Intrasexuelle Konkurrenz vs. Virtue Signalling bei Germany’s Next Topmodel #gntm

Die OK berichtet über (weitere) Streitigkeiten am Set von Germany’s Next Topmodel. Anlass sind die „Curvy Models“:

Heidi Klum: GNTM-Revolution mit Curvy Models

Mädchen mit Kurven sind jetzt in der Fashion-Industrie gefragt. (…) Das  finde ich natürlich super!,

betont die Model-Mama, der in den vergangenen Jahren immer wieder vorgeworfen wurde, mit ihren dürren GNTM-Models ein falsches Schönheitsideal zu predigen und vor allem junge Zuschauerinnen in den Magerwahn zu treiben. Eigentlich lobenswerte Veränderungen von Heidi und ihrem Team.

OK! erfuhr: Es wird gezickt, gelästert und gemobbt!
Doch ausgerechnet bei den Kandidatinnen soll es überhaupt nicht gut ankommen, dass mit Sarah, 18, und Pia, 22, auch zwei Curvy Models in der Show mitmachen!

Hier die auch in dem Artikel verlinkten Bilder der beiden:

 

Zum Vergleich: Die Gewinnerin vom letzten Jahr:

Weiter im Text:

Wie OK! aus dem Umfeld der Produktion erfuhr, wird hinter den Kulissen ordentlich gezickt, gelästert und gemobbt!

Viele der Mädchen sind eifersüchtig auf Sarah und Pia. Sie haben dasGefühl, dass Heidi die beiden bevorzugt, um der Show ein besseres Image zu verpassen,

berichtet eine Insiderin.

Sie würden es öffentlich zwar nie zugeben, aber die meisten der dünnen Kandidatinnen sind der Meinung, dass so kurvige Mädels nichts bei GNTM zu suchen haben, weil sie im Model-Business ohnehin kaum Chancen hätten.
Leonie packt aus: „Am Set hießen sie Ugly Models“
Und diese Ablehnung kriegen die beiden kurvigen Konkurrentinnen wohl auch deutlich zu spüren. Kandidatin Leonie, 19, deckt auf, wie es Backstage gegen die dralleren Mitstreiterinnen geätzt wird: „Am Set hießen sie Ugly Models“, sagt die inzwischen Ausgeschiedene. Wie bitte?! Der Model-Nachwuchs soll die rundlichere Konkurrenz als hässlich verhöhnt haben? Ja, betont zumindest Leonie: „Das war ein offizieller Begriff.“

Ich denke es ist etwas, was man in dieser Klarheit selten so sieht:

Wenn Leute in einen unfairen Wettbewerb eintreten müssen, in dem sie das Gefühl haben, dass sie Nachteile haben, weil schlechtere Bewerber vorgezogen werden, um „Diversity“ zu erreichen und damit im Endeffekt Virtue Signalling zu betreiben, dann finden sie das unfair und das überträgt sich auch auf diejenigen, die die Vorteile haben.

Und sie haben durchaus Recht damit: Natürlich gibt es auch Bedarf an dickeren Models, weil eben auch Mode für dickere Frauen verkauft wird, aber Topmodel bedeutet eben, dass sie dem allgemeinen Schönheitsideal entspricht. Das ist den anderen Kandidatinnen bekannt, dass ist Heidi bekannt und das ist in der Modeindustrie eben auch eine relativ klare Sache: Mode verkauft man mit Idealisierungen, bei Frauen und bei Männern und der Grund, warum der Blick der Models meist recht kühl und abweisend sein soll ist, dass man damit höheren Status signalisiert und die meisten Designer gerne die Botschaft wollen, dass man in diesen Kleidern an Status gewinnt.

Wie immer sei kurz angemerkt: Niemand würde bei den Male Models auf die Idee kommen, dass sie ruhig etwas dicker sein könnten: Für ein „Dreamday Shooting“ mit männlichen Models war das hier zB einer derjenigen, den sie sich geholt haben:

Max Poschl

Max Poschl

Matt Poschl

Matt Poschl

Sein Körperfettgehalt dürfte eher niedriger als der der meisten Teilnehmerinnen sein.

Set-Insiderin: „Das Verhältnis zwischen dünnen und kurvigen Kandidatinnen stimmt einfach nicht“

Da verwundert es kaum noch, dass Sarah beim Oben-ohne-Shooting wegen ihres Körperbaus in Tränen ausbrach: „Ich finde mich eigentlich schrecklich“, weinte der Wuschelkopf verzweifelt. Angesichts solch krasser Sprüche verständlich. Erst recht, weil die klapperdürre Fraktion extrem in der Überzahl ist!

Wenn man bei GNTM wirklich auch kurvigen Mädchen eine Chance geben will, warum sind es dann nur so wenige. Das Verhältnis zwischen dünnen und kurvigen Kandidatinnen stimmt einfach nicht,
erklärt die Set-Insiderin. „Ich bin mir sicher, dass am Ende ein sehr dünnes Mädchen gewinnen wird.“

Ihr Unwohlsein mit ihrem Körper kommt auch nicht nur von dem Druck der anderen, sondern auch daher, dass sie weiß, dass sie eigentlich den weniger hübschen Körper hat.

In der Tat sollte ein sehr dünnes Mädchen gewinnen. Aber bei jeder Runde, bei der den schlanken Mädels gesagt wird, dass sie mehr an sich arbeiten müssen, um richtig gut auszusehen und die dickeren dies nicht tun müssen, wird man es eben immer ungerechter unter den anderen Kandidaten finden. Als rein politische Maßnahme, nicht als etwas, was den Wettbewerb gerechter macht.

Nun könnte man denken: ist doch nett! Vor allem die häufig unsicher wirkende Sarah hat schließlich etwas Support nötig. Doch: Heidis einseitige Unterstützung beschwört natürlich gleichzeitig den Unmut und Neid der Hungerhaken herauf. Provoziert die 44-Jährige mit dieser Masche ganz bewusst einen Zickenkrieg?

Der plötzliche Kurven-Hype sorgt laut OK!-Insidern nämlich für Verunsicherung bei den Kandidatinnen, denn auf den Dünnen lastet der Figur-Druck weiterhin schwer. Bei vielen dürfte noch Heidis Kritik der letzten Staffeln in den Ohren klingeln: „Deine Hüften sind zu breit“, nörgelte sie. Oder: „Das darf nicht so schwabbelig weich sein, das muss alles tipptopp in shape sein!“ Auch Heidis Gemecker in der ersten Folge, dass ein Busen beim Laufen nicht wackeln dürfte, lässt durchblicken, dass Pölsterchen eben nur bei den Ausnahmefällen en vogue sind.

Da wird dann der doppelte Standard, den so etwas oft mit sich bringt noch einmal ganz deutlich.

Es passt auch gut zu sonstigen Punkten einer typischen Quotendiskussion:

„Sie nehmen euch doch nichts weg, sie wollen nur, was ihnen zusteht“

–> Warum haben sie dann eine Sonderposition im Wettbewerb?

„Es werden nur die mittelmäßigen Anderen ausgesiebt, es wird also besser“

–> Was ändert das daran, dass der Wettbewerb für Mitglieder der anderen Gruppe härter wird und von ihr Leute früher ausscheiden

und so weiter.

 

 

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Frauen werden am Arbeitsplatz eher von Frauen abgewertet

Ein interessanter Text dazu, ob Frauen eher von Frauen oder von Männer diskrimiert werden

The phenomenon of women discriminating against other women in the workplace — particularly as they rise in seniority — has long been documented as the “queen bee syndrome.” As women have increased their ranks in the workplace, most will admit to experiencing rude behavior and incivility.

Who is at fault for dishing out these mildly deviant behaviors? Has the syndrome grown more pervasive?

Studies show women report more incivility experiences overall than men, but we wanted to find out who was targeting women with rude remarks,” said Allison Gabriel, assistant professor of management and organizations in the University of Arizona’s Eller College of Management.

Es wird ja gerne angenommen, dass es eben Männer sein müssen gerade aus dem Feminismus, die dann gegen die Frauen agieren, weil dort eben das Denken in Gruppen sehr stark verbreitet ist.

Gabriel and her co-authors set out to answer that question across three studies. Men and women who were employed full time answered questions about the incivility they experienced at work during the last month. The questions were about co-workers who put them down or were condescending, made demeaning or derogatory remarks, ignored them in a meeting or addressed them in unprofessional terms. Each set of questions was answered twice, once for male co-workers and once for female co-workers.

Across the three studies, we found consistent evidence that women reported higher levels of incivility from other women than their male counterparts,” Gabriel said. “In other words, women are ruder to each other than they are to men, or than men are to women.

Frauen wären also untereinander eher gemein als sie es zu Männern wären und auch als Männer es zu Frauen wären.

Das kann ich mir durchaus gut vorstellen: Wenn ich mir so anschaue, wie viel Streitigkeiten und Feindseligkeiten mitunter so im Büro bei Frauen auftauchen und wer wieder gerade nicht mit wem kann, dann ist das mitunter wirklich erstaunlich. Und ich bekomme vieles davon noch nicht einmal mit.

“This isn’t to say men were off the hook or they weren’t engaging in these behaviors,” she noted. “But when we compared the average levels of incivility reported, female-instigated incivility was reported more often than male-instigated incivility by women in our three studies.”

Hier noch mal die Klarstellung: Natürlich gibt es auch entsprechendes von Männern, aber eben in geringerer Anzahl.

Participants also were asked to complete trait inventories of their personalities and behaviors to determine if there were any factors that contributed to women being treated uncivilly. The research showed that women who defied gender norms by being more assertive and dominant at work were more likely to be targeted by their female counterparts, compared to women who exhibited fewer of those traits.

Das könnte man vielleicht sogar teilweise in die feministische Theorie einbauen: Die Geschlechternormen stabilisieren sich selbst, indem Abweichlerinnen bestraft werden. Internalisierter Sexismus eben.

Man könnte aber auch darauf abstellen, dass in Frauengruppen häufig eine gewisse Gleichheit erzielt werden soll, die zu einem Krabbenkorbeffekt führen können, während Männer dann eher Hierarchien ausbilden und damit besser leben können. Das würde zu den evolutionären Gruppentheorien passen.

The researchers also found that when men acted assertive and warm — in general, not considered the norm for male behavior — they reported lower incivility from their male counterparts. This suggests men actually get a social credit for partially deviating from their gender stereotypes, a benefit that women are not afforded.

Das ist eben der Vorteil einer Hierachie. Sie lässt mehr Spielraum zu, weil es ja ein oben und unten gibt. Es ist gleichzeitig der Nachteil einer solchen. Es könnte aber auch daran liegen, dass Männer über so etwas eher hinwegsehen, weil sie evolutionär eher darauf ausgelegt sind, in Gruppen zusammenzuarbeiten zu müssen und Koalitionen zu schaffen, schlicht weil es für Großwildjagd und kriegerische Auseinandersetzungen aber auch für den Platz in der Hierarchie wichtig war.

“Companies should be asking, ‘What kinds of interventions can be put in place to really shift the narrative and reframe it?’” Gabriel said. “Making workplace interactions more positive and supportive for employees can go a long way toward creating a more positive, healthier environment that helps sustain the company in the long run. Organizations should make sure they also send signals that the ideas and opinions of all employees are valued, and that supporting others is crucial for business success — that is, acting assertively should not be viewed negatively, but as a positive way for employees to voice concerns and speak up.”

The study, “Further Understanding Incivility in the Workplace: The Effects of Gender, Agency and Communion,” is forthcoming in the Journal of Applied Psychology.

Hier noch einmal der Abstract der Studie:

Research conducted on workplace incivility-a low intensity form of deviant behavior-has generally shown that women report higher levels of incivility at work. However, to date, it is unclear as to whether women are primarily treated uncivilly by men (i.e., members of the socially dominant group/out-group) or other women (i.e., members of in-group) in organizations. In light of different theorizing surrounding gender and incivility, we examine whether women experience increased incivility from other women or men, and whether this effect is amplified for women who exhibit higher agency and less communion at work given that these traits and behaviors violate stereotypical gender norms. Across three complementary studies, results indicate that women report experiencing more incivility from other women than from men, with this effect being amplified for women who are more agentic at work. Further, agentic women who experience increased female-instigated incivility from their coworkers report lower well-being (job satisfaction, psychological vitality) and increased work withdrawal (turnover intentions). Theoretical implications tied to gender and incivility are discussed. (PsycINFO Database Record.

Interessanterweise verlagert der Feminismus diesen Streit um das richtige Verhalten aber dennoch auf die Mann-Frau-Ebene. Und versucht dort eine neue Norm zu schaffen, nach der dann eben entweder diejenigen, die sich nach den Geschlechternormen verhalten die „Schlechten“ sind oder es keine Norm mehr geben darf. Also eine Form des „wir sind alle gleich, auch wenn wir nicht gleich sind“. Das würde dann eigentlich durchaus in das Schema passen. Gerade wenn man dann noch den Feind nach außen verlagert: „es sind die Männer, die uns das auferlegt haben“.

 

Geschlechterdifferenzen bei Verletzungsspuren an prehistorischen Skeletten

„Warum hat mein Freund den Hintern von Emily Ratajkowski geliked?“

Ein Frau entdeckt, dass ihr Freund ein freizügigeres Foto einer Prominenten geliked hat:

My Instagram group chat with my two best friends was popping off this week. “Lmao at Chris liking this,” my friend Colin said to me. I opened the DM to find a photo @emrata, or model Emily Ratajkowski, had posted of herself on a boat with her butt looking good. See above for the post. Apparently Colin was going through @emrata’s feed, and because Instagram lists which of your friends has liked a photo, he saw my boyfriend Chris’ handle.

My immediate reaction wasn’t so much anger as it was confusion and dismay. Why did he like this photo? Is he so un-evolved that he can’t resist the allure of a butt pic? Obviously he liked the photo because he liked what he saw; I understand that, but I still don’t get it. It’s not like I’m afraid he’s going to leave me for @emrata, yet something about the action of his liking turns me off. At the core of my disdain, I think, is the fact that he likes models’ Instagram posts at all. Why like any celebrity’s photo? It’s not like @emrata saw his like and received a boost of serotonin from it. She wasn’t waiting around for him to see the photo, and probably isn’t even the one running her own Instagram. The same goes for all the Kardashians, Beyoncé, Selena Gomez, and Drake. Liking one of their pics is just sending a like into the void solely to boost their numbers.

I never like celebrities’ posts, other than Ina Garten. I save likes for people I know IRL and who I figure would derive joy out of the fact that I liked their photo. Celebrities don’t need me to acknowledge them, so I don’t. I might bookmark a photo, screenshot it, or send it to my friends to talk about, but I’ll never like

Es handelt sich um dieses Foto:

Emily Ratajkowski

Emily Ratajkowski

Emily Ratajkowski ist insbesondere durch ihren Auftritt in dem Video zu „Blurred Lines“ bekannt geworden

Und das wären die Autorin:

Ashley Carman

Ashley Carman

Ein Foto von Chris konnte ich leider nicht finden.

Die Antwort ist eigentlich recht einfach. Er fand das Foto gut und hat deswegen auf „Like“ geklickt.

So sagt er es zumindest selbst:

Chris, my boyfriend, who responded by text: “I didn’t really think about it; I just liked it.”

Ashley befragt einige Freunde, was sie dazu meinen. Einige der Antworten sind ganz interessant:

There’s a bit of a double standard when it comes to a woman double tapping a butt on Instagram, but when I was scrolling down my feed one morning after a lovely night with my boyfriend, my eyes stopped on that butt picture from @emrata. I’ll admit, I stared — probably for an unhealthy amount of time — but what was I really staring at? My boyfriend’s handle in the “xyz & 800,000 people liked this.” So sneaky, Instagram algorithm. Others might not agree, but I have a problem with this! I find it so Neanderthal-esque that men can’t help but have their fingers slip and double tap a big, almost naked butt. The entire concept of my boyfriend, or boyfriends in general, following random “fitness” girls and models they’ll never meet irks me. When they throw them a like is when it reaches another level of dumb for me. Not because I feel threatened, but because it’s such a simple thing to not do when you have a beautiful girl right in front of you!

Das macht einmal die sexuelle Konkurrenz deutlich und es wirft auch den Gedanken auf, dass

  • sie nicht gut genug ist und er eigentlich etwas anderes will
  • das er das auch nach außen kommuniziert, über den Like
  • das er von anderen Frauen schwärmt und nicht daran denkt, dass sie das verletzt und abwertet.

man kann es also direkt auf dem Schulz von Thunschen Kommunikationsquadrat analysieren:

  • Die Sach-Ebene beinhaltet die reinen Sachaussagen, Daten und Fakten, die in einer Nachricht enthalten sind.
    „Er mochte das Foto von Emily Ratajkowskis Hintern“
  • In der Selbstoffenbarung vermittelt der Sprecher bewusst oder unbewusst – etwas über sein Selbstverständnis, seine Motive, Werte, Emotionen etc.
    „Er mag andere junge Frauen mit schlanken Körper, großen Busen und straffen Hintern und möchte ihnen das mitteilen“
  • Auf der Beziehungs-Ebene wird ausgedrückt bzw. aufgenommen, wie der Sender zum Empfänger steht und was er von ihm hält.
    Es ist ihm egal oder er wollte sogar, dass ich das wahrnehmen konnte, vielleicht sendet er mir eine Botschaft, dass ich ihm nicht genug bin, vielleicht macht er deutlich, dass es ihn nicht interessiert, ob mich das verletzt etc
  • Der Appell beinhaltet einen Wunsch oder eine Handlungsaufforderung.
    „Sei wie Emily Ratajkowski und habe einen Hintern wie sie, dann werde ich dich auch wieder mögen

Das Desaster ist vorprogrammiert.

„Frauen fertig machen, Geld verdienen“

Bento hat aus meiner Sicht eine Vielzahl unglaublich schlechter, häufig feministischer Beiträge. In einem vermutlich von Pinkstinks inspirierten Artikel nimmt man sich der Sprache in Frauenmagazinen wie „Inside“ an.

Die „Inside“ titelt aktuell: „Die Dellen-Queens! Stars im Cellulite-Stress“.

Wider Erwarten ist das Blatt auch mit Inhalt gefüllt, es steht drin: „Schrumpel-Schreck: Fast alle Frauen haben Cellulite, aber Tara hat sie eben leider fast überall.“ Weiter: „Lästige Löcher! ‚Booty Shorts‘ heißen, wie sie heißen, weil sie den Blick auf das Heck freigeben – auch auf die Beulen im Lack.“

Titel der aktuellen "Inside"

Titel der aktuellen „Inside“ (Bild: bento / Nike Laurenz)

Weiter: „Krater-Kummer! Die ‚Gossip‘-Sängerin hat sich von ihrer Band getrennt. Die Krater an Armen und Beinen sind ihr geblieben.“ Weiter, falls noch jemand diese abscheulichen Alliterationen erträgt: „Hügel-Horror! Schenkel-Schande! Furchen-Fiasko! Wabbel-Wellen!“

In der Redaktion, die diese Zeilen in Druck gegeben hat, arbeiten wahrscheinlich Menschen. Menschen, darunter Frauen, die sich für dieses Heft offenbar entschieden haben, andere Frauen zu erniedrigen.

Mit eingängigen Wortneuschöpfungen wird hier auf hässliche Weise definiert, wann Frauen hässlich sind: wenn sie „böse Beulen“ haben oder „zerbeulte Beine“ oder „hinten Verdruss“.

Eine Erklärung hat man nicht. Man regt sich mit entsprechenden Fragen auf:

Die „Inside“ aber macht Geld mit dem Bloßstellen angeblich unperfekter Frauenkörper. Hoffentlich frage nicht nur ich mich:

  • Wen und was wollt ihr erreichen mit diesen Körperkommentaren?
  • Wie können Frauen, oder überhaupt Wesen mit einem Gewissen, diese Demütigungen auf das Äußere anderer Frauen zulassen?
  • Sollte das ein Kind sehen: Wie erkläre ich ihm anschließend, dass es genau richtig ist, so wie es ist? Dass verdammt noch einmal jedes Mitglied dieser Gesellschaft selbst entscheiden darf, wie es aussieht? 
Aus meiner Sicht ist das recht einfach aufzulösen:

  • Der Artikel soll ein „die da oben sind auch nicht besser als wir“ Gefühl erzeugen, mittels dessen Frauen sich besser fühlen, weil andere heruntergezogen werden.
  • Er ist insoweit ein „Gutfühlartikel“ innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz, der eine Hierarchie einreißen soll: Da oben die Hollywoodstars etc unten die Normalos. Hier sind die Hollywoodstars aber auch nur Normalos, die eben nur Photoshop nutzen und sogar noch hässlicher sind als viele andere Frauen.
  • Weil das ganze ein Lästern ist, bei dem die Abwertung gerade dazu dient, dass die anderen sich besser fühlen, verwendet es eine entsprechende Sprache, wie Frauen sie wahrscheinlich auch sonst beim Lästern unter Freundinnen verwenden

Ob man das in einer Zeitung drucken sollte wäre eine andere Frage. Das es Leser eines Klatsch und Tratsch Magazins, dass üblicherweise „Stars sind auch nur Menschen“ zum Thema hat, aber ebenso mit dem Motiv „Das tolle Leben der Promis“ spielt, wenn das eben passt, anspricht halte ich aber für sehr wahrscheinlich.

Auf Pinkstinks wettert man dazu:

Ist ja krass: Ungeschminkt sehen die meisten Menschen eher durschnittlich aus. Und an  alternden Frauen lassen sich Alterserscheinungen feststellen. Teufel noch eins, damit war nun wirklich nicht zu rechnen. Apropos Teufel: Wer könnte wohl dafür (mit)verantwortlich sein, dass der weibliche Körper als Versuchs- und Schlachtfeld für eine milliardenschwere Industrie herhalten muss. Kommst du selber drauf, Inside Magazin, oder musst du schnell noch durch die letzten deiner Ausgaben blättern?

Auch das scheint mir leicht erklärbar zu sein: Die Frauen wollen ihren Marktwert steigern und brauchend dazu Schönheitstipps. Sie mögen es gleichzeitig zu lesen, dass die ganz oben es auch nicht einfach haben und gar nicht so toll sind, was nicht das Ideal in Frage stellt, sondern es nur erreichbarer macht.

Aber es könnte mir doch egal sein, nicht?! Ich bin ja ein Mann und somit zwar auch zunehmend Schönheitszwängen ausgesetzt aber im Grunde bislang davon ziemlich unbehelligt geblieben. Mein Bauch ist kein „Horror“ und meine Falten kein „Desaster“.

Bei Männern ist eben anderes attraktiv. Auch der Körper, etwa mit Muskeln und Sixpack, aber eben insbesondere Status. Und auch da gibt es genug Druck und Lästerei-

Es ist mir aber nicht egal. Mit 110.000 Exemplaren wanzt du monatlich an Frauen an und erzählst ihnen, dass sie hässliche, wertlose Geschöpfe sind, aber mit diesem und jenem Produkt hier daran womöglich noch was machen könnten. In deiner Herzensgüte hättest du ihnen da schon mal „die heißesten Sommertrends“ zusammengestellt.

Das kann, nein das darf mir nicht egal sein. Und als wäre das nicht genug, gibt dein Verlag auch noch die Zeitschrift Mädchen heraus. Die ist zwar deutlich besser als du, aber letztendlich geht es da auch nur darum, welcher Disney-Prinz zur Leserin passt und wie viel Stalker angeblich in ihr steckt. Was das mit mir zu tun hat? Meine älteste Tochter wird in ein paar Wochen 12 und ist damit Zielgruppenmaterial für die Mädchen. Einer Zeitschrift, die sich genau wie du mit dem Attribut frechschmückt. Was habt ihr nur aus diesem schönen Wort gemacht? Hatte ich erwähnt, dass ich dich hasse?!

Wer hätte es gedacht, Verlage bringen Zeitschriften nicht nach Überzeugung, sondern verteilt nach den Interessen der Leserinnen heraus. Also nach dem, was am Markt abgenommen wird.

Intrasexuelle Konkurrenz unter Frauen: Schilderungen einer Frau

Eine Frau schildert in einem Blogbeitrag eine durchaus klassische Situation: Abwertungen von Frauen durch Frauen:

Fakt ist: Frauen sind eifersüchtig und neidisch. Das ist nix Neues mehr und ja, ich schließe mich selbst natürlich auch nicht aus. Doch werde ich nie verstehen, wieso Frauen sich gegenseitig aufs Übelste niederschmettern, Immer und immer wieder. Ich rede jetzt nicht unbedingt von der Art Eifersucht, die Frau hat, wenn sie in einer Beziehung ist und es um ihren Mann geht. Nein, ich rede von der Eifersucht von Frau zu Frau, bzw. vom NEID. Ein Beispiel: Lisa lädt ein Foto auf Instagram hoch. Es ist ein Foto, das sie in Unterwäsche zeigt. Sie lädt es hoch, weil sie es schön findet, so wie sie auch Selfies oder Naturbilder hochlädt, weil sie es schön findet. Sie möchte ein schönes Foto festhalten und es mit der Öffentlichkeit teilen. Kaum ist das Bild online, bekommt sie Kommentare. „Du Schlampe“, „Zieh dir etwas an“, „Das ist ja ekelhaft“, „Du hast Dellen im Arsch, das will doch keiner sehen“. Von wem stammen diese Kommentare? Drei Mal dürft ihr raten? VON FRAUEN! Frauen, die anderen Frauen nichts gönnen. Frauen, die mit ihrem eigenen Aussehen so unzufrieden sind, dass sie die Makel bei anderen suchen. Soll ich euch mal sagen was ihr seid? Ekelhaft. Es sind nicht die Männer, wegen denen wir Frauen Komplexe haben. Ich rede aus eigener Erfahrung. Nein, es sind die Frauen. Neulich habe ich ein solches Bild von mir hochgeladen. Ich sollte dazu erwähnen, dass eine Dame einen Instagram Aufruf startete, in dem sich alle Frauen so präsentieren dürfen, wie sie es möchten, um anderen zu zeigen, dass sie einen Schei* darauf geben, was sie von ihnen halten und um gegen Bodyshaming zu protestieren. (Hier der Link zu ihrem Instagram Profil) Also gesagt getan. Es war wirklich kein schlimmes Bild, ich hatte ein Spitzenoberteil an, wie viele Frauen es im Sommer auch draußen tragen. Meinen Ausschnitt habe ich versteckt, indem ich meine Hand darüber gelegt hatte. Unten hatte ich einen 50er Jahre Slip in Spitze an. Ihr wisst schon, die Slips, die bis über den Bauchnabel gehen. Man sah also eigentlich nur meine Arme -Oh Schreck- und einen wirklich schmalen Spalt meines Bauches und eben diese Spitze. Weil es Spitze war, wurde ich natürlich direkt in eine Schublade gesteckt. Ich durfte Dinge lesen wie „Oh mein Gott ist die so hässlich, die soll sich doch bitte weghängen“, „denkt die echt sie wäre sexy in dieser Labberunterwäsche“ und „und sowas ist Mutter“. Doch ganz ehrlich? Ich habe es nicht anders erwartet. Drei Mal dürft ihr raten von welcher Spezies Mensch diese Kommentare kamen? Natürlich, von Frauen.

Im Feminismus würde man da den Frauen die eigene Agenda aussprechen und davon ausgehen, dass es internalisierte Frauenhass als Folge des Patriarchats und der damit verbundenen Gehirnwäsche ist.

Aus meiner Sicht macht ein intrasexueller Wettbewerb, in dem man mittels „Wächter der Sitten und des Anstandes“ virtue Signalling betreiben kann und gleichzeitig auch sich selbst durch Kritik an anderen aufwerten kann wesentlich mehr Sinn.

Intrasexuelle Konkurrenz und ein Stillhalteabkommen als Prisoners Dilemma

Ein Artikel beschreibt die intrasexuelle Konkurrenz und die Schwierigkeit ein Stillhalteabkommen zu schließen:

What is more, as with so many issues that surround women and beauty and aging and sex, there is a paradox today that seems to strike women of the postfeminist generation with a particular force. In the bad old days — before women worked outside the home; before they lived much past their reproductive years; before there were Restylane and Juvéderm, Radiesse and Sculptra — the idea of halting aging or fading in its tracks was only a fantasy, the stuff of Ponce de Léon and the fountain of youth. No one did anything about it, much less worried about the moral implications of doing so. But today, women facing the onslaught of middle age are armed with an arsenal of age-fighting implements and, for many, a feminist-inspired philosophy that disdains using them.

Ich wette es gab schon sehr früh Praktiken, die die Frau jung und frisch halten sollten, von irgendwelchen Salben, frisch mit Jungfrauenblut oder der Milch junger Ziegen bis zu Amuletten oder Gebeten. Und genug Frauen werden eifersüchtig auf die junge Magd gewesen sein, der ihr Mann, wenn er sich unbeobachtet glaubte, Blicke nachwarf.

It is a trivial dilemma, perhaps, but a painful one nevertheless. If a woman with some degree of professional success brags about or even comments upon her fabulous new filler or face-lift, she risks being derided as a traitor to the cause, someone silly enough to have spent the time and money to subject herself to an unnecessary, possibly dangerous, procedure. (When is the last time you heard a movie star tout her plastic surgeon? Or a leading executive thank her dermatologist?) By the same token, if that woman ignores the process of aging and eases more honestly into her inevitable wrinkles, belly fat and gray hair, she is liable to stand out as an anomaly within her personal and professional circles. In political science, we would refer to this as a collective action dilemma: Everyone is better off if nobody tummy-tucks and uses Botox, but once anyone starts, it gets harder to pull back from the practice.

Theoretisch könnten Frauen in der Tat einen Waffenstillstand, ein Stillhalteabkommen schließen, bei dem sie alle einen „Natürlichen Look“ vereinbaren. Aber die erste, die da nicht mitmacht, stellt sich halt in der Konkurrenz besser und die anderen könnten sie höchstens sozial ausgrenzen oder ihrerseits nachlegen. Ich gewisser Weise wird das ja auch versucht, weswegen bei Frauen ein Hinweis darauf, dass eine Frau dick ist, weitaus schwerer wiegt als bei einem Mann, weswegen Frauen Männer weit eher zum „Sexobjekt“ machen dürften als Männer Frauen und weswegen über „unfaire Methoden“ wie Schönheitschirurgie nicht geredet werden darf.

So instead, an entire generation of feminist and postfeminist women who stormed the barricades of the American work force, planned their reproductive destinies, and even got their partners to fold the laundry occasionally are now engaged in an odd sort of collective self-delusion. Everyone (at least in certain high-profile or professional circles) is doing it, and very few are confessing, a fact that in some ways is more disturbing than the surge in the surgeries themselves. Because not only are we nipping, suctioning and using hormones, but we’re also feeling embarrassed about it, and lying. Neither of which was really the point of women’s liberation.

Weil eben intrasexueller Konkurrenz auch nicht zu entfliehen ist. Man kann sich – was die meisten dann auch machen – eben nur mit seinem Platz in der Konkurrenz abfinden und ihn so gut wie möglich halten oder leicht verbessern.

Frauen haben dabei den Vorteil und Nachteil, dass sie die Konkurrenz in Sachen Schönheit zwangsläufig über das Alter verlieren. Eine 45jährige schöne Frau kann eben nicht mit einer 20 jährigen schönen Frau mithalten. Natürlich gibt es darüber hinaus weitere Themen, bei denen Frauen in Konkurrenz untereinander stehen, etwa prosoziale Dominanz oder Status an sich (mitunter über die Ehemänner abgleitet), die Kinder oder im Verhältnis Schwiegermutter und Schwiegertochter über die Macht um den Sohn/Mann.

Die Männerkonkurrenz um beruflichen und materiellen Status hingegen endet grundsätzlich nicht, kann aber über Hierarchien befriedet werden.