Die Frauenquote als „Einstiegsdroge“, das Interesse von weiblichen Führungskräften an einer Erhöhung des Frauenanteils und Gleichstellung ohne eigene Verantwortung

Crumar schreibt in einem Kommentar:

Du verstehst nicht, dass die feministischen Forderungen lediglich eine EINSTIEGSDROGE sind.

Was C. v. B. schreibt ist: Na gut, jetzt gibt es die Quote bei den Aufsichtsräten, aber wir brauchen noch die für Vorstände und das Top-Management.
Und wenn man beides hat wird man feststellen, dass NACHHALTIG die Quote nur wirkt, wenn alle anderen Positionen darunter EBENFALLS quotiert sind.

Denn a. irgendwie müssen ja Frauen sich für die Führungspositionen qualifizieren, auf die sie dann (zwangsläufig) gelangen.
Und b. braucht man für Frauen in Branchen mit niedrigem Frauenanteil den eingebauten Fahrstuhleffekt, den die Parteien jetzt schon aufweisen.
Wie ich schon mehrfach geschrieben habe: Ist dieser Fahrstuhleffekt erst einmal installiert, der dem Gejammer über den niedrigen Anteil von Frauen an Organisation/Institution X folgt, tun die so installierten Frauen NICHTS, um den Frauenanteil weiter zu erhöhen. Erstens würden sie sich dann weibliche Konkurrenz ins Haus holen und zweitens wäre das (moralische) Druckmittel weg.

Was hier selten beachtet wird: In den DAX-Unternehmen sind ca. 30% der Beschäftigten weiblich.
Aber eben nicht gleich verteilt, sondern mit den üblichen Geschlechterpräferenzen – das reicht von 50% Frauenanteil bei Banken und Versicherungen zu 15% (und niedriger) in den Bereichen Maschinenbau, chemische Industrie, Automobile, Software bspw.

Während man bei Banken und Versicherungen demnach tatsächlich davon ausgehen kann, dass Frauen eine höhere Beteiligung an den Top-Positionen zusteht, ist es bei Software, Maschinenbau, Automobilen etc. eben nicht so.
Eine Quote von 30% in diesen Bereichen VERDOPPELT demzufolge deine Chance als Frau einen Führungsposten zu erhalten. Das ist der Sinn der feministischen Sprachhypnose, die mit dem Begriff „Repräsentanz“ einhergeht.

Es meint nie die „Repräsentanz“ von Frauen gemäß der realen Verteilung der Geschlechter nach Beschäftigten einer Branche, sondern ist eine hypothetische Größe, die Entscheidungen der Geschlechter für eine Branche qua Ausbildung völlig ignoriert.
Ein weiterer sprachhypnotischer Begriff ist der der „Geschlechtersegregation“ auf dem Arbeitsmarkt, der suggeriert, die Geschlechter hätten nicht qua *eigener Präferenz* entschieden, sondern wären eben „segregiert“ WORDEN. Very tricky.

Das geniale an der feministischen Strategie ist zweierlei: Allein durch ihre biologische Existenz steht Frauen die gleichberechtigte Teilhabe an ALLEM ZU.
Das ist der feministische Sinn des Begriffs „Repräsentanz“ – equality of outcome.
Nächster Trick: Sie selber sind aber für das Erlangen der Teilhabe weder verantwortlich, noch dafür zuständig. Ist die Teilhabe demzufolge nicht gewährleistet, ist dies nicht nur eine Diskriminierung von Frauen, sondern alle MÄNNER sind dann aufgefordert, dies zu ermöglichen.

Es handelt sich hier letztendlich um das Modell der (bürgerlichen) Ehe, das auf die gesamte Gesellschaft ausgewalzt wird: Egal wie es zustande gekommen ist, die Hälfte des „Familieneinkommens“ steht der Frau gesetzlich zu. Nichts zeigt die Voraussetzungen eines *bürgerlichen* Feminismus deutlicher auf; diese Grunderfahrung ist der „default“ seiner Wahrnehmung und seiner Ideologie.
Ich will das noch einmal verdeutlichen: Equality of outcome ist nicht etwa eine Erfindung der Linken, sondern eine ganz ordinäre Erfahrung bürgerlicher Frauen in der bürgerlichen Institution der Ehe – egal welchen Beitrag sie selber in dieser Institution für diese Institution geleistet hat, die RESULTATE stehen ihr zur Hälfte zu.

Zu meiner politischen Einschätzung: Wir haben hier eine (feministische) Entrismus-Strategie vorliegen, die zunächst insbesondere auf das einsickern in ehemalige Staatskonzerne bzw. Konzerne abzielt, in denen der Staat, die Kommune noch Anteile hält. Schließlich auf solche, die im weitesten Sinne „Tech“-Konzerne sind. Die bevorzugte Behandlung von Frauen in unmittelbar staatlichen Institutionen (öffentlicher Dienst) ist ja bereits durchgesetzt.

Dies wiederum hat damit zu tun, dass das „Frauenboot“ rappelvoll ist – Frauenanteile von 70-85% in bei Frauen beliebten Fächern sind schlicht schwierig steigerbar.
Nachdem die erste feministische Strategie darauf abzielte, Frauen als besondere soziale, Männer als asoziale Wesen zu verkaufen – was natürlich mit den Qualifikationen zu tun hatte, die diese Frauen erworben haben – und damit die männliche Konkurrenz aus dem Feld zu schlagen, muss sich die Strategie nun ändern.

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Frauenquote und ihre Umsetzung: „Die meisten Firmen sagen: Frauen, ihr könnt uns mal“

In der Süddeutschen schreibt man über Frauen in Aufsichtsräten eine Glosse:

Als die Bundesregierung vor zweieinhalb Jahren eine feste Frauenquote von 30 Prozent für die Aufsichtsräte in 105 deutschen Unternehmen einführte, war das Gezeter groß. So groß, als stünden die Weibsbilder kurz davor, dem Wirtschaftsstandort Deutschland den Garaus zu machen. Am Mittwoch hat die Bundesregierung nun einen Bericht vorgelegt, wonach inzwischen tatsächlich auf fast jedem dritten Aufsichtsratsstuhl dieser Unternehmen eine Frau sitzt. Die große Katastrophe? Wegen Nebels vertagt.

Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass die Sicht da so einseitig ist. Man erfüllt die Auflagen, aber gerade eben so. Niemand will mehr Frauen einstellen als er muss. Und sie stellen nur fest, dass die Katastrophe ausgeblieben ist. Wie die Arbeit im Aufsichtsrat läuft, ob es auch hier „goldene Röcke“ gibt, ob man eben weiblichere Aufsichtsratsmitglieder niedrigerer Qualität genommen hat als die bei männlichen der Fall gewesen wäre und deswegen der Aufsichtsrat an sich schlechter arbeitet ist damit gar nicht beantwortet und kann auch in 2 1/2 Jahren gar nicht beantwortet werden. Es wird schlicht eine falsche Dichotomie aufgebaut: Wenn es keine Katastrophe war, wenn der Wirtschaft nicht der Garaus gemacht worden ist, dann muss es wohl alles gut gelaufen sein und mehr Frauen stünde nichts im Weg.

Constanze von Bullion hat übrigens Geschichte studiert, sie scheint gerne feministisch zu schreiben, Wirtschaft ist nach allem was ich gefunden habe, nicht ihr Gebiet.

Das Tempo, mit dem Frauen in Aufsichtsräten auftauchen, hat sich mit Einführung der festen Frauenquote verdoppelt. Doch Grund zur Entspannung gibt es nicht. Für die Vorstände und fürs oberste Management von Unternehmen nämlich gibt es keine verbindliche Quote – für Jobs also, in denen oft spitze verdientwird und die Macht operativer Unternehmensführung sitzt. Die Unternehmen wurden 2014 nur aufgefordert, mit einer freiwilligen Zielvorgabe den Frauenanteil im Vorstand zu erhöhen. Ergebnis: Keines. Der Frauenanteil in Vorständen stagniert bei lächerlichen sechs Prozent. Knapp 70 Prozent der Unternehmen schrieben sich auch noch kokett die „Zielgröße Null“ ins Programm. Mit anderen Worten: Frauen, ihr könnt uns mal.

Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass so frei von aller Kritik einfach nur Sexismus als Begründung angeführt wird. Ein Vorenthalten der guten Verdienste und der Gestaltungsmöglichkeiten, also ein Wegnehmen der gebratenen Tauben, die einen gleichsam in den Mund fliegen.

Dabei sind Führungspositionen eben sehr häufig schlicht eine Bestenauslese aus Leuten, die in dem Bereich tätig sind und sich auf dem Weg nach oben enorm eingesetzt und durchgesetzt haben. Die ihren Beruf an erste Stelle gesetzt haben und alles andere hinten angestellt haben. Die Risiken eingegangen sind und einen Job übernommen haben, der keinen Feierabend kennt.

Was fällt den Unternehmen ein, Frauen da nicht einfach mal an die Spitze zu setzen?

Die Idee, dass viele Frauen sagen „Überstunden, harter Wettbewerb, keine Zeit für Familie?: Führungspositionen, ihr könnt uns mal!“ kommt ihr da gar nicht in den Sinn.

Auch nicht die Idee, dass es keine Leistung der Frauen ist, eine feste und verbindlich zu erfüllende Quote gerade so umgesetzt zu haben. Wenn überhaupt, dann zeigt das gerade das Scheitern der gesamten Idee: Wenn Unternehmen nicht gezwungen werden, dann sind ihnen Frauen zu teuer im Vergleich zu Männern und sie nehmen daher keine mehr als sie müssen. bzw die Frauen, die sich in gleicher Weise auf den Beruf einlassen, wie die Männer sind so rar, dass Einstellungen über die Quote hinaus unattraktiv sind.

 

Frauenquoten für die Parteien

Nach dem durch die Stärkung konservativer Parteien der Anteil der Frauen im Bundestag gesunken ist wurde in einem Beitrag in dem SPD-Blatt „Vorwärts“ durch Frau Elke Ferners die Idee ins Gespräch gebracht, dass man eine Frauenquote für die Parteien benötigen würde:

Wir sehen, dass der Frauenanteil in den Parteien mit parteiinternen Quotenregelungen deutlich besser ist. Der Frauenanteil bei Grünen und Linken liegt bei über 50 Prozent, bei der SPD bei 42 Prozent. Für uns ist es nach 2013 die zweite Wahlperiode mit über 40 Prozent in der SPD-Bundestagsfraktion. Deutlich wird aber auch, dass mit dem geltenden Wahlrecht eine paritätische und damit repräsentative Vertretung von Frauen und Männern im Bundestag kaum zu erreichen ist.

Was ist zu tun?

Wenn in dieser Wahlperiode das Wahlrecht geändert wird, plädiere ich dafür, auch das Thema paritätische Besetzung der Parlamente anzugehen. Vorbild können Frankreich und andere europäische Länder sein, in denen eine paritätische Besetzung bereits im Wahlrecht verankert ist. Diese Debatte muss jetzt geführt werden.

Dann ist der geringe Frauenanteil im neuen Bundestag als Signal zu verstehen?

Die Parlamente sollen ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung abbilden. Frauen zählen etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung und sollten auch die Hälfte der Mandate im Bundestag haben. Wenn das über die Parteien nicht möglich ist, müssen wir das über unser Wahlrecht absichern.

Das war auch bereits Thema anderer Beiträge auf anderen Blogs zB:

Die Kritik wären aus meiner Sicht:

  • Es besteht kein Anspruch auf repräsentative Vertretung: Sie existiert auch für keine andere Gruppe. Wenn Leute mehr Frauen im Parlament wollen, dann müssen sie eben Parteien wählen, die mehr Frauen aufstellen. Wenn ihnen diese nicht gefallen, dann müssen sie Prioritäten setzen, wie bei jeder sonstigen Frage auch
  • Wenn man mit Quoten bei Frauen anfängt, warum dann nicht auch für Männer (zB bei den Grünen), oder nach Alter, Hautfarbe, Beruf oder anderen Kriterien, die nicht vertreten sind?
  • Es ist mit unserem Wahlrecht schwer zu vereinbaren, weil Direktmandate vorhanden sind nach der 1. Stimme. Hier würde selbst eine Vorschrift, die vorschreibt, dass auch diese zu 50% besetzt werden wenig helfen, weil in bestimmten Kreisen eine höhere Aussicht auf ein Direktmandat besteht. Es wäre auch schwer zu entscheiden, welcher Wahlkreis jetzt quotendienlich besetzt wird und welcher nicht. Ein „Nachrücken“ des mit weniger Abgeordneten bedienten Geschlechts könnte zwar Abhilfe schaffen, würde aber auch nicht helfen, wie die CDU zeigt, bei der über die Liste niemand einzieht, sondern nur Direktmandate.
  • Es ist eine unzulässige Einmischung in die internen Angelegenheiten einer Partei und auch auf deren Besetzung und damit auf das Wahlrecht:
    Wenn eine feministische Partei allein Frauen aufstellen will um das Patriarchat zu bekämpfen, dann muss ihr das möglich sein.
    Wenn eine „Väterpartei“ nur Väter aufstellen möchte, dann muss ihr auch das möglich sein.
    Aber auch abseits solcher Spezialthemen muss eine Partei entscheiden können, wer ihre Interessen und ihre Überzeugungen am Besten vertritt und diese Person aufstellen können. Und das eben auch, wenn es eher Männer als Frauen oder eher Frauen als Männer sind.
    Es kann nicht sein, dass eine Partei eine andere Person vorziehen muss, die weniger hinter ihrer Idee steht oder diese aus ihrer subjektiven Sicht schlechter oder weniger engagiert vertritt oder auch nur mit geringeren finanziellen eigenen Aufwand weil sie einer Quote folgt. Gerade das Argument der „Repräsentation“ spricht dafür, dass man sich davon andere Inhalte verspricht, darauf darf in einer freien Wahl aber kein Einfluss genommen werden.
  • Es spricht den Frauen die Fähigkeit ab, nach ihren eigenen Interessen zu wählen: Wer meint, dass Frauen bei freien geheimen Wahlen keine Entscheidung treffen können, die für sie vorteilhaft ist und damit als mündige Bürger wählen, der sieht sie nicht als mündige Bürger an.

Aranxo verweist zu recht auch auf die Rechtsprechung, die darauf abstellt, dass der Staat keinen Einfluss auf die Wahl nehmen darf, auch nicht um die Gleichstellung der Frau durchzusetzen.

Die interessanten Vorschriften aus dem Grundgesetz sind aus meiner Sicht diese:

Art. 21

(1) 1Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit. 2Ihre Gründung ist frei.3Ihre innere Ordnung muß demokratischen Grundsätzen entsprechen. 4Sie müssen über die Herkunft und Verwendung ihrer Mittel sowie über ihr Vermögen öffentlich Rechenschaft geben.

(2) Parteien, die nach ihren Zielen oder nach dem Verhalten ihrer Anhänger darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden, sind verfassungswidrig.

(3) 1Parteien, die nach ihren Zielen oder dem Verhalten ihrer Anhänger darauf ausgerichtet sind, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden, sind von staatlicher Finanzierung ausgeschlossen. 2Wird der Ausschluss festgestellt, so entfällt auch eine steuerliche Begünstigung dieser Parteien und von Zuwendungen an diese Parteien.

(4) Über die Frage der Verfassungswidrigkeit nach Absatz 2 sowie über den Ausschluss von staatlicher Finanzierung nach Absatz 3 entscheidet das Bundesverfassungsgericht.

(5) Das Nähere regeln Bundesgesetze.

Damit gibt das Grundgesetz vor, dass die innere Ordnung lediglich demokratischen Grundsätzen entsprechen muss, wozu Gleichberechtigung oder gar Gleichstellung erst einmal nicht gehört. Wer weniger Frauen ins Parlament bringt will auch nicht die FDG beseitigen oder beeinträchtigen.

Des weiteren heißt es dort:

Art. 38

(1) 1Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt. 2Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.

(2) Wahlberechtigt ist, wer das achtzehnte Lebensjahr vollendet hat; wählbar ist, wer das Alter erreicht hat, mit dem die Volljährigkeit eintritt.

(3) Das Nähere bestimmt ein Bundesgesetz.

Dort wird bereits angeführt, dass die Abgeordneten Vertreter des ganzen Volkes sind und nicht etwa Männer nur Vertreter der Männer. Eine repräsentative Vertretung, wonach nicht Vertreter eines Volkes, sondern einzelner Gruppen einziehen, ist damit schwer zu vereinbaren.

Frau Ferner führt an;

Nun werden Kritiker einwerfen, dass es Gleichstellung bereits gibt und Frauen alle Möglichkeiten haben. Was sagen Sie denen?

Das ist wieder das Motto „die Frauen sind selbst schuld“. Frauen haben aber die gläsernen Decken nicht erfunden. Das sind Schutzwälle der Männer. Schauen wir beispielsweise auf die FDP. Die behauptet immer, wer qualifiziert ist, wird auch gewählt. Wenn es aber bei der FDP nur ein Fünftel qualifizierte Frauen und bei der Union noch weniger gibt, die sichere Plätze haben und in den Bundestag einziehen, dann tun mir die Frauen in diesen Parteien einfach nur leid. Leider wirkt sich das dann auch auf die Gleichstellungspolitik aus. Frauen und Männer, die sich eine tatsächliche Gleichstellung wünschen und in einer modernen vielfältigen Gesellschaft mit gleichen Chancen für alle leben wollen, haben keine Lobby in diesen Fraktionen. Diese Wahlperiode wird eine des gleichstellungspolitischen Stillstandes werden.

Nur das die CDU mit deutlich weniger Frauenanteil eben wesentlich mehr Frauen überzeugt hat als die SPD. Man könnte dem Gedanken folgend anführen, dass einem die SPD leid tun kann, die anscheinend  mit doppelt so vielen Frauen nur die Hälfte der Wählerinnen überzeugen konnte. Werden die Frauen dann in der SPD vierfach so stark unterdrückt, weil sie anscheinend ihre Ideen zur Frauenvertretung nicht umsetzen konnten, denn sonst hätten sie nach der Logik ja mehr Frauen gewählt?

Anscheinend haben Frauen, die sich eine Gleichstellung wünschen schlicht keine Lobby bei den Wählerinnen.

Nun mehr diesen Wählerinnenwillen zu umgehen indem man zwangsweise Frauen in die Parteien setzt ist geradezu absurd und undemokratisch. Zum einen erklärt sie, dass Gleichstellung nur über Frauen geht. Zum anderen spricht sie den Wählerinnen ab, dass sie Parteien wählen, die ihre Interessen vertreten.

Tatsächlich ist es auch keine gläserne Decke, gegen die Frauen stoßen, sondern schlicht ihre schlechte Beteiligung an den Parteien. Alle Parteien haben prozentual zumindest die gleiche Anzahl  weiblicher Abgeordnete in den Bundestag geschickt die auch dem Verhältnis weiblicher Mitglieder entspricht.

Weiter im Interview

Frau Ferner, die SPD hat mit Andrea Nahles eine Frau an die Spitze der Bundestagsfraktion gewählt. Freut Sie das?

Ja, es freut mich wirklich sehr. Am Mittwoch hat die SPD-Bundestagsfraktion Geschichte geschrieben. Etwas spät, wie ich finde. Aber besser spät als nie. Nun ist zu hoffen, dass auch die anderen Funktionen, nämlich in der Fraktion und in der Partei paritätisch besetzt werden.

Auch interessant:

Ihre Partei „schreibt Geschichte“ mit einer ersten weiblichen Fraktionsvorsitzenden und Null  (0) weiblichen Kanzlerkandidatinnen, die Partei, der sie Stillstand der Gleichstellung vorwirft, 2002 ihre erste Fraktionsvorsitzende hatte (Merkel)  und seit 2005 eine Bundeskanzlerin stellt (ebenfalls Merkel). Auch die FDP hatte bereits 2009 eine Fraktionsvorsitzende (Birgit Homburger). Und die AFD hat von Anfang an mit Weidel eine Fraktionsvorsitzende (zusammen mit Gauland).  Tatsächlich ist die SPD die letzte der im Bundestag vertretenen Parteien, die eine weibliche Fraktionsvorsitzende hatte. 

Vielleicht geht es eher den Frauen in der SPD schlechter als in anderen Parteien.

Interessant aus dem ersten Abschnitt fand ich im übrigen noch ihren Hinweis auf Frankreich und die EU.

Zu Frankreich habe ich das hier gefunden:

Seit Beginn des Jahrhunderts wurde die Gesetzgebung zum Thema Gleichstellung zwischen Mann und Frau mehrfach geändert. 1999 wurde im Rahmen einer Verfassungsänderung Artikel 3 der Verfassung der Fünften Republik wie folgt ergänzt: „Das Gesetz fordert den gleichen Zugang von Frauen und Männern zu den Wahlmandaten und auf einer Wahl beruhenden Ämtern“. Diese Ergänzung wurde 2008 in Artikel 1 aufgenommen. Erst diese neue verfassungsrechtliche Bestimmung machte die Verabschiedung weiterer Gesetze zur Förderung des Zugangs von Frauen zu Wahlmandaten möglich.

2000 wird die öffentliche Finanzierung politischer Parteien per Gesetz so geändert, dass ein Teil der staatlichen Förderung nur dann ausgezahlt wird, wenn die Kriterien für eine gleichberechtigte Aufstellung von Kandidaten bei regionalen und nationalen Wahlen erfüllt sind.

Also eine indirekte Frauenquote über die Parteienfinanzierung. Ich würde davon ausgehen, dass auch ein solcher Ansatz als Umgehung gegen die oben angeführten Wahlgrundsätze verstoßen würde. In Frankreich wird allerdings auch jeder Wahlkreis nach dem Mehrheitsprinzip vergeben (also der mit den meisten Stimmen im zweiten Wahlgang erhält den Platz). Zur EU habe ich nichts zu Quoten gefunden.

Dann noch ein paar taktische Erwägungen:

Ist es tatsächlich schlau für die SPD (oder linke Parteien) eine Frauenquote für alle Parteien einzuführen?

Ich würde sagen: Es kommt darauf an

  • Wenn es so wäre, dass die anderen Parteien damit keine Fraueninteressen vertreten und damit Frauen mehr Gleichberechtigung oder gar mehr Gleichstellung einfordern wollen, dann rauben sich die linken Parteien ein Alleinstellungsmerkmal bei einer großen Wählerschicht.
    Ihr Argument „Hier werdet ihr von Frauen vertreten, wählt daher uns“ würde dann wegfallen und die CDU, die FDP etc könnten anführen, dass sie genauso mit Frauen aufwarten können, wie die anderen Parteien auch.
  • Gehen sie davon aus, dass mehr Frauen im Bundestag dazu führen, dass die CDU feministischer wird, dann würden sie auch eher Wähler verlieren und könnten sich weniger abgrenzen
  • Wenn sie davon ausgehen, dass die Frauenquote eine Last ist und die CDU einen Vorteil davon hat, dass sie diese nicht hat, dann wäre es taktisch schlau, dass sie eine solche einführen wollen
  • Wenn sie davon ausgehen, dass eine solche eh nicht umgesetzt werden kann, sie aber mit Virtue Signalling Punkte machen, dann wäre es ebenfalls taktisch schlau, dies in die Diskussion zu werfen, die Umsetzung wäre dann aber nicht Priorität-

Natürlich kann aus Sicht feministischer Parteimitglieder der Anteil der Frauen am Parlament ein Gewinn an sich sein, bei dem taktische Gedanken keine Rolle spielen.

 

„Männer können durch eine Quote, die 30% für Frauen vorsieht, nicht benachteiligt sein, sie haben ja noch immer mehr hohe Positionen“

Eine in der Diskussion um die Quote gerne verwendete Vorgehensweise bzw Pseudoargumentation ist die Behauptung, dass eine Quote, die für Frauen 30% vorsieht, unmöglich benachteiligen kann, weil diese dann ja immer noch 70% haben.

Das verkennt den Unterschied zwischen der Gruppenebene und der Individualebene und ist selbst innerhalb der Gruppenebene falsch.

1. Individualebene

Auf der Individualebene hat ein Mann nichts davon, dass schon andere Männer weiter oben sind.

Er selbst möchte gerne, dass seine Arbeit anerkannt wird und sich auszahlt. Er arbeitet in 60 Stunden Wochen, wann immer irgendwo ein wichtiges Projekt ist, meldet er sich freiwillig und bringt es gut zu Ende. Alle Wissen, dass er derjenige ist, auf den man bauen kann und der es verdient hat. Der Boss ist kurz vor 65. In 1 Jahr geht er in den Ruhestand. jedem ist klar, dass er Nachfolger wird. Er macht jetzt schon die Vertretungen.

Dann kommt die Mitteilung: Man muss die Frauenquote erhöhen um politisch besser dazustehen. Und das in den nächsten 5 Jahren. In dieser Zeit werden aber nur 5 Führungsstellen  frei, so dass man diese alle an Frauen vergeben muss um überhaupt etwas Erfolg vorweisen zu können. Für die Stelle seines Chefs hat man gerade einen Headhunter beauftragt, der wird extern irgendwo eine Frau finden. Aber in 6 Jahren, da könne man schauen, ob man nicht wieder eine Stelle mit einem Mann besetzen kann.

Wie wird sich das auf seine Motivation auswirken und wie auf die Motivation desjenigen, der ihn ersetzen sollte?

Sprich: Für Männer, die gute Arbeit geleistet haben, entsteht plötzlich ein Beförderungsstau. Sie müssen Ambitionen und Träume von entsprechender Karriere hinten anstellen und zusehen, wie Frauen aufgrund ihres Geschlechts vorgezogen werden

Sofern noch Posten mit Männern zu besetzen sind ist zudem der Konkurrenzkampf deutlich größer. Es streiten sich dann viele Männer um die verfügbare Stelle, während wie etwa neulich bei den Grünen bei anderen Stellen, die mit einer Frau besetzt werden sollen man häufig froh ist überhaupt eine zu finden.

2. Gruppenebene

Auf der Gruppenebene wird so getan als wollten gleich viele Männer und Frauen Karriere machen, seien bereit dafür das gleiche zu leisten und entsprechende Einschränkungen bezüglich Freizeit und Familie hinnehmen, seien gleich interessiert an Status und sehr hohen Gehalt und als seien die Bereiche, in denen üblicherweise Karriere gemacht wird, in der Ausbildung gleich stark mit Männern und Frauen besetzt.

Das ist aber nicht der Fall. Das war schon häufiger Thema hier, daher erst einmal ein paar Links:

Recht aussagekräftige Grafiken dazu sind die Folgenden:

Hierher:

Arbeitsstunden Bereitschaft idealer Job

Arbeitsstunden Bereitschaft idealer Job

Selbst in einem idealen Job und selbst in den vergleichsweise niedrigen Stundenzahlen sind Frauen nicht bereit so viel Stunden zu investieren wie Männer.

Die größten Unterschiede zeigen sich im Bereich Gehalt, Risikobereitschaft, Bezahlung nach Leistung und herausfordernden Tätigkeiten auf der einen Seite und dem nicht überschreiten von bestimmten Arbeitsstunden pro Woche, sauberen Arbeitsbedingungen, einer stressfreien und sauberen Umgebung und Flexibilität in den Arbeitzeiten.

Männer stimmen Aussagen zu, die sich darauf beziehen, dass ihre Leistungen wichtig sind und anerkannt werden und das sie sich auch gegen Widerstand durchsetzen. Frauen betonen eher den Ausgleichsgleichsgedanken und wollen etwas für die Gemeinschaft und das Wohl aller tun. Sie wollen Verantwortung lieber teilen und auch deren Folgen.

Und hierher:

Selbst ohne Kinder wollen Frauen wesentlich weniger Stunden arbeiten als Männer

Frauen sind weitaus häufiger bereit ihre Arbeitstunden zu reduzieren und Einkommensverluste hinzunehmen, wenn Kinder da sind. Wie wird sich da ein Paar von einem Mann und einer Frau wohl entscheiden, wer eher aussetzt?

Zuletzt noch die Dreiteilung von Hakim:

Als Resultat zweier repräsentativer Bevölkerungsstudien in Großbritannien und Spanien ließen sich drei weibliche Präferenzen unterscheiden:

  • Die erste Gruppe lege ihre Priorität auf Familie und Haushalt (home-centered). Ihr Anteil betrage im Mittel ca. 20 Prozent.
  • Eine zweite Gruppe lege ihren Schwerpunkt auf den Beruf (work-centered). Ihr Anteil betrage im Mittel ca. 20 Prozent.
  • Eine weitere Gruppe versuche, beide Modelle zu kombinieren, z. B. mittels Teilzeitarbeit (adaptive) . Ihr Anteil betrage im Mittel ca. 60 Prozent.[1]

Bei Männern dürfte die Gruppe die ihren Schwerpunkt auf den Beruf legt und demzufolge Vollzeit arbeiten möchte eher bei über 90% liegen.

Diesen stehen 20% bei den Frauen gegenüber.

Antifeministische Widersprüche: Frauenquote schlecht, Männerquote gut

Onyx hat eine Vielzahl antifeministischer Widersprüche ausfindig gemacht. Mal sehen was sie gefunden hat:

-Quoten

Während Frauenquoten grundsätzlich als Diskriminierung verstanden werden, werden Männerquoten in Bildungseinrichtungen gefordert („liberale Männer der FDP“), oder wahlweise auch Frauenquoten in dreckigen Männerjobs.

Ich kenne niemanden, der ernsthaft Frauenquoten in „dreckigen Männerjobs“ (eine Bezeichnung, die auch schon tief blicken lässt) fordert. Üblicherweise wird eher in der folgenden Weise gebraucht:

„Frauen wollen  sich Quoten in den guten Jobs sichern, weil sie angeblich benachteiligt sind. Damit betreiben sie Rosinenpicken. Sie wollen nur Quoten in den Jobs, die sich lohnen, die ungefährlich sind und nicht in den schlechten, die auch überwiegend von Männern angeführt sind. Natürlich erscheinen Männer privilegiert, wenn man nur den Job, aber nicht die Arbeit und den Wettbewerb dahinter sieht und dann auch noch die nachteiligen Jobs außer acht lässt.

Wir werden ihnen das deutlich machen, in dem wir sie fragen, ob sie auch eine Quote als Kanalarbeiter haben wollen oder bei Toten bei der Arbeit.

Und das ist aus meiner Sicht durchaus ein faires Argument.

Und natürlich kann man auch bei Quoten an sich differenzieren, und zwar nach dem zu erreichenden Ziel.

Man kann also beispielsweise anführen, dass Kindergärten einen Erziehungsauftrag haben und das man beiden Geschlechtern dazu die Möglichkeit geben muss, dass sie eine Identifikationsfigur gleichen Geschlechts haben, der ihnen eher das für ihr Geschlecht notwendige Feedback geben kann.

Demgegenüber sind Aufsichtsratspositionen und auch sonstige Führungspositionen nicht auf Erziehung von Kindern ausgerichtet, sondern auf die Überwachung einer Firma bzw. das Erzielen eines kaufmännischen Gewinns bzw. zur Erledigung einer Aufgabe. Hier stellt eine Frauenquote erst einmal einen Eingriff in Unternehmerrechte dar, die nicht durch Schutzrechte für Kinder aufgewogen werden können. Geht man davon aus, dass Männer eher nach oben kommen, weil sie im Schnitt  eher am Aufbau von Status interessiert sind und eher zu Überstunden etc bereit sind, während im Schnitt Frauen es vorziehen, dass sie mehr Zeit mit der Familie und Kindern zu verbringen, dann gibt es auch keinen Grund für diesen Ausgleich. Dazu kommt der Effekt, dass man um eine bestimmte Frauenquote in kurzer Zeit erreichen muss, evtl. nicht nur einen Anteil der Stellen, sondern alle freiwerdenden Führungsstellen mit Frauen besetzen muss. Und das dann noch Frauen befördert werden, bei denen alle in den Firmen davon ausgehen, dass sie eben nur weil man eine Frau brauchte, die Position erhalten haben, während andere, die sich in der Zeit übermäßig eingesetzt haben, wegen ihres Geschlechts übergangen werden. Es ist dann schlicht ungerecht gegenüber den Männern, die dann wegen ihres Geschlechts Beförderungsstaus oder -stopps hinnehmen müssen bzw. für die für Männer verbleibenden Stellen noch härter in Konkurrenz treten müssen.

Man kann also einmal einen berechtigten Vorteil für Kinder (nicht für Männer) sehen und einmal keinen berechtigen Vorteil für Frauen.

Ich sage dabei noch nicht einmal, dass ich mich Forderungen anschließe, die eine Quote in Kindergärten oder an Schulen fordern. Ich finde generell Quoten wenig hilfreich. Was der zweite in den meisten Punkten immer wiederkehrende Strohmann ist: Es sind eben häufig Leute mit verschiedenen Ansichten.

Dazu auch noch etwas weiteres als Exkurs: Onyx in einem Kommentar:

Was soll ich dazu sagen?

Weiß nicht. Einsehen, dass Antifeminismus nichts anderes als eine Trotz- und Hassideologie ist, die weder Inhalte, noch Ziele hat? Leugnen und Runterspielen ist jedenfalls nicht optimal.

Auch wenn genau das natürlich zu erwarten war, sobald die übliche Meute den Text entdeckt und wie die getroffenen Hunde in Verteidigungsgekläffe verfällt. Witzigerweise auch gerade jene, die sonst im Brustton der Empörung weit von sich gewiesen haben, Antifeministen zu sein, weil Antifeminismus scheiße ist, sondern „Männerrechtler“. Aber auf einmal haben sie ein Problem mit Antifeminismus-Kritik. Es ist schon erstaunlich, wie leicht man sich ohne Rückgrat drehen kann… ^^

Das finde ich schon witzig. Sie hetzt, reduziert Kritiker sogar auf Tiere und wertet sie ab.

Dann führt sie an, dass sie ja nur „Antifeminismus“-Kritik betreibt. In einem Artikel, in dem sie ausdrücklich auch die „liberalen Männer in der FDP“ als Beispiel anführt.

Und dann beschwert sie als jemand, der anscheinend keine andere Möglichkeit mehr weiß, den Feminismus zu verteidigen, als zu sagen, dass die Kritiker noch viel schlimmer sind (das Argument wunderbar besprochen von Resolute Nuss) darüber das, „Leugnen und herunterspielen“ nicht optimal ist.

Es wäre schön, wenn man mal eine halbwegs sachliche Kritik hätte. Wo jemand zumindest mal versucht zu verstehen, warum der andere eine Position vertritt und was dafür spricht. Darf man aber von Onyx nicht erwarten.

Wie seht ihr die Kritik von Onyx?

Dienstrechtbeförderungsgesetz – Beförderung der Frau, auch wenn der Mann besser ist

In NRW wurde ein neues Gesetz zur Regelung von Beförderungen in Kraft gesetzt, welches auch den Anteil von Frauen in Führungspositionen erhöhen soll und daher diese begünstigt.

Aus einem Artikel im Bonner Generalanzeiger:

Bei einigen Behörden, so auch bei der Bonner Polizei, hat das zum 1. Juli von der rot-grünen Landesregierung beschlossene Dienstrechtsmodernisierungsgesetz zu großem Unmut geführt.

Der Grund: Um Beamtinnen künftig besser zu fördern, sollen sie auch bei schlechteren Leistungen bei Beförderungen männlichen Kollegen vorgezogen werden. Dadurch werden nach Auffassung der Polizeigewerkschaften die aktuellen Beurteilungsranglisten komplett durcheinander gewirbelt. Zum Hintergrund: Alle drei Jahre werden Polizisten dienstlich beurteilt, benotet und – nach der daraus resultierenden Rangliste – befördert. Hatten Männer und Frauen die gleiche Leistung erbracht, bekam schon vor dem 1. Juli die Frau den Zuschlag. Diese Regelung wurde nun verschärft.

Ich finde den Unmut sehr verständlich, denn der jeweilige hat hart dafür gearbeitet und muss dann erleben, dass eine Frau mit einer schlechteren Bewertung an ihm vorbeizieht.

„Der Bund Deutscher Kriminalbeamter im Land, aber auch wir hier in Bonn, steht für die Frauenförderung. Die Männer dürfen aber nicht auf der Strecke bleiben“, sagte Hermann-Josef Borjans, Sprecher des Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK). „Das geht soweit, dass weit über 20 Jahre dienstältere Männer nicht zum Zuge kommen und Kolleginnen befördert werden, die noch nicht geboren waren, als die Kollegen schon ihren Dienst versahen.“

Die Frauen werden dann auch das typische Quotenfrauenproblem haben: Man wird ihnen weniger zutrauen und man wird davon ausgehen, dass sie die Position nicht verdient haben

Für wirkliche Frauenförderung wären aus Staudes Sicht weitere Schritte notwendig gewesen, wie die vom DBB NRW im Vorfeld geforderte „Genderisierung“ der Beurteilungskriterien oder die Schaffung von familienfreundlichen Rahmenbedingungen. „Bisher sind Frauen zum Beispiel in Teilzeitbeschäftigung generell schlechter beurteilt worden“, so Staude.

„Wir meinen, dass sinnvolle Frauenförderung nicht zur Diskriminierung männlicher Kollegen benutzt werden darf und wollen Verfassungsbeschwerde einlegen“, kündigte der Bonner FDP-Landtagsabgeordnete Joachim Stamp an. Für das nötige Quorum brauche die FDP die Unterstützung der CDU, die ebenfalls gegen das Gesetz gestimmt habe. „Die Union darf nicht nur jammern, sondern muss auch springen.“

Eine Verfassungsbeschwerde wäre interessant.

Der Bund deutscher Kriminalbeamten schreibt zu dem Thema:

Falsch verstandene Frauenförderung wird zur Männerdiskriminierung – Der Polizei NRW droht eine Klagewelle
Im Hinblick auf die Beförderungen von Beamtinnen und Beamten (§ 19 DRModG) allerdings enthält das Gesetz Regelungen zur Frauenförderung, die geeignet sind, in die Polizei des Landes eine Unruhe hinein zu tragen, deren Ausmaß die Landesregierung nicht einmal im Ansatz zu erahnen scheint.

Bereits bisher führten Quotierung von sogenannten Prädikatsbeurteilungen, die fehlende Möglichkeit einer gerechten Leistungsbeurteilung, der Versuch der (gerichtsfesten) Festlegung einer Beförderungsreihenfolge und die fehlende Berücksichtigung der tatsächlichen fachlichen Eignung bei Stellenbesetzungen zu erheblicher Demotivation unter Kolleginnen und Kollegen. Das aktuelle Beurteilungsverfahren selbst ist durch fortlaufende Rechtsprechung faktisch nicht mehr handhabbar und hat sich schon in der Vergangenheit als für die Auswahl geeigneter Bewerber für eine zu besetzende Stelle denkbar ungeeignet erwiesen. Bereits geringe Abweichungen in der Ausschärfung der in der Endnote gleichen Beurteilungen führen, so die Rechtsprechung, dazu, dass Beurteilungen gleicher Endnote eben nicht mehr im Wesentlichen gleich sind.

Dieses, auf dem Grundsatz der Bestenauslese aufbauende Prinzip, wird durch das jetzt in Kraft getretene DRModG in Bezug auf die Frauenförderung konterkariert. Es sieht im § 19 Abs. 6 vor, dass Frauen zur Erreichung von Zielquoten bei „im Wesentlichen gleicher Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung bevorzugt zu befördern“ sind, sofern nicht in der Person eines Mitbewerbers liegende Gründe überwiegen. Weiter heißt es dann dort, dass von einer im Wesentlichen gleichen Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung auszugehen ist, wenn die aktuelle dienstliche Beurteilung „der Bewerberin und des Mitbewerbers ein gleichwertiges GESAMTURTEILaufweist“.

Konkret bedeutet das, dass zukünftig Bewerberinnen selbst dann bevorzugt zu befördern sind, wenn der männliche Mitbewerber in seiner Beurteilung zwar die gleiche Gesamtnote aufweist, in der Ausschärfung der Merkmale jedoch auch deutlich besser beurteilt ist. Es bedeutet, dass in der Konkurrenzsituation Mann / Mann die Ausschärfung der Merkmale entscheidendes Kriterium ist (Stand der Rechtsprechung), in der Konkurrenzsituation Frau / Mann jedoch keine Rolle mehr spielt. Es bedeutet auch, dass bei Beförderungen im Bereich von 3er-Beurteilungen, vorzugsweise also im Bereich A 10 und A 11, eine Beförderung von Männern praktisch ausgeschlossen ist, wenn das Gesetz wortgetreu umgesetzt wird.

Dies ist die Aufgabe des Leistungsprinzips und nicht nur der BDK NRW ist der Auffassung, dass das Gesetz in diesem Punkt verfassungswidrig ist.

Für die Kolleginnen und Kollegen bedeutet das allerdings auch, dass erneut im laufenden Verfahren die Regeln so geändert werden, dass das Ausmaß an Ungerechtigkeiten noch einmal zunehmen wird und das Vertrauen in die Verlässlichkeit der Politik weiter schwindet.

Dabei verwehrt sich niemand, schon gar nicht der BDK, einer Politik der Frauenförderung. Diese haben wir bereits heute erfolgreich umgesetzt. Die Grünen haben ihrem Koalitionspartner jedoch einMännerdiskriminierungsgesetz aufgezwungen, wie es ungerechter kaum ausfallen könnte. Liegen doch die wahren Probleme erfahrungsgemäß darin, dass die Anwesenheit in der Praxis häufig zu einem faktischen Beurteilungsmaßstab wird. Teilzeit und Elternzeit werden damit zum Risiko für das berufliche Fortkommen. Nun nehmen jedoch – politisch und gesellschaftlich gewollt und gefördert – auch immer mehr männliche Kollegen diese Möglichkeiten der Arbeitszeitverkürzung in Anspruch und geraten mit diesem Gesetz gleich doppelt unter die Räder. Demotivation pur!

Es bedarf keiner prophetischen Fähigkeiten vorherzusehen, dass die Polizei NRW sich bereits in Kürze einer Klageflut eines Ausmaßes gegenübersehen wird, die geeignet ist, die Polizeiorganisation insgesamt weitgehend lahm zu legen. Das aber kann sich die Landesregierung gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen an die Polizei nicht leisten. Die SPD-geführte Landesregierung hat dieses Gesetz aber gleichwohl trotz klarer und eindeutiger Warnungen von Sachverständigen und Oppositionspolitikern verabschiedet und die zu erwartende Unruhe in der Polizeiorganisation entweder ignoriert oder bewusst hingenommen.

Jetzt ist der Innenminister gefordert den Schaden zu begrenzen. Der Landesvorsitzende Sebastian Fiedler:

„Der Innenminister muss jetzt dringend die Notbremse ziehen, sofern die Polizeiorganisation nicht zum Erlahmen kommen soll! Die Grünen nehmen hier zugunsten vermeintlicher politischer Landgewinne massiven Flurschaden in der Polizeiorganisation in Kauf und erweisen sich als Männerdiskriminierungspartei. Das hat uns an Problemen in der Polizei NRW gerade noch gefehlt!“

Das ganze Drama fände im kommenden Jahr – angereichert durch weitere Demotivationsfaktoren wie zu hoher Arbeitsvolumina, Ausbleiben angemessener Arbeitserfolge wegen fehlender Ressourcen, unzureichender Besoldung und zu geringer Wertschätzung der Arbeitsleistung im nächsten Regelbeurteilungsverfahren einen weiteren Höhepunkt. Der Landesvorstand des BDK hat in seiner letzten Sitzung daher die komplette Abschaffung des Regelbeurteilungssytems, zumindest für die Besoldungsgruppen A 11 und A 12, diskutiert und ist zum Ergebnis gekommen, dass wir dringend ein echtes Personalentwicklungs- und Stellenbesetzungskonzept benötigen, das die fachliche Vita der Kolleginnen und Kollegen stärker in den Mittelpunkt rückt. Stellenbesetzungen dürfen nicht weiter von der Papierlage, von der sogenannten Herrschaft der Personalakte, dominiert werden. Auswahlverfahren sind nur noch die Ausnahme. Fest steht in jedem Fall: Das Beurteilungsverfahren darf im kommenden Jahr so nicht durchgeführt werden.

Sehr deutliche Worte. Mal sehen, ob sie etwas ändern

 

„Frauen sollten in die Vorstände aber ich als Frau will die Arbeit nicht, ich hab ja die Kinder“

Adrian bringt ein interessantes Beispiel, welches denke ich gar nicht mal so selten ist:

Bei mir gab es neulich auf der Arbeit eine Diskussion mit einer Kollegin, die gemeint hat, es wäre an der Zeit, dass der “Boysclub” bei uns im unteren Management (zu dem ich gehöre) eine Ende findet und dass man bei der nächsten Ausschreibung eine Frauenquote berücksichtigen sollte. Der Einwand, es bewerben sich kaum Frauen auf diese Position (obwohl etwa die Hälfte der regulären Angestellten Frauen sind) nahm sie zwar zur Kenntnis, insistierte aber weiterhin auf diesen Punkt. Schließlich wurde sie gefragt, warum sie sich nicht bewerbe. Das ginge nicht, meinte sie, sie habe schließlich ein Kind, und sie könnte das zeitlich nicht stemmen. Quelle surprise.

Ich denke viele Frauen sind der Auffassung, dass mehr Frauen in Vorständen sein wollen, aber sie selbst planen ihr Leben ganz anders. Dennoch meinen sie eben, dass andere Frauen das schon anders gemacht haben werden und die dann eben die Arbeit „für die Gruppe“ machen sollen.

Ich denke da unterschätzen sie den Effekt, den bereits kleine Unterschiede haben können und der dazu beiträgt, dass sehr wenige Frauen die Mühen wirklich auf sich nehmen wollen. Selbst in Parteien, die aufgrund ihrer Frauenquote verzweifelt Frauen suchen, die Jobs übernehmen wollen, in denen die Chancen für Frauen also sehr gut sind, gestaltet es sich sehr schwierig, die passenden Frauen zu finden.

Natürlich muss man sich dann auch fragen, ob es den selben Effekt auch bei Männern gibt. Viele Männer wollen vielleicht mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, aber dafür die Berufstätigkeit einschränken wollen sie dann vielleicht auch wieder nicht. Auch hier halten sich die Rollen beständig.