„Der harte Kern des Maskulismus besteht aus 400.000 Männern und 40.000 Frauen“

Wie Genderama berichtet gibt es anscheinend eine neue Studie zu Männern, in der es auch um Maskulismus geht. Diese ist zwar noch nicht veröffentlicht, aber liegt einer Zeitung bereits vor:

Berlin. Eine neue Studie des Bundesfamilienministeriums zeigt: Mehr Männer als vor zehn Jahren finden, dass es einer Partnerschaft guttut, wenn auch die Frau berufstätig ist. Gleichwohl gibt es eine klar anti-feministische Strömung. Von Birgit Marschall und Eva Quadbeck

Als 2007 das Elterngeld mit Vätermonaten startete, wurde es noch als „Wickelvolontariat“ verspottet. Mittlerweile pausiert gut jeder dritte Vater beruflich für sein Baby. Arbeitgeber müssen nunmehr nicht nur damit rechnen, dass junge Mitarbeiterinnen schwanger werden können. Sie müssen sich auch darauf einstellen, dass Väter Elternzeit einreichen.

Interessanter wäre, unter welchen Umständen Männer diese Elternzeit nehmen können und im welchem Umfang. Ich vermute es sind eher Behörden und große Firmen, bei Jobs ohne zuviel Führungsverantwortung und dann auch eher die 2 Monate.

Alte Rollenmuster lösen sich auf
Auch die Vorstellung, wie die Rollen zwischen Männern und Frauen aufgeteilt sein sollten, hat sich in den vergangenen Jahren noch einmal deutlich verändert. Der Anteil der Männer wächst, die sich Erwerbs- und Erziehungsarbeit mit ihrer Partnerin teilen wollen. Immer mehr Männer treten von sich aus offensiv für Gleichberechtigung ein.

Insbesondere wollen eben viele, dass die Frau sich am Erwerbsleben beteiligt. Die Hausfrauenehe wollen heute wohl die wenigsten zumindest der jungen Männer,

Das sind die zentralen Ergebnisse einer 150 Seiten starken, noch unveröffentlichten Studie des Bundesfamilienministeriums, die unserer Redaktion exklusiv vorliegt. Schon für eine Studie im Jahr 2007 hatte das Familienministerium Männer und Frauen repräsentativ befragt. Die Studie wurde nun mit den gleichen Methoden wiederholt.

Mehr Zustimmung zu Partnerschaft auf Augenhöhe
Bei 3000 Männern und Frauen spürten der Münchner Soziologe Carsten Wippermann und seine Mitarbeiter nach, wie weit verbreitet der Typus des „neuen Mannes“ heute ist und was ihn eigentlich ausmacht. Zwar befürwortet demnach auch heute nur gut jeder dritte Mann eine aktive, offensive Gleichstellungspolitik. Doch die Einstellungen für eine Partnerschaft auf Augenhöhe sind heute deutlicher als vor zehn Jahren in die Breite der Gesellschaft eingedrungen.

Weil „Gleichstellungspolitik“ und „Partnerschaft auf Augenhöhe“ auch schlicht nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun haben.

Ein paar zentrale Ergebnisse: 82 Prozent der Männer finden, dass es einer Partnerschaft gut tut, wenn beide berufstätig sind. Zehn Jahre zuvor waren nur 71 Prozent dieser Ansicht. Mit 49 Prozent meint inzwischen weniger als die Hälfte der Männer, dass Frauen nicht erwerbstätig zu sein brauchen, wenn ihre Männer gut verdienen.

Da würde mich mal die Meinung der Frauen interessieren.

Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) verweist darauf, dass die Einstellung zum Rollenbild auch eine Generationenfrage sei: „Immer mehr Männer sind sogar der Überzeugung, dass der Vater seine Berufstätigkeit reduzieren sollte, solange die Kinder noch klein sind. Von den heute 70-Jährigen sind 20 Prozent dieser Meinung, von den unter 30-jährigen Männern aber 59 Prozent.“ Es habe ein gesellschaftlicher Wandel stattgefunden – das bestätigten auch die Zahlen der Studie. Immer weniger Frauen und Männer denken, dass die alte Rollenverteilung – der Mann ist der Ernährer und die Frau kümmert sich alleine um Kinder und Haushalt – für sie das richtige Lebensmodell ist.

Allerdings ist es immer noch über das Residenzmodell etwas, was der Staat nach der Trennung in gewisser Weise erzwingen kann.

Beruf und Familie sind schwieriger Spagat für Männer

Selbst bei der ungeliebten Arbeit im Haushalt gibt es Bewegung. Während vor zehn Jahren Putzen, Waschen oder Spülmaschine ausräumen vollständig oder überwiegend von Frauen erledigt wurden und der Herr im Haus nur Reparaturen und Autopflege übernahm, engagieren sich Männer zunehmend im Haushalt. Dieser Aufbruch finde aber nicht flächendeckend statt, vielmehr bewegen sich der Studie zufolge auch hier eher jüngere Männer – insbesondere die mit gut ausgebildeten, erwerbstätigen Partnerinnen.

Nun ist Gleichstellung von Männern und Frauen nicht nur eine Frage des Willens, sondern auch der Rahmenbedingungen. Für Männer erweist sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oft als noch schwieriger als für Frauen. Zwei Drittel der Väter mit Kindern unter zwei Jahren klagen über hohe Hürden. So fordern 94 Prozent der Väter, dass die Kita-Öffnungszeiten sich nicht am Modell der nur teilzeiterwerbstätigen Mutter orientieren dürften.

Eine berechtigte Forderung. Sowohl an sich als auch für eine Situation nach der Trennung.

Es gibt auch „Maskulisten“
Ungeachtet der zunehmenden Akzeptanz der Gleichstellungspolitik in der Breite der Bevölkerung gebe es aber auch eine radikal anti-feministische, betont „maskulistische“ Strömung, schreibt Studienautor Wippermann. Der „engere Kern des Maskulismus“ mache aber nur etwa ein Prozent der männlichen Bevölkerung aus.

Das wären, wenn man von 40 Millionen Männern ausgeht, immerhin 400.000 Männer im engeren Kern. Ich bin zuversichtlich, dass der „äußere Kern“ wenn es nur darum geht, dass man den modernen Feminismus und GleichSTELLUNG ablehnt deutlich größer ist.

Wenn man sieht, dass sich in Großbritanien nur 7% als Feministen sehen (wobei das nicht der „harte Kern“ sein müsste) und auch in Amerika viele des Feminismus ablehnen und immerhin 70% der Frauen und 77% der Männer die feministische Glaubensdoktrin, dass Frauen für gleiche Arbeit weniger verdienen nicht glauben dann wäre 1% „harter Kern“ gar nicht mal so verkehrt (ich vermute mal die Zuweisung zum „harten Kern“ ist aber Schrott

Diese Männer sähen in der Gleichstellungspolitik nur ein Synonym für die unnötige Frauenförderung. Frauen seien bereits genug gefördert worden, jetzt seien endlich mal die Männer dran, lautet eine der Auffassungen dieser Gruppe. Genderstudien – also Studien, die sich mit gesellschaftlichen Rollenbildern von Frauen und Männern auseinandersetzen – würden von dieser Gruppe kategorisch als „pseudowissenschaftlich“ und „ideologisch“ eingestuft.Etwa fünf Prozent aller Männer würden zwar nicht alle, aber immerhin manche der anti-feministischen Positionen teilen. Und etwa ein Drittel aller Männer sei für einzelne Einstellungen dieser Art empfänglich, meint Wippermann.

5% wären immerhin 2 Millionen und ein Drittel 12 Millionen. Es wird interessant, wie das die Studie abgefragt hat. Ich vermute mal, dass man recht absolute Forderungen abgefragt hat und den Feminismus weniger extrem dargestellt hat, als es der moderne Feminismus eigentlich ist.

Maskulisten seien am häufigsten in der Altersgruppe 40 bis 60 Jahre zu finden und überdies in allen Schichten. Aber bei einem erheblichen Teil der unter 30-jährigen Männer verfingen einzelne Einstellungen und Argumente dieser Strömung. Bei Frauen ist der Anteil des Anti-Feministinnen kleiner: Nur 0,1 Prozent gehören zum harten Kern, aber immerhin 15,2 Prozent aller Frauen seien empfänglich für diese Ansichten.

Das finde ich gar nicht mal eine so niedrige Quote. Jetzt muss man das nur noch aktivieren.

Gleichstellung wird unterschiedlich verstanden
Trotz dieser kleinen, aber hartnäckigen Gegenbewegung zeigt die Studie, dass sich die partnerschaftliche Aufteilung zwischen Männern und Frauen von Erwerbsarbeit sowie Kindererziehung und Haushalt als gesellschaftliches Leitmodell durchsetzt – weil Männer und Frauen es so wollen.

Als ob man dagegen sein müsste, wenn man gegen Gleichstellungspolitik ist. Hier werden Gegensätze genannt, die keine sind.

Allerdings gießt Studienautor Wippermann in seinem Fazit noch etwas Wasser in den Wein. Aus seiner Sicht ist die Definition von „Gleichstellung“ in der Gesellschaft nicht einheitlich. Gleichstellung sähen die eher traditionell eingestellten Männer auch bereits dann erreicht, wenn es in der Partnerschaft keine Konflikte über die Rollenverteilung gebe, unabhängig davon, wie Arbeit und Zugriff auf Finanzen verteilt sind.

Ich bin gespannt auf die Studie. Wenn einer an sie rankommt, dann bitte mitteilen.

Ich bin auch gespannt, ob und wie dieses mal die hier bestehende Szene aus verschiedenen Blogs etc dargestellt wird.

Status macht attraktiv: Adolf Hitler

Der Spiegel berichtet über Post von „Groupies“, die Adolf Hitler Liebesbriefe schrieben. An seinem Aussehen wird es nicht gelegen haben:

Adolf Hitler entsprach nicht dem arischen Schönheitideal

Adolf Hitler entsprach nicht dem arischen Schönheitideal

Eher klein mit 1,73 m, nicht sportlich, nicht blond und blauäugig und nicht ansonsten attraktiv, aber immerhin mit Schnurrbart und markanter Frisur als Markenzeichen würden Frauen heute schlicht an ihm vorbeigehen und ihn ansonsten für vollkommen unattraktiv halten.

Aber er hat um sich herum einen „Führerkult“ aufgebaut, der ihm einen erheblichen Status zusprach und ihm zu der wichtigsten Person überhaupt machte. Und die damit verbundene Macht und die Wichtigkeit verändert eben auch die Attraktivität für Frauen, die ihm einen solchen Status zuweisen.

Zu den Briefen:

Die vergilbten Seiten riechen nach Staub und gegorenem Orangensaft. Auf ihnen schimmern Liebsschwüre in blauer oder türkisfarbener Tinte. Die oft schwer leserlichen Handschriften sind über die Jahre stark ausgeblichen, einige von ihnen hat das durstige Papier bis zur Unkenntlichkeit aufgesaugt. Fotos von lächelnden Menschen und Postkarten mit Blümchenmotiven liegen wild zwischen den Blättern. Die Dokumente füllen Hunderte Seiten, zusammen bilden sie ein Mosaik personifizierter Geschichte.

Manche der liebestollen Frauen verfassten durchaus sachlich gehaltene Anschreiben: „Lieber Führer Adolf Hitler! Eine Frau aus dem Sachsenland wünscht sich ein Kind von Ihnen“, heißt es da. Andere schickten schmachtende Lobgesänge: „Du süßestes herzensbestes Lieb, mein Einziges, mein Allerbester, mein trautest und heißest Geliebtes. Weißt Du, heute könnte ich Dir gar nicht genug Namen geben, heute möchte ich Dich vor lauter Lieb‘ auffressen. Was würden aber da die anderen sagen?“ Einige der Briefe sind Beweis der Wahnvorstellungen ihrer Verfasserinnen („Du gibst mir über Rundfunk so viel zu verstehen“) und so manch einer ist eine patriotische Offenbarung von ganz besonderem Kaliber: „Ich küsse Dich auf Deine 4 Buchstaben und tue Front frei, damit Du fühlst wie lieb ich Dich hab.“

Aus einem anderen Artikel:

Die französische Schriftstellerin Diane Ducret meint in einem Zeitungsartikel der Daily Mail vom 8. Oktober 2007, dass „Hitler mehr Briefe weiblicher Fans erhalten hatte, als Mick Jagger und die Beatles zusammen“.(…)

Die Inhalte der Briefe und Karten muten komisch an. Auf einer Postkarte mit Märzenbechern schreibt ein Fan im Dezember 1940 an Adolf Hitler: „Süßes Adilie! Gleich will ich Dir wieder herzliche Grüße nach der Ostfront schicken. Wirst Du lange dort bleiben? Innige Küsse, Dein Ritschilie.“ Ob es sich bei dem Kartenschreiber um einen Mann oder eine Frau handelt, bleibt offen. „Lieber Dolfi! Du niedlicher Führer! Komm doch zu mir, ich gebe Dir mit heißem Herzen alles, was Du Dir von einer Frau wünschst…!“ steht auf einer Karte, abgestempelt in Gelsenkirchen.

Status macht eben attraktiv. Und bringt einem die Aufmerksamkeit und das Begehren von Frauen

Liebesbrief Hitler

Liebesbrief Hitler

Wenn man hoch genug steht und es schafft einen positiven Kult (positiv in dem Sinne, dass einen Leute für bedeutend und wichtig halten, sei es auch aus den falschen Gründen) um seine Position zu erzeugen, wenn man dazu noch tatsächliche Macht hat, dann wird man auch immer Groupies haben.

Vergleiche auch:

Die Hosentaschenmafia und das Handtaschenkartell oder wie der Feminismus eine Verschwörung gegen Frauen aufdeckt (aber unfähig ist zu reagieren)

Es ist einer dieser aus meiner Sicht unglaublich dummen Artikel, bei denen ich mich immer wieder frage, wie man so etwas vertreten kann:

Man kann es sich einfach machen und dem Internetorakel gutefrage.net vertrauen. Demnach sind Hosentaschen für Frauen nur deswegen kleiner als bei Männern, weil deren Hände nicht so groß sind. Eine Erzählweise, die ablenkt und dem Handtaschenkartell gefallen würde. Tatsächlich ist der Sachverhalt komplexer, krimineller. Hinter jeder Hosen­tasche einer Frau steht ein Handtaschenhersteller, der gerissen die Fäden zieht.

Es geht um Macht, um Geld, um Einfluss. Und einen bis in die letzte Faser kapitalistischen Geheimbund, der es über die Jahre geschafft hat, enormen Einfluss auf etwa die Hälfte der Gesellschaft zu entwickeln. Opfer ist die Frau.

Mafiöse Strukturen üben ständig Druck auf die Hosentaschenlobby aus. Ja, diese Lobby gibt es wirklich, nur ist sie schlecht organisiert. Frauen aller Länder, vereinigt euch! Sprechen Sie mal eine x-beliebige Frau auf ihre Hosentaschen an. Nach einem kurzen, verständlichen Moment der Verwirrung werden Sie schnell feststellen, dass ihr das Problem vertraut ist und sie in Rage bringt.

Ich habe extra zweimal geschaut, ob da irgendetwas von Satire steht oder ob man es sonst irgendwie unter Humor einordnen kann, aber es scheint mit tatsächlich ernst gemeint zu sein. Ich habe über die „Hosentaschenverschwörung“ auch schon an anderer Stelle gelesen und es scheint mir als würden Feministen tatsächlich davon ausgehen, dass da ein Handtaschenkartell sich gegen Frauen verschworen hat.

„Put some real fucking pockets on my pants“, fordert die amerikanische YouTuberin „Hollishillis“. Gebt ihr doch verdammt noch mal endlich echte Hosentaschen! Per Definition sind echte Hosentaschen zum Unterbringen von Dingen bestimmt, die jemand bei sich tragen möchte. Frauenhosentaschen allerdings sind nicht dazu da, diesen Zweck zu erfüllen. Frauenhosentaschen sind dafür viel zu klein. Sie taugen höchstens zum Fingernägelaufwärmen.

Obwohl alle Frauen dieses Platzproblem teilen, gehen nur wenige auf die Barrikaden, um für mehr Platz in ihren Hosentaschen zu kämpfen. Das Handtaschenkartell legt beruhigt den kleinen Finger in den Mundwinkel und lacht sich eins.

Weil sie eben Handtaschen haben. Das sich die Hosen mit großen Taschen nicht verkaufen, weil Frauen sich selbst so entscheiden kommt erstaunlicherweise in dem Text nicht vor. Stattdessen ist eine Youtuberin plötzlich die Stimme aller Frauen.

Dieses hatte schon vor etwa 150 Jahren damit angefangen, stetig seine Macht auszubauen. Sowohl Handtaschenkarteller als auch Hosentaschenlobbyisten unterwarfen sich einem gesellschaftlichen Diktat: „Je zierlicher die Frau, desto attraktiver.“

Oder das ist schlicht so und die Frauen wollten gerne attraktiver wahrgenommen werden (intrasexuelle Konkurrenz lässt grüßen) und sind daher und weil sie eh mehr mit sich herumtragen mussten (von Schminkzeug bis Tampons oder Binden) eher auf Taschen ausgewichen.

Handtaschen entwickelten sich danach indirekt pro­portional zu den Hosentaschen. Je größer die Tasche am Arm, desto kleiner die Tasche am Bein. Je größer die Tasche am Arm, desto zierlicher erscheint die Frau. Es war nur eine Frage der Zeit, bis erste Handtaschenhersteller die Chance witterten und ihre Marktmacht durch Hand- und zusätzlich Zu-kleine-Hosentaschen-Verkauf sicherten. Die Hosentasche machte sich überflüssig. Sie ließ sich vom Handtaschenkartell abschaffen.

Da hat jemand nicht verstanden, wie Kapitalismus funktioniert. Das Handtaschenkartell kann Hosentaschen eben gerade nicht verbieten. Wenn ein enormer Bedarf an großen Hosentaschen bestehen würde, dann würde irgendjemand sie herstellen oder Frauen würden eben zB auf entsprechende Hosen ausweiche, die es natürlich gibt, zB diese oder diese  zurückgreifen.

Heute ist die „Skinny Jeans“ eine der meistgetragenen Frauenhosen, die Hüfthose ist etabliert. Deren Kreateuren geht es vor allem darum, dass der Arsch gut aussieht und die Waden nicht zu krass spannen. Eng ist gut, und für Taschen, in die etwas hineinpasst, das die Hüften ausbeult, ist in der Hose kein Platz. Die Handtasche übernimmt den Rest: Portemonnaie, Schlüsselbund und, wenn nötig, ein umfangreiches Survival-Kit.

Und den Käuferinnen geht es wahrscheinlich ebenso darum, dass es gut aussieht. Was ja auch ein Wert für sich sein kann.

Doch es gibt sie, die Frauen, die immer wieder versuchen, das zu ändern. Mit Hosen. Mit anderen Hosen. Die Sängerinnen Lady Gaga oder die Schauspielerin Selena Gomez tragen sie „highwaisted“, das heißt weit über den Hüften, sodass reichlich Platz für fette Hosentaschen ist. Es sind Hosen, die nach einer Deklination von Beziehungs- und Verwandtschaftsstatus klingen. Sie heißen Mom-, Girl­friend- oder Boyfriend-Jeans. Modemagazine schreiben ihnen in den Beipackzettel: „Derartige Jeans lassen das Hinterteil breiter und flacher wirken. Sie sollen möglichst unmodisch aussehen und verlangen deswegen ordentlich Selbstbewusstsein.“

Die High Waist Hosen sind meines Wissens nach nicht durch Hosentaschen bekannt geworden. Sie werden ebenfalls aus rein modischen Aspekten getragen, wohl auch weiterhin mit Handtasche. Ich persönlich finde sie stehen den allermeisten Frauen nicht, es wäre interessant, ob Frauen vielleicht den Aspekt, dass sie die Beine länger wirken lassen eher attraktiv finden als Männer oder ob es geradezu ein Costly Signal unter Frauen ist, solche Hosen zu tragen. Dagegen spricht, dass viele Frauen sie tatsächlich hübsch finden, was ich nach wie vor nicht verstehe. Es würde mich aber tatsächlich mal interessieren, ob sie überhaupt tiefere Taschen haben.

Selbstbewusstsein, das die Hosentaschenlobby auch gebrauchen kann. Es geht nicht darum, einen Geschäftszweig zu zerstören, sondern darum, einen zu stärken. Eine starke Hosentaschenlobby bedeutet Freiheit. Die Freiheit der Frau, selbst zu wählen, ob sie Wertsachen oder was auch immer in ihre Hosentaschen steckt oder in eine Handtasche packt. Es geht um die Befreiung aus der Unmündigkeit. Wer künftig eine Handtasche tragen will, soll dies tun, aber selbstverschuldet und nicht durch den Einfluss eines unbändigen Handtaschenkartells, das sich die Verkäufe durch zu kleine Hosentaschen sichert.

Ich finde es ja schon deswegen so erstaunlich, dass man so etwas wirklich glauben kann, weil jeder, der wirklich meint, dass Frauen nach tieferen Taschen lechzen, die nur eine Handtaschenmafia verhindert, ein unglaubliche Geschäft wittern müsste. Heutzutage kann jeder in China Kleidung herstellen lassen und Jeans sind nicht gerade kompliziert. Man nehme ein gewisses Kapital, welches bei einer so brillianten Idee ja leicht zu beschaffen sein sollte, stelle nach gängigen Schnittmustern Jeans her, in die man einfach tiefere Taschen macht, mache etwas Werbung und starte mit ein paar Geschäften in großen Städten und schon müssten einem die Frauen die Hosen aus der Hand reißen. Ich hatte bereits an anderer Stelle darauf hingewiesen, dass diese geschäftliche Zurückhaltung des Feminismus unerklärlich ist, sie lassen, wenn sie tatsächlich daran glauben, Geld auf der Straße liegen.