Jetzt will dieses schreckliche Patriarchat auch noch den Mars unterdrücken, dabei sind da noch nicht mal Frauen

Das Patriarchat hat längst alles unterdrückt, was man auf Erden unterdrücken kann, aber das reicht ihm natürlich nicht. Das hat messerscharf eine feministische Journalistin erkannt und schreibt dementsprechend:

These men, particularly Musk, are not only heavily invested in who can get their rocket into space first, but in colonizing Mars. The desire to colonize — to have unquestioned, unchallenged and automatic access to something, to any type of body, and to use it at will — is a patriarchal one. Indeed, there is no ethical consideration among these billionaires about whether this should be done; rather, the conversation is when it will be done. Because, in the eyes of these intrepid explorers, this is the only way to save humanity.

It is the same instinctual and cultural force that teaches men that everything — and everyone — in their line of vision is theirs for the taking. You know, just like walking up to a woman and grabbing her by the pussy.

It’s there, so just grab it because you can

Das ist so herrlich doof, wie es eben im modernen Feminismus zu erwarten ist: Man kann alles abwerten, indem man es einfach irgendwie in die Nähe von Vergewaltigungen und Raumeinnahme rückt.
Sie führt weiter aus:

In this way, colonizing Mars is a “collective life insurance policy.” Although considering the last 500 years of colonization on this planet alone, one could wonder whose lives, according to Musk and other rich white men like himself, are worth being insured.

But again, this impulse to enter the “space race” isn’t simply the embodiment of the American spirit of invention or forward-thinking entrepreneurship. Neither is it driven by the kind of nationalist Cold War fervor that inspired the creation of America’s space program in the 1950s.

Rather, the impulse to colonize — to colonize lands, to colonize peoples, and, now that we may soon be technologically capable of doing so, colonizing space — has its origins in gendered power structures. Entitlement to power, control, domination and ownership. The presumed right to use and abuse something and then walk away to conquer and colonize something new.

Sie scheint sich wirklich Sorgen um den armen Mars zu machen. Er wird kolonisiert und die armen Marsmenschen werden dann erleben müssen, wie ihre Kultur für neue Faschingskostüme missbraucht werden. Schlimm so etwas. Insbesondere weil auf dem Mars niemand ist. Nichts. Es ist ein unbewohnter Planet, bei dem man niemanden was wegnehmen kann und keine Eingeborenen unterdrücken kann.

Mars ist der rote Planet, und damit ein PoC (Planet of Color)

Mars ist der rote Planet, und damit ein PoC (Planet of Color)

 

Aber ihr  Männerhass muss noch deutlicher ausgeführt werden:

This 21st century form of imperialism is the direct result of men giving up on the planet they have all but destroyed.

As if history hasn’t proven that men go from one land to the next, drunk on megalomania and the privilege of indifference.

The raping and pillaging of the Earth, and the environmental chaos that doing so has unleashed, are integral to the process of colonization. And the connection of the treatment of Mother Earth to women is more than symbolic: Study after study has shown that climate change globally affects women more than men.

“Women in developing countries are particularly vulnerable to climate change because they are highly dependent on local natural resources for their livelihood,” a 2013 United Nations report noted. “Women charged with securing water, food and fuel for cooking and heating face the greatest challenges. Women experience unequal access to resources and decision-making processes, with limited mobility in rural areas.”

This means that while men compete with each other over whose rocket is the biggest, fastest, and best, and send playthings off to become flashy space junk, women around the world are fighting to stay alive against violent assaults on their personhood — and their planet. As reported by Marc Bain for Quartz, in seven separate studies “researchers found evidence that people perceive consumers who behave in eco-friendly ways as ‘more feminine,’ and that those consumers “‘perceive themselves as more feminine.’

Wunderbar. „Männer“ kolonisieren den Mars und sind damit nicht mehr von der Verschmutzung der Erde betroffen. Wie groß war das Raumschiff, welches Musk bauen wollte? Ich meine es war ausgerichtet auf 3,5 Millarden und Musk hatte nur Männertoiletten vorgesehen, weil man zu einer Kolonisierung ja nur Männer mitnimmt.

Der Text ist wirklich selten doof, mit der üblichen feministischen Scheinlösung. Aber anzuführen, dass Männer mit der Kolonisation des Marses der von ihnen allein verursachten Umweltverschmutzung entkommen wollen, ist wirklich unredlich.

Frauen leben auf dem selben technologischen Standard wie Männer und fordern gleichzeitig auch männliches Verhalten von Männern ein. Der Besitzer eines Kleinwagens erscheint vielen Frauen in vielen Fällen immer noch weniger interessant als der eines teuren Sportwagens, ungeachtet des Verbrauchs.

Not only, according to researchers, do women generally have a greater environmental conscience when it comes to the planet we currently live on, but the same researchers have found a connection between men’s insecurity about their masculinity and their lack of environmental conscience. Apparently, caring for the planet is perceived to be a “feminine” quality and concern; the psychology of toxic masculinity spills over into the unethical disregard for the environment.

This masculine insecurity is everywhere in American culture and, increasingly, American politics. Trump himself has spoken about making sure our nuclear bomb is “bigger and more powerful and can often be found “bragging about building a “beautiful,” “great, great wall.”

Trump wurde auch mit einer Mehrheit der Stimmen weißer Frauen gewählt (66%). Und natürlich mögen auch Frauen ihre in China in Indien hergestellte Mode, nutzen Klimaanlagen, heizen gerne und lieben auch sonst jeden Luxus, den diese Gesellschaft zu bieten hat. Sie fliegen ebenso gerne in den Urlaub, sie leben, wenn sie können, lieber in großen Häusern und sie wässern im Sommer ihren Garten, damit er schön grün aussieht. So zu tun als sei alles schwarz und weiß, Frauen die reine Unschuld, die kein Kohlendioxidchen in die Atmosphere entlassen würden und Männer allesamt persönlich an der Abholzung des Regenwaldes beteiligt ist billig und falsch.

Right now, there is a robot dummy propped up in the driver’s seat of a red Tesla convertible, flying through space, away from the manmade garbage fires devouring Earth.

Houston, we have a problem.

And it’s the patriarchy.

Hurr, hurrr, wir haben es mal wieder geschafft. Das Patriarchat zeigt erneut seine Großartigkeit.  Per aspera ad astra. Und das Raue sind eben nun einmal wir selbst.

Mit der Erde sind wir durch. Und es gibt ja auch noch genügend andere Planeten, wenn wir den Mars trotz aller Bemühungen der Frauen auch verwüstet haben.

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Wie man bei allgemeinen, freien, geheimen Wahlen die Stimmen von Frauen im Patriarchat wirkungslos macht II

Nach den letzten Wahlen hatte ich bereits dargestellt, dass die Stimmen der Frauen in dem vom Männern geschaffenen Patriarchat vollkommen wirkungslos sind. Das hatte man 2013 bereits an dieser Grafik sehen können:

frauen-bundestagswahl 2013

frauen-bundestagswahl 2013

Die Frauen haben die CDU gewählt, gefolgt von der SPD, und bekanntermaßen waren diese nicht an der Regierung. Stattdessen haben die Männer mit 39% Prozent Union und 26 Prozent SPD ihre Vorstellungen voll durchsetzen können.

Auch dieses Mal hat das Patriarchat erneut alle Stimmen der Frauen unbeachtlich machen können:

Bundestagswahl Maenner Frauen

Bundestagswahl Maenner Frauen

Man sieht, hier wäre nach dem Wahlergebnis der Frauen eine ganz andere Regierung möglich gewesen als bei den Männern. Und eine viel feministischere noch dazu. Nämlich eventuell CDU-FDP alleine, oder aber eine Jamaika-Koaliton aus CDU-FDP-Grüne, ich bin mir gerade nicht ganz sicher, ob das gereicht hätte für die erste Variante.

Wie genial das Patriarchat erneut die Stimmen der Frauen ausbremst, trotz freier gemeiner Wahlen, sieht man auch an den Verteilungen:

Ich würde sagen, dass die Linke und die Grünen wahrscheinlich die feministischsten Parteien sind, sie kommen aber bei Frauen ungefähr so gut an wie bei den Männern. Dann dürfte die SPD kommen, die sogar ihren Wahlkampf teilweise extra auf den Abbau von Diskriminierungen ausgerichtet hat, zB mit Plakaten wie diesem:

SPD Frauen Lohnlücke aber das Patriarchat ist zu stark

SPD Frauen Lohnlücke aber das Patriarchat ist zu stark

Hat Frauen aber anscheinend nicht wirklich interessiert, sie wählten etwa in gleicher Anzahl wie die Männer und verhalfen der SPD damit zu einem seiner schlechtesten Ergebnisse seit langem.

Und selbst Bilder, die Frauen in technischen Bereichen zeigten und Lohngerechtigkeit herstellen wollten, also zeigten, dass die SPD da ganz modern denkt, halfen nicht:

SPD Frauen im technischen Bereich halfen auch nicht

SPD Frauen im technischen Bereich halfen auch nicht

Ich finde das Motiv eh interessant: Es ist in gewisser Weise ein Bekenntnis dazu, dass man Frauen natürlich auch technische Berufe zutraut. Nur arbeiten eben die wenigsten Frauen im Blaumann an Großmaschinen. Theoretisch schwächt es damit die Botschaft eher bei der typischen Wählerin ab: Sie arbeitet gerade nicht in einem technischen Bereich, sie arbeitet mit weitaus höherer Wahrscheinlichkeit in einem Büro mit sehr vielen weiblichen Kolleginnen, und das häufig eher Halbzeit. Sie ist sich wahrscheinlich sehr bewußt, dass männliche Kollegen auf einer 100% Stelle eben auch eher befördert werden als Frauen auf einer 50% Stelle. Sie nehmen für sich selbst auch keine Lohnungerechtigkeit in ihrem konkreten Job wahr, allenfalls für Frauen allgemein, aber das bringt ihnen selbst ja wenig. Es ist ein Wahlversprechen, welches der einzelnen Frau in ihrer konkreten Situation nichts bringt.

Was wählen Frauen stattdessen mehr als Männer: Die CDU. Also die konservativste Partei abseits der radikalen AfD. Aber auch die schneidet nicht schlecht bei ihnen ab, ein (so nicht zu erwartendes) Bündnis von CDU und AFD hätte bei den Männern 46% und bei den Frauen…tata… 46%.

Auch hier wieder beachtliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen.

Auch interessant ist eine Aufschlüsselung der AfD-Wähler nach Geschlecht:

Bundestagswahl AfD Männer Frauen

Bundestagswahl AfD Männer Frauen

Wie man hier sehr deutlich sieht sind die regionalen Unterschiede wesentlich größer als die zwischen den Geschlechtern. Trotz geringeren (8%) Gender Pay Gap im Osten als im Westen (23%), also anscheinend ja schwächerer Unterdrückung und mehr Emanzipation wählen die Frauen hier mit 17% die Partei, welches sich am meisten von Genderthemen abgrenzt und den Genderfeminismus und den intersektionalen Feminismus wohl am nachhaltigsten beseitigen möchte.

Eine interessante Leistung des Patriarchats. Wie immer.

Eine „Historische Erzählung“ als Unterschied zwischen Männerbewegung und Feminismus

Djadmoros sieht in einem Kommentar bei Lucas Schoppe einen wesentlich Unterschied zwischen Feminismus und der Männerbewegung:

Ich denke, dass der Feminismus über etwas verfügt, was die Männerbewegung nicht hat und sich schwertut, zu finden: eine »historische Erzählung«. Ihrem Selbstverständnis nach ist die Frauenbewegung immer noch eine fortschrittliche Emanzipationsbewegung, die gegen reaktionäre Verhältnisse kämpft – sie sieht sich in einem lineraren Fortschritt der Zivilisationsgeschichte immer noch an vorderster Front. Die Männnerbewegung bricht zwar den einen oder anderen Stein aus der Mauer dieses Selbstverständnisses, ist sich (meinem Eindruck nach) aber unschlüssig, wie das eigene historische Selbstverständnis aussehen könnte.

Ich sehe in der Männnerbewegung ansatzweise zwei Strömungen:

  • erstens eine eher »kulturkonservative«, die sich gegen »kulturzerstörerische« Tendenzen jenes historischen Erbes der »68er«-Kulturrevolution wendet, das ganz wesentlich vom Feminismus angetreten wurde – hier stellt die Bewahrung der (bürgerlichen) Familie einen zentralen Wert dar.
  • Zweitens eine eher »emanzipatorische«, die den Gedanken aufnimmt, dass die Bürger- und Menschenrechte solange unvollständig verwirklicht sind, wie sie nicht auch für Männer gelten.

Beide Strömungen werden mit einem Vorwurf der »Rückwärtsgewandtheit« traktiert:

  • erstere, weil es in der traditionellen Kultur angeblich nichts Bewahrenswertes gibt,
  • letztere, weil unterstellt wird, dass Männer ihren Anteil an den Menschen- und Bürgerrechten bereits erobert hätten, weshalb sie angeblich nur »Privilegien« verteidigen. Welche »Story« können wir dagegen setzen – idealerweise eine, die für beide Strömungen plausibel ist?

Einerseits bringt »xyz« in seinem obigen Post die lebenspraktische Seite gut auf den Punkt: widersprüchliche Erwartungen sollte man Frauen konsequent zurückspiegeln und sie zum »hopp oder topp« auffordern. Hier müssen sich Männer tatsächlich oft erst von der Angst emanzipieren, dadurch weiblicher Gunsterweise verlustig zu gehen – der Weg zum emanzipierten Mann könnte insofern über den MgtoW führen. Aber eignet sich das auch zum Anknüpfungspunkt für eine »Story«? Vielleicht dann, wenn man den »Kampf mit offenem Visier« im Sinne einer »männlichen Tugend« zum Ausgangspunkt nimmt und eine Analogie zum berühmten »Wir haben abgetrieben«-Titelbild von 1971 anstrebt: ein »massenhaftes« Bekenntnis zu einem bis dato stigmatisierten Standpunkt, in der Art von »Ich bin Männerrechtler«, bei dem klar wird, dass es sozusagen aus der »Mitte der Gesellschaft« kommt.

Das Abstreifen einer Stigmatisierung ist ein höchst symbolischer Akt, der allerdings von einem rationalen Manifest begleitet werden müsste, sozusagen als Gebrauchsanweisung. Es wäre ein »Coming out« wie bei den Schwulen: wir sind viele, wir gehören zur Mitte der Gesellschaft, und wir sind unter euch! Damit würden wir das Vertreten männerrechtlicher Positionen als Selbstverständlichkeit beanspruchen, und die sonstige Heterogenität unserer Standpunkte wäre eher eine Stärke als eine Schwäche: Männerrechtler kann man überall in der Gesellschaft und im politischen Spektrum sein, auch wenn wir unser Engagement an verschiedenen Schwerpunkten ausüben.

Dadurch werden die üblichen Ausgrenzungsversuche unterlaufen: wenn Dein Nachbar oder Arbeitskollege Männerrechtler sein kann, dann kann man sie nicht mehr ohne weiteres in ein Jenseits des politisch Akzeptablen verbannen – der nächste Widerspruch könnte gleich um die nächste Ecke warten.

Und idealerweise hätte man einen Verbündeten in den Mainstreammedien, vielleicht den »Cicero« oder die FAZ. Also höher angesiedelt als eine »Why I need feminism«-Kampagne bei Fcbook. Die »Story« wäre dann: Männlichkeit bedeutet, sich dem Kreischen der Furien im offenen Kampf zu stellen. Und bei den nicht ideologisch durchgeknallten Frauen würden wir im Ansehen bloß steigen.

Mehr »Gesicht zu zeigen« ist m. E. die Quintessenz aus Schoppes Blogpost und den bisherigen Kommentaren. Bloß wenn – dann vielleicht besser richtig und ohne »Gang, Veitli, gang, gang du voran«. »Levée en masse«!:-)

Ich denke da stößt er etwas passendes an: Es gibt eine „Befreiungsgeschichte der Frau“ aber keine des Mannes. Es fehlt an der Wahrnehmung der der Beeinträchtigung oder der Verbindung damit, dass man dagegen zu Recht demonstrieren kann. Dabei gibt es wahrscheinlich in den meisten Bekanntenkreisen jemanden, der bei einer Scheidung bluten musste und der seine Kinder nicht sehen kann. Das betrifft aber eben nicht alle Männer, noch nicht einmal alle Männer, die sich trennen, denn es gibt ja auch genug Trennungen, nach denen der Umgang durchaus klappt. Insofern fällt es wahrscheinlich leichter hier von einem Einzelschicksal auszugehen. Das gilt auch für andere Bereiche: Wie radikal der Feminismus ist und welchen Einfluss er teilweise für bestimmte Bereiche hat, muss man eben nicht wahrnehmen, solange man mit diesem Bereich nicht in Berührung kommt. Auch dann nimmt man die Hintergründe vielleicht weniger wahr.

Hier wäre wohl „Bewußtseinsbildung“ ein wichtiger Faktor und sicherlich wäre dieser erleichtert, wenn man Leute in Talkshows etc hätte, die dort etwas dazu sagen. Das scheitert aber teilweise sicherlich an der Bereitschaft der Presse passende Personen einzuladen. Es scheitert aber auch sicherlich daran, dass kaum jemand bereit steht, den man großartig kennen würde. Arne ist innerhalb der Szene sicherlich bekannt, aber eben nicht außerhalb. Die Vereinsvorsitzenden diverser Vereine sind dann schon wieder teilweise zu speziell vermute ich, aber vielleicht auch zu sehr Privatperson.

Auch dazu kommt sicherlich, dass es in dem Bereich nach wie vor viele Starkselbstbetroffene, verbitterte oder an Verschwörungstheorien glaubende gibt. Das erscheint zu radikal, wenn man nicht eine gute „Historische Erzählung“ dagegen halten kann, die das rechtfertigt und bei der man klar gegen veraltete Normen kämpft. Mit „Das Jugendamt muss weg“ wird man in der generellen Form eben nicht weit kommen, weil ein Hass gegen eine solche Organisation an sich irrational erscheint. Eben so wenig mit „Feminismus kann nicht gut sein“, denn damit richtet man sich genau gegen die historische Erzählung, dass Frauen unterdrückt waren und sich befreien müssen und ist leicht als Unterdrücker darstellbar.

Es wäre schön, wenn man medienaffine Vertreter hätte, die vernünftige Sachen sagen und eingeladen werden. Allein: Träumen bringt uns nicht weiter. Ich wüßte gegenwärtig auch nicht wie man wem aufbauen könnte. Mir scheint insofern „Öffentlichkeitsarbeit“ über das Internet als Basis gar nicht mal so verkehrt, so erreicht man Leute und verändert vielleicht das Bewußtsein etwas.

„Moralische Panik“ (Moral Panik)

Leser Keppla kommentierte:

Gab es hier schon mal was zu “moral panic”?

Ich habe den Eindruck, dass sich vieles im Bereich Feminismus/SJWism recht gut dadurch erklären lässt.

Der englische Wikipediaeintrag dazu:

A moral panic is an intense feeling expressed in a population about an issue that appears to threaten the social order. The Oxford University’sDictionary of Sociology defines a moral panic as „The process of arousing social concern over an issue – usually the work of moral entrepreneurs and the mass media.“ The media are key players in the dissemination of moral indignation, even when they do not appear to be consciously engaged in crusading or muckraking. Simply reporting the facts can be enough to generate concern, anxiety or panic.

Auf der deutschen Seite heißt es:

Moralische Panik (aus englischMoral Panic) bezeichnet ein Phänomen, bei dem eine soziale Gruppe oder Kategorie aufgrund ihres Verhaltens von der breiten Öffentlichkeit als Gefahr für die moralische Ordnung der Gesellschaft gekennzeichnet wird. Ziel des öffentlichen Aufruhrs ist die Unterbindung des als Bedrohung empfundenen Verhaltens auf langfristige Sicht. Die dabei entstehende öffentliche Dynamik wird durch eine sensationsfokussierte Medienberichterstattung und privat organisierte Initiativen begleitet. Häufig handelt es sich dabei um Problematiken wie Kindesmissbrauch, Drogenmissbrauch oder Jugendkriminalität. Letztendlich führt die moralische Panik zu einer Verstärkung der sozialen Kontrolle und der Verringerung der Wahrscheinlichkeit für einen normativen Wertewandel.[1] Der Begriff ist von dem der Massenhysterie abzugrenzen, die nicht der sozialen Kontrolle gilt.

Es werden also bestimmte Personen bzw. eine bestimmte Gruppe als „die Bösen“ dargestellt und als Gefahr für die moralische Ordnung der Gesellschaft ausgewiesen.

Das passt durchaus gut zu

  • toxischer Männlichkeit
  • Rape Culture
  • der weiße Mann als Verursacher allen Leids
  • Eine Hierarchie der abgestuften Bösartigkeit wie in der intersektionalen Theorie

Es passt natürlich auch zu Äußerungen von Anne Wizorek (marthadear) a la “ Für ganz viele Frauen ist es extrem schlimm einfach schon auf die Straße zu gehen

Wobei ich bezweifeln würde, dass viele Feministinnen in dieser Hinsicht kühle Ausnutzer dieses Mechanismus sind, sie sind eher tatsächlich überzeugt davon, in gewisser Weise also selbst Produkte der „Moralischen Panik“, die sich mit den Anhängern immer weiter verstärkt.

„Es ist nicht Aufgabe der Frauen, etwas gegen Diskriminierungen/Nachteile von Frauen zu machen“

Der moderne Feminismus hat eine Vielzahl von Theorien entwickelt, die es ermöglichen, Verantwortung abzugeben. Eines der Mittel ist, dass der Begriff des Victim Blamings sehr weit gefasst wird und eigentlich bereits dann anfängt, wenn man in irgendeiner Form verlangt, dass Frauen etwas machen, um die Umstände für sie zu verbessern.

Danach ist jeder Rat etwas zu tun Victim Blaming, was zu so grotesken Auswüchsen führt, wie etwas Selbstverteidigungskurse für Frauen als sexistisch zu bezeichnen, weil sie die Frauen für die Abwehr verantwortlich machen. Dabei haben sich solche Maßnahmen als sehr sehr effektiv erwiesen.

Dabei wären es natürlich gerade Frauen, die viel machen könnten um im Feminismus ausgemachte Diskriminierungen beseitigen zu können. Nehmen wir den Gender Pay Gap: Das würde eben erfordern, dass Frauen nicht mehr Gender Studies oder Kunstgeschichte studieren, sondern Maschinenbau oder andere Fächer dieser Art. Es würde bedeuten, dass Frauen mehr auf Überstunden setzen müssten und ihre Partnerwahl darauf ausrichten könnten, dass der Mann sich eher um die Kinder kümmert. Es würde bedeuten, dass Frauen eben ihr Leben mehr auf Karriere ausrichten müssten. Man könnte hier mit entsprechenden motiverten Frauen recht schnell etwas ändern.

Im Feminismus ist das erst einmal keine Option. Als ich entsprechendes einmal vorgeschlagen habe hieß es dazu nur:

Klingt ein wenig nach Victim blaming, vielleicht hast du es aber nicht so gemeint. Strukturell und gesellschaftlich müssen sich erst die Gegebenheiten ändern, so auch die Erziehung, Prägung und Chancen für Frauen. DANN kann mit gleichen “Waffen” gekämpft werden. Es studieren heute schon sehr viel mehr Frauen als Männer, alle Fächer, aber sie geben eine hochwertige Ausbildung oft auf, weil ihnen keine andere Chance gelassen wird.

Man will also immer erst die Gesellschaft ändern, damit dann alles irgendwie besser wird. Statt den umgekehrten Prozess zu starten, also durch andere Entscheidungen von Leuten eine aktive Änderung der Gesellschaft herbeizuführen.

Es ist natürlich sehr einfach, alle Verantwortung auf die Gegenseite zu verschieben und sich darauf zu versteifen, dass an meckern und verlangen muss, damit diese sich endlich ändert und einem eine bessere Welt macht.

Matze schrieb in einem Kommentar:

Da habe ich letztens ja eine Diskussion mitgelesen, in der eine Feministin sagt das es nicht die Aufgabe von Feministinnen ist, etwas gegen diese Frauen-sind-besser-/männderhassenden Feministinnen zu machen. Der nichtfeministische Gesprächepartner durfte das aber auch nicht, weil das wäre ja anit-feministisch und sowas ist frauenverachtend.

Auch hier greift der gleiche Grundsatz. Vermutlich würde man dort argumentieren, dass ja die Männer einfach den Grund für die Männerfeindlichkeit abstellen könnten.

 

Galbrush Paradoxon

Feministinnen prangern an, dass zuwenig Frauen in Filmen vorhanden sind. Interessant fand ich dazu das in den Kommentaren erwähnte „Galbrush Paradox“:

Galbrush Paradox

Galbrush Paradox

Hier noch einmal etwas länger:

Absolutely not. If you can’t tell a two bit con artist from one of your own, you really need to clean up your movement before you start ’suggesting‘ anything.

But maybe you’re just naive and don’t understand the problem. Do you know why there’s so many white male characters in video games? Especially leads? Because no one cares about them.

A white male can be a lecherous drunk. A woman can’t or it’s sexist. Sexualizing women and what all. A white male can be a mentally disturbed soldier who’s mind is unraveling as he walks through the hell of the modern battlefield. A woman can’t or you’re victimizing women and saying they’re all crazy.

Consider Guybrush Threepwood, start of the Monkey Island series. He’s weak, socially awkward, cowardly, kind of a nerd and generally the last person you’d think of to even cabin boy on a pirate ship, let alone captain one. He is abused, verbally and physically, mistreated, shunned, hated and generally made to feel unwanted.

Now let’s say Guybrush was a girl. We’ll call her Galbrush. Galbrush is weak, socially awkward, cowardly, kind of a nerd and generally the last person you’d think of to even cabin boy on a pirate ship, let alone captain one. She is abused, verbally and physically, mistreated, shunned, hated and generally made to feel unwanted.

Now, you might notice that I’ve given the exact same description to both of these characters. But here’s where things deviate. While no one cares if Guybrush takes a pounding for being, for lack of a better term, less than ideal pirate, Galbrush will be presumed to be discriminated against because of her gender. In fact, every hardship she will endure, though exactly the same as the hardships Guybrush endured, will be considered misogyny, rather than someone being ill suited to their desired calling.

And that ending. She goes through ALL that trouble to help, let’s call him Eli Marley, escape the evil clutches of the ghost piratess Le Chuck, it turns out he didn’t even need her help and she even screwed up his plan to thwart Le Chuck. Why, it’d be a slap in the face to every woman who’s ever picked up a controller. Not only is the protagonist inept, but apparently women make lousy villains too!

And that’s why Guybrush exists and Galbrush doesn’t. Men can be comically inept halfwits. Women can’t. Men can be flawed, tragic human beings. Women can’t. And why? Because every single female character reflects all women everywhere.

The horrible truth ls you and Sarkeesian want to craft a box into which you can force every female character into. Some idiotic ‚ideal‘. Putting aside the stupidity of exchanging one unobtainable role model for women with another, this has the added problem of making all female characters exactly the same. And when all characters are exactly the same, that’s boring And boring characters do not sell video games.

Die Idee ist also, dass an weiblichere Charaktere andere Anforderungen gestellt werden, sie dürfen nicht einfach dumm sein, dass wäre sexistisch. Ihre Handlungen dürfen nicht sinnlos sein, dann wäre sie kein Vorbild und es wäre evtl auch sexistisch. Eine Frau kann insofern eigentlich nur die eine ideale Powerfrau sein, die irgendwie ans Ziel kommt. Ein männlicher Charakter unterliegt all diesen Einschränkungen nicht, er kann ein Verlierer sein, er kann scheitern, er kann verarscht werden und alles ist gut.

Resolute Nuss ergänzte dazu:

Leider weiß ich nicht mehr wo oder wer genau es war, weiß nur dass es eine Frau war die mal ausführlich darüber geschrieben hat wie man nur männlichen Charakteren alles antun darf und deswegen entsprechend auch so ziemlich alles sein dürfen. Womit nun mal viele Feministen zu einer eingeschränkten kreativen Freiheit von weiblichen Figuren beitragen. Stimme dem absolut zu, weil jeder Skandal über eine fiktive Frau egal wie groß oder klein dieser auch ist immer mit einem Mann nicht passiert wäre (außer natürlich er tut etwas einer Frau an oder man hätte sie über das fehlen von Frauen beschwert).

Man denke nur jeweils an das bekannte Comiccover von Spiderwoman oder dem Joker mit Batgirl. Da wurden innerhalb kürzester Zeit Beispiele gefunden wo eine fast identische Darstellung mit Männern keine auch nur annähernd vergleichbare Reaktion ausgelöst hat. In dem Film Jurassic World ist das erste mal innerhalb der Reihe soweit ich mich erinnern kann eine Frau gestorben und so gleich hat ein bekannter Netzfeminst sich darüber beschwer es wäre der grausamste Tod im Film gewesen. Obwohl das völlig subjetiv ist. Gebe dir daher deinen abschließenden Sätzen völlig recht. Denke wahrscheinlich wäre die Aufregung über weibliche Minions sogar noch größer gewesen, weil sie “stereotypisch” weibliche Merkmale gehabt hätten und es gebe auch keinen eigenen Film über sie. Ich vermute sogar ein wenig, dass diese Diskussion erst wirklich dadurch ausgelöst wurde, weil sie so eine große Beliebtheit erreicht haben. Ein Satz wie “Like, yes I don’t like minions as much as the next person, but…” deutet zumindest für mich darauf hin (ich mag das zwar eigentlich nicht, aber jetzt wo das so populär ist, müssen auch Frauen auf besondere Weise beachtet werden).

Eigentlich hätte man die Minions auch Henchmens oder so ähnlich nennen können. Ein Henchman definiert sich praktisch über seine Entbehrlichkeit und oft auch über Unfähigkeit. Meistens wird nur zu Comedyzwecken darauf hingewiesen, dass es eigentlich auch Menschen mit einem eigenen Leben sind:

https://www.youtube.com/watch?v=Ag_AFraxj-4

Deadpools Sidekick Bob ist eigentlich die Verkörperung eines solchen Witzes. Darum und aus ein paar anderen Gründen könnte er auch nicht weiblich sein (oder es würde “Misogynie!” Vorwürfe ohne Ende geben).

Wer um jeden Charakter eine Diskussion im Sinne eines „Nicht gut genug“Aktivismus macht, der schränkt halt dessen Möglichkeiten in der Verwendung ein.