Biologischer Naturalismus

John Searle, der hier schon mit dem chinesischen Zimmer Thema war, vertritt einen „biologischen Naturalismus“ zur Lösung des Mind-Body-Problems.

Aus der Wikipedia dazu:

Biological naturalism is a theory about, among other things, the relationship between consciousness and body (i.e. brain), and hence an approach to the mind-body problem. It was first proposed by the philosopher John Searle in 1980 and is defined by two main theses:

1) all mental phenomena from pains, tickles, and itches to the most abstruse thoughts are caused by lower-level neurobiological processes in the brain; and

2) mental phenomena are higher-level features of the brain.

This entails that the brain has the right causal powers to produce intentionality. However, Searle’s biological naturalism does not entail that brains and only brains can cause consciousness. Searle is careful to point out that while it appears to be the case that certain brain functions are sufficient for producing conscious states, our current state of neurobiological knowledge prevents us from concluding that they are necessary for producing consciousness. In his own words:

„The fact that brain processes cause consciousness does not imply that only brains can be conscious. The brain is a biological machine, and we might build an artificial machine that was conscious; just as the heart is a machine, and we have built artificial hearts. Because we do not know exactly how the brain does it we are not yet in a position to know how to do it artificially.“ (Biological Naturalism, 2004)

Eine biologische Maschine, die das Bewußtsein erzeugt und die man nachbauen könnte, dass finde ich aus der Philosophie ganz erfrischend.

Weiter heißt es zu seiner Ansicht:

Searle denies Cartesian dualism, the idea that the mind is a separate kind of substance to the body, as this contradicts our entire understanding of physics, and unlike Descartes, he does not bring God into the problem. Indeed, Searle denies any kind of dualism, the traditional alternative to monism, claiming the distinction is a mistake.

Dualismus dürfte abseits religiöser Kreise auch keine großen Anhänger mehr haben, wobei teilweise die Philosophie letztendlich auch abseits von Gott andere Punkte hinzunimmt, die für „Das was wir nicht erklären können und irgendwie nicht Materie ist“ stehen und bei denen man eben auch von einem Dualismus sprechen könnte („die Zustände supervenieren über dem materiellen“)

He rejects the idea that because the mind is not objectively viewable, it does not fall under the rubric of physics.

Searle believes that consciousness „is a real part of the real world and it cannot be eliminated in favor of, or reduced to, something else“ [1] whether that something else is a neurological state of the brain or a computer program. He contends, for example, that the software known as Deep Blue knows nothing about chess. He also believes that consciousness is both a cause of events in the body and a response to events in the body.

Es wäre interessant, da noch mehr Klarheit reinzubringen. Anscheinend hält er einen Vergleich mit einem Computerprogramm der üblichen Art für eine unzulässige Reduktion (was angesichts seines Beharrens auf das Chinesische Zimmer auch nicht verwunderlich ist), weil dieses eben nur über Routinen Daten verarbeitet, hält aber gleichzeitig das Gehirn für eine Form von „Bio-Maschine“. Aus meiner Sicht wäre es damit eben kein heutiger Computer, aber dennoch könnte Denken eine Form der Datenverarbeitung sein, die eben zusätzlich bestimmte Zusammenhänge erfasst und als solche abspeichert etc.

On the other hand, Searle doesn’t treat consciousness as a ghost in the machine. He treats it, rather, as a state of the brain. The causal interaction of mind and brain can be described thus in naturalistic terms: Events at the micro-level (perhaps at that of individual neurons) cause consciousness. Changes at the macro-level (the whole brain) constitute consciousness. Micro-changes cause and then are impacted by holistic changes, in much the same way that individual football players cause a team (as a whole) to win games, causing the individuals to gain confidence from the knowledge that they are part of a winning team.

Das scheint mir auch wieder eine Form von Kunstgriff zu sein, der im Endeffekt den Übergang zwischen Microlevel und bewußten Denken verschleiert. Genauso wenig, wie ein Schaltkreis in einem Computer ein heutige Programm ablaufen lassen kann, können einzelne Neuronen Bewußtsein erzeugen. Dass kann in gewisser Weise nur das Zusammenspiel aller, was er hier als das „ganze Gehirn“ bezeichnet.

He articulates this distinction by pointing out that the common philosophical term ‚reducible‘ is ambiguous. Searle contends that consciousness is „causally reducible“ to brain processes without being „ontologically reducible.“ He hopes that making this distinction will allow him to escape the traditional dilemma between reductive materialism and substance dualism; he affirms the essentially physical nature of the universe by asserting that consciousness is completely caused by and realized in the brain, but also doesn’t deny what he takes to be the obvious facts that humans really are conscious, and that conscious states have an essentially first-person nature.

Auch hier wieder ein Gegensatz, der aus meiner Sicht künstlich erzeugt wird. Das Gehirn kann etwas, was Computer nicht können. Aber bei dem es aus meiner Sicht auch nicht unmöglich ist, dass Computer dies irgendwann können werden. Es ist zum Teil ein Problem der Rechenleistung, zum anderen aber auch ein Problem einer sehr komplizierten Software. Die Evolution des Gehirns dauerte, wenn man bei recht einfachen Nervenverbindungen anfängt ca. 400 Millionen Jahre, ab 235 Millionen Jahren gab es immerhin schon Dinosaurier. Jeder Schritt ist eine kleine Mutation, die selektiert wird. Irgendwann wird ein Wesen eine gewisse Mutation erlebt haben, die den Übergang zu den Vorläufern des Bewußtseins darstellte oder einfache Formen davon, die dann immer mehr verfeinert worden sind.

It can be tempting to see the theory as a kind of property dualism, since, in Searle’s view, a person’s mental properties are categorically different from his or her micro-physical properties. The latter have „third-person ontology“ whereas the former have „first-person ontology.“ Micro-structure is accessible objectively by any number of people, as when several brain surgeons inspect a patient’s cerebral hemispheres. But pain or desire or belief are accessible subjectively by the person who has the pain or desire or belief, and no one else has that mode of access. However, Searle holds mental properties to be a species of physical property—ones with first-person ontology. So this sets his view apart from a dualism of physical and non-physical properties. His mental properties are putatively physical.

Er scheint mir letztendlich auch nicht mehr zu sagen als „Das Gehirn erzeugt alles und daraus ergibt sich dann im Ganzen unsere Art zu denken, zu fühlen und das Bewußtsein, wie wissen wir aber nicht“. Was etwas nichtssagend ist, aber mehr kann ein Absatz außerhalb der Biologie letztendlich auch nicht bringen.

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13 Gedanken zu “Biologischer Naturalismus

  1. Zitat: „Eine biologische Maschine, die das Bewußtsein erzeugt …“

    Es gibt aber überhaupt gar keinen evolutionären oder sonstigen Grund bzw. Nutzen warum diese Maschine das tun sollte.
    Das Universum mit all seinen Lebewesen darin würde ja genau so ablaufen wie jetzt, auch wenn es kein Bewusstsein gäbe. Es wäre dann nur keiner da, der irgendetwas davon bewusst wahrnehmen würde.

    Die einzige Erklärung für das Bewusstsein ist daher eine Metaphysische:
    Damit eben welche da sind, die dieses Kino erleben können.
    Was ist ein Film ohne Zuschauer? Sinnlos.

      • Das Denken ist unabhängig von der Präsenz eines inneren Beibachters, alle Denkprozesse laufen ohne ihn genauso ab. Wie bei einer Maschine, die braucht auch keinen inneren Beobachter um genau so zu funktionieren wie sie funktioniert.

        Was Du da gerade versuchst ist so zu tun als ob der innere Beobachter Entscheidungen verändern könnte.
        Wir wissen aber beide dass freier Wille wissenschaftlich nicht begründbar ist, demzufolge kann der innere Beobachter nur beobachten, aber nichts verändern. Er hat keinen biologisch-maschinellen Zweck, ist also überflüssig.

        Wer nach freiem Willen und Zweck des Bewusstsein sucht, dem bleibt nur die Metaphysik.

        • „Das Denken ist unabhängig von der Präsenz eines inneren Beibachters“

          Das sagst du, aber es ist ja nicht nur ein vereinfachter m Beobachter. Bewusstsein erlaubt wegen komplexere Gedanken

          https://www.google.de/amp/s/amp.focus.de/wissen/mensch/neurowissenschaft/gute-frage-warum-entstand-bewusstsein_aid_508445.html

          Will man wissen, warum die Evolution Bewusstsein hervorgebracht hat, sollte man sich zunächst einmal vor Augen halten, welchen Überlebensvorteil Bewusstsein bietet. Und dieser Vorteil muss beträchtlich sein: Immerhin ist das Gehirn für 20 Prozent unseres Energieverbrauchs verantwortlich, obwohl es nur zwei Prozent des Körpergewichts ausmacht. Routinierte Handlungen können wir oft unbewusst vollziehen. Bewusstsein aber ist vor allem dann erforderlich, wenn wichtige neue Probleme auftauchen: Den Weg zur Arbeit fahren wir „wie im Schlaf“ – doch wenn plötzlich eine Straße gesperrt wird, müssen wir bewusst überlegen, wie wir weiterkommen.

          Es sind jedoch nicht in erster Linie die Vorteile in der Auseinandersetzung mit der Außenwelt, die die Entwicklung der menschlichen Intelligenz vorangetrieben haben. Entscheidend waren vielmehr Vorteile für unsere sozialen Beziehungen. Bewusstsein und Intelligenz erlauben es, uns besser in einer Gruppe zurechtzufinden, Freunde von Feinden zu unterscheiden, miteinander zu arbeiten oder die Absichten anderer zu erkennen. Es ist gar nicht einfach, die Wahrnehmungen anderer einzuschätzen. Ein Beispiel sind kleine Kinder, die sich „verstecken“, indem sie sich die Augen zuhalten. Auch später kommt es leicht zu Fehlern, wenn wir die Überzeugungen anderer zu erraten versuchen. Dass solche Irrtümer unser Zusammen-leben erschweren, liegt auf der Hand. Soziale Intelligenz hilft nicht nur, Irrtümer zu vermeiden, sondern liefert auch die Basis von Sprache, Kultur und Moralität. Damit erleichtert sie auch unsere Auseinandersetzung mit der Umwelt.

        • „Er hat keinen biologisch-maschinellen Zweck, ist also überflüssig.“

          Ist denn das erwiesen?

          Nur weil uns eigene Handlungen und Entscheidungen erst mit Verspätung bewusst werden, bedeutet im Umkehrschluss nicht automatisch, dass die bewusst gewordenen Prozesse nicht wieder auf den Rest des Gehirns zurückwirken.

          Allein die Tatsache, dass wir uns unseres Bewusstseins bewusst sind, beweist das ja eigentlich, oder nicht?

          Ich sehe da eine Analogie zum Computermonitor, er zeigt auch verzögerte und abstrahierte Informationen zu den Vorgängen in der Recheneinheit an, trotzdem ist er nicht überflüssig. Erst die abstrahierte Ausgabe ermöglicht eine effektive Steuerung und Nutzung der Maschine. Das Bewusstsein könnte eine ähnliche Funktion haben: Abstraktion, Zukunftsausrichtung, Kommunikation

          Um das zu beweisen, verstehen wir aber wahrscheinlich noch zu wenig oder hat jemand Studien dazu?

        • Der Einwand von Peter ist ein fundamentaler. Könnte man menschliche neuronale Prozesse bis zur höchsten Ebene wissenschaftlich erklären, hätte man eben eine Maschine, nichts anderes. Über unser Kino – ein reines Phänomen der ersten Person – wäre damit nichts gesagt, es wäre gar nicht erkennbar, wo da eine „Beobachtung“ stattfindet. Was ist das physikalische Konzept von Beobachtung? Wie überhaupt stellt man Bewusstsein fest? Wie misst man es, gibt es verschiedene Arten, Stärken usw.? Bis zu welcher Feinheit lässt sich Bewusstsein feststellen? Was ist, wenn man keine Menschen befragen kann? Und was hat das Reden über Erlebtes mit Naturwissenschaft zu tun? Da ist eine fundamentale Grenze, die nicht überwunden werden kann. Wenn man Dinge objektiv beschreibt, gibt es kein ich, nichtmal Perspektivität. Und dann soll dieses Ich eine steuernde Funktion haben? Wenn man einen Dualismus ablehnt, muss man weg vom Ich – und weg vom Bewusstsein.

          Man kann durch Substanzen Bewusstsein an und ausschalten, man kan durch Musterkennung bestimmter neuronaler Vorgänge „Gedanken lesen“. Aber die Auflösung solcher Messungen ist begrenzt durch die sprachlichen Reaktionen der Versuchspersonen. Man „misst“ ein Verhalten – ein sehr grobes Verhalten – aber kein Ich.

          Dieses Verhalten kann man auch einer Maschine wie Deep Blue antrainieren – so wie auch das menschliche Gerede von inneren, „mentalen“ Zuständen, das Reden über das eigene Ich, das Bewusstsein vorher antrainiert wurde. Menschen sind wie trainierte neuronale Netzwerke.

          Wenn man den Begriff Bewusstsein wissenschaftlich ernst nehmen will, hat man eigentlich schon künstliche Maschinen mit Bewusstsein.

          Wie will man Bewusstsein definieren? Hat eine Fliege Bewusstsein? Kann eine Fliege mehr als eine moderne KI? Hat sie Empfindungen?

          Man müsste da erstmal klären, was Bewusstsein sein soll, bevor man mit Evolution kommt oder irgendwelchen „rückwirkenden“ Systemen.

          „Bewusstsein“ ist kein naturwissenschaftlich definierter Begriff.

        • Sorry, diese Formulietung von mir ist reichlich unverständlich:
          so wie auch das menschliche Gerede von inneren, „mentalen“ Zuständen, das Reden über das eigene Ich, das Bewusstsein vorher antrainiert wurde. Menschen sind wie trainierte neuronale Netzwerke.

          Wenn man den Begriff Bewusstsein wissenschaftlich ernst nehmen will, hat man eigentlich schon künstliche Maschinen mit Bewusstsein.

          Ich wollte sagen, die menschlichen Äußerungen über ihr Inneres sind genauso antrainiert wie die Intelligenzleistungen von Deep-Learning-Systemen. Wenn das eine Bewusstsein ist, ist rs das andere auch.

        • Den Weg zur Arbeit fahren wir „wie im Schlaf“ – doch wenn plötzlich eine Straße gesperrt wird, müssen wir bewusst überlegen, wie wir weiterkommen.

          Soll heißen, bei der Fahrt „im Schlaf“ ist das Bewusstsein ausgeschaltet?

        • @Christian
          Willst du auf Qualia hinaus?

          Könntest du mal den Unterschied zwischen Qualia und Bewusstsein erläutern?

  2. Auch innerhalb religiöser Kreise ist der Leib-Seele-Dualismus nicht mehr besonders hip.

    Eine Nähmaschine bewegt den Faden ganz anders als ein Mensch, hat aber dasselbe Ergebnis. In dem Sinne wird eine Maschine mit Bewusstsein(artigem irgendwas) ganz anders funktionieren als ein menschliches Hirn.

  3. Zu den Begriffen
    Rechenleistung, Datenverarbeitung, Routinen, abspeichern

    Neuronale Netze funktionieren grundlegend anders, sie rechnen und speichern nicht.

    Vielleicht mal folgender Vergleich: Auf der Stichschablone einer mechanischen Nähmaschine ist die komplizierte Bewegung der Nadel „abgespeichert“. Aber die komplizierten Beinbewegungen der „Strandbeesten“ ist nirgendwo abgespeichert, genauso wenig wie die Bewegungen eines Blatts im Wind irgendwo abgespeichert sind.

    https://m.youtube.com/results?q=Strandbeesten

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