„Frauen fertig machen, Geld verdienen“

Bento hat aus meiner Sicht eine Vielzahl unglaublich schlechter, häufig feministischer Beiträge. In einem vermutlich von Pinkstinks inspirierten Artikel nimmt man sich der Sprache in Frauenmagazinen wie „Inside“ an.

Die „Inside“ titelt aktuell: „Die Dellen-Queens! Stars im Cellulite-Stress“.

Wider Erwarten ist das Blatt auch mit Inhalt gefüllt, es steht drin: „Schrumpel-Schreck: Fast alle Frauen haben Cellulite, aber Tara hat sie eben leider fast überall.“ Weiter: „Lästige Löcher! ‚Booty Shorts‘ heißen, wie sie heißen, weil sie den Blick auf das Heck freigeben – auch auf die Beulen im Lack.“

Titel der aktuellen "Inside"

Titel der aktuellen „Inside“ (Bild: bento / Nike Laurenz)

Weiter: „Krater-Kummer! Die ‚Gossip‘-Sängerin hat sich von ihrer Band getrennt. Die Krater an Armen und Beinen sind ihr geblieben.“ Weiter, falls noch jemand diese abscheulichen Alliterationen erträgt: „Hügel-Horror! Schenkel-Schande! Furchen-Fiasko! Wabbel-Wellen!“

In der Redaktion, die diese Zeilen in Druck gegeben hat, arbeiten wahrscheinlich Menschen. Menschen, darunter Frauen, die sich für dieses Heft offenbar entschieden haben, andere Frauen zu erniedrigen.

Mit eingängigen Wortneuschöpfungen wird hier auf hässliche Weise definiert, wann Frauen hässlich sind: wenn sie „böse Beulen“ haben oder „zerbeulte Beine“ oder „hinten Verdruss“.

Eine Erklärung hat man nicht. Man regt sich mit entsprechenden Fragen auf:

Die „Inside“ aber macht Geld mit dem Bloßstellen angeblich unperfekter Frauenkörper. Hoffentlich frage nicht nur ich mich:

  • Wen und was wollt ihr erreichen mit diesen Körperkommentaren?
  • Wie können Frauen, oder überhaupt Wesen mit einem Gewissen, diese Demütigungen auf das Äußere anderer Frauen zulassen?
  • Sollte das ein Kind sehen: Wie erkläre ich ihm anschließend, dass es genau richtig ist, so wie es ist? Dass verdammt noch einmal jedes Mitglied dieser Gesellschaft selbst entscheiden darf, wie es aussieht? 
Aus meiner Sicht ist das recht einfach aufzulösen:

  • Der Artikel soll ein „die da oben sind auch nicht besser als wir“ Gefühl erzeugen, mittels dessen Frauen sich besser fühlen, weil andere heruntergezogen werden.
  • Er ist insoweit ein „Gutfühlartikel“ innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz, der eine Hierarchie einreißen soll: Da oben die Hollywoodstars etc unten die Normalos. Hier sind die Hollywoodstars aber auch nur Normalos, die eben nur Photoshop nutzen und sogar noch hässlicher sind als viele andere Frauen.
  • Weil das ganze ein Lästern ist, bei dem die Abwertung gerade dazu dient, dass die anderen sich besser fühlen, verwendet es eine entsprechende Sprache, wie Frauen sie wahrscheinlich auch sonst beim Lästern unter Freundinnen verwenden

Ob man das in einer Zeitung drucken sollte wäre eine andere Frage. Das es Leser eines Klatsch und Tratsch Magazins, dass üblicherweise „Stars sind auch nur Menschen“ zum Thema hat, aber ebenso mit dem Motiv „Das tolle Leben der Promis“ spielt, wenn das eben passt, anspricht halte ich aber für sehr wahrscheinlich.

Auf Pinkstinks wettert man dazu:

Ist ja krass: Ungeschminkt sehen die meisten Menschen eher durschnittlich aus. Und an  alternden Frauen lassen sich Alterserscheinungen feststellen. Teufel noch eins, damit war nun wirklich nicht zu rechnen. Apropos Teufel: Wer könnte wohl dafür (mit)verantwortlich sein, dass der weibliche Körper als Versuchs- und Schlachtfeld für eine milliardenschwere Industrie herhalten muss. Kommst du selber drauf, Inside Magazin, oder musst du schnell noch durch die letzten deiner Ausgaben blättern?

Auch das scheint mir leicht erklärbar zu sein: Die Frauen wollen ihren Marktwert steigern und brauchend dazu Schönheitstipps. Sie mögen es gleichzeitig zu lesen, dass die ganz oben es auch nicht einfach haben und gar nicht so toll sind, was nicht das Ideal in Frage stellt, sondern es nur erreichbarer macht.

Aber es könnte mir doch egal sein, nicht?! Ich bin ja ein Mann und somit zwar auch zunehmend Schönheitszwängen ausgesetzt aber im Grunde bislang davon ziemlich unbehelligt geblieben. Mein Bauch ist kein „Horror“ und meine Falten kein „Desaster“.

Bei Männern ist eben anderes attraktiv. Auch der Körper, etwa mit Muskeln und Sixpack, aber eben insbesondere Status. Und auch da gibt es genug Druck und Lästerei-

Es ist mir aber nicht egal. Mit 110.000 Exemplaren wanzt du monatlich an Frauen an und erzählst ihnen, dass sie hässliche, wertlose Geschöpfe sind, aber mit diesem und jenem Produkt hier daran womöglich noch was machen könnten. In deiner Herzensgüte hättest du ihnen da schon mal „die heißesten Sommertrends“ zusammengestellt.

Das kann, nein das darf mir nicht egal sein. Und als wäre das nicht genug, gibt dein Verlag auch noch die Zeitschrift Mädchen heraus. Die ist zwar deutlich besser als du, aber letztendlich geht es da auch nur darum, welcher Disney-Prinz zur Leserin passt und wie viel Stalker angeblich in ihr steckt. Was das mit mir zu tun hat? Meine älteste Tochter wird in ein paar Wochen 12 und ist damit Zielgruppenmaterial für die Mädchen. Einer Zeitschrift, die sich genau wie du mit dem Attribut frechschmückt. Was habt ihr nur aus diesem schönen Wort gemacht? Hatte ich erwähnt, dass ich dich hasse?!

Wer hätte es gedacht, Verlage bringen Zeitschriften nicht nach Überzeugung, sondern verteilt nach den Interessen der Leserinnen heraus. Also nach dem, was am Markt abgenommen wird.

Intrasexuelle Konkurrenz unter Frauen: Schilderungen einer Frau

Eine Frau schildert in einem Blogbeitrag eine durchaus klassische Situation: Abwertungen von Frauen durch Frauen:

Fakt ist: Frauen sind eifersüchtig und neidisch. Das ist nix Neues mehr und ja, ich schließe mich selbst natürlich auch nicht aus. Doch werde ich nie verstehen, wieso Frauen sich gegenseitig aufs Übelste niederschmettern, Immer und immer wieder. Ich rede jetzt nicht unbedingt von der Art Eifersucht, die Frau hat, wenn sie in einer Beziehung ist und es um ihren Mann geht. Nein, ich rede von der Eifersucht von Frau zu Frau, bzw. vom NEID. Ein Beispiel: Lisa lädt ein Foto auf Instagram hoch. Es ist ein Foto, das sie in Unterwäsche zeigt. Sie lädt es hoch, weil sie es schön findet, so wie sie auch Selfies oder Naturbilder hochlädt, weil sie es schön findet. Sie möchte ein schönes Foto festhalten und es mit der Öffentlichkeit teilen. Kaum ist das Bild online, bekommt sie Kommentare. „Du Schlampe“, „Zieh dir etwas an“, „Das ist ja ekelhaft“, „Du hast Dellen im Arsch, das will doch keiner sehen“. Von wem stammen diese Kommentare? Drei Mal dürft ihr raten? VON FRAUEN! Frauen, die anderen Frauen nichts gönnen. Frauen, die mit ihrem eigenen Aussehen so unzufrieden sind, dass sie die Makel bei anderen suchen. Soll ich euch mal sagen was ihr seid? Ekelhaft. Es sind nicht die Männer, wegen denen wir Frauen Komplexe haben. Ich rede aus eigener Erfahrung. Nein, es sind die Frauen. Neulich habe ich ein solches Bild von mir hochgeladen. Ich sollte dazu erwähnen, dass eine Dame einen Instagram Aufruf startete, in dem sich alle Frauen so präsentieren dürfen, wie sie es möchten, um anderen zu zeigen, dass sie einen Schei* darauf geben, was sie von ihnen halten und um gegen Bodyshaming zu protestieren. (Hier der Link zu ihrem Instagram Profil) Also gesagt getan. Es war wirklich kein schlimmes Bild, ich hatte ein Spitzenoberteil an, wie viele Frauen es im Sommer auch draußen tragen. Meinen Ausschnitt habe ich versteckt, indem ich meine Hand darüber gelegt hatte. Unten hatte ich einen 50er Jahre Slip in Spitze an. Ihr wisst schon, die Slips, die bis über den Bauchnabel gehen. Man sah also eigentlich nur meine Arme -Oh Schreck- und einen wirklich schmalen Spalt meines Bauches und eben diese Spitze. Weil es Spitze war, wurde ich natürlich direkt in eine Schublade gesteckt. Ich durfte Dinge lesen wie „Oh mein Gott ist die so hässlich, die soll sich doch bitte weghängen“, „denkt die echt sie wäre sexy in dieser Labberunterwäsche“ und „und sowas ist Mutter“. Doch ganz ehrlich? Ich habe es nicht anders erwartet. Drei Mal dürft ihr raten von welcher Spezies Mensch diese Kommentare kamen? Natürlich, von Frauen.

Im Feminismus würde man da den Frauen die eigene Agenda aussprechen und davon ausgehen, dass es internalisierte Frauenhass als Folge des Patriarchats und der damit verbundenen Gehirnwäsche ist.

Aus meiner Sicht macht ein intrasexueller Wettbewerb, in dem man mittels „Wächter der Sitten und des Anstandes“ virtue Signalling betreiben kann und gleichzeitig auch sich selbst durch Kritik an anderen aufwerten kann wesentlich mehr Sinn.

Intrasexuelle Konkurrenz und ein Stillhalteabkommen als Prisoners Dilemma

Ein Artikel beschreibt die intrasexuelle Konkurrenz und die Schwierigkeit ein Stillhalteabkommen zu schließen:

What is more, as with so many issues that surround women and beauty and aging and sex, there is a paradox today that seems to strike women of the postfeminist generation with a particular force. In the bad old days — before women worked outside the home; before they lived much past their reproductive years; before there were Restylane and Juvéderm, Radiesse and Sculptra — the idea of halting aging or fading in its tracks was only a fantasy, the stuff of Ponce de Léon and the fountain of youth. No one did anything about it, much less worried about the moral implications of doing so. But today, women facing the onslaught of middle age are armed with an arsenal of age-fighting implements and, for many, a feminist-inspired philosophy that disdains using them.

Ich wette es gab schon sehr früh Praktiken, die die Frau jung und frisch halten sollten, von irgendwelchen Salben, frisch mit Jungfrauenblut oder der Milch junger Ziegen bis zu Amuletten oder Gebeten. Und genug Frauen werden eifersüchtig auf die junge Magd gewesen sein, der ihr Mann, wenn er sich unbeobachtet glaubte, Blicke nachwarf.

It is a trivial dilemma, perhaps, but a painful one nevertheless. If a woman with some degree of professional success brags about or even comments upon her fabulous new filler or face-lift, she risks being derided as a traitor to the cause, someone silly enough to have spent the time and money to subject herself to an unnecessary, possibly dangerous, procedure. (When is the last time you heard a movie star tout her plastic surgeon? Or a leading executive thank her dermatologist?) By the same token, if that woman ignores the process of aging and eases more honestly into her inevitable wrinkles, belly fat and gray hair, she is liable to stand out as an anomaly within her personal and professional circles. In political science, we would refer to this as a collective action dilemma: Everyone is better off if nobody tummy-tucks and uses Botox, but once anyone starts, it gets harder to pull back from the practice.

Theoretisch könnten Frauen in der Tat einen Waffenstillstand, ein Stillhalteabkommen schließen, bei dem sie alle einen „Natürlichen Look“ vereinbaren. Aber die erste, die da nicht mitmacht, stellt sich halt in der Konkurrenz besser und die anderen könnten sie höchstens sozial ausgrenzen oder ihrerseits nachlegen. Ich gewisser Weise wird das ja auch versucht, weswegen bei Frauen ein Hinweis darauf, dass eine Frau dick ist, weitaus schwerer wiegt als bei einem Mann, weswegen Frauen Männer weit eher zum „Sexobjekt“ machen dürften als Männer Frauen und weswegen über „unfaire Methoden“ wie Schönheitschirurgie nicht geredet werden darf.

So instead, an entire generation of feminist and postfeminist women who stormed the barricades of the American work force, planned their reproductive destinies, and even got their partners to fold the laundry occasionally are now engaged in an odd sort of collective self-delusion. Everyone (at least in certain high-profile or professional circles) is doing it, and very few are confessing, a fact that in some ways is more disturbing than the surge in the surgeries themselves. Because not only are we nipping, suctioning and using hormones, but we’re also feeling embarrassed about it, and lying. Neither of which was really the point of women’s liberation.

Weil eben intrasexueller Konkurrenz auch nicht zu entfliehen ist. Man kann sich – was die meisten dann auch machen – eben nur mit seinem Platz in der Konkurrenz abfinden und ihn so gut wie möglich halten oder leicht verbessern.

Frauen haben dabei den Vorteil und Nachteil, dass sie die Konkurrenz in Sachen Schönheit zwangsläufig über das Alter verlieren. Eine 45jährige schöne Frau kann eben nicht mit einer 20 jährigen schönen Frau mithalten. Natürlich gibt es darüber hinaus weitere Themen, bei denen Frauen in Konkurrenz untereinander stehen, etwa prosoziale Dominanz oder Status an sich (mitunter über die Ehemänner abgleitet), die Kinder oder im Verhältnis Schwiegermutter und Schwiegertochter über die Macht um den Sohn/Mann.

Die Männerkonkurrenz um beruflichen und materiellen Status hingegen endet grundsätzlich nicht, kann aber über Hierarchien befriedet werden.

„Warum ich mich und die meisten Frauen, die ich kenne, für total unemanzipiert halte“

Einen interessanten Blick auf die emanzipierte Frau bietet der Blog „Maras Gedanken

Sie schildert folgendes aus einer Unterhaltung mit einer anderen Mutter.

Diese Mutter arbeitet wieder seit ihr Kind ein Jahr alt ist, hat zwei mehr als stressige Jahre hinter sich und sagte letztens zu mir: „Du, ich glaube dieses Jahr mache ich mal etwas ganz Gewagtes, ich gönne mir zur Erholung eine Nacht ohne Kind im Hotel!“

Da wären glaube ich auch viele junge Väter gerne dabei (also nicht bei ihr, sondern bei einer Nacht ohne Kind)

Ich freute mich für sie und ermutigte sie, aber ich dachte auch:

Wir Frauen heute sind wie Sklaven, arbeiten nahezu rund um die Uhr und glauben, wir wären emanzipiert, wenn wir es schaffen, in zwei Jahren zwei Tage frei zu haben.“

Da waren meine beiden Großmütter emanzipierter! Eindeutig.

Wir Frauen heute sind wie Vögel, denen man die Käfigtür aufmacht und die im Käfig verharren.

Ich finde es immer schade, wenn solche Betrachtungen angestellt werden, ohne das die Situation der Väter mit besprochen wird. Denn mit gleichen Recht könnte man auch viele Väter als „wie die Sklaven“ bezeichnen, oder eben beide Eltern als Sklaven ihrer Kinder, die sie betreuen und großziehen müssen. Denn auch viele Väter haben ja nicht etwa plötzlich Urlaub ohne die Familie, sie haben einen Job und wenn sie nach Hause kommen, dann sollen sie eben natürlich auch für das Kind da sein.

Und natürlich ist gerade die Phase mit sehr jungen Kind  teilweise stressig, gerade wenn es noch gestillt wird und man wenig schläft, aber auch das ist ja kein Dauerzustand, der für immer anhält.

Wir lassen uns trösten von der Aussicht auf schöne Schuhe und schicke Businesskostüme, den bewundernden Blicken von Kollegen, aus denen der Satz „Oh, dafür, dass sie Mutter ist, ist sie ja doch noch ganz gut im Oberstübchen sortiert“ spricht, und dem Titel der „Super-Working-Mum“, den die wenigsten von uns je als Schärpe um den im Fitness-Center gestählten Oberkörper tragen werden.

Die Geschäftsfrau, die gleichzeitig noch eine Supermutter ist und dabei noch toll aussieht, weil sie viel Sport macht, das sind in der Tat hohe Anforderungen, die aber auch idealisiert sind. Tatsächlich entsprechen ihnen weder die meisten Frauen noch wird das von ihnen verlangt.

Wir lassen uns teilweise von anderen Müttern blenden, die uns erzählen, wie sie die Doppelbelastung voll und ganz positiv ausfüllt und zwei Minuten später über die Beschwerden klagen, die kein Arzt klären kann: Schwindel, unerklärliche Rückenschmerzen, Migräne. Aber dass das irgendwas mit dem Leben, das man führt, zu tun haben könnte … nein, das hat ganz andere Ursachen.

Viele von uns Frauen heute sind grenzenlos, allzeit bereit zu arbeiten, für alles und für jeden. Aber gehört zur Emanzipation eines Wesens nicht auch dazu, dass es mal zwei Minuten zur Ruhe kommt? Dass es mal Zeit hat, zu denken und zu fühlen? Da hapert es aus meiner Sicht. Die meisten treten im Hamsterrad und haben nicht einmal die Zeit, ihre Situation zu analysieren. Und dann, oh Schreck, landet man in der Burnout-Klinik und weiß gar nicht, wie man dahin gekommen ist.

Okay, der Artikel arbeitet recht klar erkennbar mit dem Stilmittel der Übertreibung. Und mit dem Trope der sich für alle aufopfernden Frau, die nie an sich denkt.

Ich kann nicht anders, als es mal auszusprechen: Für mich sind nur zwei Gruppen von Müttern halbwegs emanzipiert. Die teilweise als „faul“ verunglimpften „Zuhausebleibenden“ oder „Wenige-Tage-Arbeitenden“, weil sie sich ihrer natürlichen Kräftereserven bewusst sind. Und die, die ihren Job lieben oder einfach machen müssen, weil das Geld benötigt wird, dafür alles so organisieren, dass es irgendwie geht, aber zu den Unvollkommenheiten in ihrem Leben stehen und anderen nicht den ganzen Tag „etwas vom Pferd erzählen“.

Zu wirklicher Emanzipation, nämlich „Befreit sein“, gehört aus meiner Sicht Ehrlichkeit!

Ich vermute mal, dass das der tatsächliche Aufhänger ist: Erst wird ein Bild der Frau gezeichnet, die absolut unerfüllbaren Ansprüchen ausgesetzt ist und daran nur zerbrechen kann. Dem gegenüber werden die „Ehrlichen“ positioniert, die entweder den Stress nicht machen oder zugeben, dass es nicht perfekt ist und man es eigentlich nicht schaffen kann.

Insofern ein Appell an die anderen Frauen, die intrasexuelle Konkurrenz abzubauen, indem sie entweder die Arbeit reduzieren oder aber sie so darstellen, dass die Anforderungen niedriger sind.

 

 

Frauen, die über andere Frauen sprechen

Auf dem Blog „Hummer im Salon“ finden sich einige interessante Aussagen von Frauen über Frauen, nach der Autorin alle von Frauen allen Alters, die sich für stark und unabhängig halten:

„Im Schwimmbad war eine Frau mit Haaren in der Bikinizone. Widerlich, warum rasiert die sich nicht?“

Das Einhalten sozialer Regeln, gerade auch bezüglich des Aussehens, ist eben ein nicht geringer Teil sozialer Dominanz unter Frauen. Wer aus der Reihe tanzt verliert an Status

„Ich hab heute so eine ekelhafte fette Tussi am Bahnhof gesehen. War wohl ihr Junggesellenabschied. Wer heiratet so eine? Ich wollte ein Foto machen, hab aber kein gutes hinbekommen.“

Warum sollten Frauen da auch korrekt sein? Sie erkennen Schönheit und Marktwert ebenso wie Männer und ordnen das entsprechend zu. Andere abwerten wertet einen selbst eben auf.

„Keine Frau sieht mit kurzen Haaren gut aus. Dann ist man ja keine echte Frau mehr.“

Da verweise ich auf diesen Artikel. Aber es sollte einen auch nicht verwundern, dass Frauen es nicht verstehen, wenn man nicht weiblich sein will, weil sie das eben als richtig empfinden und gerne weiblich sind

„Du ziehst keine hohen Schuhe an? Aber sowas gefällt doch den Männern?“

Ich glaube den meisten Männern sind hohe Schuhe noch vergleichsweise egal. Aber sie gehören eben zu einem bestimmen Look und „sich schick machen“ dazu

„Wenn ich höre, dass manche Frauen hinter alles dieses –innen setzen, könnte ich kotzen.“

Verständlich. Damit dürfte sie nicht alleine stehen, ich denke sogar das sieht die Mehrheit so

„Es gibt nichts peinlicheres als diese Feministinnen.“

Feminismus hat eben nichts mehr mit Gleichberechtigung zu tun.

„Ich versteh manche Frauen nicht. Die sollen sich einfach einkriegen und bei der Hochzeit den Namen des Mannes annehmen. Ist doch alles viel zu kompliziert sonst.“

Es gibt eben auch konservative Frauen, die das den richten Weg finden. Es dürfte auch genug Frauen geben, die einen Mann als unter dem Pantoffel stehend ansehen, wenn er den Namen der Frau annimmt und das sehr unsexy finden. (vgl auch hier und hier)

„Du solltest wirklich mal gucken, dass du bald eine Festanstellung kriegst. Bringt mehr Geld wenn du Kinder kriegst und dann zu Hause bleibst.“

Ein grundsätzlich guter Rat, egal, ob man Kinder bekommt oder nicht. Aber auch eine Form von „Womensplaining“ bei dem Frauen, die schon Kinder haben, den anderen Frauen erklären, dass sie dann eh zuhause bleiben wollen und lachen, wenn die Frau sagt, dass sie das nicht will, in dem festen Glauben, dass eben ein Kind alles verändert.

Nicht selten haben sie damit dann auch recht, aber bevormundend kann es trotzdem sein.

„Was wird denn aus dir, wenn du nicht bald schwanger wirst?“

Das ist eben das Problem des engeren zeitlichen Fensters der weiblichen Fruchtbarkeit. Und auch da gehen eben viele Frauen davon aus, dass jede Frau letztendlich Kinder haben will und womansplainen das dann an die anderen Frauen, damit die Einsehen, dass sie sich beeilen müssen, weil man nicht jünger wird.

„Frauen die trotz Kind arbeiten sind Rabenmütter.“

Trotz Kindern arbeiten ist eben eine Abwertung  nicht arbeitender Frauen oder zumindest ein Konkurrenzverhältnis, in dem man „ich mache wenigstens was aus mir und nutze meine Ausbildung“ gegen „das Kind leidet darunter“ stellen kann. Beide Angriffe sind lange bekannt und wirksam

„Du kannst doch nicht ernsthaft in Erwägung ziehen, den Vater die Elternzeit machen zu lassen! Das Kind braucht die Mutter.“

Auch hier wieder etwas, was im Feminismus allenfalls unter internalisierter Sexismus behandelt wird, nie aber als gestaltende und bewusst ausgeübte Überzeugung der Frau.

„Lass dir bloß nicht von deinem Mann in der Küche helfen. Das ist Frauensache.“

Das klingt schon sehr konservativ, ist aber natürlich auch Wahrung eines Macht- und Einflussbereiches. Wenn nur einer kochen kann, dann ist man schwerer ersetzbar und wichtiger.

 „Ich bin eine Frau, ich kann nicht einparken!“ [Nach meinem Hinweis, dass ich als Frau sehr wohl sehr gut einparken kann]: „Nee, das kannst du MIT SICHERHEIT nicht.“

„Ich kann nicht einparken“ trifft in der Form, dass man schlechter einparkt bei schwierigen Parksituation im Schnitt wahrscheinlich tatsächlich häufiger auf Frauen zu (nicht absolut, sondern als Fähigkeitsausprägung), da dabei räumliches Denken eine Rolle spielt. Natürlich ist es gleichzeitig vergleichsweise einfach lernbar und die Abmessungen gerade des eigenen Autos sind ebenso lernbar. Aber ich kenne auch genug Frauen, die das von sich vertreten und damit recht haben, gleichzeitig aber auch Verantwortung damit abgeben und eine Entschuldigung haben (ich muss das nicht können). Die nimmt man ihr mit dem Einwand.

„Ich bin eine Frau, ich habe kein Verständnis für räumliches Denken.“

Ist natürlich eine Übertreibung, aber im Verhältnis sind Männer darin im Schnitt besser

„Frauen die sich prostituieren sind dreckige Schlampen.“

Auch hier handelt es sich um einen klassischen Bereich intrasexueller Konkurrenz: Eine Frau, die Sex zu freigiebig weggibt, senkt damit eben den Wert für alle anderen Frauen und verschafft sich kurzzeitig auf Kosten der anderen Frauen Vorteile. Gerade die Beschränkung weiblicher Sexualität und die Einhaltung der „guten Sitten“ ist damit etwas zutiefst weibliches.

„Abtreibung sollte verboten sein. Wenn eine Frau rumvögeln kann, sollte sie auch die Konsequenzen tragen.“

Es sind ja auch mehr Frauen gegen Abtreibung als Männer. Siehe das vorherige Zitat für die Begründung.

Intrasexuelle Konkurrenz im Bereich Schönheit unter Frauen

Ein Artikel in dem es im wesentlichen um Konkurrenz unter Frauen geht:

Women hating on other women because of sexual insecurity was a common theme in the women’s magazines my mother subscribed to – “Does she want your boyfriend?” “Ten ways to make sure he doesn’t stray” “How to cheat-proof your marriage”. It’s enough to make you believe that 30 years or so ago, all women were a little like Dolly Parton, keeping busy begging Jolene not to take their man, while getting breast implants as insurance.

Sexuelle Konkurrenz setzt sich im wesentlichen Zusammen aus „Wie erkenne und wie wehre ich Konkurrentinnen ab“ und „wie erhöhe ich meinen Marktwerts/meinen Wert für ihn“ und Aspekten, die man vielleicht als „Mate Guarding“, also Bewachen des Partners, bezeichnen könnte. Es ist aus meiner Sicht kein Wunder, dass man diese Elemente immer wieder als Thema von Artikeln in auf Frauen ausgerichteten Zeitschriften und als Thema unter Frauen finden kann.

But even today, rivalry between women is usually reduced to competitive fertility issues or primal fears about potential loss of a caretaker. It’s like every day, women must slap on some make up, stuff their boobs into push-up bras and play War of the Wombs. You’re supposed to operate under the assumption that any male in-charge of giving you a job, an airline upgrade or a penny for your thoughts will do so only upon favourably evaluating you as a mother for his hypothetical child.

Es geht weniger darum, dass jeder Mann für die Frau interessant ist, dass die meisten Männer Gelegenheiten für Sex Nutzen würden ist klar. Aber die Frage, wie man bei Männern ankommt, bestimmt eben auch den Platz in der intrasexuellen Konkurrenz unter den Frauen, neben anderen Faktoren. Es geht also nicht um die Männer an sich, eher den allgemeinen abstrakten Wert.

Seeding sexual rivalry amongst women has been pure gold for the double standards of the patriarchy. In the realm of attire and behaviour, the “modest” woman distrusts the “immodest” woman. In the workplace, the successful woman may be accused of sleeping her way to the top. And woe be unto you if you’re a single, sexually active woman because everyone knows those sluts are man-eaters!

Und hier ist denke ich der größte Denkfehler innerhalb des Feminismus: Es ist nicht „das Patriarchat“, welches diese Anforderungen setzt, sondern es ist die Konkurrenz unter Frauen selbst. Und diese wiederum beruht auf der Biologie des Menschen, der immer versucht, seinen Platz in der Gruppe abzusichern und zu verbessern.

A lose-lose situation

The most insidious and toxic of all though is sexual rivalry’s ability to make women just plain stupid. An APA Task Force published a report on the sexualisation of young women and the effects of self-objectification. In an experiment, college students, male and females, were asked to try on either a swimsuit or a sweater and evaluate their own appearances. They then took a Maths test. There was no difference in the men’s results but the young women in swimsuits performed far worse on the tests than those in sweaters.

Wie man der Studie entnehmen kann (S. 279), schnitten die Männer in Badekleidung sogar etwas besser ab, die Frauen hingegen, die schon vorher schlechter als die Männer abgeschnitten haben, waren nun schlechter. Vermutlich waren die Gehirne eher damit beschäftigt zu überprüfen, wer einen wie bewertet, wozu sicher auch beigetragen hat, dass die Frauen in einer fremden Gruppe waren und sich insofern noch keine soziale Ordnung etabliert hatte. Es zeigt aber auch, dass Frauen diese Prozesse auch ganz ohne Männer hinbekommen.

Further studies showed that self-objectification led to impairment in cognitive domains like logical reasoning and spatial skills. It gets worse. Women, concerned about how attractive they looked even began to “throw like a girl” – not using their entire bodies, just the mobility of their arms. So eventually, sexualisation can limit a woman’s physical ability too, draining her self-confidence and leaving her less likely to be able to defend herself from attack or abuse.

Es kann sie aber auch sehr selbstsicher machen, beispielsweise, wenn sie sich gut fühlt und sie weiß, wie Männer auf sie reagieren. Wenn Männer mit ihr flirten oder um ihre Aufmerksamkeit kämpfen. Wenn andere Frauen neidisch sind oder anerkennen, dass sie einen höheren sozialen Status hat.

It’s a lose-lose situation, ladies.

There is no winning the Objectification Olympics. No matter what their attributes, Hillary Clinton couldn’t escape the sexist slurs, Michelle Obama was subjected to a baffling “beauty contest” with racist overtones and Melania Trump, who by those same sexist standards should have been the winner, was the focus of predictable misogyny with a side order of lasciviousness.

Wie so häufig bei intrasexueller Konkurrenz geht es auch gar nicht darum, den Wettbewerb zu gewinnen. Schon weil es ein Rennen ohne Ende ist. Eher ist es ein „Red Queen Race“: Man muss laufen, um überhaupt auf der gleichen Position zu bleiben. Und es kann schon ein Erfolg sein, wenn man eine Konkurrentin überholt, auch wenn andere weiter vorne bleiben. Melania Trumps zeigt auch schön, dass körperliche Schönheit alleine nicht reicht. Man kann dennoch über sie lästern, eben weil sie sich an einen Mann gebunden hat, der im wesentlichen ihren Körper mag und bei dem die Gefahr besteht, dass er sie gegen einen jüngere austauscht und nicht tatsächlich eine Bindung an sie hat.

Focusing on mere sexual rivalry distracts us from the fact that outside of the influence of patriarchy, women can be more competitive than men and yet manage to build solid sororities. Of course, each has its own special handbook. In these man-free situations, if you play by the rules, you have much to gain. In some you will find support for your issues with your mother-in-law but perhaps none for your work woes, in another you will find feisty political debate but no room for talking about cake. Admittedly, not everyone survives the ones where you’re not allowed to challenge the Holy Writ of WhatsApp.

Also wieder das Märchen der männlichen Unterdrückung ohne die die Frauen viel freier werden. Hinter dem Link versteckt sich eine Reise zu einem patriarchalischen Stamm, bei dem sich eher Männer zu einem Wettbewerbsspiel melden und einem matriarchalischen Stamm, bei dem sich mehr Frauen melden. Daraus wird hergeleitet, dass Frauen unter bestimmten Bedingungen wettbewerbsorientierter als Männer sein können. Allerdings ist das Spiel, welches sich nicht wirklich auf das Leben der Menschen auswirkt, dafür ein schlechtes Beispiel. Auch wird nicht dargelegt, wie die Männer und Frauen jeweils in der Konkurrenz abgeschnitten haben. In Matriarchaten lohnt sich eben Wettbewerb für Männer nicht, weil sie damit keinen Status aufbauen können. Es bleiben dafür üblicherweise primitive Gesellschaften, weil insgesamt der Wettbewerb relativ gering ist.

There is an obvious thrill to being accepted by a sisterhood. The competitiveness is fierce but friendly as they compare waistlines and cookie recipes, success in the corporate world and/or mother earthiness, the value of handbags or the achievements of their children.

Das liegt eben daran, dass Frauen nach ganz anderen Regeln spielen. Es geht weitaus eher um prosoziale Dominanz, die nach anderen Regeln ausgespielt wird als der Wettbewerb unter Männer. Und natürlich kann man ebenso wunderbar friedliche Wettbewerbe unter Männern finden, etwa wenn Freunde, die verschiedenen Fußballmannschaften anhängen, sich Samstags zum Fußball treffen und sich je nach Spielverlauf Sprüche zuwerfen, aber sich dennoch wunderbar verstehen oder wenn sie über die neusten Theorien zu ihrer Lieblingsserie diskutieren und dort um die bessere Idee streiten, darum wer mehr Fakten bedacht hat oder mehr zum Thema gelesen hat.

Above rivalry?

But who can deny there is also a thrill in being viewed as a threat? “When you first walked in,” A at my exercise class told me, “I said, here comes the bitch. We now have a class bitch.” I giggled nervously at the suspicion, the hope, that this was going to turn into some sort of statement of acceptance.

We’d all like to think we’re above rivalry, especially the sort instigated by the patriarchy. We’re absolutely sure she wasn’t talking to us when Sunny Leone, encouraged by a man, addressed the women of India to reassure them that she did not want their husbands.

But even though we’re too evolved for beauty contests, something else might become the pinch in our Achilles Heel. Like when my husband and I discovered Amy Schumer and took to watching her every evening, laughing madly. Until I realised my husband was laughing longer, harder and much more loudly than I was. Over time, given a choice, he was more likely to choose her over other comedians sitting in our inbox. Inexplicably, I started finding her less and less funny.

Auch ein schönes Beispiel für die Arbeitsweise unseres Gehirns. Eine Person im Fernseher, eine Prominente, die eigentlich keine Konkurrenz darstellt, wird plötzlich als Konkurrentin wahrgenommen, eben weil man sie ja als jemand wahrnimmt, der quasi im Raum ist, sich mit einem unterhält. Wäre interessant, ob die hier gestellte Frage nach der Schönheit anderer Frauen insoweit einfach auch nur ein gegen die Konkurrenz gerichtetes Machtmittel war, mit dem die Aufmerksamkeit wieder auf die Frau im Raum zurückgeführt werden sollte, gerade da sie ja erwarten konnte, dass er sie abwerten muss und sich zu ihr bekennen muss.

It’s easy to dismiss sexual rivalry as insignificant, a reason even to feel superior to other women in the “cool” competition. But it still creates unproductive otherness. It’s worth remembering, that unlike with competitions for social acceptance, being an active part of a support and general camaraderie, when you win the sexual rivalry contest, your prize is a man. Just that man. Still probably thinking about those Hooters girls.

Und das hat sie eben nicht verstanden: Der Preis ist nicht der Mann. Der Preis ist, dass man besser war als die andere Frau und damit seine Position verbessert hat. Das Wissen, dass die andere Frau eher den Mann bekommt bedeutet auch, dass sie unter steinzeitlichen Gesichtspunkten eher Unterstützung hat und als Konkurrentin gefährlich werden kann.

It’s worth the effort of acknowledging rivalry as par for the course to increase the quantity and quality of your interactions in the sisterhoods. A at the exercise class concluded her masterclass by saying conspiratorially, “Ya, you are a bitch, but you’re okay.” I was in!

And so while I’m ashamed to admit it may not have anything to do with the patriarchy and I miss watching her show, I think I’d still like Amy Schumer to reassure me she doesn’t want my husband.

Das Patriarchat ist hier ein schöner Strohmann, der angeblich die Kämpfe verursachen soll. Wie man an ihrem Mann sieht, hat das Patriarchat allerdings wenig damit zu tun.

Das wiederum allerdings wäre wohl schwer in die feministische Theorie einzubauen.

Jenna Behrends, Sexismus in Parteien und intrasexuelle Konkurrenz unter Frauen

Gerade machen Artikel der Jungpolitikerin Jenna Behrends die Runde, in denen sie deutlich macht, warum Frauen in der Politik es schwer haben.

Jenna Behrends

Jenna Behrends

In einem Artikel in der Huffington Post schildert sie:

Ich hingegen konnte mir lange nicht vorstellen, in irgendeiner Partei Mitglied zu werden. Ich war weder in der Schüler Union noch hatte ich einen Platz in einem Studentenparlament. Politisch gedacht habe ich schon immer, aber Parteipolitik fand ich ziemlich unattraktiv. Ich habe diskutiert und manchmal auch demonstriert.

Mit Freunden saß ich anschließend auf dem Balkon und habe über den Sinn und Unsinn von Demonstrationen nachgedacht. Darüber, was außer den in Social Media veröffentlichten Fotos bleibt.

Ich habe Online-Petitionen unterschrieben und Likes verteilt. Doch einer Partei beizutreten kam für mich nicht in Frage.

(…)

Langsam reifte in mir der Gedanke: Ich will da mitreden und mitdenken. Ich will Parteimitglied werden, denn in unserer Krabbelgruppe werden wir keine Lösung finden

Sie hat also über lange Zeit nicht in einer Partei mitgearbeitet, dann wollte sie es doch mal probieren. Wie erging es ihr nun? Sie schildert es in einem anderen Beitrag:

Du beklagst häufig, dass junge Menschen und insbesondere Frauen sich nicht für dich interessieren. Nach einem intensiven Jahr mit dir weiß ich, woran das liegen könnte: an dir.

Gerne erinnere ich mich an unser erstes Date in einer Bar in Berlin Mitte. Dienstagabend um 20.30 Uhr. Du warst sogar so aufmerksam unser Treffen nicht „Stammtisch“ zu nennen. Dann ging alles ganz schnell: Von der Spargelfahrt nach Brandenburg, über das Sommerfest in einem Biergarten bis zum Kreisparteitag. Dort hast du mich in geheimer Abstimmung auf einen als sicher geltenden Listenplatz für die Bezirksverordnetenversammlung Berlin Mitte gewählt.

Da war sie dann gerade einmal, wie man dem Text weiter entnehmen kann, ein Jahr dabei. und hat einen sicheren Listenplatz für die Bezirksverordnetenversammlung. Schrecklich, wie junge Frauen dort untergebuttert werden.

Wer ist sonst von der CDU reingekommen:

CDU Behrends, Jenna 1990
CDU Burkert, Nils 1984
CDU Cegla, Sandra 1979
CDU Fritz, Benjamin 1988
CDU Leuschner, Martin 1971
CDU Pieper, Sebastian 1979
CDU Rauskolb, Diethard 1943
CDU Spallek, Carsten 1971

Sie ist also nicht nur die jüngste dort, sie hat auch die kürzeste Mitgliedszeit. Sie führt selbst an:

Was du aber, liebe Partei, nach meiner Nominierung begonnen hast, zerstört unsere Beziehung und zerstört über kurz oder lang auch dich. Auf den ersten Blick verstehe ich den Missmut, den du gegenüber politischen Quereinsteigern wie mir hegst. Es fühlt sich nicht fair an, wenn man die jahrelange Ochsentour auf sich nimmt, um dann auf einem hinteren Listenplatz zu landen und leer auszugehen. Wenn du dieses Thema offen auf dem Nominierungsparteitag ansprichst, während ich nach meiner Bewerbungsrede alleine auf dem Podium stehe (Wortlaut: „Wie viele Plakate haben Sie denn schon in Ihrem Leben geklebt, Frau Behrends?“), dann kann ich darauf immerhin reagieren. Dann kann ich dir erklären, dass mein Ortsverband mich vorgeschlagen hat, weil er daran glaubt, dass eine junge Frau gut für die Wahlliste und die spätere Fraktion ist und es eine Qualifikation gibt, die sich nicht in der Zahl aufgehängter Plakate bemisst. Der Rest ist dann Ortsverbandsarithmetik und ja: auch Frauenquote.

Das finde ich schon einmal ganz erstaunlich: Sie kann keinen anderen Grund anführen als ihr Geschlecht und ihre Jugendlichkeit. Irgendwie scheint ihr das ein eigene Qualifikation zu sein, die zumindest gleichwertig mit jahrelanger Parteiarbeit ist. Entitlement eben. Als Frau hat sie es einfach verdient, dass sie einen sicheren Listenplatz erhält. Sie ist anscheinend der Meinung, dass das andere, auch solche die jahrelang hart gearbteitet haben, schlicht akzeptieren müssen.

Sie schildert ihre Problem dann weiter wie folgt:

Liebe Partei, ich weiß, du lästerst gerne bei zu viel Bier. Aber die junge Frau, die bereit wäre, sich für ein kommunales Ehrenamt hochzuschlafen, gibt es nur in deiner schmutzigen Fantasie. Die junge Frau, die ständig mit den Gerüchten um ihre angeblichen Affären konfrontiert wird, die gibt es in echt. Kannst du dir in deiner kleinen Welt wirklich nicht vorstellen, dass ich als junge Mutter meine Freizeit lieber mit meiner Tochter und meinen Freunden verbringen würde, als in einer Männerrunde, die mir erklärt, sie seien im Gegensatz zu mir wahre Feministen, weil ich ein Komplettverbot der Burka für falsch halte?

Schrecklich, so eine andere Meinung. Wie soll man damit nur fertig werden? Wer hätte auch gedacht, dass man in der CDU auf Leute stößt, die für ein Burkaverbot sind? Wenn die jemanden widersprechen, dann

Als eine Freundin mich vor kurzem fragte, wie sie sich in der Partei engagieren kann, hätte ich ihr beinahe gesagt: „Lauf weg, so schnell du kannst.“ Ich wollte ihr vom Abgeordneten erzählen, der besonders aktiv Gerüchte über meine angeblichen Affären verbreitetet , weil er mich offenbar als Konkurrenz sieht und Angst um seine erneute Kandidatur hat. Vom Senator, der auf einem Parteitag meine Tochter begrüßte: „Oh, eine kleine süße Maus.“ Der dann pausierte, mich ansah und fortfuhr: „Und eine große süße Maus.“ Derselbe Senator, der einen Kollegen aus dem Abgeordnetenhaus vor meiner Nominierung fragte: „Fickst du die?“

Natürlich kann man sich darüber aufregen, dass Leute solche Gerüchte verbreiten. Und natürlich sollte das nicht sein und ist unfair. Aber man muss sich eben auch bewusst sein, dass bei den Plätzen mit harten Bandagen gekämpft wird. Bei einem Mann hätte er vielleicht andere Gerüchte verbreitet (Drogen, Schulden, Schleimt sich ein und lästert über andere, belästigt Frauen, macht sich an jüngere weibliche Parteimitglieder ran unter dem Vorwand sie zu fördern etc.) Sie merkt noch nicht einmal, dass das Unterstellen, dass ein anderer hoher Politiker mit ihr schläft, nicht nur gegen sie gerichtet ist, sondern diesen auch schädigt: Es lohnt sich nicht mit ihm zu kooperieren, er wird eine Frau fördern, die mit ihm spielt oder mit der er was hat und er wird über diese Affairen eh stolpern. Vielleicht zerstört das Gerücht seine Ehe oder es entzieht ihm Rückhalt von weiblichen Parteimitgliedern. Es ist genauso eine Maßnahme gegen einen Mann, wie gegen eine Frau.  Bei einer Frau, die aus dem nichts heraus gepuscht wird, die nach oben kommt, ohne sich wirklich eingesetzt zu haben, ist der Vorhalt, sie schlafe sich nach oben, natürlich eine effektive Beleidigung und ich würde sogar sagen, dass man auf diese vorbereitet sein muss, wenn man so schnell und rein aufgrund seiner Eigenschaft als junge attraktive Frau nach oben kommt. Wer das nicht will, der kann natürlich den langsamen Weg über die lange Parteiarbeit gehen.

Aber nicht nur da bestanden Probleme:

Liebe Partei, ich will mit dir diskutieren, neu denken, Ideen entwickeln. Die Liste der Probleme, für die wir eine Lösung finden müssen, ist lang: Ich will eine bessere Familienpolitik, echte Chancengleichheit und eine funktionierende Verwaltung. Und wenn ich mir sicher war, dass ich eine Verbündete bei diesem Projekt habe, dann die Frauen Union. Hätte ich bloß an den Satz einer erfahrenen Kollegin gedacht: „Die größten Steine werden dir immer Frauen in den Weg legen.“

Natürlich ging dieser Teil im Medienaufschrei im wesentlichen unter.

Statt „Sisters in Crime“ zu werden, schottete die Frauen Union sich ab und tagte plötzlich nur noch vorstandsintern. Offizielle Begründung: „Das macht man im Wahlkampf so“. Näher an der Wahrheit dürfte aber wohl die inoffizielle Begründung liegen, die ich später hörte: „Die ist so karrieregeil und will bei der nächsten Vorstandswahl auch noch hier Vorsitzende werden.“

Ich vermute mal, dass man auch da ihr Entitlement und ihre Haltung, dass ihr das alles zusteht, schlicht weil sie eine junge Frau ist, wenig angebracht fand und ich würde vermuten, dass man sie für ein arrogantes Miststück gehalten hat (und das in dem Frauenkreis auch die Gerüchte, sie habe sich hochgeschlafen, gerne aufgegriffen worden sind, denn eine Konkurrentin als Schlampe zu bezeichnen ist unter Frauen eine sehr beliebte Abwertung)

Ja, ich gebe zu: Es gab einen Moment, in dem habe ich darüber nachgedacht habe, ob ich für den Kreisvorstand der Frauen Union kandidieren soll. Aber weißt Du auch warum, liebe Partei? Die derzeitige Vorsitzende hatte mich eindringlich gebeten, ihre Nachfolgerin zu werden. Davon war plötzlich keine Rede mehr. Dafür wird immer wieder an mich heran getragen, dass ich von Mitgliedern als nimmersatte Karrieristin bezeichnet werde. Wirklich wichtig ist der Vorstandsposten der Frauen Union zwar nicht – aber offenbar als Instrument zur innerparteilichen Selbstdarstellung wichtig genug, um jede Frau, die gefährlich werden könnte, mit Methoden, die jeder Fairness entbehren, wegzubeißen. Inzwischen übrigens auch die zweite Frau, der derselbe Vorstandsposten angeboten wurde.

Leider schildert sie diese Methoden nicht, wenn es sich nicht um den Ausschluss aus den Vorstandssitzungen bezog. Aber es zeigt, dass man sie allgemein als jemanden wahrgenommen hat, der die Posten will, aber die Arbeit dafür und die passenden Jahre nicht investieren will.

Auch wenn ich mich anfangs mehr am angeblichen Hochschlafen gestört habe, bin ich mir unschlüssig, ob ich den „Die-hat-zu-große-Ambitionen“-Vorwurf von einer anderen Frau nicht noch vernichtender finde. In ihrer Wirkung bei deinen Mitgliedern, liebe Partei, unterscheiden sie sich kaum. In Kombination sind sie unerträglich. Ein Parteimitglied meinte mir deshalb einen guten Ratschlag geben zu wollen: „Sie Sind doch eine außerordentlich hübsche und kluge Frau. Jetzt mischen Sie doch nicht überall in der Partei mit, dann mögen die Sie auch lieber.“ Ich will nicht gemocht werden, ich will mich für mein Land engagieren.

Das ist eine schöne Stelle, an der man ihre Anspruchhaltung sieht: Der Rat ist nämlich ein Guter: Gerade mal ein Jahr dabei und es an allen Stellen besser wissen wollen, mit der Allwissenheit einer Juristin mit ersten Staatsexamen aber ohne Praxiserfahrung, das geht selten gut, wenn man auf bestehende Strukturen stößt. Das ist wie der neue Arbeitnehmer, der dem Chef erst einmal erzählt, was er alles falsch macht, weil er da im Studium ganz andere bessere Theorien vom Professor gehört hat, die der rückständige Chef doch mal bitte schleunigst umsetzen sollte.

Und was antwortet sie auf diesen guten Rat: „Ich will nicht gemocht werden“. In einer Partei. In der Beziehungen so ziemlich alles sind und man ein sorgfältiges Geflecht von gegenseitigen Gefälligkeiten und Vorteilen aufbauen muss, damit man die Machtkämpfe übersteht.

Wenn sie eine so arrogante Haltung hatte, wie es dieses Zitat, dass auch noch von ihr selbst stammt, vermuten lässt, dann ist es kein Wunder, dass sie die Leute abschießen wollten. Das es an ihr selbst liegen könnte, dass sie vielleicht mal etwas zurückstecken und langsam aufbauen musste, dass kommt ihr anscheinend gar nicht in den Sinn. Es würde mich interessieren, ob der Versuch, sie zur Kandidatin aufzubauen, nicht einfach einfach ein Schachzug in einem internen Machtkampf war, weil man dachte, dass eine so arrogante Göre, die keiner mag und die sich für Gottes Geschenk an die Frauenunion hielt, doch ein wunderbares Bauernopfer ist, an dem man intern Bündnisse schmieden und Machtspiele spielen kann. Den soziale Dominanz lässt sich eben wunderbar dadurch darlegen, dass man bestimmt, wer abgeschossen wird.

Diese politische Kultur muss sich ändern

Liebe Partei, ich habe versucht mit dir über Verleumdungen, Gerüchte, Sexismus gegenüber Frauen und teilweise auch durch Frauen zu reden. Aber nicht nur mein Ortsvorsitzender erklärte mir, das alles sei Teil des politischen Auswahlprozesses. Wenn ich damit nicht klar käme, dann sei ich für kein Amt geeignet. Ich hingegen frage mich, was das für Politiker sein müssen, die so ein System produziert.

„Das System ist schlecht, bitte ändert es, ich will es so nicht“. Natürlich hat sie recht, dass es schön wäre, wenn in Parteien ganz wunderbar einvernehmlich die besten gewählt werden, aber politische Ämter werden nun einmal anders vergeben und das, weil sie Macht enthalten und Vorteile bringen. Politik ist schmutzig in dieser Hinsicht und der fromme Wunsch, dass alles viel schöner wäre, wenn alle nett wären, der zählt auch nicht. Zumal sie selbst das ja auch wunderbar genutzt hat: Ihr war es egal, dass andere übergangen werden, solange sie nach oben kam. Sie hat nicht gefragt „Moment mal, werde ich vielleicht benutzt um einen Konkurrenten um einen guten Listenplatz zu bringen, weil die Leute gegen eine junge, hübsche Frau, dazu noch allein erziehend, nichts sagen können, auch wenn sie an starken Entitlement leidet und bisher keine wirkliche Arbeit für die Partei geleistet hat?“ Nein, sie fand es wunderbar, dass man sie auf einen Platz gesetzt hat, der ihr eigentlich nicht zustand. Wenn sich dann das Spiel aber gegen sie wendet, dann soll es doch bitte ganz fair zugehen. Der Ortsvorsitzende hat recht: Sie ist schlicht nicht für die Politik geeignet.

Es ist genau dieselbe Denke, mit der mich ein Parteifreund aus dem Bundesvorstand von diesem Brief abhalten wollte: „Jenna, wenn du das jetzt veröffentlichst, dann wirst du in der Partei nichts mehr. Das ist dir klar, oder?“ Was wäre aber die Alternative? Ein buntes Werbeblättchen mit netten Versprechungen, wie attraktiv Politik doch angeblich für junge Frauen sei?

Was wäre die Alternative? Nicht so arrogant auftreten. Einsehen, dass ein so schneller Posten ohne vorherige Arbeit erst einmal unverdient ist und danach bescheidener auftreten und Lehrgeld zahlen, indem man sich der Parteiarbeit widmet. Andere Ämter erst einmal zurückweisen und ein Netzwerk aufbauen, etwa anbieten die derzeitige Vorsitzende zu unterstützen und von ihr lernen. Deutlich machen, dass man sich die durch Quote erhaltende Position verdienen will, aber eben von unten, nicht indem man alles besser weiß. Gerüchte mit einem Lachen abtun oder intern angehen, aber niemals, niemals niemals nach außen die Partei direkt angreifen. Sich bei den anderen Frauen Rat holen und sexistische Vorfälle nutzen um eine „Sisterhood“ zu etablieren, statt sie einzufordern. Sprich: Genau den Rat umsetzen, den man dir erteilt hat: Daran arbeiten gemocht zu werden und eine Machtbasis aufzubauen. Denn mit jemanden, der eine sichere Machtbasis hat, der Parteiarbeit macht und beliebt ist, legt man sich dann eben auch nicht an. Man versteht dann, warum diese Person irgendwann an wichtige Posten kommt.

Ich würde übrigens auch sagen, dass sie sich mit diesem Brief ins eigene Bein geschossen hat. Warum sollte man nun noch mit ihr zusammenarbeiten wollen? Sie hat mehr als deutlich gemacht, dass sie selbst unfair spielt und die Streitigkeiten zur Not auch über die Presse ausspielt, mit der Rolle des armen unterdrückten Mädchens, der alle nur Böses wollen (obwohl sie ohne Vorarbeit direkt auf einen Listenplatz kam). Sie hat sich als jemand dargestellt, der nicht versteht, dass Parteien auf dem Grundsatz von „Do ut des“, ich gebe, damit du gibst, beruhen. Sie hat nicht erkannt, dass sie in ihrem Appell an die Fairness selbst unfair spielt indem sie die Sexismuskarte und die Frauen-als-Opfer-Karte gegen die ganze Partei spielt. Diese Karte zu spielen ist die Forderung, dass Frauen im Wettbewerb anders behandelt werden sollen als der Rest. Dass sie nach oben kommen müssen einfach weil das gut wäre. Nur das klappt nicht lange, weil andere auch nach oben wollen. Durchaus auch andere Frauen.

Ihr Verhalten zeigt, dass sie den Wettbewerb nicht innerhalb des Wettbewerbs spielen kann. Sondern über eine Schuldnummer über die Presse. Das Äquivalent davon, auf dem Pausenhof zur Lehrerin zu rennen und zu heulen, dass alle gemein zu einem sind.

Ehrlicher finde ich die Antwort, die ich meiner Freundin gegeben habe, von der ich dir oben erzählte, liebe Partei: Ich habe ihr nämlich nicht geraten wegzulaufen. Stattdessen habe ich sie ermuntert sich zu engagieren. Politik ist zu wichtig, um sie hauptsächlich alten Männern zu überlassen. Es gibt sie, die tollen, großartigen Frauen in der Union: Angela Merkel, Ursula von der Leyen, Elisabeth Winkelmeier-Becker, Nadine Schön und viele andere. Lassen wir sie nicht alleine, liebe Frauen. Lasst Politiker nicht über uns reden, sondern lasst uns Parteimitglied und Politikerinnen werden. Gemeinsam haben wir eine Chance: Wenn wir sie jetzt nutzen, dann können wir unser Land gemeinsam gestalten.

Auch geil: Ein nicht geringer Teil des Artikels handelt davon, dass die anderen Frauen sie mobben und nicht ausstehen können, aber man soll die Politik „nicht alten Männern überlassen“. Das passt auch gut in das Bild einer Ideologin, die meint, dass Frausein reicht. Die meisten „alten Männer“ haben ihr hier ja schlicht nichts getan. Und sie muss zudem auch natürlich mit ihnen zusammen arbeiten und bereit sein, eine gute berufliche Beziehung zu ihnen aufzubauen.

Von dir, liebe Partei, erwarte ich dann zumindest eins: Behaupte nie wieder, du konntest deine eigene Frauenquote leider, leider nicht erfüllen, weil keine Frau kandidieren wollte.

Behaupte du vor allem nicht, dass du ein Aushängeschild für eine Frauenquote bist. Oder das du dich mit diesem Schwenk von „Für Frauen ist es das fürchterlichste in einer Partei zu sein, weil alle gemein zu einem sind“ zu „Aber wir sollten es trotzdem tun, damit Frauen in der Politik sind und nicht nur doofe alte Männer“ für Frauen einsetzt.

Ein weiterer Artikel ist auch interessant:

Die B.Z. traf sich mit Behrends am Freitagmittag in einem Café in Mitte. Auf die Frage, wer der Senator sei, sagt sie: der „Senator ist Henkel“ – der CDU-Chef, Kreisverbands-Boss in Mitte (wo auch Behrends Mitglied ist) und Innensenator.

Allerdings: Sie habe die Frage „Fickst du die“ nicht selbst gehört. Dass habe ihrer Kenntnis nach Henkel dem Abgeordneten Sven Rissmann (38, CDU) gesagt.

Sven Rissmann: „Ich kann mich nicht daran erinnern“

Der äußerte sich auch am Freitagnachmittag. Dem Tagesspiegel sagte Sven Rissmann: „Es gab Gerüchte, dass Jenna Behrends und unter anderem ich etwas zusammen gehabt hätten. Über diese Gerüchte haben wir uns ausgetauscht. Ich bin von mehreren Parteimitgliedern darauf angesprochen worden. Es ist möglich, dass mich Frank Henkel auch darauf angesprochen hat.“ Zur konkreten Wortwahl, die Henkel ihm gegenüber gewählt haben soll, sagte Rissmann: „Die Wortwahl („Fickst Du sie?“) kann ich nicht bestätigen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass diese Worte gefallen sind.“

Also dann doch auch wieder eine andere Sicht: Eine Affaire, Leute versuchen das abzuklären, die genauen Worte hat sie noch nicht einmal selbst gehört, sie wären dann auch in einem persönlichen Gespräch und nicht in ihrer Gegenwart gefallen und ich halte es bei entsprechenden Gerüchten, bei denen es nach dieser Darstellung keineswegs klar ist, wer sie verbreitet hat, ob Männer oder Frauen, durchaus für eine legitime Nachfrage in einem Zweiergespräch.

Herr Henkel wird dort wie folgt zitiert:

„Ich bin sehr verwundert über diesen Brief, und auch ein bisschen enttäuscht über Inhalt und Stil dieses offenen Briefes. Die CDU Mitte und ich als Kreisvorsitzender haben in der Vergangenheit immer wieder auch Quereinsteigern eine Chance gegeben.

Dass Frau Behrends heute in der BVV sitzt, ist dafür ein gutes Beispiel. Auch bei der Abgeordnetenhauswahl und der letzten Bundestagswahl haben wir Quereinsteigern eine Chance gegeben, z.B. Philipp Lengsfeld und Florian Noell. Wenn sich Frau Behrends mit mir austauschen will, steht ihr meine Tür wie jedem anderen Mitglied meines Kreisverbandes für ein Gespräch offen. Solche Dinge sollten nicht im Raum stehen bleiben, sondern geklärt werden. Versuche einer Kontaktaufnahme durch den Kreisverband waren bislang leider erfolglos.“

Und die Vorsitzende der Frauenunion, Frau Cegla, Polizeikommisarin, sagte:

Die Vorsitzende der Frauen-Union in Mitte, Sandra Cegla, der Behrends indirekt ebenfalls Vorwürfe macht, sagte zur B.Z.: „Auf mich persönlich wirken ihre Vorwürfe äußerst verstörend. Ich empfinde Frau Behrends als eine zweifelhafte Persönlichkeit, der wir als Frauen Union mit offenen Armen begegnet sind. Leider mussten wir schnell feststellen, dass sie uns wenig vertrauensvoll begegnet ist und sogar Unwahrheiten und Intrigen in unseren Kreisen verbreitet hat. Das war der Grund, warum wir uns zunächst von ihr distanzieren mussten.“

Zu den Sexismus-Vorwürfen sagt sie: „Sexismus ist mir persönlich in meinen 4 Jahren aktiver Frauenpolitik nicht begegnet, obwohl ich als junge, in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebende Frau dazu sicher Anstoß gegeben hätte. Die ‚Frauendebatte“ führen wir bereits seit vielen Jahren in unserer Partei, was inhaltliche Aufgabe unserer Frauen Union ist. Dafür haben wir nicht den Anstoß von Frau Behrend benötigt. Die Art und Weise, wie sie angebliche Missstände über unsere Frauen Union und die CDU Mitte in der Öffentlichkeit darstellt, lässt aus meiner Sicht sehr schlechten Stil und keineswegs den Willen zur offenen Debatte sondern Zerstörungswut und Geltungsbedürfnis erkennen.“

Nach dieser Darstellung wäre Frau Behrends keineswegs die Unschuld vom Lande, sondern hätte selbst Unwahrheiten und Intrigen verbreitet. Was der Wahrheit entspricht wird man wohl kaum erfahren. Aber Ich kann mir vorstellen, dass Frau Cegla als Polizeikommisarin sich nicht so schnell die Butter vom Brot nehmen lässt und sich Respekt verschaffen kann, wenn ihr einer dumm kommt. Weswegen sie dann auch keinen Sexismus erlebt.