„Ein Schwanz aber ist eine potenzielle Waffe. Opfer sexueller Gewalt müssen ein Recht auf schwanzfreie Räume haben“

Der Artikel bei den Störenfridas über M->F Transsexuelle wurde in den Kommentaren schon häufiger angesprochen, er ist aber auch zu schön, um ihn nicht noch einmal kurz zu besprechen:

Dazu muss man wissen, dass die Störenfridas keine intersektionalen Feministinnen sind, sondern eher einen klassischen, an Beauvoir, Schwarzer und Dworkin orientieren Feminismus praktizieren: Dort führt man einen Kampf der Frauen gegen die Männer, wobei die Männer aufgrund ihrer Sozialisation böse sind und Sex eine Waffe zur Unterdrückung der Frau sein kann und eben über sexuelle Gewalt als solche eingesetzt wird. Die Unterschiede zwischen dieser Art von Feminismus hatte ich bereits hier einmal erklärt.

In diesem Feminismus gibt es erst einmal die „Unterdrückungskategorie“ „CIS-Personen sind privilegiert und unterdrücken daher Transpersonen“ nicht. Man geht schlicht davon aus, dass der Wechsel eine rein soziale Praxis ist, die stoppen würde, wenn Geschlechterrollen aufgelöst würden. 

Eine M-F Transsexuelle ist, da sie als Mann sozialisiert worden ist, bei durchaus konsequenter Anwendung dieser Theorien erst einmal eine Gefahr, gerade dann, wenn sie noch einen Penis hat. Denn dann hat sie ja über ihre Sozialisation nach dieser männerfeindlichen Theorie quasi „das vergewaltigen gelernt“ und die potentielle Tatwaffe ist auch noch vorhanden, wenn sie nicht operiert worden ist.

Dann kommt es zu Texten wie diese:

Kurz voranschicken möchte ich: ich habe mit umoperierten Transfrauen auf dem Klo überhaupt kein Problem. Ja, diese haben trotzdem eine männliche Sozialisation usw., aber darum geht es jetzt nicht. Womit ich ein Problem habe, sind Menschen mit Schwanz auf dem Frauenklo. Ist mir egal, unter welchen Frauenklamotten dieser Schwanz vor sich hergetragen wird und wieviel Schminke die Person, die ihn trägt, im Gesicht hat. Eine Toilette ist ein intimer, geschützter Rückzugsort. Hier kann man sich erleichtern, kotzen, sich umziehen, telefonieren oder heulen. Der Privatsphäre in einer Toilette kommt eine große Bedeutung zu. Sex auf Toiletten ist beliebt und akzeptiert. Auf gemeinsamen Toiletten kommt man sich unter Fremden sehr nahe, oft zu nahe. Das ist unangenehm, bislang für Frauen aber nicht gefährlich. Ein Schwanz aber ist eine potenzielle Waffe. Er kann benutzt werden, um Frauen gegen ihren Willen zu pentrieren, vielleicht in einer Situation, in der sie hilflos, ungeschützt oder schlichtweg unachtsam sind. Opfer sexueller Gewalt müssen ein Recht auf schwanzfreie Räume haben.

Wiedermal ein gutes Beispiel für den Männerhass im Feminismus (intersektionale Feministinnen würden es hingegen als „Transfeindlichkeit“ und nicht als Männerfeindlichkeit ansehen würde ich vermuten: Es ist okay, dass man meint, dass alle Männer eine Gefahr sind. Aber das man M->F Transsexuelle entgegen ihrer Selbstansicht nicht als Frauen bezeichnet, dann ist das eben transfeindlich)

  • Wir hatten uns alle darauf geeinigt, dass es sex gibt, das angeborene, das biologische Geschlecht, und gender, das soziale Geschlecht – die Rolle, die einem Menschen zugeschrieben wird. Wir haben uns darauf geeinigt, dass gender eine Konstruktion ist. Ich verstehe jeden Menschen, der sich mit seiner zugeschriebenen Genderrolle nicht identifizieren kann. Aber dieser Mann in Frauenkleidern ist keine Frau, sondern ein Mann, der sich wie eine Frau FÜHLT. Ich akzeptiere das, aber das macht ihn nicht zur Frau. Sorry, aber es gibt sowas wie Biologie, und das sind FAKTEN, die wir nicht einfach wegwischen können.

Da werden auch noch mal die Unterschiede zum intersektionalen Feminismus deutlich. Dort wäre das „Sich Fühlen“ bereits vollkommen ausreichend. Und eine CIS-Person darf sich eh nicht anmaßen ihn als Gefahr zu sehen, allenfalls ist sie die Gefahr. Dass da noch ein Penis vorhanden ist. Hingegen bleibt im dem Feminismus der Störenfridas der Mann eben ein Mann, schlicht weil er einen Penis hat.

  • Auch der Schwanz, den dieser Mensch mit in dieses Frauenklo getragen hat, ist ein FAKT. Ich möchte nicht in der Haut eines Menschen stecken, der von sich sagt, er oder sie sei im falschen Körper geboren und empfinde diesen Körper als das nicht passende Geschlecht, wirklich nicht. Und diese Menschen haben einen Platz auf der Welt, und sie brauchen sichere Räume, und sie brauchen Rechte, so viel ist klar. ABER die politische Transbewegung zeigt Auswüchse, wenn sie als radikale Forderung stellt, auch Menschen mit Schwanz seien, so sie sich so definierten, Frauen.

Sie hat aus meiner Sicht Recht, wenn sie sagt, dass intersektionale transaktivistische Feministinnen so ziemlich das abgedrehteste ist, was man selbst innerhalb des intersektionalen Feminismus vorfindet. Denn dort ist wirklich jeder Hinweis, dass eine Frau weibliche Genitalien hat oder schwanger werden kann oder das ein Mann einen Penis hat und einen Bartwuchs hat, exkludierende Transfeindlichkeit.

  • Das geht so weit, dass Frauen sogar ihre Vergewaltigungen als Privileg angekreidet werden, denn immerhin zeige das ja, dass diese als Frauen wahrgenommen würden – ein Privileg, das Transfrauen nicht hätten. Sorry, aber Vergewaltigungen (und vielleicht auch Zwangsprostitution, häusliche Gewalt, Genitalverstümmelung, Zwangsheirat,…?) als PRIVILEG?

Es sagt viel über den Stand des Feminismus aus, dass man sich das durchaus vorstellen kann, dass es dort jemand sagen würde, dass dies eine Form des „CIS-Privilegs“ ist. Jessica Valenti hat sich ja auch schon beschwert, dass mit steigenden Alter das Catcalling abnimmt und ich erinnere mich auch daran, dass es ein „ich brauche Feminismus, weil ich mich wundere, warum ich nicht wie andere Frauen sexuell belästigt werde“ Schild gab. Aber eine Quelle wäre natürlich trotzdem interessant.

  • Die radikale Forderung danach, unoperierte Transfrauen als Frauen wahrzunehmen führt auch dazu, dass neuerdings lesbischen Frauen vorgeworfen wird sie diskriminierten Transfrauen, wenn sie auf Grund des Penisses nicht mit diesen schlafen wollen, denn Transfrauen seien Frauen, und ein „lady dick“ sei etwas völlig anderes als ein „männlicher Schwanz“. Das hat sehr viel von rape culture, und genauso empfinde ich es als rape culture, wenn meine Gefühle (sich unsicher, bedroht, ausgeliefert zu fühlen) plötzlich weniger wert sind als die Gefühle eines Menschen mit Schwanz, der sich als Frau fühlt (wie auch immer sich eine Frau zu fühlen hat). Da rede ich jetzt noch gar nicht davon, dass Transpersonen es geschafft haben dass Frauen in Frauenräumen nicht mehr über Menstruation, Schwangerschaft usw. reden können, weil das für Transpersonen triggernd ist. Da rede ich jetzt auch nicht davon, dass Transpersonen neuerdings in Beiträgen als „Frauen“ bezeichnet werden und biologische Frauen als „Menstruatorinnen“ und Mütter als „Elter mit Uterus“. (Kein Scherz.) – Und was ist jetzt eigentlich mit Personen die gender fluid sind? Dürfen die an Tagen an denen sie sich als Frau definieren jetzt auch aufs Frauenklo? Wie kontrolliert man das eigentlich, wer sich wie fühlt? Darf jetzt jedes Männerballett zu Fasching auch aufs Frauenklo?

Auch das sind die Irrungen des intersektionalen transaktivistischen Feminismus, der auf einen klassischen Männer-sind-der-Feind-und-alle-Vergewaltiger-keine Frau-ist-sicher-Feminismus trifft. Zwei irre Ansichten treffen aufeinander, beide sind falsch. Und beide sind erbitterte Gegner, die sich aber anscheinend auch nicht in die Position des anderen eindenken können, selbst wenn sie sie nicht teilen. Eine genaue Bestimmung der verschiedenen Ansichten, eine Aufschlüsselung der verschiedenen Theorien erfolgt bei Feministinnen selten.

  • Dass es Menschen gibt, die sich auf dem Männerklo unwohl fühlen kann ich sehr gut nachvollziehen.

Klar, da sind ja auch widerliche Männer und ihre Schwänze, die alles vergewaltigen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist.

  • ABER. Sich dort unwohl zu fühlen kann nicht die Eintrittskarte fürs Frauenklo sein. Sorry, aber auch andere Männer, die nicht dem gängigen Männlichkeitsbild entsprechen (zu klein, zu schmächtig, Penis entspricht nicht den pornographisierten Vorgaben) fühlen sich dort unwohl. Dürfen die jetzt auch alle aufs Frauenklo? Sorry, guys, but that´s patriarchy, you stupid. Wenn euch das nicht passt, müsst ihr halt was gegen das Patriarchat unternehmen. Wenn ihr euch dort unwohl fühlt, weil Männer eben scheiße zu anderen sind (auch zu Männern, die nicht den gängigen Klischees entsprechen), und wenn ihr glaubt, dass euch das als Schwanzträger dazu berechtigt in den safe space anderer Gruppen eindringen zu dürfen und dort dafür zu sorgen, dass diese sich unwohl fühlen, wo macht ihr dann bitte etwas anderes als die Typen, die euch auf dem Männerklo schief ansehen weil ihr euch geschminkt habt?

Auch klassisch: Wenn Männer widerliche Vergewaltiger sind, dann müssen Männern, denen das nicht gefällt, eben diese Zustände ändern, statt bei den Frauen in ihrem (sehr begrenzten) Schutzraum einem Risiko durch ihre Anwesenheit auszusetzen. Denn Männer sind und bleiben nun einmal Schweine. Und in dieser feministischen Spielart gibt es nur den Kampf Männer gegen Frauen, warum sollte man da den Feind ins eigene Lager lassen?

  • „Was soll diese Person sonst machen?“ Ja, also, sorry, aber ist das mein Problem? Ich möchte das hier nur nochmal betonen: Ja, Transpersonen werden diskriminiert. Nein, das ist sowas von nicht okay. Aber warum wird von Frauen eigentlich dauernd erwartet, dass sie sich für alle und alles zuständig fühlen, und zwar auf Kosten der Frauen? Warum müssen Frauen sich um alle und alles kümmern, aber nie um sich selbst? Warum müssen wir ständig für andere einstehen, aber nie dürfen wir es einfach mal für uns?

Hier wird deutlich, dass sie die intersektionalen Theorien Theorien nicht verstanden hat. Denn die Antwort in dem System ist ja klar: Weil Transpersonen durch CIS-Personen unterdrückt werden und man hier als CIS-Person uneingeschränkt die Selbstdefinition als Frau anerkennen muss. Macht man das nicht, dann ist man ein widerlicher Unterdrücker. Die Ansicht, dass von ihr als Frau eine Gefahr ausgeht ist in dieser Theorie absurd, denn andere Frauen sind ja dort und denen wirft man auch nicht vor, dass sie eine Gefahr sind.

  • Warum sollten die GEFÜHLE eines Schwanzträgers schon wieder wichtiger sein als meine (auch gefühlte) Sicherheit? Ich bin in meinem Leben mehrmals Opfer sexueller Gewalt geworden. Ich kenne keine Frau, der das nicht passiert ist. Wir haben ein RECHT auf Räume, in denen wir uns NICHT mit der Präsenz von Schwänzen auseinandersetzen müssen, gerade wenn es so sensible Bereiche sind wie Umkleiden, Toiletten usw. Um zu der Frage zurückzukommen was diese Person sonst machen soll: auch wir Frauen mussten uns safes spaces erkämpfen. Wir müssen es immer noch, jeden Tag. Auch Transpersonen brauchen safe spaces. Ich bin die erste, die für Toiletten votiert in die Menschen, die (noch) nicht aufs Frauenklo gehören, sich aber im Männerklo unwohl fühlen, gehen können. Ja, ihr braucht eigene Räume. Aber die safe spaces anderer Gruppen zu torpedieren und diese damit unsafe zu machen ist nicht der richtige Weg.

Ich vermute mal, dass damit keineswegs das Ziel vieler Aktivisten erreicht wäre: Denn sie wollen ja gerade die Anerkennung, dass Transsexuelle Angehörige des jeweiligen Geschlechts sind. Da werden sich also viele gerade nicht einigen können. Natürlich ist andererseits die Anzahl der Transsexuellen so gering, dass es quasi ungenutzte Toiletten wären, wenn man sie überall einrichten müsste und sie nur von Transsexuellen zu benutzen wären.

Um das zu verdeutlichen: Wir Frauen sind eine unterdrückte Klasse. Männer sind die Unterdrücker. Es gibt keinen „umgekehrten Sexismus“; so wie es keinen „umgekehrten Rassismus“ gibt. Wenn schwarze Menschen sich abfällig über Weiße äußern, ist das noch lange kein Rassismus, denn Rassismus braucht die umfassende, gesamtgesellschaftliche Unterdrückung und Diskriminierung. „Transphobie“ als Ausdruck einer sexistischen Diskriminierung kann also per se nichts sein, was Frauen ausüben – sie sind ja selbst von sexistischer Diskriminierung betroffen und sie können nicht zugleich Unterdrückte und Unterdrückende des gleichen Systems sein.

Ein Satz der deutlich macht, dass sie intersektionalen Feminismus nicht verstanden hat.  Dort  sieht man eben  verschiedene Kategorien, in denen jeweils eine Benachteiligung erfolgen kann. Die gängisten sind:

  • Geschlecht: Mann ist privilegiert, Frau benachteiligt
  • Rasse: weiß ist privilegiert, PoC benachteiligt
  • Orientierung: Hetero ist privilegiert, Nichthetero benachteiligt
  • Und eben: Gender-Sex-Übereinstimmung: CIS ist privilegiert, Trans benachteiligt.

Intersektionalität sagt nun gerade, dass sich aus Zusammenspiel besondere Benachteiligungen ergeben können und das auch Privilegierungen und Benachteiligungen in einer Person zusammen fallen können. Und als Frau wäre man eben dann nach diesen Theorien benachteiligt, als CIS aber privilegiert. Daraus leiten sie her, dass Transpersonen als benachteiligte geschützt werden müssen. In dieser Sichtweise hätte eine CIS-Frau eben tatsächlich gesellschaftlich zugewiesene Privilegien gegenüber einer Transperson. Weswegen es auch „CIS Privileg Listen“ gibt.

Es ist auch deswegen interessant, weil der Artikel versatzstückhaft Elemente verschiedener feministischer Theorien vermischt. Aber eben so, dass sie zur eigenen Ansicht passen. Man übernimmt, was nützlich ist.

Männer und Frauen haben in unserer Gesellschaft nicht den gleichen Status, so dass Frauen keine strukturelle Unterdrückung an Männern begehen können – auch nicht, wenn diese sich als Frauen umdefinieren. Unterdrückung braucht immer ein System, das sie ermöglicht, sie entsteht nicht plötzlich je nach situativem Kontext. Genau das aber wird in der Transdebatte behauptet. Aus Frauen, die gerade noch mit ihrer eigenen Unterdrückung kämpfen, werden auf einmal Unterdrückerinnen, dabei sind sie doch selbst Opfer sexueller Gewalt, sexistischer Diskriminierung und Ausbeutung. Transfrauen werden nicht durch Frauen diskriminiert  sondern durch das patriarchale System.

Das Patriarchat ist ja eh an allem schuld. Hier ist es aber aus Sicht intersektionaler die Kyriarchat und nicht das Patriarchat.

Anstatt diesem den Kampf anzusagen, dringen sie in die Räume von Frauen vor und behaupten, wenn diese sie nicht sofort akzeptieren, trotz „ladydick“, wenn Lesben nicht mit ihnen ins Bett gehen und alle ab sofort über alles schweigen, was mit weiblicher Biologie zu tun hat, werden sie unterdrückt. Sie reden dann von einem Cis-Privileg. Wo, außer in dieser Debatte, ist es ein Privileg, einen Uterus zu haben? Demonstrieren nicht aktuell weltweit Frauen dafür, nicht wieder mit dem Kleiderbügel abtreiben zu müssen? Wo ist es ein Privilieg, eine Vagina zu haben? „Pussy“ ist ein Schimpfwort, Vaginas werden vergewaltigt. Die Rechte und Freiheiten von Transpersonen sind wichtig. Aber was zur Hölle macht sie wichtiger als die Rechte und Freiheiten von Frauen? Kommt hier nicht ein ganz anderes, und zwar echtes Privileg zum tragen – nämlich das männliche, das die Diskurshoheit an sich reißt?Und dass der Anspruch auf dieses männliche Privileg nicht endet, wenn die Umwandlung zur Frau beginnt, weil er Teil einer männliche Sozialisation ist, die jeder mit Penis geborene Mensch erlebt, ganz gleich, ob er sich als Frau fühlt oder nicht?

Als Frau und damit Angehörige einer unterdrückten Klasse definiere ich diese Klasse, nicht meine Unterdrücker – denn wenn wir das zulassen, dann brauchen wir zum Kampf gar nicht anzutreten.

Ein schönes Beispiel dafür, dass

  • alles ein Nagel ist, wenn das einzige Werkzeug, was man hat ein Hammer ist. Und sie haben eben nur „männliche Unterdrückung“.
  • die feministischen Theorien heir vollkommen verschiedene Denkansätze haben

Aus deren Sicht ist es nur ein fieser Trick der Männer ihnen die Diskurshoheit wegzunehmen. Aus der Sicht des Intersektionalen Feminismus ist es hingegen ein Verbrechen, Transsexuelle der falschen Gruppe zuzuordnen.

Ich habe mich gestern gefühlt wie der herzloseste und gemeinste Mensch der Welt, und ich bin auch so behandelt worden. Das, weil ich geäußert habe, dass ich mich in einer Toilette mit einem Menschen, der einen Schwanz trägt und auf Frauen steht, nicht sicher fühle – egal, als was dieser Mensch sich definiert. Und dass ich denke, dass gerade Transpersonen doch wissen müssten, wie wichtig Räume sind, in denen man sich sicher fühlt. Und dass gerade sie doch nicht die safe spaces anderer in egoistischer Manier benutzen und unsicher machen sollten, während sie andere dafür beschämen, dass diese anmerken, dass sie sexuelle Gewalt erlebt haben, durch Menschen mit Schwanz, und dass sie keinen Bock mehr auf unaufgefordert ausgepackte Schwänze haben und nicht mit ihnen in einem Raum sein wollen. Ich begreife es nicht. Rechte für Transpersonen werden nicht auf Kosten von Frauenrechten erstritten, und hier läuft etwas grundlegend verkehrt, wenn  ich runterschlucken muss, dass ich nicht erwähnen darf was FAKT ist (der Schwanz), das mich etwas triggert, dass ich mich unsicher fühle, dass ich RECHTE habe – auf Sicherheit, auf Unversehrtheit, auf die Abwesenheit (vor allem in sensiblen Räumen) von Körperteilen die gegen Frauen als Waffe benutzt werden. Und man komme mir jetzt nicht mit diesem# Notallmen-Scheiss, oder mit #Notallpeoplewithdicks-Mist. Es ist hier nicht meine Sichtweise das Problem (die Frage, ob ich Transfrauen als Frauen sehen kann oder nicht), sondern die Realität. Der Schwanz. Und der kann nicht einfach wegdekonstruiert werden. Damit, ihn umzudefinieren und ihm einen anderen Namen zu geben („lady dick“) ist das Problem für mich nicht gelöst. Im Patriarchat bleibt der Schwanz eine Waffe und wenn ich ihn nicht mehr als solches benennen darf, dann treibt mich das in eine neue Form von Sprach- und Wehrlosigkeit.

Noch einmal, weil es so schön ehrlich ist:

  • Schwänze sind Waffen
  • Der Schwanz kann nicht wegkonstruiert werden.
  • Im Patriarchat bleibt der Schwanz eine Waffe

Aber der Feminismus hat ansonsten nichts gegen Männer. Sie sind halt nur alle mit Schwänzen bewaffnete Vergewaltiger.

Noch kurz eine Anmerkung zum Thema „Transsexuelle auf Toielleten“

  • Ich halte eine Umstellung für unnötig. Die meisten Transsexuellen werden eh „Passing“ betreiben wollen und gerade nicht als Transsexuelle auf eine Toilette wollen. Ich denke es ist eher der radikale Kern Intersektioneller, der das Thema aus politischen Gründen so stark besetzt
  • Unisextoiletten finde ich auch nicht wirklich praktisch, in einem Büro noch relativ einfach, aber mit Betrunkenen in Diskos wird es garantiert irgendwelchen Ärger geben. Zudem wäre die Frage, wie man die Toiletten so umbaut, dass Männer weiterhin Pissoirs benutzen können, ohne dass einem beständig Frauen auf den Schwanz schauen, weil sie die Toilettenräume betreten. Auch dazu scheint mir kaum Raum vorhanden zu sein in typischen Toilettenräumen. Und ohne Pissoirs wird man schlicht längere Schlangen an beiden Toiletten haben, was niemanden etwas bringt.
  • Das Argument „Jeder hat eh ein Unisexklo zuhause“ ist Mist, weil bei diesem Klo eine Person den Raum betritt, die Tür abschließt und keine weitere Person in dem Raum vorhanden ist. Das ist etwas anderes als ein Massenbetrieb.
  • Ich habe aber auch kein Problem damit, wenn ein Transsexueller auf Männerklo kommt. Schon jetzt kommen ja je nach Schlange vor dem Mädchenklo genug Frauen aufs Männerklo. Ich vermute aber, dass umgekehrt das Geschrei groß wäre.

Intrasexuelle Konkurrenz und ein Stillhalteabkommen als Prisoners Dilemma

Ein Artikel beschreibt die intrasexuelle Konkurrenz und die Schwierigkeit ein Stillhalteabkommen zu schließen:

What is more, as with so many issues that surround women and beauty and aging and sex, there is a paradox today that seems to strike women of the postfeminist generation with a particular force. In the bad old days — before women worked outside the home; before they lived much past their reproductive years; before there were Restylane and Juvéderm, Radiesse and Sculptra — the idea of halting aging or fading in its tracks was only a fantasy, the stuff of Ponce de Léon and the fountain of youth. No one did anything about it, much less worried about the moral implications of doing so. But today, women facing the onslaught of middle age are armed with an arsenal of age-fighting implements and, for many, a feminist-inspired philosophy that disdains using them.

Ich wette es gab schon sehr früh Praktiken, die die Frau jung und frisch halten sollten, von irgendwelchen Salben, frisch mit Jungfrauenblut oder der Milch junger Ziegen bis zu Amuletten oder Gebeten. Und genug Frauen werden eifersüchtig auf die junge Magd gewesen sein, der ihr Mann, wenn er sich unbeobachtet glaubte, Blicke nachwarf.

It is a trivial dilemma, perhaps, but a painful one nevertheless. If a woman with some degree of professional success brags about or even comments upon her fabulous new filler or face-lift, she risks being derided as a traitor to the cause, someone silly enough to have spent the time and money to subject herself to an unnecessary, possibly dangerous, procedure. (When is the last time you heard a movie star tout her plastic surgeon? Or a leading executive thank her dermatologist?) By the same token, if that woman ignores the process of aging and eases more honestly into her inevitable wrinkles, belly fat and gray hair, she is liable to stand out as an anomaly within her personal and professional circles. In political science, we would refer to this as a collective action dilemma: Everyone is better off if nobody tummy-tucks and uses Botox, but once anyone starts, it gets harder to pull back from the practice.

Theoretisch könnten Frauen in der Tat einen Waffenstillstand, ein Stillhalteabkommen schließen, bei dem sie alle einen „Natürlichen Look“ vereinbaren. Aber die erste, die da nicht mitmacht, stellt sich halt in der Konkurrenz besser und die anderen könnten sie höchstens sozial ausgrenzen oder ihrerseits nachlegen. Ich gewisser Weise wird das ja auch versucht, weswegen bei Frauen ein Hinweis darauf, dass eine Frau dick ist, weitaus schwerer wiegt als bei einem Mann, weswegen Frauen Männer weit eher zum „Sexobjekt“ machen dürften als Männer Frauen und weswegen über „unfaire Methoden“ wie Schönheitschirurgie nicht geredet werden darf.

So instead, an entire generation of feminist and postfeminist women who stormed the barricades of the American work force, planned their reproductive destinies, and even got their partners to fold the laundry occasionally are now engaged in an odd sort of collective self-delusion. Everyone (at least in certain high-profile or professional circles) is doing it, and very few are confessing, a fact that in some ways is more disturbing than the surge in the surgeries themselves. Because not only are we nipping, suctioning and using hormones, but we’re also feeling embarrassed about it, and lying. Neither of which was really the point of women’s liberation.

Weil eben intrasexueller Konkurrenz auch nicht zu entfliehen ist. Man kann sich – was die meisten dann auch machen – eben nur mit seinem Platz in der Konkurrenz abfinden und ihn so gut wie möglich halten oder leicht verbessern.

Frauen haben dabei den Vorteil und Nachteil, dass sie die Konkurrenz in Sachen Schönheit zwangsläufig über das Alter verlieren. Eine 45jährige schöne Frau kann eben nicht mit einer 20 jährigen schönen Frau mithalten. Natürlich gibt es darüber hinaus weitere Themen, bei denen Frauen in Konkurrenz untereinander stehen, etwa prosoziale Dominanz oder Status an sich (mitunter über die Ehemänner abgleitet), die Kinder oder im Verhältnis Schwiegermutter und Schwiegertochter über die Macht um den Sohn/Mann.

Die Männerkonkurrenz um beruflichen und materiellen Status hingegen endet grundsätzlich nicht, kann aber über Hierarchien befriedet werden.

Selbermach Samstag 224 (04.02.2017)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Meinungsfreiheit, das staatliche Gewaltmonopol und „Nazis darf man schlagen“

Ich hatte hier schon einmal ein Video verlinkt, in dem es um eine Diskussion über die Berechtigung von Gewalt gegen besonders schlimme Menschen ging.

Dazu gab es Diskussionen auf Twitter, in der die eine Seite vertrat, dass

„man einen Nazi eben schlagen dürfe“

eben weil er zu jeder Art von Widerstand geradezu verpflichte, einfach weil er anerkannt gefährliches redet.

Die andere Seite wendet ein, dass dagegen zwei wichtige Prinzipien stehen, die Meinungsfreiheit und das staatliche Gewaltmonopol:

Ein gerne zitierter Ausspruch dazu ist:

„Ich lehne ab, was Sie sagen, aber ich werde bis auf den Tod Ihr Recht verteidigen, es zu sagen

Das Gewaltmonopol des Staates ist aus meiner Sicht eine der wichtigsten Errungenschaften der Menschheit:

Die Idee des Gewaltmonopols will, dass die Angehörigen eines Gemeinwesens darauf verzichten, Gewalt (z. B. im Wege der Selbstjustiz) auszuüben. Die Angehörigen verzichten darauf, tatsächliche oder vermeintliche Rechte und Ansprüche durch individuelle Ausübung von Zwang durchzusetzen. Vielmehr überträgt in der BRD das Volk in Art. 20 GG „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“ seinen Schutz und deren Durchsetzung ganz auf die staatlichen Justiz- und Exekutivorgane; also an Gerichte beziehungsweise Polizei und Verwaltung. Diese wiederum sind in einem demokratischen Rechtsstaat an das von der Legislative sanktionierte Recht und Gesetz gebunden.

Die Herausbildung des staatlichen Gewaltmonopols begann mit der Staatsentstehung als solcher. Seit der Frühen Neuzeit hat sich in Europa der Staat allmählich als einziger Gewaltinhaber gegenüber anderen sozialen Kräften durchgesetzt.[1] Das historische Ziel war die Machtausweitung des jeweiligen Monarchen. Diese Entwicklung wurde durch eine neue Staatsidee beflügelt, die nicht mehr den gottgewollten Monarchen, sondern eine imaginierte, eigene Substanz des Staates als Träger des Gewaltmonopols betrachtete.[2]

Das Gewaltmonopol hat vorherige Formen der Konfliktbeseitigung wie Fehde und Blutrache als Mittel der Rechtsdurchsetzung abgelöst. Wilhelm von Humboldt schrieb dazu 1792: „Denn bei der Zwietracht entstehen Kämpfe aus Kämpfen. Die Beleidigung fordert Rache, und die Rache ist eine neue Beleidigung. Hier muss man also auf eine Rache zurückkommen, welche keine neue Rache erlaubt – und diese ist die Strafe des Staats.“ In seiner idealtypischen Ausprägung schützt das Gewaltmonopol den Bürger vor Übergriffen anderer, indem Vollzugsbeamte gewaltsamen Rechtsmissbrauch oder Willkür einzelner Personen oder Gruppen verhindern. Das staatliche Gewaltmonopol stellt eine entscheidende Rahmenbedingung für ein möglichst angstfreies Sozialleben dar und gilt als zivilisatorischer Fortschritt.

Weicht man das Gewaltmonopol des Staates auf, indem man zulässt, dass Leute, die der herrschenden Meinung oder auch nur einigen Leuten nicht gefallen, dann ebnet man Willkür und Lynchjustiz Tür und Tor. Man opfert  damit etwas, was eine der wesentlichen Fundamente unser Gesellschaft ausmacht und es führt zu einem Abgrenzungsproblem, welches kaum zu lösen ist: Es legitimiert nämlich, dass die andere Seite wiederum anführt, dass zB die andere Seite von ihrer Seite ausnahmslos für falsch gehalten wird und deswegen ebenfalls Gewalt angewendet wird. Eine Gesellschaft, die den politischen Diskurs zugunsten von Gewalt aufgibt, die bahnt aus meiner Sicht einem Unrechtsstaat den Weg.

Dagegen würden viele wohl anführen:

Aber die Nazis halten sich selbst nicht an Regeln, wenn man sich nicht wehrt, dann erlaubt man ihnen die Macht zu übernehmen

Auch das halte ich für falsch. Genau wie die Antifa die Nazis für ihr Virtue Signalling braucht, brauchen auch die Nazis die Antifa für diesen Zweck. Eben weil der tatsächliche Feind eine „Gegenbewaffnung“ erforderlich macht.

Weitaus schlimmer ist aber, dass radikale Linke dazu neigen, den Kreis derer die „unwertes Gedankengut“ haben, und damit „Nazis“ sind inflationär zu gebrauchen und es auf jede unliebsame Meinung auszuweiten. Damit entwerten sie nicht nur den Begriff, sondern erlauben es sich, schlicht gegen jede unliebsame Meinung Gewalt anzuwenden.

Godfrey bringt die Haltung dazu mal wieder perfekt auf den Punkt.

Natürlich findet das Gewaltmonopol des Staates seine Grenzen im Widerstandsrecht des Volkes gegen die Regierung. Aber davon sind wir weit weit entfernt.

Ich finde es auch faszinierend, dass diese radikalen gar nicht merken, wie schnell sich solche Praktiken auch gegen sie richten könnten. Gerade dann, wenn sie meinen, dass Trump ein Faschist ist, sollten sie die Meinungsfreiheit hoch halten.

Audi zum Gender Pay Gap

 

Welche Gründe tauchen in den Studien zum Gender Pay Gap nicht auf, spielen aber eine Rolle?

Vielleicht können wir hier mal zusammen was zusammentragen zu den Gründen, die einen weiteren Gender Pay Gap begründen, die aber mit den klassischen Auswertungen schlecht zu erfassen sind.

Ich fange mal an:

  • Die Jobwahl von Frauen ist häufig bereits auf ein Aussetzen wegen Kindern ausgerichtet, also eher Behörden, die eher Teilzeit gewähren und Aussetzen weniger werten
  • Kriterien wie Nähe der Arbeit  zum Wohnort
  • Frauen suchen öfter Jobs, die weniger Stress mit sich bringen
  • Frauen lehnen eher Beförderungen ab, weil sie wissen, dass sie Überstunden und mehr Wettbewerb/Stress bringen
  • Frauen wählen eher ältere, gut verdienende Partner, die wegen beider Faktoren besser verdienen und häufig in Jobs arbeiten, die weniger auf ein Aussetzen ausgerichtet sind und diese Partner wissen auch noch, dass ihr Aussetzen dort eher Kritik hervorbringen wird so dass alle Faktoren in einer Entscheidung, wessen Aussetzen der Familie mehr finanzielle Mittel erhält auf die Frau hindeuten.

Ich bitte um Ergänzung

Biologischer Naturalismus

John Searle, der hier schon mit dem chinesischen Zimmer Thema war, vertritt einen „biologischen Naturalismus“ zur Lösung des Mind-Body-Problems.

Aus der Wikipedia dazu:

Biological naturalism is a theory about, among other things, the relationship between consciousness and body (i.e. brain), and hence an approach to the mind-body problem. It was first proposed by the philosopher John Searle in 1980 and is defined by two main theses:

1) all mental phenomena from pains, tickles, and itches to the most abstruse thoughts are caused by lower-level neurobiological processes in the brain; and

2) mental phenomena are higher-level features of the brain.

This entails that the brain has the right causal powers to produce intentionality. However, Searle’s biological naturalism does not entail that brains and only brains can cause consciousness. Searle is careful to point out that while it appears to be the case that certain brain functions are sufficient for producing conscious states, our current state of neurobiological knowledge prevents us from concluding that they are necessary for producing consciousness. In his own words:

„The fact that brain processes cause consciousness does not imply that only brains can be conscious. The brain is a biological machine, and we might build an artificial machine that was conscious; just as the heart is a machine, and we have built artificial hearts. Because we do not know exactly how the brain does it we are not yet in a position to know how to do it artificially.“ (Biological Naturalism, 2004)

Eine biologische Maschine, die das Bewußtsein erzeugt und die man nachbauen könnte, dass finde ich aus der Philosophie ganz erfrischend.

Weiter heißt es zu seiner Ansicht:

Searle denies Cartesian dualism, the idea that the mind is a separate kind of substance to the body, as this contradicts our entire understanding of physics, and unlike Descartes, he does not bring God into the problem. Indeed, Searle denies any kind of dualism, the traditional alternative to monism, claiming the distinction is a mistake.

Dualismus dürfte abseits religiöser Kreise auch keine großen Anhänger mehr haben, wobei teilweise die Philosophie letztendlich auch abseits von Gott andere Punkte hinzunimmt, die für „Das was wir nicht erklären können und irgendwie nicht Materie ist“ stehen und bei denen man eben auch von einem Dualismus sprechen könnte („die Zustände supervenieren über dem materiellen“)

He rejects the idea that because the mind is not objectively viewable, it does not fall under the rubric of physics.

Searle believes that consciousness „is a real part of the real world and it cannot be eliminated in favor of, or reduced to, something else“ [1] whether that something else is a neurological state of the brain or a computer program. He contends, for example, that the software known as Deep Blue knows nothing about chess. He also believes that consciousness is both a cause of events in the body and a response to events in the body.

Es wäre interessant, da noch mehr Klarheit reinzubringen. Anscheinend hält er einen Vergleich mit einem Computerprogramm der üblichen Art für eine unzulässige Reduktion (was angesichts seines Beharrens auf das Chinesische Zimmer auch nicht verwunderlich ist), weil dieses eben nur über Routinen Daten verarbeitet, hält aber gleichzeitig das Gehirn für eine Form von „Bio-Maschine“. Aus meiner Sicht wäre es damit eben kein heutiger Computer, aber dennoch könnte Denken eine Form der Datenverarbeitung sein, die eben zusätzlich bestimmte Zusammenhänge erfasst und als solche abspeichert etc.

On the other hand, Searle doesn’t treat consciousness as a ghost in the machine. He treats it, rather, as a state of the brain. The causal interaction of mind and brain can be described thus in naturalistic terms: Events at the micro-level (perhaps at that of individual neurons) cause consciousness. Changes at the macro-level (the whole brain) constitute consciousness. Micro-changes cause and then are impacted by holistic changes, in much the same way that individual football players cause a team (as a whole) to win games, causing the individuals to gain confidence from the knowledge that they are part of a winning team.

Das scheint mir auch wieder eine Form von Kunstgriff zu sein, der im Endeffekt den Übergang zwischen Microlevel und bewußten Denken verschleiert. Genauso wenig, wie ein Schaltkreis in einem Computer ein heutige Programm ablaufen lassen kann, können einzelne Neuronen Bewußtsein erzeugen. Dass kann in gewisser Weise nur das Zusammenspiel aller, was er hier als das „ganze Gehirn“ bezeichnet.

He articulates this distinction by pointing out that the common philosophical term ‚reducible‘ is ambiguous. Searle contends that consciousness is „causally reducible“ to brain processes without being „ontologically reducible.“ He hopes that making this distinction will allow him to escape the traditional dilemma between reductive materialism and substance dualism; he affirms the essentially physical nature of the universe by asserting that consciousness is completely caused by and realized in the brain, but also doesn’t deny what he takes to be the obvious facts that humans really are conscious, and that conscious states have an essentially first-person nature.

Auch hier wieder ein Gegensatz, der aus meiner Sicht künstlich erzeugt wird. Das Gehirn kann etwas, was Computer nicht können. Aber bei dem es aus meiner Sicht auch nicht unmöglich ist, dass Computer dies irgendwann können werden. Es ist zum Teil ein Problem der Rechenleistung, zum anderen aber auch ein Problem einer sehr komplizierten Software. Die Evolution des Gehirns dauerte, wenn man bei recht einfachen Nervenverbindungen anfängt ca. 400 Millionen Jahre, ab 235 Millionen Jahren gab es immerhin schon Dinosaurier. Jeder Schritt ist eine kleine Mutation, die selektiert wird. Irgendwann wird ein Wesen eine gewisse Mutation erlebt haben, die den Übergang zu den Vorläufern des Bewußtseins darstellte oder einfache Formen davon, die dann immer mehr verfeinert worden sind.

It can be tempting to see the theory as a kind of property dualism, since, in Searle’s view, a person’s mental properties are categorically different from his or her micro-physical properties. The latter have „third-person ontology“ whereas the former have „first-person ontology.“ Micro-structure is accessible objectively by any number of people, as when several brain surgeons inspect a patient’s cerebral hemispheres. But pain or desire or belief are accessible subjectively by the person who has the pain or desire or belief, and no one else has that mode of access. However, Searle holds mental properties to be a species of physical property—ones with first-person ontology. So this sets his view apart from a dualism of physical and non-physical properties. His mental properties are putatively physical.

Er scheint mir letztendlich auch nicht mehr zu sagen als „Das Gehirn erzeugt alles und daraus ergibt sich dann im Ganzen unsere Art zu denken, zu fühlen und das Bewußtsein, wie wissen wir aber nicht“. Was etwas nichtssagend ist, aber mehr kann ein Absatz außerhalb der Biologie letztendlich auch nicht bringen.

„Die einzig richtige Reaktion, wenn einen eine diskriminierte Minderheit eines Fehlverhaltens beschuldigt“

Ein Beitrag beleuchtet einen der vielen Fälle, bei denen ein Feminist von den eigenen Leuten wegen Kleinigkeiten fertig gemacht wird. Hier hatte es Wil Wheaton (bekannt aus Star Trek) erwischt.

Er schrieb in einem Tweet:

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Also eine Distanzierung von Trump. Aber natürlich war das nicht gut genug:

will-2

Er kann sich als weißer Mann natürlich nicht einfach von so etwas distanzieren, denn er ist als weißer Mann Bestandteil der Gruppe, die Trump an die Macht gebracht hat und zudem eben privilegiert.

Muslims hingegen werden in diesem Zusammenhang immer als PoCs gesehen oder jedenfalls als wegen der Religion diskriminierte, so dass er aktiv handeln müsste um sie zu schützen.

Wheaton protestierte:

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Und das ist natürlich falsch, denn so einfach entkommt man einer Gruppenschuld nicht

will-targetting

Was noch so folgt kann man unter dem Link oben nachlesen, ich will nicht alle Bilder von dort stehlen.

Der Artikel liefert dabei gleich auch die Analyse mit, was Wil eigentlich hätte machen sollen, und ich glaube damit hat er recht:

That’s when all hell broke lose.

Dammit Wil. Didn’t they teach you about the first rule of Feminism?

“NEVER DISAGREE WITH A MINORITY, AND IF YOU’RE BEING ACCUSED OF SOMETHING, JUST ACCEPT IT”:

Tatsächlich ist das wohl der einzige Weg, den die intersektionale feministische Theorie bietet: Striktes beachten der Deutungshoheit. Die eigene Schuld im Wege einer Form des Doppeldenks einsehen („ich meinte es zwar ganz anders und wollte da alles nicht, aber wenn die mir sagen, dass ich etwas falsch gemacht habe, dann wird es wohl so sein und ich bin schuldig“). Sich entschuldigen. Den Tweet löschen. Sich eine Weile ruhig verhalten. Dann wieder bis zum nächsten Fehler weitermachen.

Und das zeigt aus meiner Sicht gerade wie autoritär und wie hierarchisch diese Theorien aufgebaut sind. Und warum sie keine Diskussionskultur entwickeln können, warum sie ein Klima des gegenseitigen Belauerns und des heruntergeschluckten Ärgers mit sich bringen und einen Wettkampf in der Unterdrückungsolympiade.

 

Selbermach Mittwoch 98 (01.02.2017

Und?

„Liebe beleidigte Männerrechtler: Hört auf mit eurem Mimimimimi“

In einem Gastbeitrag stellt Herr Stemme dar, was er als Feminist von dem Maskul(in)ismus hält:

Wie selbstverständlich stehen die häufig aus der Mittelschicht kommenden, meist männlich sozialisierten Menschen für die Rechte der Männer* ein.

Warum sollte das auch nicht selbstverständlich sein, wenn die Männer* in bestimmten Bereichen Nachteile haben?

Die gängigen Meinungen: Wenn eine Frau* einen Manager-Job hat, wird ein Mann* arbeitslos. Wenn eine Frau* mehr verdient als ihr männlicher* Kollege, dann hat sie sich hochgeschlafen. Wenn heterosexuelle Männer* wechselnde Partner*innen haben, sind sie Helden. Frauen* sind Schlampen*. Wenn Frauen* alleinerziehend sind, dann sind sie selbst schuld. Männer nicht. Sie werden heimtückisch verlassen. Seitdem es Gender Mainstreaming, Frauenquoten und Gleichstellungsbeauftragte gibt, wird mann nämlich unterdrückt, wo frau nur kann.

Habt ihr das schon mal so auf einen männerrechtlichen Blog gelesen? ich jedenfalls nicht. Es sind aber klassische Klischees, die der Feminismus als Schreckgespenst und Strohmann in den Raum stellt.

Dass diese Argumente an den Haaren herbeigezogen sind und die tatsächlichen Probleme umkehren, erkennt man schnell.

Weswegen es sogar schlechte Strohmänner sind.

Eine simple Logik. Probleme erschaffen, die nicht existieren.

Und das von einem Feministen. Nirgendwo werden wohl mehr Probleme geschaffen, die nicht existieren. Der Satz „Frauen können schwanger werden, Männer nicht“ beispielsweise ist wohl nur bei modernen Feministen etwas, was Schnappatmung hervorruft, jeder sonst würde ihn für eine Selbstverständlichkeit halten.

Feministische Argumente umkehren.

Wenn da mal welche wären. Meist sind da schlicht Dogmen und Behauptungen. Wirkliche Argumente bringt der Feminismus kaum.

Aus den Unterdrückern werden die Unterdrückten.

Oder man kommt schlicht dazu, dass „Unterdrücker und Unterdrückte“ bereits der falsche Ansatz ist, weil diese Sichtweise zum einen viel zu binär ist, denn Männer und Frauen haben Vor- und Nachteile in ganz unterschiedlichen Bereichen und auch teilweise eben nur aus der Sicht bestimmter Leute: Eine Frau, die Teilzeit arbeitet in einem relativ nah zur Wohnung gelegenen Job, der wenig Überstunden erfordert, sicher ist, vielleicht im öffentlichen Dienst, dafür aber vielleicht mit einem geringeren Gehalt in der Privatwirtschaft, und die deswegen auch mehr Zeit mit den Kindern verbringen kann, während der Mann Vollzeit arbeitet muss sich beispielsweise nicht unbedingt unterdrückt fühlen, sondern kann auch der Meinung sein, dass sie ihre Lebensplanung perfekt umgesetzt hat.

Und ein geschiedener Vater, der trotz hoher Beteiligung an der Kinderbetreuung dennoch allein den vollen Unterhalt zahlen muss und der für den Selbstbehalt von 1080 € Vollzeit arbeitet, der ist vielleicht der Auffassung, dass die Gesetze dort nicht fair ausgestaltet sind und beispielsweise eine Wechselmodell oder ein leichterer Zugang zum Sorgerecht oder andere Gestaltungen wesentlich gerechter wären.

Reden von sozialer Ungerechtigkeit, die einem widerfährt, wenn anderen Menschen die gleichen Rechte zukommen.

Wo wird denn das gemacht?

Nach diesem Prinzip funktioniert Maskulinismus.

Schade, dass er gar keine Quellen liefert. Denn die meisten Männerrechtler, die ich kenne, sind natürlich für Gleichberechtigung. Allerdings ist Gleichberechtigung auch Ansichtssache: Eine Frauenquote beispielsweise muss eben nicht Gleichberechtigung sein. Denn es gibt es viele Gründe dafür, dass es sehr wenig Frauen gibt, die in Spitzenpositionen kommen, einer beispielsweise, dass die allermeisten Frauen das gar nicht wollen. Und natürlich kann es als ungerecht empfunden werden, wenn zwei Posten vergeben werden und für den einen muss die weibliche Kandidatin mühsam überredet werden und für den anderen kämpfen 5 Männer um den gleichen Platz.

Denn: Die Opferrolle ist schnell eingenommen.

Und das von jemanden, der sich einer Ideologie zugehörig fühlt, die so versessen auf die Opferrolle ist, dass sie sie per Dogma für spezielle Gruppen festlegt, binär in Unterdrücker und Unterdrückte einteilt und jedem, der nicht in diese Gruppe fällt per se verbieten will, sich auch nur in bestimmten Punkten als Benachteiligter zu sehen. Deren ganze Ideologie darauf ausgerichtet ist, die Opfergruppen so weitgehend wie nur irgend möglich zu reinen Opfern zu machen, in dem jedes Anzeichen dafür, dass sie selbst Verantwortung für bestimmte Unterschiede tragen als „internalisierte Frauenfeindlichkeit“ oder „Folgen der Kolonalisierung“ etc abgetan werden.

Und leider finden die Männerrechtler*innen zur Zeit der Wutbürger*innen und der sogenannten Flüchtlingskrise im öffentlichen Diskurs Gehör.

Das wäre ja schön.

Wie einfach es sein muss, in dieser bequemen sozialen Machtstellung zu argumentieren.

Auch das ist angesichts seiner ultraflachen abwertenden Darstellung fast schon lustig: Man nimmt einfache Zuweisungen wie „Die wollen nur Unterdrücken“ oder „die sind alle Nazis und wie Wutbürger“, denkt keine Sekunde darüber nach, ob vielleicht ein differenzierterer Blick notwendig ist, hat sich nie mal umgeschaut, ob diese Angaben überhaupt stimmen, plappert einfach das aus, was man in seiner Filterblase so hört. Bewegt sich da mutig in dem linken Mainstream, der mit staatlicher und medialer Unterstützung diese Seite immer wieder so darstellt und beklagt sich dann, dass diese aus einer „bequemen sozialen Machtstellung“ heraus argumentieren. Wie heißt es im Feminismus so schön „Privilegierte Stellungen sind für den, der sie hat unsichtbar“. Wobei eben auch die Geschichte, dass der Feminismus der Underdog ist, der gegen den großen Unterdrücker mit Macht ankämpft, zum Wohle aller mutig vorgeht, eine der Lieblingsgeschichten im Feminismus ist.

Zur Farce wird die Position der Männerrechtler*innen erst recht vor dem Hintergrund, dass im Weißen Haus ein Raum voller Männer die Abtreibungsrechte beschneidet. Oder in Saudi Arabien über Frauenrechte entschieden wird, aber keine einzige Frau* anwesend ist. Oder wenn in Russland das Gesetz gegen häusliche Gewalt gelockert wird.

Der gute Herr Klemme scheint ein schlechter theoretischer Feminist zu sein, denn die vorherrschende feministische Theorie gibt ja vor, dass man Saudi Arabien deswegen gar nicht kritisieren darf. Kulturrelativismus und die Privilegierung weißer, christlicher, kolonisierender Länder macht das zu einer Anmaßung.

Wäre die Energie, die Maskulinisten aufwenden, um scheinbare Missstände zu bemängeln, in der Gleichstellungsdebatte nicht viel besser aufgehoben? In einem positiven und zielführenden Diskurs, in dem es nicht um Schwarz und Weiß geht. Sondern um Gleichberechtigung.

Immer wieder erstaunlich: Da predigt er, dass Frauen die Unterdrückten sind und Männer die Unterdrücker und will dann einen „positiven und zielführenden Diskurs, in dem es nicht um Schwarz und Weiß geht“. Die gesamte Theorie des modernen Feminismus baut auf Schwarz und Weiß, auf guten Gruppen und bösen Gruppen auf. Und dem Feminismus geht es auch nicht um Gleichberechtigung. Der intersektionale Feminismus möchte Verhaltensverbote, Gruppenschuld, Bekenntnisse zu Sünden, Verachtung und Hass für Menschen nach Hautfarbe, Geschlecht und sexueller Orientierung (in dem Fall dann weiß, männlich und hetero). Er möchte eine strikte Hierarchie nach Gruppenzugehörigkeit in der Gesellschaft, bei der die eine Gruppe stets akzeptieren muss, was die andere vorgibt, weil sie angeblich die andere unterdrückt.

Denn, liebe Maskulinisten, damit auch ihr es versteht: Der Feminismus will die hegemonialen Verhältnisse keinesfalls umkehren. Vielmehr geht es um gleiche Rechte, gleiches Gehalt, Selbstbestimmung auf allen Ebenen.

Der Inquisition ging es auch nur darum, dass der Teufel keine Macht mehr hat, dem Kommunismus nach Mao und Co nur darum, dass alle gleich sind und überhaupt gab es noch nie eine Ideologie, die mit guten Zielen gestartet ist und dann radikal geworden ist und letztendlich Ungerechtigkeit gebracht hat. Nie hat eine Revolution ihre Kinder gefressen.

Frauen haben bereits das gleiche Gehalt für gleiche Arbeit, sie können sich auf allen Ebenen selbst bestimmen und wenn mir der Herr Stemme ein Recht nennen könnte, welches Frauen nicht haben, Männer aber schon, dann wäre ich sehr überrascht. Noch überraschter wäre ich, wenn Feministinnen dieses Recht thematisieren würden.

Die Wirkweise patriarchaler Strukturen ist nach wie vor ein Thema

Im radikalen Feminismus. Auch dort bleibt das Konzept aber vollkommen nebelhaft und es werden keine Kriterien für Machtstrukturen genannt, nach denen nicht auch Frauen Macht haben.

besonders in Zeiten eines weltweiten Rechtsrucks. Vor dem Hintergrund der weltweiten politischen Entwicklungen und dem sozialen Ist-Stand ist der Feminismus noch lange nicht da, wo er hinwill

Nur leider will außer radikalen Feministinnen niemand dort hin, wo diese hinwollen. Eine Welt unter der Herrschaft intersektionaler Genderfeministinnen wäre nicht das Paradies, sondern ein beständiger Kampf, beständige Anschuldigungen, Privilegien zu besitzen.

Deshalb, liebe beleidigte Männerrechtler: Hört auf mit eurem Mimimimimi

Tatsächlich wäre zumindest ich gerne zu einer sachlichen Diskussion ganz ohne Mimimi bereit. Ob es Herr Stemme auch ist?