Andrea Dworkin zur Transsexualität

Aus „Women hating“ von Andrea Dworkin (via):

Transsexuality is currently considered a gender disorder, that is, a person learns a gender role which contradicts his/her visible sex. It is a „disease“ with a cure: a sex-change operation will change the person’s visible sex and make it consonant with the person’s felt identity.

Since we know very little about sex identity, and since psychiatrists are committed to the propagation of the cultural structure as it is, it would be premature and not very intelligent to accept the psychiatric judgement that transsexuality is caused by a faulty socialization. More probably, transsexuality is caused by a faulty society. Transsexuality can be defined as one particular formation of our general multisexuality which is unable to achieve its natural development because of extremely adverse social conditions.

There is no doubt that in the culture of male-female discreteness, transsexuality is a disaster for the individual transsexual. Every transsexual, white, black, man, woman, rich, poor, is in a state of primary emergency as a transsexual. There are 3 crucial points here.

One, every transsexual has the right to survival on his/her own terms. That means every transsexual is entitled to a sex-change operation, and it should be provided by the community as one of its functions. This is an emergency measure for an emergency condition.

Two, by changing our premises about men and women, role-playing and polarity, the social situation of transsexuals will be transformed, and transsexuals will be integrated into community, no longer persecuted and despised.

Three, community built on androgynous identity will mean the end of transsexuality as we know it. Either the transsexual will be able to expand his/her sexuality into a fluid androgyny, or, as roles disppear, the phenomenon of transsexuality will disappear and that energy will be transformed into new modes of sexual identity and behavior.

Alice Schwarzer scheint Dworkins gelesen zu haben. Sie sagt ja in etwa das Gleiche. Wobei sich aus einem genderfeministischen Ansatz diese Meinung ja auch fast zwangsläufig ergibt.

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„Fun & Care“-Kindergarten und geschlechtssensible Pädagogik II

In dem Beitrag „„Fun & Care“-Kindergarten und geschlechtssensible Pädagogik“ wurde über die dortigen Praktiken diskutiert, allerdings war nach der Homepage vieles über den dortigen Ablauf unklar.

Ein Bericht bietet weitere Informationen:

Die BetreuerInnen ertappten sich immer wieder bei scheinbar banalen Alltags-„Fehlern“ wie ein unterschiedliches Begrüssen von Kindern nach dem Wochenende. Buben wurden gefragt, was sie am Wochenende gemacht haben, Mädchen für ein schönes neues Kleid gelobt. Wenn es darum geht, Spielsachen schnell einzuräumen, wendet sich das Personal automatisch an die Bereitwilligen, was natürlich meistens Mädchen sind. Vom Raumkonzept her haben die meisten Kindergärten eine Puppen- und eine Bauecke, in die sich das jeweils andere Geschlecht selten verirrt, auch wenn solche Besuche erwünscht sind. Zudem spielen die Buben in der Puppenecke in der Regel Vater, der weggeht, um zu arbeiten, oder sie sind der Hund. Bei Fun & Care gibt es solche Spielecken nicht, sondern der Zugang zu unterschiedlichen Spielsachen ist offen. Durch Puppenwickelkurse sind die Buben nun später sicher in der Lage, ihre eigenen Kinder perfekt zu wickeln. (…)

Zum Kindergartenangebot gehören auch empfehlenswerte Bücher, wobei sich auch in schönen Bilderbüchern Geschlechtsrollenstereotype verbergen können. Ein guter Anlass aber, die erzählte Geschichte mit den Kindern zu thematisieren und andere Verläufe vorzuschlagen. Wichtig war im Projekt auch, Sensibilität für Sprache zu wecken, wobei die Kinder mit Begeisterung mitmachten. Die Eltern wurden soweit möglich einbezogen und auch hier darauf verzichtet, sich automatisch an die Mutter zu wenden. Immerhin ist die Väterbeteiligung bei Fun & Care grösser gewesen als in einem in der Evaluation herangezogenen Kontrollkindergarten. Mädchen sollten lernen, Nein zu sagen, offensiv auf etwa zugehen, sich zu wehren und zu verteidigen. Buben hingegen, ihren Körper positiv wahrzunehmen, Frustrationen zu ertragen und auch mal Hilfe zu holen, da sie nicht alles alleine schaffen müssen.

Interessanterweise waren die in diesem Projekt erzielten Effekte mitunter gar nicht so deutlich im Vergleich zur Kontrollgruppe. Dies erklärt sich aber zum einen daraus, dass Kinder nur zum Teil vom Kindergarten beeinflusst werden, zum anderen resultiert es aus einer erst späteren Ausprägung von Geschlechtsrollen. Dennoch waren in beiden Gruppen die Mädchen eher bereit von Stereotypen abzugehen als die Burschen.

Aus einem Interview mit der Leiterin:

dieStandard.at: Ist bei fun&care tatsächlich zu beobachten, dass hier Geschlechterrollen aufbrechen?

Rosenlechner: Ja. Aber das Raumkonzept allein kann hier gar nichts bewirken. Das gesamte Konzept des Kindergartens steht auf vier Säulen, da gibt es auch ein Personalkonzept, das Männer und Frauen in unterschiedlichen hierarchischen Ebenen vorsieht, aber im Alltag integriert, als tägliches Vorbild. Damit die Kinder sehen, dass auch Männer Fürsorgearbeit leisten können, dass auch Frauen in höheren Positionen sitzen können.

(…)

Einerseits haben wir einmal in der Woche einen Buben- und Mädchentag, an dem wir geschlechtshomogene Gruppen bilden, die ihren jeweils eigenen Raum bekommen. Die Mädchen werden von Frauen betreut, die Buben von Männern.

So werden Reflexionsebenen eingezogen. Die Geschlechtshomogenität erlaubt ihnen, auch gewisse Bereiche anzugreifen, sich in gewissen Ebenen zu bewegen, die in geschlechtsgemischten Gruppen nicht da sind. Wenn es nämlich darum geht, das eigene Geschlecht zu entdecken, ist es oft notwendig, sich vom anderen zu distanzieren: „Wenn ich ein Bub bin, bin ich auf keinen Fall ein Mädchen“. Im geschlechtshomogenen Bereich ist das nicht notwendig.

Bei den Buben wirkt da auch die Vorbildwirkung des männlichen Pädagogen, des Helfers sehr gut. Da arbeiten wir mit Massagebällen, intensivieren das Puppenspiel, wir schauen, wo die Kinder eigentlich stehen, was brauchen sie noch, um dann im geschlechtsgemischten Bereich gut zusammenarbeiten zu können. Wenn wir davon ausgehen, dass das „Bubenspielzeug“ nur einen Teil des Entwicklungsbereiches abdecken kann, muss ich eruieren, was sie noch brauchen, um den Rest des Kuchens erleben zu können. Genau das gilt auch für die Mädchen.

Mädchen – und Bubenarbeit passiert aber auch ganz einfach auch bei Situationen im Alltag. Das fängt bei Wickelsituationen in der Krippe an, wo es für die Kinder ganz wichtig ist, Männer und Frauen dabei zu erleben, die mit den Kindern gut arbeiten, dass sie lernen, sich abzugrenzen, eigene Regeln aufzustellen.

Interessant finde ich natürlich wieder mal den Aspekt, dass es wenig zu ändern scheint. Und natürlich die Idee,  Geschlechterrollen aufzubrechen, die ja für mehr als beobachten spricht.