Edeka: Danke Mama, dass du nicht Papa bist

Was hat sich Edeka dabei gedacht? Klar, vielleicht einfach nur, dass auch schlechte Werbung gute Werbung ist, wenn sei Viral geht (zur Zeit der Erstellung: 361.792 Aufrufe). Aber muss man dazu eine so nachhaltig negative Werbung machen, die Väter in dieser Weise abwertet? Und meint man, dass das bei Frauen gut ankommt?

Edeka dazu:

Das Unternehmen selbst fühlt sich bei dem Video vor allem falsch verstanden: „Mit unserem Online Film ,Wir sagen Danke‘ möchten wir Väter keinesfalls schlecht darstellen, sondern etwas überspitzt und auf humorvolle Art und Weise allen Müttern anlässlich des Muttertags Danke sagen.“ Die negativen Kommentare will man derzeit noch nicht als Shitstorm bewerten: „Wir freuen uns, dass das Video auf eine hohe Resonanz stößt. Für eine Bewertung ist es aber aktuell noch zu früh.

Mal wieder: Es ist Satire.

Reformen im Unterhaltsrecht

Die Medien berichten über geplante Reformen im Unterhaltsrecht:

„Immer häufiger wollen sich nach der Trennung beide Elternteile weiter um das Kind kümmern. Das heißt, auch die Väter wollen weiter die Erziehungsverantwortung tragen. Und das ist etwas Gutes“, sagte Giffey der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstag).

Es dürfe nicht sein, „dass der Vater den vollen Unterhalt zahlen muss, auch wenn das Kind viel Zeit bei ihm verbringt und sogar ein eigenes Zimmer bei ihm hat“, sagte Giffey. „Wir müssen das Recht hier der gesellschaftlichen Realität anpassen.“ Notwendig seien eine Reform des Sorge- und Umgangsrechts und Änderungen im Unterhaltsrecht, die möglichst viel Flexibilität für verschiedene Betreuungsmodelle ließen.

Die SPD-Politikerin sprach sich gegen Forderungen der FDP nach einem sogenannten Wechselmodell für Trennungskinder aus, wonach das Kind eine Woche bei der Mutter und eine Woche beim Vater verbringen soll. „Jedes Elternpaar muss den richtigen Weg dafür finden. Bei manchen funktioniert das Wechselmodell gut. Bei anderen geht es gar nicht, da gibt es jede Woche ein Drama“, sagte Giffey. Der Staat könne dafür keine allgemeinverbindliche Lösung vorschreiben.

Mütterverbände üben Kritik daran:

Viele alleinerziehende Mütter empfinden es als ungerecht, dass Väter entlastet werden sollen, obwohl ein erheblicher Teil ihren Pflichten gar nicht nachkommt: 450000 Alleinerziehende waren im vorigen Jahr von Unterhaltsprellungen betroffen. Das bedeutet, etwa jedes zweite Elternteil zahlt keine oder zu wenig Alimente für das gemeinsame Kind. Ein zusätzliches Armutsrisiko für alleinerziehende Frauen: Nur gut ein Drittel dieser Gruppe arbeitet Vollzeit. Laut Statistischem Bundesamt tun dies aber 94 Prozent der betroffenen Männer. In Anbetracht dieser Zahlen sei Giffeys Vorstoß „ein Schlag ins Gesicht jeder Alleinerziehenden*“, schreibt beispielsweise die Twitter-Userin „Lena“. „Mutterseelesonnig“ klagt: „Liebe Frau #Giffey, wenn Papi künftig weniger Unterhalt zahlt, weil er ein Zimmer für die Kinder hat, werden dann Klassenfahrten und Sportschuhe günstiger, oder müssen dann Familiengerichte klären, wer das Schulobst zahlt?“

Verkannt wird natürlich, dass die Mutter wenn der Vater das Kind zu einem gewissen Teil betreut eben auch Zeit hat einer Arbeit nachzugehen.

Und natürlich ist der Vorhalt der Unterhaltsprellung auch kaum haltbar, weil dafür eben Leistungsfähigkeit bestehen müsste.

Weitere Stimmen aus dem zuvor zitierten Artikel:

Der Verband allein erziehender Mütter und Väter (VAMV) fordert, die Unterhaltsverpflichtung für Väter nur zu kürzen, wenn sichergestellt ist, dass Mütter durch die zusätzliche Betreuungsleistung der Väter auch tatsächlich etwas sparten. Frauen hätten es nach einer Trennung in der Regel schwerer für sich und die Kinder zu sorgen, zumal sie oft in schlechter bezahlten Branchen arbeiteten. In jedem Fall bräuchte es Übergangsfristen, damit Mütter Zeit hätten, sich beruflich wieder zu etablieren.

Erstaunlich ist immer, dass zugleich beklagt wird, dass Frauen nicht genug Rente beziehen werden und auch sonst nicht über genug Geld verfügen aber die Idee, dass man das nur ändern kann, wenn sie arbeiten, dennoch entsetzen hervorruft.

 

Anderes Spielen mit Kindern bei Männern und Frauen

Wir sind bei Freunden mit kleinen Kindern zu Besuch. Die Kinder wollen beschäftigt werden und ich weiß schon aus früheren Besuchen, dass die 5-jährige gerne „Fliegt“ indem ihr Vater sie fast etwas in die Luft wirft, jedenfalls aber an den Armen hoch zieht. Da der Vater dann irgendwann weg muss, weil er zur Arbeit muss,  braucht das Kind einen neuen, der dies übernimmt. Also fliegt es jetzt eben mit mir.

Südländerin schaut etwas besorgt, das Kind jauchzt aber glücklich.

Die Mutter sagt zu Südländerin:

„Das ist auch etwas, was man als Mutter lernen muss. Männer und Frauen spielen anders mit Kindern. Und beide Arten sind okay. Es ist okay, wenn der eine auch mal etwas macht, bei dem man denkt, dass es zu wild ist und man es selbst nicht so machen würde. Es ist gut, wenn die Kinder beide Arten kennen lernen“

(Bei ihr klang es noch etwas besser, aber so dem Grunde nach).

Erinnerte mich etwas an diese Erfahrung, wo auch ein Kind sehr sehr ängstlich war und die Mutter äußerst beschützend. Auch hier gilt natürlich, dass es nur eine Betrachtung über den Schnitt ist und es sicherlich auch genug Mütter gibt, die das anders machen und sicherlich auch Väter, die vorsichtiger sind oder eben zu unvorsichtig.

 ich würde interessieren, wie ihr das seht: Sind Mütter im Schnitt „schützender“ und Väter eher die, die auch mal etwas weiter gehen?

 

Ein Vollzeitvater und seine Erfahrungen

Im Focus berichtet ein Vater von seinem Versuch Hausmann zu sein, während seine Frau das Geld verdient:

Er schildert beispielsweise das, was auch viele Frauen beklagen: Die Selbstverständlichkeit mit der bestimmte Leistungen entgegengenommen werden:

Am Anfang war alles ein Spiel: aufstehen, alle aufwecken, den Morgenbrei kochen, die Tochter für die Schule „parat machen“, mit dem Sohn ein wenig schwatzen, während ich den ersten Kaffee trank. Anschließend folgten all die täglichen Arbeiten eines Hausmannes wie Ordnung machen, Wäsche waschen, Staubsaugen, Schrubben, Kochen, Helfen bei den Hausaufgaben, Geschichten erzählen und Spielen mit den Kindern. Einfach „da sein“. Selbst wenn die Kinder die Läuse haben…

Aber bald wurde mir klar: Die Auswirkung meines Planens und Handelns ließen sich nicht beweisen. Du kannst noch so gut kochen, das Essen wird mit einer gewissen alltäglichen Selbstverständlichkeit hinuntergeschlungen. Du kannst noch so penibel aufräumen und putzen, eine Viertelstunde später ist wieder alles dreckig oder durcheinander. Du kannst dich noch so gut um jedes einzelne Familienmitglied kümmern, allmählich wirst du zum Faktotum, das niemand mehr wahrnimmt.

Und niemand sagt dir wirklich „Danke“ – von Herzen, meine ich. Was du erhältst, ist ein alltägliches Danke, ein hingeworfenes Unterpfand für deine pflichtschuldig geleisteten Dienste. Ich verstand auf einmal die alltägliche und stets präsente Müdigkeit meiner Mutter, die ihr ganzes Leben lang als Hausfrau gearbeitet hatte.

Das ist sicherlich etwas, was man häufiger hört. (Wobei es im Büro ja häufig nicht anders ist, auch da wird schlicht erwartet, dass man seinen Job macht, aber man geht in der Familie eben noch anders miteinander um).

Der nächste Absatz ist hoch interessant:

Ich wusste, ich war privilegiert: Meine Frau finanzierte alles, ohne sie hätte ich dies gar nicht unternehmen können. Ich war privilegiert, weil meine Frau sich auf dieses „Experiment“ – wie sie es bezeichnete – eingelassen hatte. Und sie war privilegiert, weil sie sich ganz auf ihre Arbeit konzentrieren konnte und umsorgt wurde, so gut ein Mann „umsorgen“ kann.

Was meinen Traum vom Hausmann-Dasein beflügelt hatte, war die Aussicht, mehr Freiheit zu haben. Für mich hieß das, an meinen Gedichten schreiben zu können. Und ich erhielt diese Freiheit zur Genüge.

Ein Mann sieht etwas als Privileg, was häufig gleichzeitig als Unterdrückung der Frau gesehen wird und viele würden ihm da wohl durchaus zustimmen, wenn er es als Mann sagt.

Er berichtet aber auch von kritischen Reaktionen:

Auf den Spielplätzen allerdings traf ich auf die Mütter: eine andere Art Mensch. Sie blickten mich argwöhnisch und kritisch an. Ich verhielt mich meinem Kind gegenüber anders als sie: Mein Sohn durfte mehr (dreckeln), wurde selten zurechtgewiesen (allerdings sofort, wenn es um den Besitz anderer Kinder ging), wurde mit Ironie und Witzen getröstet, wenn er sich wieder mal das Knie geschürft hatte. Einmal schimpfte mich eine Mutter regelrecht aus, weil ich meinen Sohn eine Minute länger als in der Schweiz üblich (oder so) sich im Dreck wälzen ließ, weil er eine fünfte Reiswaffel mit Schoggiguss nicht erhalten hatte. „Was für ein herzloser Mensch sind Sie denn?“

Ich könnte Tausende solche Geschichten der Verwunderung und Befremdung erzählen. Von den Kommentaren und dem bewundernden Mitleid der Arbeitskolleginnen und -kollegen meiner Frau. Oder von der Besorgnis (um meine seelische Gesundheit?) in den Blicken meiner besten Freunde.

Hier könnte man eine Form des „Womansplaining“ ausmachen: Sie meinen weil er ein Mann ist wisse er weniger über Erziehung als sie und belehren ihn.

Er merkt einen Wandel, auch in seiner Beziehung:

Ja, ich war ganz und gar Hausmann geworden. So weit, dass man mich als Zwitter hätte bezeichnen können. Ich war weder Mann noch Frau. Doch gab es noch Überreste männlichen Handelns: So konnte ich beim besten Willen nicht nachvollziehen, wie wichtig es meiner Frau war, dass die Kissen in einer Art dekorativer Habachtstellung auf der Couch „standen“, oder weshalb mein Sohn jeden Tag eine neue Hose anziehen sollte, die ja sowieso in den ersten zehn Minuten nach Ankunft auf dem Spielplatz eingedreckt würde…

Meine Frau hatte Mühe, mich zu begehren

Und im dritten Jahr wurde auch deutlich, wie diese neue Rolle sich auf die Beziehung ausgewirkt hatte. Meine Frau hatte Mühe, mich – das Faktotum – als Mann zu sehen, mich als Mann anzunehmen und, ja, zu begehren. Sie wünschte sich einen Mann, der „voll und ganz im Leben“ steht. Sie wünschte sich einen Mann, auf den sie „stolz“ zeigen könne.

Eigentlich ja ganz Feminismuskompatibel der erste Teil: Er bricht aus den Geschlechterrollen aus und ist damit quasi „nonbinary“, ein Enby. Aber anscheinend lässt er sich auch etwas dabei gehen und tritt anscheinend auch anders auf. Er erlebt etwas, was in der feministischen Theorie so gar nicht vorkommt: Anforderungen der Frauen an den Mann, sich wie ein Mann zu benehmen. Und Begehren für Männlichkeit. „Voll und Ganz im Leben steht“ ist dann eine interessante Klausel, von denen es viele gibt: der „echte Mann“, der Mann, der eine Familie ernähren kann etc.

Natürlich ist es schwer zu beurteilen, ob das dann tatsächlich der Grund für das Scheitern war. Wir kennen ja nur seine Seite. Aber es ist insofern eine interessante Perspektive