Margarete Stokowski hasst gepolsterte BHs

Margarete Stokowski wettert gegen gepushte BHs:

In der Werbung gelten Brüste als das beste Verkaufsargument – aber die Brust der einzelnen Frau muss immer noch durch unbequeme BHs optimiert werden. Würden Männer so kontrolliert werden, müssten sie Penisbändiger tragen.

Die Einleitung finde ich schon nicht schlecht: Frauen werden erst einmal zum Objekt gemacht, sie wählen nicht etwa bestimmte BHs aus, sondern sie werden „kontrolliert“. Männer hingegen haben natürlich keinerlei einschränkende Kleiderordnungen. Wer hätte sich je über Männer in kurzen Hosen aufgeregt oder welcher Dresscode sieht etwa auch bei heißen Wetter so etwas wie lange Stoffhose und Krawatte für Männer, aber durchaus ein luftiges Kleid für als Option für Frauen vor?

Tatsächlich ist es auch bereits interessant, dass sie die BHs als Kontrolle sieht und ihnen „Penisbändiger“ gegenüber stellt, wenn es für viele Frauen immer noch darum geht, dass sie eben ihren Busen besser aussehen lassen, größer, fester, gleichmässiger, nicht hängend etc.

Der klassische gefütterte BH verspricht, dass man in ihm gut aussieht:

Push-up BH mit Polster

Push-up BH mit Polster

Und die Bedeckung der Brustwarzen macht ihn eben in vielen Fällen auch weniger sexuell und vermindert die Vergleichbarkeit innerhalb der intrasexuellen Konkurrenzu, weil diese bei der Bewertung der Schönheit einer Brust ein ganz wesentliches Element sind.

Würde man entsprechendes für den Penis vorsehen, dann käme wohl eher so etwas wieder in Mode:

arrmour-codpiece

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Oder der Penisköcher würde eine Ausbreitung erleben. Das geschieht nicht, weil Männer dahingehend „kontrolliert“ werden, dass man im Gegensatz zu Brüsten eben seinen Penis nicht betonen darf. Während Männer sich schöne Brüste oder Vaginas durchaus anschauen wollen ist das Zusenden von Dickpics an Frauen eben eher eine Form der Belästigung.
Abgesehen von der Schwulenszene, wo man wahrscheinlich durchaus für einen schönen Schwanz zu haben ist und damit keine Probleme hätte, weswegen entsprechende Betonungen wahrscheinlich auch eher für diese Szene entwickelt werden:

Meine Vermutung wäre jedenfalls, dass das Produkt eher auf den schwulen Markt ausgerichtet ist, aber da mag ich mich auch täuschen.

Ich schwöre, wenn man eine repräsentative Studie unter den Frauen dieses Landes durchführen würde und fragen würde, wann und wo sie sich wirklich zuhause fühlen, dann würde mindestens die Hälfte von ihnen antworten: Da, wo ich ohne ätzenden BH rumlaufen kann.

Das kann ich mir durchaus vorstellen. Aber ich vermute, dass die meisten Frauen auch etwas dagegen hätten, wenn Frauen allgemein ohne BHs rumlaufen würden. Weil es eben dann häufig sexuelle Signale sendet, Defizite eher offen legt, man sich weniger vorteilhaft darstellen kann oder schlicht weil die intrasexuelle Konkurrenz damit angeheizt werden würde. Und natürlich auch, weil es auch bequemer in bestimmten Situationen sein kann, seine Brüste fest verpackt zu haben, einfach bei der Bewegung und größeren Brüsten. Aber dazu können sich natürlich gerne Frauen in den Kommentaren äußern.

Es gibt immer noch dieses Klischee, dass Feministinnen gerne BHs verbrennen, und es ist schwer aus der Welt zu kriegen, auch wenn es sich auf sehr dürftige historische Belege stützt. Früher habe ich immer gesagt: Hey, nein, stimmt gar nicht, wir machen das nicht, gute BHs sind so wichtig, gerade wenn man große Brüste hat; man kann sonst nicht mal ungenervt eine Treppe hinunterlaufen, ernsthaft. Das stimmt auch, soweit. Aber nun war ich letzte Woche unterwegs, um einen Bikini zu kaufen, und muss sagen, ich wäre inzwischen bereit für eine öffentliche Bikinioberteil-Verbrennung.

Die Probleme mit gepolsterten BHs hatten in der Tat schon andere Feministinnen und ich habe auch schon ein paar Artikel dazu.

Die konkrete Brust kann nie gut genug sein

Wenn man in die ganz normalen Klamottenläden geht, in die die meisten Leute gehen, dann findet man in der Bademodeabteilung für Frauen hauptsächlich Bikinioberteile, in denen auf jeder Seite bereits mindestens schon eine halbe Brust drin ist. Dieser knappe Liter Dämmmaterial ist manchmal durch eine kleine Lücke rausnehmbar, aber nicht immer, oft ist er fest vernäht. Auch bei großen Größen. Unter dem Polster findet sich nicht selten ein Metallbügel, der sich bei einer ungünstigen Bewegung (Kopfsprung, Arschbombe, Leben) in die Achsel bohren kann.

Es ist, als würde dieses Bikinioberteil sagen: Brüste, schön und gut, aber sie müssen in jede denkbare Himmelsrichtung geformt und vergrößert werden, außer auf der Seite, wo sie am Körper befestigt sind, denn ja, natürlich schätzt diese Gesellschaft die weibliche Brust als Allzweckdekoration zu Werbezwecken, aber die konkrete Brust jeder einzelnen Frau kann niemals gut genug sein.

Und das ist natürlich wieder einmal eine Diskriminierung der Frau und einfach ein Skandal!!!!11

Es klingt fast so als würde „die Gesellschaft“ den Frauen die BHs vorschreiben und verhindern, dass sie andere BHs kaufen. Tatsächlich sind es natürlich die einzelnen Frauen, die gerne die Vorteile einer optisch vergrößerten Brust nutzen wollen, weil sie dann als attraktiver wahrgenommen werden.

Dazu zB dieses Video:

Um die Antwort gleich vorwegzunehmen:

Ja, größere Brüste geben mehr Trinkgeld. Und zwar von Männern UND Frauen. Männer gaben 30% mehr, Frauen sogar 40% mehr.

Und auch „Mitnahme als Anhalterin, weil das Auto liegengeblieben ist“ gibt entsprechende Daten:

Statistically speaking, only men’s behaviors were affected by the hitchhiker’s breast size (p < .03). The frequency of stopping in the cup C condition was marginally greater than that of cup B (p = 0.09) and significantly greater than that of cup A (p < .01). The difference between cups A and B was not significant.

Das Rätsel, warum die meisten Läden hauptsächlich gepolsterte BHs anbieten, scheint damit recht leicht zu lösen zu sein: Frauen kaufen sie eher, weil es ihnen Vorteile bringt.

Um so besser, wenn sie dann auch noch gleichzeitig verhindern, dass sich Nippel durch den Stoff drücken, was ein zu sexuelles Signal sein kann, was viele Frauen nicht senden wollen.

Das gilt für Bikinioberteile und BHs gleichermaßen, und es gilt nicht nur für Modelle für erwachsene Frauen, sondern oft auch schon für die, die für 11- oder 13-Jährige gedacht sind. Es ist komplett unklar, wie Mädchen kein gestörtes Körperbild entwickeln sollen, wenn ihnen beim Shoppen suggeriert wird, dass man ihre Brüste idealerweise um ein paar Zentimeter strecken sollte, egal wie klein oder groß sie sind.

Auch hier ist es allerdings nicht „die Gesellschaft“, sondern eher der Umstand, dass solche Bikinis sich gut verkaufen. Sie bieten auch verschiedene Vorteile: Sie sind im Endeffekt weniger sexuell, weil man bei einem ungepolsterten Bikini mehr sieht. Sie ermöglichen Mädchen ihre tatsächlichen Brüste eher aus der Bewertung zu nehmen als BHs, die keine Polster haben. Und sie erlauben ihnen gleichzeitig eben größere Brüste zu haben.

Natürlich kann man das verurteilen und das Durchsichtigkeitsproblem bzw Formerkennbarkeitsproblem auch anders lösen. Aber um zu erkennen, dass größere, formschöne Brüste eine besondere Anziehungskraft auf Männer haben braucht man kein BH-Geschäft. Jede Schule dürfte zumindest ein in der Hinsicht bevorteiltes Mädchen haben, welches das den anderen Mädels recht schnell deutlich macht.

Um es gleich zu sagen: Es ist okay, dass es das gibt. Für Mädchen und Frauen, die ihre Brüste fest einpacken und vergrößern wollen, sind diese Modelle ein Segen, aber sie sind oft nicht eine Auswahlmöglichkeit, sondern der Standard. Wer kein Push-up-Gerät sucht, bei dem man sich erstmal die Brüste auswringen muss, wenn man aus dem Wasser kommt, hat ein Problem.

Dann gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Entweder es ist nichts davon am Markt, weil sich so etwas nicht verkaufen lässt
  • oder Frau Stokowski hat eine unglaubliche Marktlücke gefunden, die bisher keiner der BH und Bikinihersteller wahrgenommen hat, und könnte damit reich werden.

Meine Vermutung ist, dass die meisten Frauen eben die Polster und das Pushen wollen, aber es auch genug ohne gibt.

Dazu auch noch diese Tweets:

Eine feministische Revolution im Kapitalismus, weil ein bestimmtes, nach ihrer Vorstellung am Markt gesuchte Produkt bisher nicht auf dem Markt ist. Wie kann es nur abseits von Diskriminierung zum Gender Pay Gap kommen?

Die historische Epoche der Aufklärung kann nicht als abgeschlossen betrachtet werden, solange es immer noch der Normalfall ist, dass Frauen angeboten wird, sich zwei Brustprothesen aus einer Art Bauschaum umzuschnallen, bevor sie schwimmen gehen. Was soll das?

Man muss glaube ich tief verwurzelt im Opferdenken sein, wenn man nicht auf die Idee kommt, dass Frauen diese Produkte eher kaufen als andere, weil sie sie besser finden. In ihrer Vorstellung gibt es aber so etwas wie eine bewußte Kaufentscheidung der Frauen nicht. Es gibt nur die patriarchale Gesellschaft, in der anscheinend Frauen keinen Einfluss in der Modebranche haben und auch unmöglich selbst BHs und Bikinis herstellen können, so dass ihnen nichts anders übrig bleibt als „sich Brustprothesen aus Bauschaum umzuschnallen“.

 

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Die Mutter als Heilige und Hure – Zum Begriffs der MILF

Pinkstinks verwirrt der Begriff MILF:

„Die Bezeichnung MILF ist ein verbales Arschgeweih für ein Sexleben nach der Mutterschaft.“ Die Sexualpädagogin, Autorin und Bloggerin Katja Grach versammelt diesen und andere messerscharfe Sätze in ihrem neuen Buch über das Phänomen MILF. MILF steht für Mother I’d like to fuck und genau darum geht es. Seitdem dieser Begriff durch die US-amerikanische Filmreihe American Pie einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde, ist er aus der Popkultur nicht mehr wegzudenken. Vor allem aber nicht aus der Pornografie. Grach nun geht der Frage nach wie das eigentlich passieren konnte: Wieso werden die beiden eigentlich immer sehr getrennten Rollensphären Heilige (Mutter) und Hure (Schlampe) plötzlich in eine zusammengegossen und was genau bedeutet das? Auch diese Trennung war und ist nicht nur in der Realität vorhanden, sondern findet ihren Widerhall in der Popkultur. Im gleichen Jahr wie der erste Teil von American Pie erschien 1999 auch der Film Reine Nervensache. Darin zwingt der von Robert de Niro gespielte Mafiosi einen Therapeuten sich seiner Probleme anzunehmen: Impotenz, Angstzustände und derlei mehr. Auf die Frage, warum er sich einer Geliebten zuwendet und keine sexuelle Erfüllung bei seiner Frau findet, antwortet der Mafiosi:

„Pfui, solche Sachen mache ich nicht mit meiner Frau. Mit dem Mund küsst sie schließlich meine Kinder wenn sie schlafen sollen.“

Anscheinend fällt zumindest Pinkstinks gar nicht auf, dass die Rollen da nicht zusammen gegossen werden:

Es sind verschiedene Personen, die Frauen verschieden sehen.

  • Die Familie betont die Mutterrolle, gerade die Kinder, während der Mann wahrscheinlich eher älter und konservativer sein muss um in seiner Ehefrau nur die Heilige zu sehen, mit der man nichts verdorbenes machen darf.
  • andere Freunde der Kinder sehen die Mutter eben nicht als Mutter, sondern als Frau. Und MILF thematisiert eher den Zwiespalt, dass Mütter von Freunden natürlich Tabu sind, aber auch gut aussehen können (genau wie Schwestern)
  • Frauen selbst, die Mütter sind, wollen natürlich weiterhin auch sexy sein und als solche wahrgenommen werden. Vielleicht nicht unbedingt in einer aufdringlichen Weise von den minderjährigen Freunden ihrer Kinder, aber keine Frau mag wohl die Vorstellung, dass sie gar nichts sexuelles für Männer hat und sie an Sex mit ihr vollkommen desinteressiert sind. Deswegen ist es natürlich zum Teil ein „Ehrentitel“, wenn man trotz Mutterschaft und einem insoweit auch schon fortgeschrittenen Alter als sexy gilt, gerade weil die Schwangerschaft gerne mit Gewicht, Narben etc verbunden ist.

Bei Pinkstinks heißt es:

Ob die Frau dazu womöglich Lust hätte, steht gar nicht zur Debatte. Auftritt der MILF. Mit ihr sind „solche Sachen“ zumindest in der Vorstellung möglich. Wohlgemerkt obwohl sie Mutter ist. Sonst müsste die Mutterschaft nicht extra betont oder eben in einen spezifisch sexuellen Zusammenhang gestellt werden. Die Mutter ist aber nicht sexy, weil sie drei Kinder geboren und womöglich gestillt hat, sondern weil sie sich trotz der Mühen von Schwangerschaft und Kindererziehung „ihren Körper zurückgeholt hat“. Auf diese Optimierungskomponente weist die Autorin sehr bewusst hin. Mitterweile hat sich eine ganze Industrie um den After-Baby-Body, die Erscheinung und die Sexualität von Müttern gebildet. Zum Beispiel gab es vor ein paar Jahren ein Fitness- und Ernährungsprogramm das Month11, der MILF-Macher hieß. Der Name kündigt es an: 9 Monate Schwangerschaft sind nicht genug: Der Zeitraum wird verlängert, damit frau „die Spuren der Schwangerschaft beseitigt“.

Die MILF ist ein Markt„, schreibt Grach. Und an diesem Markt wollen möglichst viele verdienen.

Aber ist das nicht auch irgendwie ermächtigend? Immerhin wird die Heilige-Hure-Dichotomie aufgelöst und frau kann (auch) als Mutter endlich sexuelle selbstbestimmt sein. Das wäre in der Tat eine gute Sache, stimmt hier nur leider nicht. Die MILF mag oberflächlig wie das Ergebnis einer sexuellen Ermächtigung wirken, ist aber das genaue Gegenteil. Mit der Frau des Mafiosi hat sie nicht nur die Namenlosigkeit (Stifler’s Mom) sondern auch die Fremdbestimmtheit der eigenen Sexualität gemein. Schließlich geht es um eine Mother I’d like to fuck und nicht um eine Mutter, die selbst entscheidet, worauf sie Lust hat. Das Konzept MILF ist an ein Publikum gerichtet, dass Mutterschaft als zu überwindene Hürde definiert, als körperliche und durchaus auch seelische Makel, die es auszulöschen gilt.

Hier wird dann angeführt, dass es nicht um die Sexualität der Frau geht: Ja natürlich nicht. Es geht darum sexuelles Interesse an einer Person darzustellen, mit der man wahrscheinlich nie schlafen wird. Es geht darum zu sagen, dass man die Person sexuell anziehend findet, weil man die entsprechenden Reize wahrnimmt.

Auch Mädchen, die sich sich darüber unterhalten, welches Bandmitglied der gerade angesagten Boygroup süsser ist stellen nicht darauf ab, dass dieser sexuell ermächtigt ist, sondern dass er für sie interessant ist, stellen insofern nach diesem Muster eine „Fremdbestimmung“ dar.

Und natürlich ist MILF für Frauen auch nur eine Ausprägung intrasexueller Konkurrenz, die auch gerade den geänderten sozialen Gegebenheiten Rechnung trägt:

Wo der Mafiaboss in einer Welt lebt, in der man sich nicht von seiner Frau scheiden lässt, sondern diese die Familie und die Kinder absichert, während andere Frauen für das sexuelle Vergnügen da sind ist auch seine Frau weitaus eher der intrasexuellen Konkurrenz entrückt. Sie muss natürlich präsentabel aussehen, aber sie muss weit weniger sexuelles bedienen, sondern Beständigkeit.

Mit Beziehungen, die weniger traditionell sind, bei der Frauen nicht darauf vertrauen können, dass eine Ehe hält und der Mann sie nicht für eine andere verlässt, muss eine Frau natürlich auch als Mutter noch eher schön sein und eher mit Frauen in dem Bereich konkurrieren. Sie kann sich weniger erlauben Heilige zu sein oder es besteht ein anderes Interesse daran, auch in diesem Bereich nicht aus dem Rennen zu sein und noch sexuell wahrgenommen zu werden.

Auch hier ist es natürlich interessant, dass es den Begriff „FILF“ („Father i would like to fuck“) nicht gibt (oder vielleicht nur in der Schwulenszene) weil eben casual sex und die Gespräche darüber eher etwas ist, was Jungs interessant finden. Mädchen werden das vielleicht eher schwärmerischer sehen

Intrasexuelle Konkurrenz vs. Virtue Signalling bei Germany’s Next Topmodel #gntm

Die OK berichtet über (weitere) Streitigkeiten am Set von Germany’s Next Topmodel. Anlass sind die „Curvy Models“:

Heidi Klum: GNTM-Revolution mit Curvy Models

Mädchen mit Kurven sind jetzt in der Fashion-Industrie gefragt. (…) Das  finde ich natürlich super!,

betont die Model-Mama, der in den vergangenen Jahren immer wieder vorgeworfen wurde, mit ihren dürren GNTM-Models ein falsches Schönheitsideal zu predigen und vor allem junge Zuschauerinnen in den Magerwahn zu treiben. Eigentlich lobenswerte Veränderungen von Heidi und ihrem Team.

OK! erfuhr: Es wird gezickt, gelästert und gemobbt!
Doch ausgerechnet bei den Kandidatinnen soll es überhaupt nicht gut ankommen, dass mit Sarah, 18, und Pia, 22, auch zwei Curvy Models in der Show mitmachen!

Hier die auch in dem Artikel verlinkten Bilder der beiden:

 

Zum Vergleich: Die Gewinnerin vom letzten Jahr:

Weiter im Text:

Wie OK! aus dem Umfeld der Produktion erfuhr, wird hinter den Kulissen ordentlich gezickt, gelästert und gemobbt!

Viele der Mädchen sind eifersüchtig auf Sarah und Pia. Sie haben dasGefühl, dass Heidi die beiden bevorzugt, um der Show ein besseres Image zu verpassen,

berichtet eine Insiderin.

Sie würden es öffentlich zwar nie zugeben, aber die meisten der dünnen Kandidatinnen sind der Meinung, dass so kurvige Mädels nichts bei GNTM zu suchen haben, weil sie im Model-Business ohnehin kaum Chancen hätten.
Leonie packt aus: „Am Set hießen sie Ugly Models“
Und diese Ablehnung kriegen die beiden kurvigen Konkurrentinnen wohl auch deutlich zu spüren. Kandidatin Leonie, 19, deckt auf, wie es Backstage gegen die dralleren Mitstreiterinnen geätzt wird: „Am Set hießen sie Ugly Models“, sagt die inzwischen Ausgeschiedene. Wie bitte?! Der Model-Nachwuchs soll die rundlichere Konkurrenz als hässlich verhöhnt haben? Ja, betont zumindest Leonie: „Das war ein offizieller Begriff.“

Ich denke es ist etwas, was man in dieser Klarheit selten so sieht:

Wenn Leute in einen unfairen Wettbewerb eintreten müssen, in dem sie das Gefühl haben, dass sie Nachteile haben, weil schlechtere Bewerber vorgezogen werden, um „Diversity“ zu erreichen und damit im Endeffekt Virtue Signalling zu betreiben, dann finden sie das unfair und das überträgt sich auch auf diejenigen, die die Vorteile haben.

Und sie haben durchaus Recht damit: Natürlich gibt es auch Bedarf an dickeren Models, weil eben auch Mode für dickere Frauen verkauft wird, aber Topmodel bedeutet eben, dass sie dem allgemeinen Schönheitsideal entspricht. Das ist den anderen Kandidatinnen bekannt, dass ist Heidi bekannt und das ist in der Modeindustrie eben auch eine relativ klare Sache: Mode verkauft man mit Idealisierungen, bei Frauen und bei Männern und der Grund, warum der Blick der Models meist recht kühl und abweisend sein soll ist, dass man damit höheren Status signalisiert und die meisten Designer gerne die Botschaft wollen, dass man in diesen Kleidern an Status gewinnt.

Wie immer sei kurz angemerkt: Niemand würde bei den Male Models auf die Idee kommen, dass sie ruhig etwas dicker sein könnten: Für ein „Dreamday Shooting“ mit männlichen Models war das hier zB einer derjenigen, den sie sich geholt haben:

Max Poschl

Max Poschl

Matt Poschl

Matt Poschl

Sein Körperfettgehalt dürfte eher niedriger als der der meisten Teilnehmerinnen sein.

Set-Insiderin: „Das Verhältnis zwischen dünnen und kurvigen Kandidatinnen stimmt einfach nicht“

Da verwundert es kaum noch, dass Sarah beim Oben-ohne-Shooting wegen ihres Körperbaus in Tränen ausbrach: „Ich finde mich eigentlich schrecklich“, weinte der Wuschelkopf verzweifelt. Angesichts solch krasser Sprüche verständlich. Erst recht, weil die klapperdürre Fraktion extrem in der Überzahl ist!

Wenn man bei GNTM wirklich auch kurvigen Mädchen eine Chance geben will, warum sind es dann nur so wenige. Das Verhältnis zwischen dünnen und kurvigen Kandidatinnen stimmt einfach nicht,
erklärt die Set-Insiderin. „Ich bin mir sicher, dass am Ende ein sehr dünnes Mädchen gewinnen wird.“

Ihr Unwohlsein mit ihrem Körper kommt auch nicht nur von dem Druck der anderen, sondern auch daher, dass sie weiß, dass sie eigentlich den weniger hübschen Körper hat.

In der Tat sollte ein sehr dünnes Mädchen gewinnen. Aber bei jeder Runde, bei der den schlanken Mädels gesagt wird, dass sie mehr an sich arbeiten müssen, um richtig gut auszusehen und die dickeren dies nicht tun müssen, wird man es eben immer ungerechter unter den anderen Kandidaten finden. Als rein politische Maßnahme, nicht als etwas, was den Wettbewerb gerechter macht.

Nun könnte man denken: ist doch nett! Vor allem die häufig unsicher wirkende Sarah hat schließlich etwas Support nötig. Doch: Heidis einseitige Unterstützung beschwört natürlich gleichzeitig den Unmut und Neid der Hungerhaken herauf. Provoziert die 44-Jährige mit dieser Masche ganz bewusst einen Zickenkrieg?

Der plötzliche Kurven-Hype sorgt laut OK!-Insidern nämlich für Verunsicherung bei den Kandidatinnen, denn auf den Dünnen lastet der Figur-Druck weiterhin schwer. Bei vielen dürfte noch Heidis Kritik der letzten Staffeln in den Ohren klingeln: „Deine Hüften sind zu breit“, nörgelte sie. Oder: „Das darf nicht so schwabbelig weich sein, das muss alles tipptopp in shape sein!“ Auch Heidis Gemecker in der ersten Folge, dass ein Busen beim Laufen nicht wackeln dürfte, lässt durchblicken, dass Pölsterchen eben nur bei den Ausnahmefällen en vogue sind.

Da wird dann der doppelte Standard, den so etwas oft mit sich bringt noch einmal ganz deutlich.

Es passt auch gut zu sonstigen Punkten einer typischen Quotendiskussion:

„Sie nehmen euch doch nichts weg, sie wollen nur, was ihnen zusteht“

–> Warum haben sie dann eine Sonderposition im Wettbewerb?

„Es werden nur die mittelmäßigen Anderen ausgesiebt, es wird also besser“

–> Was ändert das daran, dass der Wettbewerb für Mitglieder der anderen Gruppe härter wird und von ihr Leute früher ausscheiden

und so weiter.

 

 

Frauen werden am Arbeitsplatz eher von Frauen abgewertet

Ein interessanter Text dazu, ob Frauen eher von Frauen oder von Männer diskrimiert werden

The phenomenon of women discriminating against other women in the workplace — particularly as they rise in seniority — has long been documented as the “queen bee syndrome.” As women have increased their ranks in the workplace, most will admit to experiencing rude behavior and incivility.

Who is at fault for dishing out these mildly deviant behaviors? Has the syndrome grown more pervasive?

Studies show women report more incivility experiences overall than men, but we wanted to find out who was targeting women with rude remarks,” said Allison Gabriel, assistant professor of management and organizations in the University of Arizona’s Eller College of Management.

Es wird ja gerne angenommen, dass es eben Männer sein müssen gerade aus dem Feminismus, die dann gegen die Frauen agieren, weil dort eben das Denken in Gruppen sehr stark verbreitet ist.

Gabriel and her co-authors set out to answer that question across three studies. Men and women who were employed full time answered questions about the incivility they experienced at work during the last month. The questions were about co-workers who put them down or were condescending, made demeaning or derogatory remarks, ignored them in a meeting or addressed them in unprofessional terms. Each set of questions was answered twice, once for male co-workers and once for female co-workers.

Across the three studies, we found consistent evidence that women reported higher levels of incivility from other women than their male counterparts,” Gabriel said. “In other words, women are ruder to each other than they are to men, or than men are to women.

Frauen wären also untereinander eher gemein als sie es zu Männern wären und auch als Männer es zu Frauen wären.

Das kann ich mir durchaus gut vorstellen: Wenn ich mir so anschaue, wie viel Streitigkeiten und Feindseligkeiten mitunter so im Büro bei Frauen auftauchen und wer wieder gerade nicht mit wem kann, dann ist das mitunter wirklich erstaunlich. Und ich bekomme vieles davon noch nicht einmal mit.

“This isn’t to say men were off the hook or they weren’t engaging in these behaviors,” she noted. “But when we compared the average levels of incivility reported, female-instigated incivility was reported more often than male-instigated incivility by women in our three studies.”

Hier noch mal die Klarstellung: Natürlich gibt es auch entsprechendes von Männern, aber eben in geringerer Anzahl.

Participants also were asked to complete trait inventories of their personalities and behaviors to determine if there were any factors that contributed to women being treated uncivilly. The research showed that women who defied gender norms by being more assertive and dominant at work were more likely to be targeted by their female counterparts, compared to women who exhibited fewer of those traits.

Das könnte man vielleicht sogar teilweise in die feministische Theorie einbauen: Die Geschlechternormen stabilisieren sich selbst, indem Abweichlerinnen bestraft werden. Internalisierter Sexismus eben.

Man könnte aber auch darauf abstellen, dass in Frauengruppen häufig eine gewisse Gleichheit erzielt werden soll, die zu einem Krabbenkorbeffekt führen können, während Männer dann eher Hierarchien ausbilden und damit besser leben können. Das würde zu den evolutionären Gruppentheorien passen.

The researchers also found that when men acted assertive and warm — in general, not considered the norm for male behavior — they reported lower incivility from their male counterparts. This suggests men actually get a social credit for partially deviating from their gender stereotypes, a benefit that women are not afforded.

Das ist eben der Vorteil einer Hierachie. Sie lässt mehr Spielraum zu, weil es ja ein oben und unten gibt. Es ist gleichzeitig der Nachteil einer solchen. Es könnte aber auch daran liegen, dass Männer über so etwas eher hinwegsehen, weil sie evolutionär eher darauf ausgelegt sind, in Gruppen zusammenzuarbeiten zu müssen und Koalitionen zu schaffen, schlicht weil es für Großwildjagd und kriegerische Auseinandersetzungen aber auch für den Platz in der Hierarchie wichtig war.

“Companies should be asking, ‘What kinds of interventions can be put in place to really shift the narrative and reframe it?’” Gabriel said. “Making workplace interactions more positive and supportive for employees can go a long way toward creating a more positive, healthier environment that helps sustain the company in the long run. Organizations should make sure they also send signals that the ideas and opinions of all employees are valued, and that supporting others is crucial for business success — that is, acting assertively should not be viewed negatively, but as a positive way for employees to voice concerns and speak up.”

The study, “Further Understanding Incivility in the Workplace: The Effects of Gender, Agency and Communion,” is forthcoming in the Journal of Applied Psychology.

Hier noch einmal der Abstract der Studie:

Research conducted on workplace incivility-a low intensity form of deviant behavior-has generally shown that women report higher levels of incivility at work. However, to date, it is unclear as to whether women are primarily treated uncivilly by men (i.e., members of the socially dominant group/out-group) or other women (i.e., members of in-group) in organizations. In light of different theorizing surrounding gender and incivility, we examine whether women experience increased incivility from other women or men, and whether this effect is amplified for women who exhibit higher agency and less communion at work given that these traits and behaviors violate stereotypical gender norms. Across three complementary studies, results indicate that women report experiencing more incivility from other women than from men, with this effect being amplified for women who are more agentic at work. Further, agentic women who experience increased female-instigated incivility from their coworkers report lower well-being (job satisfaction, psychological vitality) and increased work withdrawal (turnover intentions). Theoretical implications tied to gender and incivility are discussed. (PsycINFO Database Record.

Interessanterweise verlagert der Feminismus diesen Streit um das richtige Verhalten aber dennoch auf die Mann-Frau-Ebene. Und versucht dort eine neue Norm zu schaffen, nach der dann eben entweder diejenigen, die sich nach den Geschlechternormen verhalten die „Schlechten“ sind oder es keine Norm mehr geben darf. Also eine Form des „wir sind alle gleich, auch wenn wir nicht gleich sind“. Das würde dann eigentlich durchaus in das Schema passen. Gerade wenn man dann noch den Feind nach außen verlagert: „es sind die Männer, die uns das auferlegt haben“.

 

Geschlechterdifferenzen bei Verletzungsspuren an prehistorischen Skeletten

„Warum hat mein Freund den Hintern von Emily Ratajkowski geliked?“

Ein Frau entdeckt, dass ihr Freund ein freizügigeres Foto einer Prominenten geliked hat:

My Instagram group chat with my two best friends was popping off this week. “Lmao at Chris liking this,” my friend Colin said to me. I opened the DM to find a photo @emrata, or model Emily Ratajkowski, had posted of herself on a boat with her butt looking good. See above for the post. Apparently Colin was going through @emrata’s feed, and because Instagram lists which of your friends has liked a photo, he saw my boyfriend Chris’ handle.

My immediate reaction wasn’t so much anger as it was confusion and dismay. Why did he like this photo? Is he so un-evolved that he can’t resist the allure of a butt pic? Obviously he liked the photo because he liked what he saw; I understand that, but I still don’t get it. It’s not like I’m afraid he’s going to leave me for @emrata, yet something about the action of his liking turns me off. At the core of my disdain, I think, is the fact that he likes models’ Instagram posts at all. Why like any celebrity’s photo? It’s not like @emrata saw his like and received a boost of serotonin from it. She wasn’t waiting around for him to see the photo, and probably isn’t even the one running her own Instagram. The same goes for all the Kardashians, Beyoncé, Selena Gomez, and Drake. Liking one of their pics is just sending a like into the void solely to boost their numbers.

I never like celebrities’ posts, other than Ina Garten. I save likes for people I know IRL and who I figure would derive joy out of the fact that I liked their photo. Celebrities don’t need me to acknowledge them, so I don’t. I might bookmark a photo, screenshot it, or send it to my friends to talk about, but I’ll never like

Es handelt sich um dieses Foto:

Emily Ratajkowski

Emily Ratajkowski

Emily Ratajkowski ist insbesondere durch ihren Auftritt in dem Video zu „Blurred Lines“ bekannt geworden

Und das wären die Autorin:

Ashley Carman

Ashley Carman

Ein Foto von Chris konnte ich leider nicht finden.

Die Antwort ist eigentlich recht einfach. Er fand das Foto gut und hat deswegen auf „Like“ geklickt.

So sagt er es zumindest selbst:

Chris, my boyfriend, who responded by text: “I didn’t really think about it; I just liked it.”

Ashley befragt einige Freunde, was sie dazu meinen. Einige der Antworten sind ganz interessant:

There’s a bit of a double standard when it comes to a woman double tapping a butt on Instagram, but when I was scrolling down my feed one morning after a lovely night with my boyfriend, my eyes stopped on that butt picture from @emrata. I’ll admit, I stared — probably for an unhealthy amount of time — but what was I really staring at? My boyfriend’s handle in the “xyz & 800,000 people liked this.” So sneaky, Instagram algorithm. Others might not agree, but I have a problem with this! I find it so Neanderthal-esque that men can’t help but have their fingers slip and double tap a big, almost naked butt. The entire concept of my boyfriend, or boyfriends in general, following random “fitness” girls and models they’ll never meet irks me. When they throw them a like is when it reaches another level of dumb for me. Not because I feel threatened, but because it’s such a simple thing to not do when you have a beautiful girl right in front of you!

Das macht einmal die sexuelle Konkurrenz deutlich und es wirft auch den Gedanken auf, dass

  • sie nicht gut genug ist und er eigentlich etwas anderes will
  • das er das auch nach außen kommuniziert, über den Like
  • das er von anderen Frauen schwärmt und nicht daran denkt, dass sie das verletzt und abwertet.

man kann es also direkt auf dem Schulz von Thunschen Kommunikationsquadrat analysieren:

  • Die Sach-Ebene beinhaltet die reinen Sachaussagen, Daten und Fakten, die in einer Nachricht enthalten sind.
    „Er mochte das Foto von Emily Ratajkowskis Hintern“
  • In der Selbstoffenbarung vermittelt der Sprecher bewusst oder unbewusst – etwas über sein Selbstverständnis, seine Motive, Werte, Emotionen etc.
    „Er mag andere junge Frauen mit schlanken Körper, großen Busen und straffen Hintern und möchte ihnen das mitteilen“
  • Auf der Beziehungs-Ebene wird ausgedrückt bzw. aufgenommen, wie der Sender zum Empfänger steht und was er von ihm hält.
    Es ist ihm egal oder er wollte sogar, dass ich das wahrnehmen konnte, vielleicht sendet er mir eine Botschaft, dass ich ihm nicht genug bin, vielleicht macht er deutlich, dass es ihn nicht interessiert, ob mich das verletzt etc
  • Der Appell beinhaltet einen Wunsch oder eine Handlungsaufforderung.
    „Sei wie Emily Ratajkowski und habe einen Hintern wie sie, dann werde ich dich auch wieder mögen

Das Desaster ist vorprogrammiert.

„Frauen fertig machen, Geld verdienen“

Bento hat aus meiner Sicht eine Vielzahl unglaublich schlechter, häufig feministischer Beiträge. In einem vermutlich von Pinkstinks inspirierten Artikel nimmt man sich der Sprache in Frauenmagazinen wie „Inside“ an.

Die „Inside“ titelt aktuell: „Die Dellen-Queens! Stars im Cellulite-Stress“.

Wider Erwarten ist das Blatt auch mit Inhalt gefüllt, es steht drin: „Schrumpel-Schreck: Fast alle Frauen haben Cellulite, aber Tara hat sie eben leider fast überall.“ Weiter: „Lästige Löcher! ‚Booty Shorts‘ heißen, wie sie heißen, weil sie den Blick auf das Heck freigeben – auch auf die Beulen im Lack.“

Titel der aktuellen "Inside"

Titel der aktuellen „Inside“ (Bild: bento / Nike Laurenz)

Weiter: „Krater-Kummer! Die ‚Gossip‘-Sängerin hat sich von ihrer Band getrennt. Die Krater an Armen und Beinen sind ihr geblieben.“ Weiter, falls noch jemand diese abscheulichen Alliterationen erträgt: „Hügel-Horror! Schenkel-Schande! Furchen-Fiasko! Wabbel-Wellen!“

In der Redaktion, die diese Zeilen in Druck gegeben hat, arbeiten wahrscheinlich Menschen. Menschen, darunter Frauen, die sich für dieses Heft offenbar entschieden haben, andere Frauen zu erniedrigen.

Mit eingängigen Wortneuschöpfungen wird hier auf hässliche Weise definiert, wann Frauen hässlich sind: wenn sie „böse Beulen“ haben oder „zerbeulte Beine“ oder „hinten Verdruss“.

Eine Erklärung hat man nicht. Man regt sich mit entsprechenden Fragen auf:

Die „Inside“ aber macht Geld mit dem Bloßstellen angeblich unperfekter Frauenkörper. Hoffentlich frage nicht nur ich mich:

  • Wen und was wollt ihr erreichen mit diesen Körperkommentaren?
  • Wie können Frauen, oder überhaupt Wesen mit einem Gewissen, diese Demütigungen auf das Äußere anderer Frauen zulassen?
  • Sollte das ein Kind sehen: Wie erkläre ich ihm anschließend, dass es genau richtig ist, so wie es ist? Dass verdammt noch einmal jedes Mitglied dieser Gesellschaft selbst entscheiden darf, wie es aussieht? 
Aus meiner Sicht ist das recht einfach aufzulösen:

  • Der Artikel soll ein „die da oben sind auch nicht besser als wir“ Gefühl erzeugen, mittels dessen Frauen sich besser fühlen, weil andere heruntergezogen werden.
  • Er ist insoweit ein „Gutfühlartikel“ innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz, der eine Hierarchie einreißen soll: Da oben die Hollywoodstars etc unten die Normalos. Hier sind die Hollywoodstars aber auch nur Normalos, die eben nur Photoshop nutzen und sogar noch hässlicher sind als viele andere Frauen.
  • Weil das ganze ein Lästern ist, bei dem die Abwertung gerade dazu dient, dass die anderen sich besser fühlen, verwendet es eine entsprechende Sprache, wie Frauen sie wahrscheinlich auch sonst beim Lästern unter Freundinnen verwenden

Ob man das in einer Zeitung drucken sollte wäre eine andere Frage. Das es Leser eines Klatsch und Tratsch Magazins, dass üblicherweise „Stars sind auch nur Menschen“ zum Thema hat, aber ebenso mit dem Motiv „Das tolle Leben der Promis“ spielt, wenn das eben passt, anspricht halte ich aber für sehr wahrscheinlich.

Auf Pinkstinks wettert man dazu:

Ist ja krass: Ungeschminkt sehen die meisten Menschen eher durschnittlich aus. Und an  alternden Frauen lassen sich Alterserscheinungen feststellen. Teufel noch eins, damit war nun wirklich nicht zu rechnen. Apropos Teufel: Wer könnte wohl dafür (mit)verantwortlich sein, dass der weibliche Körper als Versuchs- und Schlachtfeld für eine milliardenschwere Industrie herhalten muss. Kommst du selber drauf, Inside Magazin, oder musst du schnell noch durch die letzten deiner Ausgaben blättern?

Auch das scheint mir leicht erklärbar zu sein: Die Frauen wollen ihren Marktwert steigern und brauchend dazu Schönheitstipps. Sie mögen es gleichzeitig zu lesen, dass die ganz oben es auch nicht einfach haben und gar nicht so toll sind, was nicht das Ideal in Frage stellt, sondern es nur erreichbarer macht.

Aber es könnte mir doch egal sein, nicht?! Ich bin ja ein Mann und somit zwar auch zunehmend Schönheitszwängen ausgesetzt aber im Grunde bislang davon ziemlich unbehelligt geblieben. Mein Bauch ist kein „Horror“ und meine Falten kein „Desaster“.

Bei Männern ist eben anderes attraktiv. Auch der Körper, etwa mit Muskeln und Sixpack, aber eben insbesondere Status. Und auch da gibt es genug Druck und Lästerei-

Es ist mir aber nicht egal. Mit 110.000 Exemplaren wanzt du monatlich an Frauen an und erzählst ihnen, dass sie hässliche, wertlose Geschöpfe sind, aber mit diesem und jenem Produkt hier daran womöglich noch was machen könnten. In deiner Herzensgüte hättest du ihnen da schon mal „die heißesten Sommertrends“ zusammengestellt.

Das kann, nein das darf mir nicht egal sein. Und als wäre das nicht genug, gibt dein Verlag auch noch die Zeitschrift Mädchen heraus. Die ist zwar deutlich besser als du, aber letztendlich geht es da auch nur darum, welcher Disney-Prinz zur Leserin passt und wie viel Stalker angeblich in ihr steckt. Was das mit mir zu tun hat? Meine älteste Tochter wird in ein paar Wochen 12 und ist damit Zielgruppenmaterial für die Mädchen. Einer Zeitschrift, die sich genau wie du mit dem Attribut frechschmückt. Was habt ihr nur aus diesem schönen Wort gemacht? Hatte ich erwähnt, dass ich dich hasse?!

Wer hätte es gedacht, Verlage bringen Zeitschriften nicht nach Überzeugung, sondern verteilt nach den Interessen der Leserinnen heraus. Also nach dem, was am Markt abgenommen wird.