Biologische Unterschiede zwischen Mann und Frau und Ausgleich durch Erziehung

„Pink Brain and blue Brain“ von Lise Eliot ist ein Buch in dem es zum einen um die Unterschiede  zwischen den Geschlechtern geht, die hier bejaht werden, und zum anderen darum, wie man diese biologischen Unterschiede wieder durch Erziehung ausgleichen kann

Ich sage daher eine Hassliebe des Feminismus mit diesem Buch voraus:

  • Der Teil, indem es um die Unterschiede geht wird eher murrend zur Kenntnis genommen werden. ein Vorteil ist, dass sie viele Unterschiede als nicht so stark ansieht
  • Der Teil, dass man alles wieder durch Erziehung ausgleichen kann allerdings gefeiert werden und häufig als „…selbst wenn es Unterschiede gibt kann man sie ausgleichen“ an viele Diskussionen angehängt werden.

Eliot meint, dass man den biologischen Unterschieden entgegenwirken kann, wenn man die Kinder früh lenkt:

Being aware of these different cognitive domains can help us as parents and teachers provide each child with more of a rounded experience early in life. It’s important to not give preschool children too much choice about what activity they do, because then you have kids separating by gender and only reinforcing their strengths.

Natürlich ist es gut ein Kind in jedem Bereich zu fördern und dabei auch die „Schwächen“ anzugehen. Allerdings sehe ich hier immer die Gefahr, dass es in einen Zwang ausartet, der dann den Kindern nicht gut tut.  Und wenn ein Kind ein Junge sein will, dann kann das ein guter Weg für das Kind sein, den man nicht „rauserziehen“ sollte.

Immerhin wird es aber den Vorteil haben, dass man die Kibbuzstudien vielleicht etwas ergänzen kann.

12 Gedanken zu “Biologische Unterschiede zwischen Mann und Frau und Ausgleich durch Erziehung

  1. „It’s important to not give preschool children too much choice about what activity they do, because then you have kids separating by gender and only reinforcing their strengths.“

    Dieses Fazit ist ein Witz. Es soll wichtig sein, Kinder nicht ihren Anlagen und Neigungen entsprechend zu handeln. Weil sie dadurch nur ihre Stärken noch ausbauen könnten?

    Und warum sollte man nur Vorschulkinder dahingehend „erziehen“, dass sie ihre vermeintlichen Schwächen ausgleichen, und ihre naturgegebene Talente brachliegen lassen? Man könnte auch bei älteren Kindern dieselbe Erziehungsmoral walten lassen: Warum sollten handwerklich talentierte Kinder nicht dazu „erzogen“ werden, gefälligst eine Geisteswissenschaft zu studieren. Und Kinder, die Spaß an geistigen Tätigkeiten haben dazu zwingen, gefälligst ein Handwerk zu erlernen?

    Das Ergebnis wären mittelmäßige Handwerker, mittelmäßige Akademiker (mittelmäßige Lehrer, Ärzte, Ingenieure, Architekten, Elektroinstallateure, Erzieher, Krankenpflegepersonal usw). Eine „gerechte“ Gesellschaft voller Mittelmäßigkeit. Eine gleichere Gesellschaft, als es der Sozialismus jemals zu erreichen imstande gewesen wäre.

    Kinder, die keinen Spaß an dem haben, was sie tun sollen. Sie sollen nicht das tun, was sie gut können, sondern das, was sie nicht können.
    Ist das nicht idiotisch?

  2. Ich kenne das Kibbuz-Experiment aus dem Buch „Das Geschlechterparadox“ von Susan Pinker, was eine eine Art natürlich bedingte Geschlechtersegregation begründen soll genauso wie die Anregung, Männer und Frauen bei ihren Prädispositionen abzuholen, um größere Freiheiten im Geschlechterverhältnis zu ermöglichen.

    Prof. Hollstein beschreibt in „Geschlechterdemokratie“ 2004 ähnlich lautende Passagen zu biologischen Prädispositionen.

    Das Kibbuz-Experiment ist m.E. jedoch nicht ganz vollständig :

    Im Buch „Love me or Leave me“ wird der Vergleich der liberalen US-Verhältnisse mit den kommunitaristischen Israels geschickt gewählt.

    Da die Sowjetrepubliken imer gerne als Beispiel angeführt werden, zeigt der o.g. Vergleich, dass ein kommunitaristisches System kein Garant für Geschlechteregalität ist und auch dort die Idealisierung der Mutterrolle möglich ist.

    M.E. eine weitere Facette im Geschlechterpuzzle.

    “Liebe als eine Form des praktischen Wissens, der affektiven Fähigkeit und emotionalen Kompetenz ist geeignet, Dominanzverhältnisse umzuarbeiten – ohne zum Allheilmittel erhoben oder Unterwerfungsgeste abgeschrieben zu werden, sondern als ein dynamisches Begehrens- und Bewegungsmoment.” (Quelle : Love me or Leave me, S. 86).

  3. @Christian : Ich tue mich mit der Aussage

    „Und wenn ein Kind ein Junge sein will, dann kann das ein guter Weg für das Kind sein, den man nicht „rauserziehen“ sollte.“

    ehrlich gesagt ein bischen schwer, weil ich es aus meinen Erinnerungen nicht nachvollziehen kann.

    Ich kann mich an die Schule damals erinnern. Im Unterricht herrschte Ruhe, notfalls auch per Watschn, außerhalb waren wir Lausbuben die sich auch geprügelt haben, die Alten geärgert haben und auch sonst viel dummes Zeug gemacht haben, ohne manchmal der Risiken bei „Mutproben“ bewußt zu sein.

    Was verboten war, war toll.

  4. Auch auf die Gefahr hin, dass es etwas off-topic ist, habe ich noch ein paar interessante Hinweise, die ich gerne wiederkehrend zum Thema Diskriminierung im Hinblick auf die Lohnschere genutzt habe und den biologischen Ansatz verfolgen :

    „… und daß 38% der Frauen eine Beförderung abgelehnt oder sich bewusst für eine schlechter bezahlte Position entschieden hatte (Sylvia Ann Hewlett, „Extreme Jobs. The Dangerous Allure of the 70 hour-workweek“, Harvard Business Review 12/2006, Hewlett und Luce, „off-ramps and on-ramps. Keeping talented woman on the road of success”, Boston, Mass.: Harvard Business School press, 2007).

    „.. durch ihre Suche nach inhärentem Sinn bei der Arbeit und über die geringere Stundenzahl, die sie in die Arbeit investieren wollten. Beides steht im Widerspruch zu Spitzengehältern und beruflichem Aufstieg.“ (Susan Pinker, “Das Geschlechterparadox, S. 100).

    „Die Frauen, die weniger rentable Berufsfelder und Tätigkeiten wählen, tragen selbst zu dieser Diskrepanz bei, als ob sie sagen wollten : Dies ist die Arbeit, die ich tuen möchte. Dies sind die Arbeitszeiten, die ich brauche. Und dafür nehme ich in Kauf, etwas weniger zu verdienen“ (Susan Pinker, “Das Geschlechterparadox, S. 88)

    „Unabhängig von Lernproblemen haben eine Reihe von Ökonomen belegt, daß Frauen häufig schlechter bezahlte Jobs auswählen, ihren eigenen Angaben aber zufriedener mit ihrer Arbeit sind. (Job satisfaction and gender : Why are women so happy at work? Labour economics 4, 1997, S.341; J.Oswald, Happiness and economic performance, economic journal 107, 11/1997, S.1815-1831.).

    „Wenn man die Berufsorientierungspräferenzen von Frauen und Männern betrachtet, finden sich die größten Unterschiede in den Ländern, die die größte Auswahl und Freiheit an Möglichkeiten bieten wie Deutschland, Schweiz,
    Norwegen, USA, Japan etc.“ (Marcia Barinaga, „Surprises across the Cultural Divide“, Science 263, 1994).

    Als Kapazität auf dem Gebiet der Präferenzenforschung ist auch Fr. Catherine Hakim zu nennen.

    Was hältst Du von diesen Erklärungs-Ansätzen?

  5. @Thomas
    Das Frauen im Schnitt die Kriterien „Lohn und Status“ bei der Jobsuche nicht so hoch bewerten wie Männer im Schnitt hätte ich auch vermutet. Hinzu dürfte noch kommen, dass Männer eine höhere Risikobereitschaft haben solche Jobs auch anzunehmen.

    Insofern kann ich die Ansätze nachvollziehen. Meiner Meinung nach sind sie aber nicht unbedingt biologisch, man könnte sie auch bei einem gesellschaftlichen Erklärungsansatz verfolgen.

  6. „man könnte sie auch bei einem gesellschaftlichen Erklärungsansatz verfolgen.“

    Ich sage auch sehr gerne, Mädchen werden selbstempathischer sozialisiert und sind später nicht auch „so dumm“, sich im Job die Gesundheit zu ruinieren.

  7. Es bringt ihnen auch einfach weniger als Männern. Sie haben das Problem, dass beruflicher Statuszugewinn nicht mit einem Attraktivitätszugewinn verbunden ist, während dies bei Männern durchaus der Fall sein kann. Zudem haben sie das Problem, dass es schwieriger wird einen Mann mit gleichem Status zu finden, was viele Frauen wollen, wohingegen sich die Partnerauswahl für Männer eher erweitert.
    Der Nutzwert einer Karriere ist damit für Frauen einfach geringer.

  8. Ein interessantes Buch zum Thema männliche Sozialisation ist z.B. Männerseelen von Björn Süfke :

    Zu Deinem Thread bin ich oben noch über folgenden Satz gestolpert :

    „wie man diese biologischen Unterschiede wieder durch Erziehung ausgleichen kann.“

    Das klingt m.E. auch ein wenig danach, als wäre es ein gesellschaftliches zwingend wünschenswertes Ziel, das um jeden Preis irgendwie erreicht werden muss.

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass aufgrund m.E. Alternativlosigkeit Spielzeug z.B. sehr klischeebelanden ist. Rosa Glitzer für Mädchen, Autos und Actionfiguren für Jungs.

    Meiner Tochter habe ich gezeigt wie man Papierflieger baut, die auch wirklich segeln. Sie musste sich dann in der Schule anhören „Mädchen machen doch sowas nicht“.

    Diese Klischees halte ich genauso für Unsinn wie ein zwanghaftes Wegerziehenwollen aller Unterschiede.

    Nach dem Männerkongress 2010 habe ich den Eindruck, die Gelehrten sind sich nach wie vor noch nicht so ganz sicher, ob biologische Prädispositionen oder Sozialisationseffekte dominieren.

    Vielleicht ist der erfolgreichste Ansatz per status-quo : Jeder nimmt sich das Recht auf freie Lebensgestaltung, angereichert durch Erweiterungsangebote.

    Denn m.E. sind männliche Lebensentwürfe eher noch recht eindimensional vorgegeben und anerkannt.

  9. „Der Nutzwert einer Karriere ist damit für Frauen einfach geringer.“

    Das hat z.B. Dr. Woinoff im Ratgeber für Frauen „Überlisten Sie Ihr Beuteschema“ hervorragend beschrieben.

    http://www.single-generation.de/kohorten/78er/stefan_woinoff.htm

    „Wie es dazu kam – ein geschichtlicher Rückblick

    Die Nachkriegszeit und die 50er Jahre: Ich gehöre meiner Familie
    Die 60er Jahre: Meine Sexualität gehört mir
    Die 70er Jahre: Mein Bauch gehört mir
    Die 80er Jahre: Meine Karriere gehört mir
    Die 90er Jahre: Mein Leben gehört mir
    Die 00er Jahre: Jetzt gehört mir alles, aber der Partner fehlt“

  10. Pingback: Arne Hoffmann und Vorurteile über biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern « Alles Evolution

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