Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 15. Juni 2010

Einvernehmlicher Sex ist es, wenn keiner es bedauert

Sex im Sinne von Geschlechtsverkehr und Feminismus ist ein breites Thema. Mich erschreckt insbesondere der Umgang mit Sex und dessen Regulierung hin zu einer Abgabe aller Verantwortung an den Mann.

Das „Yes means Yes“ Konzept verdient noch eine eigene Betrachtung , sagt aber im wesentlichen, dass der Partner, der etwas nicht mag, dass nicht mehr ablehnen muss, sondern der Partner, der etwas macht, hierfür die Zustimmung des anderen einholen soll. Dadurch soll eine Welt ohne sexuelle Belästigung und Vergewaltigung entstehen. (eine kleine Diskussion über „Yes means Yes“ hatte ich bereits in einem anderen Blog in diesem und diesem Beitrag).

Nach meiner Auffassung ist den meisten Männern ein forscher Mann mit ein wenig Feingefühl wesentlich lieber als ein Mann, der für alles die Einwilligung – sei es verbal oder nonverbal einholt. Insofern geht das Konzept meiner Meinung nach an den Wünschen der Frau vorbei – wir erinnern uns: Leader of men ist anziehend und ein Anführer fragt nicht, er handelt.

Im ganzen führt das Konzept zu wesentlich weniger Sex und einem höheren Risiko des Mannes.

In einem Artikel auf feministe.us wird nun noch etwas weiter an der Schraube gedreht. Es reicht nicht mehr aus, wenn die Frau „Ja“ sagt, der Mann muss nunmehr auch noch sicher sein, dass sie es auch wirklich genießen wird und nicht am nächsten Morgen ein schlechtes Gewissen hat.

Die Autorin verweist auf einen Vorfall, bei dem sie auf die Bitte hin ihm einen zu blasen zweimal nein gesagt hat und dann schließlich recht zögernd eingewilligt hat.

Sex borne of manipulation is not consensual. It’s not necessarily physical force, not drugs to ply the victim, but it’s an exercise of power in a very traditional sense: using emotional power derived from the manipulation of privilege – working that privilege to extract a yes out of no.

Erst gibt sie an, dass sie es damals nicht als Vergewaltigung gesehen hat und es heute auch noch so sieht. In ihrer Argumentation verwischt dies aber immer mehr.

I’m not trying to say that every single instance of a yes extracted from a no is necessarily rape. If someone didn’t initially want to do it, but was sufficiently convinced by their partner and ended up really enjoying it, awesome, and more power to that couple. [And in this situation, if the initiating partner wants to make sure that their more reluctant partner is cool with proceeding, they only need ask, “are you sure? We really don’t have to.” Though, I suppose, this assurance could also be a part of manipulation. The definition is not up to the initiating partner.]

Also: Wenn sie sich am nächsten Morgen gut fühlt und der Sex gut war ist es okay, wenn er aber schlecht war, dann könnte es schon Sex ohne Einwilligung gewesen sein.

Die Nachfrage „are you sure? We really don´t have to“ kommt meiner Meinung nach im Bett nicht so gut. Es drückt eher Schwäche aus und führt dazu, dass die Frau sich aktiv für Sex entscheiden muss, was eher zu Last Minute Resistance führt. Vertrauen kann man meiner Meinung nach eher aufbauen, indem man der Frau deutlich macht, dass man jederzeit aufhört, wenn sie „Nein“ sagt.

Was aber, wenn der Sex nicht gut war oder eine der Personen den Sex bedauert:

But if the person felt bad, felt used, felt regret, during and after the experience? That indicates a lack of consent to me. Folks are allowed to define their own experiences and their own oppression, but when those instances are described to me, they sure sound a lot like rape. When I think back on my experiences years ago now, it feels like I’ve been assaulted.

Nunmehr sind wir also trotz Zustimmung bei einem Angriff auf sie. Weil es ihr am nächsten Tag Leid tat. Es „klingt sehr wie Vergewaltigung“ für sie. Später dann sagt sie, dass sie nicht dafür ist, dieses System Gesetz werden zu lassen, aber nur, weil sie dem Gerichtssystem eh nicht traut. Eigentlich ist sie also dafür. Das damit der Mann mit einem Bein im Gefängnis steht, wann immer er Sex hat (schließlich verweist sie selbst darauf, dass auch die Nachfrage, ob sie wirklich will, schon Manipulation sein kann) wird nicht weiter behandelt.

Der Schlußsatz lautet:

The emphasis should not be on the technical yes, the coerced “consent”, but on the feelings and experiences of victims, of survivors, of people who have been used and abused through manipulation, which leaves no mark.

Die Bezeichnung von Leuten, die am nächsten Tag den Sex Bedauern als „Survivors“ überrascht nicht, dass ist man im US-Feminismus schon ab einer sexuellen Belästigung. Die Gleichstellung mit Vergewaltigungsopfern allerdings finde ich höchst bedenklich. Das man auf diesem Weg schnell bei einer „Rape Culture“ ist verwundert nicht.

Nachtrag: Ein paar Links zum Thema:

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Responses

  1. Da ich überhaupt keine Lust habe mit deinem Blog und deinen biologistischen Thesen in Verbindung gebracht zu werden, will ich, dass du die Verweise auf meinen Blog löschst. Von mir aus kannst du weiter in deiner Welt leben, wo sich Frauen und Männer (mehr als zwei Geschlechter scheinst du ja nicht zu kennen) wie willenlose biologische Roboter benehmen, aber lass da meinen Blog raus.

  2. Das ist ja das Schöne im Internet: Verlinken darf man soviel man will. Du wirst es also wohl hinnehmen müssen.

    Zwei Geschlechter nehmen ich und alle außerhalb der Genderwissenschaften an. Es ist einfach ein biologisch stimmiges Konzept. Natürlich darf man gerne Begriffe für Zwitter etc finden und überlegen, was Mann und Frau ausmacht, dafür braucht man aber keine neuen Geschlechter erfinden.

    Menschen sind natürlich keine Roboter. Die Biologie ist flexibel genug Entscheidungen zuzulassen, sie schafft teilweise nur die Motivation zu einem bestimmten Handeln, der man nachgehen kann oder nicht.

  3. Meiner Meinung nach kann es bei der Frage, ob Sex einverständlich stattfindet oder gegen den Willen eines Beteiligten, nur auf einen Zeitpunkt ankommen: Auf den bei Beginn und während des Aktes.

    Alles Andere würde nur zu unerträglicher Unsicherheit führen. Wenn man sich nachher vergewaltigt „fühlt“, ist das sicher nicht schön. Aber nur weil ein Partner das Ereignis nicht genossen hat, kann sich die rechtliche und moralische Bedeutung nicht ändern.

    Ein Beispiel: Eine Frau mag passiven Oralsex, also geleckt werden. Der Mann mag das nicht, vielleicht auch weil die Frau wenig auf ihre Hygiene geachtet hat. Die Frau fühlt sich nicht völlig befriedigt. Hat der Mann sie dann vergewaltigt, weil er sie nicht geleckt hat?

    Oder ein weiteres Beispiel: Der Mann ist impotent. Die Frau kann nur bei der Penetration völlige Befriedigung empfinden. Hat der Mann die Frau dann vergewaltigt, weil er nicht in sie eingedrungen ist?

    Oder einmal anders herum: Mann und Frau lernen sich kennen. Mann gibt Frau einen Drink aus, Frau flirtet und scheint nicht abgeneigt zu sein, weiter zu gehen.
    Die Frau ist anfangs zögerlich, mag nur Petting und Zärtlichkeiten austauschen, der Mann möchte Sex. Hat die Frau den Mann vergewaltigt, weil dieser sich nachher verarscht fühlt?

    Dieser Definition nach wäre auch letzteres eine Vergewaltigung:
    It’s not necessarily physical force, not drugs to ply the victim, but it’s an exercise of power in a very traditional sense: using emotional power derived from the manipulation of privilege
    Die Frau übt durch ihr Verhalten eine sehr traditionelle Macht aus. Sie nutzt ihr weibliches Privileg aus, zuerst erwarten zu dürfen, umgarnt und hofiert zu werden, um dann frei zu entscheiden, ob ihr das „Balzverhalten“ gut genug war. Ob dann eine Penetration tatsächlich erfolgt, spielt ja nach der von dir zitierten Definition keine Rolle mehr. Es kommt nur darauf an, sich später vergewaltigt zu fühlen..

    Zum Glück ist diese Auslegung mit den geltenden Strafrechtsgrundsätzen völlig unvereinbar. Entscheidend ist immer der Vorsatz bei oder während einer Tat. Was später ist, interessiert nicht mehr. Was vor Beginn der Tat war, ebenso wenig. Fazit: Die zitierten Defintionen geben schwachsinnige Hirngespinste wieder.

  4. Nachtrag

    Wenn man über „Vergewaltigung“ spricht, sollte man sich vielleicht auch mal den Gesetzestext durchlesen:

    § 177 StGB:
    „(1) Wer eine andere Person
    1. mit Gewalt,
    2. durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder
    3. unter Ausnutzung einer Lage, in der das Opfer der Einwirkung des Täters schutzlos ausgeliefert ist,

    nötigt, sexuelle Handlungen des Täters oder eines Dritten an sich zu dulden oder an dem Täter oder einem Dritten vorzunehmen, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.

    (2) In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn

    1. der Täter mit dem Opfer den Beischlaf vollzieht oder ähnliche sexuelle Handlungen an dem Opfer vornimmt oder an sich von ihm vornehmen läßt, die dieses besonders erniedrigen, insbesondere, wenn sie mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind (Vergewaltigung), oder

    2. die Tat von mehreren gemeinschaftlich begangen wird…..“

    Der unter Absatz 1 Nr. 3 angesprochene Fall, dass unter Ausnutzung einer Lage, in der das Opfer dem Täter schutzlos ausgeliefert ist und dieser das ausnutzt, wird hier von dir diskutiert:

    „http://vomhonig.wordpress.com/2010/05/29/linker-jugendkongress-hamburg-yes-means-yes/“

    Wichtig ist, dass neben dem genannten Tatbestand der Täter auch vorsätzlich handeln muss. Er muss wissen oder zumindest für möglich halten und billigend in Kauf nehmen, gegen den Willen des Opfers zu handeln.

    Wenn die Frau einverständlich mit dem Sex begonnen hat, und dann, während des Aktes ihre Meinung ändert, und der Mann trotzdem weitermacht, ist das nicht strafbar. Der Mann muss Anhaltspunkte dafür haben, dass die Frau nicht mehr einverstanden ist. Wenn er sie hat, sei es durch wegstoßen, verbale Äußerungen, Abwehrbewegungen, und trotzdem weitermacht, macht er sich strafbar.

    Wenn er es aber nicht erkennt- bloßes Erkennen müssen genügt nicht- begeht er keine Straftat. Und das ist ein gerechtes Ergebnis. Ein Grundsatz des deutschen Strafrechts ist, dass der Täter erkennen können muss, dass er sich gerade strafbar macht. Käme es darauf an, ob die Frau nach dem Sex noch damit einverstanden ist und es ihr Spaß gemacht hat, würde dieser elementare Grundsatz verletzt.

    Kein Mann könnte sich mehr sicher sein, ob er vielleicht nicht schon durch den nächsten Stoß zum Verbrecher würde. Ich würde unter diesen Umständen überhaupt keinen Sex mehr haben wollen.

    Wie soll man dabei entspannt sein können? Geschweige denn, den Akt zu genießen?

  5. @Seppo
    Ja, die deutsche Auffassung zur Strafbarkeit von Vergewaltigungen, wie sie im StGB enthalten ist, ist sicherlich wesentlich vernünftiger und deckt das strafbare Verhalten ausreichend ab.

    Ich meine auch, dass zumindest in unserem Rechtssystem die dort geäußerten Vorstellung, was eine Vergewaltigung sein könnte, nicht durchsetzbar wären. Glücklicherweise!

  6. […] worauf er eigentlich beruht: Zuviel Zustimmung ist nicht sexy. Auch ein Grund warum ich „Yes means Yes“ für nicht praktisch halte. Ich bin gespannt, ob die Vorhersage von Roissy über die Ehe von […]

  7. Das damit der Mann mit einem Bein im Gefängnis steht…

    Genau das ist doch der feuchte Traum dieser Sexistinnen. Eine totalitäre Willkürherrschaft der Frauen über die Männer. Das bloße Wort einer Frau – ihr Befinden ist alles was zählt – soll einen Mann vernichten.

  8. […] irgendeiner Weise verletzt. Zu den Problemen dieses weiten Begriffs hatte ich in dem Beitrag „Einvernehmlicher Sex ist es, wenn keiner es bedauert“  schon mal etwas […]

  9. […] verweise ergänzend noch auf die  Beitrage „Rape Culture oder Angst“ und „Einvernehmlicher Sex ist es, wenn keiner es bedauert“ in diesem […]

  10. […] Zumal viele feministische Definitionen von dem, was bereits eine Vergewaltigung sein kann, viel eher geneigt sind den Vergewaltigungsbegriff abzuwerten („Es kann eine Vergewaltigung sein, wenn man es am nächsten Morgen bedauert, auch wenn man am …). […]

  11. […] Konsensprinzip als feministischer Ausweg zur Verhinderung von Vergewaltigungen (egal ob das jegliche Erotik tötet) […]

  12. […] habe ich beim Stöbern im Netz etwas entdeckt, das sich Zustimmungskonzept, Ja-heisst-Ja oder auch Consent-Culture […]


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