Programm der „Liberalen Männer in der FDP“

Genderama berichtet über das Programm der „Liberalen Männer in der FDP„. Ich möchte es hier auch noch einmal ebenso wie die Forderungen der Frauenverbände zur Diskussion stellen

Das KURZPROGRAMM:

Eine tatsächliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern kann es nur geben, wenn die berechtigten Anliegen beider Geschlechter berücksichtigt und Benachteiligungen beider Geschlechter thematisiert und beseitigt werden.

Um auf das Ziel einer tatsächlichen Gleichberechtigung von Frauen und Männern, Müttern und Vätern, Mädchen und Jungen hinzuarbeiten, wird der Verein Liberale Männer e.V. mit Sitz in Berlin gegründet. Die Mitglieder sind vereint in ihrem Bestreben, gemeinsam die im Folgenden genannten Ziele zu erreichen:

Die kompromisslose Umsetzung des Artikels 3 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland.

Nachteile und Benachteiligungen von Jungen, Männern und Vätern sind geschlechterpolitisch zu thematisieren und zu beseitigen.

Jungen-, Männer- und Väterfeindlichkeit sind ebenso zu verurteilen und zu beseitigen wie Frauenfeindlichkeit.

 

Das ausführlichere PROGRAMM:

 

1. Gleichberechtigung statt Frauenrechte

„Frauenrechte“ gibt es genauso wenig wie „Männerrechte“. Die Begriffe widersprechen bereits dem Gleichbehandlungsgrundsatz. Es gibt nur Menschenrechte. Diese müssen ohne Ausnahme für Frauen wie für Männer gelten. Wir fordern die kompromisslose Umsetzung der Gleichberechtigung gemäß Artikel 3 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland.

 

2. Gleichberechtigung statt Gleichstellung

Eine Gleichstellung der Geschlechter kann nicht dadurch erreicht werden, dass Gleichstellungsbeauftragte grundsätzlich ausschließlich weiblich sind. Gleichstellungsbeauftragte müssen männlich oder weiblich sein, die Interessen beider Geschlechter vertreten und von beiden Geschlechtern gewählt werden können. Wo es eine Frauenbeauftragte gibt, muss es immer auch einen Männerbeauftragten geben. Wo Gleichstellung drauf steht, muss auch Gleichstellung drin sein.

 

3. Gleichberechtigung in der Schulbildung

In der Bildung müssen geschlechterspezifische Unterschiede auf wissenschaftlicher Basis Rechnung getragen werden. Hierzu bedarf es einer verstärkten Förderung und Erforschung geschlechterspezifischer Bildungsmethoden.

Unter Erziehern/-innen und Lehrkräften muss eine Soll-Quote von 30% eingeführt werden, um ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis, männliche Erziehungswerte und -vorstellungen und männliche Rollenvorbilder zu ermöglichen.

Am Ende der Grundschule ist ein verpflichtender Multiple Choice Test für alle Kinder einzuführen als ergänzendes Beurteilungskriterium für die weiterführende Schulempfehlung.

 

4. Gleichberechtigung statt Quote

Frauenquoten verletzen den Gleichbehandlungsgrundsatz und diskriminieren. Bei Einstellungen und Beförderungen dürfen ausschließlich Qualifikation, Leistung und Erfahrung entscheidend sein, nicht aber das Geschlecht. Gleichzeitig müssen für Väter die gleichen Möglichkeiten wie für Mütter geschaffen werden, Elternzeit zu nehmen und in erziehungsbedingter Teilzeit zu arbeiten.

Das Allgemeine Gleichstellungsgesetz ist auf Bundes- und Länderebene zu ändern von „Frauen“ auf „das unterrepräsentierte Geschlecht“. Denn heute gibt es zahlreiche Unternehmen, Behörden und Institutionen, wo Männer signifikant unterrepräsentiert sind, z.B. Lehrer an Grundschulen.

 

5. Gleichberechtigung im Strafrecht

Gleiche Straftaten müssen gleich geahndet werden. Es kann nicht angehen, dass von Frauen verübte Straftaten seltener verfolgt und deutlich milder bestraft werden als von Männern verübte.

 

6. Gleichberechtigung bei häuslicher und sexueller Gewalt

Hilfsangebote für Opfer häuslicher oder sexueller Gewalt müssen männlichen Opfern genauso offenstehen wie weiblichen. Für die Erforschung und Bekämpfung von gegen Männer und Jungen gerichteter häuslicher und sexueller Gewalt müssen die gleichen öffentlichen Mittel bereitgestellt werden wie für die Erforschung und Bekämpfung der gegen weibliche Opfer gerichteten. Männer dürfen nicht länger pauschal nur als Täter und Frauen nur als Opfer dargestellt werden. Häusliche und sexuelle Gewalt darf nicht länger als rein männliches Problem benannt, sondern muss als menschliches Problem erkannt werden. Bei jedem Verdacht auf häusliche oder sexuelle Gewalt muss das rechtsstaatliche Grundprinzip der Unschuldsvermutung kompromisslos Anwendung finden.

 

7. Gleichberechtigung im Familienrecht

Trotz Abschaffung des Schuldprinzips werden Männer bis heute von den Gerichten häufig so behandelt, als trügen sie die Schuld am Scheitern der Ehe. Die Folgen des Scheiterns einer Ehe müssen von beiden Partnern entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit zu gerechten Anteilen getragen werden. Dauerarmut durch überhöhten Unterhalt darf es nicht mehr geben.

Die Väter sind im Leben eines Kindes genauso wichtig wie die Mütter. Daher muss die Paritätische Doppelresidenz, das Wechselmodell, per Gesetz der Standard bei der Betreuung der Kinder getrennt lebender Eltern werden. Kein Elternteil darf aus dem Leben seines Kindes ausgegrenzt werden, sondern nur bei nachgewiesener Kindeswohlgefährdung. Das sogenannte Residenzmodell dient nicht dem Wohl des Kindes.

Das bedingungslose gemeinsame Sorgerecht mit allen Teilsorgebereichen muss beiden Eltern automatisch zustehen, unabhängig davon, ob sie verheiratet sind oder nicht.

Artikel 6 Absatz 4 des Grundgesetzes, „Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft“, muss durch „Jeder Elternteil (…)“ ersetzt werden, da die derzeitige Fassung in Widerspruch zum Gleichbehandlungsgrundsatz gemäß Art. 3 Abs. 3 steht.

 

8. Gleichberechtigung in der Elternschaft

Jeder Vater hat ein Informationsrecht über die Vaterschaft, die Mutter eine Informationspflicht. Frauen können eine Schwangerschaft regulieren, ggf. sogar abtreiben. Auch Männer müssen das Recht auf Ablehnung einer Kindschaft bekommen.

 

9. Gleichberechtigung statt Gleichmacherei

Mädchen und Jungen sind nicht gleich. Sie durchlaufen Kindheit, Jugend und Erwachsenwerden in unterschiedlichen Schritten. Bei den Interessen und Neigungen, die sie dabei entwickeln, setzten Jungen im Durchschnitt die Schwerpunkte anders als Mädchen; die Fähigkeiten und Qualitäten, welche sie ausprägen müssen, um in ihren Altersgruppen anerkannt zu werden, sind ebenfalls bei Jungen und Mädchen unterschiedlich.

Echte Gleichberechtigung der Geschlechter bedeutet, in der Erziehung und Förderung der Kinder diesen Unterschieden Rechnung zu tragen anstatt sie zu negieren oder gar wegerziehen zu wollen. Bildungs- und Sozialpolitik müssen sich dabei ausschließlich an wissenschaftlichen Fakten orientieren und dürfen sich nicht von Genderideologie leiten lassen.

Die unterschiedlichen gesundheitlichen Risiken, denen Männer und Frauen respektive ausgesetzt sind, müssen eine entsprechende, auf wissenschaftlichen Fakten basierende Berücksichtigung in der Gesundheitspolitik und im Arbeitsschutz finden.

 

10. Gleichberechtigung beim Vatertag

Echte Gleichberechtigung spiegelt sich auch in Symbolen und Ritualen wieder. Während in Deutschland am Muttertag die Mütter für ihre Bedeutung in ihren Familien geehrt werden, vermittelt der als „Vatertag“ bezeichnete kirchliche Feiertag Christi Himmelfahrt ein Negativbild von Vätern, die diesen Tag von ihren Familien abgesondert verbringen. Wir fordern die Einführung eines dem Muttertag gleichgestellten Vatertages, der, wie in über sechzig Ländern der Erde, an jedem dritten Sonntag im Juni gefeiert wird.

Da sind viele Punkte drin, mit denen sich viele Leute, die im Bereich der Männerrechte aktiv sind, anfreunden können. Was findet ihr gut, was nicht, was sollte ergänzt werden?

Welche der Forderungen haltet ihr für durchsetzbar, bei welchen wird es sehr schwer?

Wer sind ansonsten die „Liberalen Männer“? Gibt es da schon bestimmte Personen, die man hier zur Diskussion einladen kann?

 

„Hilfe, ich date einen Männerrechtler“

Auf der Seite von „Captain Akward“ geht eine Anfrage ein, die auch für uns interessant ist:

Dear Captain Awkward,

I have a problem. I am a feminist. Why is that a problem? Because my boyfriend, as generous and thoughtful and funny and sweet as he is, doesn’t get it. At all. We’ve been dating for over a year and I love him, which is what makes this so hard. About three months into our relationship, I noticed that when I’d bring up some women-centric issue (i.e, the Steubenville rape case), his argument was “Well, she shouldn’t have been drinking so much.” Which, of course, is awful and, yes, I may have gone to bed angry that night.

I chalked it up to him just “being a guy” and being influenced by the world’s habit of blaming the victim, etc. But then, as our relationship progressed, these things just kept. popping. up. To the point where he told me that he believes in Men’s Rights and he thinks feminists are crazy and damaging. I’ve told him my feelings on this and how hurtful and scary I think these opinions are. He’s told me that he may be influenced this way because of a (really bad) past relationship, a relationship which I knew all about when we started dating.

If I knew he had these opinions and this hate back when we first started dating, I would have walked away in a heartbeat. But I’ve been sucked in. I love him. But every time this comes up, like if there’s a news story that’s big (Gamergate and the Ugly Shirt Comet Guy were big topics) where he feels “feminists” are getting out of line, I feel sick inside.

I’m embarrassed when we go to parties and my level headed friends (both men and women) don’t share his opinions, I feel my stomach tighten when I’m browsing online and see a story about feminist issues – not because the story makes me upset, but because I’m worried about what HE will think about it. I’ve honestly told him ALL of this and he doesn’t want me to change my opinions for him. He says that my opinions and views don’t change the way he feels about me. But do they change the way I feel about him? I think so. 

I know all of this sounds like a laundry list of reasons to break up. But he has so many fantastic qualities and there’s a reason I’ve stuck around this long. Do you have any suggestions for how to… I don’t know… fix this?

Es gibt aus meiner Sicht verschiedene Wege, die sie einschlagen kann:

  1. Sie macht Schluss, schlicht weil sie zu verschieden sind
  2. Sie beschäftigt sich damit, warum er etwas vertritt, schaut sich die Argumente an, setzt ihre dagegen und diskutiert mit ihm darüber. Entweder er überzeugt sie oder sie überzeugt ihn. Was sie dazu lernen müsste wäre, dass ihre Gefühle kein Argument sind
  3. Sie schließen einen Waffenstillstand: Zu bestimmten Themen diskutieren sie nicht miteinander und sie diskutieren auch nicht mit anderen, wenn der Partner dabei ist.

Was wären eure Tipps?

Leidensdruck von Männern in Hinblick auf Benachteiligungen

Anlässlich der Forderung nach plakativen Forderungen für Extrempositionen tauchte in den Kommentaren auch die Frage des „Leidensdruckes“ auf.

Peter Müller schrieb dazu:

Mir scheint es, der Autor möchte gerne das Etikett „Jungen- und Männerrechte“ nutzen um seine politische Agenda durchzusetzen.

Im übrigen krankt die „Jungen- und Männerrechtsbewegung“ eher daran, dass es keinen realen Leidensdruck bei der Zielgruppe gibt und deswegen kein Interesse etwas fundamental oder gar radikal zu ändern.

Die Ausnahme ist hier die Väterrechtsbewegung, aber selbst die bekommen ja höchstens bundesweit eine Handvoll Demonstranten zusammen wenn es um die Artikulation ihrer Anliegen geht.

Jungs, organisiert mal einen Sternmarsch in Berlin mit >10 000 Teilnehmern, dann werdet ihr auch wahrgenommen

 

Klaus T führte an:

 

Das Argument mit dem Leidensdruck stimmt. Neben der Väterechtsbewegung (deswegen auch mein Vorschlag Wechselmodell) gibt es derzeit auch Bereiche im öffentlichen Dienst, wo Betroffene hautnah, nämlich beim Verdienst, die Auswirkungen des Feminismus‘ spüren. Hier könnte sich auch ein Ansatzpunkt bieten. In NRW gibt es einen „Aufstand“ betroffener Polizeibeamter, die trotz besserer Leistung nicht befördert werden, weil laut Gesetz Frauen zu bevorzugen sind. Ich höre auch aus anderen Bereichen (Bundesländern), dass es dort mit Bevorzugung von Frauen bei Beförderungen ähnlich läuft, allerdings im Verborgenen.

Und auch der Kommentar von Alex ging in diese Richtung:

„Männerrechte“ interessieren eigentlich „niemanden“ speziell. Der Feminismus ist ein abseitiges Problem von ein paar radikalen Spinnern, die zum guten Teil beim „Spiegel“, „Zeit“ und sonstigen Bastionen des abseitigen Irrealismus tätig zu sein scheinen.

Was soll bei der ganzen Sache eigentlich politisch rauskommen?!

Die politische Linke könnte sich für das Thema letztlich interessieren, geht es um weitere Identitätspolitik für die man jetzt auch, zuletzt, Männer mobilisieren kann. Raus kommen werden zahlreiche „Förderungsprogramme“, die weniger als nichts bewirken und nur von den „plakativen Forderungen“ der progressiven Linken geschluckt werden dürften.

Auf der politischen Rechten hingegen wird es in Richtung eines gynozentrischen Konservativismus gehen, der den „moderaten“, d.h. leisen, unideologischen Feminismus mit der notorischen heroischen Opferrolle verknüpft.

Na, viel Spass dabei. Jeder wähle das „kleinere Übel“….. 😦

Es ist eine interessante Frage, warum es schwer ist Leute für Männerrechte zu begeistern. Ein Aspekt ist sicherlich, dass viele Männer bestimmte Probleme als etwas ansehen, was sie nicht betrifft und aus dem sie sich raushalten können. Gerade weil Klagen über Benachteiligungen bei Männern dann, wenn man selbst nichts dagegen machen kann, eher als schwach wahrgenommen wird, besteht da vielleicht eine größere Hürde. Zudem gibt es eben kein „Historisches Narrativ“, auf dem heraus man seine Ansicht vortragen kann.

Hingegen gibt es dies bei Frauen und Punkte wie „21% weniger Gehalt“ betreffen eben erst einmal subjektiv viele Frauen, wohingegen Ungerechtigkeiten beim Unterhalt und beim Sorgerecht oder beim Umgang nur einen kleinen Teil der Männer in dem Moment betreffen.

Deswegen scheint mir „Problembewußtsein schaffen“ auch ein wichtiges Anliegen im Maskulismus.

Was meint ihr, woran es liegt?

Heute: „Red Pill“-Premiere für Deutschland in Berlin, 20:00 Uhr

Heute ist die Deutschlandpremiere in Berlin. Wer noch nichts vorhat und in der Nähe ist, der kann wohl auch noch Karten bekommen:

Am 14. November 2016 um 20 Uhr läuft der Dokumentarfilm „The Red Pill“ im CineMotion Berlin-Hohenschönhausen erstmals mit deutschen Untertiteln in einem deutschen Kino. Möglich wurde das durch eine Crowdfunding-Kampagne bei Kickstarter.

Wer was dazu zu berichten hat kann es gerne in den Kommentaren machen.

Eine Replik auf: Vincent-Immanuel Herr „Liebe Männer Europas, wir müssen reden!“ (Gastartikel)

Dies ist ein Gastartikel von Teardown

Der gesellschaftliche Diskurs wird zunehmend unter dem plakativen Begriff des „postfaktischen Zeitalters“ diskutiert. Zentraler Begriff in dieser Debatte ist die „Echokammer“. Meinungen werden nur noch innerhalb eines selbstselektierten homogenen Raums zugelassen. Innerhalb dieses Raums bekommt man nur das zu hören, was man selbst auch sagt, wie es mit dem Ausruf in einem Tal vergleichbar ist. Genau wie beim Echo in einem Berg-Tal scheint es zwar eine bestätigende Antwort zu geben, doch im Zeitverlauf wird es still und wenn man erneut hineinruft, erhält man wieder nur dieselbe bestätigende Antwort. Das Echo ist aber nur die Simulation einer Antwort, ein Gespräch findet nicht statt. So tritt eine verzerrte Wahrnehmung ein, weil anderslautende Meinungen oder Ideen ignoriert und Fakten gar nicht oder falsch interpretiert werden. Ein tatsächlicher Austausch von Meinungen ist in einer „Echokammer“ nicht möglich, da jede hier stattfindende Debatte entlang autoritären synchroneren Mechanismen folgt. Die Debatte innerhalb der Kammer dient nicht dem Austausch, sondern der Bestätigung des Gesagten. Jede Abweichung ist zu vermeiden und die Ablehnung des Gesagten von Menschen außerhalb der Kammer wird als Bestätigung für die Richtigkeit der Aussage gewertet. Es ist offensichtlich, dass unter solchen Voraussetzungen die Qualität der Willensbildung abnimmt. In der Folge entwickelt sich die wahrgenommene Wirklichkeit innerhalb des Schutzraums und dessen, was Menschen außerhalb dieses Schutzareals erfahren immer weiter auseinander. Deutlich sichtbar werden diese Regelmechanismen immer, wenn Insassen der „Echokammer“ ihren Schutzraum verlassen, um ein Gespräch mit dem Anderen suchen.

An einem neuen Aufruf des „Aktivisten, Feministen, Europäer“ (Eigenbezeichnung) Vincent-Immanuel Herr an „die Männer Europas“ lassen sich die Unfähigkeit zu einem redlichen und respektvollen Diskurs beispielhaft explizieren. An diesem offenen Brief zeigt sich, wie weit radikalfeministische Interpretationen der Wirklichkeit von der Lebenserfahrung der Menschen abweichen. Außerdem zeigt sich, dass die Debatte im Schutzraum zu einem hohen Qualitätsverlust der Rhetorik, Sorgfalt und Argumentationsführung führt, was augenscheinlich ist, wenn niemand mehr ernsthaft Gesagtes in Frage stellt.

“Liebe Männer Europas, wir müssen reden!“

Die Texte Immanuel Kants zeichnen sich dadurch aus, dass der Königsberger Philosoph stets seinen zentralen Gedanken in den ersten Satz schrieb. Jeder folgende Satz und jede folgende Bücherseite war nur noch eine Begründung dessen, was sich bereits im ersten Satz manifestierte. Beim Namensvetter Immanuel-Vincent Herr ist es genau umgekehrt. In seinem ersten Satz zeigt sich, worum es im Folgenden genau nicht gehen wird. Der Text ist, wie im Folgenden dargelegt wird, kein Gespräch, sondern eine Inszenierung dessen. Bei Immanuel-Vincent Herrs erstem Text dieser Art war es ebenso. Der Text begründete eben nicht, warum Deutschland mehr Feministen brauchen würde. Allenfalls und mit Wohlwollen begründete der Autor, warum man sich in Deutschland für Gleichberechtigung einsetzen sollte.

Es stellt sich nun die Frage, warum sich der Autor die Mühe macht, ein Gespräch mit europäischen Männern zu inszenieren, und einen offenen Brief zu schreiben. Einen Hinweis auf die Antwort findet sich in dem Adressatenkreis des Twitterposts, denen der Autor seinen Text präsentierte:

Manuela Schwesig (Bundesfrauenministerin), Henrike von Platen (Lobbyistin, Business Professional Women), Alexandra Borchardt (Redaktionsleiterin, Süddeutsche Plan W – Frauen verändern die Wirtschaft), Kristina Lunz (Lobbyistin und Beraterin von UN Women), Teresa Bücker (Redaktionsleiterin, Edition F), Katrin Rönicke (feministische Journalistin) und Robert Franken (Lobbyist, Male Feminists Europe) sowie die Accounts von „UN Woman“, „Edition F“ und „Netzfeminismus“.

Twitteraccounts von Männerechtlern, Autoren und Blogger außerhalb des Feminismus fehlen vollständig. Und mit dem feministischen Aktivisten Robert Franken ist auch nur ein Mann unter den Adressaten des Briefs an „die europäischen Männer“. Die Antwort nach der Motivation für diesen Text ist somit eindeutig zu geben: Es handelt sich hierbei um ein Bewerbungsschreiben des Autoren. Er inszeniert ein Gespräch mit den „europäischen Männern“ um seine richtige Gesinnung vorzuführen und sich für Folgeaufträge zu empfehlen. Es ist naheliegend als feministischer Aktivist und Europäer ein ökonomisches Interesse daran zu haben, dass man von feministischen Journalistinnen, Ministerien unter feministischer Führung und feministischen Völkerrechtsorganisationen wahrgenommen wird. Unter dieser Prämisse wird in der Folge der gesamte Text analysiert.

“In was für einer Gesellschaft wollen wir leben? In einer gleichberechtigten oder in einer rückständigen? Wollen wir in einem Europa der Chancen oder in einem Europa der Privilegien leben?“

Natürlich fällt den meisten von uns die Beantwortung dieser Frage leicht. Natürlich wählen wir die Gesellschaft, in der Gerechtigkeit und Fairness herrscht. Nicht nur, weil es moralisch oder philosophisch richtig wäre, sondern einfach, weil wir selber auch nicht benachteiligt werden wollen. Wir erwarten eine faire Chance. Wir erwarten, dass man uns nach unserem Einsatz, unseren Ideen und unserer Leistung bewertet, nicht danach, wo wir herkommen, wie wir aussehen oder welchen Namen wir haben. Alles andere ist Diskriminierung und nicht fair.“

Die klassische Rhetorik bezeichnet diesen Abschnitt als das exordium. Mit einigen einleitenden Floskeln möchte der Autor sich die Aufmerksamkeit und das Wohlwollen des Lesers sichern. Und ja. Wer könnte auch den Worten des Autors widersprechen? Niemand möchte aufgrund seiner Herkunft, seiner Meinung, seines äußeren Erscheinungsbildes oder seines Namens diskriminiert werden. Warum jedoch fehlt hier mit dem „Geschlecht“ eine für Feministen so entscheidende Diskriminierungskategorie? Die Antwort darauf findet sich im nächsten Abschnitt:

“Die weitverbreitetste Form von Diskriminierung in Europa (und weltweit) ist Sexismus, die Benachteiligung von Mädchen und Frauen aufgrund ihres Geschlechts. Dabei kann man generell sagen, dass es Frauen in Europa besser geht und sie weniger Unterdrückung erfahren, als in vielen anderen Teilen der Welt. In den meisten Europäischen Ländern ist es nicht üblich, weibliche Föten aufgrund ihres Geschlechts schon vor der Geburt abzutreiben. Sogenannte Ehrenmorde, also das Töten eines weiblichen Familienmitglieds aufgrund einer angeblichen Beschädigung der Familienehre, sind zum Glück ebenso selten wie Massenvergewaltigungen. Die Grundrechte der Europäischen Union garantieren Frauen die gleichen Rechte wie Männer. Natürlich dürfen Frauen wählen gehen, Auto fahren, eine Firma leiten oder Präsidentin werden. Heißt das, wir können uns entspannt zurücklehnen? Ganz sicher nicht! Denn nur, weil EU Länder im weltweiten Vergleich gut abschneiden, heißt das nicht, dass wir absolut gut abschneiden. Denn auch in Europa haben wir es mit jeder Menge Sexismus zu tun. Raewyn Connell analysierte hegemoniale Männlichkeit ebenso wie etwas, was sie als „patriarchalische Dividende“ bezeichnet hat. Männer können von Geburt an selbstverständlich von Privilegien ausgehen, die ihnen ihre Kulturen seit Jahrtausenden zuschreiben. Diese Dividende streichen Männer auch in Europa ein.“

Die bereits im vorhergehenden exordium sichtbare sprachliche Herausstellung der Diskriminierung aufgrund von Geschlecht durch Trennung dieser von anderen Diskriminierungskategorien wird in der Erläuterung des Sachverhalts nun auch inhaltlich deutlich. Der Autor folgt hierbei zwei klassischen radikalfeministischen Narrativen die eine Desinformation einrahmen:

  • Männer könnten keine sexistische Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts erfahren. Warum das so sei oder woran sich das zeigt, erfährt der lesende europäische Mann dabei selbstredend nicht. Der Satz steht einfach so da und ich runzelte zum ersten Mal die Stirn. Es handelt sich um ein Argument qua Definition und somit letztlich um eine Tautologie. Der Feminist erklärt „europäischen Männern“, dass sie durch Sexismus gar nicht diskriminiert werden, weil Feministen Sexismus so definiert haben. Außerdem ist bemerkenswert, dass der Autor Sexismus als weitverbreitetste Form der Diskriminierung auf Welt definiert, ohne auch hierfür einen Beleg zu liefern. Aus meiner Sicht als Demokrat ist nämlich die weitverbreitetste Diskriminierung weltweit die Abwesenheit von Demokratie, also das Zulassen von Meinungsvielfalt. Eine Diskriminierungskategorie, die der Autor eben erst beschrieb und gedanklich schon wieder vergessen hat.
  • Mit Blick auf die „außereuropäischen Männer“, die noch stärker Frauen (und nur Frauen, s.o.) unterdrücken würden, behauptet der Autor: Ehrenmorde bezeichnen das Töten von Frauen aufgrund der Beschädigung der Familienehre. Diese Behauptung ist falsch. Denn auch Männer werden aufgrund der Familienehre getötet, in Deutschland waren zwischen 1996 und 2005 von 109 bekannten Ehrenmorden 43 männliche Opfer zu verzeichnen. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass etwa 30 Prozent aller Ehrenmorde an Männern begangen werden. Sie werden umgebracht, weil sie schwul sind, von der Familie ungewünschte Sexualpartner der Frauen sind oder sogar weil sie sich weigern ihre weiblichen Familienmitglieder zu ermorden.
  • Bei dem zweiten radikalfeministischen Konzept, welches der Autor neben dem feministischen Sexismus-Begriff einführt, wird noch deutlicher, wie weit sich der Autor mittlerweile von seiner Zielgruppe entfernt hat. Er führt den Begriff der „hegemonialen Männlichkeit“ mit dem Konzept der „patriarchalen Dividende“ ein, ohne auch nur eins der beiden Schlagworte zu erklären. Der Leser bleibt zurück mit der belegfreien Aussage, dass Männer „selbstverständlich von Geburt an von Privilegien ausgehen“ können. Dazu später mehr. Da der Autor seinen Brief sorgsam nach den Kategorien klassischer Rhetorik aufgebaut hat, halte ich es für ausgeschlossen, dass er einen solchen schwerwiegenden rhetorischen Fehler macht, Dinge seinem Zielpublikum nicht zu erläutern. Ich kenne aber diese Vorgehensweise aus meiner beruflichen Tätigkeit. Im Marketingbereich würde man das, was der Autor macht als „Buzzword-Dropping“ bezeichnen. Es werden komplexe Vorgänge auf ein Wort zusammengestapft und egal ob man es verstanden hat oder nicht, in einer Debatte fallengelassen. Man signalisiert so Kompetenz oder Zugehörigkeit zu einem bestimmten Kreis. Das Stichwort ist also das Signalisieren einer Gesinnung. Der Autor weiß, dass kein „normaler Mann“ seinen Brief lesen wird und er ist auch gar nicht daran interessiert, dass normale Männer ihn verstehen. Diejenigen die er erreichen will (siehe oben), verstehen was er meint, nämlich seine Zugehörigkeit zur Peergroup. Wir haben hier lupenreine autoritäre Herrschaftssprache in feministischer Anwendung.

Anschließend leitet der Autor den eigentlich argumentativen Teil seines Textes ein. Er gliedert ihn (In der Rhetorik propositio genannt) mit Hilfe der geschlechtlichen Diskriminierungsdimensionen Wissen, Geld, Macht, Zeit, Gewalt, Gesundheit und Arbeit. Diese werden ihm so durch den europäischen Gender Equality Index vorgegeben:

„Tatsächlich zeigt der Gender Equality Index, dass Frauen in der EU im Durchschnitt erstaunlicherweise erst etwas mehr als die Hälfte (52,9 Prozent) der Gleichberechtigung erreicht haben – also des Gleichstandes mit ihren männlichen Zeitgenossen. Die Studie untersucht die Faktoren Wissen, Geld, Macht, Zeit, Gewalt, Gesundheit und Arbeit im Vergleich zu Männern. In der Schule oder der Uni würden wir für 53 Prozent der richtigen Antworten mit Glück noch eine fünf bekommen. In keinem einzigen Land der EU (oder der Welt) sind Frauen tatsächlich selbstverständlich genauso viel wert, unterstützt, ausgestattet wie Männer.“

Ich weiß nicht, ob man an der Universität mit 53 Prozent richtiger Antworten eine Klausur besteht. Was ich aber weiß: Ein Professor wird garantiert eine Hausarbeit nicht für gut bewerten, wenn der Student darin zeigt, dass er seine Quellen nicht gelesen hat. Denn genau das hat gerade der Autor getan, wie meine kurze Quellenrecherche ergab.

Der „Gender Equality Index“ des Europäischen Instituts für Gleichstellung kann hier eingesehen werden. Diese Erhebung bildet Gleichstellung entlang eines Absolutwertes (!) von 1 (absolute Ungleichheit) und 100 Prozent (vollständige Gleichstellung) der Geschlechter ab. Der Index wertet also gleichrangig in beide Richtungen und misst auch Ungleichheit zu Lasten von Männern. Damit unterscheidet sich die methodische Vorgehensweise etwa von dem Gender Inequality Index des World Economic Forums. Dieser Index misst die Parität von Frauen zu Männern und bewertet diese mit höchstens 1, sobald mindestens (!) genauso viele Frauen wie Männer einen Wert erreichen. Diese Konstruktion des GII-Index führt zu der paradoxen Situation, dass ein Staat in dem 100 Prozent der Studenten Frauen sind, den Gleichstellungsidealwert bei höherer Bildung von 1 erhält.

Die richtige Interpretation der 52,9 Prozent im zitierten Gender Equality Index wäre also: Frauen UND Männer sind etwa zur Hälfte in den gemessenen Kategorien gleichgestellt. Das heißt aber eben NICHT, dass nur Frauen benachteiligt seien. So zeigt sich z.B. bei der Bildung, dass in Schweden und Großbritannien prozentual etwa gleich viele Frauen tertiäre Bildung genossen haben, der Index aber für Großbritannien 85 Prozent Gleichstellung berichtet, während Schweden nur etwa 63 Prozent erreicht. Der Hintergrund: In Schweden kommen auf drei Frauen mit Universitätsausbildung nur zwei Männer, während in Großbritannien jeweils beide Geschlechter etwa zu gleichen Anteilen vertreten sind.

Kurzer Einschub: Ich persönlich halte solche Genderindizes für totalen Humbug. Sie werden nur produziert, damit Menschen wie der Autor eine griffige Zahl präsentieren können. Kritikpunkte:

  • In Schweden müssen z.B. auch Krankenpfleger studieren, in Deutschland nicht. Wie vergleichbar sind also die schwedischen mit deutschen Werten, wo in Schweden in den Universitäten mehr Frauen studieren (Sozialbereich) und in Deutschland mehr Männer (Technischer Bereich)?
  • Warum misst man nur Hochschulbildung? Würde man wirklich Gleichstellung in Bildungsfragen messen wollen, müsste man auch Primar- und Sekundärbildung vergleichen. Interessanterweise zeigt sich ja hier eben, dass am unteren Ende Jungen überrepräsentiert sind. Aber wie der Autor schon zeigt, die Gleichstellungsfrage wird immer nur aus der Perspektive von Frauen diskutiert. Denn Männer können gar nicht sexistisch diskriminiert werden. Männer haben von Geburt an ihre Privilegien, auf die sie sich verlassen können. – Verhältnisse zueinander sagen nichts über die tatsächliche Qualität eines Merkmals. Ein Beispiel aus dem Gender Equality Index: Beim Thema Freizeit haben Männer einen kleinen Vorsprung. Hier sinken nun die gemessenen Werte für beide Geschlechter seit 2006, nur eben auch für Männer schneller als bei Frauen. In der Folge wird eine größere Gleichstellung gemessen, aber sowohl Frauen als auch Männer haben heutzutage absolut weniger Freizeit als vor zehn Jahren. Gleichstellung als Beruhigungspille für die freizeitlosen Arbeitssklaven?
  • Welche Parameter wählt man für einen Index aus? Hier ist der statistischen Beliebigkeit Tür und Tor geöffnet. Beim Thema „Power“ führt der methodische Apparat der o.g. Studie die Faktoren political, social und economic auf. Die Politische Macht wird an Geschlechterverhältnissen im Parlament gemessen, ökonomische Macht anhand von Vorständen in Unternehmen. Für die soziale Macht wird kein Parameter identifiziert. Warum? Wäre nicht z.B. die Verteilung von Sorgerechtsentscheidungen ein Fall für soziale Macht? Was würde wohl bei dieser Messung rauskommen?
  • Ein letzter Punkt, Deutschland würde wie die Studienautoren berichten, einen gewaltigen Sprung in der Gleichstellung machen, wenn Frauen mehr in Parlamenten und Unternehmensvorständen vertreten wären. Der deutsche Indexwert könnte sich leicht um fast 15 Prozentpunkte erhöhen, wenn etwa 2.000-3.000 Frauen in die gewünschten Positionen kommen. Das zeigt deutlich: Gleichstellung ist ein Elitenthema.

Aber machen wir weiter im Text.

“Was aber bedeuten diese Zahlen im eigenen Leben? Ihr könnt es leicht herausfinden. Nehmt diesen Brief zum Anlass, um in eurem Umfeld, in der Familie oder im Freundeskreis, Frauen nach ihren Erfahrungen mit Sexismus zu fragen. Dann hört zu. Ich habe das gemacht und von haarsträubende Erlebnissen und Erfahrungen gehört: Frauen, die auf der Straße angefasst oder von Männern in Ecken gedrängt wurden. Frauen, denen zustehende Beförderungen verweigert wurden. Frauen, die lächerlich gemacht oder unterschätzt werden. Frauen, die gestalkt, verfolgt oder missbraucht wurden. Frauen, die genauso gut arbeiten wie Männer, aber schlechter bezahlt werden. Frauen, die in wichtigen Positionen sind, und als „Süße“ oder „Schätzchen“ degradiert werden. Ich war und bin schockiert, dies von den Frauen in meinem engsten Familien- und Freundeskreis zu hören. Die wiederum sagen, dass es keine Frau gibt, die nicht ein Erlebnis dieser Art vorbringen kann. All das sind keine Einzelfälle. Sie zeigen, wie die in der EU nur halb erreichte Gleichberechtigung unmittelbar im persönlichen Leben von Frauen und Mädchen wirksam ist. Daher, nehmt euch Zeit, hört zu, kommt ins Gespräch. Es wird euren Blick erneuern.“

Dieser Absatz ist das Kernargument des Autors, abgeleitet aus seiner falschen Interpretation eines Gleichstellungsindexes. Männer sollen Frauen nach ihren Erfahrungen fragen, wobei diese soweit definiert werden, dass natürlich jede einen solchen Fall berichten kann. Diese Vorgehensweise beschreibt eine weitere Rabulistik feministischer Rhetorik, die Begriffserweiterung ins Unkenntliche. Denn würde man Männer fragen, ob sie schon mal auf der Straße bedrängt wurden, schlechter bezahlt, nicht befördert, missbraucht, geschlagen, abfällig bezeichnet, unterschätzt oder gestalkt würde auch nahezu jeder ein Beispiel geben können.

Und ja, ich habe das was der Autor vorschlägt selbst getan und meine Freundin gefragt. Sie konnte mir von zwei Vorfällen berichten: Einmal begegnete sie in einem Berliner Park einem Exhibitionisten der sich vor ihr entblößte und einmal wurde sie und eine Freundin in Paris am Fernreisebahnhof von einer Gruppe französisch-arabischer Jungs bedrängt. Im ersten Fall war sie amüsiert, im zweiten Fall verängstigt. Welcher Erkenntniswert liegt dem nun zugrunde? Und vor allem, was sollte ich als „europäischer Mann“ dagegen tun? Soll ich meine Freundin stetig begleiten, damit ich sie beschützen kann, wenn ihr so etwas passiert? Wobei das wiederum an Verhaltensweisen außereuropäischer Männer erinnert. Das was der Autor hier macht ist ganz klassisch: Man ignoriert Lebenserfahrungen von Männern (privilegiert), entgrenzt Begriffe ins unermessliche und produziert so ein Horrorszenario und schließt dann aus der Verteilung aus die Grundgesamtheit und formuliert daraus einen Rechtfertigungsdruck gegenüber Männern. Stalking z.B. ist bei etwa 30.000 jährlich angezeigten Fällen in Deutschland kein Massenphänomen und betrifft im Übrigen in etwa 20 Prozent der Fälle auch Männer. Aber was sollen europäische Männer in Deutschland dagegen unternehmen? Was sollen 38 Millionen Männer gegen etwa 24.000 stalkende Männer ausrichten? Der Autor präsentiert hier eine Pseudolösung und appelliert letztlich an die klassische Geschlechterhierarchie, die er eigentlich vorgibt zu brechen: Männer sollen die Beschützer von Frauen sein. Erst wenn keine Frau mehr etwas berichten kann, dann sei Gleichberechtigung erreicht. Nach diesem Absatz habe ich mich ernsthaft gefragt, ob der Autor wirklich so kindlich naiv ist oder er tatsächlich lediglich seine reine Gesinnung signalisieren will.

„Es ist doch ein spannende Umstand, dass Europa als einziger Kontinent der Welt nach einer Frau benannt ist. Ein Ansporn für uns alle, solange wir nicht tatsächliche Gleichberechtigung erreicht haben – in unserem Leben, in unseren Köpfen, in unseren Gesellschaften. Stellt euch vor, was für ein Europa wir haben könnten, wenn wir einander nicht nach dem Geschlecht beurteilen und entsprechend unterschiedlich behandeln würden. Wenn die Anerkennung, die im persönlichen Alltag oft ganz normal ist – der Respekt und die Zuneigung zu unseren Schwestern, Müttern, Freundinnen, Grossmüttern, Patentanten, Cousinen – auch im größeren gesellschaftlichen Kontext gelten würde. Stellt euch vor, was wir zusammen erreichen könnten, wenn wir das volle Potential unseres Kontinents nutzen würden, und nicht nur das halbe. Aus diesen Grund schreibe ich euch heute von Mann zu Mann. Als Männer im 21. Jahrhundert haben wir eine kollektive Verantwortung, nicht wegzuschauen, sondern aktiver Teil eines besseren Europas zu werden. Echte Männer degradieren Frauen nicht. Echte Männer belästigen Frauen nicht. Echte Männer schauen nicht weg. Daher: Werdet Mitstreiter für die Gleichberechtigung. Und das nicht für Frauen oder weil wir es besser könnten (das wäre ja die Bevormundung, die wir gerade nicht wollen), sondern zusammen mit Frauen, Seite an Seite, für eine bessere Zukunft in Europa“

Der letzte Teil formuliert das Pathos mit dem zum Handeln aufgerufen wird. Zunächst wird aus dem Umstand, dass der Kontinent Europa nach einer Geliebten des Zeus benannt wurde, ein Handlungszwang für Männer abgeleitet. Das klingt gut, ist aber reichlich absurd. Schlimmer wiegt hingegen die anschließende Übergriffigkeit. Eine Übergriffigkeit wie sie ebenfalls typisch ist für den Gegenwartsfeminismus. Der Autor behauptet, „wir“ (ob er damit nur die europäischen Männer meint oder auch Frauen bleibt unklar) würden einander nach dem Geschlecht beurteilen und unterschiedlich behandeln. Damit impliziert er zweierlei. Einerseits, dass Männer sich untereinander besser behandeln würden, als Frauen und andererseits das „wir“ das überhaupt tun. Das ist eine Beschämung, die ich entschieden zurückweise. Denn ich habe noch nie eine Frau gestalkt, missbraucht, geschlagen, bedrängt, nicht befördert, schlechter bezahlt etc. pp. Die Beschämung resultiert aus dem Rechtfertigungsdruck, den der Autor einfach so allen „europäischen Männern“ auferlegt. Auch frage ich mich in welcher Realität der Autor lebt, wenn er die Beziehungen von Männern untereinander mit dem Respekt und der Liebe von Männern zu ihren Frauen, Müttern, Schwestern und Töchtern implizit gleichsetzt. Selbstverständlich ist jedes Familienmitglied einem näher, als eine fremde Frau oder ein fremder Mann. Im letzten Absatz schließt der Autor mit einem Appell an „echte Männer“. Die so der Autor, würden Frauen nicht abwerten und misshandeln. Wie absurd dieser Aufruf des Autors ist wird deutlich, wenn man ihn geschlechtsneutral formuliert: Echte Menschen belästigen Menschen nicht. Echte Menschen schauen nicht weg. Echte Menschen degradieren nicht. Denn Anstand hat kein Geschlecht. Und schon gar nicht verfügen Frauen über diesen qua weiblicher Geschlechtszugehörigkeit.

Der offene Brief von Immanuel-Vincent Herr zeigt in verdichtet komprimierter Form das Problem des gegenwärtigen Diskurses über Fragen der Gleichberechtigung auf. In der veröffentlichen Meinung ist dieser die Simulation eines Meinungsaustauschs. Er ist getrieben von den Interessen einer weitvernetzten feministischen Interessensvertretung, die nur vorgibt für einen Ausgleich zwischen den Geschlechtern zu sorgen. Das feministische Kalkül ist letztlich auf eine Befriedigung eigener ökonomischer und sozialpsychologischer Interessen zurückzuführen. Ökonomische Interessen zeigen sich an dem Drang staatliche oder halbstaatliche Versorgungspositionen in Behörden, Ministerien, Bildungseinrichtungen oder Stiftungen und Vereine zu sichern. Sozialpsychologisch zielen Feministen auf eine Bestätigung der eigenen Person durch etwas so profanem wie die Geschlechtszugehörigkeit, sei es durch die gegenseitige Vergewisserung das Frauen immer nur eine Opferlage abbilden und dabei ja eigentlich Männern intellektuell oder emotional überlegen seien. Für feministische Männer wie Immanuel-Vincent Heer mag es ein solches Motiv auch geben, indem sie durch Signalisieren ihres Wohlwollens und der Übernahme feministischer Ideologie einen der besseren Plätze in der feministischen Geschlechterhierarchie einnehmen können. Diese ist wie die Analyse des offenen Briefs zeigt offensichtlich und geradezu grotesk ist es, wenn der Autor dazu auffordert, Menschen nicht nach ihrem Geschlecht zu beurteilen. Denn genau dies tut er vom ersten bis zum letzten Wort.

Eine Meinungsvielfalt und eine tatsächliche Lageverbesserung kann so natürlich nicht stattfinden. Entlang klar hierarchisierter Täter-OpferDichotomien werden unter Ausschluss männerrechtlich interessierter Kreise Theoreme und Axiome gepflegt, die auf eine objektive feministische Hegemonie in der Debatte zielen. Jeder Widerspruch, jedes anderslautende Faktum wird ausgeblendet oder marginalisiert. Feministische Interpretationen zielen daher nicht auf ein besseres Verständnis der Wirklichkeit, sondern auf die Verstetigung des einseitigen feministischen Opfernarrativ, mit dessen in einer sozialstaatlichen Demokratie finanzielle Ressourcen und Aufmerksamkeit gesichert werden.

Und doch haben Feministen ein großes Problem, das sich immer genau dann zeigt, wenn sie die in der Echokammer kultivierten Narrative an die Öffentlichkeit tragen. Ich habe an einem konkreten Beispiel exemplarisch aufgezeigt, welche geringe Qualität feministische Beiträge mittlerweile in der Debatte haben. Hiervon bildet der vorliegende offene Brief nur ein krasses Beispiel. Die massiven Recherchemängel, Logikfehler oder Fehlinformationen, die auch der Autor in seinem offenen Brief zeigte, sind daher kein Einzelfall. Sie stehen exemplarisch für die Qualität feministischer Meinungsbeiträge, Studien oder Konzepte. Mittlerweile werden täglich von feministisch identifizierenden Medienschaffenden, Politikern und Lobbyisten solche schlechten Debattenbeiträge und Analysen produziert. Doch die eigene Argumentation wird nicht besser, wenn man sie in einem sicheren Raum einübt, sondern sie wird griffiger, wenn man sich in einem gleichberechtigten Austausch mit dem Anderen begibt. Mit sozialen Medien und dem Aufkommen neuer politischer Kräfte in Deutschland findet eine neue Polarisierung der Geschlechterdebatte statt. Doch genau diese führt nicht zu einer Qualitätsverbesserung feministischer Argumentation, da Gegenpositionen sprichwörtlich abgeblockt werden.

Je hermetischer Feministen sich einschließen, desto eher führt dies zu einer Pluralisierung der Debatte. Und diese wäre kein „Backlash“, sondern der Aufbruch in eine wirklich gleichberechtigte Geschlechterdebatte.

Strategien zur besseren Wahrnehmung von Problemen von Jungen und Männern (Gastartikel)

Dies ist ein Gastartikel von Mark Smith

Strategien, damit Problemlagen und Benachteiligungen von Jungen und Männern vermehrt in Politik und Medien wahrgenommen werden und somit gesellschaftliche Akzeptanz finden!

Es herrscht offenbar vielfach eine Kluft zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung, wenn es um die Problemlagen und Benachteiligungen von Jungen und Männern geht. Dieser Artikel geht der Frage nach, mit welchen Strategien diese Kluft ein Stück weit geschlossen werden könnte.

Kluft zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung

Vor zwei, drei Wochen gab es auch in der Schweiz einen sogenannten Schweizer-Aufschrei, der also Sexismus und sexuelle Belästigung etc. von Männern gegenüber Frauen thematisierte. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Schweizer Medien zahlreich über diesen Hashtag – meist wohlwollend und positiv –  informierten bzw. das Anliegen diskutierten. Das heisst, wenn Frauen in den Social Media einen „Aufschrei“ über Sexismus lancieren, wird dieser von den etablierten Mainstream-Medien quasi kritiklos und wohlwollend rezipiert. Anders sah die Sache bei den Online-Medien und ihren Kommentarspalten aus: Bei etlichen Online-Medien wurde der Aufschrei – von zahlreichen Männern, aber auch Frauen –  aus unterschiedlichsten Gründen kritisiert (vielfach, weil Frauen nur als Opfer und Männer nur als Täter dargestellt wurden). Das heisst: zwischen den Medien und ihren Rezipienten gab es eine grosse Kluft (Hiatus). Das heisst zusätzlich: Die etablierten Medien sind vermutlich nicht repräsentativ für die öffentliche Meinung, sondern höchstens für die veröffentlichte Meinung. Das heisst ebenfalls: Es ist anzunehmen, dass viele Männer, aber teilweise auch Frauen, für Benachteiligungen von Männern ein offenes Ohr haben.

Mit welchen Strategien kann diese Kluft geschlossen werden?

Vor diesem Hintergrund habe ich mich gefragt, was man machen könnte, damit die Problemlagen und Benachteiligungen von Jungen und Männern in Politik und Medien vermehrt wahrgenommen werden und schlussendlich breite(re) Akzeptanz finden und schlussendlich auch Massnahmen dagegen ergriffen werden. Wie ich auf Genderama erst kürzlich gelesen habe, gab es offenbar bereits eine Diskussion darüber, wie man die Leute zu mehr als „nur“ zum Bloggen und Kommentieren motivieren könnte – Arne Hoffmann schreibt diesbezüglich auf Genderama:

„Versuche, die Leute zu mehr als zum Bloggen und Kommentieren zu motivieren, wurden als Angriff auf Blogger missverstanden und führte zu regelrechten Wutanfällen. Andererseits entstehen durch den Männerkongress und die Interessensgemeinschaft Jungen, Männer und Väter derzeit genau solche Bewegungen, die über das Internet hinausgehen und den direkten Kontakt mit der Politik suchen – wenn auch deren Hauptlast wieder von einigen wenigen Einzelnen getragen wird und anders als etwa in Großbritannien hierzulande keine wirklich öffentlichkeitswirksamen Aktionen stattfinden. Es ist so, wie es ist, und mehr kann man derzeit meiner Einschätzung nach nicht erreichen. Gleichberechtigung für Männer zu erreichen ist offenbar ein sehr zäher Prozess.“

Diese Diskussion, wie kann man die Leute vermehrt zu weiteren Aktivitäten motivieren als „nur“ zum Bloggen und Kommentieren, wurde somit bereits geführt, und es macht insofern keinen Sinn, diese Diskussion zu wiederholen. Meine Intention war von Anfang an auch nicht auf diesen Aspekt (wie motiviere ich die Leute) gerichtet, sondern, welche Strategien könnten erfolgreich sein, damit eben Problemlagen und Benachteiligungen von Jungen und Männern vermehrt in der Gesellschaft wahrgenommen werden, damit gesellschaftlich bzw. gesellschaftspolitisch mit entsprechenden Massnahmen darauf reagiert wird.

In diesem ersten Teil (ev. gibt es auch noch einen zweiten Teil) werde ich nachfolgend ein paar Strategien vorstellen, die m.E. notwendig und zwingend sind, es fehlen jedoch auch noch Strategien, wie man z.B. mit staatlichen Institutionen/Organisationen oder zivilgesellschaftlichen Institutionen/Organisationen etc. umgeht (Parteien, Gewerkschaften, Verbände, Vereine, NGO etc.).

Interessant für eine Diskussion wäre für mich demzufolge: welche Strategien findet ihr sinnvoll, welche überhaupt nicht, was für Strategien fallen Euch sonst noch ein?

(1) Mitwirkung in Organisationen bzw. Institutionen, die sich für Problemlagen und Benachteiligungen von Jungen und Männern einsetzen:

  • Eintritt in Organisationen bzw. Institutionen, die sich für Problemlagen und Benachteiligungen von Jungen und Männern engagieren;
  • aktiv mitarbeiten in Organisationen bzw. Institutionen, die sich für Jungen und Männern engagieren;
  • finanzielle Unterstützung (Spenden) für Organisationen bzw. Institutionen, die sich für Problemlagen und Benachteiligungen von Jungen und Männern einsetzen;
  • Öffentlichkeitsarbeit (Werbung) machen für solche Organisationen bzw. Institutionen bei Verwandten, Bekannten, Freunden, Kollegen, Parteien, NGO’s, staatlichen Institutionen, auf Social Media Kanälen (Facebook, Twitter, Blogs, Verlinkungen etc.).

(2) Medien:

Ausgangslage:

  • Der feministische Diskurs ist sogenannt hegemonial in den (Leit-)Medien (Radio, TV. Print, Online).
  • Es herrscht somit vielfach ein verzerrtes Bild in den Medien über Benachteiligungen und Problemlagen von Jungen und Männern.
  • Wer sich für Problemlagen und Benachteiligungen von Jungen und Männern einsetzt, wird vielfach diskreditiert, diffamiert, als Feind (Erzeugung von Feindbilder) betrachtet, ausgegrenzt, marginalisiert, stigmatisiert etc.
  • Es gibt nur sehr wenige Journalisten, die es wagen, sich für Benachteiligungen und Problemlagen von Männern einzusetzen.

Mir selbst kommen im deutschen Raum so spontan nur gerade folgende Personen in den Sinn, die es regelmässig auch in die Leitmedien schaffen:

  • Thomas Fischer
  • Birgit Kelle
  • Harald Martenstein
  • Don Alfonso

 Strategien:

  • Hier könnte es sinnvoll sein, dass man diese Personen, die es schaffen, regelmässig in den Leitmedien zu publizieren, immer wieder mal ermuntert, Ihnen Mut zuspricht, sie bestätigt, dass sie auch mitbekommen, dass man ihre Medienarbeit für wichtig und wertvoll findet.
  • Es ist m.E. wichtig, dass man die Medien, die vielfach ein verzerrtes Bild zeichnen, immer wieder darauf aufmerksam macht und kritisiert. Das heisst, dass man einzelne Artikel oder eine Serie von Artikeln, Sendungen, Beiträge etc. immer wieder mal analysiert und auf Lücken, Fehlstellen, Widersprüche, Fehler, tendenziöse Berichterstattung, Unausgewogenheit, Moralisierung, Emotionalisierung, Skandalisierung, Einseitigkeiten, fehlende Ausgewogenheit, Empörungsbewirtschaftung, Bauchstalinismus, Feindbilder, Stereotypien, Diffamierungen, Diskreditierungen, Stigmatisierungen etc. abklopft und diese darlegt und online publiziert.
  • Dies kann auf Blogs geschehen, dies kann auf Kommentarspalten geschehen, man könnte jedoch auch direkt die Journalisten direkt und persönlich per E-Mail kontaktieren und sie auf die entsprechenden Stellungnahmen hinweisen oder direkt in der E-Mail gerade darauf hinweisen, was man gut findet und was nicht.
  • Eine zusätzliche Möglichkeit wäre, dass man nicht nur den betreffenden Journalisten kontaktiert, sondern ev. auch die gesamte Redaktion oder die Chefredaktoren, sodass es in der Hierarchie auch ein bisschen aufwärts geht.
  • Möglichkeit wäre natürlich auch, wenn man eine Programmbeschwerde (Aufsichtsbeschwerde) einreicht, wenn gewisse Sendungen beim Hörfunk oder TV vollständig jenseits von Gut und Böse sind.
  • Sinnvoll könnte auch sein, dass man bei den etablierten Medien anfragt, ob man ev. mal einen Gastbeitrag einbringen oder sogar regelmässig einen Gastbeitrag publizieren dürfte.
  • Das Gleiche gilt für weniger etablierte Medien wie z.B. Telepolis, Novo Argumente, Cicero etc.

Wichtig scheint mir dabei, dass man quasi immer auf zwei Ebenen operiert:

  • Auf der thematischen Sachebene (z.B. Gender-Pay-Gap) sowie
  • auf einer Metaebene, die quasi an die Medienqualität des Mediums oder des Journalisten appelliert (fehlende Kontextualisierung, fehlende Ausgewogenheit, fehlende Relevanz, fehlende Neutralität, fehlende Objektivität, fehlende Fakten, ungenügende Recherche, Kampagnenjournalismus, Emotionalisierung, Empörungsbewirtschaftung, Bauchstalinismus, Moralisierung, Diskreditierung, Stigmatisierung, Feindbilder etc.).
  • Die Thematisierung der Metaebene, also der Medienqualität, ist m.E. sehr wichtig: Die Medien bzw. Journalisten mögen es in der Regel nicht, wenn man ihnen Mängel hinsichtlich der Medienqualität vorwirft, weil hier kratzt man unter anderem auch an ihrem Berufsethos.

Die Artikel könnten m.E. wie folgt aufgebaut sein:

  • Leicht lesbar und verstehbar (gute Verständlichkeit, mit Bilder, Graphiken, Infokasten, Titel, Untertitel, Vorspann, Zwischentitel, Gliederung, Abschnitte): Verständlichkeit und Schwierigkeit auf das Zielpublikum zugeschnitten, aber eher weniger Fremdwörter oder Fachjargon, eher kleine Häppchen und nicht ellenlange Texte, und der Text sollte einen Küchenzuruf haben: also eine klare Botschaft (und nicht zwei), die mit höchstens zwei Sätzen auf den Punkt gebracht werden kann.
  • Verweise auf Kontext- und Hintergrundwissen: Also auf weiterführende Literatur (wissenschaftliche Studien, Bücher, Artikel, Sendungen, Institutionen, Personen, Blogs, Infoseiten etc.)
  • Wenn möglich keine Polemik, keine direkten Angriffe bzw. Wertungen auf die Person, eher Fragen stellen, sachlich argumentieren, wenn Moralisierung und Emotionalisierung, dann eher in fragender Form, also kein Kampagenjournalismus, sondern Argumentation und Fakten: eine klare Meinung kann selbstverständlich auch vertreten werden. Keine Feindbilder aufbauen: hier die Guten und dort die bösen Feministinnen, sondern sagen, dass man die Interesse aller vertritt, nicht nur die der Frauen oder Männer oder Kinder: also Menschenrechte und Benachteiligungen aller Menschen ist das eigentlich Ziel. Jedoch darauf hinweisen, dass es eine verzerrte Debatte gibt: Probleme und Benachteiligungen von Jungen und Männern würden nicht angemessen in Medien und Politik bearbeitet und wahrgenommen, weil vielfach „nur“ die Problemlagen und Benachteiligungen von Frauen und Mädchen thematisiert würden. Ziel wäre also, ein realitätsgerechtes Bild zu zeichnen.
  • Selbstverständlich kann man sich fragen, ob es nicht besser wäre, wenn man quasi mit Emotionalisierung, Skandalisierung und Moralisierung arbeiten würde, also quasi Empörungs- oder Kampagnenjournalismus betreiben sollte, wie es eben z.B. die Aufschrei-Kampagne machte. Ich bin der Auffassung, dass dies die falsche Strategie ist, weil solche Menschen, die sich quasi mittels Emotionalisierung, Moralisierung und Skandalisierung einfangen lassen, lassen sich am nächsten Tag ev. auch wieder für etwas anderes einfangen, was dem widerspricht, was noch am Vortag für sinnvoll gehalten wurde. Aber eine Möglichkeit wäre, wenn man darauf aufmerksam macht, dass man sich eben abgrenzt von solchen Kampagnen wie der Aufschrei etc. und dies auch erklärt: wieso, weshalb warum.