Welchen Anteil haben Frauen an den Handlungen der Gesellschaft?

Nachdem der Beitrag „Mary Daly, Männerfeindlichkeit und das Patriarchat“ in den Kommentaren zu einer bunten Diskussion zu allerlei Themen geführt hat, landete er zuletzt bei der Frage der Verantwortung der Frauen für Handlungen der Gesellschaft, also die Frage, inwieweit Frauen nur Gefängnisinsassen in einer von Männern bestimmten Welt sind, in der sie an Vorzügen mitnehmen, was die Männer zulassen, oder aber ob sie selbst auch die guten und schlechten Seiten – Kriege, Umweltzerstörungen, Forschungen – mitzuvertreten haben.

Mir fällt dazu zunächst der feministische (?) Spruch „Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau“ ein, der zumindest eine Teilhabe an dem Erfolg einfordert. Da Erfolg häufig relativ ist und im guten oder bösen vorhanden sein kann, könnte man hier genauso argumentieren, dass hinter jedem ausbeuterischen Geschäftsmann eine Frau steht, die den Luxus genießt und Sparmaßnahmen zu Lasten des Einkommens, aber evtl zu Gunsten der Arbeitnehmer/Umwelt durchaus nicht unbedingt billigen muss.

Eine etwas feministischere Ausdrucksweise für das Recht auf (Mit-)Täterschaft hatten wir schon einmal hier über die Ansichten von Frau Thürmer-Rohrs zur Mitttäterschaft der Frau.

Gerade in heutiger Zeit wird man immer weniger von einer Entlastung der Frau ausgehen können. Denn um so mehr gesellschaftliche Positionen Frauen einnehmen, um so höher ist auch ihre Verantwortung. Wenn Frauen dort andererseits keine Rolle spielen, weil sie eh dem Patriarchat untertan sind, warum dann wieder Frauenquoten?

Eine weitere Frage ist, ob sich die Frauen auch gerade in einer Demokratie von einer Verantwortung freisprechen können.

Meiner Meinung nach ist der Mensch in vielen Punkten auf seinen eigenen Vorteil bedacht, Mann wie Frau. Fernes Leid und Leid, das nicht unmittelbar auf einen selbst zurückgeführt werden kann interessiert beide Geschlechter vergleichsweise wenig, insoweit ist häufig eher der Status und die Reputation des guten Menschen wichtig, die aber nicht konsequent verfolgt werden muss, sofern der Schein gewahrt werden kann.

Frauen mögen gern für Tierschutz sein, weil Tiere niedlich sind und das Ansinnen gut. Die meisten Frauen werden aber auch an ihrer Kosmetik keine Risiken eingehen wollen und insoweit Tierversuche durchaus hinnehmen. Die meisten Frauen werden billige Konsumprodukte schätzen und gerne in Länder mit einem hohen Lebensstandard ziehen, auch wenn diese Länder Mitarbeiter ausbeuten oder Menschen in anderen Ländern zu Billiglohn ihre Waren herstellen. Das ein Großteil der Konsumentscheidungen von Frauen getroffen wird, entscheiden sie auch welche Produkte in dieser Hinsicht in den Regalen stehen und zu welchen Preis sie hergestellt werden.

Die Wikingerbraut war froh die Frau des erfolgreichsten Raubzüglers zu sein und wird sich an seiner Beute berauscht haben. Die reiche Römerin wird gerne Sklaven gehabt haben, Gladiatorenkämpfe besucht haben und dem reichen Feldherrn zugejubelt haben. Diverse Dikatoren sind auch mit Frauenwahlstimmen gewählt worden. Und Diktatoren hatten auch noch nie einen Mangel an Frauen, die sie attraktiv fanden, wenn deren Macht gefestigt war.

Damit sind Frauen nicht schlechter als Männer, die ebenso gehandelt haben oder die Taten wohl noch eher ausgeführt haben. Aber sie sind gleichzeitig durchaus Nutznießer und Förderer vieler Taten, was sie durchaus auch zu Tätern macht.

Wer emanzipierte Frauen will, der sollte sich meiner Meinung nach nicht hinter dem Patriarchat verstecken, sondern Frauen eigene Anteile an der Gesellschaft zugestehen.

12 Gedanken zu “Welchen Anteil haben Frauen an den Handlungen der Gesellschaft?

  1. Wenn Frauen das Wahlrecht haben, sind sie auf jeden Fall für die Handlungen mitverantwortlich, siehe NSDAP damals.

    Hitler war zu seiner Zeit ein Popstar, selbst Obama in seiner Anfangszeit war nie so beleibt beim Volk wie Hitler es war, er hat sehr viele Liebesbriefe von Frauen bekommen, die ein Kind von ihm wollten.

    • Ich glaube, die einzigen, die die Frauen heutzutage diskriminieren, sind die Feministinnen selber. Gegen Diskriminierung durch den Mann gibt es ein Rechtsmittel, gegen ideologische Bevormundung durch die Frau ist mir keines bekannt.

      Sie gehen ja implizit davon aus, dass die Masse der erwachsenen Frauen nur „dumme“ Herdentiere sind, die aus ihrer mit(selbst)verschuldeten Unmündigkeit nicht mittels ihres Verstandes, sondern mittels des Verstandes anderer, ideologisch erleuchteter Frauen herausgeführt werden müssen. (Werbeverbote auf EU-Ebene, Neutralisierung der Sprache …).

      So gesehen sind die Feministinnen die eigentlichen Unterdrückerinnen der Frauen, da sie wohl implizit die Angst umtreibt, dass sich, insofern man erwachsene Menschen in einer Demokratie generell selbständig entscheiden lässt, alles wieder im natürlichen Bogen der Interessen einpendelt. Es heißt ja, mehr Freiheit führt in der Regel wieder dazu, dass das biologisch mitbestimmte Rollenverhalten eingenommen werden. Das würde aber wiederum dazu führen, dass man erkennen müsste, dass der Großteil der Frauen überhaupt niemals unterdrückt war.

      Ein weiterer Punkt, warum Feministinnen so extrem gegen Männerrechte ankämpfen, ist jener, dass eine berechtigte Privilegienkürzung der breiten Masse der Frauen dazu führen würde, dass diese dem Feminismus nicht mehr zugetan wären. Die meisten Frauen halten wenig vom Feminismus, nehmen jedoch gerne mit, was dieser ihnen an Privilegien bringt (Glaubt auch nur eine Feministin, dass sie einer normalen Frau vorschreiben könnte, was sie z.B. sexuell erregt? Dass sie nicht mehr auf einen Alpha-Mann abfahren dürfte, weil das sexistisch wäre?).

      Man muss nur mit einer normalen Frau sprechen. Sobald jedoch diese Privilegien berechtigter Weise einmal beschnitten werden, ist es auch mit dem Feminismus in der breiten Masse der Frauen nicht mehr weit her.

  2. Man muss ja nur einmal die Revolte, für manche gar Revolution in Ägypten hernehmen. Wer sorgt dafür, dass diese Revolte zustande kommt? Die breite Masse der Demonstranten ist männlich. Und was sieht man auf den Bildern der hochglanz Gazetten, demonstrierende Frauen gar Frauenrechtlerinnen. Sieht man sich jedoch entsprechende Google-Videos an, dann ist das Bild aber ganz schnell ein anderes.

    Schalte das Fernsehen an und du erlebst eine 100fach gegenderte pseudofeminine Welt, die mit der realen Welt vor der Haustüre nichts zu tun hat. Du siehst Bierwerbungen, in denen Models in einer gekünstelten Weise sich zu prosten, du siehst weibliche Krankenschwestern, die den leitenden Ärzten sagen was sie zu tun haben, du siehst Polizistinnen, die ihre Überfrau stehen etc etc.

    Letztens hatte ich das Vergnügen eine bekannte, türkischstämmige Fernsehmoderatorin auf dem Cover mit ihrem Freund, einem großgewachsenen Modell, nebeneinander stehend bewundern zu können. Komisch war nur, sie standen beide und er war kleiner als sie.

    Ich dachte mir im Nachhinein: Damit ist also die dritte Stufe des Feminismus erreicht. Die Leugnung der Biologie.


    Männer, stoßt endlich den künstlichen Schemel unter den Füßen der Frauen weg; erst dann werden wir alle gleichberechtigt sein.

    • @Chris

      [Ägypten]

      Ja, selbst die Bilder, bei denen es heißt „Frauen demonstrieren ebenfalls“ enthalten meist eine Frau in der Mitte und darum herum Männer. Ich habe auch das Gefühl, dass der Hauptteil der Demonstranten, insbesondere „an der Front“ Männer sind.

      [100fach gegenderte pseudofeminine Welt,]

      Ich denke hier zeigt sich die Macht der Frau als Konsumentin und der Umstand, dass man sich über Männer ruhig lustig machen darf. Sich über Menschen lustig machen um den eigenen Status anzuheben oder den höheren Status zu betonen ist ja ein klassisches Mittel und es wird in der Werbung gerne angewendet. Selbstbewusste, hübsche Frauen, deren Leben durch die Produkte noch etwas freier werden.

      [Mann kleiner machen]

      Das gibt es allerdings auch andersrum, beispielsweise bei Prince Charles und Diana habe ich es hier mal besprochen:
      https://allesevolution.wordpress.com/2010/12/08/grose-des-mannes-und-attraktivitat/

      Es geht denke ich schon darum, dass Größe Status transportiert.

  3. Ach noch etwas. Interessant auch, dass diese Frau rechts steht. In den meisten Bildern, die ich kenne, steht die Frau links vom Mann. Hier sind nicht nur die Rollen, sondern auch die biologischen Größenverhältnisse vertauscht. Interessant. Wäre eine Medienanalyse wert.

  4. @ Christian

    Das Meiste, was heterosexuelle Menschen tun, tun sie, um das andere Geschlecht zu beeindrucken.
    So steuert das Begehren der Männer das Verhalten der Frauen, das Begehren der Frauen das Verhalten der Männer.

    Fänden z.B. Männer starke, erfolgreiche, „große“ Frauen toll, toller als schöne, einfühlsame, sanfte, „feminine“ Frauen, die einen Kopf kleiner sind als sie selbst, der Großteil der Frauen strebte danach, so zu werden, gründete Unternehmen am laufenden Band, entdeckte Amerika oder die Doppelhelix usw.

    Fänden Frauen sanfte, bescheidene Hausmänner toll, Männer, die einen Kopf kleiner sind als sie selbst, toller als Siegertypen, toller als dominante, ein wenig großsprecherische, aber erfolgreiche Männer, Männer, die einen Kopf größer sind als sie selbst, ein Großteil der Männer strebte danach, zu sanften Hausmännern zu mutieren und Frauen würden sich um sie reißen.

    Aber so ist es nicht.

    Frauen reißen sich meist um Siegertypen, um Alphamänner.
    Darum wollen Männer Sieger sein.

    Männer reißen sich um schöne, sanfte Frauen.
    Darum wollen Frauen schön und sanft sein.

  5. @Roslin

    „Frauen reißen sich meist um Siegertypen, um Alphamänner.
    Darum wollen Männer Sieger sein.“

    Ja, solange es gesellschaftlichen Status bringt ist es dabei auch relativ egal, ob andere Gesellschaften den Sieg als moralisch ansehen. Es kommt eben auf das Umfeld an, in einer Mafiagesellschaft ist er oberste Mafioso eben ein Siegertyp.

    „Männer reißen sich um schöne, sanfte Frauen.
    Darum wollen Frauen schön und sanft sein.“

    Ja, könnte ich mir auch vorstellen. Wobei man wohl sanft relativ sehen muss. Selbstbewusst, aber sanft im Innenverhältnis kann auch sehr anziehend sein. Und eine Frau, die auf die richtige Art Widerworte gibt, mit der es scherzhaft hin und her geht, hat auch einiges. Da bin ich mit meiner Meinungsbildung noch nicht ganz am Ende. Aber im Grundsatz ja.

  6. @ Christian

    *Und eine Frau, die auf die richtige Art Widerworte gibt, mit der es scherzhaft hin und her geht, hat auch einiges. Da bin ich mit meiner Meinungsbildung noch nicht ganz am Ende. Aber im Grundsatz ja.*

    Ich schreibe ja, um der Kürze, der Prägnanz, der Zuspitzung willen, häufig apodiktischer als ich es meine, will nur das Häufige beschreiben, wohl wissend das auf dieser Ebene des Verhaltens das Häufige nie das Ausschließliche ist.

    Dazu brauch ich nur meine Tippse zu beobachten, die sehr wohl Widerworte gibt, einen sarkastischen, schwarzen Humor pflegt, der meinen weit übertrifft, dabei zu einem Maß an Selbstironie fähig, wie ich es noch bei keiner anderen Frau erlebt habe, nicht der geringste Grund, sie zu lieben.

  7. Pingback: Übersicht: Kritik am Feminismus | Alles Evolution

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