Was der Maskulismus tatsächlich vertritt

In einer Besprechung von Fettlogik taucht folgendes auf:

Zudem erwähnt die Autorin den rechtspopulistischen und antifeministischen Blog „allesevolution.wordpress“ der Teil der Maskulistenbewegung ist, eine Art Pseudomännerrechtsbewegung, die stets dafür einsteht die Rolle des Mannes in der Gesellschaft nicht zu verändern, Gewalt gegen Männer durch Staat, Militär oder Rollenklischees nicht abbauen will, sondern lieber Straßenkampf, Pornos und Prostitution für alle fordert.

Da kennt sich jemand aus. Ich forder hier geradezu ständig den „Straßenkampf für alle„.  Und würde nie etwas dazu schreiben, dass Männer ebenfalls in starren Rollen stecken, die zu ändern sind.  Nie würde ich auch etwas negatives über konservative Geschlechterrollen schreiben. Und Gewalt gegen Männer ist auch das beste. Die Schweine haben es jedenfalls verdient. Nur in der „Schule der Nation“ wird man zum Mann!

Pornos für alle wäre aber tatsächlich etwas, was ich unterstützen kann. Dank Pornhub und Co aber ja eh der Fall.

Diese Bewegung ist quasi das Gegenteil des alten Feminismus, der mehr Entfaltungsmöglichkeiten für die Frau forderte. Der Maskulismus fordert nämlich gerade dies nicht für Männer, sondern sieht den Mann als Opfer der modernen Gesellschaft, ein wildes Tier in einem Käfig das überfordert von den Einschränkungen seiner Triebe, zurecht aggressiv und revisionistisch wird, seinen Platz als Alphamännchen zurückfordert, anstatt sich zu integrieren.

Das Bild des Mannes als wildes Tier, welches (zumindest gegenwärtig, weil noch ohne richtige feministische Erziehung) seine Triebe nicht unter Kontrolle hat, zeichnet wohl eher der Feminismus mit seinem Vorwurf der Rape Culture oder des „Penis als Waffe“ oder jedenfalls Gefahr.

Auf diesen Blog verweist sie, wie man bei der ebenfalls rechtsgerichteten und sexistischen Seite „WikiMannia“ lesen kann, um auf unterschiedliche Stoffwechselwerte von Männern und Frauen, z.B. Hämoglobinwerte hinzuweisen. Warum man genau diese schädliche Seite dafür erwähnen muss, ist mir schleierhaft.

Fettlogik verweist einmal auf meine Seite (und danke dafür Erzählmirnix, ich freue mich in einem so tollen Buch erwähnt zu sein), und zwar bei der Aufführung von körperlichen Geschlechterunterschieden. Also noch nicht einmal ein Artikel zu Männerrechten oder irgendetwas problematischen. Schlicht eine Aufzählung von bestimmten Geschlechterunterschieden, eines der Hauptthemen dieser Seite.

Ob die Autorin weiß, wen sie da verlinkt hat? Freut sie sich darüber, in WikiMannia zu erscheinen?

Also sie weiß sicherlich eher als der Schreiber, was sie dort verlinkt hat und kann genauso wenig etwas dafür, dass sie bei Wikimania verlinkt wird, wie es der Schreiber der Besprechung verhindern kann, dass ich oben auf diese verlinke.

Links von „allesevolution.wordpress“ führen auch nach „Sciencefiles“ eine rechtsgerichtete, sexistische Seite mit Verschwörungstheorien und Holocaustrelativierung.

Und das alles wird lediglich an Links festgemacht, von Seiten, die der Verfasser noch nie wirklich gelesen hat. Erstaunlich

 

„Aber Evolution ist doch nur eine Theorie…“ (Darwin Day – Saad Truth)

(einen Tag zu spät, aber immerhin)

Wie parteiisch oder politisch ist die Justiz im Familienrecht?

Fiete schreibt in einem Kommentar:

Richter sind i.d.R. rechtsbeugungsprivilegiertes, machtüberfrachtetes, korruptes Volk. Wenige Ausnahmen bestätigen die Regel.
Behaupte ich mal so.
Sie trampeln grinsend auf kleinen Kindern herum und machen das auch in hochbezahlten Nebenjobs und politischen Verbänden. (…)

„So mag das aussehen, wenn man das nie „von innen“ sieht.“
Ach ja? Von „innen“ sieht das viel hübscher und gar nicht so kinderexistenzvernichtend aus? Wo ist denn bitteschön „innen“? In Deiner Uni-Jura-AG, geleitet von einem Nominaljuristen, der nie bei Gericht war?
Die Wagenburg der Justiz kenne ich, wie die wohl meisten, mal aktiv gewesenen entsorgten Eltern, mindestens ausreichend.
Der Spruch mit der Krähe trifft absolut zu.
Ehrlich, Ih, das ist Realitätsnegierung, was Du ablässt.

Vielleicht kannst Du es Dir nicht vorstellen, aber es gibt entsorgte Elternteile, die googlen können, die auch mal ein wenig recherchieren. Die sich auch mal mit Recht und Gesetz und deren Auslegung, Anwendung, Umsetzung u.s.w. befassen.
Und die auch mal „ihren“ Richtern hinterherschauen.
Mich z.B.( zumindest einige Jahre lang, keine Lust mehr, war anstrengend genug ). Gerade habe ich einen Vater am Telefon, der über solche Thesen schallend auflacht. Der hat mehrfach das BVerfG bemüht, war in Europa aktiv und hat u.a. im laufenden Verfahren eine OLG-Richterin gekippt ( die ihm dann aus der Hand frass; ganz unbeteiligt war ich daran auch nicht ).
Jetzt lebt er mit seiner Familie im Ausland und das ist auch besser so. Hier würde er regelmäßig immer wieder angegriffen werden, mit dem Ziel, das Kind zu verwursten, gerade WEIL er sich für Kinder, Gesetz und Recht einsetzt.

(…)

Gutachten werden vom Richter an seine gefälligen Subunternehmer vergeben, mit eindeutigem Ergebnisauftrag, das JA schreibt i.d.R. nur „Stellungnahmen“ zum persönlichen „Kindeswohl“ des jeweiligen Mitarbeiters ( also unjuristizierbaren Unfug im Geschäftsinteresse ).
Aber wie es auch sei, nicht in Machtstrukturen einzugreifen, indem man maximal willkürlich in sie eingreift, sie auch noch einseitig dichtzementiert, ist logischerweise schon sprachlich reiner Unfug.
Meinst Du auch, daß sie sachdienlichste Ermittlung keine Ermittlung ist? Oder, daß Überprüfungen ohne Überprüfungen am besten funktionieren? Kinderrechte ohne Kinderrechte? Salat ohne Salat? Vegetarische Leberwurscht hat den höchsten Schweineanteil?
Tatsächlich geht es darum, die Humanressource Kind, plus aktivierbare Randgeschäfte, maximal abzuschöpfen, sonst nix. Ob mit dem Vorschlaghammer, oder der Brechstange, ist dabei schlichtweg völlig wurstig.

Oder meinst Du mit „Beteiligten“ hauptsächlich ( oder ausschließlich? ) Richter, Gerichtssubunternehmer und sonstige institutionelle Kooperationspartner?

(…)

„Man versucht nur die Kampflinien darin zu befrieden, oft auch nur temporär bis alle ermüdet genug davon sind und einer aufgibt. “
Hmm, na klar, Befriedung durch maximale Eskalation ( Vorschlaghammer als Beruhigungspille? ) heißt das Rezept. Väter ( gern auch Mütter, immer aber das Kind ) existentiell vernichten, damit einer ( oder beide, das optimiert die Umsatzmöglichkeiten ) dann „ermüdet“ aufgibt für sein Kind da zu sein. Klar sind die Verbündeten der Mama und sonstiger Beteiligter und Mitwirkender dann auch ganz doll müde, nach dem Siegessekt.
Und das Kind ist sogar so müde, daß es „freiwilig“ auf Umgang verzichtet.
Tolle Vorgehensweise, echt jetz….
Gefühlte Gerechtigkeit macht- u. kohlegeiler Narzissten.
„Ach Gottchen, was sind wir alle sooo müüüde, schlimm, daß diese Blagen immer so viel Arbeit verursachen, bis sie mal ein paar € einbringen, nicht wahr?“

„Restliche Wertordnung“ des Richters, ist schön gesagt.
Viel isses ja nich ( ich, ich, und noch dreimal ich )….
Ehrlich, mit der rechtlichen Werteordnung hat das Überkopfstellen der Rechtspyramide in. D. m.E. nicht nur gar nix zu tun, sondern es zerstört dieselbe. Aktiv!
Aber es stimmt schon, auch die Richter haben ein „Gefühl für das Richtige“, sie brauchen keine Spezialverschwörung, sie wissen auch so was zu tun ist, um obig beschriebene Verhältnisse zu erreichen und zu perpetuieren. Und diese Gefühlslage ist alleroberste Prämisse, scheiß doch auf Gesetze und Rechte.
Ja, im Ableiten von kindesverachtendem Unfug sind manche echte Weltmeister. Da können sie stundenlang verquaste Kacke einherschwurbeln. Hatte so einen in meinem Fall, dem sogar mal das BVerfG durch die Blume angedeutet hat, daß er „etwas“ zu weit ableitet, wenn er Zwangsbegutachtungen von Elternteilen anordnet, noch dazu ohne irgendeinen substantiellen Grund. Hat ihn aber nicht gehindert, genau so weiter zu machen, warum auch? Er ist ja Mufti von Gottes Gnaden …..

(…)

„Alles andere wäre ein zu großer staatlicher Eingriff in sehr persönliche Angelegenheiten, “
… des Richters, der Jugenamtsmitarbeiter und von ihnen verwalteter und belieferter Drittleister, ja nee, is klar.
Das rechtfertigt natürlich den Maximaleingriff in Familien, deren Rechte und deren Privatsphäre, logisch ….

(…)

„So was geht nur indirekt, über die Verhältnisse, die zu diesen Machtverhältnissen führen.“
Da stimme ich teilweise zu. Das ( diese Verhältnisse wenigstens öffentlich anzuprangern ) bringt im konkreten Fall zwar überhaupt nichts, bestenfalls ( oft auch richtigen Ärger ), aber langfristig stimmt es schon. Deshalb fordern Väter ja auch die Auflösung der politischen Justiz, eine Ausbildung für FamRi et al, unabhängige Ombudsstellen mit eigenen Prozessrechten, regelmäßige öffentliche Richterwahlen, und was ich oben schon angeführt habe. Um nur mal ein paar konkrete Anregungen so ganz am Rande zu erwähnen.

Aber solange Herr „von innen“ einen sakrosankten, lebenslänglichen Gauleiterposten mit Berserkerprivileg nach Parteiproporz zugeschoben bekommt, noch dazu ohne wenigstens andeutungsweise Qualifikation, ist das alles vergebliche Liebesmüh. Früher nannte man das Mal Blockwartmenthalität, resp. -syndrom ( weil es krankhaft ist ).

Meine Meinung und Erfahrung, nach 10 Jahren Totalentsorgung.

 

Solche (aus meiner Sicht“) Hasstiraden liest man häufiger. Meiner Erfahrungen sind – wie ich in den Tipps hier auch schon mal ausführte – auf dem Gebiet anders: Ich erlebe Richter häufig als durchaus motiviert, auch im Sinne von Vätern zu entscheiden, sie sind sich aber auch bewusst, dass sie gerade am Amtsgericht und als Teil der Judikative, nicht Legislative, nicht die Gesetze machen und auch nicht dafür da sind, neue Rechtsprechung zu entwickeln (das wäre Aufgabe des BGH und der Oberlandesgerichte). Natürlich gibt es Richter, die ihre Macht auskosten, aber es sind aus meiner Sicht eher wenige (was einem nicht hilft, wenn man an einen solchen gerät), die meisten entscheiden eben auf der Basis der gängigen Rechtsprechung.

Die Darstellung scheint mir von einem Feindbild geprägt zu sein, welches Handlungen als gegen Männer gerichtet ansieht, einer allgemeinen Verschwörung folgt, die anscheinend Männer klein halten soll.

Ich will nicht sagen, dass es keine bösartigen Richter gibt, die gibt es durchaus. Das bleibt bei einem Job, der einem eine gewisse Macht verleit nie aus, ähnlich wie bei Lehrern.

Aber die meisten Richter sind ganz normale Leute, die keine Sadisten sind und ihre Arbeit machen und sie durchaus auch gut machen wollen. Der typische Amtsrichter, der am Familiengericht tätig ist, braucht auch kein Parteibuch, die Zuweisung von Richterstellen erfolgt nach einer Bestenauslese und zentral und eine Ablehnung ist ebenso wie eine nicht erfolgte Beförderung der Klage zugänglich, er hat eine Qualifikation über ein erstes und zweites Staatsexamen, eine Ausbildung in der Kammer als Proberichter und richterinterne Fortbildungen. Der typische Richter gibt schlicht einen Gutachterauftrag und legt dann die Akte weg, das Ergebnis des Gutachtens ist ihm relativ egal, geht es ein, dann liest er vielleicht das Ergebnis, und leitet es dann schlicht an die Parteien zur Stellungnahme zu. Dann entscheidet er so, wie das Gutachten es vorsieht, weil das eben auch der einfachste Weg ist.  Kritisiert eine der Parteien das Gutachten, dann wird der Gutachter eben noch einmal in einem Termin persönlich angehört.

Was man durchaus erlebt, ist das Richter sehr zurückhaltend mit Ordnungsgeldern sind, auch mit der Androhung dieser unter zB einer Umgangsregelung. Da kann es schon angezeigt sein, darauf zu bestehen. Das ist häufig weniger der Parteilichkeit geschuldet als dem Umstand, dass Richter darin häufig eine Eskalation sehen, die dazu führt, dass das Verhältnis sich noch weiter verschlechtert, dass man also Öl in das Feuer gießt und dann die Parteien gar nicht mehr miteinander reden können.

In einem typischen Streit um das Aufenthaltsbestimmungsrecht oder das gemeinsame Sorgerecht gibt es auch keine „belieferten Drittdienstleister“, die gibt es allenfalls bei einer Fremdunterbringung in einem Verfahren nach § 1666 BGB, also bei Kindeswohlgefährdung. Das liegt in einem typischen Verfahren, in dem sich Vater und Mutter darum streiten, wer das Sorgerecht hat, schlicht nicht vor.

Eine „politische Justiz“ erlebe ich jedenfalls auf der „unteren Ebene“ nicht. „Öffentliche Richterwahlen“ halte ich deswegen auch nicht für notwendig, wer die Praxis ändern will, der muss eher auf die Parteien einwirken. Solche Wahlen wären auch ein gewaltiger Einbruch in das deutsche System, dass Wahlen außerhalb der Politik eigentlich nicht kennt. Ich halte es auch für wenig erfolgsversprechend: Die meisten Bürger haben schlicht keine Vorstellung davon, ob ein Richter gut oder schlecht ist, sie würde wohl allenfalls der Bereich des Strafrechts interessieren.

Aber da diese Klage häufiger kommen stelle ich es hier mal zur Diskussion.

  • Wie sind eure Erfahrungen mit der Justiz?
  • An welchen konkreten Erlebnissen macht ihr das fest?
  • Was hätte der Richter anders machen müssen?
  • Welche Änderungen haltet ihr für erforderlich?

Frank-Walter Steinmeier zum Bundespräsidenten gewählt

Die Bundesversammlung hat gewählt: Neues Bundespräsident ist Frank-Walter Steinmeier.

Eine tatsächliche Wahl ist es nicht, wer es wird ja im wesentlichen vorher abgesprochen.

Gleichzeitig spielt auch deswegen die Person des  Bundespräsidenten keine große Rolle, weil er keine tatsächliche Gestaltungsmacht hat.

Man könnte die Position abschaffen und keiner würde sie in Bezug auf praktische Arbeit tatsächlich vermissen.

Allenfalls ist er ein Impulsgeber, kann moralische Appelle geben oder mit Reden gesellschaftliche Änderungen anmahnen. Was da von Steinmeier kommen wird, wird man sehen

 

Peter Singer – Eine evolutionär-informierte Linke für heute und darüber hinaus

Mir wurde die folgende Übersetzung zugeschickt, die ich hier als Gastartikel veröffentliche:

(Anmerkung des Übersetzers: Der von Peter Singer im Original verwendete Begriff „Darwinian Left“ wurde hier übersetzt als „evolutionär-informierte Linke“, um dem Mißverständnis vorzubeugen, dass es hierbei um Sozialdarwinismus ginge. Gemeint ist gerade keine sozialdarwinistische Sichtweise, sondern das Anstreben der Verwirklichung politisch linker Werte wie Gleichheit, Solidarität, Gerechtigkeit und Freiheit auf evolutionär-informierter Grundlage.)

Auszug aus: Peter Singer, A Darwinian Left: Politics, Evolution and Cooperation, New Haven, 1999, Kapitel 5, S. 60-63.

Dieses knappe Buch war eine Skizze der Art und Weise, in der sich eine evolutionär-informierte Linke von der traditionellen Linken, wie wir sie die letzten beiden Jahrhunderte kannten, unterscheiden würde. Abschließend werde ich zuerst einige der Merkmale stichwortartig zusammenfassen, von denen ich glaube, dass sie eine evolutionär-informierte Linke von vorhergehenden Formen der Linken, sowohl alten wie neuen, unterscheiden würde, dies sind die Merkmale, von denen ich glaube, dass eine evolutionär-informierte Linke sie heute einbeziehen sollte. Danach werde ich einen flüchtigen Blick auf weiterliegende Perspektiven werfen.

Eine evolutionär-informierte Linke würde nicht:

  • die Existenz einer menschlichen Natur leugnen, noch darauf beharren, dass die menschliche Natur ihrem Wesen nach gut ist, noch dass sie unbegrenzt formbar ist;
  • erwarten allen Konflikt und Streit zwischen den Menschen zu beenden, sei es durch politische Revolution, sozialen Wandel oder bessere Erziehung;
  • annehmen, dass alle Ungleichheiten Resultat von Diskriminierung, Vorurteilen, Unterdrückung oder sozialer Konditionierung sind. Bei manchen Ungleichheiten wird dies der Fall sein, aber dies kann nicht in jedem Fall vorausgesetzt werden.

Eine evolutionär-informierte Linke würde:

  • akzeptieren, dass es so etwas wie eine menschliche Natur gibt, und danach streben mehr über diese herauszufinden, so dass die Politik auf den besten verfügbaren Befunden darüber, wie Menschen sind, begründet werden kann;
  • jeden Schluss von dem, was „natürlich“ ist auf das, was „richtig“ ist, ablehnen;
  • annehmen, dass unter den Bedingungen unterschiedlicher sozialer und wirtschaftlicher Systeme viele Leute konkurrenzorientiert handeln werden, um ihren eigenen Status zu verbessern, eine Machtposition zu erlangen und/oder ihre Interessen und die ihrer Angehörigen zu fördern;
  • annehmen, dass unabhängig von dem sozialen und wirtschaftlichen System, in dem sie leben, die meisten Leute positiv auf echte Möglichkeiten zum Eingehen von gegenseitig vorteilhaften Formen von Kooperation reagieren werden;
  • Strukturen fördern, welche eher Kooperation als Konkurrenz begünstigen und versuchen Konkurrenz in gesellschaftlich wünschenswerte Bahnen zu kanalisieren
  • erkennen, dass die Art und Weise, in der wir nichtmenschliche Tiere ausbeuten ein Vermächtnis unserer vor-darwinistischen Vergangenheit ist, welche die Kluft zwischen Menschen und anderen Tieren überhöhte – und daher einen höheren moralischen Status für nichtmenschliche Tiere und einen weniger anthropozentrischen Blick hinsichtlich unserer Herrschaft über die Natur anstreben;
  • an den traditionellen Werten der Linken festhalten und sich auf die Seite der Schwachen, der Armen und Unterdrückten stellen, aber sehr genau überlegen, welche gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen tatsächlich funktionieren werden um sie zu unterstützen.

In gewisser Hinsicht ist dies eine stark reduzierte Vision der Linken, welche ihre utopischen Ideen ersetzt durch eine nüchterne, realistische Perspektive von dem, was erreicht werden kann. Das ist, denke ich, das Beste, was wir heute tun können – und es ist immer noch eine weit positivere Perspektive als das, was viele auf Seiten der Linken angenommen haben, was ein evolutionäres Verständnis der menschlichen Natur beinhaltet.

Wenn wir eine weit längerfristigere Perspektive einnehmen, könnte es eine Aussicht für die Rückkehr zu weitreichenderen Veränderungsbestrebungen geben. Wir wissen nicht, in welchem Umfang unsere Fähigkeit zur Vernunft uns auf lange Sicht über die herkömmlichen darwinschen Zwänge hinsichtlich des Grades an Altruismus, den zu begünstigen eine Gesellschaft in der Lage sein kann, hinausführen kann. Wir sind vernunftbegabte Wesen. In anderen Schriften habe ich die Vernunft mit einer Rolltreppe verglichen, insofern, als sobald wir rational zu argumentieren beginnen, wir gezwungen sein können einer Argumentationskette bis zu einem Schluss zu folgen, den wir nicht erwartet hatten als wir mit dem Schlussfolgern begannen. Die Vernunft stattet uns mit der Fähigkeit aus zu erkennen, dass jeder von uns einfach ein Lebewesen unter anderen Lebewesen ist, von denen alle Wünsche und Bedürfnisse haben, die für sie wichtig sind, so wie unsere eigenen Bedürfnisse und Wünsche für uns wichtig sind. Kann diese Einsicht jemals den Einfluss anderer Elemente in unserer evolvierten Natur überwinden, welche der Idee einer unparteiischen Anteilnahme für alle unsere Mitmenschen oder besser noch, für alle fühlenden Wesen, entgegenstehen?

Niemand Geringeres als ein engagierter Verfechter darwinschen Denkens wie Richard Dawkins beharrt auf der Perspektive einer „bewussten Kultivierung und Pflege von reinem, uneigennützigem Altruismus – etwas, das es in der Natur nicht gibt, etwas, das niemals zuvor in der gesamten Geschichte der Welt existiert hat“. Obwohl „wir als Gen-Maschinen geschaffen wurden“, sagt uns Dawkins, „haben wir die Macht uns gegen unsere Schöpfer zu wenden“. Hierin liegt eine wichtige Wahrheit. Wir sind die erste Generation, die nicht nur versteht, dass wir Produkte der Evolution sind, sondern auch die Mechanismen versteht, durch die wir uns entwickelt haben und wie dieses evolutionären Erbe unser Verhalten beeinflusst. In seinem philosophischen Klassiker „Phänomenologie des Geistes“ stellt Hegel den Höhepunkt der Geschichte als einem Zustand des „absoluten Wissens“ dar, in welchem der „Geist“ sich als das begreift, was er ist und dadurch seine eigene Freiheit erreicht. Wir müssen nicht Hegels Metaphysik übernehmen, um zu erkennen, dass etwas Ähnliches im Verlauf der letzten fünfzig Jahre tatsächlich passiert ist. Zum ersten Mal, seit das Leben aus der „Ursuppe“ hervorgegangen ist, gibt es Lebewesen, die verstehen, wie sie zu dem geworden sind, was sie sind. Für diejenigen, die dadurch einen Machtzuwachs der Regierung und des wissenschaftlichen Establishments befürchten, erscheint dies eher als eine Gefahr, denn als Quelle von Freiheit. In einer fernen Zukunft, die wir noch kaum erahnen können, könnte es sich als Voraussetzung für eine neue Form von Freiheit herausstellen.

„Liebe weiße Leute“ (Netflix)

 

 

Selbermach Samstag 225 (11.02.2017)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Leidensdruck von Männern in Hinblick auf Benachteiligungen

Anlässlich der Forderung nach plakativen Forderungen für Extrempositionen tauchte in den Kommentaren auch die Frage des „Leidensdruckes“ auf.

Peter Müller schrieb dazu:

Mir scheint es, der Autor möchte gerne das Etikett „Jungen- und Männerrechte“ nutzen um seine politische Agenda durchzusetzen.

Im übrigen krankt die „Jungen- und Männerrechtsbewegung“ eher daran, dass es keinen realen Leidensdruck bei der Zielgruppe gibt und deswegen kein Interesse etwas fundamental oder gar radikal zu ändern.

Die Ausnahme ist hier die Väterrechtsbewegung, aber selbst die bekommen ja höchstens bundesweit eine Handvoll Demonstranten zusammen wenn es um die Artikulation ihrer Anliegen geht.

Jungs, organisiert mal einen Sternmarsch in Berlin mit >10 000 Teilnehmern, dann werdet ihr auch wahrgenommen

 

Klaus T führte an:

 

Das Argument mit dem Leidensdruck stimmt. Neben der Väterechtsbewegung (deswegen auch mein Vorschlag Wechselmodell) gibt es derzeit auch Bereiche im öffentlichen Dienst, wo Betroffene hautnah, nämlich beim Verdienst, die Auswirkungen des Feminismus‘ spüren. Hier könnte sich auch ein Ansatzpunkt bieten. In NRW gibt es einen „Aufstand“ betroffener Polizeibeamter, die trotz besserer Leistung nicht befördert werden, weil laut Gesetz Frauen zu bevorzugen sind. Ich höre auch aus anderen Bereichen (Bundesländern), dass es dort mit Bevorzugung von Frauen bei Beförderungen ähnlich läuft, allerdings im Verborgenen.

Und auch der Kommentar von Alex ging in diese Richtung:

„Männerrechte“ interessieren eigentlich „niemanden“ speziell. Der Feminismus ist ein abseitiges Problem von ein paar radikalen Spinnern, die zum guten Teil beim „Spiegel“, „Zeit“ und sonstigen Bastionen des abseitigen Irrealismus tätig zu sein scheinen.

Was soll bei der ganzen Sache eigentlich politisch rauskommen?!

Die politische Linke könnte sich für das Thema letztlich interessieren, geht es um weitere Identitätspolitik für die man jetzt auch, zuletzt, Männer mobilisieren kann. Raus kommen werden zahlreiche „Förderungsprogramme“, die weniger als nichts bewirken und nur von den „plakativen Forderungen“ der progressiven Linken geschluckt werden dürften.

Auf der politischen Rechten hingegen wird es in Richtung eines gynozentrischen Konservativismus gehen, der den „moderaten“, d.h. leisen, unideologischen Feminismus mit der notorischen heroischen Opferrolle verknüpft.

Na, viel Spass dabei. Jeder wähle das „kleinere Übel“….. 😦

Es ist eine interessante Frage, warum es schwer ist Leute für Männerrechte zu begeistern. Ein Aspekt ist sicherlich, dass viele Männer bestimmte Probleme als etwas ansehen, was sie nicht betrifft und aus dem sie sich raushalten können. Gerade weil Klagen über Benachteiligungen bei Männern dann, wenn man selbst nichts dagegen machen kann, eher als schwach wahrgenommen wird, besteht da vielleicht eine größere Hürde. Zudem gibt es eben kein „Historisches Narrativ“, auf dem heraus man seine Ansicht vortragen kann.

Hingegen gibt es dies bei Frauen und Punkte wie „21% weniger Gehalt“ betreffen eben erst einmal subjektiv viele Frauen, wohingegen Ungerechtigkeiten beim Unterhalt und beim Sorgerecht oder beim Umgang nur einen kleinen Teil der Männer in dem Moment betreffen.

Deswegen scheint mir „Problembewußtsein schaffen“ auch ein wichtiges Anliegen im Maskulismus.

Was meint ihr, woran es liegt?

Kachelmann bei einem Vortrag von Alice Schwarzer

„Nur weil ich eine Frau bin“

https://twitter.com/erzaehlmirnix/status/829950264673181696