„Die Ehefrau durfte bis in die 70er Jahre nicht ohne Erlaubnis des Ehemannes arbeiten“

Gerade stieß ich in einer Diskussion wieder auf das Argument, dass Frauen bis in die 70er eine Erlaubnis des Ehemannes benötigten um Arbeiten zu dürfen und war mir sicher, dass ich einen Artikel dazu habe. Hatte ich aber anscheinend nicht oder habe ihn nicht gefunden. 

Immerhin ist es in den Kommentaren diskutiert worden:

Dummerjan

(1) Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung.
[2] Sie ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist.

(2) Jeder Ehegatte ist verpflichtet, im Beruf oder Geschäft des anderen Ehegatten mitzuarbeiten, soweit dies nach den Verhältnissen, in denen die Ehegatten leben, üblich ist.“


Daraus willst Du die gesetzliche Hausfrauenehe konstruieren?
Das ist schierer Unsinn. Was dort steht heißt übersetzt:
DIe Frau führt den Haushalt und der Mann hat dort die Klappe zu halten und das Geld dafür zur Verfügung zu stellen. Doort steht kein „soll, muß“ o.ä.
Der Palandt von 1953 enthielt bereits einen Verweis darauf, daß eben der von Dir gezogene Schluß auf eine Hausfrauenpflicht nicht zu ziehen sei und auch dem Grundgesetz widerspräche (gilt auch für BGB 1358). Aber auch vorher bestand diese Pflicht nicht, jedoch war immer der Haushaltsführungsvorbehalt durch den Ehemann einklagbar. Es war aber eine Untersagung erforderlich und nicht, wie so oft behauptet, eine Genehmigung der Berufstätigkeit der Ehefrau, was völlig verschiedene Dinge sind.
Und mal ehrlich: Hast Du eine Idee davon was es Anfang des Jahrhunderts bedeutete Arbeiten zu gehen (12h Tag) und einen Haushalt zu führen? Letztlich handelte es sich hier um eine gesetzliche Rollenzuweisung: Wenn Du Ehefrau und von Mann unterhalten, dann DU Haushalt. Und es galt auch umgekehrt: Wenn Du Ehemann, dann bitte unterhalte Frau und Kinder.
Wir haben ähnliche Rollenzuteilungen auch heute noch: Für Kinder. Gern können wir diese Kinderdiskriminierung abschaffen…

vR direkt darunter:

Das Privileg der Hausfrauenehe war in der Tat ein Privileg, das die Frauen lange verteidigt haben.

Eigentlich sollte die entsprechende Regel §1358 BGB bereits 1958 fallen. Nach der zehnjährigen Erprobungsphase der BRD-Gesetze, die zum großen Teil aus den alten Gesestzesvorschriften der vorangegangenen deutschen Reiche übernommen worden sind, sollten alte Zöpfe, u.a. auch der §1356, fallen.

Man muss dazu wissen, dass dieses Gesetz zuvor, vor Gründung der BRD, ausschließlich zum Schutz des Kindswohls angewendet wurde: gab es ein versorgungsbedürftiges (kleines!) Kind, dann konnte der Ehemann vor dem Vormundschaftsrichter ein Urteil beantragen, das es der Frau untersagte, eine ansonsten unanfechtbare Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Nur der Richter konnte (und nur unter ganz bestimmten Umständen) der Frau die Tätigkeit zugunsten des Kindes untersagen, der Ehemann selbst – konnte das nie! Insofern bestand aus Männersicht schon eine hohe Hürde, um evtl Meinungsverschiedenheiten zu klären: der Rechtsweg zum Gericht war angesagt.

Es hat bis 1958 (und auch danach) keinen einzigen Fall in der BRD gegeben haben, in dem der §1358 BGB von einem Mann gegen seine Frau vor Gericht angewendet wurde! Für die Männer und Frauen der BRD hat der § nie eine Rolle gespielt!

Das Gesetz war insofern bereits seit langem anerkannt völlig überflüssig. Es konnte weg.
1958 sollte das er fallen: die – überwiegend Männer- des Deutschen Bundestages wollten den §1358 BGB nicht verlängern. Er wäre 1958 sang- und klanglos ausgelaufen. Verschwunden.

Aber: aus den Reihen der CDU-Frauenunion kam in letzter Sekunde erheblicher Widerstand. Es ging den Frauen dabei nicht darum, dem Patriachen in der Ehe den rein theoretischen Rechtsweg zum Vormundschaftsrichter zu erhalten. Ach was!

Warum habend die Frauen also so an der Bestimmung festgehalten?

Die nur auf dem Papier bestehende und nie angewendete Möglichkeit, mit diesem § einer Frau eine Erwerbstätigkeit richterlich untersagen zu lassen, war die eine Seite der Medaille. Die andere Seite hieß, insbesonder in Verbindung mit dem § 1356 BGB: Frauenprivileg, und zwar erheblich! Die Frauen wollten dieses Privileg nicht aufgeben! Auf Grund des zähen anhaltenden Widerstands der CDU-Frauenunion fielen diese Vorschriften darum letztlich erst 1977, lange nachdem die Wirtschaftswunderjahre und die Zeit der Vollbeschäftigung vorbei waren.

Das Hausfrauenprivileg:
Man muss sich dazu daran erinnern, dass es in den 50ern einen gehörigen Frauenüberschuss gab. Kriegsbedingt waren Männer – knapp. Weil sie tot waren. Oder verschollen. Die Männer die noch da waren, waren in Zeiten des Wirtschaftswunders gesuchte Arbeitskräfte. Vollbeschäftigung, steigende Löhne, es ging aufwärts! Zunächst begründete also das Ehefrauendasein einen gewissen bürgelichen bequemen Wohlstand auf Grundlage des Erwerbseinkommens des unterhaltsverpflichteten Ehemanns.

Der Anteil der Arbeit, die mit der Hausfrauentätigkeit verbunden war, reduzierte sich in den 50er Jahren erheblich: die Wirtschaftswunderanschaffungen Waschmaschine, Elektroherd, Kühlschrank und Staubsauger erleichterten den Hausfrauenalltag enorm! Die Zahl der kinderreichen Familien nahm rapide ab: die Anzahl der Kinder/Familie sank, und der Arbeitsaufwand für die Kinder nahm entsprechend auch ab. Ein durchaus angenehmes Leben! Eine sehr verlockende Chance also für jede Frau, sich einen der noch zu habenden, ledigen, heiratsfähigen und wirtschaftlich zukunftsträchtigen Männer zu angeln, und dann von diesem sofort nach Recht und Gesetz VOLL versorgt zu werden.

Jeder der in Saft und Kraft und Lohn und Brot stehenden Männer war, kein Wunder, selbstverständlich ein beliebtes und begehrtes Objekt der Begierde für die große Mehrheit der heiratswütigen Kriegerwitwen und ledigen Frolleins: Wirtschaftswunder, Vollversorgung bis ans Lebensende, DAS bedeutete das Privileg, eine verheiratete Hausfrau sein zu dürfen!

Den Frauen in den 50er Jahren war immer durchaus bewusst, welche Vorteile sie auf Grund der Hausfrauenehe nach dem damaligen BGB hatten. Sie wussten, dass dies ein echtes Frauenprivileg war und haben entsprechend lange um ihren Erhalt gekämpft.

Die Hausfrauenehe war nie das Unterdrückungsinstrument, zu dem u.a. die HERstory-Geschichtsschreibung sie verzerren will. Sie war, wie gesagt, ein Frauenprivileg! Was sie eigentlich immer noch geblieben ist, bis heute.

Wenn es nach dem Willen der Männer gegangen wäre, dann wäre dieses Privileg schon vor Jahrzehnten, 1958, abgeschafft worden…

Dummerjan wieder:

https://dejure.org/gesetze/BGB/1356.html 

Dort: Ältere Fassung
Palandt Kommentar zum BGB aktuell 76. Auflage 2016
Die einschlägige Fassung ist die 11. Auflage von 1953
Uwe Wesel, Geschichte des Rechts, 2. Aufl. 2001, Rdnr. 334 S. 557; zur Entstehungsgeschichte des GlBerG vgl. Ramm, Juristenzeitung 1968, S. 43 Fn. 7


II. Buch. II. Abschnitt. Ehe.

Der Ehemann als Schützer des Hauses hat diese Befugnis, denn sonst läßt sich ein Eindringen von Unlauterkeiten und Schlechtigkeiten in das Haus nicht verhüten (§ 1354 BGB.). Daraus ergibt sich endlich, daß der Ehemann einer geistes-kranken Frau die nötigen Vorsichtsmaßregeln anwendenmuß, um das Publikum zu sichern, und daß er dafür nach § 832 verantwortlich ist 1 ).

Daher kann auch der Ehemann seiner Frau den Betrieb eines Geschäfts insofern verbieten, als es die eheliche Wohnung mit in Anspruch nimmt. Will sie das Geschäft anderswo aufmachen, so kann der Mann sie nicht direkt hindern, er kann es aber indirekt tun, indem er eine Ordnung des Hauswesens einführt, welche mit dem Geschäft unverträglich ist.

Dem muß sich die Frau fügen, sofern die Bestimmung des Mannes nicht mißbräuchlich ist. Fügt sie sich nicht, so kann er ihr Unterhalt und Zusammenwohnen verweigern. In einem Falle kann er sich auch außerhalb des häuslichen Kreises in die Geschäftsangelegenheiten der Frau einmischen: er kann ein Dienstverhältnis, welches die Frau zu persönlichen Leistungen verpflichtet, kündigen, falls er nicht seinerzeit die Zustimmung hierzu erteilt hat, ist aber bei der Kündigung an die Genehmigung des Vormundschaftsgerichts gebunden (§ 1358 BGB.). Auch ein Werkvertrag oder ein Auftragsgeschäft, welches die Frau zu persönlichen Leistungen verpflichtet, gehört hierher, z. B. wenn sich eine Sängerin zu einem Gastspiel, eine Architektin zu einem Hausbau, eine Dilettantin zu einer Wohltätigkeitsvorstellung verpflichtet hat. Die Kündigung erfolgt kraft persönlichen Übergriffs aus der Sphäre des Mannes in die der Frau.

III. Die tatsächliche Übung des Hausstandes führt zum Besitz des Mannes an den dem Hausstand anvertrauten Sachen, nach den Grundregeln des Besitzes 2 ). Ein Mitbesitz der in Gemeinschaft lebenden Frau liegt vor, aber ein Mitbesitz untergeordneter, der Eigenart der Ehefrauenstellung entsprechender Art 3 ). “ aus Lehrbuch des Bürgerlichen Bechts
Von Dr. Josef Kohler
Geheimer Justizrat
ord. Professor an der Universität Berlin
Dritter Band, erster Teil
Familienrecht
Berlin
Carl Heymann
1915

Gern vergessen wir auch die Schlüsselgewalt der Frau im Haushalt gegen die auch der Ehemann nur gerichtlich vorgehen konnte:
„1. Wenn der Mann die Schlüsselgewalt der Frau beschränkt oder ganz aufhebt, und wenn die Frau behauptet, daß hierin ein Mißbrauch seines Rechts liegt, so kann das Ehegericht eingreifen und die entziehende oder beschränkende Verfügung des Mannes aufheben (§ 1357 BGB.) 3 ).
„(ebenda) https://de.wikipedia.org/wiki/Schl%C3%BCsselgewalt
M.a.W. zur Deckung des Haushaltsbedarfes durfte die Ehefrau auch ohne dessen Einwilligung beliebige Rechtsgeschäfte vornehmen. Diese waren bis zum gegenteiligen bescheid rechtsgültig. Auch das wurde abgeschafft. Zur Erleichterung vieler Ehemänner.

Recht ist kein Rosinenpicken in Paragrafen, sondern ein abgestimmtes Verhältnis von Rechten und Pflichten.

Und vR wieder auf die Frage nach Quellen:

@Matze:
leider nicht ausreichend. Diese Dinge habe ich vor bald 2 Jahren gelesen, in einem Fachartikel, im Zusammenhang mit den anderen Mythen über die „Trümmerfrauen“, die es so nicht gegeben hat, und die weitestgehend falschen Schauergeschichten „Frauen durften kein Konto haben und Vergewaltigung in der Ehe war legal!“.

Ein Satz damals, den der wohl juristisch versierte Artikelverfasser so brachte: „Es wäre mal eine Aufgabe für einen Rechtshistoriker herauszufinden, ob es jemals in der Geschichte der BRD einen solche Fall gegeben hat, wo ein Mann vor Gericht gegangen ist um seiner Frau die Arbeitsaufnahme untersagen zu lassen. Ich persönlich habe jedenfalls keinen Fall gefunden. Vielleicht ist ja jemand anderes erfolgreich!“ (so in etwa stand das da, zitiert aus dem Langzeitgedächtnis).

Ich habe ad hoc nur etwas über den 1358 bei wikimannia gefunden: http://de.wikimannia.org/1358_BGB
Hier wird darauf hingewiesen, dass die zeitgenössische Kommentierung ausdrücklich die Nichtanwendung von 1358 ZWINGEND geboten sah, wegen der überragenden Bedeutung des Art 3 Grundgesetz. Die 50-er Jahre-Juristen waren nach damaliger herrschender Meinung der Auffassung, dass §1358 BGB nicht(mehr) anwendbar war! Zumindest was die Möglichkeit der Beschränkung der Berufsausübung einer Ehefrau betraf.

Das würde auch erklären, warum es gar keine tatsächlichen Anwendungsfälle mehr in der BRD gegeben hat.

Es scheint mir also relativ leicht, unter Verweis auf diese alten BGB-Kommentare festzustellen: kein Mann hatte in der BRD seit Inkratftreten des GG jemals das Recht, seiner Frau die Berufsausübung zu verbieten! Und keiner hat es je vor Gericht versucht!

Über die Einflussnahme der CDU-Frauenunion zur Erhaltung des Hausfrauenprivilegs und der Verschiebung des Gesamtpakets der Abschaffung der §§1356, 1358 usw BGB habe ich so ratz fatz bislang nichts gefunden. Ich fürchte, dass ich nach dem Artikel suchen muss, den ich vor langer Zeit gelesen habe. Das wird schwierig – keine Ahnung wo und wann das genau war…. Oder ich müsste in zeitgenössischer Presse, Archiven und Parlamentsprotokollen recherchieren. Wozu mir leider Zeit und Möglichkeiten fehlen.

Und hier noch mal die Regelungen des BGH in den jeweiligen Fassungen:

a) 1900

§ 1354 BGB i.d.F. v. 18.8.1896, RGBl 1896, 195 m.W.v. 1.1.1900

1Dem Manne steht die Entscheidung in allen das gemeinschaftliche eheliche Leben betreffenden Angelegenheiten zu; er bestimmt Wohnort und Wohnung.

2Die Frau ist nicht verpflichtet, der Entscheidung des Mannes Folge zu leisten, wenn sich die Entscheidung als Mißbrauch seines Rechtes darstellt.

§ 1356 BGB i.d.F. v. 18.8.1896, RGBl 1896, 195 m.W.v. 1.1.1900

1Die Frau ist, unbeschadet der Vorschriften des § 1354, berechtigt und verpflichtet, das gemeinschaftliche Hauswesen zu leiten.

2Zu Arbeiten im Hauswesen und im Geschäfte des Mannes ist die Frau verpflichtet, soweit eine solche Thätigkeit nach den Verhältnissen, in denen die Ehegatten leben, üblich ist.

 

b) ab 1958 BGB

§ 1356 BGB i.d.F. des Gleichberechtigungsgesetz v. 18.6.1957, BGBl I 1957, 609 m.W.v. 1.1.1958

1Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung.

2Sie ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist.

3Jeder Ehegatte ist verpflichtet, im Beruf und Geschäft des anderen Ehegatten mitzuarbeiten, soweit dies nach den Verhältnissen, in denen die Ehegatten leben, üblich ist.

c) ab 1977

§ 1356 BGB i.d.F. des Ersten Gesetzes zur Reform des Ehe- und Familienrechts (1. EheRG) v. 14.6.1976, BGBl I 1976, 1421 m.W.v. 1.1.1977

(1) 1Die Ehegatten regeln die Haushaltsführung im gegenseitigen Einvernehmen.

2Ist die Haushaltsführung einem der Ehegatten überlassen, so leitet dieser den Haushalt in eigener Verantwortung.

(2) 1Beide Ehegatten sind berechtigt, erwerbstätig zu sein.

2Bei der Wahl und Ausübung einer Erwerbstätigkeit haben sie auf die Belange des anderen Ehegatten und der Familie die gebotene Rücksicht zu nehmen.

Gerne ergänzen

29 Gedanken zu “„Die Ehefrau durfte bis in die 70er Jahre nicht ohne Erlaubnis des Ehemannes arbeiten“

  1. Wie schon in den zitierten Kommentaren erwähnt, räumte der seit 1958 nicht mehr existierende § 1358 des BGB die eher theoretische Möglichkeit ein, dass der Ehemann beim Vormundschaftsgericht beantragt den Arbeitsvertrag der Ehefrau zu kündigen, wenn „die Thätigkeit der Frau die ehelichen Interessen beeinträchtigt„. Es ist kein einziger Fall bekannt, wo ein Ehemann auch nur versucht hat, diesen Antrag zu stellen. Fakt ist aber auch, dass der Paragraph 1358 des BGB bereits 1958 ersatzlos gestrichen wurde. Martin Rath hat dies in seinem Artikel Ver­län­gertes Haus­frau­en­leid durchs Gleich­be­rech­ti­gungs­ge­setz? sehr gut dargestellt.

    Kaum eine populäre Darstellung des Gleichstellungsgesetzes von 1957 kommt jedoch ohne den Hinweis aus, dass erst im Jahr 1977 eine ausschließliche Pflicht der Ehefrau, den Haushalt zu versorgen, abgeschafft worden sei.

    Gern wird dabei nahegelegt, bis 1977 sei es dem Gatten möglich gewesen, seiner Ehefrau die Aufnahme oder Fortführung eines Arbeitsvertrags zu verbieten, diesen gegen ihren Willen zu kündigen. Im „Breitbart“ für die akademisch gebildete Feministin heißt es beispielsweise zur Reform von 1977:

    „Mit der Eheschließung war Frau Schlunz gesetzlich ‚zur Führung des Haushalts verpflichtet‘. Berufstätig durfte sie nur sein, wenn sie ‚ihre familiären Verpflichtungen nicht vernachlässigt‘. Fand der Ehemann, das sei der Fall, konnte er die Stelle seiner Frau kündigen, ohne sie auch nur zu fragen.“

    Ein Blick ins historische Gesetz zeigt: § 1358 BGB erlaubte es tatsächlich bis zum 1. Juli 1958 dem Ehemann, Dienstverträge seiner Frau zu kündigen, allerdings nur, „wenn er auf seinen Antrag von dem Vormundschaftsgerichte dazu ermächtigt worden ist“. Bereits der Gesetzgeber des Jahres 1896 hatte den Ehemann also nicht in völlige selbstherrliche Verfügungsgewalt über die Arbeitskraft seiner Frau gesetzt. Diesen § 1358 BGB hob das Gleichstellungsgesetz vom 18. Juni 1957 auf, nicht erst die nächste große Eherechtsreform von 1977.

    Die ganze Beweislast für die Behauptung, Männer hätten bis 1977 ihre Gattinnen aus den Arbeitsverträgen kündigen können, trägt daher die Haushaltsführungsnorm, § 1356 Abs. 1 BGB. Ihr Wortlaut zwischen dem 1. Januar 1900 und dem 1. Juli 1958:

    „Die Frau ist, unbeschadet der Vorschriften des § 1354, berechtigt und verpflichtet, das gemeinschaftliche Hauswesen zu leiten.“

    Das Gleichberechtigungsgesetz 1957 formulierte die bis 1977 geltende Fassung:

    „Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung. Sie ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist.“

    Datenbankrecherchen zu einer gerichtlichen Entscheidung, die die Kündigung des Arbeitsvertrages einer Frau durch ihren Gatten, sei es auf der Grundlage des § 1356 Abs. 1 BGB von 1900 oder 1958 bestätigten – oder auch nur als Tatbestand behandelten – blieben ergebnislos. Gleichwohl heißt es selbst noch in der öffentlich-rechtlichen Kolportage, der Sieg über das Patriarchat sei 1977 errungen worden.

    Im stets unsicheren Zeitzeugenurteil wird das Bild einer in den 1950er Jahren noch inferioren Frau gezeichnet, beispielsweise unter dem Titel „Als der Mann noch gottgleich war“. 50 Jahre nach Inkrafttreten des Gleichstellungsgesetzes vom 18. Juni 1957. Ein Beleg für Unterdrückung soll hier etwa die mangelnde Kontoführungskompetenz der Hausfrau geben. Passt das?

    Bis zur flächendeckenden Einführung des Girokontos, die erst in den 1960er Jahren erfolgte, wurde das Familieneinkommen in Bargeld verwaltet, regelmäßig von nur einem der Eheleute. Zeitzeugenschaft mag empirisch für die Katz sein, aber den Satz: „Alles, was mit wirtschaftlichen, finanziellen Dingen zu tun hatte, war meine Sache“, hört und liest man für diese Epoche wirklich selten aus dem Mund eines Mannes – auch im hier verlinkten Artikel ist es der einer Frau.

    Doch natürlich muss die – oftmals, zumeist nahezu immer vollständige? – Hoheit der Ehefrauen über das Bargeld der Familie im Zeitalter vor dem Girokonto herabgemindert werden auf ein: „Autorität übten die Frauen nur im Binnenverhältnis der Ehe aus“, damit das Bild vom patriarchalen Horror des bürgerlichen Rechts nur keine Brüche bekommt.

    Die – unbestritten – antiquierte Regelungen zur Haushaltsführung sowie die zwischen dem 1. Januar 1900 und dem 30. Juni 1958 nur vormundschaftsrichterlich begrenzte Verfügungsmacht des Ehemanns nach § 1358 BGB konnten übrigens nicht nur durch die soziale Wirklichkeit an Wirkungsmacht verlieren oder ins Gegenteil verkehrt werden – auch ehevertraglich abbedingen ließen sie sich.

    Vermutlich wird dies nicht verhindern, dass auch zum 60. Jahrestag des Gleichstellungsgesetzes von 1957 der Satz: „Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung“ kolportiert wird, als habe es sich um eine bis 1977 polizeirechtlich exekutierte Norm gehandelt.

    • Die Artikel von Rath sind sehr wichtig, das ist die einzige – zumindest mir – bekannte Quelle, die glaubwürdig aufgrund einer Datenbankrecherche behauptet, das Gesetz sei nie angewandt worden.

      Nach meinem Verständnis war übrigens der § 1356 BGB letzmalig am 31. März 1953 anwendbar, wegen der Übergangsregelung in Art. 117 GG, Details s. hier

  2. Ich befürchte auch hier hat die feministische Propaganda bereits Früchte getragen. Für diejenigen die Frauen unbedingt als benachteiligt sehen wollen, sei es um eigene Versäumnisse zu entschuldigen, Männerdiskriminierung heute zu rechtfertigen oder um sich als selbstloser Retter fühlen zu können , ist die Vorstellung das Männer Frauen unterdrückt gaben anscheinend attraktiv.

    • „Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft. Wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.“ (George Orwell)

    • Etwas deutlicher ist das übrigens noch bei den alten Fassungen des §177 StGB. In der Medienberichterstattung wird in Zusammenhang mit der Reform von 1997 wird oft impliziert, dass a) Vergewaltigung in der ehe bis dahin völlig straffrei war und b) dieser Paragraph frauenfeindlich gewesen sei und jeder, der gegen die Änderung gestimmt hatte, dies aus Frauenhass getan habe.

      Fakt ist jedoch, dass a) die Vergewaltigung in der Ehe auch vor 1997 schon als sexuelle Nötigung strafbar war und b) der Vergewaltigungsparagraph bis zu diesem Zeitpunkt noch eine ganz andere Gruppe als Opfer ausgeschlossen hatte: Nämlich ALLE Personen männlichen Geschlechts. Zudem konnten verheiratete Männer weder Opfer einer Vergewaltigung noch Opfer einer sexuellen Nötigung sein. Die Gesetzgebung war bis dahin also mindestens genauso männer- wie frauenfeindlich, was in der Berichterstattung völlig untergeht.

  3. Komisch. In all diesen Normen steht immer nur etwas von „Haushalt leiten“ und „Haushalt führen“, aber nie von „Haushalt verrichten“. Ich sehe einen großen Unterschied, ob die Frau die Befehle gibt und Knecht, Kinder, Ehemann sagt, was die zu tun haben – oder ob sie selbst Hand anlegt (z.B. an den Startknopf ihrer Miele).

    Das Privileg der Hausfrau bestand/besteht also nicht nur darin, nicht erwerbstätig sein zu müssen und sich auf die Versorgung durch den Mann verlassen zu dürfen – sondern auch darin, das häusliche Geschehen zu bestimmen und zu beherrschen. Das häusliche Geschehen ist aber seit jeher der Mittelpunkt für alle dort Lebenden. Und an dieser zentralen Stelle bestimmt offenbar schon seit Jahrhunderten mit gesetzlicher Untermalung nur eine – die Frau.

    Es ist wirklich eine bemerkenswerte feministische Kunst, daraus eine Unterdrückung und Benachteiligung abzuleiten, die sich in den Köpfen aller als Eindeutigkeit festgesetzt hat.

  4. Das feministische Ideal ist die berufstätige Frau. Und hierbei die Frau die möglichst weit oben in der Karriereleiter steht.
    Ein Ideal das wohl mehr eine Projektion der Wünsche der Feministinnen ist die halt eben nicht pars pro toto für alle Frauen stehen sondern nur ein kleiner Ausschnitt sind.

    Für die meisten Frauen mit kleinen Kindern oder einem Haushalt ist halt eine Vollzeit-Berufstätigkeit kein Ideal sondern eine ökonomische Pflicht.

    • „Das feministische Ideal ist die berufstätige Frau. Und hierbei die Frau die möglichst weit oben in der Karriereleiter steht.“
      Das sehe ich anders. Das ideal war/ist die vom Mann unabhängige Frau. Der Begriff „emanzipiert“ muss man heute wieder suchen, war aber mal sehr gängig.
      Ich bin tatsächliche der Überzeugung, dass das Bild der unabhängigen Frau, die sich durch Lohnarbeit befreit, ein von Vertretern der Arbeitgeber, der Neuen-Sozialen-Marktwirtschaft und Gewerkschaften erschaffenes Bild ist, dass vorallem im Kapf um niedrige Löhne und dem Mangel an Fachkräften erschaffen wurde. Alleine die Vorstellung, dass 50% der Bevölkerung als Humanresource ungenutzt faulenzt und von den anderen 50% finanziert wird, muss als einem als Ökonom Schwindel und Schweißausbrüche verursachen.

      Rational wäre es, sich als Mann nach hinten zu lehnen und die Hausfrauenprivilegien aus den 50er Jahren zu geniesen. Lasst die Alte malochen gehen (sie ist ja eh besser qualifiziert), kümmere dich als Vater um die Brut und dann lass dich staatlich alimentieren, weil du strukturelles Opfer des System bist. Herrlich.

      • Komplette Unabhängigkeit im feministischen Sinne lässt sich eigentlich nur durch Erbschaft oder durch Unterhaltszahlungen erreichen. Aber auch eine Hausfrau, die über den Einsatz des männlich erwirtschafteten Einkommes bestimmt und sich ihre Zeit frei einteilt, nachdem sie die optionalen Kinder in der staatlichen Ganztags-Sammelbetreuung abgekippt hat, verfügt über eine weitaus größere Unabhängigkeit als abhängig Beschäftigte.

        Feministisches Ziel ist es, für Frauen eine weitgehende Versorgung ohne Gegenleistung zu erreichen. Da kommt das aktuelle Familienrecht ins Spiel, das Frauen mindestens indirekt über das Kind anonyme Unterhaltszahlungen gewährleistet. Ich kenne einige Frauen, die das als ihre Arbeit ansehen, dass sie ihre Kinder in die Ganztagsbetreuung kutschieren und abends wieder abholen. Die finden das gut und gerecht. Leider fühlen sie sich oft nicht wirklich unabhängig, da ja ab und zu ihre Bälger was von ihnen wollen.

        Anders als aus diesem Versorgungsgedanken heraus lässt sich nicht erklären, dass Feministinnen so starr daran festhalten, dass Väter auch in den vielen Fällen 100% Unterhalt zu zahlen haben, in denen sie ihre Kinder über 40% der Zeit betreuen.

        • Irgendwie musste ich spontan an eine Arbeitskollegin denken.
          Gutversorgt durch gut verdienenden Ehemann, ein Kind, zur Selbstverwirklichung ein Teilzeitjob, der wegen Kurzarbeit bisher eher nicht ausgeübt wird.
          Ich höre gedanklich wieder ihr Stöhnen, dass sie zu Hause bleiben muss und sich dazu auch noch um ihren Sohn kümmern muss. (Klar, sie liebt ihn – aber jeder weiß, dass Kinder manchmal auch ganz schön nerven können.)
          Wenn jetzt die Schule wieder so langsam für Präsenzunterricht öffnet, wird sie drei Kreuzzeichen machen – als Muslima vielleicht eher nach Osten verneigen – und entspannt das patriarchale Hausfrauendasein genießen, vielleicht auch an 1-2 Tagen in der Woche für ein paar Stunden zur Arbeit erscheinen, um sich ihr „Taschengeld“ etwas aufzubessern.

          Wie oben über die Religionszugehörigkeit dezent angedeutet, kommt sie übrigens aus der Türkei, einem Land in dem Frauen ja grundsätzlich durch patriarchale Strukturen unterdrückt werden.
          Manchmal wünsche ich mir ja auch, so richtig fies unterdrückt zu werden. Vielleicht bekomme ich dann auch so einen schicken X1 geschenkt. 😉

      • „Rational wäre es, sich als Mann nach hinten zu lehnen und die Hausfrauenprivilegien aus den 50er Jahren zu geniesen“
        Kaum eine Chance. Frauen entsorgen Minderleister recht rasch.

  5. Und jetzt die Fragen für den Hauptpreis:

    Warum wird dies nicht in wirkmächtigen Medien so dargestellt?
    Warum halten sich die feministischen Verschwörungstheorien so hartnäckig?
    Wer sind die Hauptschuldigen (m/w/d) für dieses Lügenkonstrikt?

    Wer die Fragen nur mit „ja“ beantwortet, fliegt raus.

    Ich finde den Beitrag sehr informativ. Schon lange haben mich zu diesem Thema Quellen interessiert und ich hatte bisher dazu zu wenig.
    Erstaunt bin ich allerdings immer wieder, wie geschichtliche Tatsachen umgedeutet werden und für eine Sache missbraucht werden. Es lässt sich sagen: Feminismus ist Missbrauch – polemisch verkürzen kann ich auch, wenn ich etwas nett darstellen will. Und Feministinnen sind nicht die Ersten, die das tun.
    Was mich aber regelmäßig zum Strahlabkotzen bringt ist, dass Medien (die sich gerne den Anstrich der Seriosität geben) wie die ZEIT mit ZON und SPIEGEL mit spiegel.de vollkommen recherchefrei diese feministischen Mythe wiederkäuen – letztendlich also vollkommen versagen in dem, was ihre Kernkompetenz sein sollte. Vom ÖRR will ich gar nicht anfangen zu reden.
    Ich will gar nicht wissen, was von der aktuellen Zeit in den Archiven bleibt und wie dies interpretiert wird.

    • „Erstaunt bin ich allerdings immer wieder, wie geschichtliche Tatsachen umgedeutet werden und für eine Sache missbraucht werden.“

      Ja, das wie ist immer interessant, aber das sie es tun ist nicht mehr erstaunlich, es ist die Regel.

  6. Ich sehe es so, daß die Ehe eine standardisierte Form der Wirtschaftsgemeinschaft war bzw. ist. Und da war eben für Frauen eine bestimmte Aufgabe vorgesehen, nicht zur Unterdrückung, sondern weil es früher die einzig sinnvolle Arbeitsteilung war (vor Erfindung von Waschmaschine und Mikrowelle). Wer den Standardvertrag nicht wollte, konnte ihn vermutlich auch ändern.
    Auch heutzutage ist es noch Standard bei den meisten Arbeitsverträgen, daß Angestellte die Erlaubnis des Arbeitgebers brauchen, wenn sie einen Nebenjob ausüben wollen. Nichts anderes wird dieses Klausel in den Eheverträgen geween sein. Der Angestellte erhält eine Bezahlung, die Ehefrau wird versorgt, und im Ausgleich soll sichergestellt, daß sie ihren Beitrag leisten kann, und nicht durch andere Jobs zu sehr davon abgehalten wird.

  7. Mich würde es nicht überraschen wenn Feministinnen in ein paar Jahren genau diese Paragraphen zurück haben wollen, dann aber natürlich als gute Gesetze, da von Feministinnen erkämpft! Grrrll Power!

  8. Das Hausfrauenmodell ist kein Nachteil sonder das Privileg, dass die Gesellschaft konstituiert. Arbeit bedeutet Entbehrung, Mühsal Leid. Dass die Frau weniger arbeiten muss, ist somit das primäre Privileg, aus dem sich die scheinbaren sekundären Nachteile ergeben: Sie verdienen weniger und sind seltener Chefs – scheinbar, da das gesamte Finanzsystem zum Vorteil der Frau ausgerichtet oder: Frauen zahlen keine Steuern.

  9. Vielen Dank für die Recherche. Damit lässt sich in Diskussionen doch arbeiten.
    Was mir aufgefallen ist, ist dass Feministen oft Frau mit Ehefrau verwechseln. Und auch wenn es einen gesellschaftlichen und z.T. auch gesetzlichen Druck zur bürgerlichen Ehe gegeben hat (Status unehelicher Kinder, Verbot der Vermietung an unverheiratete Paare), war sie doch seit Bestehen der Zivilehe nie Pflicht.
    Hat jemand zufällig Informationen zur Hand, ob und wenn ja bis wann in Deutschland erwachsene unverheiratete Frauen nicht als voll geschäftsfähig angesehen wurden? Das müsste doch schon das erste BGB oder sogar in den Rheinbundstaaten die Einführung des Code Civil geregelt haben.

  10. Danke für die schönen Ergänzungen, z.B. bezüglich der CDU-Frauen, das wusste ich auch noch nicht. Ansonsten verweise ich mal wieder auf mein Schwarzbuch:

    1958: Das Gleichberechtigungsgesetz tritt am 1. Juli in Kraft. Während damit das Letztentscheidungsrecht des Ehemanns, sein Recht, das Vermögen der Frau zu verwalten, und sein Recht, nach Erlaubnis durch das Vormundschaftsgericht ein Dienstverhältnis der Ehefrau zu kündigen, gestrichen wird, bleibt die Versorgungspflicht des Ehemanns bestehen.

    1959: Aufgrund einer Klage des Deutschen Juristinnenbunds werden am 29. Juli das männliche Familienoberhaupt und die gesetzlich festgelegte Hausfrauenehe abgeschafft. (→ 1977) Im Übrigen war bereits den Schöpfern des BGB von 1900 bewusst, dass sich eine Hausfrauenehe nur die Reichen leisten konnten (»Der Hauptberuf der Ehefrau bezieht sich auf das Innere des Hauses und wird in den wohlhabenden Klassen der Gesellschaft sich regelmäßig darauf beschränken«, Motive zu dem Entwurfe eines Bürgerlichen Gesetzbuches).

    1977: Ersetzt wird auch der § 1356 BGB von 1958. Statt »Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung. (…) Sie ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist« heißt es jetzt: »Die Ehegatten regeln die Haushaltsführung in gegenseitigem Einvernehmen«. Feministinnen behaupten bis auf den heutigen Tag, damit sei endlich die Knechtschaft der Frau beseitigt worden, der zufolge Frauen nicht ohne Erlaubnis ihres Ehemannes arbeiten durften (»Hausfrauenehe«). Vom Einholen einer Erlaubnis war allerdings in dem Gesetz gar nicht die Rede. Selbst nach der Fassung von 1900 durfte der Ehemann nur dann Widerspruch gegen eine Erwerbstätigkeit seiner Frau einlegen, »wenn er auf seinen Antrag von dem Vormundschaftsgerichte dazu ermächtigt worden ist«. Und diese bloße Möglichkeit hob bereits das Gleichberechtigungsgesetz vom 18. Juni 1957 auf, das am 1. Juli 1958 im Kraft trat. Datenbankrecherchen konnten zudem keine einzige gerichtliche Entscheidung feststellen, die eine Kündigung eines Arbeitsvertrags durch den Ehemann einer Frau zur Grundlage hatten. Vergessen werden sollte auch nicht, dass erst mit der diesjährigen Familienrechtsreform die Verpflichtung des Mannes aufgehoben wird, für den finanziellen Unterhalt der Familie aufzukommen.

    Link z.B. hier:
    https://www.lto.de/recht/feuilleton/f/rechtsgeschichte-gleichberechtigungsgesetz-verfassung-familie-frauen-feminismus/2/

  11. Schaut auch mal hier – das sind die Gesetze des Allgemeines Landrecht für die Preußischen Staaten, die bis 1900 dem BGB vorausgingen. Dort sind Eherechte- und Pflichten aufgelistet, falls sich jemand die Mühe machen will, die paar Sätze zu lesen. Und neben (alt-)römischen Recht und später dem napoleonischen Recht erkennt man eine Rechtskultur, die (keine Rechte ohne Pflichten, keine Pflichten ohne Rechte) sehr wohl darauf achtet, dass keiner der beiden Eheleute über den Leisten gezogen wird.

    Und auch schon damals konnten Eheleute selbst während der Ehe noch Verträge miteinander eingehen, um gesetzlich Vorgaben einzuschränken oder auszuschließen.

    Klicke, um auf PrALR-II-1.pdf zuzugreifen

  12. Mir ist aufgefallen, dass dieser Mythos, vom Mann, der der Frau den Job kündigt, bei agitierenden Multiplikatoren weit verbreitet ist, aber nie Zeitzeugen vor die Mikrofone gezerrt werden, die davon berichten, wie es ihnen ergangen ist.

    Ich habe mal in meinem Verwandtenkreis, Onkel und Tanten gefragt, wer die Regelung kennt. Niemand kannte diese Gesetze, geschweige denn einen Fall.

  13. Pingback: Many Shades of Gender (14): Frauen und Männer sind doch selber schuld, wenn sie Nachteile erleben: Frauen setzen sich nicht genug durch, sie sind nicht so ehrgeizig wie Männer; Frauen verhandeln in Jobs schlechter oder wollen lieber weniger Verantwortun

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