Hörsaalbesetzung in Jena um Lehrstuhl für Geschlechtergeschichte zu retten

Arne berichtet über eine Aktion an der Uni Jena:

Ab 2025 will die Jenaer Friedrich-Schiller-Universität den deutschlandweit einmaligen Lehrstuhl für Geschlechtergeschichte streichen. Studierenden haben dagegen eine Petition gestartet und demonstriert. Geholfen hat es bislang nichts. Nun sind die jungen Menschen auf eine radikalere Protestform ausgewichen und haben Jenas größten Hörsaal besetzt – auf unbestimmte Zeit.

So wie es aussieht, werden sie eine Weile bleiben. Um die 50 Studierende halten seit Mittwochabend den Hörsaal 1 am Jenaer Ernst-Abbe-Platz besetzt. Zwei Dutzend schlafen sogar dort. Der Hörsaal der Uni Jena ist für etwa 800 Menschen ausgelegt. Jetzt hängen Transparente mit Forderungen an den Wänden, Matratzen liegen dort, wo normalerweise Professorinnen und Professoren für ihre Vorlesungen stehen.

(…) Die Hauptforderung der Besetzer: Der Lehrstuhl für Geschlechtergeschichte, seit 2010 unter der Leitung von Professorin Gisela Mettele, darf nicht wegfallen. Mettele geht 2025 in den Ruhestand. Danach soll es keine Nachfolgerin, keinen Nachfolger geben. So der Plan der Uni. Ein Plan, der aus finanzieller Not heraus gefasst werden musste, sagt Professor Christoph Demmerling, Dekan der Philosophischen Fakultät.

Mettele ist ganz interessant: Ihr Thema scheint einmal Religion und dann Geschlechtergeschichte zu sein, also je nach Standpunkt zwei Religionen.
Ihre Forschung wirkt noch relativ unintersektional. Aber ich vermute die Chance auf eine Neubesetzung ist dort doppelt interessant: Einmal ist es schlicht eine Stelle mehr für Gender Studies Studierende. Dann kann man sie auch noch radikaler neu besetzen

Voraus ging die Verpflichtung, die bisher extern finanzierte Junior-Professur „Digital Humanities“ aus eigenen Mitteln zu bezahlen, und zudem der Wunsch, diese auch noch zu einer ordentlichen Professur aufzuwerten. Das kostet viel Geld. Heißt, an anderer Stelle muss gespart werden.

Zwei Streichkandidaten standen zur Wahl: Geschlechtergeschichte und Mittellatein. Der Fakultätsrat habe sich für ersteren entschieden, weil, wie Demmerling betont, Geschlechterthemen auch an anderen Professuren mitverhandelt und gelehrt werden.

Ich gebe zu, bei der Wahl zwischen Geschlechtergeschichte und Mittellatein würde ich persönlich einfach beide streichen. Und das ohne mich zu informieren, was Mittellatein überhaupt ist.

Das reiche aber nicht aus, finden die Studierenden im Hörsaal 1. Es sei wichtig, dass es für die Geschichtswissenschaft mit Genderperspektive eine zentrale Institution gebe. Nur so könne sichergestellt werden, dass der Ansatz auch umfassend fortentwickelt werde. Zufrieden geben wollen sich die Studierenden mit Geschlechtergeschichte in zufällig abfallender Häppchenform nicht.

Zudem sei die Entscheidung gegen den Lehrstuhl Geschlechtergeschichte undemokratisch und intransparent gefallen. Eine nicht demokratisch legitimierte Kommission – besetzt mit Nicht-Historikern – habe eine Vorauswahl getroffen. Im Fakultätsrat, der die endgültige Entscheidung getroffen hat, hatten die Studierenden nur eine von 17 Stimmen. Sie wünschen sich nun einen deutlich basisdemokratischeren Mitbestimmungsprozess in derartigen Fällen.

Natürlich ist es das gute Recht von Studenten sich gegen eine Streichung einer aus ihrer Sicht wichtigen Stelle auszusprechen. Aber letztendlich sind es aus meiner Sicht Scheinargumente, sie wollen halt eine andere Entscheidung.

Dekan Demmerling sieht das anders. Von undemokratisch könne keine Rede sein. Das Verfahren sei sehr „kleinteilig begutachtet“ worden. Das Rechtsamt habe es ausgeleuchtet – die Strukturkommission dann eine Empfehlung ausgesprochen. Zuvor gab es an der Universität äußerst kontroverse Diskussionen zum Thema.

(…) Nicht alle Jenaer Studierenden sind mit der Besetzung des größten Hörsaals einverstanden. Laut einem Uni-Sprecher gebe es einigen Unmut unter den Kommilitoninnen und Kommilitonen. Vorlesungen anderer Fächer fielen entweder aus oder werden in kleinere Räume verlegt. Das ist auch den Besetzern bewusst. Sie wollten keine Bildung verhindern, sagen sie. Aber sie sähen auch keine andere Möglichkeit, mehr Gehör zu finden. In den kommenden Tagen wollen sie mit der Uni verhandeln.

Das ist einer der großen Vorteile der Gender Studies: Sie sind bereit zu kämpfen und sie haben die Leute dafür, die so etwas machen, weil es eben eine Ideologie mit einer gewissen Fanatisierung ist. Das bringt Vorteile, einfach weil man Widerstand befürchten muss, wenn man etwas in diese Richtung macht. Man weiß eigentlich schon, oder zumindest weiß man es beim nächsten Mal, dass es Ärger geben wird.

Im Prinzip können sie sich überlegen, wie lange sie ohne ihren Hörsaal auskommen, ob sie sich trauen gewaltsam mit Polizei zu räumen oder eben klein bei zu geben.

Titiat Sciptor zur Debatte um die Anzahl der Geschlechter

Titiat Scriptor hat auf Twitter einen interessanten Thread geschrieben:

Man kann sagen, „Biologisches Geschlecht ist beim Menschen binär“, ohne deshalb transfeindlich zu sein, irgendwem die Existenz abzusprechen oder damit eine biologistisch-regressive, rechtskonservative Agenda zu verfolgen. Nichts davon folgt ohne Weiteres aus diesem Statement. |1

Letztendlich hängt alles an der Frage, was man unter Geschlecht versteht. Das biologische Geschlecht ist eine in der Wissenschaft der Biologie übliche Einteilung von individuellen Lebewesen nach der Produktion von Keimzellen im Rahmen der geschlechtlichen oder sexuellen Fortpflanzung. Das ist eine in der Biologie sinnvolle Einteilung, weil sich daraus gerade evolutionär viel ergibt und es die grundlegenden Funktionen darstellbar macht. Extreme Sonderfälle wie Transsexualität oder Intersexualität sind dabei für die meisten Spezien relativ egal, weil sie nichts an der grundlegenden Betrachtung ändern und auch keine Fortpflanzungsfunktion haben. Das kann in anderen Spezien anders sein, ich hatte es hier schon einmal anhand des Beispiels der Clownfische und der Frage, wie eingeengt unsere Perspektive in Bezug auf den Einfluss der Biologie ist, besprochen in dem ich eine passende Passage zitiert habe:

You see, a clownfish colony — which doesn’t stray far from its anemone host — is dominated by one male and one female. These two are the only ones who are trading fluids in the entire group. Why? Because all clownfish are born male. Why? Because Mother Nature is one crazy broad

Naturally, the next question is „Where did that male clownfish get his woman bits from?“ Well, clownfish are sequential hermaphrodites, meaning that the male can transform himself into an intoxicating lady quicker than Wesley Snipes in To Wong Foo, Thanks for Everything! Julie Newmar

So what does this mean for Finding Nemo? Well, when the female in the colony dies or disappears, the dominant male will change into the dominant female, and the fish who was waiting in line behind him takes over as the new top guy.

Remember that Nemo’s mom became fish food in the first act, along with all of Nemo’s brothers. This makes Marlin the dominant male, and Nemo the second-most dominant. Are you starting to pick up what we’re putting down, preferably while wearing latex gloves?

You know that tiny fish egg that Marlin nurtured, cared for, and almost died for? Yup, he was totally just trying to get his son home so they could repopulate their colony.

Auch hier gibt es im übrigen zwei Geschlechter, nur das die Spezies eben „sequential hermaphrodites“ sind, also erst das eine Geschlecht haben und dann ins andere wechseln, was beim Menschen gerade nicht der Fall ist.

2| Genauso kann man sagen, „Eine simple Dichotomie von Mann und Frau bildet die Realität nicht akkurat ab“, ohne deshalb die Biologie zugunsten einer radikalkonstruktivistischen Beliebigkeit über Bord zu werfen, Frauenrechte abschaffen zu wollen oder woke Ideologie zu verbreiten

Das könnte man in der Tat sagen, gerade wenn man Männer und Frauen als etwas essentielles versteht, also Männer, die immer männlich sein müssen und Frauen, die immer weiblich sein müssen. Es gibt zwar nur zwei Geschlechter, aber eine gewisse Bandbreite in der Ausgestaltung: Während es bei dem „biologischen Geschlecht“ auf die Gameten ankommt, die klar einer Anzahl (2) zuzuordnen sind, verläuft die Ausgestaltung zumindest zu einem gewissen Teil über Hormone und deren graduellen Stände zu bestimmten Zeiten. Es gibt insofern „Männliche Frauen“ und „Weibliche Männer“, Transsexuelle und Intersexuelle etc. Das eröffnet keine neuen Geschlechter, aber es gibt Vermischungen der beiden Geschlechter. Das kann man zugestehen ohne das dies die Biologie in irgendeiner Weise beeinträchtigt.

3| Die unselige Tendenz, vom Statement direkt auf extreme Implikationen und Motive zu schließen, macht jede Diskussion kaputt. Warum überhaupt noch miteinander sprechen, wenn man die Worte der Anderen sowieso nur als Fassade für Ansichten versteht, die gar nicht geäußert wurden?

Natürlich gibt es auf beiden Seiten Personen, die gar nicht zur Diskussion bereit sind. Immerhin sind auf der einen Seite intersektionale Feministen bzw radikale Transaktivisten und auf der anderen Seite Radfems (in einer gewissen teilweisen Allianz mit Leuten, die Biologie schon lange gegen die andere Seite verteidigen).

Naturgemäß sehe ich es beispielsweise so, dass auf der Seite der intersektionalen Feministen und radikalen Transaktivisten tatsächlich kaum jemand ist, der wirklich zu einer Diskussion bereit ist (wobei sich da ein gewisses „echter Schotte“-Problem stellt). Und gleichzeitig sehe ich die Radfem-Seite ebenfalls kritisch (die Biologenseite aber natürlich nicht).

Gleichzeitig würde ich behaupten, dass ich in den diesbezüglichen Diskussuinen immer offen für eine tatsächliche Diskussion war.

4| Welche effektiven Werkzeuge zur Konfliktlösung bleiben denn übrig, wenn der Reflex zur böswilligen Interpretation irgendwann eine gesellschaftliche Debatte nutzlos gemacht hat? Nur Macht und – im Extremfall – Gewalt. Wollen Sie das? Nein? Lösungsorientiert diskutieren hilft.

Das ist richtig. Aber eben mit Fanatikern schwer möglich.

Sophie Passmann und der Feminismus weißer Frauen

Sophie Passmann hat ein Interview gegeben und die intersektionale Szene reagiert sehr kritisch. Insbesondere die folgenden Passagen scheinen auf Kritik zu stoßen:

Das Schlimmste am Internet sei, dass wir die Repräsentation einer Sache mehr schätzen als die Sache selbst, sagt Jia Tolentino.
Das ist eigentlich schon zu offensichtlich richtig. Es ist eine Binsenwahrheit wie: Sprache schafft Wirklichkeit. Natürlich. Im Internet geht es darum, dass man dabei gesehen wird, wie man als Person eine Sache repräsentiert. Was nur dazu führt, dass die bestehenden Strukturen weiter zementiert statt dekonstruiert werden. Plakatives Beispiel: Wenn Redaktionen im Namen des Antirassismus eine Schwarze Frau zum vermeintlichen Sprachrohr von rassistischen Erfahrungen in Deutschland machen, führt das dazu, dass wieder nur ein Standard reproduziert wird: Wer spricht am lautesten, am funkiesten in ein Interview-Mikrofon hinein? Ohne dabei irgendetwas gegen Rassismus getan zu haben. Ich habe mich deswegen vor zwei Jahren aus dem Politik-Scheiss komplett rausgezogen. Es bringt einfach nichts, ausser dass ich ordentlich Bücher verkaufe. Und das ist selbst mir zu unehrlich.

Hier im Blog würden wir da wohl nicht so viel kritisches sehen, eher zustimmen. Es ist eine Folge der Standpunkttheorien, nach denen eben nur eine betroffene Person etwas über Diskriminierung sagen kann. Und es passt auch gut zu dem Artikel neulich, in dem es darum ging, dass an Problemlösungen gar kein Interesse besteht, sondern man alles auf den großen Umsturz setzt.

In den intersektionalen Theorien ist es aber natürlich Ketzerei. Eine Schwarze reden lassen bringt nicht? Wer soll denn sonst den Rassismus darstellen?  Will sie etwa schwarzen Frauen keinen Raum geben? Und was meinst sie mit „Vermeintlichen Sprachrohr“? Natürlich ist eine schwarze Frau, die intersektionale Theorien vertritt und nach diesen handelt, das einzige legitime Sprachrohr dieser Gruppem!!!1
Und es werden keine Probleme gelöst? Irgendwer muss die Weißen ja über ihre Fehler belehren und das Thema in die Öffentlichkeit bringen.

Aber warum bringt das nichts? Einen abstrakten Missstand in einem Interview aufzuführen, der nur durch Gefühle und Erfahrungen belegt ist?

„Der nur durch Gefühle und Erfahrungen belegt ist“ ist natürlich auch Ketzerei. Man könnte fast meinen sie zweifelt da entsprechende Aussagen an!

Die einzelne Aussage mag nicht viel bewegen, aber vielleicht die daraus entstehende Debatte. Durch #MeToo beispielsweise hat sich einiges verändert…
… aber #MeToo ist doch auf einer ganz anderen Landkarte. Die Repräsentanz, auf die Jia Tolentino abzielt, meint, dass eine Einzelperson als Angehörige einer identitätspolitischen Gruppe etwas darstellt, für das sie ungefragt die ganze Identitätsgruppe in Mithaft nimmt, weil sie sagt: So sind wir. Das sind unsere Erfahrungen. Da ist meiner Meinung nach der Erkenntniswert gleich null. Der Erfolg von diesen Interview-Reihen und Büchern hat damit zu tun, dass Journalist:innen an irgendeinem Punkt entschieden haben, dass Erfahrungen gleichwertig sind mit Fakten. Der Hashtag #MeToo aber war eine aktivistische Aktion, die etwas angeprangert hat. Menschen, denen etwas passiert ist, sprachen darüber, was ihnen passiert ist. Die repräsentierten niemanden.

Der Anspruch auf Repräsentanz der Opfergruppen durch intersektionale Aktivisten aus dieser Opfergruppe ist natürlich eine heilige Kuh, an die keiner ran darf. Und Fakten wollen, das ist eh eine Unverschämtheit! Gefühle sind Fakten und mehr braucht es nicht!

Noch ein Satz etwas später:

Und wenn man erkennt, dass man bestimmte Dinge nur tut, weil sie im patriarchalen System von einem erwartet werden, soll man nicht versuchen, dieses Verhalten zu ändern?
Tut mir leid, aber jetzt sind wir knietief in Heidegger. Willkommen im Drittsemester Philosophie in Freiburg! Kein Mensch kann doch wissen, warum er gewisse Dinge möchte! Das können Männer doch auch nicht. Und wenn ich mir jetzt – wie zu Beginn meiner Karriere – weiterhin verbiete, eitel zu sein, und du das dann einen Systemdurchbruch nennst, ist das schlicht ein Kategoriefehler. Du setzt System und Systemumfeld gleich. Ich kann das System nicht durchbrechen, aber mein Umfeld, das kann ich verändern. Es ist doch albern, zu verleugnen, wer man ist. Dass man im Jetzt lebt, sowohl mit gewissen ästhetischen als auch popkulturellen Prägungen sowie einer Gender-Prägung. Ich bin der Mensch, der ich bin, mit den Erfahrungen, die ich gemacht habe, mit dem Alter und dem Elternhaus, das ich habe. Wenn ich vorlebe, dass ich bin, wie ich bin, und auf genau dieser Grundlage versuche, ein bisschen besser zu sein als die, die zeitlich vor mir waren, dann ist das die einzige Form von Empowerment, die wirklich funktionieren kann. Und genau das kann man sich bei mir abschauen und nachmachen.

Da leugnet sie ja quasi die Wirksamkeit des Patriarchats, scheint Männer zu entschuldigen und sieht so etwas wie …pfui… Eigenverantwortung des Einzelnen und ein Einstehen dafür, dass man ist, wer man ist, ohne die Verantwortung dafür an die Gesellschaft abzugeben.

Ich zitiere mal etwas von Twitter:

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Wie man merkt, dass man Teil eines Hasskultes ist

Ein Tweet, der, da von einer Feministin, etwas unreflektiert in Hinblick auf ihre eigene Bewegung ist, aber dessen Definition ich gar nicht so schlecht finde:

Und noch mal als Text:

Du merkst, dass du Teil eines Hasskultes bist, wenn: Du deine Meinung nicht einfach ändern und die Gruppe verlassen kannst, ohne dass die Ingroup dir das als Hochverrat auslegt und dich zu zerstören versucht. #TERFs

Passt sie?

Wird Netflix weniger woke?

Netflix hat eine Passage zu der „Unternehmenskultur“ geändert:

Entertaining the world is an amazing opportunity and also a challenge because viewers have very different tastes and points of view. So we offer a wide variety of TV shows and movies, some of which can be provocative. To help members make informed choices about what to watch, we offer ratings, content warnings and easy to use parental controls.

Not everyone will like—or agree with—everything on our service. While every title is different, we approach them based on the same set of principles: we support the artistic expression of the creators we choose to work with; we program for a diversity of audiences and tastes; and we let viewers decide what’s appropriate for them, versus having Netflix censor specific artists or voices.

As employees we support the principle that Netflix offers a diversity of stories, even if we find some titles counter to our own personal values. Depending on your role, you may need to work on titles you perceive to be harmful. If you’d find it hard to support our content breadth, Netflix may not be the best place for you.

Und auf Deutsch:

Die Welt zu unterhalten ist eine großartige Chance und gleichzeitig eine Herausforderung, denn die Zuschauer haben sehr unterschiedliche Geschmäcker und Sichtweisen. Deshalb bieten wir eine große Auswahl an Fernsehsendungen und Filmen, von denen einige provokativ sein können. Um unseren Mitgliedern die Entscheidung zu erleichtern, was sie sich ansehen möchten, bieten wir Bewertungen, Inhaltswarnungen und eine einfach zu bedienende Kindersicherung.

Nicht jeder wird alles, was wir anbieten, mögen oder damit einverstanden sein. Obwohl jeder Titel anders ist, gehen wir nach denselben Grundsätzen vor: Wir unterstützen den künstlerischen Ausdruck der Autoren, mit denen wir zusammenarbeiten; wir programmieren für eine Vielzahl von Zielgruppen und Geschmäckern; und wir lassen die Zuschauer entscheiden, was für sie geeignet ist, anstatt bestimmte Künstler oder Stimmen von Netflix zensieren zu lassen.

Als Mitarbeiter unterstützen wir den Grundsatz, dass Netflix eine Vielfalt an Geschichten anbietet, auch wenn wir einige Titel als konträr zu unseren eigenen persönlichen Werten empfinden. Je nach Ihrer Rolle müssen Sie vielleicht an Titeln arbeiten, die Sie als schädlich empfinden. Wenn es Ihnen schwerfällt, unsere inhaltliche Breite zu unterstützen, ist Netflix vielleicht nicht der richtige Ort für Sie

Natürlich ist das recht allgemein gefasst, aber gerade wenn man etwas Demonstrationen von Mitarbeitern wie diese hier betrachtet ist das schon eine Aussage in eine interessante Richtung und wird auch wohl so verstanden. Gleichzeitig soll Netflix auch ca. 2% seiner Mitarbeiter entlassen haben und evtl darunter viele „Diversity hires“

Hier einige Aussagen von Twitter:

Aber auch Stimmen, die das gerade nur als Taktik sehen:

Die Aussage, dass man andere Inhalte hinnehmen muss ist in woken intersektionalen Kreisen ja im Prinzip eine Kriegserklärung. Denn es gilt der alte Grundsatz, dass jede Duldung des Falschen ein Angriff auf das Richtige ist und man entweder Freund oder Feind ist und es dazwischen nichts geben kann.

 

Leszeks Idee bezüglich einer Critical Race Theory für den Maskulismus

Ich hatte die Kommentar- Diskussion zu Leszeks Vorschlag einer Critical Race Theory für den Maskulismus gelesen aber es eher skeptisch gesehen. Die Reaktionen hierauf und insbesondere eine Vielzahl interessierter Besucher nach einem Link von Arne, der lediglich schrieb:

5. Der linke Männerrechtler „Leszek“ denkt eine Critical Race Theory für den Maskulismus an.

lässt mich aber zu dem Ergebnis kommen, dass es für einen Artikel interessant ist.

Leszeks Kommentar:

Ich mache mir gerade Gedanken darüber, wie man die Critical Race Theory für den Maskulismus nutzbar machen kann. Dazu ist m.E. ein neuer theoretischer Ansatz nötig, der eine Synthese zwischen Critical Race Theory und Maskulismus darstellt – ich nenne ihn

Critical Race Masculism

Der Critical Race Masculism, wie ich ihn verstehe, befasst sich mit Diskriminierungen, sozialen Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen bzgl. Jungen und Männern, die ethnischen und kulturellen Minderheitengruppen angehören.

Dazu sichtet er u.a. das bislang gesammelte Material hierzu aus den verschiedenen Unterströmungen der Critical Race Theory und wertet es aus einer männerspezifischen Perspektive aus.

Die Critical Race Theory besitzt ja bekanntlich Unterströmungen zu allen größeren ethnischen und kulturellen Minderheitengruppen in den USA. Dbzgl. wären die einzelnen Unterströmungen der Critical Race Theory also daraufhin zu untersuchen, ob und inwieweit sie implizit oder explizit fundierte Informationen enthalten, die sich direkt oder indirekt mit männlichen Diskriminierungen befassen.

Der Critical Race Masculism stellt in diesem Sinne eine maskulistische Ergänzung zum bereits bestehenden Critical Race Feminism dar:

https://nyupress.org/9780814793947/critical-race-feminism-second-edition/

Daneben sollte es m.E. außerdem noch einen maskulistischen Ansatz geben, der das Framework der Critical Race Theory allgemein auf Diskriminierungen von denen Jungen und Männer betroffen sind, anwendet. Ich nenne ihn:

Critical Race Theory Informed Masculism

Der Critical Race Theory Informed Masculism befasst sich damit, den rechtstheoretischen Ansatz, der von den Theoretikern der Critical Race Theory für die Analyse von Diskriminierungen, von denen ethnische und kulturelle Minderheitengruppen in den USA betroffen sind, entwickelt wurde, allgemein auf Diskriminierungen von denen Jungen und Männer betroffen sind, anzuwenden. (Hierbei sollen dann natürlich auch weiße Männer einbezogen werden.)

Das bietet sich an, denn die Critical Race Theory befasst sich ja wesentlich einerseits mit rechtlichen Diskriminierungen, andererseits mit dem Fortwirken von Diskriminierungen trotz bestehender formaler Rechtsgleichheit – bzw. mit struktureller Diskriminierung – und das lässt sich m.E. gut auch auf viele männliche Diskriminierungen anwenden.

Und aus dem Link zu der feministischen Critical Race Theory:

Now in its second edition, the acclaimed anthology Critical Race Feminism presents over 40 readings on the legal status of women of color by leading authors and scholars such as Anita Hill, Lani Guinier, Kathleen Neal Cleaver, and Angela Harris. The collection gives voice to Black, Latina, Asian, Native American, and Arab women, and explores both straight and queer perspectives. Both a forceful statement and a platform for change, the anthology addresses an ambitious range of subjects, from life in the workplace and motherhood to sexual harassment, domestic violence, and other criminal justice issues. Extending beyond national borders, the volume tackles global issues such as the rights of Muslim women, immigration, multiculturalism, and global capitalism.

Revealing how the historical experiences and contemporary realities of women of color are profoundly influenced by a legacy of racism and sexism that is neither linear nor logical, Critical Race Feminism serves up a panoramic perspective, illustrating how women of color can find strength in the face of oppression.

Letztendlich dürfte es ja in die Richtung gehen, dass verschiedene Benachteiligungen sich gegenseitig verstärken und beinflussen können.

Ein Aufbau innerhalb der Critical Theories macht allerdings aus meiner Sicht erst einmal keinen Sinn, weil diese eben bereits ein vollkommen wackeliges Fundament bieten, dass zu viele Fehlannahmen und zu viel Gruppendenken hat um darauf etwas vernünftiges aufzubauen.

Allenfalls könnte man versuchen sich da einen Platz innerhalb dieser Theorien bauen um dort Unfrieden und Verwirrung zu stiften.

Ich hatte auch schon mal über den Ansatz nachgedach, wie Diskriminierungen von Männern da eingebaut werden könnten und es ist theoretisch sehr einfach: Man muss nur noch intersektionaler werden und innerhalb der Kategorie „Geschlecht“ Unterkategorien bilden für bestimmte Bereiche. Also beispielsweise „es mag ja sein, dass Frauen im Bereich Karriere diskriminiert sind, aber Männer eben im Bereich Familie“ und dann anführen, dass es da Vorurteile gegen Männer gibt und Frauen aufgrund gesellschaftlicher Regeln dort Macht haben etc. Dann könnte man das natürlich dazu aufbauen, dass schwarze Männer noch andere Probleme haben etc aber ich weiß ehrlich nicht, was das für einen zusätzlichen Erkenntnisgewinn bringen soll.

 

Kampf um die intersektionalen Theorien in den USA: „Don’t say Gay“ und andere Landesgesetze

In den USA tobt der Ideologien Krieg zwischen den Republikanern und den Demokraten/den Intersektionalen. Die Republikaner haben die „Critial Theories“ (gemeint in Bezug auf die modernen Theorien, nicht zu verwechseln mit den „kritischen Theorien“), sei es im Bereich Rasse oder Geschlecht als Gefahr erkannt und versuchen ihre Verbreitung mit Verboten zu verhindern.

Das hatte bereits unter Trump angefangen:

Der Spiegel berichtet über weitere Maßnahmen, diesmal in den Bundesstaaten, insbesondere das sog „Don’t say gay“-Gesetz:

Was sollen Kinder in den Schulen über Rassismus und Sklaverei, über die Unterdrückung von Minderheiten, über lesbische, schwule, bisexuelle, Transgender- und queere Menschen lernen – und was nicht?

In den USA gibt es über solche Fragen einen erbitterten Kampf. Er wird angeführt von den Republikanern, die bereits in mehreren Bundesstaaten Gesetze erlassen haben, um Einfluss auf bestimmte Unterrichtsinhalte zu nehmen oder einige Debatten in Klassenzimmern zu unterbinden.

In Florida ist nun ein weiteres Gesetz dieser Art in Kraft getreten, das von seinen Kritikern »Don’t Say Gay« genannt wird. Auf Deutsch: »Sag nicht schwul«.

Das Gesetz wurde vor gut drei Wochen vom Parlament des konservativ regierten Bundesstaats verabschiedet. Es betrifft Kinder vom Kindergarten bis zur dritten Klasse.

Nach der Formulierung hier klingt es ganz vernünftig: Warum sollte man bei dem Lehrstoff für  Kindern im Kindergarten oder bis zur dritten Klasse (also in Deutschland 9-10 Jahre alt) die sexuelle Orientierung und Geschlechteridentität auf eine Weise unterrichten, die nicht alters- oder entwicklungsgemäß für Schüler ist?

Es wäre natürlich interessant, wie „nicht alters- oder entwicklungsgemäß für Schüler“ definiert ist. Aber ich sehe auch keinen großen Sinn darin, dass in dem Alter großartig zu thematisieren. Sollte bei einem Kind ein besonderer Bedarf bestehen sind ja anscheinend weiterhin Gespräche möglich.

Das ist eben der Nachteil, wenn man in dem Bereich ideologische Sichtweisen durchdrücken will. Die Gegenseite reagiert dann, weil sie weiß, dass die Ideologen nicht neutral sein können, damit, dass man es gar nicht in den Lehrplan aufnehmen darf.
Ich würde allerdings auch wenig begeistert sein, wenn intersektionale Theorien bei Fräulein Schmidt oder Schmidt Junior Thema im Kindergarten oder in der Schule wären. Ich glaube da würde ich deutlich protestieren.

In der Tat scheint das ja ein Thema zu sein, was viele in den USA bewegt. Die Anhänger intersektionaler Theorien führen wohl an, dass beispielsweise CRT (Critical Race Theorie) nicht an den Schulen gelehrt werde, die Gegner führen an, dass dies sehr wohl der Fall sei, auch wenn man es etwas verschleiere, indem man nicht ausdrücklich die Theorie als solche behandele, aber Beispiele und Lösungen aus diesem Bereich übernehme. Auch bezüglich verschiedenster Themen in Bezug auf Geschlecht und Geschlechteridentität gab es wohl entsprechende Diskussionen.

Sie werden also nicht vom Schulsport ausgeschlossen, sondern machen diesen dann mit den Jungen zusammen. Gibt es da in den USA Geschlechtertrennung beim Sport? Oder gelten nur die Leistungen für Jungen, also die strengeren Werte?

Interessant, dass es immer wieder zu Demonstrationen für woke Themen von „Angestellten von Disney“ oder „Angestellten von Netflix“ kommt. Das wäre ja so in Deutschland etwas völlig neues. Wobei die woken Themen hier (hoffentlich) auch noch nicht so angekommen ist. Oder es spielt der Grundsatz „Schnaps ist Schnaps und Dienst ist Dienst“ mit hinein und man würde hier nicht als „Angestellter der Firma X“ demonstrieren.

Man wird abwarten müssen, ob das die Bürger auch so sehen oder damit ganz gut leben können.

In der Stadt Genf sollen sie in städtischen Einrichtungen – etwa im Schwimmbad oder im Theater – bald zwanzig Prozent weniger bezahlen als ihre männlichen Mitbürger.

Ein Bericht über eine Idee in Genf:

Preisnachlass für die Frauen: In der Stadt Genf sollen sie in städtischen Einrichtungen – etwa im Schwimmbad oder im Theater – bald zwanzig Prozent weniger bezahlen als ihre männlichen Mitbürger. Das Genfer Stadtparlament hat in der Nacht auf Donnerstag nach hitzigen Debatten eine entsprechende Motion verabschiedet.

Die links-grüne Mehrheit der Gemeinderätinnen und Gemeinderäte will damit auf die noch immer bestehende Lohnschere zwischen den Geschlechtern hinweisen. Mit noch mehr Diskriminierung? Die Forderung spaltet die Gemüter.

Zu den zentralen Köpfen hinter dem Vorstoss zählt Brigitte Studer (74). Sie sitzt für die Linksaussen-Partei Ensemble à Gauche im Genfer Stadtparlament. Gegenüber «SRF News» sagt sie: «Die Idee entstand am Frauenstreik 2019. So machen wir die Lohnungleichheit sichtbar.» Dabei handle es sich um eine rein symbolische Massnahme. Die Motion lasse der Stadtregierung den nötigen Spielraum zur Umsetzung.

Dem widerspricht Staats- und Verfassungsrechtler Bernhard Waldmann (53) vehement. Er sagt: «Eine solche Regelung ist klar verfassungswidrig.» Auch die Stadt Genf müsse die Grundrechte der Bundesverfassung befolgen. Differenzierungen nach Geschlecht dürften nur vorgenommen werden, wenn triftige Gründe vorliegen würden.

Gemeinederätin Studer kontert, dass die Lohngleichheit, die auch in der Verfassung stehe, seit Jahrzehnten ebenfalls nicht eingehalten werde.

Dass man im Feminismus den Unterschied zwischen Ergebnisgleichheit und Chancengleichheit nicht versteht ist klar.

Ich habe auch wenig Zweifel daran, dass man damit rechtlich nicht durchkommt.

Aber es ist typisch für die Denkweise von Feministinnen: Nur in Gruppen, irgendwie Symbole setzen, eine Bevorzugung von Frauen kann nicht falsch sein, weil diese ja sonst schon überall benachteiligt sind.

 

„Übertreibe ich, wenn ich sage, ich hasse Männer? Nein. Date ich sie trotzdem weiterhin, obwohl sie mich nerven? Ja.“

Das Missy Magazin lässt eine Autorin, die das Pech hat, heterosexuell zu sein,  mal wieder ihre Männerfeindlichkeit ausleben

Es ist Sonntag und ich habe einen Kater. Die einzig logische Konsequenz, die jetzt daraus folgt: Ich packe mein Handy aus und swipe um mein Leben. Manchmal swipe ich so schnell, dass ich nicht mal die Gesichter der Menschen erkenne. Während ich so vor mich hinswipe, stelle ich mir vor, ich wäre ein fiktiver Charakter in einer linken Telenovela, in der ich jetzt von irgendeiner Grit verurteilt werden würde, weil ich mit meinem bösen iPhone Menschen zur Ware mache und die Grundprinzipien des linken Aktivismus verrate. Ich muss grunzen. Ein bisschen schlecht fühle mich aber auch, weil ich es andersrum genauso kacke finde, objektiviert zu werden.

Die Autorin, Huyen Trang Nguyen Le, ist also auf Tinder unterwegs und wischt sich so durch. Und natürlich muss sie erst einmal darstellen, dass es ja alles irgendwie schlecht ist, unmenschlich, und irgendwie ein zum Objekt machen.
Dabei ist es letztendlich insbesondere unserer Gabe geschuldet uns von einem Bild bereits einen guten ersten Eindruck von einer Person zu machen, der meist schon recht präzise dafür ist, ob uns derjenige als Partner interessant vorkommt.

Zu ihrer Person:

Huyen Trang Nguyen Le
*1990, Redaktion Online & Social Media
studierte Linguistik  und vereint in Netzwerk- und Bildungsarbeit postmigrantische und generationsübergreifende Perspektiven.  In den letzten Jahren war sie in unterschiedlichen Projekten mit dem Schwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit und Eventmanagement involviert. Als Mitgründerin der Grassroots-Organisation Justice is Global Europe ist sie neben ihrer Arbeit beim Missy Magazine weiterhin politisch aktiv.

Auf der Justice is Global Seite findet sich auch ein Foto:

Trang Nguyen

Trang Nguyen

Als intersektionale Feministin dürfte sie sich als doppelte Minderheit sehen, einmal als Asiatin und dann als Frau. Das Dating für sie in einem überwiegend weißen Land dann schwierig sein muss, weil die Leute zum einen nicht ihren besonderen intersektionalen Status hinreichend beachten werden und zum anderen weil sie sich sowohl mit Männern als auch noch mit weißen Männern auseinandersetzen muss, was ja ohnehin schon eine Zumutung ist.

Ich nutze Dating-Apps jetzt schon seit einer Weile, obwohl ich sie ätzend finde. Außerdem denke ich, dass der Algorithmus mir mit Absicht das Leben zur Hölle machen will, weil ich ständig weiße Typen mit Dreadlocks, irgendwelche schlimmen Social Entrepreneurs oder FDP-Wähler vorgeschlagen bekomme und mich frage, was die Scheiße eigentlich soll.

Weiße Typen mit Dreadlocks sind natürlich Rassisten, Entrepeneurs und FDP-Wähler sind Kapitalisten und damit auch nichts, mit dem man etwas anfängt. Ein „intersektionaler Feminist“ Algorithmus für eine eigene Flirtseite wäre eigentlich interessant. Vielleicht müsste man beidseitig alle möglichen Fragen beantworten oder eine Privilegsberechnung anstellen, wäre aber interessant, wie man dann die jeweiligen „Matchen“ kann. Weiße mit „PoCs“ nur, wenn sie besonders viel Privileg zugeben?

Neulich schrieb mich z.B. ein bekannter Ökonom und Professor an, der mich in seiner Nachricht dazu aufforderte, ihn zu googlen (okay?), bevor er mich dann fragte, ob er mich denn mal „ans Meer entführen dürfte“. Wie nett von dir, dass du da noch schnell Konsens abfragst. Ich möchte nur noch schreien.

„Sogar ein bekannter Typ will mich aber ich lehne ihn natürlich ab“ ist auch so ein klassisches Element. Ich habe gerade den Namen dafür vergessen. Es klingt etwas arrogant darauf hinzuweisen, dass sie ihn googlen kann, aber anderseits kann es ja in der Tat der einfachste Weg sein, wenn man viel über ihn im Internet findet.

Sich über die Formulierung „ans Meer entführen“ aufzuregen finde ich etwas merkwürdig, denn es ist ja nicht als etwas gegen den Willen durchgeführtes gemeint. Es geht darum etwas spontanes zu machen und das einfach so aus dem Alltag heraus. Aber gut, Sprache drückt ja im intersektionalen auch schon Macht aus und da geht so etwas natürlich gar nicht.

Ab und an passiert dann noch das: Ich denke, dass ich einen Typen gut finde, und treffe mich dann mit ihm. Dass Infos wie „Berghain = Kirche“, „ich gehe gerne bouldern“ oder Bilder beim Bierpongspielen mir schon davor zu denken hätten geben müssen, blende ich erst mal aus, denn schließlich hat er einen süßen Schnauzer und hört auch gern Hunx and his Punx.

Als Nichtberliner musste ich das erst einmal googlen, anscheinend geht es beim Berghain um einen sehr angesagten Club, der für Elektromusik bekannt ist und dessen Fans ihn religiös verehren.

Was nun an Bouldern schlecht sei soll weiß ich nicht, es ist als Klettersport  etwas, was zum einen einen guten Körper machen kann und zwar eher ein Einzelsport ist, bei dem man aber auch häufig jemanden braucht, der einen sichert etc. Bierbongspielen würde dann wohl für Alkohol und Party spielen.

Schon merkwürdig, dass sie solche Punkte ausblendet, wenn sie ihr anscheinend nicht passen.

Ich tu also das, was jeder Mensch, der zu viele Romcoms in seinem Leben geguckt hat, tun würde: Ich ignoriere die Red Flags und rede mir ein, dass ich meine Datingfaulheit und Bindungsangst überwinden kann, wenn ich nur ihn date. I got news for you: Hätte ich von Anfang an auf die Red Flags gehört und meine Bedürfnisse an erste Stelle gestellt und Grenzen gezogen, dann hätte ich mir Zeit und Energie und viele Vaginalpilze ersparen können. Dabei verstärken solche Erfahrungen in Wahrheit meine Datingfaulheit und Bindungsangst sogar noch. Wenn ich daran denke, wie der Großteil der Männer sich ihrer Verantwortung entzieht, indem sie Konflikten mit Sätzen wie „Es tut mir leid, dass du dich so fühlst“ oder „Wenn es dir damit nicht gut geht, dann sollten wir es lassen“ aus dem Weg gehen, bekomme ich direkt Puls.

Da ist sie ja endlich das Opfer. Faszinierend: Sie blendet alles mögliche aus, was ihr anscheinend an ihm stören wird und dann wirft sie ihm vor, dass die Männer (die diese Vorbehalte ja gar nicht haben, jedenfalls ist das nicht aus dem Text ersichtlich) sich der Verantwortung entziehen. Was sollen die denn sagen? „Oh ich klettere gerne, aber das könnte dich ja irgendwie stören, da lassen wir es doch lieber?“.

Sie hat eine Datingfaulheit und Bindungsangst und sucht sich trotzdem die falschen Männer aus und das verstärkt dann wieder ihre Datingfaulheit und Bindungsangst und das das ist dann die Schuld der Männer.
Zudem Scheidenpilze? Was will sie denn damit sagen? Können da die Männer was für?

Ich zitiere noch mal von oben:

Wenn ich daran denke, wie der Großteil der Männer sich ihrer Verantwortung entzieht, indem sie Konflikten mit Sätzen wie „Es tut mir leid, dass du dich so fühlst“ oder „Wenn es dir damit nicht gut geht, dann sollten wir es lassen“ aus dem Weg gehen, bekomme ich direkt Puls.

Ich kann mir ja vorstellen, dass sie den Männern alles mögliche an Fehlern, die sie begangen haben sollen, vorgehalten hat, weil ein (weißer) Mann bei einer intersektionalen Feministin eh nichts richtig machen kann.  Da finde ich dann die Aussage „Es tut mir leid, wenn du dich so fühlst“ oder „wenn es dir damit nicht gut geht, dann sollten wir es lassen“ sehr nachvollziehbar. Wahrscheinlich hatte sie gedacht, dass sie ihnen erklärt, dass sie sich fürchterlich unterdrückt, benachteiligt und ausgebeutet fühlt und das die Männer irgendetwas fürchterlich falsch gemacht hatten und die hatten keine Ahnung, was sie eigentlich falsch gemacht haben und die sie dann schlicht zu kompliziert fanden um da noch viel zu investieren.

Sie hatte vermutlich erwartet, dass sie ihre Fehler einsehen und hart an sich arbeiten um ihre Privilegien oder ihren Rassismus abzubauen. Aber anscheinend hatten die Mistkerle keine Lust dazu.

Ganz ehrlich? Ich glaube, alle elf Minuten radikalisiert sich eine single hetero Frau über Dating-Apps. Zu keiner anderen plausiblen Schlussfolgerung komme ich, wenn ich über Onlinedating nachdenke.

Ich befürchte, dass jeder, der für Missy schreibt, eh schon radikalisiert ist. Und klar: Ist man schon radikalisiert hat man sich eigentlich sein Datingleben schon so kaputt gemacht, dass man sich wahrscheinlich immer weiter reinsteigert. Alles ist, gerade bei einer PoC, dann ja irgendwie ein Angriff auf sie, um so mehr, wenn man sich ausserhalb der intersektionalen Szene bewegt.

Wenn ich nur auf meine letzten Liaisons zurückblicke, frage ich mich, wie es meine Freund*innen überhaupt mit mir aushalten konnten. Seit Monaten agitieren sie mich zum selben Thema und predigen mir: Hör auf, in Menschen zu investieren, die nicht auch in dich investieren. Da war z. B. Lukas (so heißen doch alle Almanboys, richtig?), der meinen Namen nicht richtig aussprechen wollte, weil er ein ignoranter Hund war, oder Lukas, der mich als Vorspiel ungewollt an einer zweistündigen Cry-Session über seine Scheidung teilhaben ließ.

Schwierig jemanden zu finden, der auch in sie investiert, wenn sie ein so merkwürdiges Verhältnis zu Männern hat. Wenn die sich alles mögliche an intersektionalen Blödsinn vorhalten lassen müssen, dann lohnt sich eben für sie die Investition nicht. Und es wäre auch interessant, was sie als Investition betrachtet: Ihnen beizubringen, dass sie Sexisten und Rassisten sind? Oder schlicht mit ihnen zu schlafen und zu hoffen, dass sie sich bessern?

Das man den Namen Huyen Trang Nguyen Le  nicht gut aussprechen kann finde ich sehr nachvollziehbar, ich bin noch nicht einmal sicher, was hier eigentlich ihr Rufname ist. Es spricht auch etwas dagegen, dass sie so viel in die Leute investiert hat, wenn sie eine „Cry-Session“ so abwerten.

Übertreibe ich, wenn ich sage, ich hasse Männer? Nein.
Date ich sie trotzdem weiterhin, obwohl sie mich nerven? Ja.

Warum nur findet sie keine Beziehung?? Ihr Männerhass ist doch vollkommen berechtigt, dass müssen die die Männer doch einsehen und gerade in sie investieren.
Und die Arme bringt hier ein solches Opfer, das sollten die Männer doch bitte anerkennen.

Dass ich mich dabei komplett ambivalent zu meinen Wertvorstellungen von einer freien und gleichgestellten Welt verhalte, muss ich an dieser Stelle hoffentlich nicht mehr betonen. Und wofür das alles? Für Aufmerksamkeit? Einen netten Plausch? Anerkennung? Oder suche ich etwa insgeheim doch nach der großen (Disney-)Liebe?

Was ist jetzt das ambivalente? Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie sich selbst kritisiert und merkt, dass ihre Einstellung zu Männern nicht mit einer freien und gleichgestellten Welt in Einklang zu bringen ist.

Also vermute ich mal, dass sie es als weiteres Opfer ansieht, dass sie, obwohl die Männer ihr Bild der freien und gleichgestellten Welt nicht stützen und sich nicht entsprechend verhalten, diese weiter mit der Gnade bedenkt, sie dennoch, obwohl sie sie hasst, weiter zu daten.

Aber leider kommt ja nichts dabei raus.

Ich halte inne, verziehe meine Augenbraue und lege das Handy beiseite. Ich glaube, unterschwellig bin ich permanent auf der Suche nach einer Person, einem Gefühl oder einem (sexuellen) Erlebnis, das mich vom gesellschaftlichen Druck befreit.

Nur das das eben nicht möglich ist. Denn den Druck innerhalb der intersektionalen Theorien ist ja nun einmal nicht abzubauen. Im Gegenteil: Für sie muss es immer wieder zu mehr Druck führen, weil sich aus ihrer falschen Ideologie heraus alle anderen falsch verhalten und auf den richtigen Weg gebracht werden.

Alexandra Kollontai hat 1911 geschrieben: „Wir sind Menschen, die in einer Welt der Eigentumsverhältnisse leben, einer Welt der scharfen Klassengegensätze und zugleich der individualistischen Moral. Wir leben immer noch unter dem schweren Zwang einer unvermeidlichen Einsamkeit der Seele.“ Ich lese diese Zeilen und kriege Bauchschmerzen, weil ich realisiere, dass ihre Worte immer noch Gültigkeit haben. Und Widersprüche auszuhalten, heißt nicht nur, diese zu tolerieren, sondern auch, dass ich auf Dinge verzichten und toxische Beziehungen kappen muss und im „schlimmsten“ Fall „allein“ bleiben werde.

Das zeigt schön, wie schädlich die intersektionalen Theorien sind. Eben weil sie Probleme zwischen Gruppen und für das Miteinander aufwerfen, die eigentlich gar nicht bestehen. Sie vergrault alle Männer, die evtl an ihr interessiert sein könnten, weil sie alle möglichen Probleme sieht, die eigentlich gar nicht bestehen und wahrscheinlich auch keine Vorstellung davon hat, wie sie als Asiaten sich überhaupt mit einem weißen Mann vernünftig einlassen kann, ohne das sie ihm dauernd etwas vorwirft und ihn umerzieht.

Stattdessen aber habe ich im Laufe meines Lebens eine tolle Strategie entwickelt, die ich vor allem im Dating konsequent auslebe und die bestimmt der einen oder anderen von euch auch bekannt sein dürfte: Ich spreche von der guten, alten Selbstsabotage. Oft rede ich mir vor einem Date ein, dass ich mit den Männern kein Wort reden und sie dann nur ficken werde, aber wen veräppele ich hier eigentlich? Das Machtverhältnis bleibt asymmetrisch und ich werde nicht freier – ob ich sie für meine sexuellen Bedürfnisse benutze oder nicht. Auch die Gespräche mit meinen Freundinnen zeigen mir immer wieder: Hetero Liebesbeziehungen sind für den Arsch, weil Gleichstellung in dem System, in dem wir leben, nicht existiert.

Sehr schön. Sie hat eine gewisse Einsicht, dass sie da was falsch macht, sie versteht nur nicht, dass es nicht ominöse Machtverhältnisse sind, sondern die intersektionalen Theorien, die ihr schädliche Machtverhältnisse vorgaukeln, die sie sabotieren.

Sie ist anscheinend nicht der Typ Frau, der einfach so mit Männern schlafen kann und sich dann nicht schlecht fühlt. Sie findet aber auch keinen Weg mehr, wie sie vernünftig mit dem von ihr gehassten Geschlecht umgehen kann.

Dafür wirft sie mit vagen Begriffen um sich wie „Machtverhältnis“ ohne wirklich zu sagen, was die Männer überhaupt für eine Macht ihr gegenüber ausüben. Sie kann nur noch ungesunde Beziehungsmuster leben, weil sie sich nicht auf Männer einlassen kann, sie eine zu ungesunde Einstellung diesen gegenüber hat, und die auch keine Lust darauf haben, das mitzumachen. Man könnte dem Foto nach sagen, dass sie nicht hübsch genug für ihre Verrücktheit ist bzw vielleicht bei den Männern nicht bereit ist sich auf Männer einzulassen, die sich auf ihre Verrücktheit einlassen.

hot crazy scale

Aber weiter im Text:

Zugegeben: Die Zuckerbrot-und-Peitsche-Erziehung meiner Migra-Eltern hat nicht dazu beigetragen, dass ich ein gesundes Selbstwertgefühl entwickelt habe. Und auch die patriarchale Kackgesellschaft und die rassistische deutsche Leitkultur geben mir nicht gerade das Gefühl, ein wertvoller Mensch zu sein.

Puh, da kommt ja einiges zusammen. Ich kann mir vorstellen, dass ihr geringes Selbstvertrauen auch etwas war, was die intersektionalen Theorien für sie besonders interessant gemacht hat. Endlich hat sie ihren Platz in der Welt gefunden und dazu noch einen Sündenbock, der an allem, was schief geht schuld ist.

Aber das ist eben keine gesunde Einstellung. Und daraus entsteht eben auch kein wirklich besseres Selbstbewußtsein, weil man ja immer wieder merkt, wie man bei anderen ankommt und dann immer mehr gegen eine Mauer läuft. Ich hatte das schon einmal bei dem Artikel einer Pro-Fat-Aktivistin, die sich immer wieder aufpusht und sich einredet, dass sie schön ist, dann aber immer wieder merkt, dass sie nicht so wahrgenommen wird, ausgeführt. Auch da führte der Versuch sich immer wieder ein Parallelwelt aufzubauen, in der sie besser ist, eher dazu, dass sich ihr Zustand verschlechtert. Ich finde aber gerade den Artikel nicht.

Und ja, ich setze mich mit meinen Traumata auseinander. Aber muss ich das jetzt wirklich auch noch machen, wenn ich Lukas daten will? Kann mein Leben bitte nicht immer nur Kampf sein?

Das ist auch das Problem, wenn man in Gruppen denkt. Männer schulden ihr nichts. Wenn sie als Person diverse Nachteile hatte dann muss sich deswegen dennoch kein Mitglied der Gruppe man auf sie einlassen. Da kommt immer ein gewisses Entitlement hoch, welches bei Männern wahrscheinlich besser erkannt würde. Und wenn sie nicht mit sich selbst im Reinen ist, dann werden eben viele Männer besserer Qualität sich lieber andere Männer suchen.

Es ist gar nicht mal so leicht, Männer nicht zu hassen, wenn man von Mehrfachdiskriminierung betroffen ist und verstanden hat, wie Unterdrückung und Ausbeutung funktionieren. Und es ist fast noch schwieriger, das eurozentrische Schönheitsbild zu verlernen, patriarchale Verhaltensweisen zu benennen, gegen Gaslighting gegenzuhalten und tagtäglich die Grundpfeiler einer gesunden Beziehung neu zu verhandeln, wenn die Grundbasis für mein Datingleben wie folgt aussieht: (weißer) linker fragiler cishet Dude aus Akademiker*innenfamilie, der Theorie nicht in Praxis umsetzen kann.

Der Absatz fasst ganz gut zusammen, warum ihr Beziehungsleben schlecht läuft. Sie hasst Männer, sie macht sie für alle möglichen Diskriminierungen verantwortlich, für die die einzelnen Männer gar nicht können, sie sieht überall Ausbeutung. Dazu haben diese sie gefälligst für hübsch zu halten (wobei sie dem Foto nach auch in einem asiatischen Bereich, wo die meisten Leute noch eher schlank sind, wahrscheinlich Probleme hätte). Dann sehen die Männer noch nicht mal ein, dass sie ihr dankbar sein sollten, dass sie sie auf ihre patriarchalen Verhaltensweisen hinweist. Statt dessen versuchen die sie zu Gaslighten, indem sie anführen, dass da gar kein Patriarchat ist. Dabei ist das doch ganz klar da!!!1

Und dann noch diese Cishet Dudes, die eigentlich links sind, aber dennoch nicht verstehen, wie sie die linke Theorie umsetzen müssen!

Schlimm. Da sollten die Männer doch wirklich einsehen, dass sie sich mehr anstrengen müssen!

Ich frage mich oft: Ist der Preis für den Kampf um Freiheit Einsamkeit? Und ist Einsamkeit „nur“ ein Gefühl, das ich überwinden kann? Kann ich das vielleicht, indem ich mein Selbstwertgefühl stärke und mich von dem Gefühl der Knappheit befreie? Verliere ich dann die Angst, in dieser Gesellschaft „nicht genug“ zu sein? Und was bleibt mir als Singlefrau in dieser anomisch-patriarchalen Welt, wenn ich mich vom linken Dogmatismus löse? Ich stelle mir wieder das Szenario in einer linken Telenovela vor und frage mich, wie das Staffelfinale ausfallen würde: Bleiben die Charaktere konsequent und gehen keine hetero Liebesbeziehungen mehr ein? Und wie sieht es mit Sex aus?

Sie hat ernste Probleme. In der Tat sollte sie ihr Selbstwertgefühl stärken und sich von dem linken Dogmatismus lösen. Aber dazu ist sie wahrscheinlich schon zu weit drin und empfindet deswegen die Gesellschaft als entfremdet. In einer spanischen Telenovela wäre eine verrückte Feministin allerdings nicht die Hauptfigur, sondern allenfalls deren Hindernis. Aber das ist eine andere Sache.

Ich trete meine Decke weg und stehe auf. Genug geswipet für heute, denk ich mir. Denn Gott sei Dank ist mein Wohlbefinden nicht nur davon bestimmt, wie „gut“ es mit Männern läuft. Meine mentale Gesundheit und mein Glück kann ich durch bedeutungsvolle Beziehungen zu meinen Freund*innen steuern, durch heilende Momente mit meiner Familie und befriedigende Stunden mit meinem Vibrator. Und zu wissen, dass es okay ist, Sex zu haben und die Hoffnung behalten zu dürfen, vielleicht eines Tages einem Mann zu begegnen, den ich nicht komplett hassen werde, aber gleichzeitig auch das Patriarchat stürzen zu wollen, gibt mir zumindest temporär Frieden – bis es wieder heißt: Immer wieder sonntags kommt die Erinnerung.

Ich denke, da macht sie sich etwas vor. Sie will eine Beziehung und sie wird immer wieder in die Versuchung kommen zu swipen oder es wird immer mal wieder jemand mit ihr flirten. Aber es wird eben nicht gut gehen, solange sie Männer hasst und ihre Einstellung nicht ändert.

Die Hoffnung „Dass sie vielleicht eines Tages einen Mann begegnet, den sie nicht komplett hasst“ kann sie natürlich haben. Das Problem ist aber, dass die meisten Männer nichts mit einer Frau anfangen wollen, die sie „nicht komplett hasst“.

Aber mal sehen, wer einen Artikel von ihr sieht, der da neue Erkenntnisse bringt, der möge es dann mitteilen.

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