Bill Burr zum Feminismus – „Nicht Männer sind schuld, sondernFrauen haben die WNBA im Stich gelassen“

Auf Netflix gibt es ein neues Special von Bill Burr, aus dem ich mal eine Passage besprechen möchte:

Aus einem Transcript:

‚Cause they still need men’s help to make it happen. I don’t understand it.
I don’t understand why women just can’t work with each other and make this shit happen.

They keep coming to us, like,

„More men need to care about this issue.“

„Where are the men to stand up
and say something…

yak-yak-yak.“

Why do I have to fuckin‘ say something? This is your fuckin‘ problem. Why are you always dragging us into this shit?

I saw a woman a couple months back, professional soccer player, right? She goes onto ESPN on one of these sports channels and she starts bitching, going like,

„I don’t understand, how come female athletes don’t make as much as male professional athletes?“

Right? And all of these men had to sit there and act like they didn’t know
what the answer was. They had to sit there, like, dumbfounded.

Like, „Oh, I don’t know.“

„Why is that?“

„That is a conundrum. I have no idea.“

Literally, I’m sitting at home screaming at the TV,

„‚Cause you don’t sell any fuckin‘ tickets!“

Nobody is going to women’s soccer games.
You’re playing in a 20,000-seat arena,
1,500 people show up.

That’s not a good night.

The promoter lost his fucking ass on that gig.

I’m not saying no professional female athletes…

Serena Williams, the women in the UFC, you know?

But nobody’s watching your fuckin‘ sport.

And then you’re gonna come and you’re gonna get mad at fuckin‘ men.

They keep doing that shit. Why are you yelling at us? It’s not our fucking job.

It’s not my fuckin‘ job to give a fuck about women’s soccer, okay?

I have men’s sport to pay attention to.

This is… it’s your bullshit, right?

Dude, look at the WNBA.

Dude, nobody in the WNBA got COVID.

Nobody.

They have been playing in front of 300 to 400 people a night for a quarter of a century. Not to mention it’s a male-subsidized league.

We gave ya a fuckin‘ league. None of ya showed up. Where are all the feminists? That place should be packed with feminists.

Faces painted, wearing jerseys, flashin‘ their titties.

Goin‘ fuckin‘ nuts, like the guys d in the upper deck with their big beer titties.

„Am I on the jumbotron? Am I doing it?“

Yeah.

You didn’t.

None of you, none of you went to the fuckin‘ games. None of you. You all, you failed them, not me.

Not men.
Women failed the WNBA.

Ladies, ladies, name your top five
all-time WNBA players of all time.

Come on.

Let’s hear it. Name five WNBA teams. Name the WNBA team in your fuckin‘ city. You can’t do it!

You don’t give a fuck about them. They play night in and night out
in front of nobody. It’s a fuckin‘ tragedy, right?

And then meanwhile, you look at the Kardashians,

they’re making billions.

You look at those Real Housewives shows,

they’re making money hand over fist ‚cause that’s what women are watchin‘.

The money listens.

You don’t wanna watch this shit, you’re watching this shit.

They just shoot it over there, drowning these whores in money and purses and shoes and Botox.

It’s just raining.

It’s raining money.

Yeah. So, the money listens.

You’d rather watch that shit,
Real Housewives,

a bunch of women just tearing each other down.

„Well, maybe that’s why
your husband left you.“

„Maybe that’s why your husband left.
That’s why you can’t have kids, bitch!“

„That’s why your ass is as flat
as your titties, bitch.“ Right?

That’s the message you sent.

„We would rather watch that than see a bunch of women come together as a team and try to achieve a common goal.“

„We would rather watch them
actually fucking destroy each other.“

Yeah.

No, no, no.

And then in the end, you come back
and you fuckin‘ yell at guys.

And it’s like, let me get this straight, I have to buy you a drink, stop the axe murderer from coming through the fuckin‘ window, and I have to watch WNBA games for you?

Like, when are you gonna pick up your end of the couch?

Und ich finde da sind viele sehr interessante Punkte drin.

1. weibliche Unterverantwortlichkeit

Das Thema weibliche Unterverantwortlichkeit und im Gegenzug männliche Hyperverantwortlichkeit hatten wird schon. Es passt hier wieder ganz gut. Bei uns eher Frauenfußball, bei dem sich beschwert wird, dass die Frauen nicht das Gleiche verdienen wie die Männer und das Männer nicht ebenso begeistert Frauenfußball schauen, wenn tatsächlich die meisten Zuschauer Männer sind und Frauen sich eben für andere Sachen interessieren.

Das gleiche findet sich bei mehr weiblichen Politikern für die eine Quote gefordert wird, obwohl Frauen das aktive und passive Wahlrecht haben und die Mehrheit der Wähler stellen und weibliche CEOs obwohl Frauen sich weit weniger darum bemühen für solche Jobs überhaupt in Frage zu kommen.

2. Männer und Frauen haben verschiedene Arten intrasexuelle Konkurrenz auszuleben

Es ist aus evolutionärer Sicht eigentlich wenig überraschend, dass Männer und Frauen intrasexuelle Konkurrenz anders austragen.  Ich hatte schon einen Artikel dazu, dass Gruppensportarten, bei denen man gegeneinander antritt sehr gut als Ersatz für intrasexuelle Kämpfe bei Männern dienen können und alle Elemente dafür vorhanden sind. Es sind eben Stellvertreterkämpfe einer sehr körperlichen Art, aber ohne oder nur mit sehr begrenzter Gewalt. Zudem ermöglichen sie die Identifikation mit einem Team

Frauen hingegen tragen dies anders aus, es geht weniger darum in einem Wettbewerb der bessere zu sein (im Gegenteil, Frauen betonen Gleichheit und finden Frauen, die sich herausheben oft als problematisch). Sie tragen ihre Kämpfe insofern subtiler aus, durch Gerüchte, soziales Ausgrenzen, es geht um starke Gefühle, die subtileren und nicht so betonten Statuspositionen innerhalb der Gruppe.  etc. Da passen dann die Housewifes oder Kim Kardashian eben besser zu. Es bedient etwas, was auch in der evolutionären Vergangenheit wichtig war: Die beobachten, die hoch in der Hierachie des Stammes stehen und schauen, was sich dort verändert, ihnen Nahe sein und die Veränderungen im Machtgefüge etc mitbekommen.

 

Sind Frauen zu attraktiven Frauen weniger nett?

Der gestrige Artikel brachte in den Kommentaren einiges interessantes.

Anne schrieb:

Der Effekt, dass Männer eventuell freundlicher zu attraktiven Frauen sind, wird leicht dadurch kompensiert, dass Frauen zu attraktiven Frauen umso weniger nett sind.

Ich hatte schon Artikel zu dem Thema im Groben:

Hier schrieb ich zu Artikel in Frauenzeitschriften, die das Thema hatten:

Sexuelle Konkurrenz setzt sich im wesentlichen Zusammen aus „Wie erkenne und wie wehre ich Konkurrentinnen ab“ und „wie erhöhe ich meinen Marktwerts/meinen Wert für ihn“ und Aspekten, die man vielleicht als „Mate Guarding“, also Bewachen des Partners, bezeichnen könnte.

Die ersten zwei laden natürlich dazu ein gerade schöne Frauen als Gefahr anzusehen, wobei das natürlich eine gewisse Unsicherheit voraussetzt, was den eigenen Wert im Verhältnis zum Partner betrifft.

Und hier:

Eine meiner Lieblingsgeschichten ist ihr Ausflug auf eine Landwirtschafts-Messe in einem Vorort von Bielefeld. Ja, ich weiß. „Vorort von Bielefeld“ hört sich bereits so an, wie ganz schlechte Horrorfilme beginnen. Irgendwo zwischen der Stadt, die es nach der Überzeugung einiger Verschwörungstheoretiker gar nicht gibt und Bad Salzuflen stand sie in einem winzigen Minikleid vor einem riesigen neuen Mähdrescher, für den sich in drei Tagen genau eine Person interessierte.

Der Mähdrescher, so erklärte ihr ein ortskundiger Maisbauer, wäre fünf Mal so teuer wie alle Maschinen im Umkreis von 100 Kilometern zusammen und daher völlig unerschwinglich für jeden Messebesucher. Verkaufserfolge blieben also aus. Dafür erhielt sie aber eine Lektion von besitzergreifenden Dorfschönheiten, die der plötzlichen Konkurrenz als Messe-Highlight souverän mit Handtaschenklau und zerstochenen Reifen an Kayas Auto begegneten. Eine auf dem Dorf offensichtlich völlig legitime Reaktion darauf, dass die volltrunkenen männlichen Dorfjugendlichen Kaya eindeutig für die schönste Frau der Welt hielten und sie mal mehr, mal weniger subtil für eine Heirat oder zumindest ein verruchtes, sexuelles Abenteuer auf einem der zahlreichen Dixi-Klos gewinnen wollten.

Das geht auch in die Richtung „Konkurrenz abwehren“, vermutlich verbunden mit „die Schlampe macht unsere Männer an“.

Und hier:

First, because they have to protect their bodies from physical harm (so as not to interfere with present or future pregnancy and childbirth), women rely on veiled aggression towards other women (behind verbal gymnastics or under cover of the group) rather than physical confrontation.
Second, high status and very attractive women need less help and protection from other women and are less motivated to invest in other women (who represent potential competition). Thus, a woman who tries to distinguish or promote herself threatens other women and will encounter hostility. According to Benenson, a common way women deal with the threat represented by a remarkably powerful or beautiful woman is by insisting on standards of equality, uniformity, and sharing for all the women in the group and making these attributes the normative requirements of proper femininity.
Third, in extreme cases women may guard against potential competitors by means of social exclusion. If a new attractive woman shows up in the neighborhood (or school, or club), all the women in attendance may turn their backs on her, compelling her to withdraw from the scene, thus increasing their own chances with the surrounding males.

Wer als Frau besondere Ablehnung erfährt wird demnach vermutlich als Gefahr für Partner oder die Chancen in der Partnerwahl wahrgenommen.

Dann kann es durchaus zu Hass kommen.

Ich vermute mal das gilt auch dann, wenn die schöne Frau mit jemanden zusammen kommt, den andere Frauen interessant finden. Dann ist sie vielleicht ein Schlampe, die ihn nicht verdient hat und die ihn nur ausnehmen will oder etwas in der Art.

Siehe auch:

Und hier noch etwas:

According to Baumeister&Twenge [73], females are threatened by promiscuous females because ‘sex is a limited resource that women use to negotiate with men, and scarcity gives women an advantage’ (p. 166). That is, females, not males, suppress the sexuality of other females and they do so by using ‘informal sanctions such as ostracism and derogatory gossip’ (p. 172). In other words, females punish other females who seem to make sex too readily available using indirect aggression [74–77]. There are some studies supporting this line of reasoning. For example, in a study of adolescents, Leenaars et al. [44] found that for girls and not boys, recent sexual behaviour was associated with increased indirect peer victimization—a finding that was, above all, present for older adolescent girls. In another study, Vaillancourt & Sharma [78] found very strong support for women’s intolerance of sexy peers. In their experiment, young women were randomly assigned in dyads to one of two conditions. In the first condition, the dyad’s conversation was interrupted by an attractive female confederate who was dressed in sexy clothing; whereas in the second condition, participants were interrupted by the same confederate who was dressed in a conservative manner (figure 1). Participants were secretly video-recorded (with audio) and their reactions to the presence of the confederate were coded by independent female raters blind to condition. Results of this experiment were striking—with the exception of two women, all of the participants who were coded as engaging in indirect aggression were assigned to the sexy condition.

In a follow-up experiment, Vaillancourt & Sharma [78] demonstrated that the sexy confederate from their first study was perceived as a sexual rival. Indeed, the women in this experiment demonstrated a clear preference to not wanting to introduce the sexy confederate to a boyfriend or to allow him to spend time alonewith her. They also did not want to be friends with the sexy confederate. Bleske & Shackelford [79] also found that women, and not men, were less willing to become friends with a member of the same sex if the person was described as sexually promiscuous, and argued that the reason was owing to the fact that ‘promiscuous women threaten other women’s efforts to attract and retain a desirable long-term mate by triggering men’s desire for sexual variety and casual sex’ (p. 411). Given this established mating preference for males [3], it seems reasonable that it would be in a female’s best interest to avoid girls and women who appear to be sexually available. Associating with such females may (i) lower a person’s own mate value (guilty by association), (ii) result in the poaching of one’s romantic partner [34,73,80] or (iii) induce a feeling of jealousy because they are perceived to be obtaining something that is valued (i.e. the attention of males).

Hier noch ein paar Artikel:

Der Übergang von Alphamännchen, die über Bullymethoden ihre Macht erhalten, zu Koalitionen, die sich soziale Regeln geben.

In dem Interview mit dem Primatologen welches ich neulich schon erwähnte fand ich eine andere Stelle auch noch interessant.

Er führte aus, dass es beim Menschen kein klassisches Alphamännchen gibt, wobei er Alphamännchen für die anderen Primaten so definiert hat, dass es einen Primaten gibt, der allein aufgrund seiner körperlichen Stärke alle anderen unter Kontrolle hält.

Im Gegensatz dazu sei in einer Menschengruppe die Kontrolle nur über Bündnisse von Männern zu erreichen, ein einzelner Mann könne sich im Endeffekt dort nicht durchsetzen, weil ihn die Gruppe der Männer immer absetzen könne.

Jetzt meine ich mich an Ausführungen anderer Primatologen, insbesondere Franz de Waal zu erinnern, dass Schimpansen durchaus gewissen Koalitionen eingehen, ihnen genehme Anführer unterstützen, aber natürlich ist ein Interview auch immer eine Verkürzung gewisser Gedanken, ich kann mir schon vorstellen, dass menschliche Bündnisse wesentlich umfassender und komplexer sein können.

Als wesentlichen Unterschied für diese komplexeren Bündnisse verwies er auf die menschliche Fähigkeit zu sprechen, die wesentlich mehr Planung erlaubt und damit auch einen effektiveren Widerstand gegen einen dominanten Mann. Das macht ja auch durchaus Sinn, man kann sich eben vorher vergewissern, dass man unterstützt wird, wenn einer angegriffen wird und vorher schauen, welche Gruppengröße auf jeder Seite vorhanden ist und man kann auch insbesondere koordinierte Angriffe absprechen, ohne das man diese allein über Verhalten koordiniert. Man kann also zB planen „Wenn er eingeschlafen ist und ich das Signal gebe stürzen wir uns alle auf ihn“ oder „wenn er auf der Jagd ist, dann schnappen wir uns zuerst seinen Verbündeten und wenn er wiederkommt ihn“.

Das alles macht es einem Bully, der allein über körperliche Gewalt agiert, deutlich schwieriger.

Er vertrag die Auffassung, dass damit reaktive Gewalt gegenüber proaktiver Gewalt deutlich zurückgegangen ist, wir uns also besser beherrschen können als etwa ein Schimpanse.

Dazu kurz:

reaktive Aggression

Sie tritt unmittelbar und impulsiv als Konsequenz einer realen oder wahrgenommenen Provokation, Frustration oder Bedrohung auf und ist von starken Ärgergefühlen begleitet. Die Ursachen liegen in einer verzerrten Wahrnehmung (Kind oder Jugendlicher fühlt sich durch fast alles provoziert), in der mangelnden Fähigkeit mit Gefühlen angemessen umzugehen (Kind oder Jugendlicher explodiert leicht vor Wut) und in einem eingeschränkten Verhaltensrepertoire (Kind oder Jugendlicher kennt bei Wut nur eine Reaktion, nämlich aggressives Verhalten).

Proaktive Aggression

Von dieser Form spricht man, wenn ein Kind oder Jugendlicher aggressiv handelt, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, wie Erlangen von Macht über eine andere Person oder Ansehen sowie Anerkennung. Dieses aggressive Verhalten wird von angenehmen Gefühlen, wie Lust und Spaß, begleitet. Die Ursachen liegen im Wunsch nach Anerkennung und Ansehen in der Gruppe, in einer positiven Lernerfahrung (Kind oder Jugendlicher hatte Erfolg mit seinem Verhalten und bekam Anerkennung) und in gruppendynamischen Prozessen (viele Kinder oder Jugendliche in der Klasse sind beteiligt).

Also einmal Gewalt, weil man auf Umstände reagiert, ein anderes Mal Gewalt, weil sie einen an ein Ziel bringt.

Dabei eben auch der Gedanke, dass proaktive Gewalt kontrollierbarer ist und Ziele zudem dann eben auch erst auf anderem Wege erreicht werden können.

Der weitere Gedanke war dann, dass dieser Prozess der Koalitionsbildung im Gegensatz zur Herrschaft des (einzelnen) Stärkeren wesentlicher Bestandteil des menschlichen Zivilisationsprozesses war. Denn wer eine Koalition bildet, der muss der Gruppe eher Regeln geben, die allen gefallen und nicht nur ihm, damit er die passende Unterstützung erhält. Daraus folgen dann eher soziale Normen, die sich insgesamt durchsetzen können, Regeln, die allgemein akzeptiert werden und Willkür zumindest einschränken (zumindest innerhalb der mächtigeren Koalition).

Finde ich eine interessante Herleitung der menschlichen Gesellschaft und einer Form des „Gesellschaftsvertrages“ ausgehend von der kleineren Gruppe:

Thomas Hobbes hatte den Naturzustand der Menschheit 1651 als Krieg aller gegen alle (Bellum omnium contra omnes) geschildert, der nur durch eine ordnende Autorität mit absoluter Macht beendet werden könne. Vernünftige Untertanen sollten demnach in einen Herrschaftsvertrag einwilligen. Dadurch wechseln sie vom Naturzustand in den Gesellschaftszustand (Staat). Sowohl Vertragsabschluss als auch Naturzustand sind nur Vorstellungen, dass es so gewesen sein könnte.

Gegen diese Sichtweise wandte sich hundert Jahre später Jean-Jacques Rousseau mit der überaus einflussreichen Vorstellung, dass der Naturzustand im Gegenteil ein paradiesischer Friede sei, der erst durch gesellschaftliche Ungleichheiten zerstört werde. In seinem politisch-theoretischen Hauptwerk Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes (1762) forderte er, die bisherige Unterordnung in Monarchie oder Aristokratie durch den Willen gleichberechtigter Individuen in der Gesellschaft zu ersetzen.

Beim Kontraktualismus wird also angenommen, dass die Individuen sich aufgrund natürlicher Interessen aus freiem Willen zu einer staatlichen Ordnung zusammenschließen. Daraus resultieren wechselseitige Beziehungen sowie eine Selbstverpflichtung, den beschlossenen Vertrag einzuhalten.

Die Idee des Gesellschaftsvertrags ist nach Wolfgang Kersting ein Gedankenexperiment, das sich in einen „argumentationsstrategischen Dreischritt“[2] gliedert: Naturzustand – Gesellschaftsvertrag – Gesellschaftszustand. Das Gedankenexperiment in Hobbes’ suggestiver Formulierung versuche zu zeigen, dass der rechtsfreie Raum eine Gefangenendilemma-Situation mit sich bringe, also die Unmöglichkeit gegenseitigen Vertrauens. Die Anwendung des Rechts erscheint dann als friedenssichernder Ausweg.

Da wäre also der Krieg aller gegen alle, aber in dem Moment, indem er sich von Einzelkämpfen zu Gruppenkämpfen entwickelt müssen die Gruppen gewisse „Verträge“ miteinander schließen.

Was macht die Darstellung als „Schlampe“ für Frauen attraktiv?

Ich hatte hier schon zB den Text des Songs WAP von Cardi B zitiert, der mit 

Hoes In This House
There’s Some Hoes In This House
There’s Some Hoes In This House
There’s Some Hoes In This House

beginnt. Aber auch sonst kann die Darstellung als „Schlampe“ attraktiv sein. Ich brainstorme mal etwas:

Erst einmal ist Sex mit vielen Männern für die Frau evolutionär eine Strategie mit vielen Nachteilen. Denn eine Frau kann immer nur von einem Mann schwanger werden (mit ein paar sehr exotischen Ausnahmen einer Mehrfachbefruchtung), ein Mann hingegen kann theoretisch beliebig viele Frauen schwanger machen. Schläft sie mit vielen Männern, dann besteht das Risiko, dass sie von dem Sperma des „Schlechtesten“ schwanger wird, konzentriert sie sich auf einen, theoretisch den „Besten“, dann wird sie eben sicher von diesem Schwanger. Zudem besteht dann aufgrund der Vatersicherheit ein höheres Interesse dieses Mannes sie und das Kind auch tatsächlich zu unterstützen, was hingegen bei Sex mit einer Vielzahl von Männern evolutionär nicht interessant ist,

Dennoch bietet auch diese Strategie gewisse Vorteile. Zum einen kann man so natürlich auch erst an „bessere Gene“ kommen, nämlich dann, wenn der „bessere Mann“ sich für eine Bindung nicht auf einen selbst einlassen würde, aber aufgrund der oben dargestellten Fortpflanzungskosten durchaus in evolutionär interessanten Zeiten Interesse daran hatte, Sex mit einem zu haben. Schafft man es den Kreis derjenigen, die mit einem schlafen, auf „Höherwertige Männer“ zu beschränken, dann wirken sich die evolutionär negativen Folgen auch weniger aus. 

Ein weiterer Vorteil ist, dass man es schaffen kann, dass einen diverse Männer zumindest etwas unterstützen, einmal weil sie erneut Sex mit einem haben wollen und zum anderen weil das Kind ihr eigenes sein könnte. 

Es geht also um eine „Streuung“ der Unterstützung statt einer „qualifizierten Unterstützung“.

Daneben kann die Darstellung als Schlampe auch schlicht eine Form von „Werbung“ sein, ohne das man im klassischen Sinne schlampig ist, also mit besonders vielen Männern schlafen will, weil es eben erlaubt Sex als Werbemittel um Männer zu nutzen. Das ist zwar meistens eher eine „billige Strategie“, ähnlich wie ein Mann, der meint, dass er nur einen Wert hat, wenn er Ressourcen bietet und nicht aus seiner Person heraus, aber kann eben auch „höherwertig“ sein, wenn man deutlich macht, dass man sich eine solche Werbung erlauben kann, weil man aufgrund Status in der Gruppe sicher ist und sich hochrangige Männer aussuchen kann.

Und natürlich dann noch die Erklärung auf der rein psychologischen Ebene:

Ein Klima zu verbreiten, in dem man „Schlampe sein kann“ vermindert schlicht intrasexuelle Konkurrenz um „richtiges Verhalten“ und erlaubt einem sich auszuleben. Denn man muss ja nicht die „braveste Frau“ sein, es reicht, wenn man den „Normalen Standard“ bedient. Und wenn der eben niedriger ist, dann fällt das leichter

Miss Germany 2020: Leonie von Hase

Es war hier bereits Thema, dass die Miss Germany Wahl geändert worden ist, es jetzt nur noch weibliche Juroren gab und es zudem mehr auf die Persönlichkeit ankommen sollte.

Gewählt worden ist nunmehr Leonie von Hase aus Schleswig-Holstein

(Links mit der Krone)

Hier noch mal ein Bild von Instagram

Hier die Zweitplazierte Lara Rúnarsson:

 

und die Drittplazierte  Michelle-Anastasia Masalis:

 

Generation Kill „Es ist der Mangel an Pussys der Länder zugrunde richtet“

Ich habe gerade noch einmal in die TV Mini-Serie „Generation Kill“ reingeschaut, die sich mit dem Irakkrieg beschäftigt.

Eine Marine sagte dort etwas, was ich für eine Diskussion ganz interessant finde:

Cpl. Ray Person: Look at this shit, how come we can’t ever invade a cool country, like chicks in bikinis, you know, how come counties like that don’t ever need Marines, I’ll tell you why, it’s lack of pussy that fucks countries up, lack of pussy is the root fucking cause of all global instability, if more hajis were getting quality pussy, there’d be no reason for us to come over and fuck em up like this, cause a nutbusting haji, is a happy haji

Evan ‚Scribe‘ Wright: An interesting theory though.

Cpl. Ray Person: Yeah, yeah, you should quote me on it, you know what, you should definitely quote me on it, this whole thing comes down to pussy! Look, if you take the Republican Guard and comp their asses for a week in Vegas, no fucking war!

Evan ‚Scribe‘ Wright: So the war is not about oil or WMDs.

Cpl. Ray Person: No, in the opinion of this Marine, its about pussy.

Evan ‚Scribe‘ Wright: And its not about Saddam.

Cpl. Ray Person: No, Saddam is just part of the problem, if Saddam invested more in the pussy infrastructure of Iraq than he did in his fucking gay ass army, then this country would be no more fucked up than say, Mexico.

Freiere Länder erlauben in der Tat üblicherweise mehr Fortschritt, und inwieweit man die Sexualität einschränkt könnte ein gewisser Indikator sein. Das mag in historischen Zeiten anders gewesen sein ist aber jetzt mit modernen Verhütungsmitteln eher der Fall.

Kleine Brüste, Intrasexuelle Konkurrenz unter Frauen und wie man damit umgehen kann

Amy Alkon hatte ich hier schon in anderen Artikeln zitiert. Sie hat eine Kolumne als „Advice Goddess“, in der sie Leuten auf Fragen entsprechende Ratschläge gibt. Diese Frage hier fand ich ganz interessant:

I have a great circle of female friends, but one of „the group“ has a way of making backhanded comments about my appearance that make me feel bad about myself. Her latest topic is my breasts and how much smaller they are than hers. Incredibly, she manages to work this into any conversation — exercising, fashion, shopping, camping. If I confronted her, I know she’d act as though she’s been paying me compliments. („But you’re SO lucky to have small boobs!“) How can I get her to stop?

Ist natürlich in der Tat eine klassische Untergrabung ihrer Position und dazu häufig noch eine Betonung, dass die andere Frau größere Brüste hat. Und eben alles als Scherz getarnt, als wirklicher Vorteil für sie, Rückenschmerzen und so. Hätte sie doch was gesagt, dann hätte man ja aufgehört etc. Plausibel Deniability ist da sehr wichtig.

Die Antwort:

Stopping her would be easier if you two were guys: „I don’t like the way you’re talking about my boobs, Marjorie. Let’s take this outside.“

Ist natürlich auch etwas übertrieben. Als Mann kann man da auch nicht gleich zu Gewalt übergehen, man muss insbesondere auch einen Spruch wegstecken können. Aber man kann es zumindest auf die Weise austragen, und das wesentlich direkter. Und natürlich kann es auch eskalieren.

But while men will sock each other in the bar parking lot (and can sometimes go back in and have a beer), women engage in what anthropologists call „covert aggression“ — attacks that are hard to pinpoint as attacks, like gossip, social exclusion, and stabbing another woman in the self-worth. („Stabracadabra!“ — you’re bleeding out, but nobody but you can tell!)

Verdeckte Aggression ist in der Tat ein gutes Stichwort bei vielen Frauen. Etwas, bei dem man abstreiten kann, dass es Aggression ist. Weil Frauen wissen, dass es zu so etwas dort eher kommt, gibt es auch noch den anderen Fall: Sie sieht verdeckte Aggressionen, wo gar keine sind („Jetzt hat sie schon wieder eine ähnliche Bluse an wie ich, dass macht die mit Absicht“). Und in der Tat werden hier wieder die dort verbreiteten Mittel aufgezählt:

  • Gerüchte und Tratsch
  • Sozialer Ausschluss
  • Herabsetzung des Selbstwertgefühls.

Angriffe, die dann Spuren hinterlassen, bei denen aber niemand wirklich sagen kann, dass die andere die Verursacherin ist.

Psychologist Anne Campbell, like others who study female competition, explains that women seem to have evolved to avoid physical confrontation, which would endanger their ability to have children or fulfill their role as an infant’s principal caregiver. (Ancestral Daddy couldn’t exactly run up to the store for baby formula.) So while guys will engage in put-down fests as a normal part of guy-ness, even women’s verbal aggression is usually sneaky and often comes Halloween-costumed as compliments or concern: „Ooh, honey, do you need some Clearasil for those bumps on your chest?“

In der Tat konnte für Frauen eine Verletzung weitaus bedrohlicher sein als für einen Mann. Einmal konnte es ihre Schönheit stärker beeinträchtigen und damit ihren Status (Narben wirken bei Männern vielleicht noch Sexy, bei Frauen weitaus weniger), zum anderen kann es Kinder im Mutterleib und Kinder, die auf die Betreuung der Mutter uns insbesondere das Stillen angewiesen sind, gefährden.

The tarted-up put-down is a form of psychological manipulation — a sly way of making a woman feel bad about herself so she’ll self-locate lower on the totem pole. And because men have visually driven sexuality, women specialize in knocking other women where it really hurts — their looks. Like those supposedly minuscule boobs of yours. (Right…you’ll have a latte, and she’ll just have another mug of your tears.)

Beleidigungen orientieren sich eben gerne am evolutionären Wert als Partner.  Und Herabsetzungen entsprechend auch. Und auch interner Status bestimmt sich auch bei Frauen schnell nach Schönheit und Selbstvertrauen. Und natürlich auch nach der eigenen Fähigkeit solche Angriffe abzuwehren oder überhaupt gegen sich zu haben. Die Queen Bee wird eben nicht auf diese Weise angegriffen, weil man befürchtet, dass sie ebenfalls die gleichen Waffen einsetzt und im Zweifelsfall mehr soziale Exklusion durchsetzen kann.

The next time that she, say, turns a trip to the mall into a riff — „Har-har…Victoria’s Secret is that they don’t carry your size!“ — pull her aside. (In a group of women, conflict resolution is most successful when it’s as covert as female aggression — as in, not recognizable as fighting back.) By not letting the others hear, you remove the emotionally radioactive element of shaming. This helps keep your defense from being perceived as an attack on her — yes, making you the bad guy.

Simply tell her — calmly but firmly: „These mentions of my boobs are not working for me. You need to stop.“ Be prepared for the antithesis of accountability — a response like „Gawd…chill“ or „I have no idea what you’re talking about.“ But she’ll know exactly what you’re talking about, which is that you’ve just become a poor choice of victim. She may float a remark or two to test your resolve, so be prepared to repeat your warning — calmly but firmly — until she starts acting like just one of the girls instead of yet another breast man.

Würde auch bei Männern gut klappen. Es kann ein großer Vorteil sein, dass außerhalb der Gruppe zu regeln. Denn einmal nimmt es das Element des Angegriffenseins, was auch niedrigen Status ausdrücken kann, zum anderen nimmt es das Element, dass sie vor einer Bühne ihre Unschuld beteuern kann und sich andere auf ihre Seite stellen.
Es bleibt eine sehr persönliche Konfrontation, bei der man sich eben nicht vor die Gruppe retten kann und das ganze wieder zu einer sozialen Sache ausbauen kann. Es wird deutlich, dass man etwas nicht möchte. Und die Wiederholung macht es dann auch deutlich, dass es Konsequenzen haben kann oder wird jedenfalls sehr unangenehm. Es ist dann zumindest klar, dass es eben zwischen den beiden eine offene Aggression ist und keine verdeckte mehr und das verändert die Form des Angriffs.

Natürlich kann die andere es dann trotzdem weiter machen. Dann müsste man irgendwann es doch vor die Gruppe tragen, eben mit der Angabe, dass man ihr wiederholt gesagt hat, dass es einem so  nicht passt.

Dazu passend noch dieser Tweet von Alkon:

Die Arbeit die dort zitiert wird klingt auch interessant. Mal sehen ob ich noch zu einem Artikel dazu komme.

Intrasexuelle Konkurrenz unter Männern am Beispiel von Krankenschwestern im zweiten Weltkrieg

Ich habe gerade „Helmet for my Pillow“ von Robert Leckie gelesen, welches aus der Sicht eines Marines den Krieg gegen die Japaner im Pazifikbereich schildert.

Eine Stelle fand ich ganz interessant. Leckie ist nach einem Einsatz in einem Krankenhaus/einer Irrenanstalt und einer der dort Beschäftigen schildert was sich durch die Anwesenheit von Krankenschwestern verändert hat:

Here, in the mental ward, I saw that I was wrong. I saw what a man’s own mind, what despair, could do to him.

I am thinking of the pitiful beings they call manic depressives. These are the sons of despair. I saw them, I felt the dejection of their spirit, and I wondered sadly what could have happened to a man to turn him into a ghost walking the ward with silent lips and blank eyes.

If Banika was an island paradise, it had, for enlisted men, its forbidden fruit: the nurses.

“It isn’t personal,” explained the corpsman who had told me about the Kid. “It’s just that they’re women, and women out here are just no good. They cause too much trouble.” He reflected a moment. “You know, we didn’t have nurses when we first got to Banika. There was just the doctors and ourselves.“ He sighed wistfully. “It was wonderful. The doctors shared their liquor rations with us and everything. It was like one big happy family. We ate good, too, as good as the doctors. You never heard of a doctor pulling his rank. We got along wonderfully together.”

His face darkened. “

Then the nurses came, and everything changed overnight. We weren’t good enough anymore. No more liquor, no more top chow, no more friendliness. The nurses talked only to doctors and the doctors talked only to God. And the trouble is, our work hasn’t gotten one bit easier. If anything, it’s harder, what with the tension.” His face got gloomier. “And look what the nurses did to the whole base. Look at the fancy stockade they had to build for them and get a whole MR battalion to stand guard over them. Look at how the men eat their heart out every time they see an officer riding around in a jeep with a nurse beside him. And how do you think they feel when they see the officer has a pistol on his hip? What the hell does that mean, eh? It means he’s supposed to defend this pure woman’s honor against an attack by us crummy enlisted men. We’re the only ones that’d do it, y’know. The lieutenant’s glands have been to Officers‘ Candidate School.” His voice was bitter, now. “It’s crazy. It’s unfair. Women have no place out here. Not just a few of ‚em, anyway. If they can’t send a woman for every man, they’d better keep ‚em all the hell home!”

Und noch mal mit Deepl übersetzt:

Hier, in der Nervenheilanstalt, sah ich, dass ich mich geirrt hatte. Ich sah, was die eigene Meinung eines Mannes, welche Verzweiflung ihm antun konnte.

Ich denke an die erbärmlichen Wesen, die sie manisch-depressive Menschen nennen. Das sind die Söhne der Verzweiflung. Ich sah sie, ich fühlte die Niedergeschlagenheit ihres Geistes, und ich fragte mich traurig, was mit einem Mann geschehen sein könnte, der ihn in einen Geist verwandelte, der mit leisen Lippen und leeren Augen durch die Station ging.

Wenn Banika ein Inselparadies war, hatte sie für die Soldaten ihre verbotene Frucht: die Krankenschwestern.

„Es ist nicht persönlich“, erklärte der Sanitäter, der mir von dem Kind erzählt hatte. „Es ist nur, dass es Frauen sind, und Frauen hier draußen sind einfach nicht gut. Sie machen zu viel Ärger.“ Er dachte einen Moment nach. „Weißt du, wir hatten keine Krankenschwestern, als wir bei Banika ankamen. Da waren nur die Ärzte und wir selbst.“ Er seufzte sehnsüchtig. „Es war wunderbar. Die Ärzte teilten ihre Schnapsrationen mit uns und so. Es war wie eine große, glückliche Familie. Wir haben auch gut gegessen, so gut wie die Ärzte. Du hast noch nie von einem Arzt gehört, der seinen Rang hat. Wir haben uns wunderbar verstanden.“

Sein Gesicht verdunkelte sich. “

Dann kamen die Krankenschwestern, und alles änderte sich über Nacht. Wir waren nicht mehr gut genug. Kein Alkohol mehr, kein Top-Chow mehr, keine Freundlichkeit mehr. Die Krankenschwestern sprachen nur mit Ärzten und die Ärzte nur mit Gott. Und das Problem ist, dass unsere Arbeit nicht einfacher geworden ist. Wenn überhaupt, ist es schwieriger, was ist mit der Spannung.“ Sein Gesicht wurde trübseliger. „Und schau, was die Krankenschwestern mit der ganzen Basis gemacht haben. Schau dir die schicke Festung an, die sie für sie bauen mussten, und besorg dir ein ganzes MR-Bataillon, das sie bewacht. Schauen Sie sich an, wie die Männer jedes Mal ihr Herz ausschütten, wenn sie einen Offizier in einem Jeep mit einer Krankenschwester neben sich herumfahren sehen. Und wie fühlen sie sich, wenn sie sehen, dass der Offizier eine Pistole an der Hüfte hat? Was zum Teufel bedeutet das, hm? Es bedeutet, dass er die Ehre dieser reinen Frau gegen einen Angriff von uns miesen Soldaten verteidigen soll. Wir sind die Einzigen, die es tun würden, weißt du. Die Drüsen des Leutnants waren auf der Kandidatenschule der Offiziere.“ Seine Stimme war jetzt bitter. „Es ist verrückt. Das ist unfair. Frauen haben hier draußen keinen Platz. Nicht nur ein paar von ihnen, jedenfalls. Wenn sie nicht für jeden Mann eine Frau schicken können, sollten sie sie besser alle zu Hause lassen!“

Vorher gab es also keinen Grund groß seinen Status herauszustellen. Alle waren in dem selben dreckigen Krieg und hatten eine gemeinsame Aufgabe. Man stellte Gemeinsamkeiten her, versuchte Hierarchien möglichst klein zu halten.

Mit dem Einzug der Frauen hingegen (die natürlich auch nichts dafür können und auch letztendlich das Beste aus einer Situation im Krieg machten) änderte sich das. Plötzlich lohnte es sich Status darzustellen und Hierarchien zu betonen – die Ärzte ganz oben, der Rest in der Hierarchie tief unten und die Offiziere als Beschützer der Frauen vor denen „Unten“, eben weil sie etwas besseres waren.

Margarete Stokowski hasst gepolsterte BHs

Margarete Stokowski wettert gegen gepushte BHs:

In der Werbung gelten Brüste als das beste Verkaufsargument – aber die Brust der einzelnen Frau muss immer noch durch unbequeme BHs optimiert werden. Würden Männer so kontrolliert werden, müssten sie Penisbändiger tragen.

Die Einleitung finde ich schon nicht schlecht: Frauen werden erst einmal zum Objekt gemacht, sie wählen nicht etwa bestimmte BHs aus, sondern sie werden „kontrolliert“. Männer hingegen haben natürlich keinerlei einschränkende Kleiderordnungen. Wer hätte sich je über Männer in kurzen Hosen aufgeregt oder welcher Dresscode sieht etwa auch bei heißen Wetter so etwas wie lange Stoffhose und Krawatte für Männer, aber durchaus ein luftiges Kleid für als Option für Frauen vor?

Tatsächlich ist es auch bereits interessant, dass sie die BHs als Kontrolle sieht und ihnen „Penisbändiger“ gegenüber stellt, wenn es für viele Frauen immer noch darum geht, dass sie eben ihren Busen besser aussehen lassen, größer, fester, gleichmässiger, nicht hängend etc.

Der klassische gefütterte BH verspricht, dass man in ihm gut aussieht:

Push-up BH mit Polster

Push-up BH mit Polster

Und die Bedeckung der Brustwarzen macht ihn eben in vielen Fällen auch weniger sexuell und vermindert die Vergleichbarkeit innerhalb der intrasexuellen Konkurrenzu, weil diese bei der Bewertung der Schönheit einer Brust ein ganz wesentliches Element sind.

Würde man entsprechendes für den Penis vorsehen, dann käme wohl eher so etwas wieder in Mode:

arrmour-codpiece

arrmour-codpiece

Oder der Penisköcher würde eine Ausbreitung erleben. Das geschieht nicht, weil Männer dahingehend „kontrolliert“ werden, dass man im Gegensatz zu Brüsten eben seinen Penis nicht betonen darf. Während Männer sich schöne Brüste oder Vaginas durchaus anschauen wollen ist das Zusenden von Dickpics an Frauen eben eher eine Form der Belästigung.
Abgesehen von der Schwulenszene, wo man wahrscheinlich durchaus für einen schönen Schwanz zu haben ist und damit keine Probleme hätte, weswegen entsprechende Betonungen wahrscheinlich auch eher für diese Szene entwickelt werden:

Meine Vermutung wäre jedenfalls, dass das Produkt eher auf den schwulen Markt ausgerichtet ist, aber da mag ich mich auch täuschen.

Ich schwöre, wenn man eine repräsentative Studie unter den Frauen dieses Landes durchführen würde und fragen würde, wann und wo sie sich wirklich zuhause fühlen, dann würde mindestens die Hälfte von ihnen antworten: Da, wo ich ohne ätzenden BH rumlaufen kann.

Das kann ich mir durchaus vorstellen. Aber ich vermute, dass die meisten Frauen auch etwas dagegen hätten, wenn Frauen allgemein ohne BHs rumlaufen würden. Weil es eben dann häufig sexuelle Signale sendet, Defizite eher offen legt, man sich weniger vorteilhaft darstellen kann oder schlicht weil die intrasexuelle Konkurrenz damit angeheizt werden würde. Und natürlich auch, weil es auch bequemer in bestimmten Situationen sein kann, seine Brüste fest verpackt zu haben, einfach bei der Bewegung und größeren Brüsten. Aber dazu können sich natürlich gerne Frauen in den Kommentaren äußern.

Es gibt immer noch dieses Klischee, dass Feministinnen gerne BHs verbrennen, und es ist schwer aus der Welt zu kriegen, auch wenn es sich auf sehr dürftige historische Belege stützt. Früher habe ich immer gesagt: Hey, nein, stimmt gar nicht, wir machen das nicht, gute BHs sind so wichtig, gerade wenn man große Brüste hat; man kann sonst nicht mal ungenervt eine Treppe hinunterlaufen, ernsthaft. Das stimmt auch, soweit. Aber nun war ich letzte Woche unterwegs, um einen Bikini zu kaufen, und muss sagen, ich wäre inzwischen bereit für eine öffentliche Bikinioberteil-Verbrennung.

Die Probleme mit gepolsterten BHs hatten in der Tat schon andere Feministinnen und ich habe auch schon ein paar Artikel dazu.

Die konkrete Brust kann nie gut genug sein

Wenn man in die ganz normalen Klamottenläden geht, in die die meisten Leute gehen, dann findet man in der Bademodeabteilung für Frauen hauptsächlich Bikinioberteile, in denen auf jeder Seite bereits mindestens schon eine halbe Brust drin ist. Dieser knappe Liter Dämmmaterial ist manchmal durch eine kleine Lücke rausnehmbar, aber nicht immer, oft ist er fest vernäht. Auch bei großen Größen. Unter dem Polster findet sich nicht selten ein Metallbügel, der sich bei einer ungünstigen Bewegung (Kopfsprung, Arschbombe, Leben) in die Achsel bohren kann.

Es ist, als würde dieses Bikinioberteil sagen: Brüste, schön und gut, aber sie müssen in jede denkbare Himmelsrichtung geformt und vergrößert werden, außer auf der Seite, wo sie am Körper befestigt sind, denn ja, natürlich schätzt diese Gesellschaft die weibliche Brust als Allzweckdekoration zu Werbezwecken, aber die konkrete Brust jeder einzelnen Frau kann niemals gut genug sein.

Und das ist natürlich wieder einmal eine Diskriminierung der Frau und einfach ein Skandal!!!!11

Es klingt fast so als würde „die Gesellschaft“ den Frauen die BHs vorschreiben und verhindern, dass sie andere BHs kaufen. Tatsächlich sind es natürlich die einzelnen Frauen, die gerne die Vorteile einer optisch vergrößerten Brust nutzen wollen, weil sie dann als attraktiver wahrgenommen werden.

Dazu zB dieses Video:

Um die Antwort gleich vorwegzunehmen:

Ja, größere Brüste geben mehr Trinkgeld. Und zwar von Männern UND Frauen. Männer gaben 30% mehr, Frauen sogar 40% mehr.

Und auch „Mitnahme als Anhalterin, weil das Auto liegengeblieben ist“ gibt entsprechende Daten:

Statistically speaking, only men’s behaviors were affected by the hitchhiker’s breast size (p < .03). The frequency of stopping in the cup C condition was marginally greater than that of cup B (p = 0.09) and significantly greater than that of cup A (p < .01). The difference between cups A and B was not significant.

Das Rätsel, warum die meisten Läden hauptsächlich gepolsterte BHs anbieten, scheint damit recht leicht zu lösen zu sein: Frauen kaufen sie eher, weil es ihnen Vorteile bringt.

Um so besser, wenn sie dann auch noch gleichzeitig verhindern, dass sich Nippel durch den Stoff drücken, was ein zu sexuelles Signal sein kann, was viele Frauen nicht senden wollen.

Das gilt für Bikinioberteile und BHs gleichermaßen, und es gilt nicht nur für Modelle für erwachsene Frauen, sondern oft auch schon für die, die für 11- oder 13-Jährige gedacht sind. Es ist komplett unklar, wie Mädchen kein gestörtes Körperbild entwickeln sollen, wenn ihnen beim Shoppen suggeriert wird, dass man ihre Brüste idealerweise um ein paar Zentimeter strecken sollte, egal wie klein oder groß sie sind.

Auch hier ist es allerdings nicht „die Gesellschaft“, sondern eher der Umstand, dass solche Bikinis sich gut verkaufen. Sie bieten auch verschiedene Vorteile: Sie sind im Endeffekt weniger sexuell, weil man bei einem ungepolsterten Bikini mehr sieht. Sie ermöglichen Mädchen ihre tatsächlichen Brüste eher aus der Bewertung zu nehmen als BHs, die keine Polster haben. Und sie erlauben ihnen gleichzeitig eben größere Brüste zu haben.

Natürlich kann man das verurteilen und das Durchsichtigkeitsproblem bzw Formerkennbarkeitsproblem auch anders lösen. Aber um zu erkennen, dass größere, formschöne Brüste eine besondere Anziehungskraft auf Männer haben braucht man kein BH-Geschäft. Jede Schule dürfte zumindest ein in der Hinsicht bevorteiltes Mädchen haben, welches das den anderen Mädels recht schnell deutlich macht.

Um es gleich zu sagen: Es ist okay, dass es das gibt. Für Mädchen und Frauen, die ihre Brüste fest einpacken und vergrößern wollen, sind diese Modelle ein Segen, aber sie sind oft nicht eine Auswahlmöglichkeit, sondern der Standard. Wer kein Push-up-Gerät sucht, bei dem man sich erstmal die Brüste auswringen muss, wenn man aus dem Wasser kommt, hat ein Problem.

Dann gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Entweder es ist nichts davon am Markt, weil sich so etwas nicht verkaufen lässt
  • oder Frau Stokowski hat eine unglaubliche Marktlücke gefunden, die bisher keiner der BH und Bikinihersteller wahrgenommen hat, und könnte damit reich werden.

Meine Vermutung ist, dass die meisten Frauen eben die Polster und das Pushen wollen, aber es auch genug ohne gibt.

Dazu auch noch diese Tweets:

Eine feministische Revolution im Kapitalismus, weil ein bestimmtes, nach ihrer Vorstellung am Markt gesuchte Produkt bisher nicht auf dem Markt ist. Wie kann es nur abseits von Diskriminierung zum Gender Pay Gap kommen?

Die historische Epoche der Aufklärung kann nicht als abgeschlossen betrachtet werden, solange es immer noch der Normalfall ist, dass Frauen angeboten wird, sich zwei Brustprothesen aus einer Art Bauschaum umzuschnallen, bevor sie schwimmen gehen. Was soll das?

Man muss glaube ich tief verwurzelt im Opferdenken sein, wenn man nicht auf die Idee kommt, dass Frauen diese Produkte eher kaufen als andere, weil sie sie besser finden. In ihrer Vorstellung gibt es aber so etwas wie eine bewußte Kaufentscheidung der Frauen nicht. Es gibt nur die patriarchale Gesellschaft, in der anscheinend Frauen keinen Einfluss in der Modebranche haben und auch unmöglich selbst BHs und Bikinis herstellen können, so dass ihnen nichts anders übrig bleibt als „sich Brustprothesen aus Bauschaum umzuschnallen“.

 

Die Mutter als Heilige und Hure – Zum Begriffs der MILF

Pinkstinks verwirrt der Begriff MILF:

„Die Bezeichnung MILF ist ein verbales Arschgeweih für ein Sexleben nach der Mutterschaft.“ Die Sexualpädagogin, Autorin und Bloggerin Katja Grach versammelt diesen und andere messerscharfe Sätze in ihrem neuen Buch über das Phänomen MILF. MILF steht für Mother I’d like to fuck und genau darum geht es. Seitdem dieser Begriff durch die US-amerikanische Filmreihe American Pie einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde, ist er aus der Popkultur nicht mehr wegzudenken. Vor allem aber nicht aus der Pornografie. Grach nun geht der Frage nach wie das eigentlich passieren konnte: Wieso werden die beiden eigentlich immer sehr getrennten Rollensphären Heilige (Mutter) und Hure (Schlampe) plötzlich in eine zusammengegossen und was genau bedeutet das? Auch diese Trennung war und ist nicht nur in der Realität vorhanden, sondern findet ihren Widerhall in der Popkultur. Im gleichen Jahr wie der erste Teil von American Pie erschien 1999 auch der Film Reine Nervensache. Darin zwingt der von Robert de Niro gespielte Mafiosi einen Therapeuten sich seiner Probleme anzunehmen: Impotenz, Angstzustände und derlei mehr. Auf die Frage, warum er sich einer Geliebten zuwendet und keine sexuelle Erfüllung bei seiner Frau findet, antwortet der Mafiosi:

„Pfui, solche Sachen mache ich nicht mit meiner Frau. Mit dem Mund küsst sie schließlich meine Kinder wenn sie schlafen sollen.“

Anscheinend fällt zumindest Pinkstinks gar nicht auf, dass die Rollen da nicht zusammen gegossen werden:

Es sind verschiedene Personen, die Frauen verschieden sehen.

  • Die Familie betont die Mutterrolle, gerade die Kinder, während der Mann wahrscheinlich eher älter und konservativer sein muss um in seiner Ehefrau nur die Heilige zu sehen, mit der man nichts verdorbenes machen darf.
  • andere Freunde der Kinder sehen die Mutter eben nicht als Mutter, sondern als Frau. Und MILF thematisiert eher den Zwiespalt, dass Mütter von Freunden natürlich Tabu sind, aber auch gut aussehen können (genau wie Schwestern)
  • Frauen selbst, die Mütter sind, wollen natürlich weiterhin auch sexy sein und als solche wahrgenommen werden. Vielleicht nicht unbedingt in einer aufdringlichen Weise von den minderjährigen Freunden ihrer Kinder, aber keine Frau mag wohl die Vorstellung, dass sie gar nichts sexuelles für Männer hat und sie an Sex mit ihr vollkommen desinteressiert sind. Deswegen ist es natürlich zum Teil ein „Ehrentitel“, wenn man trotz Mutterschaft und einem insoweit auch schon fortgeschrittenen Alter als sexy gilt, gerade weil die Schwangerschaft gerne mit Gewicht, Narben etc verbunden ist.

Bei Pinkstinks heißt es:

Ob die Frau dazu womöglich Lust hätte, steht gar nicht zur Debatte. Auftritt der MILF. Mit ihr sind „solche Sachen“ zumindest in der Vorstellung möglich. Wohlgemerkt obwohl sie Mutter ist. Sonst müsste die Mutterschaft nicht extra betont oder eben in einen spezifisch sexuellen Zusammenhang gestellt werden. Die Mutter ist aber nicht sexy, weil sie drei Kinder geboren und womöglich gestillt hat, sondern weil sie sich trotz der Mühen von Schwangerschaft und Kindererziehung „ihren Körper zurückgeholt hat“. Auf diese Optimierungskomponente weist die Autorin sehr bewusst hin. Mitterweile hat sich eine ganze Industrie um den After-Baby-Body, die Erscheinung und die Sexualität von Müttern gebildet. Zum Beispiel gab es vor ein paar Jahren ein Fitness- und Ernährungsprogramm das Month11, der MILF-Macher hieß. Der Name kündigt es an: 9 Monate Schwangerschaft sind nicht genug: Der Zeitraum wird verlängert, damit frau „die Spuren der Schwangerschaft beseitigt“.

Die MILF ist ein Markt„, schreibt Grach. Und an diesem Markt wollen möglichst viele verdienen.

Aber ist das nicht auch irgendwie ermächtigend? Immerhin wird die Heilige-Hure-Dichotomie aufgelöst und frau kann (auch) als Mutter endlich sexuelle selbstbestimmt sein. Das wäre in der Tat eine gute Sache, stimmt hier nur leider nicht. Die MILF mag oberflächlig wie das Ergebnis einer sexuellen Ermächtigung wirken, ist aber das genaue Gegenteil. Mit der Frau des Mafiosi hat sie nicht nur die Namenlosigkeit (Stifler’s Mom) sondern auch die Fremdbestimmtheit der eigenen Sexualität gemein. Schließlich geht es um eine Mother I’d like to fuck und nicht um eine Mutter, die selbst entscheidet, worauf sie Lust hat. Das Konzept MILF ist an ein Publikum gerichtet, dass Mutterschaft als zu überwindene Hürde definiert, als körperliche und durchaus auch seelische Makel, die es auszulöschen gilt.

Hier wird dann angeführt, dass es nicht um die Sexualität der Frau geht: Ja natürlich nicht. Es geht darum sexuelles Interesse an einer Person darzustellen, mit der man wahrscheinlich nie schlafen wird. Es geht darum zu sagen, dass man die Person sexuell anziehend findet, weil man die entsprechenden Reize wahrnimmt.

Auch Mädchen, die sich sich darüber unterhalten, welches Bandmitglied der gerade angesagten Boygroup süsser ist stellen nicht darauf ab, dass dieser sexuell ermächtigt ist, sondern dass er für sie interessant ist, stellen insofern nach diesem Muster eine „Fremdbestimmung“ dar.

Und natürlich ist MILF für Frauen auch nur eine Ausprägung intrasexueller Konkurrenz, die auch gerade den geänderten sozialen Gegebenheiten Rechnung trägt:

Wo der Mafiaboss in einer Welt lebt, in der man sich nicht von seiner Frau scheiden lässt, sondern diese die Familie und die Kinder absichert, während andere Frauen für das sexuelle Vergnügen da sind ist auch seine Frau weitaus eher der intrasexuellen Konkurrenz entrückt. Sie muss natürlich präsentabel aussehen, aber sie muss weit weniger sexuelles bedienen, sondern Beständigkeit.

Mit Beziehungen, die weniger traditionell sind, bei der Frauen nicht darauf vertrauen können, dass eine Ehe hält und der Mann sie nicht für eine andere verlässt, muss eine Frau natürlich auch als Mutter noch eher schön sein und eher mit Frauen in dem Bereich konkurrieren. Sie kann sich weniger erlauben Heilige zu sein oder es besteht ein anderes Interesse daran, auch in diesem Bereich nicht aus dem Rennen zu sein und noch sexuell wahrgenommen zu werden.

Auch hier ist es natürlich interessant, dass es den Begriff „FILF“ („Father i would like to fuck“) nicht gibt (oder vielleicht nur in der Schwulenszene) weil eben casual sex und die Gespräche darüber eher etwas ist, was Jungs interessant finden. Mädchen werden das vielleicht eher schwärmerischer sehen