Jochen König: „Vätern, die nicht mindestens 7 Monate Elternzeit nehmen, das Sorgerecht aberkennen“

Der männliche Feminist Jochen König will Väter zwingen mal endlich nicht mehr faul zu sein und so etwas einfaches wie die Erwerbsarbeit zu machen, während die Frauen hart Kinder betreuen und plädiert dafür, dass man ihnen das Sorgerecht aberkennt, wenn sie nicht mindestens 7 Monate Elternzeit nehmen.

Zu seiner Situation führt er aus:

Meine kleine Tochter hat drei Eltern. Mit keiner der beiden anderen Elternteile war ich in einer Liebesbeziehung. Seit ihrer Geburt kümmern wir uns um sie zu dritt auf Basis unserer gemeinsamen Freundschaft. In der Krise verteilt sich die Last auf vielen Schultern. Trotzdem ist das alles auch für uns eine große Herausforderung. An vielen Tagen versuche ich verzweifelt, Homeoffice, Homeschooling und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen. Ich bin Bereichsleiter in einem sozialen Unternehmen und wenn wir uns zur Leitungsrunde in der Videokonferenz treffen, bin ich der Einzige, bei dem Kinder im Hintergrund durchs Bild laufen. Die Kinder der anderen Väter werden in der Zeit von den jeweiligen Müttern betreut. Mütter mit kleinen Kindern sind auf dieser Hierarchieebene gar nicht erst vertreten. Mehr noch als vorher muss ich – wie die Mehrzahl der Mütter – beruflich mit Männern konkurrieren, die wesentlich mehr Zeit und Energie in ihre Karrieren investieren können als ich.

Wenn ich es richtig verstehe, dann hat er sich von seiner – anscheinend eher auf Karriere fixierten Freundin getrennt oder sie von ihm und zieht jetzt sein Kind zusammen mit einem lesbischen Paar groß. 

Drei Elternteile und ein Kind – da muss der Alltag gut organisiert sein, zumal die beiden Mütter nicht zusammen wohnen. Sechs Tage verbringt das Kind bei seinem Vater, sechs Tage bei der einen Mutter und zwei Tage bei der zweiten Mutter. Große Entscheidungen treffen sie gemeinsam: In welche Kita soll das Kind gehen, welche Schule soll es mal werden? Aber sie würden nicht alles ausdiskutieren, sagt Jochen. Kinder könnten es gut kompensieren, wenn nicht jeder Haushalt nach den gleichen Regeln liefe.

Er betreibt also eine Art Wechselmodell, bei dem er der einzige mit Sorgerecht sein dürfte, auch wenn es anders gelebt wird. Ein Modell, welches anscheinend für ihn klappt aber welches ja so für die allerwenigsten funktionieren dürfte.

Es ist eine gute Frage, warum es ihm so auf die Nerven geht, dass andere ihr Leben anders aufteilen, dass er sie bestrafen möchte. Er verlagert immerhin von 14 Tagen 8 auf Fremde, die mit dem Kind erst einmal nichts zu tun haben und bringt sie für seinen Vorteil sogar noch um Rente und Gehalt in ihrer Karriere. In einer Ehe bekommt der Partner immerhin für diese Freistellung einiges von dem anderen ab. Hier scheinen die anderen beiden leer auszugehen und er die Vorteile dieses Deals einzustreichen.

Er schreibt:

Vielleicht ist es an der Zeit, die Strategie zu wechseln. Statt Väter mit immer neuen Angeboten zu locken, könnten einfach diejenigen gestärkt werden, die sich tatsächlich um ihre Kinder kümmern. Die Familienpolitik könnte aufhören, einem Ideal von innerfamiliärer Gleichberechtigung hinterherzuhecheln, zu dem Väter seit Jahrzehnten ihren Anteil beharrlich verweigern. Vielleicht sind Väter in heterosexuellen Kleinfamilien einfach nicht immer dafür gemacht, Verantwortung zu tragen und ihren Teil der Arbeit zu übernehmen.

Wer Vollzeit arbeitet und nicht mindestens sieben Monate in Elternzeit geht, könnte beispielsweise grundsätzlich das Sorgerecht verlieren. Wer sich auf diese Weise unsolidarisch gegenüber dem anderen Elternteil und den eigenen Kindern verhält, hat nichts mitzuentscheiden. Vielleicht würde das etwas mehr Väter motivieren, in der Familie aktiver zu sein. Damit Mütter dann allerdings im wahrscheinlicheren Fall nicht allein dastehen, müssten zusätzlich größere Elternnetzwerke gefördert und gestärkt werden.

Allein aufgrund seiner eigenen Historie hätte er ja eigentlich den Artikel auch vollkommen geschlechtsneutral halten können. Aber er scheint einen gewissen Hass auf Leute entwickelt zu haben, die keine Kinderbetreuung übernehmen, sondern lieber die Versorgung übernehmen.
Das Männer ihren „Anteil beharrlich verweigern“ ist auch lustig wenn die meisten davon mit den betreuenden Frauen gemeinsame Kasse machen und über Unterhalt, Zugewinn und Versorgungsausgleich davon profitieren.

Statt mit der Ehe ungleiche Aufgabenteilungen staatlich zu subventionieren, könnten Zusammenschlüsse von Menschen gefördert werden, die sich solidarisch und gemeinsam kümmern. Neben der Investition in Zukunftstechnologien jenseits der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen könnte ein Corona-Konjunkturpaket eine Innovationsprämie für zukunftsfähige Familienmodelle jenseits der Abhängigkeit von Vätern enthalten.

Ah, er will also die Förderung seines Lebensentwurfes. Wäre interessant, wie er sich das vorstellt. Anscheinend soll ja der Staat was an die Betreuenden zahlen. Und nicht die blöden normalen Familien mit ihrem  Ausbeutern, die „nur“ das Geld (und die Betreuung nach der Arbeit und am Wochenende) einbringen. Ganz schlimm so etwas. Die haben echt kein Sorgerecht verdient. Sondern nur innovative Konzepte wie das seine.

Aber mal weg von seinem Fall:
Was geht es ihn tatsächlich an, wie Leute ihre Betreuung einteilen wollen? Uns geht es ja auch nicht an, wenn er eine Ko-Elternschaft mit Freunden betreibt, solange es dem Kind dabei gut geht.
Natürlich gibt es auch genug Konstellationen, bei denen es durchaus schwierig ist die 7 Monate zu nehmen. Von der Hausfrau, die Hausfrau sein möchte und bei denen dann wenn er lange aussetzt dann schlicht das Geld nicht reinkommt. Über den Selbständigen, der es sich schlicht nicht erlauben kann, dass er 7 Monate nicht arbeitet und damit sein Unternehmen gefährdet. Bis zu anderen großen Gehaltsunterschieden, die ein solches Aussetzen uninteressant machen.

Und mit welchem Recht überhaupt das Sorgerecht aberkennen und was soll das bringen? Ist es dann auf immer weg oder kann man danach einfach wieder eine Sorgeerklärung abgeben bzw einen Antrag bei Gericht stellen, bei dem der Partner vollauf einverstanden ist?
Aus meiner Sicht wäre so etwas noch nicht einmal verfassungsmäßig.

Insofern ein wenig durchdachter Artikel, der mir eher damit zusammen zu hängen scheint, dass jemand irgendwie eifersüchtig ist.

Mütter bewerten Weinerlichkeit bei Jungs negativer, dafür Ärger bei Mädchen positiver. Väter eher Neutral

Eine interessante Studie hat sich der Frage angenommen, wie Väter und Mütter auf heulende Kinder, und zwar getrennt nach Söhnen und Töchtern, reagieren.

This study examined mothers’ and fathers’ (N = 102) beliefs about emotion and emotion expression in boys and girls aged 8 to 12 years using a mixed-methods design. Parents attended two focus group sessions 2 weeks apart. A thematic analysis of the group transcripts resulted in six themes: value in the experience and expression of emotion, vulnerability in the experience and expression of emotion, multiple influences on children’s learning about emotion, distinct expectations for emotion displays at home versus in public, gender roles influence emotion expectations, and generational shift in emotion-related expectations. Identified themes were consistent with previous research, yet new themes emerged relevant to gender and gender roles within society. Implications of gender-related roles and expectancies are discussed.

Quelle: A Thematic Analysis of Parents’ Gendered Beliefs About Emotion in Middle Childhood Boys and Girls

Aus einem Artikel zu der Studie:

Fathers want their sons to toughen up in moments of sadness, while mothers are much more likely to encourage them to express their emotions – at least that’s what gender stereotypes would lead us to think.

But a new study conducted by researchers at the University of Guelph suggests that moms, not dads, may be the ones implicitly perpetuating the gender stereotype that boys don’t cry.

Also scheint es nach der Studie so zu sein, dass eher Mütter das Klischee unterstützen statt den Vätern.

Das ist natürlich vor dem Hintergrund der Debatte über „Toxische Männlichkeit“ und „was macht ihr Männer eigentlich um gegen toxische Männlichkeit zu kämpfen“ durchaus interessant.

“We expected that both moms and dads would favour girls crying over boys crying. That’s based on the stereotype that boys shouldn’t cry,” said psychology professor Kristel Thomassin, who conducted the study published last month in the Canadian Journal of Behavioural Science. “We did find that – but only for moms.”

Natürlich ist es immer – wie auch im Text weiter ausgeführt – die Frage, ob man die Studie auf das tatsächliche Leben übertragen kann.

Almost 600 parents from Canada and the United States participated in the study. After completing a test to measure their latent attitudes toward emotional expression, study participants were shown images of children between the ages of 8 and 12 conveying either sadness or anger. The participants were then told to sort each image into either a “pleasant” or “unpleasant” category.

While fathers generally showed no gender bias when it came to displaying sadness or anger, the study found that mothers favoured girls crying over boys crying and had a similar bias when it came to anger.

“Moms actually think that girls expressing anger is more pleasant or more acceptable than boys expressing anger,” Prof. Thomassin said.

Also die Mädchen können bei Frauen eher wütend sein, die Jungs aber nicht weinerlich. Männer hingegen sind da weniger vorurteilshaftbelastet.

The findings could reflect the participants’ actual beliefs. Another hypothesis is that they simply reflect their awareness of, and responsiveness to, cultural stereotypes, Prof. Thomassin said.

“It’s more acceptable for women or girls in general to be more emotionally expressive than boys, no matter what the emotion is,” she said.

Auch da würde sich dann aber ein erheblicher Unterschied zeigen, der dann wiederum hauptsächlich bei den Müttern besteht.

 

It’s likely that many mothers in the study may have found images of boys crying to be “unpleasant” because they know that, no matter how unfair it may be, boys who do so are likely to be teased and bullied by their peers, Prof. Thomassin said.

Warum sollte das nur bei der Mutter der Fall sein? Der Vater müsste dieses Wissen ja sogar noch eher haben.

Edeka: Danke Mama, dass du nicht Papa bist

Was hat sich Edeka dabei gedacht? Klar, vielleicht einfach nur, dass auch schlechte Werbung gute Werbung ist, wenn sei Viral geht (zur Zeit der Erstellung: 361.792 Aufrufe). Aber muss man dazu eine so nachhaltig negative Werbung machen, die Väter in dieser Weise abwertet? Und meint man, dass das bei Frauen gut ankommt?

Edeka dazu:

Das Unternehmen selbst fühlt sich bei dem Video vor allem falsch verstanden: „Mit unserem Online Film ,Wir sagen Danke‘ möchten wir Väter keinesfalls schlecht darstellen, sondern etwas überspitzt und auf humorvolle Art und Weise allen Müttern anlässlich des Muttertags Danke sagen.“ Die negativen Kommentare will man derzeit noch nicht als Shitstorm bewerten: „Wir freuen uns, dass das Video auf eine hohe Resonanz stößt. Für eine Bewertung ist es aber aktuell noch zu früh.

Mal wieder: Es ist Satire.

Reformen im Unterhaltsrecht

Die Medien berichten über geplante Reformen im Unterhaltsrecht:

„Immer häufiger wollen sich nach der Trennung beide Elternteile weiter um das Kind kümmern. Das heißt, auch die Väter wollen weiter die Erziehungsverantwortung tragen. Und das ist etwas Gutes“, sagte Giffey der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstag).

Es dürfe nicht sein, „dass der Vater den vollen Unterhalt zahlen muss, auch wenn das Kind viel Zeit bei ihm verbringt und sogar ein eigenes Zimmer bei ihm hat“, sagte Giffey. „Wir müssen das Recht hier der gesellschaftlichen Realität anpassen.“ Notwendig seien eine Reform des Sorge- und Umgangsrechts und Änderungen im Unterhaltsrecht, die möglichst viel Flexibilität für verschiedene Betreuungsmodelle ließen.

Die SPD-Politikerin sprach sich gegen Forderungen der FDP nach einem sogenannten Wechselmodell für Trennungskinder aus, wonach das Kind eine Woche bei der Mutter und eine Woche beim Vater verbringen soll. „Jedes Elternpaar muss den richtigen Weg dafür finden. Bei manchen funktioniert das Wechselmodell gut. Bei anderen geht es gar nicht, da gibt es jede Woche ein Drama“, sagte Giffey. Der Staat könne dafür keine allgemeinverbindliche Lösung vorschreiben.

Mütterverbände üben Kritik daran:

Viele alleinerziehende Mütter empfinden es als ungerecht, dass Väter entlastet werden sollen, obwohl ein erheblicher Teil ihren Pflichten gar nicht nachkommt: 450000 Alleinerziehende waren im vorigen Jahr von Unterhaltsprellungen betroffen. Das bedeutet, etwa jedes zweite Elternteil zahlt keine oder zu wenig Alimente für das gemeinsame Kind. Ein zusätzliches Armutsrisiko für alleinerziehende Frauen: Nur gut ein Drittel dieser Gruppe arbeitet Vollzeit. Laut Statistischem Bundesamt tun dies aber 94 Prozent der betroffenen Männer. In Anbetracht dieser Zahlen sei Giffeys Vorstoß „ein Schlag ins Gesicht jeder Alleinerziehenden*“, schreibt beispielsweise die Twitter-Userin „Lena“. „Mutterseelesonnig“ klagt: „Liebe Frau #Giffey, wenn Papi künftig weniger Unterhalt zahlt, weil er ein Zimmer für die Kinder hat, werden dann Klassenfahrten und Sportschuhe günstiger, oder müssen dann Familiengerichte klären, wer das Schulobst zahlt?“

Verkannt wird natürlich, dass die Mutter wenn der Vater das Kind zu einem gewissen Teil betreut eben auch Zeit hat einer Arbeit nachzugehen.

Und natürlich ist der Vorhalt der Unterhaltsprellung auch kaum haltbar, weil dafür eben Leistungsfähigkeit bestehen müsste.

Weitere Stimmen aus dem zuvor zitierten Artikel:

Der Verband allein erziehender Mütter und Väter (VAMV) fordert, die Unterhaltsverpflichtung für Väter nur zu kürzen, wenn sichergestellt ist, dass Mütter durch die zusätzliche Betreuungsleistung der Väter auch tatsächlich etwas sparten. Frauen hätten es nach einer Trennung in der Regel schwerer für sich und die Kinder zu sorgen, zumal sie oft in schlechter bezahlten Branchen arbeiteten. In jedem Fall bräuchte es Übergangsfristen, damit Mütter Zeit hätten, sich beruflich wieder zu etablieren.

Erstaunlich ist immer, dass zugleich beklagt wird, dass Frauen nicht genug Rente beziehen werden und auch sonst nicht über genug Geld verfügen aber die Idee, dass man das nur ändern kann, wenn sie arbeiten, dennoch entsetzen hervorruft.

 

Anderes Spielen mit Kindern bei Männern und Frauen

Wir sind bei Freunden mit kleinen Kindern zu Besuch. Die Kinder wollen beschäftigt werden und ich weiß schon aus früheren Besuchen, dass die 5-jährige gerne „Fliegt“ indem ihr Vater sie fast etwas in die Luft wirft, jedenfalls aber an den Armen hoch zieht. Da der Vater dann irgendwann weg muss, weil er zur Arbeit muss,  braucht das Kind einen neuen, der dies übernimmt. Also fliegt es jetzt eben mit mir.

Südländerin schaut etwas besorgt, das Kind jauchzt aber glücklich.

Die Mutter sagt zu Südländerin:

„Das ist auch etwas, was man als Mutter lernen muss. Männer und Frauen spielen anders mit Kindern. Und beide Arten sind okay. Es ist okay, wenn der eine auch mal etwas macht, bei dem man denkt, dass es zu wild ist und man es selbst nicht so machen würde. Es ist gut, wenn die Kinder beide Arten kennen lernen“

(Bei ihr klang es noch etwas besser, aber so dem Grunde nach).

Erinnerte mich etwas an diese Erfahrung, wo auch ein Kind sehr sehr ängstlich war und die Mutter äußerst beschützend. Auch hier gilt natürlich, dass es nur eine Betrachtung über den Schnitt ist und es sicherlich auch genug Mütter gibt, die das anders machen und sicherlich auch Väter, die vorsichtiger sind oder eben zu unvorsichtig.

 ich würde interessieren, wie ihr das seht: Sind Mütter im Schnitt „schützender“ und Väter eher die, die auch mal etwas weiter gehen?

 

Ein Vollzeitvater und seine Erfahrungen

Im Focus berichtet ein Vater von seinem Versuch Hausmann zu sein, während seine Frau das Geld verdient:

Er schildert beispielsweise das, was auch viele Frauen beklagen: Die Selbstverständlichkeit mit der bestimmte Leistungen entgegengenommen werden:

Am Anfang war alles ein Spiel: aufstehen, alle aufwecken, den Morgenbrei kochen, die Tochter für die Schule „parat machen“, mit dem Sohn ein wenig schwatzen, während ich den ersten Kaffee trank. Anschließend folgten all die täglichen Arbeiten eines Hausmannes wie Ordnung machen, Wäsche waschen, Staubsaugen, Schrubben, Kochen, Helfen bei den Hausaufgaben, Geschichten erzählen und Spielen mit den Kindern. Einfach „da sein“. Selbst wenn die Kinder die Läuse haben…

Aber bald wurde mir klar: Die Auswirkung meines Planens und Handelns ließen sich nicht beweisen. Du kannst noch so gut kochen, das Essen wird mit einer gewissen alltäglichen Selbstverständlichkeit hinuntergeschlungen. Du kannst noch so penibel aufräumen und putzen, eine Viertelstunde später ist wieder alles dreckig oder durcheinander. Du kannst dich noch so gut um jedes einzelne Familienmitglied kümmern, allmählich wirst du zum Faktotum, das niemand mehr wahrnimmt.

Und niemand sagt dir wirklich „Danke“ – von Herzen, meine ich. Was du erhältst, ist ein alltägliches Danke, ein hingeworfenes Unterpfand für deine pflichtschuldig geleisteten Dienste. Ich verstand auf einmal die alltägliche und stets präsente Müdigkeit meiner Mutter, die ihr ganzes Leben lang als Hausfrau gearbeitet hatte.

Das ist sicherlich etwas, was man häufiger hört. (Wobei es im Büro ja häufig nicht anders ist, auch da wird schlicht erwartet, dass man seinen Job macht, aber man geht in der Familie eben noch anders miteinander um).

Der nächste Absatz ist hoch interessant:

Ich wusste, ich war privilegiert: Meine Frau finanzierte alles, ohne sie hätte ich dies gar nicht unternehmen können. Ich war privilegiert, weil meine Frau sich auf dieses „Experiment“ – wie sie es bezeichnete – eingelassen hatte. Und sie war privilegiert, weil sie sich ganz auf ihre Arbeit konzentrieren konnte und umsorgt wurde, so gut ein Mann „umsorgen“ kann.

Was meinen Traum vom Hausmann-Dasein beflügelt hatte, war die Aussicht, mehr Freiheit zu haben. Für mich hieß das, an meinen Gedichten schreiben zu können. Und ich erhielt diese Freiheit zur Genüge.

Ein Mann sieht etwas als Privileg, was häufig gleichzeitig als Unterdrückung der Frau gesehen wird und viele würden ihm da wohl durchaus zustimmen, wenn er es als Mann sagt.

Er berichtet aber auch von kritischen Reaktionen:

Auf den Spielplätzen allerdings traf ich auf die Mütter: eine andere Art Mensch. Sie blickten mich argwöhnisch und kritisch an. Ich verhielt mich meinem Kind gegenüber anders als sie: Mein Sohn durfte mehr (dreckeln), wurde selten zurechtgewiesen (allerdings sofort, wenn es um den Besitz anderer Kinder ging), wurde mit Ironie und Witzen getröstet, wenn er sich wieder mal das Knie geschürft hatte. Einmal schimpfte mich eine Mutter regelrecht aus, weil ich meinen Sohn eine Minute länger als in der Schweiz üblich (oder so) sich im Dreck wälzen ließ, weil er eine fünfte Reiswaffel mit Schoggiguss nicht erhalten hatte. „Was für ein herzloser Mensch sind Sie denn?“

Ich könnte Tausende solche Geschichten der Verwunderung und Befremdung erzählen. Von den Kommentaren und dem bewundernden Mitleid der Arbeitskolleginnen und -kollegen meiner Frau. Oder von der Besorgnis (um meine seelische Gesundheit?) in den Blicken meiner besten Freunde.

Hier könnte man eine Form des „Womansplaining“ ausmachen: Sie meinen weil er ein Mann ist wisse er weniger über Erziehung als sie und belehren ihn.

Er merkt einen Wandel, auch in seiner Beziehung:

Ja, ich war ganz und gar Hausmann geworden. So weit, dass man mich als Zwitter hätte bezeichnen können. Ich war weder Mann noch Frau. Doch gab es noch Überreste männlichen Handelns: So konnte ich beim besten Willen nicht nachvollziehen, wie wichtig es meiner Frau war, dass die Kissen in einer Art dekorativer Habachtstellung auf der Couch „standen“, oder weshalb mein Sohn jeden Tag eine neue Hose anziehen sollte, die ja sowieso in den ersten zehn Minuten nach Ankunft auf dem Spielplatz eingedreckt würde…

Meine Frau hatte Mühe, mich zu begehren

Und im dritten Jahr wurde auch deutlich, wie diese neue Rolle sich auf die Beziehung ausgewirkt hatte. Meine Frau hatte Mühe, mich – das Faktotum – als Mann zu sehen, mich als Mann anzunehmen und, ja, zu begehren. Sie wünschte sich einen Mann, der „voll und ganz im Leben“ steht. Sie wünschte sich einen Mann, auf den sie „stolz“ zeigen könne.

Eigentlich ja ganz Feminismuskompatibel der erste Teil: Er bricht aus den Geschlechterrollen aus und ist damit quasi „nonbinary“, ein Enby. Aber anscheinend lässt er sich auch etwas dabei gehen und tritt anscheinend auch anders auf. Er erlebt etwas, was in der feministischen Theorie so gar nicht vorkommt: Anforderungen der Frauen an den Mann, sich wie ein Mann zu benehmen. Und Begehren für Männlichkeit. „Voll und Ganz im Leben steht“ ist dann eine interessante Klausel, von denen es viele gibt: der „echte Mann“, der Mann, der eine Familie ernähren kann etc.

Natürlich ist es schwer zu beurteilen, ob das dann tatsächlich der Grund für das Scheitern war. Wir kennen ja nur seine Seite. Aber es ist insofern eine interessante Perspektive

Was hält japanische Männer ab, Elternzeit zu nehmen?

Ein Artikel legt dar, warum japanische Männer nach wie vor sehr selten zur Kinderbetreuung aussetzen:

Japan has one of the most generous paternity-leave policies among developed countries, but a look around the average Japanese office might not seem that way. Only about 2% to 3% of men in Japan take their allotted parental leave, and last year, a politician became the first ever in the country to take paternity leave.

Also noch ein sehr wenig genutzer Bereich für Männer.

According to a recent study by researchers at Kyushu University published in the peer-reviewed journal Frontiers in Psychology, peer pressure—or rather the perception of it—plays a big role in deterring Japanese men from taking time off after having a child. The study found that men wanted to take paternity leave regardless of others’ perceived positive or negative attitudes about it—meaning that any decision not to take paternity leave was due to a “perceived group norm,” and that the perception others have a negative attitude toward it is an “inaccurate assumption.”

„Das Patriarchat schadet auch Männern“ würde man im Feminismus hier sagen. Dabei aber nicht beachten, dass es eben auch die Wertungen von Frauen sind, die dabei eine Rolle spielen und das Männer damit das Gefühl haben, dass sie in der intrasexuellen Konkurrenz um Rang und Status, der gerade im Wettbewerb um Frauen eine Rolle spielt, zurückfallen.

“[O]ur findings suggest that the social issue of paternity leave in Japan is characterized by pluralistic ignorance,” said the study, which surveyed 299 married, working men between 20 and 49 years old. The authors define pluralistic ignorance as a “situation in which almost all members of a group privately reject group norms, yet believe that virtually all other group members accept them.”

Also viele Männer meinen, dass ein Vater Elternzeit nehmen können sollte und dass das kein Problem sein sollte, aber sie glauben dennoch, dass sie damit in den Augen anderer an „Wert“ verlieren.

Ich finde das nicht so ungewöhnlich, denn beide Bewertungen sind ja durchaus unabhängig voneinander. An einem Beispiel aus einem anderen Bereich ist es denke ich besser zu verstehen:

Die meisten Leute werden auch vertreten, dass eine Frau nicht super sportlich und schlank sein muss, sondern es vollkommen okay ist, wenn sie sich was gönnt und etwas zulegt. Gleichzeitig finden sie schlanke und sportliche Frauen attraktiver.

Ebenso denken eben Männer auch, dass es natürlich okay ist, dass man wegen des Kindes aussetzt, aber sie wissen auch, dass erfolgreiche Männer, die nicht ausgesetzt haben, besser dastehen.

According to the OECD, Japanese, as well as South Korean, men are entitled to paid paternity leave for as long as 12 months. The Japanese government has said it hopes (paywall) that 13% of men will take paternity leave by 2020. South Korea is another country that is trying to encourage more men to take paternity leave—just 4,874 men took paternity leave in 2015, when 438,000 babies were born, according to official statistics. The number of men who took leave rose to 7,616 in 2016. In 2005, just 208 South Korean men took paternity leave. Both countries are trying to reform labor and welfare policies to address a host of issues, such as an ultra-low birthrate, poor female participation in the workforce, and inefficient work practices.

Eine geringe Arbeitsbeteiligung der Frauen verschärft das Problem natürlich noch. Denn damit sind die meisten Männer die Haupt- oder Alleinverdiener und können es sich noch weniger erlauben entsprechend auszusetzen.

The researchers who conducted the study ruled out traditional gender norms as a reason why so few Japanese men take paternity leave. While a vast majority of men in the 1980s still believed that “men make houses, women make homes,” the researchers said studies show that norm had lost widespread support by the 2000s. Indeed, the term ikumen (paywall)—iku meaning to nurture—is now broadly used in Japan to refer to a sort of stay-at-home dad who assumes child-rearing duties.

Dass es einen Begriff dafür gibt bedeutet erst einmal nicht, dass Männer, die dieser Tätigkeit nachgehen, eine gleiche Attraktivität oder ein  gleiches Ansehen besitzen wie andere Leute. Und auch wenn man heute betont, dass natürlich auch der Mann zuhause bleiben kann, muss dies nicht bedeuten, dass man das in jeder Situation als unproblematisch begreift.

One reason that might still hold sway, the researchers contend, is that many men still believe they could suffer from negative evaluations in the workplace if they take paternity leave (though Japanese law prevents unfair treatment of employees who take parental leave).

Vorschriften müssen nicht dazu führen, dass man keine Nachteile hat. Wenn jemand anderes in der Zeit großartige Arbeit macht, dann ist es nicht unfair, wenn er gegenüber jemanden, der in der Zeit ausgesetzt hat, besser behandelt und eher befördert wird.

The current attitude of Japanese men toward paternity leave is neatly summarized by the researchers as: “I want to but I won’t.” Though personal attitudes have clearly moved on from the conservative gender norms of previous generations, the continuing prevalence of “pluralistic ignorance” is still inhibiting men from adopting an attitude of “I want to, therefore I will.”

Eher sind es denke ich Umstände, die durchaus rational sind. Denn einfach nur zu wollen und es als etwas anzusehen, was eigentlich okay sein sollte, bedeutet eben nicht, dass es keine Nachteile hat.