Carolin Emcke: „Politisch korrekt“ als Morsezeichen der Denkfaulen

Carolin Emcke findet den Ausdruck „politisch korrekt“ nicht korrekt genug und kritisiert ihn daher:

Anfangs mag es mitunter Ausdruck eines nachvollziehbaren Unmuts darüber gewesen sein, dass jede noch so unbedachte Äußerung mit einer Hermeneutik des Verdachts belegt werde, dass jeder Irrtum, jedes Unwissen, jede Ungeschicklichkeit sofort als Beleg tiefster Verfehlungen und also als „politisch unkorrekt“, gegeißelt werde. Aber davon ist nichts mehr übrig. Kaum jemand weiß mehr, wann der Begriff entstanden ist, welche Bedeutungen ihm einmal innewohnten. „Politisch korrekt“ ist eine bloße Chiffre geworden, seiner eigenen wandelvollen Geschichte beraubt. Es ist gegenwärtig das wirkmächtigste Instrument der Diffamierung eines Gegenübers. Das Urteil, etwas oder jemand sei „politisch korrekt“, ist die Kurzformel, die signalisieren soll, mit den kritischen Einwänden einer anderen Person oder Position brauche man sich nicht auseinanderzusetzen, deren Zweifel, Hinweise, Gründe können missachtet werden, weil sie, nun, „politisch korrekt“ seien. „Politisch korrekt“ ist das Morsezeichen der Denkfaulen, mit dem sich reflexhaft alles abwehren lässt, was eingeübte Überzeugungen oder Habitus infrage stellen könnte.

Das ist schon faszinierend:

Nimmt sie die „andere Seite“ gar nicht wahr?

Die, die Leute sogleich als Nazis beschimpft, sich als Mob auf jemanden stürzt, der meint, dass der Penis ein männliches Sexualorgan ist? Der nicht Leute mit beliebigen Pronomen anreden will oder meint, dass man Meinungen damit abtun kann, weil der andere das falsche Geschlecht (Mann) oder die falsche Hautfarbe (weiß) hat?

Nimmt sie gar nicht wahr, dass sie damit quasi das selbe macht, was sie anderen vorhält?

Wie kann man einen Absatz schreiben, in dem man Leuten vorhält, die bestimmte Wörter benutzen, dass sie zu Argumenten unfähig und unwillig sind und diese Worte dann gleichzeitig als solche ansehen, die nur von Denkfaulen kommen können, also deren weitere Ausführungen direkt abwerten ohne das sie eine inhaltliche Kontrolle übernimmt?

Natürlich kann „politisch korrekt“ sofort ein Argument folgen etwa:

„Es mag nicht politisch korrekt sein biologische Gründe für  Verhaltensunterschiede von Männern und Frauen zu sehen, aber diverse wissenschaftliche Studien zeigen, dass diese Position nicht haltbar ist“

Nichts einfacher als das. Leider folgt dann häufig der Hinweis, dass man als alter weißer Mann wegen seiner privilegierten Stellung die Klappe halten solle und man nur das Patriarchat stützen wolle.

Es ist ein geschickt arrangiertes Ensemble aus Worten und Motiven, die gemeinsam all jene diskreditieren wollen, die sich auf Menschen- und Bürgerrechte beziehen. Sie werden bespöttelt als „Moralisten“ – als müsse sich rechtfertigen, wer das Grundgesetz für ein schützenswertes Gut hält.

Hier spielt sie Burg und Festung (Motte-Bailey). Denn Menschen- und Bürgerrechte wäre auch nur ein Begriff, der der schnellen Entwertung von Kritik dient, aber keineswegs alles umfasst, was ansonsten als „politisch korrekt“ angesehen wird. Sie tut so als könne es kein „zuviel“ an „Moral“ geben.

Die Hexenverbrennungen zeigen als Extrembeispiel, dass das natürlich der Fall sein kann, wenn man davon ausgeht, dass zumindest einige Leute dort tatsächlich meinten, damit einem höheren Gut zu dienen. Und da wollte man eben auch nur Gottes Gesetze schützen.

Gerade das Grundgesetz hat allerdings auch nicht verdient, dass intersektionale Feministen sich darauf berufen, denn es ist gerade zum Schutz des Einzelnen, als Individualgrundrecht, aus dem Gesichtpunkt heraus geschaffen worden, dass man ein Individuum ist und nicht nur Teil einer Gruppe. Es schützt, wenn auch nicht unbeschränkt, die allgemeine Handlungsfreiheit und erlaubt einem damit auch „unkorrekt“ zu handeln, wenn man das für richtig hält.

Diejenigen, die unter Religionsfreiheit nicht nur Respekt vor katholischer und protestantischer, sondern auch vor jüdischer oder muslimischer Frömmigkeit verstehen, die Armut nicht nur für ein Problem der Umverteilung, sondern auch der Anerkennung halten, diejenigen, die Stigmatisierung von bestimmten Körpern oder bestimmten Familien kritisieren, werden als „Gutmenschen“ verhöhnt – als sei Zynismus neuerdings ein Ausweis der Kultiviertheit.

Auch das ist keine wirklich korrekte Zusammefassung der Positionen – denn auch hier wird ja wiederum von der anderen Seite verhöhnt. Eben weil sie meinen, dass sie die Guten sind, weil sie sich eine Theorie gebastelt haben, in der sie andere beleidigen können, weil diese die Bösen sind.

Dabei purzeln die Vorwürfe munter durcheinander: Mal wird bemängelt, die „politisch Korrekten“ seien „elitär“ und „weltfremd“, dann wiederum gelten sie als zu sehr in der Welt verhaftet und unfähig, in ästhetischen Kategorien zu denken, mal wird unterstellt, die „politisch Korrekten“ verstünden die Nöte der Menschen nicht, dann wiederum, wenn sie Nöte adressieren, wird das als „Identitätspolitik“ folklorisiert und als zimperlich infantilisiert.

Weil es ja auch nur ein Verhalten, einen Sachverhalt, gibt, bei dem etwas als politisch korrekt bezeichnet wird. Wobei der Vorwurf, dass sie zu sehr in ästhetischen Kategorien denken, mich etwas überrascht. Hat den schon mal jemand angetroffen?

Die widersprüchlichen Zuschreibungen, die mit dem Label „politisch korrekt“ verbunden sind, entblößen die klammheimliche Ideologie der Hierarchisierung von Menschen.

Die „widersprüchliche Zuschreibung“ die ich einfach mal so in den Raum stelle aber keineswegs näher begründe, mit Beispielen belege oder bezüglich einer Position beispielhaft nachweise.

Und eine „klammheimliche Ideologie der Hierarchisierung von Menschen“, dass ist fast amüsant, weil es sehr stark spiegelt, was von vielen, die einer „politischen Korrektheit“ anhängen, tatsächlich gemacht wird.
Sie hierarchisieren in Gut und schlecht, in Opfer und Täter, das alles nach pauschalen Gruppen nach Hautfarbe und Geschlecht. Sie verwenden Personengruppen als Strukturen, ganz ungeachtet deren Heterogenität.

Es sollen nur manche als „echte“ Deutsche zählen, nur manche Frauen als „richtige“ Frauen gelten, es sollen nur manche Personen ihre Ängste artikulieren, nur manche Gruppen ihre Rechte selbstbewusst wahrnehmen dürfen. Die anderen werden als „wütend“, „humorlos“ oder „kosmopolitisch“ diskreditiert. Der Vorwurf der „politischen Korrektheit“ ist nur noch ein menschenverachtender Code, der jene „ab ins Körbchen“ kommandieren will, die es wagen, die Würde tatsächlich aller Menschen für unantastbar und die Grundrechte wirklich aller für unveräußerlich zu halten.

Was für ein billiger Text. Ein ehrlicher Text käme aus meiner Sicht nicht daran vorbei zunächst erst einmal darzustellen, was man als Übertrieben, als zu korrekt empfindet und dann zu schauen, inwieweit das tatsächlich ein Über-das-Ziel-hinausschießen sein kann. Und das kann ja ganz einfach in beide Richtungen der Fall sein:

Die „politisch korrekten“ können übertreiben, wenn sie in der Aussage, dass ein Penis ein männliches Sexualorgan ist, einen unglaublichen Frevel sehen, der das Patriarchat etc stützt.

Diejenigen, die „politische Korrektheit“ vorhalten können übertreiben, wenn sie meinen, dass jeder, der in Transsexuellen nicht schlicht Geisteskranke sieht, politisch korrekt ist.

Um mal Extrempositionen zu benennen. Statt dessen kommt sie mit der Würde des Menschen.

Und das bei Leuten, die Männer, Weißen und Heterosexuellen absprechen, sich überhaupt zu Themen äußern zu können, weil sie Unterdrücker sind.

Es geht dann im gleichen Stile weiter: Die einen wollen doch nur die Menschenrechte, die anderen sind Schurken, die die Menschenrechte mit Füßen treten. Durch die Verwendung einer Phrase.
Wenig durchdacht, schlecht argumentiert. Kaum Gehalt. Aber wenigsten politisch korrekt.

Crumar und Mark zu den Identitätstheorien im intersektionalen Feminismus

Ich fand diese Diskussion zwischen  Mark und Crumar in den Kommentaren interessant und möchte sie daher für einen Artikel verwenden:

Mark:

Vielleicht müsste man halt mal schon mal als Vorbedingung sagen: Rassismus ist das, was gewisse Menschen als Rassismus definieren. Nach der mutmasslichen Definition von Alice Hasters wird wohl jede Abweichung von Ergebnisgleichheit zwischen verschiedenen „Ethnien“ in Bezug auf gewisse Ressourcen, Positionen etc. als Rassismus deklariert werden. Das kann man machen, ich halte dies jedoch für eine falsche Definition von Rassismus, zumal die fehlende Ergebnisgleichheit überhaupt nicht durch Diskriminierung zustande kommen muss, sondern unterschiedliche Präferenzen oder unterschiedliche „Kulturen“ bzw. Sozialisationen erklärbar ist. Ausserdem ist nicht einzusehen, weshalb nicht auch nichtweisse Personen, die ja in eine rassistische Gesellschaftsstruktur verstrickt sind, selbst diese Strukturen reproduzieren. Und auf der Handlungsebene auch ganz rassistisch sein können. Das Problem scheint mir hier also zu sein, dass es wieder einmal in einem identiätspolitischen Duktus analysiert wird und sie nicht sieht, dass die verschiedenen Identitäten vollständig austauschbar sind.

Crumar:

Fangen wir noch einmal von vorne an: „Erstmal mag das nach einer progressiven Haltung klingen, wenn jemand behauptet: ,Hautfarben spielen für mich überhaupt keine Rolle‘ – in der Theorie mag das stimmen. Aber wir schauen hier auf eine Geschichte von 500 Jahren Versklavung, 250 Jahre Rassentheorien, Kolonialismus – alles Dinge, die nicht wirklich aufgearbeitet und auch nicht in unserem kollektiven Gedächtnis verankert sind. Sagen wir mal so: Ich hab noch Redebedarf (lacht).“
https://editionf.com/alice-hasters-rassismus-interview/

LACHT finde ich immer gut! 🙂

Es gab keine Sklaverei in Deutschland, die Geschichte des deutschen Kolonialismus dauerte ca. 30 Jahre und war in Afrika faktisch 1915 beendet, als die deutschen Truppen im Rahmen des 1 WW vernichtend geschlagen worden waren.
Von „500 Jahren“, nicht einmal „250 Jahren“ kann gar keine Rede sein.
Der Profit dieses deutschen Kolonialismus hat nie existiert; es war ein ganz mieses Geschäft.
Es gab nach 1918 – auch offiziell – keine deutschen Kolonien mehr, denn die wurden unter den Siegermächten verteilt.

Wenn in Deutschland jemand mit (post-) kolonialen Theorien betteln und hausieren geht, hab ich in der Tat ebenfalls „Redebedarf“.
Sie versucht eine angelsächsische Theorie copy&paste 1:1 auf Deutschland zu übertragen und muss damit scheitern. Sie sucht mit ihrer Mitleidslenkung an einer „progressiven Haltung“ anzusetzen, die sie moralisch erpressen, die hier aber mangels historischer Voraussetzungen schlicht nicht existieren kann.
Sie ist eine Kopistin, die ich nicht weiter ernst nehmen muss – wichtig ist nur ihr zu spiegeln, sie ist eine Kopistin ohne Verankerung in der historischen Realität.

Das ist ja ein altes Problem der intersektionalen Theorien bei der Anwendung in Deutschland: Letztendlich haben diese einen US-Amerikanischen Hierarchiekonflikt gelöst indem sie verschiedene Opferkategorien ausgemacht haben („Männer sind Privilegiert, Frauen benachteiligt“ und „Weiße sind privilegiert und Schwarze bzw PoCs benachteiligt“). Das ist ein Konflikt, der in den USA sehr bedeutsam ist, in Deutschland aber letztendlich eine wesentlich geringere Rolle spielt, schon weil der Anteil der PoCs weitaus geringer ist. In den USA besteht auch eine ganz andere Situation, da dort eben die Sklavenhaltung einen erheblichen Umfang hatte und zu erheblichen Spannungen führte, die so in Deutschland eben nie praktiziert worden ist. Natürlich hat Deutschland ebenfalls eine rassistische Vergangenheit, aber die richtet sich weit eher gegen andere Weiße, eben Juden, als speziell gegen Schwarze. Die größte Ausländergruppe, die Türken waren in der Hinsicht noch nicht einmal wirklich Gegner im zweiten Weltkrieg. Insofern ist die Situation aus den USA schwerer zu übertragen.

Mark:

@crumar
Das Problem ist m.E. wie folgt: Rassismus, Sexismus, Klassismus und viele andere Etablierten-Aussenseiter-Konstellationen mit Abwertungen, Diskriminierungen, Kriegen, Genoziden, Völkermorde, Massaker etc. gibt es doch seit Beginn der Menschheit und zwar überall auf der Welt. Sicherlich gibt es Unterschiede, aber schlussendlich unterscheiden sich die Menschen nur sehr graduell. Soll heissen: Für das allgemeine Verständnis von Etablierten-Aussenseiter-Konstellationen und die ab und an damit einhergehenden Kriegen, Massenmorden, Genoziden etc. bringt es überhaupt nix, wenn man irgendwie eine Identität (hier beispielsweise die Hautfarbe) hervorhebt und so tut, wie ein Täterkollektiv nun speziell mit einer Hautfarbe assoziiert werden kann. Zentral wäre doch mal anzuerkennen, dass Etablierten-Aussenseiter-Konstellationen und die damit einhergehenden Abwertungen, Diskriminierungen, Massakern, Genozide etc. nix mit einer besonderen Identität zu tun haben, sondern jede Identität (ob Schwarze, Weisse, Männer, Frauen, Deutsche, Schweizer, Bayern, Schwule, Heterosexuelle etc.) kann zu Tätern und Opfern werden.

In der Tat sind Ingroup und Outgroup Konflikte eine fast zwangsläufige Folge unser ansonsten kooperativen Natur, weil man sich zwangsläufig bei Leuten, mit denen man seltener zu tun hat, eher absichern muss und wir mit relativ kleinen Gruppen innerhalb unserer evolutionär wirksamen Vergangenheit zu tun hatten.

 

Ausserdem muss man gerade beim Rassismus zwischen Handlungs- und Strukturebene unterscheiden. Ein Individuum kann in einem Land leben, wo es strukturellen Rassismus gibt, aber das heisst noch lange nicht, dass dieses Individuum auf der Handlungsebene rassistisch wäre und für die rassistische Struktur kann es vielfach auch nichts, zumal es überhaupt nicht die Macht hat, alleine an der Struktur etwas zu ändern. Und wie ich schon vorher gesagt habe: Es ist nicht einzusehen, weshalb Schwarze in Deutschland, sollte es einen strukturellen Rassismus gegen Schwarze geben, diese Struktur nicht mitreproduzieren, wenn es ja angeblich auch alle Weisse tun. Wenn es alle Weisse tun, dann müssten es m.E. auch alle Schwarze tun. Also, m.E. ist die Argumentation von Alice Hasters nicht plausibel und widersprüchlich.

Finde ich eine wichtige Unterscheidung, die natürlich für das Gruppendenken der Identitätstheorien nicht praktikabel ist. Dort wird die Struktur ja immer von der Gruppe getragen und ein Individuum gibt es quasi nicht, man ist immer Zugehöriger verschiedener Gruppen – „alter weißer Mann“ ist eine berechtigte Schuldzuweisung und eine individuelle Betrachtung wird direkt als Versuch der unzulässigen Exculpierung angesehen -#Notallmen

 

Crumar:

Ich versuche kurz den historischen Rahmen zu verlassen und auf die linksidentäre Theorie und deinen Kommentar, speziell die Etablierten-Aussenseiter-Konstellation einzugehen:

„Für das allgemeine Verständnis von Etablierten-Aussenseiter-Konstellationen und die ab und an damit einhergehenden Kriegen, Massenmorden, Genoziden etc. bringt es überhaupt nix, wenn man irgendwie eine Identität (hier beispielsweise die Hautfarbe) hervorhebt und so tut, wie ein Täterkollektiv nun speziell mit einer Hautfarbe assoziiert werden kann.“

So aber funktioniert ihre bizarre Denkweise und ich halte sie für ausgesprochen nützlich.
In der konkreten politischen Situation in D bspw. verdienen die Menschen in den 5 neuen Bundesländern objektiv weniger als in den alten Bundesländern und zwar stimmt hier ausnahmsweise der Befund: Für die gleiche Arbeit.

Als die Linksidentäre Ferda Ataman zum ersten Mal mit diesem Fakt konfrontiert wurde, reagierte sie in ihrer Spon-Kolumne ungläubig, das könne doch wohl nicht heißen, eine türkische Putzfrau im Westen verdiene weniger als eine im Osten.

Sie meinte implizit natürlich – in ihrer subjektiven, der identitären Logik – eine weißenicht „POC“. Während es sich eben objektiv genau so verhält.
D.h. die Linksidentären insistieren darauf, bevor man auch nur einen Blick auf die empirische Realität wirft, stehen „Opfer- und Täterkollektive“ – in ihrem Sinne – bereits fest.
Sagt die empirische Realität das Gegenteil, dann wird sie schlicht geleugnet.

Ihr Bemühen, das „allgemeine Verständnis“ identitär zu beeinflussen, läuft zwangsläufig darauf hinaus zu behaupten, die Menschen in den 5 neuen Bundesländern könnten gar nicht benachteiligt werden, weil sie weiß, Alemans, Kartoffeln usw. usf. sind (das wird man doch wohl noch sagen dürfen!)

Politisch läuft identitäre Logik zwangsläufig darauf hinaus festzustellen, bei den Menschen in den 5 neuen Bundesländern handelte es sich um den „Basket of deplorables“:
Mit der gleichen Volte, die auch für Männer gilt führt die Unterstellung von Privilegien dazu festzustellen, sie hätten aus ihren Privilegien eben nichts gemacht und seien daher selbst Schuld an ihrer miserablen Lage. In neoliberalem Mantra wird ihnen das Scheitern individuell übereignet, zugleich werden sie der Verachtung preisgegeben. Und Widerstand gegen diese miserable Lage zeigt in der bizarren Logik der Identitären immer nur den (natürlich nur unterstellten) Kampf um den Erhalt von Privilegien. Also wie und dass sie völlig im Recht sind.

In dieser Logik können gesellschaftliche Ausschlüsse für beliebige „Identitäten“ und „Täter-Kollektive“ konstruiert werden, man kann dabei ein gutes Gewissen haben und sich „progressiv“ fühlen, während objektiv eine neoliberale, reaktionäre, spalterische Politik verfolgt und eine Hetz- und „Hass“-Sprache etabliert wird.

„Zentral wäre doch mal anzuerkennen, dass Etablierten-Aussenseiter-Konstellationen und die damit einhergehenden Abwertungen, Diskriminierungen, Massakern, Genozide etc. nix mit einer besonderen Identität zu tun haben, sondern jede Identität (ob Schwarze, Weisse, Männer, Frauen, Deutsche, Schweizer, Bayern, Schwule, Heterosexuelle etc.) kann zu Tätern und Opfern werden.“

Zentral wäre m.E. erstens vorab, dass uns die Identitären ihre Sicht auf uns aufdrücken wollen.
Ihr Narzissmus besteht zweitens daraus, sie unterstellen mir und uns, wir müssten eine „Identität“ gemäß eines biologistischen Determinismus entwickeln.

Die Denkweise und „Theorie“ ist drittens eine vormoderne und scheitert politisch spätestens, wenn ein als homogen halluziniertes Kollektiv „Männer“ sich nicht einmal auf ein einheitliches Wahlverhalten verabreden kann.
Eine entwickelte „Identität“ gemäß eines sozialen Milieus, in der Etablierten-Aussenseiter-Konstellationen nicht einheitlich sind und keiner binären Logik folgen stellt eine Überforderung dieser Theorie dar, sie wird – zwangsläufig – einer modernen Gesellschaft nicht gerecht.
Mit einer Jugend-Subkultur wie „Punk“ wird auch eine „Etablierten-Aussenseiter-Konstellation“ fragwürdig, denn die subkulturelle Logik besteht eben gerade darin, sichtbar Aussenseiter zu sein.

Das biologistische fundierte Stammes- und Clan-Denken unterstellt viertens jedem Individuum, Entwicklungsmöglichkeiten nur in den engen Grenzen eines Konzepts von „Identität“ zu haben, welches jedoch immer schon vorausgesetzt ist und dem es sich unterzuordnen hat.
Die Idee einer individuellen Wahlfreiheit in Sachen individueller Identität ist vor dem Hintergrund dieser Vorstellung absurd.
Umgekehrt ist jedoch das „Kollektiv“ der „People of Colour“ (s. Männer) eine Schimäre, denn eine gemeinsame kulturelle Identität haben bspw. Japaner und Nigerianer nicht.

Diese Theorie ist auch nicht „kollektivistisch“, denn ihre Konstruktion eines Kollektivs erfolgt nicht gemäß gemeinsamer Interessen oder einer gemeinsamen sozialen Lage, sondern unterstellt diese auf der Basis biologischer Merkmale. Das ist eine insgesamt von der empirischen Realität völlig entkoppelte Theorie.

Mein Verdacht ist, dass die US-Linke und Linksliberale diese unterkomplexe, vormoderne „Theorie“ angenommen haben, weil sie an den gesellschaftlichen/sozialen Differenzierungsprozessen in ihrer Heimat gescheitert sind.

Abschließend: Kriege, Massenmorde, Genozide sind historisch durchgängig bei allen Kulturen anzutreffen. Die identitäre Verkürzung der Weltgeschichte auf die Kolonialgeschichte muss „POC vs. POC“ Grausamkeiten jedoch leugnen/herunterspielen und erzeugt einen Kollateralschaden: Die wahre Geschichte der Menschheit begann erst mit dem Auftritt der Weißen! 😉

Antifa

Im Rahmen der Ausbreitung der intersektionalen Theorien und der Rechts- oder Linksrütsche bzw der Polarisierung der Lager rückt auch die Antifa wieder ins Blickfeld.

Sei es in den USA als Gegenspieler der „Alt-right“ oder teilweise auch schlicht aller Konservativer oder eben auch in Deutschland, wie gerade jetzt in einer Debatte im Bundestag

 

Eine Bundestagsabgeordnete trägt einen Anstecker der Antifa, es gibt Protest auch von der AfD und schließlich einen Ordnungsruf gegen Renner.

Die Positionen sind eigentlich ganz einfach:

  • Die einen führen an, dass „Antifa“ bedeutet gegen Faschisten zu sein. Wie kann man nicht gegen Faschisten sein? Jeder, der gegen Faschisten ist, sei damit „Antifa“ und dagegen sein, dass jemand Antifa ist bedeutet irgendwie dem Faschismus zuzustimmen
  • Die anderen führen an, dass „Antifa“ eigentlich eine weitaus engere Bedeutung hat und für eine radikale und militante Gruppe steht, die im Endeffekt linke Ideen verteidigt und dabei auf klare Feindbilder setzt und in diesem Kampf auch Gewalt als Mittel befürwortet. Es wäre insoweit eine linke Schlägertruppe und wer sich zu ihr bekennt macht damit deutlich, dass er Gewalt als Mittel der politischen Auseindersetzung akzeptiert.

Diese binäre Abgrenzung wird dadurch verkompliziert, dass die „Antifa“ eben aus einer Vielzahl autonomen Gruppen besteht, die sich irgendwie dem Kampf gegen den „Faschismus“ verschrieben haben. Verschiedentlich gibt es noch die Unterscheidung in „Antifa“ und „Antifa-M“, wobei das M für Militant steht und damit den gewaltbereiten Flügel kennzeichnen soll.

Da Faschismus auch keine allgemein gültige Definition hat könnte man ebenso anführen, dass die gewaltbereite Antifa selbst einen gewissen (linken) Faschismus lebt, weil sie eine paramilitärische Organisation bildet, die häufig genug ein Spektakel abzieht um Leute einzuschüchtern oder für sich einzunehmen, nur beim „Führerkult“ der oft als weiteres Merkmal aufgegriffen wird, wird es schwierig. Aber das schreckt ja auch die Antifa selbst nicht ab, da sie häufig gegen das Konservative an sich ist, auch wenn kein „Führerkult“ enthalten ist.

Die obige „linkere“ Definition könnte man auch gut und „Feld und Festung“ fassen, also mit dem Umstand, dass man nach Außen hin ein weiter Begriff vorgegeben wird, nach innen aber ein weitaus engerer Begriff vorhanden

Das war hier schon einmal für den Feminismus als beliebtes Argument dargestellt worden:

The feminists who constantly argue about whether you can be a real feminist or not without believing in X, Y and Z and wanting to empower women in some very specific way, and who demand everybody support controversial policies like affirmative action or affirmative consent laws (bailey). Then when someone says they don’t really like feminism very much, they object “But feminism is just the belief that women are people!” (motte) Then once the person hastily retreats and promises he definitely didn’t mean women aren’t people, the feminists get back to demanding everyone support affirmative action because feminism, or arguing about whether you can be a feminist and wear lipstick.

Genauso könnte man anführen, dass die Antifa selbst eben nicht jeden, der nicht einfach nur gegen Faschismus (nach seiner Definiton) ist, sondern das ein Dazugehören weitaus mehr verlangt und wesentlich radikalere Ansätze erfodert.

Ich selbst für Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung keinerlei Verständnis, sei es von links oder rechts. Insofern halte ich eine Distanzierung von der Antifa im engeren, gewaltzugeneigten Sinne, für eine Selbstverständlichkeit des politischen Diskurs und eine notwendige Grundlage für ein politischen Zusammenarbeitens aller politischen Parteien. Eine Distanzierung von solcher Gewalt sollte auch nicht wirklich schwer fallen und ein Antifa-Stecker ist insofern nicht das passende Signal

 

Hautfarben und Abstammungen sowie Vermischungen und rechter und linker Rassismus

In diesem Video erfuhr eine Frau, die eine starke Identität als „African-American“ aufgebaut hatte, dass sie der mütterlichen Seite ebenfalls eine  europäische und damit weiße Abstammung hat. Mütterlicherseits ist sie sozusagen erst seit 4 Generationen schwarz.

(video ohne Kommentar hier)

Dass das für jemanden, der darauf seine Identität aufgebaut hat, sicherlich auch eine sehr unerwartete Nachricht.

Sie scheint mir ansonsten nichts negatives über Weiße gesagt zu haben, jedenfalls habe ich nichts auf ihrem Channel gesehen, aber dennoch machte es einen starken Teil ihres Selbst aus, bewirkte eine gewisse Gruppenzugehörigkeit. Vielleicht ist es etwas damit zu vergleichen, dass ein Kind herausfindet, dass es adoptiert ist.

Es ist aber auch ein Video, dass sich jeder anschauen sollte, der einen absoluten Rassenunterschied vertreten möchte oder meint, die Fähigkeiten von Leuten nach ihrem Aussehen bestimmen zu können.

Jemand, der ansonsten ganz so aussieht als würde er einer bestimmten Ethnie zugehören, kann dennoch Gene einer ganz anderen Ethnie in sich tragen. Was bereits einen Rassismus auf der Grundlage des Aussehens bei der heutigen Gesellschaft eine weitere Grundlage raubt.

Natürlich ist es ebenso geeignet die intersektionalen Theorien angreifbar zu machen. Für eine intersektionale Black Live Matters Aktivistin wäre es sicherlich ebenso ein Schock, wenn sie „Weiße Gene“ hat wie es für einen Nazi ein Schock wäre, wenn er „schwarze Gene“ hat.

Verwandte des „Black Life Matter“ Aktivisten, der allen Weißen vorhält, dass ihre Vorfahren von der Sklaverei profitiert haben, könnte damit selbst zB einen Sklavenhalter in seiner Abstammung haben. Und irgendwie wäre ein Teil von ihm dann auch böse. Gut bei einer sozialen Konstruktion, die eine systematische Privilegierung bzw Diskriminierung nach Hautfarbe bewirkt, würde er dann von den Privilegien nichts direkt abbekommen, wenn er schwarz wäre. Aber er müsste dennoch seine Familiengeschichte hinterfragen, ob er nicht selbst noch von Spätfolgen profitiert. Was gleichzeitig ja in der sehr binären Sicht des intersektionalen Feminismus eigentlich nicht gehen dürfte.

Dass das Aussehen täuschen kann machen auch diese (zweieiigen) Zwillinge sehr deutlich:

Lucy und Maria Aylmer haben die gleichen Eltern, haben aber bezüglich des Aussehens recht verschiedene Gene abbekommen. Wie es bei Genen aussieht, die nicht das Aussehen betreffen kann man insofern auch nicht sagen.

 

 

Die Guten Männer vs Die Schlechten Männer

Ein Text führt an, dass (feministische) Männer es sich zu einfach machen, sich selbst den „Guten Männern“ zuzuordnen:

My issue is that when good men talk about bad men, they always ignore the line in the sand — the line in the sand that is inevitably drawn whenever a good man talks about bad men: “I am a good man. Here is the line. There are all the bad men.” The Jimmys and the good men won’t talk about this line, but we really need to talk about this line. Let’s call it Kevin. And let’s never call it that again. We need to talk about how men will draw a different line for every different occasion. They have a line for the locker room; a line for when their wives, mothers, daughters, and sisters are watching; another line for when they’re drunk and fratting; another line for nondisclosure; a line for friends; and a line for foes. You know why we need to talk about this line between good men and bad men? Because it’s only good men who get to draw that line. And guess what? All men believe they are good. We need to talk about this because guess what happens when only good men get to draw that line? This world — a world full of good men who do very bad things and still believe in their heart of hearts that they are good men because they have not crossed the line, because they move the line for their own good. Women should be in control of that line, no question.

„Seid nicht so eingebildet zu sagen, dass ihr die Guten seid. Wir sagen, wer die Guten sind. Für alle aus unserer Gruppe Denn wir können das“

Da muss man schon eine sehr interessante Selbstwahrnehmung von sich selbst haben, wenn man meint, dass das nicht evtl etwas problematisch sein könnte. Zumal sie ja in der Abgrenzung innerhalb des intersektionalen Feminismus auch davon ausgehen, dass Frauen quasi von vorneherein gut sind bzw die „schlechten Frauen“ nur einer Gehirnwäsche unterliegen und Sexismus verinnerlicht haben. Wenn sie da wenigstens den Männern zugestehen würden die Grenzlinie zu ziehen, dann wäre es zumindest noch etwas ausgeglichener.

Now take everything I have said up until this point and replace “man” with “white person,” and know that if you are a white woman, you have no place drawing lines in the sand between good white people and bad white people. I encourage you to also take the time to replace “man” with “straight” or “cis” or “able-bodied” or “neurotypical,” et cetera, et cetera. Everybody believes they are fundamentally good, and we all need to believe we are fundamentally good because believing you are fundamentally good is part of the human condition. But if you have to believe someone else is bad in order to believe you are good, you are drawing a very dangerous line. In many ways, these lines in the sand we all draw are stories we tell to ourselves so we can still believe we are good people.

Tatsächlich ist „Wir sind in einer Kategorie gut, ihr seid schlecht“ so ziemlich das Grundgerüst der intersektionalen feministischen Theorien. Lediglich ergänzt um „wir sind auch in einigen Theorien schlecht, ziehen da aber auch genau die Linie, ab der wir das anderen Vorhalten können, denn wir hinterfragen uns ja dort ständig“

„Wokeness“ und Signalling bzw Statusaufbau

Ein interessanter Artikel behandelt „Wokeness“ als Religion und Statusaufbau:

In the following article, we will explore this quasi-religion, Wokeness, as a status system that functions predominantly to distinguish white elites from the white masses (whom we will call hoi polloi). It does this by offering a rich signalling vocabulary for traits and possessions such as education, intelligence, openness, leisure, wealth, and cosmopolitanism, all of which educated elites value (for a similar analysis, see Rehain Selam’s August essay in the Atlantic, discussed by David French in the National Review article linked above). From this perspective, the preachers of the Great Awokening—those who most ardently and eloquently articulate the principles of Wokeness—obtain status because they (a) signal the possession of desired traits and (b) promulgate a powerful narrative that legitimizes the status disparity between white elites and hoi polloi. The elites, according to these preachers, are morally righteous and therefore deserve status, whereas hoi polloi are morally backward and deserve obloquy and derision.

„Wokeness“ hat leider kein deutsches Gegenstück, es ist aber im wesentlichen etwas, was man hier teilweise in dem Begriff „Gutmensch“ unterbringt oder eben mit ideologisierten, fanatischen Feministinnen.

Eine Herleitung, nach der man in diesem System besonders gut Status innerhalb einer speziellen Gruppe aufbauen kann, ist für mich als jemand, der Signalling und Statusaufbau bereits aus evolutionären Gründen für ein sehr wichtiges Prinzip zum Verständnis des Menschen hält, natürlich besonders interessant. Ich hatte ja schon angeführt, dass jede Gruppe Status nach ihren Regeln bewertet, Geschäftsleute anders als Punker, aber das üblicherweise gewisse „Costly Signals“ verwendet werden, die eben schwerer zu fälschen sind. Daher braucht jedes System, bei dem Status aufgebaut und bewertet werden soll gewisse Regeln, nach denen dies geht, und gewisse Schwierigkeiten, Status zu erlangen.

It’s important to note before we begin that this perspective does not contend that all the actors in this status system are cynical charlatans. In fact, it insists that many legitimately believe their assertions about pervasive racism, sexism, transphobia, et cetera, and feel compelled to preach their doctrine so as to make society more just. Sincere belief and status motives often conspire. For example, the famous preachers of the Great Awakening (from whom we derived our title) almost certainly believed the urgency of their message and the elaborate metaphysics of their faith, but also obtained status from their books and sermons.

Ja, ich denke auch, dass die meisten wirklich von den Ideen überzeugt sind und auch davon, Gutes zu tun und gegen das Böse zu kämpfen. Dass ihr System hoch unlogisch ist fällt wegen dem religiösen Ansatz mit vielen Dogmen und der Filterblase selten auf. Es ist ein selbststabilisierender Faktor, dass Zweifel an dem System Statusabzug gibt und Kritik oder auch nur ein Nachdenken darüber ebenso.

Wokeness

Before analyzing Wokeness as a status system, we must understand it as a quasi-religious doctrine. Unlike scientific theories or other empirical claims, the basic tenets of Wokeness are held with sacred fervor. Those who challenge them are not debated; rather, their motives are denounced, and they are cast out of polite society like heretics. To take just one example, when someone objects to the Woke principle that “diversity is a strength,” committed believers rarely greet the objection as an opportunity for argument. Instead, they attack the apostate for his sacrilege, and accuse him of unspeakable moral treachery (see table below for other examples).

Genauso wie bei einer Religion nicht wirklich hinterfragt werden darf, ob die dortigen Thesen Sinn ergeben  und ob es einen Gott gibt wirkt auch hier das Dogma der Gemeinschaft: Der Zweifler ist ein Sünder und ihm bleibt nur Reue und Rückkehr in den Schoß der Gemeinde oder Verstoßung

The chief dogmas of Wokeness are that:

  1. All demographic groups are roughly biologically the same (which we have termed cosmic egalitarianism elsewhere).
  2. Bigotry is pervasive.
  3. Almost all disparities among demographic groups are caused by bigotry.
  4. If we all work really hard, we can create a more just, multicultural society.
  5. Diversity is almost always a good thing.

Also übersetzt:

  1. Alle demographischen Gruppen sind ungefähr biologisch gleich (was wir anderswo als kosmischen Egalitarismus bezeichnet haben).
  2. Vorurteile sind allgegenwärtig.
  3. Fast alle Unterschiede zwischen den demographischen Gruppen sind auf Vorurteile zurückzuführen.
  4. Wenn wir alle wirklich hart arbeiten, können wir eine gerechtere, multikulturelle Gesellschaft schaffen.
  5. Vielfalt ist fast immer eine gute Sache.

Also das durchaus bekannte Bild: Macht und Vorurteile führen zu Privilegien bestimmter Gruppen, die unverdient und ungerecht sind und daher abgebaut werden sollten.

These dogmas have far-reaching consequences. For example, dogma 2 compels Woke believers to view almost every human action as tainted, and possibly determined, by some kind of racial or sexual bias. When Serena Williams, for example, severely scolded an umpire and was docked a game, Woke pundits and preachers rose as one to announce that her punishment proved that sexism and racism still plague tennis. That her punishment might be the impartial response of the tennis umpire was hardly considered; and those who did consider it were met with derision and invective.

WOKE PIETIES MORALIZATION
All groups are basically the same. “If you study sex differences, then you are sexist.”
Racism, sexism, and other bigotries are ubiquitous. “If you deny the prevalence of bigotry, then you are a bigot.”
Disparities in outcomes among groups are almost always caused by bigotry. “If you search for another cause of social disparities, then you are part of the problem.”
Diversity of race, sex, sexuality is always and everywhere a good thing. “If you think diversity can be bad, it’s because you are a bigot.”

In der Tat trifft man immer wieder auf diese Moralisierungen, die es besonders schwer machen, sich sachlich über das Thema auszutauschen. Die Grundaussagen sind Glaubenssätze, wer sie hinterfragt, der muss ein schlechter Mensch sein.

More broadly, Woke dogmas lead to a sacred narrative about the nobility of perceived victims’ groups (e.g., blacks, women, Muslims, gays, transexuals, et cetera). Members of these groups are to be considered the innocent victims of an oppressive and iniquitous patriarchy. Whites, on the other hand, are born burdened with the original sin of privilege, and are therefore presumptively complicit in the system unless they declare fidelity to Wokeness.

Die „Adeligkeit der Opfergruppen“ oder vielleicht besser die Idealisierung und in gewisser Weise auch die Romantisierung dieser Opfergruppen in Anlehnung an den „edlen Wilden“ wurde hier auch schon mehrfach besprochen.

Gerade diese sehr starke binäre Einteilung:

  • Auf der einen Seite das Opfer, erhaben und gut, in dieser Kategorie nicht angreifbar und nicht kritisierbar
  • Auf der anderen Seite der Täter, mit Erbsünde kraft Zugehörigkeit zur Gruppe versehen, der sich exkulpieren muss, aktiv an seiner Vergebung arbeiten muss, ein reuiger Sünder, der entweder um Vergebung bittet oder Täter ist.

This creates a Manichean moral doctrine that purports to reverse the current power hierarchy. 

Manichäismus sagte mir bisher nichts, ich habe es daher mal nachgeschlagen:

Der Manichäismus war eine stark von der Gnosis beeinflusste Offenbarungsreligion der Spätantike und des frühen Mittelalters. Seine organisierte Anhängerschaft war unterteilt in die Elite der „Auserwählten“ (lateinischelecti), aus der sich die Amtsträger rekrutierten, und die einfachen Gemeindemitglieder, die „Hörer“ (auditores). Insbesondere von den electi verlangte er Askese und ein Bemühen um die Reinheit, die als Voraussetzung für die angestrebte Erlösung galt.(…)

JManis Lehre ist durch die Unterscheidung von zwei Naturen oder Prinzipien und drei Epochen der Heilsgeschichte gekennzeichnet. Die zwei Naturen sind die des Lichts und die der Finsternis. Die drei Epochen sind die vergangene Zeit, in der die beiden Naturen vollständig getrennt waren, dann die (noch andauernde) Zeit, in welcher der Bereich der Finsternis mit Lichtelementen vermischt ist, und schließlich eine künftige Zeit, in der sie wieder (endgültig) getrennt sein werden. Wegen der Unterscheidung zweier absolut verschiedener und gegensätzlicher Naturen und der ihnen zugeordneten Reiche wird der Manichäismus zu den dualistischen Modellen gezählt.[2]

Also eine Religionsgemeinschaft, die stark dualistisch ausgeprägt war und in der es Licht und Finsternis gab, wobei es die gab, die schon „im Licht“ waren und diejenigen, die durch „Reinheit“ dahin gelangen konnten. Das klingt relativ ähnlich, wobei die Nähe zum Christentum, die auch im Wikipediaartikel anklingt, aus meiner Sicht stark ist, wenn man dort Konzepte wie „sündig geboren“ berücksichtigt.

Victims’ groups are revered, and the powerful are despised. However, as we will argue, this hierarchy is not so simple because it actually elevates a healthy proportion of the powerful, namely the white educated elites who profess unquestioning devotion to Wokeness. So, in the end, it is not really a status reversal so much as a way to distinguish one group of whites from the rest.

Das die Umkehrung der Opferhierarchie durchaus für viele interessant sein dürfte, die bei konventionellen Statusaufbau wesentlich weiter unten stehen, ist sicherlich etwas, was der „Wokeness“ sehr geholfen hat. Aber natürlich ist es ein System für Studierte, weil man sich nicht so einfach hineindenkt. Insofern ist es für das interne Statussystem dieses Systems besonders interessant.

Allerdings würde ich widersprechen, dass es nur für Weiße interessant ist. „Wokeness“ an sich passt vielleicht eher zu Weißen, aber viele „Marginalisierte“ werden sich weniger als „erwacht“ als vielmehr als Freiheitskämpfer gegen ihre Unterdrückung sehen, die sie schon immer erlebt haben. Sicherlich werden da auch viele einen „Red Pill Moment“ gehabt haben, indem sie noch mehr „die Strukturen“ und das diese absolut alles umfassen erkannt haben. Aber gerade Bewegungen wie „Black lives matter“ oder eben Hasstiraden wie von „Sara Leong“ gegen Weiße zeigen ja, dass sie eben auch für Andere interessant sind.

Wokeness As a Status System

Because it allows a person priority access to crucial and coveted resources such as money and mates, the desire for status is probably a fundamental human motivation. And because that desire is primitive and powerful, many social practices and activities function at least partially to delineate status relationships. These can be analyzed as status systems and operate in predictable ways because, whatever its diverse manifestations, status has some invariant features. Most importantly, it is inexpansible. That is to say, its supply does not grow. Unlike the economic pie, the status pie remains roughly the same across time. Therefore, players in the status game inevitably inhabit a zero-sum world. If one person’s status goes up, then another’s must go down, which explains why people are exquisitely sensitive not only to gains in their own status, but also to gains in other people’s status. Another’s triumph inevitably rearranges the distribution of a finite and precious resource.

Among other things, Wokeness appears to operate as just such a status system. This doesn’t mean that its only function is to adjudicate status competitions; but it does mean that one of its crucial functions is to do so. And it does this primarily by offering a signaling vocabulary which can distinguish educated elites from hoi polloi. The elites who thus benefit offer status to those who defend and legitimize the Woke narrative (the preachers); and they strip status from those who dissent.

Wenn man den modernen intersektionalen Feminismus als Signalling versteht, dann wird deutlich, dass auch die unlogischen Regeln dort Sinn machen. Ich hatte das schon einmal in meiner „Fußball-Analogie“ deutlich gemacht: In einem Sport um Punkte sind interne Widersprüche egal, genauso wie es beim Darten egal ist, dass die Dreifach-1 genauso schwer zu treffen ist, wie die Dreifach-20, aber eins 3 Punkte gibt und das andere 60 Punkte. Genauso ist es dann egal, dass Asiaten in den USA im Schnitt mehr verdienen als Weiße, als besonders schlau und fleißig gelten, und in Ländern wie Japan und Korea erhebliche Macht genießen und überproportional in Berufen wie Arzt oder Rechtsanwalt vertreten sind. Sie werden, ähnlich wie ein Feld im Dart, eben in gewisser Weise in die Regeln eingearbeitet, hier eben als marginalisierte Minderheit, die selbst mit der Beschimpfung von Weißen Punkte machen kann und mit der zusammen man Punkte machen kann, wenn man sie, Doppeltabschluss aus Harvard und aus einem der reichsten Länder dieser Erde,  ebenfalls als Opfer der Unterdrückung durch Weiße ansieht.

 

This perspective illuminates many otherwise inexplicable aspects of Woke culture, such as:

  • Why do Woke norms change quickly and why are they so complicated (thus alienating many potential allies)?
  • Why do Woke preachers often denigrate those who fail Woke purity tests (thus alienating many potential allies)?
  • Why do people in Woke culture expend so much effort sending signals to each other and so little quietly working to improve people’s lives?
  • Why don’t more Woke preachers strive to make as many friends and partners among hoi polloi as possible, since such partnerships would help them to achieve their stated goals?

Interessante Fragen:

  • Warum ändern sich die Woke-Normen schnell und warum sind sie so kompliziert (was viele potenzielle Verbündete entfremdet)?
  • Warum verunglimpfen die Woke_Prediger oft diejenigen, die die Reinheitsprüfungen von Woke nicht bestehen (und entfremden damit viele potenzielle Verbündete)?
  • Warum geben sich die Menschen in der Woke-Kultur so viel Mühe, um einander Signale zu senden und so wenig Mühe um still daran zu arbeiten, das Leben der Menschen zu verbessern?
    Warum versuchen nicht mehr Woke-Prediger, so viele Freunde und Partner wie möglich unter den Hoi Polloi zu finden, da solche Partnerschaften ihnen helfen würden, ihre erklärten Ziele zu erreichen?

die Antwort ist eben immer, dass es für das andere Verhalten Statuspunkte gibt.

To begin, we’ll examine the nature of the Woke signaling vocabulary. Signals that are effective must be reliably connected to what they signal. Sometimes such reliability is achieved because the communicator and receiver share interests. If Mary tells her teammate that she is going to cut left on the next play, then her teammate has little reason to doubt the signal (i.e., the sentence) because they share interests (namely, they both want to win the game). But often reasonable reliability can only be achieved by using costly signals, signals that honest communicators can afford but that dishonest communicators cannot.

It is trivially easy (not costly) to assert that one is educated or sophisticated or committed to a doctrine; therefore, very few people pay attention to such pronouncements (except as they might indicate narcissism). On the other hand, it is not easy (is costly) to speak a jargon that is taught only in universities and that requires many hours of dedication to master. Therefore, people pay attention and often defer to those who command a rich, complicated jargon.

Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum einige sehr kompliziert schreibende Personen in dem Bereich sehr erfolgreich sind: Es ist schwieriger sie zu verstehen, gleichzeitig überdeckt es Unlogik.

Wokeness provides this kind of sophisticated argot for signalers. Those who preach its gospel often use bizarre concepts imported from postmodern theorists, infamous for their impenetrable prose. Terms such as “hegemonic,” “intersectional,” “phallocentric,” and “queerphobe” are regularly deployed, intimidating the uninitiated and impressing those who wish, in the future, to signal their erudition to fawning fans. Even Woke language for popular consumption is complicated by a quickly changing list of taboo epithets. Is it wrong to say homosexual relationship? Is it all right to say African-American? Will I be berated if I say Mexican-American?  These changing prohibitions function well to distinguish elites from hoi polloi because they require devotion, erudition, and the right social acquaintances to understand.

„Aktuell bleiben“ und mit den veränderten Regeln mithalten können wäre demnach wichtig in dem Statusspiel: Wo man früher sagen durfte, dass Männer an allem Schuld sind muss man jetzt CIS-Männer sagen, damit man Transmänner ausnimmt. Insofern kommen die radikalen Transideologen gerade recht, denn sie bewirken eine zusätzliche Möglichkeit, „Wokeness“ zu signalisieren. Das gilt ebenso für Wörter wie PoCs oder diverse andere Wortschöpfungen.

Using arcane language and adhering to constantly changing norms about acceptable epithets are not particularly effective for attracting people from the broader population to one’s cause. In fact, they almost certainly alienate many average, and otherwise sympathetic, Americans, who understandably disdain indecipherable prose and elite superciliousness. Therefore, this signaling function of the Woke faith is actually antithetical to the stated goals of Wokeness (i.e., creating a more just social world—which requires a broad coalition of different classes of people).

Ja, mit immer komplizierteren und weltfremden Konzepten („Ein Penis ist weiblich“) entfernen sich die „Woken“ immer mehr von dem, was ansonsten als normal wahrgenommen wird, aber sie schaffen gleichzeitig immer bessere Möglichkeiten den eigenen Status zu signalisieren.

Also antithetical to the stated goals of Wokeness is the tendency of its most popular preachers to castigate sinners instead of calmly attempting to persuade them of the justness of the Woke doctrine. Antithetical, but perfectly comprehensible from a signaling perspective. Those who are Woke don’t really want to inhabit an entirely Woke world without the bigoted masses; instead, they want to occupy a world of good and evil, of the just and the wicked, of the high status and the low status, of the elite and hoi polloi. The Woke faithful almost certainly do believe that the world is unjust, even wicked, and they almost certainly do sincerely want to ameliorate the suffering of its victims. However, they also want to signal their membership to an elite and morally righteous club, and therefore they need an out-group, a foil, a morally wicked other for contrast. And, they can’t let just any kind-hearted person into their club, because then it would lose its exclusivity. So they must develop a strenuous vetting system, one that is vigilant and suspicious and quick to detect sin.

Ja, das scheint mir auch schlicht die beste Erklärung zu sein. Deswegen kann es auch kein wirkliches erreichbares Ziel geben, an dem die Welt gut genug ist. Neulich sagte eine Feministin in einer Diskussion, dass ein Fall von sexueller Gewalt schon zu viel ist und das quasi Männer an einer absolut gewaltfreien Welt arbeiten müssten. Dass dieses Zeil schon aufgrund der vorhandenen Psychopathen nicht zu erreichen ist verstösst gegen die oben dargelegte Norm, dass alle Menschen gleich sind und allenfalls sozial konstruiert. Es wird daher niemals ein „Gut genug“ geben, sondern immer eine strikte Einteilung in Gut und Böse, die erlaubt, dass man Signalling als „Woker Mensch“ betreibt.

Furthermore, accusing others of violating the faith of the Woke can serve as a signal of one’s commitment to righteousness; and, perhaps perversely, the more ridiculous the accusation, the better the signal. How, after all, can somebody who accuses the entire tennis world of racism and sexism, be racist or sexist? This can lead to a kind of concept creep, in which those vying for status among the Woke compete to call out vanishingly trivial offenses and imagined slights as intolerable manifestations of racism, sexism, and patriarchal oppression. Meanwhile, many otherwise sane people, with no interest in the excesses of The Great Awokening, nevertheless feel compelled to agree with such fantastical claims for fear that otherwise they too will be accused of bigotry.

Die Spirale in den Abgrund oder das Race to the Bottom kann in der Tat dazu führen, dass man sich immer weiter hineinsteigert und immer kleinere Fälle immer energischer angreift, um Status aufzubauen. Und natürlich bringt es weit weniger Punkte „das Normale“ zu machen, wer neue Wege findet, in dem System Status aufzubauen, der kann sich vor die Anderen setzen.

Und Signalling dürfte auch der Grund sein, warum man so gerne übereinander herfällt statt sich gegenseitig Fehler nachzusehen um die Sache voran zu bringen: Wenn man jemanden aus der Gemeinschaft einen Fehler aufzeigen kann, dann hat man das System natürlich besser verstanden als er und es bekommen auch viel schneller und einfacher mehr wichtige Leute mit, die das System kennen und danach Punkte vergeben. Wehrt sich der andere noch unberechtigt, dann kann man noch nachhaltiger deutlich machen, wie groß die Hingabe zum System ist und wie gut man es kennt.

Und weil dieser interwoke Kampf so erbittert geführt wird und es Punkte dafür gibt, Zweifler anzugreifen, ist es häufig besser sich nicht gegen sie zu stellen. Sie haben insofern häufig einen „Fanatikerbonus“, weil unnötiges Aufregen für sie interne Punkte gibt und sich damit für sie lohnt.
Gleichzeitig zeigt das auch die Grenzen auf: Wer sich nicht beeindruckt zeigt und es so umkehren kann, das er sich über die „Woken“ lustig macht und sie als Fanatiker darstellt, der kann eben in einem rationalen System, in der normaleren Welt, Leute auf seine Seite ziehen. Das kann allerdings ein Win-Win für Beide sein: Der eine zeigt, dass er auch bei Fanatikern cool bleibt und sich nicht von diesen Einschüchtern lässt und der andere zeigt, dass er auch hartnäckige Feinde bekämpft.

 

This may also explain the utility of outlandish beliefs. Anybody can believe something that is true. It takes no effort, no talent, and no real commitment. But to believe something that is transparently ridiculous, such as that men and women are biologically the same, and to assert such a belief with force and conviction requires singular devotion to a coalition and to its sacred narrative. Therefore, those competing for status in the world of Wokeness may strenuously profess a belief in risible propositions (e.g., all demographic groups are the same) to signal commitment to the cause. Furthermore, attempted correctives—such as offering heaps of contradictory data—may be counterproductive, simply serving to highlight the dedication of the besieged believer.

Das ist eben das, was ich hier auch schon zur Unlogik in der Religion dargestellt habe (unter Zitierung von Jared Diamond): Eine Religion, die durch Fakten belegbar ist, ist keine Religion und bietet sich nicht zum Signalling an. Ein wahrer Gläubiger kann sich gerade dann auszeichnen, wenn das System voller Unlogik ist.

Deswegen sind bei den wahren Gläubigen auch Bekehrungsversuche fast sinnlos. Aber bei den Umstehenden, den Sympathisanten, den Interessierten kann dafür sehr schnell ein „Der Kaiser ist nackt“-Effekt eintreten, der verhindert, dass sie überhaupt in dieses Denken hineinkommen.

Es dürfte auch der Grund sein, warum Leute wie Milo oder aber die schwarze Konservative Candace Owens schwierige Gegner für Woke Menschen sind, weil sie eben eigentlich bestimmte Merkmale haben, die sie eigentlich zu einer Opfergruppe machen, eben Schwul oder Schwarz. Auch hier passt aber der Ansatz, dass man dies dann eben ausblenden muss und sie nur nach anderen Kriterien bewerten muss, etwa Milo als weißen Mann, der damit ein Rassist ist oder Owens als eine, die sich eben nur an weiße Anbiedern will. Allerdings ist das sehr vermintes Gebiet, weswegen ein Gegner wie Jordan Peterson sicherlich angenehmer anzugreifen ist.

Of course, the signaling perspective also explains why so many disciples of Wokeness expend effort writing inscrutable articles about the patriarchy or denouncing sinners on Twitter rather than going out into the world to help the victims’ groups they claim to admire: their primary motivation, whatever their conscious beliefs, is to procure status. There are, of course, many courageous and devoted people who do work quietly to make the world better for minority groups; and those people deserve our admiration. But, many of the most conspicuous activists spend more time promising punishment to heretics on Twitter than they do helping their local communities. These Twitter displays are often called virtue signals, but they are probably better understood as commitment signals, because they don’t really signal a person’s underlying moral character, but they do signal his or her allegiance to the faith of Wokeness.

In der Tat machen viele Woke die Welt eben nicht besser, sondern hetzen Leute noch gegeneinander auf, verschärfen das Klima und provozieren Gegenreaktionen, weil sie Identitäten angreifen und zu „den Bösen“ machen und ihnen damit mehr Gewicht geben und eine Outgroup, die sie angreift.

The Preachers of the Great Awokening

Atop the hierarchy of this status system sit the preachers of the Great Awokening, the media mavens and academics who write, defend, and theorize Wokeness, who guard its doctrines from dissent, who praise the faithful, and who call for the righteous punishment of heretics and sinners. They have the power of salvation and of damnation. Their approval can make a career, and their opprobrium can ruin one. Some are men; some are women. Most are white. And most have distinguished themselves from their other, their antipode, the men and women of hoi polloi. But, perhaps more importantly, they have provided a narrative that justifies such a distinction in the first place.

In der Tat sind natürlich nach wie vor viele bekannte Feministinnen weiß, von Valenti in Amerika über Wizorek in Deutschland. Aber viele PoCs stutzen diese natürlich immer wieder zurecht in dem Kampf um Macht. Und viele männliche Feministinnen sind sich sehr bewußt, dass sie immer davon bedroht sind, dass sie jemand dafür kritisiert, doch wieder zu viel Raum einzunehmen oder ein übergriffiges Verhalten gezeigt zu haben.

Hinzu kommt, dass auch viele männliche Feministen noch ein weiteres Spiel suchen: Den Status in Sex umwandeln, da Status nun einmal attraktiv macht.  Und da das eigentlich gegen die Regeln ist, droht wiederum ein Statusabbau, wenn es als Belästigung angeprangert wird oder zu offensichtlich ist.

Status disparities cause resentment. And they often also cause guilt. Those on the bottom of the hierarchy become bitter, disdaining those on the top. And this resentment is a constant source of rancor and instability. Those on the top, of course, are generally happier; however, they often experience discord as well, especially perhaps if they are liberal: Why do I deserve this blessed life? Am I really better than those below me? Both problems—the bitterness of those on the bottom and the guilt of those on the top—can be ameliorated by a powerful legitimizing narrative, a narrative that explains why those on the top deserve their status while those on the bottom deserve their rather less charmed lives and, in fact, should be pleased simply to defer to their superiors. Those who provide such a narrative offer a valuable service; therefore, they are recompensed with approval and applause.

Es kann eben gut sein, seinen Platz gefunden zu haben. Und es kann auch angenehm sein, nicht zu weit oben zu stehen, um sich nicht dem Vorhalt auszusetzen, dass man zuviel für sich in Anspruch nimmt. Weswegen viele Weiße Feministinnen den Kampf für PoCs unter Inkaufnahme deren Vorrechtstellung in der Kategorie „Rasse“ vielleicht durchaus angenehm finden.

This is precisely what the preachers of the Great Awokening provide. According to their teachings, those on the top of the hierarchy, the educated, the cosmopolitan, the elite, are there not because they are smarter or more ambitious than hoi polloi (traits about which these elites claim to be skeptical), but rather because they are more righteous. The elite deserve status because they are Woke; they are altruistic, noble, and selfless defenders of the downtrodden. Hoi polloi, on the other hand, are morally backward: they are confused and unenlightened defenders of a racist, sexist, and bigoted America. They fail to understand intersectionality; they deny their own white privilege; they can’t or won’t see the bigotry that pervades society. They, then, are sinners. And why shouldn’t sinners be punished, especially if they are without contrition? And this is why Wokeness has become a quasi-religion; it has to divide the world into the righteous and the fallen, the deserving and undeserving.

Das ist in der Tat der Kern: Die Guten, die Erwachten, gegen die Sünder. Jeder kann auch ein Erwachter werden, wenn er sich nur an die Regeln des Kults hält, auch wenn es für einige Schwieriger als für andere ist (weil sie mehrfach priviligiert sind oder besonders schlimme Formen der Privilegierung haben).

The great news, the gospel, is that Wokeness is a meritocracy. At least, that is the message these preachers deliver. Yes, sinners are punished, and the unenlightened suffer derision and ridicule, but they can obtain status by achieving moral purity, by repenting their sins, castigating their former beliefs, and renouncing their own interests. And then they too, like today’s moral elite, will enjoy the voluptuous fruits of the good life. What could be more just?

Das alte Erbsündekonzept eben. Auch du kannst gut werden. Wenn du genug Abbitte leistest und ein frommes Leben führst. Trete unserem Kult bei und lerne den Weg. Trete nicht unserem Kult bei oder lehne ihn sogar ab und schmore für immer in der Hölle..

We have argued that this perspective offers insights into the behavior of those who inhabit the culture and spread the norms of Wokeness. Chiefly, it contends that (a) many Whites use the vocabulary of social justice to signal their erudition, cosmopolitanism, and commitment to the cause so as to distinguish themselves from hoi polloi. And that (b) the preachers of the Great Awokening serve the crucial function of legitimizing the resulting status disparity. Their teachings assuage the guilt of the elite and blunt the bitterness of hoi polloi. And, therefore, those preachers are recompensed with status.

The danger is that the status desires of these preachers will eclipse their moral concerns. (Some, of course, would claim that this has already happened.) And then the preachers will become moral peacocks, showcasing eloquent and fantastical sermons to a dwindling but increasingly fanatical base. And this will ultimately lead to a situation in which social justice activists pay more attention to the pronouns on a box of cereal than to the sufferings of the less fortunate.

In der Tat kann man gut vertreten, dass dieser Zustand schon eingetreten ist, bei dem die Grenze überschritten worden ist. Interessant wäre aber, ob die Bewegung trotz der Radikalisierung noch wächst oder nicht. Momentan scheinen sie das „Glück“ zu haben, dass die Flüchtlingskrise ein großes Signallingpotential bietet und das noch dadurch ausgeweitet wird, dass Gegenbewegungen vorhanden sind (die wiederum selbst eine Identitätspolitik betreiben, in der sie Signalling betreiben). Mal sehen, wie es weiter geht.