Bei passenden Signalen kann es auch schlicht das Passende sein, gleich rumzuknutschen. Es geht nur darum, dass man einmal aufzeigt, dass man auch so etwas sich langsam steigern lassen kann.

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Ich brauche den Feminismus, weil es sexuelle Belästigungen gibt

Sternenleben schreibt in einem Blogbeitrag:

Eine kleine Ankündigung vorweg: Ich als Feministin setze mich für beide Geschlechter ein. Nachdem ich in den letzten Tagen aber sehr oft zu Ohren bekommen habe, Feminismus sei unnötig, weil Frauen überhaupt nicht mehr diskriminiert werden (bzw Sexismus erfahren) würden, hoffe ich das nun zumindest ein Stück weit widerlegen zu können.

Die am 5. März veröffentlichte Studie befragte EU-weit 42.000 Frauen, darunter 1.500 in Deutschland. 33 Prozent der Frauen auf EU-Ebene gaben demnach an, seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren zu haben. 55 Prozent haben seitdem sexuelle Belästigung erlebt, in Deutschland sind es sogar 60 Prozent. Dazu zählen zum Beispiel unerwünschte Berührungen, Umarmungen oder Küsse. 33 Prozent der betroffenen Frauen in Deutschland gaben an, die sexuelle Belästigung im Arbeitsumfeld erlebt zu haben.

Ich bin ja, wie an anderer Stelle schon geäußert, sehr dafür, dass man Zahlen zu der Lage eines Geschlechts nicht mehr veröffentlichen können sollte, wenn man nicht die Zahlen auch für das andere Geschlecht ermittelt.

Denn was sagt der Wert „33% der Frauen“ aus, wenn darunter jede körperliche oder sexuelle Gewalt zu verstehen ist, man aber nicht weiß, ob das nun besonders viel oder wenig ist.

Ich finde die Zahl sogar erstaunlich niedrig, denn ich behaupte einmal je nach Betrachtung hat wahrscheinlich jeder Mann schon einmal körperliche Gewalt erfahren. Und das müssen noch nicht einmal nur die Raufereien oder ähnliches sein. Genug Frauen finden zB nichts dabei einem bei einem frechen Spruch unter Freunden, also nichts anzügliches, sondern etwas Frotzelei, auf den Arm zu schlagen.  Und „unerwünschte Umarmungen“ hatte ich natürlich auch schon, wer eigentlich nicht?

Es ist das ewige Problem aller Gewaltstudien: Um so weicher man den Gewaltbegriff macht, um so höher sind die Zahlen.

Hier mal ein Gegenbeispiel:

Sexual coercion is a pervasive problem but rarely examined in men. This study examined sexual coercion and psychosocial correlates among 284 diverse adolescent and emerging adult males in high school and college. Over 4 in 10 participants (43%) experienced sexual coercion: more specifically, the participants reported: verbal coercion (31%, n = 86), seduction coercion (26%, n = 73), physical coercion (18% n = 52), and substance coercion (7%, n = 19).

Also 43% aller Männer haben schon sexuellen Zwang erfahren! Wir brauchen Maskulismus!

Viel wichtiger wäre es, die frage zu stellen, ob sie es als größeres Problem angesehen haben und da ist diese Studie ganz interessant:

When a University of Michigan researcher surveyed 3,000 students about sexual assault, he found only 3.6 percent of sexual assault victims told an official resource. When he asked why, he was unprepared for the most common write-in response.

„The most common set of words written in by our students was ‚it was no big deal,’“ said U-M’s William Axinn, professor of sociology and former director of the Survey Research Center at the U-M Institute for Social Research.

Und das kann eben durchaus der Fall sein, weil bei einem Flirtversuch der etwas zu schnelle Kussversuch zwar nicht gewollt sein kann, aber als legitimer Versuch oder Fehlereinschätzung, die passieren kann, eingestuft werden kann. Weil ein Schubsen bei einem Beziehungsstreit oder eine Beleidigung oder sogar eine leichte Drohung in dem Bereich etwas ist, was eben in der Hitze eines Streites rausrutscht, es den Frauen auch passiert und es dann eben auch nach der Versöhnung schnell wieder vergessen ist.

Aber das ist noch nicht einmal das, auf das ich hinaus wollte:

Was eigentlich fehlt ist die Frage, ob der gegenwärtige Feminismus überhaupt ein Mittel bereit stellt, dass wirksam sein kann.

Aus meiner Sicht ist das gegenwärtig nicht der Fall. Es ist eine naive Vorstellung, dass man Leute dazu erziehen kann, dass sie nicht mehr belästigen, keine Gewalt ausüben oder sonst plötzlich gute Leute werden. Es ist um so naiver, wenn man meint, dass die feministischen Theorien dies bewirken würden, die vollkommen lebensfremde Vorstellungen davon haben, wie die Geschlechter miteinander umgehen sollen.

Eher macht der gegenwärtige Feminismus alles schlimmer. Denn er führt an, dass man sich nicht selbst schützen soll, dass die Männer sich ändern sollen oder das alles eine Belästigung ist, so dass letztendlich kein vernünftiger Weg zum flirten übrig bleibt.

In dem Artikel werden die folgenden Beispiele angeführt:

Ich bin 16 und habe sie schon am eigenen Leib erlebt. Bis jetzt gibt es nur wenige Menschen, mit denen ich offen darüber gesprochen habe, selbst meine Eltern wissen bis jetzt nichts davon. Warum? Aus Scham. Was küsse ich auch einen Menschen, den ich bis jetzt gerade nicht kannte? Ja, ich habe nein gesagt, aber er hat mich weiter angefasst, auch nachdem ich ihn versucht habe, wegzuschieben. Ich konnte nichts tun und war mit der Situation heillos überfordert. Als ich es dann irgendwann geschafft habe, zu gehen bin ich zu meiner Familie zurückgekehrt und habe mich verhalten, als wäre nichts gewesen. Nichtsdestotrotz ist es „meine Schuld“ – denn ich habe ihm ja Hoffnungen gemacht. Bin mit ihm mit, in die dunklere Ecke gegangen. Trotzdem war es nicht ok, dass er das gemacht hat.

Wie soll ihr Feminismus jetzt in der Situation helfen? Meint sie wirklich, dass dieser Mensch umzuerziehen gewesen wäre? Der einzige Weg dies zu vermeiden scheint eine sehr vorsichtige Auswahl er Männer zu sein, mit denen man sich einlässt. Das muss noch nicht einmal etwas mit Schuld zu tun haben.Aber da hilft einem der Feminismus nicht weiter. Sie kann natürlich eine Verschärfung des Sexualstrafrechts fordern. Aber bereits jetzt haben sie ja ganz andere Sachen abgehalten, ihn anzuzeigen, eben ihre Scham.

Als eine Freundin von mir neulich feiern war, wurde sie von einem Typen angegrapscht. Eine andere Freundin wurde beim Tanzen von hinten angemacht und aus ihrer Erzählung wörtlich hat er ihr „seinen Schwanz zwischen die Beine gepresst“ – Ungefragt, auch nach Zurückweisung hörte er nicht auf.

Auch hier die Frage: Was soll der Feminismus da eigentlich erreichen? Eher verschleiert er doch mit seinem Gerede von der Rape Culture die Dynamiken, die sich dort abspielen.

Es wäre weitaus effektiver, wenn sie nicht einfach Feminismus fordert, sondern entweder konkrete Maßnahmen (etwa eine verschärftes Sexualstrafrecht oder eine Aufhebung der Unschuldsvermutung wenn sie so weit gehen will).

Ihre Aufforderung:

Was man dagegen tun kann? Bringt euren Kindern, euren Mitmenschen Respekt bei. Hört auf Mädchen, die sich freizügig kleiden, als Schlampe zu bezeichnen. Hört auf über Jungs zu sagen „es sind halt Jungen“ wenn sie sexistische Kommentare machen. Seid respektvoll im Umgang miteinander und erklärt Opfern, dass es niemals ihre eigene Schuld ist. Bringt solche Delikte zur Anklage. Diese Menschen haben es verdient, bestraft zu werden.

Wie soll man mit Feminismus Leuten Respekt beibringen? Gerade im Feminismus scheint es trotz aller Kenntnis von feministischen Theorien immer wieder zu Übergriffen zu kommen.

Feminismus ist schon für viele Frauen nicht attraktiv, weil sie zum einen männliche Männer mögen, die aktiv sind und nicht super vorsichtig, und die eher etwas versuchen als zu passiv zu sein. Aber auch, weil sie gerne über andere Frauen lästern und sie als Schlampen bezeichnen. Es ist eben intrasexuelle Konkurrenz und die ist schwer auszuschalten.

Tatsächlich dürfte der Slogan, „Ich brauche (gemäßigtes) Pickup, weil es zuviele sexuelle Belästigungen gibt“ weitaus mehr Kausalität haben. Denn dann hätte der Handelnde sie nicht einfach begrabschen müssen, sondern eine vernünftige Eskalationsreihenfolge eingehalten bei der er dann eben andere Handlungsoptionen gehabt hätte und sich hätte bewußt machen können, dass Verführung Vertrauen braucht.

„Wenn die Frauen ihre Furcht verlieren sollen, müssen die Männer diese Furcht erst selbst kennenlernen“

Augstein schreibt in einen schon an vielen Stellen besprochenen Artikel:

Denn wir brauchen in der Tat eine Revolution. Eine neue sexuelle Revolution. Wie jede Revolution wird auch diese hier nicht ohne Opfer abgehen. Das ist eine Feststellung, keine Rechtfertigung.

Es wird Männer treffen, die das nicht verdient haben. Wir kennen solche Fälle….[Arnold und Kachelmannfälle werden kurz dargestellt]…

Der Ansatz, dass es Leidtragende gibt, wenn man etwas ändert, ist nicht per se falsch. Jede Veränderung bringt wahrscheinlich jemanden, für den das auch sehr ernste Konsequenzen hat.

Natürlich haben wir auch bereits jetzt ein System, welches offensichtlich nicht gegen Falschbeschuldigungen abgesichert ist: Wir haben immer noch keine Möglichkeit eine Lüge sicher von der Wahrheit zu unterscheiden und wir nehmen damit auch jetzt bereits einen gewissen Anteil an Falschverurteilungen in Kauf, die mit mehr Aufwand vielleicht vermieden werden könnten. Jedes System, welches überprüft, muss irgendwo eine gewisse Unsicherheit zulassen und wenn eine Schuld „zur sicheren Überzeugung des Gerichts“ vorliegen muss kommt immer ein menschlicher Faktor hinein.

Aber (und es ist kein kleines Aber): Die Unschuldsvermutung und die relativ hohen Standards, die für eine Verurteilung gelten, sind ein hohes Gut, weil sie Mißbrauch des Staates gegen seine Bürger vorbeugen. Und sie beugen auch vor, dass jemand sich mit dem Staat als Werkzeug eines anderen entledigt und ihm Schaden zufügt, in mittelbarer Täterschaft. Wer meint, dass dies nicht geschieht, der lese sich hier durch aus welchen nichtigen Anlässen Vergewaltigungen behauptet worden sind. Um so leichter man das macht, um so häufiger wird es auch vorkommen.

Nun kann man anführen, dass es eine schlichte Rechenaufgabe ist: Die „Revolution“ schützt auf der einen Seite Frauen und verhindert sexuelle Übergriffe (Freude). Auf der anderen Seite bringt sie einen gewissen Teil von Leuten  unschuldig ins Gefängnis (Leid). Wenn bei einer rein utilistischen Betrachtung die Freude das Leid übersteigt, dann wäre die Welt ja dadurch besser geworden.

In der neuen Geschlechterdebatte geht es darum, die Gewichte der Macht zu verschieben – und das geht nicht ohne Gewalt ab. Wer verfügt über die Möglichkeit, den anderen jederzeit und ohne nennenswertes eigenes Risiko zu gefährden oder zu erniedrigen? Bisher waren das immer die Männer. Die Frau, die sich wehrt, wird da zur Schreckensvision.

Nun hört man schon die Männer – und manche Frauen – murren, dann dürfe bald also auch in Deutschland kein Mann mehr allein mit einer Frau im Fahrstuhl fahren. Aber das klagt sich leicht, wenn man dabei übergeht, dass das Risiko einer solchen Fahrt bislang vor allem bei der Frau lag.

Wer um den unbeschwerten Umgang der Geschlechter trauert, sollte bedenken, dass aus weiblicher Sicht damit nichts anderes gemeint war als die dauernde Gegenwart der Gefahr – das permanente Risiko körperlicher oder seelischer Übergriffe.

Es ist schon so: wenn die Frauen ihre Furcht verlieren sollen, müssen die Männer diese Furcht erst selbst kennenlernen.

Die Idee des Ausgleichs, der Waffengleichheit, wird auch in dem, was Augstein schreibt, deutlich. Bisher hat die eine Gruppe Angst und erfährt Leid, die andere ist unbeschwert. Wir verteilen die Last einfach neu, nehmen der einen Seite etwas Angst und Leid und laden sie auf der anderen Seite ab. Wer könnte etwas dagegen haben?

Tatsächlich ist es aber ein großer Unterschied, weil Männer und Frauen keine selbst gewählten Gruppen sind, die für das Verhalten ihrer Mitglieder einstehen müssen. Es sind Individuen und Bürger, und sie haben daher das Recht als solche behandelt zu werden. Weil bestimmte (sehr wenige) Männer schlecht sind kann man den anderen nicht rechtsstaatliche Grundrechte absprechen.

Es hat wahrscheinlich auch seine Gründe, warum in solchem Artikeln, die fordern, dass „Männer Angst haben sollten“ nie über konkrete Maßnahmen gesprochen wird. Es wird gerne von „es muss etwas gemacht werden“ oder der „Revolution“ gesprochen, aber nicht davon, wie diese Maßnahme konkret aussehen soll. Es würde wahrscheinlich zu deutlich werden, dass es ungerecht ist, wenn man konkrete Maßnahmen aufführt, die diese Revolution erfordert.

Was auch nie begründet wird ist, warum sexuelle Gewalt eine Sonderstellung einnehmen soll. Viele Leute haben Angst, wenn sie durch dunkle Gassen gehen, dass sie überfallen, ausgeraubt und schwer verletzt werden. Warum nicht auch für solche Taten die Unschuldsvermutung einschränken? Oder für Drogendealer und das organisierte Verbrechen? Warum nicht einfach die gesamte Mafia verhaften und alle, bei denen man es eh weiß, dass sie ihr Geld mit Unrecht verdienen? Sind tausende Drogentote und die Gewalt des organisierten Verbrechens nicht ein paar Opfer wert?

Es ist immer wieder erstaunlich, dass gerade Linke keine Angst davor haben, die Eingriffsbeschränkungen des Staates zu lockern. Es zeigt ein hohes Vertrauen, dass der Staat rechtmäßig handeln wird und Regelungen nicht mißbraucht. Es zeigt ein hohes Vertrauen, dass politische Gegner das nicht ausnutzen werden, um sich Gegnern zu entledigen. Es zeigt natürlich auch ein geringes Geschichtswissen über rechte und linke Regime.

Tatsächlich aber scheint mir das Problem auch nicht lösbar. Sexuelle Belästigung hört nicht auf, wenn die Regeln verschärft werden. Sie entsteht nicht, weil Männer Frauen unterdrücken, sondern weil Männer eher den Wunsch nach casual Sex mit vielen jungen und attraktiven Frauen haben und auch, weil Berührungen ein kritischer Punkt beim Übergang zu mehr sind. Wie man diesen Punkt herbeiführt, ohne das man belästigt, das ist etwas schwieriges, was eben viele Männer unbeholfen machen, einige natürlich auch in voller Kenntnis der Übergriffigkeit, einfach weil es eine enorme Abkürzung ist. Wenn sie positiv darauf reagiert, dass man sie am Knie berührt, dann ist man eben einen ganz entscheidenden Schritt weiter. Das ist eine Feststellung, keine Rechtfertigung. Für sie wiederum stellt sich die Frage, ob es ihr überhaupt eine zeitaufwändige Reaktion wert ist. Die Berührung an sich geht ja dadurch nicht weg und es kann Arbeit und Unannehmlichkeiten machen, dass zu verfolgen. Ich hatte hier schon mal eine spieltheoretische Betrachtung für beide gemacht.

Was ist sexuelle Belästigung, was noch Okay? Umfragen in verschiedenen Ländern

Yougov hat Umfragen zu verschiedenen Situationen und ihrer Bewertung eingeholt. Diese Grafik ist dabei ganz interessant:

Sexuelle Belästigung Länder Umfrage

Sexuelle Belästigung Länder Umfrage

Interessant ist, dass „Hinterherpfeifen“ (Wolfwhistling) teilweise  von den Frauen harmloser gefunden wird als von den Männern. Die jungen Frauen in Schweden scheint es richtig zu stören. Auch interessant ist, dass schwedische Männer es weitaus unproblematischer finden, auf Brüste zu schauen und sexuelle Witze zu erzählen als die Frauen.

In Deutschland ist man, was sexuelle Witze angeht, recht liberal. Die Frauen scheinen mit am wenigsten von allen Ländern etwas dagegen zu haben, wenn man ihnen eine Kompliment macht

 

Sexuelle Belästigung, häusliche Gewalt und Ungleichverteilung nach Geschlecht

Ina schrieb in einem Kommentar:

Was Du hier übersiehst, ist die massive Ungleichverteilung der Gewalttaten nach Geschlecht. Sexuelle Belästigung findet meist von Männern an Frauen statt. Männer erleiden auch Gewalt, aber eben hauptsächlich durch Männer. Dass Männer eine andere körperliche Konstitution haben und für Frauen dafür auch eine ganz andere Gefahr darstellen als umgekehrt, brauche ich Dir wohl nicht extra zu sagen. Wenn ein Mann eine Frau belästigt, dann muss sie damit rechnen, dass der Mann es dabei nicht belassen wird, sondern er gerade erst angefangen hat, es sei denn er wird unterbrochen/gestört.

Das Körperstärkenargument kommt ja häufig. Bei einer Vielzahl von Belästigungen dürfte es schlicht keine Rolle spielen. Wenn ein Exhibitionist einer Frau seinen Penis zeigt oder sie ein Dickpic geschickt bekommt, dann muss sie nicht mit Gewalt rechnen. Und wenn ihr jemand in der Disco an den Arsch packt auch nicht. Dazu sind allein schon zu viele Leute dar (und als Frau kann sie sehr sicher sein, dass ihr Leute zur Hilfe kommen). Auch am Arbeitsplatz bei einem dummen Spruch wird kein Übergriff zu befürchten sein.

Und Männer sind natürlich auch nicht alle gleich stark, gleich gewaltbereit, gleich hemmungslos dabei, anderen Gewalt an zu tun.

Auch die meisten Männer werden bei einer Übergriffigkeit nicht bereit sein weiter zu gehen. Sie kennen die Strafbarkeit erst recht einer Vergewaltigung oder härterer körperlicher Gewalt sehr gut und das wird den wenigsten die Sache wert sein.

Natürlich kann dennoch das Gefühl der Ausgeliefertheit bei ernsten Fällen aufgrund des häufigen Körperkraftunterschieds stärker sein.

Darüber hinaus übersiehst Du den unterschiedlichen Charakter von sexueller und körperlicher Gewalt. Sexuelle Gewalt wird hauptsächlich aus Gründen der Machtausübung und Erniedrigung ausgeführt, während körperliche Gewalt oft eher auf ein „Rangmessen“ hinausläuft.

Das war schon häufiger Thema hier und ist aus meiner Sicht falsch. Sexuelle Gewalt wird natürlich auch wegen des Sexes durchgeführt. Macht oder Frust/Ärger über Zurückweisung mögen da genauso eine Rolle spielen, aber der Sex bzw. der sexuelle Aspekt ist aus der Sache nicht rauszudenken.

Die Idee, dass es bei sexueller Belästigung um „“Macht“ geht, bei körperlicher Gewalt aber „nur“ um „Rangmessung“ ist eh interessant: Macht und Rangmessung sind in vielen Fällen ja das gleiche. Wenn man Macht haben will, dann geht es auch um einen höheren Rang. Auch beim „Rangmessen“ kann man den anderen erniedrigen oder fertigmachen wollen. Insofern finde ich das Argument auch in der Hinsicht erstaunlich.

Und natürlich kann es wesentlich unangenehmer sein, wenn mir jemand, um den Rang klarzustellen, einen harten Schlag ins Gesicht verpasst, als wenn er mich im vorbeigehen am Hintern berührt.

Will sagen: 2 Männer, die sich prügeln, nehmen sich „ernst“. Sexuelle Belästigung und Gewalt läuft eher darauf hinaus Frauen zu demonstrieren, dass sie sich nirgends sicher fühlen können – weder in der Öffentlichkeit, noch unter Freunden, Familie oder ggü dem Partner.

Welch merkwürdige Vorstellung! Als ob der andere Mann dann immer sagen würde „Richtig, ich möchte mich mit dir um den Rang in dieser Kneipe streiten, lass uns prüfen, wer der bessere Schläger ist“. Häufig will einer von beiden der Situation genauso entkommen, wie eine Frau gerne einer Belästigung entkommt. Wenn ein Betrunkener meint, dass ich ihn ihn blöd angeschaut habe und „man das klären muss“, dann ist mein Gedanke nicht „Endlich nimmt er meine Herausforderung an, Das Kneipenidiot1 meint, er habe hier einen höheren Rang muss umgehend geklärt werden. Ich bin froh, dass er mein Angebot auf einen fairen Kampf endlich angenommen hat und die Situation geklärt werden kann!“ Ich denke eher „Mist, ich hätte nicht so mißbilligend in die Richtung des grölenden Idioten schauen sollen, auch wenn er mich gestört hat, wie komme ich da wieder raus“

Und natürlich kann man das in vielen Fällen auch andersrum konstruieren. Die Frau, die etwas „Gerangel“ im Bett will, die etwas „Widerstand“ geben will, die will, dass er etwas versucht, sie ihn etwas ausbremst, er es dann wieder versucht, die wenn das nicht macht später fragt, warum man denn aufgehört hat und nichts versucht hat.

Männer sind für die allermeisten Straf- und Gewalttaten verantwortlich und sie sind auch meistens Opfer.

Was ändert das? Selbst wenn es so wäre, dann wären die Männer, die nicht machen auch nicht dafür verantwortlich und wenn Männer ebenso Probleme haben, dann kann man kaum davon ausgehen, dass es eine Gesellschaft ist, die sich gegen Frauen richtet.

Im Bereich Sexualstraftaten sind die meisten Opfer jedoch weiblich, die Taten werden meist von Männern begangen. Was würden Du und die meisten Männer wohl sagen, wenn es umgekehrt wäre? Männer als regelmäßiges Opfer von hauptsächlich Frauen?

Wenn Frauen sich so verhalten würden wie Männer hätten wir eine Bonobogesellschaft und die Handlungen einiger Pornos würden weitaus realistischer erscheinen als heute. Man schaue sich an wie Schwule schon jetzt ihr Sexleben ausleben. Natürlich wird es auch dort Übergriffigkeit und sexuelle Gewalt geben.

Würde es sich bei Männern um eine bestimmte Nationalität handeln, würden wir da ein ganz anderes Problembewusstsein entwickeln, stattdessen wird Gewalt von Männern an Männern und Frauen offenbar für relativ normal gehalten, besonders diskutiert wird es eher nicht.

Es wird nicht diskutiert? In welcher Welt lebst du? Es gibt beständig Debatten darüber. Aber das es nicht so stark diskutiert wird, liegt natürlich auch daran, dass Frauen sich weit weniger bedroht fühlen als viele Feministinnen das behaupten. Denn die meisten Frauen erleben im täglichen Leben keine sexuelle Gewalt und fühlen sich sicher.

Im Bereich häusliche Gewalt zeigt sich die Differenz nochmal besonders:
„Bei den Tötungsdelikten in Deutschland wies das Bundeskriminalamt (BKA) für das Jahr 2011 49,2 Prozent (154 von 313) aller getöteten Frauen als Opfer ihres aktuellen oder ehemaligen Partners aus.“
https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%A4usliche_Gewalt#Weibliche_Opfer

313 Frauen. Bei 80.000.000 Millionen Menschen in Deutschland. Verkehrstote gab es 3214. Tödliche Arbeitsunfälle gab es 424.

Und insgesamt sind Männer weitaus häufiger Opfer von Gewalt und Tötungsdelikten. Wenn, dann müssten Männer Angst haben. Sie leben weitaus gefährlicher als Frauen. Und weil das der Fall ist, ist natürlich auch der Anteil der Frauen höher, die durch ihren Partner getötet werden. Sonst bringt eben niemand Frauen um.

Das sieht man ja auch in der Statistik ganz gut:

Männer sind insgesamt mit 1676 Opfern vertreten, Frauen mit 781 (der obige Wikipedialink)

Wie sieht es hingegen bei den Männern aus?

„Bei den Tötungsdelikten in Deutschland weist das Bundeskriminalamt (BKA) für das Jahr 2011 6,9 Prozent (24 von 349) aller getöteten Männer als Opfer einer aktuellen oder früheren Partnerin aus.“
https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%A4usliche_Gewalt#Weibliche_Opfer
Zusammengefasst: 50 % aller getöteten Frauen wurden Opfer ihres Partners oder Ex-Partners, während das umgekehrt „nur“ für 7 % aller Männer gilt

Was man natürlich noch dazu rechnen muss: Frauen morden eher heimlich, beispielsweise mit Gift oder indirekt, etwa mit einem anderen Mann als Täter (sei es der Mörder, der angeheuert wird oder der neue Freund, der den alten Mann beseitigt)

Aber ansonsten stimme ich dir zu: Männer begehen allgemein mehr Gewalttaten, auch gegen ihre Partnerinnen. Interessanterweise scheinen aber lesbische Beziehungen die schlimmsten zu sein

  • Women are 2 times or more likely to be physically assaulted, beaten, or abused by a lesbian domestic partner than by a heterosexual male partner.
  • Women are about 10 times more likely to be sexually abused or raped by a lesbian domestic partner than by a heterosexual male partner.
  • Research exposing the epidemic of lesbian rape, sex abuse, and physical abuse of intimate partners has been ignored by the mainstream media and buried in academia due to political correctness.
  • Domestic abuse and sexual assault campaigns almost always involve imagery of a male perpetrator and a female victim. Very few campaigns focus on same-sex partnerships, which are statistically more violent than heterosexual relationships.
  • Women are statistically much safer, both physically and sexually, marrying or cohabiting with a heterosexual male rather than with a lesbian partner.

Wie würdest du das bewerten?

Das ist für mich nur der deutlichste Ausdruck dieser „Ungleichverteilung“.

Das kann aber dennoch die meisten Frauen vollkommen kalt lassen, weil ihre Männer keine Mörder sind und sie in keinerlei Gefahr sind. Bei sonstiger häuslicher Gewalt nehmen sich die Geschlechter auch nicht viel. 

Insofern vergleichst Du hier Äpfel mit Birnen, dein Post ist relativierend. Der Geschlechtsdimorphismus und das Verhalten vieler Männer macht sexuelle Belästigung für Frauen weder harmlos, noch ist es das Selbe wie körperliche Gewalt. Ich will damit nicht sagen, dass körperliche Gewalt weniger schlimm ist. mE unterschätzt Du aber das für Frauen erlebte Ausmaß an Bedrohung. Ich hab umgekehrt auch noch nie gehört, dass Männer bestimmte Vorsichtsmaßnahmen treffen, wenn ein Handwerker zu ihnen nach Hause kommt, wenn es dunkel ist, wenn sie eine fremde Frau daten etc. pp.

Sicher haben Frauen eher das Gefühl sich absichern zu müssen und Sicherheitsmaßnahmen einzuleiten ist auch dann sinnvoll, wenn mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts passiert. Das Ungleichgewicht entsteht natürlich auch aus den Unterschieden des sexuellen Marktes. Frauen haben eben ein weitaus geringeres Interesse an „Casual Sex“ als Männer, Männer sehen meist gar keinen Sinn darin, sich gegen einen Wunsch nach Sex auf einem Date abzusichern, weil das für sie häufig eher ihre Hoffnung ist. Allenfalls werden Männer sich gegen unberechtigte Vorwürfe sexueller Belästigung / Vorteilsnahme absichern wollen, dann aber eher in einer Arbeitsatmosphäre oder bei einem zu späten Treffen mit weiblichen Angestellten.

„Jede Frau wurde schon einmal belästigt“ – Ich vermute mal jeder Mann auch

Im Rahmen von #MeToo gab es häufiger Aussagen wie „Jede Frau wurde schon mal belästigt“ oder „jede Frau hatte schon mal ungewollt eine Hand auf ihrem Hintern“.

Und damit soll dann belegt sein, dass alle Frauen unter Belästigungen leiden. Dabei kommen aus meiner Sicht verschiedene Punkte zu kurz:

1. Es wäre dann immer noch relativ selten

Eine Hand auf den Hintern bei 100.000den von Sozialkontakten bedeutet erst einmal nichts. Wenn eine Frau 35 Jahre alt ist (und danach dürften die unerwünschten Berührungen an Öffentlichen Orten noch seltener werden) dann war sie unzähliche Male aus, hat sehr viele Leute getroffen, wurde von 99% davon anständig behandelt und es hat ihr einer mal an den Hintern gegriffen. Das ist keine Rape Culture, dass sind die Unannehmlichkeiten des Lebens.

2. Jedem ist schon einmal etwas unangenehmes passiert.

Männer werden ebenfalls ihre Erlebnisse gehabt haben, teilweise auch mit sexueller Belästigung, teilweise dann eben anderer Art. Es wird sie vielleicht eher mal jemand bedroht haben oder sie waren in einer Situation wo es unprovoziert zu tätlicher Gewalt zu kommen drohte. Sie waren eher mal in einer Situation, wo sie angeschrien wurden oder sie derjenige waren, der im Zweifelsfall beschützen musste. Wir würden dennoch nicht von einer Violence Culture reden.

Ich meine ich hatte schon einmal einen Artikel dazu, kann ihn aber gerade nicht finden, in dem es darum geht, dass der Feminismus die Sonderstellung weiblicher Sexualität als etwas, bei dem auch der kleinste Übergriff etwas absolut schlimmes ist, ausbaut, während viele Frauen nach meiner Erfahrung ein ganz anderes Verhältnis dazu haben, und sich bewußt sind, dass es Grauzonen gibt, in denen Hürden erst eine sexuelle Spannung aufbauen, in der eine Hand auf dem Arsch etwas ist, was einen nicht lange beschäftigt oder in denen ihnen ein etwas zu forsches Verhalten lieber ist als ein zu vorsichtiges.  Wer langweilig ist und sich nicht traut, der landet eher in der Friendzone, und das Konsensprinzip, gar das enthusiatistische Konsensprinzip würden viele Frauen vielleicht eher als Beschneidung ihrer Kommunikation und ihrer Möglichkeit ihn zu testen ansehen. 

Man könnte auch andere Geschlechterverhalten im Flirtbereich dazu nehmen: Würden wir es als Belästigung anprangern, wenn eine Frau einen Drink oder ein Essen schnorrt ohne wirklich an dem Mann interessiert zu sein oder andere Formen des „Flirtens um etwas zu erlangen“, dann wäre die Belästigungsschwelle bei Männern natürlich auch hoch.

Es wäre interessant mal allgemein die typischen Unannehmlichkeiten aufzustellen, die Männern und Frauen oder Menschen allgemein passieren, die sich in diesem Bereich bewegen. Also Ereignisse, die einen ärgern, die einen aber üblicherweise auch nicht um den Schlaf bringen und die man dann auch schnell als Unannehmlichkeit aber kein großes Ding abtut.

Was würdet ihr dazu zählen?

Harvey Weinstein, weibliche Solidarität, offene Geheimnisse und sexuelle Belästigung

Harvey Weinstein und die vielen Frauen, die anführen, dass er sie sexuell belästigt hat, führen zu diversen Artikeln, die anführen, dass zum einen die Lage der Frauen als hochproblematisch dargestellt wird und zudem ein gemeinsames Interesse der Frauen dargestellt wird, solche Männer zur Strecke zu bringen.

Tatsächlich war das Verhalten von Harvey Weinstein ein „offenes Geheimnis“:

Es wird dort dargestellt, dass das Thema so weit verbreitet war, dass man es als Witz verwenden konnte, vor Weinstein auf der Hut zu sein, ohne dazu näher etwas zu sagen und jeder in Hollywood wusste, was los war.

Warum kam es nicht zu einer „Frauensolidarität“ wie sie jetzt gefordert wird?

1. Freiwilligendilemma

Ein Faktor könnte das Freiwilligendilemma sein:

Das Freiwilligendilemma (engl. Volunteer’s dilemma) ist ein Problem aus der Spieltheorie, bei dem kollektiver Gewinn bereits durch einen teilweisen Gewinnverzicht eines einzelnen Akteurs erzielt werden könnte. Es stellt eine spieltheoretische Formalisierung der aus der Sozialpsychologie bekannten Verantwortungsdiffusion dar.

Das 1985 von Andreas Diekmann erstmals untersuchte Freiwilligendilemma[1] wird oft mit dem Fall der unterlassenen Hilfeleistung beim Mord an Kitty Genovese veranschaulicht. Bei diesem Mord in New York beobachteten 38 Zeugen die sich über längere Zeit hinziehende Gewalttat von ihrer Wohnung aus und keiner der Zeugen, von denen jeder einzelne die Anwesenheit der anderen Zeugen bemerkte, leistete Hilfe oder verständigte die Polizei.[2]

Es tritt eine Verantwortungsdiffusion ein,  wenn jeder meint, dass ja andere die Verantwortung übernehmen könnten, weil es ja alle wissen. Das natürlich um so mehr, wenn die Kosten auf der anderen Seite gleichzeitig hoch sind für den, der die Verantwortung übernehmen möchte. Denn dieser muss dann damit rechnen, dass sich Weinstein und hochbezahlte Hollywoodrechtsanwälte auf ihn stürzen.

2. Die gangbare Lösung wird als ausreichend eingeschätzt, so dass es zu einem Fehler des anderen wird

Ein (wahrscheinlich schlechtes) Bild:

Ein Wohnkomplex ist über  einen schlechten Weg erreichbar, der eine hohe Stolpergefahr birgt. Alle wissen, es, keiner hat das Geld für die Reparatur, also haben alle gelernt vorsichtig zu gehen und überall sind Warnschilder angebracht. Dennoch stolpert immer wieder eine neue Bewohnerin und verletzt sich.

Was sind die Reaktionen? Solange die Kosten für die Reparatur nach wie vor als zu hoch bewertet werden werden sie wohl eher sein:

  • Pff, warum passt sie nicht besser auf? Es haben ihr doch alle gesagt, dass der Weg defekt ist
  • Jetzt sollen wir zahlen, weil sie zu blöd ist, vorsichtig auf dem Weg zu sein?
  • Da hätte sie vielleicht mal ihre Stöckelschuhe ausziehen sollen…
  • Sie ist eben keine von uns schlauen, die wissen, wie man sich auf dem Weg bewegt, warum soll ich das ausbaden?
  • Der Weg ist eigentlich gar nicht so schlecht, man muss nur wissen, wie man sich auf ihm bewegt.
  • Ich bin auch mal hingefallen, die soll sich nicht so anstellen, ist doch nichts schlimmes passiert.

Das dürfte um so eher passen, wenn es um Sachen wie einen gezeigten Penis oder eine dumme Anmache geht. Man kann es schlicht ausblenden und als Unannehmlichkeiten ausblenden und muss das wahrscheinlich auch, wenn man eine sehr schöne Frau ist und sich unter mächtigen Männern in einer Branche, in der persönliche Beziehungen alles sind, bewegt.

Um das Bild noch etwas zu strapazieren:

Inzwischen ist ein besserer Weg angelegt, den man aber erst benutzen darf, wenn man ein paar Jahre dabei ist oder eine der besseren Wohnungen bezogen hat.

Dann werden Gedanken dazu kommen wie:

  • Jeder Anfang ist hart, da mussten wir alle durch
  • Sollen die doch ihren Weg selber machen, ich gebe da nichts zu
  • So schlecht ist der Weg auch nicht und bald sind sie eh auf dem anderen

Und um es noch weiter zu strapezieren:

Es gibt viele Wege die schlecht sind und die muss sie eh auch lang gehen, dieser Weg mag in einem schlechten Zustand sein, aber schlechte Wege sind überall anders auch, zumindest zu Wohnungen mit gleichem Preis.

Dann hätte man:

  • Klar, wir zahlen die Reparatur dieses Wegs und alle anderen Wege bleiben genauso schlecht, was soll das bringen?
  • Selbst wenn wir den Weg hier teuer reparieren, dann stolpert sie eben über einen anderen, sie muss eh lernen vorsichtig zu sein und ihre Naivität ablegen.
  • Sie jammert über diesen Weg, als ob es nicht überall schlechte Wege geben würde

3. Die Vorteile der Nichtsolidarität 

Weinstein scheint schlicht gut in dem gewesen zu sein, was er machte:

On Sunday, one man’s name will be invoked in Oscar acceptance speeches even more frequently than mom, America and the Almighty. Or at least, one of his monikers will be. At last month’s Golden Globes, Meryl Streepreferred to him as „God“; Madonna as „the punisher“. For Thomas Langmann, the French producer of The Artist, he was simply „le boss“.

Harvey Weinstein’s producer credit on films such as The Iron Lady, My Week with Marilyn, and W.E. has earned him his 303rd Oscar nomination. Surely it’s only a matter of time before the academy fires up the foundry and remodels the award itself in his generous image.

Forget an honorary gong – and word is Weinstein wouldn’t mind an Irving G Thalberg memorial award, handed out periodically by the academy to outstanding producers – this would be the only truly fitting tribute. (…)

For decades, he had been a living legend, one of the few producers with face as well as name recognition. In 1979 he and his younger brother, Bob, had dropped out of college and set up a distribution company in a one-bedroom Manhattan apartment, which eventually morphed into Miramax (named after their parents, Miriam and Max).

(…)

In 1993 Miramax was taken over by Disney for $60m. Initially, they were happy bedfellows. Profits rose from £5m to £75m in four years. Weinstein’s short fuse (now ascribed to glucose overdose on account of a fondness for M&Ms) was indulged and found to be colourful, marketable even. He told the New York Observer he was „the fucking sheriff of this fucking lawless piece-of-shit town“. To some extent, he was right.

Er war anscheinend laut, setzte sich ein, hatte ein gutes Gespür und kannte jeden. So etwas wird eben nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt für etwas, aus dem die bekannteren Frauen längst raus waren. Ein Oscar oder ein tolles Filmprojekt ist besser als irgendein Modell vor Belästigung durch einen bestimmten Mann zu schützen

4. Die Eingebundenheit bzw. die Wichtigkeit anderer Gruppen

Weinstein war politisch links, spendete für die Demokraten, war im Club der erfolgreichen Filmemacher, die etwas bewegen konnten, verstand sich gut mit Größen wie Clinton oder anderen Hollywoodstars.

Er hatte mit diversen Stars Projekte durchgezogen, Leute immer wieder unterstützt und ein passendes Netzwerk aufgebaut, er hatte sich mit dem Rest Hollywoods gegen Trump positioniert und Teil der Familie. Und zwar nicht über eine abstrakte Geschlechtergemeinschaft, sondern eine tatsächliche Gruppe, aus der man Vorteile bekommen konnte und bei der man wusste, dass genug andere Leute Vorteile bekommen hatten.

Er passte eher ins klassisch Linke:

Weinstein, 65, was the opposite, one of the rare men in Hollywood who didn’t care about pursuing an audience of 15-year-old boys with comic book movies. He was someone with taste who was trying to make movies with great roles for women of all ages, a top Democratic fund-raiser who was pushing to make Hillary Clinton the first woman president, a man trusted by the Obamas to have their daughter intern at his company.

Trump anzugreifen, weil er „Grap them by the pussy“ gesagt hatte, war einfach: Kaum einer aus Hollywood hatte viel mit ihm zu tun oder brauchte etwas von ihm. Harvey Weinstein anzugreifen hingegen… das hätte einen schnell in eine Lage gebracht, wo andere Leute sich entscheiden müssen, ob sie mit Harvey einen Oscar gewinnen oder weiterhin gute Freunde mit einem sind, zumindest dann, wenn der Vorwurf schief geht und man es nicht beweisen kann.

Ansgesprochen wird es zB hier in diesem Rant über die Verwicklungen mit Weinstein einer konservativen Kommentatorin:

oder hier:

5. Intrasexuelle Konkurrenz und das Frauenbild anderer weiblicher Stars

Es würde mich wirklich interessieren, welches Frauenbild weibliche Stars haben.  Sie leben in einer Welt der Superreichen, Mächtigen und Berühmten, in denen sie täglich erleben, dass ein Produzent ihres Films seine Frau verlässt und mit einem jungen Modell zusammenkommt. Indem ihre Co-Stars mit den weiblichen Extras schlafen und diese sich ihnen an den Hals werfen. In denen kreischende Mädchenscharen sich um die Stars sammeln und ihnen bekannt ist, dass Männer wie Leonardo di Caprio mit einer beliebigen Anzahl von Frauen schlafen können und viele Models gerne dadurch bekannt werden würden, dass sie seine Freundin für 2 Monate sind.

Weinstein selbst wäre ein gutes Beispiel:

Die Stars werden erst mit ihm und seiner ersten Frau essen gegangen sein, die eine Assistentin in seiner Firma war und nur um dann eben später mit ihm und seiner neuen Frau, einem Modell mit 23 Jahren unterschied, die begeistert davon erzählte, wie sie ihre Firma hochbringt, während der Star im Hinterkopf denkt „Ja, klar mit Harveys Millionen und seinem Einfluss und ich sitze auch nur hier, damit ich dann deine Sachen trage“

Sie werden Kenntnis von unzähligen Affairen haben, bei denen der reiche mächtige Mann seine junge Modellfrau auf Drehs mit einer Prdouktionsassistentin betrügt, die dann einen besseren Job bekommt. Sie werden genug Frauen kennen, die es geschickt inszeniert haben, dass es zu entsprechenden Vorfällen kommt. Sie werden auch genug Frauen kennen, die sich mehr erhofft haben, wenn ein Star sich auf sie einlässt und die sich dann benutzt fühlen. Sie werden auch wissen, dass die Presse über einen herfällt wegen jeder Kleinigkeit und auch über sie genug Müll in der Zeitung steht, Assistentinnen schlecht über sie reden, Leute sich ausgenutzt fühlten etc. Sie werden vielleicht auch Frauen vor Augen haben, die sich an ihren Mann rangemacht haben, ihm sexuelle Belästigung vorgeworfen haben.

Sie werden auch häufig genug mit einer gewissen Verachtung auf viele der Frauen gucken, die sich benutzen lassen oder die zu naiv sind und zwischen die Räder geraten. Und sie werden sich schlicht häufig einer anderen Gruppe zuordnen, der, die es geschafft hat, ohne eine Schlampe zu sein, die vorsichtig war, die nicht so blöd ist, sich von Weinstein alleine eine Tour durch ein ansonsten verlassenes Haus geben zu lassen, gerade Weinstein, der dicke Kerl, der immer Bestätigung braucht, durch ein paar billige Frauen. Sie werden es entsprechen rationalisieren, dass sie es entweder darauf angelegt hat oder zu naiv ist um jemals in Hollywood Fuß zu fassen. Dass sie sich nicht für ein Neuling einsetzen muss, der nun gerade auf Weinstein, bei dem es ein offenes Geheimnis ist, reinfällt.

Es ist einfach sich über diese Fälle zu erheben und sie nicht sein Problem sein zu lassen.