Rape Culture, Dickwolves und Feminist rage

Wenn ich könnte, dann würde ich mir ein „Dickwolves“-T-Shirt kaufen. Einfach nur aus Solidarität mit Penny Arcade.

In diesem Comic geht es darum die „Quest-Bezogenheit“ von Onlinespielen zu betonen. Ein Held trifft auf einen Sklaven in einer Mine, der ihn bittet ihn zu retten und ihm zur Unterstreichung dieser Bitte erzählt, dass er jede Nacht von „Schwanzwölfen in den Schlaf vergewaltigt wird“. Der Held lehnt aber aber, weil er die für Erfüllung der Quote erforderlichen zu rettenden Sklaven schon zusammen hat.

Da so bizarre Wesen wie die „Dickwolves“ dann eine gewisse Aufmerksamkeit auf sich ziehen führte auch dazu, dass ein entsprechendes T-Shirt verkauft wurde.

 

Ferdinand Bardamu analysiert auf seiner Seite „In mala fide“ den dann folgenden feministischen Shitstorm, nach dem das Comic nicht hinnehmbar sei, weil es Vergewaltigung verharmlost und eine „Rape Culture“ fördert. Es ist ein Beispiel für „Feminist rage“, anscheinend ein Kampfmittel in der feminstischen Streitkultur, das ich hier auch schon hatte. Das weitere ist, wie Bardamu treffend darstellt, der „femininst snark“ also die abfällige Bemerkung (eine Zusammenziehung von „snide remark“).

Grund ist hier die schon einmal besprochene Rape Culture und die von Feministinnen geforderte Sonderstellung für Vergewaltigung. Vergewaltigung ist natürlich ein schwerer Verbrechen, dass aus diesem Grund ja auch den höchsten Strafrahmen abgesehen von der lebenslänglichen Freiheitstrafe hat, den das deutsche Strafrecht vorsieht. Aber es muss nicht per se schlimmer sein als Mord, Totschlag, Folterung oder Verstümmelung oder schwere Körperverletzung. Auch das Opfer eines Überfalls kann erhebliche Panikanfälle haben und darunter den Rest seines Lebens leiden. Auch das Opfer einer Vergewaltigung kann die Folgen davon abschütteln können und wieder ein normales Leben führen. Dennoch hat Vergewaltigung eine extreme Sonderstellung unter den Verbrechen, die im Feminismus noch besonders ausgebaut wird. Weil es eben ein Verbrechen ist, dass eine hohe weibliche Opferschaft hat und als Symbol für die Unterdrückung der Frau und die Täterschaft der Frau aufgebaut wird.

Auch hier lässt sich eine starke moralische Komponente aufbauen, weil Vergewaltigung eben ein so deutliches Verbrechen ist. Diese wird bei dem Umgang mit der Vergewaltigung meiner Meinung nach ausgenutzt um weitere Ziele zu erreichen.

„Wer nicht für den Feminismus ist, ist für eine Rape Culture, also für die Vergewaltigung von Frauen“

Es werden also zwei Sachen verbunden, die so erst einmal nichts miteinander zu tun haben, nämlich das für den Feminismus (oder dessen Maßnahmen) sein und das gegen Vergewaltigungen sein.

Der „Feminist Rage“ ensteht aus der Entrüstung über die umgekehrte Verbindung, wonach jemand, der nach ihrer Vorstellung Vergewaltigung in seiner Folge abwertet, auch gleichzeitig Vergewaltigung gut heißt und damit im Umkehrschluss auch die Unterdrückung der Frau.

Wer Vergewaltigung nicht als das schlimmste Verbrechen ansieht, der hat sich nicht dem absoluten Kampf dagegen verschrieben und ist damit gegen Frauen an sich.

Dies ist unabhängig davon, dass der Sklave im Comic männlich ist, da Vergewaltigung eben über die Rape Culture letztendlich ein Verbrechen gegen Frauen ist, unabhängig wer gerade das Opfer ist.

Es verkennt aber, dass ein Witz, der eine Vergewaltigung enthält nichts über sonstige Positionen in der Geschlechterdebatte aussagt. Der vermeintliche Zusammenhang ist nicht gegeben. Auch der moralische Zusammenhang scheint mir recht dünn.

Es gibt tausende von geschmacklosen Witzen. Ihre Witzigkeit entsteht dadurch, dass Grenzen übertreten werden. Vergewaltigung dabei in eine Sonderrolle zu rücken bringt meines Erachtens wenig.

Zumal viele feministische Definitionen von dem, was bereits eine Vergewaltigung sein kann, viel eher geneigt sind den Vergewaltigungsbegriff abzuwerten („Es kann eine Vergewaltigung sein, wenn man es am nächsten Morgen bedauert, auch wenn man am Abend zugestimmt hat“).

 

15 Gedanken zu “Rape Culture, Dickwolves und Feminist rage

  1. Rape- it´s what´s happening when you say no.
    Auch der andere verlinkte Comic in dem Beitrag- hilarious -.-

    Ich muss sagen, dass ich übertriebene Triggerwarnungen auch für unnötig erachte, nichts destotrotz ist diese Art Witz verletzend für Geschädigte und auch nicht besonders spassig.

    • @Maren

      Welcher denn? Der verlinkte oder der in dem Penny Arcade Comic?

      in dem verlinkten Comic ist es aber angesichts des Gesichtsausdruck und Haltung der Frau allenfalls nach feministischer Definition eine Vergewaltigung (Weil er sagt, dass er ein Nein als Antwort nicht akzeptiert).

      Den Penny Arcade Comic finde ich persönlich nicht weiter schlimm. Der Comic an sich neigt zu Übertreibungen dieser Art.

  2. Nein den verlinkten Comic.
    Und gerade dieser Gesichtsausdruck zieht eine Vergewaltigung ins lächerliche.
    Man könnte allerdings auch von dem Gesichtsaudruck her darauf schliessen, dass die Frau bewusstlos ist, weil er sie vorher ausgeknockt hat. Soll ja vorkommen.

  3. Hallo Christian,
    ich habe eine interessante Studie gefunden: http://tinyurl.com/6z4kkhj

    Könnte man, falls dies als wissenschaftlich gesichtert gelten würde, davon ausgehen, dass nicht jedes „ablehnende“ Verhalten als homophob oder dergleichen tituliert werden könnte, da, die Ablehnung ev. aus der Irritation des nicht in das biologische Muster passenden biologischen Verhaltens des Gegenüber kommen könnte. Das könnte das mitunter ablehnende Verhalten heterosexueller Jugendlicher, in der Peer-group, gegenüber „weiblich“ agierenden Homosexuellen Jugendlichen, teilweise doch erklären, wenn auch, natürlich in keinster Weise rechtfertigen – oder?

    So wäre es ja auch keine Diskriminierung, wenn ein Mann eine 90-60-90 Frau sexuell attraktiver finden würde, als eine „normale“ Frau.

  4. ein Witz geht immer auf jemandes Kosten. Der Umstand das es sich a) um einen Witz handelt, der amüsieren soll, b) der witz fiktiv ist und somit auch alle Vorkommnisse und handelden Personen sollten allen Erwachsenen Menschen klarmachen, das hier keine Handlung gutgeheißen wird und niemand diskriminiert werden kann durch einen Witz.

    was nicht heissen soll das es keine Witze gibt die diskriminierend gemeint sind und so zu ner bestimmeten Stimmung beitragen können.

    Krass find ich, das die Feministinnen den Penny Arcade Witz einfach nicht verstanden haben, es geht gar nicht um Vergewaltigung.
    Aber die empfinden wohl die Erwähnung des Wortes, ohne mehrseitige Abhandlung dazu, wie grausam und unrecht und schlimm und und und Vergewaltigung ist, nicht korrekt.

    Thought Police. Ist das einzige was mir da noch einfällt. Nach radikalfeministischer Auffassung gäbe es dann nur noch die simpelsten oder gar keine Witze mehr.

    Selbst die kindischen „Fritzchen“ und „Häschen“ Witze könnten diskriminierend empfunden werden.

    So, kennste den schon?

    Eine Feministin, ein Rabbi und ein Pferd betreten eine Bar… 😉

    • „Krass find ich, das die Feministinnen den Penny Arcade Witz einfach nicht verstanden haben, es geht gar nicht um Vergewaltigung.“

      Eben. Die Vergewaltigung wird sogar als etwas grauenhaftes dargestellt, vor dem man den Sklaven auf jeden Fall retten sollte.

      „Aber die empfinden wohl die Erwähnung des Wortes, ohne mehrseitige Abhandlung dazu, wie grausam und unrecht und schlimm und und und Vergewaltigung ist, nicht korrekt.“

      Es scheint noch nicht einmal zulässig zu sein, Vergewaltigung als etwas grausames darzustellen, wenn es in einem damit nicht zusammenhängenden witzigen Kontext passiert.

      „Thought Police. Ist das einzige was mir da noch einfällt. Nach radikalfeministischer Auffassung gäbe es dann nur noch die simpelsten oder gar keine Witze mehr.“

      Thougt Police ist nicht ganz falsch. Es geht um die Hoheit über Vergewaltigung als Schreckensszenario.

      „Selbst die kindischen „Fritzchen“ und „Häschen“ Witze könnten diskriminierend empfunden werden.“

      Politisch korrekt ist schnell unwitzig. Eben weil Witze Grenzen überschreiten. Ein Teil des „Feministinnen sind humorlos“-Klischees kommt sicherlich aus dieser politischen Korrektheit (die allerdings auch nur in bestimmte Richtungen geht)

      „Eine Feministin, ein Rabbi und ein Pferd betreten eine Bar…“

      😉

      • Kommt, jetzt übertreibt mal nicht… Genauso wie manche Witze politisch unkorrekt sein müssen, um witzig zu sein, müssen Liebhaber dieser Witze damit rechnen anzuecken.
        Geht anderen auch so, seien es Juden-, Kinderschänder- oder Krüppelwitze.

        Redet da einer von Thought Police?
        Jeder Mensch hat da seine Grenzen.

      • @maren

        Anecken ist etwas anderes als der Shitstorm und die Boykottaufrufe, die dieses harmlose Comic entfacht hat.

        Melissa McEan meinte beispielsweise dies:

        The Penny Arcade Dickwolves Debacle rages on, with some of the most remarkably insensitive minimization of sexual violence and some of the most callous ridicule of survivors I have ever seen.

        Das wird der Interessenlage wohl kaum gerecht.

        und auch die Anschuldigungen danach passen gut zu meinem Artikel oben:
        http://shakespearessister.blogspot.com/2011/02/offended-is-worst-thing-to-be.html

        And make no mistake: Someone who defends rape jokes, which are the the primary means by which rape is normalized and its gravity diminished to make rape acceptable—so acceptable, in fact, that 1 in 6 women and 1 in 33 men will be victimized by sexual violence at least once in their lifetimes, the vast majority of whom will never see justice for those crimes against them—is indeed a rape apologist.

        To defend a rape joke that serves the rape culture, at which a rapist is more likely to laugh than a survivor, at which a rapist can laugh at all, is to defend what that joke exists in service to, intentionally or not.

        But somehow, it’s still worse to be offended than to offend anti-rape advocates and trigger survivors

        Zumal die Zahlen auch schlicht falsch sind. Und das ist seit langem bekannt.

        Die Erwiderung der Penny Arcade Autoren finde ich hingegen eher stilvoll:
        http://www.penny-arcade.com/comic/2010/8/13/

        Eine Übersicht über die verschiedenen Beiträge dazu findet sich zB hier:
        http://debacle.tumblr.com/post/3041940865/the-pratfall-of-penny-arcade-a-timeline

      • Den Penny Arcade Witz fand ich getz auch nich so schlimm, aber bin ja auch ein Nerd und weiss worums geht.

        Es waren die beiden anderen, die mich angepisst haben,mag da vielleicht mal einer was zu sagen?

  5. Pingback: Bewertung der sexuellen Orientierung aufgrund der Körperbewegungen und der Morphology « Alles Evolution

  6. Ich bin Christ und akzeptiere in einer offenen Gesellschaft ganz andere Witze, Karikaturen etc. solange ich nicht ungewollt im Öffentlichen Raum damit konfrontiert werde und ich aufgrund meines Glaubens diskriminiert werde.

    Ich finde, solange nicht nachweislich solche Comics zu einem Anstieg an asozialem Verhalten bzw. sexuellen Straftaten beitragen, sehe ich keinerlei Motivation, das Recht auf freie Meinungsäußerung zu Gunsten dem „Diskriminierungsverbot“ einer Klasse, Minderheit, wie man es auch sagen will, zu begrenzen.

    Eine offene Gesellschaft bedeutet eben auch, andere Meinungen gelten zu lassen, von seiner eigenen Moral abweichende Haltungen zu erdulden, solange einem diese im öffentlichen Raum nicht aufgedrängt werden.

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