Dienstrechtbeförderungsgesetz – Beförderung der Frau, auch wenn der Mann besser ist

In NRW wurde ein neues Gesetz zur Regelung von Beförderungen in Kraft gesetzt, welches auch den Anteil von Frauen in Führungspositionen erhöhen soll und daher diese begünstigt.

Aus einem Artikel im Bonner Generalanzeiger:

Bei einigen Behörden, so auch bei der Bonner Polizei, hat das zum 1. Juli von der rot-grünen Landesregierung beschlossene Dienstrechtsmodernisierungsgesetz zu großem Unmut geführt.

Der Grund: Um Beamtinnen künftig besser zu fördern, sollen sie auch bei schlechteren Leistungen bei Beförderungen männlichen Kollegen vorgezogen werden. Dadurch werden nach Auffassung der Polizeigewerkschaften die aktuellen Beurteilungsranglisten komplett durcheinander gewirbelt. Zum Hintergrund: Alle drei Jahre werden Polizisten dienstlich beurteilt, benotet und – nach der daraus resultierenden Rangliste – befördert. Hatten Männer und Frauen die gleiche Leistung erbracht, bekam schon vor dem 1. Juli die Frau den Zuschlag. Diese Regelung wurde nun verschärft.

Ich finde den Unmut sehr verständlich, denn der jeweilige hat hart dafür gearbeitet und muss dann erleben, dass eine Frau mit einer schlechteren Bewertung an ihm vorbeizieht.

„Der Bund Deutscher Kriminalbeamter im Land, aber auch wir hier in Bonn, steht für die Frauenförderung. Die Männer dürfen aber nicht auf der Strecke bleiben“, sagte Hermann-Josef Borjans, Sprecher des Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK). „Das geht soweit, dass weit über 20 Jahre dienstältere Männer nicht zum Zuge kommen und Kolleginnen befördert werden, die noch nicht geboren waren, als die Kollegen schon ihren Dienst versahen.“

Die Frauen werden dann auch das typische Quotenfrauenproblem haben: Man wird ihnen weniger zutrauen und man wird davon ausgehen, dass sie die Position nicht verdient haben

Für wirkliche Frauenförderung wären aus Staudes Sicht weitere Schritte notwendig gewesen, wie die vom DBB NRW im Vorfeld geforderte „Genderisierung“ der Beurteilungskriterien oder die Schaffung von familienfreundlichen Rahmenbedingungen. „Bisher sind Frauen zum Beispiel in Teilzeitbeschäftigung generell schlechter beurteilt worden“, so Staude.

„Wir meinen, dass sinnvolle Frauenförderung nicht zur Diskriminierung männlicher Kollegen benutzt werden darf und wollen Verfassungsbeschwerde einlegen“, kündigte der Bonner FDP-Landtagsabgeordnete Joachim Stamp an. Für das nötige Quorum brauche die FDP die Unterstützung der CDU, die ebenfalls gegen das Gesetz gestimmt habe. „Die Union darf nicht nur jammern, sondern muss auch springen.“

Eine Verfassungsbeschwerde wäre interessant.

Der Bund deutscher Kriminalbeamten schreibt zu dem Thema:

Falsch verstandene Frauenförderung wird zur Männerdiskriminierung – Der Polizei NRW droht eine Klagewelle
Im Hinblick auf die Beförderungen von Beamtinnen und Beamten (§ 19 DRModG) allerdings enthält das Gesetz Regelungen zur Frauenförderung, die geeignet sind, in die Polizei des Landes eine Unruhe hinein zu tragen, deren Ausmaß die Landesregierung nicht einmal im Ansatz zu erahnen scheint.

Bereits bisher führten Quotierung von sogenannten Prädikatsbeurteilungen, die fehlende Möglichkeit einer gerechten Leistungsbeurteilung, der Versuch der (gerichtsfesten) Festlegung einer Beförderungsreihenfolge und die fehlende Berücksichtigung der tatsächlichen fachlichen Eignung bei Stellenbesetzungen zu erheblicher Demotivation unter Kolleginnen und Kollegen. Das aktuelle Beurteilungsverfahren selbst ist durch fortlaufende Rechtsprechung faktisch nicht mehr handhabbar und hat sich schon in der Vergangenheit als für die Auswahl geeigneter Bewerber für eine zu besetzende Stelle denkbar ungeeignet erwiesen. Bereits geringe Abweichungen in der Ausschärfung der in der Endnote gleichen Beurteilungen führen, so die Rechtsprechung, dazu, dass Beurteilungen gleicher Endnote eben nicht mehr im Wesentlichen gleich sind.

Dieses, auf dem Grundsatz der Bestenauslese aufbauende Prinzip, wird durch das jetzt in Kraft getretene DRModG in Bezug auf die Frauenförderung konterkariert. Es sieht im § 19 Abs. 6 vor, dass Frauen zur Erreichung von Zielquoten bei „im Wesentlichen gleicher Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung bevorzugt zu befördern“ sind, sofern nicht in der Person eines Mitbewerbers liegende Gründe überwiegen. Weiter heißt es dann dort, dass von einer im Wesentlichen gleichen Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung auszugehen ist, wenn die aktuelle dienstliche Beurteilung „der Bewerberin und des Mitbewerbers ein gleichwertiges GESAMTURTEILaufweist“.

Konkret bedeutet das, dass zukünftig Bewerberinnen selbst dann bevorzugt zu befördern sind, wenn der männliche Mitbewerber in seiner Beurteilung zwar die gleiche Gesamtnote aufweist, in der Ausschärfung der Merkmale jedoch auch deutlich besser beurteilt ist. Es bedeutet, dass in der Konkurrenzsituation Mann / Mann die Ausschärfung der Merkmale entscheidendes Kriterium ist (Stand der Rechtsprechung), in der Konkurrenzsituation Frau / Mann jedoch keine Rolle mehr spielt. Es bedeutet auch, dass bei Beförderungen im Bereich von 3er-Beurteilungen, vorzugsweise also im Bereich A 10 und A 11, eine Beförderung von Männern praktisch ausgeschlossen ist, wenn das Gesetz wortgetreu umgesetzt wird.

Dies ist die Aufgabe des Leistungsprinzips und nicht nur der BDK NRW ist der Auffassung, dass das Gesetz in diesem Punkt verfassungswidrig ist.

Für die Kolleginnen und Kollegen bedeutet das allerdings auch, dass erneut im laufenden Verfahren die Regeln so geändert werden, dass das Ausmaß an Ungerechtigkeiten noch einmal zunehmen wird und das Vertrauen in die Verlässlichkeit der Politik weiter schwindet.

Dabei verwehrt sich niemand, schon gar nicht der BDK, einer Politik der Frauenförderung. Diese haben wir bereits heute erfolgreich umgesetzt. Die Grünen haben ihrem Koalitionspartner jedoch einMännerdiskriminierungsgesetz aufgezwungen, wie es ungerechter kaum ausfallen könnte. Liegen doch die wahren Probleme erfahrungsgemäß darin, dass die Anwesenheit in der Praxis häufig zu einem faktischen Beurteilungsmaßstab wird. Teilzeit und Elternzeit werden damit zum Risiko für das berufliche Fortkommen. Nun nehmen jedoch – politisch und gesellschaftlich gewollt und gefördert – auch immer mehr männliche Kollegen diese Möglichkeiten der Arbeitszeitverkürzung in Anspruch und geraten mit diesem Gesetz gleich doppelt unter die Räder. Demotivation pur!

Es bedarf keiner prophetischen Fähigkeiten vorherzusehen, dass die Polizei NRW sich bereits in Kürze einer Klageflut eines Ausmaßes gegenübersehen wird, die geeignet ist, die Polizeiorganisation insgesamt weitgehend lahm zu legen. Das aber kann sich die Landesregierung gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen an die Polizei nicht leisten. Die SPD-geführte Landesregierung hat dieses Gesetz aber gleichwohl trotz klarer und eindeutiger Warnungen von Sachverständigen und Oppositionspolitikern verabschiedet und die zu erwartende Unruhe in der Polizeiorganisation entweder ignoriert oder bewusst hingenommen.

Jetzt ist der Innenminister gefordert den Schaden zu begrenzen. Der Landesvorsitzende Sebastian Fiedler:

„Der Innenminister muss jetzt dringend die Notbremse ziehen, sofern die Polizeiorganisation nicht zum Erlahmen kommen soll! Die Grünen nehmen hier zugunsten vermeintlicher politischer Landgewinne massiven Flurschaden in der Polizeiorganisation in Kauf und erweisen sich als Männerdiskriminierungspartei. Das hat uns an Problemen in der Polizei NRW gerade noch gefehlt!“

Das ganze Drama fände im kommenden Jahr – angereichert durch weitere Demotivationsfaktoren wie zu hoher Arbeitsvolumina, Ausbleiben angemessener Arbeitserfolge wegen fehlender Ressourcen, unzureichender Besoldung und zu geringer Wertschätzung der Arbeitsleistung im nächsten Regelbeurteilungsverfahren einen weiteren Höhepunkt. Der Landesvorstand des BDK hat in seiner letzten Sitzung daher die komplette Abschaffung des Regelbeurteilungssytems, zumindest für die Besoldungsgruppen A 11 und A 12, diskutiert und ist zum Ergebnis gekommen, dass wir dringend ein echtes Personalentwicklungs- und Stellenbesetzungskonzept benötigen, das die fachliche Vita der Kolleginnen und Kollegen stärker in den Mittelpunkt rückt. Stellenbesetzungen dürfen nicht weiter von der Papierlage, von der sogenannten Herrschaft der Personalakte, dominiert werden. Auswahlverfahren sind nur noch die Ausnahme. Fest steht in jedem Fall: Das Beurteilungsverfahren darf im kommenden Jahr so nicht durchgeführt werden.

Sehr deutliche Worte. Mal sehen, ob sie etwas ändern

 

„Frauen sollten in die Vorstände aber ich als Frau will die Arbeit nicht, ich hab ja die Kinder“

Adrian bringt ein interessantes Beispiel, welches denke ich gar nicht mal so selten ist:

Bei mir gab es neulich auf der Arbeit eine Diskussion mit einer Kollegin, die gemeint hat, es wäre an der Zeit, dass der “Boysclub” bei uns im unteren Management (zu dem ich gehöre) eine Ende findet und dass man bei der nächsten Ausschreibung eine Frauenquote berücksichtigen sollte. Der Einwand, es bewerben sich kaum Frauen auf diese Position (obwohl etwa die Hälfte der regulären Angestellten Frauen sind) nahm sie zwar zur Kenntnis, insistierte aber weiterhin auf diesen Punkt. Schließlich wurde sie gefragt, warum sie sich nicht bewerbe. Das ginge nicht, meinte sie, sie habe schließlich ein Kind, und sie könnte das zeitlich nicht stemmen. Quelle surprise.

Ich denke viele Frauen sind der Auffassung, dass mehr Frauen in Vorständen sein wollen, aber sie selbst planen ihr Leben ganz anders. Dennoch meinen sie eben, dass andere Frauen das schon anders gemacht haben werden und die dann eben die Arbeit „für die Gruppe“ machen sollen.

Ich denke da unterschätzen sie den Effekt, den bereits kleine Unterschiede haben können und der dazu beiträgt, dass sehr wenige Frauen die Mühen wirklich auf sich nehmen wollen. Selbst in Parteien, die aufgrund ihrer Frauenquote verzweifelt Frauen suchen, die Jobs übernehmen wollen, in denen die Chancen für Frauen also sehr gut sind, gestaltet es sich sehr schwierig, die passenden Frauen zu finden.

Natürlich muss man sich dann auch fragen, ob es den selben Effekt auch bei Männern gibt. Viele Männer wollen vielleicht mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, aber dafür die Berufstätigkeit einschränken wollen sie dann vielleicht auch wieder nicht. Auch hier halten sich die Rollen beständig.

„Wollen wir Frauen das was der Feminismus fordert überhaupt?“

Auf dem Blog Wiase findet sich ein guter Artikel mit dem Titel „Höschen für den Weltfrieden“ in dem die Autorin einige interessante Sachen sagt:

Zu bisher von Männern dominierten Jobs:

Wie viele Frauen wollen so einen Job? Mal Hand auf’s Herz, liebe Mitstreiterinnen, habt Ihr wirklich und wahrhaftig Lust auf 12-Stunden-Tage mit millionenschwerer Verantwortung und dem Burnout, das schon hinter dem nächsten Meeting lauert (und zuhause warten die lieben Kinderlein)? Einigen wir uns mal darauf, daß es Frauen gibt, die das möchten. Aber bei aller Liebe, das sind nie und nimmer die meisten. Das ist ein Nischenproblem.

Das Karriere etwas anstrengendes ist, was man gar nicht will ist ein sehr einfacher Gedanke, der im Feminismus dennoch nie wirklich verwertet wurde. Es gilt eben das strikte Gleichheitsdiktat: Wenn Männer das wollen, dann müssen Frauen es genauso wollen. Was auch nicht näher begründet wird.

Zur Quotenfrau weiter:

Das hat nichts mehr mit den Anfängen des Feminismus zu tun, als es darum ging, allen Frauen die Gleichberechtigung zu erkämpfen. Dann führt halt meinetwegen die Frauenquote ein, obwohl ich davon überhaupt nichts halte. In welcher Führungsposition in männerdominierten Berufen könnte es wohl von Vorteil sein, die Quotenfrau zu sein?

Das Quotenfrau sein es einem nicht einfacher macht, war hier ach schon wiederholt Thema. Man macht sich damit eben gleich den Start schwieriger.

AH, Aufschrei, da ist es doch schon: männerdominierte Berufe! DAS ist doch das Problem erst überhaupt! (Rufen da die Feministinnen.) Ja, Mädels, es gibt männerdominierte Berufe, weil Männer physisch und psychisch anders sind als Frauen. Das ist die verdammte Biologie, die auch der Feminismus nicht bekämpfen kann. Und aus dem gleichen Grund gibt es frauendominierte Berufe (siehe: der komplette Sozialsektor), das wollen wir mal bei der ganzen Debatte auch nicht vergessen. Es ist so: Männer sind im allgemeinen belastbarer, sowohl körperlich als auch psychisch (jedenfalls im Beruf), was in eben diesen hohen Positionen wichtig ist. Männer fassen berufliche Kritik seltener als persönliche Beleidigung auf, was das Arbeitsklima deutlich verbessert. (Das ist eine empirische Beobachtung, unterfüttert mit eigenen Erfahrungen.)

Auch das wäre ja etwas, was viele Frauen vielleicht gar nicht wollen: Abhärten, damit man den Stress aushält. Und das eben auch gegen einen härteren Ton und Wettbewerb.

Und Männer bekommen keine Kinder. Immer noch nicht, diese faulen Schweine. Erklärt mir doch mal, warum ich als profitorientiertes Unternehmen statt eines Mannes eine Frau einstellen sollte, die noch Kinder bekommen möchte (das ist auch ihr gutes Recht, gar keine Frage) und damit zumindest für die Zeit des Mutterschutzes ausfällt? Wenn nicht länger, denn die Mutter ist in den ersten Jahren die wichtigste Bezugsperson für ein Kind, vor allem wenn sie stillt und das sollte sie bittebitte, und auch das ist Biologie und sollte nicht wegen einer vermeintlich wichtigen Karriere als unwichtig abgetan werden. Das Vaterschaftsurlaub-Argument lasse ich also nicht gelten. Hier muß man doch mal als Frau ehrlich zu sich sein und einsehen, daß Kind UND steile Karriere Aufgaben sind, die für 2 bis 3 Leben reichen würden und nun mal nicht in nur eines passen. Jedenfalls nicht, wenn man wenigstens eine davon richtig machen will. (Da kann mir Frau von der Leyen noch so viel erzählen.)

Auch hier ein sehr bekanntes Argument: Alles auf einmal geht eben nicht so einfach und wer eher aussetzt und auch aussetzen will, der wird weniger Karriere machen. Zumindest abseits des öffentlichen Dienstes, der das ignorieren muss.

Überhaupt verlangen wir von unseren Männern inzwischen doch sehr viel mehr, als nur abends ein erlegtes Mammut mitzubringen und nicht in der Höhle zu pupsen. Der Mann soll einfühlsam sein, Geld verdienen (möglichst viel), im Haushalt helfen, die Kinder hüten, trotzdem stark sein und maskulin, aber bitte seine Hormone im Zaum halten und nicht auf Frauenhintern starren, das ziemt sich nicht. Er soll unsere Bedürfnisse kennen und selbst möglichst wenige haben, immerhin ist er ja der Mann. Der Bart muß flauschig weich sein und darf nicht kratzen und der Einkauf trägt sich auch nicht von allein hoch. Und höflich muß er sein! Höflich, ganz wichtig. Platz in der Bahn anbieten und so.

Auch das ist wichtig: Frauen stellen Anforderungen an Männer und „Geld verdienen“ gehört dazu. Und vieles weiteres dazu.

Ja und wir Frauen wollen das auch alles dürfen, wir sind ja jetzt emanzipiert. Wir wollen auch viel Geld verdienen dürfen und einen flauschigen Bart tragen oder zumindest den Einkauf. Wir sind starke Frauen, wir können das auch alles ohne die Männer. Also, wenn wir wollen. Und das entscheiden immer noch wir, wann wir das wollen. Das müssen die Männer dann schon wissen, daß wir das jetzt wollen. Überspitzt: Wenn Frau ein kurzes Röckchen trägt (natürlich nur und ausschließlich für sich selbst), sollen die Männer schon auch kucken, aber nicht SO.

Auch schön gesagt: Die aus meiner Sicht sehr weibliche Sicht, dass sexuelle Signale bewundernd, aber ohne zu stören aufgenommen werden sollen, kommt so eben im Feminismus auch nicht vor.

Also bitte, besinnen wir uns vielleicht wieder auf die Unterschiede in unseren Geschlechtern und nehmen wir sie hin. Nur durch diese Unterschiede funktioniert der ganze Menscheitskram überhaupt. Verstehen wir doch Gleichberechtigung wieder als ein Gut, das jedem unabhängig von Geschlecht, Sexualität, Religion, Hautfarbe… zuteil werden soll, und nicht als Mittel, Rechte durchzusetzen, von denen letztlich keiner wirklich Gebrauch machen will.

Eine wesentlich abgeklärtere Sicht der Dinge als es die Gender Studies mit diversen Lehrstühlen und Fördergeldern je zustande bringen werden.

Die Frauenquote schreckt männliche und weibliche Mitarbeiter ab

Eine interessante Studie behandelt die Attraktivität von Firmen mit Frauenquote. Überraschenderweise scheint diese sowohl bei Männern als auch Frauen Vorbehalte auszulösen:

Das Experiment:

To begin our study, we introduced participants to two different job advertisements. The first noted that the company in question advocated gender diversity and, as a result, had set aside 40% of leadership — specifically management and supervisory board — positions for women. The second job advertisement included no information about either gender diversity or a quota.

Es wurden also Jobs in Betrieben mit und ohne Quote angeboten und dann die Reaktionen ausgewertet:

Using the second advertisement as the control group, we found that one in four men were less likely to pursue a job at the firm employing a gender quota. Women also responded negatively to the gender quota that was meant to make the company more competitive in hiring women; 13% of women noted they would be less likely to seek a job at the company with the gender preference for hiring.

Interessant wären natürlich noch die anderen Ergebnisse, also welche Prozentzahl der Frauen die Quote egal gewesen wäre und welche diese gerade als Anlass genommen hätten, sich dort zu bewerben. Zudem hätte mich auch interessiert, um welche Jobs es ging und welcher Typ jeweils abgelehnt hat: Gehen diesen Firmen gerade die Leistungsstarken Bewerber verloren, die sich eher eine Chance auf Beförderung versprechen und daher mehr zu verlieren haben? Welcher Typ Frau meidet diese Firmen eher?

It is not that people didn’t understand the importance of gender diversity in the workforce, it was the quota itself that was most unattractive. Nearly 70% of respondents in the gender quota condition – of which 52% were female and 48% male – said that gender quotas in general were unattractive to them. Why? Respondents noted that a gender quota negated the importance of merit and led to unintended consequences.

Gründe sind also, dass man lieber durch Leistung überzeugen will und Nebenwirkungen der Quote befürchtet.

First, when offered a job in the presence of a gender quota, female respondents were 18% more likely to attribute their success to preferential treatment rather than to their own merit. Second, when another woman was offered a job instead of the respondent at the firm with the gender quota, female respondents were 20% and male respondents 29% more likely to stigmatize that woman as incompetent, attributing her success to gender and preferential treatment rather than merit. Finally, female and male respondents felt that the values of a firm employing a gender quota fit less into their value and belief system, given that merit seemingly played a lesser role in the hiring decision than gender. Given the stigma associated with the quota and people hired under a quota, it’s no wonder that quotas have the adverse impact of actually driving away the very talent they were put in place to attract.

Man fürchtet also mit weniger kompetenten Personen zusammenzuarbeiten oder die Beförderung von weniger kompetenten Personen statt der eigenen Person. Das dies sehr negativ aufgenommen wird finde ich verständlich: Es ist eben eine unfaire Verzerrung des Wettbewerbs. Im Feminismus wird man wohl sagen, dass es eher eine Aufhebung der Unfairness ist, denn bisher würden ja eher Männer aufgrund ihres Geschlechtes befördert werden. Allerdings sprechen verschiedene Umstände dagegen, wie die größere Anzahl an Überstunden, das höhere Interesse von Männern am Wettbewerb und an Beförderung etc.

Wer meint, dass er gut genug ist, sich in der Konkurrenz durchzusetzen, der wird solche Verzerrungen nicht wollen: Sie führen dann dazu, dass der eigene Erfolg als Frau abgewertet wird oder beim Mann aufgrund des Geschlechts ausgebremst wird.

Was wird statt dessen empfohlen:

For example, one might learn from the global consulting firm,McKinsey & Company . Rather than institute a gender quota, McKinsey has demonstrated their commitment to gender diversity by organizing networking events and career-focused initiatives specifically designed for women. They also have policies in place to accommodate female employees in balancing family and career. These initiatives attract women without undermining them by introducing the stigma a gender quota can carry.

While using a gender quota might seem like an effective way to compete in the war for talent, our research found that it actually drives away the highly talented professionals they were intended to attract. Gender diversity is important, but everyone wants to be valued for what they can bring to the table. When companies and policy makers institute gender quotas, they’re inadvertently driving away the very people they sought to attract by appearing to value diversity over merit. And that’s a situation in which no one wins.

Also statt einer Quote besondere Programme und Networking Veranstaltungen, zudem entsprechende Pläne, wie man Karriere und Familie vereinbaren kann. Der Vorteil soll dann sein, dass das Stigma nicht durch Leistung, sondern nur durch Quote aufgestiegen zu sein, nicht besteht

„Wir haben kein Sexismus-Problem, sondern ein Empörungs-Problem“

Der Autor des Blogs „Medienland“ nimmt zur Frauenquote Stellung. Einige Passagen dabei finde ich sehr interessant:

Ich habe in meinem Freundeskreis ausnahmslos emanzipierte Frauen. Zum Teil so emanzipiert, dass sie ihren Männern ständig sagen, wo der Hammer hängt. Samstags Fußballtag mit den Jungs? No way, du bleibst daheim oder kommst direkt nach dem Bayern-Spiel wieder nach Hause. Weiter noch: Auch meine Mutter, Mitte 50 mittlerweile, ist durch und durch emanzipiert. Sogar meine Großmutter ist eine emanzipierte Frau, die niemals – nie, nie, niemals – eine Quote fordern würde. Erstens hat sie zu viel Respekt davor, dass mein Großvater sich über Jahrzehnte den Arsch für Familie, Frau und Töchter aufgerissen hat. Zweitens würde sie sagen: Wenn du etwas erreichen willst, dann musst du hart dafür arbeiten. Ein Grundsatz, der plötzlich nicht mehr gelten soll? La Vida Loca.

Das ist auch etwas, was ich häufig beobachte: Frauen sind keineswegs so machtlos, wie es der Feminismus anscheinend glaubt. Sie haben oft erhebliche „Macht“ über Männer in ihrem Umfeld, sei es den Freund oder den Ehemann. Eine Macht, die im Feminismus entweder nicht erkannt wird oder nicht als tatsächliche Macht gewertet wird, weil sie nur abgeleitet ist vom Mann und insoweit eine Macht „zweiter Klasse“ ist. Aber nichts desto trotz ist es eine Macht, auf der man einiges aufbauen kann, weil man dadurch eben auch erheblich mitbestimmt, wie beispielsweise Geld ausgegeben wird und wie gelebt wird.

„Beziehungsmacht“ ist aus meiner Sicht keine unwesentliche Macht. Gerade wenn sie in der Ehe noch erheblich durch entsprechende Vorschriften abgesichert wird.

Eine andere interessante Passage:

Wir haben kein Sexismus-Problem, weder in der Wirtschaft noch in der Gesellschaft, sondern ein Empörungs-Problem. Und Empörung ist seit jeher die Debatte des kleinen Mannes / der kleinen Frau. Ein guter Rat: Sucht Euch ein wahres, tatsächliches Thema, wenn ihr schon über die Ungleichbehandlung der Geschlechter diskutieren wollt: Die  Sorgerechts-Frage zum Beispiel. Oder die traurige Tatsache, dass kein Mann mehr weiß, was er eigentlich sagen, machen, denken darf, ohne als Sexist, Weichei oder Macho abgestempelt zu werden. Eine Debatte über die totgeschwiegene Gewalt von Frauen gegen Männer wäre noch so ein Thema. Und warum werden Väter, die sich für Erziehungsmonate entscheiden als Helden der Moderne zelebriert, während die feministische Bewegung Frauen, die sich gegen Karriere und für Kinder und Haushalt entscheiden, ins Abseits katapultiert und als Verräterinnen an der Emanzipation geiselt? Wo bleibt hier die Empörung der Empörten?

Wir brauchen nicht noch mehr selbsternannte Frauenbeauftragte, sondern solche, die uns Männer davon abhalten von der Brücke zu springen vor lauter Unsicherheit, vor lauter Angst davor, irgendwas Falsches zu sagen, vor lauter Angst, dass die Diskriminierung künftig andersrum und mit dem Segen der Masse funktioniert. Das nur am Rande.

Das finde ich eine schöne Zusammenfassung. Und in der Tat entscheidet sich vieles an der Frage, womit man Empörung hervorrufen kann: Mit Frauendiskriminierung immer, mit Männerdiskriminierung weit aus seltener.

Und auch das Schlußwort finde ich nicht schlecht:

Ich für meinen Teil weiß: Ich habe meine Freundin in ihren beruflichen Zielen immer unterstützt – genauso wie alle anderen Männer meiner Generation, die ich kenne – und freue mich jedes Mal auf’s Neue, wenn sie einen guten Artikel publiziert oder Anerkennung für ihre Arbeit – nich für ihre Arbeit als Frau – bekommt. Überhaupt: Warum verdrängt eine ganze Bewegung eigentlich, dass dieses Land von einer Frau regiert wird, eine Frau Verteidigungsministerin ist und #bockaufquote tatsächlich von einer Manuela Schwesig initiiert wird, die sich ja ganz offensichtlich – zumindest beruflich – nicht beklagen kann. Das Absurde: Sie geringschätzt ihre eigene Leistung. Auf so eine Idee muss man erst einmal kommen. Denn: Wer Talent hat, braucht keine Quote. Wer Leistung zeigt, braucht keine Quote. Und wer gut ist in seinem Job, der wird Chef, wenn er will. Auch ohne Penis.

Das beleuchtet auch noch einmal ein klassisches Argument: Es gibt im Geschlechterbereich weit weniger klare Lager als der radikale Feminismus oder der radikale Maskulismus einen dies glauben lassen wollen: Ein Mann wird seine Freundin/Frau/Schwester/Tochter unterstützen und ihre Arbeit anerkennen, eine Frau ihren Freund/Mann/Bruder/Sohn. Die meisten von uns (Männer und Frauen) kommen aus „Familien mit geteilten Lagern“, haben also einen Vater und eine Mutter und sind auf ihrer Heterosexualität an dem anderen Geschlecht interessiert und ihm meist freundlich gesonnen. Dennoch sind die Geschlechter eben verschieden und haben auch unterschiedliche Vorstellungen davon, was sie erreichen wollen und was sie dafür machen wollen. Bereits daran machen sich viele Unterschiede fest.

Der Penis ist nicht das wesentliche.

Einigung zur Frauenquote

Die Koalition hat wohl eine Einigung zur Frauenquote erreicht:

Die Spitzen von Union und SPD einigten sich am späten Abend bei ihrem Treffen im Kanzleramt in Berlin auf eine 30-Prozent-Quote für gut 100 börsennotierte und mitbestimmungspflichtige Unternehmen ohne Ausnahmen. Das Gesetz soll am 11. Dezember vom Kabinett verabschiedet werden, hieß es in einer Erklärung. Es soll von 2016 an gelten.

Zudem bleibe es dabei, dass sich 3500 mittelgroße Firmen, die mitbestimmungspflichtig oder börsennotiert sind, sich eigene Zielvorgaben beim Frauenanteil in den Führungsetagen setzen sollten.

Es bleibt demnach auch bei den von Frauenministerin Manuela Schwesig und ihrem Justizkollegen Heiko Maas (beide SPD) vorgesehenen Sanktionen gegen Unternehmen, die die Quote unterschreiten. Sollten die Firmen die Aufsichtsratsposten nicht ausreichend mit Frauen besetzen, bleiben diese Stühle künftig leer. Die Frauenquote gilt nach der schwarz-roten Koalitionsvereinbarung künftig auch für Unternehmen des öffentlichen Bereichs. Die Union habe sich mit ihrer Forderung nach Ausnahmen für bestimmte Branchen nicht durchsetzen können, hieß es in Koalitionskreisen.

Da das Thema ja schon häufiger hier war noch ein kurzer Überblick, zunächst über Artikel zu angeblichen Hindernissen von Frauen in Führungspositionen aufzusteigen:

Und zum Gender Pay Gap:

Und zur Frauenquote:

 

Frauen bei der Fußball-WM 2014

Zur Einstellung auf das heutige Spiel beginnt der Tag, an dessem Ende hoffentlich der 4. Weltmeistertitel für Deutschland steht, gleich mal mit feministischer Kritik an der WM-Berichterstattung bzw. der Frauenquote beim Fußball allgemein:

Wo während der Männerfußball-WM die Frauen sind, ist schnell erklärt: Nicht auf dem Spielfeld. Und auch nicht an dessen Rand, denn es gibt bei der Weltmeisterschaft ganz einfach keine Schieds- und Linienrichterinnen oder Trainerinnen. Noch nicht einmal in einem klassischen Frauenfach sind sie anzutreffen: Keine einzige Mannschaft beschäftigt eine Frau, die als medizinische Expertin auf der Ersatzbank sitzen darf. Besonders zu irritieren scheint dies allerdings niemanden. Wenn überhaupt mal ein Frauenmangel bei der WM beklagt wird, geht es um Fernsehjobs.

Das sie nicht auf dem Platz stehen ist wenig verwunderlich: Es gäbe, selbst wenn man Frauen mitspielen lassen würde (dürfte man eine Spielerin aufstellen? Ich bin gar nicht ganz sicher) keine einzige Spielerin, die auf dem Niveau mithalten könnte.

Bei den Schieds- und Linienrichterinnen fällt mir auch nur eine Frau ein, Bibiana Steinhaus, die in der zweiten Liga tätig ist:

Bibiana Steinhaus

Bibiana Steinhaus

Ich vermute  mal, dass es auch daran liegt, dass Schiedsrichter ein relativ undankbarer Job ist, körperlich anstrengend, draussen bei Wind und Wetter, und dazu noch relativ konfliktträchtig. Das sind Eigenschaften, die man in typischen Frauenberufen nicht findet. Zudem muss man Mitglied in einem Fußballverein sein und bereit sind, jährlich zumindest 20 Spiele zu übernehmen und die Bezahlung ist auch noch in den unteren Bereichen relativ schlecht: Bei einem Schülerspiel 5 €, 300 € in der Regionalliga. Das ist mit aller Vorbereitung etc eher eine Aufwandsentschädigung, die es zu einer Sache für jemanden macht, der es aus Liebe zum Sport macht. Insofern überrascht es mich nicht, dass dort wenig Frauen vertreten sind.

Zu den Ärzten: Es gibt zwar viele Medizinierinnen, aber bei den Ärzten in, die für eine Fußballmannschaft zuständig sind, handelt es sich eben um Sportmediziner im Spitzenbereich und nicht um jemanden, den man eben so mal mitnimmt. Das Interesse von Frauen für andere medizinische Bereiche (insbesondere Gynäkologie und Kinder) wird es zudem weiter ausdünnen, ebenso wie Babypausen etc.  Und auch das weniger Trainierinnen vorhanden sind erstaunt angesichts der allgemeinen Quote von Frauen im aktiven Fußball nicht.

Normalerweise werden bei Großereignissen des Sports Ex-Profis als Experten vor die Kameras geholt. Die ehemalige Weltklasseschwimmerin Kristin Otto darf beispielsweise bei Olympia das Männer- wie das Frauenschwimmen begleiten. Aber neben Mehmet Scholl und Oliver Kahn auch mal eine Spielerin der – überaus erfolgreichen – Frauen-Fußballnationalmannschaft zu buchen: Auf diese Idee kam bislang weder die ARD noch das ZDF.

Wäre aus meiner Sicht eine recht sinnlose Frauenquotenerfüllung. Denn natürlich können Mehmet Scholl und Oliver Kahn als ehemalige Fußballprofis weitaus mehr Einblick in die Spielerseite bringen und kennen zudem viele der Akteure persönlich. Mehmet Scholl ist Europameister im Jahr 1996 geworden, er trainierte die zweite Mannschaft des FC Bayern München, er hat lange Profifußball gespielt. Oliver Kahn hat an diversen Weltmeisterschaften teilgenommen und ist dort immerhin recht weit gekommen, er kennt die Wettbewerbe aus erster Hand, er hat zudem ebenfalls langjährig in der Bundesliga und auch der Championsleague gespielt.

Dagegen kann man natürlich anführen, dass man ja auch einen weiblichen Weltmeister nehmen könnte. Aber hier sind die Tourniere vom Aufwand schlicht nicht vergleichbar, sie werden auf einem wesentlich niedrigeren Niveau gespielt, es fehlt die persönliche Kenntnis der anderen Spieler und vieles mehr an Expertenwissen. Sie wären keine gleichwertigen Experten, was schön zeigt, zu welchem Ergebnis in solchen Bereichen eine Quote führt.

Fachlich qualifizierter als die Theaterwissenschaftlerin Katrin Müller-Hohenstein, die bis zu ihrer Verpflichtung fürs aktuelle sportstudio in Lokalrundfunksendern Vor- und Nachmittagsssendungen moderierte, dürften die Ex-Kickerinnen allemal sein. Und vielleicht hätten sie im Gegensatz zu Müller-Hohenstein darauf verzichtet, bei der WM 2010 im Gespräch mit Oliver Kahn anlässlich eines Tors von Miroslav Klose von einem „inneren Reichsparteitag“ zu sprechen.

Ist das Argument da nicht eigentlich „die vorhandene Quotenfrau ist schon so schlecht, da können wir auch weitere Quotenfrauen einsetzen“? Wobei ich als nicht so Fußballinteressierter über die tatsächliche Qualifikation von Katrin Müller-Hohenstein nichts sagen kann. Es erscheint mir aber ein sehr schwaches Argument und in dieser Richtung eher ein Kontraargument gegen die Verpflichtung weiterer Frauen.

Müller-Hohensteins Performance ergänzt wunderbar das, was in der Live-Berichterstattung der Begegnungen auch sonst geboten wird. Ein Fußballspiel live zu kommentieren, ist im Grunde nicht schwierig: Wer in der Lage ist, sich Trikotnummern und die dazugehörigen Namen und Gesichter sowie ein paar Geschichten über die jeweiligen Spieler zu merken, ist für den Job schon ganz gut qualifiziert. Denn mittlerweile ist es gang und gäbe, das Evidente noch einmal breit zu erklären, also etwa was die Nummer 11 unten auf dem Platz gerade macht und dass das leider, leider nicht zum Tor führte: Ooouuuu, da hätte sich der Stürmer aber mehr anstrengen müssen! Aber halt, da hat der Schiedsrichter gepfiffen, das müssen wir uns in der Zeitlupe noch einmal ansehen. Warum Fußballreporter glauben, dass Zuschauer das, was sie gerade mit eigenen Augen sehen, noch einmal erzählt bekommen wollen, ist unklar. Fußball ist ja nun wirklich keine besonders komplizierte Sportart.

Okay, ein Rant. Da kann man ruhig etwas polemisch sein. Tatsächlich aber sollte ein guter Kommentator schon etwas mehr wissen. Klar könnte man hier eine Frau nehmen, aber es wird eben auch weniger Frauen in diesem Bereich geben. Die Frau, die mir hier aus dem Radiobereich einfallen würde wäre Sabine Töpperwien. Ob man sie mal zb statt Béla Réthy ranlassen sollte wäre angesichts seiner häufig schlechten Bewertungen vielleicht durchaus mal eine interessante Frage. Wobei sie eben im Radiobereich tätig ist, also insoweit einen anderen Kommentatorstil hat.

Das alles könnten Frauen auch – wenn man sie denn ließe. Oder wenn sie wollen würden. Die Art und Weise, wie die bereits aktiven Reporterinnen in den Medien präsentiert werden, kann man nämlich durchaus abschreckend nennen. Da gibt es Online-Bildstrecken, in denen unter Überschriften wie „Schön und kompetent“ Bilder der fast durchgehend blonden oder wenigstens blondierten Fußballfachfrauen präsentiert werden. Oder Interviews, in denen ganz selbstverständlich Privates abgeklopft wird, Dinge, die ein männlicher Kommentator nie gefragt wird, etwa auf welchen Frauentyp genau er steht oder ob er „in festen Händen“ ist, und wenn, ob die Ehe oder Beziehung darunter leidet, dass die Wochenenden am Rasen verbracht werden. All diese Dinge scheinen zum Job des Fußballkommentierens dazuzugehören – wenn eine Frau diesen Job erledigt.

Die Sportfachfrauen sind natürlich auch danach ausgesucht, dass sie – teilweise zusätzlich zum Fußballwissen – sehr, sehr gut aussehen. Wenn sie kein Fußballwissen haben, dann können sie eben allgemeine Statements einholen, Fans befragen, wie sie es bisher finden oder sonstiges an normaler Reportertätigkeit machen.

Und da ist es aus Sicht der Sender eben eine einfaches Mittel, zusätzliche Zuschauer anzuziehen. Für mich die Entdeckung dieser WM aus dem Bereich:

Vanessa Huppenkothen

Vanessa Huppenkothen

Vanessa Huppenkothen ist eine mexikanische Sportreporterin, Tochter eines deutschen Fußballspielers, und bekennender Fan von Schalke 04. Nett anzuschauen und Ahnung vom Fußball.

Letztendlich ist es hier ähnlich wie bei den Superhelden: Weibliche körperliche Schönheit ist in dieser Hinsicht ein wesentlich höherer Wert, weil in der Partnerwahl wesentlich bedeutsamer, weswegen dessen Darstellung auch viel eher zu Listen anregt. Weiblicher Wettbewerb hingegen spielt dort eine geringere Rolle, im Gegensatz zu Männern, weswegen die Fußballweltmeisterschaft der Männer eben auch in dieser Hinsicht mehr Aufmerksamkeit erzeugt.

Deswegen sind auch Bilder von Spielerfrauen interessanter: Die Spieler haben einen hohen Status, weswegen man dort auch schöne Frauen erwartet. Das sie schöne Frauen haben sagt gleichzeitig auch etwas über sie selbst aus und passt in eine Bewertung des Ereignisses als intrasexuelle Konkurrenz.

Aber nicht nur im Fernsehen, auch in den Printredaktionen sind nur sehr wenige Sportredakteurinnen oder -autorinnen zu finden. Wie in vielen anderen Branchen greifen auch hier einige klassische Mechanismen. Da ist das notorisch Männerbündlerische, das sich etwa in Insiderwitzen niederschlägt; da ist die demonstrative Verbundenheit zwischen Journalisten und Vereinsführung, die jeden Neuling zunächst ausschließt. Im traditionellen Fußballjournalimus geht es nicht nur um Tore und Verletzungen, sondern auch um Privilegien. Ein gutes Verhältnis zum Präsidium bedeutet, Informationen möglicherweise früher als die Konkurrenz zu erhalten, was kritische Berichte oder gar Enthüllungsgeschichten tendenziell erschwert, wenn nicht verhindert.

In einem Ereignis über intrasexuelle Konkurrenz unter Männern festzustellen, dass es hauptsächlich Männer interessiert ist da auch wenig überraschend. Es geht im Fußball auch nicht um kritische Berichte oder Enthüllungsgeschichten, es geht darum, dass man sich einer bestimmten Gruppe zuordnet, üblicherweise wohl das eigene Land und dieses stellvertretend für einen selbst gegen eine andere Gruppe spielt. Dabei darf man dann, weil es die eigene Gruppe ist, natürlich mit dieser hadern und meinen, dass sie alles besser machen könnte und man selbst der bessere Nationaltrainer wäre, aber dabei geht es ja auch darum, dass man will, dass sein Team gewinnt.

Ich wüßte aber nicht, dass das in Frauenbereichen anders ist. Auch in der Glamourwelt der weiblichen B- und C- Stars wird eine „Szene-Insiderin“ sich nicht mit den Stars anlegen, die sie interviewn will und von denen sie Neuigkeiten haben will. Es handelt sich aus meiner Sicht dabei nicht um Erscheinungen eines Männerbundes sondern um die typischen Folgen einer Situation, bei der beide aufeinander angewiesen sind und sich daher kooperativ verhalten.

Da ich als erste Frau hierzulande Ende der 90er Jahre die Leitung des Sportressorts bei einer überregionalen Zeitung übernommen habe, werde ich das oft gefragt. Und meine Antwort lautet, im Kern: „Es ist lustig, wenn man Spaß an abstrusen Situationen hat.“

Die Zahl der Männerarme, die sich unverlangt um meine Schultern legten, während ihre Inhaber etwas wie „Ich erklär dir mal, was Abseits ist“ sagten, ist jedenfalls Legion. Auf einem Westberliner Sechstligaplatz wurde ich einmal mit den Worten „Wie, die schicken uns heute eine Frau?“ empfangen. Die Enttäuschung war unüberhörbar: Da war er also, der große Tag, an dem der Verein ein Spiel absolvieren würde, das morgen in der Zeitung stehen würde – und dann das: eine Frau! Meine Antwort auf die offensichtliche Bestürzung tröstete den fassungslosen Präsidenten kaum. Ich sagte: „Ja, ich bin die Strafe.“

Das wiederum ist unnötig, dürfte aber auch daran liegen, dass die meisten weiblichen Reporter eben nicht unbedingt sehr viel Ahnung von Fußball haben. Man wird ein solches Denken wohl nur los, wenn es mehr weibliche Reporter aus dem Bereich gibt, die dann auch Ahnung haben. Das erreicht man aber nicht über Quoten.