Stärke der Homophobie nach Ländern

Zwangsvollstreckung in Helbra: Mädchen wird schreiend und heulend aus der Schule geholt

Ein Video macht gerade die Runde:

Aus einem Bericht darüber:

Ein Gerichtsvollzieher hat mit Hilfe der Polizei und Mitarbeitern des Jugendamtes die Entscheidung des Oberlandesgerichtes durchgesetzt, dass ein achtjähriges Mädchen nicht mehr bei dem Kindesvater, sondern in Zukunft bei seiner Mutter aufwachsen soll.

„Sie haben sie mit Gewalt rausgeholt, gegen ihren Willen“, sagt Maik W. (Name geändert), der Vater des Kindes. Er ist entsetzt, wie es abgelaufen ist. Wohlwissend, dass der Gerichtsvollzieher in diesen Tagen zur Schule kommen würde, hält er sich am Montag dort auf.

Als die Vollstreckung beginnt, wird er des Schulgeländes verwiesen. Es gelingt ihm jedoch über eine Mauer hinweg die Vorgänge zu filmen und seiner Tochter zuzurufen

Ein anderer Bericht von der Facebookseite des Vaters, der dort recht leicht zu finden ist:

Helbra Polizei vollstreckt bei schreienden Kind

Helbra Polizei vollstreckt bei schreienden Kind

Natürlich ist die Situation schrecklich, für das Kind erst recht, für den Vater sicherlich auch, aber natürlich auch für die Beamten, die hier ihren Job machen müssen und nun als die Bösen dastehen.

Aus meiner Sicht trägt aber der Vater einen Großteil der Schuld hier. Er hat anscheinend ein Gerichtsverfahren verloren bezüglich der Herausgabe des Kindes. Das ist natürlich hart, aber einer der Gründe war wohl, dass er weniger bereit war Kontakt der Mutter zum Kind zuzulassen. Die Entscheidung selbst und deren Einzelheiten kennt man leider nicht, aber sie vorschnell als Ungerecht abzustempeln, weil der Mann verloren hat, macht die Sache sehr einfach. Sie als ungerecht abzustempeln, weil sie vollstreckt worden ist erst recht.

Nach der Entscheidung hatte der Vater mehrer Monate Gelegenheit sein Kind vorzubereiten und den Umzug einzuleiten. Er hat es anscheinend immer weiter herausgezögert und es spricht vieles dafür, dass er mit einer Entfremdung des Kindes von der Mutter gearbeitet hat, wenn man die Reaktion des Kindes sieht. Solche Reaktionen – lieber ins Heim als zu dem Anderen – sind ein sehr häufiges Zeichen für ein Parental Alienation Syndrome . Wer dies im Umgang und in sonstigen Konstellationen kritisch sieht, der sollte das auch hier kritisch sehen. Ich sage dabei nicht, dass er das bewußt gemacht hat und meine „Diagnose“ beruht auch nur auf dem, was ich dazu gelesen habe, aber es passt sehr gut zu dem, was ich bei anderen Fällen dieser Art gesehen und gelesen habe.

Er hatte also mehrere Monate Zeit, dann gab es noch einmal ein Verfahren, der Gerichtsvollzieher wird ihn vorher auch noch einmal angeschrieben haben und ihm mitgeteilt haben, dass es wesentlich besser für ihn und das Kind ist, wenn er es nicht mit Hilfe des Jugendamtes und der Polizei abholen muss, dann hat man ihm den Termin mitgeteilt und er hat das Kind da hingehen lassen und sich mit einer Kamera „auf die Lauer gelegt“ um es zu filmen? Zynisch möchte man sagen, dass es kein Wunder ist, dass das Kind so schreit, wenn der Vater seine letzte Hoffnung darauf setzt, dass der Abtransport seines Kindes möglichst brutal wird.  Er wird ihr wie man angesichts der Äußerung „Lieber ins Heim als zur Mutter“ schlicht sehr viel Angst gemacht haben und sie in einen argen Loyalitätskonflikt gestürzt haben, bei dem die Verteufelung der Mutter der einzige Weg ist.

Der Gerichtsvollzieher und das Jugendamt konnten hier auch nichts anderes machen als vollstrecken. Sie müssen das Urteil ja umsetzen. Sie dürften sich auch beschissen gefühlt haben als Bühne des Vaters genutzt zu werden.

Natürlich muss man dabei auch beachten, dass dieser sicherlich in einer Ausnahmesituation ist. Er wird sein Kind lieben und keinen anderen Weg gesehen haben.

Ein tragischer Fall also, keine Frage, aber ich finde die Verurteilung etwas einseitig nach dem, was man weiß.

Selbstmach Samstag 178 (10.03.2018)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, der ist dazu herzlich eingeladen.

Beziehungen

Ich fühle mich wohl in meiner Beziehung. Wir stützen und ergänzen uns gegenseitig, sie setzt sich für mich ein und ich mich für sie. Ich kenne sie inzwischen so gut, dass ich vieles über sie voraussagen kann und sie natürlich auch über mich. Es ist schön zu ihr nach Hause zu kommen und mit ihr ist es nicht langweilig. Sie hat ihre Eigenarten und ich die meinen und sicherlich ist bei uns beiden nicht alles perfekt, aber es klappt. Wir müssen nicht alles zusammen machen, wir können auch gut mal etwas ohne den anderen machen, aber das allermeiste machen wir zusammen.

Natürlich streiten wir uns auch mal oder haben andere Vorstellungen von bestimmten Punkten, aber das ist nicht von langer Dauer.

Ich habe nicht das Gefühl, dass einer den anderen ausnutzt, in vielen Bereichen sind Aufgaben klar verteilt, teilweise sehr klischeehaft: Sie würde nie etwas reparieren. Dafür putzt sie mehr als ich. Ich repariere dafür gerne, putze aber weniger gerne.

Es sind viele Kleinigkeiten, die das Leben zusammen schön machen.

Natürlich weiß ich auch, dass viele schon so sehr schöne Beziehungen gehabt haben, die dann gescheitert sind. Aber was wäre das Leben, wenn man sich davon von einer Beziehung abhalten lässt?

Es ist kein großer Text über die perfekte Beziehung, es ist einfach etwas, was für mich passt und hoffentlich auch weiterhin passen wird. Die perfekte Beziehung wird es auch nicht geben, jeder muss das für sich passende finde.

Heute haben wir einen Beziehungsjahrestag. Ich freue mich auf viele weitere

Siehe auch:

 

 

 

„Betroffene entscheiden, wer Betroffener ist“

Anti-Sexismus-Gesetze in Belgien: Beleidigungen aufgrund des Geschlechts sind strafbar

In Belgien ist wohl die erste Person wegen sexistischer Beleidigung verurteilt worden, ein Mann, der meinte, dass eine Frau nicht als Polizistin geeignet ist:

A man has been convicted of sexism in a public place for the first time under a new law in Belgium.

A court in Brussels fined him €3,000 for insulting a police officer because of her gender, Le Soir reported.

It comes as France prepares to create an offence of street harassment, described as “sexist and sexual outrage”.

The Belgian case involved a driver who was stopped for breaking the highway code. The young man – who has not been identified – insulted the police officer because of her gender, the court heard.

He was reported to have said she would be better off doing a job “adapted to women”, in a scene witnessed by several other people. 

The driver was found guilty of three charges: contempt of a police officer, making threats and sexist remarks in public, and a serious violation of another person’s dignity because of her gender.

He was warned that if he failed to pay the fine, a prison term of a month would be imposed.

Es ist immer schwer fremde Rechtsgebiete nachzuvollziehen, wenn man sie nur aus kurzen Artikeln kennt. Hier klingt es etwas so als hätte er 30 Tagessätze a 100 € bekommen, was auch in Deutschland bei sehr nachhaltigen Beleidigungen ausgeurteilt werden kann.

Das eine Geldstrafe, die nicht vollstreckt werden kann, dann durch Haft abgegolten wird, ist auch nichts ungewöhnliches. Es ist im deutschen Recht auch so geregelt:

§ 43 Ersatzfreiheitsstrafe
1An die Stelle einer uneinbringlichen Geldstrafe tritt Freiheitsstrafe. 2Einem Tagessatz entspricht ein Tag Freiheitsstrafe. 3Das Mindestmaß der Ersatzfreiheitsstrafe ist ein Tag.

Er hat sie auch definitiv beleidigt, insofern ist mein Mitleid recht begrenzt und er eignet sich wenig als Held.

Aus dem Text weiter:

The law arose out of a widespread social debate in Belgium in 2012, after a documentary entitled Women of the Street revealed commonplace sexism in public. It showed a woman being insulted and receiving unsolicited proposals and hisses as she walked in Brussels.

Under the law, any behaviour expressing “contempt towards a person, because of their sexuality” or treating a person as “inferior or as reduced essentially to their sexual dimension“, which entails a serious attack on their dignity is punishable by up to a year in prison and/or a fine.

Also etwa der Strafrahmen, den eine Beleidigung bei uns auch hat.

Problematisch könnte hier sein, dass auch recht harmlose Sprüche kriminalisiert werden, was aber durch eine vernünftige Handhabung bei der Vorsatzprüfung aufgefangen werden könnte.

Interessanter würde ich es finden, ob es ein Feministisches Eigentor werden könnte, da Feministinnen ja eigentlich beständig Personen wegen ihrer Sexualität abwerten oder als weniger Wert ansehen.

#Weltfrauentag

 

„Ist der Feminismus zu weit gegangen?“

Margarete Stokowoski sinniert über eine berechtigte Frage: „Ist der Feminismus zu weit gegangen?

Wird sie die diesbezügliche Debatte aufgreifen, sich der Kritik stellen und den Feminismus kritisch hinterfragen. Ihr seid sicherlich alle gespannt…

Hab gehört, der Feminismus sei zu weit gegangen. Interessant! Dass man das seit 200 Jahren ungeniert behaupten kann. Wie weit ist er denn inzwischen? Es ist manchmal schwer zu sehen, wie weit man ist, wenn man mittendrin steckt, und wenn nicht ganz klar ist, was der Vergleich ist.

Tatsächlich kann man zu weit gehen, auch wenn berechtigte Ziele noch nicht erreicht worden sind.

Ein einfaches Beispiel wäre, dass einem jemand Geld schuldet und man deswegen nicht einfach nur klagt, sondern ihm Schläger auf den Hals hetzt.

In einem niedrigen Schritt wäre es auch falsch, Theorien zu entwickeln, nach denen alle, denen jemand Geld schuldet, machtlos sind, die Geldbehalter ihn unterdrücken und das mit einer Deutungshoheit für alle Geldwoller zu verbinden: Wenn jemand das Gefühl hat, dass der andere ihm Geld schuldet, dann sollte der andere das nicht hinterfragen, sondern sofort auszahlen.

Die meisten Menschen zumindest in den zivilisierteren Ländern sind vollkommen damit einverstanden, dass Frauen gleiche Rechte wollen. Sie würden das teilweise allerdings auch noch gerne mit gleichen Pflichten verbinden und wenden sich zudem gegen einseitige Schuldzuschreibungen und hinterfragen „Diskriminierungen“ auch kritisch darauf, ob es tatsächlich Diskriminierungen sind und sie nicht schlicht auf unterschiedlichen Verhalten von Mann und Frau beruhen.

Zudem wirkt sich die Identitätspolitik sehr stark aus: Es wird im intersektionalen Feminismus alles star in binären Gruppen eingeteilt: Entweder man ist privilegiert oder nicht. Zwar gibt es verschiedene Kategorien wie Rasse, Geschlecht, Sexualität, aber das macht die Behandlung innerhalb der Gruppen nicht weniger willkürlich, gerade bei Geschlecht. Und diese Gruppenbildung wird dann noch so ausgebaut, dass da diejeweiligen Gegeneinander stehen: Männer gegen Frauen, Schwule und Lesben gegen Heteros, CIS gegen Trans, Schwarze gegen Weiße, alles wird als Nullsummenspiel um Macht dargestellt, bei dem die eine Seite der anderen Seite etwas vorenthält. Und damit auch eine Einteilung in Gut und Böse vorgenommen, damit also auch dämomisiert. Die Erfolge sieht man leider auf vielen feministischen Seiten, etwa in Beiträgen wie diesem auf dem Blog der Mädchenmannschaft, immerhin der größte deutsche feministische Blog:

klar, wer möchte schon zugeben, dass er_sie im herzen dabei ist (literally), welche körper und identitäten als begehrenswert vorgestellt und hergestellt werden oder welche menschen objekte deines creepy fetischs sind?! wer möchte schon gerne zugeben, sich berechtigterweise über typen von mansplainer bis mörder und vergewaltiger und die normalität von patriarchalen gewalt/verhältnissen aufzuregen, aber kein problem damit zu haben typen in unserem leben raum zu geben und ihre existenz in unserem leben mit kackscheiße als feministisch zu verteidigen. aber die rechtfertigung „ich bin halt so“??? wow, stell dir vor, du bist so ignorant, dass deine kognitive dissonanz dir nix anhaben kann.+

Mit Typen zu schlafen bedeutet eben bei dieser Betrachtung und einer Verinnerlichung des Schwarz-Weiß-Denkens, Männern in seinem Leben Raum zu geben, obwohl Männer Mansplainer, Mörder und Vergewaltiger sind.

Oder eben mit Tweets wie diesen:

geht der Feminismus zu weit?

geht der Feminismus zu weit?

geht der Feminismus zu weit?

geht der Feminismus zu weit?

Es gibt also durchaus Ansatzpunkte bei denen man die Meinung vertreten kann, dass der Feminismus zu weit geht.

Ich schreibe fast immer nachts, und die Kolumne eigentlich immer in der Nacht vor dem Morgen, an dem ich sie abgeben muss, und rechtfertige diese Kurzfristigkeit vor mir selbst und allen anderen damit, dass ja im Laufe des Montags noch etwas Wichtiges passieren könnte, das für meinen Themenbereich relevant ist. Ein Kollege hat sich mal darüber lustig gemacht, er meinte, haha, wie so eine Kriegsberichterstatterin, die genau sagen muss, an welchem Punkt steht JETZT GENAU die feministische Bewegung? Mit Breitengrad und Uhrzeit und so weiter.

Kommt jetzt die kritische Analyse? Ein Überblick über die verschiedenen Richtungen, was sie unterscheidet und welche Mittel sie für geeignet halten und ob sie das auch tatsächlich sind?

Aber in der Woche vom Frauentag kann man schon mal fragen: Wo stehen wir denn gerade?

Komplett unklare Frage, leider. Es ist unklar, wer „wir“ ist, es ist unklar, was „stehen“ ist, wenn wir gar nicht stehenbleiben wollen, und es ist unklar, was „gerade“ heißt, wenn bald Jens Spahn Gesundheitsminister wird. Kriege direkt das Gefühl, die nächsten dreieinhalb Jahre noch sehr aufmerksam verhüten zu müssen.

Jens Spahn ist also anscheinend die große Gefahr für den Feminismus. Weil er als Gesundheitsminister auch direkt die Abtreibung erschweren kann. Da ist es natürlich verständlich, dass der radikale Feminismus binäre Gruppenzuweisungen macht, in Gut und Böse unterteilt und Mitglieder Männer recht undifferenziert für Mörder, Vergewaltiger und *gasp* Mansplainer halten.

Pinkeln im Scheinwerferlicht

Doch was sind dreieinhalb Jahre. Vor 100 Jahren wurde in Deutschland das Frauenwahlrecht eingeführt. Im Vergleich dazu sind wir extrem viel weiter. Aber jede Veränderung wird von Panik begleitet. Manchmal ganz praktische Ängste. Es gibt ein Poster aus Amerika aus der Anti-Frauenrechts-Bewegung, darauf ist eine Hose abgebildet und dazu die Frage: Was werden Männer tragen, wenn Frauen Hosen tragen? Ja, schlimm. Lieber nackt als in etwas, was dann als Frauenkleidung gelten könnte.

Auch brutal. Männliche Identitätspolitik über Kleidungsstücke war also schlecht, lasst uns unsere eigene Identitätspolitik dagegen stellen, das wird sicherlich besser sein.

Aber die Angst ist nicht nur bei Männern groß. Bei der Recherche für einen Essay habe ich mir in der letzten Woche alle deutschen Talksendungen der vergangenen Monate zum Thema Sexismus angesehen, die ich gefunden habe. Es ist so ziemlich immer eine Frau eingeladen, die sagt, dass Frauen sich beim Thema Sexismus, Belästigung und Vergewaltigung zu dumm anstellen. Dass sie übertreiben und sich nicht hart genug wehren und dass sie zu lange darüber schweigen. Dass das Sexualstrafrecht heute ausreicht und Frauen bei Polizei und Gerichten eigentlich immer Gehör finden, wenn ihnen was passiert ist.

Das Sexualstrafrecht reicht auch aus. Was Feministinnen eigentlich meinen ist eher die Unschuldsvermutung, die vieles erschwert. Und tatsächlich: Auch viele Frauen sind schlau genug den Wert dieser zu erkennen, auch wenn damit nicht jeder einer Vergewaltigung Beschuldigte direkt verurteilt werden kann. Sie glauben auch nicht an eine Rape Culture, was aber für eine Feministin wohl an sich schon zum einen nicht hinterfragbar und zum anderen ein absolutes Unding ist.

Diese Frauen sagen das, obwohl die Erzählungen Tausender Frauen und Verurteilungsraten dagegen sprechen. Sie fahren in eine Talksendung, setzen sich da hin, und pinkeln im Schweinwerferlicht einer riesigen Menge von Frauen ans Bein. Ich bin manchmal wütend auf Männer, die sich ekelhaft verhalten, aber genauso wütend bin ich auf diese Frauen, denn ich kann mich nicht entscheiden, wen ich schlimmer finde.

Und wegen dieser Frauen, die einfach eine andere Meinung haben, etwa einen verdammten Rechtsstaat wollen, brauchen wir Feminismus!!!11elf!

Leider hinterfragt sie auch hier wieder wenig an der Kritik: Denn genügend Experten haben eben darauf hingewiesen, dass die Verschärfungen eher Sonderfälle betreffen und die Beweisprobleme keineswegs beseitigen, weil die in einem Rechtsstaat immer bestehen müssen. Sie stellt auch nicht dar, was für eine Regelung eigentlich dazu führen würde, dass man den Feminismus nicht mehr braucht. Und das wäre ja die Stelle an der es interessant wird. Wo man hinterfragen muss, ob es etwas zu radikales ist.

Ich habe hier mal über Sexismus von Frauen geschrieben. Soweit ich sehe, hat mir niemand danach vorgeworfen, ich würde Frauen hassen. Der Vorwurf des Männerhasses kommt hingegen immer noch schnell, wenn es zum Beispiel um sexualisierte Gewalt gegen Frauen geht. Das mit dem Männerhass ist nervig, weil es falsch ist, aber es ist auch interessant. Okay, nicht so interessant, weil: Man kennt es. Aber interessant in folgender Hinsicht: Denn wenn eine Gesellschaft – vereinfacht gesprochen – zum Nachteil von Frauen eingerichtet ist, dann wirkt vieles, was zur Gleichberechtigung getan wird, wie Männerhass. Grüße an die Frauenquote.

Männerhass wird Feministinnen vorgeworfen, weil sie teilweise schlicht Männer hassen. Man nehme Leute wie Lantzschi oben, die meint, dass man schon ein Verräter am weiblichen Geschlecht wird, wenn man nicht lesbisch ist oder zumindest abstinent lebt, denn mit Männern schlafen ist mit dem Feind schlafen.

Es sind die Vorhalte „Toxischer Männlichkeit“ oder Thesen, dass eben die Männer an allem schuld sind und sich ändern müssten, ohne das man die Anteile der Frauen berücksichtigt und auch die positiven Seiten von männlichen Einsatz und Wettbewerb erwähnt.

Es ist die Einseitigkeit, die dem Feminismus eigen ist, der eben nur in Nullsummenspielen denken kann.

Feindselige Frauen

Gleichzeitig gibt es aber einen festgetretenen Bodensatz an Frauenhass, -verachtung, -beschuldigung oder ähnlichen Haltungen, die so alltäglich sind, dass sie auch aufgeklärten, offenen, intelligenten Leuten oft nicht auffallen. Frauenhass bleibt oft unentdeckt, während Männerhass schnell als Argument gegen Veränderung aufgebracht wird.

Was man auch sehr gut am Feminismus kritisieren kann:

  1. Definiere Frauen als die einzigen, die diskriminiert werden können
  2. Definiere jede Nachteil und jede ungünstige Abweichung von einer 50% / 50% Verteilung bei den Geschlechtern unabhängig von den Gründen, auf denen sie beruhen, zu einer Diskriminierung
  3. Definiere alles Nachteile als auf strukturellen Benachteiligungen und/oder Geschlechterrollen beruhend
  4. Gehe davon aus, dass jede noch so kleinste Handlung, die im Sinne einer Bestätigung oder Benachteiligung der Geschlechterrollen ausgelegt werden kann als unentschuldbare Stützung der Geschlechterrollen (Microaggression)
  5. Blende alles aus, wo Frauen Vorteile haben, Macht ausüben, Männer etwas machen, weil es bei Frauen gut ankommt oder definiere es um in etwas, was eigentlich doch nachteilig ist (zur Not: „Der Vorteil führt dazu, dass Frauen in den Rollen gehalten werden, die für sie Nachteiliger sind“) oder laste es den von Männern geschaffenen System an (Frauen können ja im Patriarchat nicht anders, es ist die einzige Möglichkeit wie Frauen an der Gesellschaft teilhaben können, wären sie gleichberechtigt, dann…)
  6. Stelle auf dieser Basis fest, dass Frauenhass weit verbreitet sind und sie an jeder Stelle benachteiligt sind
  7. Rechtfertige damit, dass man noch mehr Feminismus braucht, der noch mehr dem oben dargelegten Schema folgt

Natürlich sieht man auf diesem Weg überall Frauenhass. Nur ist er häufig gar nicht vorhanden und erst recht nicht so tief in der Gesellschaft verankert, wie sie es anführen will.

Als im Januar ein Student angeklagt wurde, seine Kommilitonin mit einem Jagdmesser ermordet zu haben, aus Frustration darüber, dass sie ihn abgelehnt habe, schrieb „Welt Online“ darüber: „Unerwiderte Liebe in Thüringen“. Ich weiß natürlich aus der Ferne nicht, ob der Student alle Frauen gehasst hat, aber dass er diese Frau geliebt hat, davon würde ich mal nicht ausgehen.

Tatsächlich sah die Überschrift so aus:

Die Polizei hatte auch in der Tat „unerwiderte Liebe“ als Motiv angegeben. Diese unerwiderte Liebe schlug dann sicherlich in einen Hass um, aber Liebe und Hass sind auch nicht per se Widersätze, Liebe und Gleichgültigkeit sind dies weitaus eher. Gerade weil man jemanden liebt kann man ihm Sachen ganz besonders übel nehmen oder es nicht ertragen, dass er einen nicht will.

Eher als ein allgemeiner Hass auf Frauen dürften Mechanismen wie aus den Ufern gelaufenes „Mate Guarding“ diese Tat weitaus eher beschreiben.

Aber das man Gewalt gegen Männer nicht als solche wertet ist natürlich auch nicht selten:

Die Waffen der Frau - Das Nudelholz

Die Waffen der Frau – Das Nudelholz

Hier geht es nicht darum, dass sie ihn mit einem schweren Stück Holz erheblichen Schaden zufügt, sondern schlicht darum, dass sie ihn (zu Recht) bestrafen wird, weil er zu spät nach Hause kommt.

Und bei einem weiblichen Opfer würde man wohl so eine Schlagzeile auch nicht finden:

Hier wurde ein Mann zu Sex gezwungen.

Fünf Stunden lang hatte eine sexhungrige Frau (47) den armen Discjockey Dieter S. (43) bei sich eingesperrt und immer neue Höchstleistungen von ihm gefordert. Nach acht Liebesakten rettete die Sex-Geisel sich auf den Balkon und alarmierte die Polizei.

Wann würde je so über eine Vergewaltigung berichtet werden:

Fünf Stunden hatte ein sexhungriger Mann die arme Verkäuferin bei sich eingesperrt und immer neue Höchstleistungen von ihm gefordert. Nach acht Liebesakten rettete sich die Sex-Geisel auf den Balkon und alamierte die Polizei

In genug Filmen ist Gewalt gegen Männer ein guter Witz und man wäre überrascht, wenn er einiges an schlechten Verhalten nicht einfach hinnimmt, sondern entsprechend reagiert.

Aber so etwas würde natürlich in der Betrachtung einer Feministin erst gar nicht auftauchen.

Im Gegensatz dazu werden Wut und Zorn von Frauen oft besonders stark wahrgenommen. In der „New York Times“ hat Leslie Jamison neulich darüber geschrieben, dass sie früher nie wütend sein wollte, sondern lieber traurig oder melancholisch. Obwohl sie genug Gründe für Wut hatte. Sie zitiert verschiedene Studien zur Wahrnehmung von Wut bei Frauen. Sie werden eher „gehässig“ oder „feindselig“ genannt, während wütende Männer eher „stark“ genannt werden. Eine andere Studie stellte fest, dass weibliche Gesichter, die Wut ausdrücken, als feindlicher bewertet werden als männliche. Vielleicht, als wenn „ihr Verstoß gegen gesellschaftliche Erwartungen ihren Zorn noch extremer scheinen lässt“, schreibt Jaminson.

Aus dem von ihr verlinkten Text:

The phenomenon of female anger has often been turned against itself, the figure of the angry woman reframed as threat — not the one who has been harmed, but the one bent on harming. She conjures a lineage of threatening archetypes: the harpy and her talons, the witch and her spells, the medusa and her writhing locks. The notion that female anger is unnatural or destructive is learned young; children report perceiving displays of anger as more acceptable from boys than from girls. According to a review of studies of gender and anger written in 2000 by Ann M. Kring, a psychology professor at the University of California, Berkeley, men and women self-report “anger episodes” with comparable degrees of frequency, but women report experiencing more shame and embarrassment in their aftermath. People are more likely to use words like “bitchy” and “hostile” to describe female anger, while male anger is more likely to be described as “strong.” Kring reported that men are more likely to express their anger by physically assaulting objects or verbally attacking other people, while women are more likely to cry when they get angry, as if their bodies are forcibly returning them to the appearance of the emotion — sadness — with which they are most commonly associated.

Das wäre dann diese Studie: Abstract /Sci-Hub-Volltext

Dort heißt es, dass Frauen  ihren Zorn eher gegen ihren Partner und andere Personen aus dem näheren Umfeld richten, Männer hingegen ihn eher gegen andere Männer richten.

Die Idee, dass Frauen sich vielleicht eher in etwas hineinsteigern und tatsächlich eher „Bitchy“ und „feindselig“ sind, gerade wenn sie lange Zeit nicht mehr mit ihrem Partner sprechen oder ihn aufs Sofa schicken oder ihm erst die Verfehlungen des letzten Jahres vorhalten und dann, dass er ja noch nie wollte, dass ihre Mutter mal zu Besuch kommt, der wäre wahrscheinlich auch wieder Frauenfeindlich, weil er nicht anerkennt, dass Frauen hier unterdrückt werden.

Ebenso wohl die Idee, dass Männer und Frauen ihren Ärger verschieden ausdrücken. In der Studie steht beispielsweise, dass Frauen dabei eher weinen als Männer, was auch einer Bewertung als „stark“ eher abträglich sein dürfte

A 2016 study found that it took longer for people to correctly identify the gender of female faces displaying an angry expression, as if the emotion had wandered out of its natural habitat by finding its way to their features.

Die Studie habe ich nicht gefunden. Aber die Deutung ist wohl etwas gewagt. Es könnte auch schlicht sein, dass unsere Sinne männlichen Ärger besser identifizieren können, weil er eher erkannt werden musste, da er eher zu körperlicher Gewalt führte. Es kann auch sein, dass Männer ihn deutlicher signalisieren, einfach weil auch das evolutionär eher gefördert worden sein kann, damit der andere merkt, dass die Situation eskalieren kann

A 1990 study conducted by the psychologists Ulf Dimberg and L.O. Lundquist found that when female faces are recognized as angry, their expressions are rated as more hostile than comparable expressions on the faces of men — as if their violation of social expectations had already made their anger seem more extreme, increasing its volume beyond what could be tolerated.

Das wäre diese Studie glaube ich:

This study explored whether males and females differ in facial muscle reactivity when exposed to facial expressions. The study also examined whether the sex of the stimulus faces differentially influences the response patterns to facial stimuli. Thus, the sex was manipulated in a 2×2 factorial design by exposing males and females to slides of angry and happy faces displayed by both sexes. Facial electromyographic (EMG) activity was measured from the corrugator and zygomatic muscle regions. The subjects were also required to rate the stimuli on different dimensions. The results showed that angry faces evoked increased corrugator activity whereas happy faces evoked increased zygomatic activity. As predicted, these effects were more pronounced for females, particularly for the response to happy faces. Interestingly, there were no facial EMG effects for gender of stimulus. It was further found that males and females perceived the stimuli similarly. The results are consistent with previous findings indicating that females are more facially reactive than are males.

Die Studie scheint es hier darauf zurückzuführen, dass auf ärgerliche Gesichter auch deutlicher signalisiert wird von Frauen und sie mehr Ärger verdeutlichen, also anscheinend dann die Gesichter mehr Spiegeln als Männer. Was ja dann auch dazu führt, dass man sie eher als solche erkennt.

Ist der Feminismus zu weit gegangen? Natürlich! Es gehört zum Wesen des Feminismus, „zu weit zu gehen“ für die aktuell geltenden Normen. Weil sich sonst nichts verändert. Als Frauen an die Unis wollten, hieß es irgendwann: Ja, sie können als Gasthörerinnen schon zuhören, aber müssen sie Abschlüsse machen? Wozu denn? Ja, nun, weil man einfach gerne zu Ende bringt, was man angefangen hat, und das gilt nicht zuletzt für Revolutionen.

Ist die Hexenverbrennung zu weit gegangen? Natürlich, es gehört zum Wesen der Inquisition zu weit zu gehen für das Empfinden weniger Gläubiger. Weil sonst die Seelen ja nicht gerettet werden und Satan gewinnt. Als wir die ersten Frauen verbrennen wollten, um Ernten zu retten, hieß es noch das könnte ja auch ein einfach so entstandenes Unwetter gewesen sein, welches die Ernte verhagelte. Muss man sie wirklich verbrennen? Wozu denn? Ja, nun, weil man einfach gerne zu Ende bringt, was man angefangen hat, und das gilt nicht zuletzt für das Kampf um das Seelenheil Aller.

Klingt nicht wirklich überzeugend?

Könnte daran liegen, dass es keine wirkliche Argumentation ist. Sie befasst sich nicht mit Grenzen, man kann sie mit beliebigen Inhalten füllen, auch mit welchen, die eben deutlich als falsch zu erkennen sind. Den gleichen Text könnte man auf Sklaverei, die Judenverfolgung in der Nazizeit oder beliebige andere Untaten verwenden, weil er die Taten und Folgen nicht eingrenzt. Er geht nicht darauf ein, dass ein Ziel gerecht ist und schaut nicht, ob die Taten angemessen sind oder auch nur ob sie das Ziel überhaupt erreichen können und nicht eigentlich etwas schlimmeres bewirken.

Es ist ein simples „unser Ziel ist gut, also heiligt es alle Mittel um es zu erreichen, und wo gehobelt wird da fallen eben Späne“.

Es nimmt mit dem Hinweis darauf das „was passieren muss“ und das „Die Revolution weiterlaufen muss“ eine Rechtfertigung vor, die ohne Inhalt ist.

Selbermach Mittwoch 153 (07.03.2018)

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Männer und Frauen in Führungspositionen zeigen gleiche Persönlichkeitseigenschaften

Ein Leser wies mich auf diese Studie hin, die die Aussagen von Jordan Peterson stützt, dass Frauen, die Karriere machen, die gleichen Eigenschaften wie Männer haben (nur das diese eben insgesamt bei Frauen seltener sind).

Highlights

Beliefs that female and male leaders are fundamentally different are widespread.

This study systematically compares personality traits of male and female executives.

Male and female executives reflect highly similar populations.

Similar patterns of traits separate executives from non-executives across genders.

Selection pressures on these agentic traits are stronger among women than among men.

Abstract

It is widely believed that female and male leaders have fundamentally different characteristics and styles, which are thought to explain why organizations with more gender-diverse top management teams perform somewhat better. Unfortunately, few studies have concretely specified such differences or examined whether men and women in leadership roles, particularly executives, indeed differ on core psychological characteristics such as personality traits. Drawing on three alternative perspectives on the roles of personality and gender in leadership ascendancy, this study (a) examined whether men and women are more similar among executives than among non-executive employees, and (b) tested whether similar traits distinguish executives from lower-level employees across genders. Data were from a large (N = 577) sample of European executives (434 male, 143 female) and 52,139 non-executive employees (34,496 male, 17,643 female) who completed high-stakes personality assessments. Results generally supported a gender-similarities perspective. Gender differences on leadership emergence-relevant traits (i.e., Conscientiousness, Emotional Stability, Extraversion) were smaller among executives compared to non-executives. Further, similar traits distinguished executives from non-executives across genders. Both male and female executives tend to demonstrate an archetypical “leader personality” focused on assertiveness, high-level strategic thinking, and decisiveness. However, results also showed that hierarchical level differences in personality were much more strongly pronounced among women than men. Implications for gender equity in organizational leadership are discussed.

Quelle: Personality characteristics of male and female executives: Distinct pathways to success?

Männer und Frauen zeigen also die gleichen Eigenschaften, wobei die Differenz zwischen Männern, die Führungspositionen haben und Männer, die sie nicht haben und Frauen, die Führungspositionen haben und Frauen, die sie nicht haben, größer ist.

Aus einer Besprechung der Studie:

Men and women in non-leadership roles differed in their personality traits in ways consistent with the existing literature – for instance, women scored higher than men on characteristics associated with being more agreeable, such as being cooperative and people-oriented, while scoring lower on emotional stability and aspects of extraversion. In contrast, the personalities of male and female bosses were far more similar, with many sex-linked differences absent altogether or greatly attenuated (although the women still scored higher on aspects of agreeableness).

“…[M]en and women in executive positions demonstrate a similar pattern of classically masculine personality traits,” the researchers said.

This picture was reinforced by the within-sex personality comparisons between bosses and non-bosses. Whereas the personality of female managers contrasted sharply with the traits of non-managerial women, male bosses were not so different in their traits from non-managerial men. “Women tend to be lower on traits that lead individuals to pursue and be selected for leadership roles,” the researchers said.

Passt also gut zu Petersons Angaben. Wird man bei zukünftigen Diskussionen noch gut gebrauchen können.