Selbermach Samstag 226 (18.02.2017)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Multiple Realisierbarkeit (Theorie des Geistes)

Ein Argument, welches in den philosophischen Theorie des Geistes häufiger auftaucht ist das Argument der „Multiplen Realisierbarkeit“. Ich verstehe nicht ganz, warum das überhaupt ein Argument sein soll, mit dem man etwas widerlegen kann, vielleicht kann es mir hier jemand erklären:

Aus der Wikipedia:

Der Verweis auf die multiple Realisierung verhilft zu einem klassischen Argument in der Philosophie des Geistes. Dieses Argument beschäftigt sich mit der Multirealisierbarkeit mentaler Zustände. Hier ist der entscheidende Auslöser für den Übergang von der Identitätstheorie zum Funktionalismus zu finden. Die klassische Formulierung des Arguments über die multiple Realisierung stammt von Hilary Putnam (Abschnitt 1). Jerry Fodor hat das Argument generalisiert und mit ihm gegen einen überzogenen Reduktionismus und für eine Eigenständigkeit der Einzelwissenschaften argumentiert (Abschnitt 2).

Die Identitätstheorie sagt, dass mentale Zustände mit neuronalen Zuständen identisch sind. Es ist insoweit eine reduktionistische Theorie, weil es eben die mentalen Zustände auf die neuronalen Zustände reduziert. Dagegen gehen „nicht-reduktionistische Zustände“ davon aus, dass es da irgendwie ein „Mehr“ gibt, welches aber natürlich kein Dualismus, also eine Unterscheidung von Körper und Geist sein darf, sondern üblicherweise doch wieder etwas materielles, aber eben irgendwie mehr.

Zum Funktionalismus nun das Folgende:

Lassen sie sich in ein materialistisches Weltbild integrieren oder nur durch einen immateriellen Geist erklären? Der Funktionalismus vertritt die These, dass es sich bei mentalen Zuständen um funktionale Zustände handelt. Da funktionale Zustände von materiellen Systemen realisiert werden können, wird der Funktionalismus allgemein als eine materialistische Position aufgefasst. Dabei gilt es jedoch zu bedenken, dass der Funktionalismus zunächst eine ontologisch neutrale Position einnimmt: Es spricht prinzipiell nichts dagegen, dass auch immaterielle Systeme – wenn es denn solche gibt – funktional charakterisiert werden können.

Ein funktionaler Zustand ist dadurch definiert, dass er auf einen bestimmten Input mit einem bestimmten Output reagiert und in einen anderen funktionalen Zustand übergeht. Man kann das Konzept eines funktionalen Zustandes anhand von einfachen Beispielen erörtern. Von dem Philosophen Ned Block kommt etwa das Beispiel eines Colaautomaten: Gegeben sei ein Automat, der nach einem Einwurf von einem Euro eine Coladose ausgibt. Dabei akzeptiert er 1-Euro- und 50-Cent-Stücke. Um funktionsfähig zu sein, muss der Automat verschiedene interne Zustände besitzen. Es muss einen Zustand geben, in dem der Automat einen Euro fordert, um eine Dose auszugeben, es muss aber auch einen Zustand geben, in dem der Automat nur noch 50 Cent fordert.
Der Automat besitzt zwei verschiedene Zustände, die jeweils auf zwei verschiedene Inputs reagieren und entweder im gleichen Zustand verbleiben können, oder in den anderen Zustand wechseln. Durch diese Tabelle sind die funktionalen Zustände definiert. Das Entscheidende an einer solchen funktionalen Charakterisierung eines Systems ist nun, dass sie unabhängig von der konkreten physischen Realisierung des Systems ist: Es ist etwa vollkommen irrelevant, ob der Automat aus Kunststoff oder Stahl gebaut ist.

Die These des Funktionalismus ist nun, dass auch mentale Zustände in einer solchen Weise definierbar sind. Wer in einem mentalen Zustand ist (etwa Kopfschmerzen hat oder denkt, dass heute Montag ist), wird auf einen bestimmten Input in bestimmter Weise reagieren und in einen anderen mentalen (funktionalen) Zustand übergehen. Dabei ist allen Funktionalisten klar, dass die Beschreibung des mentalen Innenlebens ungleich komplexer sein muss als die Beschreibung eines Colaautomaten. Das Entscheidende an dieser These ist nun, dass mit ihr auch das Verfügen über mentale Zustände unabhängig von der physischen Realisierung ist. So könnte ein Computer oder Roboter mentale Zustände haben, wenn er nur die gleichen funktionalen Zustände realisiert wie ein Lebewesen mit Bewusstsein.

Das klingt für mich wie: Ignorieren wir einfach mal das Problem, wie etwas entstehe, konzentrieren wir uns auf die schlichte Funktion. Das ist nur eine Problemverlagerung in meinem Augen, aber ich bin ja auch kein Philosoph. Jedenfalls ist das die Konstellation in der die multiple Realisierbarkeit eine Rolle spielen soll. Weiter in der Wikipedia:

Die Identitätstheorie
Die Identitätstheorie steht an einer gut lokalisierbaren Stelle in der Geschichte der Philosophie des Geistes: Sie ist die unmittelbare Reaktion auf das Scheitern des Behaviorismus, wie er etwa von Carl Gustav Hempel oder Gilbert Ryle vertreten wurde. Die Lehre, die aus diesem Scheitern gezogen wurde, war: Mentalen Zuständen ist nicht allein durch Verhaltensbeschreibungen beizukommen. Doch was können mentale Zustände sein?

Die nahe liegende Antwort der Identitätstheoretiker lautet: „Mentale Zustände sind mit Gehirnzuständen identisch.“ Für jeden mentalen Zustand M (also etwa Kopfschmerz) soll es einen Gehirnzustand G geben, mit dem M identisch ist. Dabei sind M und G als Typen zu verstehen. Der Typ „Kopfschmerz“ meint Kopfschmerz als generelles Konzept und nicht einen einzelnen Kopfschmerz (das sind die Token). Die These ist also, dass M-Typen mit G-Typen identisch sind.

Der Einwand
Hilary Putnam (1967) entwickelte erstmals das Argument der multiplen Realisierbarkeit, das zeigen sollte, dass ein mentaler Zustand nicht mit einem Gehirnzustand identisch sein kann: Die einzelnen, konkreten mentalen Zustände (die Token) können nämlich in verschiedenen Wesen durch ganz verschiedene Gehirnzustände realisiert sein. Man denke etwa an die Schmerzen eines Lurches und eines Menschen. Es ist einfach unwahrscheinlich, dass in ihnen die gleichen Gehirnprozesse ablaufen, wenn sie Schmerzen spüren. Es könnte sein, dass Schmerzen bei Menschen durch das Feuern von C-Fasern realisiert werden, bei Lurchen jedoch durch etwas völlig anderes. Dennoch können Lurche und Menschen Schmerzen haben. Sie haben also die gleichen mentalen Zustände, aber verschiedene Gehirnzustände. Also können mentale Zustände (M-Typen) nicht mit Gehirnzuständen (G-Typen) identisch sein.

Mit diesem Argument galt die klassische Identitätstheorie bei vielen als widerlegt. (Vergleiche jedoch Jaegwon Kim 1993.) Natürlich konnte man immer noch annehmen, dass M-Token mit G-Token identisch sind. Eine solche Theorie wurde etwa von Donald Davidson formuliert. Es bleibt jedoch die Frage offen, was die einzelnen M-Token zusammenhält, was sie zu verschiedenen Instanzierungen des gleichen Typen macht. Die orthodoxe Antwort auf diese Frage war der Funktionalismus: Alle gleichartigen M-Token werden durch den gleichen funktionalen Zustand (Typ) F realisiert.

Also wenn ich das richtig verstehe, dann streiten sie sich da so ziemlich um nichts. Denn „mentale Zustände sind mit Gehirnzuständen identisch“ steht aus meiner Sicht noch nicht einmal im Widerspruch zu „Die Mentalen Zustände können auf verschiedene Arten realisiert werden, sind aber dann mit den dortigen jeweiligen Gehirnzuständen identisch“.  Die Schmerzen eines Lurches und eines Menschen können verschieden sein, aber jeweils mit den Gehirnzustand identisch sein.

Tatsächlich wissen wir aber, dass das Rad nicht für jedes Wesen neu erfunden worden ist. Denn die wahrscheinlichste Theorie ist eben die Evolutionstheorie, die besagt, dass alle Lebewesen gemeinsame Vorfahren haben von denen aus sie sich entwickelt haben. Die Weiterleitung und Verarbeitung von Schmerzen hat sich natürlich auch in diesen Lebewesen dann unterschiedlich entwickelt und kann je nach Art bestimmte Eigenarten aufweisen, wird aber um so ähnlicher sein, um so näher die jeweiligen Tiere miteinander verwandt sind.

Dabei kann man in der Tat Schmerz nach seiner Funktion bestimmen. Es ist eben ein Signal, dass etwas nicht stimmt, ein Teil des Körpers beschädigt zu werden droht und man diesen nach Möglichkeit davor bewahren soll. Man kann dies auch in den verschiedenen Stationen nachweisen, indem man Sensoren, Leitungsbahnen und Signalverarbeitung im Gehirn näher betrachtet. Und das kann dann eben bei den verschiedenen Lebewesen auch vollkommen unterschiedlich ablaufen, aber jeweils mit dem mentalen Gehirnzuständen identisch sein.

Die Multirealisierbarkeit mentaler Zustände ist entscheidend für den Niedergang der Identitätstheorie, da sie dieser ihren empirischen Gehalt streitig macht. Es ist inzwischen bewiesen, dass nicht nur bei ungleichen Wesen sondern auch bei verschiedenen Personen ein bestimmter mentaler Zustand auch mit unterschiedlichen neuronalen Zuständen in Wechselbeziehung zueinander stehen kann. Dies lässt sich heutzutage mit Hilfe der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) beobachten. Die PET wird u. a. verwendet, um die Funktionen des Gehirns zu untersuchen und zu erforschen. Eine Versuchsperson inhaliert hierzu einen radioaktiven Sauerstoff (oder auch Glukose). Danach wird die Konzentration des Stoffes in den unterschiedlichen Arealen des Gehirns gemessen. Ein größerer Verbrauch der Substanz lässt gleichzeitig auf eine höhere neuronale Aktivität schließen. In den aktiveren Teilen des Gehirns findet eine höhere Durchblutung statt. Aufgrund dieser Untersuchung konnte festgestellt werden, dass bei unterschiedlichen Personen, die dieselben Aufgaben lösen sollen, zwar häufig ähnliche, aber kaum identische Gehirnzustände beobachtet werden können. Auffällig ist hierbei auch der erhebliche Unterschied bei den Gehirnaktivitäten von Männern und Frauen.

Ich habe beim Suchen keine Studie dazu finden können. Weder in der deutschen noch in der englischen Wikipedia ist etwas dazu verlinkt. Aber auch das scheint mir schlicht die Vereinfachung zu stark zu sein und die Widerlegung nur nach dieser zu funktionieren.

Denn natürlich sind Menschen keine Massenware, die strikt aus einer Form kommt. Wir haben einen Genpool, der bereits Unterschiede ausweist. Wir werden nicht nach einem Bauplan gebaut, sondern wachsen nach einem Wachstumsplan, der von Ernährung und anderen Zuständen wie unterschiedlichen Hormonzuständen während des Aufwachsens betroffen wird. Und wir lernen und stellen interne Datenbanken auf, in der wir Erkenntnisse, Zusammenhänge, Vernetzungen aller Art festhalten. Und das machen wir auf der Basis ganz unterschiedlicher Lebenserfahrungen. Natürlich kann dann auch eine Erfahrung bei einem ansonsten recht gleichen Gehirnaufbau (den wir recht unstreitig haben) anders verarbeitet sein. Männer mögen beispielsweise in einer Situation jemanden als Konkurrenten wahrnehmen und Frauen als potentiellen Sexualpartner. Männer mögen vielleicht eher an sie gesprochene Sätze auf die sachliche Information analysieren, Frauen nebenher stärker auch auf andere Ebenen der Kommunikation, etwa was dies über das Verhältnis des Sprechers zu ihnen aussagt. Aber auch ansonsten können Informationen anders verarbeitet werden, etwa indem bei dem einen eine Assoziation zu X und bei dem anderen zu Y entsteht oder indem bestimmte Gedanken nach einem gleichen Muster an verschiedener Stelle verarbeitet werden.

Mal als vielleicht schlechtes Bild: Bei einem Mehrkernprozessor ist es auch egal, in welchem der Kerne eine konkrete Berechnung erfolgt, solange sie dann das Ergebnis an die richtige Stelle weitergeben können. Auch da wird man nicht „die Berechnungen können nicht mit Zuständen im Prozessor identisch sein, weil sie einmal im Kern 1 und einmal im Kern 4 verarbeitet worden sind.

Darüber hinaus kann man beobachten, dass sich die Korrelationen zwischen mentalen Zuständen und Gehirnzuständen sogar bei einzelnen Personen im Laufe ihres Lebens verändern. Dies kann z. B. die Folge einer Gehirnverletzung sein. Gesunde Teile des Gehirns übernehmen teilweise Funktionen, die der geschädigte Teil nicht mehr ausüben kann. Es klingt daher ziemlich unwahrscheinlich, dass jedem mentalen Zustand genau ein neurophysiologischer Zustand entsprechen soll. Es resultiert eine eher schwache empirische Grundlage für die Identitätstheorie, da die vorauszusetzende naturgesetzliche Korrelation fehlt.

Auch hier Frage ich mich immer, wie die sich das vorstellen. Ist das Magie oder ein Wunder? Oder eben einem genetisch festgelegten Reparaturprogramm geschuldet, welches darauf ausgerichtet ist, jemanden bestmöglich am Leben und funktionstüchtig zu halten?

Und selbst, wenn man davon ausgeht, dass andere Gehirnbereiche Berechnungen übernehmen können, für die sie eigentlich nicht vorgesehen waren: Warum soll das dann dazu führen, dass die dort vorgenommenen Denkvorgänge nicht auf die dortigen Neuronen zurückzuführen sind? Auch dann, wenn man auf einem Computer eine andere Software laufen lässt, sind es dennoch Einsen und Nullen, Strom an oder aus, und genau darauf ist alles, was dort passiert zu reduzieren. Natürlich ist auch dort das Ganze mehr als der Einzelvorgang. Aber die einzelne Berechnung setzt sich eben dennoch aus einzelnen Vorgängen von „Strom ein, Strom aus“ zusammen (sehr vereinfacht dargestellt).

Vielleicht hatte man hier das Bild, dass ein Denkvorgang fest eingeschrieben sein muss und daher dann eben nur an einer Stelle berechnet werden kann. Aber das scheint mir eben auch ein sehr einfaches Bild zu sein. Wir haben heute bereits Computer, die Daten überall auf der Welt verarbeiten können und an beliebiger Stelle speichern können. Wichtig ist nur, dass eine kompatible „Sprache“ vorhanden ist, worauf die Berechnungen dann durchgeführt werden ist nicht weiter wichtig. Die Verarbeitung der Daten könnte an verschiedenen Stellen stattfinden (je nach dem, wo in dem Rechenzentrum gerade Kapazitäten frei sind), aber das Ergebnis wäre gleich.

Oft wird angenommen, dass die multiple Realisierung nicht nur ein Argument gegen die Identitätstheorie bietet, sondern reduktionistische Positionen allgemein unbefriedigend macht. Es ist insbesondere Jerry Fodor (1974) gewesen, der das Argument der multiplen Realisierbarkeit generalisiert hat. Er ist der Meinung, dass das Argument zeigt, dass den Einzelwissenschaften (etwa Psychologie oder Ökonomie) ein autonomer Status gegenüber der Physik einzuräumen ist. Die Gesetze der Einzelwissenschaften seien nämlich prinzipiell nicht auf Gesetze der Physik zurückzuführen.

Dies begründet Fodor wie folgt:

Es lassen sich ohne weiteres Generalisierungen über Ereignisse formulieren, ohne dass deren physikalische Beschreibungen irgendwelche Gemeinsamkeiten dazu aufweisen müssen.
Die Frage nach den physikalischen Beschreibungen ist häufig sogar irrelevant für die Wahrheit und Interessantheit der Generalisierungen oder auch für ihre epistemologisch wichtigen Eigenschaften.
Größtenteils beschäftigen sich die Einzelwissenschaften dazu auch mit Generalisierungen der o.g. Art.
Denken wir an ein triviales psychologisches Gesetz: „Wenn X Y hasst, dann wird X Y nicht küssen – es sei denn X verspricht sich irgendwelche Vorteile davon.“ Wenn das Argument der multiplen Realisierbarkeit stimmt, so gibt es kein physikalisches Gesetz, auf den sich das psychologische Gesetz reduzieren ließe: Denn „hassen“ kann in verschiedenen Personen ganz verschieden realisiert sein, so dass die Fälle in physikalischer Sprache nicht mehr als zusammengehörig erkannt werden können.

Ein vielleicht noch offensichtlicheres Beispiel bietet die Ökonomie. Dies lässt sich anhand von Greshams Gesetz verdeutlichen. Wird das Wertverhältnis zwischen mehreren Währungen gesetzlich festgelegt, so verdrängt die stärkere Währung die schlechtere. Dieses Gesetz gilt unabhängig davon, woraus das Zahlungsmittel besteht bzw. gemacht ist (Gold, Nickel, Muscheln,…), es ist also unabhängig von den einzelnen physischen Realisierungen. Würden wir also nur das physische Geschehen beschreiben, so würden wir gar nicht erkennen, was all die verschiedenen Fälle zusammenhält. Fodor meint hierzu daher, dass jeder Austausch von Zahlungsmitteln zwar physikalisch beschrieben werden kann. Alle diese Ereignisse können jedoch kaum unter ein und denselben physikalischen Artbegriff fallen. Demnach können verschiedene Arten des Zahlungsverkehrs interessante Gemeinsamkeiten besitzen. Diese lassen sich jedoch sicherlich nicht auf eine einzige physikalische Beschreibung zurückführen.

Demnach folgt nach Fodor, dass vernünftigerweise nicht angenommen werden kann, dass jedem einzelwissenschaftlichen Artbegriff ‚F‘ genau ein physikalischer Artbegriff ‚P‘ derart zugeordnet werden kann, dass sich zu jedem einzelwissenschaftlichen Gesetz

(1) Für alle x: Wenn x F hat, hat x auch F‘

aus der Physik das Bildgesetz

(2) Für alle x: Wenn x P hat, hat x auch P‘

ableiten lässt. (→ siehe hierzu: Beckermann, S. 140)

Es ist somit weitaus wahrscheinlicher, dass verschiedene Ereignisse auf sehr unterschiedliche Weise physikalisch realisiert sind.

Auch da scheint mir das Modell sehr simpel. Denn auch hier gilt, dass nur weil eine bestimmte Informationsverarbeitung nicht nur auf einem ganz bestimmen „Neuronencluster“ stattfinden kann, die mentalen Zustände dennoch mit den Gehirnzuständen identisch sein können. Das gilt eben dann nicht, wenn man nicht die Informationsverarbeitung selbst sieht, die auf eine bestimmte Weise stattfindet, die komplett auf Gehirnzustände zurückgeführt werden kann, sondern als „identischen Gehirnzustand“ nur eine absolut gleiche Verarbeitung ansieht, als müssten Gedanken in einer nur einmal vorhandenen Form gegossen werden und nicht das Ergebnis einer fließenden Informationsverarbeitung sein.

Also mir erschließt sich nicht, warum die multiple Realisierbarkeit so ein bestechendes Argument gegen einen Reduktionismus sein muss, ebenso wenig wie sich mir erschließt, was letztendlich ein nichtreduktiver Ansatz als anderes Element haben soll, was nicht in einem Dualismus mündet.

Vielleicht kann es mir hier jemand erklären.

Gleichberechtigte Elternschaft

Gleichberechtigte Elternschaft – Die Podiumsdiskussion

Gemeinsame Elternverantwortung auf Augenhöhe im Lebensverlauf – was brauchen Mütter und Väter dafür, wie findet man die besten Lösungen für die Kinder, woran mangelt es noch in Deutschland? Diesen und weiteren Fragen widmeten sich der Verein Väteraufbruch für Kinder e.V. (VAfK) und der Verband berufstätiger Mütter e.V. (VBM) im Rahmen ihres bereits zweiten parlamentarischen Abends am 22. September 2016 in Berlin.

Leben mit der Energiewende TV dokumentiert die Podiumsdiskussion nach den Vorträgen.

Teilnehmer/innen der Diskussion:
Francoise Hetto-Gaasch (Parl. Versammlung des Europarates), Sabine Menkens (Moderatorin), Doro Engel (VBM), Cornelia Spachtholz (VBM), Dr. Ursula Matschke (Gleichstellungsbeauftragte, Stuttgart), Markus Witt (VAfK), Oliver Hunziker (VeV, Schweiz), Martina Krahl (VAMV), Martin Rosowski (Bundesforum Männer)

Die einzelnen Vorträge sind auf dem Kanal von „Leben mit der Energiewende“ dokumentiert.

Moderation: Frank Farenski

Wie würdet ihr als Richter entscheiden?

Mitunter kann es hilfreich ein, dass man sich einmal in eine andere Perspektive begibt. Stellt euch vor, dass ihr Richter am Amtsgericht – Familiengericht –  seid. Es geht ein neues Verfahren ein.

Die Mutter hat beantragt,

der Antragsstellerin das alleinge Aufenthaltsbestimmungsrecht für die Kinder Anne, geboren am 2.01.2011 und Julian, geboren am 5.01.2009 zuzuweisen

der Kindesvater hat beantragt,

den Antrag der Antragsstellerin abzuweisen und dem Antragsgegner das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht  für die Kinder Anne, geboren am 2.01.2011 und Julian, geboren am 5.01.2009 zuzuweisen

Die Kinder sind also:

  • Anne, 6 Jahre alt
  • Julian, 8 Jahre alt

Beide gehen zur Schule. Die Mutter hat nach der Geburt von Julian 2 Jahre Elternzeit genommen, dann noch mal 3 Jahre nach der Geburt von Anne. Jetzt ist sie wieder berufstätig im öffentlichen Dienst, sie arbeitet Teilzeit, damit sie für die Kinder kochen kann und die Hausaufgabenbetreuung vornehmen kann etc, wenn diese aus der Schule kommen.

Der Vater war während der Zeit des Zusammenlebens berufstätig in Vollzeit. Er hat aber, wenn er abends nach Hause gekommen ist, auch gerne was mit den Kindern gemacht, ab und zu hat er sie bei schlechten Wetter auch mit dem Auto mit zur Schule genommen und am Wochenende natürlich viel Zeit mit ihnen verbracht, ihnen auch bei den Hausaufgaben geholfen oder für Klausuren gelernt.

Unstreitig hat die Mutter mehr Zeit mit den Kindern verbracht, sie ist eher deren Ansprechpartnerin, sie kennt die Freunde und die Eltern ihrer Freunde besser, weil sie eher zu den Kindergeburtstagen gefahren ist etc. Aber der Vater verweist darauf, dass er eben beruflich immer viel zu tun hatte, immerhin musste die Familie ja auch versorgt sein und das könne ihm doch jetzt nicht negativ angelastet werden.

Bei der Trennung, die jetzt circa 2 Monate andauert, ist der Vater erst einmal zu seinen Eltern gezogen. Dort könnten die Kinder dann auch mit einziehen, die Großeltern würden die Kinder auch betreuen, während er arbeitet.

Die Mutter wendet ein, dass es besser ist, wenn ein tatsächlicher Elternteil die Kinder betreut. Immerhin wäre das ja auch die Aufteilung gewesen, die man in der Ehe praktiziert habe und die Kinder wären es auch so gewohnt. Sie sei ihre Hauptbezugsperson und erste Ansprechpartnerin bei Problemen. Die Trennung beeinträchtige die Kinder schon genug, sie sollten so ihre gewohnte Vertrauensperson haben. Sie habe natürlich nichts gegen eine großzügiges Umgangsrechts des Vaters.

Der Antragssteller meint, dass er auch immer viel mit den Kindern gemacht habe. Auch er habe nichts gegen ein großzügiges Umgangsrecht der Mutter

Eine Anhörung der Kinder ergibt, dass sie wollen, dass der Vater wieder bei ihnen einzieht und die Eltern sich versöhnen. Sie haben beide Eltern ganz doll lieb. Die Mama habe schon mehr mit ihnen gemacht, der Vater sei eben viel auf der Arbeit, aber am Wochenende spiele er immer mit ihnen, dass sei auch toll. Die Mama würde aber besser kochen, aber was der Papa macht sei auch ganz lecker. Beide Kinder hängen auch sehr aneinander, weil sie viel miteinander spielen.

Eine gütliche Einigung scheitert. Beide Eltern wollen, dass das Kind bei dem jeweiligen Elternteil wohnt und es muss eine gerichtliche Entscheidung getroffen werden.

Der passende Paragraph lautet:

§ 1671 Übertragung der Alleinsorge bei Getrenntleben der Eltern

(1) Leben Eltern nicht nur vorübergehend getrennt und steht ihnen die elterliche Sorge gemeinsam zu, so kann jeder Elternteil beantragen, dass ihm das Familiengericht die elterliche Sorge oder einen Teil der elterlichen Sorge allein überträgt. Dem Antrag ist stattzugeben, soweit

1. der andere Elternteil zustimmt, es sei denn, das Kind hat das 14. Lebensjahr vollendet und widerspricht der Übertragung, oder

2. zu erwarten ist, dass die Aufhebung der gemeinsamen Sorge und die Übertragung auf den Antragsteller dem Wohl des Kindes am besten entspricht.

(…)

Euch ist bekannt, dass in der Rechtsprechung auch eures Oberlandesgericht üblicherweise folgende Kriterien angewendet werden:

  • Übertragung auf den Antragssteller  entspricht dem Kindeswohl
    Förderprinzip: wer bietet dem Kind die besseren Entfaltungsmöglichkeiten, mehr Unterstützung für den Aufbau der Persönlichkeit, die stabilere und verlässlichere Bezugsperson sein. Dabei sind äußere Aspekte wie die Ausbildung des Elternteils und dessen soziale Stellung, die Möglichkeiten das Kind zu verpflegen etc, aber auch die erzieherische Eignung und die innere Bereitschaft, die Verantwortung für die Erziehung und Versorgung des Kindes zu übernehmen, zu berücksichtigen
  • Kontinuitätsprinzip: welcher Elternteil ist besser geeignet um eine möglichst einheitliche und gleichmäßige Erziehung des Kindes unter Berücksichtigung der bisherigen Betreuung sicherzustellen. Dabei ist zu berücksichtigen, inwieweit eine Stabilität des Umfeldes gewährleistet werden kann, also der Personen, die das Kind umsorgen und der Personen, die sonst sein soziales Umfeld, etwa in Schule und Kindergarten, bilden. Es ist nach diesem Prinzip am günstigsten, wenn die Betreuung durch die Person fortgeführt wird, die auch vorher das Kind üblicherweise betreut hat
  • Kindeswille: Mit steigenden Alter wird der eigene Wille des Kindes immer wichtiger.  Mit der Äußerung des Kindeswilles kann zum einen eine innere Zuneigung zu einem Elternteil deutlich werden, zum anderen soll ab einem bestimmten Alter auch eine Selbstbestimmung durch das Kind in den Vordergrund rücken. Um so älter das Kind ist um so stärker ist dieser zweite Punkt zu gewichten.
  • Bindung an Eltern und Geschwister: Hier ist zu prüfen, welcher Elternteil dem Kind bessere Möglichkeiten bietet die Bindung an Eltern, Geschwister und Dritte  zu erhalten. Hier spielt auch die Bindungstoleranz eine Rolle: Inwieweit läßt der Elternteil die Bindung an andere zu oder fördert diese sogar. Bei Geschwistern wird ein gemeinsames Aufwachsen als der Bindung förderlich angesehen.

Dabei ist euch bekannt, dass insbesondere das Kontinuitätsprinzip in der Rechtsprechung auch eures OLGs als besonders wichtiges Kriterium angesehen wird.

Wie fällt eure Entscheidung aus?

 

(ich halte das für einen durchaus typischen Fall, der so vorkommt. Üblicherweise werden beide vielleicht auch noch etwas schmutzige Wäsche waschen, aber ich gehe mal davon aus, dass die sich gegeneinander aufhebt. Wer einen besseren typischen Fall schildern will, der kann das durchaus in den Kommentaren machen, ich kann ihn dann ja auch zur Entscheidung stellen. Theoretisch müssten hier noch die Stellungnahmen des Jugendamtes und des Verfahrenspflegers aufgeführt werden, aber deren Empfehlungen würden es ja auch witzlos machen)

Besuch der „ersten feministischen schwedischen Regierung“ im Iran mit Kopftuch

(Context)

Aus einem Bericht:

Lofven’s Swedish government describes itself as a “feminist government,” and it has spoken of the need for a “feminist” foreign policy. Hillel Neuer, executive director of U.N. Watch, a human rights group and frequent critic of Iran , noted this apparent contradiction in a tweet shared Sunday night

Masih Alinejad, a journalist and activist who started a Facebook page that invited Iranian women to share photographs of themselves without a hijab, also criticized the Swedish delegation.

“By actually complying with the directives of the Islamic Republic, Western women legitimize the compulsory hijab law,” Alinejad wrote on Facebook. “This is a discriminatory law and it’s not an internal matter when the Islamic Republic forces all non-Iranian women to wear hijab as well.”

document with an all-female staff behind her. That image recently went viral, as many viewed it as a criticism of President Trump’s abortion policies. “Trump’s words on women are worthy of condemnation; so are the discriminatory laws in Iran,” Alinejad wrote.

Speaking to Expressen, Linde said she had not wanted to wear a headscarf. “But it is law in Iran that women must wear the veil. One can hardly come here and break the laws,” she explained.

 

Die entlassene kellnernde Feministin

Ich fand die Darstellung eines Falles einer Feministin ganz interessant, die entlassen worden ist.

In dem deutschen Stern heißt es dazu:

Männerfeindliche Thesen? Da wurde diese alleinerziehende Kellnerin gefeuert

Ein Mann bezeichnete seine Kellnerin in einer Bewertung als Männerfeindin – darauf verlor die alleinerziehende Mutter nach acht Jahren ihren Job. Der Besitzer setzte sie einfach für die Tür

Und dann später im Text:

Moira Walsh bestreitet im „Providence Journal“, dass sie bereits zuvor verwarnt worden sei. Und sieht hinter ihrer Entlassung einen Anschlag auf die Verfassung, weil sie wegen ihrer Ansichten und nicht wegen eines schlechten Dienstes gefeuert wurde. Tatsächlich ist es nicht einfach zu verstehen, was tatsächlich vorgefallen war. Der Kunde fühlt sich wohl von den Ansichten gestört, die Walsh im Radio und in den sozialen Netzwerken von sich gegeben hat. Es war gar nicht die Rede davon, dass sie ihn beim Essen mit Polit-Parolen traktiert hätte.

Moira Walsh ist nicht nur Kellnerin, sie ist Abgeordnete der Demokraten für Rhode Island im Parlament des Bundesstaates. Um Geld zu verdienen, arbeitete sie im Classic Cafe in Providence. Ihr Chef meinte nun, dass die 26-Jährige ihre politischen Ansichten während der Arbeit nicht für sich behalten konnte. Und feuerte sie.

Besitzer Raymond Burns sagte, eine Bewertung des Cafés auf dem Internetportal Yelp habe das Fass zum Überlaufen gebracht. Dort beschwerte sich ein Kunde über die männerfeindlichen Ansichten der Servicefrau.

Walsh hatte den Job acht Jahre. Für ihre politische Tätigkeit erhält sie eine Entschädigung von 15.000 Dollar, sie benötigt die Arbeit im Café, um über die Runden zu kommen. Im lokalen Radio erklärte sie: „Er hat zu mir gesagt: ‚Du weißt, wir sind stolz auf deine politische Arbeit, aber deine Ansichten schädigen das Geschäft und wir müssen deine Beschäftigung jetzt beenden.'“

Die inzwischen gelöschte Beschwerde störte sich unter anderem an einem Weihnachtsgruß von Walsh. Sie hatte geschrieben: „Meine Wünsche gehen zu den Frauen und den Trans. Der Rest der Männer ist mir egal.“ Die streitbare Frau wurde bekannt, weil sie offen über ihren Kampf als alleinerziehende Mutter mit einer schlecht bezahlten Arbeit berichtete. Dabei scheut sie die Konfrontation nicht: „Führen meine Bemerkungen dazu, dass sich Männer schlecht fühlen? Ja, klar!“

Der Besitzer schrieb in einem Statement: „Walsh fing oft politische Diskussionen mit unseren Kunden an, dann setzte sie sich zu ihnen an den Tisch. In ihrer Arbeitszeit. Wir haben sie öfter darauf hingewiesen, dass sie weiter arbeiten und diese Gespräche in ihrer Freizeit machen solle.“ 

Für das Café hat sich der Rausschmiss sicher nicht gelohnt. Die Beschwerde-Bewertung wurde inzwischen gelöscht, dafür häufen sich nun negative Einträge. Ein langjähriger Kunde, Alex L., schreibt sich seine Enttäuschung vom Leib: „Hier fühlten sich meine Frau und ich wie zu Hause. Das hat aufgehört, als man Moira Walsh gefeuert hat. Moira ist eine wunderbare Kellnerin. Der Besitzer hat absolut falsch reagiert.“ Walsh schrieb auf Facebook: „Wenn man für seine Rechte eintritt, ist es nie einfach. … Aber ich werde nicht still sein. Ich mache einen Eine-Frau-Aufstand!“ 

Auf einer englischen Seite heißt es:

Meet Moira Jayne Walsh. She worked as a waitress at a Rhode Island restaurant until her loose lips got her in trouble. Walsh is what you’d call a man hater and she was constantly spouting those views to her customers. For a bit of context, here’s what she wrote on Facebook at Christmas time:

“Peace on earth, good will to WOMEN. I am DONE giving you men my good will. You don’t do anything good with it. All my holiday cheer is for women femmes and trans. Signed, Frustrated women fighting patriarchal oppression one Facebook rant at a time.”

Yeah, that’s the kind of thing her patrons had to put up with day after day, but the cafe owner had enough and sent her packing. Here’s how he explained her antics:

Walsh would often get into vocal political discussions with customers during her shifts, often sitting down with the diners in their booths. We sometimes had to ask her to return to her duties and advised her to continue her discussions when she was off the clock. These disciplinary instances were never about politics or free speech, but simply reminder of her job and responsibility to all customers.
But here’s the worst part: Walsh is a state representative in Rhode Island and waitressing was just a side job. The cafe owner said she was using that job to gain supporters:

This is not a male vs. female issue, nor is it a case of attempting to silence someone’s free speech. This is an example of someone taking advantage of a captive audience to promote their own political views.

For newly elected public servant to whip the media and her supporters into a frenzy with unfounded accusations, demanding a boycott and portraying our family in such a negative light is profoundly upsetting and potentially damaging to my family’s livelihood.
Walsh spread a rumor that the reason she was fired was over a one-star Yelp review of the family restaurant. She also accused the owner of sexual harassment. When she was interviewed on a local radio show, Walsh was asked if she was going to press charges but just gave this rambling answer:

“I wasn’t, y’know, I didn’t – I didn’t say anything about this because I was over it a week ago. At first I was really upset, but I’ve spent an entire week where nobody manhandled me, or called me the c-word, or refused to tip me based on, y’know, the lack of smile that came with the pancakes? Like, I have been enjoying the dignity that comes with not being in the restaurant industry for a week, and it’s been a delight.”

Natürlich ist es aus der Ferne schwer zu sagen, was sich abgespielt hat. Aber nach dem, was relativ unstreitig zu sein scheint, scheint sie eine radikale Feministin zu sein, die Männer hasst. Sie scheint es auch für richtig zu halten, dass sie dies allen mitteilt. Und natürlich kann ein Restaurantbesitzer entscheiden, dass das nicht zu seinem Restaurant passt und ihr kündigen. Wenn sie dann anscheinend auch Job und privates nicht trennen kann und Gäste mit ihren Ansichten belästigt, dann finde ich das sogar sehr verständlich.

Erschreckender finde ich aber, dass der Stern den Fall so einseitig wiedergibt. Anscheinend ist der Autor der Auffassung, dass ein wenig Männerfeindlichkeit nicht weiter schlimm ist.

Anscheinend hat man das sogar zu einem gewissen Teil noch gemerkt. Die URL heißt immer noch „feministische-thesen–da-wurde-diese-kellnerin-gefeuert-7313156.html“, was vermuten läßt, dass dies erst die Überschrift des Artikels war. Anscheinend hat der Autor beim Schreiben gemerkt, dass das ja doch nicht ganz ohne ist, und es lieber in „Männerfeindlich“ geändert.

Ob er schlicht zu faul war, seine Bewertung der Vorgänge ebenfalls anzupassen oder es einfach tatsächlich die Männerfeindlichkeit nicht als Grund ansieht wäre interessant

Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass er den gleichen Text geschrieben hätte, wenn sie  „Meine Wünsche gehen zu den Weißen und den zumindest hellhäutigen. Der Rest der Menschen ist mir egal. Führen meine Bemerkungen dazu, dass sich Schwarze schlecht fühlen? Ja, klar!“ gesagt hätte oder eben „“Meine Wünsche gehen zu den Männern und den Jungs. Der Rest der Menschen ist mir egal. Führen meine Bemerkungen dazu, dass sich Frauen schlecht fühlen? Ja, klar!“ gesagt hätte. Dann hätte man sich allenfalls gewundert, wie es ein solcher Sexist/Rassist überhaupt in die Politik geschafft hat und warum sie ihn überhaupt so lange in ihrem Restaurant geduldet haben.

Hier hat man aber anscheinend kein Verständnis dafür, dass ein Restaurantbesitzer eine radikale Person los werden möchte, man freut sich sogar noch, dass gegen ihn zum Boykott aufgerufen wird und er einen wirtschaftlichen Schaden erleidet. Bizarr.

 

Auch ein lesbisches Paar mit Kind ist eine Familie

Unter beiden Tweets findet sich eine umfangreiche Diskussion, die sich insbesondere darum dreht, ob es überhaupt eine Familie sein kann und ob homosexuelle Paare und Kinder zusammenpassen (ich sehe keinen Grund aus dem das nicht passen sollte). Zudem hat wohl die Telekom bzw deren Twitterer einige patzige Antworten gegeben, die die Diskussion zusätzlich befeuert haben.

vgl auch

 

Beziehungsebene und Elternebene

Im Familienrecht geht es wie in kaum einem anderen Rechtsgebiet um Gefühle. Gewollt ist die rechtliche Abwicklung der Auswirkungen einer Gefühlsbindung, also die rationale Neuordnung einer irrationalen Bindung.

Vielen gelingt das durchaus. Es gibt genug Paare, die ganz einvernehmlich zum Anwalt gehen mit dem Ziel, eine saubere und kostengünstige Beendigung der Ehe zu finden. Sie sehen ein, dass es bei ihnen eben nicht geklappt hat und das man bestimmte Punkte regeln muss, damit es weiter gehen kann.

Und natürlich gibt es auch die anderen Fälle, bei denen im Rahmen der Trennung viel Gefühlsporzellan verschlagen worden ist und eine rationale Lösung kaum möglich erscheint. Wo der Schmerz nach der Trennung noch stark ist, sich vielleicht beide verletzt fühlen, weil es nicht geklappt hat, wo einer der beiden bereits einen neuen Partner hat und glücklich scheint, während der andere sich herabgesetzt fühlt, beiseite gestoßen.

Endende Beziehungen hintérlassen oft sehr viele Gefühle und auch das Gefühl des Verletztseins, der Kränkung und auch des Bedürfnisses, dass Leute die einem Nahestehen einen akzeptieren und die eigene Seite verstehen. Und die Kinder stehen einem natürlich am nächsten. Gleichzeitig sind sie das, was einen noch an den Partner bindet, was er von einem braucht, was man kontrollieren kann. Der Umgang mit den Kindern kann da eine gute Waffe sein,um den anderen zu treffen. Aber auch der Kontakt bei der Übergabe kann ein günstiger Moment sein, um den anderen irgend etwas reinzuwürgen, eine Spruch zu machen, oder es kann Ex-Partnern schwer fallen, die frühere Dynamik innerhalb der Beziehung fallen zu lassen, etwa wenn einer der Partner eher dominant war und beruflich erfolgreich und der andere früher immer das getan hat, was der andere gesagt hat, bis es eben zur Trennung kam und er nun nicht mehr diese Stellung des anderen als „der Bessere“ akzeptiert.

Bei Familiengerichten läuft all dies was Umgang und Sorgerecht betrifft unter dem Stichwort:

Akzeptieren, dass die Beziehungsebene gescheitert ist und man eine Elternebene finden muss

Dabei geht es eben genau darum, dass man die Gefühle hinter sich lässt und auf eine funktionale Ebene zurückkehrt, in der man akzeptiert, dass die Beziehung gescheitert ist und alle Vorwürfe aus der Beziehung einen nicht weiterbringen. Stattdessen soll man die Elternstellung des anderen akzeptieren und sich deutlich machen, dass das Kind beide Eltern liebt und man eben für das Kind bestimmte Punkte regeln muss, ohne das die Streitigkeiten aus der Beziehung dabei eine Rolle spielen dürfen, weil eben das Kind nichts dafür kann, dass es mit den beiden nicht geklappt hat. Das Kind hat aus dieser Sicht einen Anspruch darauf, beide Elternteile mögen zu dürfen, ohne dass es deswegen ein schlechtes Gewissen haben muss oder dass es das Gefühl hat, dass es dafür bestraft wird oder einem der Elternteile weh tut.

Das ist häufig leichter gesagt als getan.

Wenn Familiengerichte feststellen, dass in einem Umgangs- oder Sorgerechtsverfahren die Beziehungsebene vorherrscht und die Elternebene in weiter Ferne ist, dann versuchen sie normalerweise einen Vergleich zu schließen, in dem sich die Eltern zusätzlich zu einer Regelung zum Umgangsrecht oder zum Sorgerecht dazu verpflichten, dass beide eine Beratungsstelle aufsuchen, die den Eltern dabei helfen soll, genau diese Elternebene zu finden.

Nach meiner Erfahrung klappt das in hochstreitigen Fällen üblicherweise nicht oder fast nie. Es ist aber gleichzeitig der einzige Weg, den Konflikt dauerhaft zu beseitigen.

Hat einer Erfahrung mit einer solchen Beratung? Wenn ja, dann würde mich ein Bericht interessieren.

Wie findet man aus eurer Sicht am besten zu einer „Elternebene“?

 

#Valentinstag

Ich setze ihn ja aus, aber hier ein paar Tweets zum Anlass: