Empowerment, Sex und Feminismus

Im sexpositiven Feminismus wird freier Sex gerne als etwas gesehen, was die Geschlechterrollen durchbricht und für weibliche Freiheit steht:

Sex-positive feminism centers on the idea that sexual freedom is an essential component of women’s freedom. As such, sex-positive feminists oppose legal or social efforts to control sexual activities between consenting adults, whether these efforts are initiated by the government, other feminists, opponents of feminism, or any other institution.

Eine Frau, die viel Sex hat, wird daher als eine Frau wahrgenommen, die sich diese Freiheiten nimmt und dadurch stärker wird, eben „Empowered“ (gibt es da eigentlich eine Entsprechung im Deutschen?).

Frauen sollen natürlich auch schlafen mit wem und mit wie vielen Männern (oder Frauen)  sie wollen.

Allerdings sind die Effekte bei Frauen meiner Meinung nach andere als bei Männern, weil Sex bei Frauen anders funktioniert als bei Männern und mangels der gleichen Menge an Testosteron weniger auf Triebbefriedigung ausgelegt ist.

Das wird auch an drei Besprechungen der Duke Fuck List deutlich aus denen ich kurz zitieren will:

Mala Fide:

See, what you gals don’t get is that you can’t play the game like a man, unless you like losing. A woman proud of getting laid is like an alcoholic proud of getting drunk. Where you win is in securing the commitment of a man, something Karen Owen could not do.

 

Tucker Max:

She tried to make it sound like she was using these guys for her experiment, but that was only the explanation she tacked onto her actions afterwards. That’s not what was happening in the moment; no, at the time, it was the guys who were using her (…)

The only two guys she gave a 12/10 to are the two that treated her the least like a whore. Pretty much all the rest used her like a dishrag and tossed her out, and she subconsciously graded them lower because of it. The guy she graded the lowest is that one who didn’t kiss her, fucked her quickly and then left the bedroom, treating her like a prostitute.

What do you think that means when the lowest score goes to the guy who treats her like a hooker, and the highest goes to the one who treats her like a human? It means she wants affection and connection from her sex, except she doesn’t even realize it. She thinks she’s a participant in this game, but she’s not–she’s the one getting exploited, but she doesn’t understand her own emotions enough to see it and change her behavior. That the the opposite of being empowered. Here’s the deal: A woman can be sexually active and explore lots of men, and can do it in a way that is empowering–but the key to that is SELF-AWARENESS.

Roissy:

Failing to get laid is not how women are rejected; they are rejected when they don’t receive romance, love, and long term commitment from the men who fuck them. Most women under 25 with a slim and healthy 17-23 BMI profile have no trouble getting laid from the men they find attractive. Given that most young women can get sex fairly easily, falling into bed with a man, even high status men such as the Duke athletes targeted by Owen, is not much of an accomplishment. It’s like giving a trophy to a dog for being able to lick its own balls.

Now convincing these fly-by-nighter men to date, romance, introduce to their friends, spend money on, and marry the women they screw… that’s the real trick. And it is the measuring stick we should be applying to skank hos like Karen Owen. For by that metric, she and many others like her fail miserably

Sex ist bei Männern und Frauen eben etwas anderes. Das ist – wie in den Artikel auch schon dargestellt – keine Doppelstandard, sondern folgt einfach aus der unterschiedlichen Verfügbarkeit von Sex (siehe auch: Slut shaming – Männer, die viel Sex haben sind Helden, Frauen die viel Sex haben sind Schlampen?).

Kraft oder Befreiung einfach so mit Sex zu verbinden, ist aber etwas einfach gedacht. Ich meine, dass eine Frau gut daran tut, nicht einfach nur den Sex als befreiend anzusehen, sondern auch darauf zu achten, was sie damit wirklich erreichen will. Dazu muss man allerdings wohl auch einsehen, dass Mann und Frau zumindest im Schnitt nicht gleich sind, ein Punkt der gerade im sexpositiven Feminismus gerne vergessen wird.

Will sie in Wahrheit nicht einfach nur Sex, dann sollte sie auch überlegen, ob sie einfach so Sex anbietet. Die Einsicht, dass man eigentlich etwas anderes will, kann allerdings auch durch Ideologie erschwert werden (Beispiel: Jaclyn Friedman die als sexpositive Feministin meinte, dass sie sich durch Sex befreien kann, während ihr Text deutlich macht, dass sie eigentlich Bindung suchte.)

19 Gedanken zu “Empowerment, Sex und Feminismus

  1. Ich kann dir nur voll und ganz zustimmen. Nach meiner Erfahrung bedeutet Sex für Mann und Frau in der Regel etwas Anderes und hat andere Funktionen.

    Die Trennung von Sex und Liebe fällt meiner Erfahrung nach den Männern eindeutig leichter.

    Zwar können Frauen dies auch, jedoch um einen Preis. Ich weiß nicht inwiefern Bindungshormone hier einen Ausschlag geben, das kannst du ja einmal beleuchten.

    Letztlich hilft es keiner Frau wenn sie mit 100 Männern schläft finde ich. Wenn sie es will, soll sie es tun – so what? Was will sie damit bezwecken? Umgekehrt natürlich genauso. Was will er damit bezwecken? Ich verstehe das öffentliche Gedöns dahingehend nicht. Ich persönlich möchte keine promiskuitive Frau, ein anderer vielleicht schon. Umgekehrt dasselbe.

  2. (Ich glaube dieser Kontext ist zu deutsch um hier auch nur zu atmen, sagt mal Kinder: welche Bedingungen muessen denn Zufallsvariablen nun erfuellen, um gegen Gaussglocken zu konvergieren, werdet ihr das irgendwann herausfinden? Erklaer’s mir doch einfach, Christian.)

  3. Ich glaube, du hast den sexpositiven Feminismus etwas falsch verstanden, jedenfalls den welchen ich bis jetzt am häufigsten vertreten gesehen habe. Es geht nicht darum, dass Frauen mit möglichst vielen Männern schlafen sollen weil sie dann ach so schön befreit sind- sondern darum, dass sie es tun sollen wenn sie es WOLLEN (was auch eine gewisse Selbstreflektion voraussetzt). Es geht nicht darum, dass Sex für Frauen irgendeine „Errungenschaft“ sein soll, sondern dass sie es ohne Scham geniessen können. Karen Owens ist da kaum ein Vorbild.
    Im Schnitt empfinden Frauen und Männer Sex unterschiedlich. Aber neben dem Schnitt gibt es noch ein nicht kleiner Anteil, der eben anderst empfindet. Ausserdem gibt es kurz- und langfristige Bedürfnisse. Viele Frauen haben kurzfristig ebenso einfach Lust auf Sex, auch wenn sie langfristig Bindung wollen. Übrigens wünschen sich die meisten Männer nach meiner Erfahrung durchaus Bindung, auch wenn sie für bindungslosen Sex offener sind als die meisten Frauen.
    Ein Doppelstandard existiert, denn auch wenn man in Betracht zieht dass Sex für Männer und Frauen im Schnitt anderst ist, so geht die unterschiedliche Beurteilung weit über das hormonell erklärbare hinaus.

  4. „Es geht nicht darum, dass Frauen mit möglichst vielen Männern schlafen sollen weil sie dann ach so schön befreit sind- sondern darum, dass sie es tun sollen wenn sie es WOLLEN (was auch eine gewisse Selbstreflektion voraussetzt).“

    Vielleicht sind es nur Nebeneffekte. Aber ich habe schon das Gefühl, dass im sexpositiven Feminismus – vielleicht auch nur als Ausdruck, dass man wirklich kein Problem mit Sex hat – eine gewisse Häufigkeit erwartet wird.
    Das wird zB für mich in „My Sluthood, Myself“ von Jaclyn Friedman deutlich.
    Da macht sie deutlich, dass man von der Meinung wegkommen sollte, dass die eigene Partneranzahl zu hoch ist und Befreiung in One-Night-Stands finden sollte. Wichtig sei auch, andere Frauen für solch Verhalten ausdrücklich zu loben und sie darin zu unterstützen.
    Susan Walsh hat die diesbezüglichen Gefahren in „Deconstructing the Sluthood of Jaclyn Friedman“ meiner Meinung nach schön analysiert, worauf sich ein wütender feministischer Sturm über ihr zusammenbraute.

    „Aber neben dem Schnitt gibt es noch ein nicht kleiner Anteil, der eben anders empfindet.“

    Dem würde ich grundsätzlich zustimmen. Über die Frage, wie groß der Anteil ist könnte man dann streiten

    „Viele Frauen haben kurzfristig ebenso einfach Lust auf Sex, auch wenn sie langfristig Bindung wollen.“

    Natürlich. Sonst gäbe es ja keine One-Night-Stands. Viele werden aber auch da entweder eine hohe Attraktivität (körperlich oder nichtkörperlich) oder einen gewissen Vertrautheitsaspekt (Absturz im Bekanntenkreis) haben wollen.

    „Übrigens wünschen sich die meisten Männer nach meiner Erfahrung durchaus Bindung“

    Kein Widerspruch von meiner Seite.

    „Ein Doppelstandard existiert, denn auch wenn man in Betracht zieht dass Sex für Männer und Frauen im Schnitt anderst ist, so geht die unterschiedliche Beurteilung weit über das hormonell erklärbare hinaus.“

    Ich hatte zu den verschiedenen Bewertungen ja auch schon etwas in dem oben verlinkten „Slut Shaming“-Artikel gesagt.

  5. Susan Walsh hat nicht nur auf Gefahren higewiesen, aus ihrem Text geht ziemlich klar hervor dass sie diese negativen Kosequenzen für promiske Frauen wünscht. Es liest sich, als hätte sie Spass daran eine Frau, welche im Leben nicht sonderlich viel Glück hatte und nun endlich Selbstbewusstsein gefunden hat, zu erniedrigen. Ausserdem ist schon die erste Passage nicht sonderlich überzeugend. Eine Frau, welche eine feste Beziehung will steht doch nicht Konkurrenz zu Frauen, welche casual Sex wollen. Ausser sie findet sich mit einem Mann ab der sie nur für Sex braucht, und das dürfte kaum eine glückliche Beziehung werden.

    „Da macht sie deutlich, dass man von der Meinung wegkommen sollte, dass die eigene Partneranzahl zu hoch ist und Befreiung in One-Night-Stands finden sollte.“

    Viele Frauen werden, wenn sie ihr Selbstwertgefühl nicht mehr daran festmachen möglichst wenige Sexpartner gehabt zu haben, auch eine höhere Partneranzahl haben.

    „It’s a choice we should all have access to because it has the POTENTIAL to be liberating. Healing. Soul-fulfilling. I’m telling you this because sluthood saved me, in a small but life-altering way, and I want it to be available to you IF YOU EVER THINK IT COULD SAVE YOU, too.“

    Ich lese daraus nicht, dass Frauen generell in ONS befreiung finden sollen.

  6. @Sina

    „Susan Walsh hat nicht nur auf Gefahren higewiesen, aus ihrem Text geht ziemlich klar hervor dass sie diese negativen Kosequenzen für promiske Frauen wünscht. “

    In welchen Textpassagen wird dieser Wunsch für dich deutlich?

    „Es liest sich, als hätte sie Spass daran eine Frau, welche im Leben nicht sonderlich viel Glück hatte und nun endlich Selbstbewusstsein gefunden hat, zu erniedrigen.“

    Selbstbewußtsein? Haben wir den gleichen Text gelesen?

    n other ways, too, sluthood isn’t always pretty, and I’m not always good at it. Whether from years of habit or something more intrinsic to my personality, my heart seems to want to attach, and after a couple months of playing together casually, and having long, rangey talks naked in bed together between rolls in the hay, it started to with B. Neither of us handled it particularly well. There were tears; there were accusations.

    Sie will eine Beziehung und findet keine. Sie sieht selbst, dass sie anhänglich wird. Und sie meint, dass der beste Weg ist, weiterhin eine Schlampe zu sein, etwas von dem sie selbst meint, dass es ihr weh tut. Ich sehe da kein tatsächliches Selbstvertrauen.

    „Ausserdem ist schon die erste Passage nicht sonderlich überzeugend. Eine Frau, welche eine feste Beziehung will steht doch nicht Konkurrenz zu Frauen, welche casual Sex wollen. Ausser sie findet sich mit einem Mann ab der sie nur für Sex braucht, und das dürfte kaum eine glückliche Beziehung werden.“

    Wie man es sieht. Um so verfügbarer Sex einfach so wird um so eher kann man als Mann aufspalten in Sex und Freundin.

    „Viele Frauen werden, wenn sie ihr Selbstwertgefühl nicht mehr daran festmachen möglichst wenige Sexpartner gehabt zu haben, auch eine höhere Partneranzahl haben.“

    Klar. Ich will auch wahrhaftig keine ewigen Jungfrauen. Man sollte sich nur überlegen, ob es einem gut tut. Ich glaube, dass es weder Jacyln noch Owen wirklich gut getan hat.

    „Ich lese daraus nicht, dass Frauen generell in ONS befreiung finden sollen.“

    Ich glaube, dass sie sich ein Konzept aufzwängt, dass sie eigentlich gar nicht leben will, weil sie die Unterschiede nicht begreift. Noch nicht einmal der Sex hat ihr ja die Anerkennung und Bestätigung gebracht, die sie eigentlich wollte. Ich denke es ist eine sehr schlechte Ersatzbefriedigung für etwas was sie eigentlich will, nämlich jemanden, der sie um ihrer selbst willen liebt und nicht nur die Stunde, in der er Sex mit ihr hat.

    Susan hat ja die passenden Hormone aufgeführt, die eine Bindung bewirken. Die Wirkung dieser ist gut dokumentiert und keine Erfindung von ihr.

    Ich will damit nicht sagen, dass Sex einfach so nichts für Frauen ist. Aber man sollte überlegen, ob man wirklich Lust hat oder nur den Egopush braucht, dass einen jemand begehrt. Wie die beispiele zeigen kann dabei schnell das Gefühl übrig bleiben, dass man nur benutzt wurde.

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