Monogamie beim Menschen und Biologie

Bei der Mädchenmannschaft geht es um Monogamie und Biologie. Es wird ein Buch besprochen, indem der Autor meint, dass wir biologisch nicht für Monogamie ausgelegt sind.

Begründet wird dies wie folgt:

Our testicles aren’t as big as those of chimps and bonobos, but our ejaculation is about four times as big in terms of volume. The theory is that when males compete on the level of the sperm cell, they develop much larger testicles, because in promiscuous animals, the sperm of the different males is competing with the sperm of other males to get to be the first to the egg. And the fact that our testicles are not as small relative to our body as the monogamous gibbon or gorillas reinforces the idea that we have been non-monogamous for a long time.

Plus the design of our penis strongly suggests that it evolved to create a vacuum in the female reproductive system, thereby pulling out the semen of anyone who was there previously. There are all kinds of indications of sperm competition in the human male.

Ähnliches hatte ich bereits in dem Beitrag „Libido und Geschlecht: Zur Wirkung von Testosteron etc. beim Sex“ unter Bezug auf das Buch Spermwars geschrieben.

Die Autorin bei der Mädchenmannschaft hat das Thema aber eindeutig nicht verstanden. Dies sieht man an Aussagen wie dieser:

Im Interview mit Salon erklärt Psychologe und Autor Ryan die Hintergründe, in denen Penisformen, Hodengrößen und Spermaspuren eine große Rolle spielen, mich persönlich aber nicht sonderlich überzeugen. Gegenfrage: Sagt die Größe meiner Klitoris ebenfalls etwas über meine mangelnde Monogamie-Fähigkeit aus?! Super, dann kann ich es beim nächsten Mal darauf schieben: “Sorry, Schatz, aber hättest du dir meine Klit mal genauer angesehen, hättest du wissen können, dass Fremdgehen in meiner Natur liegt…”

Erstens geht es bei den Aussagen mal wieder nicht um das Individuum, sondern um Artunterschiede. Wenn Menschen die Hoden eines Bonobos hätten, dann wären diese nicht nur ein klein wenig größer, sondern einfach riesig. Die Hoden des Bonobos machen 2,8 Promille seines Körpergewichtes aus, die des Menschen 0,6 Promille.  Sie wiegen also etwa fünf mal so viel. Gorillas liegen bei 0,2 Promille.

Zweitens hat sie nicht verstanden, warum die Hoden größer sind. Es geht darum, die Ejakulationsmenge zu erhöhen um Spermien anderer Männer herauszuschwemmen und mittels Killerspermien, Blockierspermien etc sicherzustellen, dass Spermien anderer Männer nicht bis zu dem zu befruchtenden Ei gelangen. Nur bei Arten, die mit einer solchen Spermienkonkurrenz rechnen müssen lohnt sich der Aufwand so viele Spermien zu produzieren und stellt daher einen evolutionären Vorteil dar.

Da ihre Klitoris in dieser Hinsicht keine Funktion erfüllt, am Spermienkampf nicht beteiligt ist, sagt die Größe ihrer Klitoris nichts aus.

Das Buch entbindet die Männer auch nicht von der Monogamie. Es hält nur fest, dass wir biologisch nicht wie etwa andere Arten absolut monogam leben (das einzurichten wäre biologisch kein Problem gewesen, wie andere Tierarten zB Höckerschwäne zeigen). Unseren biologischen Grundlagen nach sind wir durchaus für längere (nicht unbedingt treue) Beziehungen gebaut, was schon die Hodengröße und auch der Hang der Männer zu jungen Frauen zeigt (junge Frauen lohnen sich insbesondere für lange Beziehungen, da man bei langen Beziehungen mit älteren Frauen weniger Zeit hat viele Kinder zu bekommen, insbesondere unter den medizinischen Bedingungen der Steinzeit). Was am ehesten zu unseren Grundlagen passt ist serielle Monogamie bzw. lange Beziehungen mit einem gewissen Interesse an evt. Seitensprüngen. Und siehe da, so leben wir Menschen tatsächlich.

Abenteuer Forschung: Wann entwickelt sich unsere Geschlechteridentität?

Ein Beitrag aus der Reihe „Abenteuer Forschung“:

In dem Beitrag wird der David Reimer Fall dargestellt, der meiner Auffassung nach mit der feministischen These, dass Geschlecht durch die Gesellschaft gemacht wird, nicht in Einklang gebracht werden kann. Weiter geht es mit Experimenten mit Affen, bei denen die Männchen für Bagger und die Weibchen für Puppen entscheiden. Dann folgen weitere Unterschiede zwischen Männern und Frauen, begründet mit der Evolution und der Steinzeit. Der Beitrag geht nicht sehr in die Tiefe, ist aber ein netter kleiner Überblick.

Zitat:

„Inzwischen gehen die meisten Forscher davon aus, dass sich schon im Mutterleib entscheidet, welchem Geschlecht sich ein Kind einmal zugehörig fühlen wird“

(Danke an Thomas für den Tipp)